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Offenbar erhält Leipzig den Zuschlag für die neue internationale DHL-Frachtzentrale. Das würde mindestens 6000 Arbeitsplätze schaffen. Wer dem Kanzler aufmerksam zuhörte, konnte den Hinweis verstehen: Die Deutsche Post, lobte Gerhard Schröder kürzlich beim Hauptstadtfest des Logistikkonzerns, sei weltweit aktiv und erfolgreich. Detailansicht öffnen Das DHL-Drehkreuz in Leipzig wäre eine der spekulärsten Investitionen in Ostdeutschland. (Foto: Foto: AP) Seine Heimat aber habe das einstige Staatsunternehmen ganz zweifellos hierzulande. Dieser Appell durch den Regierungschef scheint zu wirken: Die Post will ihr neues Paket- und Warendrehkreuz nicht im Ausland, sondern am Flughafen Leipzig/Halle bauen. Dies soll noch im November verkündet werden. Mehr als 6000 Jobs Für den darbenden Wirtschaftsstandort Ostdeutschland ist dieses Vorhaben ein Aufbruchsignal. Die Post-Tochter DHL will am Leipziger Airport gut 3000 Arbeitsplätze schaffen. Mindestens 3000 weitere Jobs dürften im Umfeld der Großansiedlung entstehen, etwa durch Speditionen, Logistikfirmen oder Lagerhausbetreiber. Sie alle suchen die unmittelbare Nähe des DHL-Luftdrehkreuzes. "Das ist ein Schneeballeffekt, den wir dringend gebrauchen können", sagt der Oberbürgermeister von Leipzig, Wolfgang Tiefensee (SPD). Für ihn ist das 300 Millionen Euro teure Post-Projekt ähnlich bedeutsam wie das neue BMW-Werk in seiner Stadt, das direkt und indirekt für 10.000 Stellen sorgt. Zudem könne Leipzig seine Tradition als Handelsmetropole wiederbeleben, freut sich Tiefensee. "Wir verraten noch keine Einzelheiten" Sollten einige der aus allen Winkeln der Welt per DHL-Flugzeuge herbeigeschafften Waren und Güter in Leipzig weiter verarbeitet oder veredelt werden, dann könnten zusätzliche Arbeitsplätze entstehen. Das Vorhaben der Deutschen Post ist zwar eine der spektakulärsten Investitionen in den neuen Ländern. Die Landes- und Kommunalpolitiker, die sonst jede noch so kleine Ansiedlung feiern, halten die Erfolgsmeldung allerdings noch zurück. "Der Investor kann darauf vertrauen, dass wir keine Einzelheiten an die Öffentlichkeit geben", begründet Tiefensee. Man wolle die Schlussverhandlungen nicht stören.
Offenbar erhält Leipzig den Zuschlag für die neue internationale DHL-Frachtzentrale. Das würde mindestens 6000 Arbeitsplätze schaffen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/post-eine-der-spektakulaersten-investitionen-in-ostdeutschland-1.903419
Post - Eine der spektakulärsten Investitionen in Ostdeutschland
00/05/2010
"Herr Kunde, wie Sie wissen, hat grundsätzlich ein Unternehmen, welches gerade an die Börse geht, logischerweise bei der Erstemission immer einen Gewinn" — verspricht der Finanzvertrieb Venturion. Dumm nur, dass seine Mitarbeiter indes noch immer auf ihr Gehalt vom Juni warten. Der Vorstandschef des Finanzvertriebs Venturion, Adolf Eggendorf, strotzt vor Selbstbewusstsein. Ob vor der Presse oder eigenen Mitarbeitern — stets verkündet der Unternehmensgründer aus Hamm, dass Venturion im November 2004 an die Börse gehe. "Das steht fest", versichert Eggendorf. Derzeit suchen die etwa 800 freien Handelsvertreter von Venturion fleißig Käufer für bis zu fünf Millionen Aktien, die das Unternehmen im Rahmen einer vorbörslichen Kapitalerhöhung an private Anleger für 3,50 Euro pro Stück verkaufen will. Verluste in 2004 Für etwa ein Drittel hat das Unternehmen, das auf den Vertrieb von Versicherungen und Fonds spezialisiert ist, bereits Abnehmer gefunden. Im November will Venturion 25 Millionen Aktien an der Börse platzieren. Bis dahin hat Eggendorf jede Menge Probleme zu lösen. Obwohl ein Gewinn von 2,5 Millionen Euro angepeilt war, schreibt das Unternehmen 2004 Verluste. Nach wie vor liegt keine Bilanz für 2003 vor. Die Wirtschaftsprüfer von Price Waterhouse Coopers (PwC) haben die Geschäftszahlen von Venturion immer noch nicht testiert. Aber auch bei kleinen Dingen hapert es: Schon Anfang März mussten Mitarbeiter auf ihr Geld warten.
"Herr Kunde, wie Sie wissen, hat grundsätzlich ein Unternehmen, welches gerade an die Börse geht, logischerweise bei der Erstemission immer einen Gewinn" — verspricht der Finanzvertrieb Venturion. Dumm nur, dass seine Mitarbeiter indes noch immer auf ihr Gehalt vom Juni warten.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/venturion-boersengang-abzocke-von-der-uebelsten-sorte-1.903292
"Venturion-Börsengang - ""Abzocke von der übelsten Sorte"""
00/05/2010
Die Regierung bereitet sich auf den kompletten Ausstieg bei der Telekom vor. Womöglich werden bereits im November weitere Anteile in Milliardenhöhe an die Staatsbank KfW verkauft. Mit dem Verkauf weiterer Aktien aus dem Besitz des Bundes beabsichtigt Finanzminister Hans Eichel (SPD) die Lücken im Haushalt 2004 zu schließen. Eichel will, wie er erst vorige Woche im Entwurf für einen Nachtragsetat bekräftigt hat, im laufenden Jahr Staatsvermögen im Wert von insgesamt 10,3 Milliarden Euro verkaufen; er hat davon aber bislang nur rund fünf Milliarden Euro eingenommen. In Berlin und Frankfurt wird deshalb damit gerechnet, dass die Regierung in der zweiten Novemberhälfte ein weiteres T-Aktienpaket im Wert von bis zu fünf Milliarden Euro bei der Staatsbank KfW platzieren wird. "Kein Zusammenhang" Der Bund würde seinen Anteil an der Deutschen Telekom dadurch von 26 Prozent auf unter 20 Prozent senken. 2005 will Eichel den Bundesanteil nochmals reduzieren. Die KfW hatte sich am Montag den nötigen finanziellen Spielraum für diese Geschäfte mit dem Bund verschafft. Die Staatsbank, die früher unter "Kreditanstalt für Wiederaufbau" firmierte, will im Laufe der nächsten Tage bis zu 300 Millionen T-Aktien, die sie bereits vom Bund übernommen hat, an Banken, Fonds und Versicherungen verkaufen; der Erlös dürfte bis zu 4,5 Milliarden Euro erreichen. Die KfW will bis zu 230 Millionen Aktien direkt verkaufen. Weitere 70 Millionen Aktien bietet sie als Option an, die den Käufer dazu berechtigen, zu einem späteren Zeitpunkt die T-Aktien zu erwerben. Sämtliche Papiere sollen direkt an Anleger - und nicht über den normalen Börsenhandel - verkauft werden. Das Geschäft wird nach Angaben eines KfW-Sprechers binnen zwei bis vier Tagen abgeschlossen werden. Die KfW hat die Operation nach eigenen Angaben bereits seit mehreren Tagen vorbereitet. Die Bank habe aber erst am Sonntagnachmittag die Telekom darüber informiert. Nur einen Tag zuvor hatten Aufstand und Aufsichtsrat der Telekom beschlossen, die Internet-Tochter des Unternehmens, T-Online, wieder von der Börse zu nehmen. Der Vorstandschef der KfW, Hans Reich, gehört ebenso dem Aufsichtsrat der Telekom an wie Eichels Staatssekretär Volker Halsch. Beide hatte an der Sitzung zum Thema T-Online am Samstag teilgenommen. "Zwischen den beiden Vorgängen besteht aber absolut kein Zusammenhang", sagte KfW-Sprecher Matthias Fritton. Für den Verkauf der Aktien zum jetzigen Zeitpunkt sei allein die "positive Kursentwicklung" der T-Aktie in den vergangenen Wochen entscheidend gewesen. Post ebnet Weg für Verkäufe Der geplante Rückkauf von T-Online dürfte der KfW und dem Bund gleichwohl gelegen kommen, weil dieser nach Ansicht von Analysten den Kurs der T-Aktie stabilisiert und zumindest aus Sicht der T-Aktionäre ein gutes Geschäft ist. Ein Telekom-Sprecher begrüßte den Aktienverkauf durch die KfW. Die damit verbundene Zunahme des Streubesitzes sei grundsätzlich wünschenswert. Außerdem habe die KfW damit einen Unsicherheitsfaktor aus dem Markt genommen, erklärte der Sprecher. Bereits seit Monaten sei in Analystenkreisen spekuliert worden, zu welchem Aktienüberhang die Platzierung eines weiteren KfW-Pakets am Markt führen werde. Diese Unsicherheit, die den Kurs der Telekom-Aktie in jüngster Zeit erheblich belastet habe, sei nun beendet. Am Montag büßte die T-Aktie rund ein Prozent ein. Die Deutsche Post hat inzwischen mitgeteilt, dass sie weitere eigene Aktien zum Börsenhandel zulassen will. Somit könnte sich der Bund bald auch von Anteilen dieses Unternehmens trennen. Die Post habe die Vorbereitungen für die Zulassung von 556 Millionen Aktien getroffen, sagte ein Unternehmenssprecher. Derzeit hält die KfW rund 42 Prozent der Aktien des ehemaligen Staats-Monopolisten.
Die Regierung bereitet sich auf den kompletten Ausstieg bei der Telekom vor. Womöglich werden bereits im November weitere Anteile in Milliardenhöhe an die Staatsbank KfW verkauft.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/nach-uebernahme-von-t-online-bund-plant-voellige-privatisierung-der-telekom-1.899896
Nach Übernahme von T-Online - Bund plant völlige Privatisierung der Telekom
00/05/2010
Die schwarzen Kassen bei Siemens lösen einen Sturm der Entrüstung aus. Doch Bestechung ist kein exklusives Siemens-Problem: Nur etwa fünf Prozent aller Korruptionsfälle in Deutschland fliegen auf. Auch im Ausland wird mit mit allen Mitteln gekämpft - inklusive Geheimdienst. Zahlungen in Athen, Bestechung in Nigeria, Schwarzgeldkonten in der Schweiz und Österreich: Die schwarzen Kassen bei Siemens lösten einen Sturm der Entrüstung aus. Eine deutsche Firma bezahlt, um an Aufträge zu kommen. Unethisches Verhalten, das der Siemens-Vorstand "lückenlos aufklären" will. Doch Bestechung existiert nicht zum Gaudium der Manager. Detailansicht öffnen Nur fünf Prozent der Korruption in Deutschland wird aufgeklärt, schätzen Experten. (Foto: Foto: ddp) Beim Namen Siemens denken viele noch immer an Haushaltselektronik wie Telefone oder Waschmaschinen. Doch schon seit geraumer Zeit ist Siemens nicht mehr der Gemischtwarenhandel der Elektroindustrie, sondern ein international operierender Konzern, der sich vor allem als Infrastruktur-Anbieter in weiten Teilen dieser Welt positioniert. Auftrags-Boom in kritischem Umfeld Und der Großkonzern verzeichnet gerade in jenen Ländern boomendes Wachstum, in denen die Korruption blüht. Auftragseingänge aus der Aufschwungsregion Asien legten bei Siemens um 26 Prozent zu, jene aus Afrika, dem Mittleren Osten und Russland um plus 35 Prozent. Dabei geht es um Millionenbeträge für einzelne Aufträge: Vor kurzem verkündete der Großkonzern den Zuschlag für einen Großauftrage in Saudi-Arabien. Die prozesstechnische Ausrüstung für eine Stahlanlage solle "made in Germany" sein. Kostenpunkt: 100 Millionen Euro. Wer zum Gebrauchtwarenhändler geht, versucht, den Preis nach unten zu drücken. So ähnlich könnte man sich auch Vertragsverhandlungen mit staatlichen Stellen um Mautabrechnungssysteme, Telefonanlagen für Behörden oder Kraftwerksausrüstung vorstellen. Mit einem Unterschied: Es geht um viel mehr Geld. Nachrichtendienste als Konkurrenzvorteil Im Kampf um die Millionenaufträge weht den Siemens-Verhandlern eine steife Brise ins Gesicht: "Die Amerikaner setzen ihre Nachrichtendienste ein, um Aufträge zu bekommen, die Franzosen schalten ihre Botschaften ein - und was machen wir?" ereiferte sich zuletzt ein Siemens-Manager gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Als besonders korrupt gelten Behörden und Unternehmen in Russland. Dort müssten Firmenchefs circa sieben Prozent des Umsatzes pro Jahr an korrupte Banken abgeben, schätzt nach einem Bericht der Financial Times Deutschland das auf Korruption spezialisierte Moskauer Institut Indem. Und ein deutscher Investor sagte der Zeitung: "Wir buchen die Schmiergeldzahlungen als Beratungshonorare, Spenden oder andere Dienstleistungen ab." Kleine "Gefälligkeiten" Doch nicht immer handelt es sich um "blanke" Korruption, also Bargeldzahlungen gegen Aufträge. Kleine Gefälligkeiten wie Stipendien für das Auslandsstudium eines Neffen, Geschäftsreisen in die Karibik oder auch politischer Druck werden oftmals eingesetzt, um Aufträge zu ergattern. Darauf angesprochen, meint Peter Blomberg, stellvertretender Vorsitzender der deutschen Sektion von Transparency International zu sueddeutsche.de: "Neben der blanken Korruption gibt es auch subtilere Mittel der Beeinflussung. Es ist ja bekannt, dass unsere amerikanischen Freunde nicht kleinmütig mit politischer Sympathie oder Druck auf Länder und Unternehmen sind". Doch auch die Franzosen sollen nicht zimperlich sein bei der Gewinnung von Aufträgen. Insider berichten von einem Fall, an dem sich ein großes französisches Unternehmen im Rennen um einen großen Infrastrukturauftrag gegen den deutschen Konkurrenten durchgesetzt hätte. Grund: Der französische Geheimdienst hatte die Auftragsverhandlungen abgehört.
Die schwarzen Kassen bei Siemens lösen einen Sturm der Entrüstung aus. Doch Bestechung ist kein exklusives Siemens-Problem: Nur etwa fünf Prozent aller Korruptionsfälle in Deutschland fliegen auf. Auch im Ausland wird mit mit allen Mitteln gekämpft - inklusive Geheimdienst.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/korruption-weltweit-geschaeftsabschluss-dank-geheimdienst-1.905186
Korruption weltweit - Geschäftsabschluss dank Geheimdienst
00/05/2010
Bei Skandalen wird üblicherweise erst recherchiert, dann gedruckt- später ringen die Angegriffenen oft vor Gericht um ihre Position. Im Fall eines Reports, der nun im Evangelischen Pressedienst epd medien erschien, war es anders: Da versuchten die Beschuldigten fast zwei Jahre lang, eine Veröffentlichung zu verhindern. Doch am 20. Januar 2005 verloren sie vor dem Oberlandesgericht München. Die Story konnte erscheinen. Es geht um den schweren Vorwurf der Schleichwerbung mitten im öffentlich-rechtlichen Fernsehen - in der ARD bei der Daily Soap Marienhof und der Krankenhausserie In aller Freundschaft. Dabei sollen Mitarbeiter der Produktionsfirma Bavaria Film ausgiebig mit den ebenfalls in München ansässigen Spezialunternehmen H.+S. sowie Kultur+Werbung (K+W) des Andreas Schnoor, 55, gekungelt haben, einem Mann, der das Metier kennt. Er hat in den neunziger Helmut-Kohl-Jahren mal 276.000 Mark aus dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung organisiert, die in die ARD-Serie Klinik unter Palmen flossen. Da wurde gut über Entwicklungshilfe geredet. "Zuschauer ahnt gar nicht, dass man so was so direkt steuern kann" Wie sich aus internen Unterlagen, die epd medien ausbreitet, ergibt, hat sich wohl ein flotter Betrieb entwickelt. Im seriellen Stil seien Produkte platziert worden - alles nicht ganz passend zu einem Betrieb wie Bavaria, der den gebührenfinanzierten Sendern WDR, SWR und MDR gehört. Schleichwerbung ist per Rundfunkstaatsvertrag verboten. Eine von 2002/2003 datierte Projektliste von K+W weist demnach 200 Kontaktstellen aus, denen Besitzer Andreas Schnoor ("AS") und Mitarbeiter ihre Ideen präsentiert haben. Fünf Abschlüsse seien zu dieser Zeit für Marienhof erreicht worden: mit Vodafone, dem Kinoverleiher UIP, Nourypharma, Tetra Pak und dem Allgemeinen Deutschen Tanzlehrerverband. "AS telefoniert mit von Mossner", vermerkt ein Protokoll - so heißt der damalige Marienhof-Macher. Ein anderes Papier legt nahe, was für die 250 Ausgaben in der zehnten Staffel der ARD-Soap zwischen Juni 2002 und Juni 2003 geplant war: "Bitte darauf achten, dass keine Abschlüsse unter fünf Folgen gemacht werden! Bei Abschluss sollte grundsätzlich ein Beratungs- und Requisitenvertrag abgeschlossen werden! Preise: ,Aktive Integration', EUR 17.500." Gerne soll für zehn Placements ein Paketpreis von 175.000 Euro verlangt worden sein. Auffällig findet epd medien, wie oft ein Reiseveranstalter im Stil der L'tur im Marienhof vorkam oder der Florida Boy, die Badelotion Calinda oder World Vision mit Kinderpatenschaften. Zum Schleichwerber-Terrain gehörte womöglich auch die Bavaria-Tochter Saxonia. Nach einem Projektstatusbericht von Schnoors Agentur K+W, den epd medien zitiert, kam es in der von Saxonia produzierten Serie In aller Freundschaft 2002 und 2003 in mindestens neun Fällen zu bezahlter Pharmawerbung. Krankheiten wie Alzheimer, Asthma, Epilepsie oder Multiple Sklerose seien der Anlass gewesen, über Arzneien oder Wirkstoffe zu reden. Das Dokument vom Nikolaustag 2002 benennt Episoden, Sendedaten und Pharmakunden, die mit bis zu 30.000 Euro Zahlung eingeplant wurden. Einmal musste offenbar das Anti-Erschöpfungsmittel Fatigue rasch in die Serie geschrieben werden: "Drehbuch muss von SF bis 20.12.2002 bearbeitet werden, damit es in der zweiten Drehbuchfassung integriert ist." Hat die Agenturkraft SF Redaktionsarbeiten übernommen? Über Akquisitionen der Agentur informiert ein heimlich gefertigtes Video, das eine Schnoor-Mitarbeiterin im Kundengespräch zeigt. Sie präsentiert alte Marienhof-Folgen mit Sparkassen-Auftritten als Referenz: "Der Zuschauer ahnt gar nicht, dass man so was so direkt steuern kann." Das Video und Geschäftspapiere sollten nach dem Willen Schnoors publizistisch nicht verwendet werden. Doch das OLG München entschied, anders als das Landgericht, dass "auch die Publikation rechtswidrig recherchierter Informationen" vom Grundgesetz geschützt sei. Nichts gewusst Agenturchef Schnoor erklärt, der epd-Journalist Volker Lilienthal sei als "Matthias Bergkamp" aufgetreten und habe Gespräche über die Bereitstellung von Requisiten geführt. H.+S. habe erwirken wollen, dass Schriftsätze und dergleichen sowie audiovisuell aufgezeichnete Materialien von einer freien Mitarbeiterin vertraulich zu behandeln seien. Bavaria-Chef Thilo Kleine bestätigt, es habe "Kooperation mit Dritten" gegeben. Die Erlöse seien innerhalb der Bavaria "im Rahmen von zusätzlichen Developments und Eigenproduktionen eingeflossen". Von den Praktiken habe er nichts gewusst; längst seien Maßnahmen ergriffen worden, "die Placements in der Zukunft wirksam zu verhindern". Eine Sonderprüfung wurde vereinbart. Programmdirektor Günter Struve spricht von einem möglichen "Betrugstatbestand". Er schrieb Produzenten an und bat, ähnliche Konstellationen offen zu legen. Geantwortet hat keiner.
Schleichwerbung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen: Was lief, ganz vertraulich, zur besten ARD-Sendezeit?
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/medien-in-aller-freundschaft-1.901595
Medien - In aller Freundschaft
00/05/2010
Die Suche nach der richtigen Nummer ist preiswerter geworden. Doch die Kosten und Serviceleistungen schwanken je nach Anbieter beträchtlich. Die Telefonauskunft ist preiswerter geworden. Der Grund: die Bundesnetzagentur hat die Deutsche Telekom unlängst dazu verpflichtet, ihre Teilnehmerdaten günstiger als bisher an die Konkurrenten zu verleihen. Detailansicht öffnen Telefonauskünfte im Vergleich. Zum Vergrößern bitte Lupe anklicken. (Foto: Quelle: teltarif/Eigenrecherche) Schon ab 29 Cent pro Minute lässt sich jetzt nach der Telefonnummer eines anderen Teilnehmers suchen. Doch die Preisgestaltung hat ihre Tücken. Wie teuer die Suche nach der Nummer eines anderen Teilnehmers wird, hängt von der Länge des Auskunftsgespräches und dem Abrechnungstakt des Anbieters ab. Eile ist angebracht. "Hierbei spielt nicht nur eine Rolle, wie viel der Auskunftssuchende an Daten über den anderen Teilnehmer mitbringt, sondern auch die Qualität und Schnelligkeit des Operators", sagt Bettina Seute von www.teltarif.de. Das Online-Magazin hat vor kurzem die Telefonauskünfte genauer unter die Lupe genommen. Zwar greifen alle Auskünfte auf die gleichen Telekom-Teilnehmerdaten zurück, doch beherrscht der Operator die Suchsoftware nicht richtig oder tippt den Suchnamen ohne nachzufragen falsch ein, dann verlängert und verteuert sich das Gespräch unnötig. Dauert das Gespräch weniger als eine Minute, ist Telix mit 29 Cent pro angefangener Minute der günstigste Anbieter. Die Auskunft gibt allerdings ein Sprachcomputer. Eine weibliche Stimme führt durch die gut strukturierte Suchanfrage und fragt der Reihe nach ab, ob es sich um eine private oder gewerbliche Nummer handelt sowie nach Ort, Name und Straße und lässt sich am Ende die Angaben noch einmal bestätigen. Eine undeutliche Aussprache kostet Geld und führt am Ende gar zu der falschen Nummer. Teure Verbindung "Auf Dienste eines Sprachcomputers sollte man möglichst verzichten, wenn man nur wenige Informationen zu der Person hat, deren Telefonnummer man sucht", rät Seute: "Auch im optimalen Fall gelang es unseren Testanrufern nicht, innerhalb einer Minute vom Sprachcomputer die gewünschte Nummer zu erfahren." Demnach kostet eine Auskunft faktisch mindestens 58 Cent. "Eine Auskunft bei einem Anbieter mit einem höheren Minutenpreis - wie beispielsweise 11849 mit 44 Cent pro Minute - dürfte da letztendlich billiger sein, da der Operator schneller ist". Erfahrungsgemäß dauert eine Suche zwischen 47 und 53 Sekunden. Ist abzusehen, daß es länger dauert, könnte AOL mit seiner 30-Sekundentaktung etwas günstiger sein. Die qualitativ besten Auskünfte erhielt Teltarif beim Test vor der Deutschen Telekom, Telegate sowie AOL und 11849.
Die Suche nach der richtigen Nummer ist preiswerter geworden. Doch die Kosten und Serviceleistungen schwanken je nach Anbieter beträchtlich.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/telefonauskunft-anschluss-ab-29-cent-1.919329
Telefonauskunft - Anschluss ab 29 Cent
00/05/2010
Sein Name steht für Macht und Erfolg, doch nun steckt sein Konzern im Korruptionssumpf - der Aufsichtsratschef setzt trotzdem auf Selbstkontrolle. München, im Januar - Routiniert spult am Samstag kurz vor zehn der Radioreporter auf dem Marktplatz von Erlangen die Interviews mit den Passanten ab. Detailansicht öffnen Siemens - Aufsichtsratsvorsitzender Heinrich von Pierer. (Foto: Foto: dpa) "Wie ist Ihr Name", fragte er den nächsten in der Reihe, einen älteren Herrn mit runder Brille. "Pierer, Heinrich", kommt zur Antwort. Der Bayern-Eins-Mann stutzt, erkennt den Aufsichtsratsvorsitzenden des Siemens-Konzerns. So einen Prominenten kriegt man nicht jeden Tag vors Mikrophon. Über Bayern Eins können Hörer eine Reise nach Teneriffa oder Mauritius gewinnen, wenn sie sagen: "Ich bin reif für die Insel" und einen Grund für ihre Erholungsbedürftigkeit nennen. Reif für die Insel Heinrich von Pierer, der aus Erlangen stammt und hier jeden Samstagvormittag mit Ehefrau Annette einkauft, hat sich zum Spaß in die Schlange vor dem Ü-Wagen gestellt. Er mag es, wenn man ihn für einen normalen Bürger hält, obwohl er als Aufsichtsratschef des größten deutschen Elektrokonzerns für 400.000 Menschen verantwortlich ist. "Das ist der Chef von meinem Sohn", kreischt prompt eine Frau über den Platz. Pierer gibt sich leutselig. Nur die Standardfrage des Moderators will er nicht beantworten. Wie sähe es auch aus, wenn ausgerechnet er zum Besten gäbe, reif zu sein für die Insel, wegzuwollen, sich aus dem Staub zu machen. Obwohl er dafür gute Gründe hätte. Er könnte sagen: Ich will weg, weil Siemens derzeit in den Dreck gezogen wird. Er könnte sagen: Ich will weg, weil die Schwarzgeld-Affäre das Unternehmen zerreißt. Er könnte sagen: Ich will weg, weil ich keine Lust habe, mich am Donnerstag auf der Hauptversammlung für all das rechtfertigen zu müssen, was bei Siemens passiert: für die schwarzen Kassen, für die Pleite des Handyherstellers BenQ, für die Gehaltserhöhung von 30 Prozent für den Vorstand. Volksnaher Konzernlenker Er sagt es nicht. Heinrich von Pierer redet nicht über die Ermittler in München, die sein Unternehmen auf den Kopf stellen. Und auch nicht über die Presseleute, die Tag für Tag über das finstere Netzwerk berichten, welches bei Siemens entstanden ist, über die Geldströme zwischen München, Monaco, Athen und Saudi-Arabien, über den größten Korruptionsskandal, der bislang ein deutsches Unternehmen erschüttert hat. Lieber plaudert von Pierer in breitestem Marktplatz-Fränkisch mit dem Moderator über die drei Hemden, die seine Frau ihm gerade ausgesucht hat. Das vergangene Wochenende hat er besonders genossen. Am Sonntagmittag hat er sich von seiner Frau bekochen lassen, sich anschließend beim Tennisspiel verausgabt. Dann ging es zurück nach München. Es gilt, die Hauptversammlung an diesem Donnerstag vorzubereiten, die Reden mit seinem Mitarbeitern noch einmal durchzugehen, mit anderen Aufsichtsräten zu sprechen, mit dem Vorstand. Das Tagesgeschäft hatte den Mann, der am Tag nach der Hauptversammlung 66 Jahre alt wird, wieder.
Sein Name steht für Macht und Erfolg, doch nun steckt sein Konzern im Korruptionssumpf - der Aufsichtsratschef setzt trotzdem auf Selbstkontrolle.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/siemens-aufsichtsratschef-von-pierer-im-prinzip-fuer-die-moral-1.903239
Siemens-Aufsichtsratschef von Pierer - Im Prinzip für die Moral
00/05/2010
Mitten in der Debatte über die Höhe von Managergehältern müssen sich deutsche Topmanager im wieder aufgerollten Mannesmann-Prozess erneut für Millionenprämien rechtfertigen. Die Gewerkschaft Verdi forderte, Vorstandsbezüge künftig per Gesetz zu deckeln. Es geht um die Zahlungen in Höhe von fast 60 Millionen Euro, die nach der Übernahme von Mannesmann durch den britischen Konkurrenten Vodafone im Jahr 2000 an Mannesmann-Manager geflossen sind. Detailansicht öffnen Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann besteigt vor dem Landgericht Düsseldorf seinen Dienstwagen. (Foto: Foto: dpa) Die Staatsanwaltschaft wirft den sechs Angeklagten um Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann schwere Untreue oder Beihilfe dazu vor. Die Gewerkschaft Verdi forderte, ein Höchstgehalt für Vorstände festzuschreiben. Zum Auftakt des Verfahrens versuchten zwei der Hauptangeklagten - der frühere IG-Metall-Chef Klaus Zwickel und der ehemalige Mannesmann-Aufsichtsratschef Joachim Funk - die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft zu entkräften. "Außergewöhnliche Leistungen" Diese ,,außergewöhnlich hohen Zahlungen'' seien ,,für außergewöhnliche Leistungen'' geflossen, sagte Zwickel. Der Gewerkschafter rechtfertigte insbesondere die Prämie von 16 Millionen Euro für Klaus Esser, den mitangeklagten früheren Chef von Mannesmann. Dieser habe in dem Übernahmekampf gegen Vodafone ,,einen persönlichen Einsatz gezeigt, den sich niemand vorstellen kann''. Die Staatsanwaltschaft wirft den sechs Angeklagten vor, ,,bewusst und gewollt'' das Vermögen der Mannesmann AG ,,in großem Ausmaß geschädigt'' zu haben. Entscheidende Protokolle des Präsidialausschusses seien später vordatiert worden, um so den Anschein rechtmäßiger Beschlüsse zu erwecken. Freispruch in der ersten Instanz Wie die übrigen fünf Angeklagten auch war Zwickel in der ersten Instanz des Mannesmann-Prozesses im Juli 2004 freigesprochen worden. Der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe hatte das Urteil am 21. Dezember 2005 jedoch aufgehoben. Die hohen Prämien seien ,,für die Mannesmann AG ohne jeden Nutzen'' und ,,nicht im Interesse des Unternehmens'' gewesen, entschied der BGH und verwies die Anklage zur abermaligen Verhandlung an das Düsseldorfer Landgericht. Dort müssen sich seit Donnerstag neben Zwickel die ehemaligen Mannesmann-Aufsichtsräte Josef Ackermann, Klaus Funk und Jürgen Ladberg, der damalige Gesamtbetriebsratsvorsitzende, wegen Untreue ,,in einem besonders schweren Fall'' verantworten. Alle vier Angeklagten gehörten dem sogenannten ,,Präsidialausschuss'' des Mannesmann-Aufsichtsrates an, der nach der Übernahme durch Vodafone Anerkennungsprämien und Pensionsabfindungen an aktive und ehemalige Manager in Höhe von 57 Millionen Euro genehmigt hatte.
Mitten in der Debatte über die Höhe von Managergehältern müssen sich deutsche Topmanager im wieder aufgerollten Mannesmann-Prozess erneut für Millionenprämien rechtfertigen. Die Gewerkschaft Verdi forderte, Vorstandsbezüge künftig per Gesetz zu deckeln.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/millionenabfindung-fuer-mannesmann-spitze-prozess-heizt-debatte-ueber-managergehaelter-an-1.907492
Millionenabfindung für Mannesmann-Spitze - Prozess heizt Debatte über Managergehälter an
00/05/2010
Allein in der Krisensparte SBS werden in den nächsten zwei Jahren 2400 Stellen weggefallen. Andere Bereiche werden in ihrer jetzigen Form aufgelöst. Der Siemens-Konzern will in den nächsten zwei Jahren in Deutschland tausende Stellen streichen. Allein in der angeschlagenen IT-Dienstleistungssparte Siemens Business Service (SBS) sollen 2400 Arbeitsplätze wegfallen, wie der Konzern am Montag in München mitteilte. Damit will das Unternehmen die Kosten bei SBS weltweit um 1,5 Milliarden Euro bis 2007 drücken. Auch in den beiden anderen Krisenbereichen Kommunikation (Com) und Logistik droht der Abbau von Arbeitsplätzen. Insgesamt mindestens 3700 Stellen betroffen Zusammen mit den bereits angekündigten Stellenstreichungen für dieses Jahr fallen damit mindestens 3700 Jobs bei dem Traditionskonzern weg. Mit einem umfassenden Spar- und Umbauprogramm will Siemens seinen drei Krisensparten wieder auf die Füße helfen. Als Sorgenkind gilt besonders die SBS: Bereits zu Beginn des Jahres hatte Siemens in diesem Bereich die Streichung von 950 deutschen Stellen bekannt gegeben. Aus den roten Zahlen schaffte es die Sparte dennoch nicht. Nach den jüngsten Plänen würde die Sparte bis Ende 2007 mehr als jeden fünften deutschen Mitarbeiter verlieren. Hierzulande arbeiten bei SBS insgesamt 15.000 Menschen, weltweit sind es 37.000. Siemens kündigte zugleich an, den Krisenbereich Logistik und Produktionsautomatisierung in seiner jetzigen Form zum Oktober aufzulösen. Ein Teil dieser Sparte soll im Januar des kommenden Jahres mit 5000 Mitarbeitern neu gegründet werden. Damit fällt im Logistikbereich die Hälfte der insgesamt 10.000 Jobs weg. "Soweit möglich" will Siemens den Betroffenen andere Angebote machen. Auch in dem Bereich Kommunikation (Com) seien "Personalanpassungen" zu erwarten, erklärte das Unternehmen weiter, ohne Zahlen zu nennen. Kritik von der SPD Details wollte ein Sprecher auf Anfrage nicht nennen. Darüber werde noch mit den Gewerkschaften verhandelt. Bereits am Freitag hatte Siemens zusammen mit der IG Metall bekannt gegeben, dass am Standort Kamp-Lintfort der Siemens Handy-Sparte 340 Arbeitsplätze wegfallen. Sie sollen zum 1. Januar in Beschäftigungs- und Qualifizierunggesellschaften überführt werden. Aus der SPD wurde angesichts der Einschnitte Kritik an CDU-Wahlkampfberater Heinrich von Pierer laut: "Der Aufsichtsratsvorsitzende von Siemens hätte sich besser intensiv um sein Unternehmen kümmern sollen, als sich in der Politik zu betätigen", sagte der Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses des Bundestags, Rainer Wend (SPD), dem Tagesspiegel (Dienstagausgabe).
Allein in der Krisensparte SBS werden in den nächsten zwei Jahren 2400 Stellen weggefallen. Andere Bereiche werden in ihrer jetzigen Form aufgelöst.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/muenchen-siemens-kuendigt-drastischen-stellenabbau-an-1.899308
München - Siemens kündigt drastischen Stellenabbau an
00/05/2010
Die Krise von Fiat hat die italienische Stadt hart getroffen, das brachte ihr Schwung für den Wandel - jetzt entdecken sogar Chinesen die Region am Fuß der Alpen Als Lou Tik vor drei Jahren in die Geburtsstadt des italienischen Autos kam, lebte Giovanni Agnelli nicht mehr, und Fiat galt als Konzern ohne Zukunft. Detailansicht öffnen Fiat-Zentrale: Die Krise des Autoherstellers brachte den wirtschaftlichen Wandel. (Foto: Foto: dpa) Die krisengeschüttelte Industriemetropole am Fuß der Alpen steckte mitten im Umbruch. Trotzdem fand der Chinese Tik in Turin, wonach er zuvor schon in Detroit und Coventry vergeblich gesucht hatte: den geeigneten Standort für das erste ausländische Designzentrum des Automobilherstellers JAC Anhui Jianghuai aus der südostchinesischen Provinz Anhui. JAC ist eines von mehr als 90 Unternehmen, die die regionale Förderagentur ITP bisher ins Piemont gelockt hat. Andere kommen auf eigene Faust, neue Industriezweige prosperieren. 2006 flossen 4,8 Milliarden Euro Direktinvestitionen in die Region. Aus Turin, einst abgestempelt als Fiat-Stadt, ist längst mehr geworden. Wandel zur Wissensfabrik Als der Autokonzern vor sechs Jahren an den Rand der Abgrunds schlitterte, traf die Existenzkrise von Fiat Turin ins Mark. Das brachte den nötigen Schwung für den wirtschaftlichen Wandel. Heute definieren die städtischen PR-Leute Turin als "Wissensfabrik''. Das mag der Wirklichkeit vorgreifen. Doch Forschung, Roboterbau, Nanotechnologie, Luftfahrt, Kultur- und Tourismusindustrie sind auf dem Vormarsch. Manager Tik bezog mit seinem 20 Leute starken Entwicklungsteam ein stillgelegtes Reparaturwerk der italienischen Staatsbahnen aus der Gründerzeit. "Ausschlaggebend war für uns der Zugriff auf ein 360-gradiges Netzwerk in der Autoindustrie'', sagt er. Designchef Tullio Ghisio und sein europäisches Team beschäftigen sich nun mit ungewöhnlichen Fragen. Was ist chinesisches Design? Wie denken Chinesen? Sie sollen dem fernöstlichen Hersteller aus Turin auf die Sprünge helfen. "Das größte Problem der Chinesen sind sehr lange Entwicklungszeiten von sechs Jahren'', sagt Ghisio, der aus der Turiner Designschmiede Giugiaro kommt. Die Ansiedlung des Autoherstellers JAC ist ein Aushängeschild der Förderagentur. "Unser Rezept ist, Synergien zwischen Industrie, Forschung, Universitäten und den Institutionen herzustellen'', sagt ITP-Präsidentin Maria Pia Valetto. 2007 steht sie 30 neuen Firmen zur Seite. "Wenn Turin und Fiat sich vollständig voneinander abnabeln, werden beide aus eigener Kraft besser vorankommen'', ist ihr Credo. 2.850 Euro für eine Stunde Bei Tiks Nachbarn auf dem ehemaligen Eisenbahngelände sieht man, wie die wirtschaftliche Monokultur der Barockstadt aufbricht. "Turin hat sich total verändert'', versichert Antonio Strumia, Direktor des Istituto Mario Boella, ein Zentrum für angewandte Forschung auf dem Feld drahtloser Kommunikation. Stolz weist der Elektronikingenieur auf die Spuren des Wandels vor seiner Institutstür. Kräne ragen in den Himmel. Die nächste Großbaustelle gehört Microsoft. 230 Forscher arbeiten im Institut Mario Boella zwischen gusseisernen Säulen aus der Zeit der industriellen Revolution an der Entwicklung neuer Glasfasern, an Anwendungen des Satellitennavigationssystems Galileo, an betrugssicheren Funkcodes und an Netzwerklösungen für die Finanzbranche. Gegründet wurde es vor sieben Jahren von der Sparkassenstiftung Compagnia San Paolo und dem Polytechnikum. Heute sind Industriepartner wie Motorola, SKF, STMicroelectronics und Telecom Italia mit an Bord. In Zeiten, in denen der Schnelle den Langsamen fresse, sei die technologische Kompetenz "die Trumpfkarte der Region'', sagt Strumia mit einer Begeisterung, die für die Turiner ganz untypisch ist.
Die Krise von Fiat hat die italienische Stadt hart getroffen, das brachte ihr Schwung für den Wandel - jetzt entdecken sogar Chinesen die Region am Fuß der Alpen
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/italien-die-wiedergeburt-turins-1.878250
Italien - Die Wiedergeburt Turins
00/05/2010
Bundeskanzler Schröder verliert einen seiner engsten Vertrauten in Wirtschaftsfragen. Ein Grund für den Wechsel Tackes in die Industrie sind offenbar die Differenzen mit Staatssekretär Adamowitsch, der Wirtschaftsminister Clement sehr nahe steht. Der Kanzler-Berater Alfred Tacke (SPD) verlässt die Politik und wechselt nach Informationen der Süddeutschen Zeitung auf einen Spitzenposten beim Stromversorger Steag. Nachfolger des Wirtschafts-Staatssekretärs wird sehr wahrscheinlich der Chefökonom des Bundeskanzleramtes, Bernd Pfaffenbach. Detailansicht öffnen War bereits als einer der Favoriten für das Amt des Bundesbankpräsidenten im Gespräch: Staatssekretär Alfred Tacke. (Foto: Foto: ddp) Mit Tacke verliert Kanzler Gerhard Schröder (SPD) einen seiner engsten Vertrauten in Wirtschaftsfragen. Als "Sherpa" hat Tacke die Weltwirtschaftsgipfel vorbereitet. Er hat sich zudem immer wieder um notleidende Unternehmen gekümmert, wie etwa die Frankfurter Chipfabrik, die Mobilfunkfirma Mobilcom oder den Luftschiffbauer Cargolifter. Karriere eng mit der Schröders verknüpft Hintergrund für den Wechsel des 53-Jährigen sind offenbar Differenzen mit einem weiteren Staatssekretär im Wirtschaftsministerium: Georg-Wilhelm Adamowitsch steht Minister Wolfgang Clement nahe, während Tackes Karriere seit 1990 eng mit der Schröders verknüpft ist. In Regierungskreisen ging man davon aus, dass der Chefökonom des Kanzleramtes, Pfaffenbach, Nachfolger von Tacke wird. Ein Regierungssprecher wollte die Vorgänge am Freitag offiziell nicht kommentieren. Er sprach von Spekulationen. Auch Tacke lehnte einen Kommentar ab. Er bestritt aber, dass es zwischen ihm und Adamowitsch "Krach" gegeben habe. Bei der Steag war niemand für eine Stellungnahme erreichbar. Tacke war immer wieder für politische Spitzenposten im Gespräch, etwa als Wirtschafts- oder Finanzminister, woraus dann aber nie etwas wurde. Zuletzt war der promovierte Ökonom im April als möglicher Nachfolger von Bundesbank-Präsident Ernst Welteke gehandelt worden. Der Staatssekretär gilt als Pragmatiker und guter Kenner der Energiebranche. Vor zwei Jahren erteilte er in Vertretung von Wirtschaftsminister Werner Müller die Ministererlaubnis bei der Übernahme der Ruhrgas AG durch Eon. Angeblich umwirbt die Industrie Tacke seit längerem. Stromanbieter im Umbau In seinem neuen Job wird Tacke seinem früheren Minister wieder begegnen: Die Steag ist eine Tochter des Essener Chemie- und Bergbau-Konzerns RAG, den Werner Müller führt. Mit einem Anteil von rund acht Prozent an der inländischen Stromerzeugung ist die Steag AG hinter Eon, RWE, Vattenfall und EnBW der fünftgrößte deutsche Stromversorger. Vorstandsvorsitzender der Steag ist seit mehreren Jahren Jochen Melchior. Bis vor wenigen Monaten galt die kleinste, aber ertragsstärkste RAG-Tochter als Verkaufskandidat. Seitdem Müller Energie und Chemie zu Kerngeschäften erklärt hat, ist sie neben der Degussa aber ein essentieller Teil des Konzerns. Der Stromerzeuger wird derzeit kräftig umgebaut: Beteiligungen werden verkauft und Vermögenswerte der RAG übertragen. Die neue Steag soll zum 1. Januar 2005 an den Start gehen. Sie wird 2,2 Milliarden Euro umsetzen und etwa 5000 Mitarbeiter beschäftigen. Prominente Seitenwechsel Mit Tacke wechselt erneut ein rot-grüner Spitzenpolitiker in die Wirtschaft. Ex-Wirtschaftsminister Müller hatte seinen Posten als RAG-Chef angetreten, wenige Monate nach der letzten Bundestagswahl. Auch der frühere Wirtschaftsstaatssekretär Siegmar Mosdorf arbeitet seither bei einem privaten Beratungsunternehmen. Die frühere Grünen-Politikerin Gunda Röstel hatte schon zuvor einen Job bei Gelsenwasser übernommen. Auch in der Ära von CDU-Kanzler Helmut Kohl gab es prominente Seitenwechsel: Der ehemalige baden-württembergische Ministerpräsident Lothar Späth führte bis vor einem Jahr Jenoptik. Der einstige außenpolitische Berater von Kohl, Horst Teltschik, ist heute Präsident von Boeing Deutschland.
Bundeskanzler Schröder verliert einen seiner engsten Vertrauten in Wirtschaftsfragen. Ein Grund für den Wechsel Tackes in die Industrie sind offenbar die Differenzen mit Staatssekretär Adamowitsch, der Wirtschaftsminister Clement sehr nahe steht.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/schroeder-vertrauter-staatssekretaer-tacke-geht-zu-energieversorger-steag-1.916884
Schröder-Vertrauter - Staatssekretär Tacke geht zu Energieversorger Steag
00/05/2010
Das Landgericht Arnsberg hat die Schadenersatzklage eines 56-jährigen Rauchers gegen den Tabakkonzern Reemtsma abgewiesen. Der Kläger habe keinen Anspruch auf Schadenersatz oder Schmerzensgeld, erklärte Richter Klaus-Peter Teipel. Beim Tabakkonzern sei kein rechtswidriges Verhalten zu erkennen, urteilte die Zivilkammer. Es ist das erste Mal, dass in Deutschland ein Raucher einen Zigarettenhersteller vor Gericht für Gesundheitsschäden zur Rechenschaft zu ziehen versucht. Raucher selbst verantwortlich Das Landgericht Arnsberg stellte in seinem Urteil weiter fest, dass der Tabakkonzern Reemtsma nicht in Haftung genommen werden könne. Raucher seien für ihr Verhalten selbst verantwortlich. "Jeder weiß, dass Rauchen zu schweren Gesundheitsschäden führt", erklärte die Kammer. Es sei auch nicht zu belegen, dass Zusatzstoffe in den Zigaretten die Sucht gesteigert hätten. Bekannte Suchtwirkung Die Suchtwirkung von Zigaretten sei außerdem bekannt. Auch könne wohl nicht nachgewiesen werden, dass die Krankheiten des Klägers durch das Rauchen verursacht wurden, erklärte das Gericht. Der 56-jährige Wolfgang Heine aus dem westfälischen Lippetal forderte von den Reemtsma Cigarettenfabriken aus Hamburg 213.000 Euro Schmerzensgeld und Schadenersatz. Fast 40 Jahre Konsum von Zigaretten der Marke "Ernte 23" habe ihn todkrank gemacht. Reemtsma habe die Gefahren des Rauchens verschwiegen und dem Tabak außerdem Sucht verstärkende Stoffe beigemischt, heißt es in der Klage.
Das Landgericht Arnsberg hat die Schadenersatzklage eines 56-jährigen Rauchers gegen den Tabakkonzern Reemtsma abgewiesen. Der Kläger habe keinen Anspruch auf Schadenersatz oder Schmerzensgeld, erklärte Richter Klaus-Peter Teipel.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/reemtsma-prozess-wer-raucht-ist-selbst-schuld-1.904930
Reemtsma-Prozess - Wer raucht, ist selbst schuld
00/05/2010
Das kleine Kreiskrankenhaus spart vorbildlich und kommt trotzdem nicht mehr auf die Beine - unter den Nebenwirkungen leidet die ganze Stadt. Die Zeitungsausträger schwärmen am Nachmittag aus. Die Brückenstraße kommen sie herauf und verteilen sich über den Marktplatz vor dem Rathaus. Den Passanten drücken sie den Marktspiegel in die Hand und mit ihm die interessante Nachricht, dass sich im Witzenhausener Krankenhaus die Abteilung Gynäkologie und Geburtshilfe seit dem 1. Oktober weit gehend aufgelöst hat, weil drei der vier Belegärzte im Streit über zu niedrige Honorare gegangen sind. Detailansicht öffnen Ärzte dürfen ihr Spezialgebiet nicht mehr ausüben, wenn sie weniger als 60 Operationen im Jahr durchführen - ganz egal, wie gut sie sind. (Foto: Foto: dpa) Im Rathaus liegt das Anzeigenblatt nicht aus, und die Bürgermeisterin verliert kein Wort über diesen Streit. Seit dem Frühjahr ist Angela Fischer im Amt, die erste CDU-Bürgermeisterin im Landkreis, und die Krise im Krankenhaus stellt ihre Koalition mit den Grünen und der Freien Wählergemeinschaft auf eine ernste Probe. Es sei im Moment ein kritischer Zeitpunkt, sagt Angela Fischer. Von notwendigen Strukturveränderungen nach ökonomischen Gesichtspunkten spricht sie ganz allgemein und davon, dass es nicht einfach sei, die Menschen mitzunehmen in diese neue Zeit. "Dann wird niemand mehr in Witzenhausen geboren" Ihr selbst fällt das auch schwer. "Derzeit kann ich mir die Stadt nicht ohne Krankenhaus vorstellen, schon gar nicht ohne Geburtshilfe. Dann wird niemand mehr in Witzenhausen geboren." Ein kleines Stadtkrankenhaus in Nordhessen ist in großer Not. Das Schicksal der Geburtshilfe ist nur ein Kapitel in dieser Geschichte, in der das fehlende Geld die Hauptrolle spielt und nicht der Patient. Viele Krankenhäuser in Deutschland sind in Not, von den 2000 Kliniken wird voraussichtlich jede vierte das Jahr 2020 nicht erleben. Die Krankenhausreform entfaltet Wirkung, und nicht wenige in der Politik bezeichnen das Massensterben als heilsam für das marode Gesundheitssystem. Qualität, Wettbewerb und Wirtschaftlichkeit wollte Gesundheitsministerin Ulla Schmidt 2003 mit ihrer Reform fördern, unrentable Häuser sollten verschwinden. Großer Aufschwung nach der Wende Das Kreis- und Stadtkrankenhaus Witzenhausen liegt nur ein paar Schritte vom Rathaus entfernt, beste Innenstadtlage. 1989, nach dem Mauerfall, erlebte die 165 Jahre alte Klinik den großen Aufschwung, zwei neue Chefärzte wurden ins ehemalige "Zonenrandgebiet", wie es hier noch heißt, geholt, das Haus wurde renoviert und modernisiert. Ein geschwungenes Betondach schwebt seither über dem Eingang, die Wände sind mit entspannenden Farben bedeckt, mit sanftem Orange und Grün. Gemeinnützige GmbH ist die Klinik mittlerweile und Teil der Gesundheitsholding Werra-Meißner-Kreis, modernes Management ist angesagt. "Bis 2003", erzählt Landrat Stefan Reuß bedrückt, "hat das Krankenhaus schwarze Zahlen geschrieben". 2003 änderte sich alles. 2003 wurden Schritt für Schritt die neuen Fallpauschalen als Abrechnungssystem eingeführt, mit denen die Kassen nur noch eine fixe Summe für jeden Patienten bezahlen. Kliniken, die sparen, die Patienten schneller entlassen - und damit auch mehr behandeln, würden finanziell belohnt, die Gewinner der Reform seien sie, versprach Ulla Schmidt. In Witzenhausen glaubte man ihr. Man habe gespart, erzählt Reuß, die Bettenzahl von 201 auf 160 reduziert, die Verweildauer der Patienten sank auf musterhafte 6,5 Tage. Doch die Rechnung ging nicht auf, weil es in und um Witzenhausen nur eine begrenzte Zahl von Kranken gibt, sie lässt sich nicht erhöhen. Die Betten sind noch zu 60 bis 70 Prozent belegt.
