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Personalwechsel sind Dieter Rampls Sache nicht. Der HypoVereinsbank-Chef arbeitet lieber mit bewährten und vor allem ihm vertrauten Kollegen zusammen. Dass er jetzt doch eine große Lösung sucht und drei von bald sieben Vorstandsposten neu besetzen will, hat mehrere Gründe. Die Hoffnung auf bessere Zeiten beim zweitgrößten Geldhaus der Republik bleibt dabei eher vage. Rampls Gründe im einzelnen: Die HVB muss zuerst und vor allem im Kerngeschäft mit Privat- und Firmenkunden dringend profitabler werden. Schafft sie dies nach mehreren erfolglosen Versuchen auch 2005 nicht, ist es nur eine Frage der Zeit, bis sie zum billigen Übernahmeziel für die Konkurrenz wird. Zu viele Altlasten Bislang haben sich Aufkäufer zurückgehalten mit dem Argument, die Bank habe noch zu viele Altlasten zu bereinigen und Personal abzubauen. Aber spätestens wenn das angekündigte nächste Sparprogramm greift, muss dies direkt auf die Erträge in der Deutschland-Sparte durchschlagen. Nur dann kann der Aktienkurs deutlich steigen und externe Bieter abschrecken. Gleichzeitig müssen die neuen Konzernvorstände Christine Licci und Johann Berger das Kunststück schaffen, zu sanieren, ohne dass es den vier Millionen HVB-Kunden auffällt. Das Ziel Neukunden Der Konkurrenzkampf tobt; alle Wettbewerber haben das Ziel, kurzfristig Neukunden zu gewinnen. Grund Nummer zwei: Rampl will die erfolgreiche Tochter Bank Austria, die derzeit rund 60 Prozent der Börsenbewertung der HVB ausmacht, enger an die Mutter binden. Was der Fusionsvertrag formal kaum möglich macht, sollen die richtigen Personen in entsprechender Stellung richten. Statt des operativ erfolgreichen, aber harten Sparkommissars Gerhard Randa soll demnächst der Rampl-Vertraute Michael Mendel das Geschäftsfeld Österreich und Osteuropa leiten. Wende bislang nicht geschafft Mendel hat Verdienste im Firmenkundengeschäft und ist beliebt bei vielen BA-CA-Mitarbeitern. Die Wende im Privatkundensegment hat er bisher als Deutschland-Chef nicht geschafft. Das Argument der notwendigen Verjüngung der HVB-Chefetage schließlich, mit dem Rampl dem Umbau des Vorstands verkauft, klingt elegant, ist aber zweitrangig. Kein Wert an sich Anders als im Sport ist Jugend im Wirtschaftsleben kein Wert an sich. Die neuen Leute in der Führungsriege passen sicherlich gut auf ihre Stellenbeschreibung. Wenn sie die Hoffnungen erfüllen, kann die Bank länger mit ihnen planen, was der Ruhe und Konzentration aller auf das Kerngeschäft dient. Wenn nicht, wird auch der 57-jährige Rampl Mühe haben, seinen bis 2007 laufenden Vertrag erfüllen zu dürfen. | Personalwechsel sind Dieter Rampls Sache nicht. Der HypoVereinsbank-Chef arbeitet lieber mit bewährten und vor allem ihm vertrauten Kollegen zusammen. Dass er jetzt doch eine große Lösung sucht und drei von bald sieben Vorstandsposten neu besetzen will, hat mehrere Gründe. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/kommentar-sanieren-und-kunden-gewinnen-1.907801 | Kommentar - Sanieren und Kunden gewinnen | 00/05/2010 |
Zur Rettung des verlustreichen Mobilfunkbereichs hat sich der Konzern mit dem taiwanesischen Hersteller scheinbar auf ein Joint Venture geeinigt. Siemens soll auch weiterhin als eigenständige Handy-Marke erhalten bleiben. Wie die Financial Times Deutschland berichtete, einigten sich die Konzerne auf ein Gemeinschaftsunternehmen. Detailansicht öffnen Der taiwanesische Hersteller BenQ erzielt 60 Prozent seines Umsatzes für andere Unternehmen. (Foto: Foto: AP) Eine Siemens-Sprecherin lehnte eine Stellungnahme ab und sagte lediglich, der Aufsichtsrat werde am Nachmittag in einer außerordentlichen Sitzung über den Stand der Dinge in der Mobilfunksparte beraten. Deutschlands größter Elektronikkonzern sucht seit Monaten einen Partner für die defizitäre Handy-Sparte mit weltweit rund 10.000 Mitarbeitern. Der neue Siemens-Chef Klaus Kleinfeld, der die Sanierung bei seinem Amtsantritt im Januar zu einer der wichtigsten Aufgaben erklärt hatte, kündigte im April die Ausgliederung des Geschäfts an. Nur wenige Tage später platzte dem Vernehmen nach der Verkauf an den US-Konzern Motorola, den zweitgrößten Handy-Hersteller der Welt. Gespür für Branchentrends Der Hersteller BenQ, eine Ausgliederung des Computerkonzerns Acer, könnte in ein Joint Venture laut Financial Times Deutschland neben guten Kenntnissen über die Märkte auch Gespür für Branchentrends einbringen. Die Taiwaner verfügen demnach über einen Marktanteil von 4 Prozent. Siemens war zuletzt auf einen Anteil von rund 5,5 Prozent und damit auf Platz 6 zurückgefallen. Das Geschäft hatte sich nicht von einer Softwarepanne im vergangenen August erholt; damals ließ ein zu lauter Ausschaltton bei der 65er-Reihe Absatzzahlen und Preise einbrechen. Zudem wurde Siemens in der Vergangenheit vorgehalten, Trends im Handymarkt verschlafen zu haben. Marktführer Nokia hat einen Weltmarktanteil von gut 30 Prozent. Handy-Sparte soll bleiben Die Handy-Marke Siemens soll nach Kleinfelds Willen auch bei einem Joint Venture bestehen bleiben. BenQ erzielt der Zeitung zufolge derzeit 60 Prozent seines Umsatzes mit der Produktion für andere Unternehmen. Außerdem fertigt der Konzern Flachbildschirme und Laptops. | Zur Rettung des verlustreichen Mobilfunkbereichs hat sich der Konzern mit dem taiwanesischen Hersteller scheinbar auf ein Joint Venture geeinigt. Siemens soll auch weiterhin als eigenständige Handy-Marke erhalten bleiben. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/handy-sparte-siemens-holt-offenbar-benq-ins-boot-1.903052 | Handy-Sparte - Siemens holt offenbar BenQ ins Boot | 00/05/2010 |
Der texanische Finanzinvestor Lone Star kauft deutschen Banken riskante Kredite ab, um das Geld dann einzutreiben - die Institute wollen sich mit dem Geschäft nicht mehr die Hände schmutzig machen. Geld lässt sich damit aber offenbar ganz gut verdienen. Solch ein Hochsicherheitstransport dürfte selten über deutsche Autobahnen rollen: Mit Polizeieskorte reisten im Februar 2000 Aktenordner, randvoll mit Dokumenten zu 1350 Darlehensverträgen der Münchner Immobilienbank Hypo Real Estate, in das Frankfurter Büro des texanischen Finanzinvestors Lone Star. Detailansicht öffnen Gehört zum üblichen Repertoire der Schuldeneintreiber: Der Gerichtsvollzieher. (Foto: Foto: ddp) Fast eine halbe Milliarde Euro war der Papierberg einmal wert - lauter Verträge über den Kauf und die Finanzierung von fast tausend Wohn- und Gewerbeimmobilien in Deutschland. So viel wie möglich eintreiben Es geht um ein Geschäft, mit dem sich deutsche Banken die Hände nicht mehr schmutzig machen wollen, mit dem sich aber offenbar viel Geld verdienen lässt: Lone Star lebt davon, anderen Not leidende Kredite abzukaufen, um anschließend so viel wie möglich bei den säumigen Schuldnern einzutreiben. Damit nimmt Lone Star den Banken das Risiko, auf den Außenständen sitzen zu bleiben - und erhält selbst die Chance, viel herauszuschlagen. Mehr als 20 Prozent Rendite sollen die Investments im Branchenschnitt bringen. Das Geld für den Aufkauf der Schulden wiederum hat sich Lone Star bei Investoren geholt. Leistungsgestörte Darlehen aller Art "Unsere Fonds kaufen leistungsgestörte Darlehen aller Art", sagt Karsten von Köller, Deutschland-Chef des Unternehmens. "Die Schwesterfirma Hudson Advisors verwertet sie." Binnen weniger Monate wurde das US-Unternehmen durch spektakuläre Aufkäufe in Deutschland Marktführer bei den faulen Krediten. Für die Texaner ist Köller, der schon 20 Berufsjahre an der Spitze deutscher Immobilienbanken verbracht hat, der richtige Mann zur richtigen Zeit. Sie holten ihn Anfang des Jahres, praktisch schon auf dem Sprung in den Ruhestand, zu Lone Star. | Der texanische Finanzinvestor Lone Star kauft deutschen Banken riskante Kredite ab, um das Geld dann einzutreiben - die Institute wollen sich mit dem Geschäft nicht mehr die Hände schmutzig machen. Geld lässt sich damit aber offenbar ganz gut verdienen. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/eintreiber-lone-star-scharf-auf-schlechte-schuldner-1.905302 | Eintreiber Lone Star - Scharf auf schlechte Schuldner | 00/05/2010 |
Mit dem Beginn des VW-Prozesses steht ein Mann vor Gericht, der einst vom Arbeiterkind zum mächtigen Personalvorstand beim großen Autobauer aufstieg. Peter Hartz hatte eine Bilderbuchkarriere hinter sich, bevor er über die Korruptionsaffäre bei VW tief stürzte. Detailansicht öffnen Vom Arbeiterkind zum Personalchef bei VW: Peter Hartz. (Foto: Foto: dpa) Vom Arbeiterkind war er zum mächtigen Personalvorstand bei Europas größtem Autobauer Volkswagen geworden. Das SPD- und IG-Metall- Mitglied war ein Freund von Bundeskanzler Gerhard Schröder und hochgeschätzter Berater für Politik und Wirtschaft. Kritisiert und gestürzt Die von ihm maßgeblich entwickelten Arbeitsmarktreformen, die seinen Namen tragen, brachten ihm zuletzt zwar viel öffentliche Kritik und Häme ein. Aber erst die VW-Affäre um Schmiergelder, Sexpartys und Vergnügungsreisen für Betriebsräte brachte den prominenten Topmanager zu Fall. Nun steht Hartz als erster von einem guten Dutzend Beschuldigten im Landgericht Braunschweig vor dem Kadi. Untreue in 44 Fällen lautet die Anklage. Hartz soll dem langjährigen VW-Betriebsratsvorsitzenden Klaus Volkert und dessen Geliebter über viele Jahre hinweg hohe Summen zugeschanzt haben. Begünstigung von Betriebsräten wirft die Justiz ihm vor. Starke Stellung des VW-Betriebsrats Hartz selbst hat in seinen Vernehmungen ein umfangreiches Geständnis abgelegt. Es sei ihm immer ums Unternehmen und den Betriebsfrieden gegangen, beteuerte er darin. Angesichts der starken Stellung von Gewerkschaft und Betriebsrat bei VW gab er die Devise aus, nicht kleinlich zu sein, wenn es um die Arbeitnehmervertreter ging. Der langjährige, einflussreiche VW-Arbeitsdirektor Hartz war 1993 aus der krisengeschüttelten saarländischen Stahlindustrie zu dem Autobauer nach Wolfsburg gekommen. Bei VW ist sein Name untrennbar verbunden mit der Einführung der erst vor kurzem wieder abgeschafften Vier-Tage-Woche, der "atmenden Fabrik" und dem Tarifmodell "5000 x 5000". Massenentlassungen vermieden Mit diesen Vereinbarungen mit der IG Metall hatten Massenentlassungen vermieden und Jobs für Lanzeitarbeitslose geschaffen werden können. Hartz stammt aus St. Ingbert im Saarland, wo er am 9. August 1941 als Sohn eines Hüttenarbeiters geboren wurde. Nach der mittleren Reife machte er eine Ausbildung zum Industriekaufmann. Später holte er das Abitur nach und studierte Betriebswissenschaft. Peter Hartz ist verheiratet und hat einen Sohn. Inzwischen lebt er wieder im Saarland. | Mit dem Beginn des VW-Prozesses steht ein Mann vor Gericht, der einst vom Arbeiterkind zum mächtigen Personalvorstand beim großen Autobauer aufstieg. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/portraet-von-peter-hartz-steile-karriere-und-tiefer-fall-1.903907 | Porträt von Peter Hartz - Steile Karriere und tiefer Fall | 00/05/2010 |
Ungewöhnlich hohes Wirtschaftswachstum und die niedrigste Staatsverschuldung seit fünf Jahren: Deutschland profitierte 2006 vor allem vom Konsum. Die deutsche Wirtschaft ist 2006 so stark gewachsen wie zuletzt im Boomjahr 2000. Detailansicht öffnen Bundesfinanzminister Peer Steinbrück hat gut lachen: 2006 sank das Staatsdefizit erstmals seit fünf Jahren wieder unter die 3-Prozent-Marke. (Foto: Foto: dpa) Das Statistische Bundesamt teilte am Donnerstag in Frankfurt am Main mit, das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sei um 2,5 Prozent höher gewesen als im Vorjahr. Die Wachstumsimpulse seien sowohl aus dem Inland als auch aus dem Ausland gekommen. "Anders als in den beiden zurückliegenden Jahren lieferte die inländische Verwendung jedoch den weitaus größten Beitrag zum BIP-Wachstum (plus 1,7 Prozentpunkte) als der Außenbeitrag (plus 0,7 Prozentpunkte)", erklärte das Bundesamt. Im Inland sei nicht nur mehr investiert, sondern auch stärker konsumiert worden: Der private Konsum habe nach zwei nahezu stagnierenden Jahren um 0,6 Prozent zugelegt. Staatsverschuldung fiel unter drei Prozent Auch die Lage des Staatshaushaltes besserte sich 2006 deutlich: Zum ersten Mal seit fünf Jahren konnte Deutschland die erlaubte Grenze des Euro-Stabilitätspaktes wieder einhalten. Die Defizitquote des Staates betrug gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2,0 Prozent, gab das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Frankfurt bekannt. Bund, Länder und Kommunen gaben 46,5 Milliarden Euro mehr aus als sie einnahmen (2005: 72,4 Mrd Euro). Maastricht-Kriterium unterschritten Von 2002 bis 2005 hatte Deutschland das Maastricht-Kriterium, das ein Defizit von drei Prozent des BIP erlaubt, überschritten. Zuletzt hatte das Minus nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Jahr 2005 rund 3,2 Prozent betragen. Dank des hohen Wirtschaftswachstum konnte die Haushaltssanierung schneller erfolgen als erwartet. Für 2007 geht die Bundesregierung dank sprudelnder Steuereinnahmen davon aus, die Drei-Prozent-Grenze noch deutlicher zu unterschreiten und erwartet ein Staatsdefizit von 1,5 Prozent. | Ungewöhnlich hohes Wirtschaftswachstum und die niedrigste Staatsverschuldung seit fünf Jahren: Deutschland profitierte 2006 vor allem vom Konsum. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/staatshaushalt-profitiert-2006-ein-gutes-jahr-fuer-die-wirtschaft-1.898177 | Staatshaushalt profitiert 2006 - Ein gutes Jahr für die Wirtschaft | 00/05/2010 |
Der frühere amerikanische Agent Michael Hershman soll dem Siemens-Konzern helfen, gegen Korruption vorzugehen. Das Selbstbewusstsein dafür bringt er mit. Eines wird sofort klar: Der Mann ist den großen Auftritt gewohnt. "Ich bin nicht hier, um Siemens zu repräsentieren", sagt Michael Hershman ruhig und faltet die Hände vor sich auf dem Tisch. Detailansicht öffnen Der Antikorruptions-Experte Michael Hershman aus den USA soll Siemens helfen, die Schmiergeld-Affäre restlos aufzuklären. (Foto: Foto: dpa) "Ich bin auch nicht hier, um Siemens zu verteidigen oder zu entschuldigen." Der 61-Jährige macht eine Pause. "Ich bin völlig unabhängig." Genau das sei Voraussetzung gewesen, damit er diesen Auftrag überhaupt annimmt. Ein Auftrag, von dem der Amerikaner selbst sagt: "So eine Gelegenheit bekommt man höchstens einmal im Leben." Er blickt in die Runde. 40 Journalisten schreiben jedes Wort mit. Siemens hatte sehr kurzfristig nur mit einem Tag Vorlauf eingeladen, um mit Hershman den Mann zu präsentieren, auf den der Konzern große Hoffnungen setzt. Der Korruptionsexperte soll nicht nur die Schwachstellen bei Siemens aufdecken. Er soll vor allem verhindern, dass sich so etwas wie der Schmiergeld-Skandal wiederholt. Zuversichtlicher Ermittler "Ich bin überzeugt, dass eines Tages die gesamte Wahrheit ans Licht kommt und dass alle Personen, die in die Vorgänge involviert sind, identifiziert werden", sagt Hershman zuversichtlich. In den vergangenen Tagen habe er damit begonnen, sich mit den Vorwürfen vertraut zu machen und das Compliance-Programm von Siemens, also die internen Regeln zur Korruptionsbekämpfung, unter die Lupe zu nehmen. Gemeinsam mit sechs bis zwölf Mitarbeitern aus seinem Team werde er in den kommenden Wochen und Monaten verschiedene Bereiche von Siemens in der gesamten Welt aufsuchen. Der Konzern habe ihm dabei uneingeschränkte Unterstützung zugesagt. "Es wird keine verschlossenen Türen geben", versichert der Experte. Terrorexperte der US-Army Hershman ist selbstbewusst. Er kann auf eine lange Karriere zurückblicken. Ende der sechziger Jahre war er vom Militär-Geheimdienst zum Spezialagenten mit Schwerpunkt Terrorbekämpfung ausgebildet worden. Nach seiner Zeit beim Militär unterstützte er die Staatsanwaltschaft und den Bürgermeister von New York in ihrem Kampf gegen die Korruption. Einen Namen machte er sich dann als leitendes Mitglied des Senats-Ausschusses zur Aufklärung der Watergate-Affäre. Vor 23 Jahren gründete er in Washington die Beraterfirma Fairfax Group. Nach eigenen Angaben hat sie mehr als 2000 Kunden in über 80 Ländern. Vor allem Regierungen, aber auch Unternehmen und Finanzinstitute zählen dazu. Zudem sei er seit Jahren in diversen gemeinnützigen Organisationen, wie etwa der Anti-Korruptionsorganisation Transparency International tätig, betont Hershman. Skepsis bei Transparency International Dort allerdings hatte sich die Freude in Grenzen gehalten, als man vernahm, dass Hershman bei Siemens nun für Ordnung sorgen soll. Dabei war es nicht der Auftrag an sich, der störte, sondern ein anderer Umstand: Siemens hatte mehrfach darauf hingewiesen, dass Hershman Mitbegründer von Transparency International (TI) war - was völlig korrekt ist: Er war Mitbegründer, allerdings nur einer von diversen weiteren. Doch durch die Betonung von Siemens sei der Eindruck erweckt worden, "dass Hershman seine Aufgabe im Auftrag oder in Abstimmung mit TI wahrnimmt", kritisiert der TI-Vorsitzende Hansjörg Elshorst. Das aber sei "nicht korrekt". Hershman leite "seit Jahrzehnten eine Firma, die sich zunehmend auch auf Korruptionsbekämpfung spezialisiert hat. Sein Engagement bei Siemens ist also ein rein kommerzielles", stellt Elshorst klar. Auch bei anderen Korruptionsexperten rief die Berufung Hershmans Erstaunen hervor. "Kein normales deutsches Unternehmen würde so jemanden für diese gewaltige Aufgabe engagieren", sagt ein erfahrener Ermittler, der nicht genannt werden will. "Hier braucht man einen Wirtschaftsexperten." Hershman dagegen habe sich doch eher im politischen Bereich einen Namen gemacht. Doch das lässt der Amerikaner nicht gelten. Er verweist auf seine langjährige Erfahrung. "Ich will nicht unbescheiden sein, aber ich denke, dass ich in geradezu einmaliger Weise für diesen Job qualifiziert bin", erwidert er gelassen und grinst. Wie gesagt, Hershman ist selbstbewusst. | Der frühere amerikanische Agent Michael Hershman soll dem Siemens-Konzern helfen, gegen Korruption vorzugehen. Das Selbstbewusstsein dafür bringt er mit. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/siemens-praesentiert-korruptionsbekaempfer-lizenz-zum-aufklaeren-1.914964 | Siemens präsentiert Korruptionsbekämpfer - Lizenz zum Aufklären | 00/05/2010 |
154 Euro landen jeden Monat auf meinem Konto. Schön. Dumm nur, dass es der Staat gleich doppelt und dreifach wieder zurückfordert. Monat für Monat. Der Bund macht mir Mut. Alles solle besser werden für Familien. Das sagt er nicht nur, das schreibt er auch. Auf seiner Homepage bundesregierung.de. Er erklärt auch warum: Es gebe zu wenig Kinder in Deutschland. Viel zu wenige. Gerade in dem derzeit wichtigsten aller Vergleiche, dem EU-Vergleich. Familien, stellt die Regierung klar, seien "unverzichtbare Leistungsträger in unserer Gesellschaft". Sie sollten "breit" und "zielgenau" gefördert werden, demnach bedeuteten "Steuerfreibeträge, Kindergeld, Erziehungsgeld und Unterhaltsvorschuss" für viele Familien einen spürbaren Beitrag zum Familienbudget. Doch ich komme mit diesen Aussagen nicht klar. Weil sie sich mit dem Geschehen auf meinem Konto einfach nicht synchronisieren lassen. Teure Leistungsträger Der einzige Weg, wie sich der Bund meiner Familie unmittelbar zuwendet, ist ohnehin das Kindergeld. Und auch das ist ja in vielen Fällen nur eine vorweg genommene Steuerrückzahlung, die mit dem Kinderfreibetrag und dem Freibetrag für "Betreuung und Erziehung oder Ausbildung" verrechnet wird. Das Erziehungsgeld, das manchen einst die ersten sechs Monate nach der Geburt versüßte, bekommen seit Beginn des laufenden Jahres deutlich weniger Personen — die dafür zulässigen Einkommensgrenzen wurden drastisch gesenkt. Das Kindergeld also, der einzige Habenposten meines Kindes, ist die "gezielte Förderung" meiner Familie. Doch es ist nur ein Phantom, weil es verschwunden ist, bevor es kommt. Das liegt an den Kosten für Einrichtungen, mit denen die Bundesregierung die "unverzichtbare Leistungsträger" der vorherigen Generation noch etwas länger im Berufsleben halten und die "unverzichtbaren Leistungsträger" der nächsten Generation zu eben solchen machen möchte. Die Rede ist von Kinderkrippe und Kindergarten. Von einer pisa-gerechte Schule sprechen wir hier gar nicht erst. Was so ein Krippenplatz in München kostet? Wer sein Kind mehr als sieben Stunden unterbringen möchte, bezahlt — wenn er ausnahmsweise einen Platz findet — gemäß der aktuellen Kinderkrippengebührensatzung bis zu 370 Euro. Hinzu kommen 60 Euro Verpflegungsgeld. Die üblichen kleinen Zahlungen für Bücher und Spielzeug bleiben mal außen vor. Zusammen sind das also 430 Euro. Die Gebührenfalle Sicher, das ist weniger als für einen Babysitter in München zu zahlen wäre — aber 430 Euro sind knapp das Dreifache des Kindergeldes. Wer also sein Kind in der Krippe unterbringt, zahlt bis zum Erreichen des Kindergartenalters je nach Aufenthaltsdauer zwischen 13.000 und 18.000 Euro. Der Kindergarten kostet monatlich 160 Euro plus 58 Euro Verpflegung, das sind 218 Euro im Monat. Bis zum Erreichen des Schulalters fallen also weitere 5000 bis 8000 Euro an. Für zweieinhalb Jahre Krippe und drei Jahre Kindergarten zahlen Eltern demnach knapp 21.000 Euro an "Gebühren". Im gleichen Zeitraum erhalten sie rund 11.000 Euro Kindergeld — ein Verhältnis, dass sich im vergangenen Jahr auch noch verschlechtert hat. Denn die Preise für die Kinderkrippe haben sich im September 2003 um 58 Prozent erhöht. Schade, liebe Bundesregierung. Ihr sagt: "Deutschland wird familienfreundlicher." Doch hier in München ist das genau umgekehrt. | 154 Euro landen jeden Monat auf meinem Konto. Schön. Dumm nur, dass es der Staat gleich doppelt und dreifach wieder zurückfordert. Monat für Monat. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/nachwuchskosten-das-kindergeld-ein-phantom-1.902080 | Nachwuchskosten - Das Kindergeld — ein Phantom | 00/05/2010 |
Justizministerin Brigitte Zypries denkt nun an ein Gesetz zur Steuerung der Bezüge. Der langjährige Daimler-Benz-Vorstandschef Edzard Reuter findet in Zeiten des Sparens Millionengehälter für Manager "nicht nur unmoralisch, sondern ethisch nicht begründbar". Im Streit um die gerechte Verteilung der Lasten bei der Reform des Arbeitsmarktes geraten die Millionengehälter deutscher Manager immer stärker in Verruf. Angesichts ständig neuer Sparforderungen an die Arbeitnehmer werden Stimmen in Politik und Wirtschaft laut, Topmanager sollten solidarisch sein und auf Teile ihres Einkommens verzichten. Detailansicht öffnen Brigitte Zypries: Gesetz gegen überzogene Top-Gehälter? (Foto: Foto: AP) Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) schloss ein Gesetz zur Steuerung der Manager-Gehälter nicht aus. Die Verhandlungen beim Automobil-Konzern DaimlerChrysler über längere Arbeitszeit ohne Lohnausgleich gingen am Mittwoch in die entscheidende Phase. "Managergehälter unmoralisch" Die Debatte um soziale Gerechtigkeit und Standortpolitik hat in Deutschland einen Streit über eine gesetzliche Begrenzung von Managergehältern entfacht. So forderte der langjährige Daimler-Benz-Vorstandschef Edzard Reuter eine Deckelung der Managergehälter. Wenn ein Unternehmen wie DaimlerChrysler sparen müsse, seien Millionengehälter für die Vorstände "nicht nur unmoralisch, sondern ethisch überhaupt nicht begründbar". Auch der frühere SPD-Chef Hans-Jochen Vogel forderte eine Obergrenze der Bezüge. Das Bundesjustizministerium erklärte, man schließe gesetzliche Regeln nicht aus, an eine Verdienst-Obergrenze sei aber nicht gedacht. "Eine Schnapsidee" Auch der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg stellte klar: "Es gibt keine Initiative für eine gesetzliche Regelung von Managergehältern." Man müsse allerdings darauf bestehen, dass die Gehälter "hinreichend transparent" seien. Dies sei in der Vergangenheit nicht immer der Fall gewesen. | Justizministerin Brigitte Zypries denkt nun an ein Gesetz zur Steuerung der Bezüge. Der langjährige Daimler-Benz-Vorstandschef Edzard Reuter findet in Zeiten des Sparens Millionengehälter für Manager "nicht nur unmoralisch, sondern ethisch nicht begründbar". | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/streit-ueber-verteilung-der-reformlasten-millionen-gehaelter-der-topmanager-in-verruf-1.905816 | Streit über Verteilung der Reformlasten - Millionen-Gehälter der Topmanager in Verruf | 00/05/2010 |
Die Produktion von bunten Fanartikeln für Olympia 2008 in Peking läuft auf Hochtouren. Nun untersucht das Organisationskomitee, ob Kinderarbeit im Spiel ist. Arbeitsrechtler haben Verstöße gegen die Schutzvorschriften in Fabriken angeprangert, in denen für die Olympischen Spiele in Peking produziert wird. In mindestens vier Fabriken würden die chinesischen und internationalen Standards zum Arbeitsschutz nicht eingehalten, heißt es in einem Bericht der Organisation PlayFair 2008 vom Sonntag. Dem Bündnis gehören Gewerkschaften und Arbeitsrechtsgruppen an. Detailansicht öffnen Die Vorwürfe an die Lizenzfabriken des IOC wiegen schwer: Kinderarbeit, Sieben-Tage-Wochen, tägliche Arbeitszeiten von 15 Stunden ohne Pause und für die Hälfte des gesetzlichen Mindestlohns. (Foto: Foto: dpa) Rucksäcke, Mützen und andere Produkte würden in Fabriken produziert, in denen Kinder arbeiteten und in denen nicht der gesetzliche Mindestlohn gezahlt werde, heißt es in dem Bericht, der unter dem Titel "Keine Medaille für die Olympischen Spiele bei den Arbeitsrechten" am Sonntag veröffentlicht wurde. Keine Medaille fürs IOC Kritisiert werden sowohl die Organisatoren der Spiele 2008 als auch das Internationale Olympische Komitee (IOC). Die Lizenzierung des Olympia-Symbols sei eine wichtige Einnahmequelle für das IOC und die nationalen Verbände, erklärte Guy Ryder, Generalsekretär des Internationalen Gewerkschaftsbundes (ITUC). "Es ist eine Schande für die gesamte olympische Bewegung, dass solche schwerwiegenden Verstöße internationaler Arbeitsstandards in lizenzierten Fabriken stattfinden." Die ITUC hatte im Winter Ermittler ausgeschickt, um die Arbeitsbedingungen vor Ort zu überprüfen. Sie entdeckten demnach "schlimme Verletzungen" der grundlegenden Rechte. Arbeiter erhielten nur die Hälfte des gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohns, Kinder von zwölf Jahren wurden beschäftigt, Überstunden waren an der Tagesordnung, Beschäftigte wurden angehalten, Inspektoren über die Arbeitsbedingungen zu belügen. Dreizehnjährige arbeiten bis zwei Uhr morgens Die ITUC-Ermittler zitieren in ihrem Bericht ein 13-jähriges Mädchen, das zwei- bis dreimal im Monat von morgens bis zwei Uhr nachts arbeiten musste, oder einen Arbeiter, der trotz Hantierens mit gefährlichen Stoffen keine Handschuhe trug und sich Verletzungen zuzog. Das IOC hat inzwischen auf die Vorwürfe reagiert und eine Untersuchung gestartet. Künftig sollen die Fabriken kontrolliert werden, die unter Lizenz Fanartikel herstellen. Das Komitee lege "großen Wert" auf die Arbeitsbedingungen in den Werkstätten, sagte der Sprecher Sun Weide am Montag in Peking. PlayFair: 70 Millionen Dollar Erlös Die Lizenzen für offizielle Fanartikel wie Mützen, Taschen oder Plüschtiere sollen im kommenden Jahr rund 70 Millionen Dollar (52 Millionen Euro) einbringen, wie in der Kampagne PlayFair 2008 zusammengeschlossene Gewerkschaften und Hilfsorganisationen schätzen. Das wären 40 Prozent mehr als im Jahr 2000 bei den Olympischen Spielen in Sydney. Die Lizenzen, welche die Herstellerfirmen zahlen müssen, gehen direkt an die Organisatoren der Spiele. | Die Produktion von bunten Fanartikeln für Olympia 2008 in Peking läuft auf Hochtouren. Nun untersucht das Organisationskomitee, ob Kinderarbeit im Spiel ist. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/hungerloehne-fuer-fanartikel-eine-schande-fuer-olympia-1.898855 | "Hungerlöhne für Fanartikel - ""Eine Schande für Olympia""" | 00/05/2010 |
Erstmals nach Wochen haben sich Bahn-Chef Mehdorn und GDL-Chef Schell wieder an einen Tisch gesetzt. Ein Kompromiss ist noch in weiter Ferne — auch wenn nun die Vermittler Biedenkopf und Geißler eingeschaltet sind. Im Tarifstreit bei der Bahn hat die erste Vermittlungsrunde bis zum Montagabend keine greifbaren Ergebnisse gebracht. Die als Vermittler eingeschalteten früheren CDU-Spitzenpolitiker Heiner Geißler und Kurt Biedenkopf hatten sich in einem Frankfurter Hotel mit den Spitzen der Bahn und der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) getroffen. Über die Inhalte der Gespräche und den weiteren Zeitplan wurde nach Angaben beider Seiten Stillschweigen vereinbart. Schon zu Beginn des Treffens am Nachmittag waren die Erwartungen gebremst worden: Es sei "unrealistisch, heute mit einem Durchbruch zu rechnen", hatte ein GDL-Sprecher gesagt. Befristeter Verzicht auf Streiks Biedenkopf wollte in einer Gesprächspause nichts zum Stand der Dinge sagen. Solange die Vermittlungsbemühungen laufen, verzichtet die GDL auf Streiks, mindestens jedoch bis 27. August. Das hatten beide Seiten am Freitag in einem Kompromiss vor dem Nürnberger Arbeitsgericht vereinbart. Knapp vier Wochen nach dem Scheitern der Tarifverhandlungen am 19. Juli setzten sich Bahnchef Hartmut Mehdorn und sein Kontrahent, der GDL-Vorsitzende Manfred Schell, in Frankfurt wieder an einen Tisch. An der Sondierung beteiligten sich außer den beiden Moderatoren sechs Spitzenvertreter beider Seiten, darunter bei der Bahn Personalvorstand Margret Suckale und Verhandlungsführer Werner Bayreuther. Gewerkschaftschef Schell wurde von seinem Stellvertreter Claus Weselsky begleitet. Der Gewerkschaftssprecher sagte, eine Mediation könne nicht innerhalb weniger Stunden einen Tarifkonflikt lösen, der schon seit Wochen schwele. Dazu seien mehrere Gespräche nötig. Am ersten Tag sollten lediglich die Positionen ausgetauscht werden, möglicherweise werde man einen Zeitplan für weitere Treffen vereinbaren. Noch weit auseinander In der Sache sind beide Seiten noch weit auseinander. Die GDL fordert einen eigenen Tarifvertrag für ihre Mitglieder und 31 Prozent höhere Einkommen. Auf den gesonderten Tarifvertrag will sie nicht verzichten, über die Einkommensforderung aber mit sich reden lassen. Die Bahn lehnt einen separaten Tarifvertrag mit der Begründung ab, die Belegschaft nicht in zwei Klassen spalten zu wollen. Eine Vermittlungsaktion wie jetzt bei der Bahn wird nach Ansicht des Bundesverbandes Mediation die Ausnahme bleiben. "Es gibt unter den Tarifpartnern eine ausgeklügelte Verhandlungskultur. Eigentlich sollte man da die Mediation nicht brauchen", sagte Verbandschef Wilfried Kerntke in Kassel. In Einzelfällen könne die Mediation aber der beste Weg sein: "Es wird ein Kompromiss gefunden, der beide Partner das Gesicht wahren lässt und dafür sorgt, dass man auch weiter miteinander umgehen kann." Zudem sei eine Mediation "für beide Seiten kostengünstiger als jeder Streik". | Erstmals nach Wochen haben sich Bahn-Chef Mehdorn und GDL-Chef Schell wieder an einen Tisch gesetzt. Ein Kompromiss ist noch in weiter Ferne — auch wenn nun die Vermittler Biedenkopf und Geißler eingeschaltet sind. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/tarifkonflikt-der-lokfuehrer-erstes-vermittlungsgespraech-ohne-ergebnis-1.880414 | Tarifkonflikt der Lokführer - Erstes Vermittlungsgespräch ohne Ergebnis | 00/05/2010 |
Die Fernsehrechte-Spiele sind eröffnet — auch der Amerikaner Haim Saban von ProSieben bietet mit. Am Morgen des heutigen Freitag öffnet ein Notar in Lausanne ein paar Briefkuverts. Aus aller Welt haben Anwälte und TV-Unternehmen Angebote für die Fernsehrechte an den Olympischen Spielen 2010/2012 geschickt. Es habe ein "hohes Interesse" gegeben, sagt Thomas Bach, Vizepräsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), das über die Rechtevergabe entscheidet. Traditionell sind die wertvollen Fernseh-Lizenzen an die Agentur EBU der öffentlichen Sender in Europa gegangen. Diesmal aber sind auf Konfrontation gebürstete Mitbieter dabei - allen voran der amerikanische Investor Haim Saban. Tollkühne Vorstöße Der Mann aus Los Angeles hat sich 2003 zu einem günstigen Preis die deutsche Sendergruppe Pro Sieben Sat1 Media AG geschnappt, deren Aktienkurs in die Höhe geschnellt ist. Das gibt dem Großaktionär Kredit bei den Banken — und Spielraum für tollkühne Vorstöße. Die Offerte der Münchner Sendergruppe wurde rechtzeitig vor Bewerbungsschluss am Donnerstag, 15 Uhr, eingereicht und liegt nach SZ-Informationen bei mehr als 100 Millionen Euro. Alle Kanäle der Formation — Sat1, ProSieben, Kabel1, N24 — sollen nach dem Willen von Vorstandschef Guillaume de Posch olympiareif werden. Was der Sache womöglich besonderen Dreh gibt, sind Angebote aus anderen Ländern, die von langjährigen Saban-Partnern kommen. Bahnt sich eine europäische Entente an? In England sehen Experten etwa den TV-Tycoon Rupert Murdoch in der Qlympia-Qualifikation. Der gebürtige Australier, der in Los Angeles lebt, bietet für sein Pay-TV-Unternehmen BSkyB. Da nach dem Willen des IOC die Spiele im allgemein empfangbaren Fernsehen erlebbar sein sollen, müsste BSkyB unverschlüsselt senden, was womöglich aber den Abonnenten, die viel Geld für die elektronische Ware bezahlen, missfällt. Saban kennt Murdoch gut, beide haben das TV-Unternehmen Fox Family Network für mehr als fünf Millionen Dollar an den Disney-Konzern verkauft. Es wird teurer Es ist diese mögliche Kombination aus internationalem Großkapital und multikultureller Chuzpe, die den Managern der öffentlich-rechtlichen Fernsehsystems in diesen Tagen Sorge macht. In großen internationalen Anwaltskanzleien sind nach den Schilderungen von Vertrauten zuletzt viele Konferenzen zum Thema Olympia abgehalten worden. Auch bietet die Großagentur Sport Five für mittlere und kleine Länder mit; RTL bekundet ebenfalls Interesse. "Es kann leicht sein, dass einige nationale Interessenten ihre Offerten bündeln werden", befürchtet ein ARD-Verantwortlicher. Das ZDF will zu dem Rechtekampf überhaupt nichts sagen. Die beiden Fernseh-Systeme wollen die Olympischen Spiele großflächig in digitalen Kanälen zeigen, Randsportarten inklusive. Auch sind sich alle sicher: Teurer wird es auf jeden Fall. Für 2006/2008 zahlt die EBU genau 578 Millionen Dollar an das IOC; allenfalls ein kleiner Spielraum ergäbe sich nun, weil der Euro gegenüber dem Dollar stark an Wert gewonnen hat. ARD und ZDF gehen davon aus, dass die Rivalen summa summarum voraussichtlich zehn bis 15 Prozent mehr bieten werden. Auf einen Erfolg der EBU hofft dagegen Sabans französischer Freund Patrick Le Lay, der im Reich des Bauunternehmers Martin Bouygues den Privatsender TF1 leitet; auch eine Beteiligung an Eurosport gehört dazu, und dieser Kanal ist historisch der EBU verbunden. In Lausanne freuen sich die IOC-Experten bereits wie Carl Lewis 1984 nach seiner vierten Goldmedaille. Immerhin hat ja der US-Sender NBC mit 2,2 Milliarden Dollar bereits auch 30 Prozent mehr gezahlt als beim letzten Mal. Bei jedem Olympia-Wettbewerb werden eben einige Weltrekorde aufgestellt. | Die Fernsehrechte-Spiele sind eröffnet — auch der Amerikaner Haim Saban von ProSieben bietet mit. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/olympische-spiele-2010-2012-die-macht-der-fuenf-ringe-1.914939 | Olympische Spiele 2010/2012 - Die Macht der fünf Ringe | 00/05/2010 |
Wie aus einem Konzept des Umweltministeriums hervorgeht, soll von 2005 an nicht mehr der Hubraum eines Automotors, sondern der Ausstoß von Kohlendioxid als Maßstab für die Steuerberechnung zu Grunde gelegt werden. Von dieser Regelung würden vor allem Dieselfahrzeuge profitieren. Grundlage des Konzeptes, das vom Umweltbundesamt (UBA) in Berlin erarbeitet und derzeit im Bundesumweltministerium politisch abgestimmt wird, ist der Koalitionsvertrag aus dem Jahr 2002. Dort heißt es, dass "die Kfz-Steuer gemeinsam mit den Ländern aufkommensneutral ökologisch weiterentwickelt" wird. Der Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) wird dort als Bemessungsgrundlage genannt. Bislang werden Kraftfahrzeuge nach dem Hubraum ihrer Motoren besteuert. Abgasarme Autos können allerdings steuerlich begünstigt oder bis Ende 2005 ganz von der Steuer befreit werden, wenn sie die strenge Abgas-Norm Euro 4 erfüllen. Vorteilhaft für Drei-Liter-Autos Bei dieser Regelung geht es aber nur um giftige Abgase wie Kohlenwasserstoff, Kohlenmonoxid, Stickoxid und - bei Dieselfahrzeugen - Rußpartikel. Spätestens mit dem geplanten Inkrafttreten von Euro 5 voraussichtlich 2008, was auch den derzeit noch diskutierten Filter für Rußpartikel zwingend einschließt, "ist dieses Abgas-Problem weitestgehend vom Tisch", wie es im Umweltbundesamt heißt. Mit der Steuer-Reform will der grüne Umweltminister Jürgen Trittin jetzt den Kampf gegen das Klimagas CO2 aufnehmen - ein Gas, das bei jedem Verbrennungsvorgang zwangsläufig entsteht und nicht gefiltert werden kann. Der simplen Formel "Weniger Kraftstoff, weniger CO2" folgend nimmt das Konzept des UBA vor allem Autos ins Visier, die aufgrund hohen Verbrauchs einen hohen CO2-Ausstoß haben. Damit will die Regierung auch ihrem selbst auferlegten Ziel näher kommen, den CO2-Ausstoß um 25 Prozent zu senken; ursprünglich sollte das bereits im Jahr 2005 der Fall sein. Nachteile für manche Kleinwagen Vor allem Fahrer von so genannten Drei-Liter-Autos sollen von der geplanten zweistufigen Reform profitieren. In der ersten Stufe bis 2009 würden sie für einen kleinen Benzinmotor, der nur 90 Gramm CO2 pro Kilometer ausstößt, kaum belastet; auch in der zweiten Phase bis 2015 müssten sie lediglich 36 Euro im Jahr zahlen. Für einen konventionellen Kleinwagen wie den Opel Corsa 1.2 mit 55 kW ( 75 PS) Leistung sähe die Bilanz dagegen schlechter aus: Mit einem Verbrauch von sechs Litern Benzin auf 100 Kilometer werden 144 Gramm CO2 je Kilometer produziert - der neuen Liste zufolge wären dafür 144 Euro zu entrichten gegenüber 81 Euro Hubraumsteuer derzeit. Noch deutlicher fiele die Belastung beim neuen Golf mit Benzinmotor aus: Von 2006 an sind derzeit 94 Euro im Jahr für den abgasarmen EU-4-Motor mit 55 kW (75 PS) vorgesehen; bei einer Umstellung auf die CO2-Steuer würden 293 Euro fällig. Geländefahrzeuge werden teuer Besonders hart träfe es Geländewagen, die mit Benzinmotor rund 15 Liter Kraftstoff je 100 Kilometer verbrauchen und zum Teil deutlich über 300 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen. Die Steuer würde um das Vierfache auf mehr als tausend Euro im Jahr ansteigen. In dem UBA-Konzept heißt es, die Steueränderungen sollten aufkommensneutral sein. Tatsächlich würden jedoch bezogen auf den derzeitigen Fahrzeugbestand erheblich mehr Steuern anfallen. In Regierungskreisen hieß es am Montag, das Konzept aus dem Hause Trittin sei noch nicht mit anderen Ministerien abgestimmt. Ein Sprecher des Finanzministeriums erklärte: "Die Kfz-Steuer ist eine reine Ländersteuer. Deshalb ist das für uns derzeit kein Thema." Mit dem neuen Konzept wechselt das Umweltministerium ins Lager der Diesel-Befürworter - obwohl es kurz vor der Internationalen Automobil-Ausstellung im September vorigen Jahres noch vor Tausenden von Toten durch Dieselruß gewarnt hatte. Und auch im September hatte Trittin "keinen vordringlichen Handlungsbedarf" für eine Erhöhung der Kraftfahrzeugsteuer für Autos mit hohem Verbrauch gesehen. Schützenhilfe kam damals von Regierungssprecher Bela Anda: "Es geht darum, Steuern zu senken, nicht sie zu erhöhen." | Wie aus einem Konzept des Umweltministeriums hervorgeht, soll von 2005 an nicht mehr der Hubraum eines Automotors, sondern der Ausstoß von Kohlendioxid als Maßstab für die Steuerberechnung zu Grunde gelegt werden. Von dieser Regelung würden vor allem Dieselfahrzeuge profitieren. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/automobil-kfz-steuer-soll-mit-dem-benzinverbrauch-steigen-1.906516 | Automobil - Kfz-Steuer soll mit dem Benzinverbrauch steigen | 00/05/2010 |
Interessenten für die verbliebenen Staatsanteile an den Betreibergesellschaften ASF, APRR und Sanef könnten seit Montag die Ausschreibungsunterlagen anfordern, teilten Wirtschafts- und Finanzminister Thierry Breton und Verkehrsminister Dominique Perben mit. Detailansicht öffnen Mautstation in Frankreich bei Ferienverkehr. (Foto: Foto: dpa) Offerten für den Verkauf des mautpflichtigen Autobahnnetzes müssen dann bis zum 22. August eingereicht werden. Der Staat will im Herbst über den Zuschlag entscheiden. Paris habe sich entschlossen, "die Gesamtheit seiner Anteile" an den Autobahngesellschaften zu verkaufen, sagte Breton der Zeitung Les Echos. Der Zeitung zufolge könnten die Verkäufe insgesamt elf Milliarden Euro bringen. Das eingenommene Geld soll laut Breton für den Ausbau der Infrastruktur und die Senkung der Staatsverschuldung eingesetzt werden. Der französische Staat hält zur Zeit noch 50,3 Prozent an den Autoroutes du Sud de la France (ASF), 70,2 Prozent an den Autoroutes Paris-Rhin-Rhône (APRR) und 75,6 Prozent an der Société des Autoroutes du Nord et de l'Est de la France (Sanef). Bei Letzterer hatte sich Paris erst im März von ersten Anteilen getrennt und dabei 837 Millionen Euro eingenommen. Auflagen für mögliche Käufer Kandidaten für eine Anteilsübernahme müssen ihr künftiges Geschäftsmodell sowie das Interesse ihrer Offerte "für den Staat, das Unternehmen und seine Beschäftigten" darlegen, hieß es in einer Erklärung beider Ministerien. Breton betonte, eine Bedingung sei, dass die Käufer "dauerhaft" Aktionäre bleiben müssten. Um die Transparenz des Verfahrens zu gewährleisten, soll "eine unabhängige Persönlichkeit" eingesetzt werden, die den Prozess überwacht. Der Name soll in den nächsten Tagen bekannt gegeben werden. Als sicher gilt, dass der französische Baukonzern Vinci ein Angebot für ASF abgeben wird. Er hält an dem Unternehmen bereits 22,7 Prozent. Daneben gelten auch die französischen Vinci-Konkurrenten Bouygues und Eiffage als Kandidaten. Experten vermuten, dass auch spanische Branchenfirmen in das Bieterrennen einsteigen werden. Hoher Finanzierungsaufwand Angesichts der nötigen Milliarden für die Übernahme werden auch Konsortien aus Baukonzernen und Finanzinvestoren für wahrscheinlich gehalten. Die SAPRR betreibt neben Strecken in Ostfrankreich vor allem die sehr verkehrsträchtige und größtenteils mautpflichtige Autobahn A6 zwischen Paris und Lyon, den ersten Teil der legendären französischen Ferienstrecke Richtung Süden. Der zweite Teil (vor allem die A7) wird von der ASF betrieben. Die Sanef wiederum betreibt die mautpflichtigen Verbindungen von Paris Richtung Brüssel, Lille und Straßburg. Staat zieht sich verstärkt zurück Die Autobahnprivatisierung ist Teil einer ganzen Reihe von Staatsverkäufen. Anfang des Monats hatte Paris rund ein Fünftel der Anteile am Gasversorger Gaz de France (GDF) versilbert. Schon Anfang Juni hatte die Regierung für etwa 3,4 Milliarden Euro Anteile am Telefonkonzern France Télécom abgestoßen. Im Oktober ist die Kapitalöffnung beim Stromriesen Electricité de France (EDF) geplant. Dadurch sollen weitere acht bis neun Milliarden Euro in die Staatskasse fließen. | Angesichts chronisch leerer Kassen beschleunigt Frankreich die milliardenschwere Privatisierung seiner Autobahnen. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/autobahn-privatisierungen-frankreich-gibt-gas-1.907207 | Autobahn-Privatisierungen - Frankreich gibt Gas | 00/05/2010 |
