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Handwerks-Präsident Otto Kentzler hat seine Forderung bekräftigt, Krankheitstage vom Urlaub der Arbeitnehmer abzuziehen. Kleinere Betriebe könnten es sich nicht mehr leisten, ihren Beschäftigten nach langer Krankheit noch den Gesamtanspruch auf ihren Urlaub zu erfüllen, sagte Kentzler im ZDF. Detailansicht öffnen Handwerks-Präsident Otto Kentzler tritt für eine Senkung der Lohnzusatzkosten ein. (Foto: Foto: dpa) Der Vorstoß war auf heftige Kritik bei den Gewerkschaften gestoßen, die die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall bedroht sehen. In Zeiten "großen Drucks von außen" müsse Arbeit in Deutschland preiswerter gemacht werden, sagte Kentzler. Dazu gehöre die Senkung der Lohnzusatzkosten, zu denen auch die Krankheitstage und Urlaubstage zählen: "In diesen Zeiten müssen wir alles auf den Prüfstand stellen, alles darf in Frage gestellt werden", sagte der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks. Fehlende Arbeitsleistung durch Krankheit Unternehmen müssten Urlaubs- und Krankheitstage erwirtschaften. Bei längerer Krankheit von Beschäftigten fehle jedoch deren Arbeitsleistung. "Der Arbeitnehmer muss nach seiner Genesung seine volle Arbeitskraft zur Verfügung stellen, damit dies wieder aufgeholt werden kann, damit Urlaub und auch Krankheitstage bezahlbar werden", begründete Kentzler seinen Vorstoß. Der Handwerks-Präsident forderte die Tarifparteien auf, entsprechende Regelungen auszuhandeln. Ver.di-Chef Frank Bsirske regierte mit scharfer Kritik auf die Forderung. Bei dem Vorschlag von Otto Kentzler handele es sich um eine "abstruse Idee", sagte Bsirske dem Tagesspiegel. Kritik aus der Gewerkschaft Hinter dem Vorstoß stecke nichts anderes als die Absicht, die Arbeitszeiten zu verlängern. "Der Jahresurlaub ist zur Wiederherstellung der Arbeitskraft und nicht zum Auskurieren von Krankheiten gedacht", betonte der Chef der Dienstleistungsgewerkschaft.
Handwerks-Präsident Otto Kentzler hat seine Forderung bekräftigt, Krankheitstage vom Urlaub der Arbeitnehmer abzuziehen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/arbeitszeit-debatte-krank-zur-arbeit-gesund-in-den-urlaub-1.898726
Arbeitszeit-Debatte - Krank zur Arbeit, gesund in den Urlaub
00/05/2010
Nun ist auch der 2. November als Stichtag für die Einführung der Lkw-Maut vom Tisch. Der geplante Probebetrieb zum 15. Oktober könne nicht eingehalten werden, hieß es nach einem Krisentreffen von Bundesverkehrsminister Stolpe und dem Betreiberkonsortium Toll Collect. Ein neuer Termin für den Maut-Start wurde nicht mitgeteilt. Verkehrsminister Manfred Stolpe hatte sich mit den Vorständen der für Entwicklung und Betrieb des neuen satellitengestützten Systems verantwortlichen Firmen zu einem mehrstündigen Krisengespräch getroffen. Nach dem "offenen und ernsten Gespräch" hätten beide Seiten festgestellt, dass die Voraussetzungen für den Probebetrieb nicht vorliegen, sagte der Sprecher. Zunächst müssten die von Experten in einem Workshop festgestellten über 80 Mängel beseitigt werden. "Schnellstmöglicher Start des Probebetriebs" vorgesehen In einer gemeinsamen Erklärung des Betreiberkonsortiums Toll Collect und des Ministeriums heißt es, jetzt sollten unverzüglich die offenen Fragen abgearbeitet werden - "mit dem Ziel des schnellstmöglichen Starts des Probebetriebs". Dies soll in Arbeitsgruppen geschehen. Dabei komme den Aspekten der Stabilität des Systems und eines kundenfreundlichen Betriebs besondere Bedeutung zu. Über Fristen, Haftung und Einnahmeausfälle soll weiter verhandelt werden. "Die Partner werden eine Vertragsanpassung vornehmen, bei der einvernehmlich alle offenen Fragen, die sich aus der Terminverschiebung ergeben, geklärt werden", heißt es in der Erklärung. Das Betreiberkonsortium, an dem die deutschen Firmen DaimlerChrysler und Telekom beteiligt sind, hatte bereits den Starttermin 31. August nicht halten können. Nun wurde auch der 2. November gekippt. Dies bedeutet monatliche Ausfälle von 163 Millionen Euro für die Staatskasse. Seit September fahren alle Lkw ohne Gebühr auf deutschen Autobahnen. Zuvor mussten sie eine zeitbezogene Vignette kaufen. Verhandlungen über Haftungsfrage Das Verkehrsministerium will nun über die Einnahmeausfälle und die Haftung des Konsortiums verhandeln. Pro Monat entgehen dem Bund Stolpe zufolge 156 Millionen Euro. In einer gemeinsamen Erklärung mit Toll Collect heißt es, es würden einvernehmlich alle Fragen geklärt, die sich aus der Terminverschiebung ergäben. Der Probebetrieb solle jetzt so schnell wie möglich starten. Dies sei bis Mitte Oktober nicht zu schaffen, da noch grobe Mängel beseitigt werden müssten, sagte ein Sprecher des Ministeriums. Für die Erprobung sind laut Vertrag zwei Monate, notfalls vier Wochen vorgesehen.
Nun ist auch der 2. November als Stichtag für die Einführung der Lkw-Maut vom Tisch. Der geplante Probebetrieb zum 15. Oktober könne nicht eingehalten werden, hieß es nach einem Krisentreffen von Bundesverkehrsminister Stolpe und dem Betreiberkonsortium Toll Collect.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/einfuehrung-verschoben-das-warten-auf-die-maut-1.906877
Einführung verschoben - Das Warten auf die Maut
00/05/2010
Der Fastfood-Riese McDonald's hat sein Angebot erweitert: Zu Pommes, Cola oder fritierten Hähnchenflügeln kann man sich jetzt auch Zugfahrkarten zum Sonderpreis bestellen. Die Deutsche Bahn macht mobil. Das habe ich erst an diesem Wochenende wieder bemerkt, als ich Stunde um Stunde wegen umgestürzten Bäumen in völlig überheizten Großraumabteilen verbrachte. Detailansicht öffnen In McDonald's-Filialen werden neben Hamburgern, Pommes und Cola auch Tickets der Deutschen Bahn verkauft. (Foto: Foto: dpa) Und jetzt hat sich der Personenbeförderer Nr. 1 mit dem Fastfood-Giganten McDonald's zu einem seltsamen Bund zusammengeschlossen. Nein, die wenigen verbleibenden Speisewagen werden noch nicht von den "Golden Arches" geziert, die faden Bahnsandwiches nicht durch flaue Hamburger-Brötchen ersetzt. Das gemeinsame Projekt sieht anders aus: Seit 6. März kann man sich zu Fritten und Royal TS vier Mal "München-Berlin" dazubestellen. Für 99 Euro. Ich liebe es. Oder war da nicht doch noch ein Haken? Ein Selbstversuch muss her Die Aktion schreit nach einem Selbstversuch. Immerhin sollen eine Million Tickets verkauft werden, und man will ja mitreden, bei solchen Massenereignissen. Oder zumindest günstig quer durch Deutschland fahren. Ich erinnere mich noch genau: Vor einem Jahr gab es schon einmal diese Schnäppchenfahrkarten. Geiz ist geil, habe ich vom Elektrohandel gelernt, und stürmte mit den Massen zu Lidl. Ohne Erfolg - in meiner Filiale war längst alles ausverkauft. Dieses Mal bereitete ich mich besser vor, man lernt ja aus seinen Fehlern. Gute Chancen erhoffte ich mir, weil keine großen Werbekampagnen liefen und die Aktion erst vor wenigen Tagen angekündigt wurde. Eigentlich waren mir nicht einmal die Konditionen klar. Aber für 99 Euro vier Mal durch Deutschland - das konnte doch nicht so schlecht sein. Stöbern im Presseportal der Deutschen Bahn. Erste Zweifel. "Der Kunde kann die Fahrkarte selber nutzen oder aber bis zu drei Reisende mitnehmen", heißt es da kryptisch. Auf der Suche nach dem Haken Mein Misstrauen erwacht. Ich erinnere mich plötzlich daran, dass man Fahrkarten inzwischen nur noch gegen 15 Euro "Gebühren" zurückgeben kann. Und wehe, man hat sie im Internet gekauft oder Sonderangebote gebucht, dann wird es noch schwieriger. Mitfahrer kann man auf der BahnCard auch nicht mehr mitnehmen, und überhaupt hat der gefühlte Ärger mit der Bahn einfach stetig zugenommen. Und tatsächlich: Telefongespräche und Kleingedrucktes enthüllen, dass die Konditionen im Vergleich zur letzten Aktion deutlich strenger sind: keine Weitergabe des Tickets, keine Fahrten an Freitagen oder Sonntagen und schon in drei Monaten verfallen die ungenutzten Fahrten. Ob sich das wirklich lohnt? In meinem Kopf schiebe ich Urlaubstage und freie Wochenenden auf dem imaginären Organizer hin und her. Dann der Beschluss: Ich wage den Versuch. Ob ich wohl vor McDonald's campieren muss? Die Schneemassen nehmen mir die Entscheidung ab, obwohl so ein kuscheliges Iglu vor der goldenen Pforte auch romantisch gewesen wäre. Überrascht komme ich in der Filiale meines Vertrauens an. Keine Schlange, keine Werbebanner an den Glasscheiben. Drinnen sitzen ein paar Gäste, essen Fritten und Burger, von Reisefieber und Schnäppchenfreude keine Spur. Habe ich mich etwa im Tag vertan? Verstört wende ich mich an die Verkäuferin. Bevor ich viel sagen kann, stehen schon 99 Euro auf meiner Rechnung. So schnell ging das bei der Bahn nie. Aber halt, ich hatte doch noch Fragen. Jetzt wollen wir doch mal sehen, dachte ich. Von Mehdorn lernen... Aber die Burger-Dame entkräftet alle mein Vorurteile. Lückenlos klärt sie mich über alle Einschränkungen auf, ihre drei Sätze sagen mehr als die zweiseitige Pressemeldung der Bahn. Vielleicht sollte die Bahn ihre Zusammenarbeit mit Fastfood-Restaurants dauerhaft ausbauen, immerhin weiß man dort, was schneller Service ist. Ich frage nach Zahlen. Wie viele Tickets sind schon weg? Wie lange gibt es noch welche? Doch hier stoße ich auf Granit. "Keine Auskunft", sagt der Manager. Das müssen hochbrisante Fragen sein. Der hat wohl doch was von Mehdorn gelernt. An der Tür treffe ich glückliche Käufer. Sie tröpfeln zwar nicht in Massen, aber stetig ein. Kaum jemand bleibt länger als zwei Minuten. Das Geschäft mit den Fahrkarten geht gut, ohne Hysterie. Ich bin fast ein bisschen enttäuscht. Vor allem, weil niemand diese fantastische Kombination bestellt - einen Royal TS und einmal München-Berlin. Mc-Burger und Bahn-Bürger haben offenbar Berührungsängste. Schade, so ein Drive-In für Züge - das wäre doch mal wirklich eine neue Idee gewesen.
Der Fastfood-Riese McDonald's hat sein Angebot erweitert: Zu Pommes, Cola oder fritierten Hähnchenflügeln kann man sich jetzt auch Zugfahrkarten zum Sonderpreis bestellen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/selbstversuch-einen-royal-ts-und-einmal-muenchen-berlin-bitte-1.907220
"Selbstversuch - ""Einen Royal TS und einmal München-Berlin bitte!"""
00/05/2010
Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung wird in der Siemens-Affäre auch gegen den ehemaligen Finanzvorstand und Aufsichtsratsvorsitzenden Karl-Hermann Baumann ermittelt. Die Affäre um den mutmaßlichen Kauf von Betriebsräten bei Siemens reicht bis in die Konzernspitze. Vorstand Johannes Feldmayer wurde am Dienstag wegen Untreue-Verdachts verhaftet. Nach Angaben aus Justizkreisen bestand wegen zahlreicher Auslandskontakte Fluchtgefahr. Detailansicht öffnen Karl-Hermann Baumann stand dem Siemens-Aufsichtsrat bis 2005 vor. Nun wird gegen ihn ermittelt. (Foto: Foto: dpa) Er soll Millionenzahlungen veranlasst haben, mit denen sich Siemens das Wohlwollen von Betriebsräten gesichert habe. Auch gegen den ehemaligen Finanzvorstand und späteren Aufsichtsratschef Karl-Hermann Baumann wird ermittelt. Die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth, die den Fall untersucht, ermittelt gegen mehrere Siemens-Manager wegen Untreue zum Schaden des Konzerns. Diese Führungskräfte sollen nach Informationen der Süddeutschen Zeitung dafür verantwortlich sein, dass der Nürnberger Unternehmer und frühere Siemens-Betriebsrat Wilhelm Schelsky seit 2001 fast 34 Millionen Euro Beraterhonorare erhalten habe, ohne angemessene Gegenleistungen zu erbringen. Arbeitgeberfreundlich Schelsky war bislang Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Betriebsangehöriger (AUB), die nach eigenen Angaben in Deutschland 19000 Betriebsräte stellt. Am Abend teilte die AUB mit, Schelsky sei zurückgetreten. Die 1986 von Schelsky und anderen Siemens-Betriebsräten gegründete AUB gilt als arbeitgeberfreundlich und als Konkurrenz zu den DGB-Gewerkschaften. Im Ermittlungsverfahren stellte sich nach SZ-Informationen heraus, dass Schelsky das von Siemens erhaltene Geld zumindest teilweise nutzte, um die AUB zu finanzieren. Er bezahlte damit unter anderem AUB-Mitarbeiter, Büromieten und Werbematerial. Schelsky sitzt seit Mitte Februar wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung und der Beihilfe zur Untreue in Untersuchungshaft. Feldmayer hatte 2001 als Fachvorstand der Siemens-Sparte ,"Automatisierungs- und Antriebstechnik" einen Vertrag mit Schelsky unterzeichnet, der zu Millionenzahlungen an den AUB-Chef führte. 2003 rückte Feldmayer in den Zentralvorstand auf, in dem er unter anderem für das Europa-Geschäft zuständig ist. Für Europa-Geschäft zuständig Anschließend galt der Manager als Kandidat für den Vorstandsvorsitz, den dann aber Klaus Kleinfeld übernahm. Feldmayer war bereits Mitte Februar vernommen worden. Bei einer Razzia am heutigen Dienstag, die sich auf 20 Büros und Wohnungen im Großraum Nürnberg/Erlangen sowie in München erstreckte, wurde der Siemens-Vorstand verhaftet. Ermittelt wird gegen mindestens vier weitere Manager, darunter den ehemaligen Aufsichtsratschef Baumann. Weder Baumann noch dessen Anwalt Hanns W. Feigen waren am Dienstag für eine Stellungnahme erreichbar. Eine von der Nürnberger Kriminalpolizei und der Steuerfahndung gebildete Sonderkommission "Amigo", die wegen Steuerhinterziehung und Untreue ermittelt, hegt auch den Verdacht von Verstößen gegen das Betriebsverfassungsgesetz. Paragraf 119 untersagt Eingriffe in Betriebsratswahlen, zum Beispiel durch die "Zuwendung von Vorteilen". Siemens habe über Schelsky Millionenbeträge in die AUB gesteckt, um deren Aufbau und deren Betriebsratswahlkämpfe zu unterstützen, lautet der Verdacht. Verfolgung nicht von Amts wegen Derartige Gesetzesverstöße werden von der Staatsanwaltschaft aber nicht von Amts wegen, sondern nur auf Antrag von Betriebsräten, Gewerkschaften oder Unternehmen verfolgt. Ein solcher liegt bislang aber nicht vor. Die IG Metall prüft nun, ob sie Strafanzeige stellt. In diesem Fall könnte die Staatsanwaltschaft das Ermittlungsverfahren ausweiten. Ex-VW-Vorstand Peter Hartz war wegen Verstoßes gegen den Paragrafen 119 und wegen Untreue kürzlich zu zwei Jahren Haft auf Bewährung und zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Hartz habe sich mit Zahlungen von 1,9 Millionen Euro an den ehemaligen VW-Betriebsratschef Klaus Volkert dessen "Wohlwollen" sichern wollen, befand das Landgericht Braunschweig. In dem Fall hatte Mitte 2005 der damalige VW-Chef Bernd Pischetsrieder Strafanzeige gestellt, um zur Aufklärung beizutragen. Siemens plant das offenbar nicht. Pauschale Formulierungen Nun könnte auf den Fall VW der Fall Siemens folgen. Die Zusammenarbeit des Konzerns mit AUB-Chef reicht weit in die Vergangenheit. Schelsky hatte sich nach seiner Zeit als Betriebsrat bei Siemens Ende der achtziger, Anfang der neunziger Jahr selbständig gemacht - und rasch einen gut dotierten Beratervertrag. Für 52 000 Mark im Monat durfte sich der Jungunternehmer von 1991 an um die Siemens AG kümmern. Bei dem Ermittlungsverfahren in Nürnberg fand sich ein Beratungs- und Schulungsvertrag, der vorsah, dass Schelsky dem Konzern Ratschläge bei Personalentscheidungen und Tipps zur Mitbestimmung geben sowie Mitarbeiter und Manager schulen sollte. Der Chef einer Arbeitnehmer-Organisation als bezahlter Helfer bei Personalentscheigungen - das dürfte in der deutschen Wirtschaft ziemlich einmalig sein. Aus den umgerechnet 322 000 Euro pro Jahr, die der ab 1991 gültige Vertrag vorsah, wurden später viele Millionen Euro, bis dieses Treiben irgendwann dem Fiskus auffiel. Die Finanzbehörden fingen an, den Geldfluss zu prüfen, und stießen auf viele merkwürdige Rechnungen. Mit pauschalen Stichworten wie "Dienstleistungen" oder "Beratungsleistungen wie vereinbart" hat Schelsky nach den Erkenntnissen der Ermittler über eine ihm gehörende Unternehmensberatung GmbH allein zwischen 2002 und 2004 dem Konzern 22 Rechnungen mit Beträgen zwischen 450 000 und 800 000 Euro ausgestellt. Allein in diesen drei Jahren soll Siemens 14,75 Millionen Euro anstandslos bezahlt haben, ohne dass es dafür nachvollziehbare Gegenleistungen gegeben habe - außer möglicherweise dem Wohlwollen des AUB-Chefs, seiner Organisation und der von ihr gestellten Betriebsräte gegenüber Siemens. Nach ersten Ergebnissen aus dem Strafverfahren hat Schelsky mit dem Siemens-Geld beispielsweise im Jahr 2004 mindestens für eine Million Euro Sach- und Personalkosten der AUB bestritten. 20 AUB-Mitarbeiter seien auf diesem Wege indirekt von Siemens bezahlt worden, darunter Mitarbeiter der Bundesgeschäftsstelle, der Landesgeschäftsstellen und Vorstände. Daneben soll Schelsky mit dem Siemens-Geld bei der AUB Büromieten sowie Kosten für Fahrzeuge, EDV und Werbung übernommen haben. Sogar ein Kinderferienlager für AUB-Mitglieder sei gesponsert worden. Das dürfte auch erklären, wie es die AUB es sich leisten konnten, von ihren Mitgliedern nur acht Euro Beitrag im Monat zu verlangen, weit weniger als die DGB-Gewerkschaften. Nun fehlt der AUB das viele Geld von Siemens, ihr Vorsitzender sitzt im Gefängnis, und Siemens hat noch größere Probleme. Ein Vorstand eines DAX-Konzernes in Untersuchungshaft, das kommt nicht alle Tage vor. Zuvor hatte schon der Korruptionsskandal dem Konzern ziemlich zugesetzt. Zwei ehemalige Zentralvorstände, Heinz-Joachim Neubürger und Thomas Ganswindt, zählen dort zu den Beschuldigten, und auch dieses Ermittlungsverfahren ist noch längst nicht ausgestanden. Die Münchner Staatsanwaltschaft vernimmt weiter Zeugen und Beschuldigte, um weltweite Schmiergeldzahlungen aufzuklären. Es bleibt spannend bei Siemens.
Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung wird in der Siemens-Affäre auch gegen den ehemaligen Finanzvorstand und Aufsichtsratsvorsitzenden Karl-Hermann Baumann ermittelt.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/siemens-affaere-ermittlungen-auch-gegen-ex-aufsichtsratschef-baumann-1.919591
Siemens-Affäre - Ermittlungen auch gegen Ex-Aufsichtsratschef Baumann
00/05/2010
Der RWE-Konzern versucht, den Börsengang der RAG zu torpedieren, und das Unternehmen dann zu zerschlagen. Sie will sich damit den Weg für eine Übernahme der RAG-Stromtochter Steag frei machen. RWE ist mit einem Anteil von über 30 Prozent der zweitgrößte RAG-Aktionär und hatte die Börsenpläne bisher mitgetragen. Der Konzern wollte allerdings von Anfang an eine Beteiligung von 25,1 Prozent an der Steag, deren Steinkohlekraftwerke einen Teil des Stroms für RWE liefern. RAG-Chef Werner Müller hatte dem Stromversorger aus Essen stattdessen ein anderes Tochterunternehmen verkaufen wollen, die Saar Ferngas. Der Deal scheiterte später am Veto des Bundeskartellamts. Nun hat Müller den Gasversorger einem anderen Großaktionär der RAG angeboten, dem britisch-indischen Stahlkonzern Arcelor Mittal. Er darf Saar Ferngas zum selben Preis erwerben, den RWE zahlen wollte. "Über den Tisch gezogen" Der Essener Stromversorger fühle sich deshalb von der RAG "über den Tisch gezogen", heißt es in der Düsseldorfer Staatskanzlei. Müller wird vorgeworfen, die beiden Großaktionäre gegeneinander ausgespielt zu haben. In einem Schreiben, das der SZ vorliegt, bezeichnet RWE die Vereinbarung, die Müller mit Arcelor Mittal getroffen hat, als rechtlich nicht bindend. Dem RAG-Vorstand werden Pflichtverstöße vorgeworfen, weil der Vertrag ohne vorherige Zustimmung des Aufsichtsrats geschlossen worden sei. Der RAG-Aufsichtsrat war im März über den Deal "nur" informiert worden. Das Kontrollgremium soll jetzt zu einer außerordentlichen Sitzung zusammenkommen, um den Vorgang zu klären. Die RAG begrüßte dies. "Damit gibt es die Chance, den Sachverhalt aus Sicht des Vorstands erneut und sehr präzise darzulegen", sagte ein RAG-Sprecher. Weitere Angaben zu dem Vorgang machte er nicht. Die RWE erklärte offiziell: "Wir begleiten den Börsengang der RAG konstruktiv". Tatsächlich setzt das Unternehmen nun eher auf eine Alternative, die seit Wochen diskutiert wird: Der Industrie- und Kohlekonzern RAG würde demnach zerschlagen und seine Einzelteile getrennt verkauft; für RWE könnte dann die Steag abfallen. Der frühere Bundeswirtschaftsminister Müller arbeitet dagegen seit Jahren darauf hin, aus der früheren Ruhrkohle einen Börsenkonzern zu formen. Dieser soll auf den Säulen Chemie (Degussa), Energie (Steag) und Immobilien stehen. "Wir werden den RAG-Konzern an die Börse bringen. Daran wird sich nichts ändern'', sagt Müller. "Hybris und Panik" Auch die nordrhein-westfälische Landesregierung hatte mehrfach verlangt, die Sparten der RAG einzeln an Investoren zu verkaufen. Sie verspricht sich hiervon höhere Einnahmen für die Bergbaustiftung. Die Stiftung soll nach dem Auslaufen des subventionierten Steinkohlebergbaus im Jahre 2018 die sogenannten "Ewigkeitskosten", also Berg- und Wasserschäden, finanzieren. Das Kohleland NRW ist für die Bergbaustiftung mit 70 Prozent in der Risikohaftung, der Bund mit 30 Prozent. Über die Satzung der Stiftung wird noch hart gerungen. Am Widerstand von Nordrhein-Westfalen droht unterdessen auch der Wunsch von Müller zu scheitern, an die Spitze der Stiftung zu rücken. "Müller wird es definitiv nicht. Die Landesregierung hat ihre Veto-Karte gezogen", verlautete am Freitag in Regierungskreisen in Düsseldorf. Bei dem jüngsten Kohlegipfel in Berlin am vergangenen Mittwoch soll Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) bereits deutlich gemacht haben, dass seine Vertrauensbasis zu Müller "völlig zerrüttet" sei. Rüttgers habe für seine Haltung die Rückendeckung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), heißt es in der Düsseldorfer Staatskanzlei. Keine Politiker an der Spitze Rüttgers hatte in den vergangenen Wochen immer wieder deutlich gemacht, dass NRW an der Spitze der Bergbaustiftung "keinen aktiven oder ehemaligen Politiker" dulden werde. Der parteilose Müller war in der rot-grünen Bundesregierung Wirtschaftsminister. Der Düsseldorfer Regierungschef verübelt Müller, dass sich dieser durch eine offensive Pressepolitik immer wieder selbst als Stiftungsvorsitzender ins Gespräch gebracht habe. "In einer Mischung aus Hybris und Panik hat Müller die Landesregierung unter Druck gesetzt", heißt es in der Umgebung von Rüttgers. Dadurch sei "das politische Vertrauen endgültig zerstört worden''. RWE, die EnBW, aber auch andere Unternehmen wie die Chemiegruppe Lanxess nutzen den politischen Stillstand, um sich als Interessenten für Teile des RAG-Konzerns ins Gespräch zu bringen. RAG hat allerdings stets bestritten, dass es zu Einzelverkäufen kommen könnte. Dabei ist die Steag von großer strategischer Bedeutung für RWE. Das gilt auch für Saar Ferngas. RWE-Chef Harry Roels hatte den geplanten Erwerb bei der Vorlage seiner Bilanz stolz herausgestellt. Tatsächlich hatte die Beschlussabteilung der Behörde bereits zwei Tage vorher die Untersagung der Übernahme angekündigt.
Der RWE-Konzern versucht, den Börsengang der RAG zu torpedieren, und das Unternehmen dann zu zerschlagen. Sie will sich damit den Weg für eine Übernahme der RAG-Stromtochter Steag frei machen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/zerschlagung-statt-boersengang-rwe-torpediert-plaene-der-rag-1.898708
Zerschlagung statt Börsengang - RWE torpediert Pläne der RAG
00/05/2010
Telekom-Chef René Obermann hält die Übernahme der Telekom durch Finanzinvestoren für möglich, wenn das Unternehmen nicht bald wettbewerbsfähiger wird. Der Vorstandschef der Deutschen Telekom, René Obermann, hält eine Übernahme seines Unternehmens durch Finanzinvestoren für denkbar. "Ich halte es nicht für ausgeschlossen, Gegenstand von Übernahmeszenarien zu werden, wenn es uns nicht gelingt, in den nächsten Jahren die Unternehmensbewertung zu steigern", sagte Obermann am Mittwochabend in Berlin. Der Bonner Konzern sieht sich gegenüber der Konkurrenz im Wettbewerbsnachteil und will daher mit einem umfassenden Umbau seine Kosten senken. Obermann verteidigte die geplante Auslagerung von rund 50.000 Mitarbeitern in drei Gesellschaften unter dem Dachnamen T-Service, über die seit Dienstag mit der Gewerkschaft Verdi im rheinland- pfälzischen Mayschoß in fünfter Runde verhandelt wird. Starke Kontrahenten Nach einer Unterbrechung am Vorabend sollen die Gespräche an diesem Donnerstag fortgesetzt werden. Die Gewerkschaft wendet sich weiterhin entschieden gegen die Pläne der Telekom, die Beschäftigten zu verschlechterten Bedingungen in drei Service-Gesellschaften auszulagern. Dort sollen sie länger und für weniger Geld arbeiten. Obermann verwies auf das Beispiel der Deutschen Börse, die von Finanzinvestoren zu einem Strategiewechsel gezwungen worden war. Dies könnte auch bei der Telekom geschehen. "Aktive" Aktionäre könnten dazu in direkte Auseinandersetzung mit dem Vorstand der Telekom treten. Eine Zerschlagung des Bonner Konzerns hält er dann für denkbar. Massiv Kosten senken An der Telekom ist der Finanzinvestor Blackstone mit 4,5 Prozent beteiligt. Um die Wettbewerbsfähigkeit der Telekom zu sichern, will Obermann die Kosten massiv senken. Der Kostennachteil in Deutschland belaufe sich im Jahr auf 1,5 Milliarden Euro im Vergleich zum Wettbewerb. Der Telekom-Chef bekräftigte, dass er sich auch bei einer Ausweitung der Streiks nicht von seinem Kurs abbringen lasse. "Ein halbherziger Kompromiss bringt uns nicht weiter." Dann stehe die Telekom in ein bis zwei Jahren wieder vor den gleichen Problemen. Die Telekom hat laut Angaben aus Kreisen im ersten Quartal 600.000 Festnetz-Kunden verloren. Der Konzernchef beteuerte indes, dass die Telekom zu Zugeständnissen bereit sei. "Wir sind an kleinen Stellen kompromissbereit." Die Mitarbeiter von T-Service sollen zwölf Prozent weniger Lohn erhalten und mindestens vier Stunden länger arbeiten. Ausweitung der Protestaktionen Zur fünften Gesprächsrunde waren am Mittwoch auch rund 1.000 Telekom- Mitarbeiter angereist, die lautstark gegen die Pläne des Vorstands protestiert hatten. Verdi drohte mit einer Ausweitung der Protestaktionen. Die Gewerkschaft fordert einen tariflichen Auslagerungsschutz für die betroffenen Beschäftigten. "Wir stehen vor einer geschichtlichen Auseinandersetzung, wir werden uns wehren und lassen nicht mit uns Schlitten fahren", sagte Verhandlungsführer Lothar Schröder. Er kündigte zugleich eine Fortsetzung der Warnstreiks an. "Wenn wir damit nicht zurecht kommen, gehen wir in die Urabstimmung". Vom Verdi-Bundesvorstand hatte die Verhandlungsdelegation am Dienstagabend eine Genehmigung zur Vorbereitung der Urabstimmung erhalten.
Telekom-Chef René Obermann hält die Übernahme der Telekom durch Finanzinvestoren für möglich, wenn das Unternehmen nicht bald wettbewerbsfähiger wird.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/telekom-hinkt-konkurrenz-hinterher-angst-vor-den-heuschrecken-1.905924
Telekom hinkt Konkurrenz hinterher - Angst vor den Heuschrecken
00/05/2010
Jetzt steht es fest: Als der Aufsichtsrat von Mannesmann im Frühjahr 2000 bei der Übernahme durch Vodafone Prämien in Millionenhöhe an Führungskräfte verteilte, hat er eine Untreue begangen. Davon ist der Bundesgerichtshof überzeugt. Am Mittwoch haben die obersten deutschen Strafrichter deshalb die Freisprüche des Landgerichts Düsseldorf aufgehoben. Für die Angeklagten, zu denen neben Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser auch der heutige Deutsche-Bank-Vorstandssprecher Josef Ackermann gehört, ist das eine bittere Niederlage. Für den Wirtschaftsstandort Deutschland dagegen ist die Entscheidung gut. Langfristig wird sie das Vertrauen der Investoren in den deutschen Finanzplatz stärken. Fremdes Geld Bei der Urteilsbegründung hat der Vorsitzende Richter Klaus Tolksdorf deutliche Worte gefunden. Und es ist schon erstaunlich, dass es erst eines Richterspruchs bedurfte, um sie ins Bewusstsein zu rufen: Vorstände und Aufsichtsräte müssen bei all ihren Handlungen stets das Unternehmensinteresse im Auge behalten, stellte der Senat klar. Eine Prämie aber, für die es keine vertragliche Grundlage gibt und die zu einem Zeitpunkt gewährt wird, zu dem bereits feststeht, dass der Empfänger sehr bald aus dem Unternehmen ausscheidet - eine solche Prämie liegt auf gar keinen Fall im Interesse des Unternehmens, und zwar weitgehend unabhängig von ihrer Höhe. Damit vertritt der Bundesgerichtshof eine Auffassung, mit der die Wirtschaftslenker in Deutschland gut leben können, manche vielleicht erst nach ein bisschen Nachdenken. Denn der Richterspruch aus Karlsruhe betont eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Schließlich verfügen Vorstand und Aufsichtsrat, wenn sie Prämien verteilen, über fremdes Geld. Oder, wie es Tolksdorf ausdrückte: Sie sind "nicht Gutsherren, sondern Gutsverwalter", und als solche "zwingend einer Treuepflicht unterworfen". Wer im Vorfeld des Prozesses befürchtet hatte, dass künftig die Justiz die Gehälter von Managern bestimmt und nicht mehr die Unternehmensleitung, kann beruhigt sein. Der Bundesgerichtshof hat nur über den Fall Mannesmann entschieden und somit nur über Prämien, die freiwillig und im Nachhinein geleistet wurden. Prämien also, die keinerlei motivierende Wirkung mehr für die Zukunft haben können, weil es eine Zukunft in diesem Unternehmen für Klaus Esser nicht mehr gab. Für alle anderen Fälle gilt nach wie vor: Der Aufsichtsrat hat bei der Gewährung von Managergehältern ein weites Ermessen, in das sich die Justiz grundsätzlich nicht einmischen will. Ein Freifahrtsschein aber, mit dem der Aufsichtsrat über Geld des Unternehmens nach Belieben verfügen darf, ist das nicht. Die Düsseldorfer Staatsanwälte, die stets von der Strafbarkeit der Prämienaktion ausgegangen waren, dürfen sich bestätigt fühlen. Bislang wurden sie mit viel Häme bedacht. Das allerdings haben sich die Ankläger selbst zuzuschreiben. Denn sie waren es, die auch nach wochenlangem Prozess immer wieder eine angebliche Käuflichkeit Essers ins Spiel gebracht hatten - ein noch wesentlich schwererer Vorwurf. Aber kein einziger Zeuge, kein einziges Dokument hatten diese Theorie bestätigt. Bei einer Staatsanwaltschaft aber, die nur Belastendes zu Kenntnis nahm und alles Entlastende ausblendete, entstand der Verdacht, dass sie sich verrannt hatte. Pluspunkt für den Finanzplatz Nun wird der Prozess komplett neu aufgerollt. Die sechs Angeklagten, darunter neben Esser auch Deutsche-Bank-Chef Ackermann, müssen erneut auf die Anklagebank, vermutlich über viele Wochen hinweg. Wie dieser zweite Prozess ausgeht, ist völlig offen. Entscheidend wird es darauf ankommen, was die Angeklagten bei ihren Handlungen gedacht und welche Motive sie damit verfolgt haben. Der Bundesgerichtshof wollte nicht ausschließen, dass sie ohne Vorsatz gehandelt haben. Diesen Punkt hatte das Landgericht nicht behandelt, weil es schon von vornherein keine Untreue angenommen hatte. Selbst der Generalbundesanwalt, der gegen die Freisprüche angekämpft hatte, hält es für möglich, dass auch die zweite Verhandlung mit einem Freispruch endet. Für die Deutsche Bank aber bedeutet der Urteilsspruch vom Mittwoch in jedem Fall, dass ihr Vorstandssprecher Ackermann erneut für eine lange Zeit nur beschränkt einsetzbar ist. Wieder wird der Prozess die Schlagzeilen beherrschen, und schöne Schlagzeilen werden das sicher nicht sein. Schließlich hat gerade Ackermann bislang überhaupt kein Verständnis für die Kritik an den Prämien gezeigt. Die Bank aber, die sich derzeit in einer wichtigen Umbruchphase befindet, braucht eine starke Führung, die zeigt, in welche Richtung das größte deutsche Geldhaus steuert. Schon im Interesse seines Arbeitgebers sollte Ackermann deshalb zurücktreten. Vor Beginn des Prozesses hatte die heutige Bundeskanzlerin Angela Merkel befürchtet, das Verfahren werde den Wirtschaftsstandort Deutschland schwächen. Das Gegenteil ist der Fall. Eine funktionierende Justiz, die den hemmungslosen Griff in die Firmenkasse konsequent verfolgt, ist ein Pluspunkt für einen Finanzplatz. Schließlich investieren Aktionäre nur dort, wo sie wissen, dass man korrekt mit ihrem Geld umgeht.
Jetzt steht es fest: Als der Aufsichtsrat von Mannesmann im Frühjahr 2000 bei der Übernahme durch Vodafone Prämien in Millionenhöhe an Führungskräfte verteilte, hat er eine Untreue begangen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/der-fall-mannesmann-nach-gutsherrenart-1.903573
Der Fall Mannesmann - Nach Gutsherrenart
00/05/2010
Nur 100 Arbeiterlöhne für einen Manager — das muss reichen Bislang bekommen Manager bis zu 370-mal so viel Gehalt wie ein Facharbeiter. Der frühere SPD-Chef Hans Jochen Vogel hat jetzt eine Begrenzung auf das 100fache gefordert. Zuvor hatte das VW-Management bereits angekündigt, seine Gehälter um bis zu 30 Prozent zu senken. In der Vergangenheit habe ein Vorstands-vorsitzender in der Regel das 20- oder 30-fache eines Facharbeiters verdient. Dass nun teils das 200- bis 370-fache bezahlt werde, sei maßlos und bedürfe der Korrektur, wurde Vogel in der Berliner Zeitung zitiert. Detailansicht öffnen Derzeitige Manager-vergütungen seien maßlos, so Vogel. Foto: AP Bezüge von Vorstandsmitgliedern soll auf das 100-fache des Facharbeiterlohnes begrenzt werden. Vogel forderte zudem, Managerbezüge offenzulegen. VW schnallt den Gürtel enger Unterdessen kündigte nach DaimlerChrysler auch die Volkswagen-Konzernführung Einschnitte bei den eigenen Gehältern an. Ein VW-Sprecher sagte der Financial Times Deutschland, dass beim Management Einsparungen von mindestens 30 Prozent angestrebt würden. Das ist ebenso viel wie der Konzern von den tariflich Beschäftigten verlangt. Betroffen seien der Vorstand sowie die 2.700 Führungskräfte der Marke Volkswagen, fügte der Sprecher hinzu. Der Personalvorstand des Konzerns, Peter-Hartz, hatte kürzlich angekündigt, dass die Kosten bei den tariflich Beschäftigten in Deutschland bis 2011 um 30 Prozent gesenkt werden sollen, um die Arbeitsplätze im Inland zu sichern. Standortvorteile des Auslandes übertreffen VW-Personalchef Josef-Fidelis Senn sagte dem Berliner Tagesspiegel, dass dies mittels längerer Arbeitszeiten, weniger Lohn und mehr leistungsabhängiger Bezahlung erreicht werden solle. Dann wären die Standortvorteile des Auslands übertroffen. Noch lägen die Arbeitskosten bei VW deutlich über denen der deutschen Wettbewerber, betonte Senn. Dem Bericht zufolge will VW zudem die Ausbildungsvergütung um 20 Prozent kürzen und die Übernahmeverpflichtung nach der Ausbildung abschaffen. Dafür soll die Zahl der Lehrlinge um ein Fünftel erhöht werden. Die Verhandlungen über den VW-Haustarifvertrag beginnen im September. Der Autokonzern beschäftigt in Deutschland rund 176.000 Menschen.
Bislang bekommen Manager bis zu 370-mal so viel Gehalt wie ein Facharbeiter. Der frühere SPD-Chef Hans Jochen Vogel hat jetzt eine Begrenzung auf das 100fache gefordert. Zuvor hatte das VW-Management bereits angekündigt, seine Gehälter um bis zu 30 Prozent zu senken.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/gehaelter-diskussion-nur-100-arbeiterloehne-fuer-einen-manager-das-muss-reichen-1.904846
Gehälter-Diskussion - Nur 100 Arbeiterlöhne für einen Manager — das muss reichen
00/05/2010
(SZ vom 01.10.03) - Man glaubt Georg Kofler aufs Wort, dass er und seine Mitarbeiter bei Premiere sich "kräftig amüsiert" haben, als ihnen der "zweitbeste Titel" für ihr neues Programm-Magazin einfiel. Detailansicht öffnen Ein Mann wird zur Zeitschrift: Georg Kofler. (Foto: Foto: dpa) TVKofler wird das umstrittene Heft heißen, das ursprünglich als TV Komplett am vergangenen Freitag erscheinen sollte. Einstweilige Verfügungen, die mehrere Verlage von TV-Zeitschriften bei Gericht erwirkt hatten, können Koflers verlegerische Ambitionen nicht stoppen: Am 10. Oktober wird nun TV Kofler den 2,7 Millionen Premiere-Abonnenten kostenlos angeboten. Am Kiosk ist das 14-tägliche Blatt aber vorerst nicht zu haben. Ein Stück Satire "Es ist absurd zu meinen, man könnte wegen eines Titels ein gutes Produkt verhindern. Deshalb muss unsere Antwort auch ein Stück Satire sein", sagte der Premiere-Chef am Dienstag in München. Mit Größenwahn habe das nichts zu tun, der Name TV Kofler sei nun mal nahe liegend, weil er, Kofler, der Herausgeber sei. Außerdem könnten "selbst die spitzfindigsten Winkeladvokaten nichts einwenden" gegen "den witzigsten und problemfreiesten Platzhalter in einem aus unserer Sicht grotesken Rechtsstreit". Der Mann aus Tirol hat Humor. Und er hält an TV Komplett fest. Vor Gerichtsoll der alte Name durchgesetzt werden, Schadenersatzforderungen gegen die Verlage Bauer, Milchstraße und Gong seien in Arbeit. 99 Prozent Deren Vorwurf, TV Komplett würde den Verbraucher in die Irre führen, wies Kofler zurück. Mit 67 deutschen Sendern seien 99 Prozent der wichtigsten TV-Programme abgedeckt. Falls es vor Gericht zu keiner Einigung kommen sollte, würden die fehlenden TV-Stationen ins Magazin aufgenommen. Ohne bisher ein einziges Heft verkauft zu haben, sieht sich Kofler dennoch als Gewinner des von ihm einkalkulierten Medienrummels um TV Komplett. Viele Premiere-Kunden hätten sich kurz nach Erscheinen der ersten Ausgabe für ein Zeitschriften-Abo entschieden. Kofler konnte sich deshalb gut gelaunt brüsten: "Wir wären beleidigt gewesen, wenn die anderen nicht geklagt hätten."
Das TV-Heft von Premiere: Altes Konzept, neuer Name. Der da lautet: TV Kofler.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/programmzeitschrift-kofler-komplett-1.905645
Programmzeitschrift - Kofler komplett
00/05/2010
Um Zinsen zu sparen will der Bund erstmals und frühestens ab 2005 Fremdwährungsanleihen begeben. Sie sollen zum größten Teil auf Dollar lauten. Der Bund will bei der Bewältigung seiner enormen Zinslast frühestens von 2005 an erstmals Schuldpapiere in fremder Währung einsetzen. Die gesetzlichen Voraussetzungen für die Ausgabe von Fremd-währungsanleihen würden jetzt geschaffen und das Haushaltsgesetz 2005 und die Bundeswertpapierverwaltung entsprechend ergänzt, bestätigte die Parlamentarische Staatssekretärin im Finanzministerium, Barbara Hendricks. Zinsvorteile nutzen Es gehe nicht um eine bloße Produkterweiterung, sondern um eine Zinsersparnis und Kostenvorteile im Vergleich zu bisherigen Euro-Emissionen des Bundes, heißt es. Der hochverschuldete Bund muss in diesem Jahr rund 39,3 Milliarden Euro allein an Zinsen zahlen. Zeitpunkt und Höhe konkreter Emissionen seien offen. Die Ausgabe von Fremdwährungsanleihen erfolge auf Basis von Marktanalysen und in Absprache mit der für das Schuldenmanagement des Bundes zuständigen Finanzagentur. Vorwiegend Dollar-Anleihen Es werde sich voraussichtlich nahezu ausschließlich um Dollar-Anleihen handeln, sagte Hendricks. Das Interesse dafür sei "durchaus groß". In Ausnahmen komme je nach Marktlage möglicherweise eine andere, international gehandelte Währung in Frage. Fremdwährungsanleihen wären für den Bund ein Novum. Bisher hat er sich ausschließlich mit D-Mark- und später mit Euro-Anleihen verschuldet. Einige Bundesländer haben solche Titel dagegen bereits begeben. Emissionen kommen laut Hendricks nur dann in Frage, wenn die maßgebliche Rolle traditioneller Bundespapiere auf den Kapitalmärkten nicht gefährdet, sondern gestärkt werde. Absicherung gegen Wechselkursrisiken Die geplanten Fremdwährungsanleihen sollen gegen Schwankungen des Wechselkurses abgesichert werden. Bei voller Absicherung könnten Experten zufolge aber Zinsvorteile geringer ausfallen. Hendricks betonte, der Bund werde das Wechselkursrisiko jeweils im gleichen Monat absichern. Es würden nie offene Position eingegangen.
Um Zinsen zu sparen will der Bund erstmals und frühestens ab 2005 Fremdwährungsanleihen begeben. Sie sollen zum größten Teil auf Dollar lauten.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/der-bund-geht-fremd-schuldenpapiere-in-dollar-1.906287
Der Bund geht fremd - Schuldenpapiere in Dollar
00/05/2010
Heftiger Widerstand gegen den Sanierungsplan von Airbus: Die IG Metall hält den geplanten Personalabbau für existenzgefährdend - für die betroffenen Mitarbeiter und für das Unternehmen. Als "falsches Signal" hat die IG Metall Küste die Ankündigung von Airbus bezeichnet, in Hamburg mehr als 2300 Stellen zu streichen. "Wir werden das in Deutschland so nicht akzeptieren", sagte Daniel Friedrich von der IG Metall Küste in Hamburg. "Ein solcher Personalabbau bedeutet eine Leistungsverdichtung, die nicht hinnehmbar ist und auch gar nicht funktionieren kann", sagte Friedrich. Im Fernsehsender n-tv betonte er zudem, dass der Stellenabbau nicht nur für die betroffenen Airbus-Mitarbeiter existenzgefährdend sei, sondern auch für das Überleben des Unternehmens. Wie angesichts der Auftragslage und der Pläne von Airbus ein derart massiver Einschnitt verkraftet werden solle, sei nicht erkennbar, sagte Friedrich der Nachrichtenagentur AP. Die Gewerkschaft werde sich gegen den Stellenabbau wehren und sowohl bei den anstehenden Verhandlungen mit der Firmenleitung als auch sozial- und tarifpolitisch dagegen vorgehen. Das Management des Flugzeugherstellers hatte dem Konzernbetriebsrat am Freitag seine Pläne detailliert vorgelegt. Nach Angaben französischer Gewerkschafter sollen allein in Hamburg 2317 Stellen der insgesamt 12.000 Arbeitsplätze wegfallen. "Undurchsichtiger Sanierungsplan" Der Stellenabbau erfolgt im Rahmen des Sanierungsprogramms Power 8, das nach den milliardenschweren Produktionsproblemen beim Großflugzeug A380 aufgelegt wurde. Gewerkschaftsvertreter aus Deutschland, Frankreich und Spanien kritisierten den Sanierungsplan der Airbus-Geschäftsleitung als undurchsichtig. Drei Monate nach der Verkündung des Power-8-Plans mit 10.000 Stellenstreichungen sei immer noch nicht klar, wie die Umsetzung erfolgen solle, sagte eine Sprecherin der französischen Gewerkschaft CFE-CGC, Françoise Vallin. Insgesamt will Airbus wegen hoher Verluste durch die verzögerte Herstellung des Superjumbos A380 bei Vertragsfirmen 5.000 und in der eigenen Belegschaft ebenfalls 5.000 Stellen streichen. Die Gewerkschaften haben an allen europäischen Standorten Protestaktionen dagegen organisiert. Über die geplante Einsparung von 10.000 Stellen bei Airbus soll nun "auf nationaler Ebene" mit den Gewerkschaftern detailliert verhandelt werden. Das erfuhr die Nachrichtenredaktion dpa aus Konzernkreisen. Airbus hoffe auf eine Einigung in den nächsten zwei Monaten, hieß es. "Wir können dazu nichts sagen" Wie angekündigt, soll es die größten Einsparungen an den beiden Hauptstandorten Hamburg und Toulouse geben. In Toulouse einschließlich Saint-Eloi wolle Airbus 2168 Verwaltungsstellen in den Werken sowie zusätzlich 946 in der Firmenzentrale streichen. "Wir können dazu nichts sagen, weil die Verhandlungen erst noch auf europäischer Ebene laufen und erst in den nächsten Wochen auf einzelne Standorte herunter gebrochen werden", sagte Tore Prang, Sprecher Airbus Deutschland in Hamburg. Er könne aber bestätigen, dass die Verhandlungsbasis für Hamburg der Abbau von 2317 Stellen sei. Von Airbus in Toulouse hieß es, es sei bei dem Treffen am Freitag darum gegangen, die schon bekannte Gesamtzahl des Stellenabbaus konkret den einzelnen Werken zuzuordnen. Zu den Zahlen für die einzelnen Werke wurde keine Stellung genommen. Nach Gewerkschaftsangaben sollen in Großbritannien in Filton 1095 Arbeitsplätze gestrichen werden, in Spanien in Getafe 334 Stellen. In Frankreich schlägt Airbus für Saint-Nazaire 369, für Nantes 295 und für Méaulte 192 Stellenstreichungen vor. Aus Konzernkreisen hieß es zudem, in Nordenham gehe es "um die 150 Stellen". (sueddeutsche.de/AP/dpa)
Heftiger Widerstand gegen den Sanierungsplan von Airbus: Die IG Metall hält den geplanten Personalabbau für existenzgefährdend - für die betroffenen Mitarbeiter und für das Unternehmen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/airbus-gewerkschaft-kritisiert-stellenstreichungen-1.902038
Airbus - Gewerkschaft kritisiert Stellenstreichungen
00/05/2010
In Mecklenburg soll ein Freizeitpark Wintersportfans anlocken, doch nur 90 Kilometer weiter steht die nächste Skihalle - trotzdem flossen Millionen-Subventionen. Hans-Gerd Hanel sperrt den Winter in die Halle. Zunächst lässt er Kühlschläuche, randvoll mit Sole, in den Boden legen. Drumherum wuchert dickes Eis. Darauf packen Hanels Arbeiter Kunsteis. Dann puderzuckert eine knallgelbe Kanone Schnee über den harten Untergrund. Detailansicht öffnen Die Skihalle des neuen "Snow Funparks" in Wittenburg. (Foto: Foto: dpa) Was die scharfen Kanten der Skier und Snowboards tagsüber wegkratzen, füllen nachts 15 Schneemaschinen wieder auf. Doch ist es ausgerechnet das Wetter, das Hanels Plan fast durchkreuzt. In Norddeutschland ist es Mitte Dezember viel zu warm. Die Schneekanone bräuchte jetzt beißende Kälte. Ist das vielleicht die Rache des Winters dafür, dass ihn Hans-Gerd Hanel in die Halle sperrt? Im mecklenburgischen Wittenburg hat vor wenigen Tagen der Snow Funpark eröffnet. Unternehmer Hanel, 55, will mit der Skihalle Wintersportfans ins abgelegene Nordostdeutschland locken. Die Anlage mit der Postanschrift ,,Zur Winterwelt 1'' ist in Deutschland die fünfte ihrer Art. Nummer vier steht allerdings nur weniger als hundert Kilometer Luftlinie von Wittenburg entfernt im niedersächsischen Bispingen. Für den Investor Hanel könnte das noch zum Problem werden - staatliche Subventionen flossen trotzdem, in Millionenhöhe. Piste 330 Meter lang Im Snow-Funpark enden alle Skispuren an einer riesigen Panoramascheibe. Die Wittenburger, die sich auf der anderen Seite die Nasen plattdrücken, schauen rechts auf eine 330 Meter lange und 120 Meter breite Piste, deren letztes Stück sich ihnen stolze 31 Grad zuneigt. In der Mitte klafft noch eine Baustelle. Weil die Schneekanone in der Winterwärme schwächelt, wird es noch zwei Wochen dauern, bis sich Snowboarder hier über die Kante katapultieren, um sich in der Luft zu schrauben und möglichst wieder auf dem Brett zu landen. Die Halfpipe soll zum Highlight werden. Weltweit gebe es sie in diesen Ausmaßen kein zweites Mal, sagen sie im Spaßpark. Links schließlich geht es ins Flache, weil hier Anfänger geschult werden; früher nannte man so eine Piste ,,Idiotenhügel''. Insgesamt stehen für das bergferne Vergnügen 30.000 Quadratmeter zur Verfügung. Kurz nach der Eröffnung ist das Treiben in der leicht diesigen Halle allerdings noch nicht allzu dicht. Abseits der Pisten ballen sich Kneipen, Bars und Restaurants. ,,Resi's Kuchl'' heißen sie, ,,s'Kupferdachl'' und ,,Bergkristall''. Man versucht, sich hier bayerisch-alpin zu geben. 256-Betten-Hotel Auch durch die Gastronomie schlendern vorerst mehr Schaulustige und Kältetechniker als Gäste. Im 256-Betten-Hotel des Funparks riecht alles noch sehr neu. Die Damen an der Rezeption müssen ständig darüber Auskunft geben, wann denn die Halfpipe eröffnet wird. Vor fast drei Jahrzehnten hat sich Hans-Gerd Hanel, der Herr der Wittenburger Halle, in Hamburg mit einer Firma für Klima-, Kälte- und Verfahrenstechnik selbständig gemacht. Inzwischen gehört ihm ,,auch ein bisschen Gastronomie'', wie er sagt. Mit der Geschichte, wie er sein Skihallen-Abenteuer in Mecklenburg finanziert hat, könnte er ein Buch füllen. Er zählt ein paar Argumente auf, die Geldgeber zunächst abschreckten: ,,Wir reden hier schließlich von einer inhabergeführten Immobilie, die sich im Freizeitbereich behaupten will - und dann auch noch in Mecklenburg-Vorpommern!'' Einen Tag fahren für 23 Euro Nachdem sich Hanel mit Finanziers aus Deutschland, USA, Frankreich und Kuweit nicht einig wurde, griff eine Bank aus Österreich zu. 74 Millionen Euro hat Hanel in Wittenburg investiert. 17,5 Millionen Euro soll das Land Mecklenburg zugeschossen haben. Die genaue Summe will das Wirtschaftsministerium in Schwerin nicht verraten. Ein Sprecher räumt aber ein, ,,deutlich mehr als zehn Millionen'' seien es schon gewesen.