Das kleine Kreiskrankenhaus spart vorbildlich und kommt trotzdem nicht mehr auf die Beine - unter den Nebenwirkungen leidet die ganze Stadt.
wirtschaft
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Wie die Gesundheitsreformen das Klinik-Sterben beschleunigen - Ein Rezept für den Kollaps
00/05/2010
Bundeskanzlerin Merkel und Frankreichs Präsident Sarkozy wollen heute über die Zukunft von EADS sprechen. Aus Verhandlungskreisen verlautete bereits, dass die Deutschen auf den Vorsitz verzichten wollen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy kommen heute in Toulouse zu einem Spitzengespräch zusammen. Schwerpunkt ist die Zukunft des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS. Detailansicht öffnen Der bisherige EADS-Ko-Vorsitzende Louis Gallois. (Foto: Foto: dpa) Wie aus deutschen Verhandlungskreisen verlautete, wollen Merkel und Sarkozy dabei die Neuordnung der Managementstrukturen verkünden. Demnach soll der alleinige Vorsitzende des einflussreichen EADS-Verwaltungsrates voraussichtlich der Daimler-Manager Rüdiger Grube werden. Der bisherige EADS-Ko-Vorstandsvorsitzende Louis Gallois, der heute auch Chef bei Airbus ist, könnte dann alleiniger EADS-Vorstandsvorsitzender sein. Deutscher verzichtet auf Vorsitz Der bisherige deutsche EADS-Ko-Vorstandschef Thomas Enders würde nach diesen Informationen auf den Chefsessel von Airbus wechseln und damit für den Großteil des gesamten EADS-Umsatzes unmittelbare Verantwortung übernehmen. Sein Stellvertreter bei Airbus wäre wie bisher ein Franzose. Aus deutschen Verhandlungskreisen hieß es, mit einer solchen Lösung wäre das deutsche Gewicht bei EADS aufgewertet. Zudem hätte man eine faire und partnerschaftliche Lösung zwischen Deutschland und Frankreich erreicht. Merkel und Sarkozy wollen in Toulouse über effizientere Managementstrukturen und die weitere Finanzierung der EADS-Tochter Airbus beraten. Das Unternehmen soll wettbewerbsfähiger werden im Vergleich zum US-Erzrivalen Boeing. Unmittelbar vor dem Treffen wies Merkel erneut französische Forderungen nach einem stärkeren staatlichen Einfluss auf die Airbus-Mutter EADS zurück. "Es geht darum, dass das Unternehmen nach unternehmerischen und nicht nach politischen Erwägungen geführt wird", sagte sie dem Handelsblatt. Merkel will effizienteres Wirtschaften Bei der EADS-Gründung im Jahr 2000 sei es gemeinsame Annahme gewesen, dass Frankreich seinen Staatsanteil verringere. "Realistisch ist allerdings, dass dies für den französischen Staat kurzfristig eher schwierig ist." Die deutsche Seite habe schon früher vorgeschlagen, die Strukturen effizienter zu gestalten, sagte Merkel. Es sei das gemeinsame Interesse des französischen Präsidenten und von ihr, dass das Unternehmen gute Flugzeuge verkaufe und Geld verdiene. "Wir müssen nur aufpassen, dass wir die nötigen Weichenstellungen nicht verpassen, damit dies so bleibt." Die seit Jahren umstrittene Doppelspitze im EADS-Management war zur Wahrung des deutsch-französischen Gleichgewichts geschaffen worden. Sie war Teil des EADS-Aktionärspaktes, der das Machtgefüge genau austariert. Dem Vernehmen nach wollen sich die Regierungen künftig aus der Unternehmensführung heraushalten, auch wenn sie - wie der französische Staat - Großaktionär sind. Das EADS-Machtgefüge Maßgeblichen Einfluss haben die industriellen Hauptanteilseigner DaimlerChrysler und die französische Mediengruppe Lagardère. DaimlerChrysler hält 15,0 Prozent, 7,5 Prozent gingen ohne Stimmrecht an ein überwiegend deutsches Konsortium aus Bundesländern und Banken. Der französische Staat hält direkt 15 Prozent, Lagardère hat bereits 7,5 Prozent abgetreten und hält nun noch 7,5 Prozent. Berlin lehnt eine direkte Beteiligung des deutschen Staates ab und setzt auf Privatinvestoren. Wie die französische Sonntagszeitung Journal du Dimanche berichtete, lehnen DaimlerChrysler und Lagardère jede Änderung ihrer Positionen im EADS-Aktionärspaket ab. Sarkozy hatte zuletzt mehrfach angedeutet, das Machtgefüge aufzubrechen und den Airbus-Mutterkonzern für neue Partner zu öffnen. Kritiker befürchten, dass es der französischen Regierung letztlich darum geht, ihren Anteil zu erhöhen. Dies könnte der Fall sein, wenn sich Lagardère weiter zurückzieht. Die Balance wäre auch gefährdet, sollte Frankreich einseitig eine Kapitalerhöhung durchsetzen.
Bundeskanzlerin Merkel und Frankreichs Präsident Sarkozy wollen heute über die Zukunft von EADS sprechen. Aus Verhandlungskreisen verlautete bereits, dass die Deutschen auf den Vorsitz verzichten wollen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/spitzengespraech-wegen-eads-ein-franzose-an-der-spitze-1.906305
Spitzengespräch wegen EADS - Ein Franzose an der Spitze
00/05/2010
Die Hängepartie hat ein Ende - zumindest vorläufig. Im Prozess um den Finanzskandal der ehemaligen Staatsbank Crédit Lyonnais ist Notenbankchef Jean-Claude Trichet freigesprochen worden. Somit wird sein Wechsel an die Spitze der Europäischen Zentralbank wahrscheinlicher. Der designierte Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, ist vom Vorwurf der Beihilfe zur Bilanzfälschung freigesprochen worden. Ein Pariser Strafgericht machte mit seiner am Mittwoch verkündeten Entscheidung den Weg für den derzeitigen Chef der französischen Notenbank an die Spitze der EZB frei. Der 60-jährige Trichet soll Nachfolger des ersten EZB-Präsidenten Wim Duisenberg werden. "Ich komme nicht umhin zu sagen, dass diese Gerichtsentscheidung mich aufwühlt", sagte Trichet nach dem Urteil des Strafgerichtes in Paris erleichtert. Die französische Regierung unterstrich, sie werde die Kandidatur Trichets für die EZB-Spitze auf dem am Freitag in Thessaloniki beginnenden EU-Gipfel bekräftigen. Staatsanwaltschaft kann das Urteil anfechten Die Pariser Staatsanwaltschaft, die zuvor eine Bewährungsstrafe von zehn Monaten für Trichet gefordert hatte, kann allerdings noch Rechtsmittel gegen das Urteil einlegen und dieses anfechten. Nach Angaben der Ermittler vertuschte die damals staatliche Crédit Lyonnais (CL) für 1991, 1992 und das erste Halbjahr 1993 Milliardenverluste. Als damaliger Leiter des Schatzamtes hätte Trichet die Praktiken der CL besser kontrollieren müssen, so die Pariser Staatsanwaltschaft. Trichet hat die Vorwürfe vor Gericht bestritten und erklärt, das von ihm geleitete Schatzamt habe angesichts der Risiken schon früh Alarm geschlagen. Das Kreditinstitut war vor allem durch seine Rolle beim Kauf der MGM-Studios und durch Immobiliengeschäfte in schwere finanzielle Schlagseite geraten. Doch noch für 1991 wies Crédit Lyonnais einen Gewinn aus, für die beiden Folgejahre insgesamt einen Verlust von nur 1,3 Milliarden Euro. Laut einem neuen Gutachten hätte die Bank allein für 1992 zusätzlich noch einmal die gleiche Summe abschreiben müssen. Die Sanierung des mittlerweile privatisierten Kreditinstituts kostete den französischen Steuerzahler insgesamt fast 15 Milliarden Euro. Kein Kommentar von EZB-Seite Die EZB selbst wollte weder zu Trichets Freispruch selbst noch zu den möglichen Konsequenzen für die EZB-Spitze Stellung nehmen. "Gerichtsurteile kommentieren wir grundsätzlich nicht", betonte EZB- Sprecher Manfred Körber. Es sei nun Aufgabe der EU-Finanzminister, die Nachfolge Duisenbergs sicherzustellen. EZB-Präsident Duisenberg hat sich bereit erklärt, so lange im Amt zu bleiben, bis ein Nachfolger gefunden sei. Der Niederländer wollte ursprünglich an seinem 68. Geburtstag am 9. Juli gehen. EU-Kommissionspräsident Romano Prodi hat den Freispruch des französischen Notenbankchefs Jean-Claude Trichet in dem Pariser Bilanzskandal-Prozess begrüßt. "Das ist sicherlich eine gute Nachricht", sagte Prodi in Brüssel. Er habe die Nachricht mit "großer Genugtuung zur Kenntnis genommen", sagte Prodi. "Damit wird jetzt manches leichter, zum Beispiel die Nachfolgregelung für die EZB." Mit einem Freispruch endete der Prozess um Bilanzschwindel auch für den Ex-Notenbankchef Jacques de Larosière und Trichets ehemaligen Mitarbeiter Jean-Pascal Beauffret. Dagegen wurde der frühere Crédit-Lyonnais-Chef Jean-Yves Haberer zu einer Haft von 18 Monaten auf Bewährung und einer Geldstrafe von 50 000 Euro verurteilt. (sueddeutsche.de/AFP/AP/dpa)
Die Hängepartie hat ein Ende - zumindest vorläufig. Im Prozess um den Finanzskandal der ehemaligen Staatsbank Crédit Lyonnais ist Notenbankchef Jean-Claude Trichet freigesprochen worden. Somit wird sein Wechsel an die Spitze der Europäischen Zentralbank wahrscheinlicher.
wirtschaft
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Trichet-Urteil - Gericht ebnet Weg zur Duisenberg-Nachfolge
00/05/2010
Der VW-Chef legt zum Jahresbeginn gute Zahlen vor - und gibt Piëch leise Antwort. Mit überraschend starken VW-Verkaufszahlen zum Jahresauftakt hat Konzernchef Bernd Pischetsrieder seine Position im Machtkampf in der Führungsetage gestärkt. In den ersten beiden Monaten lieferte VW 790.000 Autos und damit 15 Prozent mehr aus als im Vorjahreszeitraum. Damit wuchs der Konzern doppelt so schnell wie der Weltmarkt, wie Pischetsrieder am Dienstag in Wolfsburg bei der Bilanzvorstellung mitteilte. Der Manager zeigte sich angesichts der guten Zahlen kampfbereit: "Ich möchte unseren Konzern gemeinsam mit unseren Kollegen zum Erfolg führen", sagte Pischetsrieder. "Nicht in der Öffentlichkeit" Der Konzernchef machte erste Angaben zur geplanten Restrukturierung bei der Kernmarke VW. Demnach wird die Produktion von Motoren und Getrieben als Kernkompetenz angesehen. Das gilt als Bestandszusage für die Werke Salzgitter (Motoren) und Kassel (Getriebe). Über das Komponentenwerk Braunschweig sagte Pischetsrieder nichts. Von der Sanierung könnten bis zu 20.000 Arbeitsplätze bei der Marke VW in Deutschland betroffen sein. Pischetsrieder machte klar, dass die Marke VW und vor allem die Traditionswerke in Niedersachsen und Kassel nicht langfristig auf Quersubventionierung der gewinnträchtigen Marken wie Audi hoffen können. "Nachhaltigkeit heißt, dass wir auch in schlechten Zeiten unsere Investitionen finanzieren können, in allen Teilen des Konzerns. Damit vertragen sich Quersubventionen nicht", sagte er. Die Marke VW hatte 2005 nur knapp den Sprung in die Gewinnzone geschafft. Einige westdeutschen Werke arbeiten mit Verlusten. Zu der von Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch losgetretenen Diskussion um seine berufliche Zukunft äußerte Pischetsrieder sich nur verklausuliert: "Wir sind uns alle einig, dass wir uns aus innerer Überzeugung nicht auseinander dividieren lassen", sagte er über die Haltung im Konzernvorstand, zu dem auch Audi-Chef Martin Winterkorn gehört, der in Berichten als möglicher Nachfolger Pischetsrieders gehandelt wird. Zu seinem 2007 auslaufenden Vertrag sagte Pischetsrieder, die Diskussion gehöre "nicht in die Öffentlichkeit, sondern in den Aufsichtsrat". Er schickte ein freundliches Signal in Richtung der Arbeitnehmer, deren Zustimmung zu einer Vertragsverlängerung als offen gilt: "Man kann ein Unternehmen nur mit den Mitarbeitern und nicht gegen die Mitarbeiter führen", sagte er. Pischetsrieder steht unter Druck, nachdem sein Amtsvorgänger - der jetzige Aufsichtsratschef Piëch - öffentlich über die Zukunft des VW-Bosses spekuliert hatte. Nur leichtes Wachstum erwartet Laut Pischetsrieder sollen in diesem Jahr Auslieferungen und Umsatz leicht steigen. 2005 hatte Volkswagen mit 5,24 Millionen Autos einen Auslieferungsrekord erreicht. "Der Blick in die nahe Zukunft lässt kein dynamisches Wachstum oder wesentliche Veränderungen der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen prognostizieren", sagte der Konzernchef. Der Weltmarkt werde um 1,2 Prozent auf 53,6 Millionen Fahrzeuge wachsen. Die starken Zuwächse von VW seit Jahresbeginns würden sich nicht in dem Maß fortsetzen. Das operative Ergebnis vor Sondereinflüssen stieg 2005 um 54 Prozent auf 3,14 Milliarden Euro, der Reingewinn um 61 Prozent auf 1,12 Milliarden Euro. Der Umsatz kletterte 2005 um über 7 Prozent auf 95,3 Milliarden Euro. Das Sparprogramm ForMotion brachte 3,5 Milliarden Euro ein. Der größte Teil des Gewinns kam von den Töchtern Audi und Financial Services.
Der VW-Chef legt zum Jahresbeginn gute Zahlen vor - und gibt Piëch leise Antwort.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/volkswagen-stille-post-von-pischetsrieder-1.916626
Volkswagen - Stille Post von Pischetsrieder
00/05/2010
Deutschland kann künftig bei Verletzungen des Stabilitätspaktes mit mehr Milde rechnen. Und so feiert der Bund sich selbst. Deutschland hat sich im Streit um die Reform des Euro-Stabilitätspakts auf ganzer Linie durchgesetzt und kann bei künftigen Verletzungen der Neuverschuldungsgrenze mit Milde rechnen. Bundeskanzler Gerhard Schröder begrüßte am Montag in Berlin die Einigung der EU-Finanzminister als vernünftig. Die Euro-Staaten können ab diesem Jahr mehr Kredite aufnehmen, ohne mit EU-Sanktionen rechnen zu müssen. Außerdem haben sie länger Zeit, Schieflagen im Staatshaushalt zu korrigieren. In Regierungskreisen hieß es, die Einigung sei "ein großer Verhandlungserfolg" für Eichel. Es handele sich um einen "sehr gelungenen Kompromiss", der den Aspekten Stabilität und Wachstum gleichermaßen Rechnung trage. Einzelfall rückt in den Vordergrund "Der Pakt wird jetzt ökonomischer, rationaler, wachstumsorientierter", hieß es. Die Stabilisierungsfunktion des Paktes für die europäische Währung werde nicht aufgegeben, sondern unterstützt. Es sei davon auszugehen, dass die Staats- und Regierungschefs der EU dem Reformvorschlag bei ihrem Gipfeltreffen in dieser Woche zustimmen würden. Auf einer Sonderkonferenz in Brüssel hatten die EU-Länder den mehr als drei Jahre währenden Konflikt über Änderungen am Maastricht-Vertrag beendet. Sie einigten sich in fast zwölfstündigen Verhandlungen, an den Grundregeln des Paktes nicht zu rütteln, diese aber nicht mehr so rigoros anzuwenden. Entsprechend der Forderung von Bundesfinanzminister Hans Eichel werden bestimmte Faktoren künftig bei der Bewertung eines Staatsdefizits mindernd berücksichtigt. Für Deutschland sind dies vor allem die Milliardenausgaben für den Aufbau Ost und die Nettozahlungen an die EU. Schröder und Eichel wiesen den Vorwurf von Union und FDP zurück, die Vereinbarung sei ein Freibrief für uferlose Schuldenaufnahme. "Die Kritik der Opposition beruht auf Kenntnislosigkeit der ökonomischen Zusammenhänge", sagte Schröder. Defizitmindernde Faktoren Er verwies darauf, dass die Mehrheit der EU-Finanzminister konservativ sei. "Die Opposition steht mit ihrer Kritik alleine da." Eichel betonte: "Es geht doch nicht darum, dass wir die Lizenz zum Schuldenmachen haben wollen." Die Reform ermögliche "eine stärkere Einzelfallbetrachtung". Formal bleibt die Neuverschuldungsgrenze bei 3,0 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Liegt ein Land darüber, muss es aber nicht unbedingt mit der Einleitung oder Verschärfung eines Strafverfahrens und milliardenschweren Sparauflagen rechnen. Bedingung ist, dass das Staatsdefizit knapp und nur von kurzer Dauer über 3,0 Prozent liegt. Als defizitmindernde Faktoren legten die Minister die "Kosten zur Herstellung der europäischen Einheit" fest, falls sich diese negativ auf Wachstum und Haushalt auswirkten. Bei der Defizitbeurteilung werden zudem Investitionen in Forschung und zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit eines Landes, der Gesamtschuldenstand sowie eingeleitete Strukturreformen einbezogen. Die bisherige Zeitvorgabe, die Neuverschuldung innerhalb von zwei Jahren wieder unter 3,0 Prozent zu drücken, wird deutlich ausgeweitet. Der EU-Ratsvorsitzende und Luxemburger Ministerpräsident Jean-Claude Juncker, der den Weg zur Einigung mit einem nachgebesserten Kompromissvorschlag freigemacht hatte, sagte im Einklang mit Eichel, der Pakt könne künftig "sehr viel ökonomischer angewandt werden", ohne dass "wir seine Grundregeln geändert haben". "Der Begriff Stabilität ist weder aus dem Vokabular noch aus der Praxis verschwunden." Die 3,0-Prozent-Grenze sei nicht in Frage gestellt oder untergraben worden. Eichel betonte, der Pakt könne jetzt wachstumsfreundlicher angewandt werden. Der Streit über den Stabilitätspakt war entbrannt, als die EU-Kommission Deutschland Ende 2002 wegen eines ausufernden Defizits verwarnt hatte. Die Bundesrepublik konnte die Neuverschuldungsgrenze 2002, 2003 und 2004 nicht halten. Auch dieses Jahr wird es eine Zitterpartie.
Deutschland kann künftig bei Verletzungen des Stabilitätspaktes mit mehr Milde rechnen. Und so feiert der Bund sich selbst.
wirtschaft
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"Lockerung des Stabilitätspaktes - ""Ökonomischer, rationaler, wachstumsorientierter"""
00/05/2010
Das Ende des deutschen Steinkohle-Bergbaus war abzusehen, aber viele Menschen im Ruhrgebiet wollten das nicht wahrhaben - jetzt ist die Not in vielen Städten groß. Andreas Schröder hat wenig Zeit, er muss an diesem späten Vormittag auf dem kleinen Markt in Gelsenkirchen-Hassel noch Besorgungen machen. Er braucht Verpflegung für seinen Nebenjob am Nachmittag. Detailansicht öffnen Die Bergleute in der Waschkaue der Schachtanlage "Lippe" in Gelsenkirchen-Hassel verlieren vielleicht 2008 ihren Job. (Foto: Foto: AP) Der 54-Jährige trägt noch von der Frühschicht die grau-weiße Arbeitskluft und den gelben Schutzhelm, die ihn als Bergmann erkennbar machen. ,,Kolonnenschieber'' ist er im nahegelegenen Pütt, also so etwas wie ein Vorarbeiter. Bald wird er seinen Arbeitsplatz nicht mehr haben. ,,Ich seh' schwarz für uns'', sagt der Mann, der sich mit seinen 54 Jahren als ,,einen der Ältesten im Bergbau'' bezeichnet. ,,Hier is nich mehr lange'', und weist auf die nahegelegenen Türme der Zeche Lippe. Keine Überraschung Die Entscheidung vom vergangenen Wochenende, als die Bundesregierung, die Bergbaugewerkschaft und die Kohlegesellschaft RAG das Ende des deutschen Steinkohle-Bergbaus bis 2018 beschlossen, hat ihn nicht überrascht. Auf Lippe im Norden von Gelsenkirchen wird sogar noch früher das Ende kommen. ,,Hier is 2008 Schluss. Sagen alle.'' Genaues weiß man nicht. Aber es wird viel geredet. Die Unsicherheit ist groß rund um den Markt. Die 2400 Beschäftigten von Lippe bangen um die Zukunft. Bergmann Schröder, der schon mit 13 Jahren im Pütt in die Lehre ging und 41 Jahre unter Tage hinter sich hat, hält den Beschluss, die letzten acht deutschen Zechen zu schließen, für einen Fehler. ,,Das werden wir noch bedauern'', sagt er. "Viel zu wenig Koks in Deutschland" Er kommt ins Reden, obwohl er am Nachmittag noch eine Menge zu tun hat. ,,Wir haben viel zu wenig Koks in Deutschland'', sagt er. Aber statt die Kohle aus dem eigenen Boden zu holen, ,,kaufen wir noch viel dabei'', zum Beispiel aus Polen. Wo doch jeder weiß, das die polnische Kohle nicht viel taugt. ,,Die muss hier mit unserer gemischt werden, damit sie überhaupt brennt.'' Als gelernter Schlosser, baut er schon mal vor. ,,Ich arbeite nebenbei in meinem alten Beruf.'' Damit er etwas hat, wenn Lippe dicht ist und die Rente von 900 Euro, die er dann bis zum 60. Geburtstag beziehen wird, nicht reicht. ,,Wenn ich nur anständig Englisch könnte'', bricht es plötzlich aus ihm heraus. Englisch? ,,Dann wär' ich schon in Kanada.'' Dorthin sei ein Verwandter vor ein paar Jahren gegangen, der auch Schlosser ist. In seinem Alter. Der könne da gut leben. ,,Warum muss man sich nach 41 Jahren im Pütt noch Sorgen um die Zukunft machen'', fragt Schröder. Ratlosigkeit Ein paar hundert Meter weiter fährt Guido Hoffmann auf den Parkplatz gegenüber Lippe. Der 43-Jährige arbeitet als Maschinist am Förderturm. Auf dem Weg zum Tor wirkt er ratlos. ,,Watt soll ich machen, wenn hier aus is?'' Er hat früher eine Schlosserlehre gemacht. Aber wer würde ihn noch einstellen, ,,wenn man lange aus dem Beruf ist''. Im nördlichen Ruhrgebiet machen sich viele Menschen große Sorgen. Im Revier gibt es noch sechs Zechen. Die meisten liegen im Norden. Dort ist zu sehen, dass diese Region eine Vergangenheit hat, die Zukunft aber noch nicht eingezogen ist. In Essen oder Dortmund, weiter im Süden, wo der Bergbau früher angefangen hat, wo er aber auch früher eingestellt wurde, sieht es besser aus. Aber in Bottrop, Recklinghausen, Herten oder Gelsenkirchen, scheint die Zeit zu stehen. Die Zechen wurden dichtgemacht. ,,Ewald'', ,,Hugo'', ,,Schlägel und Eisen'', ,,Graf Achenbach'' und wie sie alle hießen - und die neuen Arbeitsplätze lassen auf sich warten.
Das Ende des deutschen Steinkohle-Bergbaus war abzusehen, aber viele Menschen im Ruhrgebiet wollten das nicht wahrhaben - jetzt ist die Not in vielen Städten groß.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/ruhrgebiet-die-lebensluege-einer-region-1.897839
Ruhrgebiet - Die Lebenslüge einer Region
00/05/2010
In einem halben Jahr wird der Ölpreis purzeln. Diese Prognose machen unabhängig voneinander zwei der weltweit angesehensten Forschungsinstitute. (SZ vom 20.10.03) — Glaubt man den Experten, könnte der Ölpreis bald drastisch einbrechen. "Wir rechnen für das laufende Quartal noch mit durchschnittlich 29 Dollar für ein Barrel Öl der Nordsee-Leitsorte Brent; für das Gesamtjahr 2004 dagegen erwarten wir einen Durchschnittspreis von 24 Dollar", sagte Vera de Ladoucette im SZ-Gespräch. Ladoucette leitet die Abteilung Nahost-Analyse bei dem Forschungsinstitut Cambridge Energy Research Associates (Cera). Cera gilt zusammen mit dem Centre for Global Energy Studies (CGES) in London als die weltweit angesehenste private Forschungseinrichtung im Öl-Sektor. Probleme im Irak Der kräftige Preisrutsch wird Ladoucettes Ansicht nach im Frühjahr erfolgen, wenn die Nachfrage saisonbedingt am niedrigsten ist. Laut der Expertin könnte der Preis während des zweiten Quartals 2004 unter 24 Dollar pro Barrel (159 Liter) fallen. Gegenüber dem derzeitigen Preisniveau wäre das ein Rutsch um 20 bis 25 Prozent. Das CGES zeigt sich zwar etwas vorsichtiger, prognostiziert aber ebenfalls, dass der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) "harte Zeiten bevorstehen". Der weltweite Bedarf an Öl aus den Opec-Ländern werde im nächsten Mai auf 24,8 Millionen Barrel pro Tag fallen. Wendepunkt erstes Quartal 2004 Gegenüber der Nachfrage-Spitze vom vergangenen Februar wäre das ein Minus von 13 Prozent. Das erste Quartal des Jahres 2004 "könnte sich als der Wendepunkt für die Öl-Preise erweisen." In seinem mittleren Szenario prognostiziert das CGES für den Jahresdurchschnitt 2004 einen Preis von 26,60 und das zweite Quartal 25,20 Dollar je Barrel. Bislang sind seit dem Ende des Irak-Krieges die Öl-Preise im Trend gestiegen. Nachdem die Opec am 24. September überraschend eine Produktionskürzung um 3,5 Prozent beschlossen hatte, kletterte die Notierung sogar auf über 30 Dollar. Nach Einschätzung von Ladoucette wollten die Opec-Staaten mit der Kürzung aber nur einem Preis-Kollaps im Frühjahr vorbeugen. Gefahr durch Terroristen Ihre Erwartung sinkender Preise begründet Ladoucette zum einen mit der steigenden Förderung in Russland und anderen Staaten, die nicht der Opec angehören. Außerdem nähmen langsam die Exporte aus dem Irak wieder zu. Bislang haben Terroristen die wichtige Pipeline von den nordirakischen Öl-Feldern zum türkischen Mittelmeerhafen Ceyhan nach jeder Reparatur wieder gesprengt und damit den irakischen Öl-Export massiv geschmälert. Die Pipeline führt durch unwegsames Gelände und ist schwer zu bewachen. Die Folge der Sabotage ist, dass Öl wieder in die Lagerstätten zurückgepumpt werden muss, weil Transportmöglichkeiten fehlen. Inzwischen wird zumindest ein Teil dieses Öls durch eine andere Pipeline zum südirakischen Hafen Mina al-Bakr geleitet; er hat allerdings nur eine Kapazität von 1,3 Millionen Barrel pro Tag. Irakische Produktion soll verdoppelt werden Washington will die irakische Öl-Produktion bis Jahresende 2004 auf drei Millionen Barrel pro Tag hochfahren und damit verdoppeln. Ladoucette rechnet mit 2,4 Millionen Barrel im Jahresdurchschnitt. Wie viel davon auf den Weltmarkt kommt, wollen aber weder Cera noch CGES voraussagen. Dies hänge auch davon ab, ob die USA dem Irak erlauben, die Pipeline nach Syrien wieder zu eröffnen, die etwa 0,3 Millionen Barrel pro Tag durchleiten könnte. Russland fördert deutlich mehr Öl In Russland und anderen Nicht-Opec-Ländern werden künftig 1,2 Millionen Barrel mehr pro Tag gefördert, schätzt Ladoucette. Damit steige die Förderung im Jahresdurchschnitt 2004 um etwa 2,5 Millionen Barrel pro Tag. Dem stehe aber nur ein weltweiter Nachfrage-Zuwachs von einer Million Barrel gegenüber. Eine Garantie für niedrigere Ölpreise haben die Verbraucher freilich nicht: Auch in Nigeria oder Venezuela seien politische Unruhen derzeit nicht auszuschließen. Dies, so Ladoucette, könnte letztlich jede Prognose über den Haufen werfen.
In einem halben Jahr wird der Ölpreis purzeln. Diese Prognose machen unabhängig voneinander zwei der weltweit angesehensten Forschungsinstitute.
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Trendwende im Frühjahr - Einbruch des Ölpreises erwartet
00/05/2010
Der Zeitpunkt könnte kaum ungünstiger sein: Nur wenige Tage nachdem die Aktionäre der HypoVereinsbank das Übernahmeangebot des italienischen Unicredit-Konzerns angenommen haben, bricht eine Führungskrise bei der deutschen Großbank aus. Das sind schlechte Nachrichten für die HypoVereinsbank, besonders für ihre Mitarbeiter. Wenige Tage nachdem die Aktionäre der Münchner Großbank das Übernahmeangebot von Unicredit angenommen haben, gibt es heftige Turbulenzen. Detailansicht öffnen Über der HypoVereinsbank brauen sich dunkle Wolken zusammen. (Foto: Foto: ddp) Der Hoffnungsträger Stefan Jentzsch wird wohl den Konzern verlassen. Mit ihm werden seine Kollegin Christine Licci und womöglich auch Johann Berger das Feld räumen. Ein harter Schlag. Die Führungskrise kommt zur denkbar ungünstigsten Zeit. Die Einzelheiten der Übernahme stehen noch gar nicht fest. Auch HVB-Chef Dieter Rampl wird gehen und an die Spitze des Verwaltungsrats von Unicredit wechseln. Stark verunsichert Dem HVB-Urgestein Wolfgang Sprißler kommt nun die Aufgabe zu, den Laden in München zusammenzuhalten. Das wird nicht einfach werden. Die Beschäftigten werden durch die prominenten Abgänge - übrigens mit hohen Abfindungen versüßt - weiter stark verunsichert. Ohnehin sind die Mitarbeiter von dem monatelangen Hin und Her um die Übernahme zermürbt. Dieter Rampl hat bisher kaum klare Personalentscheidungen getroffen und mit diesem Zögern sicher seinen Beitrag zu der Krise geleistet. Angst vor Zerschlagung Die Angst vor der Zerschlagung des Deutschlandgeschäfts wird nun sicher wieder größer. Zudem könnte mit Jentzsch ein Teil seiner Investment-Truppe das Weite suchen. Das alles zusammen ist schlecht für das Geschäft.
Der Zeitpunkt könnte kaum ungünstiger sein: Nur wenige Tage nachdem die Aktionäre der HypoVereinsbank das Übernahmeangebot des italienischen Unicredit-Konzerns angenommen haben, bricht eine Führungskrise bei der deutschen Großbank aus.
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Führungskrise bei der HypoVereinsbank - Schock danach
00/05/2010
Im Vorstand von DaimlerChrysler ist es nicht leicht, eine Meinung zu haben, die von der des Konzernchefs Schrempp abweicht. Dennoch hat sich ihm Jürgen Hubbert behutsam aber effektiv immer wieder entgegengestellt. Allein dies macht deutlich, wie stark die Position des Mercedes-Chefs ist, der am kommenden Samstag 65 Jahre alt und im April nächsten Jahres in den Ruhestand gehen wird. Detailansicht öffnen Hubbers letzte Amtsmonate werden überlagert durch die Diskussion über Kosteneinsparungen bei Mercedes. (Foto: Foto: dpa) Starke Position Wie kaum ein anderer steht der gebürtige Westfale bei DaimlerChrysler für die alten Werte, die die Stuttgarter Traditionsmarke mit dem Stern ausmachen: Tradition, Prestige, aber auch Profitabilität. Wenn einer verhindert hat, dass die Marke Mercedes in den Sog der Fusion mit Chrysler geriet und Schaden nahm, dass Mercedes-Teile in amerikanische Massenautos eingesetzt werden, um Geld zu sparen, dann ist es Hubbert, der mit seiner westfälischen Sturheit dem Synergiesucher Schrempp immer wieder im Weg stand. Der ruhige Hubbert Hubbert konnte sich diese Haltung leisten. Jeder im Konzern wusste, dass Mercedes für die Gewinne sorgt, die bei Chrysler und dem japanischen Autohersteller Mitsubishi Motors ausblieben, an dem sich DaimlerChrysler im Jahr 2000 auch noch beteiligte. Der ruhige Hubbert genießt in der Autobranche ein besonders hohes Ansehen. Im Jahr 1965 war der Ingenieur in das Unternehmen gekommen, wo er später enger Mitarbeiter von legendären Mercedes-Chefs wie Werner Niefer und Helmut Werner war. Im Jahr 1995 machte der neue Konzernchef Schrempp den Auto-experten zum Vorstandsmitglied für die Pkw-Gruppe und nach der Fusion mit Chrysler 1998 für die Mercedes Car Group, in der Mercedes, Smart und Maybach zusammengefasst sind.
Im Vorstand von DaimlerChrysler ist es nicht leicht, eine Meinung zu haben, die von der des Konzernchefs Schrempp abweicht. Dennoch hat sich ihm Jürgen Hubbert behutsam aber effektiv immer wieder entgegengestellt.
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Jürgen Hubbert - Mr. Mercedes
00/05/2010
Ein Sieg des deutschen Opel-Stammwerks über den schwedischen Standort Trollhättan zeichnet sich offenbar ab. Die Entscheidung soll diese Woche fallen. Ein Sieg des Opel-Stammwerks Rüsselsheim im Standortwettbewerb mit der Saab-Produktionsstätte im schwedischen Trollhättan wird immer wahrscheinlicher. Detailansicht öffnen Die Rüsselsheimer können wahrscheinlich bald aufatmen: Offenbar wird der Zuschlag für den Bau der Mittelklasse an das deutsche Opel-Stammwerk gehen. (Foto: Foto: AP) Nach Medienberichten soll die Entscheidung für die Vergabe der künftigen Mittelklasse-Produktion (Opel Vectra, Saab 9-3) in dieser Woche offiziell bekannt gegeben werden. Wie sich bereits seit längerem andeutet, soll Rüsselsheim demnach den Zuschlag erhalten. Management und Betriebsrat dementierten am Montag jedoch Gerüchte, wonach die Vergabe bereits beschlossene Sache sei. Auch Astra-Produktion angeblich in Rüsselsheim "Die Verhandlungen mit dem Mutterkonzern General Motors dauern weiter an", sagte ein Opel-Sprecher am Montag. Die Gespräche seien aber auf einem guten Weg. Nach einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, die sich auf einen Verhandlungsteilnehmer beruft, erhält Rüsselsheim auch den Zuschlag für die Entwicklung des nächsten Kompaktmodells Opel Astra. Rivalen sind hierbei der GM-Hauptsitz Detroit sowie Standorte in Japan und Südkorea. In Trollhättan soll zum Ausgleich für die entgangene Mittelklasse-Fertigung unter anderem ein neues Cadillac-Modell von GM gebaut werden. Verzicht auf übertariflichen Leistungen Laut einem Bericht des Handelsblatts soll bis zum Ende der Woche auch eine Gesamt-Vereinbarung über die Sicherung der Opel-Standorte Bochum, Rüsselsheim und Kaiserslautern getroffen werden. Im Gegenzug sollen die Beschäftigten auf übertarifliche Leistungen verzichten. Dieser so genannte Zukunftsvertrag und die Vergabe der nächsten Mittelklasse-Produktion wären die Schritte zwei und drei in dem seit Monaten andauernden Verhandlungsmarathon zwischen Opel, Saab und GM Europe. Am vergangenen Freitag hatte Opel mitgeteilt, dass Schritt eins, der massive Stellenabbau, vorerst ohne betriebsbedingte Kündigungen und Werksschließungen umgesetzt wird. Rund 4500 Mitarbeiter haben freiwillige Abfindungsverträge unterzeichnet. Am Standort Bochum sollen bis 2007 weitere 1500 Beschäftigte mit Abfindungen ausscheiden. Damit würde das um 500 Stellen verringerte Ziel von 6000 Job-Streichungen erreicht.
Ein Sieg des deutschen Opel-Stammwerks über den schwedischen Standort Trollhättan zeichnet sich offenbar ab. Die Entscheidung soll diese Woche fallen.
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Mittelklasse-Produktion von General Motors - Zuschlag für Rüsselsheim immer wahrscheinlicher
00/05/2010
Zwei Beschuldigte in der Siemens-Korruptionsaffäre behaupten, dass Kaeser schon seit Jahren von illegalen Zahlungen Kenntnis hatte. Siemens dementiert. Der aktuelle Finanzvorstand von Siemens, Joe Kaeser sieht sich einem Zeitungsbericht zufolge mit schweren Anschuldigungen konfrontiert. Detailansicht öffnen Joe Kaeser folgte Hans-Joachim Neubürger als Finanzchef bei Siemens nach, nachdem dieser seine Stelle mit 1. Mai 2006 niederlegte. (Foto: Foto: dpa) Wie das Wall Street Journal Europe berichtet, sollen zwei Hauptverdächtige im Korruptionsskandal ausgesagt haben, dass CFO Joe Kaeser bereits seit Jahren von illegalen Zahlungen Kenntnis hatte. Diese Zahlungen seien getätigt worden, um Telekommunikations-Ausschreibungen in Übersee für Siemens zu gewinnen, so die Zeitung. Vorwürfe gegen T-Systems - Chef Ein Verdächtiger habe auch zwei andere führende Siemens-Mitarbeiter beschuldigt, berichtet die Zeitung weiter: Rudi Lamprecht, Mitglied des Siemens-Vorstandes und Lothar Pauly, ehemaliger Vorstand der Com-Abteilung und mittlerweile T-Systems Chef bei der Telekom, sollen zumindest seit Anfang 2005 von den illegalen Zahlungen gewusst haben. Laut Zeitung stammen die Anschuldigungen von den früheren Siemens-Managern Michael Kutschenreuter und Reinhard Siekaczek. Beide wurden nach Auffliegen des Skandals vorübergehend festgenommen. Siemens dementiert Bei Siemens wies man die Anschuldigungen zurück. Die Vorstände Kaeser und Pauly hätten zu keinem Zeitpunkt von den Bestechungen gewusst, so ein Sprecher zum Wall Street Journal. Auch habe die Staatsanwaltschaft München nicht versucht, Kontakt mit den Herren aufzunehmen. Als Reaktion auf den Bericht teilte der Siemens-Konzern in einer eilig veröffentlichten Erklärung mit, Kaeser weise die "verleumderischen Beschuldigungen mit aller Entschiedenheit zurück". Die Anschuldigungen kommen zu einem sensiblen Zeitpunkt. Für Donnerstag ist die Siemens-Hauptversammlung anberaumt. Schon im Vorfeld drohten diverse Anlegerverbände, den Vorstand aufgrund der Korruptions-Affäre nicht zu entlasten. Auch die BenQ-Pleite liegt vielen Aktionären noch schwer im Magen. Entlastung des Vorstandes gefährdet Scharfe Kritik an der Konzernspitze kam vom Verein der Siemens-Belegschaftsaktionäre, der etwa 5.000 Mitglieder vertritt. "Nur wer einen guten Job macht, soll auch entlastet werden", sagte der Vorsitzende des Vereins, Manfred Meiler, dem Tagesspiegel. Dies gelte jedoch nicht für Kleinfeld, Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer, Finanzchef Joe Kaeser, Vorstandsmitglied Rudi Lamprecht sowie den Siemens-Aufsichtsrat und Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann. Kleinfeld trage die Verantwortung für die Schmiergeld-Affäre und die Pleite der ehemaligen Siemens-Handysparte. Auch Kaeser und Lamprecht hätten in ihrer Verantwortung für die Handysparte versagt. Von Pierer und Ackermann werfen die Belegschaftsaktionäre vor, die 30-prozentige Gehaltserhöhung des Siemens-Vorstands zur Unzeit durchgedrückt zu haben. Pierer habe außerdem in der Korruptionsaffäre "nicht zeitnah gehandelt."
Zwei Beschuldigte in der Siemens-Korruptionsaffäre behaupten, dass Kaeser schon seit Jahren von illegalen Zahlungen Kenntnis hatte. Siemens dementiert.
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Siemens-Affäre erreicht Chefetage - Finanzchef Kaeser wird schwer belastet
00/05/2010
Öffentliche Kritik und Beschimpfungen ist der Bahnchef gewöhnt - doch nie steckte er so in Schwierigkeiten wie in diesen Wochen. (SZ vom 24.05.2003) — Das ganze Land hat auf ihn geschaut. Alles haben sie auf ihn eingeprügelt. Und die Nachrichtensendungen und die Zeitungen, überall prangte sein Bild. Hartmut Mehdorn, das Energiebündel, der Durchbrecher, der von sich sagt, er könne auch an einer Wand lehnen, um einzuschlafen - dieser Mehdorn also ist nun der böse Junge bei der Deutschen Bahn. Ganz besonders wegen des Preissystems, aber auch wegen der schlechten Geschäftszahlen, wegen des Streits mit seinen Lokführern und sowieso wegen der blöden Zugverspätungen oder des unfreundlichen Personals. Und erst die schmutzigen Bahnsteige. Jeder lud wieder einmal seinen Unmut auf die Deutsche Bahn ab, und der landete bei Mehdorn. Fast schien es so, als habe Mehdorn, der 60-jährige Vorstandsvorsitzende dieses etwas anderen, staatseigenen Unternehmens, darum gebeten, öffentlich abgewatscht zur werden. "Notwendiger Erziehungsprozess" Mittwoch. Berlin, Friedrichstraße, Saal2 im Maritim-Hotel. Mehdorn und sein alt gedienter Finanzvorstand Diethelm Sack wollen die Konzernbilanz präsentieren. Eine Grafik wird auf die Leinwand geworfen, "Offensive Bahn - ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2002", steht dort. Der Vorstandschef läuft zehn Minuten vorher ein, lächelt etwas steif in die Kameras - plötzlich taucht er ab. Jemand am Saaleingang hat ein leeres Wasserglas vom Tisch gestoßen und sofort springt Mehdorn hinterher, um es aufzuheben. Der Mann kümmert sich um alles. Die Bilanz interessiert kaum jemanden. Statt dessen warten alle, wie Mehdorn seinen bislang größten Fehlschlag als Bahnchef verkaufen wird. Stets hatte er behauptet, das neue Tarifsystem sei nahezu perfekt. Alles laufe bestens, Korrekturen gebe es, wenn überhaupt, frühestens nach einem Jahr. Kritiker wurden beschimpft und juristisch mundtot gemacht, auch der Stiftung Warentest, die schon frühzeitig auf gravierende Mängel der Rabatte und festen Zugbindungen hingewiesen hatte, werde man es zeigen. Und die Kunden würden die Bahn auch verstehen. Irgendwann. "Das ist ein notwendiger Erziehungsprozess", sagte Personenverkehr-Vorstand Christoph Franz intern. Seit Dienstag ist er arbeitslos. Alles oder nichts, lautete wieder einmal die Devise von Mehdorn. Machtproben hatte er schon mehrfach gewonnen, gegen seinen einstigen Aufsichtsratschef Dieter Vogel etwa, und sogar gegen Bundesverkehrsminister Kurt Bodewig (SPD). Beide wollten der Bahn - gegen Mehdorns eisernen Willen - die Schienentrassen wegnehmen, Betrieb und Netz trennen. Dadurch sollte mehr Wettbewerb entstehen. Beide sind längst nicht mehr im Amt. Mehdorn aber schon. Doch an diesem Mittwoch musste erstmals der Bahnchef den kürzeren ziehen. Koloss auf Schienen Eine Leidensmiene machte er dabei nicht. Was einen Geschäftsfreund, der nicht genannt werden will, besorgt fragen lässt, ob Mehdorns Realitätssinn zunehmend dahinschwindet. Schließlich zeichnete sich schon frühzeitig ab, dass die Kunden gegen das neue, an Flugtarifen ausgerichtete Preissystem rebellieren. Jeder für sich, weshalb die verantwortlichen Manager die Sache leicht und viel zu lang übergehen konnten. Der Bahnkonzern kümmert sich eben immer noch zu wenig um den einzelnen Fahrgast. Der Koloss auf Schienen, das räumt auch Mehdorn ein, ist viel zu behäbig, die Sache mit der Dienstleistung fällt vielen Bahnbeschäftigten weiterhin schwer, worunter oft auch die eigenen Leute leiden. Vergangenen Montag, Düsseldorf Hauptbahnhof. Ein Regionalexpress will einfach nicht kommen, hat bereits eine gute halbe Stunde Verspätung. Verärgerte Fahrgäste fragen einen Schaffner. Der ist selbst ratlos, drückt auf den Knopf der rot-blauen Infosäule, um sich von seinen Kollegen unterrichten zu lassen. Doch es schallt nur Wartemusik aus dem kleinen Lautsprecher, zehn Minuten lang. Genervt drückt der Eisenbahner schließlich den SOS-Knopf und wieder nur: Wartemusik. Die Kunden lachen, der Schaffner schimpft auf den eigenen Laden und holt dann aus: Seine Frau besorge regelmäßig DB-Freifahrtscheine, obwohl er ihr immer wieder sage, "schmeiß die Tickets weg, wir fahren lieber mit dem Auto." Die Deutsche Bahn ist ein hochkompliziertes Unternehmen. 36.500 Gleiskilometer, pfeilgerade Hochgeschwindigkeitsstrecken, verschlungene Trassen durch reizvolle Landschaften, knapp 6000 Bahnhöfe und Haltepunkte, über 800 Tunnel. Rund 250.000 Mitarbeiter, einschließlich des hinzugekauften Speditionskonzerns Stinnes, sorgen dafür, das täglich durchschnittlich 6200 Güterzüge und mehr als 30.000 Personenzüge kreuz und quer durch die Republik fahren. Im Durchschnitt 4,7 Millionen Fahrgäste sitzen Tag für Tag in hochmodernen ICE-Zügen, in Intercitys oder den Regional- und S-Bahnen. Läuft in diesem Riesenkonzern irgendetwas schief, und das tut es zwangsläufig ständig, dann gibt es sogleich reichlich Kritik - von Politikern, selbstbewussten Kunden, von den Gewerkschaften und den eigenen Mitarbeitern. Wohl kein Unternehmen, von der Deutschen Telekom einmal abgesehen, wird so genau und oft so gnadenlos beobachtet wie die Bahn. Zweitverrückteste Job Kanzler Gerhard Schröder (SPD), der Mehdorn im Herbst 1999 als Bahnchef installiert hatte, sagte, dies sei der zweitverrückteste Job, den die Nation zu vergeben habe. Dass die Bahn, obwohl Aktiengesellschaft, kein normaler Betrieb ist, musste Mehdorn rasch begreifen. "Ob er dies aber akzeptiert, daran habe ich meine Zweifel", sagt ein Mitglied des Bahnaufsichtsrates, das ebenfalls ungenannt bleiben will. Ohnehin fällt auf, dass der Drang, sich mit einer Aussage über Mehdorn namentlich zitieren zu lassen, arg begrenzt ist - auch dann, wenn die Gesprächspartner den Bahnchef insgesamt schätzen. Mehdorns sehr ruppige Art schreckt eben viele ab. "Fühlt er sich angegriffen, dann schlägt er härter zurück als notwendig", weiß ein Industriemanager, der die Bahn mit Lokomotiven und Zügen beliefert. Dabei geht es keineswegs darum, dass der Vorstandschef jedermanns Liebling sein soll. Ein solides Abwehrverhalten ist in dieser Position durchaus notwendig - etwa wenn Lokalpolitiker vorschreiben wollen, was in ihrem Sprengel die Bahn zu tun hat. Wenn beispielsweise das Land Berlin die Bahn verklagt, das Glasdach des neuen, ohnehin schon viel zu teuren Hauptbahnhofs müsse unbedingt 450 statt 321 Meter lang sein. Zahlen soll natürlich sein Unternehmen, Mehdorn bleibt wirklich kaum etwas erspart. Wenigstens dieser Fall wurde jetzt vor dem Bundesverwaltungsgericht zugunsten der Bahn entschieden. "Ein größeres diplomatisches Geschick, mehr Einfühlungsvermögen", wünschen sich aber auch diejenigen von Mehdorn, die ihn als besten aller bisherigen Bahnchefs sehen. So verschreckte der Mann, der den Konzern vom 25.Stock des gläsernen Bahntowers am Potsdamer Platz in Berlin aus steuert, sogar einmal Manager der polnischen Eisenbahn. Als die Verhandlungen über eine internationale Bahnbetriebsgesellschaft anliefen, preschte Mehdorn mit dem Vorschlag vor, gleich die ganze polnische Staatsbahn kaufen zu wollen. Und gegen die kleinen Bahnkonkurrenten wie Connex geht er viel zu überzogen vor. Wettbewerb auf der Schiene betrachtet Mehdorn, vor seinem Bahnengagement erfolgreicher Manager beim Flugzeugbauer Airbus und bei Heidelberger Druckmaschinen, als störend, wenn nicht gar als Attacke gegen die eigene Person. Aber lässt sich die Deutsche Bahn dauerhaft mit diesen Haltungen führen? Dem Bundeskanzler, mit dem Mehdorn sich - bislang jedenfalls - bestens versteht, konnte er in einem Überraschungscoup eine fünfjährige Vertragsverlängerung bis 2008 abtrotzen. Das Signal ist klar: Der Bahnvorsitzende will keinesfalls als Chef auf Abruf gelten, dafür sind die Aufgaben wie Bahnsanierung und weiterer Personalabbau auch viel zu groß. Doch die Zahl der Skeptiker, ob der gebürtige Berliner noch der richtige Mann am richtigen Ort ist, hat zugenommen. Im Bundesverkehrsministerium wurden bereits Namen von Nachfolgekandidaten hinterlegt. Mehdorn selbst gibt sich plötzlich nachsichtig. Er scheue sich nicht, Fehler einzuräumen und sich dafür zu entschuldigen. Um dann, er kann nicht anders, anzufügen: ""Wir müssen jetzt eben auch ein bisschen Häme ertragen."