Vor einem Jahr wurde der Schmiergeldskandal bei Siemens bekannt: Konzerne nehmen seitdem den Kampf gegen Korruption ernster - die Frage ist, wie lange noch. Das Wort "Zäsur" hat nach Auskunft der etymologischen Wörterbücher die Grundbedeutung, einen Einschnitt zu markieren; auch im Zusammenhang mit "Hauen", "Hieb", "Schnitt" wurde der Ausdruck häufig verwendet. Das Wort trifft auf eine Heimsuchung eines Weltkonzerns zu, die vor ziemlich genau einem Jahr stattfand: Am 15. November 2006 startete die Münchner Staatsanwaltschaft eine Razzia bei Siemens, die Europas größten Technologiekonzern erschütterte, die alte Führungsmannschaft paralysierte oder hinwegfegte und deren Folgen für das weltumspannende Unternehmen noch immer nicht absehbar sind. Einen Schmiergeldskandal mit problematischen Zahlungen in Höhe von mindestens 1,3 Milliarden Euro hatte es in der Geschichte der Republik noch nie gegeben, und die Folgen waren fatal: Vorstände rückten in Untersuchungshaft ein, die Haus-Spitze musste gehen, es drohen Strafzahlungen in hoher Milliardenhöhe. Auch durchforsten amerikanische Anwälte den 160 Jahre alten Konzern, was selbst mancher Strafverfolger für "Wirtschaftsimperialismus" hält. Der Fall Siemens und die Folgen lösten in großen deutschen Unternehmen eine Schockwelle aus. Bei Industriekonzernen wie MAN wurden sogenannte Taskforces installiert, also besondere Teams, die die Verhaltensregeln überprüften und, wenn nötig, verschärften. Es gab einen Wettlauf der Firmen um die besten Strafrechtler unter den Anwälten, denn die Unternehmensführung und die Rechtsabteilungen der Häuser wollten vorbereitet sein, falls der Staatsanwalt kommt. Dass ein in der Industrie hochanerkannter Zentralvorstand wie der Siemens-Manager Johannes Feldmayer acht Tage in Untersuchungshaft verbringen musste, war ein Schock für die Kollegen. Nulltoleranz ausgerufen "Ist es wahr, dass der seine Zahnbürste nicht bekam?" "Wurde er mit anderen Häftlingen in einer grünen Minna verschubt?" Das sind die Fragen bei Treffen der Wirtschaftselite dieses Landes. Viele Vorstandschefs beriefen ihre Führungskreise ein und verkündeten Nulltoleranz. Er dulde keine Form der Bestechung, erklärte beispielsweise MAN-Vorstandschef Hakan Samuelsson. Früher war es nicht nur bei Siemens die Regel, dass Mitarbeiter, die krumme Touren gemacht hatten und aufgefallen waren, in Tochterunternehmen untergebracht wurden oder gut honorierte Beraterverträge bekamen. Das soll jetzt vorbei sein. "Wir erleben eine Zeitenwende", sagt Peter von Blomberg aus dem Vorstand der Anti-Korruptionsorganisation Transparency International Deutschland. Das "Siemens-Drama" habe vieles verändert. Nun ist es nicht das erste Mal, dass nach Auffliegen von Affären in Politik oder Wirtschaft Reue und Einsicht beschworen und strikte Regeln angekündigt werden. Nach dem Bekanntwerden einer Schmiergeldaffäre Anfang der 90er Jahre hatte der damalige Siemens-Vorstandsvorsitzende Heinrich von Pierer 1992 in einem Interview erklärt: Er sei "überrascht" und "betroffen", aber die Öffentlichkeit könne sicher sein, dass die Konzernleitung alles tun werde, damit sich solche "Dinge" nicht wiederholten. Die Führungskräfte des Hauses hätten Sauberkeitserklärungen abgegeben, und immerhin gebe es ja auch dazu einen Vorstandsbeschluss von Juni 1991. Was damals als Regelverstoß missbilligt wurde, war ein Klacks verglichen mit dem, was später in dem Münchner Konzern passiert ist. Aber richtig ist auch, dass die Unternehmen nach dem Siemens-Drama das Thema Compliance entdeckt haben, und das ist ein Hinweis, dass es diesmal möglicherweise nicht bei Lippenbekenntnissen bleibt. Compliance steht für ein ganzheitliches Organisationsmodell, das die Einhaltung von internen Standards und gesetzlichen Bestimmungen sicherstellen soll. Meist werden Compliance-Systeme mit einem Ethik- und Wertemanagement kombiniert und sollen rechtlich und ethisch korrektes Verhalten von Firmen und Mitarbeitern gewährleisten - gegen Kartellbildung, Korruption, Geldwäsche oder Diskriminierung. Saubere Unternehmensführung statt Knast ist, vergröbert, das Ziel. Compliance ist keine Erfindung dieser aufgeregten Tage, aber früher wurde der Posten häufig mit Firmenjuristen besetzt, für die es sonst keine Verwendung gab, oder der Leiter der Rechtsabteilung übernahm den Posten zusätzlich. Wertewandel in Deutschland Das ändert sich. Personalberatungsunternehmen fahnden in diesen Tagen nach guten Compliance-Officers, wie sie genannt werden. Die Gehälter haben sich oft verdoppelt, und es wird üblich, dass ein Chief Compliance Officer (CCO) eine eigene Stabsstelle bekommt und direkt dem Vorstand verantwortlich ist. Dass einer der renommiertesten Korruptionsbekämpfer der Republik, der Frankfurter Oberstaatsanwalt Wolfgang Schaupensteiner, im Alter von 59 Jahren vor ein paar Monaten als CCO zur Bahn wechselte, zeigt die Bedeutung der Aufgabe. Der Werte-Wandel hängt aber auch damit zusammen, dass die Sanktionen immer härter werden und sich eine Amerikanisierung des Rechts abzeichnet. Das Vergaberecht wird neu entdeckt, über ein Unternehmensstrafrecht wird diskutiert. Zwar ist in Deutschland noch kein Manager, wie in den USA, zu vierzig Jahren Haft wegen unsauberer Praktiken verurteilt worden, aber die finanziellen Strafen wegen illegaler Preis- oder Gebietsabsprachen beispielsweise können empfindlich sein. So verhängt mittlerweile die EU-Kommission regelmäßig bei Kartellabsprachen Bußen in dreistelliger Millionenhöhe. Vier Mitglieder eines Aufzugskartells mussten im Februar dieses Jahres Strafgelder in Höhe von 992 Millionen Euro zahlen. Mit 479 Millionen Euro muss Thyssen-Krupp Elevator die höchste Einzelstrafe leisten, weil der Konzern schon früher bei illegalen Absprachen aufgefallen war. 40 Jahre Haft für Manager Der Konzern BASF, der Ende der 90er Jahre wegen illegaler Preisabsprachen im Vitamingeschäft eine hohe Geldbuße erhielt, hatte danach ein Compliance-Programm aufgelegt und strikte Verhaltensregeln für die Mitarbeiter erlassen. Vier-Augen-Prinzip, Rotation, Dokumentationspflichten gelten mittlerweile, und wer die Regeln dennoch verletzt, dem droht der Rauswurf. Wer bei Preisabsprachen in den USA erwischt wird, muss zudem damit rechnen, in den USA eine Haftstrafe absitzen zu müssen, auch wenn er mittlerweile wieder in Deutschland arbeitet. Als vorbildlich gilt den deutschen Compliance-Experten das Anti-Korruptionsprogramm des Siemens-Konkurrenten General Electric (GE), der seit 1954 Compliance-Regeln kennt. "Ich weiß nicht genau, wie GE es macht, aber wir müssen es genauso machen", hatte Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme in den Anfangstagen der Affäre intern erklärt. Der Kampf um mehr Sauberkeit kostet Geld, ist aufwendig und sehr bürokratisch, worüber in diesen Tagen viele Manager klagen. Aber: "Wenn Sie Compliance für teuer halten, versuchen Sie es einmal mit Nicht-Compliance", spottet der Münchner Anwalt Christoph E. Hauschka. Der Siemens-Fall, der seit einem Jahr aufgerollt wird, könnte also tatsächlich eine Zäsur sein, aber früher wurde der Begriff auch im Zusammenhang mit "Unterbrechung" verwendet. | Vor einem Jahr wurde der Schmiergeldskandal bei Siemens bekannt: Konzerne nehmen seitdem den Kampf gegen Korruption ernster - die Frage ist, wie lange noch. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/siemens-schmiergeldaffaere-neuer-drang-zur-sauberkeit-1.891572 | Siemens-Schmiergeldaffäre - Neuer Drang zur Sauberkeit | 00/05/2010 |
Opel ruft nach dem Staat und weckt Erinnerungen an den Fall Holzmann: Der damalige Chef des Bauriesen, Heinrich Binder, über Bürgschaften und Rettungspakete als Wahlkampfstrategie von Politikern. Neun Jahre ist es her, als Heinrich Binder zusammen mit dem damaligen Kanzler Gerhard Schröder (SPD) vor der Zentrale des Baukonzerns Philipp Holzmann stand: Schröder hatte die Banken mit Hilfe einer Bundesbürgschaft überzeugt - sie gaben dem angeschlagenen Unternehmen wieder Geld. Glücklich wurden weder Holzmann noch Binder: Gut zwei Jahre nach der spektakulären Rettungsaktion musste der Konzern Konkurs anmelden, Binder war schon lange vorher von Bord gegangen. Die Staatsanwaltschaft ermittelte gegen den promovierten Juristen, ihr Vorwurf: Binder habe die wirtschaftliche Lage des Konzerns falsch dargestellt. Sechs Jahre später wurde das Verfahren eingestellt. Detailansicht öffnen 24. November 1999: Holzmann-Chef Heinrich Binder (links) und Bundeskanzler Gerhard Schröder winken in Frankfurt am Main den Mitarbeitern des Baukonznerns zu, der in einer letzten Verhandlungsrunde (vorübergehend) vor der Pleite bewahrt wurde. Im Hintergrund Hessens Ministerpräsident Roland Koch. (Foto: Foto: dpa) Nach seinem gut zwei Jahre dauernden Gastspiel bei Holzmann ist der gebürtige Westfale Binder zurück in die Automobilindustrie gekehrt: Seit Sommer 2000 führt er den Zulieferer Takata-Petri mit Sitz in Aschaffenburg. Das Unternehmen ist Teil der Takata Corporation mit Sitz in Tokio. Von 1992 bis 1997 leitete Binder als Vorstandsvorsitzender den Kolben- und Motorenteilespezialisten Kolbenschmitt in Neckarsulm. sueddeutsche.de: Herr Binder, Opel ruft nach dem Staat und bittet um eine Milliarden-Bürgschaft. Werden bei Ihnen böse Erinnerungen an den Fall Holzmann wach? Heinrich Binder: Holzmann war ein ganz anderer Fall, das ist nicht mit Opel zu vergleichen. Bei Holzmann ging es nur vordergründig um eine Bürgschaft. Insgesamt waren das 246 Millionen Mark, es war eine andere Größenordnung. sueddeutsche.de: Und dennoch schwang sich kein Geringerer als Bundeskanzler Gerhard Schröder zum Retter auf. Warum? Binder: Die Banken waren untereinander sehr zerstritten. Bundeskanzler Schröder sollte die Banken einen, um weitere Kredite für Holzmann zu ermöglichen. Das hat bestens funktioniert und den Steuerzahler auch nichts gekostet. sueddeutsche.de: Gebracht hat es letzten Ende nichts. Wenige Jahre später ging das bis dato größte deutsche Bauunternehmen trotzdem pleite. Binder: Holzmann hatte Zeit bekommen, die Konjunktur erholte sich aber nicht wie erhofft. Dass zweieinhalb Jahre später Konkurs angemeldet wurde, lag nicht am Bundeskanzler. sueddeutsche.de: Haben Sie noch Kontakt zum vorübergehenden Holzmann-Retter Schröder? Binder: Nein. Obwohl sein Einsatz in der Presse sehr negativ dargestellt worden ist, hat er gute Arbeit geleistet. Schröder hat dem Unternehmen eine neue Chance gegeben. sueddeutsche.de: Die "Holzmänner" haben Kanzler Schröder unmittelbar nach Verkündung der Bundesbürgschaft vor der Konzernzentrale frenetisch gefeiert. Binder: Die Kollegen waren froh, dass ihre Arbeitsplätze erhalten geblieben sind. Das kann man nachvollziehen. sueddeutsche.de: Woran ist Holzmann dann doch gescheitert? Binder: Dazu kann ich nichts sagen, ich bin vorher aus dem Unternehmen ausgeschieden. sueddeutsche.de: War das Arbeiten bei Holzmann nach der Bürgschaft anders als zuvor - weil jeder wusste, dass der Konzern am Tropf des Staates hing? Binder: Nein, überhaupt nicht. Uns ging es damals darum, das Unternehmen zu retten. Die Sanierungsfähigkeit ist damals von einer Unternehmensberatung bestätigt worden. sueddeutsche.de: Wann ist eine staatliche Stützungsaktion sinnvoll? Binder: Aus rein marktwirtschaftlicher Sicht macht das keinen Sinn. Natürlich kann man sagen, dass es Ausnahmen geben soll, weil der Zusammenbruch eines großen Unternehmens immer sehr negative Auswirkungen hat - einmal auf die Arbeitsplätze in dem Unternehmen selber, aber auch auf die Jobs bei den Zulieferern. Von daher ist es vernünftig, wenn sich die Politik pragmatisch überlegt, ob man hier irgendwie helfen kann. Aber natürlich ist jede Hilfe ein Eingriff in die Marktwirtschaft und daher eher skeptisch zu beurteilen. Lesen Sie weiter, warum Opel ein Sonderfall ist - und warum Heinrich Binder dem Opel-Management keine Ratschläge gibt. | Opel ruft nach dem Staat und weckt Erinnerungen an den Fall Holzmann: Der damalige Chef des Bauriesen, Heinrich Binder, über Bürgschaften und Rettungspakete als Wahlkampfstrategie von Politikern. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/ex-holzmann-chef-binder-nicht-mit-opel-vergleichbar-1.891802 | "Ex-Holzmann-Chef Binder - ""Nicht mit Opel vergleichbar""" | 00/05/2010 |
Statt eines Pfandes will der Handel Dosen teuerer machen. In den Augen von Umweltminister Trittin wäre das aber reine "Abzocke" am Verbraucher. Trittin lehnte den Vorstoß des Handels kategorisch ab, das Dosenpfand durch eine Dosenabgabe zu ersetzen. "Hinter dem Vorschlag steckt der Versuch von Teilen der Wirtschaft, sich aus der Verantwortung für die Entsorgung der Einwegverpackungen zu stehlen und die Kosten auf die Verbraucher abzuwälzen", sagte der Umweltminister der Zeitung Die Welt. Detailansicht öffnen Bundesumweltminister Jürgen Trittin muss weiter um das Dosenpfand kämpfen. (Foto: AP) Das Pfand werde den Kunden bei Rückgabe der Dosen und anderer Einwegverpackungen wieder ausbezahlt, "aber mit einer Abgabe wird der Verbraucher nur abgezockt", zitiert die Zeitung Trittin weiter. Trittin wies damit einen Vorstoß der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten zurück, die für eine Abgabenlösung plädiert hatte. Diese favorisiert auch der Bundesverband der Industrie (BDI). "Keine Wahlfreiheit mehr" Bei Einführung einer Dosenabgabe würde der Handel massiv das gerade eingelistete Mehrweg wieder auslisten und flächendeckend nur noch Einweg anbieten, sagte der Grünen-Politiker der Welt. Der Verbraucher wäre dann gezwungen, nur noch Einweg zu kaufen. "Es gäbe keine Wahlfreiheit mehr, Mehrweg würde verdrängt", begründete Trittin seine ablehnende Haltung gegenüber dem Vorstoß. Gleichzeitig gab sich Trittin zuversichtlich, dass das erhobene Pfand nicht zum völligen Verschwinden der Dose führen werde: "Es wird nach wie vor einen Sektor Einwegverpackungen geben. Nur eines ist klar: Diejenigen, die weiter Einweg anbieten wollen, werden um ein Rücknahmesystem nicht herumkommen." Für eine Abgabe auf Dosen hätten sich in der Vergangenheit auch Umweltverbände und der Sachverständigenrat für Umweltfragen ausgesprochen, schreibt die Welt weiter. "Vor zwei oder drei Jahr mag das noch eine interessante Diskussion gewesen sein", räumte Trittin ein. Renaissance des Mehrwegs Diejenigen, die das Pfand ablehnten und eine Abgabe befürworteten, seien jedoch von der Wirklichkeit widerlegt worden, betonte der Minister gegenüber der Zeitung: "Heute wissen wir: Das Pfand wirkt ökologisch effektiv und hat zu einer Renaissance des Mehrwegs geführt." Unterstützung erhielt Trittin vom Präsidenten des Umweltbundesamtes, Andreas Troge, der eine Abgabe auf Einwegverpackungen ebenfalls strikt ablehnte. Im Gegensatz zum Pflichtpfand würde die Abgabe den Verbraucher finanziell belasten, weswegen die gegenwärtige Pfandlösung besser sei, sagte Troge der Berliner Zeitung. "Selbst bekämpft" Troge gab zu bedenken, dass die Wirtschaft, die jetzt eine Abgabe fordere, eine solche Maßnahme über 20 Jahre lang selbst bekämpft habe. "Als jemand, der die Diskussion über Einwegverpackungen seit 1977 verfolgt, sage ich: Ich hätte die Tricksereien bei Handel und Abfüllern für nicht mehr steigerungsfähig gehalten", sagte der Präsident des Umweltbundesamtes. Zuvor hatte nach Aldi-Süd auch die Tengelmann-Gruppe angekündigt, Dosen und Einwegflaschen aus den Regalen zu verbannen. "Wir beginnen ab sofort mit der Auslistung", sagte eine Sprecherin des Mülheimer Konzerns dem Berliner Tagesspiegel vom Freitag. "Nur, wenn wir keine Einwegverpackungen anbieten, haben wir kein Problem mit der Rücknahme." Zu dem Konzern gehören unter anderem die Supermarktketten Plus und Kaisers. Der Aufbau eines bundesweit einheitlichen Rücknahmesystems für Einweg-Leergut bis zum 1. Oktober war geplatzt, nachdem Teile des Handels und der Industrie eine entsprechende Zusage gekündigt hatten. Letzte Frist Trittin hatte der Branche am Mittwoch nach einem Krisentreffen eine letzte Frist bis Ende dieser Woche gesetzt, um sich zum Aufbau eines Pfandsystems zu bekennen. Bei weiterer Blockade drohen der Branche Bußgelder und Klagen von Wettbewerbern. (sueddeutsche.de/dpa) | Statt eines Pfandes will der Handel Dosen teuerer machen. In den Augen von Umweltminister Trittin wäre das aber reine "Abzocke" am Verbraucher. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/dosenpfand-ein-weg-zur-abzocke-1.907151 | "Dosenpfand - Ein Weg zur ""Abzocke""" | 00/05/2010 |
Eine höhere Steuerbelastung des Konsums träfe vor allem Niedrigverdiener: Denn Haushalte mit geringem Einkommen geben relativ viel für Grundbedürfnisse aus, so das Statistische Bundesamt. Privathaushalte in Deutschland mit einem niedrigen Einkommen müssen deutlich mehr ihres Konsumbudgets für Grundbedürfnisse ausgeben als Besserverdiener. Das ergibt eine Auswertung der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden. Detailansicht öffnen Je geringer das Einkommen, desto höher der Anteil der Konsumausgaben. (Foto: Foto: AP) Steueranhebung wahrscheinlich Damit würde eine Erhöhung der Mehrwertsteuer vor allem Niedrigverdiener treffen. Nach dem aktuellen Stand der Koalitionsverhandlungen zwischen Union und SPD gilt eine Anhebung von derzeit 16 auf 18 oder 19 Prozent als wahrscheinlich. Haushalte mit einem Nettoeinkommen von weniger als 900 Euro im Monat gaben knapp 63 Prozent ihres Konsumbudgets für Wohnen, Nahrungsmittel und Bekleidung aus. Bei Haushalten mit einem mittleren Einkommen sind es nur noch 53 Prozent. Haushalte mit Nettoeinkommen von 5000 Euro und mehr benötigen für den Grundbedarf nur noch 45 Prozent ihres Konsumbudgets. Dafür geben sie doppelt so viel für Auto und Wohnungsausstattung aus wie Niedrigverdiener. Durchschnittlich 2177 Euro für Konsum Laut Statistik hatten die private Haushalte in Deutschland 2003 im Durchschnitt 2177 Euro für Konsumausgaben zur Verfügung. Davon gingen 697 Euro für Wohnen, 303 Euro für Nahrungsmittel und 112 Euro für Kleidung drauf. Haushalte mit einem Nettoeinkommen von weniger als 900 Euro im Monat haben 807 Euro für Konsumzwecke zur Verfügung. Bei einem Nettoeinkommen von mehr als 5000 Euro im Monat sind dies nur 4117 Euro monatlich. Da die Stichprobe nur alle fünf Jahre erhoben wird, liegen keine aktuelleren Daten vor. (dpa/sueddeutsche.de) | Eine höhere Steuerbelastung des Konsums träfe vor allem Niedrigverdiener: Denn Haushalte mit geringem Einkommen geben relativ viel für Grundbedürfnisse aus, so das Statistische Bundesamt. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/mehrwertsteuererhoehung-wer-wenig-verdient-verliert-1.898862 | Mehrwertsteuererhöhung - Wer wenig verdient, verliert | 00/05/2010 |
Wer in China Geschäfte machen will, braucht einen Namen. Doch das ist nicht einfach, denn es gibt im Chinesischen keine Kunstworte. Firmen wie Siemens, BMW und Mercedes haben das Problem indes phantasievoll gelöst. Es ist ein boomender Markt, der ungezügeltes Wachstum verheißt: China. Doch mit westlicher Markenwerbung in lateinischer Schrift können die 1,3 Milliarden Chinesen in der Regel nichts anfangen. Detailansicht öffnen (Foto: Ausschnitt der BMW-Seite in China) Und die Übersetzung ins Chinesische ist kompliziert: Das fremde Sprachsystem und die fernöstliche Kultur sind gespickt mit Fallen, die den Auftritt in Fernost schnell zum Desaster werden lassen. Für viele Werbeagenturen ist das Neuland. "In China hat jedes der 50.000 Schriftzeichen eine Bedeutung. Und die Aussprache variiert in den verschiedenen Dialekten erheblich", berichtet Sybille Kircher, Geschäftsführerin der Werbeagentur Nomen International in Düsseldorf. "Kostbares Pferd" Seit Jahren verzeichnen die Düsseldorfer eine stetig steigende Zahl von Aufträgen für den chinesischen Markt: "Wir haben uns als einzige Agentur weltweit auf Markennamen spezialisiert", berichtet Kircher. Bis zu 10.000 Varianten eines Markennamens werden entwickelt, damit am Ende eines mehrstufigen Prozesses ein Vorschlag übrig bleibt. Die Kosten für einen solchen Namensfindungsprozess bewegen sich im Bereich einer fünfstelligen Euro-Summe, je nach Aufwand. Schon in westlichen Ländern ist die Marken-Übertragung reich an Pannen: "Das Automodell "Ford Probe" klingt in deutschen Ohren nicht besonders sicher und ausgereift", sagt Kircher. Der Fiat vom Typ Uno heißt im Finnischen "Trottel" und ist damit unverkäuflich. Der Lada, Modell Nova, bedeutet dem Spanier: "Geht nicht, fährt nicht." In China ist die Sache noch schwieriger: Wohlklingende, aber nichts sagende Wortschöpfungen und Kunstnamen, wie sie die Werber in Europa zu Hauf kreieren, sind im Chinesischen nicht möglich: "Es gibt immer eine Bedeutung der Schriftzeichen. Ohne Muttersprachler und Tests in den verschiedenen Dialekten läuft da nichts." Hat ein Vorschlag alle Klippen gemeistert, müssen Juristen noch prüfen, ob die Konkurrenz sich die Marke nicht schon hat schützen lassen. Als besonders gelungen lobt Kircher die Übertragung etwa von Siemens (xi-men-zi: "Tor zum Westen"), BMW (bao-ma: "Kostbares Pferd") oder Mercedes-Benz ("ben-shi: schnell und sicher fahren"). Große Schwierigkeiten habe dagegen das Chemieunternehmen Hoechst gehabt: Eine erste Version hätten viele Chinesen als "Ich will dich betrügen" verstanden, eine zweite Variante habe der chinesischen Aussprache von "Hitler" geähnelt. Auch der US-Konzern Pfizer habe mit seinem weltweiten Erfolg Viagra in China viel Pech gehabt. Die nahe liegendste Übersetzung hatte sich bereits die Konkurrenz als Marke schützen lassen. Die daraufhin gewählte Übersetzung "Wànàikè" bedeute "Gast, der 10.000 Mal Liebe macht". Das sei von den Chinesen wiederum als recht ungehörig empfunden worden. Die Kunst bestehe darin, Zeichen mit einer positiven Bedeutung zu finden, die zum Produkt passen. Die Aussprache sollte dann trotzdem noch an die westliche Marke erinnern, sagt Kircher. Was ist ein Brötchen? Diese Suche erledigen vor allem ihre Kollegen in Shanghai. Ist eine Zeichen-Kombination gefunden, muss sie in den wichtigsten chinesischen Dialekten auch bei der Aussprache funktionieren, ohne negative Assoziationen zu wecken. Alle 80 Dialekte im "Reich der Mitte" werden aber nicht geprüft, räumt die Marketing-Expertin ein. "Das Mandarin-Chinesisch hat vier unterschiedliche Tonhöhen, das Shanghai-Chinesisch sechs", verrät die Agentur-Chefin. Auch Zahlen haben ihre Tücken: "Die Zahl 4 ist das Symbol für den Tod. Die 8 ist dagegen eine Glückszahl." Das gleiche gilt für die Farben, die ein Markenlogo prägen: "In China ist die Farbe der Trauer weiß - nicht schwarz. Blau steht für das Böse, orange für Glück." Der Test von Markennamen kann außerdem nicht so ablaufen, wie ihn Marktforscher im Westen per Meinungsumfrage erledigen: "Die Chinesen sind sehr höflich. Ein Problem wird nicht als solches benannt." Erst wenn ein Vertrauensverhältnis entstanden ist, werden negative Eigenschaften eines Namens-Kandidaten angedeutet. Besondere Probleme kann auch das einfachste Produkt mit sich bringen: "Die Chinesen wissen nicht, was ein Brötchen ist, wann und wie man es isst." | Wer in China Geschäfte machen will, braucht einen Namen. Doch das ist nicht einfach, denn es gibt im Chinesischen keine Kunstworte. Firmen wie Siemens, BMW und Mercedes haben das Problem indes phantasievoll gelöst. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/werbung-mit-tuecken-wenn-der-kunde-nur-hitler-versteht-1.915110 | "Werbung mit Tücken - Wenn der Kunde nur ""Hitler"" versteht" | 00/05/2010 |
In Amerika droht die Erholung am Arbeitsmarkt vorbeizugehen - deshalb will Präsident George W. Bush Wege aus der Beschäftigungskrise weisen. Experten befürchten, dass der schwache Arbeitsmarkt langfristig dem Aufschwung schaden könnte. (SZ vom 13.08.2003) — Um die anhaltende Beschäftigungskrise zu bekämpfen, hat Präsident George Bush sein Wirtschaftsteam nun auf seine Ranch nach Texas geladen. Neben Finanzminister John Snow nehmen Wirtschaftsminister Donald Evans und der Wirtschaftsweise Steve Friedman teil. Nach Informationen des Wall Street Journal soll unter anderem über Steuererleichterungen für Unternehmen gesprochen werden, um die Beschäftigung zu fördern. Allerdings wurden Bushs Handlungsmöglichkeiten vor dem Treffen als begrenzt eingeschätzt. Das Haushaltsdefizit hat in diesem Jahr 455 Milliarden Dollar erreicht, und ist damit in absoluten Zahlen das größte in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Das Treffen dürfte daher vor allem ein Medienereignis werden. Trotz eines Wachstums von 2,4 Prozent (Jahresrate) im zweiten Quartal, streichen die Unternehmen Stellen. Im Juli gingen allein 44.000 Arbeitsplätze verloren. Die Arbeitslosenquote sank im Juli zwar leicht, von 6,4 auf 6,2 Prozent, allerdings auch nur deshalb, weil zahlreiche Arbeitslose die Suche aufgegeben hatten und deshalb von der Statistik nicht mehr erfasst werden. Vor drei Jahren hatte die Arbeitslosenquote lediglich 3,8 Prozent betragen. Die schlechte Arbeitsmarktlage könnte den Konsum beeinträchtigen. Das Konsumentenvertrauen war im Juli überraschend stark von 83,5 auf 76,6 Punkte gefallen. Vorwahlkampf Bush steht allerdings unter Druck, Erfolge am Arbeitsmarkt vorzuweisen, ehe es im kommenden Jahr um seine Wiederwahl geht. Der Wahlforscher Charles Cook sagte, Bush müsse spätestens im Frühjahr Erfolge nachweisen, um bei der Wahl nicht in Probleme zu geraten. "Es bleibt ihm nicht viel Zeit, um sich zu verbessern." Bruce Kasman von JP Chase Morgan warnt vor den wirtschaftlichen Folgen des schwachen Arbeitsmarktes: "Wenn der Arbeitsmarkt nicht bis zum Frühjahr anspringt, wird er ein signifikantes Risiko für den Aufschwung werden." Auch Mark Zandi, Chefökonom von Economy.com, äußerte Sorgen über die schlechte Beschäftigungslage, verwies allerdings auf das ermutigende Produktivitätswachstum von 5,7 Prozent im zweiten Quartal. "Das ist der beste Grund, um optimistisch für die Zukunft zu sein", sagte Zandi. Als entscheidend für die weitere Entwicklung wird die Strategie der amerikanischen Notenbank angesehen. Nachdem sie die Zinsen seit Januar 2001 insgesamt 13 Mal gesenkt hat, bleibt ihr nur noch wenig Raum für weitere, konjunkturbelebende Maßnahmen. Greenspan lässt die Märkte im Unklaren Die Zinsen liegen mit einem Prozent auf dem tiefsten Stand seit 1958. Zuletzt hatte Notenbankchef Alan Greenspan die Märkte über seine weiteren Ziele im Unklaren gelassen, nachdem er einerseits die Zinsen herunterzureden versuchte, indem er vor Deflationsgefahren warnte und gleichzeitig in Aussicht stellte, die Leitzinsen für längere Zeit nicht anzuheben. Andererseits sorgte er mit optimistischen Konjunkturprognosen dafür, dass die langfristigen Zinsen enorm stiegen. Seit dem letzten Treffen des Offenmarktausschusses im Juni sind die Zinssatz der zehnjährigen Staatsanleihen von 3,1 auf knapp 4,5 Prozent gestiegen, die der 30-jährigen Hypothekenzinsen von 5,21 auf über sechs Prozent. An der Wall Street äußerten einige Experten die Sorge, die amerikanische Notenbank würge damit den Immobilienboom ab. "Es besteht die Gefahr, dass die Zinsen so stark steigen, dass sie den Aufschwung abwürgen", sagt Fed-Experte David Jones. Die Refinanzierungsanträge für Hypothekendarlehen sind seit Mai bereits um 60 Prozent gefallen. Die niedrigen Hypothekenzinsen hatten im vergangenen Jahr dazu geführt, dass die Amerikaner 200 Milliarden Dollar mehr in der Tasche hatten. Das Geld, so eine Studie der amerikanischen Notenbank, wurde zur Hälfte in den Konsum gesteckt. | In Amerika droht die Erholung am Arbeitsmarkt vorbeizugehen - deshalb will Präsident George W. Bush Wege aus der Beschäftigungskrise weisen. Experten befürchten, dass der schwache Arbeitsmarkt langfristig dem Aufschwung schaden könnte. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/wirtschaftsgipfel-bei-praesident-bush-sorge-um-den-amerikanischen-arbeitsmarkt-1.906587 | Wirtschaftsgipfel bei Präsident Bush - Sorge um den amerikanischen Arbeitsmarkt | 00/05/2010 |
Eine hessische Lehrerin hat im Internet-Spiel Second Life mehr als eine Million Dollar gemacht - damit will sie jetzt ihr Unternehmen in der wirklichen Welt vorantreiben. Das Treffen mit Anshe Chung, der ehemaligen Lehrerin, die nun eine erfolgreiche Unternehmerin ist, findet nicht in einem realen Cafe, Hotel oder Unternehmen statt. ,,Einen Moment'', schreibt sie und schickt kurz darauf eine Nachricht mit ihrer Adresse: Plush City - 111,99,22. Detailansicht öffnen Anshe Chung vor einem künstlichen See: Die Chinesin besitzt bereits ein Zehntel der virtuellen Fläche innerhalb von Second Life. (Foto: Foto: Press Kit) Hinter dieser Kombination verbirgt sich ihre virtuelle Hausnummer. Per Klick mit der Computermaus schaltet der Rechner Chung und den Reporter zusammen. Expansion in der Realität Das Interview findet einer virtuellen Welt namens Second Life statt, einem Computerspiel im Netz, das die Realität nachstellt. Dort hat es Chung als erste zu einem Vermögen von mehr als einer Million Dollar gebracht, in echter Währung, und so einen wahren Goldrausch im Internet ausgelöst. Mit dem Geld will sie jetzt die Expansion ihres Unternehmens in der Realität voranbringen. Das Spiel Second Life ist das jüngste Modethema im Internet und Teil eines Phänomens namens Web 2.0. In dieser zweiten Version des weltumspannenden Computernetzes gestalten die Nutzer die Inhalte - und nicht mehr die Firmen hinter den Web-Seiten. Videoplattformen wie Youtube.com, das Online-Poesiealbum Myspace.com oder die Fotobörse Flickr.com leben vom Mitmachen der Internet-Surfer. Eine Simulation der Wirklichkeit Bei Second Life können die vier Millionen Nutzer gleich eine ganze Welt gestalten. Die Simulation, die auf fast jedem Computer mit schnellem Netz-Anschluss laufen kann, bildet die Wirklichkeit nach. Alles ist möglich, was im ersten Leben geht - und noch ein wenig mehr. Die Spielfiguren in der Welt von Second Life heißen Avatare und verkörpern ihren Spieler in der Virtualität. Sie können männlich sein oder weiblich, eine Tierform annehmen und sich mit wenigen Mausklicks verwandeln, wenn es sein muss, auch vom einen in das andere Geschlecht. Die Avatare laufen durch verschiedene Landschaften - oder durchfliegen sie der Einfachheit halber, bauen Häuser, reden miteinander oder treiben Handel. Das Besondere an Second Life: Auch das Wirtschaftssystem ist der Realität nachgeahmt, man kann in der virtuellen Welt Waren kaufen und verkaufen, und das Spielgeld namens Linden Dollars lässt sich jederzeit in echte Währung tauschen. Ein Mensch aus Fleisch und Blut Anshe Chung hat schon Platz genommen, als sie den Reporter empfängt. Wie hinter jedem der Avatare in Second Life steckt auch hinter Anshe Chung ein Mensch aus Fleisch und Blut. Im ersten, realen Leben hört sie auf den Namen Ailin Gräf, eine gebürtige Chinesin, Jahrgang 1973, seit zehn Jahren mit einem Deutschen verheiratet. Bis vor kurzem unterrichtete sie deutsch, englisch und chinesisch an einer Volkshochschule in Hessen, in der Nähe von ihrem Wohnort. Mittlerweile hat sie sich von Berufs wegen der virtuellen Realität verschrieben. Sie widmet sich ausschließlich ihrem Unternehmen, den Anshe Chung Studios, einem Internetdienstleister, der vom Kleidungsstück über Möbel hin zu Gebäuden alles Erdenkliche für digitale Welten erstellt. Ein Atavar namens Soeren Susa ,,Wir erschaffen so Gebiete und gründen Gemeinschaften von Landbesitzern'', erklärt sie dem Reporter, der im Spiel für seinen Avatar den Namen Soeren Susa gewählt hat. | Eine hessische Lehrerin hat im Internet-Spiel Second Life mehr als eine Million Dollar gemacht - damit will sie jetzt ihr Unternehmen in der wirklichen Welt vorantreiben. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/virtuelle-grossgrundbesitzerin-goldrausch-im-zweiten-leben-1.905838 | Virtuelle Großgrundbesitzerin - Goldrausch im zweiten Leben | 00/05/2010 |
VW-Chef Pischetsrieder schafft mit dem Tarifabschluss einen wichtigen Etappensieg. Denn auch viele VW-Käufer sind Arbeiter, die nicht einsehen, warum in Wolfsburg mehr verdient wird als anderswo. Dem Zentralorgan der arbeitenden Bevölkerung war früh klar, dass die Forderung überzogen war. "Sind die VW-Arbeiter zu gierig?", fragte Bild, als die Autowerker für vier Prozent mehr Lohn die Arbeit niederlegten. Detailansicht öffnen Schwierige Zeiten: VW-Chef Bernd Pischetsrieder und Personal-Vorstand Peter Hartz. (Foto: Foto: dpa) Kurz darauf kam die Einigung. Die deutschen VW-Arbeiter, die 20 Prozent mehr verdienen als andere Metallwerker und elf Prozent mehr als ihre Kollegen bei anderen Autoherstellern, verzichten bis 2007 auf Lohnerhöhungen. Neuer Geländewagen wird in Wolfsburg gebaut Dafür bekommen sie eine Jobgarantie bis 2011, eine Einmalzahlung von 1000 Euro, und der neue VW-Geländewagen wird in Wolfsburg gebaut. Das Allrad-Auto auf Golf-Basis wäre im slowakischen VW-Werk um 1800 Euro pro Stück billiger. Die IG Metall hat dem Abschluss am Freitag zugestimmt, obwohl sich VW fast komplett durchgesetzt hat. Damit kann der Konzern eine Milliarde Euro sparen. Und er hat den halben Weg geschafft: Bis 2011 will Vorstandschef Bernd Pischetsrieder die Arbeitskosten um zwei Milliarden Euro reduzieren. Anstandshalber verzichtet auch der Vorstand bis 2007 auf Gehaltserhöhungen. Abgestürzt Europas größter Autokonzern ist abgestürzt. Der Gewinn fällt seit 2002, der Aktienkurs hatte vor fünf Jahren noch die doppelte Höhe. Ein Alarmzeichen ist, dass die Kernmarke VW 2004 schon 200 Millionen Euro Verlust gemacht hat. Da der Konzern seit 1998 etwa fünf Milliarden Euro in unverkäufliche Luxusautos wie Phaeton und Bugatti oder Prestigeprojekte wie die Gläserne Fabrik in Dresden und die Autostadt in Wolfsburg versenkt hat, ist der Handlungsbedarf groß wie selten zuvor. VW habe mit 103.000 deutschen Mitarbeitern 30.000 zu viel, sagt der Vorstand. | VW-Chef Pischetsrieder schafft mit dem Tarifabschluss einen wichtigen Etappensieg. Denn auch viele VW-Käufer sind Arbeiter, die nicht einsehen, warum in Wolfsburg mehr verdient wird als anderswo. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/volkswagen-die-strategie-des-verzichts-1.902838 | Volkswagen - Die Strategie des Verzichts | 00/05/2010 |
Bloggen ist heute in, aber so dürfte sich Siemens-Chef Klaus Kleinfeld das elektronische Tagebuch im Intranet des Konzerns nicht vorgestellt haben: Statt über "Kundenzufriedenheit" zu räsonieren, empören sich die Mitarbeiter über die Maßlosigkeit ihrer Chefs, deren Bezüge um 30 Prozent steigen sollen. Intel-Chef Paul Otellini tut es, SAP-Vorstand Shai Agassi, und auch Siemens-Chef Klaus Kleinfeld ist auf der Höhe der Zeit: Spitzenmanager bloggen. Detailansicht öffnen Gegenüber modernen Kommunikationsformen aufgeschlossen: Siemens-Chef Klaus Kleinfeld. (Foto: Foto: ddp) Blog ist die Kurzform für Weblog, die Möglichkeit, per Online-Tagebuch der ganzen Welt die eigenen Gedanken mitzuteilen. Allein im ,,CEO-Corner'' des Firmennetzes bei Siemens schauen nach Konzernangaben täglich 7000 Mitarbeiter auf der Tagebuchseite vorbei. Damit liegt sie regelmäßig unter den Top drei der meistbesuchten Intranetseiten in Deutschland. Zuletzt hatte der Konzernchef seinen Mitarbeitern im Blog die Kundenzufriedenheit ans Herz gelegt und sie zu eigenen Kommentaren ermuntert. Doch seit der vergangenen Woche sehen die Beschäftigten viel mehr Diskussionsbedarf zu einem ganz anderen Thema. Noch schärfer Die Bekanntgabe der Gehaltserhöhung für Vorstände um 30 Prozent hatte bereits bei Politikern, Gewerkschaften und Managementkollegen heftige Reaktionen ausgelöst. Doch im eigenen Unternehmen fällt die Reaktion noch schärfer aus. Fast 70 Seiten umfasst ein Ausdruck der Diskussion im internen CEO-Forum inzwischen. Für den Gesamtbetriebsrat eine Überraschung, denn die Siemensianer können ihre Kritik nicht anonym äußern. Wer seinem Chef die Meinung sagen will, muss sich mit vollem Namen und Geschäftsgebiet identifizieren. Die Hemmschwelle sei groß, die Beiträge gerade deshalb repräsentativ, heißt es. Offene Konfrontation An eine derart offene Konfrontation der Beschäftigten mit der Konzernführung können sich selbst altgediente Mitarbeiter nicht erinnern. | Bloggen ist heute in, aber so dürfte sich Siemens-Chef Klaus Kleinfeld das elektronische Tagebuch im Intranet des Konzerns nicht vorgestellt haben: Statt über "Kundenzufriedenheit" zu räsonieren, empören sich die Mitarbeiter über die Maßlosigkeit ihrer Chefs, deren Bezüge um 30 Prozent steigen sollen. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/siemens-tagebuch-des-frusts-1.907784 | Siemens - Tagebuch des Frusts | 00/05/2010 |
Zum zweiten Mal in Folge verletzt Deutschland den europäischen Strabilitäts- und Wachstumspakt - prompt hacken alle auf Finanzminister Hans Eichel herum. Aber er trägt die Verantwortung nicht alleine. (SZ vom 30.08.03) - Wir haben es ja immer geahnt: Hans Eichel hat seine Zahlen nicht im Griff, den Haushalt, die Schulden, einfach nichts. Auch sein Vorschlag, wie das Vorziehen der Steuerreform zu finanzieren sei, ist nur eine Luftnummer. Na klar. Die Union ist ganz auf Eichel fixiert So zumindest sieht es die Union. "Ich bin ganz auf Eichel fokussiert", räumte Angela Merkel unlängst ein. Ähnliches gilt für Edmund Stoiber. Von daher verwundert es wenig, dass die Opposition den angeschlagenen Kassenverwalter nun auch für den neuerlichen Bruch des europäischen Stabilitätspakts verantwortlich macht und seinen Rücktritt fordert. Der Ansatz der Union ist simpel, allzu simpel. Ihre ganze Strategie zielt darauf ab, den einst stärksten Mann des Kanzlers, den ehemaligen "Sparminator", weiter in Misskredit und so die Regierung ins Wanken zu bringen: Es ist Eichels Schuld, behaupten die Christdemokraten, wenn die Pendler bluten müssen. Er ist verantwortlich dafür, dass die Wirtschaft stagniert und das einst stolze Land nicht aus der Krise herausfindet. Und natürlich hat er dafür gesorgt, dass die neuen Staatsschulden dieses Jahr auf Rekordhöhe steigen, auf mindestens 3,8 Prozent der gesamten deutschen Wirtschaftsleistung. Die Wahrheit ist komplizierter Die Wahrheit ist indes komplizierter, sie stand weit hinten in den Wirtschaftsteilen der Zeitungen, und vielleicht haben die christdemokratischen Strategen in München und Berlin sie deshalb nicht wahrgenommen. Die Experten der Ratingagentur Standard&Poors, die nicht nur die Schulden von Unternehmen, sondern auch die von Staaten bewerten, haben das Land Hessen herabgestuft. Hessens Bestnote beim Schulden-Rating ist weg, denn Roland Koch, der CDU-Ministerpräsident und potenzielle Kanzlerkandidat, hat bei den Krediten überzogen. Eichel dagegen hat die Top-Bewertung noch. Vorerst jedenfalls. Auch anderswo strapazieren die Länder ihre Kreditlinie. Schon jetzt haben sie sich annähernd so viel Geld gepumpt, wie eigentlich fürs ganze Jahr eingeplant war, weit über 20 Milliarden Euro. Sie tragen damit neben den hochdefizitären Renten- und Krankenkassen entscheidend zur neuerlichen Verletzung des Maastricht-Kriteriums bei. Die Länder haben zu lange auf Berlin gezeigt Natürlich leiden auch die Länder unter der miesen Konjunktur, natürlich sind auch ihre Steuereinnahmen in den vergangenen beiden Jahren eingebrochen. Doch allein dadurch lässt sich das Minus vielerorts nicht erklären. Lang, zu lang haben alle nur nach Berlin gezeigt, wenn es darum ging, den Europäischen Stabilitätspakt einzuhalten, und sich hinter Eichel versteckt, der - es sei nicht verschwiegen - bei den Schulden diesmal ebenfalls wieder überzieht. Der Bundesfinanzminister weiß allerdings, dass er, anders als 2002, nicht allein die Hauptschuld für das Desaster trägt, und er wird versuchen, dies auszunutzen. Es ist kein Zufall, dass die rot-grüne Regierung die Schuldenzahlen der Länder vorzeitig publik gemacht hat. Im Herbst wird Druck gemacht Im Herbst werden Eichel und Schröder den Druck nochmals erhöhen, wenn die Reformgesetze, das Sparpaket, der Subventionsabbau zur Entscheidung im Bundesrat anstehen. Denn was Berlin auf den Weg gebracht hat, bringt auch den Ländern im nächsten Jahr viel Geld; die meisten Finanzminister, egal ob aus der Union oder aus der SPD, können darauf eigentlich nicht verzichten. Gewiss, es lässt sich trefflich darüber streiten, ob jeder Ansatz in Eichels Etat plausibel ist, ob tatsächlich fünf Milliarden fließen, weil hunderttausende von Steuerzahlern ihr Geld nach Deutschland zurückholen - oder ob die Hartz-Reformen derart viel an Einsparungen bringen, wie die Regierung erhofft. Wer aber, wie der bayerische Ministerpräsident, alles in Bausch und Bogen ablehnt und mit einem Nein im Bundesrat droht, wer dem Bundesfinanzminister Luftbuchungen vorwirft und zugleich harte Einschnitte für Pendler, Häuslebauer oder Rentner verweigert, der hat den Sinn des Stabilitätspaktes nicht verstanden. Oder aber er hat nur eines im Sinn: den Wahlkampf. | Zum zweiten Mal in Folge verletzt Deutschland den europäischen Strabilitäts- und Wachstumspakt - prompt hacken alle auf Finanzminister Hans Eichel herum. Aber er trägt die Verantwortung nicht alleine. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/kommentar-die-bundeslaender-sind-ebenso-schuld-1.903504 | Kommentar - Die Bundesländer sind ebenso schuld | 00/05/2010 |
Gerhard Schröder hat im Bundestag die umstrittene Reform Hartz IV als als sozial ausgeglichen verteidigt. Der Opposition warf der Kanzler vor, sich vor dem Unmut der Bevölkerung weggeduckt zu haben. Schröder wies alle Forderungen nach Korrekturen an Hartz IV erneut zurück, kündigte zugleich aber eine spätere Überprüfung möglicher Fehlentwicklungen an. Detailansicht öffnen Gerhard Schröder im Bundestag. (Foto: Foto: dpa) "Wenn wir jetzt nicht handelten, dann würde es zu spät sein", sagte Schröder am Mittwoch in der Haushaltsdebatte des Bundestages. Ziel der Arbeitsmarktreform sei es, die stetig wachsende Langzeitarbeitslosigkeit stärker zu bekämpfen. Später solle aber korrigierend eingegriffen werden, wenn Wirkungen erzielt würden, die mit dem Gesetz nicht beabsichtigt seien. Dies lasse sich aber erst nach Inkrafttreten von Hartz IV feststellen. "Großer Ermessensspielraum" Konkret nannte Schröder die Frage der Zumutbarkeit angebotener Jobs. Da sich dies nur sehr schwer abstrakt definieren lasse, sei hier den Fallmanagern der Arbeitsagenturen ein großer Ermessensspielraum eingeräumt worden. "Ich gehe davon aus, dass damit verantwortlich umgegangen wird", sagte der Kanzler. Er verteidigte auch die Grenzen für Zuverdienstmöglichkeiten von Empfängern des neuen Arbeitslosengeldes II sowie die Höhe der Freibeträge für die Anrechnung von Vermögen. Als steuerfinanzierte Leistung werde das Arbeitslosengeld II "aufgebracht auch aus den Steuermitteln der Verkäuferin". Auch dies sei eine Gerechtigkeitsfrage. Scharfe Angriffe Scharfe Angriffe richtete der Kanzler erneut an die Adresse von Union. Die Opposition habe sich "in die Büsche geworfen", als die notwendigen Reformen wie die Einführung der Praxisgebühr zu Jahresbeginn zu massivem Unmut in der Bevölkerung geführt hatte. Wenn jetzt CDU-Ministerpräsidenten die Freigrenzen für das Vermögen als zu niedrig kritisierten, werde das der Lage nicht gerecht: "Die gleichen Ministerpräsidenten haben dafür gesorgt, dass nicht weniger, sondern mehr Schärfe ins System gekommen ist", sagte Schröder mit Blick auf von der Union durchgesetzte Forderungen im Vermittlungsverfahren zu Hartz IV. | Gerhard Schröder hat im Bundestag die umstrittene Reform Hartz IV als als sozial ausgeglichen verteidigt. Der Opposition warf der Kanzler vor, sich vor dem Unmut der Bevölkerung weggeduckt zu haben. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/haushaltsdebatte-sie-haben-sich-in-die-buesche-geworfen-1.906951 | "Haushaltsdebatte - ""Sie haben sich in die Büsche geworfen""" | 00/05/2010 |
Lavalampen, Ski-Trips und Gourmet-Kantinen: Mit diesen Extras punktet Google bei amerikanischen MBA-Studenten. Die anspruchsvolle Klientel gab nun erstmals an, dass ihr der Suchmaschinen-Betreiber als Arbeitgeber lieber sei als McKinsey. In der neuen Studie der amerikanischen Marktforschungsgesellschaft Universum gaben die MBA-Studenten erstmals an, dass sie Google als potenziellen Arbeitgeber am stärksten präferieren würden. Das Internet-Unternehmen rangiert damit erstmals vor der Unternehmensberatung McKinsey, die auf Rang zwei kam und die Spitzenposition zwölf Jahre lang inne hatte. Das Ergebnis der Umfrage belegt das explosive Wachstum des Suchmaschinen-Betreibers. Allein im vergangenen Jahr verdoppelte Google seine Belegschaft auf mittlerweile knapp 11.000 Mitarbeiter. Das Unternehmen ist bekannt dafür, die Belegschaft geradezu mit Annehmlichkeiten zu überhäufen: Kostenloses Essen, Fahrbereitschaften für den Weg zur und von der Arbeit und firmeneigene Massagedienste zählen Vorzügen eines Arbeitsplatzes bei Google. "Es ist buchstäblich die Traumfirma für jeden MBA", sagte Universum-Chefin Claudia Tattanelli laut der Nachrichtenagentur Bloomberg in einem Interview: "Es ist eine glänzende Referenz zu sagen, 'ich arbeitete für Google.'" Bei der Erhebung im vergangenen Jahr belegte Google noch den zweiten Platz und im Jahr 2005 rangierte das Unternehmen noch unter ferner liefen auf Position 129. Yahoo! auf Position 22 Googles stärkster Konkurrente Yahoo! kam auf Rang 22, während andere IT-Firmen wie Apple und Microsoft mit Rang sechs und sieben ebenfalls unter die Top-Ten der Studie gelangten. Leicht ist der Einstieg bei Google allerdings nicht. Das Silicon-Valley-Unternehmen ist bekannt dafür, neue Mitarbeiter extrem sorgfältig auszuwählen. Selbst für die Absolventen elitärer US-Business Schools ist die Einstellung bei Google keine Selbstverständlichkeit, wobei ein Abschluss von Harvard oder Yale ganz offensichtlich eine gute Visitenkarte darstellt: Geschafft haben den Karriereschritt beispielsweise Vertriebschef Omid Koredstani, der an der Stanford Business School war oder Online-Vertriebschefin Sheryl Sandbert, die ein Harvard-Diplom in der Tasche hat. Derzeit sucht Google beispielsweise Mitarbeiter für die Abteilungen Unternehmensstrategie und Business Development. Bei Männern immer noch McKinsey vorne McKinsey ist in der Erhebung für 2007 allerdings noch immer der beliebteste Arbeitgeber männlicher MBA-Studenten. Auch unter den traditionell populären Unternehmensberatungen ist die traditionsreiche Consultingfirma noch immer die beliebteste und rangiert vor Boston Consulting und Bain. | Lavalampen, Ski-Trips und Gourmet-Kantinen: Mit diesen Extras punktet Google bei amerikanischen MBA-Studenten. Die anspruchsvolle Klientel gab nun erstmals an, dass ihr der Suchmaschinen-Betreiber als Arbeitgeber lieber sei als McKinsey. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/google-als-arbeitgeber-traumfirma-fuer-jeden-mba-1.900422 | "Google als Arbeitgeber - ""Traumfirma für jeden MBA""" | 00/05/2010 |
