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Der Bund will sich mit weiteren 2,1 Milliarden Euro verschulden, um das Straßen- und Schienennetz trotz des Desasters bei der Lkw-Maut ausbauen zu können. Die Rückzahlung soll aus künftigen Maut-Erlösen erfolgen. Fast ein halbes Jahr nach dem ursprünglichen Termin für die Einführung der Lkw-Maut in Deutschland gibt es in der Bundesregierung erstmals konkrete Pläne, wie das Malheur finanziell bewältigt und die Bauindustrie vor weiteren Rückschlägen verschont werden könnte. Laut einem der Süddeutschen Zeitung vorliegenden Vorschlag für einen Gesetzentwurf aus dem Haushaltsreferat des Verkehrsministeriums ist ein Großkredit über 2,1 Milliarden Euro vorgesehen. Das entspricht dem Betrag, der Minister Manfred Stolpe (SPD) in diesem Jahr für Investitionen in Straßen und den Ausbau des Schienennetzes fehlen würde. Zeitweilige Abweichung Den Milliarden-Kredit soll die Verkehrs-Infrastruktur-Finanzierungs-Gesellschaft (VIFG) aufnehmen, die dem Bund gehört und deren Aufgabe es ist, die Mauterlöse zu verwalten. Bislang darf die VIFG keine Schulden machen. Das soll nun mit einem "Gesetz zur zeitweiligen Abweichung" vom bisherigen Maut-Gesetz geändert werden, das aus drei Paragrafen besteht. Danach sind ab 2005 Mauterlöse in Höhe von 400 Millionen Euro pro Jahr für die Rückzahlung des Großkredites zu verwenden. Das von DaimlerChrysler und der Telekom getragene Maut-Konsortium will die Lkw-Abgabe nunmehr im Oktober starten. Bis zum Ende des Jahrzehnts würden die 400 Millionen für den Straßen- und Schienenbau fehlen. "In Höhe der Kredit-Tilgung steht das Mautaufkommen nicht für Investitionen zur Verfügung", besagt die Gesetzes-Erläuterung aus dem Verkehrsressort. Zahler offen Der Text lässt offen, wer die Zinsen für den Milliarden-Kredit zahlt. Stolpes Ministerium möchte vermeiden, dass Finanzminister Hans Eichel der Europäischen Union (EU) neue Schulden melden muss. Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte vergangene Woche erklärt, Stolpe und Eichel verhandelten derzeit, wie man die Mautausfälle begleichen und einen "Konjunkturschub geben" könne. Das Verkehrsressort hofft laut der Erläuterung des Entwurfes, die VIFG werde den Großkredit "eventuell" ohne Bürgschaft des Bundes erhalten. Die künftigen Mauterlöse seien eine "Sicherheit für die Rückzahlung". Die Opposition hält das für illusorisch. "So blöd ist keine Bank", sagt Dirk Fischer, verkehrspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Die Finanz-Institute erlebten gerade, "wie unsicher bei der Maut die Spekulationen der Regierung sind". Fischer betrachtet auch andere Versuche der Regierung als abwegig, die EU zu umgehen. Rückgriff auf Bürgschaften Das Verkehrsministerium schreibt, bei einer eventuell doch nötigen "Kreditgewährleistung" des Bundes für die VIFG könne womöglich auf vorhandene Bürgschaften zurückgegriffen werden. Eichels Ressort solle laut Entwurf des Haushaltsgesetzes die Erlaubnis des Bundestags bekommen, zur "Förderung der Binnenwirtschaft" für Geschäfte und Kredite im In- und Ausland in Höhe von maximal 105 Milliarden Euro zu haften. Mit dem Finanzministerium sei zu klären, ob hier genug Spielraum für eine "Abdeckung der VIFG-Kredite" vorhanden sei, notierte Stolpes Ressort. Bei den Defizit-Kriterien der EU, die eine Staatsverschuldung von drei Prozent des Bruttosozialproduktes erlauben, sei eine VIFG-Bürgschaft des Bundes jedenfalls "unerheblich". Fischer spricht von einem Versuch, den Verkehrs-Kredit "in einem Schattenhaushalt zu verstecken". Zusätzliche Staatsschulden Tatsächlich handele es sich um zusätzliche Staatsschulden, die im Bundeshaushalt ausgewiesen und der EU gemeldet werden müssten. Das sei die sauberste Lösung. Im übrigen werde mit dem geplanten Kredit die Lücke bei den Verkehrs-Investitionen nicht geschlossen, sondern "nur in die Zukunft verschoben". Auf die Dauer fehle dieses Geld. Das Verkehrsministerium erklärte auf Anfrage, die Regierung wolle bald entscheiden, wie die fehlenden Maut-Mittel ersetzt würden. "Wir bereiten alle möglichen Szenarien vor." Bei dem Entwurf für einen Milliarden-Kredit handele es sich um ein "Arbeitspapier".
Der Bund will sich mit weiteren 2,1 Milliarden Euro verschulden, um das Straßen- und Schienennetz trotz des Desasters bei der Lkw-Maut ausbauen zu können. Die Rückzahlung soll aus künftigen Maut-Erlösen erfolgen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/stolpes-loesung-kredit-statt-maut-1.903696
Stolpes Lösung - Kredit statt Maut
00/05/2010
Seine Memoiren sind geschrieben, nun kassiert der langjährige US-Notenbankchef Alan Greenspan als Berater - für die beiden deutschen Top-Finanzadressen Deutsche Bank und Allianz. Als er viele Jahre lang Chef der amerikanischen Notenbank war, da wurde jedes Hüsteln, jeder mokante Nebensatz von Alan Greenspan genau registriert. Detailansicht öffnen Ex-Notenbanker Alan Greenspan. Ihn reizt der Blickwinkel einer nichtamerikanischen Finanzinstitution. (Foto: Foto: dpa) Die Gemeinde der Finanzexperten schloss daraus, ob die Zinsen steigen oder fallen. Dieser Mann, inzwischen 81 Jahre alt und seit 2006 pensioniert, muss also besonders sein - so besonders, dass es ihm jetzt gelingt, sowohl die Deutsche Bank als auch deren härtesten Rivalen Allianz zu beraten. Soeben hat Greenspan einen lukrativen Vertrag mit der Investmentbanking-Sparte der Deutschen Bank abgeschlossen - exklusiv für die Bereiche, in denen die Banker im Wettbewerb stehen. Memoiren hatten Vorrang Bereits unmittelbar nach Greenspans Ausscheiden aus der Notenbank hatten ihn die Deutschen kontaktiert, doch der kauzige Finanzmann wollte lieber erst seine Memoiren schreiben. Nun willigte er ein. Entscheidend war, dass er Peter Hooper, den Chefökonom von Deutsche Bank Securities in den USA, sehr gut kennt: Mit ihm hatte er einst bei der US-Zentralbank eng gearbeitet. Seit Mitte Mai berät Greenspan zudem die bedeutende kanadische Rentenfondsgesellschaft Pimco, eine Tochter des Münchner Allfinanzriesen Allianz, die auch die Dresdner Bank kontrolliert. Ein brisanter Bund. Um Interessenskollisionen zu vermeiden, schließt Greenspans Arbeit für die Deutsche die Vermögensverwaltung explizit aus. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann preist seinen Neuzugang als "einen der Architekten des heutigen Weltfinanzsystems". Greenspan selbst sagte der Frankfurter Allgemeinen, ihn reize der Blickwinkel einer nichtamerikanischen globalen Finanzinstitution. Mitarbeit an Analyseprojekten Etwa zwei- bis dreimal im Vierteljahr soll er an Meetings mit Investmentbankern und wichtigen Kunden teilnehmen. Auch ist Mitarbeit an Analyseprojekten vorgesehen; Teilnahme an Telefonkonferenzschaltungen und dergleichen ist Pflicht. Greenspan über die Konditionen: "Die Rahmenbedinmgungen sind flexibel, weil man keine Beratungsbeziehung aufbauen kann, wenn jeder auf die Uhr schaut." Das werden sie bei der Allianz sicher gerne lesen.