Öffentliche Kritik und Beschimpfungen ist der Bahnchef gewöhnt - doch nie steckte er so in Schwierigkeiten wie in diesen Wochen.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/mehdorn-als-zielscheibe-der-nation-schmeiss-die-tickets-weg-wir-fahren-auto-1.903345
"Mehdorn als Zielscheibe der Nation - ""Schmeiß' die Tickets weg, wir fahren Auto"""
00/05/2010
Nie zuvor gab es so viele Einsendungen (24.863), Wettbewerbe (9) und Delegierte (8500) in Cannes wie in diesem Jahr. Doch auch das größte Werber-Festival der Welt konnte nicht über die Verunsicherung der Branche hinwegtäuschen. Besonders peinlich: Ausgerechnet das mit dem renomierten Titanium-Lion ausgezeichnete Siegermotiv aus Japan ist offenbar ein alter Hut - made in Berlin. Den Cannes-Pilgern hat's gefallen: Mit tosendem Applaus goutierten sie bei der Preisverleihung im vollbesetzten Grand Auditorium die Entscheidung der Jury des Titanium-Lions. Neuer Mediakanal Der einzige Löwe in dieser Kategorie ging an Design Barcode, eine kleine, zwei Jahre junge Agentur aus Tokio. Die Japaner hatten die Idee, den Strichcode, der seit Jahren auf nahezu jedem Produkt prangt, zu verfremden. Die Linien bilden zum Beispiel eine Pizza oder eine Skyline. 15 Firmen haben das Design bereits übernommen, das von Design Barcode in Lizenz verkauft wird. Probleme habe es beim Scannen der Strichcodes noch keine gegeben, versichern die Japaner. Dafür eine Publicity im Wert von einer Million US-Dollar. "Eine geniale Idee, die die Leute zum Lächeln bringt, voller Menschlichkeit", schwärmte Jury-Präsident David Lubars. Ohne großen technischen Aufwand sei ein neuer, global einsetzbarer Mediakanal entstanden. Die Titanium-Jury hat es sich nicht leicht gemacht. Sie suchte unter den 203 Einsendungen etwas, "das wir vorher noch nie gesehen haben", erklärte Lubars. Noch nie gesehen? Peinlich für die mit den angesehensten Werbern der Welt besetzte Jury. Denn neu ist die Idee wahrlich nicht. In Berlin arbeitet das Elektronik-Label Bpitchcontrol bereits seit sieben Jahren mit den Strichcodes, kreiert von der Pfadfinderei. Der Skandal ist perfekt, und Codec, Chef der Designagentur und Rockmusiker, stinksauer. "Die verfremdeten Barcodes sind inzwischen unser Markenzeichen." Er fühlt sich "auf den Schlips getrampelt", dass nun andere die Lorbeeren einsacken. Immerhin ist Cannes das weltweit wichtigste Schaulaufen der Kreativen. Wer hier Löwen erlegt, ist geadelt. Und seitdem die Kunden den Zusammenhang zwischen Kreativität und Markterfolg erkannt haben, gelten Awards auch als Kriterium bei der Wahl einer Agentur. Codec weiß noch nicht, wie er auf die Entscheidung der Cannes-Jury reagieren wird. Jetzt wollen die Berliner erst einmal mit dem Festival-Veranstalter, der brititschen Verlagsgruppe Emap, und den Design-Kollegen in Japan Kontakt aufnehmen. Dabei wollte die Jury nur zeigen, wie wichtig Ideen heute sind. Das bestimmende Thema in nahezu allen 39 Seminaren und elf Workshops war, wie Agenturen und Kunden mit der Fragmentierung der Märkte und Medien und dem Konsumenten, der die Kontrolle übernommen hat, umgehen können. Das Motto der 53. Werbefestspiele in Cannes: "Woher kommen die besten Ideen?" Eine klare Antwort gab es für die 8500 Delegierten (neuer Rekord) nicht. "Das ist das Mysterium", sagte Titanium-Juror Lubars, Chairman und CCO von BBDO Nordamerika. Männerphantasien Dennoch zeigen einige Gewinnerarbeiten, wohin die Reise gehen kann. Eine der meistdiskutierten Kampagnen kam aus Australien von Lowe Hunt für das Deodorant Lynx (in Deutschland: Axe). Völlig integriert spielt die Arbeit perfekt die komplette Klaviatur der Disziplinen, und das auf charmante, unterhaltsame Art und Weise. Research hatte ergeben, dass die Markenbindung bei den 17- bis 25-jährigen Männern erodiert. Und: In diesem Alter tritt die Zielgruppe oft ihre erste größere Auslandsreise an. Also erfand Lowe die LynxJet Airline. Männerphantasien sollten wahr werden. Aufreizend gekleidete "Stewardessen" gingen auf Promo-Tour durch Innenstädte, ein Stunt mit einem in Lynx-CI bemalten Jet sorgte für Presserummel. Eine Kabine wurde zum Lustlager umfunktioniert. TV-Spots, Internet und fiktive Flugangebote machten das Paket perfekt. "Das Markenerlebnis wird immer wichtiger", erklärt Marianne Dölz, die deutsche Media-Jurorin (Initiative Media). Bei Lynx stimmte alles: Grand Prix bei Media und eine Reihe Löwen in anderen Kategorien, darunter Gold bei den Direct-Lions und ein Award im neuen Wettbewerb Promo. Nach Agenturangaben sind die Verkaufszahlen innerhalb von vier Wochen um 20 Prozent gestiegen. Konkurrent Procter & Gamble, ebenfalls seit einigen Jahren auf der Suche nach innovativer Werbung, dürfte neidisch auf die Erfolge von Unilever schielen. Eine aufwändige Arbeit. Das andere Extrem ist "Stillfree", einer der beiden Grand-Prix-Gewinner bei den Cyber-Lions. Die virale Kampagne stammt von Droga5 und setzt ausschließlich auf PR-Effekte. Die Story: Zwei Maskierte besprühen in einer Nacht-und-Nebel-Aktion die Air Force One, den Jet des US-Präsidenten, mit dem Graffiti "Still free". Einer von ihnen ist Marc Ecko, der Mann hinter der gleichnamigen Modemarke. Der vermeintliche Anschlag wird mit Handkamera gefilmt und bei 23 Blogs veröffentlicht. Die PR war gigantisch. Selbst das Weiße Haus sah sich gezwungen, Stellung zu beziehen. Natürlich war die Geschichte getürkt, eine Boeing extra umlackiert worden. "Das ist viral at it's best", lobt Juror Olaf Czeschner. Die Aktion verbinde das Produkt und die Attitüde der Marke mit einer politischen Botschaft, nämlich Meinungsfreiheit. "Eine clevere Idee, die zur Marke passt", sagt der Kreativchef von Neue Digitale. Keine der neun Jurys, in der nicht über Themen wie Markenerlebnis, Branded Entertainment und Consumer Insights gesprochen wurde. Schlimmer noch, Agenturen wie Kunden müssen sich mit dem Gedanken anfreunden, die Marke in die Hände der Konsumenten - pardon, der Audience - zu geben. VW GTI hat sich in den USA ein Stück weit darauf eingelassen. So konnten potenzielle GTI-Käufer via Web ihre Vorstellungen von "Fast", also "schnell", formulieren. Aus dem Input hat Crispin Porter + Bogusky, Miami, eine Figur kreiert, die in Spots zum Einsatz kam und als dreidimensionale Vinylfigur auf eBay Preise von bis zu 1000 US-Dollar erzielte: Grand Prix im neuen Wettbewerb Promo-Lions. Viel Zeit hatte diese Jury damit verbracht, die Kriterien für die neue Kategorie zu definieren. Am Ende wurde laut Jury-Präsident Lor Gold "alles akzeptiert, was die Marke promotet". Das Spektrum reichte von kleinen Ideen - wie die Serviceplan-Arbeit für Giller-Reisen, bei der auf verschneiten Autoscheiben Reiseangebote in den Süden geschrieben wurden - bis hin zu vernetzten Kampagnen (siehe GTI). "Es gibt keine Grenze mehr zwischen Above und Below the Line", resümiert Direct-Juror Stefan Schmidt (TBWA). Einfach bestechen Klar abgrenzen lässt sich nur mehr der Bereich Press. "Keine Veränderung", konstatierte Gepa Hinrichsen von der Zoo Werbeagentur. "Die einfachen Ideen bestechen", sagt die deutsche Jurorin, aber das tun sie schon seit Jahren. Allerdings sind die Anforderungen an das Artwork gestiegen. Eine noch so gute Idee fiel bei den Preisrichtern durch, wenn die Exekution nicht überzeugte. Trotzdem musste Jury-Präsident David Droga bei der Findung des Grand Prix kräftig nachhelfen. Denn so richtig begeistert waren die Press-Juroren von keiner der 7387 Einsendungen. Droga sprach das Machtwort: Lego (FCB Johannesburg) bekam den Preis. Anders bei Film: Dort mussten sich die 22 Juroren zwischen drei großartigen Commercials entscheiden: dem Sony-Spot "Balls" von Fallon London, dem Carlton-Draught-Beer-Film "Big Ad" (George Patterson Y&R) und dem bereits vielfach prämierten Guinness-Spot "NoitulovE" von AMV BBDO aus London. Letzterer machte das Rennen um den Grand Prix. Dem Film sei es gelungen, die alte Kampagne "Good things come to those who wait" neu aufzuladen. Seit Jahren überzeugt Guinness mit einem originären Kampagnenkonzept. Zum Song "Rhythm of Life" aus dem Musical "Sweet Charity" begeben sich drei Kerle auf die Reise zurück zu den Anfängen der Evolutionsgeschichte - in den Schlamm. Der rund zwei Millionen Dollar teure Film lebt von der aufwändigen Produktion (Kleinman Production, London). Bei Film, nach wie vor Lieblingskategorie der Kreativen, holten die deutschen nur einmal Silber und einmal Bronze. "Mehr war nicht drin", sagte Juror Frank Dopheide (Grey). Es fehlten die großen Filme, die Ausreißer nach oben, wenngleich ein deutscher Werbeblock im Durchschnitt deutlich besser sei als in anderen Ländern. Aber: "Wir schwimmen im eigenen Saft. Uns fehlt der internationale Blick." Silber gewann DDB Düsseldorf mit den animierten "Shortbutfun"-Filmen für den VW Fox. Beim deutschen ADC waren die Arbeiten durchgefallen. Die Jury monierte, die gleiche Idee sei bereits für ein Kurzfilmfestival eingesetzt worden. Die Cannes-Preisrichter diskutierten zwar darüber, gestört hat es sie aber nicht. Dopheide: "Es ist eine großartige Idee, die perfekt zur Marke passt." Keine Überraschung war der zweite deutsche Gewinner. Wie erwartet, gewann die Hamburger Nordpol mit dem Spot "Crashtest" für Renault Bronze. Nach der Bewertung von 24863 eingereichten Arbeiten lässt sich festhalten: Die Revolution blieb aus. Wer bahnbrechende Lösungen erwartet hatte, wurde enttäuscht. Doch bei den Themen integrierte Kommunikation und medienneutrale Idee kommt die Branche in kleinen Schritten voran.
Warum ein paar schwarz-weiße Linien beim Werbefestival in Cannes für Zoff sorgen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/schaulauf-der-kreativen-stewardessen-stunts-und-strichcodes-1.898781
Schaulauf der Kreativen - Stewardessen, Stunts und Strichcodes
00/05/2010
Das Spiel ist bekannt: Die Allianz senkt die Preise, die Konkurrenz zieht nach, und das Lachen haben die Autofahrer. Nun wird die Zeit für einen Wechsel knapp. Im September kündigte der Münchner Konzern völlig unerwartet an, dass er die Beiträge für Neuabschlüsse um rund ein Drittel reduziert habe. Detailansicht öffnen Die Allianz macht den Anfang, dann senkt auch die Konkurrenz die Preise. (Foto: Foto: dpa) Ein Herz für Autofahrer zeigt der Marktführer damit keineswegs. Denn für die Besitzer der 8,8 Millionen bei der Allianz bereits versicherten Fahrzeuge gelten die Preissenkungen nicht. Dennoch ist der Vorstoß des Marktführers letztlich ein Segen für alle Autofahrer. Inzwischen hat die Konkurrenz nachgezogen, die Preise auf dem Autoversicherungsmarkt sind kräftig in Bewegung geraten. Bis zum Monatsende ist Kündigung möglich Und: Versicherte können ihre Verträge noch bis spätestens zum 30. November kündigen und zu einem günstigeren Anbieter wechseln. Der Umstieg kann eine Ersparnis von vielen hundert Euro im Jahr bringen, im Einzelfall mehr als 50 Prozent. Recherchen der Stiftung Warentest haben ergeben, dass in den vergangenen Wochen 14 weitere Unternehmen ihre Beiträge gesenkt haben. So ist etwa die ohnehin schon günstige Europa um weitere 17 Prozent in der Autohaftpflicht heruntergegangen, die Axa um 16 Prozent. Auch die Huk, nach der Allianz zweitgrößter Autoversicherer, hat reagiert. Allerdings ist es nach wie vor schwierig, die wirklich Günstigsten herauszufiltern. Beamte bevorzugt Denn die Versicherer senken oder erhöhen ihre Beiträge nicht in gleichem Maße für alle Kunden, sondern differenzieren stark nach Kundengruppen, die sie gern versichern, und solchen, die im Verdacht stehen, teure Schäden anzurichten. Laut Stiftung Warentest sind die Preise vor allem für Beamte und für alle diejenigen gesunken, die ihr Auto weitgehend selbst nutzen und Wohneigentum besitzen. Manche Versicherer haben auch die Beiträge für treue Kunden gesenkt. Preiserhöhungen gab es beispielsweise, wenn das Auto von vielen unterschiedlichen Personen gefahren wird. Mehr zahlen müssen auch junge Fahrer unter 23 Jahren und Senioren über 75. Direkt- und Internetversicherer günstiger Nach wie vor gilt die alte Faustregel: Das in der Regel günstigste Beitragsniveau bieten die Direkt- und Internetversicherer wie Deutsche Internet, Huk 24, WGV, Ontos, DA Direkt und Europa. Doch selbst diese Regel muss nicht immer stimmen. Zuweilen bieten Versicherer lediglich ein günstiges Basis-Preisniveau. Nimmt man aber diverse Rabatte hinzu, etwa für Garagen, Wenigfahrer, Beamte, Frauen oder Immobilienbesitzer, kann derselbe Versicherer plötzlich zu den teuren Anbietern gehören. In Einzelfällen sind ansonsten günstige Anbieter sogar ungewöhnlich kostspielig, etwa um Fahranfänger abzuschrecken. Als Beispiel führt Stiftung Warentest den Anbieter Direct Line an.
Das Spiel ist bekannt: Die Allianz senkt die Preise, die Konkurrenz zieht nach, und das Lachen haben die Autofahrer. Nun wird die Zeit für einen Wechsel knapp.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/autoversicherung-beitragspoker-um-die-kunden-1.902808
Autoversicherung - Beitragspoker um die Kunden
00/05/2010
Der Fiskus macht von seinen erweiterten Auskunfsrechten gegenüber Geldinstituten offenbar regen Gebrauch: Die Volksbanken registrieren nach der kürzlichen Einschränkung des Bankgeheimnisses eine gestiegene Wissbegier der Behörden. Nach 14 Millionen Abfragen 2005 werde für dieses Jahr ein Anstieg auf 20 Millionen erwartet, sagte Walter Weinkauf, Präsident des die Bundesländer Hessen, Rheinland-Pfalz, das Saarland, Thüringen und Sachsen umfassenden Genossenschaftsverbands Frankfurt, am Dienstag. Er kritisierte das neue Gesetz als "sehr teure Totalüberwachung." Seit April können Finanzämter und andere Behörden auf Grundlage des "Gesetzes zur Förderung der Steuerehrlichkeit" so genannte Stammdaten wie Namen, Anschrift und Geburtsdatum von Kontoinhabern abfragen, nicht jedoch Kontostände und -bewegungen. Mit Klage gescheitert Eine Volksbank hatte gegen das Gesetz geklagt, war aber mit ihrem Protest vor dem Bundesverfassungsgericht gescheitert. Weinkauf sagte, der Staat wälze Kosten für Datenverarbeitung in Millionenhöhe auf die Banken ab. Anstatt Steuerhinterziehung durch Überwachung zu verhindern, sollte lieber das Steuersystem vereinfacht werden. Die genossenschaftlichen Banken in den fünf Bundesländern zeigen sich mit dem abgelaufenen Geschäftsjahr zufrieden. Während das Kreditvolumen stagnierte, legten die Kundeneinlagen leicht um ein Prozent zu. Schrumpfende Risikovorsorge "Es ist uns gelungen, von den Direktbanken wieder Kundengelder zurückzuholen", sagte Weinkauf. Das Betriebsergebnis nach Bewertung habe unter anderem wegen einer schrumpfenden Risikovorsorge für Problemkredite den höchsten Stand seit Jahren erreicht. Die addierte Bilanzsumme lag bei knapp 90 Milliarden Euro. Die Zahl der selbstständigen Kreditgenossenschaften sank um 13 auf 202. Bei den Zweigstellen kam es zu einem Rückgang um fünf auf 3084 Filialen. Für 2006 erwartet Weinkauf ein leicht abgeschwächtes Tempo bei den Fusionen. Auf Bundesebene sprach er sich für einen Zusammenschluss der genossenschaftlichen Zentralinstitute DZ-Bank und WGZ-Bank aus. Stellenabbau Die Zahl der Mitarbeiter in der Verbandsregion sank 2005 deutlich um 1366 auf 27.919. Der Stellenabbau werde sich auch wegen der Zusammenfassung von Funktionen in regionalen Zentralen weiter fortsetzen, kündigte Weinkauf an. Die Banken vor Ort sollen sich künftig auf die Beratung konzentrieren. Während heute rund zwei Drittel der Beschäftigen als Kundenberater arbeiteten, sollen es langfristig 80 Prozent sein.
Der Fiskus macht von seinen erweiterten Auskunfsrechten gegenüber Geldinstituten offenbar regen Gebrauch: Die Volksbanken registrieren nach der kürzlichen Einschränkung des Bankgeheimnisses eine gestiegene Wissbegier der Behörden.
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Gläserner Steuerbürger - Behörden greifen offenbar millionenfach auf Konten zu
00/05/2010
Erstmals hat Russland offiziell auf der Cebit Interesse an einem Einstieg bei der Deutschen Telekom geäußert. Der russische Telekommunikationsminister Leonid Reiman rechnet aber mit schwierigen Gesprächen. ,,Russland will seine Abhängigkeit vom Rohstoffgeschäft reduzieren und zum Hightech-Standort werden'', kündigte Reiman an. Dazu schaue man sich auch im Ausland um. Die Regierung in Moskau prüfe deshalb den Einstieg russischer Firmen bei europäischen Großkonzernen - darunter auch bei der Deutschen Telekom. Detailansicht öffnen ISDN-Leitungen in einem Telekom-Verteilerkasten: Der Bundesnachrichtendienst befürchtet Sicherheitsprobleme, sollte der russische Konzern Sistema in großem Stil bei der Telekom einsteigen. (Foto: Foto: ddp) Er könne zwar nicht sagen, in welchem Stadium sich die Gespräche des Mischkonzerns Sistema über eine Beteiligung am Bonner Konzern seien, sagte Reiman. Er halte die Bestrebungen aber für richtig. Eine Partnerschaft wäre für beide Seiten positiv. Der russische Telekom-Minister rechnet mit harten Verhandlungen: ,,Man sollte keine einfachen Lösungen erwarten.'' Sistema ist der größte private Mischkonzern in Russland und vor allem in der Telekommunikation aktiv, aber auch in der Medienbranche, bei Versicherungen und Immobilien. Interesse bereits im vergangenen Jahr Das Unternehmen hatte bereits im vergangenen Jahr sein Interesse an einem Einstieg bei der Telekom bekundet. Das Unternehmen des Oligarchen Wladimir Jewtuschenkow hatt e im Herbst 2006 gegenüber der Telekom kund getan, es wolle ein Paket von bis zu zwanzig Prozent der Aktien erwerben und könne als Gegenleistung seine Telefonsparte MTS in eine Allianz mit der Telekom einbringen. Die Bundesregierung, die selber und über die Staatsbank KfW immer noch fast 32 Prozent der Telekom-Aktien hält, lehnte das Geschäft damals ab. Es sei ,,in dieser Form und dieser Höhe derzeit kein Thema", hieß es im November. "Schlechtes Geschäft" Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) hatte im Frühjahr einen Anteil von 4,5 Prozent an den amerikanischen Finanzinvestor Blackstone verkauft. Zum jetzigen Kurs werde Steinbrück aber keine weiteren Aktien verkaufen, hieß es im Herbst: ,,Das wäre ein schlechtes Geschäft". Offen blieb damals, ob der Bund zu einem späteren Zeitpunkt einen Teil seiner Aktien an die Russen verkaufen könnte. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Russlands Präsident Wladimir Putin hatten über das Geschäft bereits Mitte Oktober am Rande eines Dresden geredet.
Erstmals hat Russland offiziell auf der Cebit Interesse an einem Einstieg bei der Deutschen Telekom geäußert. Der russische Telekommunikationsminister Leonid Reiman rechnet aber mit schwierigen Gesprächen.
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Mischkonzern Sistema will Aktienpaket - Russen offiziell an Telekom interessiert
00/05/2010
Dem politisch gewollten Prestigeprojekt Eurotunnel droht die Pleite — der Konzern erstickt an seiner Schuldenlast von 9 Milliarden Euro. Jetzt hat ein Zusammenschluß vieler Kleinaktionäre die Führungsmannschaft gestürzt. Zehn Jahre nach Eröffnung des Tunnels unter dem Ärmelkanal versuchen Kleinaktionäre die Betreibergesellschaft Eurotunnel mit allen Mitteln vor der Pleite zu retten. In einer beispiellosen Aktion betrieben die Aktionärsrebellen am Mittwoch auf einer Hauptversammlung den Sturz des Vorstands und die Einsetzung einer neuen Führung. Die Börse feierte den Machtwechsel vorab mit einem Kursanstieg der Aktie um 9 Prozent auf 0,61 Euro. Detailansicht öffnen Der Eurotunnel ist durchaus rentabel — wenn nur die grotesk hohe Schuldenlast nicht wäre. Foto: AP Die alte Führung gibt auf Die Eurotunnel France-Manche SA räumte ein, dass angesichts der Mehrheitsverhältnisse die alte Führung nicht zu halten sei. Entnervt gab ihr Kandidat für die Eurotunnel-Präsidentschaft, Philippe Bourguignon, vor Begin der Tagung auf. Der frühere Chef von Euro Disney und Club Méditerranée beklagte im Rundfunk den "Putsch" einer "Minderheit", der die Kleinaktionäre teuer zu stehen kommen werde. Die Aktionärsrebellen um Nicolas Miguet sind empört über den Absturz der Eurotunnel-Aktie. Das Papier wurde 1987 für 5,33 Euro (35 Franc) ausgegeben und stieg bis auf 19,36 Euro, bevor es steil auf 0,50 Euro abstürzte. Eurotunnel hat mehr als eine Million Aktionäre, darunter 900.000 in Frankreich. Alleine auf dem Schuldenberg Das Unternehmen mit 3000 Mitarbeitern arbeitet rentabel, erstickt aber unter 9 Milliarden Euro Schulden. Bei 873 Millionen Euro Umsatz wies Eurotunnel 2003 wegen der horrenden Zinskosten einen Fehlbetrag von 1,89 Milliarden Euro aus. Wenn 2006 die Kredite fällig werden, droht die Insolvenz. Das Unternehmen könnte danach entschuldet wieder auferstehen, aber die Aktionäre hätten ihre Einlagen verloren. An die Konzernspitze wollen die Rebellen den früheren Chef des Reiseunternehmens Nouvelles Frontières, Jacques Maillot, setzen. Die operative Führung soll der Sanierungsexperte Jean-Louis Raymond übernehmen, der sich bei Konzernen wie Lesieur und Beghin-Say einen Namen gemacht hat. Sie sollen das Unternehmen vor der Insolvenz retten, Staatsmittel besorgen und die Aktie wieder auf Höhenflug bringen. Der Staat hält sich raus Die Regierungen Frankreichs und Großbritanniens machten jedoch am Mittwoch klar, dass Eurotunnel wie bisher keine öffentliche Finanzhilfe erhalten wird. Im britisch-französischen Vertrag von Canterbury 1986 hatte Premierministerin Margaret Thatcher gegen den französischen Staatschef François Mitterrand durchgesetzt, dass das Jahrhundertprojekt ausschließlich privat finanziert wird.
Dem politisch gewollten Prestigeprojekt Eurotunnel droht die Pleite — der Konzern erstickt an seiner Schuldenlast von 9 Milliarden Euro. Jetzt hat ein Zusammenschluß vieler Kleinaktionäre die Führungsmannschaft gestürzt.
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Krawall bei Eurotunnel - Der starke Arm der Kleinaktionäre
00/05/2010
Die EnBW beantragt eine längere Laufzeit für ein 30 Jahre altes Kernkraftwerk. Umweltorganisationen sind empört. Nach dem Essener Energiekonzern RWE hat auch der Karlsruher Versorger EnBW beim Bundesumweltministerium eine Laufzeitverlängerung für ein altes Kernkraftwerk beantragt. Detailansicht öffnen Trotz mehrerer Pannen soll das 30 Jahre alte Kernkraftwerk Neckarwestheim I erst 2017 vom Netz. (Foto: Foto: dpa) So soll der 30 Jahre alte Atommeiler Neckarwestheim I nicht wie geplant 2009, sondern erst 2017 vom Netz gehen, wie das Unternehmen am Donnerstag in Berlin bekannt gab. Zur Begründung führte EnBW Sicherheitsaspekte an. Umweltschützer und Grüne kritisierten den Antrag als faktische Aufkündigung des Konsenses über den Atomausstieg. Zuvor hatte bereits RWE im September eine längere Laufzeit für den Meiler Biblis A beantragt. Deutschlands ältestes Atomkraftwerk soll bis 2011 statt wie geplant bis 2008 genutzt werden. Tausche neues gegen altes AKW Der EnBW-Antrag, den das Umweltministerium im Einvernehmen mit Wirtschaftsministerium und Kanzleramt prüfen soll, sieht eine Umschichtung von Laufzeiten vor: Das jüngste deutsche Kernkraftwerk Neckarwestheim II (1989) soll zu Gunsten von Neckarwestheim I statt 2022 bereits 2017 vom Netz gehen. Dazu sollen die Reststrommengen - also die Mengen, die Kraftwerke nach dem Atomgesetz noch produzieren dürfen - übertragen werden. In diesem Fall sollen 46,9 Milliarden Kilowattstunden aus dem neueren Kernkraftwerk auf den älteren Meiler übertragen werden. EnBW-Vorstandschef Utz Claassen begründete den Schritt mit einer höheren Sicherheit für beide Anlagen, da sicherheitstechnische Infrastruktur wechselseitig verwendet werden könne. Er verwies darauf, dass der Antrag voll im Einklang mit dem von der rot-grünen Vorgängerregierung verabschiedeten Atomgesetz stehe. Demnach könnten auch Restrommengen von älteren auf jüngere Kraftwerke übertragen werden. Dies bedarf aber der Zustimmung des Umweltministeriums. Claassen kündigte an, falls die Regierung den Antrag ablehne, werde man rechtliche Schritte unternehmen. "Modernisierung" des Atomkonsenses Er sehe diesen Schritt keinesfalls als Ausstieg aus dem Atomausstieg, sagte Claassen. Allerdings müsse der Atomkonsens modernisiert werden, die Laufzeiten verlängert werden. Im internationalen Vergleich seien 40 Jahre ein "vernünftiges Szenario". Ein früherer Ausstieg würde hohe Kosten und damit verbunden einen Preisanstieg verursachen sowie den CO2-Ausstoß stark erhöhen. Die Organisationen Greenpeace, Deutsche Umwelthilfe, der Naturschutzbund (NABU) sowie der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) kritisierten den Antrag heftig. "Wer Atomkraftwerke länger betreiben will, blockiert die dringend notwendige Energiewende hin zu einer sauberen Stromproduktion in Deutschland", kommentierte der Atomexperte von Greenpeace, Thomas Breuer. Der BUND forderte Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) auf, den Antrag nicht zu genehmigen. Der NABU erklärte, EnBW spekuliere nur darauf, dass nach 2009 eine schwarz-gelbe Bundesregierung die Rolle der Atomenergie wieder neu bewerte. Die Deutsche Umwelthilfe rief dazu auf, die Vertragsbeziehungen zu EnBW und den anderen Atomkraftbetreibern aufzukündigen. Grüne: "unbeherrschbarer Risikofaktor" Die Grünen schlossen sich der Kritik an. "Für dicke Gewinne will EnBW an einem unbeherrschbaren Risikofaktor festhalten", sagte Grünen-Vorsitzende Reinhard Bütikofer. Grünen-Fraktionsvorsitzende Renate Künast erklärte, die Stromversorgung Deutschlands sei auch ohne Atomstrom möglich. Die baden-württembergische SPD-Landeschefin Ute Vogt sagte, die politische Stoßrichtung des EnBW-Antrags ziele eindeutig darauf ab, den mühsam erzielten Atomkonsens auszuhebeln. Dagegen begrüßte der baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger den EnBW-Antrag. Der CDU-Politiker sagte, er zeige die betriebs- und volkswirtschaftlichen Vorteile auf, die mit einer Strommengenübertragung verbunden sein könnten.
Die EnBW beantragt eine längere Laufzeit für ein 30 Jahre altes Kernkraftwerk. Umweltorganisationen sind empört.
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Längere Laufzeit für altes AKW - Rütteln am Atomausstieg
00/05/2010
Die Lage auf dem Arbeitsmarkt bleibt angespannt: Im vergangenen Monat waren 4,352 Millionen Menschen erwerbslos gemeldet. Höher war die Arbeitslosigkeit im Monat Juli zuletzt 1997 mit damals 4,354 Millionen Jobsuchern. (SZ vom 07.08.03) - "Eine grundlegende Besserung auf dem Arbeitsmarkt lässt weiterhin auf sich warten", sagte Florian Gerster, Chef der Nürnberger Bundesanstalt für Arbeit (BA). Die "besonders günstige Entwicklung der beiden Vormonate" habe sich im Juli verlangsamt, was teilweise auch auf die Ferienzeit zurückzuführen sei. Insgesamt sei aber die Wirtschaft noch zu schwach, auch wenn einige Frühindikatoren auf eine wirtschaftliche Belebung" hindeuteten. Nach den Worten von Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) nehmen die Anzeichen für Wachstum zwar zu, aber die Impulse seien " noch zu schwach, um am Arbeitsmarkt entlastend zu wirken". "Größtmögliche Blockade für Investitionen und Arbeitsplätze" CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer sagte, die Bundesregierung selbst sei "die größtmögliche Blockade für Investitionen und Arbeitsplätze in diesem Land". CSU-Chef Edmund Stoiber forderte mehr betriebliche Bündnisse für Arbeit und eine Flexibilisierung der Arbeitszeiten. Nicht saisonbereinigt stieg die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Juni um 94.500 und erreichte damit den zweithöchsten Stand in einem Juli seit der Wiedervereinigung. In den beiden Vormonaten war die Zahl noch gesunken. In Westdeutschland lag die Arbeitslosenquote im Juli bei 8,4 Prozent, in Ostdeutschland bei 18,5 Prozent. Der relativ geringe Anstieg hat nach Angaben der Bundesanstalt "mit konjunktureller Besserung nichts zu tun", sondern sei auf eine härtere Gangart gegenüber den Arbeitslosen zurückzuführen. Allein im Juli verschwanden 329.000 Arbeitslose aus der Statistik, ohne eine Stelle gefunden zu haben. Entlastet hat die Statistik auch die steigende Zahl von Arbeitslosen, die sich als Ich-AG mit Zuschüssen selbstständig machen. Seit Jahresbeginn gab es 42.300 Anmeldungen. Harter Winter Behördenchef Gerster korrigierte seine Prognose für das Gesamtjahr von 4,3 auf 4,4 bis 4,5 Millionen Arbeitslose. Schon mehrfach hatte er davor gewarnt, dass ein harter Winter die Zahl über fünf Millionen treiben könnte. Gerster sagte, dass die Lage ohne die jüngeren Reformgesetze noch schlechter wäre. Nach Angaben von Finanzvorstand Frank-Jürgen Weise braucht die Bundesanstalt in diesem Jahr einen Bundeszuschuss zwischen 6,5 und 7,5 Milliarden Euro. Konjunkturdaten deuteten am Mittwoch nicht auf eine Besserung hin. Im zweiten Quartal dieses Jahres war die gesamtwirtschaftliche Produktion in Deutschland nach vorläufigen Zahlen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) erneut rückläufig. Das saisonal bereinigte Bruttoinlandsprodukt sei um 0,2 Prozent gesunken. Das Statistische Bundesamt veröffentlicht die offiziellen Daten am Donnerstag. Nach Ansicht der DIW-Forscher fehlt nicht nur die binnenwirtschaftliche Dynamik. Wegen der Euro-Stärke und der Wirtschaftsschwäche in den übrigen Ländern des Euroraums blieben außenwirtschaftliche Impulse aus. Auslandsnachfrage Allerdings erhöhte sich im Juni der Auftragseingang der Industrie vor allem wegen der Auslandsnachfrage um 2,3Prozent im Vergleich zum Vormonat. Zuletzt hatte der steigende Geschäftsklimaindex des Münchner Ifo-Instituts die Hoffnung auf den Aufschwung genährt. Die Lage auf dem Lehrstellenmarkt ist nach Angaben der Bundesanstalt weiter "wesentlich angespannter" als im vergangenen Jahr. Bis Ende Juli hätten Betriebe nur 483.400 Ausbildungsplätze gemeldet, das sind 9,1 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Es gebe aber 670.200 Bewerber und damit eine Lücke von 148.000, die sich erfahrungsgemäß aber bis zum Beginn des Ausbildungsjahrs im Oktober teilweise schließt. Wirtschaftsminister Clement sagte, die Bundesanstalt werde "jedem Jugendlichen, der sich jetzt arbeitslos meldet, Ausbildung, Beschäftigung oder Qualifizierung anbieten". Zugleich müssten die jugendlichen Schulabgänger sich "aktiv bemühen". Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt rief die Betriebe auf, dringend mehr Lehrstellen zu schaffen.
Die Lage auf dem Arbeitsmarkt bleibt angespannt: Im vergangenen Monat waren 4,352 Millionen Menschen erwerbslos gemeldet. Höher war die Arbeitslosigkeit im Monat Juli zuletzt 1997 mit damals 4,354 Millionen Jobsuchern.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/arbeitsmarkt-schlechteste-juli-zahlen-seit-sechs-jahren-1.901322
Arbeitsmarkt - Schlechteste Juli-Zahlen seit sechs Jahren
00/05/2010
Barbara Principe, Tochter von Günther Wertheim, wirft KarstadtQuelle vor, widerrechtlich vom Besitz der von den Nazis enteigneten jüdischen Kaufmannsfamilie zu profitieren. Die Wertheim-Erben werfen der KarstadtQuelle AG vor, sie profitiere widerrechtlich vom guten Namen der von den Nazis enteigneten jüdischen Kaufmannsfamilie und deren Besitztümern. Detailansicht öffnen Wertheim-Erbin Barbara Principe zeigt am Potsdamer Platz in Berlin auf den Standort des ehemaligen Wertheim-Kaufhauses. (Foto: Foto: Reuters) Das sagte Barbara Principe (72), Tochter von Günther Wertheim, am Donnerstag in Berlin als Sprecherin von bis zu 50 überlebenden Wertheim-Erben. An diesem Freitag entscheidet das Verwaltungsgericht Berlin über die Entschädigung für eine Teilfläche des früheren Wertheim-Stammsitzes am Potsdamer Platz mit möglichen Folgen für den gesamten Komplex. Principe: "niemals aufgeben" Der Essener Warenhauskonzern zeigte sich am Donnerstag unbeeindruckt von den Ansprüchen der Wertheim-Erben und deren Repräsentanten von der Jewish Claims Conference. "Wir haben die legitimen Rechte an diesen Grundstücken und werden den juristischen Streit gewinnen", sagte am Nachmittag Konzernsprecher Jörg Howe der dpa. Einen Tag vor dem nach Angaben des Wertheim-Anwalts Matthias Druba vorentscheidenden Prozess sagte dagegen die Wertheim-Erbin Principe in einer von zahlreichen nationalen und internationalen Medien beachteten Pressekonferenz, die Familie werde den Kampf um ihr rechtmäßiges Erbe vor deutschen und amerikanischen Gerichten "niemals aufgeben". Principe sagte: "Die Gerichte in Deutschland sind sehr fair, ich vertraue den Gerichten, der Regierung und den Menschen dieses Landes. Egal, wie lange es dauert, wir hören nicht auf, um unser Recht zu kämpfen." Bundesregierung ins Verfahren verwickelt Druba und der amerikanische Anwalt der Wertheim-Familie, Gary M. Osen, wollten keine konkreten Zahlen über die als Entschädigung von der KarstadtQuelle AG und anderen Wertheim-Rechtsnachfolgern geforderte Gesamtsumme angeben, widersprachen aber ausdrücklich nicht bisher bekannten Angaben von bis zu 500 Millionen Euro für sieben Filetgrundstücke im Herzen Berlins. In das Gesamtverfahren verwickelt sind auch die Bundesregierung und der Deutsche Bundestag, dessen Elisabeth-Lüders-Haus auf ehemaligen Wertheim-Grund errichtet worden ist. In dem an diesem Freitag verhandelten Fall geht es um ein Gelände in der Leipziger Straße in Berlin-Mitte, auf dem heute die weit über Berlin hinaus bekannte Techno-Disco "Tresor" steht. Der Name stammt vom dort liegenden Stahltresor des früheren Stammsitzes der Wertheim-Kaufhäuser. Ursprünglich waren die meisten Grundstücke der Wertheims an Hertie gegangen, dessen Anteile später von der KarstadtQuelle AG übernommen wurden. Streit um Lenné-Dreieck Neben der jetzt erwarteten Teil-Entscheidung vor dem Verwaltungsgericht könnte aber besonders der noch offene Streit um das so genannte Lenné-Dreieck kostspielige Folgen haben. Dieses Filetstück ebenfalls im Herzen der neuen Mitte Berlins hatte die KarstadtQuelle AG im Jahr 2000 für rund 150 Millionen Euro an den Metro-Gründer Otto Beisheim verkauft. Dieser errichtete das Beisheim-Center mit Büroräumen und Luxuswohnungen in erstklassiger Lage sowie die Fünfsterne-Hotels Ritz-Carlton und Marriott. Die Jewish Claims Conference (JCC) als Repräsentant der Wertheim-Erben fordert hierfür die komplette Entschädigung in Höhe von mindestens 145 Millionen Euro.
Barbara Principe, Tochter von Günther Wertheim, wirft KarstadtQuelle vor, widerrechtlich vom Besitz der von den Nazis enteigneten jüdischen Kaufmannsfamilie zu profitieren.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/rechtsstreit-wertheim-erben-kaempfen-fuer-entschaedigungen-1.905237
Rechtsstreit - Wertheim-Erben kämpfen für Entschädigungen
00/05/2010
Der Autohersteller leidet weiter schwer unter flauem Absatz und schwachem Dollar. Der Gewinn vor Steuern ging um über 50 % zurück. Während die Lage in Südamerika finster ist, geht es in China weiter bergauf. Volkswagen hat angesichts weltweit schlechter Geschäfte zum zweiten Mal im laufenden Jahr die Gewinnprognose gesenkt: Über das ganze Jahr gesehen werde "das operative Ergebnis des Jahres 2003 die Hälfte des Vorjahreswertes voraussichtlich nicht ganz erreichen", teilte der Vorstand in Wolfsburg mit. Detailansicht öffnen Der Golf V erfreut sich bei Quellekunden großer Beliebtheit. (Foto: Foto:) Herber Einbruch Das operative Ergebnis des Volkswagenkonzerns ist in den ersten neun Monaten des Jahres wie erwartet um über 53 Prozent auf nur noch 1,73 Milliarden Euro eingebrochen. Bisher hatte der Konzern ein Ergebnis "deutlich unter dem des Jahres 2002" erwartet. Schon vor drei Monaten hatte Konzernchef Bernd Pischetsrieder seine zu optimistische Prognose ein erstes Mal nach unten korrigiert. Der Kurs der VW-Aktie sank gegen Mittag in einem unveränderten Markt um rund 3 Prozent. Sinkender Absatz, steigende Investitionen Der Autoabsatz der Konzerns sank von Januar bis September um 0,7 Prozent auf 3,7 Millionen Stück. Der Konzernumsatz reduzierte sich bis September nur um 1,8 Prozent auf 64,1 Milliarden Euro. Der Gewinn vor Steuern ging um 53,7 Prozent auf 1,38 Milliarden Euro zurück. Der Reingewinn fiel um fast 56 Prozent auf 813 Millionen Euro. Die Investitionen stiegen um drei Prozent auf 6,3 Milliarden Euro. Als Gründe für den Gewinneinbruch nannte VW den schwachen Dollarkurs, der den Gewinn in den USA von rund 1,2 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum auf nur noch 9 Millionen Euro auffraß. Außerdem wurden die schwachen Verkäufe in wichtigen Märkten, die Kosten für Produktionsanläufe neuer Modelle und 120 Millionen Euro Rückstellungen für den Personalabbau in Brasilien als Gründe für den Einbruch genannt. Volkswagen wies aber darauf hin, dass zum Ende des dritten Quartals die Zulassungszahlen leicht angestiegen seien. Der große Verlierer innerhalb des Volkswagen-Konzerns ist die Markengruppe VW (VW, Skoda, Bentley). Hier sank das operative Ergebnis um 1,7 Milliarden Euro auf 388 Millionen Euro. VW hat im laufenden Jahr die 5. Generation des Golf eingeführt, was sehr teuer ist. Audi-Gruppe steht besser da Die Audi-Gruppe (Audi, Seat, Lamborghini) hat dagegen nur rund 50 Millionen Euro verloren und stand mit einem Ergebnis von 814 Millionen Euro doppelt so gut da wie VW. Die Nutzfahrzeuge haben als einziger Bereich Verluste geschrieben, Grund war der Modellwechsel beim Transporter. Mit Finanzdienstleistungen und der Vermietung Europcar hat der Konzern 140 Millionen Euro mehr verdient. Weltweit hat die Krise VW unterschiedlich stark getroffen: In Deutschland wurden sogar mehr Fahrzeuge ausgeliefert. In ganz Europa mit Nebenmärkten sank der Absatz aber um 3,5 Prozent. In den USA musste der Autobauer ein Minus von 6,3 Prozent wegstecken, was in etwa dem Rückgang des Gesamtmarktes entspreche. In Mexiko wurde dagegen mehr verkauft. China ist weiter das Zugpferd Besonders finster war die Lage in Südamerika, wo 16 Prozent unter Vorjahr abgesetzt wurden. Dagegen ist China weiter das Zugpferd für VW: Die Produktion dort wurde um fast 200.000 Stück auf 534.000 Stück ausgedehnt. Trotzdem sank der Marktanteil auf rund 31 Prozent. Für die Zukunft ist VW optimistischer gestimmt: der Verkaufsstart des Golf V sowie steigende Absatzzahlen der neuen Modelle Touareg, Touran, Audi A3, Audi A8 und der neuen Transporter-Generation sollen für die letzten drei Monate des Jahres 2003 eine Stabilisierung der Ergebnisse bringen. Außerdem berichtet der Konzern über einen Trend zu teurer ausgestatteten Autos. Sparen will VW bei den Produktkosten den Investitionen. Quelle hat Lieferengpass bei neuem Golf Das Versandhaus Quelle hat Schwierigkeiten bei der Auslieferung von bestellten Autos des neuen VW Golf V. Seit der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt am Main seien überraschend viele Bestellungen eingegangen. Diese könnten nicht alle sofort bedient werden, sagte Quelle-Sprecher Erich Jeske. "Wir haben seit der IAA 100 Bestellungen erhalten. Das sind deutlich mehr, als wir erwartet haben", sagte Jeske. Seit einer Woche gebe es daher Lieferschwierigkeiten. Wer sich das neue Golf-Modellm bestellt habe, müsste derzeit mehrere Wochen Wartezeit in Kauf nehmen. Die Kunden hätten aber die Möglichkeit, auf Fahrzeuge aus der Europäischen Union auszuweichen.
Der Autohersteller leidet weiter schwer unter flauem Absatz und schwachem Dollar. Der Gewinn vor Steuern ging um über 50 % zurück. Während die Lage in Südamerika finster ist, geht es in China weiter bergauf.
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Volkswagen - Bitterer Gewinneinbruch
00/05/2010
Panamas Bevölkerung hat sich mit überwältigender Mehrheit für den Ausbau des Panama-Kanals ausgesprochen. Künftig werden zwar die größten Schiffe der Welt passieren können, doch der Ausbau wird für das Land ein erheblicher Kraftakt. Der Panama-Kanal wird in den nächsten neun Jahren für die größten Schiffe der Welt ausgebaut. Nach Auszählung von 90 Prozent der Stimmen kamen die Gegner des Bauvorhabens nur auf etwa 22 Prozent. Allerdings blieben nahezu 57 Prozent der Bürger dem Referendum fern, dessen Ergebnis für die Regierung bindend ist. Präsident Martin Torrijos sagte nach der Abstimmung, das Referendum sei "wahrscheinlich die wichtigste Entscheidung dieser Generation" gewesen. Die Wasserstraße zwischen Pazifik und Atlantik soll für 4,15 Milliarden Euro eine zusätzliche Fahrrinne und größere Schleusen erhalten. Die bislang umfassendste Modernisierung des vor 92 Jahren eröffneten Kanals soll diesen von 2015 an für moderne Containerschiffe, Kreuzfahrtschiffe und Großtanker befahrbar machen. Die derzeit bestehenden Schleusen erlauben nur Schiffen mit einer Breite von höchstens 33 Metern die Durchfahrt. Neue Arbeitsplätze Der Panama-Kanal trägt umgerechnet 1,1 Milliarden Euro zum Haushalt des mittelamerikanischen Staates bei. Die Kanal-Behörde versichert, der Ausbau werde durch höhere Durchfahrtgebühren finanziert und werde bis 2025 Einkünfte von 4,8 Milliarden Euro bringen. Zudem sollen durch die Erweiterung 40.000 neue Arbeitsplätze entstehen. In Panama leben 40 Prozent der Einwohner unter der Armutsgrenze. Die Kritiker des Ausbaus befürchten, dass dadurch die Schuldenlast des Landes weiter zunimmt. Für viele Menschen kaum ein Nutzen Auch machen sie geltend, dass die Wasserstraße der großen Mehrheit der Bevölkerung kaum einen Nutzen biete. Der etwa 80 Kilometer lange Kanal wurde zunächst von den USA verwaltet, erst Ende 1999 ging die Hoheit über die Wasserstraße an Panama über. Genutzt wird der Kanal in erster Linie von Schiffen aus den USA, südamerikanischen Ländern und China.
Panamas Bevölkerung hat sich mit überwältigender Mehrheit für den Ausbau des Panama-Kanals ausgesprochen. Künftig werden zwar die größten Schiffe der Welt passieren können, doch der Ausbau wird für das Land ein erheblicher Kraftakt.
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Volksabstimmung - Milliarden fließen in den Panama-Kanal
00/05/2010
Der Schweizer Pharmakonzern Roche hat seinen Aids-Blocker "Viracept" wegen Verunreinigungen vom Markt genommen. Ein Skandal mit Nebenwirkungen - vor allem für die Dritte Welt. Seit 2004 vertreibt der Schweizer Pharmakonzern Roche das Aids-Medikament Viracept. Der sogenannte Proteasehemmer ist für viele HIV-infizierte Menschen der letzte Hoffnungsschimmer im Kampf gegen die Immunschwächekrankheit. Roche vertreibt das Medikament der Dritten Welt zum Selbstkostenpreis. Detailansicht öffnen Eine Komposition von Aids-Anstecknadeln von Delegierten der 16. Internationalen Aids-Konferenz in Toronto am 18.08.2006. (Foto: Foto: Reuters) Anfang Juni musste Roche das Mittel wegen gesundheitsgefährdender Verunreinigungen vom Markt nehmen. Beim Herstellungsprozess wurde es mit giftigem Methansulfonsäureethylester (Ethylmethansulfonat, EMS) kontaminiert. Die Substanz, die sich in geringsten Mengen in vielen Arzneien nachweisen lässt, wirkt in hoher Konzentration bei Tieren krebserregend. Bei Kindern und Ungeborenen kann EMS zu genetischen Veränderungen führen. Europa und "ein paar andere Regionen" betroffen Fatal ist die Tatsache, dass das Medikament wegen seines niedrigen Preises von etwa 20 Cent vorwiegend in Entwicklungsländern zum Einsatz kam. Etwa 45.000 HIV-positive Patienten in 35 Ländern sollen betroffen sein. In Europa gibt es bereits neuere, bequemere Behandlungsmethoden, die auch weniger Nebenwirkungen hervorrufen. Doch sind diese Mittel nicht weltweit erhältlich, teils wegen fehlender Lizenzen, teils, weil sie schlichtweg zu teuer sind. Viele Viracept-Patienten stehen nun vor einem Dilemma: Sie können auf ein teureres Ersatzprodukt umsteigen. Doch sind in vielen Ländern der Dritten Welt Ersatzstoffe schier unbezahlbar - und daher keine Alternative. Oder sie nehmen weiterhin das schadhafte Viracept ein, falls es über dunkle Kanäle noch im Umlauf sein sollte. Und das ist erst recht keine Alternative. Die Patienten sind ratlos und empört. Doch nicht die Rückholaktion selbst ist Stein des Anstoßes - ein fehlerhaftes, gesundheitsgefährdendes Produkt muss so schnell wie möglich runter vom Markt - kritisiert wird die Informationspolitik von Roche. Ersatzstoffe für die meisten unbezahlbar Der venezolanische Rechtsanwalt Alberto Nieve klagt, Roche hätte Gelder für den Kauf von Ersatzstoffen angekündigt, doch "die meisten Menschen, vor allem außerhalb Caracas, warten noch immer." In Venezuela bekamen 3000 Menschen Viracept von der nationalen Gesundheitsbehörde bezahlt und verabreicht. Die meisten von ihnen sind gezwungen, die Therapie zu unterbrechen. Auch Gesundheitsexperten und Mitarbeiter von Aidsbekämpfungsprogrammen wissen nicht, wann die Auslieferung wieder aufgenommen wird und welche Maßnahmen in der Zwischenzeit zu ergreifen sind. Roche hätte inadäquat über mögliche Risiken informiert und kaum Hilfestellung zur Überbrückung des Lieferstopps geboten. Auch die Europäische Arzneimittelagentur (European Medicines Agency, EMEA) und die Weltgesundheitsorganisation WHO fordern mehr Transparenz. Innerhalb der Schweigemauern von Roche Denn weder ist bekannt, wie viele Menschen genau das verunreinigte Medikament eingenommen haben, noch weiß man, in welche Länder es geliefert wurde. Auch den exakten Grad der Verunreinigung weiß man, wenn, dann nur innerhalb der Schweigemauern von Roche. Am Wochenende hat Roche angekündigt, im Einvernehmen mit der EMEA ein Patientenregister einrichten, um zu erfassen, wer chemisch verunreinigten HIV-Präparaten ausgesetzt war. Während der Rückruf innerhalb von 24 Stunden nach Bekanntwerden des Mangels erfolgte, könnte die Erfassung der Patienten jedoch mehrere Monate dauern. Solange die Lizenz von Viracept ruht, ruht auch die Behandlung der Patienten. Nicht betroffen sind die USA, Kanada oder Japan, die vom US-amerikanischen Pharmakonzern Pfizer bedient werden. Ein "Desaster", sagt Lembit Rago von der WHO über die Nebenwirkungen der Rückrufaktion. "Die Kommunikation von Roche hat versagt." Auch eine Sprecherin der EMEA echauffiert sich: "Wir haben keine Informationen bekommen, nicht einmal eine ungefähre Größenordnung." Roche weist die Vorwürfe zurück.
Der Schweizer Pharmakonzern Roche hat seinen Aids-Blocker "Viracept" wegen Verunreinigungen vom Markt genommen. Ein Skandal mit Nebenwirkungen - vor allem für die Dritte Welt.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/aids-blocker-rueckruf-mit-nebenwirkungen-1.902821
Aids-Blocker - Rückruf mit Nebenwirkungen
00/05/2010
Der größte Autohersteller Europas stand einst für Käfer und Wirtschaftswunder. Heute ist er Synonym für Golf und Passat, für mehr als 320.000 Arbeitsplätze weltweit und eine Marke von globaler Bedeutung. Dass die Autoindustrie ein zentraler deutscher Wohlstandsmotor ist, hat mit dem VW-Konzern zu tun, der in den 90er Jahren vom Sanierungsfall zum Erfolgsunternehmen wurde. Detailansicht öffnen Anno 2002: Piech (rechts) begrüßt den neuen Kapitän auf der Brücke. Was damals noch keiner ahnte - es wird ein Himmelfahrtskommando. (Foto: Foto: AP) Schleichender Wandel Umso bedrohlicher klingt es, wenn nun die Zahlen und Nachrichten immer schlechter werden. Dass der neue Golf sich nicht so gut verkauft wie erwartet, war eine der wichtigen Schlagzeilen des neuen Jahres. Doch das ist nicht alles. Im vergangenen Jahr ging der Gewinn drastisch zurück. Jetzt wird die Dividende gekürzt. Der Vorstandsvorsitzende Bernd Pischetsrieder ist für 2004 extrem pessimistisch. Im ersten Quartal erwartet er "miserable" Zahlen. Der Konzern bekommt ein Kostenprogramm verpasst, das in diesem Jahr eine Milliarde und 2005 zwei Milliarden Euro zusätzlich sparen soll. 5000 Arbeitsplätze werden bei VW gestrichen. Wahrscheinlich wird es dabei nicht bleiben. VW könnte sogar auf Probleme ähnlich denen von Anfang der 90er Jahre zusteuern, als der Wolfsburger Riese bei voller Auslastung kein Geld verdienen konnte und erst durch den rigiden Modernisierungskurs des neuen Vorstandsvorsitzenden Ferdinand Piëch wieder auf Kurs gebracht wurde. Miese Konjunktur - harte Konkurrenz Der Konzern hat ein doppeltes Problem: Die Konjunktur ist weltweit schwach, die Nachfrage nach Autos lahmt. Die Branche, die im vergangenen Jahr weltweit 55 Millionen Autos baute, leidet unter Überkapazitäten von 20 Millionen Fahrzeugen. Die Konkurrenz ist brutal. Das drückt auf Preise und Gewinne. Die Käufer seien verunsichert, glaubt die Wolfsburger Führung und macht die Bundesregierung für die Stagnation auf dem deutschen Markt mitverantwortlich. Die Menschen hätten angesichts unsicherer Arbeitplätze, schwindender Altersversorgung und steigender Gesundheitskosten die Lust zum Autokauf verloren. Damit liegen sie zum Teil wohl richtig. Aber der Konzern trägt auch eine Mitschuld daran, dass seine wichtigsten Zahlen nach unten weisen. VW produziert teurer als die Konkurrenz. Das liegt daran, dass die Geschicke des Unternehmens stark in den Händen der IG Metall liegen, die argwöhnisch darauf achtet, dass die Rationalisierung bei VW vorsichtiger abläuft als bei den Konkurrenten. In der Klemme VW steckt in einer Klemme, aus der es nur schwer ein Entrinnen gibt. Nicht alle Autohersteller leiden unter der Krise. Die Hersteller von Luxuswagen finden auch jetzt noch ausreichend Abnehmer und machen passable Gewinne. Gleichzeitig sind in Europa wie in den USA billige Automarken erfolgreich. Darin spiegelt sich wachsender Reichtum bei einer Gruppe der Gesellschaft und zunehmender Zwang zur Sparsamkeit bei anderen wider. Japaner und Koreaner verzeichnen weltweite Zuwächse. Doch zwischen Luxusmarkt und Billigsegment drohen große Teile der Autoindustrie zerrieben zu werden - auch VW. Der Irrweg der Aufwertung Der Konzernstratege Piëch hat versucht, die Wolfsburger Traditionsmarke aus dem Massen-Segment herauszuheben und aus Volkswagen eine gehobene Marke zu machen, die dem Käufer mehr Image bringt als die in Deutschland verbreiteten Anbieter Ford und Opel oder die japanischen Fabrikate. Dafür hat er die Golfs und Passats mit moderner und teurer Technik voll gepackt. Das funktionierte eine Weile. Doch der missratene Anlauf des Golf brachte zu Tage, dass der Versuch, aus VW eine Premium-Marke zu machen, eine Lebenslüge war. Der Preis für das Auto wurde um rund 1000 Euro gesenkt, verkleidet als Gratis-Klimaanlage zum 30. Geburtstag des Bestsellers. Die Käufer in diesem Markt lassen sich offenbar weniger von Marken blenden als die Wolfsburger Führung glaubte. Sie entscheiden kühl nach dem Preis-LeistungsVerhältnis. Doch da bieten andere mehr. Japanische Autos sind den Konkurrenten bei der Qualität haushoch überlegen. Volkswagen muss sich auf harte Zeiten einstellen.