In Mecklenburg soll ein Freizeitpark Wintersportfans anlocken, doch nur 90 Kilometer weiter steht die nächste Skihalle - trotzdem flossen Millionen-Subventionen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/skihalle-man-gibt-sich-bayerisch-1.903922
Skihalle - Man gibt sich bayerisch
00/05/2010
Es ist eine Erfolgsgeschichte, wie sie vor einem Jahrzehnt keiner für möglich gehalten hatte: Seit 44 Quartalen, also seit elf Jahren, wächst die britische Volkswirtschaft ohne Pause. Sicher, in den USA fällt das Wachstum manchmal spektakulärer aus; dafür gab es bei den Briten in all diesen Jahren kein einziges Quartal, in dem die Wirtschaft geschrumpft wäre. Kein raues Erwachen Zugleich konnten die Briten eine Wachstumsschwäche vermeiden, wie sie in Kontinental-Europa herrscht: Das deutsche Sozialprodukt hat sich seit 1992 um real 14 Prozent erhöht, das britische dagegen um mehr als das Doppelte — um 37 Prozent. In Deutschland stagniert die Zahl der Arbeitsplätze seit 1992, bei den Briten sind mehr als zwei Millionen hinzugekommen. Und wenn man der Statistik mehr traut als dem Augenschein, dann hat der britische Lebensstandard den deutschen inzwischen schon beinahe erreicht. Das britische Wunder hat die Phase eines absurd hohen Pfund-Kurses überdauert. Und selbst das Platzen der Börsenblase vom Frühsommer 2000 an haben die Briten vergleichsweise schmerzlos verkraftet - obwohl Aktien dort eine größere Rolle bei der Altersvorsorge spielen als auf dem Kontinent, obwohl das plötzliche Ende der Übernahme-Welle das Finanzzentrum London hart traf und obwohl die Telekom- und Computer-Branche wichtige Säulen der dortigen Wirtschaft bilden. Immer wieder war die Rede von der bevorstehenden Trendwende und der Reinigungskrise: "Die goldenen Zeiten sind zu Ende, in Großbritannien wird es im kommenden Jahr ein raues Erwachen geben", hatte etwa der Chefvolkswirt der Deutschen Bank Norbert Walter im Herbst 2002 prognostiziert. Tatsächlich aber hat der Staat im abgelaufenen Jahr viele neue Stellen geschaffen, die Bevölkerung hat einfach weiterhin konsumiert. Feel good Beim Auto-Absatz kam es - auch zur Freude von BMW, Daimler-Chrysler und VW - zum dritten Jahresrekord in Folge, und das Sozialprodukt insgesamt ist immerhin um zwei Prozent gestiegen. Das ist viermal so viel wie im Euro-Raum. Heute spricht kaum einer mehr von einem drohenden Konjunktur-Abschwung auf der Insel. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat jetzt sogar eine Art Traumkonstellation für das laufende Jahr und für 2005 prognostiziert: Bei anhaltend niedriger Teuerung ein Wachstum von 2,7 bis 2,9 Prozent. Dennoch verdecken all die Zahlen, dass das Wunder fragil ist: Getragen wird die gute Konjunktur bislang in erster Linie vom privaten Verbrauch. Gute Beschäftigungschancen und hochgeschnellte Immobilien-Preise haben das Konsumklima angeheizt. Auch die Politik hat einen Beitrag geleistet: Premierminister Tony Blair mag es vielleicht mit der Wahrheit nicht immer so genau nehmen, aber er gibt dem Land noch immer weit mehr als Schröder und Kohl zusammen eine "feel good"-Stimmung. Die Bevölkerung blickt mit Vertrauen in die Zukunft - und kauft entsprechend. Die Kehrseite der Konsumfreude freilich sind wachsende private Schulden. Etwa zehn Prozent der Briten dürften bereits hoch verschuldet sein. Die Londoner Zentralbank, die in den vergangenen Jahren eine sehr erfolgreiche Geldpolitik gemacht hat, versucht jetzt, diesem Trend entgegenzusteuern. Höhere Zinsen sollen vor der Verschuldung abschrecken und auch die Preissteigerungen bei Häusern bremsen. Doch sollte es dadurch zu einer erheblichen Zahl von Notverkäufen kommen, wäre das Preisniveau dort und bald darauf das allgemeine Konsum-Klima in Gefahr. Fragil ist das Wunder noch aus einem zweiten Grund: Sowohl die öffentliche Hand als auch die private Wirtschaft haben in den vergangenen Jahren von der Substanz gelebt und zu wenig investiert. Speziell der Staat muss deshalb in den nächsten Jahren die Bürger stärker zur Kasse bitten. Verteilungskonflikte können die Folge sein. Manchmal gilt für die Konjunktur eine alte Börsenregel: Der Trend dreht, wenn keiner damit rechnet.
Seit elf Jahren wächst bei den Briten die Wirtschaft, weil die Konsumenten der Zukunft vertrauen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/stilles-glueck-das-wunder-von-london-1.900766
Stilles Glück - Das Wunder von London
00/05/2010
General Motors streicht in Europa 12.000 Stellen — davon allein 10.000 in Deutschland. Die Arbeitnehmer sind empört. Von den in Frage stehenden 10.000 Arbeitsplätzen bei Opel — fast jeder dritte Arbeitsplatz — entfielen nach Vorstellungen des Vorstands jeweils 4000 Stellen auf die Standorte Bochum und Rüsselsheim, sagte der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende des Werks Bochum, Rainer Einenkel. Detailansicht öffnen Hat schockierende Nachrichten: GM-Europachef Fritz Henderson (Foto: Foto: AP) In großer Eile Zu dem geplanten Abbau der weiteren 2000 Arbeitsplätze in Deutschland wurde zunächst nichts bekannt. Der Chef des Opel-Mutterkonzerns General Motors (GM), Rick Wagoner verteidigte das drastische Sparprogramm für Europa. In Europa fiel im dritten Quartal ein deutlich höherer Verlust an, auch der gesamte Konzern blieb beim Ertrag deutlich unter den Erwartungen des Marktes. Die Gewinnprognose für das Gesamtjahr wurde gekappt. GM müsse angesichts Kostenherausforderungen wie Krankenversicherungskosten in den USA und "Überkapazitäten und hohen Kosten" im europäischen Einzugsgebiet schneller auf "chronische strukturelle Kostenprobleme" reagieren, sagte Wagoner. Die Arbeitnehmer reagierten wütend, warfen dem Management Versagen vor und kündigten für Dienstag Protestaktionen in ganz Europa an. GM erklärte, 90 Prozent des Stellenabbaus sollten bereits im nächsten Jahr über die Bühne gehen. Der Konzern rechnet nach eigenen Angaben mit Abfindungszahlungen in den Jahren 2005 und 2006, deren Höhe und Zeitpunkt vom Ausgang der Verhandlungen mit dem Betriebsrat abhingen. Dies deutet darauf hin, dass es im großen Umfang zu betriebsbedingten Kündigungen kommen wird. "Nicht wettbewerbsfähige Kosten" Darüber hinaus will der Konzern zusätzliche Einsparungen in nicht genannter Höhe bei den Materialkosten erzielen. Von dem Arbeitsplatzabbau sind nach Unternehmensangaben auch 1.000 Mitarbeiter in ausgegliederten Firmen, wie beispielsweise dem Joint Venture mit Fiat, betroffen. GM-Europachef Fritz Henderson verwies darauf, dass der europäische Zweig des Konzerns seit 1999 Verluste macht. "Wir haben eine klare Vorstellung von dem, was in jedem Werk geschehen muss", sagte Henderson. Zunächst wolle man aber zunächst mit den Betriebsräten reden.
General Motors streicht in Europa 12.000 Stellen — davon allein 10.000 in Deutschland. Die Arbeitnehmer sind empört.
wirtschaft
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General Motors - Ein schwarzer Tag für Opel
00/05/2010
Experten hatten angenommen, dass das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer zurückgehen würde. Doch der ifo-Index hat sie alle überrascht - wohl auch aufgrund der WM. Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft ist im Juni überraschend auf den höchsten Stand seit über 15 Jahren gestiegen. Der ifo-Geschäftsklimaindex sei um 1,1 Punkte auf 106,8 Punkte gestiegen, teilte das Forschungsinstitut mit. Detailansicht öffnen Der ifo-Index seit Januar 2002. (Foto: Grafik: Doris Fichtel) Volkswirte hatten einen Rückgang auf 105,2 Zähler erwartet. Zuletzt war die Stimmung in der deutschen Wirtschaft im Februar 1991 besser. "Robuster Aufschwung" Im Mai war das viel beachtete Konjunkturbarometer noch leicht gesunken. Ökonomen begründeten die gute Stimmung auch mit der Euphorie rund um die Fußball-Weltmeisterschaft. Die rund 7.000 befragten Unternehmen beurteilten vor allem ihre gegenwärtige Lage deutlich besser, aber auch die Erwartungen für die kommenden Monate legten leicht zu. Der Index für die Lagebeurteilung stieg auf 109,4 Punkte von 107,3 Punkten im Vormonat. Volkswirte hatten 107,5 Zähler erwartet. Der Index für die Erwartungen kletterte auf 104,2 Zähler von 104,0 Punkten. Hier hatten die Experten mit 104,0 Punkten gerechnet. "Der konjunkturelle Aufschwung erweist sich damit erneut als robust", sagte Ifo-Vorstand Gebhard Flaig zu den Umfrageergebnissen. Aufschwung im Einzelhandel Neben der Industrie verbesserte sich auch im Einzelhandel die Stimmung deutlich. In der Bauwirtschaft stieg das Geschäftsklima ebenfalls leicht an. Dagegen zeigten sich die Großhändler sowohl bei der Beurteilung der momentanen Lage als auch bei der Einschätzung ihrer Perspektiven für das kommende halbe Jahr etwas skeptischer als im Vormonat. Die deutsche Wirtschaft hat sich nach Einschätzung von Volkswirt Sebastian Wanke von der DekaBank von der Euphorie rund um die Fußball-Weltmeisterschaft anstecken lassen. "Die Unternehmen befinden sich offenbar schon im Finale", sagte Wanke. Die Binnenwirtschaft scheine sich besser als erwartet zu entwickeln. "Der Lackmustest kommt aber erst im Juli", sagte Wanke. Dann blickten die Unternehmen auf das Jahr 2007, in dem die Perspektiven für den Konsum wegen der Erhöhung der Mehrwertsteuer schlechter seien. Eine eindeutige Erklärung für die Stimmungsaufhellung gibt es nach Einschätzung des WestLB-Chefvolkswirts Europa, Holger Sandte, nicht. Vielmehr gebe es eine Vielzahl von kleineren Begründungen wie den WM-Effekt, den nicht mehr ganz so starken Euro und eben den Schwung der deutschen und der Weltwirtschaft. Zur Zeit werde eher Fußball geschaut als auf die politischen Entscheidungen in Berlin. Das Stimmungshoch könnte nach Einschätzung von HSBC Trinkaus & Burkhardt unterdessen die Währungshüter auf den Plan rufern. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung bereits Anfang August ist gestiegen, sagte Volkswirt Rainer Sartoris. Dennoch bleibe das Szenario einer Anhebung des Leitzinses durch die Europäische Zentralbank (EZB) Ende August um 0,25 Prozentpunkte das bestimmende. Die EZB achte eher auf die Entwicklung der Preisdaten. Ein Zinsschritt um 0,50 Punkte habe nur eine geringe Wahrscheinlichkeit. Auch die Postbank erwartet, dass sich die Spekulationen über einen früheren Zinsschritt der EZB mit der überraschenden Stimmungsaufhellung verstärken. Insgesamt weise die aktuelle Stimmungsentwicklung auf einen anhaltend positiven Trend der deutschen Wirtschaft hin. Dies dürfte die Sorgen der EZB über die Inflationsentwicklung im Euroraum nicht gerade dämpfen. An den Finanzmärkten war die Reaktion verhalten. Der Euro kletterte kurzzeitig über die Marke von 1,26 US-Dollar, bewegte sich zuletzt aber wieder bei 1,2576 Dollar und damit auf dem Niveau vor Veröffentlichung der Daten. Der richtungsweisende Euro-Bund-Future geriet nur vorläufig unter Druck. Der deutsche Aktienindex profitierte ebenfalls nur kurzfristig von der positiven Stimmung in der deutschen Wirtschaft.
Experten hatten angenommen, dass das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer zurückgehen würde. Doch der ifo-Index hat sie alle überrascht - wohl auch aufgrund der WM.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/ifo-index-die-wm-euphorie-schwappt-ueber-1.904524
ifo-Index - Die WM-Euphorie schwappt über
00/05/2010
US-Präsident George W. Bush hat seinen Wirtschaftsberater Bernard Bernanke für die Nachfolge von Notenbankchef Alan Greenspan nominiert. Der Volkswirt war bisher schon im Aufsichtsrat der Federal Reserve Bank (Fed) vertreten und einer der wichtigsten Wirtschaftsberater von Bush. Die US-Börsen reagierten mit Kursgewinnen auf die Nachricht. Die wichtigsten Indizes zeigten sich deutlich im Plus. Offenbar erwarten die Märkte von der Nominierung Bernankes keinen Kurswechsel. "Meine Priorität wird die Fortführung der Politik und Strategie der Greenspan-Ära sein", betonte Bernanke denn auch nach seiner Nominierung. Detailansicht öffnen US-Präsident George Bush und sein Wirtschaftsberater Bernard Bernanke. (Foto: Foto: AP) Sollte die Personalentscheidung von Präsident Bush auch vom Senat bestätigt werden, wird Bernanke Nachfolger von Alan Greenspan, der auf fast fünf Amtsperioden an der Spitze der Fed zurückblicken kann. Der 79-jährige Greenspan ist seit dem 11. August 1987 im Amt und tritt Ende Januar 2006 ab. Bush hat sich mit der Nachfolge für den Mann entschieden, der bereits seit Wochen als Top-Favorit in Washington genannt wurde. Der Notenbankchef gilt nach dem Präsidenten als zweitwichtigster Mann der USA. Er hat mit seinen Zinsentscheidungen zentralen Einfluss auf die Wirtschaft der USA und der Welt. Querdenker im republikanischem Lager Fast drei Jahre gehörte Bernanke dem Gouverneursrat der US-Notenbank an. Seit Juni hat der Fachmann für Geldpolitik und Makroökonomie den Vorsitz im Stab der Wirtschaftsberater des US-Präsidialamtes inne. Der 51-Jährige, der als Querdenker gilt, zählt politisch zum konservativen republikanischen Lager. Er ist jedoch kein aktives Mitglied der Partei von Bush. Nach einem Bachelor-Abschluss an der Harvard-Universität 1975 promovierte Bernanke 1979 am renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) -und übernahm gleich im Anschluss seine erste Lehrtätigkeit an der Stanford-Universität, bevor er 1985 nach Princeton wechselte. Frühere Kollegen bezeichneten Bernanke, Vater zweier Kinder, einmal als "Weltklasse-Volkswirt ohne ideologische Scheuklappen". An der Wall Street gab es am Montag unterschiedliche Meinungen über Bernanke. "Ich glaube nicht, dass der Markt negativ reagiert, wenn es Bernanke wird", meinte Peter Cardillo von SW Bach and Co. Bernanke zähle zwar zu den Falken, aber nicht zu den ganz Hartgesottenen. Michael Metz von Oppenheimer Holdings zeigte sich dagegen skeptischer. Bernankes Entscheidungen seien meist zu schnell und seine Haltung zur Inflation und Deflation oftmals falsch gewesen. "Von allen Fed-Gouverneuren ist er derjenige, vor dem mir am meisten bange ist", so der Analyst. "Mir macht Sorge, dass er durch seine bisherige Rolle sehr eng mit Bush verbunden ist," sagte ein anderer Experten. Die Sorge: Der US-Präsident könne versuchen, den neuen Fed-Chef zu beeinflussen. Der Nominierung Bernankes ging im Weißen Haus ein längerer Entscheidungsprozess voraus. Neben Bernanke wurden zwei weitere Namen am häufigsten genannt: Glenn Hubbard, früherer Chef-Wirtschaftsberater Bushs und Dekan der betriebswirtschaftlichen Fakultät an der Columbia-Universität in New York, sowie Martin Feldstein, Harvard-Professor und Berater des früheren Präsidenten Ronald Reagan. Der 47-jährige Hubbard hatte sich bei Bush beliebt gemacht, indem er zu Beginn von dessen Amtszeit mithalf, die Serie von Steuersenkungen durchzusetzen. Für Feldstein sprach seine langjährige Rolle als Advokat einer angebotsorientierten Wirtschaftspolitik. Der Wachwechsel an der Spitze der Fed könnte einen vorsichtigen Kurswechsel der Notenbank zur Folge haben, die in den vergangenen Monaten mit zunehmenden Inflationsrisiken zu kämpfen hatte. Entsprechend könnte die Fed unter ihrem neuen Chef künftig ein Inflationsziel vorgeben. Greenspan hatte sich erfolgreich dagegen gesperrt, dem Vorbild anderer Notenbanken zu folgen und sich auf ein konkretes Ziel für die Inflationsrate zu verpflichten. Bush würdigte die Verdienste Greenspans, der "fast zwei Jahrzehnte unsere Wirtschaft durch Höhen und Tiefen begleitet hat". Dank seines "klugen Urteils und weiser Politik" sei die Inflation niedrig geblieben, so der Präsident. Maßvolle Geldpolitik Die Fed hat den US-Leitzins zum elften Mal in Folge im September um 25 Basispunkte auf 3,75 Prozent angehoben und signalisiert, dass sie eine weiterhin maßvolle Straffung ihrer Geldpolitik betreiben wird. Seit Juni 2004 hat die Fed die Zinsen von einem 46-Jahres-Tief von 1,00 Prozent schrittweise angehoben. Sie reagierte damit auf zunehmende Inflationsgefahren im Zuge des wieder anziehenden Wirtschaftswachstums in den USA. Die Europäische Zentralbank (EZB) hält den Leitzins in der Euro-Zone seit Juni 2003 auf dem historischen Tief von 2,0 Prozent. Auf konjunkturelle Veränderungen werde sie reagieren, sofern dies zur Stabilisierung der Preise notwendig sei, hieß es. (SZ vom 25.10.2005)
US-Präsident George W. Bush hat seinen Wirtschaftsberater Bernard Bernanke für die Nachfolge von Notenbankchef Alan Greenspan nominiert. Der Volkswirt war bisher schon im Aufsichtsrat der Federal Reserve Bank (Fed) vertreten und einer der wichtigsten Wirtschaftsberater von Bush.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/us-notenbank-bush-will-bernanke-zum-fed-chef-machen-1.899549
US-Notenbank - Bush will Bernanke zum Fed-Chef machen
00/05/2010
Neuer Geldgeber, neue Sitten: Mit Beginn der neuen Bundesliga-Saison werden alle Spieler das magentarote Logo des Telekom-Konzerns auf dem Ärmel tragen. Nach langem Tauziehen hat die Deutsche Fußball Liga (DFL) über ihren neuen Hauptsponsor Deutsche Telekom eine neue, millionenschwere Einnahmequelle für die Bundesliga erschlossen. Detailansicht öffnen Sind sich handelseinig geworden: Telekom-Vorstand Walter Raizner (links) und DFL-Chef Werner Hackmann. (Foto: Foto: AP) Mit Beginn der neuen Saison werden die Spieler aller 36 Clubs der 1. und 2. Bundesliga bei den Partien das Logo des Konzerns auf dem Ärmel tragen, teilten Deutsche Telekom und DFL am Mittwoch in München mit. Zumindest beim Namen müssen sich die Fans in der kommenden Saison aber noch nicht umgewöhnen: Erst für die Spielzeit 2007/08 hat die Deutsche Telekom die Option, der Bundesliga nach mehr als 40 Jahren einen neuen werbeträchtigen Namen zu geben. Damit könnte die deutsche Eliteliga ähnlich wie in Österreich "T-Com-Bundesliga" heißen. "Fußball auf höchstem Niveau" "Die geschlossene Partnerschaft ist ein wichtiger Schritt für die Weiterentwicklung des deutschen Profi-Fußballs", sagte DFL-Präsident Werner Hackmann. Durch die Einigung mit der Telekom könne die Bundesliga einen Rekorderlös erzielen, "der es den Vereinen ermöglicht, weiterhin Fußball auf höchstem Niveau zu bieten". Über die finanzielle Größenordnung des Deals vereinbarten beide Seiten Stillschweigen. Allerdings soll sich die von der Telekom über drei Jahre zu zahlende Summe auf bis zu 60 Millionen Euro belaufen. Mit der Einigung nach monatelangem Streit löste die DFL das Problem, das unerwartet nach der Rechtevergabe im Dezember 2005 aufgetreten war und die Freude über die Dreijahresverträge mit einem Gesamtvolumen von 1,2 Milliarden Euro getrübt hatte. Kritik vom Journalistenverband Kritik an der neuen Kooperation kam von Deutschen Journalisten-Verband (DJV). "Damit drohen Bundesliga-Übertragungen zu Dauerwerbesendungen zu verkommen", sagte Bundesvorsitzender Michael Konken in Berlin. "Wir können aber nicht nur ins Ausland schauen, wann es uns passt", hielt DFL-Geschäftsführer Christian Seifert entgegen.
Neuer Geldgeber, neue Sitten: Mit Beginn der neuen Bundesliga-Saison werden alle Spieler das magentarote Logo des Telekom-Konzerns auf dem Ärmel tragen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/neue-partnerschaft-telekom-wird-hauptsponsor-der-bundesliga-1.898961
Neue Partnerschaft - Telekom wird Hauptsponsor der Bundesliga
00/05/2010
Andere Tarifkonflikte lassen sich in Verhandlungen lösen - aber nicht dieser: Das verhindern schon die Protagonisten Mehdorn und Schell. Nichts geschah um 13 Uhr, gar nichts. Zwei Wochen ist es her, Gewerkschaften und Bahn hatten sich verabredet. Sie wollten einen letzten Anlauf für eine Einigung unternehmen. Aber einer fehlte: Bahnchef Hartmut Mehdorn ließ sich Zeit, unübersehbar viel Zeit. Als er um 13.10 Uhr eintrudelte, fehlte allerdings wieder einer, diesmal sein Kontrahent. Detailansicht öffnen Sie gelten als Dickköpfe - Hartmut Mehdorn (links) und Manfred Schell. (Foto: Foto: ddp) Manfred Schell, der Chef der Lokführer-Gewerkschaft, hatte den Saal inzwischen wieder verlassen, um ihn nach Mehdorn betreten zu können. Sollte ja nicht so aussehen, als müsste ein Gewerkschafter warten, bis ihm der Konzernchef die Gnade seiner Anwesenheit erweist. Eine kleine Anekdote nur, aber ein Hinweis auf das, was dem Land in den nächsten Wochen blühen kann: Stillstand, weil zwei partout nicht miteinander können. Die Konstellation ist mehr als heikel, denn die Herkunft der beiden könnte unterschiedlicher nicht sein. Blockieren Hier der Fabrikantensohn und Ingenieur Mehdorn, 65, der immer ganz oben mitmischte: zuletzt beim Flugzeugbauer Airbus, dann beim Druckmaschinenhersteller Heidelberg, von wo er zum letzten großen Staatskonzern Deutsche Bahn wechselte. Ein Unternehmen sieht Mehdorn als Management-Herausforderung, eine Gewerkschafts-Forderung als reinen Kostenposten. Und auf der anderen Seite der Lokführer-Sohn Schell, 64, der sich in den Fünfzigern durch die widrigsten Tätigkeiten hocharbeitete, um schließlich selbst Lokführer zu werden. Kein anderer deutscher Gewerkschaftsboss hat einen so astreinen Lebenslauf, darf qua Herkunft auf derart viel Rückhalt an der Basis bauen. Kochen Diese Differenzen allein ließen sich vielleicht noch im Gespräch überbrücken, hätten Bahnchef und Gewerkschafter nicht zwei Gemeinsamkeiten: erstens die abgrundtiefe Abneigung gegen den jeweils anderen, zweitens eine ausgeprägte Dickköpfigkeit. Mehdorn, der geistig mit der Bahn schon längst an die Börse und in die weite Welt aufgebrochen ist, sieht gar nicht ein, sich einer kleinen Spartengewerkschaft zu beugen- zumal er damit einen Erdrutsch neuer Forderungen der beiden anderen Bahngewerkschaften Transnet und GDBA riskiert. Und für Schell, der kurz vor seinem Abgang nicht nur um sein Vermächtnis, sondern auch um die Existenzberechtigung eben dieser Gewerkschaft neben der großen Transnet kämpfen muss, verbietet sich ein Zugeständnis an Mehdorn quasi von selbst - dazu hat er sich schon viel zu weit aus dem Fenster gelehnt. Explodieren Es ist wie beim Hahnenkampf, nur gehen die Streithähne hier nicht direkt aufeinander los. Der eine schickt Tausende Lokführer in die Urabstimmung, um letztlich das Geschäft des anderen zu blockieren. Der andere lässt seine Rechtsabteilung rotieren, um die drohenden Streiks des anderen abzuwenden. Und das jüngste Angebot der Bahn, diesen Sonntag vielleicht doch noch einmal zu verhandeln, ließ Schell schlicht platzen. Angesichts der impulsiven Ader des Bahnchefs grenzt es an ein Wunder, dass er noch nicht auf Schell losgegangen ist. Schell, nicht nur in der Wortwahl ein eher rustikaler Typ, hat Mehdorn inzwischen öffentlich zum "Rumpelstilzchen" gemacht, dessen Klagen gelten ihm als "Prozesshanselei". Es darf als sicher gelten, dass Mehdorn innerlich kocht. Nur explodieren darf er nicht. Denn zu allem Überfluss findet die Auseinandersetzung in jener Phase statt, in der Bund und Länder über den Börsengang der Bahn entscheiden. Jede schlechte Schlagzeile wäre jetzt Gift für den Bahnchef. Er versuchte deshalb zuletzt eher subtil, Schell zu demontieren. Erreicht haben beide mit ihrem Starrsinn nichts - außer der einen, großen Kraftprobe. Eins aber bleibt fraglich: Ob es in diesem Kampf jemals einen Sieger geben wird - oder nur Verlierer.
Andere Tarifkonflikte lassen sich in Verhandlungen lösen - aber nicht dieser: Das verhindern schon die Protagonisten Mehdorn und Schell.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/zwei-dickkoepfe-und-ein-nadeloehr-1.901314
· - Zwei Dickköpfe und ein Nadelöhr
00/05/2010
Unter Experten gilt es als ausgemachte Sache: Die so genannte Spekulationsteuer, also die Steuer auf Gewinne aus Wertpapiergeschäften, wird demnächst vom Bundesverfassungsgericht gekippt. (SZ vom 9.1.2004) — Grund: Wegen mangelnder Kontrollmöglichkeiten ist der Fiskus nicht in der Lage, für die ordnungsgemäße Besteuerung von Aktiengewinnen zu sorgen. Der Staat ist also auf die Ehrlichkeit der Steuerzahler angewiesen. Anleger aber, die ihre Kursgewinne aus Aktiengeschäften dem Finanzamt verschweigen, haben kaum etwas zu befürchten - dem Bankgeheimnis sei Dank. Der Bundesfinanzhof in München (BFH) - das oberste deutsche Steuergericht - hatte deshalb ein "strukturelles Vollzugshindernis" angenommen, das die Bürger ungleich belastet und somit verfassungswidrig ist. Entscheidung naht Die Münchner Richter legten die Sache dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe vor, da dieses ausschließlich zuständig ist, wenn es um Fragen der Vereinbarkeit einer Norm mit dem Grundgesetz geht. Der Verhandlungstermin in Karlsruhe fand im November statt. Eine Entscheidung steht in den kommenden Monaten an. Allgemein wird erwartet, dass die Karlsruher Richter sich im Ergebnis den Münchner Kollegen anschließen werden. Politiker aller Parteien diskutieren deshalb schon seit Monaten, wie die Besteuerung von Aktiengeschäften aussehen könnte, so dass sie künftig vor dem Bundesverfassungsgericht Bestand hat. Dabei haben sie allerdings nicht ausschließlich die Kritik der BFH-Richter im Kopf, sondern - wohl vor allem - die 1,5 Milliarden Euro, die dem Fiskus nach einer Schätzung der Steuergewerkschaft jährlich entgehen. Angeblich werden nur fünf Prozent der Aktiengewinne dem Finanzamt mitgeteilt. Kontrollinstrumente "Naheliegende Konsequenz kann die Einführung massiver Kontrollinstrumente sein", meint Rechtsanwalt Johann Seipl von der Münchner Kanzlei Wannemacher & Partner. So hat der Gesetzgeber bereits Ende Dezember angekündigt, dass er den Finanzbehörden ermöglichen will, im Einzelfall gezielt über das Bundesamt für Finanzen zu ermitteln, bei welchen Banken ein Steuerpflichtiger Konten oder Depots besitzt. Doch Seipl bezweifelt, dass es dabei bleiben wird. "Mitteilungspflichten der Banken, Kontrollmitteilungen der Betriebsprüfungen, Sammelauskunftsersuchen und Durchsuchungsmaßnahmen der Steuerfahndung" sieht er als weitere Maßnahmen, die der Fiskus womöglich ergreifen wird, um Steuersündern besser auf die Schliche zu kommen. Nach Ansicht des Juristen wäre das allerdings ein drastischer Schritt "zulasten der Privatsphäre und der Freiheitsrechte der Bürger". Verschiedene Modelle Seipl favorisiert deshalb eine Art Quellensteuer, die ebenfalls bereits diskutiert wurde. Dabei stellten sich aber "sofort Folgeprobleme", meint der Fachmann. "Soll die Quellensteuer in Form einer Abgeltungsteuer endgültig erhoben werden oder - wie derzeit bei Zinserträgen - nur als Vorauszahlung auf die individuelle Einkommensteuer gelten?" Bei Zinserträgen behält die Bank nach geltendem Recht 30 Prozent der Zinsen ein und führt den Betrag direkt an das Finanzamt ab. Diese so genannte Zinsabschlagsteuer ist keine eigene Steuer, sondern lediglich eine Vorauszahlung auf die persönliche Einkommensteuer. Stellt sich bei der jährlichen Steuererklärung heraus, dass der Einkommensteuersatz des Sparers mehr als 30 Prozent beträgt, muss er nachzahlen. Liegt sein persönlicher Steuersatz darunter, erhält er die zu viel gezahlte Zinsabschlagsteuer zurück. Hindernis Bankgeheimnis Diese Regelung für Zinserträge hatte der Gesetzgeber auf Druck des Bundesverfassungsgerichts erlassen. Die Richter hatten in einer Entscheidung 1991 kritisiert, dass Zinsen zwar per Gesetz einkommensteuerpflichtig sind, eine wirksame Besteuerung aber durch das Bankgeheimnis verhindert wird. Experten erwarten, dass die Richter nun bei Spekulationsgewinnen aus Wertpapiergeschäften ähnlich argumentieren werden. Insofern liegt es also durchaus nahe, auch bei Aktiengeschäften eine Art Abschlagsteuer einzuführen. Doch dabei gibt es ein Problem. Denn im Gegensatz zu Zinsen, bei denen ein bestimmter Betrag fließt und die Abschlagsteuer genau auf diesen Betrag anfällt, ergibt sich der Spekulationsgewinn bei Wertpapiergeschäften erst aus der Differenz zwischen Ankaufs- und Verkaufskurs des Papiers. Nach dem derzeit noch geltenden Recht ist diese Differenz dann steuerlich relevant, wenn zwischen Kauf und Verkauf weniger als ein Jahr liegt. Verkauft also jemand Aktien, müsste die beauftragte Bank erst ermitteln, zu welchem Preis er die Papiere gekauft hatte, um eine eventuelle Abschlagsteuer einbehalten zu können. Mögliche Variante Dieses Problem könnte behoben werden, indem der Gesetzgeber bei Wertpapierverkäufen einen bestimmten Gewinn unterstellt - also etwa einen bestimmten Prozentsatz des Verkaufspreises als Spekulationsgewinn unterstellt, von dem die Bank dann wiederum einen festgelegten Teil an das Finanzamt abführt. Sollte der Gewinn des Steuerpflichtigen in Wahrheit aber darunter liegen oder hat er sogar mit Verlust verkauft, müsste er das dann in seiner Steuererklärung geltend machen. Auch diese Variante wurde bereits unter Politikern diskutiert. Neuregelung nötig "Eine solche Regelung würde aber vermutlich noch komplizierter als die bisherigen Vorschriften zur Zinsabgeltungsteuer, die schon weitgehend unverständlich sind", befürchtet Seipl. Am liebsten wäre ihm, wenn Spekulationsgewinne in Zukunft ganz einfach steuerfrei gestellt würden, gleichzeitig räumt er aber ein, dass das "wenig wahrscheinlich" ist. Eine Neuregelung, wie auch immer sie ausfalle, müsse deshalb seiner Ansicht nach so klar gefasst sein, "dass der Steuerpflichtige wenigstens auf Anhieb erkennt, ob er in der Pflicht ist oder nicht". Derzeit sei das oft nicht der Fall.
Unter Experten gilt es als ausgemachte Sache: Die so genannte Spekulationsteuer, also die Steuer auf Gewinne aus Wertpapiergeschäften, wird demnächst vom Bundesverfassungsgericht gekippt.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/nahende-entscheidung-streit-um-spekulationsteuer-1.907057
Nahende Entscheidung - Streit um Spekulationsteuer
00/05/2010
Frank Bsirske und Jürgen Peters droht ein herber Ansehensverlust: Bislang schien das Kalkül der beiden mächtigen Gewerkschaftschefs aufzugehen, die streitbare DGB-Vize Ursula Engelen-Kefer aus dem Amt zu drängen. Doch das Vorhaben könnte scheitern. Die mächtigen Vorsitzenden der beiden wichtigsten Einzelgewerkschaften in Deutschland sind sich einig: Für Verdi-Chef Frank Bsirske und IG-Metall-Chef Jürgen Peters ist die Zeit von Ursula Engelen-Kefer abgelaufen. Detailansicht öffnen Streitbar aber pragmatisch: Ursula Engelen-Kefer. (Foto: Foto: AP) Die in der Öffentlichkeit bekannte stellvertretende Vorsitzende des Dachverbandes Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB) soll Ende Mai beim DGB-Bundeskongress abgelöst werden. Als Nachfolgerin auf ihrem angestammten Themengebiet der Sozialpolitik hat der DGB-Vorstand bereits die weit links stehende frühere Grünen-Politikerin Annelie Buntenbach nominiert. Die Vize-Position soll die CDU-Bildungsexpertin Ingrid Sehrbrock erhalten. Offizielle Begründung für den geplanten Rausschmiss Engelen-Kefers ist deren Alter: Die jahrzehntelange Spitzen-Gewerkschafterin ist 62 Jahre alt und müsste im Laufe einer erneuten Amtszeit vorzeitig in den Ruhestand gehen; dies ist beim DGB unüblich. Gilt bereits als abgeschrieben In Wirklichkeit allerdings wollen Bsirske und Peters ebenso wie andere Gewerkschaftschefs, darunter IG-Bau-Vorsitzender Klaus Wiesehügel, die streitbare, aber auch pragmatische Gewerkschaftsfrau durch eine ausgewiesene Linke ersetzen. Bisher schien dieses Kalkül aufzugehen, Engelen-Kefer gilt in der Öffentlichkeit bereits als abgeschrieben. Sie selbst hat sich zu der Frage einer erneuten Kandidatur, die dann eine Kampfkandidatur gegen den erklärten Willen ihrer Vorstandskollegen wäre, noch nicht geäußert. Dies wird sich in den nächsten Wochen ändern. Denn hinter den Kulissen sammelt Engelen-Kefer erfolgreich ihre Anhänger. Vorläufiger Höhepunkt ist ein bisher unveröffentlichter Entwurf für einen Beschluss des Verdi-Bundesfrauenrats für den DGB-Bundeskongress. Unterstützung durch Verdi-Frauen In dem der Süddeutschen Zeitung vorliegenden Entwurf, der am Freitag einstimmig beschlossen worden ist, betonen die Verdi-Frauen "die hohe Qualität und Wertschätzung" von Engelen-Kefers Arbeit und sichern ihr "für den Fall ihrer erneuten Kandidatur als stellvertretende Vorsitzende die Unterstützung der Verdi-Frauen zu".
Frank Bsirske und Jürgen Peters droht ein herber Ansehensverlust: Bislang schien das Kalkül der beiden mächtigen Gewerkschaftschefs aufzugehen, die streitbare DGB-Vize Ursula Engelen-Kefer aus dem Amt zu drängen. Doch das Vorhaben könnte scheitern.
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Hinter den DGB-Kulissen - Engelen-Kefer sammelt Anhänger für Kampfkandidatur
00/05/2010
Wer übers Internet ein Auto sucht, sollte sich vor allzu günstigen Preisen in Acht nehmen: Dahinter stecken häufig organisierte Betrügerbanden, die mit Phantomangeboten weit unter Listenpreis locken. Die Schwindler sseien dabei nur auf die Vorkasse gutgläubiger Interessenten aus, warnten Experten des ADAC-Rechtsforums zu Fallstricken beim Autokauf via Internet. "Finger weg, wenn die Offerte zu schön klingt um wahr zu sein", riet ADAC-Jurist Ulrich May. Nach den Erfahrungen des Autoclubs, von Verbraucherschützern und der Kriminalpolizei werden die Methoden der Betrüger immer ausgefeilter, ihre Maschen immer trickreicher. Die europaweit agierenden Drahtzieher bekommen die Ermittler dabei so gut wie nie zu fassen, wie Lothar Fischer von der Kriminalpolizei Kempten sagte. In jüngster Zeit hätten sich die Fälle dreister Abzocke per Vorauskasse ins Ausland, in der Regel nach England oder Holland, gehäuft. Die Täter arbeiten den Erkenntnissen zufolge dabei meist nach einem ähnlichen Grundmuster: Angelockt werden potenzielle Käufer mit Hilfe unschlagbarer Billig-Offerten, die angegebene Telefonnummer in Deutschland gibt es aber nicht. Vermeintliche Not-Verkäufe Der vermeintliche "Not"-Verkäufer des Fahrzeugs im "Top-Zustand" sitzt in der Regel im Ausland, der Kontakt läuft per E-Mail, meist in Englisch. Dem Interessenten wird versprochen, das Schnäppchen gegen Vorkasse zu liefern. Angeblich soll die Überweisung durch eine Treuhandgesellschaft abgesichert sein. Die gibt es aber nie, wie Kriminalhauptkommissar Fischer betont. Ein weiterer Haken: Wird die Vorauszahlung über den weltweiten Finanzdienstleister Western Union abgewickelt, landet das Geld des Käufers nicht auf einem Auslandskonto, sondern kann direkt vom Empfänger abgeholt werden. Dessen Ausweis sei oft gefälscht, seine Spur verliere sich dann, so die Ermittler. Das überwiesene Geld sei dann weg. Auch Geschäfte, die über Auslandsschecks abgewickelt werden, seien mit Vorsicht zu genießen, unterstrich Klaus Elsner, Geschäftsführer des Bankenverbands Hessen. Niemals Vorkasse an Unbekannte Peter Schmid, Geschäftsführer der Internet-Plattform "AutoScout 24", appellierte an alle Kaufinteressenten, niemals Vorkasse an Unbekannte zu leisten. Besonders attraktive Angebote seien in der Regel 'Blender'. "50 Prozent Abschlag aufs Auto gibt es nicht" - wie es auch Wunder nicht gebe, betonte Schmid.Wer im Internet auf dubiose Anzeigen stoße, solle das sofort der Vermittler-Plattform melden, sagte auch Karsten Böhlke von "mobile.de". Die Anbieter setzten alles daran, Phantominserate zu löschen. Berthold Färber, Psychologieprofessor der Bundeswehruniversität in München, riet dazu, auffallend günstige Angebote stets kritisch zu hinterfragen. Der Glaube an die billigsten Preise im weltweiten Netz lasse die Menschen leichtsinnig werden. Eine Kaufentscheidung solle außerdem niemals getroffen werden, ohne sich vorher mit Vertrauten besprochen zu haben. Nach ADAC-Einschätzung werden inzwischen drei Viertel aller Gebrauchtwagenverkäufe im Internet angebahnt. Rund 2,3 Millionen Gebrauchte werden den Angaben zufolge allein auf den zwei Plattformen von Autoscout 24 und mobile.de angeboten.
Wer übers Internet ein Auto sucht, sollte sich vor allzu günstigen Preisen in Acht nehmen: Dahinter stecken häufig organisierte Betrügerbanden, die mit Phantomangeboten weit unter Listenpreis locken.
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Gebrauchtwagen-Nepp - Von Online-Schnäppchen, die gar keine sind
00/05/2010
Viele Städte plagt derzeit ein Problem, das es lange nicht mehr gab: Die Baufirmen kommen mit den Aufträgen nicht mehr hinterher. Die Feuerwehrleitstelle in Augsburg wird auf ein neues Dach noch warten müssen. Auch Bauarbeiten am Anna-Gymnasium der Stadt ziehen sich länger hin als geplant, Reparaturen an mehreren Augsburger Schulen können wohl ebenfalls erst im kommenden Jahr ausgeführt werden. Detailansicht öffnen Der milde Winter begünstigt die Bauwirtschaft. (Foto: Foto: ddp) Klar, es fehlt mal wieder am Geld, möchte man meinen. Doch weit gefehlt. Augsburg und andere Städte plagt derzeit ein Problem, das es lange nicht mehr gab: In vielen Kommunen liegen die Pläne und das Geld für Bauprojekte bereit, auch das Wetter spielt mit - und auf einmal kommen die Firmen mit den Aufträgen nicht hinterher. ,,Die Unternehmen sind völlig ausgelastet, wir müssen etliche Bauvorhaben ins nächste Jahr verschieben'', sagt Jürgen Fergg, Pressesprecher der Stadt Augsburg. Ausschreibung zurückgezogen Vor kurzem habe man eine Ausschreibung für Dachdeckerarbeiten an einem städtischen Gebäude zurückgezogen. Von den 14 Firmen, die ein Angebot machen sollten, reagierte nur eine. Diese wollte den Auftrag allerdings nicht für die geplanten 90.000 Euro machen, sondern verlangte 120.000. Ähnliches erleben auch Kämmerer und Baureferate andernorts. ,,Es gibt Fälle, in denen signalisieren die Firmen uns, dass sie auf öffentliche Aufträge nicht mehr angewiesen sind'', sagt Jürgen Marek, Pressesprecher des Münchner Baureferats. Folgt auf die Jahre des Jammerns und Darbens, der Insolvenzen und Entlassungen also der Boom auf dem Bau? Manche Zahlen suggerieren das. 89 Prozent mehr offene Stellen So verzeichnete die Bundesagentur für Arbeit im November 89 Prozent mehr offene Stellen für Elektriker und Schlosser, Maurer und Dachdecker als ein Jahr zuvor. Mit 22.000 Angeboten standen die Bauberufe im vergangenen Monat ganz oben auf der Liste der am dringendsten gesuchten Kräfte.
Viele Städte plagt derzeit ein Problem, das es lange nicht mehr gab: Die Baufirmen kommen mit den Aufträgen nicht mehr hinterher.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/nach-harten-jahren-boom-am-bau-1.905916
Nach harten Jahren - Boom am Bau
00/05/2010
Ausgerechnet die Deutsche Bank bricht ein über Jahrzehnte gültiges Tabu und verschreckt 300.000 Anleger. Die Deutsche Bank lässt die Anleger bei ihrem einstigen Vorzeigefonds Grundbesitz Invest im Regen stehen. Sie hat sich dazu entschieden, den in Schieflage geratenen Fonds nicht mit eigenen Mitteln zu stützen. Detailansicht öffnen Ansicht des Investment Banking Center in der Frankfurter City West - einem Bauprojekt der DB Real Estate. (Foto: Foto: AP) Erstmals in der Geschichte der offenen Immobilienfonds musste nun ein Fonds geschlossen werden. "Damit hat die Deutsche Bank ein Tabu gebrochen", sagte Alexandra Merz, beim Analysehaus Scope zuständig für offene Fonds. Die DB Real Estate, eine auf Immobilienfonds spezialisierte Tochter der Deutschen Bank, hatte Ende vergangener Woche die Ausgabe neuer Anteile gestoppt und massive Wertberichtigungen des Immobilienbestandes angekündigt. Außerplanmäßige Bewertung Bis Ende Januar/Anfang Februar sollen alle Immobilien außerplanmäßig neu bewertet werden, hieß es in einem Schreiben an den Vertrieb. "Das war eine Einladung an die Anleger, ihre Anteile zurückzugeben", sagte Andreas Fink vom Branchenverband BVI. Und das haben diese offensichtlich getan. Allein am Montag seien fünf Prozent der Anteile zurückgegeben worden, hieß es in Branchenkreisen. Auch am Dienstag hätten weitere Anleger ihre Anteile verkauft. Das hat die Liquidität des Fonds stark unter Druck gesetzt und zum Rücknahmestopp geführt. Ein Sprecher der DB Real Estate bestätigte, dass der Fonds geschlossen wird. Die 300.000 Anleger müssen sich möglicherweise auf Wertverluste ihrer Anteile einstellen. Stützung in ähnlichen Situationen In ähnlichen Situationen hatten andere Banken ihre notleidenden Immobilienfonds gestützt. So hatte etwa die HypoVereinsbank erst vor wenigen Monaten Immobilien ihrer Tochter iii-Investment aufgekauft, die zu den bilanzierten Verkehrswerten nicht mehr verkauft werden konnten.
Ausgerechnet die Deutsche Bank bricht ein über Jahrzehnte gültiges Tabu und verschreckt 300.000 Anleger.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/deutsche-bank-erstmals-wird-ein-immobilienfonds-geschlossen-1.902517
Deutsche Bank - Erstmals wird ein Immobilienfonds geschlossen
00/05/2010
Die Süddeutsche und die Nordwestdeutsche Klassenlotterie (SKL und NKL), die mit Fernsehshows und hohen Gewinnen regelmäßig Millionen von Loskäufern anlocken, haben möglicherweise bald ausgespielt. Detailansicht öffnen Zwei, die sich mögen: Die SKL und Günther Jauch. Jauch moderiert die SKL-Show bei RTL. (Foto: Foto: AP) Beide Gesellschaften stellen sich darauf ein, bald keine Lose mehr via Fernsehen, Post und Telefon verkaufen zu dürfen, weil die Bundesländer diese Vertriebswege für Glücksspiele untersagen wollen. SKL-Direktor Gerhard Rombach erwartet, dass auch die SKL-Show mit Quizmaster Günther Jauch im Fernsehsender RTL unter das Verbot fällt. "Davon gehe ich aus." Die 16 Länder, denen die SKL und die NKL gehören, würden auf diese Weise ihre eigenen Klassenlotterien abschaffen, warnen deren Chefs. Rombach hat nach eigenen Angaben den Freistaat Bayern und die anderen Eigentümer der SKL vor den Konsequenzen des neuen Lotteriegesetzes gewarnt, das die Ministerpräsidenten und Landesparlamente verabschieden sollen. EU will Markt öffnen In Deutschland wird das Glücksspiel weitgehend von den Bundesländern geregelt. Ein seit zwei Wochen vorliegender Gesetzentwurf sieht teilweise strikte Werbeverbote vor. Das trifft in erster Linie private Anbieter von Sportwetten, die via Internet aus dem Ausland agieren und dem staatlichen Toto-Angebot Oddset immer mehr Kunden wegnehmen, und eben die Klassenlotterien. Rombach sagt, ihm sei von den Finanzministerien in Bayern und Baden-Württemberg bestätigt worden, dass die SKL nach der Verabschiedung des Gesetzes nicht länger Werbebriefe per Post in die Haushalte schicken und keine Lose mehr per Telefon verkaufen dürfe. Über diese beiden Vertriebswege erziele die SKL mehr als 90 Prozent des Umsatzes. "Wir können dann keine neuen Kunden mehr werben." Rombach: "Wir sind in unserer Existenz bedroht." Das sagt auch NKL-Vorstandschef Günther Schneider. "Unser Absatz bräche sehr schnell zusammen, die NKL wäre am Ende." Die beiden Klassenlotterien erlösen aus dem Verkauf ihrer Lose derzeit gut 1,3 Milliarden Euro im Jahr. Der größte Teil fließt in die ausgelobten Preise (Bargeld, Autos, Reisen, Häuser). Auch die 16 Länder profitieren bislang mit Steuern und Abgaben in Höhe von rund 300 Millionen Euro pro Jahr von ihren Klassenlotterien. Auf diese Einnahmen wollen die Länder offenbar verzichten, um ihr weit einträglicheres Lotto- und Totomonopol zu sichern, das ihnen jährlich mehrere Milliarden Euro bringt. Offiziell dient das Monopol seit jeher dem Schutz der Bürger vor der Spielsucht. Da die Glücksspielbetriebe der Länder ihre Angebote über die Jahre hinweg aber stark ausgeweitet haben (Super 6, Keno, Bingo, Oddset) und zunehmend aggressiver um Kunden werben, lassen das Bundesverfassungsgericht und die EU-Kommission dieses Argument nicht mehr gelten. Der Verbraucherschutz sei durch die Staatslotterien längst nicht mehr gewährleistet, schrieb die Kommission der Bundesregierung. Die Zeit zurückdrehen Die EU will den deutschen Markt für private Sportwett-Anbieter aus dem Ausland öffnen und hat ein entsprechendes Verfahren gegen die Bundesrepublik eingeleitet. "Die Beschränkung von öffentlichen Glücksspielen" in Deutschland verstoße gegen die von den EU-Staaten vereinbarte Dienstleistungsfreiheit, teilte die Kommission bereits im Frühjahr der Bundesregierung mit. Die dadurch unter Druck geratenen Länder wollen nun gewissermaßen die Zeit zurückdrehen und Glücksspiele im Internet ebenso verbieten wie die TV-Werbung und die "unverlangte Übermittlung von Werbematerial", um mit solchen Einschränkungen ihren Monopolanspruch rechtfertigen zu können. Es sieht so aus, als wollten die Länder ihre Klassenlotterien opfern, weil diese weit weniger Geld in die Landeskassen bringen als Lotto und Toto, aber mehr Ärger verursachen. Besonders umstritten ist der Losverkauf per Telefon, den nur SKL und NKL so praktizieren. Von privaten Subunternehmern und Call Centern, die für die Klassenlotterien arbeiten, werden immer wieder Verbraucher ohne deren Einwilligung zu Hause angerufen, was rechtswidrig ist. Mehrere Gerichtsverfahren sind anhängig. Der bayerische Finanzminister Kurt Faltlhauser sagt, ohne Telefonwerbung müsse sich die SKL "neu aufstellen" und das vorhandene Kundenpotential ausschöpfen. "Ein Verbot dieses Instruments wäre nicht das Ende der SKL." Die Chefs von SKL und NKL sehen das anders und rechnen vor, dass 16.000 Arbeitsplätze in Gefahr seien. Davon sind aber nur einige hundert Stellen direkt bei den Klassenlotterien, also bei staatlichen Gesellschaften angesiedelt. Alles andere verteilt sich auf private Werbefirmen und vor allem auf die von ihnen beauftragten Call-Center.
Die Süddeutsche und Nordwestdeutsche Klassenlotterien befürchten angesichts der geplanten Einschränkung von Glücksspielen ihre Abschaffung.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/16-000-arbeitsplaetze-in-gefahr-helle-aufregung-bei-den-staatlichen-klassenlotterien-1.914344
16.000 Arbeitsplätze in Gefahr - Helle Aufregung bei den staatlichen Klassenlotterien
00/05/2010
Mit Josef Ackermann an der Spitze zählt das Geldinstitut international zu den Profitablen. Doch im eigenen Land hat es viel Kredit verspielt. Die kleine Gruppe von Demonstranten hat sich um ein Fahrrad versammelt. Türkis der Rahmen, weiß der Sattel und schon etwas klapprig. Große Touren würde man damit nicht mehr unternehmen. Doch der Eigentümer, ein untersetzter Mann mit akkurat gestutzten grauen Haaren, hat mit dem Gefährt ohnehin anderes vor. Für Frank Schmall, den Anführer der Protestgruppe, ist das Fahrrad die Waffe des kleinen Mannes gegen eine große Bank. "Für mich nie wieder Deutsche Bank oder ihre Partner", steht auf einem an der Querstange montierten Blech. Detailansicht öffnen Die wohl berühmteste Geste von Josef Ackermann: Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank rechnet im Düsseldorfer Landgericht mit seinem Freispruch (Foto: Foto: AP) Kein anderes Unternehmen fordert Protest wie diesen so heraus wie Deutschlands größte und erfolgreichste Bank und ihr Vorstandschef. Josef Ackermann hat das Geldhaus umgebaut, globalisiert und auf Rekordgewinne getrimmt. In der Finanzwelt erntet er dafür Respekt. Zum zweiten Mal hintereinander wählte die Fachzeitschrift International Financing Review die Deutsche Bank 2005 zur "Bank of the year". In Deutschland aber hadern die Menschen mit der Bank und dem Mann, der sie führt. Die Erklärungen für das gestörte Verhältnis der Deutschen zu ihrer Großbank beginnen beim Namen. Angelsächsische Investmentbanker sprechen von "Deutsche", wenn sie die Bank meinen. Weil es die "Deutsche" ist, geht es bei dieser Bank nicht nur um Erfolg, sondern immer auch darum, ob sich die Bürger - Kunden, Aktionäre oder neutrale Beobachter - mit dem Unternehmen und seiner Führung identifizieren können. Doch die Deutschen und ihre Bank kommen nicht zusammen. Das hat viel mit den kleinen und großen Pannen und Fehlern zu tun, die Ackermann und andere in den vergangenen Jahren aneinander gereiht haben. Da waren die Millionen-Prämien, die Ackermann als Aufsichtsratsmitglied Führungskräften des Mannesmann-Konzerns nach der Übernahme durch Vodafone gewährte, und an denen sich eine Diskussion um Moral in den Chefetagen der Wirtschaft entzündete. Im Herbst steht der Bankchef deshalb in Düsseldorf erneut vor Gericht. Um Moral und Verantwortung ging es auch im Februar 2005, als Ackermann einen Milliardengewinn meldete und im gleichen Atemzug ankündigte, die Bank werde mehr als 5000 Stellen abbauen. Symbole für Fehltritte Frank Schmall spielt mit den Begriffen und Zeichen, die zu Symbolen für diese Fehltritte geworden sind. Er hat sie in knalligen Farben auf Karosserie und Scheiben eines weinroten Renault gemalt: die zum Victory-Zeichen gespreizten Finger, die Josef Ackermann bei der Eröffnung des Mannesmann-Prozesses in die Luft reckte; das Wort "Peanuts", mit dem der frühere Bankchef Hilmar Kopper offene Handwerkerrechnungen nach der Pleite des Baulöwen Jürgen Schneider herunterspielte. Und schließlich der Verweis auf Schmalls eigene Erfahrungen mit der Deutschen Bank. Er fühlt sich als Immobilienopfer, weil er vor zehn Jahren seine Altersvorsorge in eine völlig überteuerte Wohnung steckte. Die Deutsche Bank, die den Kauf finanzierte, habe ihn falsch beraten, meint er. Vor Gericht ist er in allen Instanzen unterlegen, moralisch fühlt er sich als Sieger. "Wenn ich mit meinem Fahrrad durch Frankfurt fahre, heben wildfremde Leute den Daumen", sagt er.