Seine Memoiren sind geschrieben, nun kassiert der langjährige US-Notenbankchef Alan Greenspan als Berater - für die beiden deutschen Top-Finanzadressen Deutsche Bank und Allianz.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/ex-notenbankchef-als-berater-greenspan-vereint-allianz-und-deutsche-bank-1.881703
Ex-Notenbankchef als Berater - Greenspan vereint Allianz und Deutsche Bank
00/05/2010
Eigentlich sollte der Handel mit Verschmutzungsrechten das Umweltschutz-Instrument der Zukunft sein. Doch vier Wochen vor seinem Start zeigt sich: Es ist zunächst eine gewaltige Umverteilungsmaschine, die bald in Gang kommt. Mit dem Emissionsrechtehandel wurde in erster Linie eine neue Währung geschaffen, die nun 495-millionenfach auf den Markt kommt, in Form von Zertifikaten, die derzeit zwischen acht und neun Euro wert sind. In Zahlen ausgedrückt: Die Bundesregierung vergibt jährlich den Gegenwert von 4,2 Milliarden Euro - kostenlos. Es ist deshalb kein Wunder, dass alle Unternehmen versucht haben, sich über die verschiedenen Sonderregeln möglichst viele Zertifikate zu sichern. So viele, dass es nun eine Übernachfrage von 14 Millionen Tonnen gibt, welche die Wirtschaft gemeinsam schultern muss. Es ist anzunehmen, dass dies Mehr nur ein Bruchteil dessen ist, was die Unternehmen gerne für sich herausgeschlagen hätten. Wo solche Summen verteilt werden, möchte jeder etwas abbekommen. Unverblümte Forderungen Geradezu unverschämt aber ist die Forderung des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, die Bundesregierung möge nun die Gesamtmenge der Emissionsrechte in Brüssel nachverhandeln. Frei nach dem Motto: Wenn die Unternehmen mit vier Milliarden nicht auskommen, dann gebt ihnen eben fünf! Genau darauf würde es hinauslaufen, wenn nun nachträglich das gesamte deutsche Emissionsbudget erhöht würde. Jeder will das Beste für sich herausschlagen Die Tatsache aber, dass jedes sechste Zertifikat unter die so genannte "Optionsregel" fällt, macht die Gründe deutlich. Die Optionsregel war von der Wirtschaft selbst gefordert worden, und sie hat eine große Hintertüre: Wenn sich die EU-Kommission durchsetzt, bräuchten diejenigen Unternehmen, die eine Option auf die Üppigere von zwei möglichen Varianten gewählt haben, überschüssige Zertifikate später nicht zurückzugeben. Auch Härtefälle, so ist zu hören, gab es in der Antragsphase reichlich. Vermutlich ist dies der menschliche Zug am Emissionshandel: Jeder hat versucht, das Beste herauszuschlagen, nur einige haben es geschafft. Die Verlierer werden deshalb für eine Hand voll Glücklicher mitbezahlen. Nun aber den Staat zu drängen, auch die Verlierer zu beglücken, ist billig.
Eigentlich sollte der Handel mit Verschmutzungsrechten das Umweltschutz-Instrument der Zukunft sein. Doch vier Wochen vor seinem Start zeigt sich: Es ist zunächst eine gewaltige Umverteilungsmaschine, die bald in Gang kommt.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/emissionsrechtehandel-fuer-eine-hand-voll-zertifikate-1.905445
Emissionsrechtehandel - Für eine Hand voll Zertifikate
00/05/2010
Viele Haushalte sind verschuldet - das kann gut gehen, aber bei einem dramatischen Ereignis droht schnell die Insolvenz. Der erste Schritt in Richtung Pleite war einfach. Ein paar tausend Mark brauchte Carolin P.*, um die Monate zwischen dem Ende der Ausbildung und dem ersten vollen Gehalt zu überbrücken. Kein großes Problem, dachte sie vor sieben Jahren. Der Kredit sollte ja schnell wieder zurückgezahlt werden können, sobald das erste richtige Gehalt auf dem Konto landet. Kein Problem, dachte auch die Citibank, bei der sie das Geld aufnahm. Kein Problem auch beim nächsten und übernächsten Kredit. Doch inzwischen ist Carolin P. überschuldet. Sie kann ihre Schulden nicht mehr mit ihrem Einkommen abbezahlen. Carolin P. arbeitet Teilzeit als Stewardess und jobbt nebenher als Snowboardlehrerin. In manchen Monaten kommen so nur ein paar hundert Euro zusammen. Die Kredite werden kaum abgestottert, das Konto bleibt im Minus, der Schuldenberg wuchs bisher auf mehr als 18.000 Euro. "Ich war das Superopfer für Kreditjäger", sagt sie. Damit ist sie nicht allein. 3,1 Millionen und damit neun Prozent aller Haushalte waren 2002 überschuldet. In kaum einem anderen Industrieland ist die Quote so hoch. Die Zahlen wurden zwar schon 2002 erhoben, seitdem sind sie aber eher gestiegen, schätzen Experten. Genaue Zahlen sind im nächsten Armutsbericht enthalten, der in zwei Jahren erscheinen soll. Details zur Ver- und Überschuldung enthält der Schuldenkompass der Wirtschaftsauskunftei Schufa, der an diesem Donnerstag vorgestellt wird. Betroffene verstecken sich Schulden beschämen. Carolin P. hat nicht einmal ihren Eltern die Wahrheit über ihre Situation erzählt. Sie selbst versuchte jahrelang, die Raten pünktlich zu zahlen - bis es nicht mehr ging. Die junge Frau wurde schwanger, der Vater setzte sich ins Ausland ab. Als Schwangere kann sie nicht mehr arbeiten; für ihren Beruf ist sie häufig im Flugzeug unterwegs, das geht nun nicht mehr, auch als Snowboardlehrerin kann sie nicht mehr arbeiten. "Damit ist meine kleine Wirtschaft gekippt", sagt sie. Das ist typisch. Meist wird aus einer Verschuldung eine Überschuldung, wenn ein dramatisches Ereignis eintritt: Der Verlust des Arbeitsplatzes, die Trennung vom Ehepartner. Viele kämen erst dann zur Beratungsstelle, wenn es fast zu spät sei; wenn kaum noch Vermögen vorhanden und ein Vergleich mit den Gläubigern unmöglich sei, sagt die Caritas-Schuldnerberaterin Juina Wessel. Häufig steckten die Schuldner