Der deutsche Weltkonzern droht vom Erfolgsunternehmen zum Sanierungsfall zu werden.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/kommentar-vw-in-der-klemme-1.903001
Kommentar - VW in der Klemme
00/05/2010
Weil der Pay-TV-Neuling Arena noch immer keine Verträge mit einem wichtigen Kabelanbieter für seine Bundesliga-Rechte hat, sucht er nun nach einem überraschenden Ausweg: Live-Übertragungen im frei empfangbaren Fernsehen. Doch eventuell pokert Arena nur. Die Fußballfans können möglicherweise mehr Bundesliga-Berichte im frei empfangbaren Fernsehen sehen als erwartet. Der Branchenneuling Arena führt einen knappen Monat vor Saisonstart Gespräche mit der ProSiebenSat.1 Media AG über die Ausstrahlung von Live-Spielen bei den Free-TV-Sendern der Gruppe (Pro 7, Kabel 1, Sat.1). Detailansicht öffnen Arena-Marketingevent: Bis zuletzt wird um die Bundesliga-Übertragungen gefeilscht. (Foto: Foto: AP) Nachgedacht werde zudem darüber, die Live-Konferenz am Samstag des ersten Spieltages parallel bei Sat.1 zu übertragen. "Das ist eine Option, die wir derzeit prüfen", sagte Arena-Sprecherin Susanne Jahrreiss. "Wir prüfen bereits seit Januar die Möglichkeit, einzelne Spiele und die Konferenzschaltung im Free-TV auszustrahlen." "Einzigartige Werbemöglichkeit" Sie betonte jedoch: "Hintergrund ist nicht die technische Reichweite, sondern vielmehr eine einzigartige Werbemöglichkeit für unser Programm." Zur Wahrscheinlichkeit einer solchen Lösung mit zusätzlichen Angeboten im frei empfangbaren Fernsehen wollte Arena keine Angaben machen. Der neue Pay-TV-Sender hatte sich im Dezember im Wettbieten mit Premiere die Live-Rechte sowohl im Pay- als auch im Free-TV-Bereich gesichert. Zudem strebt Arena eine Zustimmung der ARD an, die sich das Recht an der ersten Zusammenfassung des Ligageschehens im Free-TV gesichert hat. "Wir kennen die Anfrage und prüfen sie sorgfältig", sagte ARD- Sportkoordinator Hagen Boßdorf. Zu weiteren Details wollte er sich nicht äußern. DFL muss zustimmen Zustimmen muss auch die Deutsche Fußball-Liga (DFL). "Wir sind mit Arena seit längerem darüber im Gespräch", sagte DFL-Mediendirektor Tom Bender. "Es würde sich dabei um ein reine Promotion-Maßnahme handeln, um das neue Produkt einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen." Arena hat laut Vertrag auch die Live-Rechte für das frei empfangbare Fernsehen erworben. Auch Sublizenzierungen sind möglich. Da die ARD aber ebenfalls Exklusivitätsansprüche hat, könnten juristische Probleme entstehen, die Arena offensichtlich vermeiden will.
Weil der Pay-TV-Neuling Arena noch immer keine Verträge mit einem wichtigen Kabelanbieter für seine Bundesliga-Rechte hat, sucht er nun nach einem überraschenden Ausweg: Live-Übertragungen im frei empfangbaren Fernsehen. Doch eventuell pokert Arena nur.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/verhandlungspoker-bundesliga-moeglicherweise-live-im-free-tv-1.903077
Verhandlungspoker - Bundesliga möglicherweise live im Free-TV
00/05/2010
Die Bayerische Staatsregierung hat immer noch erhebliche Bedenken gegen die Fusion der HypoVereinsbank mit der Unicredito. Offenbar befürchtet sie Nachteile für künftige Kreditentscheidungen. Manch einer ahnt, dass 170 Jahre bayerische Bankengeschichte bald zu Ende gehen könnten. Detailansicht öffnen HVB-Chef Dieter Rampl will beim Tempo in Europa mithalten. (Foto: Foto: AP) 1835 wurde die Bayerische Hypotheken- und Wechsel-Bank gegründet, 1869 die Bayerische Vereinsbank, 1998 fusionierten beide zur HypoVereinsbank (HVB), dem zweitgrößten deutschen Kreditinstitut. Und nun könnte die Bank noch in diesem Jahr ihre Selbstständigkeit verlieren - als Juniorpartner des Unicredito aus Mailand. Die Perspektive ist klar, seit beide Seiten ihre Gespräche offiziell bestätigten. Das löst am Finanzplatz München gemischte Gefühle aus. Die einen sagen: Unicredito ist das Beste, was uns passieren kann, wenn sich in Europa ein einheitlicher Bankenmarkt bildet. Die anderen sagen: Die Fusion kommt zur Unzeit, die HVB-Aktie ist mit etwa 20 Euro unterbewertet und wird ganz sicher schnell steigen. Schließlich habe der Vorstand seine Sanierungsaufgaben erledigt. Staatsregierung bleibt skeptisch Entgegen anders lautenden Meldungen hat offenbar auch die Staatsregierung ihre Bedenken gegen die Fusion noch nicht aufgegeben. Deren Votum ist wichtig, weil sie seinerzeit Geburtshelfer der HVB war und eine grenzüberschreitende Fusion kaum gegen politischen Widerstand gelingen dürfte. "Die Staatsregierung beobachtet die Gespräche mit großer Sorgfalt und einer gehörigen Portion Skepsis," hieß es in der Umgebung der Regierung. "Die sehen da noch einige offene Fragen". Offenbar fürchten Ministerpräsident Edmund Stoiber und Wirtschaftsminister Otto Wiesheu wirtschaftliche Nachteile, wenn wichtige Kreditentscheidungen der fusionierten Bank nicht mehr in München getroffen werden. "Die haben doch nicht die HVB geschaffen, um tatenlos zuzusehen, wie die Bank aus München verschwindet."
Die Bayerische Staatsregierung hat immer noch erhebliche Bedenken gegen die Fusion der HypoVereinsbank mit der Unicredito. Offenbar befürchtet sie Nachteile für künftige Kreditentscheidungen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/bankenfusion-hvb-unicredito-gespaltene-gefuehle-in-muenchen-1.918583
Bankenfusion HVB-Unicredito - Gespaltene Gefühle in München
00/05/2010
Während bei AEG in Nürnberg die Not groß ist, setzt der koreanische Samsung-Konzern ausgerechnet auf Deutschland. Es gibt zur Zeit durchaus nicht nur schlechte Nachrichten aus der Welt der "Weißen Ware". Während in Nürnberg der Kampf um den Exodus des Hausgeräteherstellers AEG aus Deutschland noch tobt, hat sich das koreanische Unternehmen Samsung soeben für den Standort Deutschland entschieden. Detailansicht öffnen Waschmaschinen im Forschungszentrum von Samsung in Stuttgart. (Foto: Foto: dpa) Und Michael Laue reibt sich schon die Hände: werden ihm doch die derzeitigen Querelen in Nürnberg den einen oder anderen Physiker, Chemiker, Maschinenbauer, Ökotrophologen oder Elektroniker von AEG in seine in Stuttgart ausgebreiteten Arme treiben. Lauers Job in diesem Jahr bedeutet vor allem: Jobs schaffen. Erstes Forschungslabor außerhalb Koreas In Stuttgart eröffnete der Mischkonzern, der mit 113.000 Mitarbeitern 45 Milliarden Euro Umsatz erzielt, am Mittwoch sein erstes und bisher einziges Forschungslabor außerhalb Koreas. In den nächsten Jahren will Samsung fast einen Jahresumsatz in die weltweite Forschung und Entwicklung stecken. Im Schwäbischen werden jetzt erst einmal deutsche Ingenieure Waschmaschinen, Kühlschränke, Herde und Mikrowellengeräte entwickeln und erproben, mit denen Samsung den europäischen Markt aufrollen will. An vorderster Front soll der 52-jährige Physiker Laue, der seit Januar das Forschungs- und Entwicklungszentrum leitet, dafür tätige Mithilfe leisten. "Samsung hat erkannt, dass derjenige, der in Europa erfolgreich sein will, europäische Technik nicht kopieren darf, sondern verstehen muss", sagt er. Von den Kunden ganz zu schweigen. "Sehen Sie, das ist Innovation" Bei Laue ist Samsung wohl an den Richtigen geraten. Der gebürtige Sachse packt den Schraubenzieher, schraubt den Deckel der Samsung-Waschmaschine im Labor auf und zeigt auf ein etwa fünf Zentimeter langes Plastikkästchen: "Sehen Sie, das ist Innovation."
Während bei AEG in Nürnberg die Not groß ist, setzt der koreanische Samsung-Konzern ausgerechnet auf Deutschland.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/standort-deutschland-waeschewaschen-als-wissenschaft-1.898683
Standort Deutschland - Wäschewaschen als Wissenschaft
00/05/2010
Die Enthüllungen über eine Bande teils hochrangiger krimineller Angestellter und die Unterschlagung von rund 200 Millionen Euro hat viele Mitarbeiter erschüttert. Mit der Verhaftung eines früheren Bereichsvorstands und durch die Beteiligung von Mitarbeitern im Bereich des Controllings hat die Affäre inzwischen eine Dimension erreicht, die kaum jemand im Haus für möglich gehalten habe. Siemens-Vorstandschef Klaus Kleinfeld versuchte, mit der Ankündigung eines harten Vorgehens in die Offensive zu kommen. Detailansicht öffnen Viele Siemens-Mitarbeiter sind schockiert über die Enthüllungen. (Foto: Foto: dpa) Offiziell wollen sich derzeit nur wenige bei Siemens zu dem Skandal äußern. "Ich persönlich arbeite seit 25 Jahren für den Konzern, und es bewegt mich sehr, was da vorgeht", sagte am Donnerstag der Chef der Siemens-Tochter Osram, Martin Goetzeler. Er könne nur versichern, dass "der gesamte Vorstand von Siemens und die Führungsmannschaft daran interessiert sind, dass die Vorwürfe aufgeklärt werden und dass die Kooperation mit der Staatsanwaltschaft vollständig fortgesetzt wird". Schonungslose Aufklärung versprochen Auch Kleinfeld kündigte eine schonungslose Aufklärung an. Mitarbeiter, bei denen sich der Verdacht auf ungesetzliches Verhalten erhärte, würden "unmittelbar suspendiert". Obwohl allerdings zum Beispiel der Geschäftsführer einer Siemens-Tochter seit einer Woche in Haft sitzt, hat es bisher offenbar noch keine Suspendierungen gegeben. In jedem Fall will der Konzern die Verhaltensregeln für seine Mitarbeiter deutlich verschärfen. Experten betonen, wie wichtig das aktive Vorgehen eines Unternehmens gegen Korruption ist. Es reiche nicht, einmal Verhaltensregeln aufzustellen und sich ansonsten auf Staatsanwaltschaft und Polizei zu verlassen. Aktive Maßnahmen gefordert "Korruption ist ein Kontrolldelikt", sagte Stefan Heißner, Korruptionsexperte bei der Beratungsgesellschaft Ernst & Young, in München. Fälle würden meist nur durch aktive Maßnahmen oder Hinweise aufgedeckt. Auch Maxim Worcester vom weltweit aktiven Beratungskonzern Control Risks betont, dass es mit einfachen Verhaltensregeln nicht getan ist. "Sie müssen auch nach innen und außen gelebt und vertreten werden." Die Beratungsfirma stellt vielfach fest, dass die Regeln in den Unternehmen kaum bekannt sind. "Das muss von den Chefs und Managern immer wieder thematisiert werden." Trotz der enormen Dimension des Falles wird im Umfeld des Konzerns betont: "Das ist nicht Siemens." 450.000 ehrliche Arbeiter Zum einen handle es sich bei den etwa ein Dutzend Verdächtigen verglichen mit den weltweit über 450 000 Beschäftigten um eine kleine Zahl. Zudem konzentrierten sie sich vor allem auf einen Bereich des breit aufgestellten Konzerns - die Festnetzsparte Com. "Wir haben es offenbar mit einer Com-Bande zu tun." Zumindest die politische Verantwortung für die Vorfälle wird dabei derzeit von vielen Thomas Ganswindt zugeschrieben. Der Manager war Chef der früheren Festnetzsparte ICN und verantwortete das Geschäft eine Zeit lang im Zentralvorstand. Allerdings hat er den Konzern vor einigen Wochen verlassen.
Die Enthüllungen über eine Bande teils hochrangiger krimineller Angestellter und die Unterschlagung von rund 200 Millionen Euro hat viele Mitarbeiter erschüttert.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/grosskonzern-unter-schock-das-ist-nicht-siemens-1.902994
"Großkonzern unter Schock - ""Das ist nicht Siemens."""
00/05/2010
Durch die Krankheit von Fidel Castro blüht der transatlantische Streit um die Rummarke Havana Club wieder auf. Die Kombattanten: Ricard und Bacardi. Patrick Ricard signalisierte sofort Kampfbereitschaft. Ja, der Chef des weltweit zweitgrößten Spirituosenkonzerns Pernod Ricard wolle sich mit voller Wucht in einen neuen Handelskrieg mit Bacardi und den USA stürzen. Detailansicht öffnen Kampfbereit, aber die Hoffnungen von Patrick Ricard, mit Havana Club bald in den USA den Markt aufmischen zu dürfen, sind ersteinmal vom Tisch. (Foto: Foto: AFP) Denn so ein Zufall: Noch hat Kubas Langzeit-Diktator Fidel Castro das Zeitliche nicht gesegnet, da entschied das US-Patentamt mit freundlicher Unterstützung von Präsidentenbruder Jeb Bush einen seit zehn Jahren währenden Rechtsstreit zugunsten von Bacardi. Vorteil Bacardi? Ein Triumpf für die auf den Bermudas ansässige Gesellschaft. Bacardi, im Besitz von Exilkubanern, vertreibt seit Dienstag wieder ihre Version des legendären Rums Havana Club in den USA. Auf die Markenrechte erhebt jedoch der Franzose Ricard gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Castro Anspruch. Wegen des Handelsembargos der USA durfte Pernod Ricard seinen Havana Club bisher nicht in den USA verkaufen. Denn der wird auf der Zuckerrohrinsel gebrannt und unterliegt deshalb dem von der Familie Bacardi inspirierten Helms-Burton-Act, der kubanische Waren in den USA verbietet. Ricard hatte sich Hoffnungen machen dürfen, nach der Ära Castro und einer möglichen Aufhebung der Embargos seinen Rum auch den Amerikanern einzuschenken. Doch nun entschied das Patentamt, der Markenschutz für Pernod Ricard sei abgelaufen und würde nicht verlängert. Ricard kündigte umgehend rechtliche Schritte an. Denn der Spirituosenkonzern verkauft seinen Havana Club in der ganzen Welt, in Deutschland ist er sogar nach Ramazotti das am meisten verkaufte Getränk des Konzerns. Das Geschäft floriert, seit Ricard 1993 mit Castro ein kubanisch-französisches Joint Venture gegründet hatte, das sich um Marketing und Vertrieb des Rums weltweit kümmert. In inniger Feindschaft verbunden Ausgerechnet der größte und am schnellsten wachsende Rummarkt in den USA blieb davon aber ausgespart. Doch nicht nur auf den hat die Bacardi-Familie es abgesehen. Die Exilkubaner kündigten überdies an, um ihre Markenrechte in Indien, Kanada, Spanien und anderswo zu kämpfen. Bisher gehört die Marke den Bacardis nur in Tadschikistan, Kirgisien und Kroatien. Der Clan beansprucht, der einzig wahre Markeneigner zu sein, weil er die Rechte von der Familie Arechabala in den 90er Jahren erworben hätte. Die Arechabalas hatten 1935 erstmals den Havana Club destilliert, flohen aber in den 60er Jahren, nach der kubanischen Revolution, in die USA. Der Betrieb wurde enteignet. Kuba meldete die Rechte auf die Marke in den USA 1976 an. Die Rechte der Arechabalas seien schon vor der Revolution erloschen, weil die Verlängerung nicht beantragt worden sei. Transatlantisch wurde der Rechtsstreit, nachdem Ricard gemeinsame Sache mit Castro machte und den Absatz in kurzer Zeit vervielfachte. Die Bacardis und Ricards sind seither in inniger Feindschaft verbunden. Der 61-jährige, unkonventionelle Ricard, Sohn des Pastis-Erfinders Paul Ricard, sieht die Sache pragmatisch. "Unser Ziel ist es, unsere Produkte zu verkaufen", sagte er. Castro nannte er, abgesehen von der Politik, einen "eindrucksvollen Typen". Kuba entspreche dem Zeitgeist. "Die kubanische Lebensart gefällt den Europäern." Politik dagegen sei nichts für ihn. Dabei gibt es wohl derzeit keinen politischeren Drink als den Havana Club.
Durch die Krankheit von Fidel Castro blüht der transatlantische Streit um die Rummarke Havana Club wieder auf. Die Kombattanten: Ricard und Bacardi.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/havana-club-ein-hochpolitischer-drink-aus-kuba-1.898422
Havana Club - Ein hochpolitischer Drink aus Kuba
00/05/2010
Die von SPD und CDU im Juli gemeinsam beschlossene Gesundheitsreform brachte den Stein ins Rollen: Schon kurz nach der Verabschiedung des überparteilichen Kompromisspakets war klar, dass weitere Reformen notwendig sind. Wurde dazu zunächst das Konzept der Bürgerversicherung ins Gespräch gebracht, wird mit der sogenannten Kopfpauschale auch eine zweite Reform-Variante zunehmend wahrgenommen. Die Kopfpauschale stellt ein recht einfaches Einnahmeinstrument dar, bei dem alle Erwachsenen - also beispielsweise auch die bis dato beitragsfrei mitversicherten Ehefrauen - unabhängig von ihrem Einkommen einen fixen Betrag berappen sollen. Nach Vorschlägen der von der Regierung eingesetzten Rürup-Kommission sollen dies etwa 200 Euro sein, während die Bürger nach dem Herzog-Papier der Union 264 Euro monatlich berappen sollen. Umverteilung von unten nach oben Der Haupteinwand gegen diesen Vorstoß lautet: Er entlastet obere Einkommen besonders, käme also einer Umverteilung von unten nach oben gleich. So spricht sich beispielsweise der SPD-Politiker Klaus Kirschner, Vorsitzender des Bundestags-Gesundheitsausschusses vehement gegen die Kopfpauschale aus: "Eine Kopfpauschale würde bedeuten, dass jeder die gleiche Pauschale zu leisten hat, das heißt, untere Einkommen werden unverhältnismäßig hoch belastet, höhere werden unverhältnismäßig entlastet, das halte ich auch für falsch." Die Vorteile der Kopfpauschale für die Arbeitgeber liegen allerdings ebenfalls auf der Hand. Ziel dieses Konzeptes ist es, die Arbeitgeber aus der paritätischen Finanzierung der Krankenversicherung zu entlassen. Das klingt zunächst nach alleiniger Begünstigung der Arbeitgeber, die in dieser Einseitigkeit womöglich aber gar nicht gegeben ist. Denn wer einen Mitarbeiter einstellt, rechne die Sozialaufwendungen ohnehin zu seinen Lohnkosten hinzu. Der Arbeitgeber trenne aus seiner Unternehmersicht nicht zwischen Ausgaben für Lohn- und Krankenversicherung, sondern weise alle Ausgaben für seine Mitarbeiter als Lohnkosten aus, so das Argument. Höhere Kassenbeiträge - weniger Jobs Je höher aber die die Krankenversicherungsbeiträge anstiegen, desto teurer werde auch die Arbeit für den Unternehmer. Jeder Prozentpunkt an höheren Kassenbeiträgen vernichte Jobs, schaffe Anreize zur Verlagerung von Arbeit in Billiglohn-Länder oder zum Ersatz von Menschen durch Maschinen, mahnen die Anhänger der Kopfpauschale. Deswegen plädieren sie dafür, Krankenversicherungen in Zukunft so zu betrachten wie etwa Haftpflichtversicherungen: Sie sind Sache des Einzelnen, nicht des Arbeitgebers. Der zahlt einen festen Lohn, und davon muss jeder Arbeiternehmer seine Ausgaben bestreiten. So könnten Kostenexplosionen im Gesundheitswesen die Arbeitslosigkeit genauso wenig nach oben treiben wie das Diebstähle Wasser- oder Sturmschäden täten. Die Gesellschaft würde den Schaden nur noch einmal bezahlen: Durch höhere Prämien aber nicht durch höhere Arbeitslosigkeit. Abgefedert Die Krankenversicherungsprämien blieben dann künftig zwar am Arbeitnehmer hängen, räumen die Befürworter der Kopfpauschale ein. Doch das klinge schlimmer als es sei. Denn um den Systemübergang abzufedern, würden die Arbeitergeber am Stichtag der Umstellung die Löhne brutto um ihren bisherigen Arbeitgeberbeitrag zur Krankenversicherung erhöhen. Das gesamte Geld flösse also direkt an den Arbeitnehmer, während sich die Arbeitgeber fortan nicht mehr mit Versicherungen herumschlagen und die Verwaltungskosten senken könnten. Der Arbeitnehmer aber bestreite mit seinem zusätzlichen Gehalt seine Prämie an die Kasse - wie jeder Privatversicherte. Am Tag der Umstellung stehe der Arbeitnehmer also gleich da. Die absehbaren Steigerungen der Kopfpauschale müsse er dann zwar allein verkraften, doch zumindest teilweise werde er diese zusätzliche Belastung durch Lohnerhöhungen wettmachen können. Der Vorteil dabei sei, dass die Kostenexplosion im Gesundheitswesen nicht mehr automatisch auf die Arbeitskosten durchschlage, sondern nur indirekt über Lohnverhandlungen. Die Arbeit würde billiger werden, und mehr Jobs entstünden, argumentieren die Befürworter der Kopfpauschale. Staatsgeld Neben Alt-Bundespräsident Roman Herzog zählt der Sozialexperte Bert Rürup zu den prominentesten Vertretern der Kopfpauschale. Rürups Kommission arbeitete im Auftrag der Bundesregierung Vorschläge zur Reform der Sozialversicherungssysteme aus. Um die Kopfpauschale sozial ausgewogener zu gestalten (s.o.), wird auch eine staatliche Hilfe für Bedürftige vorgeschlagen. Mindestens 25 Milliarden Euro Steuergeld sollen jedes Jahr fließen. Da der Staat aber häufig klamm ist, befürchten Kritiker der Kopfpauschale, dass Politiker und Lobbyisten jedes Jahr einen Milliardenringkampf veranstalten - Gesundheitsreformen würden zur Dauerinstitution. Wie der Kampf um die Milliarden ausgehe, habe der Reformkompromiss im Gesundheitswesen ja gerade erst gezeigt: Den Patienten würden mehr Lasten aufgebürdet. Zudem habe die Kopfpauschale ihre Überlegenheit noch nicht beweisen können: In der Schweiz, die die Prämien eingeführt habe, lägen die Gesundheitsausgaben höher als in Deutschland, monieren die Kritiker.
Die von SPD und CDU im Juli gemeinsam beschlossene Gesundheitsreform brachte den Stein ins Rollen: Schon kurz nach der Verabschiedung des überparteilichen Kompromisspakets war klar, dass weitere Reformen notwendig sind. Wurde dazu zunächst das Konzept der Bürgerversicherung ins Gespräch gebracht, wird mit der sogenannten Kopfpauschale auch eine zweite Reform-Variante zunehmend wahrgenommen.
wirtschaft
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Kopfpauschale - Entlastung für den Arbeitsmarkt
00/05/2010
Zu lange hat der Bahnchef die Schuld für die Misere seines Unternehmens bei anderen gesucht. (SZ vom 25.10.2003) — Die Deutsche Bahn, dieser Koloss auf Schienen, scheint oft nur aus einem einzigen Mitarbeiter zu bestehen: Hartmut Mehdorn. Der Vorstandsvorsitzende zieht, darin dem Heiligen Sebastian ähnlich, alle spitzen Pfeile auf sich. Beispiel Börsengang Verschossen werden sie von Politikern, Mitarbeitern und vor allem den Kunden der Bahn. Es sind ziemlich viele Pfeile, was überwiegend an Mehdorn selbst liegt, der schon deshalb nicht zum Märtyrer taugt. Dem Manager sind in den vergangenen Monaten schwerwiegende Fehler unterlaufen. Die Frage, ob er noch der richtige Vorstandschef ist für den bundeseigenen Transportriesen, wird deshalb immer lauter gestellt. Mehdorns größte Fehlleistung ist es, nahezu jeden gegen sich aufgebracht zu haben. Wer aber für die Bahn keine Verbündeten hat, der kann dieses ganz spezielle Unternehmen mit seinen wichtigen verkehrspolitischen Aufgaben kaum erfolgreich führen. Jüngstes Beispiel: Der Bahnchef wollte sein Unternehmen stets Anfang 2005 an den Kapitalmarkt bringen. Kritiker wurden nicht eingebunden oder überzeugt, sondern beschimpft. Auch vor den Parlamentariern im Verkehrsausschuss machte Mehdorn nicht Halt. Nun aber steht fest: Die Bahn wird, wenn überhaupt, frühestens Ende 2006 teilprivatisiert. Als ob dies nicht schon schlimm genug wäre für den Bahnchef, musste er seine Niederlage auch noch selbst verkünden. Die dafür eigentlich zuständige rot-grüne Bundesregierung hielt sich vornehm zurück. Vielschichtige Realität Mehdorn hat den Bogen überspannt und sich erneut an der vielschichtigen Realität verhoben. So wie zu Jahresbeginn, als er die umstrittene Preisreform für die Fernzüge wie den ICE und den Intercity durchdrückte. Rasch wurde klar, dass die neuen Tarife an den Wünschen und Bedürfnissen der meistens Bahnkunden vorbei gehen. Doch Mehdorn suchte die Schuld wieder einmal bei allen anderen und lenkte dann viel zu spät ein. Der Imageschaden für die DB ist so groß, dass die Kundschaft auch den überarbeiteten, deutlich besseren und übersichtlicheren Tarifen misstraut. Mit schmerzhaften wirtschaftlichen Folgen: Die Umsätze im wichtigen Fernverkehr sind eingebrochen wie selten in der Geschichte des Unternehmens. Der Bahnchef ist also aus eigenem Versagen binnen Jahresfrist mit seinen beiden zentralen Projekten Börsengang und Preisreform gescheitert, weshalb auch innerhalb des Konzerns seine Autorität stetig verfällt. Keine günstige Situation für ein Unternehmen mit 250.000 Mitarbeitern, das nachhaltig umgebaut und modernisiert werden muss. Nur dann hat der Schienenverkehr im Wettbewerb mit dem Auto und der Bahn eine Chance, nur dann steigen mehr Menschen in die Züge. Wer allerdings die Probleme der Bahn allein auf die Person Mehdorn reduziert, greift erheblich zu kurz. Für die Zukunft der Schiene ist, zehn Jahre nach der Bahnreform, zuerst die Politik verantwortlich. Bürgerbahn oder Börsenbahn? Die rot-grüne Bundesregierung aber drückt sich vor eindeutigen Aussagen und betreibt neuerdings auch ihre Bahnpolitik nach Kassenlage - kurzatmig und widersprüchlich. Und die Oppositionsparteien CDU/CSU und FDP setzen ohnehin lieber auf den Bau von immer mehr Straßen. Gegensätze werden konstruiert, wie der von der Bürgerbahn und der Börsenbahn. Die einen rufen nach einer hochmodernen Bahn AG, die mit wenig Personal vorzugsweise die schnellen Fernstrecken bedient und den Aktionären hohe Dividenden beschert. Die anderen wünschen sich die Bahn zurück, die an jedem Dorfbahnhof zehnmal täglich hält (deren Bedienstete den Kunden allerdings nur als "Beförderungsfall" betrachtet haben). Beide Varianten kann sich das Land nicht leisten. Wirtschaftlichkeit aber und das Ziel der Bahnreform, zu Gunsten der Umwelt mehr Kunden und Güter auf die Schiene zu bringen, schließen sich keineswegs aus. Der Schlüssel dazu liegt bereit: Bund und Länder müssen für erheblich mehr Konkurrenz auf der Schiene sorgen. Dies hilft auch der Deutschen Bahn.
Zu lange hat der Bahnchef die Schuld für die Misere seines Unternehmens bei anderen gesucht.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/deutsche-bahn-mehdorn-gegen-alle-1.918894
Deutsche Bahn - Mehdorn gegen alle
00/05/2010
Der Verurteilung von zwei früheren Siemens-Managern wegen Bestechung könnte ein Ermittlungsverfahren gegen derzeitige Vorstände oder gar den ehemaligen Konzernchef Pierer folgen. Im bundesweit ersten Prozess wegen Korruptionsdelikten der Siemens AG im Ausland hat das Landgericht am Montag dem Hauptangeklagten das Gefängnis erspart. Der frühere Finanzchef der Sparte Kraftwerksbau, Andreas Kley, wurde wegen Bestechung von zwei Managern des italienischen Energiekonzerns Enel sowie Untreue zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Der 63-Jährige muss außerdem 400000 Euro an gemeinnützige Organisationen zahlen, darunter 50000 Euro an die Anti-Korruptionsinitiative Transparency International. Ein weiterer Angeklagter, der frühere Siemens-Mitarbeiter Horst V. (73), erhielt wegen Beihilfe zur Bestechung neun Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung. Mit Schmiergeldzahlungen in Höhe von sechs Millionen Euro hatten die beiden zwischen 1999 und 2002 nach Erkenntnissen des Gerichts Siemens einen Auftrag von Enel für Gasturbinen im Wert von 338 Millionen Euro verschafft. Siemens machte 104 Millionen Euro Gewinn, der nun weg ist. Das Gericht verfügte, dass der Konzern davon 38 Millionen Euro an den Staat abführen muss. Außerdem hat Siemens an Enel 113 Millionen Euro Schadensersatz gezahlt. Der Vorsitzende Richter Rainer Buss äußerte sich in der Urteilsbegründung erstaunt über den Umgang von Siemens mit Kley und erklärte, hier liege womöglich Untreue zu Lasten des Konzerns vor. Während des Verfahrens war bekanntgeworden, dass Kley bei seinem Ausscheiden Mitte 2004 eine Abfindung in Höhe von mehr als 1,7 Millionen Euro erhalten hatte. Pierer unterzeichnete umstrittenen Abfindungsvertrag Nach Angaben von Buss war der Abfindungsvertrag vom damaligen Konzernchef Pierer und von Vorstand Uriel Sharef unterzeichnet worden. Sharef ist für die Kraftwerkssparte zuständig. Beim Abschluss des Abfindungsvertrags habe Siemens noch keine Hinweise auf Schmiergeldzahlungen von Kley gehabt, sagte Buss. Später habe Siemens dann von den Ermittlungen gegen Kley und dessen Geständnis erfahren, sich aber weder darum bemüht, die "Abfindung zurückzuholen", noch Schadensersatz verlangt. Buss bezeichnete das als "unerfreulich" und verwies auf den Fall Mannesmann. Oberstaatsanwalt Ulrich Busch sagte nach der Urteilsverkündung, es sei "vielleicht auch strafrechtlich relevant", dass Siemens die 1,765 Millionen Euro von Kley nicht zurückgefordert habe. "Das muss geprüft werden." Dafür sei die Staatsanwaltschaft in München zuständig. In München sind die Konzernzentrale und der Vorstand ansässig. Busch sagte, er werde seine dortigen Kollegen über den Hinweis des Gerichts informieren, dass wie im Fall Mannesmann womöglich Untreue vorliege und der Konzern geschädigt worden sei. Auf die Frage, ob auch ein Ermittlungsverfahren gegen Pierer und Sharef in Frage komme, die beiden Unterzeichner des Abfindungsvertrags mit Kley, antwortete Busch: "Auch das wird zu prüfen sein." "Bestechungsfreunliches Klima" Der Prozess hat nach Darstellung des Gerichts tiefe Einblick in die bisherige Unternehmenskultur bei Siemens ermöglicht. Richter Buss sagte, in der Sparte Kraftwerksbau habe ein "bestechungsfreundliches Klima" geherrscht. Kley und der Mitangeklagte hätten auf schwarze Kassen in Liechtenstein zurückgreifen können. Dieses System sei einer "größeren Anzahl von Personen" bei Siemens bekannt gewesen. Die Konzernzentrale habe lange Zeit keine wirksamen Maßnahmen gegen schwarze Kassen und Korruption ergriffen, sondern sich mit internen Vorschriften begnügt, die aber lediglich auf dem Papier gestanden hätten. Erst jetzt gebe es beispielsweise einen Ombudsmann, dem Beschäftigte vertraulich Hinweise auf Korruption geben und so der Gefahr entgehen könnten, wegen solcher Informationen gemobbt zu werden, sagte Buss. Gegen das Urteil wollen sowohl Kley wie auch die Staatsanwaltschaft Berufung einlegen. Auch Siemens kündigte Revision beim Bundesgerichtshof an.
Der Verurteilung von zwei früheren Siemens-Managern wegen Bestechung könnte ein Ermittlungsverfahren gegen derzeitige Vorstände oder gar den ehemaligen Konzernchef Pierer folgen.
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Siemens - Korruptionsprozess wirft Fragen über Pierer auf
00/05/2010
Die Gegner des Großflughafens Berlin-Brandenburg prüfen nach dem Gerichtsentscheid vom Donnerstag eine Verfassungsklage. Doch die Hürden sind hoch. Im Urteil des Bundesverwaltungsgerichts seien Grundrechte auf Gesundheit und Eigentum in den Hintergrund gerückt worden, sagte Anwalt Wolfgang Baumann am Freitag in Berlin. Vor weiteren Schritten seien aber die schriftlichen Urteilsgründe abzuwarten. Detailansicht öffnen Flughafengegner am 16.03.2006 in einem Reisebus vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig. (Foto: Foto: ddp) Die Juristen der 4000 Kläger nannten es einen "großen Erfolg", dass die Richter ein weitgehendes Nachtflugverbot verhängten. Die Berliner Flughafengesellschaft setzt auf eine Ausgestaltung der Beschränkungen zu Gunsten der Airlines. "19 Stunden geöffnet" Der Chef der Berliner Flughäfen, Dieter Johannsen-Roth, nannte die verschärften Lärmschutzvorgaben einen ausgewogenen Kompromiss. "Ein Nachtflugverbot zwischen 0.00 und 5.00 Uhr heißt, dass 19 Stunden geöffnet sein wird", sagte er im Deutschlandfunk. Die Richter hatten den geplanten 24-Stunden-Betrieb gekippt und neben der Kernzeit auch von 22.00 bis 0.00 Uhr sowie von 5.00 bis 6.00 Uhr Einschränkungen verfügt. Dann sind Flüge nur erlaubt, wenn sie "aus nachvollziehbaren Gründen" nicht am Tage möglich sind. Die Lufthansa, Air Berlin und Wirtschaftsverbände hatten dies kritisiert. Wie die neuen Vorgaben zum Lärmschutz konkret aussehen, muss nun aber noch festlegt werden. Wunsch nach freier Hand Flughafen-Chef Johannsen-Roth sprach sich dafür aus, außerhalb der nächtlichen Kernzeit weitgehend freie Hand zu bekommen. "In dem Maße, wie es die Airlines möchten, würden wir es gerne zu Gunsten der Airlines und zu Gunsten des Airports gestaltet wissen wollen." Nicht praktikabel wären einzelne Genehmigungen für jeden gewünschten Flug. Die Ausbaugegner kündigten an, das ausstehende Verwaltungsverfahren zum Lärmschutz "sehr aufmerksam" zu verfolgen, wie Anwalt Christian Schöning sagte. Gegen das ergänzende Konzept könnte notfalls erneut beim Bundesverwaltungsgericht geklagt werden. Der Vorsitzende des ausbaukritischen Bürgervereins Brandenburg- Berlin, Ferdi Breidbach, sprach sich für einen Gang nach Karlsruhe aus, wenn dies möglich und sinnvoll sei. Die Anwälte verwiesen jedoch auch auf hohe Hürden. Nummer drei in Deutschland Die Leipziger Richter hatten am Donnerstag nach mehr als einem Jahrzehnt der Planungen und Proteste den Weg für den BBI frei gemacht. Der Flughafen Schönefeld kann nun bis 2011 für mehr als zwei Milliarden Euro zum drittgrößten deutschen Flughafen hinter Frankfurt/Main und München ausgebaut werden.
Die Gegner des Großflughafens Berlin-Brandenburg prüfen nach dem Gerichtsentscheid vom Donnerstag eine Verfassungsklage. Doch die Hürden sind hoch.
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Berlin-Brandenburg - Flughafengegner wollen sich nicht geschlagen geben
00/05/2010
Viele empfinden es als Privileg, von zu Hause aus arbeiten zu können. Doch nur wer sein Home Office richtig eingerichtet hat, kann dort effektiv und konzentriert tätig sein. Wir sagen Ihnen, worauf Sie bei der Gestaltung Ihres Arbeitsplatzes achten sollten. Wenn Sie viel Zeit am Schreibtisch verbringen und dort ungestört arbeiten möchten, ist es natürlich am besten, wenn Sie einen eigenen Raum zur Verfügung haben, in dem Sie Ihr Büro unterbringen können. "Es ist ganz wichtig, dass auch bei einem Arbeitsplatz zu Hause eine klare Trennung zwischen Job und Freizeit vorgenommen wird", sagt der Soziologieprofessor Michael Jäckel von der Universität Trier. Ein Schreibtisch im Wohnzimmereck oder im Schlafzimmer ist daher eher ungeeignet. Wenn ein eigener Raum jedoch nicht zur Verfügung steht, sind intelligente Lösungen gefragt - zum Beispiel multifunktionale Schreibtische, die sich leicht zusammenklappen lassen, oder Schrankwände, die den Tisch aufnehmen oder zumindest verstecken. Der Arbeitsplatz sollte, genau wie die Fenster, frei zugänglich sein. Beinfreiheit ist wichtig, mindestens 80 Zentimeter, um die Beine auch hin und wieder ausstrecken zu können. Hinter dem Arbeitsplatz sollten Sie ungefähr einen Meter Platz haben. In den überwiegenden Fällen wird im Home-Office am Computer gearbeitet. Deshalb muss darauf geachtet werden, dass der Arbeitsplatz für Bildschirmarbeit geeignet ist. Eine entscheidende Rolle spielt dabei das Licht. Einerseits muss sichergestellt sein, dass immer ausreichende, gleichmäßige Beleuchtung durch Tages- oder Kunstlicht vorhanden ist. Einrichtung und Produktivität gehen zusammen Diese darf aber keinesfalls blenden oder zu Reflexionen auf dem Monitor führen, da die Augen dadurch schnell ermüden. Schreibtischlampen sollten nur als Ergänzung zu Tageslicht oder diffuser Deckenbeleuchtung verwendet werden, nicht als singuläre Lichtquelle. Die Untersuchung "Office Excellence Check" des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation hat ergeben, dass sich die Produktivität um bis zu 36 Prozent steigern lässt, wenn das Büro optimal eingerichtet ist. Eine gesunde Sitzposition am Arbeitsplatz ist extrem wichtig. Faustregel: Ober- und Unterschenkel sollten einen 90-Grad-Winkel bilden. Ebenso Ober- und Unterarme. Mit höhenverstellbaren Stühlen und Tischen können Sie diese Optimalposition erreichen. Wenn Sie nicht alle Unterlagen in Griffweite ablegen, sind Sie gezwungen, zwischendurch auch mal aufzustehen. Das entspannt den Rücken. Der Schreibtisch sollte mindestens eine Arbeitsfläche von 160 x 80 cm haben, um genügend Ablagefläche zu bieten. Wer keinen Flachbildmonitor besitzt, sollte sogar über einen Tisch mit einer Tiefe von 110 cm nachdenken, um den großen Bildschirm optimal positionieren zu können. Trennung zwischen Arbeit und Freizeit Am besten ist es, wenn Sie mit leicht nach unten geneigtem Blick auf den Monitor schauen. Stellen Sie den Bildschirm deshalb zum Beispiel nicht auf den Rechner. Die oberste Bildschirmzeile sollte nicht oberhalb der horizontalen Sehachse liegen. Der empfohlene Sehabstand zum Bildschirm liegt bei 70 Zentimetern. 50 Zentimeter reichen aber auch. Die mittlere Buchstabenreihe Ihrer Tastatur sollte sich maximal drei Zentimeter über der Tischoberfläche befinden. Eine Handballenauflage von mindestens fünf Zentimetern Höhe vor der Tastatur entspannt Arme und Rücken. Sie sollten auch beim Telefon Wert auf eine Trennung zwischen Arbeit und Freizeit legen und sich eine eigene Büronummer anschaffen. "Es kann für Kunden ziemlich befremdlich sein, wenn sie plötzlich ein Kleinkind am Telefon haben", sagt Professor Jäckel.
Viele empfinden es als Privileg, von zu Hause aus arbeiten zu können. Doch nur wer sein Home Office richtig eingerichtet hat, kann dort effektiv und konzentriert tätig sein. Wir sagen Ihnen, worauf Sie bei der Gestaltung Ihres Arbeitsplatzes achten sollten.
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Arbeitsplatz-Einrichtung - My home is my office
00/05/2010
Im Automobilbau kommt es zu einem deutsch-deutschen Schulterschluss mit amerikanischer Beteiligung: Die US-Tochter von DaimlerChrysler produziert für Volkswagen künftig einen Van. Volkswagen und Chrysler gaben ihre Zusammenarbeit beim Bau eines Vans für den US-Markt offiziell bekannt. Die Produktion soll 2008 beginnen und auf der Basis der nächsten Generation des Chrysler-Minivans aufbauen, wie beide Unternehmen am Donnerstag in einer gemeinsamen Erklärung mitteilten. Detailansicht öffnen Chrysler-Van "Town&Country": Ganz so wird der Volkswagen-Van trotz Chrysler-Plattform wohl nicht aussehen. (Foto: Foto: dpa) "In der Produktpalette von Volkswagen fehlt ein familientauglicher Van, der den spezifischen Ansprüchen unserer amerikanischen Kunden gerecht wird", erklärte VW-Markenchef Wolfgang Bernhard in Los Angeles. Mit dem neuen Auto könne VW "schnell ein weiteres großes Markensegment erschließen". Windsor oder St. Louis Die Produktion soll laut Bernhard Chrysler übernehmen. Nach seinen Angaben kommt dafür entweder eine Fabrik im kanadischen Windsor in Frage oder eine bei St. Louis in den USA. Bernhard kündigte an, dass VW mit dem neuen Modell Geld verdienen werde: "Darauf können Sie Gift nehmen", sagte er. Das gelte für alle Modellprojekte unter seiner Regie. Er bezifferte das jährliche Volumen auf mehr als 10.000 Stück. Marktkenner erwarten sogar 30.000 bis 40.000 Stück. Obwohl Chrysler das Auto baut, soll es ein unverwechselbarer VW sein. "Das Interieur und das Exterieur kommen von VW", sagte Bernhard. Vorteile für beide Seiten Die Zusammenarbeit hat Vorteile für beide Seiten: VW kann schnell ein Produkt anbieten und spart Entwicklungskosten. Chrysler kann seine Produktion besser auslasten. Der VW-Absatz in den USA war 2005 im Gegensatz zu anderen deutschen Autobauern deutlich zurückgegangen. Volkswagen hatte unter anderem Lücken in der Modellpalette eingeräumt. Für das Gesamtjahr 2005 rechnet VW im US-Geschäft wie im Vorjahr mit einem Verlust von rund einer Milliarde Euro. 2006 will VW den Absatz in den USA aber um fünf bis zehn Prozent steigern. Nach Einschätzung von Konzernchef Bernd Pischetsrieder wird VW in Nordamerika auch 2006 rote Zahlen schreiben. Weitere Projekte denkbar Bernhard war an führender Stelle an der Sanierung der DaimlerChrysler-Tochter Chrysler beteiligt, ehe er 2005 Markenchef bei VW wurde. Nach seinen Angaben sind weitere Projekte der Zusammenarbeit mit Chrysler denkbar, aber "nicht konkret geplant". Der Vorstandschef von Chrysler, Tom LaSorda erklärte: "Diese Vereinbarung ist ein Gewinn für beide Seiten." Er kündigte "ein Produkt mit hoher Qualität" an. Die Vereinbarung zwischen VW und Chryslerwird nach Darstellung aus Konzernkreisen am Sonntag auf der Automesse in Detroit unterzeichnet.
Im Automobilbau kommt es zu einem deutsch-deutschen Schulterschluss mit amerikanischer Beteiligung: Die US-Tochter von DaimlerChrysler produziert für Volkswagen künftig einen Van.
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Mini-Van - Chrysler baut für VW
00/05/2010
Die Wachstumsprognose der sechs führenden Wirtschaftsforschungsinstitute für 2004 ist auf ein geteiltes Echo gestoßen. "Nach mageren Jahren sind 1,7 Prozent etwas, was wir unbedingt brauchen, wenn uns die Probleme nicht über den Kopf wachsen sollen", sagte Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD)in Berlin zum Herbstgutachten der Institute. Er werde sich dafür einsetzen, dass die Marke überboten werde. Skepsis und Zuversicht Industrie, Handwerk und Handel zeigten sich skeptisch, dass 1,7 Prozent überhaupt erreicht werden. Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) wertete die Daten als Beleg für die zunehmende Erholung der deutschen Wirtschaft. "Nachdem der konjunkturelle Wendepunkt hinter uns liegt, kommt es jetzt darauf an, das gewachsene Vertrauen von Konsumenten und Investoren deutlich zu festigen", erklärte der Minister. Clement forderte alle politischen Kräfte zum Mittragen notwendiger Reformen auf. Auch der Präsident des Bundesverbandes des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA), Anton Börner, mahnte: "Die Wachstumsprognosen lösen sich in Luft auf, wenn es die Politik nicht schafft, nachhaltige Reformen zu verabschieden." Stagnation befürchtet Nach Ansicht des CDU-Politikers Peter Rauen reichen 1,7 Prozent nicht aus, um "die Jobbremse endlich zu lösen". Dazu seien mehr als 2 Prozent nötig. Handwerkspräsident Dieter Philipp bestätigte, erst bei einem Wirtschaftswachstum von 2,5 bis 3 Prozent sei auf dem Binnenmarkt mit einem Beschäftigungszuwachs zu rechnen. Werte bis zu 2 Prozent führten im Handwerk bestenfalls zu einer Stagnation. Nach Ansicht des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) haben es die Forschungsinstitute versäumt, der Politik "konkrete Hinweise zur nachhaltigen Verbesserung des Investitionsklimas in Deutschland ins Stammbuch zu schreiben". In dem Gutachten fehle "jegliche Kritik an den investitions- und wachstumsfeindlichen Beschlüssen zur Gewerbesteuer sowie zur Mindestbesteuerung", sagte DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun. Nur Investitionen schafften letztlich Arbeitsplätze. Prognose ernüchternd Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt hat die Wachstumsprognose der sechs Forschungsinstitute für 2004 als "ernüchternd" bezeichnet. Auch im nächsten Jahr setze "der dringend erforderliche konjunkturelle Aufschwung nur zögerlich ein", betonte Hundt in Berlin. Die Bundesregierung bleibe gefordert, in der Arbeitsmarkt-, Sozial- und Finanzpolitik weitergehende Reformen umzusetzen. Die Gewerkschaften forderte Hundt auf, mit ihren Lohnforderungen "der prekären Wirtschaftslage" Rechnung zu tragen. Notwendig seien produktivitäts- und beschäftigungsorientierte Tarifabschlüsse. Merkel fordert "beherzte Reformen" Die CDU-Chefin und Unions-Fraktionsvorsitzende Angela Merkel hat die Regierung nach der Vorlage des Herbstgutachtens der Wirtschaftsinstitute aufgefordert, "beherzte Reformen auf dem Arbeitsmarkt" in Angriff zu nehmen. Vor allem müssten der Kündigungsschutz geändert und betriebliche Bündnisse für Arbeit ermöglicht werden, sagte Merkel am Dienstag in Berlin. Das Gutachten stelle nur ein mageres Wachstum in Aussicht, das in erster Linie durch die größere Zahl an Arbeitstagen im Jahr 2004 begründet werde. Wiesheu sieht Deutschland abgehängt Der bayerische Wirtschaftsminister Otto Wiesheu hat der Bundesregierung eine katastrophale Wirtschaftspolitik vorgeworfen. Während sich die Weltwirtschaft erhole, "kommt Deutschland im dritten Jahr aus der Totalflaute nicht heraus". Das Wachstum sei das schwächste seit einem Jahrzehnt, sagte Wiesheu. Ob die Steuerreform den privaten Konsum in einem so labilen Umfeld im prognostizierten Ausmaß anspringen lasse, sei "mehr als fraglich". Das für 2004 erwartete leichte Wachstum sei kein Anlass zur Entwarnung. Der positive Effekt von fünf zusätzlichen Arbeitstagen könne die Belastung der Nachfrage aus Steuererhöhung, Sozialversicherungs-Lücken, sinkender Zahl der Erwerbstätigen und investitionsfeindlichen Rahmenbedingungen nur teilweise ausgleichen.
Die Wachstumsprognose der sechs führenden Wirtschaftsforschungsinstitute für 2004 ist auf ein geteiltes Echo gestoßen.