Mit Josef Ackermann an der Spitze zählt das Geldinstitut international zu den Profitablen. Doch im eigenen Land hat es viel Kredit verspielt.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/deutsche-bank-vor-der-hauptversammlung-eine-bank-zwischen-allen-stuehlen-1.904386
Deutsche Bank vor der Hauptversammlung - Eine Bank zwischen allen Stühlen
00/05/2010
Anschläge, Korruption und mangelnde Koordination bremsen die Förderung vor Ort. Mit weltweiten Folgen. Der Öl-Terrorismus hat Erfolg - darum könnte er Schule machen. Dass es ein - wenn auch unerklärtes - Ziel der USA im Irakkrieg war, die Ölreserven des Landes langfristig für sich zu sichern - diese Annahme ist unter politischen Beobachtern inzwischen eine unbestrittene Gewissheit. Detailansicht öffnen Eine brennende Ölproduktion nahe Falludscha. (Foto: Foto: dpa) Zwar ist nun, vorerst wenigstens, das Land mit den zweitgrößten Erdölreserven der Welt in der Hand der USA. Aber die schnelle Rehabilitierung der Ölförderanlagen und die Steigerung der Produktion ist in den nunmehr schon zweieinhalb Jahren seit der Invasion vom März 2003 nicht gelungen. Niedrige Produktion Dass sich die Ölpreise auf dem Weltmarkt um die 68 Dollar pro Fass bewegen, hat auch mit der relativ niedrigen irakischen Produktion zu tun: Ein durch eine höhere irakische Ölförderung steigendes Angebot auf dem Weltmarkt hätte die Preise vermutlich ein wenig gesenkt. Obwohl die USA bis jetzt etwa 1,3 Milliarden Dollar in die Rehabilitierung der durch mehr als ein Jahrzehnt des Embargos geschädigten Ölanlagen gesteckt haben, bleibt die Tagesproduktion von nur 1,9 Millionen Fass weit hinter den Erwartungen, sogar hinter den Vorkriegszahlen von etwa 2,5 Millionen Fass pro Tag zurück. Und das schon für den Dezember 2004 gesetzte Ziel, eine Tagesproduktion von drei Millionen Barrel zu erreichen, ist bis heute bei weitem verfehlt worden. Wäre, so schätzen Fachleute, die Rehabilitation der irakischen Ölindustrie planmäßig verlaufen, hätte die Produktion um etwa 500000 Barrel pro Tag erhöht werden können. Diese Steigerung hätte dem Irak zusätzliche Einnahmen von etwa acht Milliarden Dollar pro Jahr gebracht. Die Gründe für diesen Misserfolg sind vielfältig: Mangelnde Koordination beim Wiederaufbau der irakischen Ölindustrie, die schlechte Sicherheitslage und eine weit verbreitete Korruption sind die Hauptursachen. Rohre angezapft Nach einem Bericht der Los Angeles Times etwa hat die Firma Kellogg Brown Root (KBR), ein Tochterunternehmen von Halliburton, ohne Ausschreibung einen 225-Millionen-Dollar-Vertrag bekommen, um die im Süden gelegene Wasserpumpstation Qarmat Ali instand zu setzen. Das Wasser wird in den Boden gepumpt, um durch den entstehenden Druck das Öl zu fördern. Nicht enthalten im Vertrag war indessen die Erneuerung der Wasserpipelines: Als das Wasser nach Reparatur des Pumpwerkes in den Boden injiziert wurde, brachen wiederholt die maroden Wasserrohre. Der mangelnde Wasserdruck rührte auch daher, dass Bauern die Rohre anzapften, um ihre Felder zu bewässern. Die Polizei mischt mit Einen Schuldigen haben die Amerikaner selbst früh ausgemacht: Es war ihr eigenes Army Corps of Engeneers. Diese Ingenieurtruppe war in den Nachkriegsmonaten damit beauftragt, die ersten Reparaturen an den Ölförderanlagen vorzunehmen. Erfahrungen hatten diese Ingenieure mit der einerseits komplizierten, andererseits veralteten, noch von der Sowjetunion gelieferten Technik nicht. "Das Ingenieurkorps", sagte später eines seiner Mitglieder anlässlich einer Anhörung im Kongress, "hatte, soweit es die Ölproduktion betrifft, absolut keine Kompetenzen." Dass es die USA in der Vorkriegsphase versäumt haben, einen strategischen Plan zur Rehabilitierung der irakischen Ölindustrie aufzustellen, zeigen viele weitere Pannen - etwa jene, dass Kellogg Brown Root sich weigerte, im Südirak einen ebenfalls ohne Ausschreibung erhaltenen 37-Millionen-Dollar-Kontrakt zu erfüllen. Öl-Terrorismus Für das Geld sollte die Ölförderung an verschiedenen Quellen erhöht werden. Die Begründung von KBR: die US-Regierung habe sich geweigert, KRB vor möglichen Prozessen nach Erfüllung des Auftrages zu schützen. Für den Nordirak erhielt KRB einen 70-Millionen-Dollar-Kontrakt, um das Pipelinesystem zu reparieren. Nach langen Streitigkeiten erfüllte KBR die Hälfte des Vertrages. Einige Millionen schon gefördertes Fass Öl konnten nicht transportiert werden und mussten in den Boden zurück gepumpt werden - eine nach Ansicht von Fachleuten für die zukünftige Förderung nicht zuträgliche Maßnahme. Ein weiteres Hemmnis für die irakische Ölindustrie sind die ständigen Angriffe auf die Pipelines. Seit dem Ende des Krieges im Mai 2003 zählt die Statistik insgesamt 282 Attacken auf die Transportwege. Es begann bereits am 1. Juni 2003 mit einem Angriff auf die Kirkuk-Ceyhan-Pipeline im Norden, welche Öl aus Irakisch-Kurdistan an die türkische Mittelmeerküste bringt. Die zeitlich letzte Sabotageaktion notieren Fachleute am 24.Oktober 2005, als fast gleichzeitig Pipelines in den nördlichen und südlichen Ölfeldern angegriffen wurden. Die dritte Plage In einer Studie der amerikanischen Brookings-Institution vom Juni 2004 wird davor gewarnt, dass der neue "Öl-Terrorismus" ein Modell für militante Islamisten werden könnte: Pipelines, die mehr als 40 Prozent des auf der Welt geförderten Öls durch eine so unsichere Gegend wie den Nahen Osten transportierten, stellen "attraktive terroristische Ziele dar", heißt es in dem Bericht. Die dritte Plage, von welcher die irakische Ölindustrie heimgesucht wird, ist die Korruption. Im März letzten Jahres entließ das irakische Ölministerium 450 Angestellte, die Öl geschmuggelt und die Gewinne eingestrichen hatten. Zu den Manipulationen, mit denen es gelingt, Öl auf den schwarzen Markt zu bringen, gehören die falsche Einstellung von Messinstrumenten an den Enden der Pipelines und falsche Angaben bei der Beladung von Tankern. Ganze Gangs sind damit beschäftigt, durch falsche Messangaben und falsche Angaben von Tankerladungen Öl für sich abzuzweigen. Diese eher subtilen Methoden werden ergänzt durch Überfälle auf Tanklastwagen, welche zum Beispiel Benzin zu den Tankstellen transportieren. Die gekaperte Ware wird dann zu billigen, aber dennoch Gewinn bringenden Preisen verscherbelt - ebenso wie jene Tausende Barrel Öl, die einfach durch Anzapfen der Pipelines gestohlen werden. Manchmal sind die Banditen so dreist, von den Tankstellen mitten in einer Stadt Benzin zu stehlen und auf dem schwarzen Markt zu verkaufen. Bewaffnete Diebe Manager der Tankstellen stehen diesen Praktiken machtlos gegenüber. Die Diebe sind meistens bewaffnet, oft arbeitet die Polizei mit ihnen zusammen. Schließlich ein letzter Aderlass der irakischen Ölindustrie: Zuverlässige Quellen im irakischen Ölministerium behaupten, dass im Irak tätige amerikanische Firmen ihren Energiebedarf zu Dumpingpreisen decken können - auf der Basis von etwa 27 Dollar pro Fass Öl. Dieser Betrag liegt mehr als die Hälfte unter dem Weltmarktpreis. Missmanagement, Sabotage und Korruption werden im Nachkriegsirak so schnell nicht besiegt werden. Daher wird im Irak, im Verhältnis gesehen, wohl noch mehr Blut als Öl fließen.
Anschläge, Korruption und mangelnde Koordination bremsen die Förderung vor Ort. Mit weltweiten Folgen. Der Öl-Terrorismus hat Erfolg - darum könnte er Schule machen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/irak-und-das-oel-verlorene-milliarden-1.904711
Irak und das Öl - Verlorene Milliarden
00/05/2010
Die Regierung will Konzernen die Verlustverrechnung erschweren. Doch die Bosse drohen mit Krach. Die Herren der Wirtschaft waren entsetzt. Ob die Steuerreform tatsächlich kommt? Ziemlich ungewiss. Dass sie mehr Geld an den Fiskus abdrücken, und nicht weniger? Wahrscheinlich. Der Chef des Chemieriesen BASF schimpfte "über den Gang der Dinge" in der Hauptstadt. Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelstages drohte, wenn die Wirtschaft belastet werde, "dann gibt es Krach". 1997 war das, der Bundesfinanzminister hieß Theo Waigel. Er hatte eine Steuerreform versprochen, die er eigentlich nicht bezahlen konnte: Denn kurz zuvor hatten die Steuerschätzer hatten vorgerechnet, dass in seinem Etat ein Loch von 18 Milliarden Mark klafft. Schwieriger Sommer des Theo Waigel Sieben Jahre später erinnert manches an den schwierigen Sommer des Theo Waigel. Auch Hans Eichel muss die Steuern senken, der Kanzler fordert es, und nebenbei sollen die Kommunen frisches Geld bekommen. Doch woher nehmen? Hans Eichel weiß es nicht. Und so will der Finanzminister nun genau jenes Vorhaben anpacken, mit dem schon Theo Waigel gescheitert ist: Er will den Konzernen teilweise verbieten, ihre Milliardenverluste aus vergangenen Jahren Laune mit den Gewinnen der Gegenwart zu verrechnen und so die Steuerlast zu drücken. Es geht um eine gewaltige Summe: Ein Minus von 250 Milliarden Euro haben die Unternehmen in ihren Bilanzen stehen. Jahr für Jahr werden diese Verluste "vorgetragen", wie es im Jargon der Experten heißt - und dann, wenn die Unternehmen schwarze Zahlen schreiben, mit den Gewinnen verrechnet. Die Altlasten verschaffen den Firmen nachträglich Entlastung. Für Eichel jedoch heißt dies, dass er selbst in Boomjahren nicht die erhofften Milliarden einnimmt, die er so dringend braucht. Genau dieses Risiko will die Regierung nun entschärfen. Versteckt in Korb "zwei" unter Punkt 5 Versteckt ist das Vorhaben in jenem "Korb zwei", auf den sich im Frühjahr der Vermittlungsausschuss geeinigt hat. Unter Punkt 5 hatten die Ministerpräsidenten Peer Steinbrück (SPD) aus Nordrhein-Westfalen und Roland Koch (CDU) aus Hessen die "Neugestaltung des geltenden Verlustverrechnungsystems" angeregt, dies sei "zur Stabilisierung des Steueraufkommens erforderlich". Es war eigentlich nur ein Prüfauftrag, doch Eichel nimmt ihn Ernst, sehr Ernst. Die Mehreinnahmen, im ersten Jahr 660 Millionen Euro, hat er bereits im Etat 2004 eingeplant; Länder und Kommunen bekämen genauso viel. Dennoch ist unklar, ob er damit durchkommt. Im Frühjahr hatte die Union das Vorhaben bereits einmal gestoppt, auch jetzt kündigen die Christdemokraten vorsorglich Widerstand an: "Dann würden noch mehr Betriebe in die Pleite getrieben", warnt der CSU-Mittelstandspolitiker Hans Michelbach. Auch die Lobbyisten vom Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) schlagen Alarm. Natürlich sei es zu begrüßen, dass die Regierung sich bei der Reform der Gewerbesteuer auf die Wirtschaft zubewege - und nun nicht mehr gewinnunabhängige Elemente besteuern will, sagen die Steuerexperten des Verbandes. Aber dass Eichel zugleich die Verlustvorträge einschränken will, halten die BDI-Vertretern für eine "rein haushalterische Sicht." Vorgeschmack auf Protest Es ist nur ein Vorgeschmack auf den Protest, der am 13. August droht, wenn das Kabinett über Steuerreform und Gewerbesteuer berät: "Die Messlatte für die Steuerentscheidungen", warnt BDI-Präsident Michael Rogowski, "ist Wachstum und Beschäftigung." Ansonsten gibt es Krach.
Die Regierung will Konzernen die Verlustverrechnung erschweren. Doch die Bosse drohen mit Krach.
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Verlustverrechnung - Eichels Milliarden-Risiko
00/05/2010
New York Stock Exchange bringt sich selbst an die Börse Die neue börsennotierte "NYSE Group" soll aus dem Zusammenschluss der amerikanischen Börse mit der Handelsplattform Archipelago entstehen. Nach zwei Jahrhunderten bringt sich die New York Stock Exchange (NYSE) über die Fusion mit der elektronischen Handelsplattform Archipelago selbst an die Börse. Detailansicht öffnen Der weltgrößte Börsenbetreiber New York Stock Exchange will sich nach einer Fusion selbst an die Börse bringen. (Foto: Foto: AP) Wie der weltgrößte Börsenbetreiber am Mittwoch mitteilte, will er durch den Zusammenschluss den elektronischen Handel ausbauen und neue Kunden gewinnen. Durch die Fusion entsteht unter dem Namen NYSE Group ein neues Unternehmen, das selbst an der Börse notiert sein wird. Wettbewerbshüter müssen noch zustimmen Angaben zum Wert der Fusion wurden nicht gemacht. Sie werde aber "die größte sein, die jemals zwischen Börsenplätzen stattfand", erklärten beide Seiten. Wenn die Wettbewerbshüter zustimmen, soll der Zusammenschluss zwischen dem Jahresende 2005 und dem ersten Quartal 2006 vollzogen werden. An der NYSE Group sollen die bisherigen NYSE-Eigner 70 Prozent halten und die Aktionäre von Archipelago 30 Prozent. Überwachung bleibt bei eigenständigem Unternehmen Die 213 Jahre alte New York Stock Exchange mit zur Zeit 2774 gelisteten Unternehmen mit einem Marktwert von 20 Billionen Dollar (15,3 Billionen Euro) ist einer der wenigen großen Handelsplätze, die selbst nicht börsennotiert sind. Das Unternehmen, dessen Status bisher keine Gewinnorientierung vorsieht, gehört seinen Kunden, also Finanzhäusern und Maklern. In Europa sind dagegen neben Frankfurt etwa auch London und die Vierländerbörse Euronext selbst an der Börse vertreten.
Die neue börsennotierte "NYSE Group" soll aus dem Zusammenschluss der amerikanischen Börse mit der Handelsplattform Archipelago entstehen.
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Wertpapierhandel - New York Stock Exchange bringt sich selbst an die Börse
00/05/2010
Die Verurteilung von Ex-Worldcom-Chef Bernie Ebbers zu 25 Jahren Haft, ist die höchste Gefängnisstrafe, die bislang gegen einen US-Wirtschaftsführer verhängt wurde. Die Botschaft ist klar: Kriminalität auf Chefetagen ist kein Kavaliersdelikt mehr. "Wahrscheinlich hätte Ebbers vor 20 Jahren gar keine Gefängnisstrafe bekommen", sagte Juraprofessor Frank Bowman im US-Sender CNN. Detailansicht öffnen Bernie Ebbers hatte nach dem Schuldspruch Tränen in den Augen. (Foto: Foto: Reuters) Früher verkehrten Richterin den gleichen Kreisen wie die Angeklagten, und hätten die Firmenchefs nicht als Kriminelle wahrgenommen. Dies gilt inzwischen nicht mehr: Wer sich auf Kosten der Aktionäre ein luxuriöses Leben gönnt, wird heute heftig abgestraft. Der ehemalige WorldCom-Chef war wegen Betrugs im größten Bilanzfälschungsskandal der US-Geschichte schuldig besprochen worden. Vor drei Wochen bekam John Rigas (80), Gründer der Kabelfernsehfirma Adelphia, 15 Jahren Haft, weil er die Finger in der Firmenkasse hatte, sein Sohn, der als Finanzchef dabei half, 20 Jahre. Serie von Gerichtsverfahren Auch Dennis Kozlowski (58) vom Mischkonzern Tyco wurde wegen Betrugs schuldig gesprochen. Sein Strafmaß wird am 2. August verkündet. Zumindest Rigas und Ebbers, der bei der Urteilsverkündung weinte, dürften den Rest ihrer Tage hinter Gittern verbringen. Investoren und Angestellte, die teilweise ihre ganzen Lebensersparnisse verloren, sehen das mit Genugtuung. "Er kann nie wieder gutmachen, was er mir und zehntausend anderen angetan hat", sagte der einstige WorldCom- Angestellte Henry Bruen (37) vor Gericht. Er habe alle Ersparnisse verloren. "Was sind schon 25 Jahre im Gefängnis, wenn zehntausende ihre Lebensersparnisse verloren haben?" fragte Ediie Chen in einer Zuschrift an das "Wall Street Journal". "Wenn man 60 ist und keinen Job hat, ist es so, als verliere man sein Leben." Die Öffentlichkeit hat auf die Exzesse, die bei den Prozessen ans Licht kamen, mit Empörung reagiert. Verschwenderischer Lebensstil Kozlowskis golddurchwirkte Duschvorhänge für 6000 Dollar auf Firmenkosten wurden legendär, und auch die Eisskulptur eines Wodka pinkelnden Davids auf der zwei Millionen Dollar teuren Überraschungsparty für seine Frau auf Sardinien. Der alte Rigas lebte in Saus und Braus, während er der Firma zwei Milliarden Dollar persönliche Schulden unterjubelte. Ebbers, der es vom Milchmann zum Millionär brachte, bereicherte sich zwar nicht selbst. Aber auch er ließ sich vom Aufsichtsrat private Kredite über 400 Millionen Dollar genehmigen, während er Mitarbeitern die Trinkwassermaschinen im Flur als Sparmaßnahme streitig machte. Urteil mit Signalwirkung Der Donner des drakonischen Ebbers-Urteils dürfte bis nach Texas nachhallen. Dort warten die ehemaligen Enron-Lenker Ken Lay und Jeff Skilling auf ihren Prozess. Der Energiekonzern war Ende 2001 als erster der Skandalserie durch Bilanzbetrügereien untergegangen. Sie haben sich beide nicht schuldig bekannt. Anwälte schließen nicht aus, dass sie sich angesichts der Schuldsprüche nachträglich auch auf einen Deal mit der Staatsanwaltschaft einlassen. Oder sie heuern die Anwälte von Richard Scrushy an. Der einstige Chef der Laborkette Healthsouth stand auch wegen Bilanzbetrugs vor Gericht. Er wurde Ende Juni freigesprochen. Die Geschworenen zeigten sich vor allem von dem unkonventionellen Verteidigungsteam schwer beeindruckt.
Die Verurteilung von Ex-Worldcom-Chef Bernie Ebbers zu 25 Jahren Haft, ist die höchste Gefängnisstrafe, die bislang gegen einen US-Wirtschaftsführer verhängt wurde.
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Worldcom-Urteil - Ein deutliches Signal für die Chefetagen
00/05/2010
Im Vorfeld der EU-Ratstagung zeichnet sich eine Mehrheit für die weitgehende Patentierbarkeit ab. Gegener warnen vor Wettbewerbsverzerrungen durch Monopole. Vor einem entscheidenden Treffen der EU-Wirtschaftsminister am Montag und Dienstag ist in Europa wieder ein heftiger Kampf um die künftige Patentierbarkeit von Software entbrannt. Während die eine Seite den notwendigen Schutz von Innovationen reklamiert, befürchtet die andere Monopole von Großunternehmen zu Lasten des Wettbewerbs. Bundesregierung könnte überstimmt werden Im Vorfeld der EU-Ratstagung, auf deren Agenda die Regelung steht, zeichnet sich eine Mehrheit für die weitgehende Patentierbarkeit von Software ab. Die Bundesregierung ist skeptisch, könnte jedoch überstimmt werden. Endgültig entscheiden dürften Parlament und EU-Staaten wohl erst Ende des Jahres. Das Europäische Parlament hatte im Herbst zahlreiche Änderungen am Regelungsvorschlag der EU-Kommission gefordert. So sollen reine Software und Geschäftsmethoden in Europa auch künftig nicht patentierbar sein. Nach Darstellung mehrerer Parlamentarier haben die EU-Staaten diese Änderungen wieder verworfen und wollen eine umfassende Patentierbarkeit von Innovationen, die auf Software basieren. "Eine Mehrheit der EU-Staaten will die mit großer Mehrheit angenommenen Verbesserungsvorschläge des Parlaments ignorieren", klagt die grüne Abgeordnete Mercedes Echerer. Der Europaparlamentarier Joachim Wuermeling (CSU) weist die Kritik am Kurs der Mitgliedsstaaten zurück. "Auch der neue Entwurf erlaubt keine Patente auf reine Software und Geschäftsmethoden". Allerdings hätten die EU-Staaten etliche Forderungen des Parlaments fallen gelassen. Beispiel USA soll warnen Freie Entwickler und die Linux-Bewegung für freie Software warnen vor dem Beispiel der USA, wo bereits simpelste Geschäftsmethoden patentierbar seien. Dem Online-Buchhändler Amazon sei ein Patent darauf erteilt worden, dass man auf der Webseite mit einem einfachen Maus-klick Bücher ordern kann. Jedes Unternehmen, das ähnliche Methoden benutzt, könne mit den Patentgesetzen in Konflikt kommen. Richard Stallman, einer der Wortführer freier Software: "Wir Softwareentwickler benötigen Schutz vor Leuten, die uns wegen Verwendung von Ideen in unseren Programmen verklagen. Ein Word Processor verwendet heutzutage Hunderte von Ideen und wenn jede dieser Ideen patentiert werden müsste, könnten wir schlicht und ergreifend keine Software schreiben." In den USA seien kleine Softwarefirmen wegen der Patente Spielball großer in- und ausländischer Unternehmen.
Im Vorfeld der EU-Ratstagung zeichnet sich eine Mehrheit für die weitgehende Patentierbarkeit ab. Gegener warnen vor Wettbewerbsverzerrungen durch Monopole.
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EU-Streit - Mehrheit für Softwarepatente
00/05/2010
In den USA tritt die gesündeste und reichste Seniorengeneration aller Zeiten ihren Ruhestand. Bei uns könnte die Entwicklung ähnlich verlaufen. In der amerikanischen Umgangssprache bezeichnet der Begriff Cameltoe eine Begleiterscheinung der Jugendmode - Beinkleider so eng zu tragen, dass sich die primären Geschlechtsorgane gegen den Stoff abzeichnen, was bei jungen Damen zu einem Effekt führen kann, der an besagten Kamelfuß erinnert. Detailansicht öffnen In Kalifornien gehört dieses Bild längst zum Alltag: Surfende Senioren am Strand. (Foto: Foto: dpa) Frivoler Spaß mit Kindern Die Brooklyner Electroclash-Gruppe Fannypack landete vor zwei Jahren mit einem Song darüber einen Sommerhit. Danach geriet die Cameltoe-Mode in Vergessenheit, bis Madonna vor einigen Wochen das Video zu ihrer Single "Sorry" veröffentlichte. Das zeigt die Popdiva in einem kamelfüßigen Aerobictrikot beim frivolen Spaß mit Knaben und Mädchen. Noch etwa zwei Jahre hat Madonna, bevor sie, an ihrem 50., die Zielgruppe der 18- bis 49-jährigen hinter sich lässt, die von der Marketingbranche als stärkstes Konsumsegment und somit zum produktiven Kern der Gesellschaft erkoren wurde. Trotzdem wirkt ihr pädophiler Exhibitionismus in einer Lebensphase, in der sich viele ihrer Altersgenossinnen übers erste Enkelkind freuen, wie die unangenehme Übersteigerung jener verzweifelten Versuche so vieler Erwachsener, mit Popkultur und Trendsportarten den Prozess des Alterns zu bremsen. Und Madonnas Video ist beileibe nicht das einzige Beispiel. Detailgetreue Entjungferung Da wirken die Sexszenen des 60-jährigen Steve Martin mit der 26-jährigen Clare Danes in der Verfilmung seines Romans "Shopgirl" noch erwachsen im Vergleich zur Besessenheit, mit welcher der 53-jährige Regisseur Gus van Sant und sein 62-jähriger Kollege Larry Clark in ihren Filmen um pubertäre Sexualität kreisen. Im neuesten Roman des 64-jährigen John Irving "Bis ich dich finde" muss man sich durch hunderte Seiten kindlicher Sexualerlebnisse quälen. Auch die Detailtreue, mit der der 75-jährige Tom Wolfe in "Ich bin Charlotte Simmons" eine Entjungferung beschreibt, machten es dem Leser schwer, sich nicht vom Altmännergeruch der Texte abschrecken zu lassen. Doch spätestens die Eindeutigkeit der Hüftschwünge, die der 62-jährige Mick Jagger vor einigen Wochen bei seinem Auftritt zur Halbzeit des Super Bowl vorführte, bestätigte, dass die Übersexualisierung älterer Herrschaften ein gesellschaftlich relevantes Massenphänomen ist. Man wird sich an die virilen Senioren gewöhnen müssen, denn mit den so genannten "Babyboomers", den geburtenstarken Jahrgängen zwischen 1946 und 1964, beginnt eine Generation ihren Lebensabend, deren Werte auch im Alter noch von den gesellschaftlichen Umwälzungen der späten sechziger Jahre geprägt sind. Man sollte sich allerdings nicht auf die Seite von konservativen Kulturpessimisten wie William Strauss und David Howe schlagen, die das Erbe der Babyboomer in ihrer Generationenstudie "Millennials Rising" als eine Vulgarisierung der Kultur und des öffentlichen Diskurses, eine Zunahme an Kriminalität und Gewalt sowie einen allgemeinen Verfall der Gesellschaft beschreiben. Was den Kulturkritikern Unbehagen bereitet, ist ein gesellschaftspolitischer Glücksfall.
In den USA tritt die gesündeste und reichste Seniorengeneration aller Zeiten ihren Ruhestand. Bei uns könnte die Entwicklung ähnlich verlaufen.
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Reiche Rentner - Golden Oldies
00/05/2010
Von Freitag an gelten abermals neue Preise in deutschen Zügen. Und wieder gilt: Wer sparen will, muss clever sein. (SZ vom 30.07.2003) — Es waren große Worte, mit denen die Bahn Ende vergangenen Jahres ihr neues Preissystem anpries: Ein "Paradigmenwechsel" stehe bevor, ließ die Bahn-Spitze wissen, eine "kleine Revolution des Bahnfahrens". Noch größer als die Worte war die Ernüchterung danach. Denn die Bahnkunden wollten beim Paradigmenwechsel nicht mitmachen, und bei aller Revolution hatte die Bahn offenbar das Fußvolk vergessen. Das reisende Volk soll jetzt wieder einsteigen, und deshalb setzt zum 1. August Teil zwei der Preisreform ein. Einiges wird wieder so, wie es früher war, aber am Kern des Systems ändert sich nur wenig. Was mit anderen Worten heißt: Einfacher wird wenig, aber billiger so manches - wenn man nur weiß, wie. Die BahnCard. Die "alte" BahnCard mit 50 Prozent Rabatt zählte zu den Opfern der Reform vom vorigen Jahr. Jetzt wird sie wieder eingeführt. Damit gibt es künftig drei verschiedene Karten-Typen - mit 25, 50 oder 100 Prozent Nachlass. Die BahnCard 25, jüngstes Kind der BahnCard-Familie, gewährt 25 Prozent Nachlass auf den Normalpreis. Noch bis zum 30. September 2004 lässt sie sich mit den so genannten Sparpreis-Preisen kombinieren (siehe unten). Die 25-er Karte kostet nun 50 Euro für die zweite Klasse (statt bisher 60 Euro) und 100 Euro für die erste (statt 150). Sie gilt, wie alle BahnCards, ein Jahr lang. Nicht nur 25, sondern 50 Prozent Ermäßigung bietet von August an die neue "alte" BahnCard 50. Sie kostet 200 Euro in der zweiten Klasse und 400 in der ersten. Damit wird sie deutlich teurer sein als ihr Vorgängermodell, das im Dezember 2002 auslief. Senioren jenseits der 60, Schüler und Studenten bis 26 Jahre sowie Schwerbehinderte erhalten die BahnCard 50 zum Preis von 100 Euro. Das gleiche gilt für Ehe- oder Lebenspartner. Damit stellt sich - einmal mehr - die Frage des Kartenwechsels. Wer eine alte BahnCard25 besitzt, kann sie - gegen Aufpreis - in eine neue BahnCard50 umtauschen. Voraussetzung: Der Restwert der Karte muss mehr als 15 Euro betragen. Dieser Wert bemisst sich nach der verbleibenden Laufzeit der Karte. Zum Beispiel: Eine BahnCard 25 zweiter Klasse, erworben am 1. Januar 2003, gilt nach dem 1. August noch fünf Monate. Der Preis der Karte belief sich auf 60 Euro, also (geteilt durch zwölf) fünf Euro im Monat. Damit beträgt der Restwert der Karte (fünf Euro mal fünf Monate) 25 Euro, ein Umtausch in die höhere Kategorie ist möglich. Wer mit Anschaffung oder Wechsel einer BahnCard liebäugeln, sollte aber zunächst seine Bahnkosten überschlagen. Wer jährlich mehr als 200 Euro am Bahnschalter lässt, für den lohnt sich die BahnCard25. Jenseits der 600 Euro zahlt sich die BahnCard50 aus. Die dritte BahnCard-Neuerung läuft allein auf der Wortebene ab: Die "Persönliche NetzCard", die bisher Reisen quer durchs Land erlaubte, heißt nun "BahnCard 100". Mit 3000 Euro in der zweiten Klasse und 5000 in der ersten wird sie etwas günstiger als ihre Vorgängerin. Für Familien mit Kindern legt die Bahn noch eine BahnCard 25 kostenlos drauf. An einem weiteren Projekt arbeitet das Unternehmen noch: Denn die BahnCard soll zur bundesweiten "Mobilitätskarte" werden, die 25 Prozent Preisnachlass auch in den kommunalen Verkehrsverbünden garantiert. Die Gespräche laufen noch. Rückreise mit Haken Der Sparpreis. Frühbucher fahren clever, so lautete eine der Kernbotschaften der Bahn an ihre Kunden. In abgemagerter Form gilt sie weiterhin. So entfällt der zehnprozentige Rabatt in Zukunft komplett. Der 25-Prozent-Nachlass bleibt, der bisherige 40-Prozent-Rabatt wird auf 50 Prozent aufgestockt. Das Sparen geht so: Wer sich frühzeitig für einen festen Reisetermin entschieden hat, darf weiterhin keine Minute verschwenden und sollte sogleich die Fahrscheine buchen. Bestimmte Kontingente auf allen Zügen sind für Frühbucher reserviert. Aber nur, wer sich rechtzeitig festlegt, bekommt den günstigsten 50-Prozent-Rabatt, später den zweitgünstigsten 25-prozentigen, schließlich nur den Normalpreis. Beide Sondertarife lassen sich bis spätestens drei Tage vor Abreise buchen. Bei der Reisedauer der Sparpreis-50-Tarife allerdings hat sich die Bahn einen neuen Leckerbissen einfallen lassen. Bislang galt: Wer den höchsten Rabatt haben will, muss zwischen Hin- und Rückfahrt mindestens eine Übernachtung von Samstag auf Sonntag einplanen. So wollte die Bahn verhindern, das Geschäftsreisende die Rabatte für Tagesreisen in Beschlag nehmen. Die Wochenend-Bindung besteht daher fort, allerdings mit zwei Ausnahmen: Erstens ist die Hin- und Rückfahrt an Wochenendtagen künftig erlaubt - ganz ohne Übernachtung. Zweitens sind auch Reisen von Sonntag bis Samstag zum 50-Prozent-Frühbuchertarif möglich. Die Koppelung mit der BahnCard, die viele Bahnkunden nachhaltig verwirrt hatte, entfällt nach einer Übergangsfrist vom 1. Oktober 2004 an vollständig. Dagegen bleibt beim Normalpreis alles beim alten: Er wird auch nach der Reform der Reform degressiv gestaffelt sein. Das heißt: Je weiter die Reise, desto billiger ist jeder einzelne Kilometer. Damit will die Bahn auf weiten Strecken attraktiver werden. Allerdings lohnt sich weiterhin die Frage: Geht's vielleicht auch billiger? Denn für ein- und dieselbe Verbindung gibt es oft andere Reisewege, die mitunter nur wenig länger dauern als der schnellste Weg. "Im Allgemeinen ist die schnellste Verbindung zugleich die teuerste", warnt Holger Jansen, Bahnexperte des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen. Noch dazu können sich hinter den Alternativ-Verbindungen auch bis dahin ungenutzte Rabatt-Kontingente verbergen. Umtausch und Umbuchung. Bislang der Zankapfel des Preissystems, werden Umbuchung und Umtausch künftig leichter. Wer mit dem Normalpreis reist, also bestenfalls in den Genuss eines BahnCard-Nachlasses gekommen ist, kann bis zum Tag der Abreise kostenlos seinen Fahrschein zurückgeben oder umbuchen. Nach dem ersten Geltungstag wird eine Gebühr von 15 Euro fällig. Schwieriger wird es bei den früh gebuchten Reisen mit Sparpreis-Rabatt. Bis einen Tag vor Reiseantritt wird hier grundsätzlich eine Gebühr von 15 Euro fällig. Und weiterhin gilt: Wer seinen Zug früh und ermäßigt gebucht hat, sollte ihn nicht verpassen. Denn das wird nicht ganz billig: Wer am Tag der Abreise noch auf einen anderen Zug umbuchen muss, zahlt die Differenz zum Normalpreis und eine Gebühr von 15 Euro dazu. Ein komplett neues Ticket dagegen wird nicht fällig. Mitfahren und sparen Mitfahrer und Familien: Das Auto ist und bleibt schärfster Bahn-Konkurrent, und deshalb reisen Mitfahrer zum halben Normalpreis. Zum Beispiel: Person A reist von Flensburg nach Oberammergau - zum vollen Normalpreis. Seine vier Begleiter vom Flensburger Kegelclub aber reisen zum halben Preis. Der Mitfahrer-Rabatt lässt sich auch mit den beiden Sparpreis-Tarifen kombinieren. Das heißt: Buchen die Kegelbrüder ihre Reise sehr frühzeitig, genießen sie alle maximal 50 Prozent Frühbucher-Rabatt. Der Mitfahrerrabatt für Person zwei bis fünf kommt noch obendrauf - sie reisen zu einem Viertel des Normalpreises. Und bis zum 30. September 2004 könnten sie auch noch eine BahnCard 25 geltend machen: mit weiteren 25 Prozent Nachlass auf den Restpreis. Günstig schließlich bleibt es auch für Familien: Kinder unter 15 reisen kostenlos, wenn Eltern oder Großeltern dabei sind. In Familien mit Kindern erhalten alle die BahnCard25 für fünf Euro, wenn ein Familienmitglied sie zum vollen Preis gekauft hat. Eines freilich hat die Reform nicht behoben: Wer reisen will, muss gut rechnen können. Dafür könnte die Bahn aber künftig wieder zur echten Auto-Alternative werden. Selbst für das Fußvolk.
Von Freitag an gelten abermals neue Preise in deutschen Zügen. Und wieder gilt: Wer sparen will, muss clever sein.
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Bescheid wissen, Vorteile nutzen - Die neuen Bahntarife
00/05/2010
An der Deutschen Börse endet der elektronische Handel künftig um 17.30 Uhr statt wie bisher um 20 Uhr. (SZ vom 04.09.03) - Einkaufen nach Feierabend ist den Deutschen selbstverständlich geworden. Viele Bürger schätzen es, wenn sie sich nach der Arbeit mit Aprikosen, Anzügen, aber auch Aktien eindecken können. Doch die Aktie wird es künftig abends gewissermaßen nur noch im Tante-Emma-Laden, nicht aber im Supermarkt geben. Die Frankfurter Wertpapierbörse, eine Tochter der Deutschen Börse, hat angekündigt, vom 3. November an die Handelszeiten zu verkürzen. Auf der elektronischen Handelsplattform Xetra werden künftig nur noch bis 17.30 Uhr, statt wie bisher bis 20 Uhr, Wertpapiere den Besitzer wechseln. Dagegen können Anleger im so genannten Parketthandel auch künftig bis zur "Tagesschau" Aktien kaufen und verkaufen. Irreführender Werbefeldzug Ausgerechnet die Aktie wird schwerer verfügbar. Ein Produkt, das es sogar in der Ausführung "Volksaktie" gibt, wenn auch nur aufgrund eines irreführenden Werbefeldzuges von Bund und Telekom. Erst im Juni 2000, kurz nach dem Höhepunkt der Börsen-Euphorie, hatte die Börse den Handel auf den Abend ausgedehnt. Damals begeisterten sich Bürger, Banken und Politiker noch am Gedeihen einer deutschen Aktienkultur. Je freier Aktien für jeden Bürger zugänglich waren, desto besser. Die Börse selbst sowie die deutschen Großbanken - für die der Wertpapierhandel eine wichtige Geldquelle ist - argumentierten zudem, das Frankfurter Finanzzentrum könne im internationalen Wettbewerb nur mithalten, wenn der Aktienhandel ausgedehnt werde. Es ist kein Zufall, dass ausgerechnet jetzt das Rad zurückgedreht wird. Nach drei schlechten Börsenjahren haben viele Anleger das Interesse an Aktien wieder verloren. Die Zahl der Aktionäre ist nach Angaben des Deutschen Aktieninstituts von 6,2 Millionen im Jahr 2000 auf zuletzt 4,9 Millionen zurückgegangen. Geschäft am Abend lohnte nicht Ausschlaggebend dafür, dass die Börse jetzt zurückrudert, ist jedoch etwas anderes: Für die Banken und die Börse hat sich das Geschäft am Abend nicht gelohnt. Nur sieben Prozent des Aktienhandels wurden zuletzt in den Abendstunden abgewickelt, die rund 23 Prozent der gesamten Handelszeit ausmachen. Aktienhändler kosten die Banken Geld, wie Verkäufer und Kassierer die Einzelhändler. Kommen zu wenig Käufer, werden die Kosten nicht aufgewogen. "Der Test ist negativ ausgefallen", sagt André Wetzel vom Deutschen Aktieninstitut. Es überrascht auch nicht, dass ausgerechnet der Xetra-Handel eingeschränkt wird, der Großhandel der Börse. Die institutionellen Investoren, also Banken, Versicherungen und Fondsgesellschaften, wickeln ihre Geschäfte seit Jahren praktisch nur noch über diese elektronische Handelsplattform ab. Sie aber handeln tagsüber. In den Finanzzentren New York und London hat es bezeichnenderweise nie einen Abendhandel gegeben. Geringe Handelsumsätze Die Kleinanleger können auch künftig über den Parketthandel - er wird über Makler auf dem Börsenparkett abgewickelt - Aktien kaufen. Doch längst nicht alle Aktien sind dort verfügbar. Weil die Handelsumsätze auf dem Parkett sehr gering sind und Angebot und Nachfrage nicht immer zusammenpassen, zahlen Anleger zudem häufig ein paar Cent mehr. Es ist wie im Tante-Emma-Laden: Es gibt nicht alles, und das, was es gibt, ist oft teurer als im Supermarkt.
An der Deutschen Börse endet der elektronische Handel künftig um 17.30 Uhr statt wie bisher um 20 Uhr.
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Früher Feierabend - Abendruhe für Aktien
00/05/2010
Nach langem Tauziehen können Flugpassagiere zumindest innerhalb Europas auf klare Entschädigungs-Regeln bei annullierten, ausgebuchten oder verspäteten Flügen hoffen. Eine entsprechende Verordnung dürfte am Montag in Brüssel trotz deutscher Bedenken verabschiedet werden, wie am Freitag aus EU-Ratskreisen in Brüssel zu erfahren war. Damit könnte der Kompromiss, auf den sich das Europaparlament und der Ministerrat nach zähen Verhandlungen verständigt hatten, planmäßig am 1. Januar kommenden Jahres in Kraft treten. Bis zu 600 Euro Schadenersatz Den Angaben zufolge wollen Großbritannien und Irland im Rat gegen die Verordnung stimmen, Deutschland will sich enthalten. Alle übrigen EU-Staaten hätten ihre Zustimmung bekundet. Damit würden im Ministerrat 64 Ja-Stimmen erreicht werden - zwei mehr, als für die qualifizierte Mehrheit notwendig. Die geplante Verordnung sieht konkrete Entschädigungssätze bei Verspätungen oder Annullierungen, aber auch bei dem häufig praktizierten Überbuchen von Flügen vor. Die Passagiere sollen bei Ausfällen demnach je nach Länge der Flugstrecke zwischen 250 und 600 Euro Schadenersatz erhalten. Der Text regelt auch detailliert, wann Erfrischungsgetränke, Mahlzeiten oder auch Hotelübernachtungen gewährt werden müssen. Bisher entschädigen Fluggesellschaften nur aus Kulanz; Billigflieger zum Teil gar nicht. Die Regelung soll sowohl für Linien- wie für Charterflüge gelten. "Etwas ungenau" Die Bundesregierung begründet ihre Stimmenthaltung mit "erheblichen rechtlichen Bedenken". So sei die Haftung von Fluggesellschaften auf Tatbestände ausgeweitet worden, die "man im allgemeinen höhere Gewalt nennt", sagte der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg in Berlin. Zugleich betonte er, dass die "grundsätzliche Zielrichtung" der Verordnung richtig sei. Der CDU-Europaabgeordnete, Georg Jarzembowski, kritisierte das "zumindest ungewöhnliche" Verhalten der Abweichler-Staaten. Sie hätten - wie alle übrigen EU-Länder - im Vermittlungsverfahren dem Kompromiss zunächst zugestimmt, sagte er. Danach hätten sie sich dem Druck ihrer heimischen Reiseveranstalter oder Fluglinien, wie dem irischen Billigflieger Ryanair, gebeugt. Zwar sei die Formulierung über die Haftung "etwas ungenau", räumte der Hamburger EU-Abgeordnete ein. Fälle von höherer Gewalt, wie schwere Unwetter oder Streiks am Flughafen, würden nicht klar genug ausgeschlossen. Doch sei es im Interesse der Fluggäste wichtig, dass der Kompromiss nun endlich unter Dach und Fach gebracht werde. "Ich hoffe, dass das am Montag klappen wird." Bei einem Scheitern der Verordnung müsste der gesamte Prozess in der demnächst erweiterten EU mit 25 Ländern neu begonnen werden.
Nach langem Tauziehen können Flugpassagiere zumindest innerhalb Europas auf klare Entschädigungs-Regeln bei annullierten, ausgebuchten oder verspäteten Flügen hoffen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/eu-klare-entschaedigungs-regeln-fuer-fluggaeste-in-sicht-1.920010
EU - Klare Entschädigungs-Regeln für Fluggäste in Sicht
00/05/2010
Für die Lebensmittel-Discounter wird es immer schwieriger, neue Kunden zu gewinnen. Die Steigerung des Marktanteils ist laut einer Studie zwar noch möglich, wird aber schwieriger. Der Anteil der Discounter am deutschen Lebensmitteleinzelhandel wird der Studie zufolge zwar weiter steigen. Allerdings wird es für die Billigläden immer schwieriger, neue Kunden zu gewinnen, wie aus einer Umfrage von TNS Infratest im Auftrag der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG in mehr als 1.000 Haushalten hervorgeht. Detailansicht öffnen Müssen die Grenzen des Wachstums erkennen: Lidl und Aldi. (Foto: Foto: dpa) Kunden, die bis jetzt nicht gewonnen werden konnten, stehen dem Discount-Konzept demnach eher skeptisch gegenüber. Eine deutliche Steigerung des Marktanteils könne somit nur erreicht werden, wenn es gelinge, über den bestehenden Kundenstamm zusätzlichen Umsatz zu erzielen. In diese Richtung ziele die stetige Sortiments- und Flächenerweiterung, sagte KPMG-Abteilungsleiter Johannes Siemes. Auf diesem Wege könne der Discounter-Anteil am Lebensmitteleinzelhandel mittelfristig von 40 auf 45 Prozent steigen, so die KPMG. Billigformat spricht nicht jeden an Über die Hälfte (59 Prozent) derjenigen, die in den drei Monaten vor der Umfrage nicht bei Discountern einkauften, fühlen sich der Umfrage zufolge vom Billigformat prinzipiell nicht angesprochen. Sie suchten beim Einkauf die wichtigsten Herstellermarken und legten auf gehobene Warenpräsentation Wert. Das größte Potenzial zur Neukundengewinnung unter den Discountern besitzt den Angaben zufolge mit 47 Prozent der Nicht-Kunden die Kette Plus, die den größten Sortimentsumfang und einen sehr hohen Markenartikelanteil besitze. Bei den Nicht-Discountern haben die verschiedenen SB-Warenhäuser mit 60 bis 70 Prozent das größte Potenzial, neue Kunden zu gewinnen, wie es weiter hieß. Meist sehr bekannt Die starke Expansion der Discounter in den letzten Jahren hat dafür gesorgt, dass diese meist sehr bekannt sind. So kommen den Angaben zufolge vier der sechs untersuchten Discounter auf einen Bekanntheitsgrad von über 90 Prozent. Aldi kennen mit 99 Prozent praktisch alle Befragten. Bei den Nicht-Discountern erreichen nur Edeka (94 Prozent) und Real (91 Prozent) vergleichbare Werte.
Für die Lebensmittel-Discounter wird es immer schwieriger, neue Kunden zu gewinnen. Die Steigerung des Marktanteils ist laut einer Studie zwar noch möglich, wird aber schwieriger.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/discounter-potenzial-ausgereizt-1.919950
Discounter - Potenzial ausgereizt
00/05/2010
Spekulationen über einen möglichen Bruch der Europäischen Währungsunion haben für erhebliche Unruhe an den Devisenmärkten gesorgt. Die Bundesbank gab indes Rückendeckung und schloss ein Scheitern aus. Wie der Stern berichtete, sei vergangene Woche in einer vertraulichen Ökonomenrunde mit Bundesfinanzminister Hans Eichel und Bundesbankpräsident Axel Weber über ein Scheitern der Währungsunion diskutiert worden. Detailansicht öffnen Noch jung und schon der Lack ab? Die Debatte um ein Scheitern der Währungsunion bringt den Euro unter Druck. (Foto: Foto: dpa) Das Magazin zitierte den Teilnehmer Joachim Fels von der Investmentbank Morgan Stanley: "Das kann in einigen Jahren zum Super-GAU führen: einem Auseinanderbrechen des Euro." Das Bundesfinanzministerium wies den Bericht zurück. Die Bundesbank kündigte eine Erklärung an. Regelmäßige Treffen Eichels Sprecher Stefan Giffeler sagte, es gebe regelmäßige Treffen zwischen Eichel, der Bundesbank und Ökonomen. Das genannte Treffen könne er aber nicht bestätigen, auch nicht, dass sich Eichel an "einer derart absurden Diskussion" beteiligt haben soll. "Der Euro und die Wirtschafts- und Währungsunion sind eine einzige Erfolgsgeschichte." Das Magazin berichtete weiter, die Beamten Eichels hätten in einem internen Vermerk vor einem ökonomischen Auseinanderdriften Europas gewarnt. Unter der Überschrift "Euro-Zone: Zunehmende Besorgnis über verfestigte Inflations- und Wachstumsdifferenzen" heißt es: "Die Schere droht weiter auseinander zu laufen, so dass die Gefahr einer Anpassungskrise größer wird." Der Euro sackte am Vormittag auf 1,2272 Dollar ab, am Vortag hatte der Referenzkurs noch 1,2331 Dollar betragen. Euro als Sündenbock für Wachstumsschwäche Das Magazin berichtete unter Berufung auf vertrauliche Vermerke außerdem, das Bundesfinanzministerium mache die Einführung des Euro für die anhaltende Wachstumsschwäche in Deutschland verantwortlich. Eichels Experten hätten in dem "Hintergrundvermerk zum Anpassungsprozess an die Europäische Wirtschafts- und Währungsunion" geschrieben, Deutschland habe mit der Euro-Einführung seinen Realzins-Vorteil gegenüber den anderen Staaten der Währungsunion verloren.
Spekulationen über einen möglichen Bruch der Europäischen Währungsunion haben für erhebliche Unruhe an den Devisenmärkten gesorgt. Die Bundesbank gab indes Rückendeckung und schloss ein Scheitern aus.
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Geisterdebatte um Währungsunion - Lackschaden beim Euro
00/05/2010
In der Gläubigervereinigung ABRA zusammengeschlossene deutsche Anleger haben entschieden, lieber auf rund 75 Prozent ihrer Ansprüche zu verzichten als die alten Papiere zu behalten, auf die Argentinien seit 2001 keine Zinsen mehr zahlt. Argentinien hat im Kampf um einen umfassenden Schuldenerlass bei seinen Privatgläubigern einen weiteren Fortschritt erzielt: Die Gläubigervereinigung ABRA mit Sitz in Deutschland erklärte am Montag, sie empfehle, der von Buenos Aires vorgesehenen Umschuldung und dem damit verbundenen Forderungsverzicht bei Argentinien-Anleihen zuzustimmen. Dabei müssen die Anleger auf rund 75 Prozent ihrer Ansprüche verzichten. Die ABRA vertritt vor allem deutsche Investoren, darunter mehrere Großbanken aber auch tausende Privatanleger. Der Verbund steht für Gesamtschulden Argentiniens von 1,2 Milliarden Dollar (905 Millionen Euro). Größter Zahlungsausfall in der neueren Geschichte Argentinien hatte angesichts der schwersten Wirtschaftskrise seiner Geschichte Ende 2001 den Staatsbankrott erklärt und die Schuldentilgung ausgesetzt. Es war der größte Zahlungsausfall eines Staates in der neueren Geschichte. Die Inhaber von Anleihen erhalten seitdem weder Zins- noch Tilgungszahlungen. Argentinien will nun alte Anleihen durch neue mit geringerem Wert und niedrigeren Zinszahlungen sowie längeren Laufzeiten ersetzen. Insgesamt geht es um Papiere im Nennwert von 81,8 Milliarden Dollar, zusammen mit den ausgefallenen Zinsen sind es sogar über 100 Milliarden Dollar. Zustimmung bei anderen Anlegern Die Frist für die Annahme des argentinischen Umtauschangebots war am Freitag abgelaufen. Die genaue Quote der Gläubiger, die zugestimmt haben, wurde zunächst nicht bekannt. Sie könne aber bei bis zu 80 Prozent liegen, hatte Argentiniens Innenminister Anibal Fernandez am Wochenende gesagt. Noch vor einem Monat hatte die ABRA die argentinischen Forderungen abgelehnt. Grund für die geänderte Haltung sei die erwartete hohe Zustimmungsquote unter den anderen Gläubigern. Damit hätten Alternativen "nur nach langer Zeit zu einem Erfolg führen können", betonte die ABRA. "Während dieser Zeit hätten ABRA-Investoren keine Zahlungen erhalten und der Marktwert und die Liquidität der nicht umgetauschten Anleihen wäre erheblich eingeschränkt gewesen." Für Kleinanleger, die einen Großteil der ABRA-Kunden stellten, sei dies nicht hinnehmbar.
In der Gläubigervereinigung ABRA zusammengeschlossene deutsche Anleger haben entschieden, lieber auf rund 75 Prozent ihrer Ansprüche zu verzichten als die alten Papiere zu behalten, auf die Argentinien seit 2001 keine Zinsen mehr zahlt.
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Argentinien-Anleihen - Gläubiger nehmen Umtauschangebot an
00/05/2010
Weil die USA beim Verkehr verstärkt auf Umweltschutz setzen, explodieren in Mexiko die Tortilla-Preise. Proteste sind die Folge. Tortilla ist das Nationalgericht Mexikos. Vor allem bei armen Familien kommt der gebackene Maisbrei nahezu jeden Tag auf den Tisch. Daher hat eine Teuerung bei diesem Produkt immer dramatische Auswirkungen. Detailansicht öffnen Vor dem Landwirtschafts- ministerium in Mexiko City protestieren Menschenmassen gegen die hohen Tortilla-Preise. (Foto: Foto: Reuters) Genau dies geschieht derzeit: In Mexiko-Stadt ist der Preis für das Kilo Tortilla innerhalb von sechs Wochen von 40 auf satte 75 Cent gestiegen. Präsident Felipe Calderon, eigentlich der freien Marktwirtschaft verpflichtet, entschloss sich in der Not, einen Höchstpreis von 60 Cent zu verordnen. Die Mexikaner spüren auf besonders krasse Weise den Gezeitenwechsel auf den internationalen Märkten für Agrarrohstoffe. Bis vor kurzem lag das Problem darin, dass die Preise zu niedrig waren, wodurch die Bauern in der Dritten Welt in ihrem Elend festgehalten wurden. Teurer Mais Jetzt ist es umgekehrt: Alles ist teuer und knapp, was die Menschen in den Metropolen belastet. Mais ist seit Januar 2005 um ungefähr 60 Prozent teurer geworden. Der Preis für ein Scheffel (25 Kilo) stieg am Chicago Board of Trade (CBOT), der wichtigsten Rohstoffbörse der Welt, von 2,50 Dollar auf über vier Dollar, wobei sich der Preisauftrieb in den vergangenen zwei Monaten noch beschleunigt hat. Das hat nach Aussage des CBOT drei Ursachen: Eine Trockenheit in Australien, die die dortige Weizenernte beeinträchtigt, Spekulationen über einen drohenden Ernterückgang in den Vereinigten Staaten - und die wachsende Nachfrage nach Biosprit. Dieser letzte Punkt macht die Sache politisch brisant. Wie in Europa auch versuchen die Politiker in Amerika den Übergang von fossilen zu erneuerbaren Energiequellen zu fördern. Die wichtigste dieser Quellen ist dabei Bioalkohol aus Mais. Verschiebung der Nachfrage Die Vereinigten Staaten sind mit Abstand der größte Maiserzeuger der Welt, 70 Prozent der Weltexporte kommen von dort, allein der Bundesstaat Iowa produziert mehr als ganz Kanada. Was in den USA passiert, hat daher Auswirkungen auf die ganze Welt. Und hier verschiebt sich die Nachfrage dramatisch. Vor einem Jahr wurden erst elf Prozent der Maisernte zu Biosprit destilliert, in diesem Jahr werden es 20 Prozent sein, im nächsten bereits 31 Prozent. 70 Alkohol-Raffinerien sind derzeit weltweit im Bau. Wie sehr der Übergang zu erneuerbaren Rohstoffen mit der Tortilla-Krise in Mexiko zu tun hat, darauf hat Lester Brown hingewiesen, der Chef des Earth Policy Institute in Washington. Brown spricht von einer "Essen-für-Autos-Strategie": Wenn die Industrieländer so weitermachten, werde es zu einem "Kampf zwischen den Autofahrern und den Völkern der Welt um das Nahrungsangebot" kommen. Verlagerung eines Problems "Der Versuch, ein Problem zu lösen, das der wachsenden Abhängigkeit der Vereinigten Staaten von Ölimporten, schafft so ein viel größeres Problem", sagt Lester Brown. Viel billiger sei es, statt Alkohol-Raffinerien spritsparende Autos zu produzieren. Das Thema "Essen für Autos" wird sich aber nicht auf die USA und Mexiko beschränken. Auch in Deutschland sehen Forscher die Möglichkeit, sieben Prozent des Benzinverbrauchs durch nachwachsende Rohstoffe zu decken (hier vor allem durch Raps), weltweit dürften es 27 Prozent sein. In einem gewissen Sinne bedeutet die Knappheit an fossilen Rohstoffen damit auch eine Rückkehr zu den Zeiten vor der Industrialisierung. Damals wurde ungefähr ein Drittel der landwirtschaftlich genutzten Fläche für die Mobilität eingesetzt - um Hafer für die Pferde anzubauen.
Weil die USA beim Verkehr verstärkt auf Umweltschutz setzen, explodieren in Mexiko die Tortilla-Preise. Proteste sind die Folge.
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Knapper Mais in Mexiko - Fahren statt essen
00/05/2010
Die Postbank hat von der Versicherungsgruppe Ergo ein Aktienpaket an der BHW Gruppe erworben. Über ein Gebot für die Mehrheit der BHW-Anteile ist aber noch nicht entschieden worden. Mit der Transaktion verfügt die Postbank vorerst über ein BHW-Aktienpaket in Höhe von 9,2 Prozent. "Das BHW könnte möglicherweise eine interessante Ergänzung für uns sein", sagte der Vorstandsvorsitzende Wulf von Schimmelmann am Montag in Frankfurt. Detailansicht öffnen Die Logos der beiden neuen Partner. (Foto: Foto: dpa) Über ein Gebot für die Mehrheit der BHW-Anteile sei aber noch nicht entschieden. Die Postbank sei sehr "preisbewusst", betonte der Manager. Das ERGO-Aktienpaket seien zu einem "mehr als symbolischen Abschlag" auf den aktuellen Kurs erworben worden. Die börsennotierte BHW Holding mit Sitz in Hameln hat derzeit zwei Großaktionäre, die Gewerkschaftsholding BGAG (39 Prozent) und den Deutsche Beamtenwirtschaftsbund (37 Prozent). Neues Standbein Beide zeigen sich verkaufswillig. Von Schimmelmann betonte, die Postbank habe jedoch "keinerlei Interesse" an der Hypothekenbank AHBR, die wiederum zu gleichen Teilen der BGAG und dem BHW gehört und ebenfalls verkauft werden soll. Mit einer Übernahme der zweitgrößten privaten Bausparkasse in Deutschland würde die Bonner Bank ihre Angebote für Häuslebauer deutlich ausbauen und ihr Geschäftsmodell um ein zusätzliches Standbein erweitern. Von Schimmelmann strebt nach dem Börsengang und dem Rekordjahr 2004 auch aus eigener Kraft weiteres Wachstum an. Die Postbank gewann im abgelaufenen Geschäftsjahr 890 000 neue Kunden hinzu. "Kundengewinnungsmaschine" Damit seien insgesamt 12,1 Millionen "aktiv", und die Postbank bleibt nach den Worten von Vorstand Wolfgang Klein eine "Kundengewinnungsmaschine" und gleichzeitig die zahlenmäßig größte deutsche Privatkundenbank. Ausgebaut werden soll der Vertrieb über Vermittler und Partner. In der Vermögensberatung werde die Zahl der mobilen Berater von 370 bis Ende 2005 auf 500 steigen. Im Geschäftsbereich "Transaction Banking", der automatisierte Bank-Dienstleistungen umfasst, übernahm die Postbank 2004 den gesamten Zahlungsverkehr von Deutscher Bank und Dresdner Bank. Zahl der Mitarbeiter sinkt Da von den 1650 hinzugekommenen Mitarbeitern am Ende nur 800 übrig bleiben sollen - derzeit sind noch 1350 beschäftigt - werde auch die Mitarbeiterzahl der Postbank in diesem Jahr entsprechend sinken. Insgesamt hatte die Postbank Ende vergangenen Jahres rund 10.000 Beschäftigte. Der Marktanteil im Zahlungsverkehr soll von aktuell 16 Prozent auch mit Hilfe eines "weiteren größeren Mandaten" mittelfristig deutlich steigen. Die Postbank hatte im Geschäftsjahr 2004 ihren Gewinn vor Steuern um 26 Prozent auf 624 Millionen Euro gesteigert. Der Jahresüberschuss verbesserte sich um 19 Prozent auf 420 Millionen Euro. An die Aktionäre soll eine Dividende von 1,25 Euro je Aktie ausgeschüttet werden. Die Tochter der Deutschen Post war im Juni 2004 an die Börse gebracht worden. Von Schimmelmann hält an seinem Ziel fest, 2006 eine Eigenkapitalrendite vor Steuern von 15 Prozent zu erreichen. Zuletzt lag die Kennziffer bei 13,7 Prozent. Der Manager bezog 2004 ein Gehalt von insgesamt 1,8 Millionen Euro.