den Kopf in den Sand. Immer wieder kämen Leute, die geschlossene Briefe von der Bank dabei hätten und sich nicht trauen, sie selbst aufzumachen. Dann wird aus dem Schuldenberater, der sich um die finanziellen Details kümmern und helfen soll, einen Haushaltsplan aufzustellen, ein Seelsorger, der unterstützt, antreibt und Mut macht. Die Schuldner sollen möglichst viel tun, sagt Wessel, also selbst mit Banken, Arbeitgeber oder Vermieter reden. Wenn sie das nicht können, telefonieren allerdings auch die Berater. Schuldenberatung bieten Kommunen und Wohlfahrtseinrichtungen wie etwa die Caritas an, bei ihnen ist sie kostenlos. Dafür müssen die Schuldner sich zum Teil auf Wartezeiten von mehreren Monaten einstellen. Auch Rechtsanwälte und kommerzielle Schuldenregulierer bieten gegen Entgelt ihre Dienste an. Für immer mehr Haushalte ist die Privatinsolvenz der letzte Ausweg. Auch Carolin P. wird vor den Insolvenzrichter gehen. Zuvor muss sie - das sieht das Verfahren vor - einen außergerichtlichen Vergleich mit der Bank anstreben. Etwa bei einem Fünftel der Fälle sei ein solcher Vergleich möglich, schätzt Stephan Jender, Geschäftsführer des Inkasso-Unternehmens Seghorn. Das Verfahren sieht einen zweiten, gerichtlichen Vergleichsversuch vor. Scheitert auch dieser, beginnt die sechsjährige Wohlverhaltensperiode, in der die pfändbaren Anteile des Einkommens über einen Treuhänder an die Gläubiger verteilt werden. Ledige dürfen knapp 1000 Euro behalten, müssen etwa Kinder unterstützt werden, ist es deutlich mehr. Nach dieser Zeit werden die übrigen Schulden erlassen. Gesetzesänderung geplant Mittellosen Schuldnern werden die Gerichtskosten von 2500 bis 3000 Euro gestundet. Genau deswegen ist das Verfahren in der Kritik. Die Länder bleiben auf den bisher aufgelaufenen Kosten von 22 Millionen Euro sitzen, sagt Jender. Daher wird derzeit an einem Gesetzesentwurf gearbeitet, nach dem bei mittellosen Schuldnern nach acht Jahren die Schulden verjähren. Ohne Insolvenzverfahren beträgt diese Frist 30 Jahre. Während dieser Zeit können die Gläubiger vollstrecken, das heißt, das Gehalt pfänden und den Gerichtsvollzieher schicken. Das kritisieren Schuldnerberater. "Gerade Arbeitslose haben bei der Suche nach einem neuen Job die Gläubiger im Nacken, so jemand bekommt in der derzeitigen wirtschaftlichen Lage keinen Arbeitsplatz", sagt Erika Schilz bei der Schuldnerberatung der Stadt München. Noch ist es aber nicht soweit. Carolin P. jedenfalls sieht mittlerweile deutlich positiver in die Zukunft als vor ihrem ersten Besuch bei der Schuldnerberatung. Ohne die Ratenzahlungen an die Bank bleibt ihr mehr zum Leben, sobald ihr Kind alt genug ist, will sie wieder fliegen. Der Schritt aus der Pleite ist nicht ganz so einfach. Aber er ist möglich. * Name von der Redaktion geändert
Viele Haushalte sind verschuldet - das kann gut gehen, aber bei einem dramatischen Ereignis droht schnell die Insolvenz.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/verbraucher-in-der-pleite-dann-ist-meine-kleine-wirtschaft-gekippt-1.898139
"Verbraucher in der Pleite - ""Dann ist meine kleine Wirtschaft gekippt"""
00/05/2010
Die Gesundheitsreform wirkt: Schließlich können die Krankenkassen ein Plus von 2,6 Milliarden verzeichnen. Doch von niedrigeren Sätzen wollen sie nichts wissen — auch Beitragsstabilität sei schließlich ein Erfolg. Die Krankenkassen wollen im kommenden Jahr ihre Beiträge kaum senken. Detailansicht öffnen "Ulla Schmidt kann hoch zufrieden sein", so die Kranken-kassen. Die Ministerin pocht aber weiterhin auf Beitragssenkung. (Foto: Foto: AP) Sozialministerin Ulla Schmidt fordert dagegen weiter einen Nachlass. Der Überschuss der Kassen stieg in den ersten neun Monaten auf 2,64 Milliarden Euro. Herbert Rebscher spricht aus, was viele seiner Kollegen denken. "Im gesamten Kassensystem herrscht keine Luft für eine größere Beitragssenkung", sagte das Vorstandsmitglied der Deutschen Angestellten Krankenkasse (DAK) der Süddeutschen Zeitung. So habe die Gesundheitsreform durchaus gewirkt und die Ausgaben gesenkt, wie die jüngsten Finanzdaten zeigen. Nun aber müssten die Kassen zunächst ihre Schulden abbauen, die Ende vergangenen Jahres bei 8,3 Milliarden Euro gelegen hatten. "Da bleibt nicht viel Spielraum", sagte er. Ähnlich argumentiert sein Kollege Norbert Klusen, Vorstandschef bei der Techniker Krankenkasse (TK). "Es sind allenfalls moderate Senkungen möglich", sagte er, weil die Kassen ihre Finanzlage verbessern müssten. Arzneien werden womöglich teurer Beide wollen ihre Beiträge von 14,7 und 13,7 Prozent vorerst stabil halten. Vertreter von Betriebs- und Innungskrankenkassen (IKK) äußerten sich ähnlich. Sollte es Spielräume geben, würden diese weitergegeben, sagte IKK-Chef Rolf Stuppardt. Der Chef des AOK-Bundesverbandes Hans-Jürgen Ahrens sagte: "Auch Beitragssatzstabilität ist ein wichtiger Erfolg." Die Skepsis der Kassenchefs hat Gründe. So könnten die Ausgaben für Arzneien im nächsten Jahr kräftig zulegen. Beispielsweise zahlt die Pharmaindustrie an die Kassen 2005 einen niedrigeren Rabatt auf Arzneien an die Kassen. Außerdem läuft ein zweijähriges Stillhalteabkommen der Hersteller bei den Preisen aus, weshalb sich einzelne Präparate verteuern könnten. Schließlich dürften die neuen Preisregeln für patentgeschützte Arzneien nicht so viel einsparen wie erwartet. "Wir gehen bei den Arzneien von einer Ausgabensteigerung von 12 bis 15 Prozent aus", sagte Stuppardt. DAK-Vorständler Rebscher meinte gar: "Wir wissen einfach nicht, wie sich der Sektor entwickeln wird."