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Reaktionen - Geteiltes Echo
00/05/2010
Wenige Tage vor dem Enegiegipfel im Kanzleramt verschärft sich der Ton zwischen Wirtschaft und Politik. Bundesumweltminister Gabriel warf den Stromkonzernen vor, eine "Blockadepolitik" zu betreiben. Kurz vor dem Energiegipfel im Kanzleramt bleibt Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) auf Konfrontationskurs zu den Stromkonzernen. In der Frankfurter Rundschau warf er ihnen eine Blockadepolitik vor. Führende Unternehmen wie Eon oder Vattenfall "gefährden mit ihrer unverhohlenen Opposition gegen wirksame Klimaschutzmaßnahmen die Befreiung der stromintensiven Industrie von der Ökosteuer, die unter strengen Auflagen von der EU-Kommission genehmigt wurde", sagte er. "Verantwortungslose Haltung" Gabriel bezog sich damit auf eine Sonderbehandlung des produzierenden Gewerbes, für die sich die Bundesregierung in Brüssel stark gemacht hatte. Danach müssen energieintensive Unternehmen weniger Energiesteuern zahlen, wenn im Gegenzug die deutsche Wirtschaft Klimaschutzvereinbarungen erfüllt. Bei den jetzt gefährdeten Vergünstigungen gehe es "immerhin um rund zwei Milliarden Euro pro Jahr", sagte Gabriel. "Es wird höchste Zeit, dass sich diejenigen in der deutschen Industrie, die am Ende die Zeche für diese verantwortungslose Haltung zu zahlen haben, gegen diejenigen zur Wehr setzen, die immer nur abkassieren wollen." Zu den Forderungen der deutschen Energiewirtschaft, Berlin müsse seine Klimaziele zurückstufen, sagte Gabriel: "Es gibt kein Zurück hinter die Klimaschutzbeschlüsse der EU-Staats- und Regierungschefs und der Bundesregierung." Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat für den kommenden Dienstag Fachleute eingeladen, um über die längerfristige Energieversorgung zu sprechen. Bereits am Freitag wollen sich Merkel und Gabriel sowie Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) und Kanzleramtsminister Thomas de Maizière (CDU) treffen, um die Strategie für den Energiegipfel abzustimmen. "Wir brauchen keine energiepolitische Planwirtschaft" Aus Koalitionskreisen hieß es, verschiedene Szenarien seien erarbeitet worden, die zur Feinabstimmung gebracht würden. Damit solle erreicht werden, dass die Regierung trotz Differenzen zwischen Glos und Gabriel etwa bei der Atomenergie oder erneuerbaren Energien mit einer Stimme spreche. Glos schrieb in einem Beitrag für das Handelsblatt, er halte nichts von langfristigen energiepolitischen Planungen. "Wir brauchen keine energiepolitische Planwirtschaft." Allerdings zeigten die für den Gipfel errechneten Szenarien, welche Vorteile längere Laufzeiten von Atomkraftwerken hätten. "Das würde zu günstigeren Strompreisen und zu 40 bis 60 Millionen niedrigeren CO2-Emissionen führen." Deshalb dürfe man nicht so tun, "als sei der Kernenergieausstieg unumkehrbar". Bereits am Mittwoch hatte Eon-Chef Wulf Bernotat kritisiert, man sei "meilenweit" vom ursprünglichen Ziel des Treffens entfernt, ein nationales Energieprogramm aufzustellen. Klaus Rauscher, Vorstandsvorsitzender von Vattenfall, hatte ebenfalls erklärte, der Gipfel drohe "keine oder falsche Ergebnisse zu bringen".
Wenige Tage vor dem Enegiegipfel im Kanzleramt verschärft sich der Ton zwischen Wirtschaft und Politik. Bundesumweltminister Gabriel warf den Stromkonzernen vor, eine "Blockadepolitik" zu betreiben.
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"Energiegipfel im Kanzleramt - Gabriel kritisiert ""Blockadepolitik"" der Stromkonzerne"
00/05/2010
Der Sportwagenbauer Porsche gewährt seinen deutschen Beschäftigten eine Arbeitsplatzgarantie bis zum Jahr 2010. Die Arbeitnehmer akzeptieren dafür flexiblere Arbeitszeiten. Der Standortsicherungsvertrag für die Beschäftigten des Stuttgarter Sportwagenbauers Porsche bis zum Jahr 2010 ist unter Dach und Fach. Das erklärte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Uwe Hück auf einer Betriebsversammlung am Mittwoch. Zu der Veranstaltung wurde auch der Bundeskanzler erwartet. Detailansicht öffnen Im Porsche-Werk in Stuttgart-Zuffenhausen wird ein Porsche 911 hergestellt. (Foto: Foto: ddp) Der Porsche-Vorstandschef Wendelin Wiedeking sagte am Mittwoch, mit der Vereinbarung, über die lange verhandelt wurde, werde die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens gestärkt. Er deutete auch an, falls eine vierte Baureihe bei Porsche gebaut werde, wäre Deutschland der Produktionsstandort. Die Gespräche zwischen dem Vorstand, Betriebsrat und IG Metall laufen bereits seit Monaten. Unternehmenschef Wendelin Wiedeking hatte schon mehrmals erklärt, dass bei dem Sportwagenhersteller die Kosten gesenkt werden müssten, um die Produktion am Standort Stuttgart-Zuffenhausen zu sichern. Wichtiges Verkaufsargument Allerdings hat Wiedeking auch immer wieder betont, dass das Etikett "Made in Germany" ein wichtiges Verkaufsargument für die Modellpalette sei. Nicht zuletzt geht es auch um die so genannte "Steinkühlerpause" von fünf Minuten pro Stunde, die bei Mercedes in Sindelfingen ein Jahr zuvor im Zuge des Kostensenkungsprogramms gestrichen wurde. Sie gilt nur im Tarifgebiet Nordwürttemberg/Nordbaden und summiert sich nach Berechnungen des Sportwagenbauers auf insgesamt 18 Arbeitstage im Jahr. In dem Standortsicherungsvertrag will Porsche die Arbeitsplätze der Belegschaft bis zum Jahr 2010 sichern, wenn sich die Mitarbeiter flexibleren Arbeitszeitmodellen und dem Pausenverzicht nicht entgegenstellen. Harte Gangart Betriebsratschef Uwe Hück hatte vor den Verhandlungen eine harte Gangart angekündigt und jede Ausweitung der Arbeitszeit ohne Lohnausgleich als unmoralisch bezeichnet. Harte Einschnitte, wie sie die DaimlerChrysler-Beschäftigten hatten hinnehmen müssen, werde es bei Porsche nicht geben. Zugleich will der Betriebsratschef ein Abwandern der Produktion ins Ausland unbedingt verhindern. Porsche bezieht schon heute einen großen Anteil seiner Cayenne-Geländwagen aus der Slowakei.
Der Sportwagenbauer Porsche gewährt seinen deutschen Beschäftigten eine Arbeitsplatzgarantie bis zum Jahr 2010. Die Arbeitnehmer akzeptieren dafür flexiblere Arbeitszeiten.
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Nach langen Verhandlungen - Porsche gibt der Belegschaft mehr Sicherheit
00/05/2010
Gerhard Schröder will die Schuldenregeln des Europäischen Stabilitätspaktes aufweichen. Es gehe darum, den Pakt "in einer ökonomisch vernünftigen Weise" zu interpretieren. (SZ vom 30.08.03) Schröder erklärte vor dem Verein der ausländischen Presse, Deutschland wolle den Pakt nicht verlassen, ihn aber nicht so streng auslegen, wie dies die EU-Kommission zuletzt getan habe: "Wir müssen das Wachstumsziel deutlicher unterstreichen, als das in den letzten Jahren der Fall gewesen ist." Diese Auffassung werde von der französischen Regierung geteilt und er habe auch nichts Gegenteiliges von der italienischen Regierung gehört. Von den zwei Facetten des Paktes Schröder betonte erneut, dass es sich dem Namen nach um einen "Stabilitäts- und Wachstumspakt" handele. Es gehe darum, teilte am Freitag auch das Bundesfinanzministerium mit, den Pakt "in seinen beiden Facetten anzuwenden". Das Haus von Hans Eichel hat unterdessen die so genannte Maastricht-Meldung nach Brüssel geschickt und eingeräumt, dass Deutschland auch in diesem Jahr - und damit zum zweiten Mal in Folge - gegen die Schulden-Regeln des Stabilitätspaktes verstoßen werde. Das Defizit von Bund, Länder, Gemeinden und Sozialversicherungen werde am Jahresende bei 3,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts liegen und die öffentliche Kreditaufnahme noch etwas höher sein, als die Bundesregierung bereits im Juni eingeräumt habe. "Ziel bleibt es, das Staatsdefizit im kommenden Jahr wieder unter die Drei-Prozent-Grenze des Maastricht-Vertrages zurückzuführen", teilte das Finanzministerium mit. Eichels Experten erwarten 4 Prozent - mindestens Intern räumen Eichels Experten allerdings ein, dass dies kaum zu schaffen ist: So erwarten die Beamten, dass die Schuldenaufnahme schon dieses Jahr auf über vier Prozent steigen werde. Bayerns Finanzminister Kurt Faltlhauser rechnete am Freitag vor, dass das staatliche Defizit sogar 4,3 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung erreichen werde. Angesichts dieser Entwicklung sei es, wie Beamte des Finanzministeriums einräumen, überaus schwierig, im kommenden Jahr durch Sparmaßnahmen wieder unter die Drei-Prozent-Marke zu kommen. Sie verwiesen darauf, dass auch Eichel das Erreichen des Stabilitätsziels stets an eine Bedingung geknüpft habe: ein Wachstum von mindestens zwei Prozent. Skepsis auch für 2004 Alle aktuellen Konjunkturprognosen für 2004 fallen aber deutlich schlechter aus. So warnt der Internationale Währungsfonds, dass das Defizit im nächsten Jahr bei 3,9 Prozent liegen werde - zumal das Vorziehen der Steuerreform neue Milliardenlücken reiße. Skeptisch ist auch die EU-Kommission, obwohl sich ein Sprecher am Freitag in Brüssel eher zurückhaltend äußerte: "Wir sehen immer noch Möglichkeiten, dass das Ziel erreicht wird." Die Kommission wird im Oktober ihre Prognose für alle Mitgliedsstaaten vorlegen. Eichels Ministerium zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass Berlin trotz des neuerlichen Verstoßes gegen den Pakt keine milliardenschweren Strafzahlungen leisten müsse. Deutschland habe sich Anfang des Jahres gegenüber dem Europäischen Rat verpflichtet, sein übermäßiges Defizit bis Ende 2004 abzubauen, "sofern keine besonderen Umstände vorliegen". Mit den eingeleiteten Sparmaßnahmen entspreche man "auch weiterhin der vom Rat vorgegebenen Linie". Solange dies der Fall sei, habe Brüssel auch keinen Anlass, neue Schritte gegen die Bundesrepublik einzuleiten oder Sanktionen zu verhängen. "Das Defizitverfahren gegen Deutschland ruht daher zur Zeit", erklärte das Finanzministerium. Die Konjunktur ist schuld Die Regierung begründet den hohen Schuldenanstieg in diesem Jahr vor allem mit der schwachen Konjunktur, insbesondere die Ausgaben für den Arbeitsmarkt seien gestiegen. Zudem sei die Kreditaufnahme der Länder und Kommunen stark gewachsen, ebenso das Minus in der Renten- und Krankenkassen. Die Opposition verlangte erneut den Rücktritt des Finanzministers: "Wir brauchen nicht 2006, sondern sofort Neuwahlen" , sagte der CDU-Haushaltspolitiker Dietrich Austermann. CDU-Parteichefin Angela Merkel forderte Eichel auf, ein neues Konzept zur Finanzierung der Steuerreform vorzulegen. In Schweden wächst angesichts der hohen Defizite in Deutschland, Frankreich und anderen EU-Staaten die Angst vor dem Euro. Der sozialdemokratische Ministerpräsident Göran Persson sagte in einem Rundfunkinterview, sein Land werde eine Einführung des Euro im Jahr 2006 überdenken, falls der Stabilitätspakt zerfalle. In Schweden gibt es am 14. September eine Volksabstimmung darüber, ob sie der Währungsunion beitreten sollen. In den Umfragen haben die Euro-Skeptiker derzeit einen Vorsprung von 14 Prozent. Persson sagte: "Es ist offensichtlich, dass die Bedingungen, über die wir sprechen - einen funktionierenden Stabilitätspakt - natürlich gegeben sein müssen."
Gerhard Schröder will die Schuldenregeln des Europäischen Stabilitätspaktes aufweichen. Es gehe darum, den Pakt "in einer ökonomisch vernünftigen Weise" zu interpretieren.
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Weniger streng - Schröder will Pakt aufweichen
00/05/2010
In einem Prozess gegen die HypoVereinsbank stellt das Gericht seltsame Rechnungen an. Welche Aussichten der Klägerin bei einem Immobilien-Erwerb aufgezeigt wurden, blieb hingegen unklar. (SZ vom 21.11.03) - Zugegeben: Es gibt Anleger, die kriegen den Hals nicht voll. Die Rendite, mit der man sie lockt, kann gar nicht hoch genug sein. Dass bei vielen dieser Kapitalanlagen eigentlich sämtliche Alarmglocken schrillen, überhören sie geflissentlich. Erst wenn die Zinsen ausbleiben oder die Kapitalanlage sich nicht verkaufen lässt, wachen sie auf aus ihrem Traum vom schnellen Geld - und suchen den Fehler bei anderen. Meist wird dann die Bank oder der Berater, der das Investment verkauft hat, vor Gericht zitiert und auf Schadenersatz verklagt. Detailansicht öffnen Keine Traumimmobilien: Plattenbauten in Hoyerswerda. (Foto: Foto: dpa) Vielleicht ist auch die Klägerin, die derzeit vor dem Münchner Landgericht gegen die HypoVereinsbank zu Felde zieht, solch ein Opfer ihrer eigenen Gier. Doch ob das tatsächlich der Fall ist, blieb am Donnerstag in der Verhandlung vor der 22. Zivilkammer offen - zumindest für die Prozessbeobachter. Den drei Richtern hingegen schien die Sache sonnenklar. "Sobald der Deutsche das Wort Steuerersparnis hört, fliegt er drauf", stellte der Vorsitzende Richter Matthias Ruderisch eingangs fest. Erstaunlich günstiger Preis Die Klägerin hatte 1995 auf Anraten eines Beraters der früheren Bayerischen Vereinsbank (jetzt HypoVereinsbank) eine Eigentumswohnung in Leipzig erworben, Kaufpreis plus Nebenkosten: 381.000 DM. Im Verkaufsprospekt war nach Angaben der Klägerin von "Wohnungen zu einem für diese Lage erstaunlich günstigen Preis" zu lesen. Die Bank finanzierte den Kauf zu 100 Prozent. Es sei nicht ihre Idee gewesen, sagte die Frau vor Gericht. Der Berater sei von sich aus auf sie zugekommen und habe vorgerechnet, dass sich das Ganze wegen der Steuervorteile trotz der Fremdfinanzierung lohne. Doch der Immobilienmarkt im Osten entwickelte sich extrem schlecht. Heute sei die Wohnung nicht einmal mehr 40 Prozent ihres ursprünglichen Kaufpreises wert, sagte die Geschädigte. Sie wirft der Bank vor, schlecht beraten zu haben, und fordert 195.000 Euro Schadenersatz. Das Gericht zeigte dafür wenig Verständnis. Die Bank habe nicht wissen können, dass der Immobilienmarkt im Osten einbricht. Statt nachzufragen, wie das Beratungsgespräch damals tatsächlich ablief und was der Kundin in Aussicht gestellt wurde, zweifelten die Richter schon den entstandenen Schaden an. "Sie haben doch fünf Jahre lang Miete kassiert", hielt Ruderisch der Klägerin vor. Enormer Wertverlust Als diese darauf hinwies, dass die Wohnung gleichzeitig einen enormen Wertverlust erlitt und sie außerdem das Darlehen bedienen musste, antwortete der Richter: "Das spielt doch für die Berechnung der Rendite gar keine Rolle." Er zog den Vergleich zu einer Anlage in festverzinslichen Wertpapieren und meinte, auch dort käme es allein auf die jährlichen Zinszahlungen an, "und die haben Sie schließlich in Form der Miete erhalten". Dass sich aber die Rendite, auch bei festverzinslichen Papieren, erst aus Zinsen plus Kursverlust oder -gewinn ergibt, schien ihm nicht bekannt zu sein. Einem Vergleich wollte die HypoVereinsbank nicht zustimmen. Es gäbe zahlreiche weitere Betroffene, und die würden dann ebenfalls alle ankommen, so die Vertreter der Bank. Ein Urteil will das Gericht am 15. Januar verkünden.
In einem Prozess gegen die HypoVereinsbank stellt das Gericht seltsame Rechnungen an. Welche Aussichten der Klägerin bei einem Immobilien-Erwerb aufgezeigt wurden, blieb hingegen unklar.
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Hypo-Vereinsbank - Immobilien-Opfer geht wohl leer aus
00/05/2010
Die Ulmer Hersteller von nachgeahmten Arzneien (Generika) wird verdächtigt, Ärzte zum Betrug angestiftet zu haben. Detailansicht öffnen Beamten durchsuchten 400 Privatwohnungen von Ratiopharm-Mitarbeitern. (Foto: Foto: dpa) Die Mitarbeiter stünden im Verdacht, Mediziner durch Geld- und Sachleistungen zur Verschreibung von Ratiopharm-Produkten angehalten zu haben, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Wolfgang Zieher der Süddeutschen Zeitung. Dies wäre Anstiftung oder Beihilfe zur Untreue. Die Mitarbeiter könnten sich auch "zum Nachteil der Krankenkassen strafbar gemacht" haben. Wie viele Ärzte beteiligt sein könnten und ob Arztpraxen durchsucht würden, wollte Zieher mit Hinweis auf laufende Ermittlungen nicht sagen. Außendienstleiter im Visier Die Polizei habe nach E-Mails und Briefen gesucht, sagte der Oberstaatsanwalt. Dazu habe sie bundesweit Wohnungen der Außendienstler einbezogen, die 2001 bis 2005 für Ratiopharm gearbeitet hätten. Schon im November hatte der Staatsanwalt Büros leitender Angestellter und acht Privatwohnungen durchsuchen lassen, um Hinweise zur früheren Vertriebsstruktur der Firma zu bekommen. Die Staatsanwaltschaft Ulm ist bereits die vierte deutsche Behörde, die zurzeit gegen Bestechung in der Pharmabranche vorgeht. Auch die Münchner Justiz ermittelt in mehr als 3000 Fällen, darunter gegen Ärzte von 850 Kliniken wegen Vorteilsnahme. Betroffen sind die Firmen Fujisawa, Bristol-Myers Squibb, Servier und Amgen. Auch sie haben möglicherweise Ärzte geschmiert. Bereits 2005 erste Vorwürfe Ratiopharm (Umsatz 2005: 1,61 Milliarden Euro) war im Herbst 2005 in den Verdacht geraten, in großem Umfang Mediziner "zur missbräuchlichen Verschreibung von Arzneimitteln" gebracht zu haben. Firmeneigner Adolf Merckle hatte daraufhin Vorstandschef Claudio Albrecht durch seinen Sohn Philipp Daniel Merckle ersetzt. Seine Firma sei an der Aufklärung der Vorwürfe interessiert, ließ dieser mitteilen. Ende 2005 hatte die Staatsanwaltschaft Ulm das Verfahren mangels Beweisen eingestellt. Eine Bürger-Beschwerde brachte aber die Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart dazu, die Wiederaufnahme des Falls zu verlangen. Im Juni feuerten die Merckles Vertriebschefin Dagmar Siebert. "Bei Ratiopharm sind Schecks geflossen, und Rückvergütungen haben stattgefunden. Dass so zäh reagiert worden ist, kann ich nicht begreifen" sagte Gerd Glaeske, Mitglied des Sachverständigenrats für das Gesundheitswesen. Umkämpfter Markt Bundesweit werden jährlich fünf Milliarden Euro mit Generika umgesetzt. Die Branche ist geprägt von Preiskampf und dem Wettbewerb um Ärzte. Die Firmen Sandoz-Hexal, Ratiopharm und Stada dominieren die Hälfte des Marktes. "Ratiopharm ist womöglich nur einer von vielen", sagte Oberstaatsanwalt Zieher zu möglichen unlauteren Praktiken. "Die Einflussnahme der Pharmaindustrie geht quer durch Hausärzteverbände und Fachgesellschaften, sie ist gegen die Interessen der Patienten", sagte Bruno Müller-Oerlinghausen vom Vorstand der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft. "Das ist ein Augias-Stall, den die Ärzteschaft längst hätte ausmisten sollen." Die Pharmaindustrie habe sich zwar halbherzig einen Verhaltenskodex gegeben, doch Eigenkontrolle finde nur beschränkt statt. Bei den Ärzten fehle nach wie vor die Sensibilität. "Der Fehler liegt im System", sagte Michael Kochen, Präsident der Gesellschaft für Allgemeinmedizin. "Praxen, die keine Pharmareferenten empfangen, sollten belohnt werden." Im Januar wird in Frankfurt die Initiative "No free lunch - mein Essen zahle ich selbst" gegründet. Ärzte wollen zeigen, dass sie sich dem Einfluss der Industrie entziehen und Tagungsreisen selbst bezahlen. (SZ vom 19.12.2006)
Vertriebsmitarbeiter des Pharmariesen sollen Ärzte bestochen haben, damit sie Ratiopharm-Medikamente verschreiben.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/aussendienstmitarbeiter-unter-verdacht-razzia-bei-ratiopharm-1.898570
Außendienstmitarbeiter unter Verdacht - Razzia bei Ratiopharm
00/05/2010
Die Billigflieger verlangen niedrigere Flughafengebühren. Deshalb könnten die Flugpreise ins Rutschen geraten — auch für Langstreckenflüge. Der Kampf um den Fluggast geht weiter. Der Wettbewerb zwischen den Billig-anbietern verschärft sich, denn auf dem Flugmarkt überwiegt das Angebot nach wie vor die Nachfrage. Detailansicht öffnen Der Flughafen Köln/Bonn gilt als der größte Billigflug-Airport in Deutschland. Foto: AP Tarife gehen nach unten Deshalb findet Wettbewerb vor allem über die Preise statt. Die unter anderem auf Luftfahrt spezialisierte Beratungs-gesellschaft Boston Consulting Group schätzt, dass die Tarife nochmals nach unten gehen werden. Derzeit verstärken die Billigflieger den Druck auf die Flughäfen und verlangen mehr Flexibilität bei den Gebühren. "Die starre Gebühren-ordnung ist kundenfeindlich, weil sie den Fluggesellschaften zu wenig Spielraum bei der Kalkulation lässt", sagt Martin Koehler, Geschäfts-führer der Boston Consulting Group zur Süddeutschen Zeitung. Koehler fordert, die Gebühren nicht nur am Gewicht und der Geräusch-Emission der Flugzeuge, sondern auch an der Nachfrage zu orientieren. So sollten Starts um die Mittagszeit weniger kosten, als die begehrteren Flüge früh morgens. Ryanair sieht sich um Der Billigflug-Airport Köln/Bonn überarbeitet derzeit sein System in diesem Sinne. "Starre Gebührenmodelle sind nicht mehr zeitgemäß", sagt Michael Garvens, Vorsitzender der Geschäftsführung der Flughafen Köln/Bonn GmbH, im Gespräch mit der SZ. Garvens rechnet damit, dass die neue Struktur im nächsten Jahr fertig sein wird. Hintergrund dafür dürften auch die Gespräche mit dem irischen Billigflieger Ryanair sein — der üblicherweise die Flughäfen bei den Gebühren drückt. Ryanair hat den Flughafen Frankfurt-Hahn zu seinem wichtigsten Flughafen in Deutschland gemacht, sucht aber auch nach anderen Standorten. Garvens bestätigt, dass Ryanair Interesse an Starts auf dem Köln/Bonner Flughafen geäußert hat; das Einzugsgebiet sei größer und die Infrastruktur besser als die in Hahn.
Die Billigflieger verlangen niedrigere Flughafengebühren. Deshalb könnten die Flugpreise ins Rutschen geraten — auch für Langstreckenflüge.
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Flughäfen unter Druck - Fliegen wird noch billiger
00/05/2010
In diesem Jahr werden nach Schätzungen von Experten etwa 370 Milliarden Euro oder nahezu ein Fünftel der gesamten Wirtschaftsleistung in Schwarzarbeit erbracht. Den Finanzämtern und den Kassen der Sozialversicherung entgehen so zweistellige Milliardenbeträge. Mit mehr Personal für Razzien und härteren Strafen will die Regierung gegen die Illegalen und ihre Auftraggeber vorgehen. Schwarzarbeit ist nach Meinung des Linzer Experten und Volkswirtschafts-Professors Friedrich Schneider ein salonfähig gewordenes Massenphänomen. Seiner Studie vom Jahresbeginn zufolge arbeiten mehr als neun Millionen Menschen in Deutschland zumindest teilweise in der Schattenwirtschaft. Kein Unrechtsbewusstsein Dabei fehle den meisten Billigarbeitern jedes Unrechtsbewusstsein. Die anhaltende Nachfrage ergebe sich aus der hohen Belastung regulärer Löhne mit Steuern und Abgaben. Die überwiegende Zahl der Schwarzarbeiter hat einen regulären Job und verdient sich ein paar Hundert Euro nebenher - etwa als Putzfrau, Nachhilfelehrer oder Facharbeiter. Andere bessern Rente, Arbeitslosengeld und Sozialhilfe auf. Alarmierende Ausmaße Mini-Jobs mit reduzierten Abgaben haben hier noch keine nennenswerte Abhilfe schaffen können. In einigen Wirtschaftszweigen hat die Arbeit ohne Steuerkarte oder Erlaubnis alarmierende Ausmaße angenommen. So soll im Taxigewerbe mittlerweile jeder siebte Fahrer schwarz unterwegs sein. Im Hotel- und Gaststättengewerbe ist schätzungsweise jeder vierte Beschäftigte nicht korrekt gemeldet. Auf Baustellen im Raum Berlin-Brandenburg jobbte zeitweilig die Hälfte der meist ausländischen Arbeiter ohne Papiere zu Bruchteilen des offiziellen Lohns.
In diesem Jahr werden nach Schätzungen von Experten etwa 370 Milliarden Euro oder nahezu ein Fünftel der gesamten Wirtschaftsleistung in Schwarzarbeit erbracht.
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Alarmierende Ausmaße - Die deutsche Schattenwirtschaft boomt
00/05/2010
Wolfgang Clement, der Schnelldenker im Kabinett, hat wieder zugeschlagen. En passant hat er in einem Interview die Idee aufgebracht, Deutschlands Autobahnen künftig privat zu finanzieren. (SZ vom 15.01.03) - Groß war deshalb die Aufregung in Berlin: Die Opposition lehnte die Idee prompt ab, die Grünen mokierten sich, dies sei ein "Schuss aus der Hüfte", und Verkehrsminister Manfred Stolpe korrigierte seinen Kabinettskollegen: Nein, eine Maut für Pkws sei nicht geplant. Das Wirtschaftsministerium musste deshalb einräumen, Clement habe nur einen Denkanstoß geben wollen. Dieser Denkanstoß freilich ist gar nicht so dumm. Warum soll in Deutschland nicht funktionieren, was anderswo üblich ist? In Großbritannien werden Hochgeschwindigkeitsstraßen oder U-Bahnen von privaten Firmen betrieben, oder es wird, um das Verkehrsaufkommen zu steuern, eine Maut für die Londoner Innenstadt erhoben. Längst an die Maut gewöhnt In Frankreich oder Italien haben deutsche Kraftfahrer sich längst an die Autobahnmaut gewöhnt, die seit Jahrzehnten an den Zahlstationen erhoben wird. Auch Wirtschaftswissenschaftler werben dafür, dass derjenige, der eine Straße nutzt, dafür bezahlt; schließlich verursacht er Kosten (und verdreckt die Luft). Dass die Autofahrerlobby, voran der ADAC, sich gegen solch eine Gebührenerhebung sträubt, ist nicht verwunderlich. Doch ein Grundrecht darauf, dass allein der Staat für Verkehrswege aufkommt, gibt es nicht. Dabei kann es nicht darum gehen, alle existierenden Autobahnen in private Hände zu geben; schließlich hat deren Bau der Staat bereits bezahlt. Bei neuen Projekten sinnvoll Anders liegt der Fall hingegen bei neuen Verkehrsprojekten. Sinnvoll ist es etwa, wie bei der jüngst eröffneten Warnow-Querung nahe Rostock, Tunnel oder Brücken privat zu bauen und mit Zahlstationen auszustatten. Sinnvoll wäre auch: Falls ein privater Investor bestehende Autobahnen um einen Fahrstreifen erweitert, bekommt er dafür Einnahmen aus der Lastwagenmaut. Zudem erhält er eine Anschubhilfe des Bundes; eine Maut für Pkws wäre nicht nötig. Diese Idee übrigens stammt aus dem Verkehrsministerium - und soll demnächst erstmals verwirklicht werden. Vielleicht hat Clement ja solche intelligenten Lösungen gemeint. Es steht jedenfalls zu hoffen, dass der Privatisierungswille der Regierung trotz des Debakels bei der Lastwagen-Maut nicht erlahmt - und dass der Wirtschaftsminister weiterhin dafür wirbt, dass weniger Staat oft mehr ist, auch im Straßenbau. Andernfalls wird in Zeiten leerer Staatskassen Deutschlands modernes Verkehrsnetz langsam verrotten.
Wolfgang Clement, der Schnelldenker im Kabinett, hat wieder zugeschlagen. En passant hat er in einem Interview die Idee aufgebracht, Deutschlands Autobahnen künftig privat zu finanzieren.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/kommentar-clement-ganz-privat-1.899740
Kommentar - Clement ganz privat
00/05/2010
Nachdem die Europäische Zentralbank, das EU-Parlament, die EU-Finanzminister und die EU-Kommission Sloweniens Beitritt zum Euro-Währungsraum bereits empfohlen hatten, billigten nun auch die EU-Staats- und Regierungschefs die Einführung der europäischen Gemeinschaftswährung in dem Alpenstaat. Slowenien kann zum kommenden Jahreswechsel als erstes der Beitrittsländer in Osteuropa den Euro einführen. Die EU-Staats- und Regierungschefs billigten einstimmig einen entsprechenden Vorschlag der EU-Kommission. Sie bestätigten am Freitag in Brüssel ebenfalls die Entscheidung, Litauen wegen überhöhter Inflation den Euro zunächst zu verweigern. Der litauische Präsident Valdas Adamkus nahm die Zurückweisung hin, meinte jedoch, die strikte Auslegung der Maastrichter Beitrittskriterien dürfe nicht zum Stolperstein für einen Euro-Beitritt werden. "Äußerst positiver Schritt" Die erste Erweiterung der Euro-Zone seit Einführung des Eurobargeldes 2002 sei ein "äußerst positiver Schritt der Wirtschafts- und Währungsintegration", heißt es in einer Gipfel-Erklärung zu Slowenien. Auch die EU-Finanzminister und das Europaparlament hatten sich für das wirtschaftliche Musterland als 13. Mitglied des Euro-Clubs ausgesprochen. Der förmliche Aufnahmebeschluss wird im Juli bei den EU-Finanzministern fallen. Dann wird auch der Umrechnungskurs von der nationalen Währung Tolar zum Euro endgültig festgelegt werden. Anstrengungen Litauens gewürdigt Der Gipfel würdigte ebenfalls die Anstrengungen Litauens zur Erfüllung der Maastrichter Kriterien. Litauen ist das erste Land seit dem Start der Währungsunion 1999, dessen Antrag auf Mitgliedschaft abgewiesen wurde. Adamkus sagte, Litauen wäre für einen Beitritt 2007 reif gewesen. Sein Land wolle nicht die Maastrichter Beitrittskriterien ändern. In einer zusammen mit Polen, Tschechien, Ungarn und der Slowakei veröffentlichten Erklärung heißt es aber, es müsse über die Auslegung des Maastrichter Inflationskriteriums nachgedacht werden. Es gebe Unsicherheiten bei der Anwendung dieser Regeln. Alte Mitglieder wie Deutschland, Luxemburg und Frankreich hatten hingegen schon in den vergangenen Wochen deutlich gemacht, dass an den Kriterien nicht gerüttelt werden könne. Nur hauchdünn gescheitert Litauen war nur hauchdünn an der Inflationshürde gescheitert. Die Inflation betrug 2,7 Prozent, das waren 0,1 Punkte mehr als erlaubt. Die Europäische Zentralbank hatte das Veto der EU-Kommission ausdrücklich unterstützt. Das Land hatte lange für den raschen Beitritt gekämpft und will nach früheren Regierungsangaben nun 2009 beitreten.
Nachdem die Europäische Zentralbank, das EU-Parlament, die EU-Finanzminister und die EU-Kommission Sloweniens Beitritt zum Euro-Währungsraum bereits empfohlen hatten, billigten nun auch die EU-Staats- und Regierungschefs die Einführung der europäischen Gemeinschaftswährung in dem Alpenstaat.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/eu-gipfel-slowenien-bekommt-den-euro-1.901634
EU-Gipfel - Slowenien bekommt den Euro
00/05/2010
Der Ölpreis von knapp 30 Dollar je Barrel macht ein aufwendiges Vorhaben profitabel: Die Gewinnung von Öl aus Ölsanden. Eines der weltgrößten Bauprojekte, das Athabasca-Ölsandprojekt AOSP (Athabasca Oil Sands Project), hat in der kanadischen Provinz Alberta nach fünfjähriger Bautätigkeit und Investitionen von 5,7 Milliarden kanadischen Dollar in diesen Tagen die Rohölproduktion aufgenommen. Es gehört der Shell Canada zu 60 Prozent. Chevron Canada und die kanadische Bergwerksfirma Western Oil Sands sind zu jeweils 20 Prozent beteiligt. AOSP wird bei voller Produktion 155 000 Barrel Bitumen pro Tag produzieren. Die Anlagen werden nach Darstellung von Paul Skinner, dem geschäftsführenden Direktor der Royal Dutch/Shell Group, vier Prozent zur weltweiten Ölproduktion des Mineralölriesen beisteuern. Schwarzes Erz Das riesige Projekt verfügt über eine Ölsand-Mine. Der als "Erz" bezeichnete teerartige Rohstoff wird in der Muskeg-River-Mine 75 Kilometer nördlich von Fort McMurray ähnlich wie in einem Braunkohlebergwerk mit riesigen Schaufelladern und Kippern mit einer Tragfähigkeit von 400 Tonnen abgebaut. Seit Erschließungsbeginn im Jahr 1999 waren zeitweise 14.000 Arbeiter am Ausbau des Projekts beteiligt. AOSP wird im laufenden Betrieb 850 Mitarbeiter beschäftigen. Ölsand ist eine teerartige Substanz, die ähnlich aussieht wie klebriger Asphalt. Er lagert in riesigen Mengen im Athabasca-Gebiet unter Erdschichten von etwa 30 Metern. Das stark ölhaltige Produkt wird im Übertagebau abgebaut, zerkleinert, von Sand befreit und dann mit heißem Wasser und anderen Hilfsmitteln verflüssigt. Es wird dann in einer fast 500 Kilometer langen Pipeline zu einer Aufbereitungsanlage in der Nähe von Fort Saskatchewan transportiert und dort weiter behandelt. Dieses "synthetische Rohöl" wird anschließend zur benachbarten Scotford-Raffinerie von Shell und zu anderen nordamerikanischen Raffinerien geliefert. Dort wird es zu Benzin und anderen Mineralölprodukten weiter verarbeitet. Die Verflüssigungsmittel gehen per Pipeline zurück an das Bergwerk. Neun Milliarden Barrel Öl Im AOSP-Lizenzgebiet befinden sich nach Shell-Angaben rund neun Milliarden Barrel Öl in Form von Ölsand. Die Betreiber prüfen Erweiterungsvorhaben, die die Tagesproduktion über viele Jahre auf 525 000 Barrel erhöhen könnte. AOSP ist das erste neue Ölsandprojekt seit 25 Jahren. Es gibt im Athabasca-Ölsandgebiet außerdem die viel älteren Syncrude- und Suncor-Projekte. Diese produzieren bereits seit den siebziger beziehungsweise achtziger Jahren. AOSP werde zehn Prozent des kanadischen Ölbedarfs decken und möglicherweise mehr, betonte Tim Faithfull, der Präsident der Shell Canada. Er bezeichnete das Projekt als "neue, umfangreiche und sichere Lieferquelle für den nordamerikanischen Markt". Die kanadischen Ölsandvorkommen in Alberta sind so groß, dass Kanada im vergangenen Jahr plötzlich in einer Rangliste der Länder mit den größten Ölreserven aus dem Mittelfeld vor den Irak auf Platz zwei vorstieß. Die kanadischen Ölreserven waren auf einen Schlag von fünf Milliarden Barrel auf 180 Milliarden Barrel erhöht worden. Die Ölsandvorkommen waren nach einer Studie der Provinzbehörde Alberta Energy and Utilities Board aus dem Jahr 1999 erstmals als "Reserven" eingestuft worden. Die Schätzung werde nach einer strikteren Untersuchung revidiert, berichtete die New York Times. Die Produktionskosten im AOSP-Projekt werden von Fachleuten auf etwa zwölf bis 13 Dollar je Barrel geschätzt, was bei derzeitigen Ölpreisen von mehr als 28 Dollar je Barrel trotz der Milliarden- Investitionskosten sicher ein gutes Geschäft für Shell und seine Partner ist. Eine Vervielfachung der Produktion im Athabasca-Gebiet dürfte jedoch Jahrzehnte dauern und entsprechende Investitionen erfordern.
Der Ölpreis von knapp 30 Dollar je Barrel macht ein aufwendiges Vorhaben profitabel: Die Gewinnung von Öl aus Ölsanden.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/kanada-wenn-das-oel-im-sande-verlaufen-ist-1.902897
Kanada - Wenn das Öl im Sande verlaufen ist
00/05/2010
Es regiert das Prinzip Hoffnung. Nach dem Insolvenzantrag des vergangenen Jahres stand das ehrgeizige 728-Jetprogramm der Oberpfaffenhofener vor dem Aus. Nun möchte der chinesische Mischkonzern D'Long das Projekt wieder beleben. (SZ vom 24.6.2003) — D'Long und Insolvenzverwalter Eberhard Braun einigten sich am Montag endgültig über den Verkauf des Programmes. Über den Preis machten die Parteien keine Angaben. Damit steigen nun doch wieder die Chancen auf eine Rettung des Projektes, allerdings sind noch zahlreiche offene Fragen zu klären. Finanzierung noch nicht sicher D'Long hat durch seinen Einstieg zunächst nur die endgültige Zerschlagung des Programmes verhindert, denn Braun hätte ohne den neuen Investor die Vermögenswerte einzeln verkaufen müssen, um Gläubigerforderungen abzugelten. Zwar hat das Unternehmen große Pläne mit dem Flugzeug, jedoch muss D'Long vor einen definitiven Neustart noch die Finanzierung endgültig auf die Beine stellen und sich mit industriellen Partnern in China einig werden. Eine endgültige Entscheidung wird erst in einigen Monaten erwartet. "Wir sehen gute Chancen für einen Re-Launch der 728 als deutsch-chinesisches Gemeinschaftsprojekt", so D'Long-Europachef Jonathan Chu. Von dem Regionaljet 728 gibt es derzeit nur einen Prototypen. Zum Erstflug und der Zertifizierung kam es im vergangenen Jahr nicht mehr, nachdem Fairchild Dornier Anfang April 2002 Insolvenz anmelden musste. Übernahmeverhandlungen mit möglichen Investoren wie Boeing, Bombardier und Alenia scheiterten im Laufe des Jahres. Für die Zertifizierung der 728, die Entwicklung der verlängerten Variante 928 (90 bis 100 Sitze) und die Markteinführung braucht Fairchild Dornier nach damaligen Berechnungen noch etwa eine Milliarde Dollar. D'Long hofft darauf, die 728 als Regionaljet im chinesischen Inlandsmarkt einführen zu können. Der chinesische Staat will die Entwicklung von eigenen Regionalflugzeugen im so genannten ARJ21-Programm finanziell fördern. D'Long argumentiert, dass über die deutsch-chinesische Kooperation vier Jahre Entwicklungsarbeiten eingespart werden könnten, da die 728 den Anforderungen sowieso entspreche. Ob D'Long die Arbeiten tatsächlich erneut startet, hängt auch davon ab, ob das Projekt in das Förderprogramm aufgenommen wird. Vor dem Scheitern des ursprünglichen Fairchild Dornier-Finanzierungskonzeptes Anfang des vergangenen Jahres hatten auch Bundes- und bayerische Staatsregierung staatliche Kreditbürgschaften in Aussicht gestellt. Endmontage könnte in Deutschland bleiben Branchenkreisen zufolge würde die Endmontage, Zertifizierung und das Programm-Management der 728 in Deutschland verbleiben, wahrscheinlich in Form einer deutschen D'Long-Tochtergesellschaft. Das Flugzeug soll so weltweit Marktchancen haben. Wesentliche Arbeitsschritte wie die Fertigung von Rumpfteilen, Flügeln und Leitwerken würden aber voraussichtlich von Auftragnehmern aus der chinesischen Luftfahrtindustrie übernommen werden, um die Fertigungskosten dauerhaft zu senken. Die Arbeiten waren ursprünglich zum Teil für den Standort Oberpfaffenhofen vorgesehen. In den vergangenen Wochen haben unter anderem Vertreter von Xian Aircraft Corporation (XAC) das 728-Programm nach technischen und finanziellen Aspekten unter die Lupe genommen. Neben XAC kommen aber offensichtlich auch andere Kooperationspartner aus dem Konglomerat Aviation Industries of China I (AVIC I) in Frage. D'Long ist mit einem Jahresumsatz von mehreren Milliarden US-Dollar einer der größten privaten Mischkonzerne Chinas. Das Unternehmen startete im Jahr 1986 als Finanzdienstleister, hat aber mittlerweile in zahlreiche Industriesektoren investiert. Unter anderem gehört zu der Gruppe der weltweit zweitgrößte Anbieter von Tomatenprodukten, der größte Fruchtsaftproduzent Chinas, ein Betonhersteller und Lastwagenfabriken.
Es regiert das Prinzip Hoffnung. Nach dem Insolvenzantrag des vergangenen Jahres stand das ehrgeizige 728-Jetprogramm der Oberpfaffenhofener vor dem Aus. Nun möchte der chinesische Mischkonzern D'Long das Projekt wieder beleben.
wirtschaft
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Fairchild Dornier - Unterstützung aus Fernost
00/05/2010
Der Modellbahnbauer Märklin wird inzwischen von Finanzinvestoren gesteuert. Das neue Management will die Traditionsmarke wieder nach vorne bringen. Die neuen Eigentümer der Traditionsmarke Märklin sind entschlossen, den Modelleisenbahnhersteller wieder nach vorne zu bringen und in den nächsten drei Jahren zum unbestrittenen Marktführer zumindest in Europa aufsteigen zu lassen. Detailansicht öffnen Märklin soll neue Vertriebskanäle bekommen. (Foto: Foto: dpa) Interimsgeschäftsführer und Finanzchef Jan Kantowsky vom Restrukturierungsspezialisten Alix Partners meint auch, dazu das richtige Rezept zu besitzen: ,,Dazu braucht es ganz simples Managementhandwerk, nämlich über Strategien nicht nur zu reden, sondern sie auch umzusetzen.'' Im Gespräch mit der SZ erläuterte Kantowsky, der zusammen mit dem Unternehmensberater Ulrich Wlecke und Märklin-Markenmanager Stephan Unser seit Oktober die Geschicke des Unternehmens leitet, die strategischen Schwerpunkte des Spitzentrios. Erlebniskaufhaus Eine prominente Rolle bei der Weichenstellung spiele das Eröffnen neuer Vertriebskanäle. Zum einen forciert Märklin seit kurzem den Internetverkauf, ferner hat der größte europäische Modelleisenbahnbauer sein 1000 Quadratmeter großes Erlebniskaufhaus erst Ende Oktober sein Göppingen eröffnet, das inzwischen schon 50.000 Kunden Besucher verzeichnet hat. Dass Märklin dort auch Lokomotiven, Waggons und Zubehör im Direktverkauf feilbietet, hat die Zunft der 1200 Modellbahnhändler erst einmal in Wallung gebracht. Aber Kantowsky hält das nur für einen vorübergehenden ,,Sturm im Wasserglas''. Erste Erfolge Die ersten Erfolge zeichnen sich Kantowsky zufolge bereits für Märklin und seine 1000 Beschäftigten ab. So sei der Umsatz im ersten Halbjahr 2006 um vier Prozent auf 49,2 Millionen Euro gestiegen, und bei einigen Produkten seien sogar Lieferschwierigkeiten wegen der großen Nachfrage zu verzeichnen. Im Vorjahr war der Umsatz von 148,5 auf 123 Millionen Euro abgesackt. Kantowsky ist optimistisch, dass die Zahlen fürs Gesamtjahr 2006 viel erfreulicher aussehen.
Der Modellbahnbauer Märklin wird inzwischen von Finanzinvestoren gesteuert. Das neue Management will die Traditionsmarke wieder nach vorne bringen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/restrukturierung-maerklin-nimmt-wieder-fahrt-auf-1.903969
Restrukturierung - Märklin nimmt wieder Fahrt auf
00/05/2010
Deutschland galt einmal als Apotheke der Welt. Doch Bayer, Merck, Schering und Co. haben seit langem den Anschluss an die Weltspitze verpasst. Apotheke der Welt - das war ein Titel, mit dem sich der Bayer-Konzern und andere deutsche Pharmaunternehmen lange Zeit gerne schmückten. Und das zu Recht. Denn in der Rangliste der international führenden Arzneimittelanbieter besetzten sie vordere Plätze. Detailansicht öffnen Die größten Pharmakonzerne der Welt rangieren inzwischen weit vor ihren deutschen Konkurrenten. Für die vollständige Grafik auf die Lupe klicken. (Foto: Grafik: SZ) Das ist lange vorbei. Heute findet sich unter den zehn größten der Branche kein Name aus Deutschland. Stattdessen geben Firmen aus den USA, Frankreich, Großbritannien und der Schweiz den Ton an. Bayer, Schering, Merck und Co. spielen nur noch in der zweiten Liga. Sie haben den Anschluss verpasst. Das hat mehrere Gründe. Zunächst spielten deutsche Unternehmen bei der Welle der Fusionen und Übernahmen, die die Pharmabranche bereits in den neunziger Jahren erfasste, keine aktive Rolle. Stattdessen waren sie bei dieser Entwicklung entweder Opfer oder Zuschauer. Aventis blieb nicht lange unabhängig Prominentester Fall war der Frankfurter Hoechst-Konzern, der 1999 freiwillig mit dem französischen Wettbewerber Rhone-Poulenc zusammenging. Aber auch dieser zur Aventis-Gruppe fusionierte Konzern blieb nicht lange unabhängig. Der ebenfalls französische Konkurrent Sanofi schluckte Aventis - und es entstand das gemessen am Umsatz weltweit drittgrößte Pharmaunternehmen. An der Spitze rangieren derzeit mit Pfizer und GlaxoSmithKline zwei ebenfalls durch zahlreiche Übernahmen stark gewordene Unternehmen. Dass der Bayer-Konzern den Kontakt zur Spitze verlor, hat noch einen anderen Grund. Im Sommer 2001 musste das Unternehmen den Cholesterinsenker Lipobay vom Markt nehmen. Dieses Medikament stand in dem Verdacht, schwere Nebenwirkungen auszulösen. Lipobay war nicht nur ein wichtiger Umsatz- und Ertragsbringer, sondern galt als Hoffnungsträger des gesamten Pharmageschäfts von Bayer. Die Forschungspipeline war leer Diese Schlappe hätte der Konzern vielleicht noch verschmerzen können, hätte er eine Hand voll aussichtsreicher Produkte besessen, um die entstandene Lücke zu schließen. Aber hier zeigte sich das Dilemma der Leverkusener: Die Forschungspipeline war leer. Zumindest gab es keine Produkte, die schon in naher Zukunft marktreif gewesen wären. Dieses Beispiel offenbarte in besonderer Weise die Gefahr, der forschende Arzneimittelhersteller ausgesetzt sind. Sie müssen immer wieder mit Rückschlägen bei der Entwicklung und Zulassung von Medikamenten rechnen. Bis eine Arznei marktreif ist, vergehen meist viele Jahre. Nicht selten investiert ein Unternehmen mehrere 100 Millionen Euro, ehe ein Medikament in der Apotheke erhältlich ist. Dann gilt es, diese Ausgaben möglichst rasch wieder hereinzuholen und zusätzlich eine Rendite zu erwirtschaften.
Deutschland galt einmal als Apotheke der Welt. Doch Bayer, Merck, Schering und Co. haben seit langem den Anschluss an die Weltspitze verpasst.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/pharmaindustrie-deutschlands-schlaftabletten-1.903653
Pharmaindustrie - Deutschlands Schlaftabletten
00/05/2010
Energie- und Rohstoffe erleben einen Boom wie nie zuvor. Nicht nur der Ölpreis ist rasant gestiegen, auch die Nachfrage nach Kohle, Erz oder auch Schiffsraum zieht stetig an. Die Verteuerung ängstigt die Wirtschaft. Für Anleger dagegen bietet der Trend Chancen. Die SZ berichtet in einer Serie über die Lage an den Rohstoffmärkten. Deutschland hat als Industrie- und Exportland kaum eigene Rohstoffe und ist auf Einfuhren angewiesen. 80 Prozent der Rohstoffimporte werden in Form von Fertigprodukten wieder ausgeführt. Turbulenzen an den Märkten und ein Preisanstieg wichtiger Vorprodukte gehen schnell an den Nerv der Wirtschaft. Und die Verteuerungen sind drastisch: Das Barrel Öl kostet in der Spitze plötzlich mehr als 60 Dollar statt des Opec-Referenzpreises von unter 30 Dollar. Nicht nur der Ölpreis steigt Alle Welt schaut bei Energiepreisen zuerst auf Öl und Gas. Dabei erwartet die US-Bank Merrill Lynch für dieses Jahr Preissprünge auch bei der Kohle von 60 Prozent und mehr. In der Tat wird sich Kokskohle für deutsche Kunden als Ergebnis der Verhandlungen um Jahreskontrakte 2005 um 100 Prozent verteuern. Und auch im Erz- und Metallgeschäft herrscht ein Kurs- und Preisfeuerwerk. So konfrontierten die wenigen Erzlieferanten die Stahlkonzerne in diesem Jahr mit Preiserhöhungen von 70 bis 85 Prozent. Die hohe Nachfrage nach Kupfer sorgte vorübergehend für einen Bestandsabbau an der Londoner Metallbörse. Der Preis erreichte das höchste Niveau seit mehr als 15 Jahren. Verteuerung Queerbeet Egal ob Energie, Industriemetalle oder Agrarprodukte: Alles ist deutlich teurer geworden. Der Rohstoffindex Reuters-CRB stieg in den vergangenen zehn Jahren um gut 30 Prozent. Seit 2002 - dem Jahr, seit dem es stetig aufwärts geht - legte er sogar um mehr als 60 Prozent zu. Für Fachleute kam die Entwicklung an den Rohstoffmärkten nicht überraschend. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover hat schon vor Jahren vor dem Rohstoff-Zyklus gewarnt. Niedrige Preise in den neunziger Jahren hätten zu nachlassender Produktion und Aufschlusstätigkeit bei den Bergwerksgesellschaften und Rohstoffproduzenten geführt.
Energie- und Rohstoffe erleben einen Boom wie nie zuvor. Nicht nur der Ölpreis ist rasant gestiegen, auch die Nachfrage nach Kohle, Erz oder auch Schiffsraum zieht stetig an. Die Verteuerung ängstigt die Wirtschaft. Für Anleger dagegen bietet der Trend Chancen. Die SZ berichtet in einer Serie über die Lage an den Rohstoffmärkten.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/sz-serie-rohstoffe-i-mit-rohstoffen-rendite-erzielen-1.903788
SZ-Serie: Rohstoffe (I) - Mit Rohstoffen Rendite erzielen
00/05/2010
Ein weiterer Einbruch im Versandhandel zwingt den Konzern zur Senkung der Umsatz- und Gewinnprognose. Im Rahmen eines Sofortprogramms sollen Quelle und Neckermann zu GmbHs zusammengestutzt werden. Beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen werde die Prognose von bisher mehr als 500 Millionen Euro auf mehr als 350 Millionen Euro zurückgenommen, teilte das Unternehmen mit. Die Aktie wurde zunächst vom Handel ausgesetzt. Detailansicht öffnen Thomas Middelhoff erläutert auf einer Pressekonferenz sein Sofortprogramm. (Foto: Foto: dpa) Das Unternehmen kündigte ein umfangreiches Maßnahmenpaket an, um im Versandhandel das Restrukturierungstempo zu erhöhen. Die Probleme dort seien größer als angenommen. "Hier sind über Jahre hinweg Anpassungsmaßnahmen unterlassen worden, die jetzt schnell und konsequent umgesetzt werden müssen", sagte der neue Vorstandschef Thomas Middelhoff. Neunköpfiger Vorstand wird aufgelöst Das Desinvestitionsprogramm soll umfangreicher als bisher geplant fortgesetzt werden und 1,1 Milliarden Euro deutlich überschreiten. Als Sofortmaßnahme zur Sanierung der Versandtöchter wird der neunköpfige Vorstand der Versandhandelssparte aufgelöst, kündigte Middelhoff an. Die Neckermann AG und die Quelle AG werden in Gesellschaften mit beschränkter Haftung umgewandelt. Geschäftsführer der Neckermann GmbH wird Bernd Oppenrieder, bei der Quelle GmbH werden es Michael Badke und Konzernvorstand Harald Pinger. Mit der Arbeitnehmerseite soll über ein Programm zur Zukunftssicherung verhandelt werden. Die Verhandlungen sollen bis September abgeschlossen sein. Nur noch auf Rang sechs der Handelsriesen KarstadtQuelle bezeichnet sich selbst als Europas größten Warenhaus- und Versandhandelskonzern. Damit sollten führende Positionen in diesen Geschäftsfeldern hervorgehoben werden. Durch kräftiges Wachstum anderer Konzerne rutschte KarstadtQuelle aber in den vergangenen Jahren in der Rangliste der Handelsriesen ab. Nach einer Auflistung der Handelsforscher von TradeDimensions ist KarstadtQuelle gemessen am Umsatz nur der sechstgrößte Handelskonzern innerhalb Deutschlands nach Branchenprimus METRO, REWE, Edeka/AVA (ohne Spar/Netto), Aldi und der Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland). Herber Umsatzeinbruch KarstadtQuelle verbuchte 2004 einen Umsatzrückgang um 6,8 Prozent auf 13,4 Milliarden Euro. Der Konzern fuhr bei hohen Umbaukosten einen Verlust von gut 1,6 Milliarden Euro ein. Ende 2004 hatte der Konzern inklusive abzugebender Geschäftsbereiche 92 500 Mitarbeiter. Über die Hälfte des Umsatzes wurde im Versandhandel eingenommen. Der stationäre Einzelhandel, zu dem Warenhäuser und Fachmarktketten gehören, stand für gut 42 Prozent der Erlöse. Der Rest des Umsatzes entfiel auf Dienstleistungen und Immobilien. Auch in den ersten drei Monaten dieses Jahres verbuchte der Konzern erneut einen Rückgang. Der Umsatz ging um 8,4 Prozent auf unter drei Milliarden Euro zurück. Vor Steuern fiel ein Verlust von rund 154 Millionen Euro an. Die Zahlen für das erste Halbjahr will das Unternehmen am 3. August vorlegen.