Die Postbank hat von der Versicherungsgruppe Ergo ein Aktienpaket an der BHW Gruppe erworben. Über ein Gebot für die Mehrheit der BHW-Anteile ist aber noch nicht entschieden worden.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/bauspargeschaeft-postbank-steigt-bei-bhw-ein-1.918049
Bauspargeschäft - Postbank steigt bei BHW ein
00/05/2010
Der Leverkusener Konzern bereitet angeblich seine Aufspaltung vor. Er will große Teile seiner Sparten Chemie und Polymere abstoßen und sich künftig auf die Bereiche Gesundheit und Agrochemie konzerntrieren. Im Bereich Chemie ist ein Börsengang geplant. Wie das Unternehmen in Leverkusen mitteilte, sollen die Bereiche in eine eigene Gesellschaft übertragen werden, die bis Anfang 2005 an die Börse gebracht werden soll. Betroffen sind rund 20.000 Mitarbeiter. Das ausgegliederte Geschäft steht für einen Jahresumsatz von 5,6 Milliarden Euro. Pläne abgesegnet Der Aufsichtsrat habe diese Pläne des Vorstands in einer Sondersitzung am Freitag abgesegnet, teilte Bayer weiter mit. Von der Chemiesparte würden demnach nur die Tochterunternehmen H.C. Starck und Wolff Walsrode bei Bayer verbleiben. Bayer Chemicals und einige Geschäftsfelder aus dem Kunststoffbereich (Polymere) sollen eine eigene Gesellschaft unter dem vorläufigen Namen "NewCo" ausgegliedert werden. "Bayer kann sich nach der Aufteilung mit einem Umsatz von rund 22 Milliarden Euro stärker auf seine Kerngeschäfte fokussieren", erklärte Vorstandschef Werner Wenning. Bayer hatte im vergangenen Jahr mit 122 000 Beschäftigten einen Umsatz von 29 Milliarden Euro erwirtschaftet. Strategische Neuausrichtung Mit der Neuausrichtung sollen der Erfolg des Konzerns nachhaltig gesichert und zusätzliche Werte geschaffen werden, betonte der Bayer-Chef. Aus der Sparte der Polymere sollen die Bereiche Styrene, Teilkristalline und Thermoplaste sowie die Kautschuk-Aktivitäten ausgegliedert werden. Das Pharmageschäft werde Bayer innerhalb seiner Health-Care-Sparte allein weiterführen, kündigte der Konzern weiter an. Dabei wolle sich das Unternehmen auf die Therapiebereiche Antiinfektiva, Herz-Kreislauf-Mittel und Urologie konzentrieren. Gesundheitsbereich in der Krise Noch im November 2002 hatte Bayer-Chef Werner Wenning gesagt, er sei bereit, im Rahmen einer Partnerschaft die Mehrheit an der Pharmasparte abzugeben. Die Suche nach einem Partner führte aber bis heute nicht zum Erfolg. Der Gesundheitsbereich war im Jahr 2001 in eine schwere Krise geraten, nachdem mit dem Cholesterinsenker Lipobay eines der umsatzträchtigsten Medikamente vom Markt genommen werden musste. Die Arznei war mit dem Tod von über hundert Menschen weltweit in Verbindung gebracht worden. In den USA waren daraufhin tausende Klagen gegen den Konzern angestrengt worden.
Der Leverkusener Konzern bereitet angeblich seine Aufspaltung vor. Er will große Teile seiner Sparten Chemie und Polymere abstoßen und sich künftig auf die Bereiche Gesundheit und Agrochemie konzerntrieren. Im Bereich Chemie ist ein Börsengang geplant.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/ausstieg-aus-chemie-branche-bayer-steht-vor-radikalem-umbau-1.898389
Ausstieg aus Chemie-Branche - Bayer steht vor radikalem Umbau
00/05/2010
Galt das Bausparen vor einigen Jahren noch als altmodisch, erlebt es derzeit geradezu einen Boom. Nie zuvor haben so viele Deutsche einen Bausparvertrag abgeschlossen wie im Jahr 2003. Für Spötter mögen Bausparer eher eine langweilige Spezies sein. Die Werbung der Landesbausparkassen lehrt allerdings Anderes. Ihre Botschaft: Wer mit 35 nicht mehr bei Mutti wohnen will, sollte besser bausparen. Dieser Aufforderung sind im vergangenen Jahr in Deutschland mehr Menschen nachgekommen als jemals zuvor. Rund fünf Millionen neuer Verträge wurden abgeschlossen. Insgesamt 26 Millionen Bausparer in Deutschland Die Bausparsumme — sie setzt sich zusammen aus dem Bausparguthaben und dem Darlehen — erhöhte sich um 106 Milliarden auf 703,9 Milliarden Euro. Die elf Landesbausparkassen haben nach eigenen Angaben derzeit mehr als 9,5 Millionen Kunden. Zusammen mit den Kunden der 16 privaten Institute summiert sich die Zahl der Bausparer damit auf 26 Millionen. Etwa 99 Milliarden Euro hatten die Deutschen im Jahr 2002 bei den Kassen angelegt. Zum Vergleich: Zur selben Zeit steckten rund 166 Milliarden Euro ihres Vermögens in Aktien. Gemeinsames Ziel: Sparen für eine Immobilie Während der Aktionär sich an einem Unternehmen beteiligt — und zwar mit allen Chancen und Risiken — , wird der Bausparer Mitglied eines Kollektivs. Das erklärte Ziel der Beteiligten: Sie wollen gemeinsam für eine Immobilie sparen. Und deshalb überweist jeder Monat für Monat eine bestimmte Summe. Alle Beiträge fließen in einen großen Topf. Der einzelne Sparer hat jedoch ein individuelles Konto und erhält Zinsen für sein Erspartes. Mindestens sieben Jahre Laufzeit Sind mindestens 40 Prozent der vereinbarten Bausparsumme auf dem Konto, ist der Vertrag in der Regel zuteilungsreif. Voraussetzung ist meist auch, dass der Kunde den Bausparvertrag mindestens schon sieben Jahre hält. Erst dann bekommt er den noch fehlenden Teil der Bausparsumme als zinsgünstiges Darlehen vorgestreckt. Anleger schonen ihre Nerven Noch Ende der 90er Jahre litten die Bausparkassen unter Kundenschwund: "Die Yuppies strömten an die Börsen", sagt Gert Haller, Vorsitzender des Verbandes der Privaten Bausparkassen. Mittlerweile schont aber offenbar so mancher Sparer seine Nerven und das lädierte Portfolio mit einem Bausparvertrag. "Viele Leute haben sich am Aktienmarkt die Finger verbrannt", sagt Reiner Braun, Vermögensanalyst beim Institut empirica. Anschließend hätten sie nach sicheren Anlagemöglichkeiten gesucht, erklärt der Forscher. Zudem diskutierten die Politiker zwei Jahre hintereinander über das Abschaffen der Eigenheimzulage. Die Folge: Das so genannte Dezemberfieber brach aus. Kurz vor Jahresende kauften viele eine Immobilie, um sich den staatlichen Zuschuss zu sichern. Mehr Abschlüsse wegen Wohnungsbauprämie Gleichzeitig stieg die Zahl der Bausparverträge, die für Finanzierungen eingesetzt wurden. Auch das Gezerre um die Wohnungsbauprämie — sie stand im vergangenen Jahr ebenfalls auf der Streichliste der rotgrünen Koalition — trieb die Zahl der Neuabschlüsse in die Höhe. Es habe schon fast wieder ein Herdentrieb eingesetzt, beschreibt Braun den Trend. Kritisch sieht das Achim Tiffe vom Institut für Finanzdienstleistungen: "Oftmals werden Verträge mit zu hohen Bausparsummen abgeschlossen." Seiner Ansicht nach ist der Bausparvertrag kein zeitgemäßes Produkt mehr: "Zu unflexibel", sagt er. Etliche Anleger hätten ihr Geld zwischengeparkt, vermutet Tiffe außerdem und verweist auf die niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt. Baby-Boom-Generation Doch die meisten Sparer wollen wohl nach wie vor den Traum vom Eigenheim verwirklichen. "Das trifft vor allem auf die Baby-boomer-Generation zu, also die in den 60er Jahren Geborenen", sagt Braun. Bei dieser Altersklasse sei die Eigentumsquote noch gering. Und so schlossen bei den privaten Bausparkassen von 2000 bis 2002 vor allem die 30 bis 40-Jährigen neue Bausparverträge ab. Das Interesse der Freiberuflicher und Selbstständigen ist eher gering, Angestellte und Arbeiter dagegen sind die klassischen Bausparer. Vermögensforscher Braun unterteilt die Nutzer in zwei Gruppen: "Junge Anleger, die sich eine Immobilie anschaffen wollen oder gerade gekauft haben, und die Bausparer um die 50, die das Geld für eine Renovierung oder ähnliches verwenden wollen." Die würden in der Regel auch Verträge mit niedrigen Bausparsummen abschließen. Bausparer setzen auf staatliche Zuschüsse "Deswegen werden die Volumina der Bausparverträge in den nächsten 25 Jahren sinken", prognostiziert er. Braun ist jedoch sicher: "So lange es staatliche Zuschüsse gibt, wird es auch Bausparer geben." Ob das derzeit hohe Niveau gehalten werden kann, sei zweifelhaft, heißt es in der Branche. "Wir rechnen auch 2004 mit einem guten Bausparjahr", zeigt sich Christoph Siemons, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank Bauspar AG, allerdings optimistisch.
Galt das Bausparen vor einigen Jahren noch als altmodisch, erlebt es derzeit geradezu einen Boom. Nie zuvor haben so viele Deutsche einen Bausparvertrag abgeschlossen wie im Jahr 2003.
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Bauspar-Serie (1) - Die Bausparer sind zurück
00/05/2010
Nach der Aufsehen erregenden Bahn-Lidl-Aktion geht nun die erste Fluggesellschaft in den Supermarkt. Maximal 50 Euro pro Flug soll man sparen können. Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft Air Berlin verkauft einen Tag lang Billig-Tickets im Supermarkt: In den mehr als 2000 Filialen des Discounters Penny sind am 30. Juni Flug-Gutscheine zum Preis von 29 Euro pro Strecke zu bekommen, wie Air Berlin mitteilte. Detailansicht öffnen Ein Chaos wie bei der Bahn-Aktion soll durch zusätzliche Vertriebskanäle wie Reisebüros vermieden werden. (Foto: Foto: dpa) Damit können dann Flüge erworben werden, die zum Buchungszeitpunkt nicht mehr als 79 Euro kosten. Gespart werden können somit bis zu 50 Euro pro Flug. Die Aktion läuft zeitgleich im Internet sowie in Reisebüros. Insgesamt sind 300.000 Gutscheine im Angebot. Deutsche Bahn war Vorreiter Damit ist Air Berlin der erste Billigflieger, der sich die Tickets an der Supermarkt-Kasse bezahlen lässt. Mit der Aktion folgt die Fluggesellschaft der Deutschen Bahn, die im vergangenen Monat mit einem ähnlichen Angebot beim Discounter Lidl lange Schlangen an den Kassen ausgelöst hatte. Die billigen Zugfahrscheine waren innerhalb kurzer Zeit bis auf wenige Restposten vergriffen. Auch andere Billigflieger wie Germanwings hatten daraufhin über den Gang an die Supermarktkasse nachgedacht. Einmalige Aktion Air-Berlin-Sprecher Peter Hauptvogel sagte, dass der Verkauf bei Penny, einem Unternehmen des Rewe-Konzerns, eine Ausnahme bleiben solle. "Das ist für uns kein Vertriebsweg von strategischer Bedeutung." Zugleich äußerte er die Hoffnung, dass sich Zustände wie beim Verkauf der Bahn-Tickets vermeiden lassen. "Wir verkaufen schließlich auch übers Internet und über die Reisebüros. Aber lange wird es die Gutscheine bestimmt nicht geben." Insgesamt stehen bei Penny 100.000 Gutscheine zur Verfügung. Mit zwölf Millionen Passagieren ist Air Berlin hinter der Lufthansa die zweitgrößte deutsche Fluglinie. Der Umsatz soll in diesem Jahr um 20 Prozent auf 1,27 Milliarden Euro wachsen. Die Gesellschaft war als Ferienflieger nach Mallorca groß geworden, ist heute aber auch als Billigflieger in zahlreiche europäische Städte aktiv.
Nach der Aufsehen erregenden Bahn-Lidl-Aktion geht nun die erste Fluggesellschaft in den Supermarkt. Maximal 50 Euro pro Flug soll man sparen können.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/sonderaktion-air-berlin-verkauft-tickets-bei-penny-1.915927
Sonderaktion - Air Berlin verkauft Tickets bei Penny
00/05/2010
Seit sechs Jahren tourt Otmar Fahrion nun schon jenseits seiner angestammten Konstrukteursarbeit durch die Lande, spricht auf Einladung von Verbänden und Unternehmerkongressen immer wieder nur über das Eine. Er meint, dass die Ohren des Publikums seit kurzem nicht mehr derart auf Durchzug gestellt sind, wie am Anfang. Detailansicht öffnen Otmar Fahrion (Foto: Foto: dpa) Aber trotz wachsenden Interesses in der Wirtschaft sieht er sich nach wie vor in der alten Rolle des einsamen Rufers in der Wüste des Jugendwahns: "Leider bin ich wohl immer noch ein Exot." Das liegt nicht nur daran, dass Otmar Fahrion selbst inzwischen das Alter erreicht hat, das Udo Jürgens einst als jenes besungen hat, in dem das Leben angeblich anfängt: 66. Der Gründer und Chef des Ingenieurdienstleisters Fahrion-Engineering in Kornwestheim bei Stuttgart ist einer der ganz wenigen Unternehmer in Deutschland, die gezielt Menschen der Altersgruppe "50 plus" einstellen. Eines der geflügelten Worte des Seniorchefs, das er gerne im Mund führt, lautet: "Ältere Ingenieure sind wie Edelsteine." Der Älteste ist 67 Er sieht in ihnen nicht das alte Eisen, das in den Vorruhestand entsorgt gehört, sondern berufs- und lebenserfahrene Fachleute, oft in mehreren Fremdsprachen bewandert, auslandserprobt, kulturerfahren, gewandt in Verhandlungen mit seinen Projektkunden. "Einem Mittfünfziger kann ich schon nach drei Jahren die Verantwortung für ein Großprojekt übertragen", sagt Fahrion. "Ein Jungingenieur braucht zehn bis zwölf Jahre, bis er die nötige Erfahrung und Reife besitzt." Wenn er ihm nicht vorher von der Konkurrenz abgeworben wurde. Obendrein rechnet sich die Anwerbung der Alten für Fahrion auch: "In 15 Jahren erwirtschaftet ein 50-jähriger Ingenieur den drei- bis fünffachen Betrag eines 25-Jährigen." Etwas mehr als ein Drittel seiner hundertköpfigen Belegschaft ist jenseits der 50, der Älteste sogar schon 67, wobei der Seniorchef Wert auf altersgemischte Teams legt, in denen sich die Stärken von Alt und Jung gegenseitig ergänzen. So ganz ohne Not kam Fahrion allerdings auch nicht auf die Idee, nach den verborgenen Edelsteinen Ausschau zu halten. Es war im Boomjahr 2000, als sich die Unternehmen um Jungingenieure geradezu rissen. Erst recht im Großraum Stuttgart, wo namhafte Konkurrenten von DaimlerChrysler über Porsche und Bosch bis Trumpf oder Würth den Ingenieurnachwuchs in Windeseile wegsaugten. Bei Fahrion, wo Produktionsanlagen bis hin zu kompletten Fabriken für Autokonzerne, Zulieferer, für Luftfahrtunternehmen oder Werften geplant werden, meldeten sich auf eine Anzeige gerade mal 17 Ingenieure. Einen einzigen nur stellte Otmar Fahrion ein, "weil der wenigstens halbwegs qualifiziert war." Was also tun? Eine zweite Anzeige schalten, die so lautete: "Mit 45 zu alt - mit 55 überflüssig? Wir suchen Ingenieure, Techniker und Meister bis 65". Sage und schreibe 522 Bewerbungen verstopften daraufhin den Briefkasten in Kornwestheim, und Fahrion griff beherzt zu - statt der geplanten vier stellte er gleich zwölf Ingenieure jenseits der Fünfzig ein. Auch Otmar Fahrion hat in den letzten Jahren noch eine ganze Menge zum Thema Altern und ältere Beschäftigte dazugelernt. So viel, dass er von der Initiative des SPD-Vorsitzenden und Vizekanzlers Franz Müntefering "50 plus" nicht viel hält, der Arbeitgeber mit Zuschüssen locken will, Ältere und vor allem ältere Langzeitarbeitslose einzustellen. "Das ist doch keine Frage des Geldes", echauffiert sich Fahrion. Gefährliche Lernentwöhnung Seiner so leid- wie mitleidvollen Erfahrung nach sei mit Menschen, die länger als ein Jahr arbeitslos waren, nicht mehr viel anzufangen: "Sie haben dann den Glauben an sich verloren und sind resigniert." Für den Konstrukteur aus Kornwestheim, der sich 1975 mit seinem Ingenieurbüro selbstständig machte, liegt die Wurzel des Übels tiefer. "Das größte Problem der älteren Arbeitnehmer ist die Lernentwöhnung, die ja schon von 42 Jahren an aufwärts einsetzt." Da gerät der agile Schwabe richtig in Rage und findet es "regelrecht demütigend" für all die Beschäftigten jenseits der 50, die große Industrieunternehmen derzeit mit horrenden Abfindungen in den Vorruhestand abschöben. Das koste die Konzerne auch noch mehr, als wenn sie die Betroffenen zu Selbstkosten auf ihren Stellen weiterbeschäftigten. Es sei doch so, regt sich Fahrion weiter auf, dass Beschäftigte nach ihrer Ausbildung bis zum Alter von 28 gerade mal 14 Jahre als vollwertige Arbeitskräfte betrachtet, dann praktisch nur noch geduldet würden nach dem Motto: jetzt lohnt sich Weiterbildung eh nicht mehr, die sind sowieso bald draußen. "Das ist eine Diskriminierung sondersgleichen", entrüstet sich Fahrion. In Kornwestheim dagegen hat die Zukunft mit alternden Belegschaften längst begonnen, vor der viele Unternehmen noch kräftig die Augen verschließen. Im Rahmen des Programms "Körper, Geist, Seele" liegt das Augenmerk auf Prävention, etwa durch Einrichtung altersneutraler Arbeitsplätze und gesunder Kantinenernährung. Und zu Jubiläen gibt es keinen Fresskorb mehr, sondern zum Beispiel ein Theaterabonnement. Vor vier Jahren hat Otmar Fahrion dann noch die "Bogenkarriere" eingeführt, die mit langsam zurückgefahrenen Arbeitszeiten jenseits der 60 die "weiche Landung in den Ruhestand" ermöglicht. Die Schattenseite des Umstands, dass sich solche Anstrengungen positiv auf die Leistungsfähigkeit der alten Knaben auszuwirken scheinen, hat Fahrion inzwischen auch schon kennen gelernt: "Erst im vergangenen Jahr hat mir ein Kunde einen 63-Jährigen als Betriebsleiter abgeworben. Dieses Jahr wollten sie mir auch noch einen 64-jährigen Ingenieur abspenstig machen. Da hab' ich gesagt, jetzt ist aber Schluss!"
Warum Otmar Fahrion bevorzugt Ingenieure jenseits der 50 einstellt und warum er dennoch von Münteferings Initiative nichts hält.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/wie-edelsteine-der-club-der-alten-knaben-1.906657
"""Wie Edelsteine"" - Der Club der alten Knaben"
00/05/2010
Die Gewerkschaft Verdi setzt bei dem Versicherungskonzern einen konzernweiten Betriebsrat durch - und könnte sogar schon bald in den Aufsichtsrat der Münchener Rück einziehen. Die Gewerkschaft Verdi bekommt erstmals direkten Einfluss bei der Münchener Rück. Die Gründung eines konzernweiten Betriebsrates bei dem Versicherer stehe unmittelbar bevor, sagte Richard Sommer, Leiter der Berufsfachgruppe Versicherungen bei Verdi, der Süddeutschen Zeitung. Detailansicht öffnen Richard Sommer wirft der Konkurrenz-Gewerkschaft vor, sie habe die Gründung eines Konzernbetriebsrates lange "hintertrieben'', um ihren Einfluss zu wahren. (Foto: Foto: dpa) Zudem sei zu erwarten, dass erstmals Vertreter der Dienstleistungsgewerkschaft in den Aufsichtsrat des Konzerns einrücken, wenn 2009 Neuwahlen für das Gremium stattfinden. Eine Sprecherin von Deutschlands zweitgrößter Versicherungsgruppe bestätigte die Informationen. Nach Angaben Sommers soll sich der Konzernbetriebsrat am 26. Juli in München konstituieren. Ziel sei es, das Management besser kontrollieren zu können. "Die Münchener Rück hat ab jetzt keine freie Bahn mehr, wenn sie jetzt etwas beschließt, das über den Rückversicherer hinaus Bedeutung hat'', sagt Sommer. "Wir wollen bei allen Themen Einfluss nehmen, die wirtschaftlich und vor allem sozial relevant sind.'' DHV "zu arbeitgeberfreundlich'' Bislang dominiert bei der Münchener Rück AG, der Dachgesellschaft der Gruppe, der DHV, der zu den christlichen Gewerkschaften gehört. Sommer bezeichnet den DHV als "zu arbeitgeberfreundlich''. Verdi hatte beispielsweise bei der Allianz heftige Auseinandersetzungen mit dem Management, weil dieser Versicherer insgesamt 5.700 Stellen im Inland streicht. Derzeit gibt es bei der Münchener Rück nur Betriebsräte für einzelne Konzernteile. Mittlerweile sind laut Sommer aber die gesetzlichen Auflagen erfüllt, um einen Betriebsrat für die gesamte Gruppe zu bilden: Arbeitnehmervertreter, die mindestens die Hälfte der Konzernbeschäftigten repräsentieren, haben Sommer zufolge der Bildung eines solchen Gremiums zugestimmt. Damit bestehe der Konzernbetriebsrat bereits aus rechtlicher Sicht und müsse sich nur noch konstituieren - beispielsweise Vorsitzende wählen und die Arbeitsorganisation festlegen. Ein Konzernbetriebsrat verhandelt direkt mit dem Management. Dominanz des DHV Bislang kann Verdi, die zum Deutschen Gewerkschafts-Bund (DGB) gehört, nur indirekt Einfluss nehmen. Grund ist die Dominanz des DHV bei der Dachgesellschaft Münchener Rück AG. Die AG betreibt das Rückversicherungs-Geschäft und hat in Deutschland gut 3.000 Beschäftigte. Fast komplett zur Münchener Rück gehört die Ergo-Holding, zu der die Hamburg-Mannheimer, Victoria, DKV und DAS zählen. Diese Firmen haben insgesamt etwa 25.000 Beschäftigte in der Bundesrepublik, darunter viele Verdi-Mitglieder. Deren Einfluss endet allerdings im Ergo-Aufsichtsrat, wo Verdi vertreten ist. Nun könnten bald Verdi-Vertreter auch in das Aufsichtsgremium der Münchener Rück einziehen. 2009 stehen Betriebsratswahlen an. Nach Angaben Sommers wird durch die Gründung eines Konzernbetriebsrates erstmals eine gruppenweite Abstimmung geben. Es werde wahrscheinlich getrennte Listen für Verdi und DHV geben. Ein zahlenmäßiger Sieg von Verdi scheint absehbar: Der DHV hat nach eigenen Angaben kaum Mitglieder bei Ergo und nur etwa 100 bei der Münchener Rück - wesentlich weniger als Verdi in der gesamten Gruppe. Sommer wirft der Konkurrenz-Gewerkschaft vor, sie habe die Gründung eines Konzernbetriebsrates lange "hintertrieben'', um ihren Einfluss zu wahren. Diese Darstellung weist ein Vertreter des DHV zurück und sagt, man unterstütze die Initiative. Es gebe immer mehr gemeinsame Aktivitäten von Erst- und Rückversicherung, sodass solche Themen in einem übergreifendem Gremium besprochen werden müssten. Der DHV-Vertreter erklärt, man werde sich am 26. Juli davon überzeugen, ob das 50-Prozent-Quorum der Betriebsräte tatsächlich erfüllt sei. Sei dies der Fall, werde man "zeitnah'' den Konzernbetriebsrat konstituieren. Die Einladung zu einem solchen Treffen obliege dem Betriebsrat der Muttergesellschaft, also dem DHV. Verdi-Vertreter Sommer begründet den Vorstoß auch damit, dass Konzernchef Nikolaus von Bomhard gegenüber Ergo eine härtere Gangart eingeschlagen habe als sein Vorgänger Hans-Jürgen Schinzler, der Ergo Ende der neunziger Jahre gegründet hatte. "Changing Gear'' soll Gewinn und Börsenkurs erhöhen Zwar gab es keine betriebsbedingten Kündigungen, doch einen Stellenabbau und weitgehende Umstrukturierungen. Weiterhin sei zu befürchten, dass das Programm "Changing Gear'' (zu deutsch etwa: die Gangart wechseln), das derzeit beim Rückversicherer anläuft, auf Ergo ausgeweitet werde. "Changing Gear'' soll Gewinn und Börsenkurs erhöhen, Bomhard hatte dabei betriebsbedingte Kündigungen nicht ausgeschlossen. Die Gründung des Konzernbetriebsrates sei jedoch schon vor "Changing Gear'' geplant gewesen, sagt der Gewerkschaftsvertreter. Eine Sprecherin der Münchener Rück sagte, ein Konzernbetriebsrat könne "durchaus hilfreich'' sein - als alleiniger Partner zum Abschluss konzernweit einheitlicher Regelungen. Der Einzug von Verdi-Vertretern in den Aufsichtsrat sei "wahrscheinlich'', man sehe keine Hindernisse für eine gute Zusammenarbeit. "Wir freuen uns auf spannende Diskussionen'', fügte die Sprecherin an. Neben der Münchener Rück gibt es noch andere Mitglieder des Deutschen Aktienindex (Dax), die bislang keinen Konzernbetriebsrat haben. So existiert beim Energiekonzern RWE lediglich eine Arbeitsgruppe der Betriebsräte aus den Einzelgesellschaften.
Die Gewerkschaft Verdi setzt bei dem Versicherungskonzern einen konzernweiten Betriebsrat durch - und könnte sogar schon bald in den Aufsichtsrat der Münchener Rück einziehen.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/keine-freie-bahn-mehr-verdi-will-die-muenchener-rueck-aufmischen-1.915920
"""Keine freie Bahn mehr"" - Verdi will die Münchener Rück aufmischen"
00/05/2010
Die Bahn soll sich von ihrem Schienennetz trennen. Nur so sei es möglich, den Wettbewerb zugunsten der Kunden auszubauen, erklären die Wirtschaftsverbände BDI und DIHK. Bahnchef Mehdorn hat den BDI vor solchen Aussagen gewarnt. Über die Zukunft der bundeseigenen Deutschen Bahn (DB) wird erneut heftig gerungen. Weitgehend unstrittig ist, dass der Transportkonzern an die Börse geführt werden soll. Detailansicht öffnen Über das Gleisnetz der Bahn wird schon seit längerem diskutiert. (Foto: Foto: dpa) Offen sind allerdings der Zeitpunkt der ersten Teilprivatisierung und vor allem die Frage, ob sich die Bahn einschließlich ihres etwa 35.000 Kilometer langen Schienennetzes an den Kapitalmarkt wagen soll. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) sprechen sich für eine strikte Trennung von Betrieb und Gleisanlagen aus. "Kein Börsengang mit Netz", heißt es in einem von BDI und DIHK in Auftrag gegebenen Gutachten, das der Süddeutschen Zeitung vorliegt. Die Schienentrassen seien ein wichtiger und unverzichtbarer Teil der öffentlichen Infrastruktur. Zudem sei der Bahnkonzern einschließlich des hochdefizitären Gleisnetzes nur schwer und mit erheblichen Risiken für den Bund privatisierbar. "Widerspruch" Die Gutachter warnen unter anderem davor, dass die "kurzfristigen Rentabilitätserwartungen der Investoren in ständigem Widerspruch zur Langfristigkeit von Infrastrukturprojekten" stünden. Das ohnehin angespannte Verhältnis zwischen der Bahn und den Wirtschaftsverbänden dürfte sich nun weiter abkühlen. Bahnchef Hartmut Mehdorn hatte den BDI frühzeitig vor einem solchen Vorstoß gewarnt. Es sei "mehr als befremdlich", dass eine solche Studie in Auftrag gegeben werde, ohne mit der DB zu sprechen, schrieb Mehdorn schon am 19. August 2004 an den BDI. Der Vorstandschef fragte, warum der BDI dies nicht auch schon vor den Börsengängen der früheren Staatsunternehmen Lufthansa, Post und Telekom getan habe. Da die Bahn bei der Aufgabenstellung für das Gutachten wie auch bei der "sogenannten Expertenauswahl nicht beteiligt oder befragt wurde, sind wir auch nicht am Gutachten und seinem Ergebnis interessiert", erklärte Mehdorn. "Wir kennen das Resultat schon im voraus." Negativ-Beispiel Großbritannien Die von den Industrieverbänden beauftragten Gutachter vertreten die Ansicht, Anleger würden wegen ihrer Renditeerwartungen zwangsläufig darauf drängen, dass "Netzinvestitionen auf das Nötigste reduziert" und dass viele Nebenstrecken abgebaut werden müssten. Dies habe zuletzt die fehlgeschlagene Privatisierung des Gleisnetzes in Großbritannien gezeigt. Aus verkehrspolitischer Sicht sei dies aus zwei Gründen nachteilig. Einerseits bleibe das langfristige Wachstumspotenzial der Schiene bei einem renditegetriebenen Abbau der Infrastruktur unerschlossen.
Die Bahn soll sich von ihrem Schienennetz trennen. Nur so sei es möglich, den Wettbewerb zugunsten der Kunden auszubauen, erklären die Wirtschaftsverbände BDI und DIHK. Bahnchef Mehdorn hat den BDI vor solchen Aussagen gewarnt.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/gutachten-zur-bahn-kein-boersengang-mit-netz-1.901685
"Gutachten zur Bahn - ""Kein Börsengang mit Netz"""
00/05/2010
Keine schöne Bilanzpressekonferenz - der Gewinn sinkt, der Golf 5 schwächelt. Volkswagenchef Pischetsrieder tritt deshalb auf die Notbremse: Mit Einsparungen in Milliardenhöhe und Stellenstreichungen will er den kränkelnden Riesen wieder auf Kurs bringen. Europas größter Autobauer Volkswagen reagiert mit dem radikalsten Sparpaket seiner Geschichte auf die anhaltend schwache Autokonjunktur und den Gewinneinbruch 2003. Bis Ende 2005 werde VW insgesamt rund vier Milliarden Euro einsparen, doppelt soviel wie bisher geplant, sagte VW-Chef Bernd Pischetsrieder bei der Bilanzpressekonferenz des Konzerns am Dienstag in Wolfsburg. Zu bereits geplanten Einsparungen von 2 Milliarden Euro kämen zur Ergebnissicherung zusätzliche 2 Milliarden Euro dazu. In Deutschland bis zu 2500 Stellen weniger Weltweit will VW zudem rund 5000 Stellen streichen, davon 2000 bis 2500 in Deutschland. Gekürzt werden soll beim "indirekten Personal" im Automobilbereich - das ist das Personal, das nicht direkt am Band steht. Ziel sei eine Stellenreduzierung des indirekten Personals um weltweit effektiv 3,5 Prozent. Dies solle durch die Vorruhestandsregelung in Deutschland und natürliche Fluktuation erreicht werden. Einen Einstellungsstopp oder Werkschließungen werde es aber nicht geben, sagte Pischetsrieder. VW hat derzeit insgesamt rund 335.000 Beschäftigte. Sparpaket "For Motion" Das Sparpaket "For Motion" mit sieben "Themenkreisen" sei in seiner umfassenden Form einmalig für Volkswagen, hieß es. Ziel sei es, Umsatz und Ertrag zu steigern, Kosten zu senken, Investitionen weiter zurückzufahren und die Kapitalbindung im Konzern weiter zu reduzieren. Den prozentual höchsten Beitrag zur Ergebnissicherung leisteten Veränderungen bei den Produktkosten. So soll der Einbau gleicher Teile in unterschiedliche Modellreihen deutlich ausgeweitet werden. Damit ließen sich die Stückkosten verringern, ohne die "hohen Qualitätsstandards" zu gefährden. Miserables erstes Quartal Ins Jahr 2004 ist VW nach den Worten Pischetsreider schwach gestartet. Das erste Quartal werde auch im Vergleich zum Vorjahr "miserabel", sagte der VW-Chef. Neben der schwachen Marktlage belasteten einmalig Neuanläufe für Konzernfahrzeuge wie den Audi A6 oder den Skoda Octavia. Die sich bislang abzeichnende schwierige Gesamtmarktsituation führe für VW außerhalb Chinas in diesem Jahr voraussichtlich nur zu einer leichten Steigerung des Absatzes. "Über die fünf Millionen Grenze beim Absatz werden wir aber sicher wieder kommen", sagte Pischetsrieder. Vorrangiges Ziel sei es aber, die Ertragskraft zu stärken. Dem müsse sich das Volumen "unterordnen". Die Börse quittierte die VW-Aussagen in einem insgesamt negativen Bild mit kräftigen Kursabschlägen: Mit einem Minus von bis zu vier Prozent auf unter 38 Euro bildete das VW-Papier vormittags das DAX-Schlusslicht; im späteren Verlauf erholte sich der Kurs allerdings wieder etwas. Modellpallette soll abermals breiter werden Pischetsrieder kündigte an, VW wolle künftig in allen relevanten, lukrativen Nischen vertreten sein. So werde sich Seat bei der "Modelloffensive" mit neuen Autos in der Preisposition leicht nach oben entwickeln. Die Marke Skoda biete im unteren Bereich der Preisskala eine Alternative etwa zu den asiatischen Wettbewebern. Außerdem will VW 2005 in Europa ein Auto in der Preisklasse "deutlich" unter 10 000 Euro einführen. Dessen brasilianische Variante, der Fox, sei bereits ein großer Erfolg. Zum neuen Golf sagte Pischetsrieder, der Anlauf habe sowohl im Volumen als auch in der Produktqualität "neue Maßstäbe" gesetzt. Der Golf V fahre seit Jahresbeginn allen Wettbewerbern in den Zulassungsstatistiken davon. Allerdings habe sich VW "noch mehr vorgenommen". Seit Mitte Oktober seien bereits 210 000 neue Golf von den Bändern gerollt. Nach Anlaufschwierigkeiten bietet VW den Golf seit einigen Wochen mit einer Gratis-Klimaanlage im Wert von rund 1200 Euro an. Wunsch für 2004: Leichte Verbesserung Ungeachtet des verlangsamten Wachstums will VW 2004 das operative Ergebnis des Vorjahres von 2,5 Milliarden Euro vor Sondereinflüssen aber übertreffen. Angesichts des zunehmenden Preisdrucks, der schwachen Konjunktur und der ungünstigen Wechselkurse sei dies ein "durchaus anspruchsvolles Ziel", sagte Pischetsrieder. 2003 hatten hohe Anlaufkosten für neue Modelle, der starke Euro und die Sanierung des Brasilien-Geschäfts das operative Ergebnis nach Sondereinflüssen 2003 auf 1,8 Milliarden Euro (minus 62,6 Prozent) gedrückt. Der Umsatz stieg leicht auf 87,2 (Vorjahr: 86,9) Milliarden Euro. Weltweit lieferte VW 5,015 (4,984) Millionen Autos an Kunden aus.
Keine schöne Bilanzpressekonferenz - der Gewinn sinkt, der Golf 5 schwächelt. Volkswagenchef Pischetsrieder tritt deshalb auf die Notbremse: Mit Einsparungen in Milliardenhöhe und Stellenstreichungen will er den kränkelnden Riesen wieder auf Kurs bringen.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/vw-wird-radikal-miserables-erstes-quartal-1.899330
"VW wird radikal - ""Miserables erstes Quartal"""
00/05/2010
Der Karstadt an der Tegernseer Landstraße in München gehört zu den Standorten mit weniger als 8000 Quadratmetern, denen der Verkauf droht. Doch ein Verlustbringer ist die kleine Filiale nicht — in Giesing hat man ein eigenes Erfolgsrezept. Geschäftig geht es zu auf der Tegernseer Landstraße, rund um die U-Bahn-Station Silberhornstraße tummeln sich Menschen, kaufen ein, betrachten Schaufenster oder warten auf die Tram. Detailansicht öffnen Der Giesinger Karstadt: Angebotsdschungel zwischen Tante Emma Laden und türkischen Basar. (Foto: Foto: Petra Blum) Ein kubusartiges Gebäude überragt alle anderen Häuser an dieser Kreuzung. Es sticht hervor mit in der Sonne blitzenden Fensterreihen und markentreuem Karstadt-Blau. Das Giesinger Karstadt-Warenhaus ist Herzstück der Tegernseer Landstrasse und Publikumsmagnet zugleich. Den Eingang zieren leere Bierflaschen, an der Ecke bettelt ein blinder Mann um Kleingeld. Es ist Alltag in Giesing. Schokoriegel und Damenunterwäsche Bereits beim ersten Schritt durch die automatische Schiebetür schlägt das "Alles-unter-einem Dach"-Konzept des größten europäischen Warenhauskonzerns zu. Der Kunde wird hineingeschoben in einen riesigen Bauchladen, der, vollgestopft bis unter das drückend niedrige Dach, alles feil bietet was der Bestellkatalog hergibt. Schokoriegel und Damenunterwäsche, nur eine Armlänge voneinander entfernt, tummeln sich neben einem Kiosk für Tabakwaren und dem neuesten DVD-Ego-Shooter. Es gibt kaum etwas, was man hier nicht kaufen kann. Im Untergeschoss residiert neben der Tchibo-Welt ein Mister Minit, unweit der obligatorischen Lebensmittelabteilung. Es ist, als sei auf diesen zwei Stockwerken mit ihren 1991 Quadratmetern die Zeit stehen geblieben. Und voll ist es im Haus. Nicht jeder, der sich der Reizüberflutung des Warenangebotes hingibt, scheint etwas Bestimmtes zu suchen. Manch Giesinger schlägt lediglich die Zeit tot oder sucht den freundlichen Kontakt zu anderen Kunden. Die Mitarbeiterinnen haben alle Hände voll zu tun: Kein Kunde wird allein gelassen im Angebotsdschungel, dessen atmosphärisches Gemisch aus Tante Emma Laden und türkischem Basar gar nicht untypisch ist für die Tegernseer Landstraße. Eine junge Dame am Eingang erregt Aufmerksamkeit. Beherzt spricht sie die Kunden an, die an ihr vorbeischlendern. "Darf ich sie fragen, wie oft sie hier einkaufen? Haben sie schon mal etwas im Internet gekauft? Wie zufrieden sind sie mit der Atmosphäre? Und den Preisen?" Eine 73-jährige Kundin, von der Fragestellung sichtlich überrollt, ist sich sicher, dass sie noch nie etwas im Internet gekauft hat. Und mit der Atmosphäre ist sie zufrieden: "Wenn man was braucht, geht man zum Karstadt". Lukrativer Nahversorgerstandort Die Giesinger Filiale gehört zu den Standorten unter 8000 Quadratmeter die von dem Sanierungsplan des Konzerns direkt betroffen sind. "Wir sind ein lukratives Warenhaus mit positivem Ergebnis", erklärt Filialleiterin Sonja Büscher. Das Haus hat zu 80 Prozent Stammkunden und ist somit ein typischer Nahversorger. "Die Leute kaufen hier ihr täglich Brot", erklärt Büscher. Sie spricht selbstbewusst über die Zukunftsperspektiven des Standorts. "Wir haben uns bereits von unprofitablen Teilsortimenten getrennt und unser Angebot optimiert. Damit sind wir den Großen Filialen vielleicht schon einen Schritt voraus." Die Giesinger müssten sich keine Sorgen um ihren Karstadt machen, glaubt sie. "Es gibt kein Bestreben, das alles hier aufzulösen." "Da drin gibt es eine Menge "Kruscht" und ich geh auch nicht gern rein", erzählt Tanja Stöckl, Verkäuferin in der benachbarten Bäckerei Wildenauer. "Aber es ist eben das größte Kaufhaus hier." Und es bringt Kundschaft für viele Lebensmittel- und Einzelhändler, die an der Tegernseer angesiedelt sind. "Die Leute denken sich, jetzt geh ich mal zum Karstadt und dann zum Bäcker oder umgedreht. Ich glaube schon, dass ohne das Kaufhaus viel weniger Kunden in die umliegenden Geschäfte kommen würden", sagt sie. Sorgen, dass es das kubusartige Kaufhaus in unverkennbarem Dunkelblau bald nicht mehr geben könnte, macht sie sich keine.
Der Karstadt an der Tegernseer Landstraße in München gehört zu den Standorten mit weniger als 8000 Quadratmetern, denen der Verkauf droht. Doch ein Verlustbringer ist die kleine Filiale nicht — in Giesing hat man ein eigenes Erfolgsrezept.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/karstadt-tante-emma-wohnt-in-giesing-1.903677
Karstadt - Tante Emma wohnt in Giesing
00/05/2010
Der Bau- und Hotelkonzern Lopesan will offenbar die Hotelkette Riu für einen gemeinsamen Einstieg beim deutschen Tourismuskonzern TUI gewinnen. Nach Informationen der Financial Times Deutschland aus Unternehmenskreisen will Lopesan verhindern, dass der von TUI-Chef Michael Frenzel als Partner favorisierte Konkurrent Riu alleine den Zuschlag für den WestLB-Anteil an TUI erhält. Detailansicht öffnen Der Strand Sant Elm auf Mallorca. Spaniens Reise-Unternehmen leiden unter rückläufigen Touristenzahlen. (Foto: Foto: ddp) Die Bank hält 31,3-Prozent an Europas größtem Touristikkonzern und stellt diesen Anteil zum Verkauf. Lopesan-Finanzchef Santiago de Armas sagte der FTD, bis Jahresende solle Klarheit bestehen, ob ein Konsortium um Lopesan das Rennen macht. Auf den Kanaren ansässig Berichte über angebliche Finanzierungsprobleme wies er zurück: "Die Finanzierung ist garantiert", sagte er. Neben seinem auf Gran Canaria ansässigen Konzern und dem ebenfalls kanarischen Bauunternehmen Satocan gehörten weitere "zwei bis drei" spanische Unternehmen zu dem Konsortium. Namen nannte de Armas nicht. Der Kaufpreis soll nach seinen Angaben im Einklang mit der Marktbewertung von TUI stehen. Beim Freitagskurs von 16,14 Euro wären die 55 Millionen TUI-Aktien der WestLB rund 890 Millionen Euro wert. Allerdings stehen die Aktien bei der Düsseldorfer Bank etwas höher mit 16,50 Euro in den Büchern. Die spanischen Hotelbetreiber hoffen laut Bericht, mit Hilfe des Einstiegs bei TUI die zuletzt rückläufigen Touristenzahlen vor allem auf den Kanarischen Inseln zu stabilisieren. Der deutsche Veranstalter brachte bisher jährlich rund 2,8 Millionen Urlauber auf die Kanaren, das sind rund 28 Prozent aller Besucher. "Jetzt müssen sie anrufen "Wir haben unser Interesse in Gesprächen mit der WestLB deutlich gemacht. Jetzt müssen sie uns anrufen", sagte de Armas der FTD. Aus Unternehmenskreisen verlautete, dass noch vor dem 15. November ein Treffen mit TUI-Chef Michael Frenzel geplant sei. Dabei solle ihm ein gemeinsames Angebot mit Riu schmackhaft gemacht werden. Riu ist seit Jahren enger Hotelpartner des TUI-Konzerns, dem 50 Prozent an der Hotelbetreibergesellschaft Riusa II gehören. Lopesan betreibt fünf Hotels auf den Kanarischen Inseln und hält 51,4 Prozent an der deutschen IFA Hotel & Touristik AG mit Sitz in Duisburg. Überkapazität Vor allem die stark auf deutsche Gäste konzentrierten IFA-Hotels im Süden von Gran Canaria haben in den vergangenen Jahren unter der Überkapazität bei den Hotelbetten gelitten.
Der Bau- und Hotelkonzern Lopesan will offenbar die Hotelkette Riu für einen gemeinsamen Einstieg beim deutschen Tourismuskonzern TUI gewinnen.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/tourismus-spanier-strecken-fuehler-nach-tui-aus-1.902925
Tourismus - Spanier strecken Fühler nach Tui aus
00/05/2010
Hauptversammlungen können ziemlich öde sein, es gibt aber auch Aktionärstreffen, bei denen es wirklich um etwas geht. Das der Lufthansa am kommenden Mittwoch dürfte dazu gehören. (SZ vom 14.06.2003) — Aktionärstreffen können ziemlich öde sein. Jeder Anteilseigner, der dem Vorstand schon immer mal die Leviten lesen wollte, kann das in diesem Forum tun - ohne Ausnahme und manchmal auch ohne klar erkennbaren Grund. Manche Hauptversammlungen erinnern an den berüchtigten Satz des Bankiers Carl Fürstenberg um 1900, Aktionäre seien dumm und frech. Bei anderen Zusammenkünften möchte man den Satz hingegen auch gerne mal an den Vorstand adressiert haben. Schon vorab Wirbel Es gibt aber Aktionärstreffen, bei denen es wirklich um etwas geht. Die Hauptversammlung der Lufthansa am 18. Juni gehört in diesem Jahr sicher dazu. Zwei Punkte sorgten schon vorab für Wirbel: Die Wiederwahl des obersten Verdi-Funktionärs Frank Bsirske in den Aufsichtsrat und die Erhöhung der Bezüge für die Kontrolleure. Für viele Aktionäre hat Bsirske der Lufthansa geschadet, weil er als Verdi-Vorsitzender die Warnstreiks im öffentlichen Dienst verantwortet hat. Die Feuerwehren an den Flughäfen in Frankfurt und München streikten, der Brandschutz war nicht gesichert und Fluggesellschaften dürfen dann nicht starten. Auch die Flugzeuge der Lufthansa mussten auf dem Boden bleiben. Das Wohl des Unternehmens fördern Die Anteilseigner haben Recht: Als stellvertretender Aufsichtsratschef hat Bsirske das Wohl des Unternehmens zu fördern; so wollen es das Aktiengesetz und die Regierungs-Kommission Deutscher Corporate Governance Kodex zur Verbesserung der Unternehmensführung und Kontrolle. Erst in zweiter Linie ist der Aufsichtsrat ein Instrument der überbetrieblichen Arbeitnehmer-Interessen. Dies sehen Gewerkschafter anders, die sich klassischerweise den Beschäftigten verpflichtet fühlen. Daraus entsteht ein Interessenkonflikt. Und es ist nicht das erste Mal, dass ein Funktionär bei der Lufthansa in einen solchen gerät. Schon in den siebziger Jahren (Heinz Kluncker) und Anfang der neunziger (Monika Wulf-Mathies) wurde die Fluggesellschaft auf ähnliche Weise durch Streiks geschädigt. Scharfe Kritik am Verdi-Chef In die heutige Landschaft der besseren Kontrolle und größeren Verantwortung von Aufsichtsräten passen die jüngsten Ereignisse um den Verdi-Chef allerdings nicht. Auch wird das Bemühen der Corporate-Governance-Kommission, die den deutschen Kapitalmarkt attraktiver machen will, durch derlei Geschehnisse vereitelt. Eine Reihe von Aktionären will deshalb Bsirske für sein Vorgehen nicht entlasten und auch nicht mehr in den Aufsichtsrat wählen. Einige verlangen sogar vom Vorstand, den Gewerkschafter auf Schadenersatz zu verklagen. Die Liste der Gegenanträge ist lang und namhafte Aktionärsvereinigung haben sich dort eingereiht. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, die Vereinigung Institutioneller Privatanleger und die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre fordern die Einzelentlastung der Aufsichtsratsmitglieder. Im Verhalten des Verdi-Chefs sehen sie allesamt einen Verstoß gegen den Corporate Governance Kodex. "Plünderung des Vermögens" Die Aktionäre erregt aber auch noch etwas anderes: die geplante Erhöhung der Aufsichtsratsbezüge vom nächsten Jahr an. Vom "Versuch der hemmungslosen Ausplünderung des Betriebsvermögens" ist in Gegenanträgen zu lesen, auch von einer "Provokation der Mitarbeiter". Die Kritiker haben in einem Punkt Recht: Der Zeitpunkt für die Anpassung der Bezüge könnte nicht schlechter gewählt sein. Die Luftfahrt steckt in ihrer bislang schwersten Krise. Auch Lufthansa schließt in diesem Jahr einen operativen Verlust nicht aus. Der Konzern ist auf Sparkurs. Die Arbeitszeit des Bodenpersonals wurde mit Lohnabzug verkürzt, die Flugbegleiter sind in der Kurzarbeit, auch die Piloten beteiligen sich am Krisenpaket. Da entsteht im Unternehmen keine gute Stimmung, wenn die Festvergütung der Aufsichtsräte verdoppelt und der variable Anteil sowie das Sitzungsgeld ebenfalls steigen sollen. Unsensibel gewählt Wie unsensibel der Zeitpunkt gewählt ist zeigt, dass die Kritik an der Erhöhung die Argumente dafür überlagert hat. Diese gibt es nämlich durchaus. Der Corporate Governance Kodex erwartet vom Aufsichtsrat nicht nur mehr Arbeit, sondern auch eine angemessene Vergütung. Lufthansa würde mit einer Gesamttantieme von 55000 Euro für ein Aufsichtsratsmitglied im Mittelfeld der Dax-Unternehmen liegen, wenn man abermals eine Dividende von 0,60 Euro unterstellt. Die beantragte Erhöhung zum jetzigen Zeitpunkt lässt aber auch aus einem anderen Grund Fingerspitzengefühl vermissen: Lufthansa-Chef Jürgen Weber wechselt mit Ablauf der Hauptversammlung voraussichtlich an die Spitze des Aufsichtsrats. In dieser Funktion bekäme er das Dreifache der Gesamttantiemen. Viele Lufthanseaten ärgert das. Weber, der sich den Ruf des Sanierers erworben hat, der die Kosten stets im Blick hielt und der vor kurzem nochmals zum Sparen mahnte - dieser Mann will nach seinem Ausscheiden "abkassieren"? Spende in eigener Sache Die Vorwürfe müssen den als bescheiden geltenden Manager getroffen haben, denn in einem offenen Brief an die Mitarbeiter hat Weber angekündigt, im kommenden Jahr die Erhöhung einem wohltätigen Zweck zu spenden. Verdi hat die Anhebung der Aufsichtsratsbezüge übrigens abgelehnt. Bsirske selbst hätte auch nichts davon. Der Funktionär muss den größten Teil an die gewerkschaftliche Hans-Böckler-Stiftung abführen - eine Spende quasi in eigener Sache.
Hauptversammlungen können ziemlich öde sein, es gibt aber auch Aktionärstreffen, bei denen es wirklich um etwas geht. Das der Lufthansa am kommenden Mittwoch dürfte dazu gehören.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/lufthansa-flug-lh-1806-1.907689
Lufthansa - Flug LH 1806
00/05/2010
Der Prozess um die Skandalfirma Enron steht vor dem Abschluss. Nach dem bisherigen Verlauf des Verfahrens muss sich Ex-Konzernchef Kenneth Lay auf eine jahrzehntelange Haftstrafe einstellen. Lay galt als enger Freund von US-Präsident George Bush. Der Prozess um die spektakuläre Pleite des texanischen Energiekonzerns Enron geht in die Endphase. Nach mehr als 50 Verhandlungstagen und 51 Zeugenvernehmungen stehen in der kommenden Woche die Schlussplädoyers an. Detailansicht öffnen Enron-Gründer Kenneth Lay beantwortet vor dem Gerichtsgebäude in Houston Fragen. (Foto: Foto: AP) Prozessbeobachter halten einen Schuldspruch gegen die angeklagten Ex-Enron-Chefs Jeffrey Skilling und Kenneth Lay für immer wahrscheinlicher. Beide müssen mit einer jahrzehntelangen Haftstrafe in einem der größten Wirtschaftsprozesse der USA rechnen. Der vorsitzende Richter bescherte der Anklage jetzt mit einem überraschenden Kommentar einen strategischen Erfolg. So kündigte Richter Simeon Lake an, er wolle die Geschworenen darauf hinweisen, dass "vorsätzliches Ignorieren" der betrügerischen Machenschaften innerhalb des Konzerns für einen Freispruch nicht ausreiche. Verteidigung enttäuscht Die Verteidigung zeigte sich dagegen enttäuscht über die Anmerkung des Richters an die zwölf Geschworenen, die über Schuld und Unschuld der Angeklagten zu entscheiden haben. Die Staatsanwaltschaft wirft Lay und Skilling im Zusammenhang mit der milliardenschweren Enron-Pleite Verschwörung, Betrug und Insider-Handel in etwa drei Dutzend Anklagepunkten vor. Die beiden Führungskräfte sollen Analysten, Anleger und Angestellte über die finanzielle Misere des Unternehmens, das weltweit einst mehr als 20000 Beschäftigte hatte, bewusst im Dunkeln gelassen haben, um sich selbst zu bereichern. Unschuldsbeteuerungen Der 64-jährige Lay und der 52-jährige Skilling beteuerten in dem Verfahren wiederholt ihre Unschuld und machten vor allem den geständigen Ex-Finanzchef Andrew Fastow für die Bilanzierungstricks und Gewinnmanipulationen verantwortlich. Fastow hatte zugegeben, Milliardenschulden in Tochterfirmen versteckt und Gewinne vorgetäuscht zu haben. Er sagte vor Gericht, Lay und Skilling hätten die dubiosen Transaktionen gebilligt. Nach dem Bankrott des nach dem Börsenwert einst siebtgrößten US-Konzerns im Dezember 2001 verloren Tausende Beschäftigte ihren Arbeitsplatz. Milliarden Dollar in den Pensionskassen der Mitarbeiter waren weg. Absturz der Aktie Anleger mussten mit ansehen, wie ihre Enron-Aktien von mehr als 80 Dollar bis auf wenige Cent abstürzten. Der Fall erregte auch deshalb großes Aufsehen, weil Lay als Förderer der Republikanischen Partei ein enger Freund von US-Präsident George W. Bush war.