Die Gesundheitsreform wirkt: Schließlich können die Krankenkassen ein Plus von 2,6 Milliarden verzeichnen. Doch von niedrigeren Sätzen wollen sie nichts wissen — auch Beitragsstabilität sei schließlich ein Erfolg.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/krankenkassen-ueberschuss-gibt-s-reichlich-aber-keine-beitragssenkung-1.901537
Krankenkassen - Überschuss gibt's reichlich, aber keine Beitragssenkung
00/05/2010
Wellness, Fitness, Anti-Stress — in Deutschland boomt die Wohlfühl-Branche. Aber Vorsicht: Wer sich in einem Sportstudio anmelden will, sollte vorher die Vertragsbedingungen gut durchlesen. Sonst droht später mancher Schweißausbruch wegen des Kleingedruckten. Wer sich länger bindet, sollte alle Details in jedem Fall genau prüfen. Die Stiftung Warentest testete im vergangenen Jahr zum Beispiel 18 Studios in München — und zog ein bedenkliches Fazit: Nur vier wurden als gut eingestuft. Detailansicht öffnen Training im Fitness-Studio: Wer einen Vertrag unterschreibt, ist fest gebunden. (Foto: Foto: AP) "Bei den anderen machen sich die Trainer rar. Oft sind sie gar nicht zu sehen oder nicht ansprechbar. Außerdem reagieren sie nur selten auf Trainingsfehler", so die Prüfer. "Im Einzelfall kann das sogar gefährlich werden — etwa wenn das Herz überlastet wird." Ärgerlich ist es, wenn der Sportler trotz eines möglicherweise miesen Services weiterzahlen muss, weil er einen langfristigen Vertrag geschlossen hat. Die Betreiber mögen Karteileichen durchaus. Hauptsache, die Beiträge kommen pünktlich. Wie ist ein Vertrag mit einem Studio rechtlich einzuordnen? Die Kunden sind in erster Linie Mieter, keine Vereinsmitglieder. Mit anders lautenden Formulierungen sollen mitunter die Vorschriften für Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB) ausgehebelt werden, die einen hohen Verbraucherschutz sicherstellen. Ständig werden Klauseln aus AGB der Fitness-Studios für unwirksam erklärt, weil sie gegen Schutzbestimmungen verstoßen. Nur wenn der Vertrag individuell ausgehandelt und kein Mustervertrag unterschrieben wurde, entfällt der Schutz. Welche Vertragsdauer ist zulässig? Die Laufzeit beträgt in der Regel sechs oder zwölf Monate. Während der vereinbarten Vertragslaufzeit hat der Kunde wenig Möglichkeiten, sich aus dem Vertrag zu lösen. Er sollte deshalb zu Beginn mehrere, unter Umständen kostenpflichtige, Probetrainingsstunden absolvieren, um festzustellen, ob ihm das Studio tatsächlich gefällt. Oft findet sich im Kleingedruckten die Klausel, dass sich der Vertrag automatisch verlängert, wenn er nicht fristgerecht gekündigt wurde. Solche Klauseln sind grundsätzlich wirksam, entschied der Bundesgerichtshof. Das Amtsgericht Schopfheim hat indes eine Ausnahme zugelassen. Die automatische Vertragsverlängerung könne dann nicht greifen, wenn der Betroffene während seiner Vertragslaufzeit nicht einmal im Studio trainiert habe. Wann ist eine Sonderkündigung möglich? Das Studio kann nicht verlangen, dass ein Kunde weiterzahlt, obwohl er wegen einer Krankheit länger nicht trainieren kann. Die Sonder-kündigung darf laut Bundesgerichtshof durch das Kleingedruckte auch nicht ausgeschlossen werden. Den Einwand eines Studios, der Betroffene sei nicht gänzlich sportunfähig und könne andere Übungen machen, ließ das Amtsgericht Rastatt nicht gelten. Tipp: Die Kündigung sollte in einem solchen Fall innerhalb von zwei Wochen, nachdem der Kündigungsgrund bekannt ist, eingereicht werden. Eine kurze Erkrankung, eine Urlaubsreise oder ein Auslandsaufenthalt sind aber keine Gründe, vorzeitig auszusteigen. Was genügt als Nachweis für Krankheit? Ein Arzt-Attest sollte deutlich machen, um was für eine Krankheit es sich handelt und wie lange sie voraussichtlich dauern wird. Ein Mann, der sich bei seiner außerordentlichen Kündigung auf starke Schmerzen in den Händen berufen hatte, bekam vom Amtsgericht Bad Homburg eine Abfuhr. Denn sein Attest besagte nur, dass der Kunde "bis auf weiteres" keinen Sport ausüben könne. Den Richtern war das zu unbestimmt — die Kündigung unwirksam.