Zu hohe Gehälter, zu viele Filialen, zu viel Personal: Der Druck auf die Gesetzliche Krankenversicherung wächst. Angesichts der dramatischen Finanzlage der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) geht die Debatte um Sparmaßnahmen unvermindert weiter. Einem Bericht der Financial Times Deutschland (Dienstag) zufolge will die Barmer Ersatzkasse weitere Geschäftsstellen schließen. Die Allgemeine Ortskrankenkasse (AOK) Brandenburg erwäge betriebsbedingte Kündigungen. Bei den Betriebskrankenkassen (BKK) kündigen sich nach Einschätzung des Bundesversicherungsamtes wegen deren prekärer Finanzlage weitere Fusionen an. Überhöhte Vorstandsvergütungen Nach Angaben der Financial Times Deutschland hat die Barmer seit 1999 mehr als 1300 Mitarbeiter entlassen und 300 Geschäftsstellen geschlossen. "Diesen Weg werden wir weiter gehen", sagte eine Barmer- Sprecherin dem Blatt. Ein Sprecher der AOK Brandenburg sagte zu möglichen Kündigungen in seinem Hause: "Das wird diskutiert." Die Kasse ist mit derzeit rund 2000 Mitarbeitern einer der größten Arbeitgeber des Bundeslandes. Nach einem Bericht der Bild-Zeitung verursachten die Krankenkassen den Anstieg ihrer Verwaltungskosten offenkundig auch durch die Genehmigung zu hoher Gehälter für die Vorstände mit. Das Bundesversicherungsamt sei bei einer Prüfung der Vorstandsverträge auf eine Vielzahl von überhöhten Vergütungen gestoßen, schrieb das Blatt (Dienstag). Dabei deckten die Prüfer laut Bild in neun Fällen auf, dass Kassen ihren Chefs zu hohe Gehälter zahlten. So erhielten Vorstände von kleinen Krankenversicherungen mit nur bis zu 20.000 Mitgliedern zwischen 100.000 und 120.000 Euro Gehalt im Jahr. Der Präsident des Bundesversicherungsamts, Rainer Daubenbüchel, sagte dem Berliner Tagesspiegel (Dienstag), seine Behörde habe in diesem Jahr schon sechs BKK-Zusammenschlüsse genehmigt. Sechs weitere seien in Bearbeitung. Kostensteigerungen an die Einnahmen gekoppelt "Wir gehen davon aus, dass es noch mehr Fusionen geben wird." Nach seinen Angaben will die BKK Berlin mit der BKK Stadt Hamburg zusammengehen. Auch die BKK Opel und die BKK Aktiv seien fusionsbereit. Die Bundesregierung kündigte an, die hohen Verwaltungskosten der Kassen im Rahmen der Gesundheitsreform reduzieren zu wollen. So sollen die Kassen künftig gegenüber ihren Versicherten offen legen, wie hoch der jeweilige Anteil der Verwaltungs- und Personalausgaben ist. Darauf werde es einen Anspruch geben, sagte eine Ministeriumssprecherin am Montag in Berlin. Für 2003 wurde den Kassen bereits eine Null-Runde verordnet. Von 2004 an sollen zudem die Verwaltungsausgaben der gesetzlichen Krankenkassen nur entsprechend den Einnahmen steigen dürfen. Nach Angaben des Sozialministeriums sind die Verwaltungskosten der Gesetzlichen Krankenkassen im vergangenen Jahr auf ein Rekordhoch von gut 8 Milliarden Euro oder 5,6 Prozent der Gesamtausgaben geklettert. | Zu hohe Gehälter, zu viele Filialen, zu viel Personal: Der Druck auf die Gesetzliche Krankenversicherung wächst. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/verwaltungskosten-kranke-kassen-bei-den-krankenkassen-1.901218 | Verwaltungskosten - Kranke Kassen bei den Krankenkassen | 00/05/2010 |
Der Verdacht, dass deutsche Politiker bei der Privatisierung der Leuna-Raffinerie geschmiert wurden, lässt sich nicht erhärten. (SZ vom 8.7.2003) — Der 28. April war aus deutscher Sicht ein spannender Tag im Prozess um die Praktiken beim französischen Ölkonzern Elf Aquitaine. Ein früherer Top-Manager des Unternehmens, Alfred Sirven, erklärte, beim Kauf der ostdeutschen Leuna-Raffinerie Anfang der neunziger Jahre seien "zwei deutsche Minister" mit Barem bedacht worden. Der eine Geldempfänger war Hans Friderichs (FDP), von 1972 bis 1977 Bundeswirtschaftsminister. Friderichs hatte bei der Privatisierung von Leuna ein Mandat von Elf und agierte als Aufsichtsratsvorsitzender der Leuna-Werke. Die zweite Geldempfängerin war Agnes Hürland-Büning. Die Christdemokratin war von 1987 bis 1990 Parlamentarische Staatssekretärin im Verteidigungsministerium, hat aber erst nach ihrem Abschied von der Hardthöhe für Elf gearbeitet. Korruptionsverdacht seit Mitte der Neunziger Seit Mitte der neunziger Jahre die ersten Korruptionsgerüchte auftauchten, wurden von unter Verdacht geratenen Ex-Elf-Managern folgende deutsche Organisationen, Politiker oder Parteien als angebliche Geldempfänger ins Spiel gebracht: Stasi, Treuhand, Beamte allgemein, der Bundesnachrichtendienst speziell, die CDU, Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl und schließlich sogar die Grünen. Die Verbreiter der Gerüchte waren offenkundig mit deutschen Verhältnissen wenig vertraut. Wenn sie in Vernehmungen nach Zahlungen an deutsche Politiker befragt wurden, verwiesen sie meist auf Kenntnisse vom Hörensagen: "Ich hatte das Gefühl" und "soweit ich verstanden habe", waren die gebräuchlichen Wendungen. "Herr Sirven hat mir gesagt, dass ich selbst in große Gefahr geraten könnte, wenn mir die Identität der fraglichen Personen bekannt gewesen wäre", hat der Ex-Elf-Manager André Tarallo dem Ermittlungsrichter gesagt. Im Fall Leuna gibt es viele Hirngespinste, und dennoch "stinkt das Ganze", sagt resümierend der Saarbrücker Oberstaatsanwalt Raimund Weyand der Süddeutschen Zeitung. Aber "nicht aus der Politik" komme der faulige Geruch. Es stinke aus "anderen Kanälen". Der Strafverfolger hatte sich anderthalb Jahre lang mit den Geschäften des deutschen Geschäftsmannes Dieter Holzer beschäftigt, der als Lobbyist im Fall Leuna eine Rolle gespielt hat. Viel Geld für wenig Arbeit Auf verschlungenen Wegen hatte Holzer rund 50 Millionen Mark Provisionen bekommen. Im Wesentlichen bestand seine Tätigkeit für Elf darin, wichtige Leute an einen Tisch zu bekommen. Aus Sicht der Ermittler viel Geld für wenig Arbeit. Holzer beteuerte dagegen in Saarbrücken und auch in Paris, wo er mit auf der Anklagebank sitzt, dieses Honorar sei üblich gewesen; er habe keine Mark weitergeleitet. Zweifel sind erlaubt. Weder hat Holzer, was bei solch hohen Zahlungen üblich ist, das Geschäft von der ersten Stunde an begleitet, noch hat er die Verträge ausgearbeitet. Die Pariser Staatsanwälte bezweifeln sogar, dass er am Zustandekommen des Geschäfts einen entscheidenden Anteil hatte. Sie hegen deshalb den Verdacht, dass Holzer einen Teil des Geldes weitergeleitet hat. Intensiv hat sich Weyand mit dem Weg der Holzer-Millionen beschäftigt, und er ist auf "mehr Fragen als Antworten gestoßen." Die komplizierten Zahlungsflüsse seien "überwiegend nicht nachvollziehbar" und "ohne erkennbaren wirtschaftlichen Hintergrund" erfolgt, hat der Strafverfolger in einem Vermerk notiert. Zu einem ähnlichen Ergebnis kam der Karlsruher Bundesanwalt Bruno Jost, der im Vorjahr fünf Monate lang zusammen mit Kollegen 55 Leuna-Ordner sichtete, die er von dem Genfer Generalstaatsanwalt Bernard Bertossa erhalten hatte. Transaktionen seien "zum Teil nicht nachvollziehbar" schrieb Jost. Es gab Bar-Abhebungen in zweistelliger Millionenhöhe. Ein Teil des Geldes sei auf Konten Holzers im Libanon transferiert worden, wo die Ermittler keinen Einblick haben. Für eine Anklage reichten die Verdachtsmomente gegen Holzer in Saarbrücken nicht. Auch der Bundesanwalt, der ohnehin nur bei organisierter Kriminalität selbst aktiv geworden wäre, schloss die Genfer Akten. Nach Durchsicht der Leuna-Akten war Jost, einer der hartnäckigsten deutschen Ermittler, über Bertossas Chuzpe verblüfft, der diese 16500 Seiten als Schlüssel zur Aufklärung des Falles Leuna angepriesen hatte. Nach Lektüre müsse "eine demokratische Strafverfolgungsbehörde einfach handeln", hatte Bertossa erklärt und den Eindruck verstärkt, Politiker seien geschmiert worden. Aber für den Generalverdacht, dass Holzer oder Elf aktive Politiker oder Parteien in Deutschland mit Geld bedacht oder gar bestochen haben, gibt es im Fall Leuna nach Ansicht von Jost keinerlei Anhaltspunkte. "Aussagen und Andeutungen über Zahlungen an deutsche Politiker, Entscheidungsträger, Parteien oder sonstige Einrichtungen" hätten sich nicht bestätigt. So sieht es auch Weyand. Der Ablauf des Prozesses in Paris scheint dafür einen anderen Verdacht zu bestätigen: "Leuna war ein Kick-Back an Elf-Manager", hatte früh der Christdemokrat Wolfgang Schäuble gemutmaßt. Nach diesem Modell hätte Holzer einen Teil des Geldes an die Elf-Manager zurückgezahlt, die es eingesteckt hätten. Eine rätselhafte Rolle, die auch in dem Pariser Elf-Verfahren nicht geklärt werden konnte, spielt der frühere Bundesverkehrsminister Günther Krause, der vor gut sechs Monaten in anderer Sache wegen Untreue, Betrugs und versuchter Steuerhinterziehung in erster Instanz zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt worden ist. Im Zusammenhang mit der Leuna-Privatisierung hatte Krause den Franzosen zunächst geholfen, das Tankstellen-Netz des Ex-DDR-Staatsbetriebes Minol zu erhalten. Sein damaliges Verkehrsministerium hatte gegen Widerstand im Bundeskartellamt den Franzosen eine kartellrechtliche Ausnahmegenehmigung besorgt. Im Mai 1993 musste Krause nach einer Affäre zurücktreten. Er wurde Unternehmer und versuchte sich als Lobbyist. Anfang 1994 mischte er sich auf Initiative Holzers in die Leuna-Privatisierung ein und erhielt später von einer Holzer-Firma ein Darlehen über 600 000 Mark. In Sachen Leuna habe es "nach Schwefel gerochen" hat der frühere Direktor des Raffineriegeschäfts von Elf, Alain Guillon, vor Gericht gesagt. Aber wer war der Teufel und in welcher Höhle hat er gesessen? | Der Verdacht, dass deutsche Politiker bei der Privatisierung der Leuna-Raffinerie geschmiert wurden, lässt sich nicht erhärten. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/leuna-affaere-geruechte-statt-beweise-1.903917 | Leuna-Affäre - Gerüchte statt Beweise | 00/05/2010 |
Der Bundespräsident hat Bundeskanzler Schröder in einem Brief widersprochen: Als Symbol für die Wiedervereinigung sei der Tag der Deutschen Einheit wichtig für die Zukunft des Landes und sollte erhalten bleiben, schreibt Köhler. Bundespräsident Horst Köhler hat sich im Gegensatz zur Bundesregierung für den Erhalt des 3. Oktober als Tag der Deutschen Einheit ausgesprochen. Detailansicht öffnen Der Tag der Deutschen Einheit soll auf einen Sonntag gelegt werden - dagegen regt sich Widerspruch. Der Sprecher Köhlers bestätigte, dass der Bundespräsident einen entsprechenden Brief an Schröder geschickt hat. Genauere Angaben zum Inhalt machte er nicht. Die Bundesregierung plant, den Einheitsfeiertag auf einen Sonntag zu verlegen, um für mehr Wirtschaftswachstum zu sorgen. Diese Pläne haben bundesweit Empörung ausgelöst. Die Opposition, aber auch Mitglieder der rot-grünen Koalition, Ministerpräsidenten von CDU und SPD sowie Gewerkschafter kritisierten das Vorhaben. Vergleichsweise hohe Zahl an Feiertagen Der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Martin Kannegiesser, unterstützte den Plan, den Tag der Deutschen Einheit zu verlegen. "Jeder Tag, an dem nicht produziert wird, kostet Ressourcen", sagte Kannegiesser der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung. "Unsere vergleichsweise hohe Zahl an Feiertagen einzugrenzen, ist zweckmäßig." Auch SPD-Chef Franz Müntefering verteidigte die Regierungspläne. Man könne es gut verantworten, den Tag der Einheit "jeweils am ersten Sonntag im Oktober zu feiern", sagte er in Berlin. Es gebe gute Gründe, es so zu machen, wie die Regierung es vorgeschlagen habe. "Nur statistischer Effekt" Ulrich Kater, Chefökonom der Deka-Bank, sagte dagegen dem Tagesspiegel: "Das Wachstum würde 2005 leicht anziehen - aber nur wegen des statistischen Effekts." Im Jahr darauf werde dies keinen Effekt mehr haben, weil 2006 die Arbeitszeit nicht weiter ausgeweitet würde. Thomas Straubhaar, Präsident des Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Archivs (HWWA) erwartet ebenfalls kein nennenswert stärkeres Wachstum: "Die deutsche Konjunktur hat ja derzeit ein Nachfrage- und weniger ein Angebotsproblem", sagte er der Zeitung. CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer nannte den Regierungsvorschlag unpatriotisch. Die Idee zeige nur, "dass diese Regierung keine positive Haltung zur deutschen Einheit und zu den Emotionen hat, die sich mit der Wiedervereinigung verbinden", sagte Meyer den Kieler Nachrichten . CDU und SPD werfen sich Geschichtsvergessenheit vor Zuvor hatten die Vorsitzenden von CDU und CSU, Angela Merkel und Edmund Stoiber, der Bundesregierung "Geschichtsvergessenheit" vorgeworfen. SPD-Generalsekretär Klaus Uwe Benneter wies die Vorwürfe zurück: "Die SPD hat sich immer für die deutsche Einheit stark gemacht. Es war die Ostpolitik der SPD unter der Führung von Willy Brandt, die diese erst möglich gemacht hat. Wer der SPD etwas anderes unterstellt, muss sich selbst den Vorwurf der Geschichtsvergessenheit gefallen lassen", erklärte er in Berlin. | Der Bundespräsident hat Bundeskanzler Schröder in einem Brief widersprochen: Als Symbol für die Wiedervereinigung sei der Tag der Deutschen Einheit wichtig für die Zukunft des Landes und sollte erhalten bleiben, schreibt Köhler. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/diskussionen-um-3-oktober-koehler-nationalfeiertag-muss-bleiben-1.901261 | Diskussionen um 3. Oktober - Köhler: Nationalfeiertag muss bleiben | 00/05/2010 |
Die Zahl der Erwerbslosen in Deutschland ist im Juni um 138.000 auf knapp unter 4,4 Millionen gesunken. Auch der "WM-Effekt" hat daran seinen Anteil. Die Arbeitslosenquote ging laut Bundesagentur für Arbeit um 0,3 Punkte auf 10,5 Prozent zurück. 4,397 Millionen Erwerbslose - das sind zirka 380.000 weniger als vor einem Jahr. Detailansicht öffnen Gute Nachrichten aus der Bundesagentur in Nürnberg: Die Arbeitslosenzahlen sind im Juni überraschend deutlich gesunken. (Foto: Foto: dpa) Der Vorstandschef der Bundesagentur, Frank-Jürgen Weise, sprach von einer "erfreulichen Entwicklung". "Die Beschäftigung ist wieder auf Vorjahresniveau, die Arbeitslosigkeit sank stärker als in einem Juni üblich und die Nachfrage nach Arbeitskräften ist nach wie vor hoch", erklärte Weise in Nürnberg. Saisonbereinigt sei die Erwerbslosenzahl um 49.000 gesunken. Volkswirte hatten nur mit einem Rückgang um 33.000 gerechnet. In Westdeutschland ging die bereinigte Arbeitslosenzahl dabei um 26.000 und in Ostdeutschland um 23.000 zurück. "Die WM hat Erwartungen erfüllt" Die Fußball-Weltmeisterschaft hat nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit etwa 50.000 zusätzliche Stellen geschaffen. Die Hälfte davon sei befristet, die andere Hälfte dauerhaft, sagte BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt am Donnerstag in Nürnberg. "Die WM hat damit unsere Erwartungen erfüllt", unterstrich Alt. Etwa 25.000 Jobs seien von den Arbeitsagenturen vermittelt worden. "Vor allem im Hotel- und Gaststättengewerbe und im Einzelhandel wurden wegen der WM neue Stellen geschaffen", sagte Volkswirt Sebastian Wanke von der Dekabank am Donnerstag in Frankfurt. Der Arbeitsmarkt werde sich in diesem und im kommenden Jahr trotz der aktuell kräftigen Konjunkturerholung nur leicht bessern. Grund sei der anhaltende Strukturwandel in der deutschen Wirtschaft, der bei großen Firmen wie der Allianz im Stellenabbau münde. "WM-Effekt spielt eine Rolle" Brian Mandt von der Postbank sagte: "Der saisonbereinigte Rückgang ist etwas stärker als erwartet, hier spielt sicherlich ein WM-Effekt eine Rolle. Wenn wir uns den Trend der letzten Monate anschauen, kann man sagen, dass sich die konjunkturelle Verbesserung langsam in den Arbeitsmarktzahlen niederschlägt." Auch in den kommenden Monaten wird es aus seiner Sicht zu einem Rückgang der saisonbereinigten Arbeitslosigkeit kommen. Der Arbeitsmarkt profitiere von der "sehr robusten und soliden Konjunktur". | Die Zahl der Erwerbslosen in Deutschland ist im Juni um 138.000 auf knapp unter 4,4 Millionen gesunken. Auch der "WM-Effekt" hat daran seinen Anteil. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/erwerbslosenzahlen-im-juni-mehr-arbeitsplaetze-dank-der-wm-1.906668 | Erwerbslosenzahlen im Juni - Mehr Arbeitsplätze dank der WM | 00/05/2010 |
Die spanische Energiebehörde hatte extrem hohe Auflagen für die Übernahme von Endesa durch Eon festgelegt - jetzt hat Madrid dafür ein Verfahren am Hals. Zwei Tage vor dem "Energiegipfel" der EU hat die EU-Kommission ein Verfahren gegen Spanien wegen der illegalen Übernahmeauflagen für den deutschen E.ON-Konzern eröffnet. Madrid habe die Bedingungen zum milliardenschweren Kauf des führenden Stromversorgers Endesa nicht - wie von Brüssel verlangt - gekippt, entschied die EU-Kommission am Mittwoch. Detailansicht öffnen Der Übernahmekampf um Endesa spitzt sich zu. (Foto: Foto: AP) Sie setzte damit unmittelbar vor dem EU-Gipfel am Freitag in Finnland ein deutliches politisches Signal. Die EU-Staats- und Regierungschefs wollen dort vor allem über die Energieversorgung Europas sprechen. Die spanische Regierung reagierte in Madrid "mit Überraschung" auf das Verfahren. Eine solche Entscheidung habe man zu diesem Zeitpunkt nicht erwartet, sagte der spanische Industrieminister Joan Clos. Einspruch gegen Auflagen Gegen die Auflagen der spanischen Behörden hatten neben E.ON auch mehrere spanische Konzerne und eine Vereinigung von Kleinaktionären beim Industrieministerium Einspruch erhoben. Das nun eingeleitete Verfahren wegen Verletzung des EU-Vertrags kann in einer Klage gegen Spanien vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg münden. Madrid muss nun bis Mitte nächster Woche antworten, die Frist beträgt fünf Arbeitstage. "Wir machen das so schnell wie möglich", sagte der Sprecher von EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes. "Der beste Ausgang wäre, wenn die spanische Regierung die Auflagen zurücknimmt." Die Kommission hatte vor drei Wochen entschieden, dass die Bedingungen der spanischen Energiebehörde CNE illegal sind. Abgabe von Atom- und Kohlekraftwerken verlangt Spanien reagierte bisher nicht darauf. Die CNE hatte 19 Auflagen für E.ON gemacht, unter anderem die Abgabe der Atom- und Kohlekraftwerke von Endesa. Die Kommission hatte die Endesa-Übernahme durch E.ON im April ohne Einschränkung gebilligt. Falls es tatsächlich zu einer Klage vor dem höchsten EU-Gericht kommen sollte, wäre das in der Geschichte der EU-Wettbewerbskontrolle beispiellos. Der EuGH könnte die Auflagen für illegal erklären, aber nicht direkt in die spanische Gesetzgebung eingreifen. Für Zwangs- und Bußgelder gegen Spanien müsste die EU-Kommission nach einem Urteil eine zweite Prozedur beim EuGH in Gang setzen. E.ON war in der Übernahmeschlacht zu Wochenbeginn erstmals vor Gericht gezogen. Der Versorger verklagte den Konkurrenten Acciona in New York. Acciona hatte zehn Prozent der Endesa-Aktien erworben und angekündigt, den Anteil ausbauen zu wollen. Bei einer vollständigen Übernahme von Endesa wären inzwischen 36 Milliarden Euro fällig. | Die spanische Energiebehörde hatte extrem hohe Auflagen für die Übernahme von Endesa durch Eon festgelegt - jetzt hat Madrid dafür ein Verfahren am Hals. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/endesa-uebernahme-verfahren-gegen-spanien-eroeffnet-1.898415 | Endesa-Übernahme - Verfahren gegen Spanien eröffnet | 00/05/2010 |
Der Handy-Hersteller BenQ Mobile hat vor der Insolvenz finanzielle Probleme offenbar wochenlang verschleiert. Aus internen Dokumenten geht hervor, dass sich das Management bereits Mitte August der dramatischen Lage bewusst war. Zudem erwies sich eine Finanzspritze aus Taiwan jetzt als reine PR-Kosmetik. Um große Worte war das Management selten verlegen. Noch sechs Wochen vor der Insolvenz verbreitete die Führung des taiwanischen BenQ-Konzerns und seiner deutschen Mobilfunktochter Zuversicht: "BenQ-Mobile ist und bleibt eine wichtige Säule unseres Unternehmens", beteuerte BenQ-Chef Kuen-Yao Lee am 24. August vor Journalisten in Taipeh. Detailansicht öffnen BenQ-Mobile-Chef Clemens Joos (l.) und der Aufsichtsratsvorsitzende der BenQ Mobile Business Group, Jerry Wang, in besseren Tagen. (Foto: Foto: ddp) "Erhebliche Fortschritte beim Unternehmensumbau" bescheinigte sich auch BenQ-Mobile-Chef Clemens Joos. "Mit Blick auf das Produktportfolio geht BenQ Mobile optimistisch in das Weihnachtsgeschäft", hieß es in einer Mitteilung. Dass die Sanierungsmaßnahmen nicht ausreichten und BenQ Mobile Ende September Insolvenzantrag stellen musste, traf das Management unvorbereitet, so die bisherige Darstellung der Konzernführung. "Die Geschäftsleitung ist geschockt. Das ist eine Entscheidung mit der wir nicht gerechnet haben", hieß es. Interne Dokumente, die der Süddeutschen Zeitung vorliegen, belegen jedoch: Nicht nur hohe Verluste und Probleme mit der Modellpalette, sondern auch gravierenden Zahlungsschwierigkeiten waren dem Management der Sparte viel früher bekannt, als angenommen. "Wir haben Null Budget mehr." Schon am 14. August stellte BenQ-Mobile-Finanzchef David Wang in einem Schreiben an seine engsten Vertrauten klar: "Wir haben Null Budget mehr." Bereits im ersten Halbjahr habe die Sparte an Finanzmitteln aufgebraucht, was der Konzern für das Gesamtjahr zur Verfügung gestellt habe, schrieb Wang an Spitzenmanager von BenQ und BenQ-Mobile, darunter BenQ-Mobile-Chef Clemens Joos und der zuständige Vorstand der taiwanischen Mutter BenQ, Jerry Wang. Der Finanzchef machte unmissverständlich klar, dass er der Sparte kaum noch Chancen gibt. "Unsere Liquidität könnte bald erschöpft sein", urteilte auch Wang. BenQ habe erklärt, dass die Vorgaben nicht mehr verhandelbar seien. "Weitere Finanzmittel waren nicht zu erwarten, das Aus damit besiegelt", erklärt ein Spitzenmanager. Pure PR-Kosmetik Ein schlechtes Licht werfen die Dokumente auch auf die Bemühungen der Konzernmutter zum Erhalt des Geschäftsfeldes. Eine Ende August öffentlich angekündigte Finanzspritze von 400 Millionen Dollar aus Taiwan entlarvt eine weitere Email des Finanzchefs als pure PR-Kosmetik. | Der Handy-Hersteller BenQ Mobile hat vor der Insolvenz finanzielle Probleme offenbar wochenlang verschleiert. Aus internen Dokumenten geht hervor, dass sich das Management bereits Mitte August der dramatischen Lage bewusst war. Zudem erwies sich eine Finanzspritze aus Taiwan jetzt als reine PR-Kosmetik. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/finanzspritze-als-pr-kosmetik-benq-manager-verschwiegen-finanzprobleme-1.899826 | Finanzspritze als PR-Kosmetik - BenQ-Manager verschwiegen Finanzprobleme | 00/05/2010 |
Manchmal erlebt man im Fernsehen noch Überraschungen. Zum Beispiel an diesem Montag in der Sendung "Börse im Ersten" kurz vor der Tagesschau. Auf der Tribüne über dem Frankfurter Parkett waren nicht wie sonst Analysten, Händler oder Bankleute zu sehen - sondern Martin Walser. Der Schriftsteller erzählte, wie wichtig es ist, heute Geld anzulegen. Mit derselben Leidenschaft, mit der man früher gespart habe, solle man sich heute um die Anlage des Geldes kümmern. Das ist ein wenig Reklame, natürlich. Schließlich ist gerade "Angstblüte" in die Buchhandlungen gekommen, Walsers neuester Roman. Und dessen Held ist Karl von Kahn, ein Vermögensverwalter. Aber das Thema Geld beschäftigt auch den Autor selbst. Die Romanfigur Kahn lebt von den Erfahrungen ihres Erfinders. "Ich habe ein fast nicht mehr ableitbares Interesse an der Wirtschaft", sagt Walser. "Ich habe schon immer den Wirtschaftsteil in der Zeitung ebenso gelesen wie das Feuilleton." Gemünzte Freiheit Mag sein, dass das etwas mit der Herkunft des Schriftstellers zu tun hat; Walsers Eltern hatten ein Wirtshaus und eine Kohlenhandlung in der Nähe des Bodensees. Recherchiert im eigentlichen Sinne habe er für seinen Roman nicht, auch möge er das Wort "recherchieren" gar nicht. "Ich habe mir überlegt, ob meine Erfahrungen eine Romanfigur nähren können." Die Frage beantwortete er schließlich positiv, gab aber das Manuskript zwei Bankern, von denen wenigstens einer sagte, er könne von Walser durchaus noch etwas lernen. Fjodor Dostojewskij bezeichnete Geld einmal als "gemünzte Freiheit". Mit dem Begriff könne man Ideologien füllen, sagt Walser und formuliert es anders: "Karl Kahn weiß, dass man Unabhängigkeit durch Geld bekommt. Und sonst durch nichts." Er habe hier seine eigenen Erfahrungen mit Abhängigkeit gepackt, sagt er. Ein Großschriftsteller und abhängig? Ja natürlich, wenn der Kulturbetrieb über ihn herfällt, empfinde er das als Abhängigkeit. In dem Roman "Seelenarbeit", vor 30 Jahren erschienen, gibt es den Chauffeur Xaver Zürn, dessen zentrales Thema die Abhängigkeit ist. Und jetzt Karl von Kahn, der durch Geld Unabhängigkeit gewinnt und diese durch die Liebe wieder verliert. Vorbild Warren Buffett In den Siebzigern galt Walser als richtig links. Jetzt sieht er den Kapitalismus positiv, wobei es bei ihm ein richtiges Damaskus-Erlebnis nie gegeben habe. Vorbild für Karl von Kahn und Martin Walser ist Warren Buffett, der legendäre Großinvestor aus Nebraska, der heute der zweitreichste Mann der Welt ist und nebenbei unzählige Anleger zu Millionären gemacht hat. Buffett hat in diesem Jahr fast sein gesamtes Vermögen der Stiftung von Bill Gates vermacht. Da war Walsers Buch schon fertig, aber das Ereignis hätte Karl von Kahn sicher in seinem Leitbild bestärkt. "Geld vermehren ist eine Lebensart - wie Schreiben", sagt Walser. Man hört nicht damit auf, weil man schon viel Geld erworben oder viele Romane geschrieben hat. Und noch ein Thema spielt in "Angstblüte" eine Rolle: Verlogenheit. Kahn und sein Schöpfer empören sich über "die geäußerte Verachtung der Kulturfraktion dem Geld gegenüber". Walser betont die Worte "Kulturfraktion" und "geäußerte" Verachtung, denn tatsächlich habe ja kein Kulturschaffender etwas gegen Geld einzuwenden. "Das ist wie mit der Sexualität in den fünfziger Jahren." Und wenn er als "wirklichkeitssüchtiger Erzähler" so etwas wahrnehme, dann müsse er es verarbeiten. Und wie sieht es mit Walsers eigener Geldanlage aus? 1983 habe er Veba-Aktien für 5000 Mark gekauft, um zu wissen, wie man als Aktionär behandelt wird. Die wurde er Anfang der neunziger Jahre immerhin für 20.000 Mark wieder los. Dann machte Walser es wie alle und ließ sich steuerbegünstigte Immobilien in den neuen Ländern andrehen. Natürlich fiel er rein - wie alle anderen. "Seither weiß ich, was passiert, wenn sich der Staat in die Geldanlage einmischt." Und jetzt hat er sich an zwei Banken gewandt, "um etwas für meine Altersvorsorge zu tun". Man kann sich vorstellen, dass die Berater ein wenig komisch geschaut haben - schließlich ist Walser 79 -, aber sie haben dann doch etwas Passendes für den Schriftsteller gefunden. "Ein geplanter Kapitalverzehr für den Fall, dass ich nicht mehr schreiben kann", sagt Walser durchaus fachmännisch. | Ein überraschendes Rendezvous: Martin Walser tritt in der "Börse im Ersten" auf. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/walsers-vorliebe-fuer-wirtschaft-karl-von-kahn-warren-buffett-und-ich-1.906396 | Walsers Vorliebe für Wirtschaft - Karl von Kahn, Warren Buffett und ich | 00/05/2010 |
Jenoptik hat im Jahr 2003 einen Verlust von mehr als 20 Millionen Euro erlitten. Noch im Mai 2003 hatte der damals scheidende Vorstandschef Lothar (Cleverle) Späth einen Gewinn von "40 Millionen plus X" versprochen. Der Hochtechnologie-Konzern erwirtschaftete im vergangenen Jahr zum ersten Mal seit dem Börsengang einen Verlust. Vorstandschef Alexander von Witzleben will deshalb das Unternehmen umstrukturieren, auch Teilverkäufe gehören dazu. Mehrere hundert Arbeitsplätze sind dadurch bedroht. Detailansicht öffnen Jenoptik-Feinmechaniker prüft Optikblöcke für ein Laser-Entfernungsmessgerät M30. (Foto: Foto: AP) Die Lage bei Jenoptik in Jena ist angespannt, die Verlustmeldung kommt überraschend. Noch im vergangenen Mai hatte der scheidende Jenoptik-Vorstandschef Lothar Späth für 2003 einen Gewinn von "40 Millionen plus X" versprochen. Sein Nachfolger Witzleben, seit Juni im Amt, musste nun eingestehen, dass es statt dessen einen Verlust von mehr als 20 Millionen Euro geben wird. "Das Jahresergebnis wird mit Einmaleffekten von rund 40 Millionen Euro belastet", sagte Witzleben. Damit dürfte die Dividende (2002: 0,35 Euro je Aktie) ausfallen. Viele nicht kostendeckende Aufträge Offenbar wurden auch zu viele nicht kostendeckende Aufträge hereingeholt; der Konzernumsatz jedenfalls stieg auf knapp zwei (2002: 1,6) Milliarden Euro. Die genauen Jahreszahlen werden im April präsentiert. Der Jenoptik-Chef führte die enttäuschende Entwicklung im Hauptgeschäftsfeld Clean Systems an, wo weltweit rund 7500 Mitarbeiter Produktionsanlagen für die Chipindustrie bauen und betreiben. "Die Probleme werden hier nicht über Nacht verschwinden", sagte er. Die Halbleiterkrise, Projektverzögerungen, Abrechnungsverschiebungen sowie Kosten für Sanierungsmaßnahmen haben demnach zu Einmalbelastungen von 31 Millionen Euro geführt. Die Sparte Photonics (Laseroptik, Sensoren) hingegen habe die Prognosen sowohl beim Umsatz als auch beim Ertrag erfüllt. Die Kapitalerhöhung im Herbst, die 200 Millionen Euro an frischen Mitteln erbracht habe, schlug mit Kosten von neun Millionen Euro zu Buche, teilte Witzleben weiter mit. Geld aus Kapitalaufstockung aufgebraucht Das Geld aus der Kapitalaufstockung ist mittlerweile aufgebraucht. Rund 50 Millionen Euro sind demnach in Firmenkäufe geflossen, die restlichen 150 Millionen Euro wurden für die Entschuldung und die Ablösung von kurzfristigen Krediten eingesetzt. Die börsennotierte Tochter DEWB, die einst mehrere Technologiefirmen an den Aktienmarkt gebracht hat, drückt nicht mehr. 43,5 Prozent hält der Jenoptik Pension Trust, 40 Prozent besitzt der Konzern noch direkt. Es wurde ein Verlust von 0,6 Millionen Euro verarbeitet. Witzleben kündigte eine strategische Neuausrichtung von Clean Systems an, zu dem vor allem M+W Zander gehört. Noch im Herbst wollte der Manager einen finanzkräftigen Partner für die Sparte finden, die vor allem in Asien zulegt. Es habe sich aber kein Investor gemeldet, "der einen strategischen Preis für den Einstieg zahlen wollte", sagte er: "Jetzt müssen wir die Probleme selber lösen." Hunderte von Stellen bedroht Besonders in Deutschland enttäusche das Geschäft mit Reinräumen für die Computer- und Pharmaindustrie, auch in den kommenden Jahren werde es kaum besser. Clean Systems solle 2004 in die Gewinnzone zurückkehren, Teilverkäufe und Ausgründungen seien daher notwendig. "Wir werden mehrere hundert Stellen abgeben müssen", sagte Witzleben. | Jenoptik hat im Jahr 2003 einen Verlust von mehr als 20 Millionen Euro erlitten. Noch im Mai 2003 hatte der damals scheidende Vorstandschef Lothar (Cleverle) Späth einen Gewinn von "40 Millionen plus X" versprochen. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/jenoptik-das-cleverle-hat-den-mund-zu-voll-genommen-1.904943 | Jenoptik - Das Cleverle hat den Mund zu voll genommen | 00/05/2010 |
Eine Pannenserie macht Robert Bosch, dem größten Autozulieferer der Welt, schwer zu schaffen - dabei hat das Unternehmen selbst die Fehler aufgedeckt. Wie versunken im tiefen Schnee dieser Tage liegt auf der Stuttgarter Schillerhöhe die Konzernzentrale des größten Automobilzulieferers der Welt. Detailansicht öffnen Schuld war eine winzige Lagerbuchse: Durch fehlerhafte Diesel-Einspritzpumpen von Bosch wie diese hier standen bei BMW und Mercedes-Benz tagelang die Bänder still. (Foto: Foto: dpa) Zu allem Überfluss ist der Hauptflügel auch noch von einer grünen Plastikplane verhüllt - die Fassade des Firmensitzes wird erneuert, der eine oder andere Raum renoviert. Auf den ersten Blick wirkt die Szenerie so, als ob sich das Unternehmen duckt und verkleidet, vor Peinlichkeit im Schnee versinken möchte. Und wahrscheinlich wird uns drinnen ein zerknirschter Konzernchef entgegentreten, Franz Fehrenbach, sozusagen als fleischgewordener Imageschaden. Bosch gleich doppelt im Feuer Gleich zweimal ist der Zulieferer Robert Bosch (Slogan: "Technik fürs Leben") in den vergangenen Wochen in die Schlagzeilen geraten. Erst sorgte eine fehlerhafte Dieselpumpe dafür, dass tagelang bei BMW und Mercedes-Benz die Bänder still standen. Eine winzige, nur wenige Cent teure Lagerbuchse vom Vorlieferanten Glyco in Wiesbaden war fehlerhaft. Der Schaden geht in die Millionen. Kurz nach dem Diesel-Debakel wurde dann auch noch bekannt, dass General Motors in den USA 155.000 Autos zurückrief, weil der von Bosch bezogene Bremskraftverstärker überprüft werden musste. Dafür hätte sich kein Mensch interessiert - hätte nicht schon wieder der Name Bosch im Feuer gestanden. Drei Millionen Produkte Und das in einem Unternehmen, das sich seit 120 Jahren den Devisen des Firmengründers Robert Bosch verpflichtet fühlt: "Das Beste vom Besten" und "Lieber Geld verlieren als Vertrauen". Was hätte Robert Bosch wohl von der Sache mit den Dieselpumpen gehalten, der seinen Mitarbeitern 1919 in die bis heute "Bosch-Zünder" titelnde Firmenzeitschrift schrieb: "Es war mir immer ein unerträglicher Gedanke, es könne jemand bei Prüfung eines meiner Erzeugnisse nachweisen, daß ich Minderwertiges leiste. Deshalb habe ich stets versucht, nur Arbeit hinauszugeben, die jeder sachlichen Prüfung standhält." | Eine Pannenserie macht Robert Bosch, dem größten Autozulieferer der Welt, schwer zu schaffen - dabei hat das Unternehmen selbst die Fehler aufgedeckt. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/diesel-debakel-bei-bosch-ein-baenderstillstand-ist-das-schlimmste-1.898918 | "Diesel-Debakel bei Bosch - ""Ein Bänderstillstand ist das Schlimmste""" | 00/05/2010 |
Politiker und Journalisten haben bei der Beschreibung der Lage Deutschlands den Gebrauch negativer Adjektive und Substantive inflationiert. Denn die Lage der Staatsfinanzen lässt sich gar nicht schwarz genug malen: Sie ist eine Katastrophe. Ein Kommentar von Nikolaus Piper Selten ist ein Ziel so grandios verfehlt worden. Kurz nach seinem Amtsantritt im Mai 1999 hatte Hans Eichel verkündet, er wolle bis 2006 einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen. Aber der reale Etat für 2006 ist der desolateste in der Geschichte dieser Republik. Detailansicht öffnen Vom Sparhans zum Schuldenhans - Finanzminister Eichel. (Foto: Foto: ddp) Würde Eichels Entwurf Gesetz, also im unwahrscheinlichen Falle eines SPD-Wahlsieges, würde der Bund im nächsten Jahr 21,5 Milliarden Euro neue Schulden aufnehmen. Damit wäre der Haushalt zwar noch verfassungskonform, aber nur deshalb, weil Eichel für 32 Milliarden Euro Staatsvermögen verkauft. Das Unangenehme bei derartigen Verkäufen ist, dass das Vermögen hinterher weg ist. Der "strukturelle Konsolidierungsbedarf", wie Eichel das nennt, ist also viel größer. Und bei alledem ist der Finanzminister noch relativ optimistisch hinsichtlich seiner Annahmen über das künftige Wirtschaftswachstum. Katastrophe Staatshaushalt In den letzten Monaten haben Politiker und Journalisten bei der Beschreibung der Lage Deutschlands den Gebrauch negativer Adjektive und Substantive inflationiert. Kein Wunder, dass die Leute das ganze Geschimpfe oft nicht mehr hören können. Doch die Lage der Staatsfinanzen lässt sich redlicherweise gar nicht schwarz genug malen: Sie ist eine Katastrophe. Der Staat, und zwar nicht nur der Bund, sondern auch Länder und Gemeinden, ist kurz davor, seine Handlungsfähigkeit zu verlieren. Er ist gelähmt. Als Symbol dieser Entwicklung gilt Hans Eichel - mit einem gewissen Recht, denn er verantwortet die Bundesfinanzen. Aber tatsächlich stehen CDU und CSU voll mit in der Verantwortung für die desolate Lage, da ist Eichel nicht zu widersprechen. Die Mitverantwortung erwächst schon aus der Rolle der Opposition im Bundesrat. Notwendiger Kassensturz Vor allem werden sich Angela Merkel und Edmund Stoiber im Falle eines Wahlsieges nicht lange damit aufhalten können, die Erblast von Rot-Grün zu beklagen. Ein Kassensturz ist nicht nötig, die Regierungsprogramme lassen sich bereits jetzt darauf testen, ob sie mit der bedrückenden Lage kompatibel sind. So oder so müssen sich die Deutschen von einigen Illusionen verabschieden. Zum einen ist es völlig unrealistisch, dass der deutsche Staat schnell wieder die Vorgaben des europäischen Stabilitätspaktes einhält, also die Neuverschuldung auf drei Prozent der Wirtschaftsleistung zu begrenzen. Eichels Vorwürfe, nur die Union habe ihn an der Erreichung dieses Zieles gehindert, sind absurd. Es bringt auch nichts, mit immer neuen Einmalmaßnahmen sich dem Ziel zu nähern. Irgendwann ist Schluss damit. Völlig verbautes Steuersystem Illusionen gibt es aber auch in der Steuerpolitik. Unredlich ist es zum Beispiel, wenn die FDP den Bürgern eine dauerhafte Steuerentlastung verspricht. Für die gibt es ganz einfach keinen Spielraum. Der Anteil der Steuern ist in Deutschland verglichen mit anderen Ländern gering. Das Problem ist, dass das deutsche Steuersystem völlig verbaut ist: albtraumhaft kompliziert, leistungsfeindlich, ungerecht. Ein neues System muss einfacher und ergiebiger werden, mit niedrigeren Sätzen und weniger Ausnahmen. In der Theorie sind sich Rot-Grün und Schwarz-Gelb dabei einig, in der Praxis verschwinden Lösungen immer in der Blockademaschine von Bundestag und Bundesrat. Vor diesem Hintergrund war es ein entscheidender Fehler von Angela Merkel, sich bereits jetzt auf eine Erhöhung der Mehrwertsteuer festzulegen und auch deren Aufkommen schon zu verteilen. Richtig und den Wählern vermittelbar wäre es gewesen, die Mehrwertsteuer zu benutzen, um mögliche Ausfälle bei einer systematischen Reform der Einkommensteuer zu verwenden. Ausweg nur durch Wirtschaftswachstum Alle Finanzminister in Deutschland werden auf Jahre hinaus sparen müssen, sie werden aber scheitern, wenn sie meinen, die Staatsfinanzen seien allein durch Sparen zu sanieren. Die Nachfragetheoretiker haben zwar Unrecht, wenn sie die Konjunktur mit teuren Programmen oder gar mit Lohnerhöhungen ankurbeln wollen. Aber sie haben Recht mit ihrem Einwurf, dass der Staat nicht gegen die Krise ansparen darf. "Man kann sich nicht in den Wohlstand sparen," sagt ein englisches Sprichwort. Ein Ausweg aus der Schuldenfalle des Staates ist nur durch mehr Wirtschaftswachstum möglich. Deshalb muss die nächste Regierung endlich das tun, was Merkel und Stoiber versprechen: der Beschäftigung absoluten Vorrang geben, Investitionshindernisse abbauen, Bürokratie bekämpfen, die staatlichen Investitionen schonen, die Reformen des Arbeitsmarkts durchsetzen. Die Konsolidierung des Staatshaushalts ist eine strukturelle Aufgabe, sie kann nur in mittelfristiger Perspektive gelöst werden. Am schwersten lasten - neben den Zinsausgaben - die Zuschüsse zur Rentenkasse auf dem Bundeshaushalt. Das zeigt, dass das System der Alterssicherung noch lange nicht so weit stabilisiert ist, wie es in Berlin viele glauben machen. Und auch dieser Hinweis ist heute nötig: Wer wegen der Umfrageerfolge von Lafontaine und Gysi vor Schritten zurückschreckt, die als "Sozialabbau" gebrandmarkt werden könnten, der gefährdet den Kern der sozialen Sicherung. Eichels Zahlen belegen das. | Politiker und Journalisten haben bei der Beschreibung der Lage Deutschlands den Gebrauch negativer Adjektive und Substantive inflationiert. Denn die Lage der Staatsfinanzen lässt sich gar nicht schwarz genug malen: Sie ist eine Katastrophe. Ein Kommentar von Nikolaus Piper | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/bundeshaushalt-der-gelaehmte-staat-1.904984 | Bundeshaushalt - Der gelähmte Staat | 00/05/2010 |
Ein Test der Verbraucherzentrale NRW hat ergeben, dass Studenten auf der Suche nach einer attraktiven Geldanlage von Banken oft mangelhaft beraten werden. Bereits das Überprüfen der Finanzlage soll lustlos erfolgt sein. Das ist das Ergebnis eines Tests der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, die Studenten zu 30 Geldinstituten in Köln und Düsseldorf schickte, um nach Anlagetipps zu fragen. In dem Test gaben die Studenten vor, von ihrem Großvater 15.000 Euro geerbt zu haben und nun nach einer attraktiven Anlage zu suchen. Finanzlage prüfen Zur Aufgabe der Banker gehöre es in einem solchen Fall, die Finanzlage des Kunden auszuloten. So sollten sie etwa nach dem monatlichen Einkommen ("650 Euro"), einer Geldreserve ("500 Euro auf dem Sparbuch"), der Miete ("220 Euro") und geplanten Anschaffungen ("keine") fragen. Dabei lasse die finanziell mager ausgestattete Test-Vita nur eine Anlagestrategie zu: sehr konservativ und sicher, erklärt Thomas Bieler von der Verbraucherzentrale NRW. Berater, die dennoch nicht von risikoreichen Investments wie Aktien oder Fonds lassen könnten, seien gesetzlich gehalten, über die Risiken aufzuklären. Gang aufs Börsenparkett Schon das Überprüfen der Einnahmen erfolgte in den getesteten Geldinstituten laut Verbraucherzentrale mehr als lustlos. Nur fünf von 30 Banken fragten nach dem Einkommen, lediglich zwölf interessierten sich für vorhandene Rücklagen. Gleich zwölf der 30 Institute machten den Studenten den Gang aufs Börsenparkett schmackhaft — meist plädierten sie für Aktienfonds. "Ärgerlich zudem: Nur jeder dritte Berater im Test erkundigte sich nach Erfahrungen auf diesem Terrain und klärte über die Gefahren auf", kritisierte Bieler. Die Devise "nicht zocken" hätten die Testkunden gerade einmal in fünf Geldhäusern gehört. | Ein Test der Verbraucherzentrale NRW hat ergeben, dass Studenten auf der Suche nach einer attraktiven Geldanlage von Banken oft mangelhaft beraten werden. Bereits das Überprüfen der Finanzlage soll lustlos erfolgt sein. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/geldanlage-als-student-schlecht-beraten-1.903470 | Geldanlage - Als Student schlecht beraten | 00/05/2010 |
DaimlerChrysler schließt für die Sorgentochter Chrysler "keine Option mehr" aus, die "Zusammenarbeit mit Partnern" wird geprüft. Wer so formuliert, hat mit der Vergangenheit abgeschlossen. Trotzdem lassen sich die deutschen Spitzenmanager die Lust am Firmenmonopoly partout nicht nehmen. Auf dieses Eingeständnis haben Experten seit Jahren gewartet: Die Führung von DaimlerChrysler räumt ein, dass die Ehe des deutschen mit dem amerikanischen Traditionsunternehmen am Ende ist. Was laut Eigenwerbung ,,als Fusion im Himmel'' begonnen hat, ist längst in die Hölle abgerutscht. So deutlich traut man es sich im Unternehmen noch nicht zu sagen, sondern flüchtet ins Management-Vokabular: ,,Keine Option'' sei ausgeschlossen, lässt Konzernchef Dieter Zetsche mitteilen, die ,,Zusammenarbeit mit Partnern'' werde geprüft. Wer so formuliert, hat mit der Vergangenheit abgeschlossen. Es ist dies eine Vergangenheit, die den Konzern einen zweistelligen Milliardenbetrag gekostet hat. Ist das noch normaler Firmenalltag, nach dem Motto: Kann ja mal passieren in der weiten Welt der Wirtschaft, dass die Dinge nicht so laufen wie geplant? Der Daimler aus Sindelfingen So einfach könnte man es sich nur machen, wenn an den strategischen Entscheidungen der Großkonzerne nicht Hunderttausende von Jobs und die Vermögen der Aktionäre hängen würden. Ganz abgesehen von den Wünschen der Kunden, die im konkreten Fall den Daimler aus Sindelfingen fahren wollen, aber nicht das Auto aus dem Weltkonzern. Das Drama um DaimlerChrysler bliebe trotz der Größe des Unternehmens eine Firmengeschichte unter vielen, wenn sie nicht so typisch wäre für die Großmannssucht, den Spieltrieb und die Abgehobenheit vieler (deutscher) Manager. Mit einigen wenigen Getreuen hatte Konzernchef Jürgen Schrempp im Jahr 1998 den ganz großen Deal ausgeheckt, den dann Heerscharen von bestbezahlten Anwälten, Unternehmensberatern und Steuerexperten umsetzen durften. Als Blaupause war das noch einigermaßen plausibel, in der Praxis hatte es nie eine Chance. Schon den Strategen selbst wuchs das Projekt über den Kopf. Pausenloses Hin- und Hergejette Das pausenlose Hin- und Hergejette rund um den Globus überforderte selbst den Härtesten unter ihnen - und erst recht die Belegschaften. Am Ende brannte es abwechselt bei Mercedes oder Chrysler. Trotzdem lassen sich die Spitzenmanager die Lust am Firmenmonopoly partout nicht nehmen: Soeben baut der schneidige Thomas Middelhoff den betulichen Einzelhändler Karstadt zum schicken Tourismuskonzern um, kauft dazu ein Reiseunternehmen nach dem anderen; fehlt jetzt nur noch ein trendiger Kunstname fürs Ganze. | DaimlerChrysler schließt für die Sorgentochter Chrysler "keine Option mehr" aus, die "Zusammenarbeit mit Partnern" wird geprüft. Wer so formuliert, hat mit der Vergangenheit abgeschlossen. Trotzdem lassen sich die deutschen Spitzenmanager die Lust am Firmenmonopoly partout nicht nehmen. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/deutsche-firmenpolitik-unter-schlechtem-stern-1.918446 | Deutsche Firmenpolitik - Unter schlechtem Stern | 00/05/2010 |
Tunnbröd bei Ikea statt Viergängemenü im Restaurant: Die Vorliebe der Deutschen für Discounterware zeigt sich nun auch am Essen: Die neue Top-100-Liste der größten Gastronomie-Betriebe besteht fast nur aus Schnellrestaurants. Für das langsame, bewusste und genießerische Essen stehen die erfolgreichsten Systemgaststätten Deutschlands kaum: In den Top 100 der deutschen Restaurantbetriebe dominieren vor allem Fastfood-Ketten, Kaufhausrestaurants, Caterer, Rasthäuser und Großbäcker. Detailansicht öffnen Schnell soll es gehen: Der Trend zum raschen Essen wird bei der belgischen Imbisskette allein schon durch den Namen verheißen. (Foto: Foto: AFP) Während sich der Rest der Branche derzeit schwer tut, wuchs der Umsatz der hundert größten Brachenvertreter um 7,6 Prozent - der höchste Wert seit 1995. Dies geht aus der aus einer Untersuchung der Fachzeitschrift food-service hervor, die auf der Gastromesse Internoga in Hamburg vorgestellt wurde. Besonders vorteilhaft erwies sich die Entwicklung für den Branchenprimus McDonald's, der seine führende Position weiter ausbauen konnte. Die zuletzt wachstumsschwache Deutschland-Tochter des US-Multis schaffte ein Umsatzplus von gut sechs Prozent, obwohl sie kaum neue Restaurants eröffnete. McDonald's baut Coffeeshop-Geschäft aus McDonald's Deutschland baut aber sein neues Coffeeshop-Geschäft weiter aus und will jährlich 160 neue McCafés innerhalb der bestehenden Schnellrestaurants aufmachen. Bei den Coffeeshops expandiert auch die US-Kette Starbucks, die die Zahl ihrer Geschäfte von 50 auf 100 in diesem Jahr erhöhen will. Auch die Sandwichkette Subway kam auf hohe Wachstumsraten: Mit ihren gut 4000 Geschäften schob sie sich bereits auf den 15. Platz bundesweit vor. Insgesamt steigerten die 100 größten deutschen Gastronomie-Unternehmen den Umsatz um 7,6 Prozent auf 9,4 Milliarden Euro ohne Mehrwertsteuer, während der Gesamtmarkt 1,9 Prozent real verlor. Am Gesamtmarkt weisen die Schnellrestaurants einen Anteil von etwa 50 Prozent auf. | Tunnbröd bei Ikea statt Viergängemenü im Restaurant: Die Vorliebe der Deutschen für Discounterware zeigt sich nun auch am Essen: Die neue Top-100-Liste der größten Gastronomie-Betriebe besteht fast nur aus Schnellrestaurants. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/imbissketten-im-aufwind-essen-beim-discounter-1.914203 | Imbissketten im Aufwind - Essen beim Discounter | 00/05/2010 |