Der Prozess um die Skandalfirma Enron steht vor dem Abschluss. Nach dem bisherigen Verlauf des Verfahrens muss sich Ex-Konzernchef Kenneth Lay auf eine jahrzehntelange Haftstrafe einstellen. Lay galt als enger Freund von US-Präsident George Bush.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/us-skandalfirma-enron-ex-praesidentenfreund-vor-langer-haftstrafe-1.898417
US-Skandalfirma Enron - Ex-Präsidentenfreund vor langer Haftstrafe
00/05/2010
Der Einstieg mehrerer Banken beim EADS-Konzern mit dem Flugzeugbauer Airbus steht kurz vor dem Abschluss. Und auch sonst gibt es gute Nachrichten beim Flugzeugbauer. Nach Informationen des Handelsblattes werden EADS-Großaktionär DaimlerChrysler und die Bundesregierung bereits in der nächsten Woche die Käufer der DaimlerChrysler-Anteile präsentieren. Detailansicht öffnen Probleme mit dem A380 waren haupt-verantwortlich für die schlechten Quartals-ergebnisse bei EADS. (Foto: Foto: AFP) Dies berichtet die Zeitung in ihrer Mittwochausgabe unter Berufung auf Angaben aus dem Bundesfinanzministerium. "Die Verhandlungen stehen kurz vor dem Abschluss." Ein Teil der EADS-Anteile des Autokonzerns soll an eine Gruppe von Banken übertragen werden. Deutsche Lösung gesucht DaimlerChrysler will den EADS-Anteil von 22,5 auf 15 Prozent reduzieren. Die Bundesregierung hatte sich darum bemüht, deutsche Investoren zu finden, um das deutsch-französische Gleichgewicht bei EADS zu wahren. Nach Informationen des Handelsblattes werden sich neben privaten Geldhäusern wie der Deutschen Bank, Commerzbank und Goldman Sachs auch öffentlich-rechtliche Banken wie die WestLB an dem Kauf des Aktienpakets beteiligen. Auf Anfrage von sueddeutsche.de wollte man bei der WestLB vorerst nichts bestätigen, aber auch nicht dementieren. Es gelte weiterhin das vor einer Woche getätigte Statement von WestLB-Chef Thomas Fischer, der einen Einstieg bei EADS für "absolut" möglich hielt, sofern es auch betriebswirtschaftlich sinnvoll sei. "Dem ist nichts hinzuzufügen", so ein Unternehmenssprecher der WestLB, und auch bei der deutschen Goldman Sachs Bank gab man sich bedeckt. "Wir möchten dazu nichts sagen", hieß es auf Anfrage. Nach Bekannt werden einer bevorstehenden Einigung startete die EADS-Aktie fest in den Handelstag. An der Frankfurter Börse konnte sie nach Handelsstart um 3,98 Prozent zulegen und lag kurz vor Mittag bei 23,79. Analysten stufen Aktie auf "Buy" Zu den Kursgewinnen dürfte neben der bevorstehenden Bankeneinigung auch eine positive Goldman Sachs-Studie beigetragen haben. Die Analysten hatten den Luftfahrtkonzern zuvor auf "Conviction Buy" gestuft. Mit der Einschätzung "Buy" raten die Analysten von Goldman Sachs zum Kauf der Aktie, mit dem Zusatz "Conviction Buy List" sehen die Analysten besonderes Potenzial für die Titel. Laut Goldman Sachs-Analyst Sash Tusa übersehen viele Investoren die Ertragskraft im Bereich der Mittelstreckenflugzeuge von Airbus, die sich zunehmend gut entwickeln. Kurzfristig seien weiterhin negative Nachrichten möglich. Jedoch dürfte sowohl dem Management als auch den Anteilseignern das Erfordernis eines radikalen Umstrukturierungsprogramms bei Airbus klar sein. Das Kursziel setzte der Experte auf 27 Euro. Neben den guten Börsennachrichten gab es auch für EADS selbst eine positive Meldung: Die russische Fluggesellschaft Aeroflot will beim europäischen Flugzeughersteller 45 Flugzeuge des Typs A320 bestellen. Entscheidung zum A350 Am Freitag soll laut der Pariser Wirtschaftszeitung Les Echos eine Sitzung zum neuen Langstreckenflugzeug A350 auf dem Programm stehen. Ob bei der Sitzung bereits eine endgültige Entscheidung für oder gegen das Milliardenprogramm fallen sollte, war demnach offen. "Auf französischer Seite ist die Haltung klar: Der A350 ist eine strategische Investition für Airbus, dessen finanzielles Risiko aber beherrscht werden muss", so das Blatt. Der A350 soll der Boeing 787 Dreamliner im Markt für Langstreckenflugzeuge mittlerer Größe Konkurrenz machen. Airbus musste das Konzept vollkommen überarbeiten, nachdem erste Entwürfe bei Kunden durchgefallen waren. Der neue A350 XWB ist deutlich größer und soll durch den Einsatz von Verbundmaterialien aus Kohlenstoff anstatt von Metall auch spritsparender sein. Durch den Neuentwurf könnte sich die Markteinführung von 2010 auf 2014 verzögern. Die Entwicklungskosten liegen bei geschätzten neun bis zehn Milliarden Euro, rund zwei Milliarden Euro über den ursprünglichen Planungen. (dpa/AFP/sueddeutsche.de)
Der Einstieg mehrerer Banken beim EADS-Konzern mit dem Flugzeugbauer Airbus steht kurz vor dem Abschluss. Und auch sonst gibt es gute Nachrichten beim Flugzeugbauer.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/eads-moeglicher-bankeneinstieg-befluegelt-kurse-1.907589
EADS - Möglicher Bankeneinstieg beflügelt Kurse
00/05/2010
Mit mehr als 11.000 Mitarbeitern ist die Schieder-Gruppe der größte Produzent der Branche in Europa - doch die guten Zeiten sind vorbei. Noch vor vier Wochen hatte Gründer und Firmenchef Rolf Demuth den Mitarbeitern in einem Brief versichert: "Die Schieder-Gruppe ist ein profitables Unternehmen. Es ist allerdings notwendig, die Finanzierungsstruktur im Hinblick auf eine Optimierung zu überarbeiten." Detailansicht öffnen Sowohl in Steinheim als auch am Stammsitz der Firma in Schieder-Schwalenberg ruht nun Produktion. (Foto: Foto: Dpa) So viel Zeit haben Kreditgeber und Investoren dem mit mehr als 11.000 Mitarbeitern größten europäischen Möbelhersteller nicht eingeräumt. Wie am Montag bekannt wurde, hat Geschäftsführer Franz-Josef Golücke bereits am Donnerstag vergangener Woche "vorsorglich" Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens für die Schieder Möbel Holding mit Sitz in Herford gestellt. Tags darauf wurde der gleiche Antrag für das Schieder Werk PM Möbelwerk im westfälischen Steinheim gestellt. Sowohl in Steinheim als auch am Stammsitz der Firma in Schieder-Schwalenberg mit zusammen 630 Mitarbeitern ruht seitdem die Produktion. Die Gelder, mit denen Lieferanten bezahlt werden, sind eingefroren. Insgesamt beschäftigt Schieder in Deutschland knapp 1700 Mitarbeiter. Das Unternehmen ist vor allem als Hersteller preiswerter Standardmöbel bekannt. Etwa 60 Prozent des Umsatzes, der im Geschäftsjahr 2005/06 (zum 31. 3.) 950 Millionen Euro betrug, wird in Deutschland erwirtschaftet. Wichtigster Produktionsstandort für den Möbelhersteller ist Polen. Polstermöbel-Produktion in China Dort arbeiten für Schieder in mehr als einem Dutzend Werken etwa 9.000 Menschen. Seit Dezember vergangenen Jahres verfügt das Unternehmen auch über eine Polstermöbel-Produktion in China mit 250 Mitarbeitern. Die Geschäftsführung arbeitet nach eigenen Angaben "mit Hochdruck an einer Brückenfinanzierung". Es gebe intensive Gespräche mit Kreditinstituten. Ein Abschluss der Verhandlungen stehe möglicherweise schon kurzfristig bevor. "Einen vorsorglichen Insolvenzantrag kann man zurücknehmen", betonte deshalb am Montag ein Firmensprecher. Zu den Ursachen der finanziellen Schieflage äußert sich das Unternehmen nicht. In der Möbelbranche kursieren jedoch bereits seit Wochen Gerüchte, Schieder stehe enorm unter Druck. Ursache seien die hohen Kapitalkosten, die den Großteil des Ertrags aufzehrten. Die Finanzierungsstruktur des Unternehmens sei mangelhaft; seit Jahren werde "ein Loch mit dem nächsten gestopft", heißt es. Der Ende vergangenen Jahres überraschend ausgeschiedene Geschäftsführer Samir Jajjawi hatte dieses Problem offensichtlich angehen wollen. Firmenkennern zufolge hatte er 2005 eine Anleihe über 145 Millionen Euro auf dem internationalen Kapitalmarkt aufgetan, dazu eine Schuldverschreibung von 95 Millionen Euro sowie Genussscheine im Umfang von 30 Millionen Euro. Strittige Kreditvergabe Zins und Tilgung dieser Darlehen hätten Schieder jedoch die Luft zum Atmen genommen, heißt es in der Branche. Nach dem Abschied von Jajjawi, der nach knapp sechs Jahren bei Schieder inzwischen bei der Unternehmensberatung DIC Group für das Beteiligungsgeschäft verantwortlich ist, hatte der 68-jährige Firmengründer Rolf Demuth wieder die Führung von Schieder übernommen. Nach Informationen des Möbel-Informationsdienstes hartdran haben die Kreditversicherer vor wenigen Wochen ihre Linien nennenswert reduziert und Schieder damit in finanzielle Nöte gebracht. Die Neue Westfälische Zeitung berichtet, Hausbanken und Investoren hätten sich über die Finanzierung zerstritten. Unklar ist, zu welchen Bedingungen die vornehmlich aus Großbritannien stammenden Geldgeber dem Unternehmen 2005 Kredit gewährt haben, und ob sie sich möglicherweise den Zugriff auf Geschäftsanteile gesichert haben. Sollte es der Schieder-Geschäftsführung nicht gelingen, die finanzielle Lücke zu schließen, sehen Branchenkenner die Gefahr einer Zerschlagung. Für einzelne Werke von Schieder gebe es starkes Interesse in der Möbelbranche, heißt es.
Mit mehr als 11.000 Mitarbeitern ist die Schieder-Gruppe der größte Produzent der Branche in Europa - doch die guten Zeiten sind vorbei.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/insolvenz-beantragt-moebelhersteller-geht-das-geld-aus-1.902765
Insolvenz beantragt - Möbelhersteller geht das Geld aus
00/05/2010
Der Wellness-Trend geht auch an der Bierbranche nicht spurlos vorüber. Das wachsende Gesundheitsbewusstsein der Deutschen schlägt sich in sinkenden Absatzzahlen der Brauereien nieder. Dies lässt die Hersteller auf der Suche nach neuen Verdienstmöglichkeiten erfinderisch werden. Mit neuen Produkten wie alkoholarmen Bieren oder Biermixgetränken gelingt es ihnen, den Absatzrückgang bei herkömmlichem Bier teilweise wieder wettzumachen. Detailansicht öffnen "Karla" soll besonders Frauen ansprechen. (Foto: Foto: Karlsberg) Dem Chef der saarländischen Karlsberg-Brauerei GmbH, Richard Weber, ging dies allein aber noch nicht weit genug. Das neueste Produkt aus dem Haus Karlsberg, ein Frucht-Mischgetränk auf Bierbasis namens "Karla", wird ausschließlich in Apotheken verkauft, ein Absatzkanal, den vorher noch kein Bierproduzent wählte. Testmarkt Saarland "Der Vertriebsweg für ein solches Produkt ist entscheidend für den Erfolg", betont Weber im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung. "Die Apotheken haben die größte Beratungskompetenz im Umgang mit Alkohol, und wir können so Kunden ansprechen, die wir sonst nicht erreichen". Im Auge hat er dabei unter anderem Frauen ab 40 Jahren aufwärts, die normal wenig Bier oder andere alkoholische Getränke konsumieren. Studien hätten gezeigt, dass 75 Prozent der Frauen über vierzig immerhin zwei Mal pro Woche in die Apotheke gingen, ergänzt er. Seit Mai läuft die Testphase in 22 saarländischen Apotheken. Bislang laufe alles wunschgemäß, sagt Weber, "das Produkt kommt gut an, vor allem bei Kunden, die sonst nicht als klassische Biertrinker gelten". Läuft alles nach Plan, dann könnte das Getränk schon zu Beginn nächsten Jahres bundesweit auf diesem Weg vertrieben werden. Das Produkt, das zu 70 Prozent aus Bier und zu 30 Prozent aus Melisse, Vitaminen, Sojaextrakt, Folsäure und Lecithin besteht, gibt es in zwei Geschmacksvarianten. Der Alkoholanteil ist dabei mit 1,0 Volumenprozent deutlich niedriger als bei einem normalen Bier mit einem Anteil von etwa 5,5 Prozent. Gesundes Bier "In Maßen getrunken, ist Bier ein sehr gesundes Produkt und damit bestens geeignet als Basis für ein Gesundheitsprodukt", sagt Weber, der zugleich auch Präsident des Deutschen Brauer-Bundes ist. Das Potential des neuen Trunks hält er für groß, räumt aber ein, "dass es kein Massengeschäft werden wird". Er beziffert den allgemeinen Absatz von Getränken über das Apotheken-Vertriebsnetz auf insgesamt 100 000 Hektoliter. Im Vergleich zu einem jährlichen Bierabsatz von 105 Millionen Hektoliter in Deutschland ist das nur ein sehr geringer Anteil. Weber will die neue Kundschaft vor allem von den gesundheitsförderlichen Eigenschaften des Hopfens überzeugen, der unter anderem den Wirkstoff Xanthohumol - ein so genanntes Antioxidans - enthält. Diese Substanz soll unter anderem helfen, Krebs und Herzerkrankungen zu vermeiden. Außerdem wurde im Hopfen Tanin nachgewiesen, das auch in Rotwein vorkommt und ebenfalls dazu beiträgt, Herzkrankheiten vorzubeugen. Diese Hopfen-Idee ist allerdings nicht ganz neu. Die Brauerei Weihenstephan brachte mehr als ein Jahr vor Karlsberg zwei ähnliche Biermischgetränke auf den Markt, das abgeleitet von Xanthohumol "Xan" heißt und auf die gesunde Wirkung des Hopfens setzt. Das Getränk gibt es in zwei Varianten, einmal als Xan Hefeweißbier mit einem Alkoholgehalt von 5,4 Prozent und als Xan-Wellness, zusammengesetzt aus alkoholfreiem Weißbier und 60 Prozent Mehrfruchtgetränk. Image pflegen Mit alkoholfreiem Bier als Produkt für Gesundheitsbewusste werben inzwischen bereits zahlreiche Hersteller, wie etwa die Erdinger Brauerei, die auf die isotonische Wirkung des Produkts verweist, es als "ideales Getränk für die ausgewogene Sportlerernährung" vermarktet und damit großen Erfolg hat. Karlsberg-Chef Weber sieht in der Einführung des neuen Apothekenbiers auch eine Chance, das Image des Konzerns zu fördern. Die 1878 gegründete Karlsberg-Gruppe erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 650 Millionen Euro und schreibt positive Zahlen. Nähere Angaben veröffentlicht das Unternehmen, das mehrheitlich der Familie Weber gehört, nicht. Eine Minderheitsbeteiligung von 22 Prozent hält der niederländische Heineken-Konzern. Zur Karlsberg-Gruppe gehören unter anderem der Mineralbrunnen Überkinger, die Fruchtsaft-Hersteller Merziger, Vaihinger und Dietz. Gut zwei Drittel des Umsatzes werden mit alkoholfreien Getränken erzielt.
Die saarländische Karlsberg-Brauerei wählt für seine alkoholarmen Wellness-Biersorten einen ungewöhnlichen Vertriebsweg, um sich einen neuen Kundenkreis zu erschließen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/zum-wohl-bier-aus-der-apotheke-1.900154
Zum Wohl - Bier aus der Apotheke
00/05/2010
Haim Saban macht Guillaume de Posch zum Chef von ProSiebenSat.1. Damit rückt der Belgier auf den Posten seines Freundes Rohner nach. Entweder kann Monsieur de Posch gut lügen oder er war ahnungslos. "Ich unterstütze nur meinen Freund Urs Rohner bei der Geschäftsführung", hatte der 46-jährige Belgier noch am 20. Februar geantwortet, als Journalisten von ihm wissen wollten, was genau seine Aufgabe beim Fernsehsender ProSiebenSat.1 sei. Auf dem Podium zur Bilanz-Pressekonferenz hatte Vorstandsmitglied de Posch zwei Plätze links vom nun gestürzten ProSieben-Chef Rohner gesessen und meist geschwiegen; nun rückt er vor auf dessen Stuhl. Es war bloß eine Frage der Zeit, dass der wenig erfolgreiche Schweizer Rohner gehen musste, heißt es in der Medienbranche. Die Entscheidung sei wohl in den letzten zwei Wochen gefallen. Unbarmherziger Kosten-Drücker Seit Mitte September dürfte der schmale Belgier mit der Nickelbrille an seinem Aufstieg gearbeitet haben. Da hatte ihn der Mehrheitsaktionär der Sendergruppe, Haim Saban, zum Chief Operating Officer ernannt. Eine Stelle, die extra für de Posch neu geschaffen wurde. Seitdem überprüft er jeden einzelnen Sendeplatz, ob er die Kosten deckt (Vorgabe: 15 Prozent Umsatzrendite) - und berichtet sogleich in die USA. Intern gilt er als sachlicher, aber unbarmherziger Kosten-Drücker, der die Budgetvorgaben durchsetzt. Saban und sein Intimus de Posch kennen sich aus Frankreich, wo der Belgier beim 1996 gegründeten Pay-TV-Sender Télévision Par Satellite (TPS) arbeitete. Dort begleitete de Posch von 1997 an als stellvertretender Geschäftsführer den Aufbau und verantwortete das Programm. Der Pariser Sender ist Teil der TF-1-Gruppe, zu dessen Aufsichtsrat auch Haim Saban gehört. Vertraut mit dem europäischem Programmgeschäft und Digitalfernsehen galt de Posch bereits früh als geeigneter Kandidat für den US-Investor Saban, als dieser die Sendergruppe aus Unterföhring im August 2003 übernahm. Mithilfe seines verlängerten Armes de Posch konnte Saban Urs Rohner im Amt belassen - und hatte dennoch direkten Einblick in die Geschäfte. Schwierige Aufgaben Auf den Belgier warten einige schwierige Aufgaben: Die Sorgensender ProSieben und N24 müssen trotz Werbeflaute profitabler werden; intern tobt der Streit mit dem Abosender Premiere um den Einstieg ins Digitalfernsehen und den Kauf der Fußball-Bundesliga-Rechte. Von Haus aus ist de Posch Betriebswirt, er studierte bis 1982 an der Ecole der Commerce Solvay in Brüssel. Ins Fernsehgeschäft wechselte er erst neun Jahre später. 1984 begann er beim Energiekonzern Tractebel. Zuletzt arbeitete er dort als Vice President Far East in Hongkong. 1990 ging de Posch, der drei Kinder hat, zurück nach Belgien zur Unternehmensberatung McKinsey. 1993 begann er in Luxemburg beim Rundfunkunternehmen CLT (jetzt RTL Group) als Assistent des Geschäftsführers. Später verantwortete er deren französische TV-Programme. Diese Erfahrung dürfte ausschlaggebend gewesen sein für seine aktuelle Ernennung: De Posch gilt als versierter Programm-Mann und nach vier Jahren Arbeit bei RTL, dem schärfsten Konkurrenten der ProSiebenSat1-Gruppe, dürfte er den deutschen Markt bestens kennen.
Haim Saban macht Guillaume de Posch zum Chef von ProSiebenSat.1. Damit rückt der Belgier auf den Posten seines Freundes Rohner nach.
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Guillaume de Posch - Der verlängerte Arm des Investors
00/05/2010
In dem weitläufigen Bürogebäude am Rande der Münchner Innenstadt, von dem aus der Weltkonzern Siemens einen großen Teil seines internationalen Telefon- und Kommunikationsgeschäfts steuert, herrscht seit Mittwoch der Ausnahmezustand. Kriminalbeamte und Staatsanwälte sichten nahezu pausenlos riesige Datenmengen im dort installierten Computersystem und befragen einen Mitarbeiter nach dem anderen. Bislang waren die meisten Vernehmungen offenbar wenig ergiebig. Nein, sagen die Beschäftigten, man habe nichts gewusst von einem weit verzweigten Firmengeflecht, über das mindestens 20 Millionen Euro aus dem Konzern hinausgeschleust worden seien, um bei Bedarf Schmiergeld zur Hand zu haben. Aus Konzernkreisen verlautete, dieses von Ermittlungsbehörden mehrerer Staaten in monatelanger Detektivarbeit enthüllte Geflecht sei "von der Konzernspitze nicht gewollt" gewesen. Siemens wiegelt ab Bei Siemens wird abgewiegelt: eine übliche Taktik, sobald Korruptionsvorwürfe laut werden. Das passt in diesem Fall freilich nicht zu den Vorwürfen der Fahnder. Zwei ehemalige Vorstandsmitglieder der Sparte Kommunikation (Com) werden verdächtigt, zusammen mit weiteren Beschäftigten und ehemaligen Mitarbeitern das geheime Finanzsystem entwickelt und betrieben zu haben, um mit Schmiergeldzahlungen weltweit an lukrative Aufträge zu gelangen: Michael Kutschenreuter, 52, ehemals Finanzchef der Sparte, und Andy W. Mattes, 45, der sich um Unternehmenskunden kümmerte. Beide gehörten von 2001 an zum Vorstand von Com beziehungsweise der Vorgängersparte IC Networks, und beide haben zuvor schon Karriere bei Siemens gemacht. Kutschenreuter zählt als Bereichsvorstand der Immobilien-Sparte Siemens Real Estate noch immer zum Top-Management von Siemens. Jede Menge dubioser Rechnungen Kutschenreuter kümmerte sich früher unter anderem um Kraftwerksprojekte außerhalb Deutschlands und Mattes um den Vertrieb von Kommunikationssystemen. Beide wissen also offenbar, wie man weltweit Großaufträge akquiriert und Großprojekte betreut. Haben sie dieses Wissen eingesetzt, um mit Schmiergeldzahlungen nachzuhelfen? Und falls ja, haben dann auch andere Spitzenmanager davon gewusst? Was die Fahnder bislang ermittelt haben, ist für Siemens schon schlimm genug. Da schickten Firmen aus den USA und Österreich jede Menge dubioser Rechnungen an Siemens-Com auf der Basis teurer Beraterverträge und erhielten dafür jede Menge Geld.
Ermittler decken bei Siemens ein dubioses Finanzsystem auf und vermuten die Drahtzieher im Management.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/korruptions-skandal-bei-siemens-die-tage-der-abrechnung-1.913921
Korruptions-Skandal bei Siemens - Die Tage der Abrechnung
00/05/2010
Seine Miniatur-Klohäuschen streichelt er manchmal wie kleine Kathedralen: Der Berliner Unternehmer Hans Wall will mit seinen Stadtmöbeln von der Wartehalle bis zur Plakatwand die Welt erobern. (SZ vom 14.11.2001) — Der Anruf erreichte ihn am Heiligen Abend des Jahres 1987. Hans Wall fuhr sofort ins Werk. "Es war einer der glücklichsten Momente meines Lebens", sagt er. Nach Jahren der Entwicklung war sie fertig. Seine Erfindung. Die "selbstreinigende City-Toilette" mit schwenkbarer Toilettenschüssel. Behindertengerecht und dennoch schmal wie eine Litfass-Säule. Zunächst schaute er sie nur von außen an. Detailansicht öffnen Für den Chef einfach die "beste Toilette der Welt": Hier etwa das "Lindenmöbel" in Berlin, entworfen vom Architekten Josef Paul Kleihues. (Foto: Foto: dpa) Die Arbeiter hatten ein Betreten-Verboten-Schild davor gehängt, doch das ignorierte er. Er hatte lange genug gewartet. Also ging er hinein, obwohl das Schloss noch nicht funktionierte. Plötzlich war er gefangen. Hans Wall wurde panisch. Niemand wusste, wo er war. Drei Feiertage lagen vor ihm. Mit den Fäusten schaffte er es schließlich, die Aluminiumdecke der Toilette zu zerstören. "Die ganzen Wände waren voller Blut und ich war schweißüberströmt", sagt er und prustet laut los. Die Mitarbeiter haben nie erfahren, wer die Kabine zerstört hat. Natürlich hört auch der Besucher aus Moskau diese Geschichte nicht, den Wall im Prada-Anzug durch sein Werk führt. Strahlend führt er vor, wie die Reinigungsbürsten über Fußboden und Toilettenschüssel wischen: "Reinigung, Desinfektion und Trocknung in 50 Sekunden." Herr Borisowitsch vom Moskauer Bürgermeisteramt schaut beeindruckt und sagt, in seiner Stadt würden Klos nicht so gut riechen. "Ich glaube, wenn ich nur zehn Minuten mit Putin sprechen dürfte, wäre Moskau viel schöner", meint Wall. Moskau braucht einen Maßanzug Er führt seinen russischen Gast vor einen Computerbildschirm. Der ist übersät mit grünen Punkten. Jeder der 165 Punkte kennzeichnet den Standort einer Wall-Toilette in der deutschen Hauptstadt. Jede ist online mit der Wartungszentrale verbunden. Wenn es auf dem Bildschirm rot blinkt, ist etwas defekt, dann fährt sofort jemand hin, erzählt Wall. Und was ist mit Vandalismus, fragt Herr Borisowitsch. Seine Produkte seien so schön, dass niemand sie zerstören wolle, sagt Wall. "Sauberkeit beginnt mit Ästhetik." Klos, Papierkörbe, Wartehallen, Info-Säulen, alles kleine Kunstwerke. Mit den besten Architekten arbeite man zusammen, mit Kleihues in Berlin, und in Russland gäbe es ja auch tolle Architekten. "Das muss doch nicht alles so zusammengewürfelt aussehen", sagt Wall. "Städte wie Moskau brauchen einen Maßanzug." Zum Schluss führt er sein neuestes Produkt vor. Die "intelligente Wartehalle." Solartechnik auf dem Dach, innen kostenlose Internet-Zugänge an silbernen Terminals. Ein elektronisches Laufband informiert: "In zwei Minuten kommt der Bus." Seine Produkte verkauft er wie Wundermittel gegen urbane Tristesse. "Sie machen das Leben schöner." Eine Zumutung sei es deshalb, dass Busfahrer in Berlin Dixie-Klos benutzen müssten. Herr Borisowitsch sagt, er werde bald wieder kommen und schenkt ihm zum Abschied einen Teller mit Kreml- Foto. "Für mich ist Moskau noch wichtiger als New York", flunkert Wall und gibt ihm einen Briefbeschwerer mit dem Bild vom Brandenburger Tor mit auf den Weg. Ein freundlicher Spinner Hans Wall ist 59, ein drahtiger, kleiner Mann, der viel lacht und breites schwäbisch spricht. Man könnte leicht den Fehler machen und ihn unterschätzen. Ein freundlicher Spinner, der seine Klohäuschen streichelt, als seien es kleine Kathedralen. Der sich auf kindliche Weise begeistern kann, wild gestikuliert, und der es gar nicht komisch findet, dass Toiletten Lebensinhalt sein können. "Wieso denn? Ich denke Tag und Nacht darüber nach, wie ich sie verbessern kann." Im letzten Jahrzehnt stieg der Jahresumsatz der Wall AG von 12 auf 140 Millionen, in diesem Jahr sollen es 160 Millionen werden. In zehn Jahren, so glaubt er, hat er die Milliardengrenze übersprungen. Was bisher erreicht wurde, sehen die Mitarbeiter jeden Tag beim Betreten des Hauses auf einer Leuchttafel: "14 Büros in 8 Ländern auf 3 Kontinenten." Dabei beginnt die Geschichte von Hans Wall eigentlich wie die eines Versagers. Schon als Kind wurde ihm gesagt, aus dir wird nie etwas. Er träumte von einem Leben beim Zirkus oder beim Theater, hätte es aber nie gewagt, dem strengen Vater, Molkereibesitzer in der schwäbischen Provinz, diesen Wunsch zu gestehen. Der sagte ohnehin nur, er solle aufhören so viel herumzualbern und setzte alle Hoffnungen in die anderen vier Geschwister. Hans sollte ein Handwerk lernen, das würde er vielleicht schaffen. Also wurde er Schlosser, studierte lustlos auch ein bisschen Maschinenbau und heuerte dann bei einem Wasserwerkbauer in Karlsruhe an. Zusätzlich jobbte er als Hausmeister, das Geld langte nie. Eines Abends im Jahr 1976 saß er in einer zugigen Bushaltestelle, und ärgerte sich. Dass er sich kein Auto leisten konnte, dass die Bude unnötig hässlich war. Als der Bus endlich kam, hatte er einen Entschluss gefasst: dass er fortan selbst Unternehmer würde und dass Wartehallen ruhig teuer sein könnten, wenn es genügend Kunden für "Werbetäfele" gibt. Startkapital: 5000 Mark Noch in der gleichen Woche gründete er seine Firma, der Vater lieh ihm 5000 Mark. Er schrieb Angebote, legte Fotos von Objekten anderer Firmen bei - und kriegte seinen ersten Auftrag: 100 Wartehallen für Heidelberg. Er kündigte seinen Job, mietete einen Schuppen hinterm Haus. Wenig später beschäftigte er 15 Mitarbeiter und eröffnete eine kleine Firma in Ettal. 1984 bemühte sich der Direktor der Berliner Verkehrsbetriebe in die schwäbische Provinz. Der war gerade in Paris gewesen, beim Marktführer Decaux und war wütend abgefahren. Die Franzosen hatten sich geweigert, eigene Produkte für Berlin zu entwerfen. Es hieß, was für Marseille oder Paris gut ist, wird für Berlin wohl reichen. Hans Wall hingegen versprach, sofort umzuziehen, der Stadt Arbeitsplätze zu schenken und für Berlin Möbel mit eigenem Design zu entwerfen. Er bekam den Auftrag. Nördlich der Stadt errichtete er als einziger deutscher Außenwerber eine Fabrik, in der vom Papierkorb bis zur Litfaß-Säule alles einheitlich gefertigt wird. Die Produkte stellt er der Stadt kostenlos zur Verfügung, im Gegenzug darf er die Werbeflächen vermarkten. Heute stehen seine Produkte in zwanzig deutschen Städten, dazu in Sankt Petersburg, Neapel, Amsterdam. 1995 gewann er Istanbul. 1998 St. Louis. Amerika. Im letzten Jahr entschied sich Boston für ihn. 16 City Toiletten, 400 Wartehallen, 100 Infosäulen, 15 Zeitungskioske. Die "Massachusetts Avenue" steht noch halbfertig in Berlin, die Toiletten wurden in Boston bereits eingeweiht. "6000 Mal sind die ersten in 14 Tagen benutzt worden", sagt er und schlägt mit der Faust in die Luft. Im Grunde unterscheide sich seine Toilette nicht von einem Restaurant, erklärt er. Mundpropaganda setze sich durch. "Wenn es nicht schmeckt, nutzen Hochglanzanzeigen gar nichts." Der Zauberkoffer Seinen Erfolg hat er seiner eigentlichen Begabung zu verdanken. Denn ein guter Ingenieur sei er bis heute nicht, sagt Hans Wall. Er ist Schauspieler. Einer, der viel Geld verdient. Für seine Show braucht er einen silbernen Koffer. Er sagt "mein Zauberkoffer." Darin sind Miniaturen seiner Produkte. Ein Modellbauer aus Kreuzberg hat sie angefertigt. Rund zwanzig Mal pro Jahr zieht er mit seinem Koffer los, um irgendeinen Bürgermeister zu ködern - mit schlechtem Englisch und Zeichensprache. "Da kommt es auf jede Feinheit an", sagt er. "Es ist, wie eine Schmuckkollektion zu präsentieren." Er öffnet den Koffer. "Als erstes hole ich eine Wartehalle heraus", sagt er nun fast flüsternd, dreht und wendet sie in der Luft, stellt sie dann ganz vorsichtig auf den Tisch. Dann nimmt er einen Zeitungskiosk hervor, einen Papierkorb, eine Toilette, einen Blumenstand. Ganz sachte. "Wichtig ist, dass die Objekte schnurgerade auf dem Tisch stehen", sagt er. "Sonst wirkt es nicht." Es klingt, als verrate er ein Betriebsgeheimnis. Der Stadtmöbel-König Die Wall AG ist trotz allem ein Familienbetrieb geblieben. Der Sohn leitet das US-Geschäft, die Ehefrau ist seine Assistentin. Wall kennt noch immer fast alle seine Leute persönlich, als vor kurzem das 25. Firmenjubiläum gefeiert wurde, verteilte er Wall-Anstecknadeln ("aus purem Gold") an jeden, der über 15 Jahre dabei ist und eine Mitarbeiter-Band, die sich "Die Wallies" nennt, sang "Ich bin der Stadtmöbelkönig." Da vergaß der Chef sogar, dass der Bundeskanzler kurzfristig absagen musste. Mittags isst er mit seiner Familie in der Kantine, das Essen kostet 2 Mark 50, der Kaffee 20 Pfennig, Obst gibt es kostenlos. "Ohne meine Mitarbeiter bin ich nichts." Und Geld motiviert. Deshalb bezahlt er sogar ungelernten Reinigungskräften 5000 Mark im Monat. Die ganze Kantine hängt voll mit zwei Meter hohen Plakaten von Städten, die erobert werden wollen: New York, Budapest, Rom, Chicago. Chicago wird er wohl bald wieder abhängen. Dort hat man eine Vorentscheidung für Decaux getroffen. "Aber von so einer Niederlage darf ich mich nicht aufhalten lassen. Wahrscheinlich war ich denen zu klein", sagt er. Das regt ihn auf. "Immer heißt es, der kleine Wall. Ich versteh das nicht. Daimler hat doch auch in einer Scheune begonnen." Dabei gehe es nicht um Größe, sondern um Qualität, schimpft er: "Und ich habe nun einmal die beste Toilette der Welt." Wenn Wall von seinen Gegnern spricht, klingt es wie Krieg. Einer der Spaß macht, mit allen Mitteln, die der Sport erlaubt. "Es ist die unternehmerische Herausforderung, den Wettbewerb anzunehmen." Deshalb liebe er den US-Markt. "Da geht man durch die Hölle. Man kriegt kein Mitleid. Wer es nicht schafft, hat verloren." Deshalb sei er so stolz über den Auftrag in Boston. "Wall, made in Berlin" Demnächst will er heimlich rüberfliegen. "Dann zieh ich mir einen Trainingsanzug an und schau einfach nur. Die City Hall und diese Wahnsinnskulisse und davor steht dann mein Produkt. Und neben der Tür steht: Wall, made in Berlin." Das sei es, was ihn antreibe, sagt er. Nicht Geld. Das spendet er so reichlich, dass er letztes Jahr das Bundesverdienstkreuz bekam. "Es ist dieses Gefühl, in eine Metropole zu kommen und meine Produkte zu sehen." Oft wird ihm der Ehrgeiz selbst zu viel. "Nur meine Frau kann mich da manchmal rausholen. Es ist wie eine Krankheit." Manchmal träumt er noch heute davon, sich einem Wanderzirkus anzuschließen. "Da könnte ich vielleicht abschalten." Natürlich wird er das nie tun. Zu viele Städte gibt es, die auf ihn warten. Vor allem New York. "Die Hauptstadt der Welt." 1994 hatte er schon einmal seine Toilette dort aufgebaut, drei Jahre lang zur Probe. "Da waren 100.000 New Yorker drauf. Die haben die geliebt. Da war kein Kratzer dran.
Seine Miniatur-Klohäuschen streichelt er manchmal wie kleine Kathedralen: Der Berliner Unternehmer Hans Wall will mit seinen Stadtmöbeln von der Wartehalle bis zur Plakatwand die Welt erobern.
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Hans Wall AG - Klohäuschen wie Kathedralen
00/05/2010
Die Schränke voller Schmöker, die man selbst nicht mehr sehen will? Oder auf der Suche nach günstigem Lesestoff? Wer keine Lust auf Flohmarkt hat, dem bieten sich im Internet Alternativen. Wer gebrauchte Bücher im Internet kaufen will, wird schnell fündig. Immerhin wird jedes fünfte im Internet gekauft, schätzt Abebooks, der weltweit größte Online-Marktplatz für gebrauchte und antiquarische Bücher. Detailansicht öffnen Leseratten kommen im Internet auf ihre Kosten. (Foto: Foto: dpa) Neben Ebay und Amazon, wo neue und gebrauchte Bücher angeboten werden, gibt es zahlreiche reine Buch-Plattformen, bei denen man in Ruhe stöbern und den Warenkorb beladen kann. Verkaufen kann da aber noch lange nicht jeder: Einige Betreiber, wie zum Beispiel das Zentrale Verzeichnis Antiquarischer Bücher (ZVAB), stehen ausschließlich gewerblichen Vertreibern offen. Andere Plattformen wie abebooks.de verlangen verhältnismäßig hohe Gebühren, solange man nur wenige Bücher anbietet — dementsprechend machen dort professionelle Händler das Gros aus. Die Bücher-Plattform für Jedermann Auch der Amazon Marketplace ist jedem, der im Netz nach Büchern sucht, ein Begriff. Doch die hohe Verkaufsprovision von 15 Prozent schreckt viele Private vom Verkauf ab — auch, wenn Amazon dafür den Kauf über Kreditkarte oder Bankeinzug für die Kunden abwickelt. Bei Porto und Verpackung muss der Verkäufer zudem eventuell draufzahlen: Die Käufer entrichten bei Amazon zwar neben dem Kaufpreis auch eine Versandkostenpauschale. Letztere leitet der Online-Marktplatz aber nur teilweise an den Verkäufer weiter, der Rest verbleibt als "Transaktionsgebühr" bei Amazon. Der Verkäufer muss also für Versandkosten, die diese Pauschale überschreiten, selbst aufkommen, was er in der Regel dem Kaufpreis zuschlägt. Bei Ebay kann jeder alles anbieten, sowohl zur Versteigerung als auch zu Festpreisen. Aber dort klagen viele, die "nur schnell und billig was loswerden wollen", über das aufwändige Anmeldeverfahren und die zeitliche Beschränkung der Angebotsdauer. Vor rund fünf Jahren eröffnete mit booklooker.de der erste deutsche Internetshop für gebrauchte Bücher, bei dem nicht nur jeder problemlos einkaufen, sondern auch verkaufen kann. Heute haben die Gründer Daniel Conrad und Jens Berthau über 200.000 registrierte Kunden, und jeden Monat wechseln rund 50.000 Bücher für etwa 250.000 Euro über booklooker den Besitzer. "In den ersten Monaten haben wir nichts verdient" Am Anfang stand hauptsächlich eigenes Interesse. "Ich habe damals noch studiert, und Fachliteratur ist ja oft sehr teuer. Gleichzeitig waren die schwarzen Bretter an der Uni aber voll von Zetteln, wo Studenten Bücher verkaufen wollten", erzählt Conrad. Da lag die Idee nahe, Suchende und Anbietende zu vernetzen, am besten gleich überregional. Dabei spielt die Internet-Plattform lediglich den Vermittler, und alle Modalitäten, die Zahlung und Versand betreffen, regeln Käufer und Verkäufer unter sich. Anfangs finanzierte sich das Projekt über Kooperationen und Bannerwerbung. "In den ersten Monaten haben wir praktisch nichts verdient", erinnert sich Conrad. Keine Einstellgebühr Das änderte sich, als booklooker vor zwei Jahren eine Verkaufsprovision einführte. Heute verzeichnet booklooker einen monatlichen Umsatz von rund 20.000 Euro — immerhin soviel, dass Conrad es nicht bereut, sein Studium der Kommunikationswissenschaften abgebrochen zu haben. Mit acht Prozent liegt die Provision im Vergleich zur Konkurrenz im Mittelmaß: Amazon verlangt 15, Abebooks ebenfalls acht und Ebay bis zu fünf Prozent. Aber bei booklooker gibt es keine Einstellgebühr, die in der Regel bei den Plattformen hoch ausfällt, wo die Provision eher niedrig ist. So zahlt man bei Abebooks mindestens 15 Euro monatlich. Dafür kann man zwar bis zu 250 Bücher einstellen, doch das dürfte den Bedarf eines Privatverkäufers übersteigen. Außerdem ist bei erfolgreichem Verkauf ja noch die Provision von acht Prozent fällig.
Die Schränke voller Schmöker, die man selbst nicht mehr sehen will? Oder auf der Suche nach günstigem Lesestoff? Wer keine Lust auf Flohmarkt hat, dem bieten sich im Internet Alternativen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/online-marktplatz-buecher-vom-virtuellen-flohmarkt-1.899673
Online-Marktplatz - Bücher vom virtuellen Flohmarkt
00/05/2010
Das Mitmach-Fieber greift um sich: Nicht nur die Kampagne der Deutschen Telekom "Geben Sie Deutschland Ihr Gesicht!" bedrängt derzeit den Verbraucher. Auch Coca Cola, Berentzen oder Puma überziehen das Land mit ihren Aktionen. Nachtfußball am Prenzlauer Berg: Um vier Uhr morgens beginnt die Partie der Betriebssportgemeinschaft Stadtsparkasse Solingen beim "Coca-Cola Ticket Kick" in Berlin. Eine Woche lang, vom 21. bis zum 28. April, treten im Jahn-Sportpark 140 Freizeitmannschaften aus ganz Deutschland gegeneinander an, rund um die Uhr. Detailansicht öffnen Gruppenfoto für die Deutsche Telekom: Junge Deutsche mit Nationalkicker Patrick Owomoyela. (Foto: Foto: werben & verkaufen) Als Preise locken Eintrittskarten zur Fußball-WM, fast 1000 Tickets insgesamt. Die Bankkaufleute aus Solingen rechnen sich Chancen aus - auch wenn ihr Stammtorhüter, Kapitän Klaus Bracht (28), verletzt ausfällt. Der "Ticket Kick" ist eine von Dutzenden von Veranstaltungen, mit denen Markenartikler seit Wochen die Bundesrepublik überziehen. Die Sonnenstudio-Kette Sunpoint sucht das "Sunpoint Model" für die Werbekampagne 2007, Netzbetreiber E-Plus das "Base Gesicht 2006", Puma schickt zwölf Deutschland-Botschafter auf Europa-Tournee, McDonald's eine Kinder-Eskorte zur WM, T-Com stellt das "größte Nationalteam aller Zeiten" auf die Beine. Verwertbares Adressmaterial "Keine Frage, Mitmach-Aktionen sind derzeit en vogue", so Karen Heumann, Chefstrategin der Hamburger Webeagentur Jung von Matt. "Aus einem einfachen Grund: Wer mitmacht, kommt mehr als nur flüchtig in Berührung mit der Marke, die dahinter steht." Die Aktionen bringen zudem verwertbares Adressmaterial fürs Direktmarketing. Verbraucher zwischen 25 und 35 Jahren, so ergab jüngst eine Studie des Frankfurter Marktforschungsinstituts Millward Brown, nutzen immer seltener klassische Medien. Um sie zu erreichen, braucht es andere Mittel. Junge Familien und DINKs (Double Income No Kids) "erwarten eine erlebbare, proaktive Marke", so Millward Brown. "Bei DINKs kommen persönliche Einladungen zu speziellen Events gut an." Hiesige Top-Unternehmen nehmen sich das offenbar zu Herzen und laden ein, was das Zeug hält - zu Castings, Turnieren und Dreharbeiten. "Größtes Nationalteam aller Zeiten" Allen voran die Deutsche Telekom. Im Dezember vorigen Jahres bildeten 35.000 Teilnehmer in Leipzig eine kilometerlange Menschenkette - Auftakt für das "größte Nationalteam aller Zeiten", dem mittlerweile Hunderttausende angehören. "Alle zusammen erfüllen den Slogan der Fußball-Weltmeisterschaft mit Leben", teilt T-Com nicht ohne Inbrunst mit: "Die Welt zu Gast bei Freunden." Eingebunden in Großveranstaltungen - wie den RheinEnergie Marathon in Bonn Anfang April oder das "Welcome" am 13. Mai in der Münchner Allianz-Arena - wächst das "Team der Vorfreude" bis zum Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft stetig an. Bis kurz vor Ostern lief parallel zudem eine Inszenierungstour durch 22 Städte: Auf Nachmittags-Happenings reihte sich Jung und Alt in die symbolische Kette ein, festgehalten von einer Filmcrew. Einzige Teilnahmebedingung: ein Aktionstrikot - und "ein Lächeln" (Pressemeldung). Die Bilder dienen als Futter für die laufende Werbekampagne: Mehr als zwei Dutzend TV-Spots in privaten und öffentlich-rechtlichen Programmen, ungezählte Anzeigen in regionalen und überregionalen Titeln, XXL-Plakate und Internet-Galerien sowie Sonderwerbeformen bilden den aufwändigsten Flight der Konzerngeschichte. Punkte bei der Service-Orientierung "Damit lösen wir unser Versprechen ein, den Kunden in den Mittelpunkt zu stellen", erklärt Jörg Adami, Leiter Strategische Projekte Marketing und Vertrieb bei T-Com. "Die begleitende Marktforschung zeigt, dass die Marke auf der Skala der Service-Orientierung punktet."
Das Mitmach-Fieber greift um sich: Nicht nur die Kampagne der Deutschen Telekom "Geben Sie Deutschland Ihr Gesicht!" bedrängt derzeit den Verbraucher. Auch Coca Cola, Berentzen oder Puma überziehen das Land mit ihren Aktionen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/verbraucherfang-du-bist-die-kampagne-1.899852
Verbraucherfang - Du bist... ...die Kampagne
00/05/2010
Hood.de nimmt mittlerweile den zweiten Platz unter deutschen Anbietern ein. Und schnappt eBay ganz unerschrocken Kunden weg. Auf dem Markt der Online-Auktionen tritt hood.de dem Marktführer eBay unbeeindruckt entgegen und bringt sich in Position. Mit seiner kostenlosen Internet-Auktion zielt er auf Neu- aber auch auf eBay-Kunden. Detailansicht öffnen Geschäftsführer Ryan Hood. Foto: dpa Vor vier Jahren im "Wohnzimmer" gegründet ist der Dürener Anbieter hood.de auf Platz zwei der deutschen Online-Auktionen gerückt. Als ernste Konkurrenz versteht sich hood.de noch nicht. "Aber wir sind die einzige Alternative zu eBay", betonte Geschäftsführer Ryan Hood. hood.de wirbt auf seiner Internet-Seite mit seinem Markenzeichen, einer Robin-Hood-Figur, und dem entscheidenden Unterschied zum Marktführer eBay: mit kostenlosen Versteigerungen. Verkäufer können ihre Angebote ohne Gebühren und Provisionszahlungen virtuell unter den Hammer bringen. Das lohne sich auch für Niedrigpreis-Angebote wie CDs, DVDs oder Bücher. Kostenlose Alternative zu eBay "Wenn ich bei eBay eine CD für einen Euro verkaufen möchte, bezahle ich 25 Cent Gebühr pro CD", nannte Hood ein Beispiel. Vom erzielten Preis gingen dann noch mal fünf Prozent Provision ab. Das rechne sich für die meisten nicht. Mit der kostenlosen Versteigerung will hood.de Verkäufer gewinnen, die sonst andere Verkaufswege wie etwa den Flohmarkt ansteuern. In anderen Segmenten wie Elektronik- und Computerbereich rechnet der Geschäftsführer des vierköpfigen Unternehmens mit Überläufern von eBay. Jeder sechste Artikel wird versteigert "Da ich mich jedes Mal über die unverschämten Gebühren bei eBay aufgeregt habe, suchte ich nach einem Auktionshaus, das kostenlos ist", schreibt sich eine hood.de-Nutzerin im Internet ihren Ärger von der Seele und freut sich über die Alternative hood.de. Andere Nutzer schließen sich mit ihren persönlichen Bewertungen an: gute Gestaltung, gutes Angebot, lange Laufzeit der Auktion und die Möglichkeit, ein Produkt mehrmals anzubieten. Kritik ist die Ausnahme: "In etwas mehr als eineinhalb Jahren habe ich vier Artikel verkauft. Toller Schnitt", schimpft ein einsamer Kritiker. Die Erfolgsquote sei nicht überragend, räumte Hood ein. Etwa jedes sechste Angebot werde tatsächlich verkauft. Das hänge mit der Produktpalette zusammen: "Nicht jede Kleidung oder jede CD lässt sich gleich gut verkaufen", stellte Hood fest. Der monatliche Warenumsatz betrage 1,8 Millionen Euro, zum eigenen Umsatz macht das Unternehmen keine Angaben. Über Werbung finanziert Geld verdienen die Dürener nach eigenen Angaben mit Werbung auf ihren Internet-Seiten und durch Marktforschung mit eigenen anonymisierten Handelsdaten. Obwohl die Jungunternehmer auf Werbung verzichten, seien die Nutzerzahlen in den letzten Monaten sprunghaft gestiegen: Bis Ende des Jahres rechnet Hood mit einer Verdoppelung auf rund eine Million. Trotzdem reicht es für einen Konkurrenzkampf "auf Augenhöhe" noch längst nicht: Marktführer eBay gibt die Zahl seiner Nutzer in Deutschland mit über elf Millionen an. Individualität soll bleiben Das Wohnzimmer, in dem das Unternehmen vor vier Jahren gegründet wurde, ist längst zu klein geworden. Aber seiner Strategie will das junge Unternehmen auf dem Wachstumskurs treu bleiben: Anfragen von Nutzern sollen individuell beantwortet und Angebote weiterhin gratis eingestellt werden, versicherte Ryan Hood. Hood.de ist nicht das einzige Gegenstück zu eBay. Auch bei www.onetwosold.de und azubo.de kann — allerdings gebührenpflichtig — versteigert werden.
Hood.de nimmt mittlerweile den zweiten Platz unter deutschen Anbietern ein. Und schnappt eBay ganz unerschrocken Kunden weg.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/auktionen-im-internet-der-kleine-hood-kennt-keine-angst-1.906446
Auktionen im Internet - Der kleine Hood kennt keine Angst
00/05/2010
Wenn der Wegfall von Subventionen ein Unternehmen gefährdet, dann taugt das Geschäftsmodell nicht. Der irische Billigflieger Ryanair muss staatliche Beihilfen zurückzahlen, weil sie mit EU-Recht nicht vereinbar sind. Die EU-Kommission hat mit ihrem Beschluss dem Eingreifen staatlicher Wirtschaftsförderer Grenzen gesetzt, sich zugleich aber zu den Regionalflughäfen und der Billigfliegerei bekannt. Die Bedingungen im Wettbewerb sollen für alle gleich sein, bei den Vertrags-Konditionen ist mehr Transparenz gefordert. Das ist gut für jene Gesellschaften, die schon heute ohne versteckte Unterstützung ihr Auskommen haben. Es passt zu dem durch Marktschreierei bekannten Ryanair-Chef Michael O'Leary, dass er als Folge der Brüsseler Entscheidung das Ende der Billigfliegerei und steigende Flugpreise in Europa beschwört. Vereinfacht und Populär Doch man sollte die Drohungen nicht allzu ernst nehmen. O'Leary hat die Gabe, Sachverhalte vereinfacht und populär darzustellen und sich dadurch Gehör zu verschaffen. Deshalb mag man ihm nicht glauben, dass er wirklich den Ruin seines Unternehmens, das Ende der Billigfliegerei und horrende Preise beim Fliegen erwartet. Dazu wird es nicht kommen, dafür sorgen schon all jene, die auch in Zukunft möglichst billig von einem Ort zum anderen fliegen wollen. Und trotz aller Klagen funktioniert O'Learys Geschäftsmodell ja, auch wenn das Wachstum auf dem Markt für Billigflüge nachlässt, weil die Pionierzeiten vorbei sind. Seit Jahren setzt sich Ryanair gegen die großen Fluggesellschaften durch. Ryanair hat sogar traditionelle Anbieter auf den Geschmack gebracht: Lufthansa etwa bietet seit einiger Zeit einen Online-Abschlag für Buchungen im Internet an. Schlichtheit Das Konzept der Billigflieger besticht durch seine Schlichtheit. Die Unternehmen sparen, weil die Piloten mehr fliegen und teilweise weniger verdienen als bei den traditionellen Fluggesellschaften. Sie sparen Geld bei der Wartung, weil die Flotte einheitlich ist. Die Flugzeuge stehen nur kurz am Boden, weil die Einsteigeprozesse einfach sind. Die Billigflieger haben kein Essen an Bord und keine Vielfliegerprogramme, sie müssen keine Lounges unterhalten und sie nehmen keine Fracht mit. Dies senkt die Kosten und macht Reisen zu einem Bruchteil der früheren Preise möglich. Anbieter allerdings, die sich bislang vor allem mit staatlichen Beihilfen behauptet haben, wird der Markt spätestens dann verabschieden, wenn die öffentlichen Finanzquellen versiegen. Der Beschluss der Kommission nutzt langfristig der Branche.
Wenn der Wegfall von Subventionen ein Unternehmen gefährdet, dann taugt das Geschäftsmodell nicht.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/kommentar-fairer-wettbewerb-1.918941
Kommentar - Fairer Wettbewerb
00/05/2010
Die Auswirkungen der hohen Temperaturen auf die Getreideernte sind in den Bundesländern recht unterschiedlich. Insgesamt haben die Bauern jedoch unter der magersten Ertragslage seit 1995 zu kämpfen. Agrarministerin Künast hat Hilfe angekündigt. Hitze und Dürre haben in Deutschland zur schlechtesten Getreideernte seit 1995 geführt. "Für einige Regionen war es eine Katastrophe", sagte Bundesagrarministerin Renate Künast (Grüne). "Die Ertragseinbußen sind insgesamt sehr hoch, aber sehr uneinheitlich." Besonders betroffen waren der Südwesten und der Osten Deutschlands. Bundesweit fiel die Getreideernte mit 39,5 Millionen Tonnen um 8,9 Prozent niedriger aus als im Vorjahr. Im mehrjährigen Vergleich lag die Ernte 2003 sogar um 13,1 Prozent unter dem Durchschnitt. Mit Preiserhöhungen für Brot und Backwaren sei aber nicht zu rechnen. Künast verspricht Liquiditätshilfen Künast kündigte Hilfen für besonders betroffene Betriebe an. Dabei könne es aber nicht darum gehen, alle Ertragseinbußen auszugleichen. Betriebe, die im Gesamtergebnis Verluste von mehr als 20 bis 30 Prozent erlitten hätten, könnten mit Liquiditätshilfen aus einem Bund-Länder-Programm rechnen. Zahlen nannte Künast nicht. Zunächst müssten die Bundesländer Daten vorlegen. Dies sei bislang nicht geschehen. Zusätzlich werde den Landwirten unter anderem durch einen Vorschuss von 50 Prozent auf die EU-Ausgleichszahlungen geholfen, der am 16. Oktober abgerufen werden könne. Nach Angaben des Deutschen Bauernverbandes belaufen sich die Dürreschäden für die Landwirtschaft auf über eine Milliarde Euro. "Den 10.000 bis 15.000 existenzgefährdeten Betrieben müssen Bund und Länder jetzt mit einer gezielten Existenzhilfe unter die Arme greifen", forderte der Präsident des Verbandes, Gerd Sonnleitner. Brandenburg besonders betroffen Am schwersten von der Dürre betroffen war Brandenburg. Dort lag die Ernte fast 40 Prozent unter dem Durchschnitt. Dagegen konnte Schleswig-Holstein ein Plus von 7,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr verbuchen. Unter dem mehrjährigen Durchschnitt lag auch die Ernte von Raps und Zuckerrüben und voraussichtlich auch bei Kartoffeln. Die Apfelernte wird vermutlich über dem schlechten Vorjahresergebnis liegen. Die Winzer erwarten eine mengenmäßig normale oder leicht verminderte Weinernte, rechnen aber mit sehr guter Qualität. Die knappe Ernte und insgesamt gute Qualitäten führten zu Erzeugerpreisen deutlich über dem Vorjahr. Damit konnten nach Angaben des Ministeriums Ertragseinbußen teilweise ausgeglichen werden. "In vielen Regionen sind die höheren Preise jedoch nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein." Für die Verbraucher dürften sich die Dürreschäden kaum auswirken. Höherer Preis bei Nudeln Der Getreidepreis geht nur mit etwa einem Cent in den Ladenpreis eines Brötchens ein. Höhere Preise könne es dagegen bei Nudeln geben. Die Hopfenbauern in Deutschland rechnen mit Ertragseinbußen von rund 33 Prozent. Darauf hat Präsident Johann Pichlmaier vom Verband deutscher Hopfenpflanzer am Donnerstag hingewiesen. "Die Ernte fällt für nahezu alle Betriebe sehr enttäuschend aus", sagte Pichlmaier in der Hallertau, dem größten deutschen Hopfenanbaugebiet. Nach vorläufigen Berechnungen werde es Einnahmeverluste in Millionenhöhe geben. Dies könne mittelfristig zu Bierpreiserhöhungen beitragen.