Wellness, Fitness, Anti-Stress — in Deutschland boomt die Wohlfühl-Branche. Aber Vorsicht: Wer sich in einem Sportstudio anmelden will, sollte vorher die Vertragsbedingungen gut durchlesen. Sonst droht später mancher Schweißausbruch wegen des Kleingedruckten.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/vertraege-mit-fitness-studios-trainieren-ohne-zu-stolpern-1.898872
Verträge mit Fitness-Studios - Trainieren ohne zu stolpern
00/05/2010
In den 48 Jahren seit seiner Verabschiedung im Bundestag ist das Ladenschlussgesetz in kleinen Schritten immer wieder gelockert worden — zur Freude vieler Verbraucher, zum Ärger der Gewerkschaften. Ein Überblick über die wichtigsten Etappen und Regelungen: Herbst 1956 Der Bundestag beschließt nach langen Diskussionen das "Gesetz über den Ladenschluss" (LadSchlG). Geschäfte dürfen montags bis freitags von 7.00 Uhr bis 18.30 Uhr öffnen, an regulären Samstagen bis 14.00 Uhr. An "langen Samstagen" — jeweils am ersten Samstag eines Monats — ist der Verkauf bis 18.00 Uhr erlaubt. Herbst 1989 Mit dem "Gesetz zur Einführung des Dienstleistungsabends" kommt der "lange Donnerstag". Einmal pro Woche wird dadurch Einkaufen bis 20.30 Uhr möglich. Dafür wird der "lange Samstag" in den Sommer-monaten um zwei Stunden verkürzt: Die Geschäfte dürfen nur noch bis 16.00 Uhr offen bleiben. Juni 1996 Der Bundestag lockert noch einmal das Ladenschlussgesetz. Von Montag bis Freitag wird Shoppen zwischen 6.00 Uhr und 20.00 Uhr erlaubt. Samstags dürfen die Läden nun generell bis 16.00 Uhr öffnen; dafür entfallen die "langen Samstage". Nur an den vier Adventssamstagen darf bis 18.00 Uhr verkauft werden. Juni 2003 Wieder dehnt das Parlament die Verkaufszeiten aus. Von Montag bis Samstag gelten nun die gleichen Regeln: Die Läden dürfen um 6.00 Uhr morgens öffnen und müssen erst um 20.00 Uhr wieder geschlossen sein. Außerdem haben sich über die Jahre viele Sonderregeln etabliert. So dürfen Bäcker auch an Sonntagen frische Brötchen verkaufen. Weitere Ausnahmeregelungen gelten für Apotheken, Zeitungsläden, Floristen, Tankstellen und Geschäfte in Bahnhöfen sowie in Flughäfen. Auch in einigen Kur-, Ausflugs-, Erholungs- und Wallfahrtsorten mit viel Fremdenverkehr darf außerhalb der normalen Öffnungszeiten verkauft werden. Allerdings beschränkt sich die Erlaubnis auf bestimmte Waren. Anlässlich von Messen oder Märkten dürfen zudem Gemeinden mehrmals im Jahr auch verkaufsoffene Sonntage erlauben.
In den 48 Jahren seit seiner Verabschiedung im Bundestag ist das Ladenschlussgesetz in kleinen Schritten immer wieder gelockert worden — zur Freude vieler Verbraucher, zum Ärger der Gewerkschaften. Ein Überblick über die wichtigsten Etappen und Regelungen:
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/ladenschluss-regelung-oeffnung-in-trippelschritten-1.901301
Ladenschluss-Regelung - Öffnung in Trippelschritten
00/05/2010
Auch während ihres Gesprächs mit der Süddeutschen Zeitung muss Heidrun Heutzenröder ein paar Mal den Telefonhörer abnehmen. Richtig ruhig wird es nie, wenn man für 1,6 Milliarden Euro von mehreren zehntausend Kunden verantwortlich ist. Eigentlich sollten es zwei unaufgeregte Stunden in einem mittelgroßen Büro des Kastor-Turms der Frankfurter Messe werden. Detailansicht öffnen Heidrun Heutzenröder. (Foto: Foto: Adig) Ein farbenfroher Blumenstrauß auf dem sachlich grauen Schreibtisch bietet den Augen Entspannung - Heidrun Heutzenröder hatte vor wenigen Tage Geburtstag. In den zwei Stunden nimmt sie ein paar Mal den Telefonhörer ab. Richtig ruhig wird es nie, wenn man für 1,6 Milliarden Euro von mehreren zehntausend Kunden der Fondsgesellschaft ADIG verantwortlich ist. Nur wenn man genau hinhört, merkt man, dass die Worte der gebürtigen Frankfurterin leicht hessisch gefärbt sind. Portfolio-Managerin "von der Pike auf" Dass sie im Bank- und Investmentgewerbe Karriere machte, hat in ihrer Familie beinahe Tradition. "Mein erster großer Berufswunsch war Ärztin", sagt sie und ist dennoch zufrieden, eine andere Laufbahn eingeschlagen zu haben. Nach dem Abitur absolvierte sie eine Banklehre, im Anschluss das Volkswirtschafts-Studium. Im Jahr 1991 kam sie zur Fondsgesellschaft ADIG und begann dort ihre Arbeit als Aktien-Analystin. "Meinen Beruf als Portfolio-Managerin habe ich von der Pike auf gelernt." Mittlerweile trägt Heidrun Heutzenröder den Titel "Abteilungsdirektorin" und zählt nicht nur bei COMINVEST/ADIG, sondern branchenweit zu den profiliertesten Aktien-Strategen. Die Arbeit beginnt am Frühstückstisch Das muss sie auch sein, denn ihre Fonds-Schützlinge Fondak, Adifonds und Nürnberger ADIG A gehören zu den Flaggschiffen ihres Brötchengebers. Der Fondak etwa ist mit seinem Vermögen von fast einer Milliarde Euro nicht nur einer der größten, sondern wohl auch der renommiertesten und symbolträchtigsten Fonds im Haus.
Auch während ihres Gesprächs mit der Süddeutschen Zeitung muss Heidrun Heutzenröder ein paar Mal den Telefonhörer abnehmen. Richtig ruhig wird es nie, wenn man für 1,6 Milliarden Euro von mehreren zehntausend Kunden verantwortlich ist.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/portraet-profilierte-strategin-1.907316
Porträt - Profilierte Strategin
00/05/2010
Trotz niedriger Zinsen hat sich in den vergangenen Jahren eine Investition in Anleihen meist gelohnt. Rentenfonds, die ihr Geld in festverzinsliche europäische Schuldverschreibungen stecken, warfen jährlich bis zu zehn Prozent ab. Doch jetzt wachsen wegen steigender Leitzinsen die Risiken. Die Zinsen, die Anleger für europäische Staatsanleihen erhalten, liegen nahe an ihren historischen Tiefständen. Gut dreieinhalb Prozent gibt es für eine Bundesanleihe, die in zehn Jahren fällig wird. Detailansicht öffnen Der Pfeil auf dem Schild vor der Europäischen Zentralbank zeigt nach oben: Viele Markstrategen erwarten, dass es mit den Zinsen aufwärts geht. (Foto: Foto: AP) Bedenkt man, dass Geld derzeit in Deutschland jährlich etwa 1,8 Prozent an Wert verliert, bleibt nicht viel übrig. Dennoch haben Euro-Rentenfonds in den vergangenen drei Jahren hohe Erträge abgeworfen. Im Durchschnitt summierten sich die Gewinne auf gut 17 Prozent, die besten Fonds erwirtschafteten bis zu 30 Prozent. Der Grund: Spiegelbildlich zu den fallenden Zinsen stiegen die Anleihenkurse. Sie machten zuletzt den Großteil der Gewinne europäischer Rentenfonds aus. An der Spitze der Ranglisten stehen Fonds, die vorwiegend oder ausschließlich in lange Laufzeiten investieren, etwa der Fortis L Bond Long Euro oder der UniEuroBond XL. Höhere Risikoprämie bei langen Laufzeiten Erstens haben langlaufende Anleihen in normalen Marktphasen höhere Zinscoupons als Schuldverschreibungen, die schon nach wenigen Monaten oder Jahren fällig werden. Der Emittent muss Schuldnern eine höhere Risikoprämie bieten. Zweitens reagieren die Kurse langlaufender Anleihen stärker auf Zinsveränderungen. In Phasen fallender Leitzinsen - wie bis zum vergangenen Sommer - steigen die Kurse daher besonders stark. Doch der Zusammenhang gilt auch umgekehrt: Gehen die Anleger an den Anleihenmärkten davon aus, dass die Leitzinsen künftig steigen, trennen sie sich in der Regel vor allem von langlaufenden Anleihen. Und genau das fürchten viele Anleihenexperten. "Der Zinstrend wird sich tendenziell umkehren, sodass das Risiko von Kursverlusten zunimmt", sagt Carsten Hermann, Portfoliomanager beim Fondsanalysehaus Feri Trust. Was steigende Renditen und fallende Kurse für Anleger bedeuten, zeigt ein Beispiel: Steigt die Rendite von Anleihen mit zehnjähriger Laufzeit um mehr als etwa 0,57 Prozentpunkte, erleidet der Anleger auf ein Jahr gesehen Verluste. Risiken in den USA Risiken für den Anleihenmarkt sehen die Strategen vor allem in den USA. Nach der Rezession im Jahr 2001 hatte die amerikanische Notenbank (Fed) die Leitzinsen auf das Rekordtief von 1,00 Prozent geschraubt. Weil die US-Wirtschaft im vergangenen Jahr mit einer Rate von 4,4 Prozent wuchs, zieht die Fed seit Sommer 2004 die geldpolitischen Zügel langsam an. Bis zum Jahresende erwarten Analysten einen Anstieg auf 3,75 Prozent.