Am Montag bekam Hartmut Mehdorn Besuch vom Staatsanwalt - er soll einen Verkehrsminister bestochen haben, um Aufträge des Landes Brandenburg zu erhalten. Selbst die EU-Kommission ermittelt bereits. Die Staatsanwaltschaft Neuruppin ermittelt nach eigenen Angaben gegen Hartmut Mehdorn, den Vorstandsschef der Deutschen Bahn (DB), und den ehemaligen Brandenburger Verkehrsminister Hartmut Meyer wegen des Anfangsverdachtes der Korruption. Der Verdacht ergebe sich aus möglichen wirtschaftlichen Nachteilen für das Land Brandenburg beim Abschluss eines langfristigen Nahverkehrsvertrages mit dem Staatsunternehmen DB Ende 2002 und offenkundigen wirtschaftlichen Vorteilen für den damaligen Minister Meyer aus einem späteren Beratervertrag mit der Bahn, erklärte die Behörde. Detailansicht öffnen Zum schlechtesten Manager Deutschlands wurde Mehdorn bereits gewählt. War er auch unlauter? (Foto: Foto: AP) Deutsche Bahn weist Vorwürfe zurück DB-Sprecher Werner Klingberg wies den Verdacht am Montag umgehend zurück. Klingberg erklärte auf Anfrage, man sehe den Ermittlungen gelassen entgegen. "Wir unterstützen die Staatsanwaltschaft bei ihrer Arbeit und sind sicher, dass die Anschuldigungen sich bald als gegenstandslos erweisen werden." Die Bahn sehe auch keinen Grund, am Beratervertrag mit Meyer "irgendetwas zu ändern". Der Vertrag laufe weiter. Die Staatsanwaltschaft ließ am Montag mehrere Büros durchsuchen. Betroffen waren die Konzernzentrale der Bahn in Berlin, eine Beraterfirma sowie Privaträume des ehemaligen Brandenburger Verkehrsministers Meyer. Dabei wurden alle Unterlagen über den zehn Jahre laufenden Verkehrsvertrag und einen Beratervertrag für Meyer beschlagnahmt, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Vertrag ohne Ausschreibung In dem Ermittlungsverfahren gegen Ex-Minister Meyer wegen Bestechlichkeit und Bahnchef Hartmut Mehdorn wegen Bestechung geht es um einen zwischen Brandenburg und der Deutschen Bahn im Dezember 2002 ohne Ausschreibung abgeschlossenen Verkehrsvertrag. Dieser läuft bis 2012 und sichert der Bahn die lukrativsten Regionalstrecken im Land. Meyer war elf Monate nach Vertragsabschluss überraschend zurückgetreten und ist mittlerweile Berater der Bahn AG. Wegen möglicherweise vermeidbarer wirtschaftlicher Nachteile des Landes aus dem Vertrag und dem "außerordentlich zeitnahen Abschluss eines offenbar nicht unentgeltlichen Beratervertrages mit demselben Vertragspartner wie im Dezember 2002" ergebe sich ein Korruptionsverdacht, erklärte die Neuruppiner Staatsanwaltschaft. EU-Kommission bereits aktiv Ob auch die damalige Auftragsvergabe ohne Ausschreibung rechtens war, ist weiter strittig. Das Oberlandesgericht Brandenburg hatte eine entsprechende Klage des Bahn-Konkurrenten Connex im vergangenen Jahr abgewiesen. Dagegen bezweifelt die Europäische Kommission in Brüssel, dass der Vertrag ohne eine europaweite Ausschreibung geschlossen werden durfte. Die EU-Kommission hat in einem Schreiben an die Bundesregierung den Vertrag der DB mit dem Land Brandenburg sowie Nahverkehrsverträge der Bahn mit vier weiteren Ländern beanstandet. Die Regierung erarbeitet derzeit zusammen mit den betroffenen Ländern eine Antwort für die EU, die Frist hierzu läuft demnächst ab. | Am Montag bekam Hartmut Mehdorn Besuch vom Staatsanwalt - er soll einen Verkehrsminister bestochen haben, um Aufträge des Landes Brandenburg zu erhalten. Selbst die EU-Kommission ermittelt bereits. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/staatsanwaltschaft-durchsucht-konzernzentrale-bahnchef-mehdorn-unter-korruptionsverdacht-1.918652 | Staatsanwaltschaft durchsucht Konzernzentrale - Bahnchef Mehdorn unter Korruptionsverdacht | 00/05/2010 |
Die Mitarbeiter in Bochum wehren sich gegen die drastischen Sparpläne von General Motors — durch Nichtstun. Das kostet den Konzern pro Tag 1200 Autos. Auch am Freitagmorgen liegt die Produktion in den Bochumer Opel-Werken weiter still. Die Mitarbeiter der Frühschicht setzten die Arbeitsniederlegungen aus der Nacht fort, sagte Betriebsratssprecher Klaus Neumann. Fast die gesamte Belegschaft von etwa 10.000 Mitarbeitern würde auf dem Werksgelände gegen die vom Mutterkonzern General Motors geplanten Stellenstreichungen protestieren. Detailansicht öffnen Die meisten der GM-Standorte in Europa befinden sich in Deutschland. (Foto: Grafik: sueddeutsche.de) "Informationsrunde, kein Streik" "Ich glaube nicht, dass die Proteste kontraproduktiv sind. Damit setzen wir die Unternehmensleitung unter Druck", sagte Neumann. Auch über das Wochenende sollen die Proteste fortgesetzt werden. "Die Position der Unternehmensleitung ist für uns keine Verhandlungsbasis", sagte der Betriebsratssprecher. Es gehe nur noch darum, wie Arbeitsplätze abgebaut werden. Bei den Arbeitsniederlegungen handele es sich um eine so genannte Informationsrunde, nicht um einen Streik, stellte Neumann klar. Etwa 1200 Autos pro Tag werden wegen der Proteste in Bochum nicht gebaut. Die Produktion stand schon Donnerstag Nachmittag und die Nacht hindurch still. Keine Arbeitsniederlegungen in Rüsselsheim Dagegen haben die Beschäftigten in Rüsselsheim am Freitagmorgen wie gewohnt gearbeitet. Arbeitsniederlegungen habe es bisher nicht gegeben und seien auch nicht geplant, berichtete der Betriebsrat in Rüsselsheim. "Die Leute gehen ganz normal zur Arbeit", sagte eine Sprecherin. Es sei jedoch eine extrem gedrückte Stimmung der Menschen zu spüren. Derweil wirft die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ursula Engelen-Kefer dem Management des US-Autobauers General Motors "erhebliche Fehler" vor: "Wesentliche Investitionen wurden nicht getätigt, es sind wahrscheinlich Fehler bei der Modellpolitik gemacht worden", sagte Engelen-Kefer im Fernsehsender N24. "Es wurde zu wenig in die Modernisierung investiert." Von der Aufsichtsratssitzung am heutigen Freitag in Rüsselsheim wird Klarheit über den geplanten Stellenabbau an den deutschen Standorten erwartet. Am Vortag verlautete lediglich aus dem Betriebsrat, in Deutschland sollten 10.000 Arbeitsplätze gestrichen werden, davon jeweils 4000 in Rüsselsheim und Bochum. Der Mutterkonzern General Motors hatte offiziell nur den Abbau von 12.000 Stellen in Europa mit Schwerpunkt auf Deutschland angekündigt. Unmut über Management Am Donnerstagabend hatten mehrere tausend Mitarbeiter des Autoherstellers mit Transparenten und mit lautstarken Rufen ihrem Unmut sowohl über das Management als auch über die Gewerkschaft IG Metall Luft gemacht. Die IG Metall habe die Opelaner "verkauft", hieß es mehrfach. Der Leiter der Personalkommission, Lothar Marquardt, sagte, seiner Einschätzung nach werde die Arbeit in Bochum auch am Freitag nicht wieder aufgenommen. Ein Abbau von 10.000 Stellen würde das Verschwinden von fast jedem dritten Arbeitsplatz bei dem traditionsreichen deutschen Autohersteller bedeuten. Die Jobstreichungen sollten bis Ende 2005 bereits zu mehr als 90 Prozent umgesetzt werden, teilte der Konzern mit. Der Bochumer Betriebsrat kündigte massiven Widerstand an. | Die Mitarbeiter in Bochum wehren sich gegen die drastischen Sparpläne von General Motors — durch Nichtstun. Das kostet den Konzern pro Tag 1200 Autos. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/protest-bei-opel-blockade-der-baender-1.900377 | Protest bei Opel - Blockade der Bänder | 00/05/2010 |
Heute fällt die Entscheidung, ob der Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und fünf weitere Angeklagte erneut auf die Anklagebank müssen. Sollte das Vefahren um Millionen-Abfindungen neu aufgerollt werden, rechnen Insider mit dem Rücktritt Ackermanns. Über mögliche Nachfolger wird bereits spekuliert. Der Bundesgerichtshof urteilt über die Freisprüche des Landgerichts Düsseldorf vom Juli 2004, das die Zahlung von Millionenprämien bei der Mannesmann-Übernahme durch den Mobilfunkkonzern Vodafone nicht als strafbare Untreue eingestuft hatte. Detailansicht öffnen In Bedrängnis: Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann (Foto: Foto: dpa) In der Verhandlung im Oktober hatte der BGH deutliche Skepsis an dem Düsseldorfer Spruch erkennen lassen; sollte er das Urteil kippen, wird das Verfahren neu aufgerollt. "Ich favorisiere internen Kandidaten" Bereits jetzt gibt es Diskussionen darüber, wie das Unternehmen im Falle eines Rücktritts Ackermanns im Hinblick auf die Regelung Nachfolge reagieren soll: "Ich favorisiere sehr stark einen internen Kandidaten. Nur wenn das nicht möglich ist, würden wir außerhalb der Bank suchen", sagte der Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, Rolf Breuer, der Financial Times (FT)der Internet-Ausgabe der Financial Times Deutschlandzufolge. Laut dem Bericht stellte Breuer seinen Aussagen die Worte 'Ich habe meine Denkkappe auf' voran. In der FTwurde Breuer aber auch mit den Worten zitiert, der Aufsichtsrat sei überzeugt, dass sich Ackermann richtig verhalten habe und dass die Bank ihn zum Bleiben auffordern würde, auch wenn Ackermann bei einem neuen Prozess eine schwierige Zeit vor sich hätte. Der FTzufolge gilt als Favorit für eine mögliche Nachfolge von Ackermann Rainer Neske, der derzeit das Geschäft mit Privatkunden bei der Deutschen Bank leite. Zwickel mitangeklagt In dem spektakulären Prozess geht es um Zahlungen von insgesamt 57 Millionen Euro an Manager und Ex-Vorstände. Mitangeklagt sind der Ex-IG-Metallvorsitzende Klaus Zwickel und der frühere Aufsichtsratsvorsitzende Joachim Funk, die an der Prämienentscheidung beteiligt waren, sowie Ex-Mannesmannchef Klaus Esser. Er hatte nach der 188 Milliarden Euro teuren Übernahmeschlacht - zusätzlich zur vertraglichen Abfindung von rund 15 Millionen Euro - einen Bonus von 16 Millionen Euro bekommen. | Heute fällt die Entscheidung, ob der Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und fünf weitere Angeklagte erneut auf die Anklagebank müssen. Sollte das Vefahren um Millionen-Abfindungen neu aufgerollt werden, rechnen Insider mit dem Rücktritt Ackermanns. Über mögliche Nachfolger wird bereits spekuliert. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/mannesmann-prozess-ackermann-bangt-um-seinen-arbeitsplatz-1.904864 | Mannesmann-Prozess - Ackermann bangt um seinen Arbeitsplatz | 00/05/2010 |
Die Wahrheit über die Finanzierung der Alternativ-Gewerkschaft AUB wurde durch den langjährigen AUB-Chef und Ex-Siemens-Betriebsrat Wilhelm Schelsky selbst dokumentiert. Nur noch zwei Wochen bis Weihnachten, aber von heimeliger Stimmung keine Spur bei der Sitzung des Aufsichtsrates der Siemens AG am 10. Dezember 1997. Ärger droht, als sich unter Punkt 6 der Tagesordnung ein Funktionär der IG Metall zu Wort meldet. Er zweifle daran, dass die Wahl der Arbeitnehmer-Vertreter in den Aufsichtsrat ordnungsgemäß abgelaufen sei, sagt er, und erhebt einen schier ungeheuerlichen Vorwurf: Die Konkurrenzorganisation zur IG Metall, die Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Betriebsangehöriger (AUB), werde von Siemens finanziell unterstützt. Ein Weltkonzern, der sich quasi seine eigene, dem Management willfährige Arbeitnehmervertretung leistet? Der damalige Aufsichtsratsvorsitzende Hermann Franz würgt die Diskussion rigoros ab. Er sehe "zu dieser Angelegenheit keinen weiteren Diskussionsbedarf", sagt er laut Protokoll. Einer sitzt daneben und sagt kein Wort; zumindest ist kein Beitrag von ihm im Protokoll vermerkt: Der damalige Vorstandschef und heutige Aufsichtsratsvorsitzende der Siemens AG, Heinrich von Pierer. Dabei war die Ahnung des Mannes von der IG Metall durchaus richtig. Dementsprechend gerät Pierer jetzt, zehn Jahre später, in Erklärungsnot. Seit Wochen sagt der ehedem sogar als möglicher Bundespräsident gehandelte von Pierer, er habe von lukrativen Beraterverträgen seines Konzerns mit dem langjährigen AUB-Chef und ehemaligen Siemens-Betriebsrat Wilhelm Schelsky nichts gewusst. Der heute 59-jährige Schelsky sitzt seit zwei Monaten in Untersuchungshaft. Den AUB-Vorsitz hat er inzwischen aufgegeben. Über eben diese Beraterverträge sind nach Erkenntnissen aus einem Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth zwischen 1991 bis 2006 rund 50 Millionen Euro an Schelsky geflossen, die dieser weitgehend für die AUB einsetzte. Und davon will Pierer als Vorstands- wie als Aufsichtsratschef nichts mitbekommen haben? Spätestens seit Dezember 1997 muss er von dem Verdacht der AUB-Finanzierung durch Siemens gewusst haben; er hätte dem nachgehen und das dubiose Beziehungsgeflecht auffliegen lassen können. Geheimnisvolles Papier offenbart Finanzierung der AUB Entstanden war dieses Geflecht Ende der achtziger Jahre. Auskunft darüber gibt ein vierseitiges Memorandum, das der damalige AUB-Chef Schelsky 1995 verfasste, aber eigentlich gar nicht aufbewahren wollte. "Dieses Papier ist aus Sicherheitsgründen zu vernichten", steht am Ende des Textes. Schelsky hat das vergessen, warum auch immer. Bei einer von mehreren Razzien in den vergangenen Wochen fiel das Dokument schließlich Ermittlern der Sonderkommission "Amigo" in die Hände - zusammen mit vielen weiteren, aufschlussreichen Unterlagen, mit Briefwechsel, Verträgen, Rechnungen. Nun lässt sich genau nachvollziehen, wie die kleine, 1986 von Schelsky und anderen Siemens-Leuten am Standort Erlangen gegründete AUB groß und mächtig werden konnte, wie sie zahlreiche Büros in Deutschland finanzieren, viel Geld für teure Werbekampagnen ausgeben und viele Betriebsratsmandate bei Siemens und anderswo holen konnte. Schelsky war von Anfang an Vorsitzender der AUB, die als Verein beim Amtsgericht Nürnberg eingetragen ist. Allein schon das Kapitel "Vorgeschichte" in seinem Papier ist spannend. Nachdem die IG Metall bei der Aufsichtsratswahl 1988 bis auf eine Ausnahme alle Sitze im Kontrollgremium errungen habe, schreibt er, hätten zwei Vorstände und der damalige Aufsichtsratschef von Siemens zusammen mit ihm, Schelsky, darüber nachgedacht, wie man die Dominanz der IG Metall auf Arbeitnehmerseite brechen könnte. Siemens habe sich von ihm erhofft, dass er die "Mitbestimmungsverhältnisse auf den Ebenen Betriebsrat und Aufsichtsrat nachhaltig" verändern könne. Ziel sei es gewesen, bei künftigen Wahlen zu diesen Gremien zahlreiche AUB-Kandidaten durchzubringen. Das gelang dann auch. Die AUB stellt laut Konzernkreisen 150 Betriebsräte bei Siemens und ist im Aufsichtsrat vertreten. Die Initiative, die AUB als zahme Alternative zur streitlustigen IG Metall aufzubauen, ging demnach von der Konzernspitze bei Siemens aus. Die machte klare Vorgaben: Bis zur Aufsichtsratswahl 1997/98 sollten 40 Prozent der Delegierten von der AUB gestellt werden, die an mindestens 100 von 170 Siemens-Standorten kandidieren sollten. So steht es in Schelskys Memorandum. Dazu habe es starke, übergreifende AUB-Strukturen gebraucht - sowie jemanden, der die Sache im Sinne des Konzerns in die Hand nahm. Da kam der Betriebsratsvorsitzende aus Erlangen, der bullige und wenig zimperliche Schelsky, gerade recht. Aus dem Management heraus habe man ihn 1990 aufgefordert, "die Firma zu verlassen und sich als Unternehmensberater selbständig zu machen", notierte er in seinem Papier. | Die Wahrheit über die Finanzierung der Alternativ-Gewerkschaft AUB wurde durch den langjährigen AUB-Chef und Ex-Siemens-Betriebsrat Wilhelm Schelsky selbst dokumentiert. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/affaere-um-beeinflusste-betriebsraete-im-dienst-der-fuehrung-1.905126 | Affäre um beeinflusste Betriebsräte - Im Dienst der Führung | 00/05/2010 |
Empörung für die französische Opposition: Die Regierung Sarkozy erwägt, die Mehrwertsteuer drastisch anzuheben. Als Vorbild dient die geräuschlose Erhöhung in Deutschland. Kurz vor der zweiten Runde der Parlamentswahlen an diesem Sonntag streiten Politiker und Ökonomen in Frankreich über die Erhöhung der Mehrwertsteuer nach deutschem Vorbild. Auslöser ist eine Äußerung des von Staatspräsident Nicolas Sarkozy eingesetzten Regierungschefs François Fillon. Der sprach von der Überlegung der Regierung, die Mehrwertsteuer bis 2009 um fünf Prozentpunkte auf 24,6 Prozent zu erhöhen. Der Regierungschef wollte mit der Aussage im Wahlkampf punkten. Er sagte, es handele sich um eine "Steuer gegen die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland". Tatsächlich bot Fillon der Sozialistischen Partei (PS), die am Sonntag eine herbe Niederlage fürchten muss, mit dem Vorstoß jedoch eine breite Angriffsfläche. Die Opposition brandmarkte die Steuer als weiteres Geschenk für die Unternehmer. Die Verbraucher müssten an deren Stelle die Kosten tragen. "Geschenke für Reiche" PS-Chef François Hollande und die gescheiterte Präsidentschaftskandidatin Ségolène Royal kritisierten, die Regierung wolle mit den Einnahmen die zuvor gemachten Steuergeschenke für Reiche bezahlen, nicht aber die Wettbewerbsfähigkeit des Landes verbessern. Fillon entgegnete, es sollten keine Löcher gestopft werden. Falls sich bei der Prüfung der Auswirkungen herausstelle, dass sich die Kaufkraft der Bürger verringert, würde die Idee fallengelassen. Im Prinzip prüft die Regierung, ob es sich lohnt, dem deutschen beziehungsweise dänischen Beispiel zu folgen. Danach sollen die zusätzlichen Einnahmen aus der Mehrwertsteuer zur Senkung der Lohnnebenkosten der Arbeitgeber und zugunsten der Sozialversicherung eingesetzt werden. "Deutschland saniert sich auf Kosten seiner Nachbarn" Als Deutschland die Steuer Anfang des Jahres um drei Prozentpunkte erhöhte, wurde das in Frankreich vor allem unter dem Gesichtspunkt des Steuerwettbewerbs aufmerksam verfolgt. Der angesehene Ökonom Jean-Paul Fitoussi vom führenden Forschungsinstitut OFCE warf Deutschland vor, sich über die Abgabe auf Kosten seiner Nachbarn zu sanieren. Die Mehrwertsteuer wirke wie ein Zoll. Frankreich will nun seinerseits den Mechanismus anwenden. Erhöht das Land die Steuer und verringert damit seine Arbeitskosten, verbilligen sich seine Produkte und Exportgüter. Einfuhren werden im Vergleich dazu teurer. Die Forscher vom OFCE fügen allerdings hinzu, dass dieser positive Effekt für die Wettbewerbsfähigkeit nur eintritt, wenn Löhne und Gehälter nicht im gleichen Maße steigen, sondern möglichst stagnieren. Nur dann würde sich die Maßnahme wie eine Abwertung der Währung auswirken, sich die Lage der Unternehmen verbessern und der Standort insgesamt für Investoren attraktiver werden. Als Konsequenz könnten Unternehmen Arbeitsplätze schaffen. Löhne und Gehälter sollen stagnieren Steigen die Gehälter in gleichem Maße, bestehe das Risiko einer Inflation, die zu einem realen Kaufkraftverlust führen könnte. Der relativ starke, anhaltende Konsum der privaten Haushalte, eine der Säulen der französischen Konjunktur, wäre damit in Gefahr, wenden Kritiker ein. Von der erforderlichen Lohnzurückhaltung will im Wahlkampf aber freilich keiner der Regierungspolitiker reden. Gegner der Maßnahme warnen Fillon zudem vor Fehlschlüssen. Deutschland sei diesbezüglich nicht mit Frankreich vergleichbar. Beerdigung nicht ausgeschlossen Einerseits sei die Mehrwertsteuer mit 19,6 Prozent in Frankreich schon hoch und andererseits sei der Binnenkonsum in Deutschland nicht das tragende Element des Wachstums, sondern der Export. Dem halten andere Ökonomen entgegen, die Mehrwertsteuer in Dänemark liege bei 25 Prozent und die Arbeitslosenquote befinde sich gleichzeitig auf einem Tief, von dem Frankreich nur träumen könne. Im Juli will die Regierung einen Bericht über die möglichen Auswirkungen der Erhöhung vorlegen. Angesichts des Widerstands, den Fillons Äußerung hervorrief, ist nicht ausgeschlossen, dass die Idee dann begraben wird. Für den Wahlkampf eignen sich manchmal auch richtige Gedanken nicht. | Empörung für die französische Opposition: Die Regierung Sarkozy erwägt, die Mehrwertsteuer drastisch anzuheben. Als Vorbild dient die geräuschlose Erhöhung in Deutschland. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/ueberlegungen-zur-mehrwertsteuer-deutschland-vorbild-fuer-frankreich-1.903263 | Überlegungen zur Mehrwertsteuer - Deutschland - Vorbild für Frankreich | 00/05/2010 |
Die Deutschen geben wieder mehr Geld für Spielwaren aus, manche Anbieter klagen sogar über Lieferschwierigkeiten. Doch gekauft wird nicht nur für die Kleinen. Er tuckert wie vor Jahrzehnten das große Original, wenngleich die Geräusche des kleinen grauen Traktors nicht einem Motor entspringen, sondern digital von einem Computerchip kommen. Detailansicht öffnen Brettspiele werden heuer nicht nur für die Kleinen gekauft. (Foto: Foto: dpa) Solches Modellspielzeug liege im Trend, sagen die in Nürnberg versammelten Vertreter der Branchenverbände. Ein Viertel aller Spielwaren werde nicht für Kinder gekauft, eher für Erwachsene mittleren Alters. "Ü 40" nennen sie diese Generation. Diese kauft neuerdings wieder verstärkt Spielwaren ein, für wen auch immer. Drückten jahrelang der Rückgang der Geburtenzahlen, die Kaufzurückhaltung der Verbraucher und der durch billige Massenware ausgelöste Preisdruck auf Umsätze und Renditen von Herstellern und Händlern hierzulande, scheint diese Entwicklung gestoppt. Endlich wieder Zuwächse Rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft wittert die Spielwarenbranche Morgenluft. Für das laufende Jahr erwartet sie erstmals seit langem wieder einen leichten Zuwachs. Schon im Oktober lag der Absatz einer Erhebung des Marktforschers Eurotoys zufolge um drei Prozent höher als im selben Vorjahresmonat. "Vieles spricht dafür, dass die Trendwende geschafft ist", sagt Volker Schmid vom Deutschen Verband der Spielwaren-Industrie. Ein Umstand, den die Branche zwar ersehnt, auf den sie allerdings offenkundig nur mangelhaft vorbereitet ist. Vor allem manche Markenhersteller wie Lego oder Märklin hätten Lieferengpässe, was nach Einschätzung von Willy Fischel, dem Geschäftsführer des Bundesverbandes des Spielwaren-Einzelhandels (BVS), Händler und Verbraucher gleichermaßen nervt. Sein Rat: Wer Markenware unter den Christbaum legen will, sollte sie frühzeitig besorgen. Insgesamt 3,2 Milliarden Euro geben die Bundesbürger alljährlich für Spielwaren aus. Innerhalb dieser Summe gibt es anhaltende spürbare Verschiebungen. Elektronik made in China boomt Während klassisches Spielzeug anteilig abnimmt, geht vermehrt über die Ladentische, was mit Elektronik gespickt ist oder am Computer gespielt werden kann. Davon profitieren vor allem die technikverliebten fernöstlichen Produzenten. Allein 57,3 Prozent der importierten Produkte kommen mittlerweile aus China. Derweil sank von 2004 auf 2005 das Produktionsvolumen deutscher Hersteller um fast neun Prozent auf 1,12 Milliarden Euro. Immerhin scheint der Geiz im Kinderzimmer allmählich vorbei zu sein. "Traditionelles Markenspielzeug gewinnt wieder an Boden", sagt Fachverbandssprecher Fischel. Auch Industrievertreter Schmid konstatiert eine "Hinwendung zum klassischen Spielzeug." So gehören zu den Trends im anlaufenden Weihnachtsgeschäft nach der Prognose von Experten nicht nur Römer- und Drachenwelten, sondern vor allem, was beim Spielen auch blinkt, tutet, sich automatisch bewegt oder andere Geräusche von sich gibt. Kleine Modell-Traktoren zum Beispiel. | Die Deutschen geben wieder mehr Geld für Spielwaren aus, manche Anbieter klagen sogar über Lieferschwierigkeiten. Doch gekauft wird nicht nur für die Kleinen. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/spielwaren-grosse-kinder-beleben-das-geschaeft-1.906765 | Spielwaren - Große Kinder beleben das Geschäft | 00/05/2010 |
Eine Partei, die zu einschneidenden Reformen bereit ist, fehlt in Deutschland. Friedrich Merz könnte eine solche Partei gründen und würde dabei in ein Vakuum hineinstoßen. Friedrich Merz sagt, er wolle keine Partei gründen; er sollte sich dies noch einmal überlegen. Friedrich Merz sagt, er habe die Idee nur einmal ,,sportlich durchdekliniert''; der Wirtschaftsexperte und einstige Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion sollte diese Idee ganz real durchbuchstabieren. Detailansicht öffnen Argumentiert messerscharf, manchmal verletztend: Friedrich Merz bei der Verleihung des Ordens wider den tierischen Ernst in Aachen. (Foto: Foto: dpa) Am Ende der Überlegungen könnte stehen, dass solch eine Partei in Deutschland fehlt: eine Partei, die zu einschneidenden Reformen bereit ist, nicht bloß zu kleinen Schritten; die sich nicht an all den Problemen vorbeimogelt, die dieses Land lähmen; die, anders als die FDP, nicht nur Werbebotschaften anbietet, sondern eine klare, gut begründete Wirtschaftspolitik. Merz wäre der Mann, der solch eine Partei führen könnte. Er hätte die Fähigkeit, Angela Merkel und Guido Westerwelle zugleich gefährlich zu werden. Er will noch nicht Er will nicht. Noch nicht. Und dies kann man verstehen. Würde sich Merz jetzt, unmittelbar nach der Ankündigung seines Rückzugs, hinstellen und sagen: Ja, ich gründe eine neue Partei; ja, ich trete als führender Kopf einer solchen Reformgruppierung bei der nächsten Bundestagswahl an - die Medien wären voll davon, die Talkshows würden nach ihm gieren, die Union würde sich auf ihn stürzen, sie würde ihn zerreißen, zermürben, zerfetzen. Denn so wenig wie die SPD mit der Linkspartei leben kann, die als Reaktion auf die Arbeitsmarktreform Hartz IV entstand, so wenig könnte die Union mit einer Partei leben, die als Reaktion auf Merkels Schwenk nach links entstünde. Solch eine Partei würde im konservativen Teil des Wählerteichs fischen, im Reich der Enttäuschten, die mit Merkels großer Koalition nicht mehr allzu viel anzufangen wissen. Schöne Illusion und trübe Realität Diese Leute denken an Leipzig, an den Parteitag der großen Reformen im Spätherbst 2003, und sehen die große Koalition der kleinen Schritte: Beides passt nicht zusammen. Das eine war schöne Illusion, das andere ist trübe Realität. Merz wäre in der Lage, diese Illusion aufs Neue zu nähren und sie mit Leben zu füllen. Er hat den einen Teil von Leipzig geliefert, die Steuerreform auf dem Bierdeckel; der andere Teil war die Gesundheitsprämie. Er versteht es, anders als die Kanzlerin, Menschen mit seinen Ideen einzufangen. Er ist der beste Redner im Bundestag, er argumentiert messerscharf, manchmal verletzend. Er ist, ähnlich wie Oskar Lafontaine und Westerwelle, ein Populist, wobei Merz die Fakten nicht verdreht und seine Selbstverliebtheit nicht ganz so ausgeprägt ist. Kurzum: Merz wäre in der Lage, mehr als nur ein paar Wirtschaftslobbyisten für sich zu gewinnen. Er könnte die konservative Masse ähnlich begeistern, wie dies Paul Kirchhof im Bundestagswahlkampf 2005 gelungen ist. Persönliche Intrigen Anders als der Steuerprofessor aus Heidelberg weiß er jedoch, dass persönliche Intrigen und Anfeindungen zum politischen Geschäft gehören; man muss diese aushalten, wenn man etwas erreichen will. | Eine Partei, die zu einschneidenden Reformen bereit ist, fehlt in Deutschland. Friedrich Merz könnte eine solche Partei gründen und würde dabei in ein Vakuum hineinstoßen. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/ueberzeugter-marktwirtschaftler-die-friedrich-merz-partei-1.920297 | Überzeugter Marktwirtschaftler - Die Friedrich-Merz-Partei | 00/05/2010 |
Die restriktive Preispolitik großer Markenkonzerne und Handelsketten hat nach einer Studie weltweit zur Verschlechterung von Arbeitsbedingungen geführt. Bei Untersuchungen in zwölf Ländern seien die Prüfer häufig auf eine Bezahlung unterhalb der Mindestgehälter, Beschäftigung ohne Arbeitsverträge oder Verletzung des Mutterschutzes gestoßen, teilte die Nichtregierungs-Organisation Oxfam am Montag in Berlin mit. Damit würden besonders Frauen um ihren Anteil an den Früchten der Globalisierung gebracht. Die Ergebnisse der Studien basieren laut Oxfam auf mehr als 1000 Interviews mit Betroffenen in Bangladesh oder Chile, aber auch in Großbritannien oder den USA. Kein Mutterschutz Danach arbeiteten Obstpflückerinnen in Chile ohne festen Basislohn bis zu 18 Stunden am Tag. In Bangladeshs Textilindustrie erhält laut Studie die überwiegende Zahl der Arbeiterinnen weder Mutterschutz noch Lohn im Krankheitsfall. Doch auch Tomatenpflückerinnen im US-Staat Florida leisteten monatlich bis zu 148 Überstunden ohne faire Vergütung. In Großbritannien habe der Verdienst von Heimarbeiterinnen 20 Prozent unter dem Mindestgehalt gelegen. Harte Realität Oxfam kritisiert die harte Realität für viele Arbeiter als gründliches Versagen des Modells der Globalisierung. Während sich die rechtlichen Rahmenbedingungen der weltweit agierenden Konzerne entscheidend verbessert hätten, entwickle sich der Schutz der Arbeitsrechte in die entgegengesetzte Richtung. Betroffen seien vor allem Frauen. | Die restriktive Preispolitik großer Markenkonzerne und Handelsketten hat nach einer Studie weltweit zur Verschlechterung von Arbeitsbedingungen geführt. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/hilfsorganisation-oxfam-globalisierung-verschlechtert-arbeitsrechte-1.905322 | Hilfsorganisation-Oxfam - Globalisierung verschlechtert Arbeitsrechte | 00/05/2010 |
Die EU-Kommission hat den Zusammenschluss von BMG und Sony Music genehmigt, Auflagen machte sie keine. Nun wollen die Konzerne 200 bis 300 Millionen Euro einsparen - wohl ein Viertel der Belegschaft verliert seinen Job. Allerdings muss die US-Kartellbehörde auch noch zustimmen. Die Europäische Kommission hat die Fusion der Musikgiganten BMG und Sony Music ohne Auflagen genehmigt. Sony und Bertelsmann hatten die Elefantenhochzeit bereits im Dezember vertraglich vereinbart. Das neue Unternehmen mit Hauptsitz in New York soll SonyBMG heißen und zu je 50 Prozent im Besitz beider Konzerne sein. Mit einem Umsatz von rund vier Milliarden Euro wäre Sony BMG die Nummer zwei auf dem Weltmarkt hinter Marktführer Universal Music. Bei Sony sind Künstler wie Anastacia und David Bowie unter Vertrag, bei BMG unter anderem Dido, Usher und Britney Spears. Detailansicht öffnen Ein Star von SonyBMG: Britney Spears. (Foto: Foto: AP) US-Kartellbehörde am Zug Der Vorstandschef der Bertelsmann AG, Gunter Thielen, sprach von einem bedeutenden Moment sowohl für die Musiksparte BMG als auch für den Gesamtkonzern. Nach dem Zusammenschluss werde Bertelsmann in allen seinen Kern-Geschäftsfeldern wichtige Marktpositionen einnehmen. Auch Sony-Unternehmenskreise bestätigten am Abend die EU-Entscheidung, die im Laufe dieser Woche offiziell bekannt gegeben werden soll. Als nächstes muss die US-Kartellbehörde FTC die Fusion gutheißen. Beobachter rechnen mit einer Entscheidung binnen weniger Tage. "Panik"-Rocker musste gehen Mit ihren Verschmelzungsplänen reagieren die Konzerne auf die Krise im weltweiten Musikmarkt, wo kostenlose Internet-Tauschbörsen und eine Flut von Raubkopien zu dramatischen Umsatzeinbrüchen geführt haben. Die Unternehmen erhoffen sich von von der Fusion jährlich Einsparungen in Höhe von 200 Millionen bis 300 Millionen Euro. Laut Medienberichten sollen in beiden Konzernen etwa 2000 Stellen wegfallen, das wäre ein Viertel der gesamten Belegschaft. Bereits im Vorfeld hatte es Personalentscheidungen bei BMG und strukturelle Veränderungen gegeben. So wurde das Nordamerika-Geschäft neu geordnet. In Deutschland mussten zahlreiche zuletzt weniger erfolgreiche Stars ihren Hut nehmen, darunter auch "Panik"-Rocker Udo Lindenberg. Kampf um Marktführerschaft Die neue Sony BMG wird etwa 9000 Mitarbeiter beschäftigen und zwischen 4,5 und 5 Milliarden US-Dollar (3,6 bis 4 Mrd Euro) pro Jahr umsetzen, sagte der BMG-Vorstandsvorsitzende Rolf Schmidt-Holtz. Sony Music ist bisher die Nummer zwei der fünf großen Musikunternehmen, die sich etwa 75 Prozent des Weltmarktes mit Tonträgern teilen. Die Bertelsmann Music Group (BMG) ist bislang die Nummer fünf. Gemeinsam werden sie zu Marktführer Universal Music aufschließen und diesen - je nach Marktentwicklung - möglicherweise sogar überholen. | Die EU-Kommission hat den Zusammenschluss von BMG und Sony Music genehmigt, Auflagen machte sie keine. Nun wollen die Konzerne 200 bis 300 Millionen Euro einsparen - wohl ein Viertel der Belegschaft verliert seinen Job. Allerdings muss die US-Kartellbehörde auch noch zustimmen. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/musik-gigant-bmg-und-sony-duerfen-fusionieren-1.906932 | Musik-Gigant - BMG und Sony dürfen fusionieren | 00/05/2010 |
Der inhaftierte Ex-Yukos-Chef Michail Chodorkowskij verweigert die Nahrung - die Gefängnisleitung will nichts bemerkt haben. Über die Art und Weise, in der die Aufseher des Moskauer Untersuchungsgefängnisses "Matrosenruhe" ihren Dienst versehen, ist am Mittwoch Überraschendes an die Öffentlichkeit gedrungen. Detailansicht öffnen Michail Chodorkowskij (links) und Platon Lebedjew während ihres Prozesses. (Foto: Foto: AP) Nein, den Wärtern sei nichts aufgefallen, ließ ein Vertreter der Verwaltung der Moskauer Haftanstalten wissen. Dabei, so sollte man annehmen, müssten die Vollzugsbeamten doch zumindest auf ihren bekanntesten Gefangenen ein Auge haben. Dennoch hat Russlands einst reichster Mann, Michail Chodorkowskij, schon vor Tagen einen Hungerstreik begonnen, von dem die Gefängnisleitung nichts bemerkt haben will. "Chodorkowskij erhält regelmäßig seine Lebensmittelrationen und nimmt Nahrung auf", teilte sie mit. Nach Angaben von Chodorkowskijs Anwalt Anton Drel ist das keineswegs so. "Michail Chodorkowskij befindet sich seit einigen Tagen im Hungerstreik und nimmt auch keine Flüssigkeit zu sich", sagte er am Dienstagabend in einem Radio-Interview. "Mehr als zwei Tage" Seit wann genau der einstige Chef des Ölkonzerns Yukos das Essen und Trinken verweigere, könne er nicht sagen, weil diese Sendung auch seine Eltern hören könnten und dann beunruhigt wären. Es seien aber mehr als zwei Tage. Sollte Russlands Präsident Wladimir Putin gehofft haben, nach der Verurteilung Chodorkowskijs und seines Geschäftspartners Platon Lebedew zu je neun Jahren Gefängnis werde Ruhe einkehren, hat er sich bislang getäuscht. Chodorkowskij fühlt sich als politischer Gefangener der Mächtigen im Kreml und ist nicht bereit, klein beizugeben. Im Gegenteil: Als sei er ein freier Mann, arbeitet er zielstrebig an einer politischen Karriere. Kandidatur im Moskauer Universitätsbezirk Vor wenigen Tagen gab er seine Absicht bekannt, sich bei einer voraussichtlich im Dezember stattfindenen Nachwahl um ein Abgeordnetenmandat in der russischen Staatsduma zu bemühen. Kandidieren will Chodorkowskij im Moskauer Universitätsbezirk, dem Wahlkreis, in dem auch der russische Präsident und dessen Frau Ljudmila als Wähler registriert sind. | Der inhaftierte Ex-Yukos-Chef Michail Chodorkowskij verweigert die Nahrung - die Gefängnisleitung will nichts bemerkt haben. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/protestaktion-hungerstreik-in-der-matrosenruhe-1.916817 | Protestaktion - Hungerstreik in der Matrosenruhe | 00/05/2010 |
Um unabhängig von den großen Stromkonzernen zu sein, wollen viele Betriebe selbst Strom erzeugen. Doch die Fotovoltaikanlage auf dem Dach oder den Windpark hinter der Produktionshalle kann kaum ein Betrieb auf einen Schlag finanzieren - doch die Anlagen lassen sich auch leasen. Ob Sonne, Wind oder Biogas: Leasingunternehmen tun sich mit Anbietern Erneuerbarer Energien zusammen. Weil die Finanzierung eines 30.000, 50.000 oder 90.000 Euro teuren Sonnen- oder Windkraftkraftwerks kein Kinderspiel ist, bietet Leasing sich als Alternative an. Detailansicht öffnen Kraft aus Bio: Leasingunternehmen und Energieanbieter tun sich zusammen. (Foto: Foto: dpa) Grundlage der Finanzierung einer Anlage zur Nutzung Erneuerbarer Energien ist die Wirtschaftlichkeit. So müssen bei einer Fotovoltaikanlage die prognostizierten Erlöse aus dem erzeugten Strom, der ins öffentliche Netz eingespeist wird, höher sein als die Fixkosten. Versicherungskosten nicht unterschätzen Stromerzeuger erhalten eine gesetzlich festgelegte Vergütung. Für eine Anlage mit 20 Kilowatt Spitzenleistung, die 2006 in Betrieb gegangen ist, zahlt der Stromnetzbetreiber derzeit 51,8 Cent pro Kilowattstunde. Außerdem gilt zu berücksichtigen, dass ein umfangreiches Versicherungspaket zu finanzieren ist. Wer seine Investitionen nicht aus Eigenmitteln oder über Kredite tätigen will, kann sich an Leasinggesellschaften wenden. Für diese Finanzierungsform spricht das klassische Leasingargument der Schonung der Liquidität. Die bestehende Kreditlinie wird frei gehalten. Viele Leasinggesellschaften haben sich auf diesem neuen Betätigungsfeld mit Solarunternehmen zusammen getan. Die Hannover Mobilien Leasing und der Hamburger Solar- und Biogasanlagenbauer SunTechnics treten gemeinsam auf. Nachfrage nach Fotovoltaikanlagen steigt Die Südleasing Vendor Services, eine 100-prozentige Tochter der Südleasing in Stuttgart, hat gerade die Zusammenarbeit mit dem börsennotierten, in Prenzlau produzierenden Solarmodulspezialisten Aleo Solar begonnen. Die steigende Nachfrage nach Fotovoltaiksystemen, die die Südleasing Vendor Services in den vergangenen Monaten registriert hat, macht optimistisch, dass sich die Geschäfte in diesem jungen Bereich prächtig entwickeln werden. Als Leasingnehmer hat die Gesellschaft vor allem gewerbliche Nutzer im Visier. Lesen Sie auf Seite 2, wie viel es kostet, eine sehr gut gestestete Fotovoltaikanlage zu lesen! | Um unabhängig von den großen Stromkonzernen zu sein, wollen viele Betriebe selbst Strom erzeugen. Doch die Fotovoltaikanlage auf dem Dach oder den Windpark hinter der Produktionshalle kann kaum ein Betrieb auf einen Schlag finanzieren - doch die Anlagen lassen sich auch leasen. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/energieleasing-ausweg-aus-der-abhaengigkeit-1.907064 | Energieleasing - Ausweg aus der Abhängigkeit | 00/05/2010 |
Die Gewerkschaft der Lokführer hat vor zwei Arbeitsgerichten schmerzhafte Niederlagen erlitten. Die Bahn darf weiterhin behaupten, dass Streiks rechtswidrig seien. Die Lokführergewerkschaft GDL hat im juristischen Tauziehen mit der Bahn um die angestrebten Streiks am Mittwoch zwei Niederlagen erlitten. Das Arbeitsgericht Frankfurt wies zwei Anträge auf einstweilige Verfügungen ab. Die GDL wollte damit erreichen, dass die Bahn nicht mehr behaupten darf, ein Streik sei rechtswidrig. Außerdem sollte das Unternehmen den Beschäftigten keine Sanktionen mehr androhen dürfen. Das Arbeitsgericht Düsseldorf untersagte zudem Streiks im Nahverkehr von Nordrhein-Westfalen. Die GDL will gegen beide Entscheidungen Berufung einlegen. Das Frankfurter Gericht sagte, Gerichte sollten nur äußerst zurückhaltend in Tarifauseinandersetzungen eingreifen: "Drohszenarien der jeweiligen Gegenspieler in Tarifauseinandersetzungen müssen weitgehend ertragen werden." Meinungsfreiheit Die Behauptungen der Bahn, die die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer verbieten lassen wollte, sind demnach durch das Grundrecht der Meinungsfreiheit gedeckt. Über eine weitere einstweilige Verfügung verhandelt das Gericht am kommenden Montag. Dabei möchte die DB Autozug GmbH ein Ende der Urabstimmung und eventueller Streiks erreichen. Das Düsseldorfer Gericht untersagte der GDL per einstweiliger Verfügung, zum Streik bei der DB Regio NRW GmbH aufzurufen oder zu streiken. Ein Streik zur Erreichung eines Sondertarifvertrages wäre unverhältnismäßig und gefährde die Tarifeinheit. Ordnungsgeld Bei Zuwiderhandlung droht ein Ordnungsgeld von 250.000 Euro oder Ordnungshaft. Über die laufende Urabstimmung sei damit aber nicht entschieden worden, erklärte das Gericht. Die GDL kündigte gegen beide Entscheidungen Berufung an. GDL-Chef Manfred Schell sagte: "Wir wollen gerichtsfest haben, dass die Koalitionsfreiheit gewährleistet ist, damit ein Arbeitskampf zur Durchsetzung eines eigenen Tarifvertrags gewährleistet ist." Zum Frankfurter Urteil verwies die Gewerkschaft darauf, dass das Gericht kein Urteil in der Sache selbst getroffen habe. Ein Bahnsprecher sprach von einem "guten Tag für die Kunden". Es sei aber klar, dass gerichtliche Entscheidungen nur das letzte Mittel seien. Die Bahn wolle weiter verhandeln und fordere die GDL zur Rückkehr an den Verhandlungstisch und zur Beschäftigung mit den Angeboten des Unternehmens auf. Niederlage auch für die Bahn Am Dienstag hatte die Bahn eine Niederlage erlitten: Das Arbeitsgericht Mainz lehnte einen Antrag der Bahn-Tochter DB Regio AG auf eine einstweilige Verfügung gegen den Streik ab. Die GDL befragt derzeit ihre Mitglieder in einer Urabstimmung über ihre Streikbereitschaft. Am Montag will sie das Ergebnis bekannt geben. Sollte bis dahin kein verbessertes Angebot der Bahn vorliegen, sei ein Streik wohl unausweichlich, sagte GDL-Sprecherin Gerda Seibert. Bislang sei die Bahn der Gewerkschaft nicht entgegengekommen, obwohl sie das öffentlich mehrfach behauptet habe. Die Gewerkschaft rechne mit einer hohen Zustimmung ihrer Mitglieder zum Arbeitskampf. Die Bahn trifft bereits Vorkehrungen für einen Streik im Nahverkehr. "Natürlich prüfen wir, in welchem Umfang wir trotzdem Verkehrsleistungen anbieten können", sagte der Chef von DB Regio, Ulrich Homburg, der Süddeutschen Zeitung. Grundangebot für Fahrgäste Es gebe viele Lokführer, die Beamte seien sowie Mitarbeiter, die bei anderen Gewerkschaften oder gar nicht organisiert seien. Diese stünden für Notdienstregelungen zur Verfügung, mit denen ein Grundangebot für Fahrgäste aufrechterhalten werden könne. Ziel der Bahn sei es, einen Streik zu verhindern. Einlenken werde das Staatsunternehmen aber nicht in dem Tarifstreit. Andernfalls könne dies die Zukunft von DB Regio bedrohen, sagte Homburg. | Die Gewerkschaft der Lokführer hat vor zwei Arbeitsgerichten schmerzhafte Niederlagen erlitten. Die Bahn darf weiterhin behaupten, dass Streiks rechtswidrig seien. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/juristisches-tauziehen-arbeitsgericht-bremst-lokfuehrer-aus-1.903098 | Juristisches Tauziehen - Arbeitsgericht bremst Lokführer aus | 00/05/2010 |
Nach dem Kompromiss zwischen SPD und Union zum geplanten Börsengang der Bahn kann es Konzernchef Mehdorn gar nicht schnell genug gehen mit dem Projekt. Doch der weitere Weg an die Kapitalmärkte ist beschwerlich. Nachdem sich die große Koalition auf Eckpunkte für einen Börsengang der Deutschen Bahn verständigt hat, ist Bahnchef Hartmut Mehdorn optimistisch, dass die Privatisierung noch 2008 gelingen kann. Detailansicht öffnen Bahn-Chef Hartmut Mehdorn äußert sich am Donnerstag zum geplanten Börsengang der Bahn. (Foto: Foto: dpa) Mehdorn nannte den Kompromiss, den Union und SPD Mittwochabend ausgehandelt hatten, ,,ein gutes und wichtiges Signal''. Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) erklärte, die Koalition habe die ,,Grundpfeiler'' für das weitere Vorgehen festgelegt. ,,Die Koalition ist handlungsfähig'', sagte der Minister. Auch die Kunden der Bahn würden von der geplanten Privatisierung profitieren, weil die Bahn ihre Qualität im Wettbewerb steigern werde. "Widersprüche" Politiker von Grünen, FDP und Linkspartei wiesen dagegen auf Widersprüche in der angeblichen Einigung hin. SPD-Fraktionsvize Ludwig Stiegler räumte gegenüber der Süddeutschen Zeitung ein, dass die Beschlüsse ,,janusköpfig'' seien und es über Details noch ,,Häuserkämpfe'' geben könne. Nach monatelangem Ringen hatten die Fachpolitiker von SPD und Union zuvor eine Art Fahrplan für die Bahn-Privatisierung festgezurrt. Dies war auch auf erheblichen Druck von der Koalitionsspitze geschehen. Der Kompromiss ist in einigem aber widersprüchlich und lässt vieles offen. Insbesondere gilt das für den Hauptstreitpunkt, ob das Schienennetz bei der Bahn verbleiben oder im Eigentum des Bundes liegen soll. Komplizierte Eigentumskonstruktion Der Kompromiss sieht vor, dass die Infrastruktur - also Schienen, Bahnhöfe, Werkstätten und Energieleitungen - vor der Privatisierung ,,ins Eigentum des Bundes überführt'' wird. Zugleich soll die Bahn aber die Möglichkeit erhalten, Verkehr und Infrastruktur ,,in einer wirtschaftlichen Einheit zu betreiben und zu bilanzieren''. | Nach dem Kompromiss zwischen SPD und Union zum geplanten Börsengang der Bahn kann es Konzernchef Mehdorn gar nicht schnell genug gehen mit dem Projekt. Doch der weitere Weg an die Kapitalmärkte ist beschwerlich. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/boersengang-der-bahn-trial-and-error-1.906303 | "Börsengang der Bahn - ""Trial and Error""" | 00/05/2010 |