Die Auswirkungen der hohen Temperaturen auf die Getreideernte sind in den Bundesländern recht unterschiedlich. Insgesamt haben die Bauern jedoch unter der magersten Ertragslage seit 1995 zu kämpfen. Agrarministerin Künast hat Hilfe angekündigt.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/nach-der-hitzewelle-schlechteste-ertraege-seit-acht-jahren-1.898167
Nach der Hitzewelle - Schlechteste Erträge seit acht Jahren
00/05/2010
Kunden der Deutschen Bahn bleiben - vorerst - von Streiks verschont. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) will am Donnerstag nicht zu Arbeitsniederlegungen aufrufen, wie eine Sprecherin sagte. Streiks seien frühestens am Freitag möglich. Bahn-Chef Hartmut Mehdorn und der GDL-Vorsitzende Manfred Schell wollen am Donnerstagnachmittag in Berlin nochmals Wege aus dem Tarifkonflikt erörtern. Beide treffen sich mit dem Aufsichtsratspräsidium der Deutschen Bahn, wie die GDL in Frankfurt bestätigte. Das Treffen sei aber nicht kurzfristig anberaumt worden, sondern schon vor einigen Tagen. In dem Gespräch in Berlin soll es darum gehen, wieder Bewegung in den festgefahrenen Tarifkonflikt zu bringen. Aufsichtsratschef Werner Müller habe zu dem Treffen eingeladen, hieß es in Konzernkreisen. Dem Präsidium gehören außer Müller auch Bahnbetriebsratschef Günter Kirchheim, der Vorsitzende der Bahngewerkschaft Transnet, Norbert Hansen und Verkehrsstaatssekretär Jörg Hennerkes an. Die GDL hatte ganztägige Streiks im Nahverkehr angedroht. Als ersten möglichen Streiktermin hatte sie den Donnerstag genannt. Sie will Streiks grundsätzlich erst am Spätnachmittag des Vortages ankündigen. Arbeitsniederlegungen im Güter- und Fernverkehr sind der Gewerkschaft gerichtlich untersagt. Hohe Erwartungen Die Einladung zu dem Spitzentreffen des Bahn-Aufsichtsrats datiert bereits vom 4. Oktober. Bei dem Treffen will sich das Präsidium "aus erster Hand einen Überblick über den aktuellen Diskussionsstand" im Tarifkonflikt verschaffen, wie Aufsichtsratsvorsitzender Müller schrieb. In das Treffen werden hohe Erwartungen gesetzt. Allerdings hatte GDL-Chef Schell noch nach Erhalt der Einladung Streiks für Donnerstag und die folgenden Werktage angekündigt. Seibert betonte, die GDL habe nie gesagt, dass sie de facto am Donnerstag, Freitag, Montag und Dienstag streiken werde. Man habe lediglich vier Tage genannt, an denen gestreikt werden könne. Zuvor hatte die GDL erklärt, sie werde an den Verhandlungstisch zurückkehren, wenn die Bahn über einen eigenen Tarifvertrag verhandeln wolle: "Wenn uns der Arbeitgeber zu Verhandlungen über einen eigenständigen Tarifvertrag mit Entgelt- und Arbeitszeitverbesserungen einlädt, sind wir sehr kurzfristig bereit, die Verhandlungen aufzunehmen. In dieser Zeit finden selbstverständlich keine Arbeitskämpfe statt", sagte Schell. Müller sagte einen Tag vor dem Treffen: "Wir müssen eine faire Lösung hinbekommen, damit das Land keinen Schaden nimmt. Das gilt für die Bahn, die Lokführer und alle Kunden." Spaltung verhindern Bahnchef Mehdorn hatte die GDL zur Rückkehr an den Verhandlungstisch aufgerufen und sich zugleich um einen vermittelnden Sprachgebrauch bemüht: "Niemand stellt die Existenz der GDL in Frage", erklärte er. "Es geht einzig und allein darum, Forderungen abzuwehren, die das Unternehmen wirtschaftlich nicht verkraften kann. Und es geht darum, eine Spaltung der Belegschaft in Mitarbeiter erster und zweiter Klasse zu verhindern." Kein Unternehmen könne gegen die Belegschaft geführt werden. Neben einem eigenständigen Tarifvertrag für die Lokführer verlangt die GDL bis zu 31 Prozent mehr Geld, hat aber bereits Verhandlungsbereitschaft signalisiert. Die GDL teilte zudem mit, dass sie beim Arbeitsgericht Frankfurt eine Einstweilige Verfügung beantragt habe, damit die Bahn keine Mitarbeiter zu Notdiensten heranziehen könne. Die Mehrheit der Bundesbürger hat nach einer Umfrage weiterhin Verständnis für den Arbeitskampf der Gewerkschaft. 55 Prozent der im Auftrag des Stern Befragten halten es für richtig, dass die Lokführer nach den gescheiterten Tarifverhandlungen die Arbeit niederlegen. 40 Prozent lehnen dies ab. Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee rief Bahnvorstand und GDL erneut auf, wieder miteinander zu verhandeln. Der Bund als Eigentümer der Bahn achte die Tarifautonomie, sagte der SPD-Politiker. Doch angesichts der volkswirtschaftlichen Belange bei der Beförderung von Menschen und Gütern sei es höchste Eisenbahn, dass die Tarifpartner wieder an einen Tisch kämen.
Sinneswandel bei der Gewerkschaft der Lokführer: Der für Donnerstag weitgehend festgezurrte Streik wurde kurzfristig abgesagt.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/tarifstreit-bei-der-bahn-lokfuehrer-legen-streik-zunaechst-auf-eis-1.890632
Tarifstreit bei der Bahn - Lokführer legen Streik zunächst auf Eis
00/05/2010
Geschworene aus Kalifornien sorgen womöglich für eine satte Gehaltsaufbesserung zweier deutscher Manager: Der Medienkonzern Bertelsmann soll den zwei Ex-Geschäftsführern 208 Millionen Dollar zahlen. Die beiden Manager hatten auf einen "fairen Anteil" am Verkaufserlös der früheren Konzerntochter AOL Europe geklagt. Die Jury des Gerichts im kalifornischen Santa Barbara warf Bertelsmann Vertragsbruch vor. Der Anwalt des Gütersloher Konzerns, Anthony Murray, sagte nach dem Urteilsspruch, dass es für Bertelsmann "nicht akzeptabel" sei, den beiden Klägern die vorgeschlagene Summe von 208 Millionen Euro zu zahlen. Detailansicht öffnen Bertelsmann-Zentrale in Gütersloh (Foto: Foto: dpa) Die Entscheidung werde weder der Faktenlage noch deutschem Recht gerecht, sagte zudem ein Konzernsprecher am Freitag in Gütersloh. Der frühere Konzernchef Thomas Middelhoff, der wesentlich an dem AOL-Geschäft beteiligt gewesen war, wollte sich zu dem Urteil nicht äußern. Aus Sicht des Kläger-Anwalts Bill Price könnte die Summe deutlich höher ausfallen, "wenn die Forderungen der Jury in den verschiedenen Anklagepunkten zusammengerechnet werden". Price nannte einen Betrag von bis zu einer Milliarde Dollar. Eine weitere Anhörung, bei der der zuständige Richter den Betrag bekannt gibt, wird in den nächsten zwei Wochen erwartet. Die beiden früheren Bertelsmann-Manager Andreas von Blottnitz und Jan Henric Buettner hatten das Unternehmen auf einen "fairen Anteil" an dem Erlös aus dem Verkauf der Bertelsmann-Beteiligung an AOL Europe verklagt. Anfängliche Milliardenforderung Dabei war seitens der Kläger anfangs von 3,5 Milliarden US-Dollar die Rede gewesen. Bertelsmann hatte seine Anteile im Jahr 2000 für mehr als 6,5 Milliarden Dollar an den US- Konzern AOL Time Warner verkauft. Ulrich Koch, Chef-Syndikus von Bertelmann, bezeichnete das Urteil als "zwiespältig". Er werte es als einen Erfolg, dass die Milliardenforderung abgewiesen wurde, bezeichnete aber die von der Jury verhängte Millionensumme als "viel zu viel". Koch und Murray stellten in Aussicht, einen neuen Prozess zu beantragen oder gegen das Urteil Berufung einzulegen. In dem im September begonnenen Prozess argumentierten die Kläger, ihnen sei eine Erfolgsbeteiligung während ihrer Zeit bei Bertelsmann zugesichert worden, als sie maßgeblich zum Aufbau von AOL-Europe beigetragen hätten. Koch zufolge wurde den beiden Managern zwar eine "unternehmerische Beteiligung" an einem Programm für Führungskräfte angeboten, aber keine "Kapitalbeteiligung". Die Juroren in Kalifornien hätten dies fälschlicherweise als Erfolgsbeteiligung angesehen. Umfangreiche Übersetzungen Für den Prozess wurden nach Murrays Angaben Tausende Seiten mit deutschem Text ins Englische übersetzt. Die Geschworenen hörten unter anderem Zeugenaussagen von dem früheren Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff und dem Ex-Vorsitzenden von AOL, Stephen Case, die beide die Ansprüche der Kläger zurückwiesen. Von 1995 bis 1997 war Buettner Geschäftsführer von AOL Deutschland gewesen. Von Blottnitz übernahm seinen Posten bis 1999. Seit seinem Umzug nach Santa Barbara leitet Buettner das Unternehmen BV Capital, an dem die Bertelsmann AG eine Zehn-Prozent-Beteiligung hält. Von Blottnitz ist der Chef einer Tochterfirma in Kalifornien.
Geschworene aus Kalifornien sorgen womöglich für eine satte Gehaltsaufbesserung zweier deutscher Manager: Der Medienkonzern Bertelsmann soll den zwei Ex-Geschäftsführern 208 Millionen Dollar zahlen. Die beiden Manager hatten auf einen "fairen Anteil" am Verkaufserlös der früheren Konzerntochter AOL Europe geklagt.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/ex-bertelsmann-manager-sonderbonus-aus-kalifornien-1.903406
Ex-Bertelsmann-Manager - Sonderbonus aus Kalifornien
00/05/2010
Der Trunk aus braunen Bohnen ist derzeit so teuer wie seit sechs Jahren nicht mehr. Börsenspekulanten haben Blut geleckt und treiben die Preise kräftig in die Höhe. 151 Liter oder 6,4 Kilogramm Kaffee pro Kopf wurden im Jahre 2004 nach Angaben des Deutschen Kaffeeverbandes konsumiert. Damit ist Kaffee Spitzenreiter unter den beliebtesten Getränken der Deutschen. Derzeit betrage der Durchschnittspreis 4,50 Euro pro Pfund-Packung, berichtete die Bild-Zeitung unter Berufung auf den Verband. Das seien 1,20 Euro mehr als Anfang Januar. Der Verbraucherpreis läge damit auf dem höchsten Stand seit sechs Jahren. Zur Begründung hätte der Verband angeführt, dass die Einkaufspreise unter anderem deswegen gestiegen seien, weil Kaffeebohnen-Spekulanten das Angebot künstlich knapphalten würden. Händler haben sich verspekuliert Tatsächlich wird neben anderen Rohstoffen momentan auch in Kaffee stärker investiert. Spekulationen auf ein knappes Angebot wurden weiter angeheizt, als bekannt wurde, dass einige lokale Exporteure in Vietnam ihre Lieferverpflichtungen nicht erfüllen konnten, nachdem sie sich verspekuliert hatten. Im Rahmen gestiegener Weltmarktpreise hatten die Händler ihre Vorräte für spätere Lieferverpflichtungen bereits im Frühjahr verkauft. Weil sie davon ausgingen, dass die Preise im Frühjahr wieder fallen werden, wollten sie sich zu einem späteren Zeitpunkt wieder eindecken, um selbst einen Spekulationsgewinn zu machen. Der Preis stieg in diesem Jahr allerdings weiter: Um Lieferverträge einhalten zu können, mussten sie den Kaffee daher teurer nachkaufen. Nach einer Reihe von Insolvenzen asiatischer Händler wird nun an den Börsen verstärkt auf weitere Schieflagen spekuliert. Künstliche Nachfrage Da Spekulanten in der Erwartung noch höherer Preise derzeit aber massiv Kaffee horten, entziehen Sie dem Markt einen Teil des sonst verfügbaren Angebots. Dies treibt die Preise weiter an. Nach Angaben der International Coffee Organization erreichte der Preis für die Sorte Robusta im Mai ein Fünfjahreshoch. Im April war er noch zehn Prozent billiger gewesen. Im Gegensatz zum täglich schwankenden Kurs für den Rohstoff, ändern Deutschlands Kaffeeröster ihre Preise in Rücksicht auf Handel und Konsumenten nur in größeren Abständen. Die hohen Weltmarktpreise zwingen sie nun zu einer kräftigen Erhöhung, in die sie auch eine weitere Verteuerung auf dem Weltmarkt einbeziehen müssen.
Der Trunk aus braunen Bohnen ist derzeit so teuer wie seit sechs Jahren nicht mehr. Börsenspekulanten haben Blut geleckt und treiben die Preise kräftig in die Höhe.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/rekordpreise-kaffee-nation-im-griff-der-zocker-1.903091
Rekordpreise - Kaffee-Nation im Griff der Zocker
00/05/2010
Rente mit 67? Nicht bei der Telekom. Sie schickt 15.000 Beamte mit 55 in den Ruhestand. Eine bizarre Nachricht aus dem Berliner Reformzirkus: Das Bundesfinanzmnisterium will per Gesetz erlauben, dass etwa 15.000 Beamte der früheren Bundespost, die heute noch bei Telekom, Post und Postbank arbeiten, vom 55. Lebensjahr an vorzeitig in den Ruhestand geschickt werden. Detailansicht öffnen Abbau bei der Telekom (Foto: Foto: ddp) Und dies in einer Zeit, in der Arbeitsminister Franz Müntefering (SPD) für Arbeitnehmer von 2012 an schrittweise die Rente mit 67 einführen will. Das Gesetz ist vom Mai, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat es jetzt in einem Brief an den Bundesrat als "besonders eilbedürftig" bezeichnet. Die Deutsche Post will von dem Gesetz gar keinen Gebrauch machen, daher geht es jetzt ausschließlich um die Telekom. Dort sollen bis Ende 2008 rund 32.000 Mitarbeiter gehen, darunter 10.000 Beamte, und davon wieder 7000 in den Vorruhestand. Der Bonner Konzern beschäftigt alleine in der Festnetzsparte T-Com etwa 47.000 Beamte. Die Kosten der Aktion trägt allein die Telekom. Ertragskraft soll erhöht werden Mit Hilfe des Gesetzes könne die Telekom ihre Ertragskraft erhöhen, erklärte das zuständige Bundesfinanzministerium. Außerdem geht es um Ost-West-Balance. Hätte der Konzern nur Angestellte in den Vorruhestand geschickt, wären fast ausschließlich die neuen Bundesländer betroffen gewesen - dort gibt es praktisch keine Postbeamten. Aber warum hat man nicht das Nächstliegende getan, nämlich die Beamten woanders zu beschäftigen? Schließlich handelt es sich dabei häufig um hochqualifizierte Fernmeldetechniker, die sich auch in andere Tätigkeiten einarbeiten können. Die Telekom hat in dieser Hinsicht schon Erfahrung: Bereits heute arbeiten 15.000 ehemalige Postmitarbeiter - Beamte, Angestellte und Arbeiter - bei der Beschäftigungsgesellschaft Vivento. Die hat zum Beispiel schon Beamte an ostdeutsche Arbeitsagenturen geschickt, um das Chaos bei der Hartz-IV-Einführung zu bewältigen. Versetzung muss "amtsangemessen" sein Thilo Sarrazin (SPD), der Finanzsenator von Berlin, hat zum Beispiel 2004 einen Stellenpool in der Stadt eingerichtet unter der Bezeichnung Zentrales Personal-Überhangsmanagement (ZEP), in der zurzeit 4500 Beamte und Angestellte verwaltet werden. Aus diesem Pool hat der Senat zum Beispiel 280 Mitarbeiter an die Arbeitsagenturen ausgeliehen. Bei der Bundestagswahl wurden Wahlhelfer abgestellt, wodurch der Senat zwei Millionen Euro einsparte. Doch der Versetzung von Beamten auf ganz andere Stellen sind Grenzen gesetzt. Die neue Beschäftigung muss "amtsangemessen" sein, heißt es im Beamtengesetz. In Berlin hatte zum Beispiel 2004 eine Fernmeldeobersekretärin gegen ihre Versetzung geklagt, weil sie auf der neuen Stelle zur völligen Beschäftigungslosigkeit verurteilt war. Dies komme einer Zwangsbeurlaubung gleich und sei damit rechtswidrig, urteilte das Verwaltungsgericht Berlin (Aktenzeichen: VG 28 A 333.03). Offensichtlich hat sich weder in Berlin noch bei der Telekom in Bonn jemand Hoffnung gemacht, für 10.000 Fernmeldespezialisten eine amtsangemessene Tätigkeit zu finden. Beim Bund fallen jedes Jahr ungefähr 1,5 Prozent der Beamtenstellen weg. Die Betroffenen sind zufrieden: "Ein gutes Gesetz für die Beschäftigten," sagt Horst Sayffaerth, stellvertretender Vorsitzender der zuständigen Gewerkschaft DPV Com im Beamtenbund.
Rente mit 67? Nicht bei der Telekom. Sie schickt 15.000 Beamte mit 55 in den Ruhestand.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/bizarre-reform-ertragssteigerung-a-la-telekom-1.917772
Bizarre Reform - Ertragssteigerung à la Telekom
00/05/2010
Immer wieder standen deutsche Unternehmen im Zentrum von Korruptions-Ermittlungen. Eine sicher nicht vollständige Chronologie. Finanzaffären um schwarze Kassen, Untreue und Korruption bei deutschen Unternehmen beschäftigen immer wieder die Justiz. Detailansicht öffnen Im Kampf gegen Korruption gibt es auch in Deutschland noch einiges zu tun. (Foto: Foto: dpa) Der Schaden, den die Mitarbeiter verursachen, betrifft dabei sowohl ihr eigenes Unternehmen als auch Fremdfirmen wie etwa Zulieferer. Einige Fälle, die Schlagzeilen machten: 1995 In der Münchner Schmiergeldaffäre sollen unter anderem fünf Siemens-Manager dem Konzern durch Preisabsprachen und Schmiergeldzahlungen öffentliche Aufträge bei vier bayerischen Klärwerken mit einem Gesamtvolumen von mehr als 60 Millionen DM zugeschanzt haben. Die Haftstrafen werden 1997 aufgehoben, der Prozess musste neu aufgerollt werden. 1997 Das Landgericht Bochum verurteilt einen früheren Opel- Manager zu achteinhalb Jahren Haft. Als Werksdirektor des Ersatzteillagers hatte er jahrelang Schmiergelder in Höhe von insgesamt 7,5 Millionen DM von Zulieferfirmen und Dienstleistern des Autoherstellers kassiert. 2000 Zwei Geschäftsführer der Immobilientochter der Deutschen Bahn "DB IMMO" werden zu mehrjährige Haftstrafen verurteilt. Sie hatten rund 5,8 Millionen DM Schmiergelder von zwei Bauunternehmern kassiert. Diese hatten sich lukrative Aufträge versprochen. 2000 Die Kölner Staatsanwaltschaft ermittelt zu Schmiergeldzahlungen beim Bau einer Müllverbrennungsanlage. Zwischen 1994 und 1999 sollen insgesamt elf Millionen Euro Schmiergelder geflossen sein. Bei den Ermittlungen flog auch die Spendenaffäre der Kölner SPD auf. 2001 Die Frankfurter Staatsanwaltschaft deckt ein korruptes System bei der Messegesellschaft auf. Der Schaden wird mit rund 7,5 Millionen Euro beziffert. Mitarbeiter der Bauabteilungen hatten selbst kleine Aufträge nur gegen Schmiergeld vergeben. 2005 Der VW-Konzern sorgt in einer Affäre um Schmiergelder und Lustreisen auf Unternehmenskosten für Aufregung. Nach einem Bericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG soll dem Konzern dabei ein finanzieller Schaden von rund fünf Millionen Euro entstanden sein. 2006 Im Schmiergeld-Skandal bei Infineon verurteilt das Landgericht München einen Sponsoring-Vermittler wegen Bestechung und Untreue zu vier Jahren Haft. Er hatte Bestechungsgelder an hochrangige Infineon-Manager gezahlt: Allein Ex-Vorstandschef Ulrich Schumacher soll im Jahr 2003 insgesamt etwa 300.000 Dollar erhalten haben, beteuerte jedoch, kein Geld angenommen zu haben. 2006 In der Siemens-Finanzaffäre sollen mehr als 20 Millionen Euro veruntreut und ins Ausland gebracht worden sein. Bei den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft geht es um Unregelmäßigkeiten in der Siemens-Festnetzsparte Com. Das veruntreute Geld soll möglicherweise für Schmiergeldzahlungen im Ausland eingesetzt worden sein.
Immer wieder standen deutsche Unternehmen im Zentrum von Korruptions-Ermittlungen. Eine sicher nicht vollständige Chronologie.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/hintergrund-finanzaffaeren-bei-deutschen-firmen-1.920163
Hintergrund - Finanzaffären bei deutschen Firmen
00/05/2010
Die Spötter freuen sich: 2003 verletzt gleich der gesamte Euroraum die Schuldengrenze des EU-Stabilitätspaktes. Was passieren muss, damit der wichtige Kontrollmechanismus wieder funktioniert. Wer sich schon längst mal über den Stabilitätspakt lustig machen wollte, hat jetzt Gelegenheit. Da haben die zwölf Euro-Staaten heilige Eide auf ein Regelwerk geschworen, das die Verschuldung in der neuen Währungszone begrenzen soll. Und dann überschreitet dieses Jahr gleich der gesamte Euroraum die vorgeschriebene Defizitgrenze von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Spötter genießen die Situation Wie das bei Durchschnitten eben so läuft: Die kleinen Länder sparen, aber die Schwergewichte Deutschland und Frankreich ziehen die Währungsgemeinschaft hinab. Ein stärkeres Symbol für den Niedergang einer Idee lässt sich kaum denken. Spötter wie der Nobelpreisträger Milton Friedman, die den Pakt schon immer dumm fanden, werden die Situation genießen. Die Europäer haben weniger Zeit zu lachen. Durch die Explosion der Defizite stellt sich ihnen folgenreich wie nie die Frage, ob sie die Fiskalpolitik im Euro-Raum überhaupt regulieren wollen. Heißt die Antwort "nein", können sie den Stabilitätspakt auf den Müllhaufen werfen. Dann könnte jedes Land staatliche Impulse nach Wunsch setzen. Es gäbe kein Risiko mehr, durch Sparregeln bei der Wachstumsbelebung gehemmt zu werden. Das Regelwerk lässt durchaus Leine Die entscheidende Frage ist, wie groß dieses Risiko wirklich ist. Verhindert der Pakt antizyklische Politik? Eines lässt sich klar beobachten: Die Brüsseler Hüter des Pakts erlauben Deutschland und Frankreich, der Krise gegenzusteuern, obwohl beide Staaten ihre Defizite nicht mal im Boom reduzierten. Das Regelwerk lässt also Leine. Aber diese Flexibilität ist nicht endlos. Anders geht es auch kaum, denn der Pakt soll Gefahren für den Euro abwehren. Wer früher in Europa unsolide Haushaltspolitik betrieb, wurde durch höhere Zinsen für sein nationales Geld bestraft. In der Währungsunion verteilt sich dieser Nachteil auf alle Staaten, während die kurzfristigen politischen Vorteile des Geldausgebens allein beim Schuldner bleiben. Diesen Anreiz zur Defizitbildung verstopft der Pakt. Das entscheidende Datum ist 2004 Er kann diese Aufgabe nur erfüllen, wenn sich die Euro-Staaten an die Regeln halten. Wer den Pakt retten will, muss deshalb zu Konsequenzen für die Staaten bereit sein, die wieder über die Drei-Prozent-Grenze rutschen. Das entscheidende Datum ist 2004, weil da die Frist für die Rückkehr zur Solidität abläuft. Beim Urteil über die Sorgenländer ist Differenzierung angesagt: Müht sich die Bundesrepublik, aber ohne Erfolg, mag sie vergleichsweise milde davonkommen. Wer, wie die Regierung in Paris EU-Regeln offen ignoriert, fordert härtere Sanktionen selbst heraus.
Die Spötter freuen sich: 2003 verletzt gleich der gesamte Euroraum die Schuldengrenze des EU-Stabilitätspaktes. Was passieren muss, damit der wichtige Kontrollmechanismus wieder funktioniert.
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Europäische Schuldenberge - Wie der Pakt zu retten ist
00/05/2010
Wirtschaftsforscher erwarten im laufenden Jahr einen spürbar stärkeren Aufschwung. Allerdings könnte die Mehrwertsteuererhöhung manches wieder zunichte machen. Darum gibt es jetzt einen neuen Vorschlag. Das Wirtschaftswachstum soll bei 1,8 Prozent liegen. Das wäre die höchste Zuwachsrate seit sechs Jahren. Die Exporte werden laut ihrem am Donnerstag veröffentlichten Frühjahrsgutachten abermals kräftig ausgeweitet, weil die Weltwirtschaft weiter zügig expandiert. 2007 wird die deutsche Konjunktur demnach aber spürbar an Fahrt verlieren; das Wachstum fällt dann auf nur 1,2 Prozent. Wie die Institute weiter vorhersagten, sinkt die Zahl der Arbeitslosen im Durchschnitt 2006 leicht um knapp 300.000 auf 4,58 Millionen. Im Jahr darauf erwarten die Forscher einen weiteren leichten Rückgang auf dann rund 4,44 Millionen. Das Kernproblem ist die Wachstumsschwäche Trotz der gegenwärtig hohen Ölpreise dürfte sich nach Einschätzung der Experten der Anstieg der Verbraucherpreise auf das Jahr gesehen leicht von 2,0 Prozent im Jahr 2005 auf 1,6 Prozent abschwächen. Dabei wird aber unter anderem unterstellt, dass der Ölpreis 2006 im Jahresdurchschnitt 65 US-Dollar beträgt und 2007 60 US-Dollar. Aktuell liegt der Preis pro Barrel Öl (159 Liter) über 70 US-Dollar. Weiter wird angenommen, dass die Europäische Zentralbank den Leitzins im Jahresverlauf um 0,5 Prozentpunkte anhebt. Im kommenden Jahr wird die Inlandsnachfrage laut der Prognose vor allem durch den Schwenk zu einer deutlich restriktiven Finanzpolitik gedämpft. "Die Mehrwertsteuer und andere Steuern sollen spürbar angehoben werden, und dieser negative Impuls wird durch die Senkung der Beiträge zur Sozialversicherung nicht ausgeglichen", schrieben die Forscher. Betrachte man das gesamte Maßnahmenpaket, werde das reale BIP mit 1,2 Prozent um etwa einen halben Prozentpunkt geringer steigen, als es sonst der Fall wäre. Unter anderem wegen der höheren Mehrwertsteuer werde sich die Inflationsrate deutlich auf 2,5 Prozent erhöhen. Für ihre Prognose nahmen die Forscher an, dass die Tarifverdienste je Stunde in diesem Jahr um 1,3 und im kommenden Jahr um 1,5 Prozent steigen. Als Risiken für die vorhergesagte Entwicklung sehen die Institute neben möglichen plötzlichen Preisschüben beim Öl auch psychologische Effekte im Inland. Sollten Unternehmer und Konsumenten weitere Abgabenerhöhungen befürchten, könne der Optimismus verfliegen und die Konjunktur abdämpfen. Generell attestierten die Institute: "Das Kernproblem der Wachstumsschwäche bleibt. Mehrwertsteuer stufenweise anheben Die Lage auf dem Arbeitsmarkt wird sich zwar konjunkturell bessern, ein nennenswerter Rückgang der strukturell hohen Arbeitslosigkeit ist aber nicht zu erwarten." Die Institute lobten, dass die schwarz-rote Bundesregierung der Konsolidierung des Bundeshaushalts hohe Priorität einräumt. Sie monierten aber, dass dies hauptsächlich über höhere Steuern und nicht über Ausgabenkürzungen erreicht werden soll. Wenn die Regierung die Mehrwertsteuer unbedingt von 16 auf 19 Prozent erhöhen wolle, dann aus ihrer Sicht in zwei Stufen: Im kommenden Jahr um zwei Prozentpunkte und im 2008 um einen weiteren. Dieser solle dazu verwendet werden, bei der für 2008 geplanten Unternehmensteuerreform eine Nettoentlastung mit zu finanzieren, hieß es. Laut der Prognose wird das BIP in der Welt 2006 um 3,4 Prozent und 2007 um 3,1 Prozent zunehmen. Im Euroraum dürften die Zuwächse demnach im laufenden Jahr 2,1 und 2007 1,8 Prozent betragen.
Wirtschaftsforscher erwarten im laufenden Jahr einen spürbar stärkeren Aufschwung. Allerdings könnte die Mehrwertsteuererhöhung manches wieder zunichte machen. Darum gibt es jetzt einen neuen Vorschlag.
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Frühjahrsgutachten - Ein Hauch von New Economy
00/05/2010
Diese Woche eröffnet das deutschlandweit erste Geschäft, in dem Mode made in prison verkauft wird. Sogar Staatsanwälte lassen sich Kleidung von deutschen Häftlingen schneidern. Selbst in Japan und Australien haben Liebhaber Hemden oder Bettwäsche der Marke "Haeftling" geordert. Selbst Richter und Rechtsanwälte sollen schon in den Kreationen aus dem Knast gesehen worden sein. Hinter der Erfolgsgeschichte steckt Stephan Bohle, Geschäftsführer der Berliner Haeftling Jailwear Vermarktungs KG, der auf die Idee kam, von Gefangenen hergestellte Waren über das Internet zu verkaufen. Nervenkitzel und soziales Engagement Nun öffnet am 6. Mai in Kreuzberg der erste deutsche "Haeftling"-Laden in der Schlesischen Straße 31. "Für manche ist es vielleicht ein Kitzel, ein Hemd zu tragen, das ein Knacki hergestellt hat. Für viele steckt aber auch soziales Engagement dahinter. Auch mir ist das ganz wichtig", sagt der studierte Mediendesigner. Doch verherrlichen wolle er nichts: Wer im Gefängnis sitzt, sei da nicht ohne Grund. "Aber ich hab gesehen, wie motiviert viele Häftlinge sind, die für uns arbeiten. Die wollen zeigen, dass sie gut sind. Wir geben ihnen diese Chance." Und in der Welt der Freiheit werde das Gefängnis auch mal positiv wahrgenommen. 800 Kleidungsstücke pro Jahr Im Vorjahr startete die Zusammenarbeit mit dem Berliner Gefängnis Tegel, der bundesweit größten Justizanstalt. Dort wird seit mehr als hundert Jahren vorwiegend für den eigenen Bedarf geschneidert. Nach "draußen" wurde wie anderswo bis dato wenig verkauft. "Die Bestellungen haben uns umgehauen, die Internetseite musste nach kurzer Zeit geschlossen werden", schildert Bohle den etwas blauäugigen Beginn. Klassische Streifen Folge war, dass der Chef einer Werbeagentur die Vermarktungs-KG gründete, die mittlerweile vier Mitarbeiter hat. Produkte aus zwölf Gefängnissen in Deutschland und der Schweiz hat die Firma derzeit unter Vertrag, monatlich werden rund 800 Stücke verkauft. "Es soll authentisch bleiben. Wir greifen auf die traditionellen Modelle und Schnitte der Anstalten zurück", unterstreicht Bohle. Mit den zusätzlichen Bestellungen entstanden neue der so raren Gefängnis-Arbeitsplätze. Das klassische, gestreife Arbeitshemd sei eine Berliner Spezialität. Bohle ist nicht, wie er zunächst erwartet hatte, an Bürokratie oder "deutscher Regulierungswut" gescheitert. "Von dem Verkaufserlös fließt ein Teil an die jeweiligen Länder oder direkt in die Anstalten zurück", erklärt der Firmenchef die Verträge. Bohle will weitere Gefängnisse für eine Zusammenarbeit gewinnen. Noch mehr Gefängnisse als Schneiderwerkstatt Doch nicht nur Hemden und Bettwäsche aus den Knast-Werkstätten haben ihr Schattendasein hinter sich gelassen. Das bayerische Gefängnis Kaisheim webt selbst Stoffe und stellt Unterwäsche her, auch Honig wird von bayerischen Strafgefangenen abgefüllt. In der Anstalt Naumburg in Sachsen-Anhalt stehen Jeans auf der Bestellliste, die dort auch als Anstaltskleidung getragen werden. Daneben nähen die Naumburger grün-weiß-karierte Bettwäsche und Handtücher für Käufer in aller Welt. Marmelade und Wein Schürzen und Geschirrtücher gehen in Brandenburg/Havel über die Nähtische. Aus Mannheim in Baden-Württemberg kommen Hand gefertige Schuhe und Leberwurst. Und Bohle freut sich über Wein aus dem Gefängnis Heilbronn. Dornfelder und Riesling reiften auf den Anstalts-Weinbergen heran, sagt er. Aus Lenzburg in der Schweiz werden Marmelade und Gürtel vertrieben. "Die Qualität ist überall super, die Leute haben Erfahrung", lobt Bohle. Er muss es wissen: Auch zu seiner privaten Ausstattung gehören Schuhe und Hemden der Marke "Haeftling".
Diese Woche eröffnet das deutschlandweit erste Geschäft, in dem Mode made in prison verkauft wird. Sogar Staatsanwälte lassen sich Kleidung von deutschen Häftlingen schneidern.
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Knacki-Mode statt Gucci - Richter in Häftlingskleidung
00/05/2010
Die italienische Muttergesellschaft drückt dem deutschen Großbäcker Kamps zunehmend ihren Stempel auf: Von Januar 2004 sollen einige Backshops in Bistro umfunktioniert werden, in denen neben Brot und Getränken auch italienische Kost angeboten wird. (SZ vom 26.11.03) - Die italienische Barilla-Gruppe geht die Sanierung der im Frühjahr 2002 übernommenen Backwaren-Gruppe Kamps mit langem Atem an. Zwar haben die ersten Sofortmaßnahmen des seit Januar agierenden neuen Managements unter Vorstandschef Michael Kern bereits nach kurzer Zeit Früchte getragen. Detailansicht öffnen Pizzaproduktion. (Foto: Foto: dpa) Um das nach einem strammem Wachstumskurs in finanzielle Bedrängnis geratene Unternehmen aber auch dauerhaft wieder auf Kurs zu bringen, ist ein strenger, rund 270 Millionen teurer Sanierungskurs offensichtlich unvermeidlich. "Wir wollen aus dem größten Unternehmen der Branche das stärkste Unternehmen der Branche machen", kündigte Kern an. Die bisher getätigten Sanierungsschritte haben im laufenden Geschäftsjahr zu Verbesserungen geführt. Bei einer leichten Steigerung der Umsätze in den ersten neun Monaten 2003 um 1,5 Prozent auf rund 1,3 Milliarden Euro wurde der Verlust mehr als halbiert. Den Fehlbetrag per 30. September gibt Kamps mit 28,7 Millionen Euro an gegenüber 65,5 Millionen im Vorjahr. Knapp ausgeglichenes Ergebnis avisiert Nach einem Verlust von 127 Millionen Euro im vergangenen Jahr und einem - bedingt durch hohe Restrukturierungskosten - ebenfalls roten Abschluss 2003 avisiert Finanzvorstand Matthias Zachert für 2004 ein "knapp ausgeglichenes Ergebnis". Im Jahr darauf soll die Backwaren-Gruppe erstmals nach langer Zeit wieder mit einem Gewinn abschließen, ehe 2006 die Zielrendite (Ebitda) von elf Prozent erreicht werden soll. Auf dem Weg dorthin hat das neue Management viele Projekte angestoßen. Mehrere Randaktivitäten wurden verkauft, und das zuvor wenig übersichtliche Geflecht von Firmenbeteiligungen ist durch Liquidationen oder Verschmelzungen mehrerer Gesellschaften deutlich vereinfacht worden. Die Finanzverbindlichkeiten von einst 800 Millionen Euro wurden durch Verkauf der Beteiligung an der französischen Backgruppe Harry's um 250 Millionen Euro abgebaut. Die Einbindung in den Barilla-Konzern ermöglicht nach Auskunft von Zachert zudem eine deutlich günstigere Finanzierung als zuvor. Neue Konkurrenz Ohne tief greifende Einschnitte, so meint Kern, könne die Sanierung der Kamps-Gruppe jedoch nicht gelingen. Handlungsbedarf sieht er vor allem im Shop-Geschäft (Kamps Bakeries). Die neue Konkurrenz von Back-Discountern und Back-Stationen im Lebensmitteleinzelhandel hat Kamps an vielen Standorten in Bedrängnis gebracht. Etwa ein Drittel der 1050 Filialen, die in manchen Großstädten in enger Nachbarschaft angesiedelt sind, läuft nach Beobachtung von Kern nicht zufrieden stellend. Schuld daran seien auch unterlassene Investitionen. "In vielen Filialen ist seit sieben oder acht Jahren nicht mehr investiert worden", sagte er. In den nächsten drei Jahren sollen etwa 150 Läden geschlossen und 200 Standorte modernisiert werden. Geplant sind zudem rund 150 Neueröffnungen. In einigen deutschen Großstädten testet Kamps von Januar 2004 an ein neues Ladenkonzept: Aus dem herkömmlichen Backshop wird ein Bistro, in dem neben Brot und Getränken auch Nudeln angeboten werden. Zukunftsfähig Zudem soll kräftig in Back-Stationen investiert werden. Deren Konzept, in Lebens- oder Verbrauchermärkten eine begrenzte Anzahl von Backwaren ständig frisch bereit zu halten, gilt als zukunftsfähig. Durch Zusammenlegung und Schließung von Produktionsstätten will die Gruppe auch im Geschäft mit abgepacktem Brot deutlich rentabler arbeiten. Mit verstärkten Werbeanstrengungen sollen vor allem die Markenartikel, die etwa die Hälfte zum Umsatz beitragen, gestärkt werden. Für das Kuchengeschäft (Dan Cake, 90 Millionen Euro Umsatz) sieht das Management keine Zukunft im Konzern. "Das passt nicht zu unserem Frischekonzept", so Kern. Er favorisiert den Verkauf der gesamten Gruppe , kann sich aber auch eine Trennung von Teilen oder ein Joint Venture vorstellen. Eine Entscheidung soll in den nächsten drei Monaten fallen.
Die italienische Muttergesellschaft drückt dem deutschen Großbäcker Kamps zunehmend ihren Stempel auf: Von Januar 2004 sollen einige Backshops in Bistro umfunktioniert werden, in denen neben Brot und Getränken auch italienische Kost angeboten wird.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/grossbaecker-kamps-verkauft-bald-auch-pizza-1.900963
Großbäcker - Kamps verkauft bald auch Pizza
00/05/2010
Weil die Häfen in Hamburg und Bremerhaven an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen, machen sich Unternehmer und Politiker im Norden über Ländergrenzen hinweg für einen neuen Tiefseehafen in Wilhelmshaven stark. Denn das Wachstum des Containerverkehrs soll nicht allein nach Rotterdam abwandern. Wenn Detthold Aden hohen Besuch bekommt, dann spendiert er dem zum Schluss gern einen Helikopter-Rundflug. Von oben kann der Chef der Bremer BLG Logistics Group nämlich am besten zeigen, wie der Bremerhavener Containerhafen boomt. Detailansicht öffnen Braucht tiefe Gewässer: Ein Containerschiff überholt einen Schlepper. (Foto: Foto: dpa) Wenn der Gast dann genug gestaunt hat, dreht der Pilot in Richtung Westen ab, und nach ein paar Minuten ist das Nachbarstädtchen Wilhelmshaven zu sehen. "Da unten", sagt Aden dann, "bauen wir jetzt noch so einen Hafen hin." "Da unten" ist im Moment nur ganz viel Wasser zu sehen, und ein paar Löschbrücken für Tanker ragen ins Meer. Aber in Kürze entsteht dort eine Riesen-Baustelle, 2010 soll der Jade-Weser-Port, Deutschlands dritter großer Containerhafen, eingeweiht werden. Handfeste wirtschaftliche Gründe Dass sich ausgerechnet Aden - der Chef eines Bremer Staatsunternehmens - für ein niedersächsisches Projekt stark macht, hat handfeste wirtschaftliche Gründe. "Wir brauchen Wilhelmshaven, um auch nach 2010 noch weiter wachsen zu können", sagt der Manager. Der internationale Containerverkehr wächst pro Jahr um durchschnittlich sieben bis acht Prozent und damit so schnell, dass die Kaianlagen in Bremerhaven und Hamburg bald schlapp machen. In Bremerhaven stößt der nächste Hafenausbau schon an den Nationalpark Wattenmeer. Damit ist dann Schluss mit der Expansion. Hamburg kann gerade noch zwei Flächen zu Terminals umbauen, dann geht auch da nichts mehr. Wunder im Norden Und jetzt geschehen plötzlich Wunder im Norden: Man ignoriert die Landesgrenzen und "redet nicht mehr nur über gemeinsame Radwege", wie es ein Zyniker formuliert. Denn eines wollen sie alle an der Küste: Verhindern, dass das künftige Wachstum des Containerverkehrs an Deutschland vorbei und zum großen Wettbewerber Rotterdam geht. Ein großer Hafen braucht aber auch ein leistungsstarkes Straßen- und Schienennetz im Rücken. Und deshalb macht Aden dieses Rundflüge: "Häfen sind für die ganze Wirtschaft wichtig", sagte zum Beispiel Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD), als er wieder am Boden war. In ein paar Tagen steigt Aden mit Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) in den Hubschrauber. "Eine zweite Gründung der Stadt" Im Wilhelmshavener Rathaus wird der endgültige Planfeststellungsbeschluss für den Spätherbst "erhofft, ersehnt, erwartet". Dieser Hafen, schwärmt Oberbürgermeister Eberhard Menzel, "ist wie eine zweite Gründung der Stadt".
Weil die Häfen in Hamburg und Bremerhaven an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen, machen sich Unternehmer und Politiker im Norden über Ländergrenzen hinweg für einen neuen Tiefseehafen in Wilhelmshaven stark. Denn das Wachstum des Containerverkehrs soll nicht allein nach Rotterdam abwandern.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/wilhelmshaven-buddeln-fuer-die-dicken-poette-1.904493
Wilhelmshaven - Buddeln für die dicken Pötte
00/05/2010
Bill Gates will sich bei Microsoft aus dem Tagesgeschäft zurückziehen. Wie das genau aussehen soll, bleibt aber unklar. Denn offiziell bleibt der 50-Jährige Chairman des Software-Riesen. Gates begründete den Schritt mit dem Vorhaben, sich mehr um seine Stiftung kümmern zu wollen. Gleichzeitig betonte er, dass er weiterhin Vorsitzender des Konzerns bleiben werde, den er mit seinem Kindheitsfreund Paul Allen 1975 gründete. Allen und Vorstandschef Steve Ballmer bleiben weiterhin in der aktiven Führungsspitze. Detailansicht öffnen Kann sich in Zukunft ganz seinen Steckenpferden hingeben: Bill Gates (Foto: Foto: AP) Damit leitete Gates das Ende einer Ära in dem Konzern ein, dessen Aufstieg ihn zum reichsten Mann der Welt machte. Er betonte zwar, dass er Microsoft nicht verlasse und weiterhin der größte Aktionär des Unternehmens bleibe. Ballmer sagte zur Nachfolgeregelung: "Wenn wir denken sollten, irgendjemand könnte Bill Gates sein, wäre das wohl eine falsche Hypothese." Neuer oberster Software-Architekt Einer der drei Technischen Leiter von Microsoft, Ray Ozzie, wird sofort Gates' Rolle als Oberster Software-Architekt übernehmen und zusammen mit Gates das gesamte Programm-Design überwachen. Ein weiterer Technischer Leiter, Craig Mundie, arbeitet ab sofort als Leiter der Forschungs- und Strategie-Abteilung mit Gates in diesen Bereichen zusammen. Mit dem Chefjuristen Brad Smith leitet Mundie zudem die Microsoft-Aktivitäten bezüglich Urheberrecht und Technologie-Politik. Schwierige Phase Angesichts des verschobenen Einführungstermins für die neue Windows-Version Vista und Herausforderungen von Internet-Giganten wie Google und Yahoo kommt Gates' angekündigter Rückzug in einer schwierigen Phase für Microsoft. Gates sagte aber, die Software-Schmiede habe sich schon immer neuen Konkurrenten und Herausforderungen stellen müssen und die jüngsten Probleme hätten nichts mit seiner Entscheidung zu tun. "Es hat nie eine Phase in unserer Geschichte gegeben, in der es nicht Fragen zu Microsoft gegeben hat", sagte er. Der Rückzug sei aber schon eine schwere Entscheidung gewesen. Großes Potenzial Gates erklärte, er habe bei der Gründung seiner Stiftung vor sechs Jahren nicht das Potenzial erkannt, das er mit der Bill & Melinda Gates Foundation bei der Lösung einiger der größten Probleme der Menschheit habe. "So wie sich Microsoft in einer Art entwickelt hat, die ich nie erwartet hatte, ist es auch mit der Stiftung geschehen", erklärte er. Sein Reichtum - geschätzt auf 50 Milliarden Dollar - bringe auch eine große Verantwortung mit sich. Er wiederholte seinen Wunsch, den größten Teil davon seiner Stiftung zur Verfügung zu stellen. Bereits jetzt ist sie die größte karitative Stiftung der Welt mit einem Vermögen von 29,1 Milliarden Dollar (23 Milliarden Euro).
Bill Gates will sich bei Microsoft aus dem Tagesgeschäft zurückziehen. Wie das genau aussehen soll, bleibt aber unklar. Denn offiziell bleibt der 50-Jährige Chairman des Software-Riesen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/microsoft-wie-gates-weiter-1.900607
Microsoft - Wie Gates weiter?
00/05/2010
Angst vor dem sozialen Abstieg treibt eine wachsende Zahl von Deutschen ins Ausland, doch am anderen Ende der Welt sind längst nicht alle willkommen. Was macht man, wenn man Ende 40 ist, einen gut gehenden Bäckereibetrieb mit zehn Angestellten führt und die Arbeit einen auffrisst? Wenn man gerade das elterliche Haus geerbt hat und über ein paar Ersparnisse verfügt? Wenn zwei von drei Kindern schon ihren eigenen Weg gehen, wenn sich die Welt plötzlich nur noch um den kleinen Kirchturm dreht und plötzlich diese Angst da ist: Das soll alles gewesen sein? Detailansicht öffnen Schafherden sind das Synonym für die Ruhe Neuseelands. Eine wachsende Zahl deutscher Auswanderer zieht es dorthin - insbesondere in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit. (Foto: Foto: dpa) Dann geht man, na klar, zum Psychiater und legt sich auf die Couch, um seine Midlife Crisis zu bekämpfen. Ingo Diehl aus Hanau hat das nicht gemacht. Er hat für sich und seine Frau ein Ticket gekauft, hat Koffer und Container gepackt, ist in den Flieger gestiegen und nach Auckland geflogen. Schon ein paar mal war er hier in Neuseeland, um in der Ferne auszuspannen. Diesmal aber hatte er eine Annonce dabei, die er in der Zeitung gefunden hatte: "Verkaufe Bäckerei in Hamilton." Gleichmütig wie eh und je walkt Ingo Diehl den Sauerteig für das Schwarzbrot, als er seine Geschichte erzählt. Er ist jetzt 60 Jahre alt, betreibt in Auckland, Neuseelands Millionenstadt, die wohl einzige deutsche Bäckerei und sagt: "Ich habe doch alles richtig gemacht. Oder, Elena?" Seine Frau aber schüttelt den Kopf und will sich partout nicht äußern. Das sei, bescheidet sie nur kurz, nun doch eine viel zu lange Geschichte, um sie hier im Laden zu erzählen. Diehls Bäckerei ist klein, kein Vergleich mehr mit seinem mittelständischen Betrieb in Hanau. Auch die Maschinen und der Ofen sind alt, er hat sie billig in Deutschland gekauft und dann in zwei Containern nach Auckland verschifft. Keine Angestellten mehr Diehl hat auch keine Angestellten mehr, er bäckt allein, seine Frau verkauft. Nur zu Stoßzeiten am Freitagnachmittag und Samstag früh, wenn die Leute nach seinen Brezeln, Brötchen und Broten Schlange stehen, haben sie eine Hilfe im Laden. Diehls Augen leuchten, wenn er von dem neuen Leben erzählt. Von seinem großen Haus am Meer, von den langen Spaziergängen mit Hund am Strand. Immer allein, die Frau will nicht mit und der jüngste Sohn, der anfangs noch mit ihnen in Neuseeland lebte, hat längst eine Ausbildung in einem Londoner Hotel begonnen. Er selbst hat viel mehr Zeit als früher und keinen Stress mehr. Sein Laden ist sonntags und montags dicht, demnächst will er ihn auch noch dienstags zugesperrt lassen. Jaja, er wisse das, in Deutschland könne er sich das nicht leisten. Da stöhnte sein Handwerk über den ruinösen Wettbewerb. Unten am Meer, sagt er, kommen ihm mit den Wellen immer wieder die gleichen Gedanken: "Ich habe es schön, ich will nicht zurück." Bäcker Diehl ist längst kein Einzelfall mehr. "Ich liebe Schafe", sagt etwa Auswanderer Michael Herrmann. "Aber muss ich deswegen in einer Herde leben?" Auf gepackten Koffern Viele Deutsche sitzen inzwischen auf gepackten Koffern, seit sich die Wirtschaft nicht aufhellen will und die Angst vor Arbeitslosigkeit und Hartz VI um sich greift. Deutschland erlebt einen Exodus wie seit dem zweiten Weltkrieg nicht mehr. Mehr als 110.000 Deutsche verlassen jährlich offiziell und für immer das Land. Die Dunkelziffer der Auswanderer aber ist weit höher, weil sich die meisten Emigranten erst Jahre später oder gar nicht in Deutschland abmelden, um ihre Ansprüche aus der Renten- und Sozialversicherung nicht aufs Spiel zu setzen. Umfragen zufolge will mindestens jeder Fünfte unter den Abwanderern im Ausland noch einmal beruflich und privat neu anfangen. Nicht mal jeder Zehnte dagegen sehnt sich nach Müßiggang im Häuschen unter der Palme in der ewigen Sonne. So machen sich vor allem Junge und Junggebliebene auf den weiten Weg, um ihre zweite Chance zu suchen. Dafür aber sei Neuseeland nahezu optimal, sagt Peter Hahn, 42. In der Hauptstadt Wellington hat er sich als Immigrationsberater selbständig gemacht. Nirgendwo in der westlichen Welt, so Hahn, gebe es so viele small businesses wie auf den beiden neuseeländischen Inseln.
Angst vor dem sozialen Abstieg treibt eine wachsende Zahl von Deutschen ins Ausland, doch am anderen Ende der Welt sind längst nicht alle willkommen.
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Auswanderer in Neuseeland - Glücklich auf der Insel
00/05/2010
Die Kritik an den geplanten schärferen Kontrollen für Steuersünder reißt nicht ab: Unter dem Deckmantel der Betrugsbekämpfung werde das Steuergeheimnis "in bisher noch nie da gewesener Weise ausgehebelt", kritisiert der Bund der Steuerzahler. Die Einschnitte seien "außerordentlich skandalös", sagte Karl Heinz Däke, Präsident des Bundes der Steuerzahler (BdSt), am Dienstag in Berlin. Das Bundesfinanzministerium wies die Vorwürfe zurück und warnte vor Panikmache. Von 1. April an können Finanzämter und andere Behörden wie Sozialämter, Bafög-Stellen und Arbeitsagenturen elektronisch innerhalb kürzester Zeit sämtliche Konten und Depots eines Bürgers in Deutschland ermitteln. Den Kontostand erfahren die Ämter dabei zunächst nicht; ergibt sich aber ein Verdacht, dürfen sie ihre Abfrage erweitern. Bislang durften solche Abfragen nur bei Anhaltspunkten für eine Straftat erfolgen. Künftig genügt es, wenn die Behörde der Ansicht ist, dass eigene Ermittlungen nicht zum Erfolg führen würden. "Einladung zum Datenmissbrauch" Unter dem Deckmantel der Betrugsbekämpfung werde das Steuergeheimnis "in bisher noch nie da gewesener Weise ausgehebelt", kritisierte der BdST-Verbandspräsident Däke die schärferen Kontrollmöglichkeiten. Mit dem "Gesetz zur Förderung der Steuerehrlichkeit" habe Rot-Grün Maßnahmen verabschiedet, die zum Datenmissbrauch und zur Verletzung des Steuergeheimnisses geradezu einlüden. Däke hält es für möglich, dass Beamte "auch aus Neugier Daten abfragen". Das Steuergeheimnis aber sei das wichtigste Schutzrecht der Steuerzahler. Die geplanten Einschnitte führten in Kombination mit dem Einsatz modernster Informationstechniken zum "gläsernen Steuerzahler", was verhindert werden müsse. Gleichzeitig betonte der Verbandspräsident, er wolle nicht missverstanden werden. Der Staat müsse Steuerzahlungen überprüfen und Betrug bekämpfen. "Für die Steuerkontrolle muss aber der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit gelten." Es könne nicht angehen, dass alle Steuerzahler "wie Kriminelle hingestellt werden". "Im Interesse der Ehrlichen" Die Kritik war beim Finanzministerium offenbar erwartet worden. Noch vor Beginn der Pressekonferenz des Bundes der Steuerzahler veröffentlichte das Ministerium deshalb eine Stellungnahme, in der es die Vorwürfe zurückwies. Das neue Gesetz schaffe weder den "gläsernen Steuerbürger" noch werde das Bankgeheimnis ausgehöhlt, erklärte das Ministerium. Alle anderen Darstellungen dienten "überzogener Panikmache und der Verunsicherung der Steuerzahler".
Die Kritik an den geplanten schärferen Kontrollen für Steuersünder reißt nicht ab: Unter dem Deckmantel der Betrugsbekämpfung werde das Steuergeheimnis "in bisher noch nie da gewesener Weise ausgehebelt", kritisiert der Bund der Steuerzahler.
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Steuergeheimnis - Angst vor neugierigen Beamten
00/05/2010
Angesichts unerwarteter Milliardenüberschüsse findet inzwischen sogar die Agentur für Arbeit, dass die Arbeitslosenversicherung zu teuer ist. Doch Arbeitsminister Müntefering will mit den Beiträgen nicht tiefer gehen als schon versprochen. Die anziehende Konjunktur beschert der Bundesagentur für Arbeit dieses Jahr voraussichtlich einen Rekordüberschuss in Milliardenhöhe. Die Nürnberger Behörde rechnet nun mit 8,8 Milliarden bis 9,6 Milliarden Euro, wie Finanzvorstand Raimund Becker am Donnerstag mitteilte. Detailansicht öffnen Die Agentur für Arbeit freut sich über einen unerwarteten Geldsegen. (Foto: Foto: AP) Bislang war offiziell ein Überschuss von 4,5 Milliarden Euro prognostiziert worden. Inoffiziell lag die Erwartung für den Überschuss bei sechs Milliarden Euro. Angesichts der nun erwarteten Summe wurden erneut Forderungen nach einer weitergehenden Beitragssenkung in der Arbeitslosenversicherung laut. Bislang ist geplant, den Beitrag der Arbeitslosenversicherung mit Beginn des neuen Jahres von 6,5 auf 4,5 Prozent zu senken. "Weiterer Spielraum für Senkung" Selbst Becker hielt eine weitere Senkung für nicht völlig absurd: Das Geld schaffe weiteren Gestaltungsspielraum zur Senkung der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung, sagte er. "Wie dieser Spielraum genutzt wird, ist eine Entscheidung der Interessenvertreter der Beitragszahler und des Gesetzgebers." Zuletzt hatte die Bundesagentur 1985 einen Überschuss erwirtschaftet, der sich auf 1,2 Milliarden Euro belief. Grund für den nun erwarteten Überschuss seien die konjunkturelle Erholung, die Reformbemühungen der Bundesagentur und die Einmalzahlung eines 13. Arbeitgeberbeitrags, berichtete die Behörde. Insgesamt dürften nach Berechnungen der Bundesagentur die Einnahmen in diesem Jahr mit 54,7 Milliarden Euro um 2,6 Milliarden Euro höher als erwartet ausfallen, während die Ausgaben um etwa fünf Milliarden Euro geringer sein sollten. "Konjunkturelle Effekte" Allein bei den Ausgaben für das Arbeitslosengeld I rechnet die Bundesagentur mit Einsparungen zwischen 3,2 bis 3,5 Milliarden Euro. "Hier spiegelt sich ganz klar der konjunkturelle Effekt wider, weil weniger Menschen arbeitslos geworden sind oder schneller aus der Arbeitslosigkeit wieder eine Beschäftigung aufgenommen haben", erklärte Becker. Auch der so genannte Aussteuerungsbetrag, den die Bundesagentur für jeden Übertritt vom Arbeitslosengeld I in das steuerfinanzierte Arbeitslosengeld II an den Bund entrichten muss, dürfte um etwa 1,7 Milliarden Euro geringer ausfallen.