Ein weiterer Einbruch im Versandhandel zwingt den Konzern zur Senkung der Umsatz- und Gewinnprognose. Im Rahmen eines Sofortprogramms sollen Quelle und Neckermann zu GmbHs zusammengestutzt werden.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/karstadtquelle-middelhoff-setzt-auf-harten-restrukturierungskurs-1.903722
KarstadtQuelle - Middelhoff setzt auf harten Restrukturierungskurs
00/05/2010
Time Warner und Apple verkaufen CD-Rohlinge im "Herr der Ringe"-Design über Apples iTunes-Shop und sprechen damit gezielt Fans der Trilogie an, die sich die Musik zum Film ohnehin illegal besorgen würden. Um auch mit Fans der Trilogie, die sich den Soundtrack ohnehin schwarz brennen würden, ein wenig Geld zu verdienen, bieten Apple Computer und Time Warner in einer gemeinsamen Promoaktion drei leere, unterschiedlich bebilderte CDs zum neuen "Herr der Ringe"-Film "Die Rückkehr des Königs" in Apples Itunes Music Store an. Diese sollen für 4,99 Dollar verkauft werden, wie die Los Angeles Times berichtet. Krise Das Angebot ist aus der Not geboren - denn die Umsätze der großen Plattenlabels waren in den letzten drei Jahren eingebrochen. Diese begründen die Krise mit der Verbreitung von illegalem File-Sharing und dem Brennen von CDs. Nun haben die Plattenbosse resigniert und begonnen, den Trend in ihr Geschäft zu integrieren - die Idee, mit einer Aktion gezielt Schwarzbrenner anzusprechen wurde geboren. Logischer Schritt "Wir passen uns den Gewohnheiten der Konsumenten an," so Robin Bechtel, Chef für Neue Medien bei Warners Musiklabel Reprise Records, gegenüber der Los Angeles Times, "das ist nur der nächste logische Schritt." Schon jetzt sei klar, dass der "Herr der Ringe"-Rohling ein Sammlerstück werden wird. Die Auflage ist auf 1000 Stück limitiert und durchnummeriert. Nach der Apple-Promotionaktion werden die ersten 50 nummerierten Rohlinge eines jeden Designs bei Ebay versteigert.
Time Warner und Apple verkaufen CD-Rohlinge im "Herr der Ringe"-Design über Apples iTunes-Shop und sprechen damit gezielt Fans der Trilogie an, die sich die Musik zum Film ohnehin illegal besorgen würden.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/herr-der-ringe-resignative-rohlinge-1.917214
Herr der Ringe - Resignative Rohlinge
00/05/2010
Lufthansa und Iberia sollen sich auf Übernahme geeinigt haben Die Deutsche Lufthansa soll sich mit ihrem spanischen Konkurrenten Iberia auf eine Übernahme verständigt haben. Die Einigung liege bislang allerdings nur mündlich vor, heißt es in einem spanischen Medienbericht. Die Lufthansa will einen spanischen Medienbericht über ein angebliches Gebot für die spanische Fluggesellschaft Iberia nicht kommentieren. "Das ist reine Marktspekulation", sagte eine Unternehmenssprecherin zu sueddeutsche.de. Detailansicht öffnen Erst am vergangenen Wochenende hatte Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber die Iberia als "idealen Partner" bezeichnet. Kein Wunder: Gemeinsam mit Iberia würde die Lufthansa in Europa an der Air France/KLM vorbeiziehen. (Foto: Grafik: sueddeutsche.de) Die Sprecherin verwies allerdings auf jüngste Äußerungen von Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber. Mayrhuber hatte in einem Interview mit dem Kölner Stadt-Anzeiger vom Samstag erstmals eingeräumt, sich eine Beteiligung an Iberia und Alitalia vorstellen zu können, wenn der Preis stimmt. "Sicher wären das ideale Partner. Aber wir dürfen uns keine Mühlsteine an den Hals hängen." Eine falsche Akquisition könne langfristig sehr teuer werden. "Die Bedingungen müssen stimmen", betonte der Lufthansa-Vorstandsvorsitzende gegenüber dem Blatt. Generell an beiden Gesellschaften interessiert Im Gespräch mit der Neue Zürcher Zeitung am Sonntag sagte der Unternehmensführer, die Lufthansa sei generell an beiden Gesellschaften interessiert, halte aber den Preis für zu hoch. Mit einem Börsenwert von vier Milliarden Euro sei Iberia "klar zu teuer". Auch der erwartete Verkaufserlös von 1,5 Milliarden Euro für Alitalia entspreche nicht den Vorstellungen von Lufthansa. Offerte von vier Euro je Aktie Am Dienstag hatte nun die spanische Nachrichtenagentur EFE allerdings berichtet, die Lufthansa plane ein Übernahmeangebot für Iberia in Höhe von 4 Euro je Aktie. Mit diesem Gebot läge die Lufthansa über der Offerte der privaten Beteiligungsgesellschaft Texas Pacific (TPG). Der Investor hatte 3,60 Euro je Iberia-Aktie angeboten, womit Iberia mit 3,4 Milliarden Euro bewertet würde. Zeitungsberichten zufolge wollen die Iberia-Hauptaktionäre nun das TPG-Gebot in die Höhe treiben. Die Zeitungen berufen sich auf Personen, die den Hauptaktionären nahe stehen. Demnach solle der Preis auf 4,03 Euro je Aktie hochgetrieben werden. Der Iberia-Verwaltungsrat werde sich möglicherweise noch in dieser Woche treffen, sagte eine Sprecherin der spanischen Fluggesellschaft am Dienstag in Madrid. Der Termin sei allerdings noch nicht bekannt. Das Gremium muss entscheiden, ob es der Bitte von TPG um Einblick in das Unternehmen Folge leistet.
Die Deutsche Lufthansa soll sich mit ihrem spanischen Konkurrenten Iberia auf eine Übernahme verständigt haben. Die Einigung liege bislang allerdings nur mündlich vor, heißt es in einem spanischen Medienbericht.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/spanischer-medienbericht-lufthansa-und-iberia-sollen-sich-auf-uebernahme-geeinigt-haben-1.905757
Spanischer Medienbericht - Lufthansa und Iberia sollen sich auf Übernahme geeinigt haben
00/05/2010
Falsche Angebote, täuschend echte Papiere und ein Netz von Helfern — die Betrüger der Nigeria-Connection finden immer neue Opfer. (SZ vom 31.07.2003) — Es wird wohl noch ein bisschen dauern, bis Antje und Thomas Gerlach den teuersten Wein trinken, den sie je besessen haben. "Wenn wir unser Leben wieder im Griff haben", sagt die 26-Jährige und dreht die Rotweinflasche langsam in ihrer rechten Hand hin und her. Einen Grand Cru Classé, Jahrgang 1988; den besten, den es im Laden gab, Preis: 45 Euro. Gekauft hatten Gerlachs den Wein in Amsterdam, eine Stunde, bevor ihnen klar geworden war, dass sie reingelegt wurden, dass sie 46.500 Euro an Betrüger übergeben hatten und dass sie nun mit nichts als einem Berg Schulden und einem teuren französischen Rotwein dastanden. Im Laden hatten Gerlachs noch nicht geahnt, dass schon viele wie sie nach Amsterdam gefahren waren. Sie wussten nicht, dass sie einem organisierten Betrug zum Opfer gefallen waren, der seit Anfang der 90er Jahre nach immer gleichem Muster verläuft. Die Sache mit den Erben Auf der Website des Bundeskriminalamtes (BKA) hätten die beiden nachlesen können, dass die Polizei die Männer, mit denen sie sich eingelassen hatten, als Nigeria-Connection bezeichnet und dass deren Geschäfte wieder zunehmen. Und obwohl Gerlachs nun wissen, dass sich ein Prozent aller Leute wie sie hereinlegen lässt, ist ihnen das Ganze peinlich. So peinlich, dass sie darum bitten, in der Zeitung ihren Namen abzuändern. Das Lockangebot kam im Februar. Über Kenia sei ein Flugzeug abgestürzt, schrieb ein Mann namens Muhammad Kalil Hasan per E-Mail. Ein Unwetter habe die Boeing in den Abgrund gerissen, dabei sei der Millionär Michael Gerlach samt Familie ums Leben gekommen. Der Amerikaner hinterlasse 28,8 Millionen Dollar, angelegt auf den Konten der Mashreq Bank in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Zwei Jahre lang habe er, Bankangestellter des Dubaier Kreditinstituts, vergeblich nach Erben gesucht. Bis er die gleichnamigen Gerlachs in Deutschland fand. "Der Hasan hat wissen wollen, ob wir das Erbe antreten möchten", sagt Antje Gerlach. Das Vermögen würde ansonsten an den Staat fallen. 60 Prozent des Geldes forderte Hasan für den Deal, der Rest sei für die beiden Deutschen: elfeinhalb Millionen Dollar. Gerlachs wurden neugierig: "Zurückschreiben kann man ja mal." Wöchentlich füllten neue E-Mails die Mailbox. Hasan versprach die Ausstellung der nötigen Papiere, und Gerlachs begannen, vom großen Glück zu träumen. Vom Häuschen, das sie sich kaufen wollten, vom Führerschein für Antje Gerlachs Schwester Mandy und davon, "dass wir der Mutti und dem Vati die Wohnung finanzieren". Der sechs Monate alte Sohn sollte es "besonders schön" haben: "Wir wollten mit dem Robin in die USA, da können Kinder mit Delfinen schwimmen." Vor zwei Jahren waren sie nach der Hochzeit aus Thüringen nach Niederbayern gezogen. In eine bescheidene Dreizimmerwohnung in Rottenburg, "für mehr hat es nicht gereicht". Thomas Gerlach, 28, arbeitet seit Juli 1995 als Zeitsoldat in der nahe gelegenen Kaserne in Landshut, seine Frau kümmert sich um das Baby. Alles so plausibel Der Wunsch nach Geld war groß, so groß, dass Gerlachs sich von den Dokumenten blenden ließen, die Hasan fortan schickte. "Mittendrin klingt alles so plausibel." Antje Gerlach schlägt einen weißen Leitzordner auf. Er umfasst die gesammelte Korrespondenz, zwei Zentimeter sorgsam abgeheftetes Unglück. Briefe mit arabischen Schriftzeichen, lila Stempeln "approved" -"genehmigt". Sie liest mit leiser Stimme: "Mashreq Bank und Finanzministerium haben eingewilligt, Herrn Thomas Gerlach als Berechtigten des Vermögens einzusetzen." Die Papiere sehen immer "täuschend echt" aus, sagt die Polizei. Hasan hatte sogar ein Foto der toten Amerikaner mitgeschickt: ein lächelndes Ehepaar um die vierzig, mit blond gelockter Tochter im Vorschulalter und einem Jungen mit Fußball im Arm. Zunächst lief alles glatt, dann forderte Hasan sie auf, 14.500 Euro "Bearbeitungsgebühren" an einen Holländer namens Idris Johnson zu übergeben. Außerdem sollten sie ein Konto bei einer holländischen Bank eröffnen, dort "geht man liberaler mit Geldtransfers um". Antje Gerlach telefonierte öfter mit Hasan, der nur per Handy erreichbar war. Er hätte englisch gesprochen, "mit arabischem Akzent". Sie vereinbarten eine Geldübergabe in Amsterdam. "Wir haben meinen Bausparvertrag aufgelöst und unsere Konten geleert", sagt Antje Gerlach. Anfang März fuhren sie nach Holland, 800 Kilometer, mit Bargeld im Kofferraum und "komischem Gefühl im Bauch". Nur die Familie wusste davon, Freunden hatten sie nichts erzählt, "es war alles streng vertraulich". Die Geldübergabe erfolgt immer im Ausland, heißt es beim BKA. Dort ist die Strafverfolgung schwieriger. Um die Opfer dorthin zu locken, erfinden die Täter haarsträubende Geschichten: Beim "Erbschaftsmodell" bieten sie an, ein herrenloses Erbe anzutreten. Beim "politischen Umsturz" sind die Absender "Witwen, Waisen oder Kinder" von Ex-Diktatoren wie Saddam Hussein. Die Betrüger geben vor, dass sie das Vermögen des Despoten retten wollen. Fast immer müssen die Opfer ein Konto eröffnen, auf das das Geld überwiesen werden soll. Als Belohnung winkt eine üppige Beteiligung. Selten bleibt es bei der Kontoeröffnung. Bearbeitungsgebühren für abstruse Dienstleistungen fallen an. Der nächste Morgen in Amsterdam sei "wie in einem Film" verlaufen, sagt Antje Gerlach. Mit einer Stunde Verspätung tauchte Johnson mit zwei farbigen Begleitern in der Hotelhalle auf, alle in langen schwarzen Mänteln, glänzenden Schuhen und Anzug. Die drei "bequatschten" die Gerlachs so lange, bis sie mit aufs Zimmer durften. Mit Quittung Antje Gerlach wollte das nicht. "Unsere Betten waren nicht gemacht." Sie zeigten ihre Pässe, Gerlachs radebrechten auf Englisch, füllten Unterlagen aus - und zahlten. Johnson versprach, das Geld sofort bei der Bank einzuzahlen. Zurück blieb ein weißes Stückchen Papier, die Quittung. Da sei ihnen zum ersten Mal mulmig gewesen. Erleichtert hätten sie am nächsten Morgen einen Brief aus dem Fax gezogen: Ihr Geld sei eingegangen, das Konto eingerichtet. Abends meldete sich ein Bankangestellter per Telefon. Er müsse ein "Echtheitszertifikat" vom Internationalen Gerichtshof in Den Haag erwerben. Das sei seit dem 11.September üblich. Kosten: 72.000 Euro. Antje Gerlach weinte am Telefon. "Wir haben doch nicht soviel Geld." Nach einer Stunde rief der Mann zurück; es genüge, wenn sie die Hälfte zahlen, den Rest strecke die Bank vor. In der Nacht drauf stritten sie lange in Rottenburg, die Angst siegte: "Wenn wir jetzt nicht zahlen, verlieren wir die 14.500 Euro." Wegen der leeren Konten bekniete Antje Gerlach ihre Eltern, ein Freund des Vaters half. 32.000 Euro kratzten sie so zusammen und fuhren erneut nach Amsterdam. Sie übergaben das Geld - und sahen es nie wieder. Der finanzielle Schaden, den die Nigeria-Connection verursacht, beträgt allein in Deutschland zwischen einer und eineinhalb Millionen jährlich, berichtet das BKA - die Dunkelziffer ist vermutlich weit höher. Einen Schaden in dreistelliger Millionenhöhe vermutet ein Insider. Antje Gerlach arbeitet seit kurzem an einer Tankstelle, oft fünf Mal pro Woche. Und Thomas Gerlach hat sein Auto verkauft, damit "ein bisschen was reinkommt". Bei den Banken gelten die beiden als nicht mehr kreditwürdig, der Freund des Vaters wartet bis heute auf die Rückzahlung, er weiß noch nichts von der Misere. Die Kripo in Landshut hatte "nicht mal tröstende Worte". Trotzdem wollen die Gerlachs weiter kämpfen, nur öffentlich darüber reden, wollen sie nicht. "Dann wüssten ja alle, wie naiv wir waren."
Falsche Angebote, täuschend echte Papiere und ein Netz von Helfern — die Betrüger der Nigeria-Connection finden immer neue Opfer.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/lockereien-im-internet-es-geschah-an-einem-morgen-in-amsterdam-1.899925
Lockereien im Internet - Es geschah an einem Morgen in Amsterdam
00/05/2010
Wegen steigender Gaspreisen könnte die Steinkohle zur tragenden Säule bei der Modernisierung der deutschen Kraftwerke werden. Nach einer Studie der Unternehmensberatung Boston Consulting werden die Stromkonzerne voraussichtlich statt auf relativ umweltfreundliche Gaskraftwerke verstärkt auf neue Kohlekraftwerke setzen, wie die Financial Times Deutschland berichtete. Detailansicht öffnen Die Zeche Walsum in Duisburg. (Foto: Foto: dpa) Grund dafür sei, dass ein Anstieg der Gaspreise und ein Rückgang des Weltmarktpreises für Kohle erwartet werde. Die deutschen Stromkonzerne müssen in den nächsten zwei Jahrzehnten veraltete Kraftwerke mit einer Kapazität von 40.000 Megawatt ersetzen. Bislang gingen Experten davon aus, dass bei der Modernisierung Gaskraftwerke bevorzugt werden, weil sie im Vergleich zu Kohlemeilern die Umwelt weniger belasten und effizienter arbeiten. Ausschlaggebend für die Entscheidungen über Investitionen ist nach dem Ergebnis der Studie jedoch die von den Unternehmen erwartete langfristige Entwicklung der Energiepreise. Gaskosten steigen Die Gaskosten würden in den nächsten Jahren um 20 bis 30 Prozent steigen, weil zwischen 2010 und 2015 die Vorkommen in Großbritannien und auf dem europäischen Kontinent erschöpft seien. Zugleich werde der Weltmarktpreis für Kraftwerkskohle auf ein Niveau zwischen 40 und 50 Dollar pro Tonne sinken. Grund sind nach Einschätzung der Beratungsfirma die hohen Investitionen der wichtigsten Förderländer in zusätzliche Minen. In diesem Sommer lag der Preis wegen der hohen Nachfrage aus China noch bei 70 Dollar pro Tonne. Neue Zeche im Ruhrgebiet? Nach Einschätzung des Chefvolkswirts der Deutschen Bank, Norbert Walter, haben Neuinvestitionen in die deutsche Kohle kaum Chancen. Walter reagierte damit auf das Vorhaben von RAG-Chef Werner Müller, nach jahrelangem Schrumpfen des Bergbaus angesichts explodierender Weltmarktpreise für Kokskohle eine neue Zeche im Ruhrgebiet zu bauen.
Wegen steigender Gaspreisen könnte die Steinkohle zur tragenden Säule bei der Modernisierung der deutschen Kraftwerke werden.
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Energiemarkt - Die Renaissance der Zeche
00/05/2010
Mit bundesweiten Protesten haben Tausende von Beschäftigten der Deutschen Telekom gegen den geplanten Abbau von 32.000 Stellen protestiert. Der Telekom-Aufsichtsrat soll das umstrittene Vorhaben heute abnicken. Nach Angaben der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di beteiligten sich am Montag mindestens 28.000 Menschen an den Demonstrationen und Kundgebungen. Detailansicht öffnen Pleitegeier auf einem Telekom-T: Demo in Berlin gegen die Stellenabbau-Pläne der Telekom. (Foto: Foto: dpa) Am Nachmittag tagte der Aufsichtsrat des Unternehmens, um über die Einsparpläne des Vorstands zu beraten. Bis 2008 will sich die Telekom ohne betriebsbedingte Kündigungen von 32.000 Mitarbeitern trennen. "Wir werden den Aufsichtsrat auffordern, den Plänen des Vorstands nicht zuzustimmen", sagte der stellvertretende ver.di-Vorstand, Franz Treml. Hauptproteste in Berlin und Bonn Hauptprotestorte waren Berlin und Bonn, wo sich 2500 beziehungsweise 6000 Telekom-Beschäftigte versammelten und mit Trillerpfeifen die Rücknahme der Vorstandspläne forderten. Sollte der Abbau vom Aufsichtsrat abgesegnet werden, kündigte die Gewerkschaft eine Ausweitung der Proteste an. "Ab Januar ist alles möglich bis hin zu Streiks", sagte der Berliner ver.di-Bezirksgeschäftsführer Roland Tremper. Die Telekom-Beschäftigten machten indes mit markanten Sprüchen ihrem Unmut über den Stellenabbau Luft. Auf Transparenten hieß es: "Vom Kopf her, weiß man, stinkt der Fisch" oder: "Personalabbau auf Dauer macht uns richtig sauer". Telekom-Chef Ricke im Visier der Proteste Auch der Telekom-Chef geriet ins Visier der Protestler: "Ricke, wir haben die Faxen dicke". Treml forderte den Vorstand auf, ernsthaft mit den Arbeitnehmervertretern zu verhandeln und taktische Spielerein zu beenden. "Die vorgelegten, skandalösen Pläne des Telekom-Vorstands müssen vom Tisch", sagte der Gewerkschafter, der auch stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats ist. Anfang November hatte der Vorstand seine Personalplanungen bis Ende 2008 vorgelegt. Mit den angestrebten Kürzungen will sich die Telekom fit machen für den zunehmenden Wettbewerb in der Branche. Dabei betonte Ricke, so viele Mitarbeiter zu halten, wie es betriebswirtschaftlich möglich ist. Betroffen von den Kürzungen sind vor allem die Beschäftigten der Festnetzsparte T-Com, wo die Telekom rund 20.000 Menschen weniger benötigt. Der Bereich, in dem erhebliche Marktanteile verloren gingen, steht besonders unter Wettbewerbsdruck. Auch von 6000 Beamten will sich das Unternehmen trennen. Hierzu muss allerdings noch mit dem Bund eine gesetzliche Vorruhestandsregelung gefunden werden. Der Bonner Riese beschäftigt gegenwärtig konzernweit im Inland noch rund 170.000 Menschen. In den vergangenen 10 Jahren hat sich das Unternehmen im Schnitt jedes Jahr von 10 000 Mitarbeitern getrennt. ver.di fordert in einem 10-Punkte-Programm statt des Abbaus von Arbeitsplätzen vor allem eine neue Service- und Qualitätsoffensive sowie mehr Innovationen. "Die Telekom ist drauf und dran, ein arbeitsmarktpolitisches Desaster ohnegleichen anzurichten", sagte Treml auf einer Kundgebung vor Beginn der Aufsichtsratssitzung. Vor dem Hintergrund der guten Ertragslage des Unternehmens haben Betriebsräte, Telekom-Mitarbeiter und Gewerkschafter kaum Verständnis für die Einsparungen. "Wir werden uns das nicht bieten lassen", sagte Treml. Ricke hatte bei der Vorlage der Quartalszahlen im November darauf hingewiesen, dass die Gewinne aus 2005 und der geplante Stellenabbau nichts miteinander zu tun haben. Es seien die Gewinne aus der Vergangenheit. Jetzt "geht es darum, die Telekom zukunftssicher zu machen". (AP/dpa)
Mit bundesweiten Protesten haben Tausende von Beschäftigten der Deutschen Telekom gegen den geplanten Abbau von 32.000 Stellen protestiert. Der Telekom-Aufsichtsrat soll das umstrittene Vorhaben heute abnicken.
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Telekom - Massen-Demo gegen Stellenabbau
00/05/2010
Das Verhältnis zwischen dem Bahnchef und der Politik ist belastet, doch Rücktrittsforderungen verstummen - zumindest vorerst. Eduard Oswald genießt seinen Auftritt. Auffällig aufgeräumt erscheint er an diesem frühen Mittwoch morgen als einer der Ersten vor dem Sitzungssaal E.600 im Paul-Löbe-Haus. Dann legt er los, erfreut sich dabei an seinen eigenen Formulierungen. Detailansicht öffnen Dosierte Selbstkritik: Hartmut Mehdorn. (Foto: Foto: AP) "Die deutsche Sprache", sagt der Vorsitzende des Bundestags-Verkehrsausschusses, "bietet viele Spielräume für Entschuldigungen". Bahn-Vorstandschef Hartmut Mehdorn ist damit gemeint, der in wenigen Minuten mit Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) auflaufen wird. Es geht um die Person Die Parlamentarier haben den Minister und seinen obersten Eisenbahner einbestellt. Einziger Tagesordnungspunkt: Aktuelle Fragen der Bahnpolitik. Tatsächlich geht es jedoch um die Person Mehdorn. Das Verhältnis zwischen dem 62-jährigen Bahnchef und den Verkehrspolitikern gilt mindestens als schwer belastet. Vor Sitzungsbeginn ist das eher noch eine Untertreibung. Darauf weist auch CSU-Politiker Oswald hin. Da steht er nun aufrecht im taubenblauen Anzug und nimmt seine Ausschussmitglieder, egal von welcher Partei, vor den wüsten Attacken von Mehdorn in Schutz. Vertraulicher Brief Dieser hatte drei Abgeordnete in einem vertraulichen Brief an den Industrieverband-Präsidenten Michael Rogowski als "so genannte Verkehrsexperten" bezeichnet, die sich "im 3-Tages-Rhythmus polemisch gegen mich und die Bahn äußern". So gehe es keinesfalls, mahnt Oswald, "wir sagen ja auch nicht so genannter Vorstandsvorsitzender". Genau diesen Satz wird er zweieinhalb Stunden später vor laufenden Kameras wiederholen, nach der Ausschusssitzung, die einige Abgeordnete gern als Showdown für Mehdorn gesehen hätten. Dazu ist es aber nicht gekommen, was allein schon die Körpersprache des untersetzten Bahnchefs verrät. Wirkte Mehdorn vor seinem Auftritt bei den Parlamentariern etwas fahrig, lächelt er danach siegesgewiss. Linke Hand in der Hosentasche Während er sich gemeinsam mit Stolpe und Oswald den Fragen stellt, vergräbt er seine linke Hand in der Hosentasche. Dies macht er oft, wenn er sich sicher fühlt. Die Rücktrittsforderungen jedenfalls sind nun erstmal verstummt, vom FDP-Verkehrspolitiker Horst Friedrich einmal abgesehen, für den Mehdorn "nicht die Lösung, sondern das Problem der Bahn" ist.
Das Verhältnis zwischen dem Bahnchef und der Politik ist belastet, doch Rücktrittsforderungen verstummen - zumindest vorerst.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/auftritt-im-verkehrsausschuss-letzte-chance-fuer-mehdorn-1.899501
Auftritt im Verkehrsausschuss - Letzte Chance für Mehdorn
00/05/2010
Das Hauptproblem des europäischen Stabilitätspaktes liegt darin, dass er von Juristen und Politikern und nicht von Ökonomen gemacht wurde. (SZ vom 13.05.2003) — Juristisch und politisch ist die Sache klar: Wenn das Staatsdefizit die Grenze von drei Prozent der Wirtschaftsleistung überschreitet, dann wird in Brüssel der Mechanismus von Warnungen, Ermahnungen und schließlich Strafen in Gang gesetzt. Ökonomisch lässt sich dagegen allerhand einwenden. Die drei Prozent sind willkürlich gesetzt, das Entscheidende sieht man der Zahl nicht an: ob ein Haushalt chronisch defizitär ist oder nur ein vorübergehendes Konjunkturproblem hat. Manche Defizite, etwa wenn sie durch die Kombination von Reformen und Steuersenkungen entstehen, sind gar kein Problem, sondern Teil der Lösung. Die Reform wäre dringlich... Vor allem hat die derzeitige Debatte um Staatsdefizite nichts mit dem eigentlichen Ziel des Stabilitätspaktes zu tun: Inflation zu verhindern und den Wert des Euro zu schützen. Von Inflation ist weit und breit nichts zu spüren, und nach außen strotzt der Euro vor Kraft. Am Tag, nachdem Finanzminister Hans Eichel sein Scheitern in Sachen Stabilitätspakt für dieses Jahr einräumen musste, überstieg der Kurs die Marke von 1,16 Dollar. Unter der Spanne zwischen juristischer Korrektheit und ökonomischen Zweifeln leidet die Glaubwürdigkeit des Stabilitätspaktes. Keine Frage: Deutschland wird in diesem Jahr die Drei-Prozent-Grenze verfehlen. Damit ist der Pakt zwar noch nicht am Ende, aber der Respekt vor ihm leidet - zumal auch Frankreich und Italien dessen Vorschriften nicht besonders ernst nehmen. Vor allem Deutschland hat jedoch gar keine Chancen, in diesem Jahr das Drei-Prozent-Ziel zu erreichen. Alles was rechnerisch denkbar wäre, zum Beispiel eine Erhöhung der Mehrwertsteuer um zwei Punkte, würde das Land direkt in die Rezession führen. ...nur kann sie nicht von Deutschland angestoßen werden Eine grundlegende Reform des Stabilitätspaktes wäre also dringlich. Nur kann diese nicht durch das Land angestoßen werden, das am stärksten die Regeln verletzt hat. Jeder Vorstoß der Deutschen in dieser Richtung würde als Versuch gewertet, sich aus den selbst verordneten Regeln zu stehlen. Das würde den Pakt schließlich insgesamt in Frage stellen. Eine Währungsunion ohne eine gewisse Regelbindung aber ist auf Dauer nicht vorstellbar, die Konsolidierung der Staatsfinanzen liegt im ureigensten Interesse der Bürger Europas. Im deutschen Bundeshaushalt sind 63 Prozent aller Ausgaben für Soziales und Zinsen vorgesehen. Ohne harte Schnitte droht der Staat handlungsunfähig zu werden. Insofern ist der Weg für die Deutschen vorgezeichnet: Sie müssen den Pakt in seiner jetzigen Form als notwendiges Übel begreifen. Noch nicht in diesem, aber im nächsten Jahr sollte der Haushalt wieder europakonform sein. Steuererhöhungen verbieten sich auf dem Weg dahin, umso schneller muss die Agenda 2010 umgesetzt werden. Eine notwendige, wenn auch keine hinreichende Bedingung dafür ist im Übrigen ein starker Finanzminister, der Rückhalt beim Kanzler hat.
Das Hauptproblem des europäischen Stabilitätspaktes liegt darin, dass er von Juristen und Politikern und nicht von Ökonomen gemacht wurde.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/kommentar-der-stabilitaetspakt-das-notwendige-uebel-1.900110
Kommentar - Der Stabilitätspakt — das notwendige Übel
00/05/2010
Napster stellt für die Musikindustrie schon lange keine Gefahr mehr dar. Für Bertelsmann aber entwickelt sich der Kauf der Tauschbörse zu einem nicht enden wollenden Desaster. Jetzt steht schon wieder eine Gerichtsverhandlung an. Streitwert: 17 Milliarden Dollar. Die Zornesröte in den Gesichtern der Bertelsmann-Bosse über die 160-Millionen-Euro-Schmach im Streit mit zwei Ex-Managern ist noch nicht völlig gewichen, da müssen die Konzern-Juristen schon wieder in den Ring. Detailansicht öffnen Bertelsmann wird allmählich Stammgast in kalifornischen Gerichtsräumen. (Foto: Foto: AP) In San Francisco sollte am Dienstag mit einer ersten Anhörung ein Prozess gegen Bertelsmann und zwei seiner US-Töchter beginnen, den die Musik-Konkurrenten EMI und Universal angestrengt haben. Es geht um die Tauschbörse Napster, der Bertelsmann in den Jahren 2000 und 2001 Kredite über mehr als 80 Millionen US-Dollar gegeben hatte. Bertelsmann erkannte die Gefahr schneller Bertelsmann, über die Sparte BMG selbst im weltweiten Musikgeschäft aktiv, hatte mitten im Internet-Hoch mit ansehen müssen, wie die Tauschbörse Napster florierte. Kostenlos wechselten Millionen von Musikfans ihre Lieblingshits untereinander aus. Bertelsmann hatte die Gefahr der Piraterie, die noch heute der Musikindustrie sinkende Umsätze beschert, schnell erkannt. Mit zweckgebundenenden Darlehen wollte das Unternehmen Napster in einen voll lizenzierten Dienst umwandeln. Die Konkurrenz sieht das Engagement der Gütersloher völlig anders. Bertelsmann habe die illegale und damals bereits in die Insolvenz gegangene Tauschbörse mit dem Kredit künstlich am Leben gehalten. Die Musikindustrie habe dadurch Milliardenverluste erlitten. Den entstandenen Schaden beziffern die Kläger auf 17 Milliarden US-Dollar. Keiner Schuld bewusst Der Konzern habe zwar den Kredit gegeben, aber nichts Illegales getan und somit auch keinen Schaden verursacht, hält Bertelsmann dagegen. Bertelsmann habe nie Einfluss auf Napster und dessen Handeln ausüben könne, geschweige denn auf die Napster-Nutzer. Auch habe der Gütersloher Konzern nie wirtschaftlich von der Kreditvergabe profitiert, sondern habe - im Gegenteil - Geld verloren. Anders als im Streit um die Anteile der Ex-Manager für den Gewinn bringenden AOL-Europe-Verkauf sind die Mienen beim größten europäischen Medienkonzern diesmal jedoch etwas entspannter. Bei der Auseinandersetzung mit Jan Henric Buettner und Andreas von Blottnitz musste Bertelsmann schließlich einsehen, vor einem Gericht im kalifornischen Santa Barbara die schlechteren Karten in der Hand zu haben und willigte nolens volens in die außergerichtlich verhandelte 160-Millionen-Summe ein. Obwohl es auch in dem neuen Rechtsstreit wieder in Kalifornien vor Gericht geht, scheinen mehr Trümpfe in den Händen der Bertelsmänner zu stecken. Die Gütersloher Juristen um Chefsyndikus Ulrich Koch haben Klageabweisung beantragt. "Wir sind überzeugt, dass die Klagen jeder Grundlage entbehren", sagte ein Konzernsprecher. Optimismus in Gütersloh Tatsächlich hatte die Chefrichterin des Bundesbezirksgerichtes in San Francisco, Marilyn H. Patel, bereits in einem früheren Verfahren gegen den damaligen Napster-Mehrheitseigner Hummer Winblad die Argumentationskette der Klägerseite verworfen. Die Argumente seien "objektiv nicht nachvollziehbar", hieß es damals, und mit dem US-Urheberrecht nicht vereinbar. Bertelsmann hofft nun, dass Richterin Patel ihre Meinung nicht grundlegend ändert. Helfen könnte Bertelsmann dabei, dass einer der Kläger, Universal Music, inzwischen selbst an der Marke "Napster" mitverdient. Universal ist an der Firma Roxio beteiligt, die den Namen Napster nach der Pleite übernommen hatte.
Napster stellt für die Musikindustrie schon lange keine Gefahr mehr dar. Für Bertelsmann aber entwickelt sich der Kauf der Tauschbörse zu einem nicht enden wollenden Desaster. Jetzt steht schon wieder eine Gerichtsverhandlung an. Streitwert: 17 Milliarden Dollar.
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Musikkonzerne vor Gericht - Der Napster-Fluch
00/05/2010
Um nicht von Russland erpressbar zu sein, sucht ganz Europa nach alternativen Energien. Noch tragen Sonne, Wind und Biomasse weniger als sieben Prozent zur Energieversorgung in der EU bei. Eines weiteren Beweises für Europas unsichere Energieversorgung hätte es eigentlich nicht mehr bedurft - nach Russlands Gaspoker vor einem Jahr. Am Montag mussten Deutschland und Polen um die Verlässlichkeit der Öllieferungen aus dem Osten bangen, denn die ,,Druschba''-Pipeline wurde zugedreht. Wieder einmal zeigt sich, wie abhängig die EU ist. Schon heute bezieht sie 82 Prozent des Öls und 57 des Gases aus Drittstaaten. Viele Mitgliedsstaaten importieren Gas aus nur einem Förderstaat - häufig aus Russland. Ohne eine neue Energiepolitik, warnt die Brüsseler Kommission, wird die Union in 25 Jahren unberechenbaren Lieferanten ausgeliefert sein. Denn dann werde die Abhängigkeit auf 93 Prozent beim Öl und auf 84 Prozent beim Gas gestiegen sein. An diesem Mittwoch stellt Kommissionschef Jose Manuel Barroso deshalb einen Aktionsplan zur Energie vor. Der erste Schritt sind Pläne für eine mögliche Krise, sollten Öl oder Gas ausbleiben. In den nächsten Monaten wird Brüssel daher ein Netz von Energiekorrespondenten auf die ganze Gemeinschaft verteilen, Fachleute also, die rechtzeitig vor möglichen Engpässen warnen. Barroso will das Netz der Lieferanten ausweiten Ist der Notfall eingetreten, sollen die Mitgliedsstaaten ihre Reserven an ein Nachbarland abtreten, das von der Versorgung abgeschnitten wurde. Diese Idee ist jedoch umstritten, da manche Staaten weniger vorsorgen als andere. Barroso will außerdem das Netz der Lieferanten ausweiten. Gas lässt sich schließlich auch in Algerien kaufen. Der Bau neuer Leitungen wie der Nabucco-Pipeline vom Kaspischen Meer wird völlig neue Quellen erschließen. Die noch etwas ferne Vision ist, dass die EU-Staaten künftig gemeinsam als Einkäufer von Öl und Gas auftreten - und so die Macht von 500 Millionen Konsumenten ausspielen. Die Abhängigkeit von den fossilen Brennstoffen Öl und Gas lässt sich aber auch anders reduzieren - indem nämlich Europa weniger Energie verbraucht und auf erneuerbare Quellen setzt, was zugleich das Klima weniger belasten würde. Der Anteil der erneuerbaren Energien soll sich verdreifachen Das Ziel der Kommission: Im Jahr 2020 soll Europa 13 Prozent weniger Energie als heute aufwenden - und damit sogar 100 Milliarden Euro pro anno an Kosten einsparen. Erreicht werden soll das durch sparsamere Autos und Haushaltsgeräte sowie durch wärmegedämmte Häuser. Noch tragen Sonne, Wind und Biomasse weniger als sieben Prozent zur Energieversorgung in der EU bei. Das soll sich ändern: Der Anteil erneuerbarer Energien soll sich verdreifachen. Die Kommission setzt dabei vor allem auf Strom aus alternativen Quellen - große Offshore-Windparks oder Solarzellen-, auf Biotreibstoffe sowie die Nutzung von Erdwärme durch Wärmepumpen. In Brüssel ist man davon überzeugt, dass sich mit regenerierbaren Quellen sogar ein Drittel des gesamten Stroms erzeugen lassen. Schließlich produziere Dänemark schon ein Fünftel seines Stroms durch Wind, heißt es im Papier der Kommission.
Um nicht von Russland erpressbar zu sein, sucht ganz Europa nach alternativen Energien. Noch tragen Sonne, Wind und Biomasse weniger als sieben Prozent zur Energieversorgung in der EU bei.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/unsichere-energieversorgung-der-traum-von-der-eigenen-quelle-1.903885
Unsichere Energieversorgung - Der Traum von der eigenen Quelle
00/05/2010
Reichlich trinken, sicher nach Hause fahren, und am nächsten Morgen steht das eigene Auto vor der Haustür? In Nordrhein-Westfahlen ist es möglich. Holger Wille ist ein Taxiboy. Seit rund zwei Monaten pendelt er zwischen Dortmund und Essen, um fahruntüchtige Kunden mit Alkoholpegel sicher nach Hause zu bringen. Detailansicht öffnen Damit nicht nur der Kunde, sondern danach auch der Taxiboy wieder zu Hause ankommt, fährt das Mokick im Kofferraum mit. (Foto: Foto: dpa) Das Besondere: Holger Wille kommt nicht mit dem Taxi vorgefahren, sondern mit einem kleinen, zusammenklappbaren Motorrad — ein Mokick. Dies wird zunächst in einer wasserdichten Tasche und anschließend im Kofferraum des Kundenfahrzeug verstaut. Denn ein Taxiboy bringt den Fahrgast in seinem eigenen Wagen heim - und erspart es dem Kunden, das Auto am nächsten Tag wieder irgendwo abzuholen. In NRW schon 200 Fahrer unterwegs Ein Jahr ist es her, seit David Rolef mit seiner Geschäftsidee auf den Markt ging. "Rund 200 Fahrer sind mittlerweile für uns im Einsatz", erklärt der Firmengründer und Inhaber aus Krefeld. Sie seien in Nordrhein-Westfalen zwischen Dortmund und Köln fast flächendeckend unterwegs. Bis Ende 2005 will Rolef alle größeren Städte Deutschlands erschlossen haben, darunter Berlin, Dresden und Leipzig. Doch dazu benötige er noch Kapital: "Wir finanzieren uns ausschließlich über Franchising und Investoren." Zur Sicherheit von Fahrzeug und Insassen müssen Fahrer wie Holger Wille bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Dazu gehören eine mindestens fünfjährige Fahrpraxis, ein einwandfreies Führungszeugnis, unfallfreies Fahren in den vergangenen drei Jahren sowie maximal fünf Punkte in Flensburg. Sollte es zu einem fahrlässig verursachten Schaden kommen, so haftet Taxiboy bis zu einer Höhe von 1000 Euro. Weitere Kosten trägt der Auftraggeber. Kein Alkohol am Steuer Jörg Hütter, geschäftsführender Direktor der Landesverkehrswacht Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf, bewertet Rolefs Geschäftsidee positiv. "Wir haben natürlich den Leitgedanken, dass niemand alkoholisiert am Steuer sitzt und jeder sicher nach Hause kommt. Und zur Vermeidung von Alkohol am Steuer ist das eine praktikable Lösung." Skepsis zeigt hingegen der Vorsitzende des Taxiverbandes Deutschland, Peter Kristan. "Ich glaube nicht, dass sich diese Geschäftsidee weiter durchsetzt." Bereits vor einigen Jahren habe man im Raum Stuttgart ein ähnliches Konzept auf den Markt gebracht und sei damit nach kurzer Zeit gescheitert. Taxiboy ist günstiger als traditionelle Taxifahrt "Denn normalerweise nehmen Kunden erst gar kein Auto mit, wenn sie etwas trinken wollen", so Kristan. Zudem gebe es bereits so genannte Lotsendienste, bei denen Taxifahrer auf Wunsch zu zweit kommen, um auf diese Weise den Kunden ebenfalls im eigenen Fahrzeug nach Hause zu bringen. Im Preisvergleich schneidet der Taxiboy jedoch auch nach Ansicht von Peter Kristan besser ab. Denn die Grundgebühr sowie der Preis für jeden zurückgelegten Kilometer seien zwar ähnlich gestaffelt wie bei einem Taxi, jedoch müsse man bei einer normalen Taxifahrt das Abholen des Wagens am nächsten Tag ebenfalls berechnen - während dieser bei der Nutzung von Taxiboy bereits sicher vor der Haustür parkt.
Reichlich trinken, sicher nach Hause fahren, und am nächsten Morgen steht das eigene Auto vor der Haustür? In Nordrhein-Westfahlen ist es möglich.
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Fahrservice Taxiboy - Wenn der eigene Wagen zum Taxi wird
00/05/2010
Frankreichs Weinproduzenten stecken in der Krise. Die Politik hat einen umstrittenen Plan vorgelegt, der den Bruch mit Tabus erzwingt. Frédéric Glangetas grinst verlegen, als er die Tür zum Allerheiligsten des Weingutes aufschließt - als würde er etwas Verbotenes tun. Nur wenigen Mitarbeitern ist der Zutritt in das weiß gekachelte Labor gewährt. Detailansicht öffnen Winzer in Heilbronn: Auch in Deutschland könnten die umstrittenen Chips-Weine demnächst hergestelllt werden. (Foto: Foto: dpa) Heuchelei um Holzchips Denn im Schrank links vom Eingang liegen auf Regalen verteilt jene Tüten, die den Raum für die Weinbauern im Umland zu einer Giftküche machen und einen "Weinkrieg" ausgelöst haben, wie die Regionalzeitung Midi Libre schrieb. Die Tüten sind mit hell-, dunkel- und rötlich-braunem Inhalt gefüllt. Mal ist dieser fein gemahlen wie Kaffeepulver, mal geraspelt wie Sägespäne, mal klobig wie Schokoriegel. French oak" steht englisch darauf. Es handelt sich um getoastete Eichenchips aus Frankreich, die nur für den Export bestimmt sind. In Frankreich, dem immer noch mit Abstand größten Weinexporteur in der Welt, sind die im Vergleich zu Eichenfässern wesentlich günstigeren Holzsplitter trotz der sich seit Jahren zuspitzenden Wein-Krise verpönt. Offiziell darf man die aromatisierenden Chips, die man in überdimensionalen Teebeuteln in Weintanks legt, in Europa nur für den "experimentellen Gebrauch" nutzen. Daran hält sich Glangetas selbstverständlich auch. Der Produktionschef der Domaine de La Baume bei Béziers im südfranzösischen Languedoc-Roussillon ist aber der einzige von vielen kontaktierten Weinproduzenten, der sich dazu bekennt, "Wein auf die australische Art" herzustellen. Das heißt, das Getränk dem Massengeschmack anzupassen. Noch gilt Glangetas deswegen in Südfrankreich als Paria. Doch schon bald könnte er zur Avantgarde zählen. Denn mit dem Abkommen, das die USA und die EU im Dezember 2005 schlossen und das im März in Kraft trat, darf sich die Weinherstellung in Europa grundlegend wandeln. Eichenchips oder auch Eichenhölzer in Balkengröße, in den USA, Australien und Südafrika schon seit Jahrzehnten in Gebrauch, dürfen nun auch in Europa verwendet werden. Angst vor dem Dammbruch Das krisengeschüttelte Weinland Frankreich will die Aroma-Splitter als eines der ersten Länder in Europa "in Kürze" erlauben, kündigte Landwirtschaftsminister Dominique Bussereau vorige Woche an. Für Frankreich sind die Holzspäne der wichtigste Teil eines millionenschweren Aktionsplans zu Rettung des gebeutelten Wirtschaftszweiges, an dem 600.000 Arbeitsplätze hängen. Hinter den Kulissen wird derzeit nur noch über die Frage gestritten, für welche Art von Weinen die Chips zugelassen werden sollen. Nur für Land- und Tafelweine oder auch für Qualitätsweine der Appellation d'Origine Contrôlée (AOC)?Eine heftig umstrittene Glaubensfrage, könnte man meinen.
Frankreichs Weinproduzenten stecken in der Krise. Die Politik hat einen umstrittenen Plan vorgelegt, der den Bruch mit Tabus erzwingt.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/weinherstellung-eichenspaene-statt-barrique-faesser-1.917637
Weinherstellung - Eichenspäne statt Barrique-Fässer
00/05/2010
Es ist absehbar, dass die Telekom auf bestimmte Werbeeinnahmen verzichten muss. Denn nach der Entscheidung des Deutschen Patent- und Markenamtes, die Marke "Gelbe Seiten" zu löschen, wird es mittelfristig wohl keine Telefon- und Branchenadressbücher mehr geben. Als die Telekom noch als Bundespost Fernmeldewesen firmierte, da wäre wohl niemand auf die Idee gekommen, ihr das de facto-Monopol der Gelben Seiten streitig zu machen. Nur allzu natürlich erschien der enge Datenverbund zwischen dem alleinigen Betreiber des Telefonnetzes einerseits und den regionalen Adressbuchverlagen andererseits. Dementsprechend einvernehmlich teilte man sich über Jahrzehnte hinweg die üppigen Werbeeinnahmen. Informatives Web Mit dem Vordringen des Internets war dieser Friede vorbei, denn das Web bietet ungleich mehr an Information als die jährlich kostenlos unter das Telefonvolk gestreuten Gelben Seiten mit einer Auflage von mehr als einhundert Millionen Exemplaren. Der Internet-Surfer muss heute nur noch seinen Standort eingeben und schon sprudeln alle lokalen Informationen, die er benötigt. Wenn jetzt die Online-Anbieter künftig noch stärker bei den Werbeeinnahmen der Telefonbuchverlage abzocken können, indem sie auch vom Image der Gelben Seiten profitieren, dann kann sich die Telekom langsam, aber sicher von ihren Pfründen im Printbereich verabschieden. Einfach unschlagbar Sowohl Telefon- als auch Branchenadressbücher dürfte es mittelfristig kaum noch geben. Man mag das bedauern, aber das Internet ist hier einfach unschlagbar.
Es ist absehbar, dass die Telekom auf bestimmte Werbeeinnahmen verzichten muss. Denn nach der Entscheidung des Deutschen Patent- und Markenamtes, die Marke "Gelbe Seiten" zu löschen, wird es mittelfristig wohl keine Telefon- und Branchenadressbücher mehr geben.
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Telekom - Verlorene Pfründe
00/05/2010
Der Börsengang der Internet-Firma Google ist voller Pannen - und könnte doch zum Vorbild werden. Fast kann man sich darauf verlassen - auf die tägliche Panne beim Börsengang von Google. Die weltberühmte Suchmaschine hat ihren Weg an die amerikanische Computerbörse Nasdaq noch immer nicht gefunden; kurz vor dem geplanten Handelsbeginn hat die Börsenaufsicht SEC in New York dem Unternehmen die Registrierung verweigert; normalerweise ist dies eine reine Formalie. Doch bei Google ist eben vieles nicht normal. Vor allem der Dilettantismus der jugendlichen Firmengründer Larry Page und Sergey Brin sucht seinesgleichen. Lachnummer Mal gefährdeten sie durch ein Interview im Playboy die Börsenzulassung, mal vergaßen sie jahrelang, Aktien ordnungsgemäß zu registrieren, mal hakt es bei der Anmeldung der institutionellen Bieter. Der ambitionierteste Börsengang der Internet-Ära wird zur Lachnummer, bespöttelt von vielen Großinvestoren, die lauthals verkünden, dass sie ihre Finger von Google lassen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Nichts würde institutionelle Anleger und Investmentbanken mehr freuen als ein Scheitern des Milliarden-Experiments. Schließlich sind die Finanzhäuser die Herren über das Verfahren, wenn sie, wie allgemein üblich, die Firmen an die Börse bringen: Sie halten den Ausgabepreis oft künstlich niedrig, wodurch die Nachfrage das Angebot weit übersteigt. Gutsherrenart Das erlaubt es ihnen, die begehrten Papiere nach Gutsherrenart zuzuteilen, vorzugsweise an ihnen genehme institutionelle Anleger. Diese können sich dann freuen, wenn der Kurs bei der Erstnotiz nach oben schnellt; auch die Banken profitieren, denn sie nehmen neben einer üppigen Provision Geld aus dem Verkauf der Zeichnungsreserve ein. Den Schaden haben die Kleinanleger, die meist leer ausgehen - und die Börsenkandidaten selbst, die sich zu schlecht bewertet sehen. Ganz anders, wenn die Aktien, wie im Falle Google, versteigert werden. Hier wechseln die Aktien den Besitzer zum Marktpreis; wer ihn zahlen will, bekommt die gewünschten Papiere. Deshalb ist eine Versteigerung viel fairer und Kleinanleger-freundlicher. Mit mehr Geschick hätte Google den Boden für eine Börsen-Revolution bereiten können. Wäre alles glatt gegangen, hätten sich vielleicht auch andere Börsenkandidaten gegen den Widerstand der Banken für eine Aktienversteigerung stark gemacht. Kartell der Finanzprofis Doch der kuriose Hindernislauf an die Nasdaq taugt nicht als Vorbild. Schade. Eine Auktion ist zwar, vor allem beim ersten Großversuch, ein organisatorischer Alptraum, sie passt aber viel besser in eine Marktwirtschaft als das alte Kartell der Finanzprofis. Und sie muss auch nicht schief gehen - nicht einmal bei Google. Die Suchmaschine hat nun offenbar einen markträumenden Preis zwischen 85 und 95 Dollar gefunden ; das scheint im Vergleich zu anderen Internet-Firmen ein angemessener Wert. Wenn die Börse das genauso sieht und der Kurs nicht am ersten Tag abstürzt, dann ist das milliardenschwere Experiment trotz aller Pannen geglückt.