Trotz niedriger Zinsen hat sich in den vergangenen Jahren eine Investition in Anleihen meist gelohnt. Rentenfonds, die ihr Geld in festverzinsliche europäische Schuldverschreibungen stecken, warfen jährlich bis zu zehn Prozent ab. Doch jetzt wachsen wegen steigender Leitzinsen die Risiken.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/strategen-erwarten-steigende-zinsen-rentenfonds-verlieren-an-charme-1.905715
Strategen erwarten steigende Zinsen - Rentenfonds verlieren an Charme
00/05/2010
Ein halbes Jahr lebt die Republik nun mit Hartz IV -- und stellt fest: Die Reform hat nicht nur verwirrende Neuigkeiten gebracht. Sie ist auch ein Abschied auf Raten von der Vorstellung, dass sich die Arbeitslosigkeit durch beitragsfinanzierte Weiterbildung und Qualifizierung wirksam bekämpfen lässt. 30 Jahre nach ihrer Schöpfung scheint die berufliche Qualifizierung im Kampf gegen Arbeitslosigkeit so vielversprechend wie Tütenkleben. Spätestens in diesem Herbst, vermutet Frank Jelitto, Leiter des Weiterbildungsinstituts SSI in München, werde die Weiterbildung "klinisch tot " sein -- und mit ihr stirbt eine ganze Denkschule. Noch mal ganz neu anzufangen, größere Brötchen zu backen, Bildung für jedermann in jedem Alter, diese Vision verknüpfte zwei große sozialdemokratische Glücksversprechen - Wohlstand plus Aufklärung und Bildung für alle - auf mitreißende Weise. "Von dem, was wir als Menschen wissen, kommt unsere schönste Bildung und Brauchbarkeit für uns selbst her, noch ohne zu ängstliche Rücksicht, was der Staat aus uns machen wolle. Ist das Messer gewetzt, so kann man allerlei damit schneiden": Herders marktfernes Selbstoptimierungsideal inspirierte einst auch die Weiterbildung. Inzwischen sind die Messer gewetzt, aber gesäbelt wird kaum im Sinne Herders. Die Zahl der Weiterbildungsteilnehmer ist in zwei Jahren auf ein Drittel geschrumpft, von 307 000 im Januar 2003 auf 114 017 im Mai 2005. Der entsprechende Etat der Bundesagentur wurde seit 2003 auf 1,85 Milliarden Euro halbiert. Schulleiter Jelitto hat in drei Jahren zwei Drittel seiner Schüler und über die Hälfte seiner Mitarbeiter verloren. Der kostbarste Rohstoff Die Deutsche Angestellten-Akademie (DAA), einer der größten Bildungsträger, hat von 2000 Mitarbeitern 800 entlassen. Bundesweit, so der Bundesverband der Träger beruflicher Weiterbildung, wurden seit 2003 etwa 30.000 Mitarbeiter dem Arbeitsmarkt zur Verfügung gestellt. Ein paar gingen in die Wirtschaft, ein paar in den Schuldienst, ein paar in Frührente. Der Rest, sagt Jelitto, "hat die Arschkarte gezogen", er ist arbeitslos. Die Branche, die als Nothelfer gegen den sozialen Abstieg begann, produziert inzwischen selbst so zuverlässig Sozialfälle wie der Bergbau. Aber hat sie das nicht immer schon getan? Eine Umfrage ergibt vor allem Vernichtendes: "Weiterbildungsmaßnahmen verlängern die Arbeitslosigkeit, und je länger sie dauern, desto schlechter ist ihre Bilanz", erklärt Guido Raddatz von der Stiftung Marktwirtschaft. "Ein Mensch in einem Computerkurs sucht keinen Job." In Sachsen, berichtet Birgit Schultz, wissenschaftliche Mitarbeiterin von Institut für Wirtschaftsforschung, habe man für eine Studie Paare gebildet: Solche, die an einer Weiterbildung teilnehmen, gegenüber jenen mit ähnlicher Biographie, aber ohne Qualifizierung. Zehn Jahre, von 1989 bis 2001 wurden die Paare beobachtet. Das Ergebnis: "Die Weiterbildung hat den Menschen nicht geholfen." Die Kurse sind billiger als eine Berufsschulstunde, rechnet Günter Plafky, Leiter der DAA Südbayern, vor. Was er nicht sagt: Sie sind teurer als gleiche Zeitspannen eins Durchschnittsstudiums. Eine verheerende Bilanz. "Ja", ergänzt Viktor Steiner vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung: "Aber ich kann Sie trösten: Andere Instrumente sind noch teurer und bringen noch weniger." Und lange Zeit ging es gar nicht um den Job allein. "Wir müssen Bildung auf Vorrat schaffen, Bildung ist der einzige Rohstoff, den wir haben: So war die Stimmung damals", sagt Plafky. In nachgeholten Hauptschulabschlüssen und neuen Spezialisierungen drückte sich eine neue Selbstverpflichtung zum lebenslangen Lernen aus -- und eine emanzipatorische Errungenschaft. Defizite und Irrtümer früherer Bildungssysteme sollten ausgeglichen, neue Talente, neue Welten entdeckt werden. So gering war das Interesse am ökonomischen Nutzen solcher Fortbildung, dass die Arbeitsämter sich lange Zeit nicht mal die Mühe einer bundesweit einheitlichen Evaluation machten. Damit siegte sich eine gute Idee zu Tode. Als der Markt nach der Vereinigung explodierte, wurden bis zu einer halben Million Menschen durch die Kurse geschleust. Auf dem Höhepunkt des Qualifizierungsrausches