Mit dem Geld soll das Schienenetz modernisiert werden. Dass die Bahn die Milliarde auch tatsächlich für den Gleisbau verwendet, will die Regierung künftig stärker kontrollieren. Berlin - Die Bundesregierung will künftig genau darauf achten, wie das Schienennetz mit öffentlichen Mitteln saniert und modernisiert wird. In einem Vertrag mit der Deutschen Bahn (DB) soll genau festgelegt werden, in welchem Zustand sich die Strecken befinden müssen, um attraktive Zugverbindungen zu ermöglichen. Detailansicht öffnen Weniger Verspätungen und mehr Komfort für den Kunden - das erhofft sich Verkehrsminister Stolpe von seiner Finanzspritze. (Foto: Foto: dpa) Verkehrsminister Manfred Stolpe kündigte im Bundestag außerdem an, die Bahn werde mittelfristig eine Milliarde Euro zusätzlich für den Ausbau des Netzes erhalten. Darauf habe er sich mit Finanzminister Hans Eichel verständigt. Laut einer Liste des Verkehrsressorts kann die DB nun zehn weitere Projekte fortsetzen oder beginnen. Das gilt beispielsweise für den viergleisigen Ausbau der Linie Augsburg - München und den teilweise zweigleisigen Ausbau sowie die Elektrifizierung der Trasse von Hamburg nach Lübeck. Auch für die Verbindungen Karlsruhe - Basel und Nürnberg - Erfurt gibt es nun mehr Geld. Stolpe will mehr Kontrolle Stolpe unterrichtete den Verkehrsausschuss des Parlaments auf dessen Bitte hin über die Schienenpolitik des Bundes in den nächsten Jahren. Anlass waren Hinweise aus dem Verkehrsressort und von den Bundesländern, die Bahn nutze die staatlichen Mittel in Höhe von drei bis vier Milliarden Euro pro Jahre für das Streckennetz nur unzureichend oder setze das Geld teils anders ein, als vorgesehen. Das gehe zu Lasten der Kunden, da dann etliche Züge wegen so genannter Langsam-Fahrstellen und anderer Mängel verspätet ans Ziel kämen. In einem Bericht, den Stolpe im Verkehrsausschuss verteilte, wird auf die bislang "begrenzten Einwirkungsmöglichkeiten des Bundes" während der Bauphase verwiesen. Das Ministerium stelle die Mittel bereit, und das dem Ressort unterstellte Eisenbahn-Bundesamt prüfe hinterher, ob das Geld korrekt verwendet worden sei. Beginn und Ablauf der Baumaßnahmen würden "weitestgehend" von der DB gesteuert. Dabei sei es zulässig, Mittel umzuschichten, sofern einzelne Vorhaben nicht planmäßig vorangingen. Das solle gewährleisten, dass kein Geld verfalle. Diese Praxis stehe aber nicht "im Einklang mit der öffentlichen Wahrnehmung", wonach der Bund für einen planmäßigen Verlauf der Projekte verantwortlich sei. Notfalls Sanktionen Wie Stolpe in dem Bericht weiter mitteilte, soll deshalb nun eine "grundlegende Vereinbarung" mit der Bahn abgeschlossen werden. Darin wolle die Regierung konkret "messbare" Qualitätsmerkmale für das Schienennetz festlegen, etwa das Alter der Anlagen oder die Einhaltung des Fahrplans. Basis für den Vertrag solle ein umfassender Bericht über den Zustand des Schienennetzes sein. Ziel des Vorhabens sei eine "größere Transparenz" beim Einsatz der staatlichen Mittel. Der Verkehrsausschuss verlangt nach Angaben des Abgeordneten Dirk Fischer von der CDU darüber hinaus von der DB regelmäßige Reporte über die größeren Streckenprojekte: "Was klappt, wo klemmt aus." Staatssekretär Ralf Nagel aus dem Verkehrsministerium hatte dem DB-Vorstand außerdem bereits mitgeteilt, die Regierung wolle notfalls mit vertraglich festgelegten Sanktionen dafür sorgen, das die Bahn die Strecken in Ordnung halte. Die Mittel für das Schienennetz sind laut Stolpes Angaben im Verkehrsausschuss nun mittelfristig gesichert. Nach dem ursprünglichen Finanzplan des Bundes hätte die Bahn 2008 nur noch 2,2 Milliarden Euro bekommen, obwohl alleine für die Modernisierung der bestehenden Trassen schon 2,5 Milliarden Euro pro Jahr notwendig sind. Eichel habe eine Milliarde Euro mehr für 2008 zugesagt, teilte Stolpe mit, so dass bis dahin in jedem Jahr auch Mittel für den Ausbau des Netzes verfügbar seien. | Mit dem Geld soll das Schienenetz modernisiert werden. Dass die Bahn die Milliarde auch tatsächlich für den Gleisbau verwendet, will die Regierung künftig stärker kontrollieren. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/finanzspritze-eine-milliarde-euro-mehr-fuer-bahn-1.916464 | Finanzspritze - Eine Milliarde Euro mehr für Bahn | 00/05/2010 |
Erst im März hatte Microsoft seine Aktionäre mit der ersten Dividende in der Unternehmensgeschichte beglückt. Nun sollen sogar mehr als zehn Milliarden Dollar als Sonderdividende ausgeschüttet werden. Die Aktionäre könnten mit eine Ausschüttung von "deutlich mehr als zehn Milliarden Dollar" rechnen, meldete die britische Financial Times am Freitag. Die Zahlung solle entweder auf einmal erfolgen oder verteilt auf drei bis vier Quartale. Detailansicht öffnen Firmengründer Bill Gates sitzt auf Koffern voller Geld. (Foto: AP) Mit der Transaktion wolle Microsoft seine gigantischen Barmittelbestände in Höhe von 46 Milliarden Dollar reduzieren, heißt es in dem Bericht weiter. Kriegskasse Damit beuge sich Microsoft auch dem Druck von Aktionären, die gefordert hatten, das Unternehmen müsse seine "Kriegskasse" öffnen. Zuletzt hätten sich die Aktionäre unzufrieden gezeigt, da auf der einen Seite der Aktienkurs stagnierte, auf der anderen Seite Microsoft aber Quartal für Quartal rund drei Milliarden Dollar an Barmitteln generiert. Allerdings sei die Ausschüttung einer Sonderdividende nicht die einzige Option, mit der sich Microsoft im Augenblick befasse, schreibt die FT weiter. Unter Berufung auf das französische Schwesterblatt Les Echos heißt es in dem Bericht, dass auch Akquisitionen, höhere reguläre Dividenden oder aber einen Aktienrückkauf erwäge. Auch Mischung denkbar Die Entscheidung solle Ende des Jahres fallen. Denkbar sei offenbar aber auch eine Mischung der Möglichkeiten. Im März hatte Microsoft erstmals in der Unternehmensgeschichte eine Dividende ausgeschüttet. Allerdings fiel sie mit acht Cent je Aktie verhältnismäßig gering aus. Im Vergleich dazu dürfte sich die Sonderdividende im Bereich von einem Dollar pro Aktie bewegen. Bislang hatte Microsoft erklärt, der Konzern brauche hohe Barmittel um sich gegen Risiken aus Kartellklagen abzusichern. | Erst im März hatte Microsoft seine Aktionäre mit der ersten Dividende in der Unternehmensgeschichte beglückt. Nun sollen sogar mehr als zehn Milliarden Dollar als Sonderdividende ausgeschüttet werden. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/sonderdividende-microsoft-oeffnet-die-geldkoffer-1.907523 | Sonderdividende - Microsoft öffnet die Geldkoffer | 00/05/2010 |
Angesichts der osteuropäischen Billiglohnkonkurrenz haben sich die Tarifparteien im Baugewerbe auf die Absenkung des umstrittenen Mindestlohns für Facharbeiter in Ostdeutschland geeinigt. Der erst im September eingeführte Mindestlohn II wird im Osten zum 1. November deutlich auf 9,65 Euro gesenkt, wie der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) und die IG BAU am Mittwoch in Berlin erklärten. Im September 2004 soll er wieder auf 10,01 Euro angehoben werden. Mindestlöhne werden eingefroren Die Mindestlöhne für Hilfsarbeiter in Ost und West sowie für Facharbeiter im Westen werden zunächst eingefroren. Im September 2005 ist eine Lohnerhöhung für alle Gruppen um 1,7 Prozent geplant. Die Übereinkunft wurde am späten Dienstagabend im Bundeswirtschaftsministerium erzielt, wie die Tarifparteien mitteilten. Nach der Annahme durch Bauindustrie, Handwerk und Gewerkschaft soll der Tarifvertrag vom Ministerium bis zum 31. August 2006 für allgemeinverbindlich erklärt werden. Westlöhne bleiben unverändert Der Mindestlohn im Westen und in Berlin bleibt in diesem und im kommenden Jahr unverändert bei 10,36 Euro für Hilfsarbeiter beziehungsweise 12,47 Euro für Fachwerker. Der Mindestlohn I im Osten bleibt ebenfalls unverändert bei 8,95 Euro. Auf einen neuen Mindestlohn II für Fachwerker, Maschinisten und Kraftfahrer hatten sich die Tarifparteien bereits vor einem Jahr geeinigt. Die Arbeitgeber werteten das Ergebnis mit Blick auf die Billiglohnkonkurrenz aus Osteuropa als "zukunftsträchtig". "Damit haben die Tarifvertragsparteien gerade im Hinblick auf die bevorstehende EU-Osterweiterung eine tragfähige Lösung gefunden", erklärte ihr Verhandlungsführer, ZDB-Vizepräsident Werner Kahl. "Dem Treiben der ausländischen Billiglohnkonkurrenz wurde einmal mehr ein Riegel vorgeschoben." Auch der IG BAU-Vorsitzende Klaus Wiesehügel sprach von einem "wichtigen Signal für das Jahr der EU-Osterweiterung". "Die lange Laufzeit und die zu erwartende Allgemeinverbindlichkeit der Mindestlöhne schafft Planungssicherheit bis Ende August 2006 und ermöglicht uns eine Perspektive darüber hinaus, den Wettbewerb zu stabilisieren und zu geordneten Verhältnissen am Bau zu kommen", erklärte Wiesehügel. Unzufriedenheit in Sachsen Der Sächsische Baugewerbeverband zeigte sich dagegen unzufrieden mit der Einigung. "Wir haben uns von den Verhandlungen mehr versprochen, mussten allerdings feststellen, dass weder mit der Bauindustrie noch mit der Gewerkschaft ein Tarifabschluss möglich gewesen wäre", erklärte Vizepräsident Uwe Nostitz. Die Zustimmung der Verbandgremien werden "nicht einfach" zu erreichen sein. Besonders im Osten Deutschlands hatten zahlreiche Bauunternehmen angesichts der Billigkonkurrenz in Osteuropa auf die Absenkung der Mindestlöhne gedrungen. | Angesichts der osteuropäischen Billiglohnkonkurrenz haben sich die Tarifparteien im Baugewerbe auf die Absenkung des umstrittenen Mindestlohns für Facharbeiter in Ostdeutschland geeinigt. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/baugewerbe-signal-gegen-billiglohnkonkurrenz-1.915068 | Baugewerbe - Signal gegen Billiglohnkonkurrenz | 00/05/2010 |
Vor wenigen Tagen hat Utz Claassen, Chef vom Energieversorger EnBW, überraschend seinen Rückzug verkündet. Jetzt dürfte der Grund klar sein. Electricité de France (EdF), Großaktionärin des deutschen Energieversorgers EnBW, rechnet laut Handelsblatt mit dem scheidenden EnBW-Chef Utz Claassen ab. Die Zeitung berichtet, das EdF-Management ziehe in einem vierseitigen Papier eine vernichtende Bilanz der Amtszeit des Managers. Claassen hatte zu Wochenbeginn überraschend seinen Rückzug vom Amt des EnBW-Vorstandsvorsitzes angekündigt hatte. Das Papier enthalte herbe Kritik am persönlichen Führungsstil Claassens sowie konkrete Kritik an unternehmerischen Entscheidungen, berichtet die Zeitung unter Berufung auf Unternehmenskreise von EdF. Mit falschen Federn geschmückt Die Abrechnung beginne mit der Kritik, Claassen habe erste Sanierungserfolge während seiner Amtszeit als Ergebnis seiner Arbeit dargestellt. Tatsächlich seien diese jedoch einem Sanierungsprogramm zu verdanken, das Claassens Vorgänger Gerhard Goll initiiert habe. Claassen werde weiter vorgeworfen, er habe im Unternehmen eine "Kultur des Misstrauens und der Intrige" entstehen lassen. Auch die Außenwirkung der Arbeit des EnBW-Vorstandschefs erhält demnach schlechte Noten. Die Glaubwürdigkeit von EnBW im politischen Umfeld und auf den Energiemärkten habe extrem gelitten. Außerdem habe Claassen die Großaktionäre und den Aufsichtsrat nicht ausreichend informiert. Dies habe zu Fehlentscheidungen geführt. Bestenfalls noch ein Regionalversorger Claassen habe das Unternehmen heruntergewirtschaftet. Es sei bestenfalls noch als baden-württembergischer Regionalversorger zu betrachten. Claassen, seit gut vier Jahren im Amt, hatte für seinen Rückzug zu Wochenbeginn "strukturelle, professionelle, persönliche und familiäre Gründe" ins Feld geführt. Schnell war spekuliert worden, er habe sich mit Großaktionär EDF überworfen - eine Annahme, die vor dem Hintergrund des jetzt zitierten Papier äußerst plausibel erscheint. Claassens Vertrag läuft zwar noch bis April 2008. Nach Handelsblatt-Informationen soll der Top-Manager aber bereits deutlich vor Ende der Vertragslaufzeit aus dem Konzern ausscheiden. | Vor wenigen Tagen hat Utz Claassen, Chef vom Energieversorger EnBW, überraschend seinen Rückzug verkündet. Jetzt dürfte der Grund klar sein. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/fuehrungswechsel-bei-enbw-ein-fusstritt-zum-abschied-1.904429 | Führungswechsel bei EnBW - Ein Fußtritt zum Abschied | 00/05/2010 |
Die deutsche Esskultur im Umbruch: Wer fit und hip sein will, greift zu Sushi und sogenannten Molekularhäppchen. Das verändert auch die Branche der Caterer. Viele schnelle kleine Hände formen, stapeln, schneiden, schichten, drücken, schieben und heben, das meiste ist nur so groß wie ein Lippenstift oder ein Spielwürfel. Unter den strengen Augen von Yong Soo Kim fertigen bis zu 40 Menschen Maki, Nigiri und Masago. Detailansicht öffnen Sushi-Essen wird in Deutschland immer beliebter (Foto: Foto: dpa) Dass das in einer Werkshalle in Neuss geschieht und nicht im japanischen Osaka, liegt an Tom und Tim Hörnemann, ihnen gehört die Firma "Tsunami Sushi Bars". Sie reiten im Moment ganz oben auf einer Modewelle, die Deutschland erfasst hat: der Sushi-Welle. Zur selben Zeit in Berlin, Frankfurt, München und Hamburg: In vier Küchen dort werden ganz andere Delikatessen vor- und zubereitet. Klein sind sie auch, aber oft weniger handfest, weil mit Stickstoff gekocht oder in Wasser frittiert. In Wasser frittiert? "Ja", sagt Kay Schoeneberg, Küchenmeister bei Kofler & Company, einem Edelcaterer, und versenkt Minzeblättchen mit einer langen Schöpfkelle in einem Behälter, aus dessen Öffnung es dampft - nicht etwa vor Hitze, sondern vor Kälte. Deutschlands Esskultur ist im Umbruch In flüssigem Stickstoff werden die Blättchen bei minus 176 Grad binnen Sekunden schockgefroren, im Mund prickelt es ein bisschen beim Draufbeißen. Dasselbe funktioniert auch mit Crèmes und Schaumklößen, sie bekommen eine kalte Außenhaut verpasst, innen aber bleiben sie angenehm weich. Das ist ein Bestandteil der sogenannten Molekularküche, die durch den spanischen Koch Ferran Adrià weltbekannt wurde. Und es ist zugleich eine große Mode - ähnlich wie Sushi. Deutschlands Esskultur ist im Umbruch. Es geschieht eher heimlich, still und leise, weil es nicht so augenfällig ist wie die zahllosen Fast-Food-Filialen, die das Land seit gut zwei Jahrzehnten flächendeckend überziehen. Aber wer aufmerksam die steigende Zahl der Sushi-Plastikschälchen im Supermarkt beobachtet und bei Buffets auf Großveranstaltungen das Aussterben der Frikadelle beobachtet, bei gleichzeitiger, explosionsartiger Vermehrung seltsamer Schäumchen in Schnapsgläsern, dem fällt auf: Hier ändert sich etwas, und das gewaltig. Neben Geschäftssinn und dem Erspüren von Trends gehört auch Glück dazu, um erfolgreich zu sein. Und manchmal geht auch etwas daneben, wie Schoeneberg unlängst erlebte. Eigentlich sollte seine Firma für Kofler & Company bei der Kasseler Kunstschau Documenta als Hommage an den dort vertretenen Ferran Adrià den Besuchern kleine Adrià-Kreationen wie dessen berühmtes "Dekonstruiertes Gemüse mit Holzkohleöl" servieren. Das war zumindest die Idee von Documenta-Leiter Roger M. Buergel. Doch daraus wurde nichts, weil Adrià dies für unvereinbar mit seiner Präsentation in Kassel hielt. Nun gibt es aber gar keine Adrià-Präsentation, auf der Documenta hängt nur eine einsame Speisekarte von Adriàs Restaurant "El Bulli", und jeden Tag werden unter den Documenta-Besuchern zwei ausgesucht, die eine Reise ins "El Bulli" an der Costa Brava spendiert bekommen. Zur Begründung seines Nichterscheinens sagte Adrià zur Documenta-Eröffnung nur, eine Küche könne man eben "nicht in ein Museum packen". Egal, nun richtet Kofler in Kassel nicht auf dem Documenta-Gelände, sondern nur auf Aktionen von Hauptsponsoren das Catering aus, und es wird, passend zu Adrià, Molekularküche geben. Explodierende Umsatzzahlen Seit 1991 ist Klaus Peter Kofler Caterer, mit zunehmendem Erfolg. Als der gelernte Konditormeister und heutige Firmenchef damit anfing, "war Catering noch ein Schimpfwort. Es galt als Massenabfütterung, und wenn es halbwegs warm und einigermaßen genießbar auf den Teller kam, war man als Kunde schon zufrieden", sagt Kofler. Denn es ist weitaus schwieriger, für 500 Menschen genauso gut zu kochen wie für vier. Dass Kofler dies kann, scheinen zumindest seine Umsatzzahlen zu bestätigen: 2005 erwirtschaftete er 10,5 Millionen Euro, im vergangenen Jahr waren es 18,5 Millionen Euro. Kofler durfte schon für Königin Elisabeth II., Bundespräsident Horst Köhler und Altbundeskanzler Helmut Kohl kochen. Dem Caterer kommt einiges zupass: Einmal, dass sich die Gerichte der Molekularküche leicht nachmachen lassen. Man kauft sich ein Kochbuch von Ferran Adrià, und los geht's. "Bei Molekularköchen ist es wie bei Konditoren. Da ist alles bis aufs Gramm genau festgelegt, es wird nicht aus dem Bauch heraus gekocht wie bei anderen berühmtem Köchen." Was sich mit entsprechendem handwerklichen Können leicht kopieren lässt, schmeckt dementsprechend immer gleich - an jedem Ort. Die Molekularküche kommt aber auch deswegen so gut an, weil es gerade ungeheuer modern ist. In flüssigen Stickstoff getauchte Fruchtcremes oder mit Algenextrakten stabilisierte Schäume sind offensichtlich heute bei vielen Menschen beliebter als Schnittchen mit Roastbeef, Camembert und Räucherlachs. "Unsere Kunden stehen selbst für Innovation und verkaufen sich so", sagt Kofler, "deswegen kommt es bei ihnen natürlich sehr gut an, wenn sie etwas von uns für ihre Veranstaltungen kriegen, das sehr angesagt ist". | Die deutsche Esskultur im Umbruch: Wer fit und hip sein will, greift zu Sushi und sogenannten Molekularhäppchen. Das verändert auch die Branche der Caterer. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/catering-schaeumchen-im-schnapsglas-1.906718 | Catering - Schäumchen im Schnapsglas | 00/05/2010 |
Airbus will das Langstreckenmodell A350 nun offenbar unter allen Umständen gegen die Boeing 787 antreten lassen. Kleiner Haken an der Sache: Die Finanzierung scheint nur mit staatlichen Garantien zu bewerkstelligen sein. Streit zwischen der EU und den USA ist dann programmiert. Der Verwaltungsrat des EADS-Konzerns wolle den Bau des Airbus-Langstrecken-Flugzeugs A350 beschließen, berichtete der französische Radiosender BFM. Detailansicht öffnen Exisitiert nur als Studie: Der neue Airbus Langstreckenjet A350. (Foto: Foto: AFP) Der Bau der Maschine solle bei der schon mit Spannuung erwarteten Sitzung des EADS-Verwaltungsrats am Freitag beschlossen werden, hieß es in dem Bericht weiter. Schon seit längerem ist bekannt, dass der Verwaltungsrat über den A350 an diesem Freitag befinden will. Das Gremium hatte die Beschlussfassung mehrfach vertagt, weil sich die Hauptaktionäre nicht über die Finanzierung einigen konnten. Hauptanteilseigner von EADS sind die französische Regierung, der französische Medien- und Rüstungskonzern Lagardère und der Autokonzern DaimlerChrysler. Konfliktreiche Frage der Finanzierung Airbus-Chef Louis Gallois habe die Anteilseigner nun von der Notwendigkeit des A350-Baus überzeugen können. Im Gegenzug solle die konfliktreiche Frage der Finanzierung des neuen Flugzeugs bei der Sitzung nicht angeschnitten werden, berichtete der Sender. Allerdings besitze der Airbus-Mutterkonzern die Mittel, um die ersten Etappen des Baus zu finanzieren, hieß es bei BFM weiter. Unterdessen berichtete die britische Financial Times unter Berufung auf Eingeweihte, dass die französische Regierung sich dazu durchgerungen habe, eine staatliche Garantie für einen Teil der Finanzierung zu übernehmen. Sechs Milliarden Euro soll EADS tragen Der französische Staat hält 15 Prozent an EADS. In den informierten Kreisen habe es zudem geheißen, dass rund sechs Milliarden Euro der Entwicklungskosten von EADS selbst finanziert würden, schreibt die Financial Times weiter. Weitere vier Milliarden Euro sollten durch staatlich abgesicherte Finanzierungsformen aufgebracht werden. Neben Frankreich träten mit Großbritannien, Deutschland und Spanien jene drei Länder ein, die Airbus unterstützen. Details zu dem 4-Milliarden-Euro-Paket stünden allerdings noch nicht fest, so die Financial Times. Mit den staatlichen Garantien löst EADS zwar seine Finanzierungsprobleme, doch staatliche Subventionen für Flugzeugbauer sind zwischen der Europäischen Union und den USA schon seit Jahren heftig umstritten. | Airbus will das Langstreckenmodell A350 nun offenbar unter allen Umständen gegen die Boeing 787 antreten lassen. Kleiner Haken an der Sache: Die Finanzierung scheint nur mit staatlichen Garantien zu bewerkstelligen sein. Streit zwischen der EU und den USA ist dann programmiert. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/airbus-a350-mit-der-brechstange-1.903409 | Airbus A350 - Mit der Brechstange | 00/05/2010 |
Trotz besten Biergartenwetters im vergangenen Sommer ist der Absatz des Gerstensafts in Deutschland auch im Jahr 2003 zurückgegangen. Die größte Menge Bier wird in Nordrhein-Westfalen und Bayern produziert. Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte, setzten deutsche Brauereien und Bierlager im vergangenen Jahr 105,5 Millionen Hektoliter Bier ab; das waren 2,3 Millionen Hektoliter oder 2,1 Prozent weniger als im Vorjahr. Während der darin enthaltene steuerfreie Export um 9,1 Prozent auf 12,3 Millionen Hektoliter zunahm, sank der versteuerte Inlandsabsatz um 3,4 Prozent auf 93,2 Millionen Hektoliter. Weniger Biermischungen Der Verkauf von Biermischungen, wie Radler oder Colabier, die ebenfalls zum Bierabsatz zählen, ging den Angaben zufolge sogar um 6,2 Prozent auf 2,7 Millionen Hektoliter zurück. Daraus ergibt sich für den Absatz von unvermischtem Bier (102,8 Millionen Hektoliter) ein Rückgang gegenüber dem Vorjahr um 2,0 Prozent. Nicht enthalten sind in den Zahlen der Absatz von alkoholfreien Bieren und Malztrunk sowie das aus Ländern außerhalb der Europäischen Union eingeführte Bier, wie die Statistiker mitteilten. Vom unversteuerten Bier für den Export wurden in die EU-Länder 9 Millionen Hektoliter (plus 11 Prozent) geliefert, in Drittländer 3,1 Millionen Hektoliter (plus 5 Prozent). Als ebenfalls unversteuerten Haustrunk gaben die Bauereien 0,2 Millionen Hektoliter Bier an die Beschäftigten ab (minus 4,7 Prozent). Den höchsten Bierausstoß nach Sitz der Steuerlager, also der Brauereien und Bierlager, erzielten traditionell die Länder Nordrhein-Westfalen mit einem Anteil von 25,3 Prozent und Bayern mit 21,7 Prozent, wie die Statistiker mitteilten. Höchste Anteile Am Inlandsabsatz haben diese beiden Länder mit 25,9 Prozent und 22,6 Prozent ebenfalls die mit Abstand höchsten Anteile. Den höchsten Bierabsatz über die bundesdeutschen Grenzen hinweg erzielten dagegen die Brauereien oder Bierlager mit Sitz in Niedersachsen/Bremen mit einem Anteil von 34,5 Prozent. Der Bierabsatz in Deutschland ging den Angaben zufolge in den letzten zehn Jahren kontinuierlich zurück, mit lediglich einem kleinen Plus im Jahr 1999 (plus 0,7 Prozent). Während 1994 noch 115,7 Millionen Hektoliter abgesetzt worden waren, waren es 1998 nur noch 109,4 Millionen Hektoliter und 2003 eben 105,5 Millionen Hektoliter. | Trotz besten Biergartenwetters im vergangenen Sommer ist der Absatz des Gerstensafts in Deutschland auch im Jahr 2003 zurückgegangen. Die größte Menge Bier wird in Nordrhein-Westfalen und Bayern produziert. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/im-jahr-2003-bierabsatz-trotz-rekordsommers-gesunken-1.903431 | Im Jahr 2003 - Bierabsatz trotz Rekordsommers gesunken | 00/05/2010 |
Offene Immobilienfonds sind bei Anlegern beliebt, denn sie gelten als sicher. Experten kritisieren jedoch die mangelnde Transparenz der Fonds, weil sie in der Regel keine Verkehrswerte für ihre Objekte ausweisen. Bei den Immobiliengesellschaften herrscht offenbar große Nervosität. Die Ermittlungen gegen einen ehemaligen Geschäftsführer der Deka Immobilien GmbH haben die Branche aufgeschreckt. Detailansicht öffnen Der Bestechungsskandal beim Deka Immobilienfonds hat die Branche in Unruhe versetzt. (Foto: Foto: dpa) Der Manager soll ebenso wie ein früherer Chef der DB Real Estate in einen Korruptionsskandal verwickelt sein, dessen Ausmaße noch nicht erkennbar sind. Mindestens 40 Personen, unter anderem die beiden Top-Manager stehen in dem Verdacht, sich im Zuge von Immobiliengeschäften bereichert zu haben. Die Deka Immobilien gehört nach eigenen Angaben zu den größten Anbietern von offenen Immobilienfonds in Deutschland. Die Tatsache, dass auch ein ehemaliger Deka-Manager in den Fall verwickelt ist, lenkt das Interesse auf eine Branche, die sich bei Anlegern seit einigen Jahren extremer Beliebtheit erfreut. 2002 und 2003 absolute Ausnahmejahre Investoren steckten in den vergangenen Jahren ihre Ersparnisse mit Vorliebe in offene Immobilienfonds. Im Jahr 2003 waren es 13,7 Milliarden Euro, 2002 sogar 15 Milliarden Euro. Absolute Ausnahmejahre, heißt es in der Branche. Die Folge dieser Entwicklung: Derzeit befinden sich nach Angaben des Bundesverbandes Investment und Asset Management (BVI) mehr als 87 Milliarden Euro in offenen Immobilienfonds. Bei der Bestechungsaffäre geht man in der Branche bislang offiziell von einem Einzelfall aus. Da sei jemand den Verlockungen des Geldes unterlegen, so ein Sprecher des BVI. "Das Investmentgesetz, unsere Wohlverhaltensregeln sowie die interne Revision sollten solche Fälle eigentlich verhindern", so der Sprecher. Hinzu komme, dass die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht die einzelnen Fonds und die Geschäftsführungen der Fondsgesellschaften beobachte und bei Unregelmäßigkeiten aktiv werde. "Trotzdem kann das passieren", sagt der Sprecher. Bei befragten Fondsgesellschaften heißt es, man sei einfach nur überrascht. Offenbar besteht die Befürchtung, dass der Skandal ein schlechtes Licht auf die gesamte Branche werfen könnte. Geschätzter Verkehrswert als Bewertungsgrundlage Zumal die Fonds von einigen Experten immer wieder kritisiert werden. Denn die Gesellschaften lassen ihre Objekte nach dem Kauf von einem unabhängigen Sachverständigen schätzen. Nicht der gezahlte Preis, sondern der geschätzte Verkehrswert bildet die Berechnungsgrundlage für die Fondsanteile. Dieses Bewertungsverfahren wird bemängelt. "Die Tatsache, dass die meisten Fonds keine Verkehrswerte ihrer Objekte veröffentlichen und auch zu den Mieten keine Angaben machen, lässt das Geschäft undurchsichtig erscheinen", sagt Alexandra Merz, Fondsexpertin bei der Ratingagentur Scope. Von außen sei nur schwer zu beurteilen, ob die Fonds ihre Objekte überhaupt marktgerecht bewertet hätten. Würden die Gesellschaften mit den Daten offener umgehen, gäbe es eine Flut von Analysten, die diese Fonds beobachten würden. "Die derzeitige Praxis führt aber dazu, dass die Fonds kaum jemand bewertet", so Merz. Breites Portfolio Einige Charakteristika machen offene Immobilienfonds andererseits für Anleger attraktiv: Das Ersparte steckt in einem breit gestreuten Immobilienportfolio, der Investor braucht sich nicht selbst um die Verwaltung zu kümmern. | Offene Immobilienfonds sind bei Anlegern beliebt, denn sie gelten als sicher. Experten kritisieren jedoch die mangelnde Transparenz der Fonds, weil sie in der Regel keine Verkehrswerte für ihre Objekte ausweisen. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/folgen-des-frankfurter-bestechungsskandals-eine-branche-unter-druck-1.907822 | Folgen des Frankfurter Bestechungsskandals - Eine Branche unter Druck | 00/05/2010 |
Der russische Ölkonzern Yukos will im Konflikt mit dem Kreml nicht kampflos aufgeben. Er bat die US-Justiz um Schutz vor dem russischen Staat und sorgte mit diesem überraschenden Schritt am Mittwoch in Moskau für Unruhe. Yukos machte am Mittwoch klar, dass das Unternehmen mit allen Mitteln das Herausbrechen seines wichtigsten Produktionszweiges aus dem Konzern verhindern will. Ohne Yuganskneftegas, das am Sonntag in Moskau zwangsversteigert werden soll, hört Yukos auf, in seiner bisherigen Form zu existieren. Detailansicht öffnen Ölförderung bei der Yukos-Tochter Yuganskneftegas in Sibirien. (Foto: Foto: Reuters) Nachdem die Yukos-Mutter Menatep in den Tagen zuvor in Anzeigen und vor der Presse weltweit Bieter und Kreditgeber gewarnt hatte, sich am "Raub" des Yukos-Vermögens zu beteiligen, schaltete das Unternehmen nun ein Gericht in Houston im US-Bundesstaat Texas ein. Schutz des Gerichts Yukos strebt ein besonderes Verfahren nach "Kapitel 11" des US-Konkursrechts an. Nach diesem Prozedere kann das Management ein zahlungsunfähiges Unternehmen unter dem Schutz des Gerichtes vor Gläubigern zeitweise weiter führen, es umorganisieren und sanieren. Die Zuständigkeit eines US-Gerichts wurde von Moskauer Behörden massiv angezweifelt. Auch Alexej Makarkin vom Zentrum für politische Technologien in Moskau bezweifelt juristische Folgen in Russland. "Es ist unwahrscheinlich, dass dies die russischen Behörden aufhält", sagte er der Süddeutschen Zeitung. Es gehe in Wahrheit um ein warnendes Signal an Banken und Investoren vor der Versteigerung von Yuganskneftegas am Sonntag. In deutschen Bank-Kreisen wurde der juristische Vorstoß von Yukos ebenfalls skeptisch beurteilt. Es handele sich um eine politische Angelegenheit in Russland selbst, auf die ein US-Gericht kaum werde Einfluss nehmen können. Schröder wird bei Putin schweigen Auch Bundeskanzler Gerhard Schröder wird nach Angaben der Bundesregierung beim kommenden Treffen mit Russlands Präsident Wladimir Putin nicht über die Zukunft von Yukos sprechen. Yukos machte hingegen geltend, das US-Konkursrecht sehe weltweite Geltung vor. Zudem sei Yukos in Texas wirtschaftlich aktiv. Für diese Sichtweise sprach, dass das Houstoner Bezirkskonkursgericht für Donnerstag weitere Anhörungen ansetzte. "Gutes Zeichen" "Wir halten das für ein gutes Zeichen", sagte ein Yukos-Sprecher in Houston. Die zuständige Richterin Letitia Clark wollte die Anhörungen von Firmenvertretern am Donnerstagvormittag (Ortszeit) fortsetzen. Das Unternehmen soll versteigert werden, um die enormen Steuerschulden zu begleichen. Yukos, Russlands bisher größter Öl-Exporteur, steht seit mehr als einem Jahr im Fadenkreuz der russischen Finanzbehörden und sieht sich Steuernachforderungen in Höhe von knapp 27 Milliarden Dollar ausgesetzt. Zudem sitzt Firmengründer Michail Chodorkowskij seit einem Jahr in Untersuchungshaft. Er hatte sich vor seiner Verhaftung als Kritiker des russischen Präsidenten Wladimir Putin hervorgetan. "Enteignung im Stil des 21. Jahrhunderts" Yukos-Chef Steven Theede, ein US-Bürger, warf der russischen Führung am Mittwoch "Enteignung im Stil des 21. Jahrhunderts" vor. "Die selektive und rückwirkende Anwendung der Steuergesetze durch die russischen Behörden ist sowohl nach russischem als auch nach internationalem Recht unzulässig und hat direkt zu einem Marktwert-Verlust von 38 Milliarden Dollar für unsere Investoren geführt", sagte er. Yukos geht es offensichtlich darum, seinen Konflikt mit den russischen Behörden so weit wie möglich zu internationalisieren, weil der Konzern in Russland keine rechtsstaatliche Behandlung erwartet. Das Management von Yukos habe "unermüdlich und in gutem Glauben" daran gearbeitet, mit den russischen Behörden zu einer Einigung zu kommen, sagte Yukos-Chef Steven Theede. Ergebnislos seien mehr als 70 Kompromissvorschläge gemacht worden. | Der russische Ölkonzern Yukos will im Konflikt mit dem Kreml nicht kampflos aufgeben. Er bat die US-Justiz um Schutz vor dem russischen Staat und sorgte mit diesem überraschenden Schritt am Mittwoch in Moskau für Unruhe. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/vor-drohender-zwangsversteigerung-yukos-sucht-seine-rettung-in-den-usa-1.900196 | Vor drohender Zwangsversteigerung - Yukos sucht seine Rettung in den USA | 00/05/2010 |
Egal, wie das Urteil über Michail Chodorkowskij ausfällt: An dem Entscheid, dass Russlands Justiz in diesem Fall Vertrauen verloren hat, lässt sich schwerlich etwas ändern. Wollte man ein gutes Wort für Irina Kolesnikowa einlegen, müsste man sagen: Diese Richterin ist überfordert. Zuerst hat sie es angeblich nicht rechtzeitig geschafft, bis zum 27.April - dem ursprünglichen Entscheidungstag im Fall Chodorkowskij - die schriftliche Urteilsbegründung abzuschließen. Nun musste sie bereits den zweiten Tag in Folge das Vorlesen des monumentalen Epos unterbrechen, als ginge ihr die Kraft aus, am Dienstag bereits nach etwa drei Stunden. Und vielleicht war es ja akuter Zeitnot geschuldet, dass die Richterin bisher den Duktus der russischen Staatsanwaltschaft weitgehend übernommen hat. Teil eines festen Plans All das aber verschärft eher den Eindruck, dass die Richterin Teil eines festen Plans ist, dass die Gewalten in Russland nicht wirklich geteilt sind, sondern mitunter paktieren. Wie das Strafmaß gegen den früheren Yukos-Chef Michail Chodorkowskij auch ausfällt, zehn Jahre Arbeitslager oder zwei Jahre auf Bewährung - bei der Ausleuchtung des Urteils wird stets ein diffuses Licht auf den russischen Staat fallen, auf den Kreml und auf seinen Hausherrn Wladimir Putin. Der russische Präsident mag beteuern, sein Land sei ein funktionierender Rechtsstaat und die Justiz arbeite unabhängig von Interventionen der Behörden. US-Regierung besorgt Doch seine Überzeugungskraft im Ausland ist begrenzt. Die amerikanische Regierung hat sich im Fall Chodorkowskij äußerst "besorgt" gezeigt, Prozessbeobachter der EU äußerten massive Kritik, und Gleiches wäre vielleicht auch von Brüssel und Berlin zu hören, wenn sie nicht aus politischer Rücksichtnahme stumm blieben. An einem Urteil aber lässt sich schwerlich etwas ändern: Vertrauen hat Russlands Justiz in diesem Fall nicht gewonnen. | Egal, wie das Urteil über Michail Chodorkowskij ausfällt: An dem Entscheid, dass Russlands Justiz in diesem Fall Vertrauen verloren hat, lässt sich schwerlich etwas ändern. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/kommentar-der-russische-pakt-1.915314 | Kommentar - Der russische Pakt | 00/05/2010 |
Im Prozess gegen Peter Hartz haben sich die Beteiligten rasch geeinigt: Die Strafobergrenze wird zwei Jahre Haft auf Bewährung nicht überschreiten. In dem am Mittwoch vor dem Landgericht Braunschweig begonnenen Prozess gegen den früheren VW-Personalvorstand Peter Hartz einigten sich die Prozessbeteiligten schon nach rund zweistündiger Verhandlungsdauer auf eine Strafobergrenze von zwei Jahren Haft auf Bewährung. Detailansicht öffnen Peter Hartz wird im Landgericht Braunschweig von Demonstranten verfolgt, die als Schreckgespenster verkleidet sind. (Foto: Foto: dpa) Eine zusätzliche Geldstrafe solle 360 Tagessätze nicht überschreiten. Voraussetzung für die Strafmilde sei laut Gericht jedoch ein glaubhaftes Geständnis. Hartz legt Geständnis ab Dieses legte Hartz im Laufe des Verhandlungstages durch seinen Anwalt Egon Müller ab. Hartz ließ Müller aussagen, er (Hartz) habe den früheren Betriebsratschef Klaus Volkert begünstigt. Er sei "Initiator" von Missbrauch gewesen. Auf Grund der wichtigen Rolle Volkerts habe er angeordnet, diesen "großzügig" zu behandeln. Heute bedaure er sein Fehlverhalten. Er übernehme dafür die strafrechtliche Verantwortung, sagte Hartz. Er hatte bereits in der Vernehmung durch die Staatsanwaltschaft gestanden. Allerdings verteidigte Peter Hartz im Zuge der Verhandlung das umstrittene Mitbestimmungsmodell bei Volkswagen. Vorstand und Betriebsrat mit dem früheren Betriebsratschef Klaus Volkert an der Spitze hätten im "Schulterschluss" zum Wohle des Unternehmens agiert, ließ Hartz über seinen Anwalt Egon Müller erklären. "Falsch orientiert" und "verstrickt" Er habe sich aber im Laufe der Zeit "falsch orientiert" und "verstrickt", indem er Volkert ohne Abstimmung mit dem übrigen Vorstand begünstigt habe. Dies sei ein "strafbares Verhalten" gewesen, sagte Müller. Im Nachhinein sei es ein Fehler gewesen, dass Kontrollmechanismen gefehlt hätten. Hartz wird vorgeworfen, Volkert in zehn Jahren zwei Millionen Euro an Sondervergütungen gezahlt zu haben. Vorwurf der Untreue Die Anklage lautet auf Begünstigung eines Betriebsrats in 23 Fällen und Untreue in 44 Fällen. Das Gericht wird auch der Frage nachgehen, ob Hartz allein auf eigene Rechnung handelte, oder ob er sich Rückendeckung beim damaligen VW-Chef Ferdinand Piëch oder dessen Nachfolger Bernd Pischetsrieder geholt hat. Im Prozess geht es im Kern um den Vorwurf, Hartz habe mit den Millionenzahlungen das Wohlwollen von Volkert erkauft, der auch VW-Aufsichtsratsmitglied war. Juristisches Neuland Die Staatsanwaltschaft spricht von unrechtmäßiger Begünstigung eines Mitgliedes des Betriebsrates "um seiner Tätigkeit willen". Mit diesem Teil der Anklage betritt das Gericht juristisches Neuland. Vorgeworfen werden Hartz zudem Barzahlungen von 400.000 Euro an eine frühere Geliebte von Volkert. Außerdem muss sich der 65-Jährige auch für 218.000 Euro verantworten, die unkontrolliert von Volkert und anderen als Spesen ausgegeben worden sein sollen. Insgesamt wird der Schaden auf 2,6 Millionen Euro beziffert. | Im Prozess gegen Peter Hartz haben sich die Beteiligten rasch geeinigt: Die Strafobergrenze wird zwei Jahre Haft auf Bewährung nicht überschreiten. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/gestaendnis-und-einigung-maximal-zweijaehrige-bewaehrungsstrafe-fuer-hartz-1.905699 | Geständnis und Einigung - Maximal zweijährige Bewährungsstrafe für Hartz | 00/05/2010 |
(SZ vom 13.12.03) — Vor einer Woche hatte Roger Schawinski seinen ersten großen Auftritt in der feinen Berliner Gesellschaft. Er nahm samstags an einem europäisch-israelischen Dialog der Axel Springer AG teil. Detailansicht öffnen Roger Schawinski, Eidgenosse, neuer SAT.1-Chef (Foto: Foto: AP) Joschka Fischer war ebenso erschienen wie Kabinettsmitglieder aus Israel. Schawinski fiel in dieser Runde auf, da er keinen dunklen Anzug mit Krawatte trug - der neue Chef des Privatsenders Sat 1 kam in hellem Sakko mit offenem Hemd. Der Schweizer, der an seinem zweiten Arbeitstag eigentlich auf Büro-Leben eingerichtet war, hatte von dem Termin nur zufällig erfahren, war dann aber flugs zu Springer geeilt. Immerhin war ja auch sein Chef Haim Saban da: Dem folgte der 58-jährige Medienmanager beharrlich, wie die Runde kolportierte. Schlechter Start Der Neue aus der Schweiz hatte in Deutschland keinen guten Start. Als er kam, meldete sich Harald Schmidt ab. Der war offenbar über die Auswechslung des bisherigen Sat1-Chefs Martin Hoffmann verärgert. Solche Probleme aber machen Schawinski nur mehr Lust auf Arbeit - diesen Eindruck vermittelt er im Gespräch. Er habe ja "nicht die Möglichkeit gehabt, sich mit Schmidt zu verkrachen", erzählt er: "Ich glaube, ich bin in Deutschland richtig angekommen. Nach einer Woche kennt mich eine breitere Öffentlichkeit." Der Mann war "Frührentner", wie er selbst in seiner regelmäßigen Kolumne für die Weltwoche schrieb, nun aber kann er im zweithärtesten TV-Markt der Welt zeigen, was in ihm steckt: "Ich kenne das Fernsehen, liebe die Arbeit im Team und habe Bezug zu allen Genres im Fernsehen. In der Schweiz gelte ich als jemand, der Stars macht." Pionier Schwawinski Vor allem hat Schawinski 1979 im italienisch-schweizerischen Grenzgebiet auf dem 2948 Meter hohen Pizzo Groppera den Rundfunksender Radio 24 hingepflanzt, der die halbe Schweiz beschallte und somit privaten Rundfunk ins Land brachte. Er war auch Pionier im Kommerz-TV, doch vor zwei Jahren musste sein Sender Tele 24 aufhören. Über die Vorbereitungen zur letzten Sendung berichtete die Neue Zürcher Zeitung: "Bringen wir den zu Tode gequälten Hund in Solothurn?", habe ein Verantwortlicher in der Morgensitzung gefragt. Dann sei es ums "Witwenschütteln" gegangen: Jemand sollte sich um Absturzopfer eines Flugzeugunglücks kümmern - also Witwen befragen, ob sie Bilder der Toten herausgeben. Kurz vor Sendebeginn sei noch der Beitrag über einen Schüler fertig geworden, der eine Schülerin vergewaltigt hatte. Die "Faktenlage" sei dünn gewesen, so die NZZ, aber "Emotionen sind da. Immerhin". Immerhin hat Schawinski in dem 7,2-Millionen-Land seine Kolumnen in der Weltwoche in der Art der persönlichen Briefe von Franz Josef Wagner in Bild geschrieben. Schüchterner Selbstzweifler Das Primäre ist das Geplauder, wie in einer Bar; das Sekundäre: das Worüber. Am 30. Januar riet Schawinski etwa einem ehemaligen Chefredakteur des Boulevardblattes Blick, der nun in der PR-Branche arbeitet, "den Beruf zu wechseln und am besten wäre es, wenn Du gleich die Ingrid wechseln würdest. Aber bitte: Sag ihr nichts davon." Der Ex-Blick-Mann antwortete dem "lieben Roger" im Februar: "Bei schüchternen Selbstzweiflern wie dir gehört... Gedächtnisschwund zur Tagesordnung. Jetzt warte ich eben darauf, dass du neuer Intendant von Sat 1 wirst." Es gibt eben in der überschaubaren helvetischen Branche Cliquen, die sich mit boshafter Polemik überziehen. Schawinski sei ein Mann, der in der Schweiz eine Garage gemietet habe, um Autos zu reparieren und jetzt in Wolfsburg Chef von VW geworden sei, sagt ein in der Schweiz bekannter Schreiber. Wenn aber die SZ seinen Namen veröffentliche, reagiere Schawinski, und mit dem wolle er sich "wirklich nicht länger beschäftigen". Das Motivationstalent Schawinski sei tüchtig, er brenne, er könne motivieren, widerspricht dessen Freund Roger de Weck. Der frühere Chefredakteur der Zeit joggt mit dem TV-Mann, was Schawinski in seiner Kolumne verarbeitet: "Donnerstag. Am Morgen Joggen mit Roger de Weck. Sonst lösen wir auf einer Runde jeweils die Probleme der Welt...Sonntag. Am Morgen wieder Joggen mit Roger de Weck." Vorher hatte Schawinskis Frau Gabriella "ihren großen Auftritt bei der Expo". Auch notierte ihr Mann: "Mittags im Zoo mit Gabriella und Lea. Schneeleoparden in ihrem neuen Gehege." Anders als die Österreicher haben es die Schweizer nicht geschafft, die Bundesrepublik medial zu erobern. Wenn Schweizer Journalisten mal in Scharen kommen, schauen sie sich Urlaubsziele an. Da gerade die Eidgenossen "sehr fleißige Berichterstatter sind, wird es sicher auch bald Gästezuwachs aus unserem südlichen Nachbarland geben", vermerkte neulich der Tourismusverband "Insel Usedom" in einer Pressemitteilung. Schweizer Zwergmedien Über den "Schweizer Journalismus zwischen gestern und morgen" hat vor ein paar Jahren der Schweizer Professor Roger Blum einen lesenswerten Aufsatz verfasst. Seine Schlussfolgerung: "Der Schweizer Journalismus spielt sich erstens zu einem beträchtlichen Teil in Zwergmedien ab. Der Schweizer Journalismus ist zweitens überdurchschnittlich stark mit der Politik verbunden. Der Schweizer Journalismus hat sich drittens erst spät professionalisiert." These eins: 140 der 196 Schweizer Zeitungen haben eine Auflage von höchstens 15000 Exemplaren. These zwei ist überholt: Mittlerweile sind einige Blätter stärker mit der Wirtschaft als mit der Politik verbunden. So ist die Weltwoche, die jetzt 70 Jahre alt wurde, zum Propaganda-Blatt des Rechts-Populisten Christoph Blocher verkommen. Einst schrieben hier Golo Mann, Friedrich Dürrenmatt oder François Bondy. Die neue Weltwoche aber sei, so Klaus Harpprecht, "ein Anschlag auf den Journalismus". Blums dritte These, die von der späten Professionalisierung, hängt damit zusammen, dass Journalismus in der Schweiz früher eine Art Freizeitbeschäftigung war. Erst 1965 entstand die erste Journalistenschule. Die Schweizer Journalisten schrieben "schlechter" als die deutschen, sagt Roger de Weck, und ergänzt ein kokettes "noch schlechter". Harter Konkurrenzkampf Viele Journalisten leben in Zürich. Hier muss keiner nach draußen schauen, um am Leben teilzuhaben. Andererseits haben Presse-Beiträge einen internationalen Bezug. Der Konkurrenzkampf sei "hart", sagt de Weck. Peter Glotz, der in St. Gallen als Professor wirkt, findet den Schweizer Journalismus "interessant": Es gebe eine "vorzügliche Regionalpresse", das Boulevardblatt Blick sei "aufklärerisch und links". Schawinski, den er gut kenne, sei ein "sehr intelligenter, scharf formulierender Mann". Der Gelobte hat bereits entdeckt, dass er in Deutschland mit Springer-Chef Mathias Döpfner etwas Wichtiges teile: Beide würden beim Einchecken im Hotel "Journalist" als Beruf nennen. Noch immer spricht Schawinski mit leuchtenden Augen von seiner ersten Weltwoche-Reportage, als er 1967 die Flower-Power-Meile Haight Asbury beschrieb ("Die Goldene Blume von San Francisco"). Später war er als 50-Prozent-Gesellschafter der Firma Stella zwei Jahre im Filmhandel tätig und schrieb auch zwei Drehbücher, die allerdings nicht verfilmt wurden. Der einstige deutsche Branchenkönig Leo Kirch soll bereits im Dezember 2001, nachdem Schawinski sein Unternehmen verkauft hatte, dem Mann aus Zürich den Sat1-Chefposten angeboten haben. Damals wollte der Umworbene wohl lieber zunächst mit der Familie eine dreimonatige Weltreise machen - als er zurückkehrte, war Kirch finanziell am Ende. Freund Hitzfeld Nun ist der Schweizer tatsächlich bei Sat1 gelandet und erzählt etwa von seinem Freund Ottmar Hitzfeld, der einst sein Nachbar war, als der Fußballtrainer bei Grashoppers Zürich arbeitete. Seht ihr, soll das heißen, er hat's doch auch in Deutschland geschafft. Am Mittwoch saß Schawinski im Münchner Olympiastadion, als Hitzfelds FC Bayern München gegen Anderlecht kickte, und Tribünengäste erzählen, dass sogar Ministerpräsident Edmund Stoiber ihn begrüßte: "Ich kenne Ihr Gesicht aus der Zeitung." So hat der ganze Stress mit Harald Schmidt doch sein Gutes gehabt. | Von der Schweiz in die weite Welt: Roger Schawinski und seine Karriere bei Sat1. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/der-neue-sat-1-chef-goldene-blume-aus-zuerich-1.902437 | Der neue SAT.1-Chef - Goldene Blume aus Zürich | 00/05/2010 |