Der Börsengang der Internet-Firma Google ist voller Pannen - und könnte doch zum Vorbild werden.
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Kommentar - Die verschobene Revolution
00/05/2010
Der Lebensmittelkonzern übernimmt den Getränkekonzern Brau und Brunnen und weist damit ausländische Bierkonzerne in ihre Schranken. Mit einem Marktanteil von 15 Prozent entsteht der neue Branchenprimus. Mit einem Marktanteil von 15 Prozent entsteht ein neuer Marktführer noch vor der belgischen Interbrew, die Becks sowie die Münchner Traditionsbrauereien Spaten, Franziskaner und Löwenbräu übernommen hatte. "Die Oetker Gruppe bildet damit für die hiesigen Brauereien einen Gegenpol zum Verkauf an das Ausland und betont mit diesem Schritt ihr Engagement zum Erhalt und Ausbau der einzigartigen deutschen Bierkultur", sagte der Oetker-Generalbevollmächtigte Ulrich Kallmeyer in Frankfurt am Main. Ziel 75 Prozent Der Lebensmittelkonzern Oetker, zu dem die Radeberger Gruppe mit Marken wie DAB, Binding, Clausthaler und Berliner Kindl gehört, will der HypoVereinsbank für ihren Anteil von knapp 62 Prozent an Brau und Brunnen rund 220 Millionen Euro zahlen. Den anderen Aktionären wird ebenfalls 80 Euro je Aktie geboten. Ziel sei ein Anteil von mindestens 75 Prozent. Der Preis entspricht laut Kallmeyer einem Unternehmenswert von 359 Millionen Euro zuzüglich Schulden sowie Pensionsverbindlichkeiten von 225 Millionen Euro. Die HypoVereinsbank hatte seit längerem einen Käufer für den Dortmunder Braukonzern gesucht, zu dem unter anderem die Marken Jever, Schultheiss, Dortmunder Union und Schlösser Alt gehören. Erst im Dezember waren Gespräche mit dem US-Beteiligungsunternehmen One Equity Partners über einen Verkauf des lange Zeit rote Zahlen schreibenden Braukonzerns gescheitert. Kernmarkt Bier "Bier ist ein Kernmarkt von Oetker. Und Pils passt prima zu Pudding und Pizza", betonte Kallmeyer. Zugleich werde der Kauf, dem das Bundeskartellamt noch zustimmen muss, die Flotte der Marken von Brau und Brunnen in einen "sicheren Hafen" führen. Es entsteht den Angaben zufolge ein Getränkeriese mit einem addierten Umsatz von 1,5 Milliarden Euro sowie einer Produktion von 14,8 Millionen Hektoliter Bier und 5,7 Millionen Hektoliter Mineralwasser. Zur Frage nach einem möglichen Arbeitsplatzabbau wollte sich Kallmeyer nicht äußern. Aussagen dazu wären derzeit nicht seriös. Er wies aber darauf hin, dass sich seit der Einführung des Zwangspfandes auf Dosen in den Produktionsstätten in Berlin und Dortmund die Situation völlig verändert habe. Brau- und Brunnen-Chef Michael Hollmann ergänzte, das Unternehmen habe dort für Mehrweg zu wenig Kapazitäten. Zugleich betonte Kallmeyer, dass der jeweilige Vorstand die Geschäfte wie bisher weiterführe. "Deutsche Bierkultur"Wichtiger als die Frage nach Synergien und Posten sei ohnehin die Tatsache, dass unter dem strategischen Motto "Deutsche Bierkultur" eine echte Alternative zum bisherigen Vordringen der internationalen Wettbewerber in Deutschland geschaffen werde, sagte der Oetker-Generalbevollmächtigte. Nach seiner Einschätzung hat das Zwangspfand auf Dosen den deutschen Biermarkt im vergangenen Jahr das Vordringen ausländischer Konzerne erleichtert. "Es stellte eine Einflugschneise für die Übernahme der Brauereien her, die aufgrund ihrer Einweglastigkeit die Krise des Marktes nicht bewältigen konnten", sagte Kallmeyer. Der Manager geht davon aus, dass der deutsche Biermarkt auch im kommenden Jahr noch einmal um drei Prozent schrumpfen wird. Der Wettbewerb werde daher noch härter.
Der Lebensmittelkonzern übernimmt den Getränkekonzern Brau und Brunnen und weist damit ausländische Bierkonzerne in ihre Schranken. Mit einem Marktanteil von 15 Prozent entsteht der neue Branchenprimus.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/deutscher-biermarkt-man-trinke-dr-oetker-1.899828
Deutscher Biermarkt - Man trinke Dr. Oetker
00/05/2010
Die Bundesregierung glaubt nicht mehr, dass die Bahn ihre Sanierungsziele rasch erreichen wird. Der Transportkonzern soll daher in dieser Legislaturperiode nicht mehr an die Börse gebracht werden. Als Termin zeichnet sich frühestens das Jahr 2007 ab. (SZ vom 03.09.03) - Die rot-grüne Bundesregierung will in den kommenden drei Monaten über die Zukunft des Staatsunternehmens Deutsche Bahn (DB) entscheiden. Mehrere Arbeitsgruppen, an denen neben den Ressorts Finanzen, Verkehr und Wirtschaft auch DB-Manager und externe Experten beteiligt sind, prüfen derzeit die wirtschaftlichen Perspektiven des Transportkonzerns und den Stand der Bahnreform. "Dabei geht es um viele Detailfragen", sagt ein Sprecher des federführenden Bundesverkehrsministeriums. Der Zeitplan sieht vor, dass die Beratungen erst im November abgeschlossen sein werden. Doch bereits jetzt zeichnet sich ein wichtiges Ergebnis ab. Europas größter Transportkonzern soll nach Informationen der Süddeutschen Zeitung in dieser Legislaturperiode, die 2006 endet, nicht mehr an die Börse gebracht werden. Statt dessen läuft alles auf das Jahr 2007 oder sogar auf 2008 zu. Rückschlag für Mehdorn Für Bahnchef Hartmut Mehdorn ist dies ein Rückschlag. Der Vorstandsvorsitzende hatte wiederholt beim Eigentümer Bund dafür geworben, die DB Anfang 2005 an den Kapitalmarkt zu bringen. Sein Plan sah vor, im ersten Schritt Anteile von bis zu 20 Prozent an institutionelle Anleger zu verkaufen. So sollte zusätzliches Kapital in Milliardenhöhe beschafft und eine größere Unabhängigkeit von der Politik erreicht werden. "Dies mag der Wunsch von Herrn Mehdorn sein", sagt der Sprecher des Verkehrsministeriums. Die Entscheidung über einen Teilverkauf treffe jedoch allein der Eigentümer. In diesem Punkt haben Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe und Bundesfinanzminister Hans Eichel (beide SPD) nun eine gemeinsame Linie gefunden. Ein schneller Börsengang ist kein Thema mehr. Vielmehr sei entscheidend, dass die Geschäftszahlen und das Image der Bahn stimmten, verlautete aus dem Finanzministerium. Dramatische Umsatzeinbrüche Damit spielen die Ministerialen auf die Pleite beim neuen Preissystem an, das der Deutschen Bahn im ersten Halbjahr wütende Kundenproteste und dramatische Umsatzeinbrüche im Personenfernverkehr beschert hat. Ursprünglich hatte das Finanzministerium eine rasche Teilprivatisierung der Bahn favorisiert. Ein wesentlicher Teil der Erlöse sollte dann dem strapazierten Bundeshaushalt zugute kommen. Die schleppende Sanierung der Bahn, anhaltende Verluste und gravierende Fehler des DB-Managements bei der Preisreform haben jedoch zu einem Meinungsumschwung geführt. "Wenn man Aktien an der Börse verkaufen will, dann müssen sie auch einen vernünftigen Kurs bringen", hieß es im Finanzministerium. Offenbar wirkt in Eichels Ministerium noch der umstrittene dritte Börsengang der Deutschen Telekom nach. Viele Kleinaktionäre kauften damals zu hohen Preisen und zu Gunsten der Bundeskasse Telekom-Aktien und mussten bald hohe Kursverluste hinnehmen. Dies wurde dann der Bundesregierung und vor allem dem Finanzminister angelastet. Wahlkampf 2006 Eine weiteres Motiv für die gebremsten Börsenpläne dürfte der Bundestagswahlkampf im Jahr 2006 sein. Zum einen will es die rot-grüne Regierung vermeiden, die meisten der 250.000 Bahnbeschäftigten und ihre Angehörigen gegen sich aufzubringen, die einem Teilverkauf skeptisch gegenüber stehen. Zum anderen muss der Bundesrat dem Börsengang der DB zustimmen. Die unionsdominierte Länderkammer würde diesen Schritt allein schon aus wahltaktischen Gründen öffentlichkeitswirksam blockieren, befürchtet die Regierung. Zudem gibt es innerhalb der Koalition erhebliche Widerstände. So lehnen die Grünen eine Privatisierung des gesamten Bahnkonzerns strikt ab und verweisen auf den Koalitionsvertrag. "Das Schienennetz gehört wie die Straßen zum Kernbereich der öffentlichen Infrastruktur und muss vollständig im Besitz des Staates bleiben", sagte der verkehrspolitische Sprecher der Grünen, Albert Schmidt. Es drohten sonst weitreichende Streckenstilllegungen und Verhältnisse wie bei den englischen Eisenbahnen. Die Bahngewerkschaft Transnet zeigte sich zufrieden mit den neuen Berliner Plänen. "Ein Börsengang im Jahr 2005 wäre völlig verfrüht", sagte Gewerkschaftschef Norbert Hansen.
Die Bundesregierung glaubt nicht mehr, dass die Bahn ihre Sanierungsziele rasch erreichen wird. Der Transportkonzern soll daher in dieser Legislaturperiode nicht mehr an die Börse gebracht werden. Als Termin zeichnet sich frühestens das Jahr 2007 ab.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/schleppende-sanierung-boersengang-der-bahn-verschoben-1.903538
Schleppende Sanierung - Börsengang der Bahn verschoben
00/05/2010
Der VW-Manager Bernd Pischetsrieder soll nach seiner Ablösung das Zusammengehen der beiden Lkw-Hersteller MAN und Scania voranbringen. Dies sei eine seiner künftigen Sonderaufgaben, erfuhr die Süddeutsche Zeitung aus Aufsichtsrats-Kreisen von VW. Der Volkswagen-Konzern hatte nach der außerordentlichen Sitzung des Präsidiums seines Aufsichtsrates in einer Pflichtmitteilung lediglich das einvernehmliche Ausscheiden seines Vorstandsvorsitzenden Bernd Pischetsrieder zum Jahresende bekanntgegeben. Detailansicht öffnen Der schwedische LKW-Konzern lehnt das Übernahmeangebot von MAN über gut zehn Milliarden Euro als zu niedrig zurück. Nun soll Pischetsrieder in der schwierigen Situation behilflich sein. (Foto: Foto: dpa) Noch am selben Abend drang jedoch aus dem Gremium an die Öffentlichkeit: "Wir haben intern miteinander besprochen, dass er für Sonderaufgaben zur Verfügung steht." Dabei soll es sich nach Informationen der Süddeutschen Zeitung um die Aufgabe handeln, die Nutzfahrzeug-Firmen MAN und Scania aus der schwierigen Situation zu führen, in der sie nach der Übernahmeofferte von MAN für Scania stecken. Ein Konzernsprecher von Volkswagen lehnte eine Stellungnahme dazu ab: "Wir kommentieren das nicht." Sowohl der schwedische Lkw-Konzern als auch sein Aktionär Investor, eine Finanzgesellschaft der Industriellenfamilie Wallenberg, weisen das Angebot von MAN für Scania über gut zehn Milliarden Euro als zu niedrig zurück. Volkswagen ist Großaktionär sowohl bei Scania wie auch neuerdings bei MAN und hat den beiden Unternehmen bis zum Freitag nächster Woche eine Frist für eine gütliche Einigung gesetzt. Betriebsrat lobt Winterkorn Bernd Pischetsrieder ist als Aufsichtsratsvorsitzender bei Scania stark in den Übernahmekampf involviert. Dieser hatte durch unbestätigte Berichte an Brisanz gewonnen, wonach MAN beabsichtigt, seinerseits Aktien von VW zu erwerben. Ein dritter Großaktionär würde zwar von dem niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff (CDU) als Gegengewicht zu Porsche begrüßt werden, wäre dem Sportwagenhersteller als Familienfirma von VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch aber keinesfalls willkommen. Dies war auch Gegenstand der Sitzung am Dienstag, die mit der Ablösung von Pischetsrieder an der Konzernspitze durch Audi-Chef Martin Winterkorn endete, wie es in den Kreisen heißt. Winterkorn könnte sich voll auf die im Gang befindliche Sanierung der Kernmarke VW und die Entwicklung neuer Automodelle konzentrieren, wenn sich Pischetsrieder weiterhin um MAN und Scania kümmern würde. Solange Pischetsrieder nach seiner Demission als Vorstandsvorsitzender weiter für Volkswagen arbeitet, erhält er auch keine Abfindung. Über deren Höhe ist in der Boulevardpresse bereits heftig spekuliert worden. Der Sprecher von Aufsichtsrats-Vize Jürgen Peters, dem Vorsitzenden der IG Metall, erklärte: "Von einer Abfindung ist uns nichts bekannt." Auf Winterkorn warten schwierige Arbeiten Der vom Aufsichtsrat erst im Mai auch unter Mitwirkung von Peters beschlossene Vorstandsvertrag läuft früheren Angaben zufolge von Mai 2007 bis Mai 2012 und hat einen Wert von 14,2 Millionen Euro - wenn weiterhin die Vergütung in der Höhe wie für das Geschäftsjahr 2005 gezahlt werden würde. Das ist keineswegs sicher. Denn der fixe Anteil der Bezüge von Pischetsrieder betrug für das vergangene Jahr nur 835.074 Euro. Hinzu kam eine variable Vergütung von zwei Millionen Euro. Der größere Teil seines Einkommens war also erfolgsabhängig. Es ist daher nicht sicher, dass dieser Teil weiterhin so hoch sein wird wie als Vorstandsvorsitzender. Auf den künftigen VW-Konzernchef Martin Winterkorn warten schwierige Aufgaben. Er muss den Sanierungsprozess in den westdeutschen Werken von VW mit ihren 100.000 Beschäftigten fortsetzen. Die Belegschaft hat sich zu unbezahlter Mehrarbeit bereit erklärt und arbeitet wieder an fünf statt bisher vier Tagen pro Woche. Nach dieser Vorleistung warten die Mitarbeiter nun auf kostengünstiger herzustellende Autos und die bessere Organisation der Produktion. Rücktritt als VDA-Vize Die nächste Sparrunde kommt in den westeuropäischen Werken, aber auch in Brasilien. Winterkorn muss zudem die Absatzprobleme in Nordamerika sowie China lösen und dafür sorgen, dass die spanische VW-Tochter Seat wieder Gewinne macht. Schließlich nähert sich der Prozess gegen den früheren Personalvorstand Peter Hartz. Dann wird der Skandal um Schmiergelder, Sexpartys und Lustreisen für Betriebsräte noch einmal für Schlagzeilen sorgen. Die Unterstützung der Arbeitnehmervertreter scheint Winterkorn sicher zu sein. Der Volkswagen-Konzernbetriebsrat sieht in ihm einen "adäquaten Nachfolger" für Pischetsrieder. Winterkorn habe als Audi-Vorstandsvorsitzender "unter Beweis gestellt, dass er in der Lage ist, eine erfolgreiche Produktpolitik voranzutreiben", teilte der Betriebsrat mit. Außerdem habe er gezeigt, "dass er ein Unternehmen nachhaltig zukunftsfähig aufstellen kann". Der Wechsel an der VW-Spitze von Pischetsrieder zu Winterkorn nimmt bereits vor der Bestellung des Audi-Vorstandsvorsitzenden zum VW-Konzernchef durch den Aufsichtsrat bei seiner nächsten turnusmäßigen Sitzung am 17. November konkrete Gestalt an: Am Donnerstag gab Pischetsrieder sein Mandat als Vizepräsident des Verbandes der Automobilindustrie zurück. Nachfolger in dieser Funktion wird aber nicht Winterkorn sondern DaimlerChrysler-Chef Dieter Zetsche.
Der VW-Manager Bernd Pischetsrieder soll nach seiner Ablösung das Zusammengehen der beiden Lkw-Hersteller MAN und Scania voranbringen. Dies sei eine seiner künftigen Sonderaufgaben, erfuhr die Süddeutsche Zeitung aus Aufsichtsrats-Kreisen von VW.
wirtschaft
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Sonderaufgabe nach Ablösung als VW-Chef - Pischetsrieder soll MAN und Scania fusionieren
00/05/2010
Das Tribunal war bereitet: Bei Anne Will sollte Eon-Chef Bernotat erklären, wie der Stromkonzern Kasse macht. Daraus wurde nichts - aber es war ganz lustig. Als Wulf Bernotat vor wenigen Wochen via Bild posaunte, Strom in Deutschland sei viel zu billig, ging ein Aufschrei durch die Republik. Was dieser Herr, Chef des größten heimischen Versorgers Eon, sich einbilde. Eine Frechheit. Detailansicht öffnen Journalistisches Gegenstück zu Sabine Christiansen? Anne Will ließ ihrem Gast Wulf Bernotat so einiges durchgehen. (Foto: Foto: dpa) Die Gazetten streckten den Stoff über mehrere Tage, Bild-Leser empörten sich bitterlich - und Bernotat ruderte schlussendlich halbherzig zurück. In einem offenen Brief nuschelte er eine Art "Sorry". Dass Bernotat die Legende vom billigen Strom nicht einfach so dahergesagt hatte, zeigte sich in der vergangenen Woche. Nonchalant gab Eon bekannt, zum Jahresbeginn 2008 müsse man die Preise für Strom und Gas leider anheben, um bis zu zehn Prozent. Schön krawallig Aufreger plus Buhmann - die perfekte Mischung für eine Talkshow, dachten sich wohl die Macher der ARD-Polit-Runde "Anne Will". "Preise unter Strom" hieß das Motto am Sonntagabend, "Wie Energiekonzerne Kasse machen". Schön krawallig. Vier gegen einen, registrierte der geneigte Verbraucher auf dem heimischen Sofa vergnügt, Herr Bernotat sah sich einem Ensemble von Gegnern gegenüber: Grünen-Fraktionsvize Bärbel Höhn, deren Forderung "Enteignet Eon" Will in der Vorstellungsrunde zitierte. Daneben Claudia Kemfert, dauerpräsente Energie-Professorin aus Berlin, Ursula Sladek, die im Schwarzwald Ökostrom verkauft und Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU). Um es vorwegzunehmen: Der Versuch, Herrn Bernotat zu entlarven, schlug gründlich fehl. Nach einer Viertelstunde Talk appellierte Moderatorin Will fast schon flehentlich: "Wir wissen immer noch nicht, ob der Preisanstieg gerechtfertigt ist." Bernotat, blass, monotoner Singsang in der Stimme, verwies darauf, es gebe einen Markt für Strom, ablesbar an der Leipziger Strombörse. Dort seien die Preise gestiegen, Eon orientiere sich daran. Punkt. Kluge Talkshow-Strategie: Klappe halten Seine Gegenüber sprachen davon, dass Eon viel billiger produzieren könne, sie sprachen von Verschmutzungsrechten, von Abschreibungen, die dem Konzern zupasskämen. Für den Laien eine ziemlich schwere Kost. Bernotat agierte klug: Er schwieg weitgehend. Als die Rede auf das Monopol kam, das vier Energiekonzerne in Deutschland bei Produktion und Netz de facto besitzen, wich Bernotat aus: Es gebe fast 900 Anbieter für den Endkunden, also den Verbraucher. Anne Will ließ das durchgehen. Warum Eon die Preise jetzt stark anziehen muss - es blieb im Dunkeln. Langsam wurde es peinlich für die Moderatorin, angetreten als journalistisches Gegenstück zur stets Mitleid heischenden Sabine Christiansen. Ob Herr Bernotat mit seinen drei Konkurrenten RWE, Vattenfall und EnBW telefonisch die Strompreise abspreche, wollte Will wissen. Na klar: Der Chef des - nach Börsenwert - größten deutschen Konzerns setzt sich am Sonntag ins Fernsehen und gibt verbotene Preisabsprachen zu. Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum der Talk am Schluss kabarettistische Züge annahm.
Das Tribunal war bereitet: Bei Anne Will sollte Eon-Chef Bernotat erklären, wie der Stromkonzern Kasse macht. Daraus wurde nichts - aber es war ganz lustig.
wirtschaft
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Bernotat bei Anne Will - Talkshow-Queen unter Strom
00/05/2010
Fast beiläufig verliert die Deutschlands zweitgrößte Bank ihre Selbstständigkeit. Die Öffentlichkeit beschäftigt sich lieber mit Josef Ackermann und der Standortpolitik der Deutschen Bank. Die Mailänder Bank Unicredit kauft die Münchner HypoVereinsbank für voraussichtlich 15 Milliarden Euro - die größte grenzüberschreitende Bankenfusion, die es je gegeben hat. Detailansicht öffnen Eingang zu einer Filiale der HypoVereinsbank in Frankfurt. (Foto: Foto: AP) Doch die Wahrnehmung der deutschen Öffentlichkeit ist seltsam verschoben. Josef Ackermann, der Chef der letzten heimischen Bank von internationalem Rang, wird zum Buhmann, weil er, wie nachhaltig auch immer, diesen Rang erhalten möchte. Die anhaltende Krise um die HVB dagegen, der Verlust an Substanz und der Verkauf selbst interessieren niemanden. Übernahme durch Banken-Neuling Zwar kann das Milliardengeschäft noch scheitern, trotzdem markiert die Zustimmung der Aufsichtsgremien zur Übernahme eine Zäsur. Es ist der Abschied von einem Stück Geschichte, und den exekutiert ausgerechnet ein italienischer Banken-Neuling, den bis vor kurzem noch niemand kannte. Die deutschen Großbanken - von der Deutschen über die Dresdner bis zur Vereins-, der Commerz- und der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank - wurden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit klaren industriepolitischen Motiven gegründet: Sie sollten den Ausbau der deutschen Industrie begleiten und diese von den englischen Banken unabhängig machen. Bei der industriepolitischen Orientierung blieb es: Die Banken finanzierten den Wiederaufbau und die Exporterfolge der Bundesrepublik. Noch vor 15 Jahren mischten sie ganz oben in der Weltrangliste mit. Doch dann kam ein dramatischer Abstieg. Heute hat die Dresdner ihre Selbstständigkeit verloren, die HVB folgt ihr und bei der Commerzbank scheint der Verkauf nur noch eine Frage der Zeit. Selbst die Deutsche Bank könnte übernommen werden. Keine deutschen Mitspieler Der Niedergang des deutschen Kreditwesens hat etwas sehr Beklemmendes an sich: In ihm spiegelt sich die Krise des ganzen Landes. Es ist nicht schlimm, wenn eine deutsche Bank in den Besitz einer ausländischen kommt, das gehört zur internationalen Arbeitsteilung und zum europäischen Binnenmarkt. Schlimm ist es, dass es in dem Spiel keine aktiven Mitspieler aus Deutschland mehr gibt. Es ist wie in Politik und Wirtschaft überhaupt: Draußen hat sich die Welt verändert, aber die Deutschen haben den Wandel verschlafen. Überall sind in den neunziger Jahren neue, dynamische Banken von internationalem Rang entstanden: in Großbritannien, Amerika, Spanien, Italien - nur eben nicht in Deutschland. Eine gewisse Ausnahme ist die Deutsche Bank, aber die ist verhasst und deren wichtigste Geschäfte werden von London aus geführt. Der Fall HVB ist dabei ein Lehrstück der besonderen Art. Schon 2001 verhandelten die Mailänder und die Münchner miteinander, damals waren HVB und Unicredit ungefähr gleich viel wert, heute kommt die italienische Bank fast auf den doppelten Börsenwert, was bedeutet, dass die Aktionäre ihr für die Zukunft doppelt so viel zutrauen wie der HVB.
Fast beiläufig verliert die Deutschlands zweitgrößte Bank ihre Selbstständigkeit. Die Öffentlichkeit beschäftigt sich lieber mit Josef Ackermann und der Standortpolitik der Deutschen Bank.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/zaesur-deutschland-ohne-banken-1.901962
Zäsur - Deutschland ohne Banken
00/05/2010
Der Medienkonzern will neue Wachstumsfelder erschließen. "Wir erwarten, dass wir 2004 in jedem Geschäftsfeld einen höheren operativen Gewinn vor Abschreibungen erzielen, mit der einzigen Ausnahme des Filmgeschäfts". (SZ vom 12.1.2004) — Das erklärte Unternehmenschef Richard Parsons in New York. Auch für den angeschlagenen Internetdienst AOL würde ein zweistelliges Gewinnwachstum angestrebt, sagte Parsons auf einer von der Investmentbank Citigroup organisierten Fachkonferenz in Phoenix/Arizona. Problemfall weniger Der weltgrößte Medienkonzern halte dabei auch nach Akquisitionen Ausschau, sagte Parsons. "Es ist Zeit, das Teleskop zu schwenken und wieder nach Wachstumsmöglichkeiten zu schauen." Time Warner hat im November seine Musiksparte für 2,6 Milliarden Dollar an eine Investorengruppe verkauft und damit einen Problemfall weniger. Das Musikgeschäft schrumpft. Raubkopien im Internet machen das Geschäft zunehmend schwierig. Dagegen will sich Time Warner in Zukunft auf Internetdienste sowie das Fernseh- und Filmgeschäft konzentrieren. Erwartungen gebremst Vorgespräche mit dem Filmstudio Metro-Goldwyn-Mayer Inc (MGM) über die Möglichkeit einer Fusion kommen jedoch offenbar nicht so rasch voran wie geplant. "Ich würde den Gerüchten nicht so viel Glauben schenken", bremste Parsons die Erwartungen der Börsianer. Insider gehen allerdings davon aus, dass die Verhandlungen weiterlaufen. Bei einem Erfolg würde es zu einer Vereinigung des weltgrößten Medienunternehmens mit dem Hollywood-Studio kommen, das einen der wertvollsten Filmbestände besitzt. Wie es an der Wall Street heißt, müsse über Preise, Strukturen und andere Details noch intensiv verhandelt werden, sodass ein Abschluss nicht vor Frühjahr dieses Jahres erfolgen könne. Neuausrichtung Time Warner will nach Worten Parsons die Internet-Sparte AOL neu ausrichten. "Wir müssen AOL zu einem Produkt machen, das die Kunden auch dann kaufen, wenn sie über einen anderen Anbieter Zugang ins Internet bekommen", sagte Parsons vor kurzem in einem Interview. Um sich als Premium-Angebot zu etablieren, müsse AOL anfangs Inhalte wie Nachrichten oder Musik zukaufen. Ergänzt werden solle dies durch "kleine, exklusive Extrazusätze" wie Anti-Viren- oder Anti-Spam-Programme. Time Warner hat zudem in den USA den Start eines Internet-Billigangebots angekündigt, das monatlich 9,95 Dollar kosten soll. Damit soll der Vormarsch von Discountern wie United Online gestoppt werden, der in den ersten neun Monaten 2003 seine Kundenzahl um fast 50 Prozent auf 2,7 Millionen steigerte. Schwacher Werbemarkt Der Internetdienst AOL hat mit einem schwachen Werbemarkt, aber auch mit rückläufigen Abonnentenzahlen zu kämpfen. Die Werbeeinnahmen waren im dritten Quartal 2003 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 33 Prozent eingebrochen. Außerdem verlor AOL verglichen mit dem zweiten Quartal 688 000 Abonnenten. Der Onlinedienst hatte zum Quartalsende nur noch 24,7 Millionen US-Nutzer. Hauptursache waren die Kundenabwanderung zu billigeren Anbietern und die wachsende Konkurrenz durch Telekommunikations-Gesellschaften, die High-Speed-Internetdienste anbieten. Der Konzern Time Warner hat das Kürzel AOL im Oktober aus seinem Namen gestrichen. Positiv beurteilt Parsons die Entwicklung der TV-Kabelsparte. Sie werde wahrscheinlich in den kommenden drei bis fünf Jahren bei Umsatz und Ertrag zweistellige Zuwachsraten erzielen. Auch einen Börsengang der Kabelsparte schloss der Time-Warner-Chef nicht aus. Umsatzsteigerung Um mehr Kunden zu gewinnen, will der Konzern über sein Kabel-System einen USA-weiten Telefon-Service anbieten. In den ersten neun Monaten 2003 steigerte Time Warner den Umsatz auf 31 Milliarden Dollar, nach 30 Milliarden im Vorjahr. Time Warner verdiente zwei Milliarden Dollar. Für das Gesamtjahr wird eine Umsatzsteigerung im mittleren einstelligen Prozentbereich erwartet. Zum Konzern gehören AOL, Kabelfernsehkanäle wie CNN, Turner Broadcasting und HBO, das US-Kabelfernsehsystem, Filmstudios wie Warner Bros. sowie die Verlagssparte mit Magazinen wie Time und Fortune.
Der Medienkonzern will neue Wachstumsfelder erschließen. "Wir erwarten, dass wir 2004 in jedem Geschäftsfeld einen höheren operativen Gewinn vor Abschreibungen erzielen, mit der einzigen Ausnahme des Filmgeschäfts".
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/medienkonzern-auf-expansionskurs-time-warner-wird-neu-ausgerichtet-1.898035
Medienkonzern auf Expansionskurs - Time Warner wird neu ausgerichtet
00/05/2010
Die Songs von den Rolling Stones oder Coldplay im Internet frei von Kopierbeschränkungen - dieser Traum vieler Musikfans wird wohl bald Realität, wenn es nach dem Computerhersteller Apple und der Musikfirma EMI geht. Bei iTunes gibt es wohl schon bald Songs von Top-Künstlern wie den Rolling Stones, Janet Jackson oder Norah Jones - und zwar frei von Kopierschutz. Der Grund dafür ist eine wegweisende Vereinbarung zwischen dem iTunes-Betreiber Apple und dem weltweit viertgrößten Musikkonzern EMI. Wie US-Zeitungen unter Berufung auf Verhandlungskreise berichten, umfasst die Kooperation fast den gesamten EMI-Katalog. EMI und Apple stellen die Vereinbarung am heutigen Montag in London. Musikriesen wie EMI oder Sony BMG hatten sich jahrelang erbittert gegen das unerlaubte Kopieren von Musiksongs gewehrt. Die jüngste Entscheidung von EMI wird nach Meinung von Branchenkennern erheblichen Druck auf den gesamten Online-Musikhandel haben. Experimentierfreudig "EMI gehörte in der Vergangenheit zu den expirementierfreudigen Major Labels und hat jetzt realisiert, dass das die Zukunft ist", sagte Radar Research-Analyst Aram Sinnreich gegenüber der Los Angeles Times. Der in London ansässige Musikkonzern folgt als erster dem Aufruf von Apple-Chef Steve Jobs, Songs im Internet ohne Kopierschutz zu verkaufen und auf das so genannte Digital Rights Management (DRM) zu verzichten. Der kalifornische Computerbauer Apple ist als Betreiber der Online-Musikbörse iTunes und als Hersteller des MP3-Players iPod in diesem Marktsegment sehr aktiv. Songs von Internet-Händlern wie iTunes sind bisher mit einem Kopierschutz versehen und können in der Regel nur fünf Mal auf eine andere CD oder Festplatte kopiert werden. Damit treten Probleme auf, wenn man beispielsweise einen neuen Computer kauft. Die Musikbranche hat jahrelang auf den Kopierschutz gesetzt, um das unerlaubte digitale Vervielfältigen von Musikdateien einzudämmen. Ohne Beatles Zumindest eine Ausnahme gibt es in der Vereinbarung. Von den Musikinterpreten des riesigen EMI-Katalogs wird eine Gruppe auch weiterhin nicht online verfügbar sein: Die Beatles. Das Beatles-Label Apple Corps Ltd. lieferte sich einen jahrelangen Streit mit dem Computerhersteller Apple Inc. (früher: Apple Computer Inc.) um die Verwertung des Namens und des Firmenlogos. Die im Februar 2007 erzielte Einigung zwischen Apple Corps Ltd. und Apple Inc. sieht vor, dass künftig der Computerhersteller alle Rechte an der Marke "Apple" und dem Apfellogo besitzen und dafür einige Nutzungsrechte von der Beatles-Plattenfirma Apple Corps Ltd. lizenzieren wird. Die Beatles-Verwertungsfirma nutzt als Logo einen grünen Apfel der Sorte Granny Smith. Für den Computerbauer hatte jahrelang ein vielfarbiger Apfel geworben. Inzwischen hat Apple Inc das Logo auf einen einfarbig grauen Apfel umgestellt. Gewaltige Nachfrage Gerade die Songs der Beatles gelten als besonderes "Schmankerl" für die Online-Stores von iTunes. Denn in den vergangenen Jahren hat sich ein gewaltige Nachfrage nach Beatles-Musik in digitaler Form aufgestaut. Etliche ältere Verbraucher über 40 Jahre könnten sich erstmals zu einem Online-Kauf durchringen, wenn Beatles-Songs in digitaler Form zugänglich gemacht würden. Dennoch gibt es für iTunes Hoffnung auf einen Auftritt von Paul McCartney, John Lennon, George Harrison und Ringo Starr. Bei der Präsentation des neuen Apple-Handy iPhone Anfang Januar auf der Macworld Expo in San Francisco spielte der Computerkonzern den Beatles-Song "Lovely Rita" ab, zudem schmückte das Plattencover des legendären Beatles-Albums "Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band" einen riesigen Monitor hinter Apple-Chef Jobs.
Die Songs von den Rolling Stones oder Coldplay im Internet frei von Kopierbeschränkungen - dieser Traum vieler Musikfans wird wohl bald Realität, wenn es nach dem Computerhersteller Apple und der Musikfirma EMI geht.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/emi-und-apple-einigen-sich-goodbye-kopierschutz-1.905760
EMI und Apple einigen sich - Goodbye, Kopierschutz
00/05/2010
Eine der bemerkenswerten Meldungen dieser Tage war die von der Genehmigung des reiskorngroßen "VeriChip". Dieser Chip darf von nun an Menschen in den Oberarm gespritzt werden, damit ihre Ärzte sie besser beobachten können. Doch das ist nur der erste Teil der Meldung. Das Unternehmen Applied Digital, das den neuen Orwell-Chip produziert, spricht von ganz anderen, viel größeren Absatzmärkten. Von der Chance etwa, den "VeriChip" Mitarbeitern von Kernkraftwerken für die Zugangskontrolle einzuspritzen oder Prominenten, um sie bei einer Entführung schnell zu finden. Kontrollen — überall Die New York Times erkennt eine neue, kraftvolle Branche, die sich nach dem 11. September 2001 mit mehrstelligen Wachstumsraten bemerkbar machte, und die nun auch für den "VeriChip" die große Chance ist: Der neue "Heimatschutz-Industriekomplex", die "Terrorbusters Inc". Sicherheit war in den neunziger Jahren ein Nischenprodukt, denn es passte nicht in die Zeit der Globalisierung, in die Welt des zunehmend freien Handels und der sich auflösenden Grenzen. Doch nun gibt es überall neue Kontrollen, an den Flughäfen, Grenzstationen und öffentlichen Gebäuden. Und die Unternehmen kommen kaum mehr nach mit den Bestellungen für neue Erkennungscomputer und Sprengsatzentschärferhilfen. Der demokratische Präsidentschaftskandidat John Kerry hat es zu einem der Hauptvorwürfe gegen den Präsidenten gemacht, dass es noch kein adäquates Kontrollsystem für Frachtcontainer aus dem Ausland gebe. Und das, obwohl Präsident George Bush die Ausgaben für Heimatschutzsicherheit seit 2001 auf 41 Milliarden Dollar nahezu verdoppelt hat; im laufenden Etat legte er noch einmal 15 Prozent nach. Elektronische Nasen Die Ansprüche an die Branche sind höher geworden. Früher beschränkte sich die Sicherheitsbranche weitgehend darauf, Schließsysteme zu stellen und Bodyguards und Sicherheitskräfte einzustellen. Heute ist daraus eine High-Tech-Branche geworden. Bo Dietl, der New Yorker Ex-Cop, der die größte Bodyguard-Firma in der Stadt aufgebaut hat, sagt, dass auch er nicht mehr ohne Computerexperten auskommt, die in der Lage sind, Personendaten zu überprüfen und die Echtheit von E-Mails. Unternehmen wie Cyrano entwickeln heute "elektronische Nasen" und vermarkten wie die US-Firma ImageWareSystems eine Produktlinie für "Biometrik und sichere Ausweiskontrolle". 3M Corporation, Erfinder der gelben Post-it-Sticker, hat den "Scotchshield Ultra Safety and Security Window Film" auf den Markt gebracht, der das Splittern von Fenstern verhindern soll, wenn ein Terrorist eine Bombe zundet. Trotzdem ist die Heimatschutzwirtschaft noch immer eine kleine Branche. Derzeit macht das Geschäft des Wirtschaftszweigs acht Zehntel am Bruttoinlandsprodukt aus, und erst wenn die Branche mehr als ein Prozent erreicht, sagt Mark Zandi, Chefökonom von Economy.com, wird es für die Konjunktur relevant. Dieser Punkt dürfte jedoch schnell erreicht sein, denn die Wachstumsrate ist nach Schätzungen des Internet-Newsletters CQ Homeland Security drei bis viermal so hoch wie vor den Anschlägen des 11. September 2001. Chip unter die Haut in der Disco James Smith, Sicherheitsexperte des US-Beratungsunternehmens Frost & Sullivan, glaubt, dass aufwendige Sicherheitskontrollen bald nicht nur in Flughäfen, Kraftwerken oder Regierungsgebäuden üblich sein werden, sondern auch in U-Bahnen und Einkaufszentren. Die New York Times zieht angesichts der guten Geschäftsaussichten schon den Vergleich mit dem Boom der Rüstungsindustrie im Kalten Krieg. Zwischen 1948 und 1953 war der Anteil der Rüstungsausgaben an der gesamten Wirtschaftsleistung von 3,5 Prozent auf 14,2 Prozent gestiegen, und die gesamte Wirtschaft profitierte davon durch mehr Folgeaufträge und eine höhere Produktivität. Auch diesmal dürfte es Spin-offs geben, Unternehmen und neue Techniken, die auch nach dem Ende des Sicherheitsbooms für die Wirtschaft nutzbar bleiben. So wie das Internet ein Nebenprodukt des Verteidigungsbooms war oder die heute erfolgreichen High-Tech-Unternehmen Sun Microsystems und Silicon Graphics. Was jedenfalls den "VeriChip" der Firma Applied Digital betrifft, so gibt es dafür schon jetzt Ideen für Geschäfte jenseits des Sicherheitsbooms. In Barcelona bietet die Diskothek "Baja Beach Club" ihren Gästen an, sich den Chip einspritzen zu lassen und als Eintritts- und Verzehrkarte zu nutzen. Seitdem kann man dort mit einem einzigen Wink für Eintritt und Getränke bezahlen. Am Tag der Einführung war der Chip für VIPs frei, jetzt kostet er 125 Euro.
Eine der bemerkenswerten Meldungen dieser Tage war die von der Genehmigung des reiskorngroßen "VeriChip". Dieser Chip darf von nun an Menschen in den Oberarm gespritzt werden, damit ihre Ärzte sie besser beobachten können.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/usa-der-boom-der-heimatschuetzer-1.900178
USA - Der Boom der Heimatschützer
00/05/2010
(SZ vom 17.12.03) — "Drei Jobs darf ich ablehnen" - diese Vorstellung hält sich, warum auch immer, bei manchen Arbeitssuchenden. Tatsache aber ist: Arbeitslose müssen jeden Job annehmen, den das Arbeitsamt ihnen anbietet - vorausgesetzt, er ist zumutbar. Und als zumutbar gilt vieles. Nicht nur, vom ersten Tag der Arbeitslosigkeit an, ein Berufswechsel, sondern auch jede Menge Mobilität. Dafür fördern die Arbeitsämter die Mobilität seit Anfang dieses Jahres auch deutlich großzügiger als zuvor. Bei einem jobbedingten Ortswechsel gibt es nun einen Zuschuss von bis zu 4500 Euro. "Nicht verfügbar" "Ich ziehe keinesfalls für einen neuen Job um" - so etwas sollten insbesondere alleinstehende Arbeitslose gegenüber ihrem Arbeitsvermittler nicht sagen. Denn sonst gelten sie unter Umständen als "nicht verfügbar" für den Arbeitsmarkt. Das Arbeitslosengeld kann dann gestrichen werden. Seit Anfang dieses Jahres gilt ein Umzug für Arbeitslose nämlich grundsätzlich als zumutbar. Wer allerdings familiäre Bindungen hat oder sich um pflegebedürftige Eltern kümmern muss, kann nach wie vor "Nein" zum Ortswechsel sagen. Auch wenn eine Vermittlung im so genannten Tagespendelbereich aussichtsreich ist, darf man Jobs, die einen Umzug erforderlich machen würden, in den ersten drei Monaten der Arbeitslosigkeit ausschlagen. Kostenübernahme Zumutbar ist für Arbeitslose bis zu sechs Monate lang eine getrennte Hauhaltsführung sowie - dauerhaft - das Pendeln. Wer einen Vollzeit-Job sucht, muss eine tägliche Hin- und Rückfahrtzeit von maximal zweieinhalb Stunden (mit öffentlichen Verkehrsmitteln) in Kauf nehmen. Bei einem Teilzeit-Job von bis zu sechs Stunden gelten täglich zwei Stunden Pendelzeiten als zumutbar. Wer besondere Umstände anführen kann (Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen oder eigene gesundheitlichen Probleme), dem können derart lange Fahrtzzeiten allerdings nicht abverlangt werden. Zwei Haushalte zu führen, zu pendeln oder umzuziehen, ist teuer. An den für die Aufnahme eines neuen Jobs notwendigen Kosten beteiligen sich die Arbeitsämter wie folgt: Pendelkosten: Sechs Monate lang können die Kosten für die tägliche Fahrt zwischen Wohnung und auswärtiger Arbeitsstelle übernommen werden. In der Regel kommen die Ämter für die Bundesbahn-Kosten (2. Klasse, bei Inanspruchnahme von Ermäßigungen) auf. Falls erforderlich, beispielsweise wenn der Arbeitsort mit öffentlichen Verkehrsmitteln schlecht erreichbar ist, wird auch Kilometergeld für die Anreise per Pkw erstattet: 22 Cent pro Kilometer - bei einem 100 Kilometer vom Wohnsitz entfernten Arbeitsort somit pro Arbeitstag 44 Euro für bis zu sechs Monate. Doppelte Haushaltsführung: Wer statt zu pendeln einen zweiten Haushalt am neuen Arbeitsort führt, kann die so genannte Trennungskostenbeihilfe erhalten. Monatlich zahlen die Ämter für das erste halbe Jahr am neuen Arbeitsort bis zu 260 Euro. Diese Beihilfe gibt es für Verheiratete wie für Alleinstehende. Voraussetzung ist nur: Es müssen tatsächlich zwei Haushalte bestehen. Fahrtkosten- und Trennungsbeihilfen müssen stets vor Aufnahme der Beschäftigung beantragt werden. Ortswechsel nicht übereilen Das Arbeitsamt kann sich mit bis zu 4500 Euro an den Kosten eines Umzugs beteiligen, wenn der Ortswechsel für die Aufnahme oder Beibehaltung des (neuen) Arbeitsverhältnisses erforderlich ist. Der neue Arbeitsort muss nur weit genug vom alten Wohnsitz entfernt sein. Umzugskosten werden nur erstattet, wenn der neue Arbeitsplatz außerhalb des so genannten Tagespendelbereichs (zweieinhalb Stunden Fahrtzeit) liegt. Mit der Entscheidung zum Umzug kann man sich Zeit lassen, bis klar ist, dass der neue Job von Dauer ist. Zunächst kann man sechs Monate (mit Kostenerstattung) pendeln oder sich sechs Monate (mit Trennungsbeihilfe) ein möbliertes Zimmer nehmen und danach erst richtig umziehen. Die Ämter übernehmen die Kosten für den Wohnsitzwechsel noch bis zu zwei Jahre nach Antritt der neuen Stelle. Diese Beihilfe braucht zudem - anders als früher - nicht mehr zurückgezahlt zu werden. Sie muss allerdings vor dem Umzug betragt werden unter Vorlage der Kostenvoranschläge von mindestens zwei Umzugsunternehmen. Übernommen werden die Kosten nur, so lange die Haushaltslage der Ämter es zulässt. Denn sämtliche "Mobi-Hilfen" - so heißen sie im Arbeitsamts-Jargon - sind "Kann"-Leistungen. Derzeit gibt es, so lautet die Auskunft der Bundesanstalt für Arbeit, allerdings bei diesen Hilfen keine Restriktionen. Im Zweifelsfall sei es weit billiger, Reise- und Umzugskosten zu finanzieren als einige Monate länger Arbeitslosengeld zu zahlen. Auch für Absolventen Auch Hochschulabsolventen, die in der Regel zunächst keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld haben, können Mobilitäts-Hilfen erhalten, denn die Hilfen sind auch für "Nichtleistungsempfänger" vorgesehen. Arbeitslose können jederzeit einen formlosen Antrag auf die genannten Hilfen stellen (immer vor dem Ereignis, für das man Zuschüsse erhalten möchte) und einen wie es heißt, "schriftlichen rechtsmittelfähigen Bescheid" verlangen. Wichtig auch: Die Mobilitätshilfen kann man auch bekommen, wenn Arbeitslosigkeit erst droht. Das kann durch die Vorlage des Kündigungsschreiben oder des befristeten Arbeitsvertrags nachgewiesen werden. Zudem wird seit nun die Bedürftigkeit der Antragsteller nicht mehr geprüft. Hilfen zur Mobilitätsförderung gibt es also selbst dann, wenn Arbeitslose hohe Arbeitslosengeld-Ansprüche haben.
Mobilitätshilfen der Arbeitsämter: Der Ortswechsel wird vom Staat bezuschusst. Hilfen gibt es auch fürs Pendeln und bei doppelter Haushaltsführung.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/bescheid-wissen-vorteile-nutzen-ein-umzug-ist-zumutbar-1.902337
Bescheid wissen, Vorteile nutzen - Ein Umzug ist zumutbar
00/05/2010
Der neue Chef von Hewlett-Packard, Mark Hurd, hat bereits mit dem Umbau des angeschlagenen Konzerns begonnen. In Kürze wird zudem ein straffes Sparprogramm mit massiven Stellenkürzungen erwartet. Noch sind nur Spekulationen bekannt: Am nächsten Dienstag werde Hurd wohl seine Pläne zur Kostensenkung bekannt geben, schreibt das Wall Street Journal. Detailansicht öffnen Ein Firmenschild beim Hauptsitz von Hewlett-Packard in Palo Alto, Kalifornien. (Foto: Foto: AFP) Analystenschätzungen zufolge seien 5000 bis 25 000 Stellen betroffen. HP beschäftigt weltweit 150 000 Menschen. Welche Folgen Hurds Sparkurs auf Deutschland hat, kann auch der hiesige HP-Geschäftsführer Uli Holdenried nicht sagen. Er hat immer noch mit dem vorigen Kostensenkungsprogramm zu tun: Seit Jahresanfang steht fest, dass er 350 von 9600 Stellen streichen muss. 150 hat er durch die Schließung eines Büros in Köln eingespart, die restlichen Kürzungen aus der alten Sparrunde kann er mit Fluktuation bewältigen. Auch HP-Deutschland betroffen Dies bedeutet jedoch noch keine Entwarnung für den Standort: "Wenn Hurd generelle Maßnahmen zur Kostensenkung im Konzern verkündet, betrifft das auch Deutschland", sagt Holdenried. Die deutsche Niederlassung müsse sich intern im globalen Wettbewerb behaupten, und das sei schwer: "Wenn Sie interne Dienste oder Leistungen anderswo kostengünstiger produzieren können, ist das eine Bedrohung." Holdenried, der eng mit Hurds Vorgängerin Carly Fiorina zusammengearbeitet hat, sieht schon jetzt einige Unterschiede zwischen beiden HP-Managern: Hurd möge Zahlen und treffe seine Entscheidungen mehr aufgrund von Fakten als von Intuition. Der neue Mann sei operativer orientiert: "Er schafft Ergebnisse und spricht hinterher darüber. Fiorina entwarf eher Visionen". PC- und Druckersparte wieder getrennt Ein Wort, das derzeit bei HP immer wieder fällt, ist Fokussierung - die Konzentration auf die Geschäftsbereiche. In der Organisation hat das schon Spuren hinterlassen. So hat Hurd die von Fiorina initiierte Zusammenlegung der Drucker- und PC-Sparte rückgängig gemacht. Die Verantwortung für Verkauf und Marketing wurde ebenfalls geteilt, und gerade eben hat HP angekündigt, dass Gilles Bouchard künftig nur noch für Global Operations zuständig ist. Die andere Hälfte seines bisherigen Bereichs -- die Zuständigkeit für die Informationstechnologie im Unternehmen -- und den Titel des Chief Information Officer gibt er an Randy Mott ab, den HP von Dell abgeworben hat. Hurd wolle damit wohl in den ersten Monaten schon klare Zuständigkeiten schaffen, meint Holdenried. "Mit großen Gebilden bauen Sie auch Komplexität auf." Bei HP sei nun die Schnelligkeit der Entscheidungsfindung wichtig. Für die deutsche Tochter hat der Stopp bei der Zusammenlegung von Druckern und PCs keine Konsequenzen: "Wir hatten noch nichts in dieser Hinsicht unternommen". Nach allgemeiner Einschätzung gehört Dells Einstieg in den lukrativen Druckermarkt zu den größten Gefahren für HP. In den USA ist HPs Marktanteil den Marktforschern von Gartner zufolge innerhalb eines Jahres von 47 auf 35 Prozent gesunken. In Deutschland sei das allerdings "noch kein Thema", sagt Holdenried. "Ich will nicht den Eindruck erwecken, dass ich nur gut schlafe", aber er müsse sich schon seit jeher mit Wettbewerbern auseinander setzen. Komplettlösungen zur Kundenbindung Dabei vertraue er auf HPs Strategie: Innovation, Relevanz für das Geschäft des Kunden und Orientierung an dessen Bedürfnissen. Das Unternehmen biete beispielsweise Komplettlösungen, bei denen der Kunde pro Druckseite zahle, kümmere sich um Maschinen, Kostenrechnung und die Nachbestellung von Druckpatronen. Hurd werde wohl zunächst die einzelnen Bereiche operativ fit machen und dann schauen, ob er an den großen strategischen Dingen etwas verändere, glaubt Holdenried. Es gebe keinerlei Anzeichen dafür, dass die PC-Sparte zur Diskussion stehe - immerhin steuere sie 30 Prozent zum Konzernumsatz bei, sei profitabel und erfordere keinen großen Kapitaleinsatz. Eine Ausgliederung der Druckersparte, wie sie einige Analysten fordern, schließt er aber nicht aus. Da gehe es ja nicht um das Geschäft an sich: "Die Frage ist, wie man glaubt, mehr Wert freisetzen zu können."