gab die Bundesanstalt zehn Milliarden Euro aus, so viel wie das Bruttosozialprodukt von Mali. Inzwischen weiß man: Es war ein teures Vergnügen. Man weiß, dass der Aufwand oft nur der Kosmetik der Arbeitslosenstatistik diente; dass im Osten ganze Belegschaften abgewickelter Betriebe zwangsbeglückt wurden, obwohl einzelne mühelos einen Job gefunden hätten; dass motivierte Umsteiger neben Überschuldeten saßen, die nachts schufteten und im Unterricht dösten, oder neben Mittfünfzigern, die dem Ruhestand in langen Förderungsschleifen entgegengondelten -- Weiterbildung, Arbeitslosengeldanspruch, Weiterbildung, Arbeitslosengeldanspruch und so weiter bis zur Rente -- kurz, man weiß, dass der Rohstoff Bildung im großen Stil verramscht, verschleudert und entwertet wurde. Bis heute sitzen in den großen Instituten -- wie der gewerkschaftseigenen DAA -- Vertreter jener Institutionen, die auch im Aufsichtsrat der Bundesagentur sind, ein Klüngel, den vor allem die kleineren Organisationen beklagen. Am Bedarf vorbei aber haben sie alle ausgebildet. Als die New Economy schon siechte, wurden noch IT--Spezialisten auf den Markt geschickt. "In München wurden 2001 noch 1200 Mediengestalter ausgebildet", sagt Jelitto: "200 haben einen Job gefunden, der Rest nicht." Es gebe nur eines, was auf Dauer teurer sei als Bildung: keine Bildung, hat John F. Kennedy einmal gesagt. In den Neunzigern wirkte solcher Optimismus fast sentimental. Die Auswüchse bestreiten heute nicht mal Gewerkschafter. Dass jede Qualifizierung nurmehr einzig unter Effizienzaspekten diskutiert wird, dass es nur darum geht, "was der Staat aus uns machen wolle", mag die Folge einer allgemeinen Ökonomisierung des Lernens sein, die bereits im Kindergarten mit Blick auf künftige Jobprofile Bauklötze stapeln lässt. Aber der Unmut über die Weiterbildung ist auch eine direkte Folge der Reputation als "Milliardengrab". Dabei sind die Auswahlkriterien sorgfältiger geworden, die Kontrollen durch Bildungsgutscheine für erfolgreiche Institute strenger, die Motivation, oder auch: die Verzweiflung, der Teilnehmer größer und der Preiskampf härter. Viel härter, oft kannibalistisch hart. "Nehmen Sie doch einen tamilischen Studenten", hörte Jelitto von einem Arbeitsberater: "Der macht ihnen die EDV-Stunde für weniger Geld." Der Rohstoff Bildung wird gerade zum zweiten Mal entwertet. Inzwischen untersuchen Studien nicht mehr nur die kurzfristigen Effekte, sondern auch die Langzeitwirkung der Weiterbildung. Und siehe, das Ergebnis sieht nicht mehr ganz so finster aus: "Die Wahrscheinlichkeit, Arbeit zu haben, ist in Westdeutschland bei ehemaligen Teilnehmern vier Jahre nach der Weiterbildung immerhin um fünf bis neun Prozent höher als bei vergleichbaren Personen, die keine Fortbildung absolviert haben", stellt das Institut für Arbeitsmarkts- und Berufsforschung der Bundesagentur in einer Studie fest. Nur: Was bedeuten jene neun Prozent, wenn, umgekehrt, in der Parallelgruppe 90 Prozent auch ohne Kurs einen Job gefunden haben? Klassenziel: Job Gewiss, Akademiker werden nicht so häufig arbeitslos wie Nicht-Akademiker, und sie werden seltener von polnischen Ausbeinern verdrängt. Gewiss auch, in Ostdeutschland fehlen mancherorts schon Fachkräfte. Und natürlich wird niemand, weder Bundesagentur noch Politik, weder Regierung noch Opposition zugeben, dass das Mantra vom lebenslangen Lernen gerade bei den Ungelernten nicht sehr überzeugend klingt. Wenn aber der Gewerkschafter Plafky jeden Effizienz-Anspruch mit der Bemerkung vom Tisch wischt, dass nicht die Bildungsträger, sondern einzig Unternehmer Arbeitsplätze schaffen, dann ist das Trotz, aber auch ein bisschen Wahrheit: Wo die Jobs fehlen, nützt die beste Ausbildung nichts. Gegen die Härten einer globalisierten Welt, so heißt es trotz allem, helfe nichts außer Bildung. Aber welchen Sinn hat es, fragen Leidgeprüfte, sich durch eine Physiotherapeuten-Ausbildung zu quälen, wenn es vielen Firmen vor allem darum geht, ob die Kollegen aus Osteuropa den Job für zwei Euro weniger erledigen? Wofür Office pauken, wenn der Betrieb demnächst in Tschechien fertigen lässt? Vielleicht wird eine unionsgeführte Regierung die Bundesagentur wieder umkrempeln, vielleicht werden ein paar Bildungsträger übrigbleiben, um versprengten Reha-Schülern die Anmut von Windows XP nahezubringen. Roland Koch, Hessens Ministerpräsident, hat angekündigt, "Umschulungen und Qualifzierungen" solle es nur geben, "wenn die konkrete Hoffnung auf einen Arbeitsplatz besteht". Das würde die Bundesagentur sofort unterschreiben, aber eine Liebeserklärung an die Weiterbildung ist es nicht. "Bildung", schrieb Adorno, ist "gleich Warten können". Dass Warten bildet, schrieb er nicht.