Angesichts unerwarteter Milliardenüberschüsse findet inzwischen sogar die Agentur für Arbeit, dass die Arbeitslosenversicherung zu teuer ist. Doch Arbeitsminister Müntefering will mit den Beiträgen nicht tiefer gehen als schon versprochen.
wirtschaft
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Agentur für Arbeit schwimmt im Geld - Müntefering gegen starke Beitragssenkung
00/05/2010
Warum die Gewerkschaften trotz allem eine sehr nützliche Institution waren und es auch wieder werden könnten. (SZ vom 19.07.02) - Heute wollen wir die Gewerkschaften einmal loben. Deshalb wird im Folgenden nicht von Jürgen Peters die Rede sein, auch nicht von Klaus Zwickel, Berthold Huber, Frank Bsirske und all den anderen. Sondern von Hans. Über Hans ist noch nie eine Zeile in der Zeitung gestanden, aber an seiner Biografie lässt sich umso besser zeigen, warum die Gewerkschaften eigentlich eine nützliche Einrichtung sein könnten und warum sie es heute nicht sind. Detailansicht öffnen Das IG-Metall-Logo steht auf dem Kopf - wenn es sich im Wasserglas spiegelt. (Foto: dpa) Froh, überlebt zu haben Hans, Jahrgang 1920, gehörte zu jenen Deutschen, denen Hitler die besten Jahre seines Lebens gestohlen hatte: Arbeitsdienst, Wehrdienst, Krieg, vier Jahre sowjetische Gefangenschaft. Hans konnte froh sein, dass er den Horror in Stalingrad und Kurland wenigstens überlebt hatte. Und so stand er an einem Junitag des Jahres 1949 müde auf dem zerbombten Hauptbahnhof von Stuttgart und wunderte sich. Er wunderte sich, dass seine Frau nach all den Jahren noch da war. Noch mehr wunderte er sich aber, was es zwischen den Trümmern schon wieder alles zu kaufen gab und wie gut gekleidet manche Leute herumliefen. Ein Gefühl sagte ihm, dass er Gefahr lief, auch noch um den Rest seines Lebens betrogen zu werden. Deshalb trat Hans am nächsten Tag in die Gewerkschaft Leder ein. Sie war zuständig für Polsterer, wie Hans einer war, außerdem war sie "eine kleine, aber feine Gewerkschaft". So formulierte Hans es später einmal rückblickend. Heute gibt es die Gewerkschaft Leder schon lange nicht mehr; während des Fusionsfiebers der neunziger Jahre ist sie in der IG Bergbau und Chemie aufgegangen. "Kameradschaft" Hätte man Hans damals gefragt, warum er ausgerechnet bei einer Gewerkschaft Schutz vor neuem Betrug suchte, hätte er vermutlich geantwortet: "Kameradschaft". In Krieg und Gefangenschaft hatte er gelernt, dass man zusammenhalten musste, wenn man Schütze Arsch war. Eine Lehre, in die Hans auch die sowjetischen Soldaten mit einbezog, die ihn im Arbeitslager bei Gorki bewacht hatten. "Die wurden genauso schlecht behandelt wie wir," sagte er. Später nannte man so eine Einstellung "Solidarität", wenn nicht gar "Klassenbewusstsein". Und Stolz spielte auch eine Rolle. Was das Dritte Reich betraf, so hatte Hans sich nichts vorzuwerfen - ganz im Gegensatz zu all den bürgerlichen Schnöseln, die sich nach 1949 wieder in den Chefetagen breit machten. Er war seinerzeit Mitglied in der katholischen Jungen Gemeinde im Freiburger Arbeiterstadtteil Haslach gewesen und hatte es mit jungenhafter Sturheit geschafft, nie eine HJ-Versammlung zu besuchen. Hans bewunderte deshalb Leute wie Willi Bleicher, der von 1938 bis 1945 im KZ Buchenwald saß und danach in Stuttgart die Gewerkschaftsjugend und die IG Metall aufbaute. Linke Gesinnung und schwäbischer Pragmatismus Bleicher verband eine stramm linke Gesinnung mit schwäbischem Pragmatismus und vermittelte deshalb den Arbeitern die Gewissheit, dass dieser Staat auch ihr Staat werden konnte. Damals verfochten die Gewerkschaften das Konzept der "expansiven Lohnpolitik'', das der marxistische Ökonom Viktor Agartz formuliert hatte: Kräftige Lohnforderungen sollten Rationalisierungen erzwingen und so Wohlstand schaffen. Später wollten die Gewerkschaften mittels kräftiger Lohnerhöhungen das genaue Gegenteil erreichen, nämlich zusätzliche Arbeitsplätze; das Konzept nannte man "Kaufkrafttheorie des Lohnes'', aber das ist eine andere Geschichte. Man weiß nicht genau, ob der Wohlstand in den fünfziger Jahren wegen oder trotz der Lohnpolitik stieg. Hans jedenfalls war ein exzellenter Polsterer und er verdiente gutes Geld, als die Bundesbürger begannen, ihre Wohnungen gemütlich einzurichten. Kesse Blicke Er kaufte sich schicke Anzüge und die Frauen auf der Königstraße warfen ihm kesse Blicke zu. Samstags ging er mit seiner Tochter ins Neckarstadion zum VfB Stuttgart und am Sonntag mit der ganzen Familie ins Waldheim im Krumbachtal. Das Waldheim wurde von den Naturfreunden betrieben, die auch irgendwie Teil der Arbeiterbewegung waren. Bei alledem ging es um Würde: Nie wieder würde Hans zurückstecken müssen, nur weil er ein Arbeiter war. Mit dem Chef konnte er von gleich zu gleich verkehren; das war alles andere als selbstverständlich und es hatte wieder etwas mit den Gewerkschaften zu tun. Organisationen haben ein langes Gedächtnis und in diesem kollektiven Gedächtnis waren nicht nur die zwölf Jahre der Naziherrschaft eingegraben, sondern die Erinnerung an hundert Jahre Demütigung und Standesdünkel. Geharnischter Protest Als im Jahr 1884 Arbeiterausschüsse in den Fabriken gegründet werden sollten, legte der Zentralverband der Industriellen, Vorläuferorganisation des BDI im Deutschen Reich, einen geharnischten Protest ein. Derartige Ausschüsse bedeuteten "einen bedenklichen Schritt der Loslösung der Arbeiter von ihren durch Gewohnheit, Sitte und Recht geschaffenen Beziehungen zu ihrem Arbeitgeber. Der Arbeiter wird immer ein ungebildeter, wenig Verständnis zeigender Mensch bleiben, und nach seiner ganzen Erziehung kann er auch gar nichts anderes sein." Die Erinnerung an solche Sätze mag das anachronistische Pathos der gewerkschaftlichen Rituale von Warnstreik, Urabstimmung erklären, wenn auch nicht entschuldigen. In der bundesrepublikanischen Wirklichkeit gab es derartigen Standesdünkel sicher nicht mehr. Dafür beobachtete Hans plötzlich eine neue Art von Dünkel. Gute Familien und schlechte Manieren Es war Anfang der siebziger Jahre, da entdeckten plötzlich junge Leute die Gewerkschaften und gingen in die SPD: Studenten aus guten Familien und mit schlechten Manieren. Sie wollten den Arbeitern das Klassenbewusstsein und den Sozialismus beibringen. Sie redeten von "Bewusstseinserweiterung" und "Arbeiteraristokratie", von "Imperialismus" und "Solidarität", aber sie hatten ganz andere Vorstellungen von Solidarität als Hans. Ein neuer, ideologischer, ein geradezu gehässiger Ton kehrte in die Versammlungen ein. Hans hatte keine Lust mehr und begann sich zurückzuziehen. Das Verhältnis von Gewerkschaft und Wirtschaft wurde immer mehr von Ideologie geprägt. 1969 hatten "wilde", nicht organisierte Streiks die IG Metall aufgeschreckt; die Gewerkschaft fürchtete, ihren Rückhalt unter den Arbeitern zu verlieren. Die Lohnpolitik wurde forscher, was auch deshalb leicht fiel, weil Bundeskanzler Willy Brandt eine Vollbeschäftigungsgarantie seitens des Staates abgegeben hatte. Das nährte die Illusion, die Höhe der Löhne habe mit der Höhe der Beschäftigung nichts zu tun, eine Illusion, die die Gewerkschaften bis heute pflegen. Entscheidender Praxistest Der entscheidende Praxistest kam 1974. Damals vervielfachte sich der Ölpreis binnen kurzem und die Gewerkschaften verfielen auf die glorreiche Idee, das Geld, das die Ölscheichs genommen hatten, von den deutschen Arbeitgebern zurückzuholen. Zum Unglück für die Arbeitnehmer wurde diese Absurdität nicht sofort als solche benannt. Jedenfalls gelang es der Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr, 1974, sich mitten in der Rezession zweistellige Lohnzuwächse zu erstreiken. Der fatale Tarifabschluss bereitete den Sturz von Willy Brandt vor und er markiert das definitive Ende der Vollbeschäftigung in der Bundesrepublik. Aus der ideologisierten Atmosphäre der frühen siebziger Jahre heraus entstand eine Bewegung, die die Löhne dauerhaft über das vertretbare Maß hinaus trieb - der Beitrag der Gewerkschaften zur Massenarbeitslosigkeit Plötzliche Massenentlassungen Auch Hans wurde zurückgeworfen. Er war Betriebsratsvorsitzender, als seine Firma, ein Möbelhersteller, plötzlich Massenentlassungen ankündigte. Hans handelte mit dem Arbeitgeber erst einen Sozialplan aus und verlor dann selbst seinen Arbeitsplatz. Die Solidarität seiner Gewerkschaft, mit der er fest gerechnet hatte, blieb aus. Wie groß die Enttäuschung war, erfuhr man nur, wenn man sich Zeit für ein paar Gläser Trollinger mit Hans nahm. Dann sagte er vielleicht, dass es heute keine anständigen Menschen mehr in der Gewerkschaft gebe und dass die Leute nicht wüssten, was Kollegialität ist. Hans ist mit gerade mal 67 Jahren gestorben, und man kann nur ahnen, was er zu dem Streik der IG Metall in Ostdeutschland, zu Jürgen Peters und dem allen gesagt hätte. Den Ökonomen Friedrich August von Hayek hat Hans nie kennen gelernt, obwohl die beiden eine Zeitlang in derselben Stadt - Freiburg - gelebt haben. Als sei er der Leibhaftige Wahrscheinlich hätte er auch gar nicht mit ihm reden mögen, denn in den Gewerkschaften behandelt man Hayek, einen Vordenker dessen, was man Neoliberalismus nennt, bis heute so, als sei er der Leibhaftige. Tatsächlich hat Hayek die Gewerkschaften, genauer: deren Macht, als große Gefahr für die Freiheit angesehen. Und entsprechend hart und rücksichtslos hat er über sie geschrieben. Umso erstaunlicher ist es, dass sich Hayek in seinem Hauptwerk, der "Verfassung der Freiheit" an einer Stelle sehr freundlich, beinahe werbend über die Gewerkschaften äußert: "Gewerkschaften ohne die Macht zu zwingen würden wahrscheinlich sogar im Lohnbildungsprozess eine nützliche und wichtige Rolle spielen." Zum Beispiel könnten sie für Gerechtigkeit in den Firmen sorgen: "In einer hierarchischen Organisation ist es wichtig, dass die Unterschiede in der Entlohnung für verschiedene Arbeiten und die Regeln des Aufstiegs von der Mehrheit als gerecht empfunden werden." Zwang auf die Gesellschaft Es mag den meisten Gewerkschaftern frivol erscheinen, ausgerechnet von Hayek Ratschläge für die Zukunft der eigenen Organisation zu bekommen. Und doch hat der Ökonom - er erhielt im kritischen Jahr 1974 den Wirtschaftsnobelpreis - den entscheidenden Punkt angesprochen: Nicht die Gewerkschaften sind das Problem, es ist ihre Macht, Zwang auf die Gesellschaft auszuüben. Es ist die Macht, unter der Fassade der Solidarität Geschäfte zu Lasten dritter zu machen. Diese Macht rührt nicht so sehr von der organisatorischen Stärke der Gewerkschaften her, sondern von den Privilegien, die ihnen der Staat eingeräumt hat. Indem er zum Beispiel Tarifverträge für allgemein verbindlich erklärt und indem er Abweichungen von diesen Tarifverträge zwar nicht unmöglich macht, so doch erschwert. Oder indem er den Gewerkschaften Zugang zu den Aufsichtsräten der Aktiengesellschaften verschafft hat. Natürlich leisten die Organisationen auch heute noch Nützliches: Sie vereinfachen und standardisieren Lohnfindungsprozesse, sie schulen Betriebsräte und gewähren Arbeitnehmern Rechtsschutz. Aber diese Vorteile fallen immer weniger ins Gewicht, seit die Gewerkschaften mit ihrer vom Staat verliehenen "Macht zu zwingen" Arbeitslosigkeit produzieren. Akte der Erpressung So werden aus Streiks Akte der Erpressung und aus Tarifabschlüssen Kartellvereinbarungen, die sich gegen den Rest der Gesellschaft wenden. Das Beste, was den Gewerkschaften daher passieren könnte, wäre der Verlust dieser unverhältnismäßigen Macht. Wenn es zum Beispiel unmöglich wird, die Streikkosten auf die Beitragszahler, also auf andere Arbeitnehmer, zu überwälzen, werden Streiks glaubwürdiger und legitimer. Wenn Tariflöhne nicht notorisch zu hoch sind, dann kann die Kompetenz der gewerkschaftlichen Tarifexperten erst wirklich Nutzen entfalten. Am Anfang der Gewerkschaftsbewegung stand der Wille, den Arbeitern Würde zu geben. Die Massenarbeitslosigkeit ist heute die größte Bedrohung für die Würde der Arbeitnehmer. Die Gewerkschaften haben das Problem verschärft, in dem sie ihren Machtanspruch maßlos überdehnt haben. Sie können sich nur erneuern, wenn sie diesen Anspruch zurücknehmen. Die Lösung des gewerkschaftlichen Problem heißt daher ganz einfach: Bescheidenheit. Vermutlich würde Hans das heute genauso sehen.
Warum die Gewerkschaften trotz allem eine sehr nützliche Institution waren und es auch wieder werden könnten.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/gewerkschaften-die-grenzen-der-solidaritaet-1.903516
Gewerkschaften - Die Grenzen der Solidarität
00/05/2010
Seit Jahren bereitet Michael Otto die Amtsübergabe vor - jetzt ist es so weit, aber vom Schreibtisch kann er sich nur schwer trennen. Mit Otto geht einer der erfolgreichsten Unternehmer Deutschlands. Und auch ein Gutmensch. Ein lässiger Rückzug sieht wohl anders aus. In gut zwei Wochen wird Michael Otto den Vorstandsvorsitz seiner Versandhandels-Gruppe offiziell an Hans-Otto Schrader übergeben und an die Spitze des Aufsichtsrats wechseln. Doch der Spielraum des Neuen ist vergleichsweise schmal und klar umrissen. Nein, ins Tagesgeschäft werde er sich nicht einmischen, versichert Otto. Detailansicht öffnen (Foto: Foto: dpa) Köhler, Hainer und Liz Hurley Aber die Strategie des Familienunternehmens bleibt auch in Zukunft seine Sache. Dass Otto direkten Zugriff hat, wird schon die räumliche Nähe sicherstellen: In der Konzernzentrale in Hamburg-Wandsbek wird der neue Oberaufseher sein altes Büro behalten, mitten unter den Ex-Vorstandskollegen. Gewiss hat Schrader Ottos Vertrauen, schließlich kennt der ihn seit 30 Jahren als Mitarbeiter im eigenen Haus und hat ihn sorgsam ausgewählt. Aber die ,,Otto Group'' ist nun mal ein Familienunternehmen, und der größte Wunsch des scheidenden Chefs ist, dass die Firmenleitung in der Familie bleibt. Zu einem reibungslosen Generationswechsel sollte es aber nicht kommen. Die Tochter beschäftigt sich lieber mit Umwelt- und sozialen Themen. Und Sohn Benjamin, 32, will erst beweisen, dass er auch auf eigenen Füßen stehen kann. Was er seit Jahren wohl auch sehr erfolgreich tut: Benjamin Otto hat in Berlin eine Firma mit 50 Mitarbeitern, die intelligente Haustechnik entwickelt. Irgendwann will er zwar den Familienkonzern übernehmen, heißt es, aber unter Zeitdruck möchte er sich nicht setzen lassen. Sicher könnte der 64 Jahre alte Michael Otto noch einige Jahre weitermachen, aber das würde wohl nicht zu seinem Verständnis von einer ordentlichen Amtsübergabe gehören. Otto ist ohnehin schon ,,überfällig'', denn die hausinterne Altersgrenze liegt bei 60 Jahren. Insofern kommt dem 50 Jahre alten Schrader auch die Rolle eines Platzhalters zu. Michael Ottos heimliche Hoffnung: Wenn Benjamin in ein paar Jahren beim Konzern einsteigt, braucht er noch ein paar weitere Jahre zum Einarbeiten und kann dann, wenn Schrader 60 wird, an die Spitze rücken. Um seinen Wechsel in den Aufsichtsrat zu feiern, hatte Otto am Donnerstagabend 350 Gäste zum Dinner in die prächtigen Börsensäle der Hamburger Handelskammer eingeladen. Zwar leben die Ottos in der Hansestadt eher unauffällig und unprätentiös, aber sie feiern gern und sind daher auch fester Bestandteil der Gesellschaftsspalten der Lokalpresse. Ottos Abschiedsabend, der kein Glamour-Abend werden sollte, wie ein Sprecher versichert, geriet dennoch zum Promi-Auflauf. Bundespräsident Horst Köhler stand nebst Gattin auf der Gästeliste, wie auch die Models Eva Padberg und Tatjana Patitz, Schauspielerin Liz Hurley, Adidas-Chef Herbert Hainer, Verlegerin Friede Springer, ihr Konzernchef Mathias Döpfner und der Verleger Hubert Burda. Durch den Abend führte Nina Ruge, es gab hausgemachte Tagliatelle mit Sommertrüffeln und pochiertes Kalbsfilet, und zwischen den Gängen hielten - unter anderen - Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust und der Altkanzler und Ur-Hamburger Helmut Schmidt Reden. Schließlich gilt Otto als einer der erfolgreichsten Unternehmer Deutschlands und hat die Firma, die sein heute 98 Jahre alter Vater Werner 1949 gegründet hatte, zur größten Versandhandelsgruppe der Welt ausgebaut. Sein Vater, sagt man, habe Deutschland erobert, der Sohn die Welt. Doch zunächst machte Michael Otto eine Banklehre, studierte Volkswirtschaft und promovierte, bevor er mit 28 Jahren ins Familienunternehmen einstieg und mit 38 Jahren die Leitung übernahm. Mittlerweile ist der Konzern nach Amazon auch zweitgrößter Online-Händler der Welt im Geschäft mit Endverbrauchern. Nebenbei Gutmensch Der Vorzeige-Unternehmer Otto hat nebenher auch noch als Gutmensch Karriere gemacht. Politisch unkorrekte Produkte hat er schon vor Jahrzehnten systematisch aus den Katalogen verbannt, und Ottos Lieferanten werden stets auch auf ihre Umweltbilanz hin abgeklopft. Mitarbeiter, die etwas werden wollen, müssen nach dem Vorbild des Chefs in ihrer Freizeit Engagement für soziale oder ökologische Themen zeigen. Seinen Stiftungen will Otto bald mehr Zeit widmen. Die eine, die seinen Namen trägt, kümmert sich um Gewässerschutz. Die andere, FSAF, fördert den Baumwollanbau von Kleinbauern in Afrika und die Schulbildung vor Ort. Mit anderen Unternehmern hat Otto außerdem die Initiative 2 Grad gegründet, die die Erderwärmung begrenzen will. Fest steht schon, was Otto an seinem ersten Tag als Aufsichtsratschef tun wird: Zusammen mit seiner Frau und Freunden startet er in einen dreiwöchigen Urlaub, der mit Wandertouren in Österreich beginnt. Das scheint er sich besonders hart verdienen zu wollen, denn auf seinem Schreibtisch liegt für die verbleibende Zeit noch ein Berg Arbeit, sagen Mitarbeiter. Otto hat seinen Rückzug in den Aufsichtsrat zwar seit fünf Jahren ganz rational vorbereitet, aber die Entscheidungskraft des Vorstandschefs will er bis zum letzten Tag behalten. Das ist dann wohl doch eine ziemlich emotionale Sache.
Seit Jahren bereitet Michael Otto die Amtsübergabe vor - jetzt ist es so weit, aber vom Schreibtisch kann er sich nur schwer trennen. Mit Otto geht einer der erfolgreichsten Unternehmer Deutschlands. Und auch ein Gutmensch.
wirtschaft
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Versandhandelschef geht - Otto ... findet das nicht gut
00/05/2010
Nicht nur die Kleinverdiener sollen sparen: Die Vorstandsmitglieder wollen zehn Prozent weniger Lohn einstreichen, um so den Firmen-Zwist um Sparpläne beizulegen. Die Voraussetzung: Auch die Arbeitnehmer müssen Kompromisse eingehen. Im Streit um Kosteneinsparungen bei DaimlerChrysler sind die Manager des Konzerns nach Presseinformationen nun zu einem Gehaltsverzicht bereit. Daimler-Chef Jürgen Schrempp und seine Kollegen hätten die Kürzung ihrer eigenen Gehälter um zehn Prozent angeboten, wenn die Mitarbeiter einem Kompromiss zustimmen sollten, berichtete die Bild am Sonntag. Schrempp hatte im vergangenen Jahr nach Angaben der Zeitung 7,5 Millionen Euro verdient. Detailansicht öffnen 750.000 Euro weniger? DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp. (Foto: Foto: dpa) Einigung in Sicht Schrempp sagte der Welt am Sonntag, er rechne "in Kürze" mit einer Einigung zwischen Konzernleitung und Betriebsrat. Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von DaimlerChrysler, Erich Klemm, sagte am Samstag: "Es gibt Punkte, wo man sich schon sehr aufeinander zubewegt hat." Die durch die Proteste bei Mercedes bedingten Produktionsausfälle könnten durch Samstagsarbeit wieder ausgeglichen werden, sagte ein DaimlerChrysler-Sprecher. Auch Konzernvorstand Jürgen Hubbert sagte dem Nachrichtenmagazin Spiegel, er sei "optimistisch, dass wir uns einigen". Zur Forderung des Betriebsrats, auch der Vorstand des DaimlerChrysler-Konzerns müsse seinen Beitrag zu den Sparmaßnahmen leisten, sagte Hubbert: "Daran soll es nicht scheitern." Vorstand und Topmanager seien bereit, auf zehn Prozent ihres Gehalts zu verzichten, wenn es zu einer Lösung im Streit um Einschnitte für die Mitarbeiter komme, berichtet die BamS unter Berufung auf Unternehmenskreise. Zwei-Klassen-Arbeiter Dem Bericht zufolge will der Vorstand dem Betriebsrat in den Verhandlungen ein entsprechendes Angebot vorlegen. Einen Eingriff in den Flächentarifvertrag lehne der Betriebsrat weiterhin ab, sagte Klemm weiter.
Nicht nur die Kleinverdiener sollen sparen: Die Vorstandsmitglieder wollen zehn Prozent weniger Lohn einstreichen, um so den Firmen-Zwist um Sparpläne beizulegen. Die Voraussetzung: Auch die Arbeitnehmer müssen Kompromisse eingehen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/daimlerchrysler-krise-manager-bieten-gehaltsverzicht-an-1.898741
DaimlerChrysler-Krise - Manager bieten Gehaltsverzicht an
00/05/2010
Der Bundesgerichtshof hatte entschieden, dass Versicherungskunden bei vorzeitiger Kündigung mehr Geld zurück erhalten müssten. Allein - die meisten Kunden haben noch kein Geld bekommen. Zwei Verbraucherverbände wollen im Streit mit den deutschen Lebensversicherern die Finanzaufsicht einschalten. Sie werfen den Unternehmen eine "Abwimmeltaktik" gegenüber Millionen Kunden vor, denen nach drei Urteilen des Bundesgerichtshofs (BGH) vom Oktober 2005 unter Umständen Milliarden Euro zustehen. Die Urteile des Bundesgerichtshofs (BGH) vom Oktober 2005 könnte für die deutsche Versicherungswirtschaft eine der teuersten juristischen Niederlagen in ihrer Geschichte werden. Der BGH hatte entschieden, dass Kunden, die eine private Lebensversicherung oder eine Rentenversicherung abgeschlossen und vorzeitig gekündigt haben, höhere Rückzahlungen verlangen können als bisher üblich (Aktenz: 162/03, 177/03, 245/03). Die Urteile gelten zwar bisher nur für Verträge, die zwischen Juli 1994 und Mitte 2001 abgeschlossen und seither vorzeitig aufgelöst wurden. Trotzdem treffen sie nach Schätzungen der Verbraucherzentrale Hamburg sieben Millionen Kunden. Neue Klagewelle Es geht um viel Geld: Die ehemaligen Versicherten haben nach dem Karlsruher Richterspruch nicht nur Anspruch auf einen Mindest-Rückkaufswert ihres Vertrages, der knapp die Hälfte der eingezahlten Beiträge beträgt. Die Versicherungsgesellschaften durften sie auch nicht mit einem Stornoabzug belasten. Ein Beispiel: Ein Kunde hat 100 Euro Beitrag pro Monat gezahlt. Bei Kündigung seines Vertrages nach 18 Monaten zahlte die Versicherung bisher nichts zurück. Seit der BGH diese Praxis verboten hat, kann der Kunde knapp die Hälfte der eingezahlten Beiträge verlangen, also etwa 850 Euro. Edda Castelló, Finanzexpertin der Verbraucherzentrale Hamburg, ist deshalb überzeugt, "dass es bei diesem Urteil für die Versicherungsbranche um Milliardenbeträge geht". Und genau deshalb, glaubt Castello, schreiben die Versicherer auch ihre Kunden nicht selbst an. Wie bei einem Rückruf "An sich müssten die Versicherungen von sich aus alle Ex-Kunden informieren und ohne Aufforderung Nachzahlungen leisten - wie bei einem kaputten Auto, das zurückgerufen wird", sagt die Finanzexpertin. Doch geschehen ist bislang nichts, obwohl auch der Ombudsmann der Branche, der ehemalige BGH-Richter Wolfgang Römer, die Gesellschaften dazu aufgerufen hat, zumindest bei den juristisch unumstrittenen Ansprüchen. Noch im Oktober hatte der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) erklärt, er rechne damit, dass sich die Unternehmen selbst melden würden. Zugleich riet er Kunden, "zwei, drei Zeilen zu schreiben, um auf der sicheren Seite zu sein". Jetzt heißt es dort: "Wir können den Unternehmen nicht vorschreiben, wie sie mit dem Problem umgehen." Die Verbraucherschützer wollen sich damit nicht zufrieden geben. Der Bund der Versicherten (BdV), der die Klagen beim BGH initiierte, und der Verbraucherzentrale Bundesverband (Vzbv) kündigten an, sich an die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) zu wenden. "Wir sehen das Gleichbehandlungsgebot der Versicherten verletzt", sagt Wolfgang Scholl, Versicherungsexperte des Vzbv. Es könne nicht sein, dass nur die entschädigt werden, die Ansprüche anmelden, und die anderen nicht, argumentiert er. Genauso sieht es die BdV-Chefin Lilo Blunck: "Wer sich so verhält, schürt Misstrauen." Die Verbraucherschützer werfen den meisten Unternehmen eine Mauertaktik vor. Nach Angaben der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz haben Firmen wie Debeka oder Allianz Leben bereits Geld erstattet. "Ein Großteil handelt aber nach der Devise: abwimmeln, hinhalten, vertrösten", sagt Castelló von der VZ Hamburg, die neue Massenklagen organisiert. So liegen sowohl der Verbraucherzentrale wie auch dem BdV inzwischen zahlreiche Briefe vor, in denen eine Nachzahlung abgelehnt wird. Zwei ehemalige Versicherte haben in Zusammenarbeit mit der VZ Hamburg deshalb zwei neue Klagen gegen Axa und BHW eingereicht, weil die auf Briefe von Ex-Kunden ausweichend geantwortet hätten. Castelló warnt davor, sich mit den Auskünften der Versicherer zufrieden zu geben. In manchen Antwortschreiben würde behauptet, dass der Rückkaufswert gemessen an der Formel des BGH hoch genug gewesen sei. Andere erklären, ihre Klauseln fielen nicht unter die neue Rechtsprechung. Damit werde nicht nur der BGH unterlaufen. "Es wird auch wohlweislich verschwiegen, dass alle Kunden einen Anspruch auf Erstattung des Stornoabzugs haben", sagt die Finanzexpertin. Dieser könne ein paar hundert Euro ausmachen. Scholl rechnet damit, dass es zu einer neuen Klagewelle kommen wird. Die Unternehmen würden jedoch wie in der Vergangenheit auf Vergleiche eingehen, um Grundsatzurteile zu vermeiden. "Denn wenn die erst einmal auf dem Tisch liegen, wird es noch teurer", sagt der Jurist.
Der Bundesgerichtshof hatte entschieden, dass Versicherungskunden bei vorzeitiger Kündigung mehr Geld zurück erhalten müssten. Allein - die meisten Kunden haben noch kein Geld bekommen.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/schwere-vorwuerfe-gegen-lebensversicherer-abwimmeln-statt-zahlen-1.902339
Schwere Vorwürfe gegen Lebensversicherer - Abwimmeln statt zahlen
00/05/2010
Angekündigt war die WM als eine gigantische Erfolgsstory für Deutschland: 50.000 neue Jobs, von denen 20.000 dauerhaft erhalten bleiben sollen. Die Werbebranche ist inzwischen allerdings ernüchtert. Millionen Touristen "zu Gast bei Freunden" und eine anziehende Konjunktur: Mit diesen Hoffnungen war die Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland verknüpft. Detailansicht öffnen Werbung mit dem Thema Fußball: Das WM-Stadion in Mönchengladbach ganz im Zeichen der Postbank. (Foto: Foto: dpa) In den vergangenen Wochen daher: Fußball überall. Kaum ein Fernsehspot, der nicht irgendwie das Thema aufgreift. Seit Monaten holt Media-Markt mit Pocher, Steinhöfel & Co. den Titel, McDonald's lässt zur WM Millionengewinne regnen, und Paulaner schickt Oliver Kahn mit Waldemar Hartmann auf die Bank. Die Werbungtreibenden sind inzwischen, auch aufgrund bisheriger Erfahrungen, dennoch ernüchtert. "Die WM hat keinen großen Effekt auf den Werbemarkt", sagt Manfred Kluge von der OMD. "Budgets nicht erhöht" "Zwar wird das Fußball-Ereignis in vielen Werbespots thematisiert, die Budgets wurden aber nicht erhöht", so der Geschäftsführer der Düsseldorfer Media-Agentur. Lediglich einige der 15 FIFA-Sponsoren haben ihre Werbeaufwendungen erhöht. Auch abseits von Print- und TV-Werbung sind die Effekte der Meisterschaft geringer als erwartet. Beispiel Außenwerbung: Vor allem die öffentliche Diskussion über Bannmeilen der FIFA im Umfeld der Stadien, in denen nur offizielle Sponsoren werben dürfen, hat für Irritation bei Werbungtreibenden gesorgt. Themenbezogene WM-Kampagnen haben beispielsweise bei Außenwerber Ströer Sales & Services, Köln, einen Umsatz von rund 30 Millionen Euro eingebracht. "Wie viele dieser Werbeinvestitionen on Top zu den normalen Budgets dieser Kunden einzahlen, wird erst am Ende des Jahres sichtbar sein", schränkt Geschäftsführer Ströer Sales & Services Jan Hardorp jedoch ein. Belebung im Umfeld von Flughäfen Bei der Außenwerbung gibt es zwar eine spürbare Belebung im Umfeld von Flughäfen, sonst bleiben die Effekte eher gering, bestätigt auch Konkurrent Udo Schendel, Geschäftsführer bei Jost von Brandis, Hamburg. Der fraglos positive Effekt der Weltmeisterschaft wird geringer ausfallen als erhofft - selbst wenn während der Veranstaltung noch Last-Minute-Buchungen eingehen. Die erwartet zumindest Jens-Uwe Steffens, Geschäftsführer von Pilot Media, "nicht zuletzt, weil ja etliche der geplanten WM-Aufpreise weitgehend wieder zurückgezogen wurden". Oder die Außenwerber sich gerade massiv um Last-Minute-Bucher bemühen. Michael Bohn, Chairman von Zenithmedia, Düsseldorf, bringt es auf einen Satz: "Die WM bringt sicher nicht den erhofften Schub." Stellt sich die Frage, was danach kommt. Wird der deutsche Werbemarkt in Agonie zurückfallen, nachdem schon das Ereignis des Jahres nicht den erhofften Effekt brachte? Gut angelaufen Immerhin, bisher lief das Jahr nach einigen Startschwierigkeiten auch unabhängig von der WM gut an. Erstmals seit Jahren gab es im Fernsehen im Frühjahr wieder ausgebuchte TV-Formate. Kommt also doch noch ein spürbarer Aufschwung in der zweiten Jahreshälfte 2006? Nicht nur Martin Krapf ist vom After-WM-Hype überzeugt: "Im WM-Zeitraum sind viele Unternehmen den Empfehlungen ihrer Agenturen gefolgt und haben ihre Investitionen zumindest zurückgefahren. Dementsprechend hatten WM-Kunden einen überproportionalen Share of Voice, was bei den Ausweichlern zu höheren Investitionen in der zweiten Jahreshälfte führen müsste", sagt der Geschäftsführer des RTL-Vermarkters IP Deutschland aus Köln.
Angekündigt war die WM als eine gigantische Erfolgsstory für Deutschland: 50.000 neue Jobs, von denen 20.000 dauerhaft erhalten bleiben sollen. Die Werbebranche ist inzwischen allerdings ernüchtert.
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"Werbebranche - ""Die WM bringt sicher nicht den erhofften Schub"""
00/05/2010
Mitglieder des Aufsichtsrats von Siemens wollen bei der Sitzung des Kontrollgremiums an diesem Montag den Einsatz externer Prüfer im Schmiergeldskandal durchsetzen. Ohne Hilfe von außen sei die Aufarbeitung des Skandals zum Scheitern verurteilt, sagte ein Mitglied des Gremiums der Süddeutschen Zeitung. Das Gremium werde voraussichtlich bereits am Montag einen entsprechenden Auftrag erteilen, hieß es weiter. Vorstandschef Klaus Kleinfeld befürworte das Vorgehen, verlautete aus Unternehmenskreisen. Unklar sei allerdings noch, welcher Zeitraum durchleuchtet werde. Nach bisherigen Erkenntnissen von Staatsanwaltschaften in mehreren Ländern waren in den neunziger Jahren über schwarze Kassen in Österreich hohe Beträge für Schmiergeldzahlungen ausgegeben worden. Vorgänge aus der Pierer-Ära Werden auch diese Vorgänge untersucht, dann reicht die Prüfung weit in die Ära des damaligen Vorstandschefs Heinrich von Pierer hinein, der heute den Aufsichtsrat leitet. Beschränkt sich die Prüfung dagegen auf die in diesem Jahrzehnt installierten schwarzen Kassen in Liechtenstein und in der Schweiz, dann sind deutlich weniger Erkenntnisse zu erwarten. Insgesamt sind mindestens 200 Millionen Euro abgezweigt worden. Harte Kritik wird aus dem Aufsichtsrat an der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG laut, die die Bilanzen von Siemens kontrolliert. Es sei fraglich, ob die Prüfer konsequent genug nachgehakt hätten. "200 Millionen Euro dürfen nicht einfach verschwinden, ohne dass die Prüfer das bemerken", sagte ein Aufsichtsrat. Nach Angaben aus Unternehmenskreisen soll KPMG-Chef Rolf Nonnenmacher bei der Sitzung am Montag erklären, wie offenbar jahrelang unbemerkt Gelder aus dem Konzern geschleust werden konnten. Nach SZ-Informationen war das Testat für das abgelaufene Geschäftsjahres 2005/06 erst Mitte vergangener Woche und damit ungewöhnlich spät eingegangen. Es habe erhebliche Probleme gegeben, hieß es aus Konzernkreisen. Im Aufsichtsrat soll nun auch beraten werden, ob und in welchem Zeitraum die Geschäftsberichte der Vorjahre überprüft werden müssten. Nokia hält an Joint-Venture fest Derweil will Nokia am geplanten Telekom-Joint-Venture mit Siemens auch angesichts der Korruptionsaffäre festhalten. Die Integration gehe weiter, sagte eine Sprecherin. Die Affäre beschäftigt inzwischen nach SZ-Informationen aber auch die künftige Konzernführung des Joint-Ventures, das Anfang 2007 starten soll. Der designierte Nokia-Siemens-Networks-Chef Simon Beresford-Wylie habe angekündigt, Spitzenmanager in die Prüfung von Vorwürfen einzuschalten, hieß es aus Unternehmenskreisen. So solle die Verbindungen der Siemens-Kommunikationssparte nach Gibraltar untersucht werden, die ins Visier von Ermittlern geraten war. Bisher sechs Geständnisse Die Münchner Staatsanwaltschaft kommt bei ihren Ermittlungen zügig voran. Nach insgesamt sechs Geständnissen von ehemaligen und aktiven Beschäftigten bei Siemens packt mit dem früheren Finanzvorstand der Sparte Telekommunikation (Com), Michael Kutschenreuter, nun erstmals auch ein Top-Manager aus, wie in einem Teil der Wochenendausgabe bereits gemeldet. "Unser Mandant orientiert sich an den Vorgaben des Vorstandsvorsitzenden Kleinfeld, der eine schonungslose Aufklärung gefordert und angekündigt hat", sagten Kutschenreuters Anwälte Leonard Walischewski und Thilo Pfordte. Von den Aussagen des Top-Managers, der in Untersuchungshaft sitzt, erhoffen sich die Fahnder offenbar Aufschluss darüber, ob und inwieweit die Konzernspitze in den Skandal verwickelt ist. Kutschenreuter arbeitet seit 1974 bei Siemens und saß bei der Com-Vorgängergesellschaft IC Networks zusammen mit Thomas Ganswindt im Vorstand. Ganswindt, der später in den Zentralvorstand von Siemens aufrückte, ist schwer belastet worden. Der frühere Angestellte Reinhard S., der schwarze Kassen eingerichtete hatte, sagte in seinem Geständnis aus, er habe Ganswindt Anfang 2004 über Schmiergeldzahlungen informiert. Ganswindt hatte Siemens vor zehn Wochen verlassen.
Das Kontrollgremium berät über Einsatz unabhängiger Prüfer im Schmiergeldskandal. Unterdessen hat der erste Top-Manager ausgepackt.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/vorwurf-der-korruption-siemens-aufsichtsraete-fordern-aufklaerung-1.905030
Vorwurf der Korruption. - Siemens-Aufsichtsräte fordern Aufklärung
00/05/2010
Politik gegen die Presse: Die Sache mit der "Autorisierung" von Interviews. (SZ vom 28.11.2003) — Gespräche mit Oskar Lafontaine können unterhaltsam sein. "Jetzt könntet ihr fragen, und ich würde Folgendes antworten", sagt der Sozialdemokrat gern. Wenn das Interview dann geschrieben ist, korrigiert er den Text gründlich. Manchmal schreibt er um. Der Glaube des Lesers, das gedruckte Wort sei genau so im freien Dialog entstanden, war schon immer Illusion. Es gab von jeher sprachliche Präzisierungen, wenn Journalisten Interviews vorlegen. Das kann sinnvoll sein. Immer öfter aber geht es nicht um Marginalien - sondern es werden beim "Autorisieren", wie der Vorgang heißt, ganze Texte umformuliert und von ängstlichen Referenten bis zur Unkenntlichkeit verändert. PR-Vehikel Die Autorisierung diene "vielen Interviewgebern in Deutschland als ein Instrument der Disziplinierung, auch des Missbrauchs, indem das Interview im Zuge der Autorisierung zum PR-Vehikel umgefummelt wird", hat der Leipziger Kommunikationswissenschaftler Michael Haller festgestellt. Der frühere Spiegel-Redakteur, der das Fachblatt Message herausgibt, beklagt ein "Misstrauen in Deutschland zwischen Amtsträgern und Medienvertretern". Leider missbrauchten auch manche Reporter die Auskunftsbereitschaft der Interviewpartner, indem sie Aussagen verdrehten. Liest sich ja besser. Jeder misstraut jedem. In Berlin ist es üblich geworden, dass Abgeordnete selbst kleinste Zitate vorgelegt bekommen wollen. Wer mit dem Verfassungsrechtler Paul Kirchhof zu tun hat, muss vorher unterschreiben, dass kein Wort erscheint, das nicht genehmigt ist. Weil angeblich Zitate aus Zusammenhängen gerissen würden, verweigern sich Politiker häufig den Fragen kritischer TV-Magazinreporter - und gehen in Talkshows. Ist aber erst mal eine Kamera oder ein Radiomikrofon eingeschaltet, wird geredet und geredet - von Autorisieren keine Spur. Warum soll sich die Presse eigentlich gängeln lassen? Nur weil dieses Medium nicht flüchtig, sondern nachhaltig ist? So wird in den Redaktionen längst diskutiert, ob die bisherige Praxis noch sinnvoll ist. Wiederholt haben etwa Spiegel und SZ Texte, die nach PR-Retuschierung verunstaltet waren, nicht gedruckt. Kontrollwut Darüber hinaus gibt es den Trend, dass Interviewte behaupten, ein Interview so nicht geführt zu haben. So hatte der Berliner CDU-Mann Frank Steffel mit Max über Jugendsünden geplaudert und preisgegeben, dass er früher mal Ausländer "Bimbos", "Mongos" oder "Kanaken" nannte. Als das laut Max autorisierte Interview erschien, erklärte eine CDU-Sprecherin, der Stoff sei frei erfunden. Der Reporter aber hatte ein Tonband mitlaufen lassen; Max stellte den Ausschnitt ins Netz. Erst jüngst unterhielt sich die Chefin des Verbandes Deutscher Medizinjournalisten mit Message sehr offen über offene Grenzen ihres Genres zur PR - was sie nun bestreitet. In Deutschland regiert die Kontrollwut, was 2001 einem Spiegel-Gespräch mit dem Schriftsteller Martin Walser zu entnehmen war: "Die Fragen und Antworten", schrieb das Blatt, "geben nicht den Verlauf des tatsächlich geführten Gesprächs wieder, sondern wurden von Walser neu geschrieben." In angelsächsischen Ländern dagegen ist die Text-Abnahme weitgehend unbekannt. Es gilt: Gesagt ist gesagt. Lafontaine, der Meister des gedruckten Selbstgesprächs, lernte diese Kultur gut kennen. Die Financial Times hatte mit ihm ein Gespräch geführt, das er umschreiben wollte - und die Briten sagten ganz höflich: No, Sir! ________________________________ Am heutigen Freitag erscheinen in vielen deutschen Zeitungen Artikel zu diesem Thema. Grund sind zunehmende Repressalien nach geführten Interviews.
Politik gegen die Presse: Die Sache mit der "Autorisierung" von Interviews.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/medien-nicht-fummeln-liebling-1.905904
Medien - Nicht fummeln, Liebling!
00/05/2010
Ein Vertrag im Fitness-Studio ist schnell unterschrieben. Ärgerlich, wenn sich dann herausstellt, dass es die falsche Wahl war. Diese Checkliste hilft, böse Überraschungen zu vermeiden. Die Lage Das Studio sollte gut erreichbar sein, ob mit dem eigenen Auto oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Denn der sportliche Ehrgeiz erlahmt schnell, wenn nach Büroschluss erst mal eine quälend lange Anfahrt durch die verstopfte Innenstadt bevorsteht. Die Kapazitäten Interessenten sollten das Studio zu den üblichen Stoßzeiten anschauen, also werktags zwischen 17.00 und 20.00 Uhr. Dann zeigt sich, ob die Zahl der Sportgeräte ausreichend bemessen ist — ansonsten drohen lästige Warterunden. Aufkleber am Stepper wie "Training maximal zehn Minuten pro Person" sind ein schlechtes Zeichen. Wer das Studio vor Vertragsschluss an mehreren Tagen besucht, bekommt einen recht zuverlässigen Eindruck. Das Personal Beschäftigt das Studio qualifizierte Trainer oder billige Aushilfen, die nur gelangweilt herumsitzen? Es ist vor Vertragsschluss absolut angemessen, sich nach den Fachkenntnissen der Trainer zu erkundigen. Es sollte sich um Diplom-Sportlehrer oder Personen mit staatlich anerkannter Ausbildung (zum Beispiel Sport-Physiotherapeuten) handeln. Exotisch klingende Diplome und Zertifikate sind eher ein Warnsignal. Brauchbar sind Lizenzen des DVGS (Deutscher Verband für Gesundheitssport und Sporttherapie) oder des DFLV (Deutsche Fitnesslehrervereinigung). Die Trainingsgeräte Sauber sollen sie sein und gut gewartet. Wenn aber schon die Polster der Muckimaschinen eingerissen sind und der Schaumstoff herausquillt, dann lässt das Böses erahnen. Eine TÜV-Plakette und das Gütezeichen "Fitnesszentrum" bürgen für eine regelmäßige Wartung der Geräte. Je nach persönlichen Trainingszielen müssen geeignete Geräte vorhanden sein: Wer vor allem Ausdauer erreichen will, der braucht Fahrrad- und Ruderergometer, Stepper und Laufbänder — kilometerlange Hantelregale nutzen dann nichts. Gerade an den Ausdauergeräten stauen sich oft die Gäste, da die Einheiten länger dauern. Es sollten deshalb von den Ausdauergeräten jeweils mehrere zur Verfügung stehen. Das Kursangebot Das reine Eisenstemmen wird auf die Dauer meist langweilig, Kurse wie etwa "Body-Shape" oder "T-Bo" schaffen Abwechslung und decken Übungen ab, die im Gerätepark zu kurz kommen. Gute Studios bieten außerdem spezielle Kurse zu Herz- und Kreislauftraining, Rückentraining oder Entspannung (etwa Yoga). Der Interessent sollte fragen, ob zwischen Anfängern und Fortgeschrittenen unterschieden wird. Wer lange Zeit nichts sportlich gemacht hat, muss langsam Kondition aufbauen. Das Publikum Auch wenn das Training im Studio eher ein Solisten-Sport ist, sollten die anderen Akteure einem liegen. Für sensible Gemüter könnte es zum Beispiel abstoßend wirken, wenn sie umringt sind von animalisch keuchenden Bankdrückern, die richtig stolz sind auf ihr schweißdurchtränktes T-Shirt. Eine hilfreiche Frage lautet: Würde ich mit denen gerne nach dem Training noch in die Bar gehen? Wichtig für Frauen: Sie sollten sich nicht beglotzt vorkommen. Extra-Kurse nur für Frauen und getrennte Saunen sind je nach Naturell nützlich. Die Extras Fast jedes Studio nennt mittlerweile ein Solarium, eine Sauna, Bar und einen Ruheraum sein eigen. Da sollte sich bei der Besichtigung aber jeder fragen, ob er das Angebot wirklich nutzen würde. Liegt der Ruheraum in einem muffigen Keller ohne Tageslicht, werden sich nur wenige Sportsfreunde dahin verirren. Das ist zu berücksichtigen bei der Frage, ob das Preis-Leistungsverhältnis akzeptabel ist.
Ein Vertrag im Fitness-Studio ist schnell unterschrieben. Ärgerlich, wenn sich dann herausstellt, dass es die falsche Wahl war. Diese Checkliste hilft, böse Überraschungen zu vermeiden.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/ueberraschungen-vermeiden-checkliste-fuer-die-studio-auswahl-1.899326
Überraschungen vermeiden - Checkliste für die Studio-Auswahl
00/05/2010
Springer wirbt um den "Daily Telegraph" — und damit um einen Markt, in dem der Konkurrent Rupert Murdoch heißt. Die Risiken sind groß — die Chancen ebenso. Auf der Insel ist er eine Institution beinahe wie die Queen, Doppeldecker-Busse oder gesalzene Butter. Und Conrad Black, bisher der starke Mann hinter dem 149-jährigen Daily Telegraph, durfte im Hermelin-Mantel in das House of Lords einziehen. Auf internationalem Parkett zwar gelten Times und Guardian als die führenden britischen Zeitungen. Doch gemessen an der Auflage stellt der Daily Telegraph mit 906.000 verkauften Exemplaren pro Tag beide Blätter weit in den Schatten. Detailansicht öffnen Mit dem Erwerb des Daily Telegraph würde Springer vor allen Dingen an Renommee gewinnen. (Foto: Foto: dpa) Mögliche Zierde des Verlags Dieses Traditionsblatt hat nun der Berliner Axel Springer Verlag als mögliche Zierde seines Konzerns entdeckt: Er hat, wie es heißt und von Springer nicht dementiert wird, neben etlichen britischen Unternehmen ein Übernahme-Angebot in beträchtlicher Höhe abgegeben. 900 Millionen Euro erhoffen sich die Verkäufer für den Daily Telegraph, sein Schwesterblatt Sunday Telegraph, das Magazin Spectator und die 50-prozentige Beteiligung an einer Druckerei. Wie die Dinge im Augenblick stehen, darüber herrscht Stillschweigen: Alle pokern mit verdeckten Karten. Es geht um ein Blatt, das für sich den Titel eines europäischen Branchenführers unter den Qualitäts-Tageszeitungen in Anspruch nehmen kann. Doch solche Hitlisten haben ihre Tücken. Der Telegraph verdankt seine Position in solchen Rankings auch dem Umstand, dass die noch wesentlich größere Daily Mail in England nur dem "Mittelmarkt" - nicht Boulevard- und nicht Qualitätszeitung - zugerechnet wird. Der redaktionelle Unterschied dagegen ist nicht sehr groß. Und bei den Boulevard-Blättern wiederum sind ohnehin weit höhere Auflagen gang und gäbe als im Qualitätssegment. Stütze Ihrer Majestät So kommt die Telegraph-Gruppe in Großbritannien insgesamt nur auf einen Marktanteil von gut sieben Prozent. Der australisch-amerikanische Medienunternehmer Rupert Murdoch dagegen bringt es mit dem Boulevardblatt Sun, der Times und anderen Titeln auf gut 32 Prozent. Schon im Herbst, als der Telegraph seinen Chefredakteur auswechselte, hatte die Branche begonnen, von Verkauf zu munkeln. Dem Eigentümer, der kanadischen Holding Hollinger International, ging es schon damals nicht glänzend. Inzwischen hat es einen runden Skandal gegeben. Conrad Black, der Mann mit dem Hermelin-Mantel, der 70 Prozent der Stimmrechte hat, wurde abgesetzt. Seine Miteigentümer prozessieren gegen ihn wegen Verdachts auf Veruntreuung. Hollinger International, zu der auch die Jerusalem Post gehören, hat keine Zukunft mehr: Die Investmentbank Lazard bietet die Holding rund um den Globus feil. Seit Murdochs spektakulärer Übernahme der Times im Jahr 1981 ist es das erste Mal, dass eines der seriösen Londoner Blätter verkauft wird. Die Seltenheit hebt den Preis, hofft man bei Lazard: 900 Millionen Euro entsprächen dem 36-fachen Rohgewinn der Telegraph-Gruppe, wenn man die jüngsten Quartalszahlen hochrechnet. Ein Politikum ist der Verkauf, weil jede Schwächung des Telegraph die Dominanz Murdochs stärken würde. Keiner mag ihn, aber alle sind seine Kunden: beim TV-Sender Sky oder beim Massenblatt Sun. Ein delikater Verkauf Delikat ist der Verkauf auch, weil der Telegraph als die wichtigste Stütze des Königshauses und als Sprachrohr der "Tories", der konservativen Partei gilt. Es hätte eine gewisse Ironie, wenn ausgerechnet der Telegraph, der beim Stichwort Deutschland oft noch ans Dritte Reich denkt, von einem Berliner Verlagshaus übernommen würde. Der Springer-Verlag liebäugelte vor fünf Jahren schon einmal mit einem Kauf in England. Damals ging es um die linksliberale Boulevard-Zeitung Daily Mirror, deren Auflage sank; der Aufsichtsrat habe in letzter Minute das Geschäft gestoppt, hieß es später. Beim Telegraph stünde Springer vor einer ähnlichen Herausforderung. Spötter titulieren das Blatt als Lieblingslektüre aller pensionierten Obristen. Bei jungen Lesern tut sich der Telegraph schwer: Er bietet zwar ein breites Nachrichtenangebot, aber gründlicher und origineller ist der Guardian, politisch relevanter die Times. Nur mit teueren Sonderaktionen hält das Management die Auflage über der Marke von 900.000 Exemplaren. Ansatzmöglichkeiten zum Erfolg Eines der ersten Projekte jedes neuen Telegraph-Eigners wird es wohl sein, eine zweite, kompakte Ausgabe im Kleinformat auf den Markt zu bringen. Independent und Times exerzieren das gerade mit überraschendem Erfolg vor. "Zeitung braucht Größe" hatte Axel Springer einmal mit Blick auf Bild doziert. Doch in den überfüllten englischen Zügen herrschen andere Regeln. Springer würde die Konkurrenz möglicherweise mit einem Voll-Angebot nach deutschem Muster schocken: Bislang tragen Telegraph und die anderen die Nase zu hoch, um über die Stadtratssitzung oder Lokales zu berichten. Und einen Vertrieb bis hin zur Haustür der Leser ersparen sie sich ebenfalls. Selbst Murdoch hat in diesem Punkt vor der keep-it-simple-Mentalität in britischen Verlagshäusern kapituliert. Mit ihm müssten Springer-Chef Matthias Döpfner und sein Auslands-Vorstand Andreas Wiele sich bei einer Übernahme des Telegraph zuerst anlegen.
Springer wirbt um den "Daily Telegraph" — und damit um einen Markt, in dem der Konkurrent Rupert Murdoch heißt. Die Risiken sind groß — die Chancen ebenso.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/springer-buhlt-um-die-zeitung-der-queen-london-calling-1.898656
Springer buhlt um die Zeitung der Queen - London calling
00/05/2010
Der einst größte Chemiekonzern der Welt, die I.G. Farben, ist zahlungsunfähig. "Wir haben beschlossen, unverzüglich Insolvenz anzumelden", sagte der Liquidator Volker Pollehn in Frankfurt. Das sollte seit 50 Jahren passieren. Ehemalige Zwangsarbeiter gehen nun leer aus. Letztendlich waren es Zahlungsschwierigkeiten des hoch verschuldeten Immobilien- und Beteiligungskonzerns WCM, der die Immobilien der Firma übernehmen sollte. Das Unternehmen ist der Rechtsnachfolger des Chemie-Konglomerats, das eng mit dem Nazi-Regime verflochten war. Vereinbarung nicht eingehalten Der WCM-Vorstandschef Roland Flach habe vor wenigen Tagen in Gegenwart von Banken-Vertretern erklärt, er stehe zu dem Vertrag, sagte Pollehn. Die Vereinbarungen zwischen WCM, einst selbst eine Tochter des Konzerns, und der I.G. Farben beruhen auf komplizierten Finanztransaktionen und Vertragswerken. Er sei sich nicht sicher, ob WCM nun auch Insolvenz beantragen müsse, meinte Pollehn. Die Liquidatoren würden selbst keine Schritte gegen WCM einleiten. Lautstarke Proteste Die Pressekonferenz in Frankfurt wurde begleitet von lautstarken Protesten. Die Demonstranten kritisierten, dass ehemalige Zwangsarbeiter, die von der IG Pollehn und der zweite Liquidator Otto Bernhardt teilten mit, dass eine Stiftung der I.G. Farben über ein Vermögen von 500.000 Mark verfüge. Geplant war, die Stiftung nach der Auflösung des Unternehmens mit weiteren Geldern auszustatten, was auf Grund der Insolvenz nun nicht mehr möglich sei. Ehemalige Nazifirma Die I.G. Farben produzierte während des Zweiten Weltkriegs das Giftgas Zyklon B, das zur Ermordung von Menschen in den Konzentrationslagern eingesetzt wurde. Nach der Zerschlagung in ihre Einzelteile durch die Alliierten gingen aus der IG Farben unter anderem die Chemie-Unternehmen BASF, Bayer und Hoechst (heute Aventis) hervor. Die Rechtsnachfolgerin IG Farbenindustrie AG soll seit mehr als 50 Jahren aufgelöst werden. Die Vermögenswerte sind bis auf Immobilien verkauft, allerdings zögerten Gerichtsverfahren und ungeklärte Ansprüche auf Vermögen in den neuen Bundesländern sowie in der Schweiz die Abwicklung immer wieder hinaus. Die Aktie war in den letzten Jahrzehnten lebhaft gehandelt worden und ist bei Finanzjongleuren beliebt.