Der neue Chef von Hewlett-Packard, Mark Hurd, hat bereits mit dem Umbau des angeschlagenen Konzerns begonnen. In Kürze wird zudem ein straffes Sparprogramm mit massiven Stellenkürzungen erwartet.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/sz-gespraech-mit-deutschland-chef-uli-holdenried-hewlett-packard-steht-vor-einem-drastischen-umbau-1.900634
SZ-Gespräch mit Deutschland-Chef Uli Holdenried - Hewlett-Packard steht vor einem drastischen Umbau
00/05/2010
Was ist dran am Handel mit den Schulden? Die Deutsche Bank kauft millionenschwere Kredite aus China, Hypo Real Estate gibt ihr Kreditportfolio von über drei Milliarden Euro an eine Fondsgesellschaft ab. Die Kaufwelle schwappt nach Deutschland — und Schnäppchenjäger wittern das große Geschäft. Die Deutsche Bank ist vor wenigen Monaten in das gigantische Geschäft mit den faulen Krediten in China eingestiegen und hat damit einen Präzedenzfall für die Volksrepublik geschaffen. Detailansicht öffnen Banken setzten mehr denn je auf die Bereinigung ihrer Bilanzen — und verkaufen faule Kredite an Finanzjongleure. (Foto: Foto: AP) "Die wichtigsten Immobilien in diesem Paket waren ein Hotel und eine Einkaufspassage", erklärt ein Sprecher der Deutschen Bank. Im Rahmen einer Zwangsversteigerung hatten der deutsche Branchenprimus und Morgan Stanley Immobilien mit einem Nominalwert von 438 Millionen Dollar erworben — angeblich zum Preis von 171 Millionen Dollar. Das Angebot in China ist reichhaltig, in den kommenden drei bis fünf Jahren sollen Berichten zufolge eine Milliarde Dollar in den Kauf notleidender Kredite oder Vermögenswerte fließen. "Non Performing Loans" Die Immobilienkrise in Deutschland lockt auch hier neue Investoren auf den Plan. Die Banken sitzen schätzungsweise auf 300 Milliarden Euro an Krediten für Wohnhäuser, Gewerbeobjekte oder Grundstücke, die nicht mehr zurückgezahlt werden. Das Schnäppchen mit den faulen Krediten kommt immer mehr in Mode — der Markt ist geprägt von Preisverfall, Leerstand und sinkenden Werten. Als Folge davon werden immer mehr Kredite notleidend. "Non Performing Loans" heißen diese Darlehen in der Branche. Beteiligungsgesellschaften, Finanzinvestoren und Opportunity Funds suchen das Geschäft mit notleidenden Krediten, die sie den Gläubigern - zumeist Banken - abkaufen und danach eintreiben oder weiterveräußern. Die weltweit größte Transaktion dieser Art führte vor wenigen Tagen die Münchner Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE) durch. Die HVB-Tochter verkaufte faule Kredite von rund 3,6 Milliarden Euro an die US-Investmentfirma Lone Star. Über den Kaufpreis wird geschwiegen. Skeptische Banken Experten erwarten, dass weitere Immobilienbanken und Kreditinstitute ihre Problemkredite veräußern wollen. Trotz des Erfolgs solcher Transaktionen sind Banken immer noch skeptisch. Zu recht drängt sich die Frage auf, weshalb ein Investor beim Eintreiben der Forderungen erfolgreicher sein soll als die Bank selbst. Was ist also dran am Geschäft mit den notleidenden Krediten? "Der Handel mit den Non-Performing Loans war in den angelsächsischen Ländern schon immer üblich. In Deutschland ist das allerdings neu", erklärt Hanspeter Gondring, wissenschaftlicher Leiter der Akademie der Immobilienwirtschaft. "Solche Kredite sind zinslos gestellt, müssen aber nicht notwendigerweise notleidend bleiben. Es besteht ja die Möglichkeit, das sie zu einem späteren Zeitpunkt wieder zurückgezahlt werden können". Gondring erklärt die Häufung großer Tranksaktionen in letzter Zeit mit Non Performing Loans durch die enormen strategischen Vorteile, die der Verkauf für die Banken bringt. "Banken sind im Normalfall keine Immobilienmanager", erklärt er. "Wenn die Bank ein Paket mit Non Performing Loans los wird, verkauft sie nur vordergründig die Kredite, dahinter stehen die Sicherheiten, also Immobilien", sagt Gondring. Mit Immobilienmanagement überfordert Sobald die Raten für den Kredit nicht mehr gezahlt werden, müsste die Bank die Immobilie übernehmen und selbst managen", erklärt Gondring. "Oft wird die Bank aber zu der Überzeugung kommen, dass sie mit der Immobilie gar nichts anfangen kann. In dem Fall ist es das vorteilhafteste, den faulen Kredit zu verkaufen". Beschließt die Bank hingegen, die Immobilie selbstständig weiterzuverkaufen, ist selten ein vernünftiger Preis zu erzielen. "Das spricht sich sofort herum in der Branche, wenn verzweifelt versucht wird, so ein Objekt loszuschlagen - die Immobilie wäre verbrannt", erklärt Gondring. "Wegen notleidender Kredite müssen auch Wertberichtigungen gemacht werden" so Gondring. Das bedeutet, dass ein bestimmter Betrag von dem in den Bücher stehenden Nominalwert abgezogen wird.
Was ist dran am Handel mit den Schulden? Die Deutsche Bank kauft millionenschwere Kredite aus China, Hypo Real Estate gibt ihr Kreditportfolio von über drei Milliarden Euro an eine Fondsgesellschaft ab. Die Kaufwelle schwappt nach Deutschland — und Schnäppchenjäger wittern das große Geschäft.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/immobilienkrise-das-schnaeppchen-mit-den-faulen-krediten-1.918581
Immobilienkrise - Das Schnäppchen mit den faulen Krediten
00/05/2010
Eckhard Cordes muss sich nicht wundern, dass ihm alsbald das Etikett "der kleine Schrempp" angeheftet wird. Außer der gemeinsamen Weltsicht verbinden den neuen Mercedes-Chef und Jürgen Schrempp noch einige andere Parallelen im Lebenslauf. "Meistens sehen wir die Welt ähnlich." Wenn einer der engsten Vertrauten von DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp verbal solch engen Schulter-schluss zum obersten Konzernlenker signalisiert, muss er sich nicht wundern, dass ihm alsbald das Etikett "der kleine Schrempp" angeheftet wird. Detailansicht öffnen Mit Cordes zieht der erste Nicht-Ingenieur an die Spitze von Mercedes. Foto: AP Aus kleinen Verhältnissen Tatsächlich verbinden Cordes und Schrempp außer der gemeinsamen Weltsicht noch einige andere Parallelen im Lebenslauf. Beide sind in zweiter Ehe mit einer Daimler-Kollegin verheiratet, beide wurden jenseits der 50 noch einmal Vater. Und wie Schrempp stammt der künftige "Mister Mercedes" aus kleinen Verhältnissen. 1950 als Sohn eines Lederhändlers in Neumünster geboren, beginnt der frisch gebackene Doktor der Betriebswirtschafts-lehre als Trainee bei Daimler, klettert zielstrebig die Karriereleiter nach oben vom Controlling-Chef (1989) über den stellvertretenden Daimler-Vorstand (1997) und Vorstand für Konzernentwicklung (1997) schließlich zum Chef der Nutzfahrzeugsparte im Jahr 2000. Das damals kränkelnde Lastwagengeschäft führte Cordes innerhalb weniger Jahre in mittlerweile erfreuliche schwarze Zahlen, wobei er wie bisher immer seine Kernkompetenzen in die Waagschale warf: rasche Auffassungsgabe, penible Planung und eiserne Disziplin. Alles andere als ein Sanierungsfall Die hatte der seinerzeitige Konzern-Chefstratege und Schrempps Mann für schwierige Fälle schon beim bisher heißesten Coup in der Firmengeschichte des Autobauers walten lassen, als es 1998 galt, die Fusion mit dem amerikanischen Chrysler-Konzern in wochenlangen Geheimverhandlungen über die Bühne zu bringen. Im Gegensatz zur seinerzeit angeschlagenen Lkw-Sparte erwartet Cordes mit der Mercedes Car Group alles andere als ein Sanierungsfall. Auch wenn der Beinahe-Mercedes-Chef Wolfgang Bernhard die gewinnträchtige Melkkuh des Konzerns zu eben diesem schlecht geredet hatte.
Eckhard Cordes muss sich nicht wundern, dass ihm alsbald das Etikett "der kleine Schrempp" angeheftet wird. Außer der gemeinsamen Weltsicht verbinden den neuen Mercedes-Chef und Jürgen Schrempp noch einige andere Parallelen im Lebenslauf.
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"DaimlerChrysler - Ein ""kleiner Schrempp"" und ein großer Sanierer"
00/05/2010
Der Geschäftsführer der "Financial Times Deutschland", Michael Rzesnitzek, sieht die im Jahr 2000 gegründete Wirtschaftszeitung auf einem guten Weg. "Wir sind eine schlanke, gut aufgestellte Organisation und können uns darauf konzentrieren, unser Marktpotenzial auszuschöpfen", sagte Rzesnitzek angesichts zweistelliger Zuwächse bei Anzeigen und Auflage. Für die FTD, die erstmals im Februar 2000 wochentags an die Kioske kam, arbeiten 250 Mitarbeiter, davon rund 160 in der Redaktion. Die verkaufte Auflage legte im dritten Quartal 2003 im Vergleich zur Vorjahresperiode um 10,6 Prozent auf 92.678 Exemplare (IVW) zu, davon 55 813 Abonnements (plus 17,6 Prozent). Das Anzeigengeschäft der FTD erhöhte sich bis Ende August im Jahresvergleich um rund 17,3 Prozent. Überdurchschnittliche Entwicklung Es schnitt laut Rzesnitzek damit deutlich besser ab als bei anderen überregionalen Tageszeitungen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass sich der Werbemarkt 2002 auf vergleichsweise niedrigem Niveau bewegte und sich erst allmählich wieder erholt. Die für 2005 anvisierten "schwarzen Zahlen" werden nach jüngsten Äußerungen von Gesellschafterseite in dem Jahr offenbar noch nicht erreicht werden. An der FTD sind die Bertelsmann-Tochter Gruner + Jahr (G+J/Hamburg) und die britische Pearson-Gruppe zu gleichen Teilen beteiligt. "Was für die Gesellschafter zählt, sind wachsende Werte bei Auflage, Anzeigenumsatz, Marktanteilen sowie kontinuierliche Ergebnisverbesserungen", sagte der FTD-Chef. Keine Preiserhöhung geplant "All das liefern wir, und werden das auch in Zukunft tun." Daher liege die FTD nach wie vor voll auf Kurs. Ein Erhöhung des Copypreises(derzeit: 1,50 Euro) sei nicht geplant. Die Zuwächse bei Auflage und Anzeigen bewertete Rzesnitzek als "klarsten Beweis dafür, dass in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Qualität geschätzt wird." Qualität schlägt Aldisierung Qualitätsjournalismus werde sich langfristig durchsetzen, meinte Rzesnitzek vor dem Hintergrund der "Aldisierung" in vielen Lebensbereichen. In der Zusammenführung aller Wirtschaftstitel von Gruner + Jahr weltweit - von Capital über Inc. bis FTD - in einem Vorstandsressort sieht Rzesnitzek ein klares Signal an den Markt, dass G+J "an die Wirtschaftspresse" glaubt. Die Wirtschaftsmagazine hatten nach dem Platzen der Internet-Blase und dem Niedergang der New Economy in den vergangenen beiden Jahren erheblich an Auflage und Anzeigengeschäft eingebüßt. Die FTD war die erste deutsche Zeitung, die - nach amerikanischem Vorbild - eine Wahlempfehlung für eine Bundestagswahl gab. (Bei den letzten Wahlen, sie lag daneben).
Der Geschäftsführer der "Financial Times Deutschland", Michael Rzesnitzek, sieht die im Jahr 2000 gegründete Wirtschaftszeitung auf einem guten Weg.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/medien-financial-times-deutschland-im-vorwaertsgang-1.919259
"Medien - ""Financial Times Deutschland"" im Vorwärtsgang"
00/05/2010
Während sich Postbank-Chef Schimmelmann mit dem Start der Aktie zufrieden zeigte, waren die Investoren einfach nur erleichtert, dass die Preisdiskussionen nun ein Ende haben. An der Frankfurter Börse herrschte zum größten Börsendebüt seit mehr als drei Jahren ein Auftrieb, wie schon lange nicht mehr: "Das ist wie früher am Neuen Markt", sagte ein Händler. Detailansicht öffnen Schimmelmann und Zumwinkel setzen für die Aktie auf "Fantasie nach oben". Foto: ddp Nur die Stimmung war nicht vergleichbar mit der Blütezeit des mittlerweile abgeschafften Wachstumssegmentes. "Es ist gut, dass der Börsengang über die Bühne gegangen ist. Aber von Euphorie kann keine Rede sein", fasste Fidel Helmer, Leiter des Aktienhandels bei Hauck & Aufhäuser, die Atmosphäre zusammen. Börsenstart mit 29 Euro Am Abend vorher hatte die Konzernmutter Deutsche Post mit den Konsortialbanken den Ausgabepreis auf 28,50 Euro und damit nahe am unteren Ende der reduzierten Zeichnungsspanne von 28 bis 32 Euro festgelegt. Zu Handelsbeginn stieg der Kurs auf 29 Euro, bröckelte im Tagesverlauf ab, lag aber um 16 Uhr wieder bei 29 Euro. Bei dem Börsengang nahm die Post nach eigenen Angaben rund 1,55 Milliarden Euro ein. Die Umtauschanleihe habe nochmals 0,98 Milliarden Euro eingebracht. Die Post hatte eine Anleihe ausgegeben, um die Ausfälle aus der reduzierten Preisspanne und dem von 82 auf 55 Millionen Aktien verringerten Volumen auszugleichen. Mehr als 20 Prozent der angebotenen Aktien gingen an Privatanleger. Institutionellen Investoren in Deutschland wie Fondsgesellschaften und Versicherungen seien rund 28 Prozent der Papiere zugeteilt worden, Investoren im Ausland hätten rund 48 Prozent der Papiere gezeichnet. "Fantasie nach oben" Der Vorstandsvorsitzende der Post, Klaus Zumwinkel, und Postbank-Chef Wulf von Schimmelmann zeigten sich zufrieden mit dem Börsenstart. Die Postbankaktie habe bereits mit ihrer Erstnotiz gezeigt, dass sie "Fantasie nach oben" besitze, sagte Zumwinkel.
Während sich Postbank-Chef Schimmelmann mit dem Start der Aktie zufrieden zeigte, waren die Investoren einfach nur erleichtert, dass die Preisdiskussionen nun ein Ende haben.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/verhaltenes-boersendebuet-von-euphorie-kann-keine-rede-sein-1.897828
"Verhaltenes Börsendebüt - ""Von Euphorie kann keine Rede sein"""
00/05/2010
"Wachsen oder weichen", befiehlt Detthold Aden. Er ist Chef des Hafenunternehmens BLG - nebenbei Europas größte Autowerkstatt. Wer den Hafenmanager Detthold Aden fragt, was genau denn eigentlich unter Logistik zu verstehen sei, der bekommt garantiert eine launige Antwort wie diese: Detailansicht öffnen Auf dem Autoterminal der BLG Logistics Group in Bremerhaven werden BMW-Neufahrzeuge auf ein Hochregallager gefahren und zur Verschiffung in die USA bereitgestellt. (Foto: Foto: dpa) "Logistik ist, dass die Banane rechtzeitig in der richtigen Farbe im richtigen Regal liegt." Doch der Chef der BLG Logistics Group, der außerdem Präsident des Zentralverbandes Deutscher Seehafenbetriebe (ZDS) ist, hat auch eine gesetzte Antwort parat. Logistik sei zum Beispiel eine Jobmaschine: Bis zum Jahr 2012 würden die deutschen Häfen 2500 Langzeit-Arbeitslose einstellen, sagt Aden. Bund und Länder stecken in den nächsten Jahren fast zehn Milliarden Euro in den Ausbau der Häfen und der dazu gehörenden Infrastruktur. "Das ist ein Konjunkturprogramm für Norddeutschland", sagt der gebürtige Wilhelmshavener. Seit 1999 ist Aden Chef von BLG, der früheren Bremer Lagerhausgesellschaft, die zur Hälfte dem Land Bremen gehört. Er besteht darauf, dass er bei seiner Berufung "kein verdienter Senator und auch kein Hafenmensch" gewesen sei. Allerdings war der 58 Jahre alte Aden schon immer von Logistik fasziniert; auch zu Zeiten, als sie noch nicht so genannt wurde. Als Sohn eines Spediteurs trieb Aden sich als Junge in Wilhelmshaven nachmittags am liebsten in Lagern herum oder fuhr mit den Lastwagen mit zur Auslieferung der Waren. 90 Mark für einen alten Lloyd Mit 18 Jahren kaufte er sich für 90 Mark einen alten Lloyd, eines der Autos der Wirtschaftswunderzeit, und verdiente Taschengeld, indem er selbst Stückgut ausfuhr. Dass er es nach zwei Jahren für 120 Mark weiterverkaufte, mag ein Indiz für einen früh entwickelten Geschäftssinn sein. Als gelernter Speditionskaufmann arbeitete Aden lange in Süddeutschland und spezialisierte sich auf EDV-Umstellungen, damals noch eine Pionierarbeit. Mitte der siebziger Jahre baut er zusammen mit einem Amerikaner den Paketdienst UPS in Deutschland auf, 1982 wurde er Leiter der Bertelsmann Distribution. 1990 ging er zum Thyssen-Konzern und war dort zuletzt Vorstandsmitglied der Thyssen Handelsunion. Ein Posten zum Ausruhen wäre wohl nichts für den lebhaften Manager, den andere als begeisterungsfähig, ungewöhnlich schnell und auch ein wenig schlitzohrig beschreiben. Als Aden seinen Dienst bei BLG antrat, hatte das 1877 gegründete bremische Unternehmen gerade eine schwere Krise überstanden. Die Belegschaft war von 4500 auf 2500 reduziert worden; die BLG suchte für eine stabilere Zukunft den Zusammenschluss mit der Konkurrenz. Gewinne mit Containerumschlag, Umsatz mit Autologistik Daraus ist das Joint Venture Eurogate entstanden, in das BLG und das private Hamburger Hafenunternehmen Eurokai ihre Container-Aktivitäten eingebracht haben. In Hamburg konkurriert Eurogate noch mit der anderen großen dort tätigen Hafengesellschaft HHLA, europaweit ist die Firma Marktführer mit Terminals in Bremerhaven, Hamburg und Italien. Sie hat auch den Zuschlag für den Betrieb des Tiefwasserhafens Jade-Weser-Port in Adens Geburtsstadt Wilhelmshaven bekommen, der 2010 in Betrieb gehen soll. "Wachsen oder weichen" kommentiert Aden den Wettbewerb der Häfen in Hamburg, Bremerhaven, Rotterdam und Antwerpen. Der Containerumschlag ist heute zwar der renditestärkste Bereich von BLG, aber längst nicht mehr der umsatzstärkste. Das Unternehmen macht immer mehr Geschäft mit Autologistik. So betreibt BLG in Bremerhaven ein Autoterminal. Importierte Autos aus Asien oder Amerika werden dort "landfein" gemacht, deutsche Autos für den Export präpariert. Dort wird nicht nur verladen, sondern auch lackiert, umgerüstet und aufgearbeitet. "In Bremerhaven", sagt Aden, "betreiben wir die größte Autowerkstatt Europas." Superlativ dank Tchibo Die Automobilindustrie gehört ohnehin zu den besten Kunden von BLG, denn längst beschränkt das Hafenunternehmen sich nicht mehr auf Arbeiten an der Kaimauer. So hat BLG gerade die innere Werkslogistik für VW im brasilianischen Werk Resende übernommen; gleiches macht die Firma schon länger für Fiat im italienischen Atessa. "Vertiefte Wertschöpfung" nennt Aden das, was ein modernes Hafenunternehmen heute für seine Kunden zu leisten habe. Und oftmals kämen die Ideen für Optimierungen oder Effizienz-Verbesserungen dabei vom Dienstleister selbst: So hat Aden zum Beispiel vor einigen Jahren Tchibo vorgeschlagen, seine Lager zu zentralisieren. Daraus ist ein weiterer Superlativ für das Bremer Unternehmen entstanden: An der Weser betreibt BLG für Tchibo das größte Hochregallager Europas mit 500 Beschäftigten. Fragen nach privaten Vorlieben irritieren den umtriebigen Aden eher. Er reist leidenschaftlich gern in ferne Länder und redet gern und viel mit Menschen. Da passen Beruf und Privatleben des Hafen-Managers natürlich gut zueinander. Immer wieder wurde der Containerhafen von Bremerhaven entlang der Weser abwärts Richtung Nordsee verlängert. Inzwischen werden auf dem von BLG-Chef Detthold Aden verwalteten Gelände 2,9 Millionen Container pro Jahr umgeschlagen. Insgesamt hat die Gruppe im vergangenen Jahr 810 Millionen Euro umgesetzt. Foto: D. Pilar/Visum
"Wachsen oder weichen", befiehlt Detthold Aden. Er ist Chef des Hafenunternehmens BLG - nebenbei Europas größte Autowerkstatt.
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Portrait - Lebenslang Logistik
00/05/2010
Bei der Auszahlung des Arbeitslosengeldes II hat es laut einem Medienbericht erneut schwere Patzer gegeben: Die Anfang der Woche nach dem ersten Zwischenfall korrigierten Kontodaten waren nicht vollständig. 95.000 Arbeitslose erhielten ihr Geld mit erheblicher Verspätung. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) habe die Weitergabe von rund 95.000 Kontodaten von Arbeitslosen an eine Bank zunächst versäumt, berichtete die Bild-Zeitung. Die neue Panne habe sich ereignet, nachdem die BA Anfang der Woche die nach dem ersten Zwischenfall korrigierten Kontodaten an die Banken übergeben habe. Daten fehlten Einer Bank war demnach aufgefallen, dass bei der zweiten Übergabe eine große Anzahl von Daten fehlte. Erst am Mittwoch habe auch die BA den Fehler festgestellt. Ein Sprecher der Bundesagentur bestätigte der Zeitung, dass die Kontodaten von fast 95.000 Leistungsempfängern erst am späten Mittwochnachmittag nachgeliefert worden seien. Die betroffenen Arbeitslosen erhielten ihr Geld dadurch mit erheblicher Verspätung. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) warnte unterdessen vor mehr Gewaltausbrüchen Arbeitsloser in den Arbeitsagenturen. Sicherheitsvorkehrungen verstärkt In Berlin und an anderen Orten seien die Sicherheitsvorkehrungen in den Arbeitsagenturen verstärkt worden, auch mehr private Wachen seien im Einsatz. Es sei damit zu rechnen, dass mancher Enttäuschte seinen Unmut gegenüber den Mitarbeitern der Agenturen verbal oder sogar mit Gewalt zum Ausdruck bringen werde, warnte die GdP. Oft spiele dabei auch Alkohol eine Rolle. In der Vergangenheit seien auch schon in Sozialämtern Betroffene ausgerastet und hätten Mitarbeiter teilweise massiv bedroht.
Bei der Auszahlung des Arbeitslosengeldes II hat es laut einem Medienbericht erneut schwere Patzer gegeben: Die Anfang der Woche nach dem ersten Zwischenfall korrigierten Kontodaten waren nicht vollständig. 95.000 Arbeitslose erhielten ihr Geld mit erheblicher Verspätung.
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Hartz IV - Neue Panne
00/05/2010
Rolf E. Breuer war einer der mächtigsten Banker des Landes. Überraschend tritt er als Aufsichtsratschef des größten deutschen Geldinstituts zurück. Wer hat ihn unter Druck gesetzt? Sonnenbankgebräunt und stets wie aus dem Ei gepellt hat Rolf Breuer stets eine Aura von Macht und Erfolg verströmt. Lange Jahre hat er als Vorstands- und später als Aufsichtsratschef der Deutschen Bank die Strippen der deutschen Finanzwelt gezogen. Pannen und Fehlschläge - von denen es nicht wenige gab - prallten dabei lange Jahre an ihm ab. Doch vor fast einem Jahr gab es den ersten wirklich herben Rückschlag für den umstrittenen Manager, als er nach wochenlangem Beschuss angelsächsischer Hedgefonds seinen Rücktritt als Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Börse ankündigte. Detailansicht öffnen Rolf E. Breuer war Vorstandschef der Deutschen Bank und ist Aufsichtsratschef (Foto: Foto: dpa) Am Sonntag legte der 68-Jährige auch den Aufsichtsratsvorsitz der Deutschen Bank mit Wirkung zum 3. Mai 2006 nieder. Damit zog er die Konsequenz aus der Entscheidung des Bundesgerichtshofs (BGH) im Kirch-Prozess. Der BGH hatte am 24. Januar entschieden, dass die Bank und Breuer grundsätzlich für Schäden haften müssten, die der Printbeteiligungs GmbH des Medienunternehmers Leo Kirch aus einem Interview Breuers vom Februar 2002 entstanden sind. In dem umstrittenen Interview hatte Breuer die Kreditwürdigkeit Kirchs bezweifelt. Das Interview war nach Darstellung Kirchs Ursache für die zwei Monate später eingetretene Insolvenz. Der BGH betonte, das Interview habe die Aufnahme dringend benötigter weiterer Kredite erheblich erschwert. Die Äußerung stelle deshalb eine Verletzung der aus dem Darlehensvertrag folgenden Pflicht dar, die Kreditwürdigkeit des Kunden nicht zu gefährden. Dies gelte auch für Breuer persönlich. Nicht wenige Beobachter hatten einen Rücktritt Breuers schon nach dieser Schelte erwartet. Kritiker: Zickzack-Kurs Über die Höhe eines Schadenersatzes in dem Rechtsstreit wird vermutlich erst in einem weitern Prozess entschieden. Doch klar ist schon jetzt: Kirch wird den Rücktritt Breuers wohl mit einer gewissen späten Genugtuung aufnehmen. "Ich denke, das war überfällig", sagte Kirchs Anwalt Peter Gauweiler. Der promovierte Jurist Breuer zählte zu den wenigen, die noch in einer einzigen Firma Karriere vom Lehrling zum Chef machen konnten. 1956 begann der gebürtige Bonner als 19-Jähriger seine Ausbildung in den Filialen Mainz und München. Gut 40 Jahre später im Mai 1997 löste er Hilmar Kopper als Sprecher des Vorstandes ab. Kritiker warfen Breuer in seiner Zeit als Vorstandschef der Deutschen Bank einen Zickzack-Kurs vor. Kurz nach seinem Amtsantritt landete er mit der Übernahme von Bankers Trust, der siebtgrößten amerikanischen Investmentbank, einen seiner spektakulärsten Coups, der die Deutsche Bank mit einer Bilanzsumme von zusammen rund 795 Milliarden Euro und über 95.000 Beschäftigten mit einem Schlag zum größten Kreditinstitut der Welt machte. Allerdings wurde damals der Kaufpreis von rund 9 Milliarden Euro von Gegnern als überhöht kritisiert. Nach der Stärkung des Investmentgeschäfts strukturierte Breuer mit der Gründung der Deutschen Bank 24, die sich um das Massengeschäft kümmern sollte, den Bereich Privatkunden um. Allerdings hat die Deutsche Bank diesen Schritt inzwischen wieder zurückgenommen, da sich viele ihrer Kleinkunden auf ein Abstellgleis geschoben fühlten und dem Branchenprimus den Rücken kehrten. Pannenserie Keine glückliche Figur machte Breuer im Jahr 1999 bei der Krise des Holzmann-Konzerns. Als größter Aktionär und Kreditgeber des Baukonzerns geriet das von ihm geführte Bankhaus immer wieder in Verdacht, nicht rechtzeitig auf die finanzielle Schieflage bei Holzmann reagiert zu haben. Der Bauriese meldete schließlich 2002 Insolvenz an. Nicht weniger spektakulär war im Frühjahr 2000 das Scheitern des von Breuer forcierten Zusammenschlusses von Deutscher und Dresdner Bank. Beobachter werteten diesen Fehlschlag Breuers als Indiz dafür, dass die Investmentbanker rund um seinen späteren Nachfolger Josef Ackermann dabei waren, bei der Deutschen Bank das Zepter zu übernehmen. Im September 2000 misslang die geplante Fusion der Frankfurter mit der Londoner Börse - ein Plan, den Breuer als Aufsichtsratschef der Deutschen Börse mit eingefädelt hatte. Auch nach seinem Rückzug vom Chefposten der Deutschen Bank im Jahr 2002 sorgte Breuer immer wieder für Schlagzeilen, beispielsweise, als er in seiner Eigenschaft als Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) im Dezember 2002 nach einer Leitzinssenkung der Europäischen Zentralbank erklärte, die Geschäftsbanken würden die Zinssenkung wegen der Ertragslage nicht weitergeben. Breuers Verhältnis zu Ackermann soll nicht immer frei von Konflikten gewesen sein. Berichten zufolge soll sich Breuer vor zwei Jahren für eine Übernahme der Postbank stark gemacht haben, während Ackermann dies ablehnte. Ein Zerwürfnis wurde von beiden Managern aber stets dementiert.
Rolf E. Breuer war einer der mächtigsten Banker des Landes. Überraschend tritt er als Aufsichtsratschef des größten deutschen Geldinstituts zurück. Wer hat ihn unter Druck gesetzt?
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Deutsche Bank - Der Strippenzieher der Deutschland AG gibt auf
00/05/2010
Heinz-Horst Deichmann blickt auf ein bewegtes Leben zurück: Er baute den größten Schuhhändler Europas auf und fördert Hilfsprojekte in der Dritten Welt. Nun feiert er seinen 80. Geburtstag. Heinz-Horst Deichmann wirkt mit seiner Philosophie wie ein Fossil in der heutigen Unternehmenswelt, die bestimmt scheint von gierigen Managern und Finanzinvestoren. ,,Geld ist ein guter Diener, aber ein schlechter Herr'', beschreibt Deichmann sein persönliches Verhältnis zum Mammon. Detailansicht öffnen Heinz-Horst Deichmann wird an diesem Freitag 80 Jahre alt. (Foto: Foto: dpa) Prägendes Vorbild für ihn, der an diesem Freitag den 80. Geburtstag feiert, ist sein Vater. Dieser legte nicht nur den Grundstein für das Schuhgeschäft, sondern lebte seinen Mitarbeitern auch das Evangelium vor. Vater Deichmann hilft in den dreißiger Jahren Juden im Untergrund, Armen und Kranken. Als Hitler Frankreich überrennt, stirbt der Vater, und sein Sohn muss das Geschäft übernehmen. Marschbefehl an die Ostfront Nach kurzer Zeit wird Heinz-Horst Deichmann eingezogen, erhält als Flakhelfer den Marschbefehl an die Ostfront. Nahe der Oder wird er bei einem Gefecht mit den Russen verwundet, ein Halsdurchschuss. Sein Überleben begreift er bis heute als eine göttliche Fügung. Der notdürftig versorgte Deichmann kann sich nach Hause auf den Weg machen, bevor die Ostfront ganz zusammenbricht. Zunächst studiert Deichmann Theologie und Medizin, lauscht dem bekannten Schweizer Theologen Karl Barth; erst einige Jahre später wird er im Hauptberuf Unternehmer. Gute Ideen Während des Wirtschaftswunders geht es rasant mit der Firma bergauf. Die Menschen brauchen Schuhe, und Deichmann hat gute Ideen wie die Fertigung von Schnürsenkeln aus ehemaligen Fallschirmseilen.
Heinz-Horst Deichmann blickt auf ein bewegtes Leben zurück: Er baute den größten Schuhhändler Europas auf und fördert Hilfsprojekte in der Dritten Welt. Nun feiert er seinen 80. Geburtstag.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/heinz-horst-deichmann-firmenlenker-mit-christlichem-leitbild-1.900844
Heinz-Horst Deichmann - Firmenlenker mit christlichem Leitbild
00/05/2010
Die EU verliert bei der Wirtschaftskraft gegenüber den Vereinigten Staaten immer mehr den Anschluss. Schuld daran ist unter anderem der mangelnde Arbeitseifer der Europäer. Das geht aus dem neuen Weltwirtschaftsbericht des Internationalen Währungsfonds (IWF) hervor, der der Süddeutschen Zeitung vorliegt. Den Berechnungen des IWF zufolge sank das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf in Europa im Vergleich zu den USA seit 1995 deutlich. Während etwa ein Bundesbürger vor gut zehn Jahren noch 77 Prozent dessen erwirtschaftete, was sein amerikanischer Kollege in der gleichen Zeit fabrizierte, lag die Quote 2005 nur noch bei 71 Prozent. Ähnlich verlief die Entwicklung in Frankreich, Italien, Dänemark und den Niederlanden. Den Abstand zu den USA verringern konnten dagegen Großbritannien, Spanien, Irland und Schweden. Neue Technologien zögerlicher eingesetzt Der Währungsfonds führt das Auseinanderdriften von Europa und den Vereinigten Staaten unter anderem auf die unterschiedliche Entwicklung der Arbeitsproduktivität zurück. Sie stieg in den USA seit Mitte der 90er Jahre im Schnitt um gut zwei Prozent pro Jahr. In der Europäischen Union lag der Zuwachs dagegen nur bei rund 1,5 Prozent. Einer der wesentlichen Gründe sei, dass neue Technologien, vor allem in den Bereichen Information und Kommunikation, in der EU sehr viel zögerlicher eingesetzt würden als in den USA, heißt es in dem Bericht, der Mitte April zur Frühjahrstagung von IWF und Weltbank offiziell in Washington vorgestellt wird. Das gelte sowohl für den Einzel- und den Großhandel, als auch für den Bankensektor. Hinzu komme, dass es weniger High-Tech-Firmen in Europa gebe und weniger in diese Sektoren investiert werde. Der Anreiz zu arbeiten wird laut IWF zudem durch den großen Unterschied zwischen Brutto- und Nettolöhnen sowie eine großzügige Arbeitslosenversorgung verringert. Als weiteren Grund nennt der Internationale Währungsfonds die "Freizeitneigung" der Europäer, sprich: Die Menschen in den EU-Staaten arbeiten oft weniger als die Amerikaner. Die IWF-Ökonomen empfehlen den Staaten, die hinterherhinken, einen Blick nach Großbritannien und Schweden. Beide Länder hätten mit sehr unterschiedlichen Konzepten in der Lohn-, Steuer- und Arbeitsmarktpolitik bessere Ergebnisse erzielt als viele andere. IWF für neue Wechselkurse Der Abstand zwischen den USA und den Mitgliedsländern der Europäischen Union dürfte auch in diesem Jahr wachsen. So sagen die Experten des IWF für die Vereinigten Staaten in diesem Jahr ein Wachstum von 2,6 Prozent voraus und für kommendes Jahr von 3,0 Prozent. Europa dagegen muss sich mit Zuwächsen von jeweils 2,3 Prozent begnügen; dies ist allerdings mehr, als der IWF noch im Herbst vorausgesagt hat. Deutschland, das 2006 nach langen Jahren der Stagnation wieder die Rolle der Konjunkturlokomotive übernommen hatte, fällt laut Währungsfonds mit einem Plus von je 1,8 Prozent wieder hinter den europäischen Durchschnitt zurück. Notorisch schwach bleibt auch Italien, während Frankreich stärker zulegt. Insgesamt sieht der IWF die Entwicklung der Weltkonjunktur mit verhaltenem Optimismus. Es gebe allerdings kurzfristige Risiken wie die wackelige US-Konjunktur, den Ölpreis, mögliche Finanzmarktturbulenzen und Inflationsgefahren. Auf mittlere Sicht seien zudem die alternden Gesellschaften und der Klimawandel ein Problem. Sorgen bereiten dem Währungsfonds auch die Ungleichgewichte in der Weltwirtschaft, vor allem das immense Defizit in der US-Leistungsbilanz. Hier müssten die sieben führenden Industriestaaten (G 7) eng zusammenarbeiten: So sollte in den USA die Sparquote erhöht werden, während EU und Japan ihr Wachstum ankurbeln müssten. Zudem wünscht sich der IWF eine deutliche Korrektur der Wechselkurse, um die Ungleichgewichte abzubauen: Der Dollarkurs sollte weiter sinken, während der japanische Yen, der chinesische Renminbi und die Währungen der ölexportierenden Länder im Nahen Osten stärker werden sollten. Kurzfristig werde sich allerdings an den Währungsparitäten nichts Grundsätzliches ändern. Das Gleiche gelte für das US-Defizit im Handel vor allem mit China: Für die Volksrepublik sagen die Fonds-Ökonomen erneut Wachstumsraten von 10,0 und 9,5 Prozent voraus. Keinen großen Handlungsbedarf sieht der IWF in der Geldpolitik. Angesichts des robusten Wachstums in der Eurozone könne die Europäische Zentralbank den Leitzins aber noch einmal leicht auf etwa vier Prozent anheben, heißt es im Bericht. Derzeit liegt er bei 3,75 Prozent.
Die EU verliert bei der Wirtschaftskraft gegenüber den Vereinigten Staaten immer mehr den Anschluss. Schuld daran ist unter anderem der mangelnde Arbeitseifer der Europäer.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/kritik-des-internationalen-waehrungsfonds-die-freizeitneigung-schadet-europa-1.898572
"Kritik des Internationalen Währungsfonds - ""Die Freizeitneigung schadet Europa"""
00/05/2010
Für die einen ist der A380 ein Wunder, für die anderen eine fliegende Leberwurst — der europäische Prestigeflieger staubt in allen Kategorien Bestnoten und Superlative ab. Toulouse, 18. Januar - Schon die Anreise zu diesem Mega-Ereignis fiel aus dem Rahmen. Viele der mehr als 5000 Gäste, darunter allein 900 Journalisten, kamen zu spät. Detailansicht öffnen Der Riesenvogel von hinten betrachtet. (Foto: Foto: AP) Busse und Autos umkurvten immer wieder die Endmontagehalle in Toulouse, weil die Gendarmerie sie nicht passieren ließ. Ohne Namensschild sollte keiner auf das Gelände des europäischen Flugzeugbauers Airbus gelangen, doch die Schilder gab es in der Halle, wo an diesem regnerischen Dienstag das Flugzeug der Superlative präsentiert wurde. Bestnoten wollten die Veranstalter wohl auch bei der Sicherheit einheimsen und orderten einen Haufen Polizisten an. Dass mancher Gast dann lediglich die Monatskarte seines heimischen Verkehrsverbundes zur Identifizierung vorlegte und damit auf das Gelände kam, war kurios. Von Ikarus, Feen und Elfen Die Endmontagehalle in Toulouse, in der der neue Airbus noch versteckt steht, ist in blaues Licht gehüllt. Nebelschwaden steigen auf, und ein computeranimierter übergroßer Magier taucht auf einer Leinwand auf. Er erzählt von Ikarus, dem Pionier unter den Fliegern, der zu hoch flog und dessen Flügel die Sonne zerschmolz. Feen und Elfen schweben über die Bühne, Wasserspiele entführen die Zuschauer in eine ferne Märchenwelt. "Der Mensch ist zu allem in der Lage", sagt der Magier bedächtig und beschwört "die Vision der Gemeinsamkeit" herauf. Gemeinsamkeit war ein Wort, das oft fiel bei dieser Show, die den A380 als das größte Industrieprojekt Europas feiert. Als sich der Vorhang hebt und der dicke Vogel zu sehen ist, beginnt so etwas wie ein Tanz um das Goldene Kalb. Selten zuvor haben die Staatschefs so viel Einigkeit gezeigt wie bei der Vorstellung dieses gemeinsamen Projekts. Mit dem ersten durchgängig zweistöckigen Flugzeug, das mit Bars, Fitnessräumen, Shops und vielem mehr bestückt werden kann, soll ein neues Zeitalter in der Luftfahrt beginnen.
Für die einen ist der A380 ein Wunder, für die anderen eine fliegende Leberwurst — der europäische Prestigeflieger staubt in allen Kategorien Bestnoten und Superlative ab.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/der-riesenvogel-zu-kurz-zu-dick-zu-hoch-1.899851
Der Riesenvogel - Zu kurz, zu dick, zu hoch
00/05/2010
Die Herabsetzung des Leitzinses soll die schwache Wirtschaft beleben. Direkte Auswirkungen hat die Entscheidung zunächst jedoch nur für den Geldmarkt. So viel steht fest: Die Leitzinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) von 2,5 auf 2,0 Prozent wird keine auf breiter Front fallenden Zinsen nach sich ziehen. Zwischen den Entscheidungen der Währungshüter und den Zinskonditionen für Konsumenten und Unternehmen besteht kein unmittelbarer Zusammenhang. In erster Linie beeinflussen die Notenbanken den kurzfristigen Geldmarkt, an dem sich Kreditinstitute, aber auch große Unternehmen Liquidität verschaffen können. Geldmarkt reagiert unmittelbar Am Frankfurter Geldmarkt sind die Zinsbeschlüsse der EZB deutlich abzulesen. Anfang 2001 bei einem Leitzins von 4,75 Prozent wurde für Tagesgeld noch rund fünf Prozent bezahlt. Mittlerweile sind es nur noch 2,4 Prozent. Lediglich bei Unternehmenskrediten, deren Zinshöhe vertraglich an die Entwicklung des Geldmarkts gekoppelt ist, ist ein relativ schnelles Durchschlagen des verringerten Zinsniveaus zu beobachten. Die günstigeren Finanzierungskosten von Banken und Sparkassen über billigeres Zentralbankgeld oder am Geldmarkt bestimmen allerdings nur einen Teil der Passivseite einer Bank-Bilanz. Auch auf — höher verzinsliche — Einlagen der Kunden müssen die Institute zurückgreifen, um auf der anderen Seite Geld ausleihen zu können. Dabei hängen jedoch die Konditionen entscheidend von der jeweiligen Konkurrenzlage der Banken und/oder der Verhandlungsposition des Kreditnehmers ab. Zunehmender Zinsdruck Der Zinsdruck für die Institute nimmt zwar zu, die Reaktion wird aber häufig vom Handeln der Wettbewerber abhängig gemacht. Angesichts der hohen Kreditausfälle — nicht zuletzt wegen der ungebrochenen Insolvenzwelle — werden mittlerweile die Risiken bei den Kreditnehmern aber stärker berücksichtigt. Dies führt je nach Bonität des Schuldners zu entsprechenden Aufschlägen. Aber auch am langfristigen Kapitalmarkt, der von den EZB- Entscheidungen kaum beeinflusst wird, hat das Zinsniveau hier zu Lande historische Tiefstände erreicht. Gemessen an der Umlaufrendite lag das Zinsniveau Anfang 2001 bei gut fünf Prozent. Nach einem Zwischenhoch Anfang vergangenen Jahres liegen die Kapitalmarktzinsen derzeit bei nur noch 3,35 Prozent. Dies nützt vor allem potenziellen Häuslebauern. Während Anfang 2001 für Baudarlehen mit zehn Jahren Festzins noch rund sechs Prozent verlangt wurden, liegen Hypothekenzinsen derzeit bei gut 4,5 Prozent. Für Investitionsentscheidungen sind die Zinskosten allerdings nur ein Faktor. Wenn die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen auf Grund der weltweit schleppenden Konjunktur eher gering eingeschätzt wird, besteht kaum Anlass, große Summen in neue Fabriken, Bauten oder Ausrüstungen zu investieren. Als Bremse wirken die aktuell ohnehin nicht ausgelasteten Kapazitäten.
Die Herabsetzung des Leitzinses soll die schwache Wirtschaft beleben. Direkte Auswirkungen hat die Entscheidung zunächst jedoch nur für den Geldmarkt.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/zinssenkungen-fuer-die-verbraucher-bleibt-nicht-viel-1.899292
Zinssenkungen - Für die Verbraucher bleibt nicht viel
00/05/2010
Der europäische Luftfahrtkonzern will Militärflugzeuge entwickeln, die am Himmel mit dem bloßen Auge nicht mehr zu erkennen sind. Die Maschinen sollen ihre Oberfläche der Umgebung laufend anpassen - wie es auch Chamäleons tun. "Wir untersuchen neue Technologien, damit ein Flugkörper etwa ab 800 Meter Entfernung am Himmel optisch nicht entdeckt werden kann", sagte Jürgen Kruse, Leiter der Abteilung Tarn-Technologie bei EADS Militärflugzeuge in Bremen, der Financial Times Deutschland. "Das Ziel ist das auf größere Entfernungen optisch nicht mehr erkennbare Flugzeug." Die Tarnung könnte für unbemannte oder auch bemannte militärische Flugkörper oder Flugzeuge zur Anwendung kommen. Bislang Tarnanstrich Bisher sind Militärmaschinen im Flug nur durch einen Tarnanstrich dagegen geschützt, entdeckt zu werden. Durch sich verändernde Oberflächen, etwa mit Hilfe von Leuchtdioden oder aktiven Folien, gebe es jetzt neue Möglichkeiten, sagte Kruse. Farbe und Helligkeit des Flugzeugs könnten sich ändern, wenn die Maschine zwischen weißen Wolken und blauem Himmel fliegt - ähnlich wie bei einem Chamäleon, das seine Farbe der Umgebung anpassen kann. Praktische Flugtests in drei Jahren möglich EADS hat beim Beschaffungsamt der Bundeswehr einen Antrag für ein Forschungsprojekt zur optischen Tarnung gestellt; bei einer Zustimmung könnten praktische Flugtests in etwa drei Jahren beginnen. Angaben über technische oder finanzielle Einzelheiten des Projektes werden nicht gemacht. In der Branche ist bekannt, dass auch die USA und Großbritannien an Projekten zur optischen Tarnung von Flugzeugen arbeiten. In den vergangenen Jahrzehnten konzentrierte sich die Tarnung von Militärflugzeugen allerdings auf ein möglichst geringes Echo der Radarstrahlen sowie auf geringe Wärmestrahlung.
Der europäische Luftfahrtkonzern will Militärflugzeuge entwickeln, die am Himmel mit dem bloßen Auge nicht mehr zu erkennen sind. Die Maschinen sollen ihre Oberfläche der Umgebung laufend anpassen - wie es auch Chamäleons tun.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/perfekte-camouflage-eads-plant-chamaeleon-flugzeug-1.903085
Perfekte Camouflage - EADS plant Chamäleon-Flugzeug
00/05/2010
Platin und Palladium kommen vor allem in der Auto- und Schmuckindustrie zum Einsatz. Marktbeobachter rechnen zumindest mittelfristig mit recht stabilen Preisen. Der italienische Humanist Julius Caesar Scaliger (1484-1558) beschreibt das schon von Indianern Südamerikas benutzte Platin zwar noch als ein mysteriöses weißes Metall, das sich allen Schmelzversuchen entzog. Detailansicht öffnen Die Autoindustrie setzt Platin in Katalysatoren ein. (Foto: Foto: AP) Für die Spekulanten in New York und Tokio scheint das Edelmetall derzeit jedoch wenig Geheimnisvolles zu bieten. Marktteilnehmer gehen bei den Metallen bis mindestens 2007 von stabilen Preisen aus. Beide Metalle buhlen um dieselben Kunden. Platin und Palladium werden von der Autoindustrie in Katalysatoren eingesetzt, beide spielen in der Schmuckindustrie eine wichtige Rolle. Der Preis für Platin hatte im April 2004, getragen von den steigenden Preisen für Gold und Silber, mit 943 Dollar je Feinunze den höchsten Stand seit 24 Jahren erreicht und schwankt seitdem um 860 Dollar. Bei Palladium hatten lang anhaltende, bürokratisch bedingte Lieferausfälle aus Russland den Preis 2001/2003 vorübergehend auf 1100 Dollar pro Unze katapultiert. Die Versorgungslage hat sich verbessert, der Preis dümpelt mit 170 bis 200 Dollar auf dem Niveau der 80er und 90er Jahre. Südafrika als Hauptlieferant Für Platin ist Südafrika mit einem Anteil von vier Fünftel an der Welt-Produktion das wichtigste Herkunftsland, mit steigender Tendenz. Während das Angebot der Russen seit 2001 auf dem besten Weg ist, sich bis 2007 auf knapp 800.000 Unzen zu halbieren, soll die Platinproduktion Südafrikas bis dahin um etwa 40 Prozent auf 5,7 Millionen steigen. Russland deckt knapp die Hälfte der weltweiten Nachfrage nach Palladium. In den letzten fünf Jahren haben die Südafrikaner jedoch ihre Produktion massiv um etwa ein Drittel auf 2,7 Millionen Unzen gesteigert. Die Russen produzieren etwa 3,1 Millionen Unzen.
Platin und Palladium kommen vor allem in der Auto- und Schmuckindustrie zum Einsatz. Marktbeobachter rechnen zumindest mittelfristig mit recht stabilen Preisen.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/sz-serie-rohstoffe-xi-das-geheimnisvolle-metall-der-indianer-1.901051
SZ-Serie: Rohstoffe (XI) - Das geheimnisvolle Metall der Indianer
00/05/2010
Der starke Euro hat der Hoffnung auf einen Konjunkturaufschwung einen Dämpfer versetzt. Nach neun Anstiegen in Folge verschlechterte sich der Geschäftsklimaindex des Ifo-Instituts im Februar überraschend deutlich. Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn wertete den Rückgang des Index von 97,5 auf 96,4 Zähler als "kleinen Warnschuss" für die Konjunkturentwicklung. Viele Experten hatten lediglich mit einer Stagnation gerechnet. An den Börsen sorgte der Rückgang des ifo-Index für schlechte Stimmung. Detailansicht öffnen Ifo-Chef Hans-Werner Sinn. (Foto: Foto: AP) Sinn machte vor allem den starken Euro für die Eintrübung verantwortlich. "Wenn der Euro über 1,30 Dollar geht, wird es schon schwierig für die Unternehmen, in den Dollar-Raum zu exportieren." Die Europäische Zentralbank müsse den Kurs notfalls durch Interventionen stabilisieren. Von einer Zinssenkung zum derzeitigen Zeitpunkt riet Sinn allerdings ab. Vermutlich werde sich der Stimmungsaufschwung der vergangenen Monate nach der Unterbrechung im Februar fortsetzen. Das ifo Institut sieht erst bei drei Rückgängen in Folge Zeichen für einen längerfristigen Abwärtstrend. Der deutsche Leitindex Dax rutschte nach Bekanntgabe der ifo-Zahlen ins Minus und hielt sich nur noch knapp über der 4000-Punkte-Marke. Pessimistischer beurteilten die Unternehmen ihre vor allem ihre Zukunftsaussichten für die kommenden sechs Monate. Der entsprechende Index verschlechterte sich von 102,9 auf 100,4 Punkte. Dagegen fielen die Urteile zur gegenwärtigen Geschäftslage mit 92,6 Punkten nahezu unverändert aus (Januar: 92,5 Punkte). Gedämpfte Exporterwartungen Die Euro-Aufwertung drückte vor allem auf die Exporterwartungen in der Industrie. Auch die Großhandelsunternehmen beurteilten sowohl den Ausblick als auch die gegenwärtige Geschäftslage schlechter. Dagegen hellte sich das Klima im Einzelhandel auf niedrigem Niveau leicht auf. Die Stimmung in der Bauwirtschaft, die seit Jahren in der Krise steckt, blieb nahezu unverändert. Auch ifo-Chefvolkswirt Gernot Nerb hält den Rückgang für nicht dramatisch. "Bisher sehen wir noch keinen Anlass dafür, dass wir von unseren Prognosen abrücken", sagte Nerb. Das Institut rechnet für die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr mit einem Wachstum um 1,8 Prozent. "Es musste schon mal damit gerechnet werden, dass die Erwartungen nicht ungebremst nach oben gehen, jetzt sind sie etwas gedämpft, aber auf hohem Niveau", sagte Nerb. Mit einer Belebung auf dem Arbeitsmarkt sei spätestens im zweiten Halbjahr zu rechnen. Erstmals bundesweit einheitlicher Index Zum ersten Mal verzichtete das Institut bei seinem Geschäftsklima-Index auf eine Unterscheidung zwischen Ost- und Westdeutschland und legte einen bundesweit einheitlichen Index vor. Der Geschäftsklima-Index stützt sich auf eine Umfrage bei 7000 Firmen aus dem Verarbeitenden Gewerbe, dem Baugewerbe sowie dem Groß- und Einzelhandel. Die einmal pro Monat ermittelten Zahlen gelten als wichtiger Indikator für die konjunkturelle Entwicklung.
Der starke Euro hat der Hoffnung auf einen Konjunkturaufschwung einen Dämpfer versetzt. Nach neun Anstiegen in Folge verschlechterte sich der Geschäftsklimaindex des Ifo-Instituts im Februar überraschend deutlich.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/ifo-index-kleiner-warnschuss-fuer-die-konjunktur-1.903138
"ifo-Index - ""Kleiner Warnschuss für die Konjunktur"""
00/05/2010