Nach einem im Ergebnis missglückten Börsengang vor zehn Jahren soll der zweite Versuch der Baumarktkette Praktiker diesmal ein Erfolg werden. Das Unternehmen aus dem Imperium des Handelsriesen Metro verspricht Anlegern daher jetzt schon eine "attraktive Dividende" für das Geschäftsjahr 2005. Privaten und institutionellen Anlegern werden Aktien der für ihre aggressive Preispolitik bekannten Praktiker-Gruppe voraussichtlich bis zum 17. November innerhalb einer Preisspanne von 16 bis 19 Euro je Anteil angeboten. Erster Handelstag für die nach Obi zweitgrößte deutsche Baumarktkette soll der 18. November sein. "Wir wollen wachsen und eine attraktive Dividende zahlen", kündigt Finanzchef Thomas Ghabel an. Die zum Verkauf stehenden Aktien seien bereits für das laufende Geschäftsjahr 2005 "voll gewinnberechtigt". In Vorgesprächen mit potenziellen Investoren im In- und Ausland seien das Management und die den Börsengang begleitenden Banken mit JP Morgan, ABN Amro und Deutscher Bank an der Spitze auf eine "sehr positive" Resonanz gestoßen, berichtet Wolfgang Werner, der Vorstandsvorsitzende des Baumarktkonzerns. Expansion in Osteuropa Praktiker besitzt 338 Märkte in acht Ländern mit knapp 15.700 Beschäftigten. Mit dem Erlös aus dem Börsengang will Praktiker vor allem die Expansion in Osteuropa forcieren. Als nächstes soll in der Ukraine gestartet werden. Dem zu erwartenden Volumen nach wird der Börsengang von Praktiker der drittgrößte in diesem Jahr nach dem des Fernsehsenders Premiere und dem des Triebwerkherstellers MTU Aero Engines sein. Angeboten werden 34,5 Millionen nennwertlose Inhaberaktien, von denen acht Millionen aus einer Kapitalerhöhung bei Praktiker und 22 Millionen aus dem Besitz der Metro stammen. Hinzu kommt eine so genannte Mehrzuteilungsoption von 4,5 Millionen Aktien. Mit einem Kapitalanteil von 40,5 Prozent wird die Metro allerdings größter Einzelaktionär bei dem Baumarktfilialisten bleiben. Auf der Basis eines Mittelwerts der Preisspanne ergibt sich somit ein Emissionsvolumen von 604 Millionen Euro. Davon würden fast 464 Millionen Euro in die Kasse der Metro fließen. Mittelzufluss Praktiker könnte aus der Kapitalaufstockung mit einem Mittelzufluss von etwa 140 Millionen Euro rechnen, die Werner zufolge für eine Beschleunigung des internationalen Wachstums genutzt werden sollen. Im Zusammenhang mit dem Börsengang hat sich die Metro im Übrigen verpflichtet, die bei ihr bleibenden Aktien innerhalb eines halben Jahres vom Tag der Börsennotierung an zu halten und nicht zu verkaufen. Nach Werners Worten ist der Börsengang für Praktiker im Vergleich zu einem Verbleib im Metro-Verbund oder einem Verkauf an einen Finanzinvestor "die richtige Entscheidung". Es gebe jetzt in der Belegschaft eine "Riesenmotivation". Sein Unternehmen strebe nach dem Börsengang die Aufnahme in den MDax an und habe dafür angesichts des geplanten Streubesitzes von 59,5 Prozent und der Größe des Unternehmens auch gute Chancen. Die nächsten Anpassungen dieses Indexes stünden im März und September nächsten Jahres an, sagt Klaus Hessberger von JP Morgan mit Blick auf den MDax-Zeitplan für Praktiker. "Ordentliches Interesse" Laut Georg Hansel von der Deutschen Bank existiert auch aus dem Kreis der Privatanleger ein "ordentliches Interesse" an der Praktiker-Aktie. Im Vergleich zu der ebenfalls in der Baumarktbranche aktiven und an der Börse notierten Hornbach Holding biete Praktiker einen Abschlag von 15 und 17 Prozent. Einen künftigen Anteil privater Anleger zwischen 20 und 25 Prozent hält Hansel für möglich. Die Banken haben für den Praktiker-Börsengang samt Kapitalerhöhung keine Garantien abgegeben. Begründet wird dies mit dem sich aus ihrer Sicht abzeichnenden attraktiven Zeichnungspreis und dem Echo potenzieller Investoren. Hansel betont in diesem Kontext: "Die Frage nach einem Notfall-Szenario stellt sich daher nicht." Preis und Kostenführerschaft Neben der Expansion nach Osteuropa setzt Praktiker im Inland weiter auf die Strategie der Preis- und Kostenführerschaft unter den Baumärkten. Von 2006 an will das Unternehmen den "ersten echten Selbstbedienungsbaumarkt" starten, in dem es aber weiterhin auch Personal geben soll. Vom Erfolg dieser Initiative ist die Kette überzeugt. In den kommenden Jahren sollen 150 SB-Märkte nach diesem Muster folgen. Allerdings werde, so Werner, Praktiker auch weiterhin Niederlassungen schließen, "weil es einfach notwendig ist". Bereits zwischen 2002 und 2004 hat das Unternehmen 45 unrentable Filialen dicht gemacht, die Zahl der Verkaufsartikel radikal reduziert und 2400 Stellen abgebaut. Vorangegangen war 1995 der erste Börsengang der Firma mit Sitz im saarländischen Kirkel. In der Folge hatte das Unternehmen Verluste produziert. 2002 wurde es von der Metro vom Aktienmarkt genommen und die Börsenzulassung widerrufen. | Nach einem im Ergebnis missglückten Börsengang vor zehn Jahren soll der zweite Versuch der Baumarktkette Praktiker diesmal ein Erfolg werden. Das Unternehmen aus dem Imperium des Handelsriesen Metro verspricht Anlegern daher jetzt schon eine "attraktive Dividende" für das Geschäftsjahr 2005. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/vor-boersengang-praktiker-verspricht-dividende-schon-fuer-2005-1.901813 | Vor Börsengang - Praktiker verspricht Dividende schon für 2005 | 00/05/2010 |
Der ehemalige Preisboxer gründete nach dem Krieg eine kleine Fluggesellschaft, stieg auf und nervt heute in bester Heuschreckenmanier die Autobranche - Kirk Kerkorian traut man in der Finanzwelt auch mit 90 Jahren immer noch alles zu. In den Hauptversammlungen von Volkswagen und MAN musste sich Großaktionär Ferdinand Piëch von Klein-Anteilseignern fragen lassen, warum er denn unbedingt Vorsitzender des Aufsichtsrates werden wolle, obwohl er nun schon siebzig Jahre alt ist. Dieses Problem kennt Kirk Kerkorian nicht - und der wird an diesem Mittwoch neunzig. Analysten und Investoren kommentieren jeden Schritt von Piëch auf dem Weg zu einem weltumspannenden Familienkonzern in der Automobilindustrie kritisch. Doch die Finanzwelt hegt keinerlei Zweifel an den kühnsten Plänen des zwanzig Jahre älteren Kerkorian. Der machte zuletzt Schlagzeilen mit einer Kaufofferte für Chrysler über 4,5 Milliarden Dollar. Mit ihr kam der greise amerikanische Milliardär zwar nicht zum Zuge, aber immerhin war er der Erste, der sich öffentlich bereit erklärte, den DaimlerChrysler-Chef Dieter Zetsche von seiner drückenden Last zu befreien, und zwar mit einem konkreten Angebot. Der Schrecken sitzt tief Zweifel an der Geschäftsfähigkeit im weitesten Sinn gab es keine. Im Gegenteil. Eine Zeitung titelte begeistert: "Auch mit knapp 90 Jahren will Kirk Kerkorian noch langfristig investieren." Offenbar sitzt der Schrecken tief, den der ehemalige Preisboxer als Finanzier in der Autoindustrie verursacht hat. Man traut dem Mann, dessen Vermögen auf 15 Milliarden Dollar geschätzt wird, einfach alles zu. Zwei Jahre lang nervte Kerkorian in bester "Heuschrecken"-Manier das Management des weltgrößten Autoherstellers. Er hatte 2005 schrittweise 9,9 Prozent der Aktien von General Motors gekauft. Kerkorian verlangte drastische Sparmaßnahmen, Kürzungen sowohl bei der Dividende wie auch den Bezügen des Managements. Auf Druck des Großaktionärs trennte sich General Motors bis auf Daewoo von allen asiatischen Beteiligungen. Erst mit der Forderung nach einer Fusion von GM mit Renault-Nissan konnte sich Kerkorian nicht durchsetzen. Der Finanzier verlor die Lust an General Motors und senkte seinen Anteil unter die meldepflichtige Schwelle von fünf Prozent. Streit mit DaimlerChrysler Dies war nicht das erste Engagement von Kerkorian in der Autoindustrie, das im Streit endete. So hatte der Sohn armenischer Einwanderer 1990 einen Anteil von 9,8 Prozent an Chrysler gekauft, später auf 14,1 Prozent erhöht. Nach der Fusion mit Daimler war er mit vier Prozent an der neuen DaimlerChrysler AG beteiligt. Von der forderte er 20 Milliarden D-Mark Schadensersatz. Daimler habe Chrysler unter Wert erworben und faktisch eingegliedert. Damit kam Kerkorian vor Gericht nicht durch. Er trennte sich von seinen Anteilen. Heute investiert Kerkorian wieder so wie früher: im Spielerparadies Las Vegas. Hier gehört ihm die Mehrheit am Glücksspiel-Konzern MGM Mirage, den er dreimal ver- und wieder zurückkaufte. Dabei machte er jedes Mal Gewinn, beim letzten Handel sollen zwei Milliarden Dollar herausgesprungen sein. Investieren wie früher Ursprünglich wollte der in Kalifornien geborene Sohn des Obsthändlers Ahron Kerkorian Profiboxer werden, immerhin wurde er als "Rifle Right Kerkorian" Amateurmeister an der Pazifikküste. Die Ausbildung als Fluglehrer finanzierte er sich als Knecht auf einer Milchfarm. Nach der Zeit als Kriegspilot gründete er eine Charter-Fluggesellschaft, die in Las Vegas operierte. Kirk Kerkorian lebt nach drei Ehen zurückgezogen in Los Angeles, fördert über seine Lincy-Stiftung soziale Projekte in Armenien und hält sich durch tägliches Tennisspiel fit. | Der ehemalige Preisboxer gründete nach dem Krieg eine kleine Fluggesellschaft, stieg auf und nervt heute in bester Heuschreckenmanier die Autobranche - Kirk Kerkorian traut man in der Finanzwelt auch mit 90 Jahren immer noch alles zu. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/kirk-kerkorian-zum-neunzigsten-der-alte-mann-und-das-geld-1.918790 | Kirk Kerkorian zum Neunzigsten - Der alte Mann und das Geld | 00/05/2010 |
Beim europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern findet das große Stühlerücken statt. Doch am starken politischen Einfluss auf das Unternehmen ändert sich nichts. Es gibt eine Regel bei großen Unternehmen, die Folgendes besagt: Während ein Sanierungsprogramm läuft oder man sich gerade für ein Projekt von großer Bedeutung bewirbt, sollte man das Top-Management nicht austauschen. Ist die Sanierung erfolgreich oder der Großauftrag gewonnen, kann man immer noch über Änderungen nachdenken. Detailansicht öffnen Neu verteilte Rollen: Airbus-COO Fabrice Brégier, EADS-Chef Louis Gallois, Frankreichs Finanzministerin Christine Lagarde, Co-Präsident und EADS- Anteilseigner Arnaud Lagardère, Bundeskanzlerin Angela Merkel, Verwaltungsrats-vorsitzender Rüdiger Grube, Daimler-Chrysler-Chef Dieter Zetsche und Airbus-CEO Thomas Enders. (Foto: Foto: afp) Der Luft- und Raumfahrtkonzern EADS mit seiner wichtigsten Tochtergesellschaft Airbus schert sich in seinem Bemühen um nationale Ausgewogenheit offenbar nicht um solche Details. Louis Gallois tritt mitten während des Sanierungsprogrammes "Power 8" als Airbus-Chef ab, um künftig als alleiniger EADS-Chef zu arbeiten. Als dieser muss er sich künftig auch in die Verteidigungs- und Raumfahrtsparte einarbeiten - ziemliches Neuland für ihn. Neuland für beide Seiten Thomas Enders, bisher als EADS Co-Chef für das Verteidigungsgeschäft zuständig, wechselt zu Airbus - wenige Monate bevor die US-Luftwaffe mit Tankflugzeugen den bislang größten Rüstungsauftrag vergeben wird. Beide sind erfahrene Manager: Gallois kennt sich gut in der Zivilluftfahrt aus, Enders beim Militärischen. In ihren neuen Jobs müssen sie nun aber erst einmal lernen und (unternehmens-) kulturelle Barrieren überwinden. Die zweijährige Verspätung beim Airbus A380 und die zahlreichen Neuentwürfe des kleineren Langstreckenjets A350 haben Airbus viel Zeit und noch viel mehr Geld gekostet. Die Pannen beim A380 führen bis 2010 zu Gewinnausfällen von rund 4,8 Milliarden Euro, die Entwicklungskosten für den A350 sind von unter fünf auf knapp zwölf Milliarden in die Höhe geschnellt. Gegen das Sanierungsprogramm Power 8, das die jährlichen Kosten um 2,1 Milliarden Euro senken soll, protestieren weiterhin französische und deutsche Gewerkschaften. Unter anderem sollen 10.000 Arbeitsplätze abgebaut werden. Gallois hat sich dank seiner behutsamen persönlichen Art das nötige Grundvertrauen erworben. Enders hingegen wird bei Airbus auf grundsätzliches Misstrauen stoßen, das es abzubauen gilt. Diese Haltung der Belegschaft hat mit Enders' manchmal schroffen und sehr direkten Art zu tun. Außerdem galt sein Interesse am zivilen Flugzeugbau bislang als sehr überschaubar. Die Skepsis hängt aber auch damit zusammen, dass die EADS bislang die ungeliebte Holding in Paris und München war, mit denen man in Toulouse und Hamburg möglichst wenig zu tun haben wollte. Enders gilt den Angestellten als Teil dieser Machtstrukturen. Dass das Verteidigungs- mit dem Zivilgeschäft nicht viel zu tun hat und in vielen Aspekten nach komplett anderen Regeln funktioniert, wird auch Louis Gallois bald feststellen. Nachdem sich künftig der Kollege Enders um das Tagesgeschäft bei Airbus kümmert, muss Gallois sein Augenmerk verstärkt auf die übrigen Konzernbereiche legen. Wer baut die Tankflugzeuge für die US-Streitkräfte? Der 63jährige ehemalige Chef des Triebwerksherstellers Snecma und der französischen Staatsbahn SNCF hat es künftig mit amerikanischen Vier-Sterne-Generälen und den Einkäufern im Pentagon zu tun. Gemeinsam mit seinen neuen Partnern vom amerikanischen Rüstungskonzern Northrop Grumman muss Gallois versuchen, das Pentagon davon zu überzeugen, mehrere Hundert Tankflugzeuge bei dem amerikanisch-europäischen Konsortium zu bestellen, statt bei Boeing. Noch vor wenigen Jahren galt dies als ein von vorneherein aussichtloses Unterfangen. Doch gerade unter dem "Major der Reserve" Enders hat die EADS massiv in den Aufbau ihrer Nordamerika-Organisation mit Sitz in Washington und den Aufbau von Beziehungen investiert. Mittlerweile scheint sich unter Insidern in Washington der Eindruck zu erhärten, dass der Auftrag zwischen Boeing und Northrop Grumman/EADS geteilt werden könnte, wenn keine gravierenden Fehler mehr passieren. Bislang gleichgestellter Gallois wird Enders' Vorgesetzer Die stark politisch geprägte Einigung bringt es mit sich, dass Enders den ihm bislang hierarchisch gleichgestellten Gallois nun zum direkten Vorgesetzten bekommt. Der nach dem überforderten Gustav Humbert zweite deutsche Airbus-Chef ist, anders als Gallois, auch nicht mehr Mitglied des EADS-Verwaltungsrates. Die Anteilseigner haben sich auf entsprechende Satzungsänderungen für das Gremium verständigt. Problematisch ist auch, dass Unternehmenskreisen zufolge Enders bis zuletzt stark darauf gehofft hat, selbst alleiniger EADS-Chef zu werden und somit die umgekehrten Machtverhältnisse durchzusetzen. Bei Airbus bekommt er es mit dem operativen Chef Fabrice Brégier zu tun, den Gallois einst als eine Art Kronprinzen zu dem Flugzeughersteller geholt hat. Doch mit dem erst 48-jährigen Enders ist dem ehrgeizigen Brégier der Weg an die Airbus-Spitze bis auf Weiteres verbaut. Vielleicht aber löst sich in fünf Jahren alles in Wohlgefallen auf: Dann nämlich, so hieß es, werde "in Betracht gezogen", auf den diversen Posten die Nationalitäten zu wechseln. Gallois dürfte spätestens dann in Pension gehen, Enders doch noch EADS-Chef werden und Brégier bei Airbus das Sagen bekommen. | Beim europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern findet das große Stühlerücken statt. Doch am starken politischen Einfluss auf das Unternehmen ändert sich nichts. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/doppelspitze-abgeschafft-eads-fliegt-im-kreis-1.902663 | Doppelspitze abgeschafft - EADS fliegt im Kreis | 00/05/2010 |
Die deutschen Einrichtungsketten liefern sich mit dem österreichischen Lutz-Konzern einen beispiellosen Schlagabtausch - bisher zum Nutzen der Kunden. "Die haben angefangen", sagt Thomas Saliger: "Unser Stil ist das nicht. Diese Art der Werbung war nicht unsere Idee. Wir wehren uns nur", beteuert er. Detailansicht öffnen Der 37-jährige Tischler und Jurist ist Werbeleiter der österreichischen Möbel-Gruppe Lutz, ein großer blasser Mann mit freundlicher Stimme. Vor den knalligen Anzeigen, die Saliger flächendeckend an seine Bürowände gepinnt hat, wirkt er noch ein wenig blasser. Er rollt auf seinem mit cremefarbenem Leder bezogenen Bürostuhl ein Stück zurück und greift nach einem weißen Ordner. "Duelliere mich ganz gern" Die Akte München. Saliger hat den Fall sorgfältig dokumentiert und jede Werbeanzeige doppelt gefaltet in Klarsichtfolie abgeheftet. "Die", das ist der deutsche Händler und Polstermöbelfabrikant Segmüller aus Friedberg. Mitte Januar hat die Lutz-Gruppe in München auf der Theresienhöhe, unweit der Oktoberfest-Wiese, ihr erstes Einrichtungshaus in der Stadt eröffnet. In der Wintersonne spiegelt sich mit scharfen Umrissen der Name XXXLutz in der gläsernen Dachfläche. "Ein Traum", sagt Saliger. An einen Standort in dieser zentralen Lage und dieser Größe komme ein Händler nur selten ran. Der Warenhauskonzern Karstadt hatte im Zuge seiner Sanierung den Standort aufgegeben. Seit gut zwei Wochen tobt die aggressive Werbeschlacht zwischen Lutz und Segmüller. Beide zählen zu den fünf größten Möbelhändlern in Deutschland. Auch der kleinere Rivale Möbel Mahler mischt mit. "Ich kenne Peter Segmüller ganz gut und duelliere mich ganz gern", sagt Richard Seifert. Ihm und seinem Bruder Andreas gehört die Lutz-Gruppe. Sie meiden öffentliche Auftritte. Anders als Marktführer Ikea, der mit seinen billigen Möbeln in skandinavischem Stil als eine Klasse für sich gilt, bekämpfen sich die Verfolger mit ähnlichen Sortimenten: Die mittlere und obere Preislage wird mit Markenmöbeln bedient, das billige Einstiegssegment bestücken Lieferanten aus Osteuropa und Fernost, deren Namen kein Verbraucher kennen soll. Die Kosten des Schlagabtauschs mag kein Händler beziffern, vermutlich sind es Millionen Euro. Es gibt Eröffnungspreise, Dankeschön-Rabatte, Kundentreue-Bonis, Bestpreise, Jubiläumsangebote, irgend ein Anlass für die nächste Rabattrunde findet sich immer. 360 Euro gibt jeder Deutsche jährlich für Möbel aus. Der Markt mit einem Umsatzvolumen von knapp 30 Milliarden Euro ist hart umkämpft. Seit Jahren stagniert der Umsatz, während die Verkaufsfläche rasant wächst. Nach Erhebungen der Zeitschrift Möbel Kultur haben allein die 30 größten Möbelhäuser von 1995 bis 2005 ihre Fläche um gut ein Drittel auf 1,4 Millionen Quadratmeter ausgedehnt - die Größe von 200 Fußballfeldern. 135 Läden erfüllten im vergangenen Jahr den so genannten "Palast-Status" - viele solcher Häuser mit einer Fläche von mehr als 25 000 Quadratmetern gehören der Lutz-Gruppe, aber auch Segmüller und Mahler spielen vorne mit. Die österreichische Gruppe geht aggressiv in den Markt. Mit diversen Zukäufen ist Lutz binnen weniger Jahre an vielen Konkurrenten vorbeigezogen. Nach der Übernahme der Handelsketten Mann Mobilia und Domäne im vergangenen Jahr bezeichnet sich der Konzern mit 180 Filialen in Österreich und Deutschland, 15 000 Mitarbeitern und knapp 2,2 Milliarden Euro Umsatz jetzt werbewirksam als "zweitgrößter Möbelhändler der Welt" nach Ikea. In Deutschland rangieren die Österreicher auf Platz drei hinter Ikea und dem Berliner Anbieter Höffner. Den Deutschland-Umsatz nennt Saliger nicht, aber er wird in der Branche auf 1,3 Milliarden Euro geschätzt. Weitere Zukäufe schließt der Mann nicht aus. Auf der Deutschland-Karte in seinem Büro hat er jeden Standort mit bunten Nadeln markiert. Da ist noch viel Platz. "Heute müsste es geiler Lutz heißen" Um die Jahrtausendwende hat die Lutz-Gruppe, zu der auch die Marken Mömax, Möbelix, Neubert und Bierstorfer gehören, in Anlehnung an die Größenangaben in der Textilwirtschaft dem Namen Lutz drei X vorgeschoben - XXXLutz. "Heute müsste es geiler Lutz heißen", sagt Saliger. "Wir müssen uns mehr anstrengen", steht in großen Schreibschrift-Buchstaben auf einem der Plakate in seinem Büro. In Saligers Berufsleben ist die eigene Identität, das Ich, längst dem Wir-Gefühl gewichen. Seit 1995 arbeitet er für Lutz. Im Verkauf hat er angefangen, seit fünf Jahren gehört er der Geschäftsleitung an. Mit jeder Übernahme und Möbelhauseröffnung wächst der Druck. Die Unternehmen gebärden sich wie pubertierende Teenager. Jeder hält sich für den Größten. Der Maßstab wird passend gerechnet. Im jüngsten Fall ist das Feindbild klar definiert. "Die Platzhirsche" in München, wie Lutz-Mann Saliger sie nennt, fühlen sich von "den Österreichern", so die Konkurrenz, angegriffen. Während sich Möbel Mahler aus Wolfratshausen, nach eigenem Bekunden "größtes Einrichtungszentrum südlich von München auf über 40.000 Quadratmeter", noch damit begnügte, die Zahl der ausgestellten Schlafzimmer, Polster oder Küchen gegenüberzustellen, verglich Segmüller in Zeitungsanzeigen die Preise einzelner Produkte, insgesamt neun Stück, fein säuberlich in Spalten aufgelistet. Die Preisspirale dreht sich. Den Eröffnungspreis des Konkurrenten für die dreiteilige Polstergarnitur 344 mit Sessel, Sofa und Recamiere von 2389 Euro konterte Segmüller unverzüglich mit 1199 Euro. Lutz besserte mehrfach nach; mittlerweile kosten die Polster im Landhausstil dort noch 1098 Euro. Segmüller verlangt 1049 Euro. "Österreichisches Möbelhaus muss wegen Segmüller zu hohe Eröffnungspreise korrigieren", triumphierte das Unternehmen schon nach wenigen Tagen in ganzseitigen Anzeigen. Bis zum Marktauftritt des österreichischen Konkurrenten verlangte Segmüller 2700 Euro für die Polstergruppe. Der Preis taucht allerdings in keiner Anzeige auf. Nächste Woche ist der Eröffnungsrummel vorbei, dann erhöhen beide Firmen den Preis wieder. "Das größte Vergnügen haben die Verbraucher. Die Händler verdienen nichts mehr dran", sagt Saliger. Unter Zugzwang sieht jeder Anbieter den anderen. "Nicht die zwingen uns. Wir zwingen die", behauptet Saliger: "Wo wir auch hinkommen, wir geben das Tempo vor. Wir sind der unangenehmste Gegner, den sich Segmüller wünschen kann." In ihrer Werbung bedienen sich die Kontrahenten der gleichen, mit Superlativen gespickten Sprache. Giganten unter sich. Die Anzeigen sind in den gleichen Farben gehalten - Rot und Gelb in dicken Lettern. Zwar sind Preisvergleiche seit zwei Jahren erlaubt. "Beim Verbraucher kommt die Schweinebauch-Werbung aber kaum noch an", sagt Daniel Adolph, Geschäftsführer des Stuttgarter Büros der Werbeagentur Jung von Matt. Die plumpen Anzeigen heißen im Fachjargon so in Anlehnung an den früheren Werbestil von Fleischern. "Immer mehr Verbraucher wissen, dass es Lockangebote sind und einzelne Preise keinen Schluss auf das gesamte Angebot zulassen", erläutert der Experte. Um große Zahlen ist auch Reinhold Gütebier, Vertriebsleiter der Segmüller-Gruppe, nicht verlegen. "Die Volksabstimmung findet an der Kasse statt", sagt der 53-jährige Manager. Im bundesweiten Ranking der größten Möbelhäuser führe die Filiale in Weiterstadt. Das Haus in Parsdorf bei München sei das umsatzstärkste der Region. "Wir haben die Marktführung, und die ist nur durch Preisführerschaft zu erreichen", sagt Gütebier. Mehr habe Segmüller dem Endverbraucher mit dem Preisvergleich nicht klar machen wollen. Den Umsatz von Segmüller mit acht Filialen, eigener Polsterfabrik und 4100 Mitarbeitern beziffert Gütebier auf eine Milliarde Euro. "Es gibt Leute, die akzeptieren fast alles" Die Gruppe gehört den Brüdern Hans, Peter und Paul Segmüller. "Wir haben in den vergangenen 18 Monaten 1250 Mitarbeiter eingestellt", sagt Gütebier: "Entlassungen hat es bei uns in den vergangenen Jahren nicht gegeben." In jedem Satz schwingt ein Vergleich, auch wenn der Name des Konkurrenten nicht fällt. Gütebier und Saliger können aber auch schweigen: Zur Ertragslage äußern sie sich nicht im Detail. "Wir machen Gewinn", behauptet jeder. "In Deutschland ist er aufgrund der starken Expansion noch zu klein", sagt Richard Seifert. Ob und in welchem Ausmaß die Rabattschlacht am Ertrag zehrt, lässt sich nicht abschätzen. Die Familienunternehmen sind sich ähnlicher als ihnen lieb ist. Während die Marktkonzentration im Lebensmittelhandel und der Textilwirtschaft schon weit fortgeschritten ist, hat sie im von Familienunternehmen geprägten Möbelhandel erst begonnen. Die Gewinner werden in kaufkräftigen Ballungsräumen wie München oder Frankfurt ermittelt. Im nächsten Jahr will Lutz in Aschheim bei München einen neuen "Palast" eröffnen, noch näher am Parsdorfer Möbelhaus von Segmüller. Den Druck geben die Händler an Mitarbeiter und Lieferanten weiter. "Je größer die Marktmacht einzelner Anbieter, umso mehr versuchen diese, die Preise zu drücken", sagt Dirk-Uwe Klaas, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Möbelindustrie. Um die eigene Ertragskraft nicht zu gefährden, verlagern die Hersteller häufig Produktionskapazitäten ins Ausland, wo die Löhne meist deutlich niedriger sind als in Deutschland. Lutz drückt auch hier zu Lande die Kosten. Betriebsräte mögen die Brüder Seifert nicht. Einzelnen Mitgliedern der Arbeitnehmervertretung werde eine "einvernehmliche Trennung nahe gelegt", sagt die Betriebsratsvorsitzende des Münchner Lutz-Hauses, Anna Reichert. Vom alten Personalstamm seien bei Lutz noch 150 übrig geblieben, nicht einmal die Hälfte. "Viele haben Aufhebungsverträge und Abfindungen genutzt, weil sie das Gefühl hatten, dem Druck des ab Mai geltenden neuen Provisionssystems nicht gewachsen zu sein", sagt Reichert. Neue Mitarbeiter würden zu "schlechteren, marktüblichen Konditionen eingestellt". "Es gibt Leute, die akzeptieren fast alles, weil sie das Geld brauchen", ergänzt Betriebsrat Günter Scheumann, 58. Andere sind geblieben und warten die weitere Entwicklung erst mal ab, denn die Lage im Einzelhandel sei generell schlecht, sagt Scheumann. "Wir haben bei der Eröffnung alle anderen Häuser übertroffen", sagt die 53-jährige Reichert. Auch Richard Seifert ist zufrieden. Die Immobilie gehört zwei Seifert-Stiftungen. Die Verträge über eine Eingliederung der BDSK Handels GmbH, Betreiber des Münchner Hauses, in die Lutz-Gruppe rückwirkend zum Jahresanfang 2006 werden gerade ausgearbeitet. Eine rechtliche Verflechtung mit der BDSK habe bisher nicht bestanden, beteuert Seifert. Lutz habe diese nur beraten. "Wir wollten kein krankes Kind in der Schulklasse." | Die deutschen Einrichtungsketten liefern sich mit dem österreichischen Lutz-Konzern einen beispiellosen Schlagabtausch - bisher zum Nutzen der Kunden. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/kampf-der-moebelriesen-das-groesste-vergnuegen-haben-die-verbraucher-1.903589 | "Kampf der Möbelriesen - ""Das größte Vergnügen haben die Verbraucher""" | 00/05/2010 |
Der britische Supermarktriese Tesco gilt als Geldmaschine der Branche und wird von Kleinhändlern und Umweltschützern erbittert bekämpft. Jetzt untersucht auch die Kartellbehörde seine Geschäftsmethoden. Die kleine Gruppe von Demonstranten verliert sich auf dem riesigen Parkplatz. Mütter mit plärrenden Kindern an der Hand stopfen Großpackungen Windeln, sperrige Getränkekisten und sackgroße Kartoffel-Chips-Tüten in ihre Autos. Hier ist Tesco-Land. Hier ist jeden Tag Shopping-Party. Der Strom der Einkäufer, die in den langgestreckten Flachbau des Supermarkts im Londoner Stadtteil Southwark eilen, über dessen Eingang der Name "Tesco" prangt, reißt nicht ab. "Wir stellen uns gegen den Strom", sagt Anne Pratley. Die 28-Jährige gehört zu einer Gruppe von drei jungen Leuten, die Tesco am liebsten schließen lassen wollen. Schaufenster hinter Sperrholzplatten Sie verteilen Flugblätter, auf denen steht: "Tesco zerstört unseren Stadtteil." Pratley friert. Ihre Hände sind klamm. Ein kalter Wind fegt um die Ecke. Auf der Old Kent Road, der vierspurigen Ausfallstraße, die Southwark von Norden nach Süden durchtrennt, dröhnt der Verkehr. In diesem südlichen Teil Londons breiten sich billige Sozialbauten aus. Die Armut versteckt sich hinter fleckig-grauen Gardinen. In Southwark kaufen viele Menschen bei Tesco, weil es billig ist. Pratley sagt: "Die niedrigen Preise sind das Problem. Sie haben die kleinen Läden in der Nachbarschaft in die Pleite getrieben." Man müsse ja nur die Old Kent Road entlanggehen - Schaufenster sind mit Sperrholzplatten zugenagelt. Übriggeblieben sei eine öde Mischung von Fish-and-Chips-Buden und Wettbüros. "Eine tote Gegend", meint Pratley. Die blonde Frau ist von Beruf Sozialarbeiterin und hat sich der Anti-Tesco-Bewegung "Tescopoly" angeschlossen. Zunehmend emotional Tesco in Southwark ist eine Facette in einer zunehmend emotional geführten Debatte in Großbritannien. Ähnlich wie in den USA, wo Aktivisten zum Boykott des Supermarktgiganten Wal-Mart aufrufen, hat sich auf der Insel eine bunte Protestbewegung gebildet. | Der britische Supermarktriese Tesco gilt als Geldmaschine der Branche und wird von Kleinhändlern und Umweltschützern erbittert bekämpft. Jetzt untersucht auch die Kartellbehörde seine Geschäftsmethoden. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/protestbewegung-gegen-tesco-in-england-ende-der-shopping-party-1.900122 | Protestbewegung gegen Tesco in England - Ende der Shopping-Party | 00/05/2010 |
Die kriselnde Handy-Sparte von Siemens erhält offenbar eine Gnadenfrist. Einen schnellen Sanierungsvorschlag will der scheidende Vorstandschef Heinrich von Pierer nicht liefern. Auch mit einer Schließung scheint man sich nicht richtig anzufreunden. Siemens hat Erwartungen an eine schnelle Entscheidung über das Schicksal seiner Handy-Sparte gedämpft. "Es wäre übertrieben, schon auf der Hauptversammlung am kommenden Donnerstag ein endgültiges Ergebnis zu erwarten", sagte der scheidende Konzernchef Heinrich von Pierer der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Detailansicht öffnen Handy-Produktion bei Siemens in Kamp-Lintfort. (Foto: Foto: dpa) Seinen Worten zufolge gibt es nach wie vor vier Optionen: "sanieren, verkaufen, schließen oder kooperieren" mit einem Konkurrenten. Auf die Frage, ob eine Schließung wirklich eine Alternative sei, sagte Pierer: "Mit einer Schließung würde viel Wert vernichtet - allein die Marke Siemens ist unerhört wertvoll. Außerdem müssen wir an unsere Mitarbeiter denken. Wir haben exzellente Entwicklungsingenieure und gute Fabriken." Stabwechsel Pierer, der Siemens seit 1992 leitet, übergibt am kommenden Donnerstag die Leitung des drittgrößten deutschen Industriekonzerns an seinen Nachfolger Klaus Kleinfeld. Der 47-Jährige hatte erfolgreich das USA-Geschäft saniert und baute eine hauseigene Unternehmensberatung auf. Seit Anfang vergangenen Jahres ist er für die Handy- und Kommunikationssparte zuständig. Starker Widerstand Die Pläne einer möglichen Schließung des Handy-Bereichs stoßen auf starken Widerstand der Gewerkschaften. Um ihre Arbeitsplätze bei der Handy-Sparte von Siemens zu sichern, hatten die Beschäftigten in den nordrhein-westfälischen Werken Kamp-Lintfort und Bocholt erst im vergangenen Juni eine Erhöhung der Wochenarbeitszeit von 35 auf 40 Stunden ohne Lohnausgleich akzeptiert. Siemens verzichtete im Gegenzug auf die Verlagerung von 2000 Stellen nach Ungarn und gab den Beschäftigten beider Werke eine zweijährige Bestandsgarantie. | Die kriselnde Handy-Sparte von Siemens erhält offenbar eine Gnadenfrist. Einen schnellen Sanierungsvorschlag will der scheidende Vorstandschef Heinrich von Pierer nicht liefern. Auch mit einer Schließung scheint man sich nicht richtig anzufreunden. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/gnadenfrist-siemens-handysparte-kann-hoffen-1.904616 | Gnadenfrist - Siemens-Handysparte kann hoffen | 00/05/2010 |
In der CO2-Debatte werden deutsche Autohersteller von Toyota und Renault links und rechts überholt und stehen als Bremser da. Dabei bieten die Deutschen zum Teil durchaus die bessere Abgas-Technik an. Von so viel unbezahlter Werbung konnte Kris Vilhelmsson, Marketingchef von Toyota Deutschland, bislang nur träumen. "Leute, kauft Hybridautos von Toyota!", appelliert die Ex-Verbraucherministerin und Grünen-Politikerin Renate Künast an das Ökobewusstsein der Deutschen. Detailansicht öffnen Autoabgase: Die deutschen Autohersteller gelten als Umweltsünder, weil sie die CO2-Abgas-Grenzwerte erbittert bekämpfen. (Foto: Foto: dpa) Auch EU-Umweltkommissar Stavros Dimas hält es mit Toyota und will seinen Dienst-Mercedes pressewirksam gegen einen Prius tauschen. Das Hybridauto aus Fernost mutiert im Kampf gegen den Klimakiller CO2 zum Heilsbringer. Obwohl die durchschnittliche CO2-Flottenbilanz der Japaner nach einer Analyse des Centre for Automotive Research mit 163 g/km schlechter ist als die von VW und Opel. Diese Konzerne gelten allerdings als Umweltsünder, weil sie mit Brüssel einen erbitterten Kampf um CO2-Abgas-Grenzwerte austragen. Strategischer Erfolgsfaktor Das Image des Saubermanns verdankt Toyota einem Marketing, das Umwelt schon frühzeitig als strategischen Erfolgsfaktor begriffen hat. "Fortschrittliche Umwelttechnologien stehen bei uns auf der Prioritäten-Liste für die Markenpositionierung weit oben", sagt Vilhelmsson. Eine globale TV- und Printkampagne für den "Hybrid Synergy Drive" genannten Antrieb setzt diesen Anspruch um. Slogan: "Die Zukunft atmet auf". "Mit Umweltargumenten allein schafft man es nicht, an den deutschen Kunden ranzukommen. Der will eine ausgereifte Technologie und Zuverlässigkeit", erklärt Vilhelmsson und verweist auf den zweiten Platz des Prius im 100.000-km-Dauertest von Auto, Motor und Sport. Nicht in der Freiheit eingeschränkt "Der Prius ist kein Kompromiss. Wir bieten dem Verbraucher ein vollwertiges Auto, das ihn in seiner Freiheit nicht einschränkt." Auch Renault hat begriffen, dass Ökologie der Profilierung dienen kann. Marketingleiter Jörg Ellhof: "Wir arbeiten intensiv an einer neuen Markenpositionierung. Sicher wird das Thema Umwelt dort auch eine Rolle spielen." Auch wenn noch keine konkreten Vermarktungsansätze feststehen, benannte der Autobauer in einem ersten Schritt den "Renault Traffic Design Award" - einen Wettbewerb für Verkehrsarchitektur - in "Renault Traffic Future Award" um, um das Thema Nachhaltigkeit zu promoten. Biodiesel und Elektroautos Im "Renault Vertrag 2009" haben die Franzosen zudem festgelegt, künftig zu den drei Autoherstellern mit den weltweit geringsten CO2-Emissionen zählen zu wollen. Helfen soll dabei die Erweiterung der Modellpalette um Biodiesel und Elektroautos. Während sich die deutsche Autolobby in immer neuen Argumenten verheddert, warum die Industrie die 1998 abgegebene Selbstverpflichtung zum CO2-Ausstoß nicht einhält, macht Toyota vor, was gute Kommunikation ist. | In der CO2-Debatte werden deutsche Autohersteller von Toyota und Renault links und rechts überholt und stehen als Bremser da. Dabei bieten die Deutschen zum Teil durchaus die bessere Abgas-Technik an. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/deutsche-automobilindustrie-mit-vollgas-ins-pr-desaster-1.916941 | Deutsche Automobilindustrie - Mit Vollgas ins PR-Desaster | 00/05/2010 |
Warum auch Spitzenkräfte ruhig ab und zu mal scheitern sollten. Wahre Stärke beweisen diejenigen, die wieder aufstehen und neu anfangen. Mit einem Vorurteil muss endlich einmal aufgeräumt werden: Dass alle Welt nur die Sieger liebt. Geben wir es doch zu, sie sind uns unheimlich, diese Sunnyboys und -girls in den Chefetagen von Wirtschaft und Politik. Jene strahlenden Karrieristen, die es ohne zu pausieren vom Klassensprecher bis zum Vorstandsvorsitzenden geschafft haben, die auf die Siegertreppchen klettern, so wie der Erste-Klasse-Passagier in der Schalterhalle an der Warteschlange vorbeimarschiert. Mit Neid hat das nur bedingt zu tun, das Misstrauen ist begründet. Denn solche Typen mögen begabte Sanierer sein, packende Redner, versierte Finanzjongleure. Aber wenn es ernst wird, sind es nicht sie, mit denen man sich auf sinkenden Schiffen um Plätze im Rettungsboot streiten oder seinen Aufhebungsvertrag verhandeln möchte. Stärke bedeutet Verantwortung Dann wünscht man sich eher solche Menschen, die wissen, dass Stärke Verantwortung bedeutet. Die den Sturz in die Niederlage kennen, die sich schon mal den Staub abgeklopft haben und wieder aufgestanden sind, um neu zu beginnen. "The winner takes it all" schmetterte die schwedische Pop-Gruppe Abba in den 80ern. Daraus folgt: Wenn der Sieger alles nimmt, bleibt für die anderen nichts mehr übrig. Wahrer Respekt gebührt deshalb dem Verlierer. Aus diesem Grund fällt es vielen auch schwer, Manager vom Schlage Klaus Kleinfelds zu lieben, des abservierten Siemens-Chefs und großen Verlierers der vergangenen Woche. Das Gefühl der Unverwundbarkeit Solche Jungs mögen mit ihren Bilanzen glänzen und mit ihrem Charme jede Konferenz zur großen Show machen. Aber sie sind so berauscht von sich und ihrer Wirkung, dass sie zuweilen vergessen, was ihre Worte und Taten anrichten können. Werden sie dann auch noch öffentlich als Wunderknaben gefeiert, gar zu Managern des Jahres gekürt, verstärkt sich dieses Gefühl der Unverwundbarkeit. Irgendwann sind sich die Siegertypen ihrer selbst so sicher, dass bei Kritik an ihnen nur einer Unrecht haben kann: der Kritiker. Demut, Bescheidenheit, Nachdenklichkeit - Fehlanzeige. Die Karrieren vieler begabter Menschen begünstigen diese Art von Persönlichkeitsentwicklung. Der Überflieger aus der Schule wird zum Harvard-Stipendiaten, diktiert als 30-jähriger Unternehmensberater Firmenchefs kurz vor dem Ruhestand, wie sie ihre Läden bitte zu führen haben, und landet dann in einem komfortabel dotierten Job bei einem Konzern. Die erste berufliche Niederlage kommt gewöhnlich recht spät. Die Nachkriegsgeneration war anders In der Nachkriegsgeneration war das anders. Wer zu dieser Zeit aufwuchs, hatte eine Packung an Entbehrungen, Verlusten, Demütigungen oder auch Schuld bereits mit auf den Weg bekommen. Der Schonraum Studium stand vielen damals nicht offen, stattdessen wurde so mancher zum ersten Mal als Jugendlicher von seinem Chef zurechgestutzt. Es dürften auch die Niederlagen dieser Tage gewesen sein, die nach dem Krieg eine Reihe von großen Politikern und Unternehmern geprägt haben, deren Qualitäten man bei den heute Mächtigen so oft vergeblich sucht. Scheitern muss also kein Drama, kann auf mittlere Sicht auch ein Gewinn sein. Jeder im Wettkampf erprobte Sportler weiß das. In Amerika schätzt man sie sogar auf dem Arbeitsmarkt, die unverdrossenen Verlierer, die Helden des Neubeginns. So gesehen könnte die vergangene Woche für Klaus Kleinfeld auch eine gute gewesen sein. | Warum auch Spitzenkräfte ruhig ab und zu mal scheitern sollten. Wahre Stärke beweisen diejenigen, die wieder aufstehen und neu anfangen. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/die-verantwortung-der-spitzenkraefte-ein-hoch-auf-die-niederlage-1.898819 | Die Verantwortung der Spitzenkräfte - Ein Hoch auf die Niederlage | 00/05/2010 |
Fehlerhafte Motor-Sensoren haben dem japanischen Autohersteller Nissan die größte Rückrufaktion seiner Geschichte beschert: Das Unternehmen ruft weltweit 2,56 Millionen Fahrzeuge zurück, wie ein Nissan-Sprecher ankündigte. 84.000 davon entfallen den Angaben zufolge auf Deutschland. Betroffen seien 25 Nissan-Modelle, die zwischen April 1998 und Mai 2003 vom Band gelaufen und mit bestimmten Benzinmotoren ausgestattet sind. 460.000 Autos in Europa betroffen In Europa müssen 460.000 Autos der Modelle Almera, Tino, Primera und X-Trail in die Werkstatt, wie ein Sprecher von Nissan Europa in Paris sagte. Unfälle oder Verletzte habe es aber nicht gegeben. Als Grund für die Rückrufe nannte Nissan zwei fehlerhafte Sensoren im Motor, die ausgetauscht werden müssten. Andernfalls könnten die defekten Teile bei stärkerer Erwärmung dazu führen, dass das Auto bei der Fahrt plötzlich stehen bleibe oder nach einem Stopp nicht mehr in Gang zu bringen sei. Erste Hinweise im Dezember Die ersten Hinweise hatte der Konzern nach eigenen Angaben schon im vergangenen Dezember erhalten, doch sei es erst jetzt gelungen, die Ursache für die Fehlfunktionen zu finden. Die Kosten für die Rückrufaktion schätzt das vom französischen Renault-Konzern kontrollierte Unternehmen auf insgesamt 15 bis 16 Milliarden Yen (120 bis 127 Millionen Euro). Renault hält 44,4 Prozent an Nissan. Zu den weltweit betroffenen Modellen zählen der Nissan March, der in Europa unter dem Namen Micra verkauft wird, und das Kompaktmodell Cube. Aber auch Modelle anderer japanischer Hersteller werden von der Rückrufaktion erfasst, darunter der Leone von Subaru und der Mazda Familia, die Nissan für den Subaro-Hersteller Fuji Heavy und für den Mazda-Konzern fertigt. Über 1 Million Autos in Japan In Europa ist Großbritannien mit 108.000 Rückrufen das meistbetroffene Land, wie der Sprecher in Paris sagte. In Spanien müssen demnach 31.000, in Italien 25.000 und in Frankreich 20.000 Autos in die Werkstatt. Die mit Abstand meisten Fahrzeuge werden nach Unternehmensangaben mit 1,03 Millionen aber in Japan zurückgerufen. Nur eine noch größere Rückrufaktion hat es in dem ostasiatischen Land bisher gegeben. Das war 1996, und auch damals war es die Firma Nissan, die 1,05 Millionen Autos in die japanischen Werkstätten rufen musste. | Fehlerhafte Motor-Sensoren haben dem japanischen Autohersteller Nissan die größte Rückrufaktion seiner Geschichte beschert: Das Unternehmen ruft weltweit 2,56 Millionen Fahrzeuge zurück, wie ein Nissan-Sprecher ankündigte. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/nissan-rueckrufaktion-2-56-millionen-autos-mit-motorfehler-1.903715 | Nissan-Rückrufaktion - 2,56 Millionen Autos mit Motorfehler | 00/05/2010 |
Die Lufthansa und der Triebwerkshersteller Rolls-Royce schaffen 500 neue Jobs in Erfurt. Mit der Entscheidung feiert Ostdeutschland den zweiten großen Ansiedlungserfolg innerhalb weniger Wochen. In Industriegebiet Arnstadt südlich von Erfurt soll für 100 Millionen Euro ein Gemeinschaftsunternehmen für die Instandhaltung von Flugzeugtriebwerken entstehen, wie Rolls-Royce Deutschland und Lufthansa Technik am Montag mitteilten. Detailansicht öffnen Montagehalle von Rolls Royce. (Foto: Foto: ddp) Fertigstellung Ende 2006 Mit den Bauarbeiten soll Ende 2005 begonnen werden, die Fertigstellung des Werkes ist für Ende 2006 geplant. Bundeskanzler Gerhard Schröder, Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement und der thüringische Ministerpräsident Dieter Althaus begrüßten die Entscheidung. Die Investition in Arnstadt sei nach dem Zuschlag des DHL-Umschlagplatzes für Leipzig-Halle innerhalb weniger Wochen der zweite große Ansiedlungserfolg in Ostdeutschland, erklärte der Kanzler. Vertrauen Die Entscheidung für Thüringen sei ein eindrucksvoller Beleg für das hohe Ansehen und Vertrauen, das der Industriestandort Ostdeutschland inzwischen bei internationalen Investoren genieße. "Ich bin daher überzeugt, dass sich der industrielle Aufholprozess in Ostdeutschland auch in Zukunft fortsetzen und beschleunigen wird", sagte Schröder. Gegen tschechischen Standort durchgesetzt Clement sagte, die Entscheidung freue ihn "auch und gerade vor dem Hintergrund des häufig befürchteten Wettbewerbsvorteils der EU-Beitrittsländer gegenüber dem Standort Deutschland". Mit der Entscheidung hat sich Erfurt gegen einen Standort in Tschechien durchgesetzt. | Die Lufthansa und der Triebwerkshersteller Rolls-Royce schaffen 500 neue Jobs in Erfurt. Mit der Entscheidung feiert Ostdeutschland den zweiten großen Ansiedlungserfolg innerhalb weniger Wochen. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/standort-ost-lufthansa-baut-motorenwartung-in-erfurt-1.898536 | Standort Ost - Lufthansa baut Motorenwartung in Erfurt | 00/05/2010 |
Rohöl wird in New York so teuer gehandelt wie seit 13 Jahren nicht mehr. Die Gründe: In den USA wächst angesichts sinkender Benzinvorräte die Furcht vor Versorgungsengpässen. US-Wirtschaftsminister Snow gibt sich besorgt. Der Rohölpreis ist am Mittwoch in New York auf das höchste Niveau seit dreizehn Jahren gestiegen. Rohöl zur April-Lieferung legte an der Warenterminbörse New York Mercantile Exchange um 70 Cent oder 1,9 Prozent auf 38,18 Dollar je Barrel zu. Detailansicht öffnen Ölbestände im Hamburger Hafen - momentan wertvoll wie seit Jahren nicht mehr. (Foto: Foto: dpa) Das war der höchste US-Rohölpreis seit dem 16. Oktober 1990, als irakische Truppen Kuwait besetzt hatten. Damit liegen die US-Rohölpreise momentan um rund zehn Prozent über den Preisen des Vormonats. Amerikanische Reserven geschmolzen Auslöser des jüngsten Preisanstiegs war nach Darstellung von Ölhändlern der scharfe Rückgang der amerikanischen Benzinbestände in der vergangenen Berichtswoche um 800.000 Barrels auf nur noch 199,6 Millionen Barrels. Während es in New York noch schneite, sorgten sich die Märkte über unzureichende Benzinvorräte für die Sommerreise-Saison. Die Benzinnachfrage ist trotz des kalten Wetters bereits deutlich gestiegen. Höhere Energie- und Ölpreise seien "nicht willkommen", sagte US-Finanzminister John Snow. Sie wirkten "wie eine Steuer" für die Industrie, deren Produktionskosten dadurch stiegen. Er hoffe deshalb, dass die Preise wieder sänken. Der Benzinpreis legte am Mittwoch nochmals um 2,8 Prozent zu. Für die amerikanischen Autofahrer, die zum größten Teil große Pkw, Geländewagen, Pickups oder Minivans mit hohem Benzinverbrauch fahren, wird das allmählich schmerzhaft. Opec-Förderrückgang macht USA nervös Außerdem trug die vor einiger Zeit für April angekündigte Kürzung der Opec-Ölförderung zu den hohen Rohölpreisen bei. "Wir können jederzeit einen Preis von 40 Dollar erreichen. Der Markt ist so verwundbar - ich sehe wenig gute Nachrichten für den Verbraucher", sagte ein amerikanischer Händler. "Die Opec macht uns großen Kummer." Die Organisation der erdölfördernden Staaten hat die Fördermenge um eine Million Barrel pro Tag reduziert. Die massive Ölnachfrage Chinas und anderer asiatischer Hochkonjunktur-Länder ist ebenfalls eine der Ursachen für den starken Ölpreisauftrieb der vergangenen Wochen. Die großen Ölverbraucher in Asien sind sich jedoch sicher, die gegenwärtige Hochpreisphase problemlos zu überstehen. Asiaten wiegeln ab "Die Weltmarktpreise haben ihren Höhepunkt erreicht. Sie werden ein oder zwei Wochen auf diesem Niveau bleiben, aber länger auch nicht", sagte Koo Cha Kwon, Mitglied der Forschungsabteilung bei Korea National Oil Corporation. Laut Kwon ist der Rückgang der amerikanischen Bestände nichts ungewöhnliches, da in den USA momentan die Fördermengen reduziert werden, um routinemäßige Wartungsarbeiten durchzuführen. Auch japanische Manager geben Entwarnung: Die höheren Ölpreise hätten nur einen begrenzten Einfluß auf die japanische Wirtschaft und würden vor allem die Gewinnmargen der Öllieferanten schmälern; einer Gruppe, die lediglich einen kleinen Teil der ökonomischen Aktivitäten des Landes ausmacht. | Rohöl wird in New York so teuer gehandelt wie seit 13 Jahren nicht mehr. Die Gründe: In den USA wächst angesichts sinkender Benzinvorräte die Furcht vor Versorgungsengpässen. US-Wirtschaftsminister Snow gibt sich besorgt. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/oelpreis-auf-rekordhoch-wie-eine-steuer-fuer-die-industrie-1.898711 | "Ölpreis auf Rekordhoch - ""Wie eine Steuer für die Industrie""" | 00/05/2010 |