Der einst größte Chemiekonzern der Welt, die I.G. Farben, ist zahlungsunfähig. "Wir haben beschlossen, unverzüglich Insolvenz anzumelden", sagte der Liquidator Volker Pollehn in Frankfurt. Das sollte seit 50 Jahren passieren. Ehemalige Zwangsarbeiter gehen nun leer aus.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/ig-farben-endgueltig-pleite-1.905517
IG Farben - Endgültig pleite
00/05/2010
Die USA stellen drei Wochen früher ihre Uhren vor, um Energie zu sparen. Doch der gut gemeinte Plan könnte enorme Probleme verursachen. In der Nacht zum Sonntag wird in den Vereinigten Staaten die Sommerzeit eingeführt - zehn Tage vor dem kalendarischen Frühlingsbeginn. Um zwei Uhr werden die Uhren auf drei Uhr vorgestellt, wodurch der Zeitunterschied zwischen Washington und Berlin von sechs auf fünf Stunden schrumpft - bis zum 25. März, an dem auch in Europa die Sommerzeit beginnt. Detailansicht öffnen In den USA ist bekanntlich alles größer. Jetzt dauert auch noch die Sommerzeit länger. (Foto: Foto: dpa) Der Zeitenwechsel ist diesmal von besonderer Natur. Im Jahr 2005 hatte der Kongress in Washington beschlossen, die Sommerzeit von 2007 an um drei Wochen auf den zweiten Sonntag im März vorzuziehen. Enden wird sie eine Woche später als bislang, nämlich am ersten Sonntag im November. Die Maßnahme soll die Amerikaner zum Energiesparen anhalten und ist als Beitrag zum Schutz des Weltklimas gedacht. Zwar ist die ökologische Effizienz der vorgezogenen Sommerzeit unter Experten umstritten, doch wenigstens scheint das Gesetz niemandem zu schaden. Probleme für Computer Aber auch das stimmt nicht so ganz. In der amerikanischen Wirtschaft ist seit Wochen ein Heer von Experten dabei, Kosten und Unannehmlichkeiten der neu geregelten Sommerzeit für Unternehmen und Verbraucher zu begrenzen. Am einfachsten geht das noch im Flugverkehr. Zwar werden bei Transatlantik-Flügen in den nächsten zwei Wochen etliche der üblichen Verbindungen nicht möglich sein, weil sich die Umsteigezeit um eine Stunde verkürzt. Doch das Buchungssystem ,,Amadeus'', dem alle großen Fluggesellschaften der Welt angeschlossen sind, berücksichtige dies, versichert jedenfalls die Lufthansa. Schwieriger wird der Zeitenwechsel für Computer. Alle Datenverarbeitungssysteme haben interne Uhren, die zum Beispiel Liefer- oder Maschinenlaufzeiten steuern. Und in den meisten ist die Entscheidung aus dem Jahr 2005 noch nicht berücksichtigt. Das könnte am Montagmorgen, wenn die Amerikaner ihre Computer anschalten, zu etlichen Problemen bis hin zu Produktionsausfällen führen. Im Prinzip ist das ähnlich wie beim sogenannten Jahr-2000-Problem bei der Jahrtausendwende. Reputation in Gefahr Damals verhinderten Experten mit großem Aufwand, dass Computer das Jahr 2000 mit 1900 verwechselten. Zwar ist es weniger schlimm, wenn sich der Computer um eine Stunde als um ein Jahrhundert vertut. Doch die Computerleute haben sich auf dieses kleine Problem auch längst nicht so gut vorbereitet wie seinerzeit auf das große. Andy Kite von der Unternehmensberatung Gartner in Connecticut sagt: ,,Die Höhe der Risiken sind zwar nicht dem Jahr-2000-Problem vergleichbar, aber es kann doch zu Störungen im Geschäftsablauf kommen, die das Vertrauen der Verbraucher und die professionelle Reputation der Unternehmen gefährden.'' Aus diesem Grund suchen jetzt IT-Experten nach Hilfe im letzten Augenblick. Der Software-Riese Microsoft hat einen ,,Situation Room'' eigens für Sommerzeit-Probleme eingerichtet. Die Experten sitzen an der Pazifikküste der Vereinigten Staaten, in Texas, North Carolina und Indien, um rund um die Uhr Rat geben zu können. Doch nicht alle Amerikaner müssen sich mit dem Problem herumschlagen: Der Bundesstaat Arizona, einer der sonnigsten des Landes, hat die Sommerzeit nie eingeführt und wird dies auch künftig nicht tun. Mit Ausnahme der Navajo-Indianer übrigens, deren Stammesgebiet den Nordosten Arizonas bedeckt. Die stellen ihre Uhren so wie der Rest des Landes.
Die USA stellen drei Wochen früher ihre Uhren vor, um Energie zu sparen. Doch der gut gemeinte Plan könnte enorme Probleme verursachen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/sommerzeit-amerikanischer-zeitenwechsel-1.902681
Sommerzeit - Amerikanischer Zeitenwechsel
00/05/2010
Russland will aus den Konzernen Rosneft und Gazprom einen staatlich dominierten Energiekonzern formen. Am Donnerstag wurde zudem klar, dass der kommende Gigant bei der Zerschlagung des Yukos-Konzerns die Finger im Spiel hat. Russland arbeitet am Aufbau eines gigantischen staatlich dominierten Energiekonzerns. Das hat Präsident Wladimir Putin am Donnerstag unmissverständlich klar gemacht. Detailansicht öffnen Schild am Eingang der Rosneft-Zentrale in Moskau. (Foto: Foto: Reuters) In diesen Konzern sollen auch große Teile von Yukos einfließen, die in einer Zwangsversteigerung den Besitzer gewechselt hatten. In hundertprozentigem Staatsbesitz Wenige Stunden vor Beginn der Jahres-Pressekonferenz Putins war bekannt geworden, dass es sich beim neuen Eigentümer der bisherigen Yukos-Tochter Yuganskneftegaz um den Rosneft-Konzern handelt. Dieser befindet sich in hundertprozentigem Staatsbesitz. Rosneft zählt bislang mit einer Jahresproduktion von 22 Millionen Tonnen nicht zu den führenden Ölunternehmen Russlands. Bei der Wiedergewinnung der staatlichen Kontrolle über die Ölproduktion in Russland soll der Konzern aber eine entscheidende Rolle spielen. Aufsichtsratschef von Rosneft ist ein enger Mitarbeiter Putins, der Vizedirektor der Präsidialadministration, Igor Setschin. Auf dem Weg zur russischen Nummer zwei Nach Einschätzung des Präsidenten der Union der russischen Öl-und Gasunternehmer, Gennadij Schmal, kann Rosneft nun zum zweitgrößten russischen Ölproduzenten nach Lukoil aufrücken. Die Jahresproduktion von Rosneft könne 80 Millionen Tonnen erreichen. "Rosneft kann auch zu den 15 bis 20 größten Ölfirmen der Welt aufsteigen. Die Übernahme von Yuganskneftegaz durch Rosneft war mit Hilfe einer wegen der Steuerschulden von Yukos angeordneten Zwangsversteigerung ins Werk gesetzt worden. Überraschend war in dieser Auktion der favorisierte Gazprom-Konzern einer völlig unbekannten Baikal Finance Group unterlegen, an deren richtigen Namen sich auch Präsident Putin in seiner Pressekonferenz zunächst nicht erinnern konnte. Gazprom doch im Spiel Nun ist klar geworden, dass der halbstaatliche Gazprom-Konzern auf Umwegen sehr wohl zum Zuge kommt. Seit Monaten schon ist seine Fusion mit Rosneft beschlossene Sache. An der Fusion werde wie geplant festgehalten, teilte Gazprom am Donnerstag mit. "Rosneft wird zusammen mit Yuganskneftegaz als neue Struktur in den Gazprom-Konzern eintreten", sagte ein Sprecher.
Russland will aus den Konzernen Rosneft und Gazprom einen staatlich dominierten Energiekonzern formen. Am Donnerstag wurde zudem klar, dass der kommende Gigant bei der Zerschlagung des Yukos-Konzerns die Finger im Spiel hat.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/nach-zerschlagung-von-yukos-putin-plant-gigantischen-oelkonzern-1.914054
Nach Zerschlagung von Yukos - Putin plant gigantischen Ölkonzern
00/05/2010
Im Öl-Streit sind die die Fronten verhärtet. Der russische Präsident Putin will hart durchgreifen, auch wenn die Zweifel an der Zuverlässigkeit Russlands als Energielieferant wachsen. Es könnte ein langer Konflikt werden. Die Zweifel an der Zuverlässigkeit Russlands als Energielieferant wachsen. Moskau konnte sich mit Weißrussland nicht auf eine Öffnung der Öl-Pipeline einigen, die auch Deutschland versorgt. Russland und die EU richteten sich auf einen längeren Konflikt um die Lieferungen ein. Detailansicht öffnen Die "Druschba"-Öl-Leitung in Ozerany, rund 300 Kilometer südlich von weißrussischen Hauptstadt Minsk. (Foto: Foto: AFP) Präsident Wladimir Putin erwägt, die russische Ölförderung zu drosseln. Er wies zwar die Regierung an, mit der weißrussischen Führung nach Auswegen aus der Krise zu suchen. Der Präsident bat das Kabinett aber auch, "wegen der Probleme beim Transit durch Weißrussland mit den russischen Unternehmen eine Reduzierung der Ölförderung zu erörtern". Wegen eines Streits um Transitzölle, die Weißrussland seit Jahresbeginn erhebt, hatte Russland am Montag die Öllieferungen für Westeuropa durch die Druschba-Pipeline gestoppt. Scharfe Kritik aus der Europäischen Union In der Europäischen Union löste die Unterbrechung der Lieferung Kritik aus. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) beklagte, dass die EU nicht informiert worden sei. "Das zerstört immer wieder Vertrauen, und darauf kann sich keine vertrauensvolle Zusammenarbeit ungestört aufbauen", sagte die amtierende EU-Ratspräsidentin. Konsultationen seien "das Mindeste, wenn es Schwierigkeiten gibt". EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso sprach nach einem Treffen mit der Bundesregierung von einem "inakzeptablem und beunruhigendem" Vorgang. Deutschland deckt normalerweise ein Fünftel seines Bedarfes durch die Druschba-Fernleitung. Betroffen sind auch Polen, Tschechien, die Slowakei und Ungarn, die noch stärker von Lieferungen aus Russland abhängen. Von seiner Regierung verlangte Putin, "alles Nötige zu tun, um die Interessen der westlichen Verbraucher" zu schützen. Auch die Interessen russischer Unternehmen müssten aber gewahrt werden. Diese seien "augenscheinlich von Verlusten betroffen". Russland ist zweitgrößter Ölexporteur der Welt. Eine Drosselung seiner Förderung dürfte starke Auswirkungen auf den globalen Energiemarkt haben. Neue Diskussion über Atomenergie In Deutschland hat der Stopp russischer Öllieferungen die Diskussion über die Zukunft der Atomenergie entfacht. Bundeskanzlerin Angela Merkel warnte vor einseitigen Abhängigkeiten und deutete ein Abrücken vom Atomausstieg an. Widerspruch kam aus den Reihen von SPD und Grünen. Merkel sagte, Deutschland brauche einen ausgewogenen Energiemix. "Deshalb muss man sich natürlich auch überlegen, was für Folgen es hat, wenn wir Kernkraftwerke abschalten." Die Kanzlerin kündigte an, sie werde am 21. Januar nach Moskau reisen und mit Putin über Vertragssicherheit sprechen. In Russland wurde Weißrussland die Schuld an dem Lieferstopp zugewiesen. Die weißrussische Forderung nach einem Transportzoll auf russisches Öl sei "ohne Beispiel in der Weltpraxis", kritisierte der russische Wirtschaftsminister German Gref. "Das ist eine unerhörte Entscheidung." Sie verletze bilaterale Vereinbarungen. Krisentreffen europäischer Energieexperten Die EU-Kommission berief für Donnerstag ein Krisentreffen ihrer Energieexperten ein. Möglicherweise stoßen auch Vertreter Russlands und Weißrusslands dazu. Aus dem Wirtschaftsministerium in Berlin verlautete, in Brüssel würden "gegebenenfalls Maßnahmen ergriffen". Die EU-Staaten können Engpässe verhindern, indem sie ihre strategischen Ölreserven freigeben. Die EU bezieht 12,5 Prozent ihres Ölverbrauchs durch die unterbrochene Leitung. Aus Weißrusslands Hauptstadt Minsk traf am Dienstag eine hochrangige Delegation zu Krisengesprächen in Moskau ein. Russland verlangt aber, vor der Aufnahme formeller Verhandlungen müsse Minsk den Transportzoll aufheben. Weißrussland hatte als Vergeltung für die Verdoppelung des Gastarifs durch Russland zu Jahresbeginn eine Transitgebühr von 45 Dollar pro Tonne Rohöls erhoben. Am Ölpreis ging die Krise bislang spurlos vorüber. Er sank am Dienstag weiter auf 54,50 Dollar je Fass leichten US-Rohöls. Grund sei der milde Winter, sagten Händler. (SZ, 10.01.07)
Im Öl-Streit sind die die Fronten verhärtet. Der russische Präsident Putin will hart durchgreifen, auch wenn die Zweifel an der Zuverlässigkeit Russlands als Energielieferant wachsen. Es könnte ein langer Konflikt werden.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/streit-ueber-energieversorgung-putin-erschreckt-die-europaeer-1.900689
Streit über Energieversorgung - Putin erschreckt die Europäer
00/05/2010
Ein Moskauer Gericht hat den Yukos-Gründer in sechs von sieben Anklagepunkten schuldig gesprochen. Menschenrechtler kritisierten das Verfahren als "unfair". Der Gründer des russischen Ölkonzerns Yukos, Michail Chodorkowski, ist am Dienstag nach einem umstrittenen Prozess zu neun Jahren Gefängnis wegen Betrugs und Steuerhinterziehung verurteilt worden. Detailansicht öffnen Michail Chodorkowski wurde im Gerichtssaal demonstrativ streng bewacht. (Foto: Foto: dpa) Das Gericht folgte mit seinem Urteil fast komplett dem Antrag der Staatsanwaltschaft, blieb allerdings beim Strafmaß ein Jahr unter den geforderten zehn Jahren Haft. Auch Chodorkowskis mitangeklagter Geschäftspartner Platon Lebedew wurde zu neun Jahren Gefängnis verurteilt. Die Vorsitzende Richterin Irina Kolesnikowa sagte, eine Berufung gegen das Urteil sei binnen zehn Tagen möglich. Die Anwälte Chodorkowskis hatten bereits vor dem Urteilsspruch angekündigt, sie würden das Urteil anfechten - nicht nur in Russland, sondern eventuell auch vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Das Gericht sprach Chodorkowski und Lebedew insgesamt in sechs von sieben Anklagepunkten schuldig. Lediglich die Anklage wegen Urkundenfälschung wurde fallen gelassen, weil sie als Teil der Steuerhinterziehung angesehen wurde. Die Anklage wegen rechtswidriger Aneignung von Aktienanteilen an der Düngemittelfabrik Apatit entfiel wegen Verjährung. Versteinerter Blick aus dem Gitterkäfig Chodorkowski blickte bei der Urteilsverkündung, die er - wie schon den gesamten Prozess - in einem Gitterkäfig über sich ergehen lassen musste, versteinert ins Leere. Sein Partner Lebedew sagte auf die Frage, ob er das Urteil verstanden habe: "Niemand bei gesundem Verstand kann diese Entscheidung verstehen." Die Staatsanwaltschaft hat inzwischen angekündigt, Chodorkowski und Lebedew als nächstes wegen Geldwäsche anzuklagen. Nach der Urteilsverkündung am Dienstag drangen laute "Schande! Schande!"-Rufe in das Moskauer Gerichtsgebäude. "Die Verurteilung zeigt, dass es in Russland keine unabhängigen Gerichte gibt", sagte die Politikerin Irina Chakamada. "Es gibt nur den allmächtigen Generalstaatsanwalt." Kritik von Menschenrechtlern Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International kritisierte das Verfahren in Moskau als "unfair". Im Fall Chodorkowski lasse vieles auf eine politische Motivation der strafrechtlichen Verfolgung schließen, erklärte der Russland-Experte der deutschen AI-Sektion, Peter Franck, am Dienstag in Berlin. Amnesty könne die Stichhaltigkeit der gegen Chodorkowski erhobenen strafrechtlichen Vorwürfe nicht abschließend beurteilen, doch die Organisation habe sich "wegen Verletzungen der Grundsätze über ein faires Verfahren" an die russischen Behörden gewandt. "Russland ist von einem Rechtsstaat weit entfernt", sagte Franck. "Immer wieder entsteht der Eindruck einer Justiz, die sich mehr den Interessen der politischen Macht als den Prinzipien des Rechts verpflichtet fühlt." CSU-Forderungen an Schröder Laut CSU-Generalsekretär Markus Söder hat das Urteil im Yukos-Prozess "mit Demokratie und Rechtsstaatlichkeit wenig zu tun". Der Unionspolitiker forderte Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) auf, sich bei Putin für Chodorkowski einzusetzen. Schröder müsse zeigen, ob ihm Menschenrechte wichtiger seien als eine oberflächliche "Männerfreundschaft". Das Urteil gegen den früheren russischen Ölmagnaten Michail Chodorkowski wird nach Auffassung eines engen Vertrauten von Präsident Wladimir Putin keine negativen Auswirkungen für das Land haben. Chodorkowskis Verurteilung zu neun Jahren Lagerhaft sei keine Überraschung, sagte der Vorsitzende des russischen Föderationsrates, Sergej Mironow. "Ich sehe keinerlei negative Folgen", wurde Mironow von der Nachrichtenagentur Interfax zitiert. Prozess als Racheakt Der Prozess hatte im Juni vergangenen Jahres begonnen. Prozessbeobachter sahen das Verfahren als Racheakt des Kreml, weil Chodorkowski vor der Parlamentswahl 2003 Oppositionsparteien finanziell unterstützt und sich offen gegen die Politik des russischen Präsidenten Wladimir Putin gestellt hatte. Die Urteilsverkündung war einmal verschoben worden und dauerte insgesamt rund zwei Wochen, weil Richterin Kolesnikowa die hunderte Seiten lange Urteilsbegründung verlas. Kritiker sahen darin einen Versuch, das nationale und auch internationale Interesse an dem Urteil zu dämpfen.
Ein Moskauer Gericht hat den Yukos-Gründer in sechs von sieben Anklagepunkten schuldig gesprochen. Menschenrechtler kritisierten das Verfahren als "unfair".
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/russland-chodorkowski-soll-fuer-neun-jahre-ins-gefaengnis-1.905795
Russland - Chodorkowski soll für neun Jahre ins Gefängnis
00/05/2010
Die Worte waren mit Bedacht gewählt, sie hatten die Wirkung eines geheimen Codes. Bei VW dürfe es "keine heiligen Kühe" geben, hatte Porsche-Chef Wendelin Wiedeking gesagt. Da könne noch viel verbessert werden. Was harmlos klang, verfehlte die Wirkung nicht. Sofort meldete sich Bernd Osterloh, der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Volkswagen, zu Wort und attackierte den Porsche-Mann mit vorher nie gekannter Vehemenz. Der habe "einen Vertrag zu Lasten der VW-Belegschaft gemacht". Das Vorgehen des Porsche-Chefs stehe "dem Demokratieprinzip der sozialen Marktwirtschaft entgegen." Sogar vom "Schlag ins Gesicht" der Arbeitnehmer im VW-Konzern war die Rede. Osterloh attackierte überdies seinen Betriebsratskollegen von Porsche, Uwe Hück. Der habe die Unwahrheit gesagt, und stürzte damit die IG Metall in einen Konflikt, den sie in den letzten Tagen nur mit Mühe unter Kontrolle bekam. Der Kleine schluckt den Großen Zwischen VW und Porsche fallen ungewohnt harte Worte. Bisher galten der große und der kleine Autohersteller als Geschwister im Geiste, die beide ihren Ursprung dem alten Autoingenieur Ferdinand Porsche verdanken, dem Erfinder des VW-Käfers und Gründer der Sportwagenfabrik in Stuttgart-Zuffenhausen. Beide Firmen arbeiten traditionell zusammen. Die Verbindung wird noch dadurch verstärkt, dass Ferdinand Piëch, der langjährige Vorstandsvorsitzende von VW und heutige Aufsichtsratschef, ein Enkel des alten Porsche ist. Jetzt ist der Friede gestört, weil sich Porsche anschickt, Volkswagen zu übernehmen. Der Kleine schluckt den Großen. Die Zuffenhausener, die knapp 100.000 Autos im Jahr bauen, halten schon 31 Prozent der Aktien des Konzerns, der weit über fünf Millionen Autos herstellt. Spätestens in einem halben Jahr halten sie die Mehrheit an Volkswagen. Daher baut Porsche-Chef Wiedeking schon eine Holding-Gesellschaft, die beide Autohersteller führen soll. In der Oberfirma sind aber keine VW-Manager vorgesehen und die VW-Betriebsräte dürfen nur die Hälfte der Arbeitnehmersitze im Aufsichtsrat besetzen. Den Rest bekommen die Arbeitnehmer von Porsche. Das sorgt für Wut und Verunsicherung in Wolfsburg. Zwischen Porsche und VW ist ein regelrechter Kulturkampf ausgebrochen. Die mächtigen Betriebsräte bei VW fürchten um ihren Einfluss. Mit dem Einzug von Porsche kommen auch die Methoden des Zuffenhausener Sportwagenherstellers in Wolfsburg an. Die unterscheiden sich erheblich von denen bei VW. Vor allem gilt das für den Umgang von Management und Betriebsräten. Bei Porsche führt seit 13 Jahren der selbstbewusste Wendelin Wiedeking die Regie. Er macht Druck auf die Fabriken und erwartet jedes Jahr einen Produktivitätsfortschritt von mindestens fünf Prozent. "Nicht für Weicheier" Die Gewerkschaft hält sich Wiedeking vom Hals, indem er mit wachsendem Umsatz auch für mehr Arbeitsplätze sorgt. Der Betriebsratschef von Porsche, Uwe Hück, hat eine starke Stellung. Aber er ist nicht Co-Manager des Vorstandschefs, sondern Gegenspieler. "Das ist nichts für Weicheier", sagt Hück. Wiedeking sekundiert: "Ich habe von Schmusekurs noch nie etwas gehalten". Das ist bei VW traditionell anders. In Wolfsburg gibt es eine enge Symbiose zwischen Betriebsräten und Management.
Bei Volkswagen herrscht Alarmstimmung, seit sich der harte Führungsstil von Porsche dort breitmacht.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/ende-der-kuschelkultur-bei-vw-bauchgrimmen-in-wolfsburg-1.890126
Ende der Kuschelkultur bei VW - Bauchgrimmen in Wolfsburg
00/05/2010
Die SPD macht Front gegen das geplante Ende des deutschen Briefmonopols zum 31. Dezember 2007. Die Sozialdemokraten fürchten, dass künftige Anbieter die Post mit Dumpinglöhnen attackieren werden. Arbeitsminister Franz Müntefering und Finanzminister Peer Steinbrück warnten, dass die Rahmenbedingungen für eine vollständige und faire Öffnung des Postmarktes nicht gegeben seien. Detailansicht öffnen Briefe unter 50 Gramm unterliegen bis Ende 2007 dem Briefmonopol. (Foto: Foto: dpa) Arbeitsminister Franz Müntefering fürchtet nach Informationen der Süddeutschen Zeitung, dass künftige und schon agierende Anbieter die Deutsche Post mit Dumpinglöhnen attackieren werden. Steinbrück ist ein Dorn im Auge, dass vom kommenden Jahr an zwar ausländische Postunternehmen in der Bundesrepublik tätig werden können, die Herkunftsländer aber ihre heimischen Märkte weiter gegen Konkurrenz etwa aus Deutschland abschotten. Monopol beim größten Teil der verschickten Briefe Die Post verfügt noch über ein Monopol für die Zustellung von Sendungen mit einem Gewicht unter 50 Gramm. Das ist ein Großteil aller verschickten Briefe. Deutschland will diesen Bereich ab 2008 für den Wettbewerb freigeben. Nach Plänen der Europäischen Union sollen ab 2009 alle EU-Staaten ihre Märkte öffnen. Länder wie Frankreich, Italien und Griechenland machen aber bislang keinerlei Anstalten, die bestehenden Monopole aufzuheben. Andere Mitgliedsstaaten wie etwa Großbritannien lassen ausländische Anbieter zwar ins Land, aber nur unter zahllosen Auflagen. Müntefering trug seine Kritik an der bisherigen Zeitplanung am Montagabend beim Treffen der Koalitionsspitzen im Kanzleramt vor. Plädoyer für Ausdehnung des Entsendegesetzes Er plädierte dafür, die ohnehin vorgesehene Einführung von tariflichen Mindestlöhnen in einigen ausgewählten Branchen über das sogenannte Entsendegesetz auf den Postmarkt auszudehnen. Zur Begründung erklärte der Vizekanzler dem Vernehmen nach, viele Konkurrenten des ehemaligen Staatsunternehmens stellten Mitarbeiter auf Teilzeit- oder Mini-Job-Basis ein. Die Unternehmen würden sich also oft indirekt über soziale Transfers finanzieren. Manche Wettbewerber bemühten sich gar aggressiv darum, 13-jährige Schüler als Briefträger zu gewinnen.
Die SPD macht Front gegen das geplante Ende des deutschen Briefmonopols zum 31. Dezember 2007. Die Sozialdemokraten fürchten, dass künftige Anbieter die Post mit Dumpinglöhnen attackieren werden.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/sorge-um-die-post-spd-will-briefmonopol-erhalten-1.903205
Sorge um die Post - SPD will Briefmonopol erhalten
00/05/2010
Die Google-Gründer Page und Brin werben bei der Frankfurter Buchmesse für ihr neue Suchmaschine "Google Print". Damit können Internet-Surfer in Büchern nach Stichworten suchen. Die Verlage sind noch misstrauisch. Bei ihren Auftritten werden Larry Page und Sergey Brin von Fotografen und Kameras umzingelt wie Popstars. Dabei gleichen die 30- und 31jährigen Gründer der Internetsuchmaschine Google eher Vertretern einer Studenten-Firma als Repräsentanten des amerikanischen Big Business. Detailansicht öffnen Surfer beim "googlen". (Foto: Foto: Reuters) Google sei eben keine gewöhnliche Firma und wolle auch keine werden, erläutern die beiden Manager ihre Philosophie. Suchmaschine muss weiter ausgebaut werden Frei nach dem Motto "Spaß haben und dabei nichts Böses tun", haben sich die beiden Google-Jungs zum Ziel gesetzt, die Lebensqualität ihrer Kunden zu verbessern. Dazu muss auch die Suchmaschine weiter ausgebaut werden. Demnächst sollen Google-Nutzer deshalb auch in Büchern nach bestimmten Stichworten suchen können. Um dieses neue Angebot vorzustellen, sind Page und Brin am Donnerstag eigens zur Frankfurter Buchmesse geeilt. Kontakte aufnehmen Schließlich gilt es hier, auf der größten Bücherschau der Welt, Kontakte zu den Verlagen aufzunehmen und sie davon zu überzeugen, dass die Internetfirma ihnen keineswegs Konkurrenz machen will. Mit Google Print, so der Name des Produkts, seien die Bücher nicht von vorne bis hinten zu lesen, sondern immer nur einzelne Seiten, auf denen das vom Nutzer eingegebene Suchwort erscheine.
Die Google-Gründer Page und Brin werben bei der Frankfurter Buchmesse für ihr neue Suchmaschine "Google Print". Damit können Internet-Surfer in Büchern nach Stichworten suchen. Die Verlage sind noch misstrauisch.
wirtschaft
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Google - Suchdienst für Leseratten
00/05/2010
Auch 17 Jahre nach der Wiedervereinigung wird im Osten deutlich weniger verdient als im Westen, so die Auswertung einer Online-Umfrage. Dafür haben manche Ost-Regionen den Westen in ihrer Wirtschaftsdynamik schon überholt. Im Osten Deutschlands wird nach wie vor deutlich weniger verdient als im Westen. Im Durchschnitt liegen die Einkommensunterschiede bei 21 Prozent. Das geht aus den Zahlen der Online-Gehaltsumfrage lohnspiegel.de harvor. Im Auftrag der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung können Besucher dieser Internetseite ihre Löhne angeben. Rund 70.000 Beschäftige aus ganz Deutschland haben sich bisher an der Umfrage beteiligt. Die Bild-Zeitung hat die bisher abgegebenen Zahlen der Umfrage zum wiederholten Mal ausgewertet und ein Lohngefälle zwischen Ost- und Westdeutschland festgestellt, welches bis zu 41 Prozent betragen kann. "Die Auswertung zeigt, dass die Schere bei den tatsächlichen gezahlten Einkommen zwischen Ost und West nach wie vor sehr weit offen ist", kommentierte Reinhard Bispinck von der Hans-Böckler-Stiftung die Zahlen. Schere weit offen Die Gewerkschaften kritisierten die Lohn-Unterschiede in Deutschland scharf. "Dass die durchschnittlichen Arbeitseinkommen im Osten immer noch deutlich unter denen im Westen liegen, ist nicht zu rechtfertigen", sagte DGB-Vize-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock. "Die Gründe der unbefriedigenden Bilanz sind: höhere Arbeitslosigkeit, geringere Tarifbindung der Unternehmen, weniger überbetriebliche Bezahlung und manchmal leider auch die Eingruppierung in zu niedrige Lohngruppen", betonte Sehrbrock. Sowohl für Ost als auch für West gilt, dass die Löhne in Deutschland verhältnismäßig langsam steigen. Die Bruttogehälter in Deutschland legten demnach im vergangenen Jahr um 1,1 Prozent zu, wie Berechnungen des Statistischen Bundesamts ergeben. Löhne steigen langsam Das war mehr als 2005, als die Löhne um 0,6 Prozent gestiegen waren. Sie blieben aber deutlich unter den Steigerungen der Jahre 2000 bis 2004, die damals jährlich zwischen 1,3 und 2,7 Prozent lagen. Insgesamt ist Arbeit in Deutschland aber relativ teuer: Mit 28,70 Euro kostete eine Arbeitsstunde inklusive Lohnnebenkosten in Deutschland im vergangenen Jahr so viel wie in kaum in einem anderen EU-Staat, so die Statistik. Hoffnung für zumindest zwei neue Bundesländer gibt es laut einem neuen Studie, die im Auftrag der "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft" und der Wirtschaftswoche die Wirtschaftlichkeit jedes einzelnen Bundeslands untersucht und miteinander verglichen hat. Zweitbester Platz für Sachsen-Anhalt Laut diesem Bundesländerranking 2007 ist Baden-Württemberg derzeit das Bundesland mit der größten wirtschaftlichen Dynamik. Doch schon auf dem zweiten Platz folgt Sachsen-Anhalt - noch vor Hamburg auf Platz zwei. Das in seinem Bestand seit Jahren wirtschaftsstärkste Bundesland Bayern ist in der diesjährigen Dynamik-Liste auf den vierten Platz gerutscht. Nach dem Saarland auf dem fünften Platz ist Sachsen die Nummer Sechs. Damit belegen zwei Bundesländer aus Ostdeutschland Plätze in der ersten Hälfte des Rankings. Als wirkliche Überraschungen gelten die Plätze zwei und drei. Die wissenschaftliche Studie vergleicht nach Angaben der Auftraggeber die Länder anhand von 33 ökonomischen und standortrelevanten Indikatoren. Diese reichten vom Bruttoinlandsprodukt bis zur Investitionsquote. Ausschlaggebend für die Platzierung in der Dynamik-Liste sind ausschließlich die Veränderungen zwischen 2004 und 2006.
Auch 17 Jahre nach der Wiedervereinigung wird im Osten deutlich weniger verdient als im Westen, so die Auswertung einer Online-Umfrage. Dafür haben manche Ost-Regionen den Westen in ihrer Wirtschaftsdynamik schon überholt.
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Lohngefälle in Deutschland - Bis zu 40 Prozent weniger Lohn im Osten
00/05/2010
Der Mann kann offenbar alles. ,,In dieser kritischen Situation'' habe man nach einem Kandidaten gesucht, der ,,neue Ansätze und neue Ideen ins Unternehmen bringen könne und die Fähigkeit besitze, Wandel und Wachstum voranzutreiben'', sagt - nicht Gerhard Cromme, der Aufsichtsratsvorsitzende von Siemens, über den Mann, der den Elektrokonzern vom Juli an führen soll. Die Lobeshymne stammt von Richard Clark, dem Chef des amerikanischen Pharma-Konzerns Merck. Der hatte Löscher erst vor gut einem Jahr zum zweiten Mann in dem Unternehmen mit Sitz im amerikanischen Bundesstaat New Jersey gemacht. Jetzt ist der Österreicher wieder auf dem Sprung: nach München. Bei dem von einer Korruptionskrise geschüttelten Elektromulti wird er von manchen ähnlich enthusiastisch begrüßt wie damals bei Merck. Cromme, der als Chef des Aufsichtsrates vier Wochen lang einen Nachfolger für den zurückgetretenen Konzernchef Klaus Kleinfeld suchte, sagt über den 49-jährigen Löscher, dieser sei ,,eine herausragende Persönlichkeit'', habe ein ,,internationales Renommee'' und verfüge über ,,breite Erfahrung'' in strategischen Fragen. Kurzum: Siemens liege bei ihm ,,in besten Händen''. Cromme hat gute Gründe, die Vielseitigkeit des Kandidaten zu rühmen. Löscher hat in dem verschachtelten Konzern mit zehn Geschäftsbereichen und den 475000 Beschäftigten eine schwierige Aufgabe vor sich. Sechs lange Monate stand Siemens in der Öffentlichkeit, weil der Konzern sich Auslandsaufträge mit Bestechungsgeld erkauft haben soll, zwischenzeitlich saßen sogar Vorstandsmitglieder in Untersuchungshaft. Immerhin gilt der studierte Wirtschaftswissenschaftler als Mann, der zupacken kann. Einer, der Löscher kennt, sagt, der könne gut zuhören. Vor allem gehöre er nicht in die Kategorie der Wichtigtuer, ,,die überall seinen Senf dazu geben müssen''. Dass er Führungsqualität besitzt, bewies Löscher in jungen Jahren. Da war er Kapitän der österreichischen Volleyball-Nationalmannschaft. An verschwiegenem Ort Siemens ist ein komplexes Unternehmen, das in 190 Ländern vertreten ist, das von der elektronischen Maschinensteuerung über Computertomographen und Glühbirnen bis hin zum Kraftwerk oder dem Magnetzug Transrapid alles anzubieten hat, was unter der Rubrik High-Tech läuft und es ist ein verunsichertes Unternehmen. Die Bestechungsaffären haben die Belegschaft verunsichert wie nichts zuvor. ,,Die Leute haben Angst'', sagt der Gesamt-Betriebsratsvorsitzende Ralf Heckmann. Die Sorge über die Wirkung der Korruptionsaffäre gehe soweit, dass Mitarbeiter um ihre Altersversorgung fürchteten. Am 1. Juli soll die neue Zeit bei Siemens beginnen, dann tritt Peter Löscher am Wittelsbacher Platz an. Er ist ein Kandidat, den vorher nur wenige auf dem Radarschirm hatten. Aber der Mann, der seine ersten beruflichen Schritte bei der Unternehmensberatung Kienbaum machte, der dann zwölf Jahre bei der Hoechst AG oder deren Nachfolgefirmen war, dann bei der britischen Pharma-Gesellschaft Amersham, kurz bei General Electric tätig war, bevor er für ein gutes Jahr bei Merck im Vorstand saß - dieser Mann hat seit einigen Wochen ganz oben auf der Kandidatenliste gestanden, sagt jedenfalls Cromme. Schon als um den 25. April herum klar war, dass der erst zwei Jahre amtierende Klaus Kleinfeld den Chefposten verlassen würde, sei Cromme auf Löscher aufmerksam geworden, heißt es in Aufsichtsratskreisen. Er habe den Kandidaten, der in Spanien, den USA, Großbritannien und Japan tätig war, selbst nicht gekannt. ,,Der Mann ist Cromme empfohlen worden'', heißt es im Aufsichtsrat.
Der neue Vorstandsvorsitzende bei Siemens muss schnell sein eigenes Netzwerk installieren - sonst wird er scheitern.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/wie-cromme-den-kleinfeld-nachfolger-fand-wettlauf-gegen-die-zeit-1.916016
Wie Cromme den Kleinfeld-Nachfolger fand - Wettlauf gegen die Zeit
00/05/2010
Der Tarifkonflikt zwischen Bahn und Zugführern dürfte verbissen geführt werden - weil beide Seiten sich stur stellen. Es ist Montagfrüh, fünf Minuten vor neun, als der Vorsitzende den Raum im vierten Stock betritt. Er wird jetzt symbolisch die Auszählung der Stimmen eröffnen und dazu ein paar der 25 Postkörbe nehmen und auf den Konferenztisch kippen, der Fernsehbilder wegen. Die Gewerkschaftszentrale liegt in einem Wohngebiet am Rand der Frankfurter Innenstadt, in den Häusern gegenüber werden die Schlafzimmer gelüftet, aber Manfred Schell ist bereits voll im Dienst; er hält sich nicht mit einem "Guten Morgen" auf. Er sagt stattdessen: "Attacke!" Es sind 8742 Mitglieder der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), die sich an der Urabstimmung beteiligt haben, deren Antwortbriefe an diesem Vormittag also auszuzählen sind. Keine Zweifel Niemand zweifelt daran, dass die Gewerkschaft jene 75 Prozent Zustimmung erreichen wird, die sie für einen Streik braucht. Warum sollte ausgerechnet bei der GDL passieren, was noch nie in Deutschland passiert ist: dass eine Gewerkschaftsführung eine Urabstimmung verliert. Manfred Schell, 64 Jahre alt, ist in den vergangenen Tagen oft als jemand beschrieben worden, der seinen privaten Kampf gegen das Unternehmen Deutsche Bahn und dessen Chef Hartmut Mehdorn führt, als jemand, der sich kurz vor seiner Pensionierung noch ein Denkmal setzen will, mit einem eigenen Tarifvertrag für die Lokführer. Wenn das so ist, dann steht jedoch knapp vier Stunden später an diesem Montag fest, dass er über ziemlich viele Kampfgenossen verfügt. 8375 GDL-Mitglieder haben für den Streik gestimmt, eine Zustimmungsquote von 95,8 Prozent ist das. Was natürlich nicht ausschließt, dass dieser Kampf beides ist: der der Lokomotivführer um einen eigenen Tarifvertrag und der ihres Anführers gegen den Chef der Bahn. Man muss gar nicht die Auszählung abwarten, man muss Manfred Schell nicht einmal auf Mehdorn ansprechen, um zu diesem Eindruck zu gelangen. Man muss ihm nur zuhören, während er seine Postkörbe auskippt. "Prozesshanselei!" "Da sollen bei ihm mal die Lampen angehen", sagt Schell. "Da braucht er gar nicht über Prozesshanselei nachzudenken", fährt er fort. "Die Kommentare kann er sich sparen", fügt er an. Alles so Satzbrocken, hingeworfen, ohne dass einer eine Frage gestellt hätte. Und "Mehdorn", gar "Herr Mehdorn", sagt Schell sowieso nicht. Nur "er" und "ihm". Es wird dies wohl der verbissenste Tarifkonflikt, den es seit langem in Deutschland gegeben hat.
Der Tarifkonflikt zwischen Bahn und Zugführern dürfte verbissen geführt werden - weil beide Seiten sich stur stellen.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/streikbeschluss-der-lokfuehrer-attacke-und-gegenattacke-1.903750
Streikbeschluss der Lokführer - Attacke und Gegenattacke
00/05/2010
Kirk Kerkorian hat der Führung von DaimlerChrysler vorgeworfen, die Aktionäre bei der Fusion des deutschen und des US-Autoherstellers vor fünf Jahren bewusst getäuscht zu haben. Für eine Fusion würden "Vertrauen und Ehrlichkeit" gebraucht, Daimler habe stattdessen auf "Betrug" gesetzt, sagte Kerkorian im Verfahren gegen DaimlerChrysler vor einem Bezirksgericht in Wilmington im US-Bundesstaat Delaware. Der 86-Jährige beschuldigt Konzernchef Jürgen Schrempp, statt der verkündeten Fusion "unter Gleichen" vielmehr die Übernahme des US-Autobauers betrieben zu haben. Schrempp soll nächste Woche in dem Verfahren aussagen. Hoher Schadensersatz Kerkorian verlangt Schadensersatz von dem Konzern in Höhe von 1,2 Milliarden Dollar (rund eine Milliarde Euro). Bei seinem Gerichtsauftritt am zweiten Prozesstag argumentierte er, dass Daimler für eine Übernahme einen höheren Preis an die Aktionäre hätten zahlen müssen als bei einem Zusammenschluss unter Gleichberechtigten. Der 86-Jährige, der sein Vermögen vor allem mit Kasinos und Hotels in Las Vegas erworben hat, war seinerzeit über seine Investmentgruppe Tracinda mit einem Anteil von 14 Prozent der Hauptaktionär von Chrysler. Er sagte, er habe sich vor allem auf das Urteil des damaligen Chrysler-Chefs Robert Eaton verlassen. Dieser habe ihm versichert, dass sein Unternehmen nicht "verkauft" werde. Eaton habe dieses Wort nie in den Mund genommen, sondern immer nur von einer "Fusion" gesprochen. "Fusion unter Gleichen" Seine Klage stützt Kerkorian in erster Linie auf ein drei Jahre altes Interview Schrempps mit der Financial Times. Darin hatte der DaimlerChrysler-Chef indirekt eingeräumt, die "Fusion unter Gleichen" von Anfang an als Übernahme des US-Autobauers geplant zu haben. Kerkorian sagte, er sei über das Interview "sehr überrascht, sehr bestürzt" gewesen. Auch sei er sehr aufgebracht gewesen, dass die Leitung des deutsch-amerikanischen Konzerns hauptsächlich von Deutschen übernommen worden sei. DaimlerChrysler-Anwalt Jonathan Lerner hatte dagegen am ersten Prozesstag angeführt, Kerkorian sei es seinerzeit gleichgültig gewesen, ob die deutschen und amerikanischen Manager in den Gremien des Konzerns gleichgewichtig verteilt sein. Außergerichtliche Einigung Der Konzern hat wiederholt argumentiert, dass Kerkorian von Anfang an in alles eingeweiht gewesen sei und den Deal sogar vorangetrieben habe, um Profit daraus zu schlagen. Vor drei Monaten hatte sich DaimlerChrysler bereits gegen Zahlung von 300 Millionen Dollar mit einer Gruppe von Kleinaktionären außergerichtlich geeinigt. Die Sammelklage stützte sich auf die selben Argumente wie Kerkorian, sollte jedoch vor einem Geschworenengericht verhandelt werden. Im Fall Kerkorian haben die DaimlerChrysler-Anwälte durchgesetzt, dass ein Richter das Urteil fällt. Geschworene gelten in den USA als wenig berechenbar. Richter Joseph Farnan Jr. hat neben Kerkorian und Schrempp auch Finanzvorstand Manfred Gentz und Eaton vorgeladen. Zwar sind nur bis zum 17. Dezember Verhandlungen angesetzt. Farnan kündigte jedoch an, er werde vor dem Frühjahr kein Urteil verkünden.
Kirk Kerkorian hat der Führung von DaimlerChrysler vorgeworfen, die Aktionäre bei der Fusion des deutschen und des US-Autoherstellers vor fünf Jahren bewusst getäuscht zu haben.
wirtschaft
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Kerkorian vs. DaimlerChrysler - Milliardär im Zeugenstand
00/05/2010
Der Innungsverband des Zimmererhandwerks Westfalen stimmte gegen den Kompromiss, der im Juni nach zähen Verhandlungen für die Baubranche gefunden wurde. Für die Annahme der Tarifvereinbarung für die 800.000 Beschäftigten am Bau war eine Einstimmigkeit unter den Arbeitgeberverbänden vorgesehen. Damit steht auch der Flächentarif am Bau vor dem Scheitern. Detailansicht öffnen Der Flächentarif am Bau steht vor dem Scheitern. (Foto: Foto: AP) Der Kompromiss sah die Rückkehr von der 39- zur 40-Stunden-Woche und ein Prozent mehr Lohn vor. Die Erklärungsfrist gegenüber der Gewerkschaft IG BAU endet an diesem Freitag um 12.00 Uhr. Die IG BAU hatte neue Verhandlungen ausgeschlossen. Die derzeit geltenden Bau-Tarifverträge laufen Ende 2006 aus. Das Zimmererhandwerk Westfalen ist einer der kleineren Arbeitgeberverbände, die dem Vertrag zustimmen mussten. Der Verband hat rund 600 Mitgliedsbetriebe mit durchschnittlich 20 Beschäftigten. Fast einstimmige Entscheidung Die Erhöhung der Wochenarbeitszeit bringe keine wirkliche Entlastung und die ein-prozentige Lohnerhöhung sei eine unzumutbare Belastung, erklärte der Verband zur Begründung. Das Baugewerbe brauche eine Flexibilisierung des Arbeitsmarktes. Die Entscheidung fiel mit 22 von 23 Stimmen. Andere zunächst kritische Arbeitgeberverbände wie Niedersachsen und Hessen hatten dagegen für den Kompromiss gestimmt, obwohl sie den Verhandlungsführern das Mandat für Gespräche vorher entzogen hatten. Der Hauptgeschäftsführer des hessischen Verbandes, Rainer von Borstel, sagte: "Von uns aus wäre der Weg frei gewesen." Er setze jetzt auf neue Gespräche. "Alles oder nichts" Die IG BAU lehnte zunächst eine Stellungnahme ab. Zuvor hatte IG- BAU-Chef Klaus Wiesehügel eine Aufweichung des Ergebnisses aber ausgeschlossen. "Entweder gibt es alles oder nichts, überall oder nirgendwo", hatte Wiesehügel erklärt. Für den Fall des Scheiterns hatte er bereits dezentrale Verhandlungen angekündigt. "Dann werden wir den schweren Weg von Haustarifen und Landestarifen gehen müssen." Das könnte dann zu einer Zersplitterung der Tarife führen. Die Baubranche steckt seit Mitte der 90er Jahre in einer Krise. Seither gehen die Aufträge Jahr für Jahr zurück. Gleichzeitig tobt wegen der Überkapazitäten ein Preiskampf, der Lohndumping und Schwarzarbeit Vorschub leistet. Seit Mitte der 90er Jahre hat die Hälfte der Beschäftigten am Bau ihren Job verloren.
Der Innungsverband des Zimmererhandwerks Westfalen stimmte gegen den Kompromiss, der im Juni nach zähen Verhandlungen für die Baubranche gefunden wurde.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/baugewerbe-tarifkompromiss-vor-dem-aus-1.918410
Baugewerbe - Tarifkompromiss vor dem Aus
00/05/2010
Der Bundesgerichtshof verhandelt derzeit über einen möglichen Schadensersatz für Aktionäre bei falschen Ad-hoc-Mitteilungen. Der Bundesgerichtshof (BGH) prüft am Fall der Software-Firma Infomatec, ob geprellte Anleger bei falschen Pflichtmitteilungen eines Unternehmens leichter als bisher direkt gegen die Vorstände vorgehen können. Detailansicht öffnen Aktionäre können vorsätzliche sittenwidrige Schädigungen bisher kaum nachweisen. (Foto: Foto: AP) Am Montag verhandelte das Karlsruher Gericht über mehrere Aktionärsklagen gegen die einstigen Vorstände des Augsburger Unternehmens. Anlegerfreundliche Tendenz Die Kläger verlangen Schadensersatz, weil sie durch unrichtige Ad-hoc-Mitteilungen über angebliche Millionenaufträge zum Kauf von Aktien verleitet worden seien. In der Verhandlung ließ der II. BGH-Zivilsenat eine eher anleger-freundliche Tendenz erkennen. Ein Urteil soll am 19. Juli verkündet werden. Das Unternehmen, das im Juli 1998 an die Börse gegangen war, war im Laufe des Jahres 1999 mit mehreren falschen Ad-hoc-Mitteilungen an die Öffentlichkeit gegangen. 15 Millionen Euro Gewinn Der frühere Infomatec-Vorstand Alexander Häfele wurde daraufhin Anfang Mai dieses Jahres wegen Kursbetrugs und Insiderhandels zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Das Augsburger Landgericht hatte es als erwiesen angesehen, dass er in drei Fällen Anleger massiv geschädigt und sich Gewinne in Höhe von rund 15 Millionen Euro verschafft habe. Bereits Ende 2003 war der mitangeklagte Infomatec-Gründer Gerhard Harlos nach einem Teilgeständnis zu einer zweijährigen Bewährungs-strafe verurteilt worden. Das Karlsruher Gericht verhandelte über mehrere Musterklagen über zusammen mehr als 180.000 Euro. Der Münchner Anwalt Klaus Rotter hat nach eigenen Angaben noch etwa 50 Fälle in der Warteschlange. Beweiserleichterung für Anleger Laut BGH kommt zwar grundsätzlich eine Haftung wegen "vorsätzlicher sittenwidriger Schädigung" in Betracht. Voraussetzung sei allerdings, dass die — unstreitig falsche — Mitteilung auch den Ausschlag für die Order des Anlegers gegeben habe, sagte der Senatsvorsitzende Volker Röhricht. Weil ein Aktionär dies aber kaum je nachweisen könne, müsse der BGH hier über Beweiserleichterungen nachdenken. Eine mögliche Regel könnte nach Röhrichts Worten lauten: Je kürzer die Frist zwischen Mitteilung und Order und je markt-schreierischer die Wortwahl, desto wahrscheinlicher sei es, dass sich der Anleger durch die positive Unternehmensnachricht habe verleiten lassen.
Der Bundesgerichtshof verhandelt derzeit über einen möglichen Schadensersatz für Aktionäre bei falschen Ad-hoc-Mitteilungen.
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Falsche Pflichtmitteilungen - Geprellte Aktionäre dürfen hoffen
00/05/2010
Ein Urteil des Berliner Verwaltungsgerichts gefährdet möglicherweise die Sanierung des angeschlagenen Karstadt-Quelle-Konzerns. Dem Kaufhaus-Konzern Karstadt-Quelle drohen weitere Belastungen in dreistelliger Millionenhöhe. Detailansicht öffnen Die Sprecherin von bis zu 50 überlebenden Wertheim-Erben, Barbara Principe (74), Tochter von Günther Wertheim. Im Hintergrund ein Plakat mit dem ehemaligen Wertheim-Kaufhaus. (Foto: Foto: dpa) Der Konzern erlitt am Freitag vor dem Verwaltungsgericht Berlin eine Niederlage gegen die Erben des Kaufhausgründers Wertheim. Die jüdische Familie war 1937 von den Nazis enteignet worden. Das Gericht ließ keine Revision zu, Karstadt will die Entscheidung jedoch vom Bundesverwaltungsgericht überprüfen lassen. Die Jewish Claims Conference, von der die Erben vertreten werden, warf dem Konzern "Verzögerungstaktik" vor, erklärte sich aber zu Verhandlungen bereit. Das Urteil der Berliner Verwaltungsrichter gefährdet möglicherweise die Sanierung des angeschlagenen Karstadt-Quelle-Konzerns. Gespräche abgelehnt Aktuell muss der Handelskonzern zwar keine Entschädigung an die Jewish Claims Conference (JCC) zahlen, die Entscheidung zieht aber voraussichtlich weitere Forderungen in einer Größenordnung von bis zu 500 Millionen Euro nach sich. Konzern-Sprecher Jörg Howe betonte, die Existenz des Unternehmens sei durch das Urteil nicht gefährdet. Der Kurs des Unternehmens brach nach der Entscheidung zeitweise um 4,95 Prozent ein. Der Berliner Anwalt der Wertheim-Familie, Matthias Druba, appellierte an die neue Führung von Karstadt, das Urteil zu akzeptieren - auch, um sich nicht selbst zu schaden. "Der Kurseinbruch wäre nicht nötig gewesen, wenn sich der Konzern nicht allen Gesprächen verweigern würde", sagte Druba der Süddeutschen Zeitung. Erst Anfang des Jahres habe die Jewish Claims Conference, die die Rechte der etwa 50 Wertheim-Erben wahrnimmt, noch einmal um Gespräche gebeten, Karstadt habe aber abgelehnt. JCC-Vizedirektor Jürgen Roth erklärte, weitere juristische Händel seien nun "reine Verzögerungstaktik". Sanierung "nicht zu Lasten der NS-Verfolgten" Schon jetzt kündigte Anwalt Druba an, dass trotz der schwierigen Lage des Konzerns nicht mit Zugeständnissen der Erben zu rechnen sei. "Die Sanierung des Konzerns kann nicht zu Lasten der NS-Verfolgten erfolgen. Wir können Karstadt-Quelle das Geld nicht schenken."
Ein Urteil des Berliner Verwaltungsgerichts gefährdet möglicherweise die Sanierung des angeschlagenen Karstadt-Quelle-Konzerns.
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Wertheim-Erben erringen Sieg - Karstadt-Quelle drohen Forderungen in Millionenhöhe
00/05/2010
Die deutsche Wirtschaft ist im zweiten Quartal des Jahres in die Stagnation zurückgefallen. Zwar blieben die Exporte stark und die Unternehmen investierten mehr. Doch die Importe stiegen noch stärker und die Verbraucher zeigten sich zurückhaltend. Im zweiten Quartal blieb das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gegenüber dem Vorquartal preis-, saison- und kalenderbereinigt mit 0,0 Prozent konstant, meldete das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden. Detailansicht öffnen Ein Container-Schiff wird am Burchardkai in Waltershof in Hamburg beladen. Der Export lief im vergangenen Quartal zwar auf Hochtouren, aber die Importe stiegen noch stärker. (Foto: Foto: ddp) Zu Jahresbeginn war die Wirtschaftsleistung noch deutlich um 0,8 Prozent gestiegen - allerdings war dieser Wert statistisch überhöht. Experten rechnen für das laufende dritte Quartal allerdings bereits wieder mit einer deutlichen Erholung. Der Export läuft zwar weiter auf Rekordniveau. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres stiegen die Ausfuhren um 5,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr und erreichten mit 382 Milliarden Euro einen Rekordwert in der Nachkriegsgeschichte. Saldo entscheidend Da gleichzeitig aber die Importe mengenmäßig stärker zulegten als die Exporte, ergab sich für den Außenbeitrag ein Minus. Der Saldo von Exporten und Importen ist für die konjunkturelle Entwicklung entscheidend. Das schwache Wachstum überraschte viele Experten, die größtenteils mit leicht positiven Zahlen gerechnet hatten. Von einer Rezession wollten Volkswirte aber nicht sprechen. "Die Konjunktur hat an Schwung verloren, aber die Delle ist bereits durchschritten", sagte Volkswirt Andreas Scheuerle von der DekaBank. Bereits im Juni habe sich die Dynamik wieder erhöht. Rechnet man das Wachstum des ersten Halbjahres zusammen, ergibt sich ein solides Plus von 0,6 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2004. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) erwartet wegen der guten Auftragslage und einer Aufhellung der Stimmung für das dritte Quartal ein Wachstum von 0,5 Prozent zum Vorquartal. An Prognosen wird fest gehalten Wirtschaftsforschungsinstitute und Großbanken halten ungeachtet der neuen Daten an ihrer Prognose für das Gesamtjahr fest. Die führenden Institute hatten ihre Schätzung bereits im Frühjahr von 1,5 auf 0,7 Prozent halbiert, die Bundesregierung geht von 1,0 Prozent aus. Das Bundesamt korrigierte am Donnerstag seine Daten für die letzten Jahre. Demnach blieb das Wachstum im ersten Quartal 2005 mit 0,8 Prozent fast drei Zehntel niedriger als bislang berechnet. Die Statistiker hatten zunächst von mehr als 1,0 Prozent Plus gesprochen. Das Konjunkturtal im zweiten Halbjahr 2004 fiel mit zwei Mal minus 0,1 Prozent im dritten und vierten Quartal tiefer aus als zunächst gemeldet. Zwei Arbeitstage mehr Im Vergleich zum Vorjahr wuchs die Wirtschaft im zweiten Quartal dagegen um 1,5 Prozent. Allerdings standen zwei Arbeitstage mehr zur Verfügung als vor einem Jahr. Rechnet man diesen Kalendereffekt heraus, hätte das Wachstum lediglich 0,6 Prozent betragen. Die Wirtschaftsleistung wurde im zweiten Quartal von 38,9 Millionen Erwerbstätigen erbracht, das waren 0,1 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Ausführlichere Ergebnisse gibt das Statistische Bundesamt am 23. August bekannt.
Die deutsche Wirtschaft ist im zweiten Quartal des Jahres in die Stagnation zurückgefallen. Zwar blieben die Exporte stark und die Unternehmen investierten mehr. Doch die Importe stiegen noch stärker und die Verbraucher zeigten sich zurückhaltend.
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Konjunktur - Deutsche Wirtschaft in der Sommer-Starre
00/05/2010