Die Landesbank Berlin ist verkauft. Gewinner des Schau(verkaufs)prozesses ist der Berliner Senat. Er hat für eine Bank, die noch vor wenigen Jahren marode danieder lag, einen sensationellen Preis erzielt. Selten ist ein Unternehmen mit so viel Begleitmusik verkauft worden wie die Landesbank Berlin (LBB). Und am Ende ist es doch so gekommen, wie es die meisten Beobachter von Anfang an erwartet hatten: Das öffentlich-rechtliche Bankenlager bleibt unter sich, der Sparkassenverband hat den Kampf um die LBB, der kaum einer war, für sich entschieden. Es mag so aussehen, als hätten die privaten Banken eine Niederlage erlitten. Wieder sind sie - und allen voran ihr Präsident und Commerzbankchef Klaus-Peter Müller - mit dem Versuch gescheitert, in das Lager der Sparkassen einzudringen. Der Versuchung widerstanden Doch Müller hat der Versuchung widerstanden, einen politischen Preis für die LBB zu zahlen, nur um der erste zu sein, der die Mauer zwischen den Bankenlagern in Deutschland überwindet. Wirtschaftlich hätte er den Kauf zu einem solchen Preis vor seinen Aktionären wohl nur schwer rechtfertigen können. Die übrigen Privatbanken und Finanzinvestoren hatten ein noch laueres Interesse an der Landesbank Berlin als die Commerzbank. Einziger echter Verlierer ist damit die Landesbank Baden-Württemberg, die ihr Ziel, ein nationaler Landesbanken-Champion zu werden, der Einigkeit des Sparkassenlagers opferte. Erfolgreiche Sanierung Gewinner des Schau(verkaufs)prozesses ist der Berliner Senat. Er hat für eine Bank, die noch vor wenigen Jahren marode danieder lag, einen sensationellen Preis erzielt. Er kann sich dafür in erster Linie bei LBB-Chef Hans-Jörg Vetter bedanken, der die Bank erfolgreich saniert hat. Der zweite Dank dürfte an Sparkassenpräsident Heinrich Haasis gehen - sein Leidensdruck war am größten, deshalb hat der die LBB gewonnen. Der hohe Preis, den die Sparkassen dafür zahlen, macht es ihnen allerdings nicht leichter, sich im Wettbewerb zu behaupten und den Kundenschwund zu stoppen. | Die Landesbank Berlin ist verkauft. Gewinner des Schau(verkaufs)prozesses ist der Berliner Senat. Er hat für eine Bank, die noch vor wenigen Jahren marode danieder lag, einen sensationellen Preis erzielt. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/verkauf-der-landesbank-berlin-viel-laerm-um-nichts-1.906526 | Verkauf der Landesbank Berlin - Viel Lärm um nichts | 00/05/2010 |
Es ist stets dieselbe Leier: Sobald sich ein Politiker einer Subvention nähert, springen aus dem Busch zahllose Begünstigte und rufen um Hilfe. Über den ökonomischen Schaden, den Subventionen anrichten, und die Schwierigkeiten, ihn zu begrenzen. (SZ-Artikel vom 1.10.2003)— Die Ministerpräsidenten Roland Koch und Peer Steinbrück wollen die Subventionen spürbar kürzen. Das haben schon viele Politiker gefordert und noch mehr Experten. Der Beifall war immer groß. Subventionen, da sind sich alle einig, sind schlecht und sollten am besten weg. Doch ist das gar nicht so einfach. Sobald sich ein Politiker sozusagen mit blankgezogener Machete einer Subvention nähert, springen aus dem Busch zahllose Begünstigte samt meist mächtiger Interessenvertreter und gebieten Einhalt: "Dieses hier, mein Lieber, ist nun wirklich alles andere als eine Subvention." Was aber ist eigentlich eine Subvention? Meistens handelt der Staat in bester Absicht Allgemein gesprochen, sind Subventionen (lateinisch subvenire = zu Hilfe kommen) zweckgebundene Leistungen von Bund, Ländern oder Gemeinden, mit denen der Staat ein bestimmtes Ziel erreichen will. Direkte Zahlungen oder Steuervergünstigungen können an Private gehen, um ihnen mehr Wohlstand zu ermöglichen (Bau eines Hauses) oder an Unternehmen, die nicht mehr wettbewerbsfähig sind (Werften, Kohleförderer). Meistens handelt der Staat in bester Absicht. Subventionen aber sind ökonomisch schädlich, weil sie die Angebotsbedingungen auf Märkten verzerren, die Steuern in die Höhe treiben und das Wirtschaftswachstum schmälern; häufig erfüllen sie auch gar nicht ihren Zweck. Sie sind steuerrechtlich fragwürdig, weil sie zu Ungleichheit führen und zu mangelnder Transparenz. Einzelne Gruppen erhalten, womöglich aufgrund ihrer Macht oder ihrer Kontakte, finanzielle Vorteile, die die Allgemeinheit zu bezahlen hat. Es geht um viel Geld. 155,6 Milliarden Euro Subventionen jährlich gibt es nach der weiten Definition des Kieler Instituts für Weltwirtschaft - mehr als ein Drittel des Steueraufkommens. Die Bundesregierung, die alle zwei Jahre einen Subventionsbericht verfasst, verwendet einen engeren Begriff und kam 2001 auf 59,5 Milliarden Euro; Subventionen an staatliche Unternehmen oder deren Nachfolger (Deutsche Bahn) sind ebenso ausgeklammert wie jene an Theater oder Krankenhäuser. Koch und Steinbrück haben nun eine mittlere Abgrenzung gezogen und zählen 127,3 Milliarden Euro. Eine Subvention, fünf Meinungen Eine Subvention, fünf Meinungen - das lässt sich exemplarisch an der Entfernungspauschale zeigen. Politiker in Flächenländern verwahren sich gegen jede Kürzung, weil sie den Zorn ihrer Pendler fürchten. Aber auch unabhängige Experten wie der Präsident des Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, fordern: Hände weg! Es handele sich, argumentiert der Professor, gar nicht um eine Subvention, sondern um ein Instrument, einem Arbeitnehmer auch weiter entfernte Arbeitsplätze attraktiv zu machen. Aber: Übernimmt der eine den Job nicht, weil die Fahrtkosten den Gehaltszuwachs aufzehren, kommt vielleicht ein anderer Interessent zum Zuge. Und so lassen sich die Argumente munter weitertreiben. Umweltpolitisch spricht gegen die Pendlerpauschale die Zersiedelung der Landschaft. Sozialpolitisch ist sie die Möglichkeit, Wohneigentum auf dem (billigeren) Land zu erwerben. Auch steuerrechtlich ist das Thema umstritten. Die einen argumentieren, die Fahrt zum Arbeitsplatz diene dem Beruf, die Aufwendungen müssten also als Werbungskosten (Selbstständige: Betriebsausgaben) absetzbar sein. Die anderen halten den Weg zur Arbeit für einen Teil der privaten Lebensführung, den man überhaupt nicht berücksichtigen dürfe. Die Arbeit fange schließlich erst am Werkstor an. Ob der Arbeitnehmer sich eine teure Wohnung in der Stadt nehme (deren Miete er auch nicht absetzen kann) oder ins Grüne ziehe und dafür höhere Fahrtkosten habe - das sei allein seine Angelegenheit und nicht die der Allgemeinheit. Weil aber über beinahe jede Zuwendung so kontrovers gestritten werden kann, haben Koch und Steinbrück ihr Heil in der "Rasenmäher-Methode" gesucht: nur möglichst keine Einzelfalldiskussion. Der Preis des generalisierenden Zugriffs: Die Schnitthöhe ist mit zwölf Prozent ziemlich bescheiden eingestellt. | Es ist stets dieselbe Leier: Sobald sich ein Politiker einer Subvention nähert, springen aus dem Busch zahllose Begünstigte und rufen um Hilfe. Über den ökonomischen Schaden, den Subventionen anrichten, und die Schwierigkeiten, ihn zu begrenzen. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/sinn-und-unsinn-von-subventionen-unbezahlbar-gute-absichten-1.898503 | Sinn und Unsinn von Subventionen - Unbezahlbar gute Absichten | 00/05/2010 |
Bei Siemens mehren sich die Verdachtsmomente, dass der Aufsichtsrat wichtige Hinweise auf schwarze Kassen nicht erhalten hat: Womöglich wurde mit dem früheren Thyssen-Krupp-Chef Cromme sogar einer von Deutschlands Top-Managern gezielt ausgetrickst. Über die Rechte und Pflichten eines Aufsichtsrats weiß hierzulande vermutlich kaum jemand so gut Bescheid wie Gerhard Cromme. Der ehemalige Chef des Stahlkonzerns Thyssen-Krupp leitet seit 2001 die Regierungskommision Corporate Governance, die Regeln für die Führung und Kontrolle von Aktienunternehmen aufstellt. Detailansicht öffnen Gerhard Cromme: Mit Wissen einiger Siemens-Vorstände hintergangen worden? (Foto: Foto: dpa) In diversen Aufsichtsräten kann der hochgewachsene Manager diese Maßgaben gleich selbst praktizieren, darunter auch bei Siemens. Dort übernahm Cromme Anfang 2005 den Vorsitz des Prüfungsausschusses, der dafür sorgen soll, dass die Gesetze eingehalten und eventuelle Verstöße abgestellt werden. Inzwischen leitet der gebürtige Niedersachse den Aufsichtsrat; er soll und will dazu beitragen, den Schmiergeldskandal aufzuklären und zu bewältigen. Schäfer schweigt Kaum war Cromme Chef des Prüfungsausschusses geworden, da besprach er sich am 17. Februar 2005 in Düsseldorf, dem Sitz von Thyssen-Krupp, eine Stunde lang mit dem damaligen Antikorruptionsbeauftragten von Siemens, Albrecht Schäfer. Es ging, wie Schäfer tags darauf in einem Vermerk aufschrieb, um die "zukünftige Gestaltung der Compliance-Arbeit im Prüfungsausschuss". Compliance steht für Gesetzestreue; Schäfer war seinerzeit Chief Compliance Officer (CCO) bei Siemens. Vor zwei Monaten hat ihm der Konzern gekündigt, weil er den Gesamtvorstand und den Prüfungsausschuss unzureichend über Hinweise auf Schmiergelddelikte informiert habe. Der ehemalige CCO bestreitet die Vorwürfe. Er verklagt Siemens beim Arbeitsgericht München. Schäfers Vermerk über das Gespräch mit Cromme vom 17. Februar 2005 und weitere Notizen legen den Verdacht nahe, dass Cromme als Aufsichtsrat bei Siemens gezielt hintergangen wurde, mit Wissen einzelner Vorstände. Wurden Hinweise auf ein System schwarzer Kassen systematisch vertuscht? Schäfer äußert sich dazu nicht. Sein Anwalt Georg R. Schulz sagt, wegen des laufenden Verfahrens beim Arbeitsgericht nehme man nicht Stellung. Die Süddeutsche Zeitung hatte sechs detaillierte Fragen gestellt und noch einmal auf sechs frühere, ebenfalls nicht beantwortete Fragen verwiesen. Auch Siemens bittet um Verständnis, dass man wegen des Gerichtsverfahrens nicht Stellung nehme. Der Reihe nach: Ende 2004 hatte Schäfer intern notiert, er habe mit Vorstandsmitglied Thomas Ganswindt über liechtensteinische Ermittlungen wegen Geldwäsche gegen einen ehemaligen Mitarbeiter gesprochen. | Bei Siemens mehren sich die Verdachtsmomente, dass der Aufsichtsrat wichtige Hinweise auf schwarze Kassen nicht erhalten hat: Womöglich wurde mit dem früheren Thyssen-Krupp-Chef Cromme sogar einer von Deutschlands Top-Managern gezielt ausgetrickst. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/siemens-und-die-schwarzen-kassen-wie-aufsichtsrat-cromme-offenbar-hintergangen-wurde-1.888343 | Siemens und die schwarzen Kassen - Wie Aufsichtsrat Cromme offenbar hintergangen wurde | 00/05/2010 |
Kai-Uwe Ricke hat für sein neues Strategiekonzept die Zustimmung des Aufsichtsrates erhalten. Sollte der Kurs der T-Aktie jedoch weiter sinken, könnte der Konzern-Chef schnell wieder unter Druck geraten. Der nach massiven Kundenverlusten und einer Gewinnwarnung Anfang August in die öffentliche Kritik geratene Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke bleibt vorerst im Amt. Nach zweitägigen Beratungen billigte der Aufsichtsrat unter Vorsitz von Postchef Klaus Zumwinkel ein von Ricke vorgelegtes Strategiekonzept. Detailansicht öffnen Rückendeckung vom Aufsichtsrat: Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke. (Foto: Foto: AP) Einschneidende Maßnahmen vorgesehen Es sieht in insgesamt sieben Punkten einschneidende Maßnahmen vor, um den weiteren Verlust von Marktanteilen im inländischen Festnetz- und Mobilfunkgeschäft zu verhindern. Ricke selbst teilte nach der Aufsichtsratssitzung mit, dass ihm für erste Erfolge keine Fristen gesetzt worden seien und dass es auch sonst keine Diskussion über seine Führungsqualitäten gegeben habe, nachdem er den Kontrolleuren noch einmal seine langfristig angelegte Strategie dargelegt habe. Das vom Aufsichtsrat gebilligte Sieben-Punkte-Konzept entspricht weitgehend dem, was Ricke bereits mehrfach - zuletzt bei der Halbjahres-Pressekonferenz am 10. August - an strategischen Kurskorrekturen angedeutet hatte. Mit attraktiven Flatrates und Bündelangeboten im Festnetz- und Mobilfunkgeschäft sowie mit einer groß angelegten Serviceoffensive in allen Bereichen will der Vorstand die sich immer mehr beschleunigende Abwanderung von Kunden stoppen und zugleich durch weitere Sparprogramme die Kosten drücken. "Nicht kaputt sparen" Wichtigste Einzelmaßnahme soll dabei die Umstellung des derzeit noch vermittlungsbasierten Netzes auf die weitaus kostengünstigere, weil wartungsärmere Internet-Technologie sein, die bis 2010 dann auch den letzten Winkel Deutschlands mit breitbandigen DSL-Anschlüssen versorgen kann. Zu diesem Zweck müssten in nächster Zeit die Prioritäten bei den Investitionen verschoben werden, ohne dass dies Zukunftsentwicklungen behindert. Dazu erklärte Ricke: "Wir werden uns nicht kaputt sparen, sondern uns durch die Veräußerung von nicht betriebsnotwendigem Vermögen weitere Handlungsspielräume erschließen". Der Telekom werde es gelingen, sich bis zum Jahr 2010 zum ertragsstärksten Unternehmen der europäischen Telekommunikationsbranche zu entwickeln. | Kai-Uwe Ricke hat für sein neues Strategiekonzept die Zustimmung des Aufsichtsrates erhalten. Sollte der Kurs der T-Aktie jedoch weiter sinken, könnte der Konzern-Chef schnell wieder unter Druck geraten. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/trotz-kritik-telekom-chef-bekommt-noch-eine-chance-1.907004 | Trotz Kritik - Telekom-Chef bekommt noch eine Chance | 00/05/2010 |
Nach 16 Stunden Marathonsitzung haben sich IG Metall und Arbeitgeber auf einen neuen Tarifvertrag geeinigt. Damit ist der angedrohte Streik in der Metall- und Elektroindustrie abgewendet. Das Verhandlungsergebnis aus Baden-Württemberg soll bundesweit übernommen werden. Der neue Tarifvertrag mit 26 Monaten Laufzeit sieht eine Erhöhung der Löhne und Gehälter ab 1. März um 2,2 Prozent und ab 1. März 2005 um 2,7 Prozent vor. Der Vertrag läuft bis zum 28. Februar 2006. Zugleich wurden Öffnungsklauseln für längere Arbeitszeiten auch ohne Lohnausgleich vereinbart. Sowohl die IG Metall wie auch der Arbeitgeber-Dachverband Gesamtmetall empfahlen ihren regionalen Verbänden die Übernahme des Vertrages als Pilotabschluss. Beide Seiten zeigten sich zufrieden mit dem Abschluss, der auch eine Grundsatzerklärung für mehr Flexibilität des Flächentarifvertrages enthält und den Betriebsparteien mehr Autonomie zubilligt. Damit sollen Arbeitsplätze gesichert werden. IG-Metall-Chef Jürgen Peters sprach von einem "akzeptablen Kompromiss", Gesamtmetall-Chef Martin Kannegiesser von einem "qualitativen Schritt nach vorne". Öfnnungsklauseln bei der Arbeitszeit Die Tarifparteien einigten sich zwar auf größere Spielräume unter anderem bei längeren Arbeitszeiten, Abweichungen von den Normen des Tarifvertrages müssen aber immer noch von den Tarifparteien genehmigt werden. Nach drei Jahren sollen die Klauseln noch einmal überprüft werden. Eine längere Arbeitszeit ist für besonders qualifizierte Arbeitnehmer möglich. Bislang durften 18 Prozent der Belegschaft vor allem in Forschung und Entwicklung bis zu 40 Stunden pro Woche arbeiten, künftig kann die Quote auf bis zu 50 Prozent erhöht werden. Zum anderen erhalten Betriebe die Möglichkeit, für einzelne Arbeitnehmer, Arbeitnehmergruppen oder Betriebsteile die Arbeitszeit auf bis zu 40 Stunden zu verlängern, ohne dass Mehrarbeitszuschläge anfallen. Zugleich können Sonderzahlungen gekürzt werden. "Diese Regelung ist aus unserer Sicht ein Beitrag zur Sicherung von Arbeitsplätzen in Deutschland", sagte Zwiebelhofer. Weder Sieg noch Niederlage IG-Metall-Chef Peters sagte, die Gewerkschaft habe auch dank der massiven Warnstreiks die Pläne der Arbeitgeber durchkreuzen können, flächendeckend zur 40-Stunden-Woche zurückzukehren. Gesamtmetall-Präsident Kannegiesser sagte, die Arbeitgeber seien ihrem Ziel ein Stück näher gekommen, Betrieben mit Anpassungs- und Umstellungsproblemen bessere Möglichkeiten zu bieten. Es wäre falsch, von Sieg oder Niederlage zu sprechen, sagte Kannegiesser. Ursprünglich hatten die Arbeitgeber Betriebsvereinbarungen über eine Verlängerung der Arbeitszeiten auf bis zu 40 Stunden auch ohne Lohnausgleich gefordert. Neben zwei Nullmonaten ist in der Lohn- und Gehaltserhöhung ein Beitrag für die Angleichung der Bezüge von Angestellten und Arbeitern in Höhe von zwei Mal 0,7 Prozent enthalten. Zu den Vereinbarungen über Arbeitszeitverlängerungen sagte IG-Metall-Bezirksleiter Jörg Hofmann, die geltende 35-Stunden-Woche bleibe auch weiter der Bezugspunkt. Nun würden aber neue Spielräume in den Betrieben geschaffen. Damit werde bewiesen, dass die Tarifautonomie kein starres Gebilde sei. Südwestmetall-Chef Otmar Zwiebelhofer sagte, zwar sei "nicht die große Lösung" erzielt worden, dennoch sei ein wichtiger Schritt auf einem neuen, gemeinsamen Weg der Tarifparteien zur Sicherung von Arbeitsplätzen und Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit deutscher Betriebe gemacht. "Die IG Metall bleibt im Boot, hat sich aber verpflichtet, mit uns in die gleiche Richtung mitzurudern", sagte Zwiebelhofer. Den Lohnabschluss bezeichnete er indes als "gewisse Last". Die IG Metall war mit der Forderung nach vier Prozent mehr Lohn und Gehalt in die Tarifverhandlungen gegangen, die Arbeitgeber hatten zuletzt in zwei Stufen jeweils 1,2 Prozent mehr Geld angeboten. | Nach 16 Stunden Marathonsitzung haben sich IG Metall und Arbeitgeber auf einen neuen Tarifvertrag geeinigt. Damit ist der angedrohte Streik in der Metall- und Elektroindustrie abgewendet. Das Verhandlungsergebnis aus Baden-Württemberg soll bundesweit übernommen werden. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/pilotabschluss-einigung-im-metall-tarifstreit-1.918452 | Pilotabschluss - Einigung im Metall-Tarifstreit | 00/05/2010 |
Der Streik im öffentlichen Dienst ergreift immer weitere Teile Deutschlands. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Beck, der derzeit im Wahlkampf steht, hält die Forderung nach Wiedereinführung der 40-Stunden-Woche inzwischen nicht mehr unbedingt aufrecht. Nach Streiks in bislang acht Bundesländern legten am Mittwoch auch in Schleswig-Holstein Mitarbeiter von sechs Straßenbauverwaltungen, Beschäftigte der Katasterämter und weiterer Ämter die Arbeit ganztägig nieder. Detailansicht öffnen Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident und Vize-Vorsitzende der SPD, Kurt Beck. (Foto: Foto: dpa) Angesichts der von der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di angekündigten wochenlangen Streikmaßnahmen machte der rheinland- pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) einen neuen Kompromissvorschlag. Dagegen wollte der Vorsitzende der Tarifgemeinschaft der Länder, Niedersachsens Finanzminister Hartmut Möllring (CDU) von seiner Haltung nicht abweichen. Beck sagte der Financial Times Deutschland: "Ich könnte mir durchaus ein flexibles Modell von Arbeitszeiten zwischen 38,5 und 40 Stunden vorstellen, das zum Ausgleich auch Zulagen vorsieht." Das Modell "würde den Ländern erlauben, die Arbeitszeit auszugestalten". "Durchaus sinnvoll" Etwa an Hochschulen, bei Polizeidienststellen, technischen Dienststellen und im Straßendienst sei eine flexible Arbeitszeitregelung durchaus sinnvoll. Für Zulagen bei verlängerter Arbeitszeit hatte sich auch der baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) stark gemacht, der sich wie Beck im Landtagswahlkampf befindet. Kliniken, Straßenmeistereien und Müllabfuhren Am Dienstag hatten nach Angaben der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di mehr als 26.000 Beschäftigte die Arbeit niedergelegt. Das waren 4000 mehr als am Montag. Schwerpunkte lagen vor allem bei Universitätskliniken, Straßenmeistereien und den Müllabfuhren. ver.di rechnet mit rund 40.000 Streikteilnehmern in dieser Woche. Bei dem Arbeitskampf geht es nach ver.di-Angaben in Ländern und Gemeinden um verschiedene Ziele. Die Beschäftigten der Kommunen wenden sich gegen die Erhöhung der Wochenarbeitszeit um 1,5 auf mindestens 40 Stunden. Die streikenden Landesbediensteten verlangen die Übernahme des von Bund und Kommunen im September 2005 unterzeichneten Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst (TVöD). Von den Universitätskliniken fordert ver.di die Übernahme des für die kommunalen Krankenhäuser bereits geltenden Tarifvertrages. "Unverantwortlich" Möllring nannte ver.dis Taktik "unverantwortlich". Er monierte insbesondere die Notfallversorgung in Krankenhäusern. Insgesamt lasse ihn der Streik jedoch unbeeindruckt. "Den Müll kann man auch von Privatfirmen entfernen lassen", sagte er der Neuen Presse in Hannover. Die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) warf ver.di am Dienstagabend vor, auf dem Rücken der Patienten zu streiken. "Die Streikenden spielen mit Menschenleben", sagte Prof. Axel Haverich, Direktor der Herzgefäßchirurgie. Durch den Streik seien derzeit nur 9 von 22 Operationssälen in Betrieb. Ver.di wehrte sich gegen die Vorwürfe und verwies auf die Notdienst-Vereinbarung. Seit Montag habe die MHH zwei Notfall-Ausnahmen angemeldet, die sofort von der örtlichen Streikleitung befürwortet worden seien. | Der Streik im öffentlichen Dienst ergreift immer weitere Teile Deutschlands. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Beck, der derzeit im Wahlkampf steht, hält die Forderung nach Wiedereinführung der 40-Stunden-Woche inzwischen nicht mehr unbedingt aufrecht. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/streik-im-oeffentlichen-dienst-die-neue-geschmeidigkeit-des-kurt-beck-1.905439 | Streik im öffentlichen Dienst - Die neue Geschmeidigkeit des Kurt Beck | 00/05/2010 |
Die Beschäftigten der Deutschen Telekom haben sich in einer Urabstimmung für ein Ende der Streiks und die Annahme des Kompromisses zur Stellenauslagerung ausgesprochen. Wie die Gewerkschaft Verdi am Freitagabend mitteilte, votierten 72,6 Prozent der rund 22.000 aufgerufenen Mitarbeiter für die erzielte Verhandlungslösung. Diese sieht unter anderem längere Arbeitszeiten und Gehaltskürzungen um 6,5 Prozent mit Ausgleichszahlungen über einen längeren Zeitraum vor. Damit ist der mehrwöchige Streik bei der Telekom auch offiziell beendet. Verdi begrüßte die große Zustimmung. Bundesvorstand Lothar Schröder betonte, dass die Einkommen für die betroffenen Beschäftigten nach der Auslagerung gleich blieben und der Kündigungsschutz erheblich verlängert worden sei. "Für die Beschäftigten ist das Bestmögliche erreicht worden". Die Verlängerung der Arbeitszeit um vier Stunden sei verschmerzbar. ver.di werde die nächsten Tarifrunden aktiv nutzen, um die Beschäftigten der Telekom an den allgemeinen Einkommensentwicklungen teilhaben zu lassen, betonte Schröder. Kündigungsschutz bis Ende 2012 Zum 1. Juli werden 50.000 Beschäftigte in drei neue Gesellschaften (Callcenter, Kundendienst, technische Infrastruktur) unter dem Dach der T-Service GmbH wechseln. Die Tochterfirma wiederum gehört zur Festnetzsparte des Unternehmens. Über die Konditionen des Transfers hatten die Tarifpartner in der vergangenen Woche nach einem Verhandlungsmarathon von acht Tagen eine Lösung erzielt. Neben den Gehaltskürzungen und längeren Arbeitszeiten verständigten sich die Tarifpartner auch auf einen Kündigungsschutz bis Ende 2012. "Keine finanziellen Einbußen" Obwohl Verdi-Verhandlungsführer Schröder in den vergangenen Tagen auf Informationsveranstaltungen für den Abschluss geworben hatte, gab es an der Basis auch kritische Stimmen. Schröder wies mehrfach darauf hin, dass die betroffenen Mitarbeiter trotz Gehaltskürzungen keine finanziellen Einbußen erleiden würden. Die prozentualen Einschnitte werden zunächst von der Telekom ausgeglichen und sollen später durch Tariferhöhungen wettgemacht werden. Die Auslagerung ist Teil der Konzernstrategie von Vorstandschef René Obermann, das Unternehmen in Deutschland wieder wettbewerbsfähiger zu machen. Im Inland verliert die Telekom weiterhin ein hohe Zahl von Kunden an die Wettbewerber. Neben Kosteneinsparungen zwischen 500 Millionen und 900 Millionen Euro will der Konzern vor allem den Service verbessern, um so Kunden an sich zu binden und wieder zurückzugewinnen. | Die Beschäftigten der Deutschen Telekom haben sich in einer Urabstimmung für ein Ende der Streiks und die Annahme des Kompromisses zur Stellenauslagerung ausgesprochen. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/beschaeftigte-nehmen-kompromiss-an-streik-bei-telekom-beendet-1.907764 | Beschäftigte nehmen Kompromiss an - Streik bei Telekom beendet | 00/05/2010 |
Die Bundesregierung muss sich zunächst einer entsprechenden EU-Richtline beugen. Tabakwaren dürfen demnach in Printmedien und dem Internet nicht mehr beworben werden. Zigaretten und andere Tabakerzeugnisse sollen künftigin Printmedien und dem Internet nicht mehr beworben werden dürfen. Detailansicht öffnen Verbraucherschutzministerin Renate Künast sieht das Tabakwerbeverbot positiv. (Foto: Foto: DDP) Das richtet sich mit diesem Beschluss nach einer entsprechenden EU-Richtlinie. Auch grenzüberschreitendes Sponsoring von Großveranstaltungen durch Tabakfirmen wird damit untersagt. Deutschland hatte zunächst gegen die Richtlinie am 9. September 2003 beim Europäischen Gerichtshof geklagt, weil damit die Werbefreiheit verletzt werde. Richtlinie bis zum Gerichtsentscheid bindend Da die Klage die Regierung nicht von der Verpflichtung entbindet, die Richtlinie fristgemäß umzusetzen, verabschiedete sie nun den Gesetzesentwurf. Bundestag und Bundesrat müssen bis ihn bis Ende Juli verabschieden. Vor allem Bundeskanzler Gerhard Schröder und Wirtschaftsminister Clement hatten sich für die Klage gegen die Richtlinie eingesetzt. Die Grünen hingegen stehen der Richtlinie weniger kritisch gegenüber, und befürworten ihre Anwendung auch für den Fall eines Erfolges vor dem Europäischen Gerichtshof. Künast für Anti-Sucht-Politik Im InfoRadio Berlin-Brandenburg sagte Verbraucherschutzministerin Renate Künast: "Dann wäre immer noch inhaltlich zu bewerten, was soll Teil der Anti-Rauch- und Anti-Sucht-Aktivitäten der Bundesregierung sein. Zum Beispiel, dass es keine Werbung für ein ungesundes Produkt oder ungesundes Verhalten gibt." Künast hält zudem an der für September geplanten Steuererhöhung für Tabakwaren fest. Dies sei eine der Maßnahmen, mit der sie die Bevölkerung zum Nachdenken über gesundheitsschädliches Verhalten anregen wolle. Die Erhöhung führe zu einer Verteuerung von Zigaretten "und damit - zumindest bei einem Teil der Bevölkerung - auch zu einem entsprechenden Verhalten. | Die Bundesregierung muss sich zunächst einer entsprechenden EU-Richtline beugen. Tabakwaren dürfen demnach in Printmedien und dem Internet nicht mehr beworben werden. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/tabakwaren-bundeskabinett-beschliesst-werbeverbot-1.914886 | Tabakwaren - Bundeskabinett beschließt Werbeverbot | 00/05/2010 |
Die Hamburger Staatsanwaltschaft hat Vorwürfe zurückgewiesen, im Fall der Insolvenz des Wertpapierhandelshaus Hornblower Fischer leichtfertig gehandelt haben. "Auch wenn die Staatsanwaltschaft kausal für die Insolvenz des Bankhauses verantwortlich ist, ändert das nichts daran, dass sie rechtmäßig gehandelt hat", betonte der Hamburger Oberstaatsanwalt Rüdiger Bagger am Montag. Die Anwälte des in Untersuchungshaft sitzenden Hornblower-Mehrheitsaktionärs Alexander Falk bereiten nach eigenen Angaben eine Schadenersatzklage gegen die Stadt Hamburg vor. Blockierung von Geldern Die Betrugsaffäre um Falk hatte vergangene Woche die traditionsreiche Frankfurter Wertpapierhandelsbank Hornblower Fischer in die Insolvenz getrieben. Die Bank warf der Hamburger Staatsanwaltschaft vor, das Unternehmen mit der Blockierung von Geldern in die Zahlungsunfähigkeit getrieben zu haben. Obwohl das Wertpapierhandelshaus von den Ermittlungen gegen Falk ausdrücklich nicht betroffen sei, habe die Staatsanwaltschaft rund zwei Millionen Euro aus einer Rückvergütungsvereinbarung für Hornblower Fischer blockiert, erklärte die Bank. Die Staatsanwaltschaft stellte klar, sie wäre zu einer Freigabe des Geldes bereit gewesen, wenn sich eine große Bank gefunden hätte, die eine Bürgschaft übernommen hätte. "Das ist aber ganz offensichtlich nicht gelungen", erklärte Bagger. "Beträchtliche Schadenersatzforderung" Falks Anwalt Gerhard Strate hatte in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung gesagt: "Es wird eine beträchtliche Schadenersatzforderung auf die Hansestadt zukommen." Er wirft der Hamburger Staatsanwaltschaft bei ihrem Vorgehen gegen Falk große Leichtfertigkeit vor. Falk sitzt in Untersuchungshaft, weil die Strafverfolger dem Verlagserben Scheingeschäfte beim Verkauf seiner Internetfirma Ision unterstellen. | Die Hamburger Staatsanwaltschaft hat Vorwürfe zurückgewiesen, im Fall der Insolvenz des Wertpapierhandelshaus Hornblower Fischer leichtfertig gehandelt haben. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/pleite-der-hornblower-bank-staatsanwaltschaft-wehrt-sich-1.905269 | Pleite der Hornblower-Bank - Staatsanwaltschaft wehrt sich | 00/05/2010 |
Die IG Metall wird künftig von Berthold Huber und Detlef Wetzel geführt. Damit besetzt Deutschlands größte Gewerkschaft ihre beiden höchsten Führungspositionen mit Reformern. Die IG Metall steht vor einem Führungswechsel. Danach soll der bisherhige Vizechef der Gewerkschaft, Berthold Huber, 57, den bisherigen IG-Metall-Chef Jürgen Peters, 63, ablösen. Detailansicht öffnen Hat eine klassische Gewerkschaftskarriere hinter sich: Detlef Wetzel. (Foto: Foto: AP) Darauf hat sich am Montag der bisherige Vorstand geeinigt. Hubers Nachfolger soll Detlef Wetzel, 54, werden, bisher Bezirksleiter aus Nordrhein-Westfalen. Es ist bei der mit 2,33 Millionen Mitgliedern größten DGB-Gewerkschaft üblich, dass der "alte" Vorstand einen Personalvorschlag macht, den die Delegierten auf dem Gewerkschaftstag (4. bis 10. November) beschließen. Stellvertreterfrage intensiv diskutiert Während die Besetzung des Ersten Vorsitzenden schon länger als abgemacht galt, wurde die Stellvertreterfrage seit Tagen intensiv diskutiert. Denn es ging nicht nur um einen personellen Vorschlag, sondern auch darum, wo sich Deutschands mächtigste Gewerkschaft politisch positioniert, ob sie sich auch künftig bei der SPD wiederfindet oder ob sie weiter nach links rückt. In dem aus 36 Mitgliedern bestehenden Gesamtvorstand lagen zwei Kandidaten zur Abstimmung vor: Wetzel und sein Kollege Hartmut Meine, 55, Bezirksleiter in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Wetzel gilt wie Huber als Reformer, Meine als Traditionalist wie Peters. Der Vorstand war daher bei seiner Sitzung am Montag um einen Ausgleich zwischen den beiden Lagern bemüht. Traditionalisten sollen sich wiederfinden Damit sich die Tradionalisten auch bei den Reformern Huber und Wetzel in der IG Metall wiederfinden, einigte sich der Vorstand darauf, dass Hans-Jürgen Urban, 46, bisher Leiter des Bereichs Grundsatz, Gesellschaftspolitik und strategische Planung, und Helga Schwitzer, 56, Bezirkssekretärin in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, für die Wahl zum geschäftsührenden Vorstand kandidieren werden. Deutschlands mächtigste Gewerkschaft wollte eine Kampfabstimmung wie 2003 auf jeden Fall vermeiden. Vor vier Jahren hatte sich Peters gegen den vom damaligen IG-Metall-Chef Klaus Zwickel vorgeschlagenen Huber durchgesetzt. Dies spaltete die Gewerkschaft in das Lager der Bewahrer um Peters und der Modernisierer um Huber. Mitgliederbonus Wetzel führt seit Juli 2004 den mit etwa 600.000 Mitgliedern größten Bezirk der IG Metall. Dort hat er den Mitgliederschwund gestoppt, unter anderem durch einen Mitgliederbonus, den er einführte. Danach nehmen Gewerkschafsmitglieder geringere Einbußen hin als andere, wenn Arbeitgeber zur Sanierung vom Tarifvertrag abweichen wollen. Der gebürtige Siegener hat Werkzeugmacher gelernt und später Sozialarbeit studiert. Sein Aufstieg in der Gewerkschaft ist klassisch: erst Jugendvertreter, Vertrauensmann, ehrenamtlicher Bildungsreferent, später dann Gewerkschaftssekretär, 2. Bevollmächtigter, 1. Bevollmächtigter und Mitglied der Bezirkskommission in Nordrhein-Westfalen. Wetzel gilt als einer, der in der Tarifpolitik neue Wege geht. Mit dem Pilotabschluss für die Metall- und Elektroindustrie 2006 hat sich Wetzel bundesweit einen Namen gemacht. Anerkennung auch im Arbeitgeberlager Neu daran waren Öffnungsklauseln, die Einmalzahlungen an den wirtschaftlichen Erfolg der Firmen koppeln. Dieser Abschluss hat dem Pragmatiker Wetzel damit auch im Arbeitgeberlager Anerkennung eingebracht. Dort wird er auch wegen seiner Kompromissfähigkeit geschätzt. | Die IG Metall wird künftig von Berthold Huber und Detlef Wetzel geführt. Damit besetzt Deutschlands größte Gewerkschaft ihre beiden höchsten Führungspositionen mit Reformern. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/ig-metall-reformer-an-die-spitze-1.881263 | IG Metall - Reformer an die Spitze | 00/05/2010 |
Im Übernahmekampf um den deutsch-französischen Pharmakonzern Aventis hat Sanofi-Synthélabo die PR-Schlacht mit ganzseitigen Farb-Anzeigen eröffnet. Die Werbebotschaft: Aventis-Aktionäre, die gegen die Fusion sind, blockieren die Heilung kranker Kinder. Auf einer Roadshow in Frankfurt stellte Jean-Francois Dehecq, Vorstandschef des Pharmakonzerns Sanofi-Synthélabo, einen Ausbau der deutschen Aktivitäten in Aussicht. Detailansicht öffnen Tabletten-Produktion bei Sanofi (Foto: Foto: AP) Eine europäische Firma müsse auch eine starke Forschung in Europa haben. Schon heute fänden 75 Prozent der Entwicklung seines Unternehmens auf dem Kontinent statt. Vorstandsmitglied Gerard Le Fur meinte, es sei eine große Chance, über Forschungsabteilungen in Deutschland zu verfügen. Er machte aber keine klare Aussage darüber, welcher Weg der richtige in die Zukunft sei und sprach von einem "interessanten multikulturellen Ansatz". Sorgen der Aventis-Mitarbeiter Die beiden Manager antworteten auf Sorgen von Aventis-Beschäftigten und Politikern über Verlagerungen oder Schließungen von Forschungsabteilungen im Rhein-Main-Gebiet. Fragen von Analysten, ob die erwarteten Einspar-Effekte von 1,6 Milliarden Euro vor Steuern im Jahr 2006 nicht zu niedrig gegriffen wären, wies der Vorstandschef von Sanofi zurück. Es gehe ihm um eine korrekte und normale Erwartung. Der Bogen dürfe nicht überspannt werden. Zwar vermieden die Manager konkrete Aussagen zu Beschäftigungsgarantien. Sanofi erklärte jedoch am Mittwoch, der Konzern wolle im Falle der Fusion eine Fabrik in der Normandie schließen, um Aventis-Arbeitsplätze an deutschen Standorten zu halten. An die Firma Aventis habe man eine klare, transparente und direkte Offerte abgegeben, erklärte Dehecq weiter. Lange Verhandlungen wolle er vermeiden. Es gehe ihm um ein starkes und nachhaltiges Wachstum seiner Firma. Viele Spekulationen Am Pharmamarkt gebe es viele Spekulationen und einen starken Wettbewerb in diesem Jahr. Auch andere Akteure dächten an eine Übernahme von Aventis. Hätte Sanofi in diesem Umfeld kein Übernahme-Angebot gemacht, würde der Konzern es später sicher bereuen. Auch an der Anzeigenfront eröffnete Sanofi am Mittwoch die PR-Schlacht um die feindliche Übernahme. Auf zwei ganzseitigen Seiten in der Süddeutschen Zeitung und dem Handelsblatt ist ein offensichtlich kranker Junge und im Hintergrund ein Arzt mit Stethoskop zu erkennen. "Wir sehen nicht ein, warum wir nicht schneller ein Medikament für Jan finden sollen", heißt es in der Überschrift der Anzeige, die die Aventis-Aktionäre zur Zustimmung zu dem Sanofi-Vorstoß auffordert. Der Aufsichtsrat des deutsch-französischen Pharmaunternehmens Aventis trat nach Gewerkschaftsangaben am Mittwoch in Paris zusammen. Er rechne damit, dass die beiden Aufsichtsratsvorsitzenden, Jürgen Dormann und Jean-René Fourtou, das Übernahmeangebot des Pariser Konkurrenten Sanofi-Synthélabo ablehnen werden, sagte Michael Klippel vom Betriebsrat der Aventis-Niederlassung in Frankfurt am Main. Dies sei dem Betriebsrat zugesichert worden. Den Angaben zufolge sollte der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats der Aventis Pharma Deutschland, Friedhelm Conradi, an der Aufsichtsratssitzung teilnehmen. Roche hält sich heraus Unterdessen erklärte ein Sprecher des Schweizer Pharmakonzerns Roche, das Unternehmen sei nicht an einem großen Zusammenschluss interessiert und mit dem gegenwärtigen Geschäfts-Portfolio zufrieden. "Wie wir in der Vergangenheit immer gesagt haben, sind wir voll überzeugt, dass ein Zusammenschluss mit irgendeinem Konkurrenten keinen Sinn macht", so der Sprecher. Die Pharmakonzerne Roche, Novartis und GlaxoSmithKline wurden am Markt als mögliche "Weiße Ritter" genannt - Unternehmen also, die Aventis mit einem eigenen Angebot vor der Übernahme schützen könnten. | Im Übernahmekampf um den deutsch-französischen Pharmakonzern Aventis hat Sanofi-Synthélabo die PR-Schlacht mit ganzseitigen Farb-Anzeigen eröffnet. Die Werbebotschaft: Aventis-Aktionäre, die gegen die Fusion sind, blockieren die Heilung kranker Kinder. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/feindlicher-uebernahmeversuch-sanofi-eroeffnet-die-pr-schlacht-1.902822 | Feindlicher Übernahmeversuch - Sanofi eröffnet die PR-Schlacht | 00/05/2010 |
Weil der Sohn nicht in seine Fußstapfen treten will, muss Michael Otto erstmals Familienfremden die Führung des Hamburger Versandkonzerns anvertrauen. Mit keinem Wort lässt Michael Otto sich die Enttäuschung darüber anmerken, dass sein Sohn vorerst nicht die Führung des Konzerns übernehmen wird. Detailansicht öffnen Michael Otto wechselt in den Aufsichtsrat der Otto Group. (Foto: Foto: AP) Natürlich hätte der 63 Jahre alte Otto es am liebsten gehabt, wenn bei dem bodenständigen Versandhaus, das inzwischen weltmännisch Otto Group heißt, auch die Stabübergabe traditionell abliefe. Michael Otto selbst war 28, als er ins Unternehmen eintrat, und 38, als er von seinem Vater Werner die Leitung des Handelsimperiums übernahm. Eigene Firma in Berlin Doch sein eigener Sohn Benjamin, 31, steht nicht zur Verfügung - jedenfalls noch nicht. Er hat in Berlin eine eigene Firma und beschäftigt sich mit Dingen, die dem nüchternen Vater recht exotisch erscheinen müssen. Der Junior entwickelt erfolgreich intelligente Haustechnik für Hotels und Wohnungen. Deshalb steht der Hamburger Familienkonzern jetzt an einem heiklen Punkt in seiner Geschichte: Erstmals übernehmen Manager, die nicht zur Familie gehören, die Führung. Der 50 Jahre alte Hans-Otto Schrader wird zum 1. Oktober Vorstandsvorsitzender, und der ebenso alte Rainer Hillebrand wird sein Stellvertreter. Diese Position des Zweiten gab es bisher in dem Gremium nicht. Otto wird im Herbst in den Aufsichtsrat wechseln und dort den Vorsitz übernehmen. Keine leichte Wahl Leicht ist ihm die personelle Auswahl nicht gefallen. Mit Schrader und Hillebrand hätten zwei gleichwertige Kandidaten für seine Nachfolge zur Verfügung gestanden, sagte er am Dienstag der dpa. Das Rennen machte schließlich der Dienstältere, der zudem als Personalvorstand einen guten Draht zu den Arbeitnehmern hat. Denn die, sagt Otto, ,,müssen immer mitgenommen werden''. Schrader ist schon vor 30 Jahren, gleich nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre, ins Unternehmen eingetreten. Zwei Jahre lang sammelte er Auslandserfahrung in Hongkong, später wurde er Import- und 1993 Einkaufsdirektor. Dem Vorstand gehört Schrader seit 1999 an. Der künftige Stellvertreter Hillebrand ist ,,erst'' 17 Jahre an Bord. Der promovierte Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler fing als Chef der Strategieentwicklung an und ist seit zwei Jahren im Vorstand für Vertrieb, Marketing und E-Commerce verantwortlich. Ausgeprägtes soziales und ökologisches Engagement Künftig will Otto mehr Zeit mit Dingen verbringen, denen er schon immer ein großes Gewicht in seinem Leben gegeben hat. Sein ausgeprägtes soziales und ökologisches Engagement hat dem immerzu freundlich und fast ein wenig schüchtern wirkenden Unternehmer gelegentlich den Titel ,,Hamburger Gutmensch'' eingebracht. Otto fördert Kultur, Wissenschaft und Sport. Die im Zentrum stehende Otto Stiftung für Umweltschutz setzt sich vor allem für die Reduzierung der Kohlendioxid-Emissionen ein. | Weil der Sohn nicht in seine Fußstapfen treten will, muss Michael Otto erstmals Familienfremden die Führung des Hamburger Versandkonzerns anvertrauen. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/versandkonzern-in-fremden-haenden-bei-otto-endet-eine-aera-1.899212 | Versandkonzern in fremden Händen - Bei Otto endet eine Ära | 00/05/2010 |
Der Deutsche-Bank-Chef Ackermann hat erstmals zu der gegen ihn gerichteten Kritik im Kapitalismus-Streit Stellung bezogen und die Debatte damit neu entfacht. SPD-Politiker warfen ihm einen "verengten Blick" vor. Ackermann verwahrte sich gegen die Kritik der SPD an Unternehmern. Die Vorwürfe des SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering seien beschämend, sagte Ackermann, der persönlich Ziel dieser Angriffe war, am Mittwoch auf der Hauptversammlung der Bank. Detailansicht öffnen In Angriffslaune: Josef Ackermann (links) und Franz Müntefering.. (Foto: Fotos: ddp, dpa) SPD-Politiker warfen ihm daraufhin vor, den Kern der Diskussion über die Verantwortung deutscher Unternehmen nicht zu verstehen. Mehr Kontrolle der Vorstände erhofft sich die Regierung durch ein neues Gesetz zur Offenlegung von Manager-Gehältern. Erstmals nahm Ackermann auf der Aktionärsversammlung der Deutschen Bank zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen in der Kapitalismus-Debatte Stellung. Der Vorstandschef griff Müntefering dabei scharf an. Er empfinde es als "beschämend", dass die Kritik auch gegen die Deutsche Bank und ihn persönlich gerichtet sei. "Vokabeln aus der Zeit des realen Sozialismus" "Niemand - zumindest niemand, den ich kenne - will einen Kapitalismus pur und schon gar nicht einen Raubtier-Kapitalismus", sagte der Manager vor etwa 5200 Aktionären in Frankfurt. "Das sind Vokabeln aus der Zeit des realen Sozialismus, und wohin der geführt hat, ist ja bekannt." Die Debatte schaffe keinen einzigen Job. Im Ausland löse sie Kopfschütteln aus und schade damit dem Standort Deutschland. Gut einen Monat nach Münteferings Einlassungen zum Kapitalismus äußerte sich mit Ackermann eine Symbolfigur dieser Debatte. Zugleich erhielt die Diskussion wenige Tage vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen neue Nahrung. Persönlich kritisiert Müntefering hatte den Deutsche-Bank-Chef persönlich kritisiert, weil Ackermann eine Eigenkapitalrendite von 25 Prozent anstrebt und trotz steigender Gewinne die Entlassung von 6400 Mitarbeitern angekündigt hatte. Der Manager bezeichnete den Stellenabbau jetzt als schmerzhaft, aber unumgänglich. Erfolg sei kein Selbstzweck. Die Bank riskiere aber, ohne ihn im globalen Wettbewerb unterzugehen. | Der Deutsche-Bank-Chef Ackermann hat erstmals zu der gegen ihn gerichteten Kritik im Kapitalismus-Streit Stellung bezogen und die Debatte damit neu entfacht. SPD-Politiker warfen ihm einen "verengten Blick" vor. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/kapitalismus-streit-neu-entfacht-ackermann-attackiert-muentefering-1.904870 | Kapitalismus-Streit neu entfacht - Ackermann attackiert Müntefering | 00/05/2010 |
Durch die Hartz-Reformen steigt die Zahl der Menschen ohne Krankenversicherung: Sie verlieren schnell jeden Schutz, und nur wenige Ärzte kümmern sich um sie. Die Geschichte klingt wie aus einem Entwicklungsland. Sein Freund, erzählt der Obdachlose Matthias Schneider (Name geändert), habe sich die Bänder im Fußgelenk gerissen. Normalerweise hätte ihm ein Arzt eine Schiene angelegt. Doch die Freunde haben den Fuß nur gekühlt, mehr nicht. Detailansicht öffnen Wer keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld II oder Sozialhilfe hat, muss sich um die gesetzliche Krankenversicherung selbst kümmern. (Foto: Foto: dpa) Die beiden Obdachlosen sammelten abends das Trockeneis zusammen, das ein Fischladen in den Hinterhof schüttete. "Wenn es kein Eis gab, musste mein Kollege den Fuß in einen See halten." Die Geschichte spielt in München, einer Stadt mit 225 Orthopäden im Telefonbuch. Schneider und sein Freund gingen zu keinem von ihnen. Sie hatten keine Krankenversicherung. So wie viele im Land. 188.000 Menschen ohne jeden Schutz gegen Krankheit zählte das Statistische Bundesamt im Mai 2003 - fast doppelt so viele wie 1995. In diesem Jahr soll die Zahl der Unversicherten sogar auf bis zu 300.000 gestiegen sein: Durch die Hartz-IV-Reform verlieren Jobsuchende ihre gesetzliche Krankenversicherung, wenn sie nicht Anspruch auf Arbeitslosengeld II oder Sozialhilfe haben. Nach drei Monaten ohne Schutz Das betrifft vor allem Arbeitslose, die ohne Trauschein mit einem Partner zusammenleben, der Einkommen oder Vermögen hat. Sie müssen sich selbst um die gesetzliche Versicherung kümmern. Wer das verbummelt, steht nach drei Monaten ohne Schutz da und muss sich um private Absicherung bemühen. Sozialverbände kritisieren das: "Der Gesetzgeber denkt viele Probleme nicht bis zum Ende durch", sagt VdK-Präsident Walter Hirrlinger. Oft sind auch gescheiterte Unternehmer oder klamme Kioskbesitzer betroffen, welche die Prämien ihrer Privatversicherung nicht mehr zahlen können. Unversicherte müssen für ihre Therapie selbst aufkommen. Wer das nicht kann, für den ist Deutschland eine Medizin-Wüste. Der wird nur behandelt, wenn er in Lebensgefahr ist. Oder er muss eine der wenigen Oasen in der Medizin-Wüste finden - großzügige Ärzte oder Hilfswerke, die eigentlich für Obdachlose oder Menschen ohne Aufenthaltserlaubnis gedacht sind. Fast wie bei anderen Ärzten Zum Beispiel die Wohnungslosen-Praxis von Barbara Peters-Steinwachs in einem Münchner Unterkunftsheim. Hier sieht es fast aus wie bei anderen Ärzten: Ein Wartezimmer mit Medizinzeitschriften und der Tageszeitung vom Vortag, Janosch-Zeichnungen an der Wand, am Ende des Flurs eine Theke. Nur tragen die Patienten hier oft speckige Jeansjacken oder haben eine Fahne. Dreimal pro Woche fährt die Ärztin mit einem zur Praxis umgebauten Krankenwagen durch die Stadt und untersucht Obdachlose. Viele von ihnen könnten ihre Lage selbst verbessern: Sie haben Anspruch auf Stütze und damit auf Krankenversicherung. Aber sie stellen keinen Antrag, weil sie Ämtern misstrauen oder sich schämen. Viele wüssten auch nicht, dass man nach ein paar Monaten ohne Versicherung nur schwer eine neue Kasse finde, sagt Peters-Steinwachs. Spezialärzte sind noch seltener Allgemeinmediziner, die Unversicherte behandeln, gibt es wenige. Spezialärzte sind noch seltener. Ein Problem, das Irene Frey-Mann gut kennt. "Ich versuche, viel selber zu machen", sagt die Leiterin der zweiten Münchner Wohnungslosen-Praxis im Kloster St. Bonifaz. "Wenn ich etwas nicht weiß, schildere ich den Fall einem Kollegen vom Fach. Der sagt mir dann, was er machen würde." An der Tür zum Wartezimmer hängt ein Zettel: "Hier werden auch Patienten behandelt, die die 10 Euro Praxisgebühr nicht bezahlen können." Gegenüber gibt es Duschen, eine Etage darüber Gratis-Suppe. "Eigentlich wollte ich in die Entwicklungshilfe", sagt Frey-Mann. "Die Arbeit hier kommt einem ein bisschen ähnlich vor." | Durch die Hartz-Reformen steigt die Zahl der Menschen ohne Krankenversicherung: Sie verlieren schnell jeden Schutz, und nur wenige Ärzte kümmern sich um sie. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/hartz-iv-hauptsache-nicht-krank-1.898800 | Hartz IV - Hauptsache, nicht krank | 00/05/2010 |
Die Postbank-Aktie, die am 21. Juni erstmals an der Börse gehandelt werden soll, wird von diesem Montag an in einer Spanne von 31,50 bis 36,50 Euro zur Zeichnung angeboten. Darauf verständigten sich am Sonntagnachmittag der Verkäufer Post mit den Vertretern des zuständigen Bankenkonsortiums. Postchef Klaus Zumwinkel, der in den zurückliegenden Monaten mehrfach den Börsenwert der Postbank auf rund sechs Milliarden Euro beziffert hatte, zeigte sich nach Bekanntgabe der Preisspanne erfreut über die nach seiner Einschätzung "gute Resonanz" seitens der Investoren, mit denen die Mitglieder des Konsortiums unter der Führung von Deutscher Bank und Morgan Stanley im Rahmen der Vorvermarktung des Angebots Gespräche geführt hatten. Zumwinkel: "Die Rückmeldungen überzeugen uns, dass die nun gefundene Preisspanne die richtige ist." Die Postbank sei ein "solides und wachstumsorientiertes Investment", unterstrich Zumwinkel. Diese Einschätzung sei der Post in den vergangenen Wochen eindrucksvoll durch das Vor-Marketing, die Marktforschung und durch die Research-Berichte der Analysten bestätigt worden. Starker Preisdruck Nach den Turbulenzen, die die Deutsche Bank durch ihr eigenes Übernahmeinteresse ausgelöst hatte, war die Festsetzung des Kaufangebots mit Spannung erwartet worden. Die "Schmerzgrenze" der Post, so hatten die meisten Analysten getippt, werde bei einem Preis zwischen 29 und 30 Euro liegen, was einem Börsenwert von 4,7 bis 4,9 Milliarden Euro und damit in etwa dem derzeitigen Buchwert der Postbank entsprochen hätte. Bei der Fixierung des unteren Punktes war von einer Spanne zwischen 25 und 28 Euro die Rede. Beobachter glauben, institutionelle Anleger hätten auf diese Weise den Preis für die neuen Aktien zu drücken versucht. Maximal 82 Millionen Aktien Insgesamt veräußert die Post mit maximal 82 Millionen Aktien rund die Hälfte des Aktienkapitals der Postbank. Privatanleger, die diesmal nicht im Fokus des Verkäuferinteresses stehen, müssen dabei mindestens 20 Stück für etwa 600 Euro zeichnen. Gegenüber institutionellen Anlegern werden Privatanleger jedoch bevorzugt berücksichtigt, sofern sie am 5. Mai und an dem Tag, an dem sie ihr Kaufangebot abgeben, ein Wertpapierdepot bei der Postbank geführt haben. | Die Postbank-Aktie, die am 21. Juni erstmals an der Börse gehandelt werden soll, wird von diesem Montag an in einer Spanne von 31,50 bis 36,50 Euro zur Zeichnung angeboten. Darauf verständigten sich am Sonntagnachmittag der Verkäufer Post mit den Vertretern des zuständigen Bankenkonsortiums. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/zeichnungsspanne-postbank-aktie-kommt-teurer-als-erwartet-1.905416 | Zeichnungsspanne - Postbank-Aktie kommt teurer als erwartet | 00/05/2010 |
Der Sieger im Wettstreit der Systeme muss seine Krisenfestigkeit noch beweisen. (SZ vom 21.06.03) - Irgendwie spüren viele Leute, dass etwas nicht in Ordnung ist, wenn die Renten um ein Prozent, Vorstandsbezüge aber um 120 Prozent steigen. Detailansicht öffnen Aktivisten der linken Szene demonstrieren vor der Frankfurter Börse gegen den Kapitalismus. (Foto: dpa) Deswegen stellen sie nicht gleich den Kapitalismus in Frage, weil es ihnen ziemlich gleichgültig ist, unter welchem System sie leben. Hauptsache, es geht ihnen gut. Es gibt ja auch viele Beispiele dafür, dass der Kapitalismus erfolgreich ist. Ein besonders lehrreiches war der Irak-Krieg. Sein schnelles Ende ist nicht nur der amerikanischen Armee, sondern auch dem amerikanischen Wirtschaftssystem zu danken. Denn nur ein steinreiches Land kann sich eine so perfekte, mit modernster Technik bestückte Kriegsmaschine leisten. Wohlstand durch kapitalistische Prinzipien Das in den Vereinigten Staaten so konsequent wie nirgendwo sonst auf der Welt praktizierte System wird eben Kapitalismus genannt. Und wo immer in der Welt sich nach dem Zweiten Weltkrieg breiter Wohlstand durchgesetzt hat, wurden kapitalistische Prinzipien angewandt: freier Wettbewerb, Risikobereitschaft, Rücksichtslosigkeit - letztere vielleicht kaschiert durch soziale Trostpflaster. Was ist die deutsche Realität? Das Land laviert an der Grenzlinie zwischen Stagnation und Rezession. Viereinhalb Millionen Menschen sind arbeitslos. Die im Dax versammelte Crème der deutschen Wirtschaft ist, gemessen an den Börsenkursen, nur noch ein Drittel dessen wert, was sie vor drei Jahren war. Millionen Kleinaktionäre haben viel Geld verloren. Die Zahl der Pleiten erreicht Rekordhöhen, für die Sanierung gefährdeter Firmen zahlt meist die Belegschaft. Liegt dies alles an unterbliebenen Reformen der sozialen Sicherungssysteme, an überregulierten Märkten, an den hohen Lohnkosten? Zu viel oder zu wenig Kapitalismus? Sind die kapitalistischen Regeln zu wenig konsequent angewendet worden, oder gilt das Gegenteil? Sind sie überfordert, wenn massive Störungen die Weltwirtschaft erschüttern? Ernste wirtschaftliche und soziale Probleme gibt es ja auch in den Vereinigten Staaten, ganz zu schweigen von Japan. Als im Sommer vergangenen Jahres Finanzskandale, von Enron bis Xerox, publik wurden, entdeckten US-Zeitungen ein "Watergate der amerikanischen Wirtschaft" (New York Times), einen "Wurm im Kern des Kapitalismus" (Washington Post) und "Ein Versagen des Systems" (Fortune). Der Professor vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) und Starautor, Noam Chomsky, sieht drängende Probleme vernachlässigt: marodes Gesundheits- und Bildungssystem, Obdachlosigkeit, Arbeitslosigkeit, Kriminalität, Verfall der Innenstädte. Erstaunlicherweise wird in Europa, wo linke, sozialdemokratische Vorstellungen zwar im Rückzug, aber immer noch fest verankert sind, das System weit weniger angegriffen. Kapitulation vor den Fakten In der deutschen Politik geschieht dies allenfalls aus der zweiten Reihe (Oskar Lafontaine), im rot-grünen Lager herrscht weitgehende Waffenruhe: aus Kapitulation vor den Fakten - siehe ein Prozent Rentenerhöhung - vielleicht auch, weil die Linke kein erfolgreicheres System anzubieten hat. Sinn jeden Wirtschaftens ist es, oder sollte es sein, den Menschen gleiche Chancen, einer möglichst großen Zahl möglichst viel Lebensqualität im weiteren Sinne zu sichern und dabei die begrenzten Ressourcen unseres Lebensraumes zu schonen. Vermag dies der Kapitalismus? Im globalen Wettbewerb werden die fortgeschrittenen Staaten ihre Produktivität immer stärker steigern müssen, um mit den Billigländern konkurrieren zu können. Konzentration der Arbeit Die Folge wird sein: ständig wachsende Konzentration der Arbeit auf immer weniger hoch bezahlte Spezialisten: Facharbeiter, Ingenieure, Wissenschaftler, Lehrkräfte, Juristen, Berater. Für den immer größer werdenden Rest bleiben minder bezahlte Arbeiten, die sich nicht rationalisieren lassen. Wird der Kapitalismus an seinem Sieg scheitern, wie der Ökonom Joseph Schumpeter in den vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts argwöhnte? Daran, dass die Gesellschaft materiell so reich ist wie nie zuvor und gleichzeitig arm an Arbeit? Der Markt wird alles zum Besten regeln, sagen die Neoliberalen. Ihr Schutzpatron, der schottische Ökonom und Moralphilosoph Adam Smith, erfand das Bild von der "unsichtbaren Hand", die dafür sorgt, dass der Eigennutz unbeabsichtigt zugleich die Wohlfahrt des Gemeinwesens fördert. Das Gemeinwesen Weltbevölkerung steht im 21. Jahrhundert vor zwei globalen Herausforderungen: dem zunehmenden Wohlstandsgefälle zwischen Nord und Süd (Stichwort: Hunger) und der Bedrohung der natürlichen Lebensgrundlagen (Klimawandel, Wassermangel). Herausforderungen nicht gelöst Die unsichtbare Hand hat diese Herausforderungen nicht gelöst. Vermutlich deswegen, weil es die Hand nicht gibt. Es ist das Kreuz des Kapitalismus: Bei vielen Entscheidungen mit sozialen und ökologischen Folgen ist der Markt blind, weil sich diese nicht in Preisen ausdrücken lassen. Was, zum Beispiel, ist und was kostet mehr Gerechtigkeit in einer Gesellschaft? Im Wettstreit der Systeme hat der Kapitalismus gesiegt. Dass er krisenfest und menschenfreundlich ist, muss er noch beweisen. | Der Sieger im Wettstreit der Systeme muss seine Krisenfestigkeit noch beweisen. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/der-kapitalismus-erfolgreich-aber-nur-bedingt-human-1.906868 | Der Kapitalismus - Erfolgreich - aber nur bedingt human | 00/05/2010 |
Der Discounter hat erkannt, dass das Bestehen auf Barzahlung für Verbraucher nicht mehr zeitgemäß ist. Ab 2005 wird auch die EC-Karte akzeptiert. Eine der letzten kartenfreien Zonen im deutschen Handel fällt: Beim Lebensmittel-Discounter Aldi-Nord sollen Kunden von nächstem Jahr an mit EC-Karte zahlen können. Detailansicht öffnen An der Aldi-Kasse werden künftig auch bargeldlose Zahlungsvorgänge abgewickelt. (Foto: Foto: AP) Die Umstellung werde noch in der ersten Jahreshälfte erfolgen, berichtet die Bild-Zeitung unter Berufung auf Quellen im Management des Essener Konzerns. Aldi-Süd, die Schwester mit Sitz in Mülheim an der Ruhr, plane, schnell nachzuziehen. Eine Sprecherin von Aldi-Nord bestätigte gegenüber der Süddeutschen Zeitung, dass das Unternehmen Kassen mit Karten-Lesegeräten in zwei Filialen teste. Probephase bereits angelaufen Aus Branchenkreisen heißt es, die Probephase sei vor acht Wochen in zwei Standorten in Essen und Bochum-Wattenscheid angelaufen. Die Discounterkette setzt auf "Electronic Cash". Bei dem Verfahren gibt der Käufer nach Lesen der Karte seine Geheimzahl ein und bestätigt die Abbuchung. Die Kosten liegen bei rund einem Prozent des jeweiligen Kundenumsatzes, schätzt Horst Rüter, Bereichsleiter Zahlungssysteme beim Euro-Handelsinstitut in Köln. Reaktion auf Lidl Mit der Aufrüstung reagiert Marktführer Aldi auf seinen schärfsten Konkurrenten Lidl aus Neckarsulm. Lidl habe bereits vor einem Jahr Electronic Cash in allen deutschen Filialen eingeführt, sagt Rüter. Die Discountgiganten stehen in einem erbitterten Verdrängungswettbewerb. Nachdem sie lange Zeit Jahr um Jahr Marktanteile hinzugewinnen konnten und mittlerweile 40 Prozent aller Lebensmittel verkaufen, droht nun Stagnation. Die beiden Aldi-Schwestern erzielten im vergangenen Jahr mit 3900 Geschäften 25,7 Milliarden Euro Umsatz, wogegen Lidl bei 2500 Filialen nur auf 9,7 Milliarden Euro kam. Umsatz abgenommen Doch Lidl wachse schneller, schätzen Branchenbeobachter. Im Jahr 2003 habe Lidl dem Platzhirschen 156 Millionen Euro Umsatz abgenommen. Es sei Teil einer neuen Wachstums-Strategie der Billiganbieter, dass sie nun Käufer mit Karte zahlen lassen, sagt Susanne Eichholz-Klein, Projektleiterin im Bereich Handel der Kölner BBE-Unternehmensberatung: "Das reine Preisargument zieht nicht mehr so gut. Bequemlichkeit wird wichtiger Den Kunden wird Bequemlichkeit und das Einkaufserlebnis wichtiger." Die Discounter würden klassischen Supermärkten mit breitem Sortiment ähnlicher, um diesen bei Produkten mit größerer Marge Marktanteile abzuluchsen. So bieten sie inzwischen Kosmetik, frische Fruchtsäfte, ungewöhnliche Wurst- und Käsesorten und mehr Auswahl bei Obst und Gemüse an. Lidl sei im Discountbereich häufig der Vorreiter, Aldi ziehe nach: Die Neckarsulmer haben früher als Aldi verpacktes Frischfleisch angeboten. Und bei Lidl können Kunden meist ganz bequem abends bis acht Uhr einkaufen - auch hier folge der Marktführer nun dem Konkurrenten, sagt die BBE-Expertin. | Der Discounter hat erkannt, dass das Bestehen auf Barzahlung für Verbraucher nicht mehr zeitgemäß ist. Ab 2005 wird auch die EC-Karte akzeptiert. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/bargeldlos-aldi-kunden-koennen-bald-mit-karte-zahlen-1.898450 | Bargeldlos - Aldi-Kunden können bald mit Karte zahlen | 00/05/2010 |
Feierstimmung an den US-Börse: Weil die befürchtete Sommerflaute im Einzelhandel ausgeblieben ist, zogen vor allem die Aktien der Einzelhandelsaktien stark an. Der US-Leitindex Dow Jones schloss daraufhin auf Rekord. Doch der Dow Jones, der um 2,09 Prozent auf 13.861,73 Punkte zulegte, war nicht das einzige Börsenbarometer, das einen neuen Rekord aufstellte: Auch der breiter gefasste Standard & Poor's-500-Index, der die Kursentwicklung der 500 wichtigsten US-Unternehmen widerspiegelt, festigte sich um 1,91 Prozent auf 1547,70 Punkte. Das war ebenfalls ein neuer Höchststand. Detailansicht öffnen Händler an der Wall Street. (Foto: Foto: dpa) Der technologielastige Nasdaq-Index stieg um 1,88 Prozent auf 2701,73 Punkte. Die Wall Street war von besser als prognostizierten Verkaufszahlen großer US-Einzelhandelskonzerne im Juni beeindruckt. Befürchtungen bewahrheiten sich nicht Die Kurse von Einzelhandelsaktien wie Wal-Mart und Target legten kräftig zu. Die Analysten hatten teilweise eine schlimme Sommerflaute im Einzelhandel befürchtet, die sich nicht bewahrheitet hatte. Sehr schwache US-Außenhandelszahlen im Mai ließen den Markt unbeeindruckt. Das amerikanische Haushaltsdefizit schrumpft, aber auch dies war kein Marktfaktor. Die Übernahmespekulationen wurden durch eine großzügige Kaufofferte von 38,1 Milliarden Dollar für den kanadischen Aluminiumkonzern Alcan durch den internationalen Bergwerkskonzern Rio Tinto verschärft. Rio Tinto übertrifft Alcoas Offerte für Alcan Damit hat Rio Tinto ein Alcan-Kaufangebot des amerikanischen Aluminiumherstellers Alcoa von rund 28 Milliarden Dollar weit übertroffen. Plötzlich stand Alcoa ebenfalls als potenzieller Übernahmekandidat da. Die Alcan- und Alcoa-Aktien schossen in die Höhe, während Rio Tinto etwas an Boden verlor. Auch andere Metall- und Rohstoffwerte waren gefragt. Der weltgrößte Zigarettenanbieter Altria, der Baumaschinenhersteller Caterpillar, ExxonMobil, der Computerkonzern Hewlett-Packard, der Chip-Branchenführer Intel und das amerikanische Pharmaunternehmen Merck legten stark zu. 30-jährige US-Staatsanleihen verloren einen halben Punkt und rentierten sich mit 5,22 Prozent. Der Euro legte weiter auf 1,3781 Dollar zu gegenüber 1,3756 Dollar am Vortag. | Feierstimmung an den US-Börse: Weil die befürchtete Sommerflaute im Einzelhandel ausgeblieben ist, zogen vor allem die Aktien der Einzelhandelsaktien stark an. Der US-Leitindex Dow Jones schloss daraufhin auf Rekord. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/aktienmaerkte-dow-jones-schliesst-auf-rekordhoch-1.901296 | Aktienmärkte - Dow Jones schließt auf Rekordhoch | 00/05/2010 |
Bei der deutschen Fluggesellschaft zeigen sich erste Anzeichen für das Ende der Krise: Zum 1. September wird die Arbeitszeitverkürzung beim Bodenpersonal der deutschen Fluggesellschaft aufgehoben. Die wöchentliche Arbeitszeit der 12.000 Beschäftigten war seit Mitte April in zwei Stufen um 2,5 Stunden bei gleichzeitigem Lohnverzicht reduziert worden. Lufthansa-Sprecher Thomas Ellerbeck bestätigte am Donnerstag einen entsprechenden Bericht der Financial Times Deutschland. Auch in diesem Jahr keine schwarze Zahlen Die Nachfrage nach Flügen steige wieder an, trotzdem bleibe die Erlöslage bei der Lufthansa schwierig, sagte der Sprecher weiter. Im Asienverkehr habe die Lufthansa ihre Kapazitäten bereits erhöht, auch auf der Nordatlantik-Route gebe es Hoffnungszeichen. Die Prognose, dass die Lufthansa in diesem Jahr keine schwarzen Zahlen schreibe, bleibe aber unverändert bestehen. Bereits in den vergangenen Wochen hatte die Lufthansa in einigen Bereichen Ausnahmen von der Arbeitszeitverkürzung auf 35 Stunden pro Woche gemacht. Derzeit sind dem Sprecher zufolge noch rund 4000 Mitarbeiter betroffen. Die Arbeitszeitverkürzung war durch eine Klausel im Tarifvertrag möglich geworden. Zudem gibt es beim Kabinenpersonal weiterhin Kurzarbeit. 70 Maschinen wurden zeitweise stillgelegt, davon wurden vier in jüngster Zeit wieder in Betrieb genommen. Die Lufthansa hatte nach tiefroten Zahlen im ersten Quartal von April bis Juni einen operativen Gewinn von 65 Millionen Euro erzielt. Unter dem Strich lag das Konzernergebnis aber weiterhin mit minus 34 Millionen Euro im roten Bereich. Im gesamten ersten Halbjahr fiel bei einem Umsatz von 7,6 Milliarden Euro ein Verlust von 392 Millionen Euro an. Der Konzern beschäftigt insgesamt rund 90 000 Menschen. Wieder Flüge nach Rio Nach zwei Jahren Unterbrechung fliegt die Lufthansa künftig wieder nach Rio de Janeiro. Vom 8. Dezember an steht täglich ein Flug von Frankfurt aus mit Zwischenstopp in Sao Paulo auf dem Programm, wie die Lufthansa am Donnerstag mitteilte. Die Strecke hatte die Lufthansa vor zwei Jahren aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt. Ob sie auch nach dem Ende des Winterflugplans Ende März weitergeführt wird, ist noch nicht entschieden. | Bei der deutschen Fluggesellschaft zeigen sich erste Anzeichen für das Ende der Krise: Zum 1. September wird die Arbeitszeitverkürzung beim Bodenpersonal der deutschen Fluggesellschaft aufgehoben. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/zurueck-zur-vollbeschaeftigung-lufthansa-im-aufwaertstrend-1.898320 | Zurück zur Vollbeschäftigung - Lufthansa im Aufwärtstrend | 00/05/2010 |
Der Medienkonzern denkt über eine eigene Marke nach, will aber kein Netz betreiben. Dies wurde auf der Jahrespressekonferenz bekannt. Bei der Bilanzvorlage in Berlin überraschte Bertelsmann-Chef Thielen mit einer klaren Aussage zu seiner Nachfolgeregelung. "Der Aufsichtsrat hat sich bereits damit beschäftigt", sagte der 62-jährige Manager, der seit Sommer 2002 Vorstandsvorsitzender ist und im August 2007 sein Amt abgeben will. Detailansicht öffnen Bei Bertelsmann geht es wieder aufwärts. (Foto: Foto: ddp) Der Nachfolger komme aus dem eigenen Haus. "Wir haben sehr gute Leute im Konzern. Es wäre von außen verdammt schwer, diese zu übertreffen", stellte er fest. Die Entscheidung werde im ersten Quartal 2007 verkündet. Namen nannte Thielen nicht. Die Kandidaten rekrutieren sich aber aus dem Bertelsmann-Vorstand. Zuvor hatte sich Finanzvorstand Siegfried Luther zum Börsengang geäußert, der erstmals im Mai 2006 möglich ist. Sein Unternehmen sei vorbereitet, der Minderheitseigner Groupe Bruxelles Lambert (GBL) des belgischen Investors Albert Frère könne dann sein Anteilspaket von 25,1 Prozent verkaufen. Kein Interesse an GBL-Anteilen "Mir sind aber keine Signale bekannt, dass GBL an die Börse gehen wird", sagte der 60-jährige Luther, der aus Altersgründen zum Jahresende aufhört. Er schloss aus, dass der Medienkonzern die Anteile erwerben wird. Der Kaufpreis sei zu hoch, die notwendige Verschuldung würde "alles weitere eingrenzen". Die Familie des Bertelsmann-Patriarchen Reinhard Mohn will die mit GBL vereinbarte Rückkaufoption ebenfalls nicht nutzen. Zudem gab der Medienkonzern bekannt, über eine eigene Mobilfunkmarke nachzudenken. Allerdings wolle Bertelsmann kein eigenes Netz betreiben, sagte Hartmut Ostrowski, Chef der Mediendienstleistungstochter Arvato während der Jahrespressekonferenz. Das Unternehmen sei auf alle vier Mobilfunkbetreiber in Deutschland - T-Mobile, Vodafone, E-Plus und O2 - zugegangen. Einige seien flexibler als andere, sagte Ostrowski lediglich. "Wir schalten einen Gang höher" Thielen kündigte für den Konzern einen Wachstumskurs an. "Wir haben im vergangenen Jahr wieder Gas gegeben, jetzt schalten wir einen Gang höher", sagte er. Dies gelte für alle sechs Unternehmensbereiche. Der Vorstandschef kündigte für dieses Jahr zwei bis drei größere Akquisitionen an: "Wir verhandeln mit Übernahmekandidaten." Finanzchef Luther nannte einen finanziellen Spielraum von 1,5 Milliarden Euro, "den wir jederzeit investieren können." | Der Medienkonzern denkt über eine eigene Marke nach, will aber kein Netz betreiben. Dies wurde auf der Jahrespressekonferenz bekannt. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/wachstumskurs-bertelsmann-prueft-einstieg-ins-mobilfunkgeschaeft-1.899297 | Wachstumskurs - Bertelsmann prüft Einstieg ins Mobilfunkgeschäft | 00/05/2010 |
Seit einem Jahr ist Aldi in der Schweiz - und stößt dort auf geteilte Zustimmung. Viele Kunden fremdeln, andere freuen sich über die günstigeren Preise. Ruth Rämi schaut grimmig, keinesfalls wie eine glückliche Kundin. Das liegt nicht nur am Lärm, mit dem die Teerwalze über den Max-Bill-Platz im Züricher Stadtteil Oerlikon rumpelt. Rund um den neuen Geschäftsblock mit Reinigung und Friseur soll alles schöner werden. Detailansicht öffnen Aldi-Suisse-Sprecher Sven Bradke bei der Eröffnung der ersten vier Schweizer Aldi-Filialen. (Foto: Foto: AP) Ginge es nach Rämi, müsste sich auch die Aldi-Filiale im Erdgeschoss herausputzen. "Die Waren sind ungepflegt präsentiert", sagt die Dame mittleren Alters. Sie trägt einen Blazer in dezentem Beige. Die Hose passt farblich perfekt. Andere Kundinnen im Aldi sind nicht so schick gekleidet. Rämi ist zuvor noch nie beim deutschen Discounter gewesen, obwohl Aldi am 27. Oktober vor einem Jahr die ersten Filialen in der Schweiz eröffnete. Sie ist entsetzt, dass die meisten Waren auf Paletten liegen statt in Regalen. Nur bei den Blumensträußen wird sie einen Moment schwach. Sie lässt die Rosen aber im Ständer stecken. Halb verwelkte Blumen "Die Blumen sehen aus, als ob sie verwelkt sind, bis ich zu Hause bin", schimpft Rämi. Nach dem ersten Besuch ist ihr klar: "Zu Aldi gehe ich nicht mehr so schnell." Rämi steht mit ihrer Abneigung gegen die Paletten-Kultur nicht allein da. Viele Schweizer erzählen, dass sie lieber in den Supermärkten von Migros und Coop einkaufen. Die beiden Filialisten heimsen zwei Drittel des Schweizer Einzelhandelsumsatzes von 40 Milliarden Franken ein. Dagegen ist Aldi mit seinen 18 Filialen und einem geschätzten Jahresumsatz von 190 Millionen Franken eine kleine Nummer. Thomas Rudolph, Leiter des Instituts für Marketing und Handel an der Universität St. Gallen, vermutet, "dass es für Aldi in der Schweiz nicht so gut läuft, jedenfalls wenn man das Geschäft am Erfolg in Deutschland misst". Spärlich belegte Parkplätze Er stützt seine Meinung auf Beobachtungen. Rudolph erzählt von teilweise spärlich belegten Parkplätzen vor den Filialen und von halb gefüllten Einkaufswagen. Seit im April, nur sechs Monate nach der Eröffnung, Ulrich Born, der Verwaltungsratspräsident und Schweizer Geschäftsführer von Aldi ging, teilen einige Beobachter die Skepsis von Rudolph. Offiziell heißt es, Born sei aus persönlichen Gründen ausgeschieden. Seine Aufgaben erledigen nun Armin Burger und Roman Heini. | Seit einem Jahr ist Aldi in der Schweiz - und stößt dort auf geteilte Zustimmung. Viele Kunden fremdeln, andere freuen sich über die günstigeren Preise. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/deutscher-discountmarkt-in-der-schweiz-zu-aldi-gehe-ich-nicht-mehr-so-schnell-1.902494 | "Deutscher Discountmarkt in der Schweiz - ""Zu Aldi gehe ich nicht mehr so schnell""" | 00/05/2010 |
Der Staatsanwaltschaft liegen nach der Verhaftung des ehemaligen Siemens-Vorstandes Ganswindt Hinweise vor, denen zufolge auch andere Mitglieder der Konzernspitze vom System schwarzer Kassen gewusst haben sollen. Mehrere Beschuldigte haben nach Informationen der Süddeutschen Zeitung bei ihren Geständnissen neben dem am Montag verhafteten früheren Zentralvorstand Ganswindt auch die Namen anderer Spitzenmanager genannt, die von Schwarzgeldkonten oder sogar von Korruptionsvorgängen gewusst haben sollen. Detailansicht öffnen Ein Mann läuft am Siemens-Forum in München vorbei: In der Korruptionsaffäre bei dem Konzern gerät inzwischen die Konzernspitze unter Druck. (Foto: Foto: AP) Entsprechende Angaben machte inzwischen auch Michael Kutschenreuter, der frühere Finanzvorstand der Sparte Telekommunikation (Com). Kutschenreuter hatte nach seiner Verhaftung Mitte November drei Wochen lang geschwiegen, seit Ende vergangener Woche sagt er umfassend aus. Drohung Er soll gegenüber der Staatsanwaltschaft München unter anderem erklärt haben, ein früherer Geschäftspartner aus Saudi-Arabien habe Siemens gedroht, er lege der US-Börsenaufsicht SEC Unterlagen über illegale Provisionszahlungen vor, falls er nach einer von dem Konzern ausgesprochenen Kündigung seines Handelsvertretervertrages nicht großzügig entschädigt werde. Darüber habe er, Kutschenreuter, die Konzernspitze informiert. Der Firma dieses früheren Geschäftspartners hatte Siemens Anfang 2005 38 Millionen Euro gezahlt. Der Konzern erklärte auf Anfrage, das sei ein völlig sauberer Vorgang gewesen, die Anschuldigungen von Kutschenreuter seien ,,unhaltbar''. Schadenersatz verlangt Dieser ehemalige Geschäftspartner habe nach einer im November 2000 ausgesprochenen vorzeitigen Kündigung seines bis Oktober 2003 datierten Vertrages 910 Millionen Dollar Schadenersatz verlangt. In einem Verfahren vor dem Königlichen Schiedsgericht in Saudi-Arabien und nach Einschaltung eines Vermittlers sei ein Betrag von 38 Millionen Euro festgelegt worden. Wegen der Höhe des Betrages sei der Zentralvorstand darüber informiert gewesen. Es gebe keine dunklen Hintergründe. Die Führungsspitze von Siemens bereitet sich in der Affäre offenbar bereits darauf vor, selbst in die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zu geraten und sicherte sich die Hilfe prominenter Strafverteidiger. Kleinfeld gewinnt Ackermann-Verteidiger Konzernchef Klaus Kleinfeld hat den Strafrechtler Klaus Volk gewonnen. Volk war im Mannesmann-Verfahren Verteidiger von Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann. | Der Staatsanwaltschaft liegen nach der Verhaftung des ehemaligen Siemens-Vorstandes Ganswindt Hinweise vor, denen zufolge auch andere Mitglieder der Konzernspitze vom System schwarzer Kassen gewusst haben sollen. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/neue-anschuldigungen-in-schmiergeldaffaere-spuren-bei-siemens-fuehren-in-die-konzernspitze-1.901181 | Neue Anschuldigungen in Schmiergeldaffäre - Spuren bei Siemens führen in die Konzernspitze | 00/05/2010 |
Anfang 2008 führen die ersten deutschen Städte Umweltzonen ein - und damit ein City-Fahrverbot für Autos mit hohen Schadstoffausstoß. Vor allem ältere Nutzfahrzeuge sind dann betroffen. Handel und Handwerk schlagen Alarm. Anwohner profitieren. und Autobranche profitieren. Die Bewohner einiger deutscher Innenstädte können aufatmen. Am 1. Januar 2008 weisen die ersten Städte - darunter Berlin, Hannover, Köln und Stuttgart - Umweltzonen aus. Fahrzeuge mit sehr hohem Schadstoffausstoß dürfen dort nicht mehr fahren. Wie sauber ein Fahrzeug ist, können die Umweltzonen-Wächter an den farbigen Plaketten erkennen, mit denen Autos in vier Schadstoffklassen eingeteilt werden. Einfahrt verwehrt Für ein paar Euro Gebühr geben Werkstätten, Zulassungsstellen und Prüfbetrieben die Plaketten. Dreckschleudern, vor allem Dieselfahrzeugen, die noch nicht einmal die Euro 2 - Norm erfüllen und Benziner ohne geregelten Katalysator, wird das Umweltabzeichen und damit die Einfahrt in bestimmte City-Bereiche verwehrt. Vor allem kleine Handwerksbetriebe und Einzelhändler sehen damit ein ernsthaftes Problem auf sich zurollen. Denn unter den Lasteseln von Klempnern, Gärtnern, Kurieren & Co finden sich jede Menge Altlasten: Viele Nutzfahrzeuge sind zehn Jahre und älter. Von den rund zwei Millionen Transportern, die bundesweit im Einsatz sind, werden rund 40 Prozent keine Schadstoffplakette erhalten, hat der Verkehrsclub Deutschland (VCD) ermittelt. Strengerer Grenzwert für Stickstoffdioxid Doch selbst wer 2008 die Voraussetzungen für die Plakette erfüllt, muss schon 2010 mit neuen Schwierigkeiten rechnen. Dann nämlich tritt auch ein strengerer Grenzwert für Stickstoffdioxid in Kraft. Viele Städte werden daher Fahrverbote noch weiter verschärfen - und voraussichtlich nur noch Autos mit der grünen Plakette in die Umweltzonen lassen. Die Hersteller von Nutzfahrzeugen kann das nur freuen. In den nächsten Jahren dürften die neuen Fahrverbotsregelungen für ein deutliches Umsatzplus sorgen. Dass es schon seit Monaten rund läuft im Nutzfahrzeugsegment, führt der Verband der deutschen Automobilwirtschaft (VDA) allerdings vor allem auf die allgemeine Konjunkturbelebung zurück. "Einen Zusammenhang mit der bevorstehenden Einführung von Umweltzonen können wir momentan noch nicht erkennen", so VDA-Sprecher Eckehard Rotter. Noch schieben viele Betriebe die Erneuerung des Fuhrparks auf die lange Bank. Finanzielle Hilfen bei der Flottenerneuerung Das Geld für derlei Investitionen fehlt. Handels- und Handwerksverbände kritisieren die Einführung der Umweltzonen denn auch scharf, sie sei geschäftsschädigend. Daher will das Bundesumweltministerium gegensteuern und bietet Handwerkern und Gewerbetreibenden finanzielle Hilfestellung bei der Flottenerneuerung an. Entscheidungshilfe beim Transporterkauf will der VCD geben. In einer Broschüre werden zweckmäßige und vor allem umweltschonende Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen Gewicht für jeden Einsatzbereich - vom Klempnerbetrieb bis zum Seniorentransport - aufgeführt. Insgesamt hält der Verkehrsclub 31Transportermodelle für empfehlenswert. Fahrzeuge mit Dieselantrieb werden in der Broschüre nur empfohlen, wenn Rußpartikelfilter serienmäßig eingebaut werden oder zumindest als Option zu haben sind. Diesel nicht immer die beste Wahl Obwohl die Spritkosten geringer und die Motoren durchzugsstark sind, ist ein Diesel nicht immer die beste Wahl, so die VCD-Experten. Wer nur zwei- bis dreimal pro Woche zum Großmarkt fahre, sei mit einem Benziner besser dran. Transporter mit Ottomotor sind günstiger in der Anschaffung - und bei einer relativ geringen Kilometerleitung fallen die höheren Kraftstoffkosten kaum ins Gewicht. Wer sich für einen Diesel entscheidet, sollte im Auge behalten, dass die EU zur weiteren Schadstoffreduzierung bereits die Euro 5- und die Euro 6- Norm beschlossen hat. Werden sie Pflicht, sind Partikelfilter und Stickoxid-Katalysator unerlässlich- was nicht nur den Preis sondern die Wartungskosten in die Höhe treibt. Von der Umstellung auf Biodiesel oder Pflanzenöl rät der VCD entschieden ab. In der Vergangenheit hatten sich die Umrüstungskosten durch die geringeren, steuerbegünstigten Kraftstoffpreise relativ schnell amortisiert. Steuer für Pflanzenöl Doch seit August 2006 wird Biodiesel besteuert, für Pflanzenöl kommt die Steuer 2008. Bis 2012 soll sie auf den vollen Dieselsatz ansteigen. Denn die Bio-Alternativen sind nicht mehr erwünscht, weil sie mit ihrer starken Stickoxid-Produktion neue Umweltprobleme verursachen. Für leichte Nutzfahrzeuge mit einer jährlichen Laufleistung von mehr als 15.000 Kilometern empfiehlt der VCD Transporter mit Erdgasantrieb als wirtschaftliche und saubere Alternative. Auf der Liste der Empfehlenswerten stehen derzeit sechs Modelle von fünf Herstellern. | Anfang 2008 führen die ersten deutschen Städte Umweltzonen ein - und damit ein City-Fahrverbot für Autos mit hohen Schadstoffausstoß. Vor allem ältere Nutzfahrzeuge sind dann betroffen. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/neue-umweltzonen-neue-laster-braucht-das-land-1.889293 | Neue Umweltzonen - Neue Laster braucht das Land | 00/05/2010 |
Manchmal wird es ziemlich laut in Stefan Vosskoetters Büro. Dann sind minutenlang Schreie zu hören. Nicht, weil der Chef der Internetfirma Webnews.de ein Choleriker wäre. Im Gegenteil, er ist ruhig und freundlich, mit seinen Mitarbeitern per du; trägt Jeans, Turnschuhe und Poloshirt und wirkt überhaupt eher wie ein Student als ein Geschäftsführer. "So laufen die hier rum, ts!", sagt Vosskoetter mit gespielter Entrüstung, wenn er einem Kollegen auf dem Flur begegnet, der Shorts, T-Shirt und Socken, aber keine Schuhe trägt. Die wilden Schreie kommen aus der Nachbarschaft: Im Erdgeschoss der alten Druckerei in der Kölner Südstadt ist eine Arztpraxis, die sich auf Schreikinder spezialisiert hat. Darüber liegen die Altbau-Büros, die sich Vosskoetter mit einer Internet-Marktforschungsfirma teilt; nebenan arbeiten Architekten. Alles ist so dicht besetzt, dass jeder Mitarbeiter bei Webnews gerade Platz hat für einen Computer und eine Tasse Kaffee. Zehn Festangestellte gibt es, alle jung, so wie die Firma, die erst im November 2006 gegründet wurde. Paris Hilton sticht Gesundheitsreform Dort tut sich gerade ziemlich viel. Webnews ist ein nutzergenerierter Nachrichtenkanal, eine aktuelle Internet-Presseschau, die sich Quellen wie spiegel.de, sueddeutsche.de oder bild.t-online.de bedient, aber auch Blogs, Videoportale und Fanseiten auswertet. Jeder bei Webnews angemeldete Nutzer kann einen Hinweis auf einen interessanten Artikel, der irgendwo im Netz zu finden ist, einstellen und kommentieren. Die anderen Nutzer bewerten dessen Wichtigkeit nach einem Punktesystem und können selbst den Inhalt kommentieren. So bekommen die Nachrichten eine Rangfolge. Das Ergebnis ist eine subjektiv gefärbte Nachrichten-Hitparade, die sich von einer redaktionellen Auswahl, wie sie etwa sueddeutsche.de trifft, deutlich unterscheidet. Es ist eher eine Art "Best of Internet" als eine Abbildung des Tagesgeschehens. Das Ergebnis ist Boulevardzeitungs-orientiert: Themen wie "Deutschland sucht den Superstar"oder Oliver Pochers Wechsel zu Harald Schmidt sind wichtiger als der G-8-Gipfel. Nachrichten demokratisieren Auf Platz 3, gleich nach der Nahostpolitik und den aktuellen Doping-Geständnissen von Telekom-Radfahrern: "Heidi Klums Topmodel war Nacktmodell!". Wer das Thema anklickt, landet auf der Seite von bild.t-online.de, wo er sich darüber informieren kann, wie die schöne Hana sich mal für einen Fotografen nackig gemacht hat. Ein neues Porno-Video mit Paris Hilton erscheint bei Webnews weit vor der Gesundheitsreformdebatte. Das Handy-Video von Saddam Husseins Hinrichtung landete bei Webnews klar auf Platz eins. "Mir geht es um relevante Inhalte", sagt Stefan Vosskoetter, die Selektion der Fülle an Nachrichten durch die Nutzer sieht er als einen "Mechanismus, der die Nachrichten demokratisiert." Medien zum Mitmachen: Das Vorbild für Webnews.de war digg.com, eine amerikanische Seite, die englischsprachige Internet-Seiten nach interessanten Nachrichten durchforstet und nach dem gleichen Bewertungsprinzip auflistet. "Vielen geht es um Anerkennung" Vosskoetter studierte BWL in Köln, arbeitete für die im Jahr 2000 hoch gehandelte und später tief gefallene Firma Pixelpark, betrieb Marktforschung im Internet und schlug sich eine Weile als freier Berater von Internet-Firmen durch, bis er beschloss, eine eigene Firma zu gründen. Mit einem Businessplan ging er auf Investorensuche. Dabei kam ihm zu Hilfe, dass sich die Stimmung beim Stichwort "Web 2.0" gerade positiv entwickelte. Er bekam Starthilfe vom European Founders Fund, im Januar 2007 stieg der Holtzbrinck-Verlag bei Webnews ein, es folgten eine Handvoll privater Investoren. Wer wie viele Anteile an der Firma hält, mag Vosskoetter nicht verraten, er sagt nur, dass er noch die Mehrheit und somit die Entscheidungshoheit bei Webnews besitzt. Fleißige "Top-User" Dass sich Holtzbrinck und andere Investoren bei Web-2.0-Firmen wie Webnews beteiligen, zeigt vor allem, dass die etablierten Medienkonzerne den Anschluss zur Basis nicht verlieren wollen und sich neue Ideen und Techniken lieber einverleiben, als die Entwicklung zu verpennen. Ob sich damit Geld verdienen lässt, ist schwer zu beurteilen. Über den tatsächlichen Erfolg von Webnews kann man nur spekulieren. Wie hoch die Klickzahlen sind, wird nicht veröffentlicht. "Wir wollen auf jeden Fall ein Massenportal werden," sagt Vosskoetter. Auch inhaltlich wäre das wichtig, denn je mehr Leute sich an Webnews beteiligen, desto objektiver wird die Auswahl der Nachrichten. 35000 registrierte User arbeiten bislang aktiv mit, freiwillig und ohne Bezahlung. Manche beginnen schon um fünf Uhr morgens, Nachrichten einzustellen, andere Nachrichten zu kommentieren und Punkte zu vergeben. Wer besonders fleißig ist, darf sich "Top-User" oder gar "Experte" nennen. Warum betätigen sich so viele Leute ehrenamtlich als Web-Journalisten? "Vielen geht es um Anerkennung, Bewertungspunkte, Feedback", sagt Vosskoetter. Damit das demnächst noch besser funktioniert, sollen sich die User zukünftig besser auf der Webnews-Seite darstellen können, mit Fotos und Videos. Ein Technik-Team arbeitet an Verbesserungen und anspruchsvollerer Graphik. Nebenbei hat Vosskoetter ein Internet-Magazin für Startup-Unternehmen gegründet, www.deutsche-startups.de. Demnächst muss seine Firma umziehen, es wird zu eng in den Räumen der ehemaligen Druckerei. Dann ist auch Schluss mit dem Geschrei. Vorbild Amerika Webnews.de orientiert sich am Vorbild der amerikanischen Nachrichten-Seite digg.com, die Neuigkeiten aus dem Netz auflistet. Digg.com hat sich auf Nachrichten, Videos und Podcasts spezialisiert. Verweise auf Neuigkeiten werden von Benutzern mit Titel, Beschreibung und Kategorie eingestellt und von anderen Benutzern bewertet. Auch andere steigen in dieses Geschäft ein: Google News, das Angebot des US-Suchmaschinenbetreibers Google, listet ebenfalls Meldungen auf, das digitale Poesiealbum Myspace experimentiert mit Nachrichten auf seiner Seite: In einem eigenen Bereich der populären Netzwerk-Seite sollen ausgewählte und von Mitgliedern bewertete Nachrichten anderer Webseiten erscheinen, ähnlich wie bei Digg.com. Myspace hat nach eigenen Angaben 160 Millionen Mitglieder weltweit, dadurch haben die Web-Nachrichten eine hohe Reichweite. Hinter Myspace steht News Corp., das Medienimperium des Australiers Rupert Murdoch. | Auf Webnews.de können Nutzer Meldungen verlinken und bewerten. Während sich Gründer Stefan Vosskoetter "relevante Inhalte" verspricht, gewinnen typische Boulevard-Themen. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/kommentierte-nachrichten-listen-nackte-vor-nahost-1.900555 | Kommentierte Nachrichten-Listen - Nackte vor Nahost | 00/05/2010 |
Forderungen aus dem Bundesfinanzministerium, die öffentlich-rechtlichen Sparkassen für die Übernahme durch Privatbanken zu öffnen, stoßen in den Bundesländern auf harten Widerstand. Sie lehnen es parteiübergreifend ab, in ihren Sparkassengesetzen die Voraussetzung für Verkäufe zu schaffen. (SZ vom 01.12.03) - Jochen Dieckmann, Finanzminister in Düsseldorf, sagte der Süddeutschen Zeitung: "Das Sparkassengesetz in Nordrhein-Westfalen sieht mit Bedacht keine Beteiligungsmöglichkeit von Privatbanken an den Sparkassen vor. Ich will keine Entwicklung fördern, die die Sparkassen in Existenznöte bringt, und das wäre die Folge einer völligen Freigabe von Beteiligungen durch private Investoren." Der SPD-Minister begründet seine harte Haltung damit, dass die Betreuung des Mittelstandes und die Versorgung in der Fläche in erster Linie von den Sparkassen geleistet wird. Es sei noch keine drei Jahre her, da hätten die großen Privatbanken den kleinen Sparer nicht mehr als Kunden haben wollen. Auch der hessische Wirtschaftsminister Alois Rhiel (CDU) meint: "Die Sparkassen müssen ihren öffentlich-rechtlichen Charakter behalten. Ich befürworte die Dreigliedrigkeit des deutschen Bankenwesens, um die vielfältige Landschaft der Kreditinstitute, den Wettbewerb und die flächendeckende Versorgung zu sichern, damit für private Kunden und mittelständische Unternehmen bestmögliche Angebote gewährleistet sind." Keine Mehrheit Ein Entwurf der hessischen FDP zur Privatisierung von Sparkassen hat vor wenigen Tagen in Wiesbaden keine Mehrheit gefunden. Hans-Artur Bauckhage (FDP) formuliert als Wirtschaftsminister in Rheinland-Pfalz am vorsichtigsten : "Die Sparkassen befinden sich derzeit in einer Konsolidierungsphase, auch bedingt durch den Wegfall von Anstaltslast und Gewährträgerhaftung im Jahr 2005. In dieser kritischen Phase müssen die über das bestehende Modell hinaus gehenden Optionen sehr sorgfältig geprüft werden. Prinzipiell bin ich für alles offen, was die Sparkassen stärkt. Wichtig ist die gewährleistete Versorgung mit Bankdienstleistungen im ländlichen Raum und für die mittelständischen Betriebe". Der Einstieg in die Privatisierung ist nach geltenden Sparkassengesetzen schon in mehreren Bundesländern möglich. In Rheinland-Pfalz etwa können sich private Investoren als stille Gesellschafter mit bis zu 49 Prozent des haftenden Eigenkapitals beteiligen und erhalten Sitz und Stimme im Verwaltungsrat. In der Praxis geschieht das aber nur in Ausnahmefällen. Offensichtlich gar kein Mangel Die Sparkassenorgane müssen der Hereinnahme privaten Kapitals zustimmen. Im Mainzer Wirtschaftsministerium zieht man daraus den Schluss, dass es den Sparkassen offensichtlich gar nicht an Eigenkapital mangelt. Die Bundesländer machen mit ihrer Ablehnung zur Sparkassenprivatisierung Front gegen die Bundesregierung. Caio Koch-Weser, Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, hatte "eine stärkere Beteiligung privaten Kapitals im gesamten Kreditgewerbe" sowie "alternative Rechtsformen der öffentlich-rechtlichen Banken" gefordert. Bei Ländern, Gemeinden und Sparkassenorganisationen sorgte diese Äußerung für große Verärgerung. Koch-Weser war als Treuhänder für die Länder und Gemeinden aufgetreten, als die Bundesregierung in Brüssel über staatliche Garantien für den öffentlich-rechtlichen Bankensektor verhandelte. Während die Staatsgarantien der Landesbanken fallen, wurden den Sparkassen eine Bestandsgarantie zugesichert und ihr öffentlich-rechtlicher Auftrag bestätigt. Beispiel Stralsund "Wir haben auf Rechtssicherheit gebaut und sehen uns getäuscht", heißt es im Sparkassenlager. Abgesehen von Ausnahmen, wie dem Fall Stralsund, zeigen bisher weder Länder noch Gemeinden Neigung zum Ausstieg aus dem öffentlich-rechtlichen Bankenwesen. Dafür ist ihnen die Stellung der Sparkassen in strukturschwachen Regionen zu wichtig. Meistens handelt es sich um den größten Arbeitgeber, Ausbilder, Investor und Steuerzahler in der Fläche. Finanzkräftige Investoren sind eher an großen Sparkassen interessiert, die in Ballungsräumen gute Renditen erzielen. | Forderungen aus dem Bundesfinanzministerium, die öffentlich-rechtlichen Sparkassen für die Übernahme durch Privatbanken zu öffnen, stoßen in den Bundesländern auf harten Widerstand. Sie lehnen es parteiübergreifend ab, in ihren Sparkassengesetzen die Voraussetzung für Verkäufe zu schaffen. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/streit-um-privatisierung-laender-lehnen-verkauf-von-sparkassen-ab-1.903925 | Streit um Privatisierung - Länder lehnen Verkauf von Sparkassen ab | 00/05/2010 |
Nach scharfer Kritik aus Politik und Wirtschaft hat Brüssel klargestellt, dass es derzeit keine Pläne zur Abschaffung der nationalen Gütesiegel gebe. Die Sprecherin von EU-Handelskommissar Pascal Lamy sagte in Brüssel, die Zeit für eine Entscheidung zur Einführung eines Labels "Made in the EU" sei noch nicht reif. Wenn überhaupt, werde die Behörde einen Vorschlag dazu erst nach der Befragung von Industrie, Verbraucher und Mitgliedstaaten vorlegen. Ende Februar oder Anfang März werde die Behörde eine Liste mit Optionen vorlegen, sagte Sprecherin Arancha Gonzales weiter. Mehrere Möglichkeiten Eine Möglichkeit sei, dass es ein EU-Label neben den nationalen Herkunftsbezeichnungen gebe. Der EU-Kommission sei von mehreren Seiten, darunter der italienischen Regierung, der Vorschlag unterbreitet worden, die Herkunftsbezeichnung "Made in the EU" einzuführen. Es werde derzeit geprüft, ob dies etwa im Kampf gegen Produktpiraterie sinnvoll sei. Sei dies der Fall, müsse geprüft werden, wie die neue Bezeichnung umgesetzt werden könne, sagte Gonzales. Warnung der Industrie Zuvor hatte unter anderem der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, Michael Rogowski, in der Bild-Zeitung vor einem generellen Verbot des deutschen Produktsiegels gewarnt. "Wir sind stolz auf unser Qualitätssiegel. Eine verpflichtende EU-Kennzeichnung lehnen wir ab", wurde er zitiert. Kritik an Plänen Auch der Präsident des Bundesverbandes Groß- und Außenhandel, Anton Börner, kritisierte die EU-Pläne. "Kunden in aller Welt schätzen die Spitzen-Qualität deutscher Produkte. Deshalb lassen wir uns unser Gütesiegel nicht aus der Hand nehmen", zitierte ihn das Blatt. Auch Politiker von Bundesregierung und Opposition in Berlin kritisierten die vermeintlichen Pläne zur Abschaffung des Gütesiegels. | Nach scharfer Kritik aus Politik und Wirtschaft hat Brüssel klargestellt, dass es derzeit keine Pläne zur Abschaffung der nationalen Gütesiegel gebe. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/eu-kommission-made-in-germany-soll-bleiben-1.905959 | "EU-Kommission - ""Made in Germany"" soll bleiben" | 00/05/2010 |
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