Die berufliche Weiterbildung stirbt - und mit ihr eine ganze Denkschule.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/diskussion-um-weiterbildung-zu-tode-gesiegt-1.904804
Diskussion um Weiterbildung - Zu Tode gesiegt
00/05/2010
Die Suche nach einem unabhängigen Finanzplaner ist schwierig. Berater verdienen meist an den Provisionen, auf Honorarbasis arbeitet kaum jemand. Daran sollte ein Kunde denken, wenn ihm Produkte vermittelt werden. Das Hemd ist gebügelt, die Krawatte dezent, das Lächeln höflich - so ähnlich stellen sich wohl viele Menschen einen kompetenten Finanzplaner vor. Hat der Bilderbuch-Berater über Finanzmärkte, Altersvorsorge und Rendite geredet, kann mancher nur noch nickend zustimmen. Die Folgen sind manchmal fatal: Eine 70-jährige Rentnerin beteiligt sich an einem geschlossenen Fonds, der nicht nur riskant ist, sondern auch erst in 20 Jahren aufgelöst wird. Ein 24-Jähriger schließt derartig viele Versicherungen ab, dass vom monatlichen Gehalt kaum etwas übrig bleibt. "Das Hauptproblem ist das Qualitätsgefälle zwischen Beratern, Planern und Verwaltern", beklagt Klaus Fleischer, Professor für Finanzwirtschaft an der Fachhochschule München. Für Ratsuchende ist es nicht leicht, einen seriösen und unabhängigen Finanzplaner zu finden. Manchmal trügt der Schein Darum ein paar Tipps, worauf man bei der Suche achten sollte. Wer darf sich Finanzplaner nennen? Mögen die Visitenkarte und der darauf genannte Titel noch so eindrucksvoll sein, davon sollten sich Kunden nicht blenden lassen. Die meisten Bezeichnungen sind nicht geschützt. "Selbst wer in einem halben Jahr nur einen Bausparvertrag vermittelt - und das noch an den eigenen Onkel, darf sich Finanzberater oder -planer nennen", sagt Fleischer. Angeblich gibt es etwa 90.000 freie Finanzdienstleister mit ungefähr 470.000 Beschäftigten, so das Ergebnis einer Studie der BBE-Unternehmensberatung aus dem Jahr 2003. Danach läuft ungefähr ein Siebtel des jährlichen Geldanlagegeschäfts der privaten Haushalte über freie Finanzdienstleister. Die genaue Zahl kennt keiner, denn es existiert keine zentrale Kontrollstelle.
Die Suche nach einem unabhängigen Finanzplaner ist schwierig. Berater verdienen meist an den Provisionen, auf Honorarbasis arbeitet kaum jemand. Daran sollte ein Kunde denken, wenn ihm Produkte vermittelt werden.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/sz-serie-finanzplanung-teil-iv-grosse-qualitaetsunterschiede-bei-finanzberatern-1.905043
SZ-Serie Finanzplanung Teil IV - Große Qualitätsunterschiede bei Finanzberatern
00/05/2010
Eon-Chef Wulf Bernotat gibt nicht auf: Er will die Preise senken und seine Unternehmen noch immer zum größten Energiekonzern der Welt machen. Wulf Bernotat gibt nicht auf: Es bestehe durchaus die Möglichkeit, beim Aktienkapital des spanischen Konkurrenten Endesa einen Wert von mehr als 50 Prozent zu erreichen, sagte der Vorstandsvorsitzende des Düsseldorfer Energiekonzerns Eon am Mittwoch bei der Bilanzvorlage. Er wies Spekulationen über einen Einstieg beim italienischen Versorger Enel zurück: ,,Wir haben keine Enel-Aktien.'' Die Italiener stören den Versuch des Dax-Mitglieds, Endesa für 41 Milliarden Euro zu übernehmen, indem sie selbst bei den Spaniern eingestiegen sind. Durch eine Fusion würde Eon zum größten Energiekonzern der Welt. Endesa sagte am Mittwoch das Aktionärstreffen ab, das für den 20.März geplant war. Die Eigner sollten dort über die Aufhebung einer Stimmrechtsbeschränkung abstimmen, die Eon ursprünglich zur Bedingung für einen Kauf gemacht hatte. Von Forderung abgerückt Die Düsseldorfer rückten von dieser Forderung allerdings am Dienstagabend ab. Das Stimmrecht jedes Aktionärs ist bei Endesa auf zehn Prozent begrenzt. Bernotat kündigte bei der Bilanzpräsentation an, die Gaspreise in Deutschland um bis zu 8,4 Prozent zu verringern. Fünf der sieben Regionalversorger der Firma würden von Mai oder Juni an weniger verlangen, die anderen beiden Töchter seien bereits zum 1. März billiger geworden. Der Manager sagte zudem, er rechne mit niedrigeren Strompreisen, da die Großhandelsnotierungen in Europa bereits deutlich gesunken seien. Im vergangenen Jahr waren die hohen Strom- und Gaspreise der Grund für Eons sattes Umsatzplus. Die Erlöse legten wie von Analysten erwartet um ein Fünftel auf 67,8 Milliarden Euro zu. Der Überschuss sank 2006 um ein Drittel auf 5,1Milliarden Euro, was aber daran lag, dass er im Vorjahr wegen der Verkäufe von Töchtern außergewöhnlich hoch war. Bereinigt um diesen Effekt kletterte der Gewinn ebenfalls um ein Fünftel. Die Dividende je Aktie soll von 2,75 auf 3,35 Euro steigen. Für den Fall, dass die Übernahme von Endesa scheitert, hält Bernotat eine Sonderausschüttung für möglich. Minderheitsbeteiligung erstmals nicht ausgeschlossen Allerdings schloss der Chef erstmals nicht aus, auch eine Minderheitsbeteiligung an den Spaniern zu akzeptieren, falls die angepeilte Mehrheit von mindestens 50,01 Prozent der Aktien nicht erreicht wird.
Eon-Chef Wulf Bernotat gibt nicht auf: Er will die Preise senken und seine Unternehmen noch immer zum größten Energiekonzern der Welt machen.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/eon-sanft-zu-den-gaskunden-hart-bei-endesa-1.915647
Eon - Sanft zu den Gaskunden, hart bei Endesa
00/05/2010
Die Strukturreformen in Deutschland betreffen besonders den Sozialbereich. So müssen Pflichtversicherte künftig mehr Geld für ihre Gesundheit ausgeben. Denn die geplanten Milliarden- Einsparungen im Sozialbereich entlasten Arbeitgeber auf Kosten der Arbeitnehmer. Ist das gerecht? Bisher teilten sich - grob gerechnet - Arbeitgeber und -nehmer die Beitragslast. Das ändert sich nun mehr und mehr. Bestimmte medizinische Maßnahmen werden ganz aus der solidarischen Finanzierung herausgenommen, sie werden also privatisiert. Bei anderen Kassenleistungen, wie etwa dem Krankengeld, sollen Arbeitnehmer mehr als die bisher ihnen abverlangten 50 Prozent tragen. Kritiker sehen darin einen Systembruch. Die paritätische Teilung der Beitragslast gilt seit den von Reichsgründer Otto von Bismarck im Jahr 1885 angestoßenen Sozialgesetzen als Mittel zur Befriedung der Gesellschaft. Schon lange keine Parität mehr Dennoch ist kaum anzunehmen, dass mit der Lastenverschiebung durch die neue Gesundheitsreform der Klassenkampf ausbricht. Von Parität kann nämlich schon lange keine Rede mehr sein. Die Grenzen haben sich seit den sechziger Jahren verschoben. Damals führten die Arbeitgeber die Lohnfortzahlung für kranke Mitarbeiter ein. Die Krankenversicherungen, die von Bismarck ursprünglich ins Leben gerufen wurden, um arbeitsunfähige Mitarbeiter nicht in Armut zu stürzen, profitierten von dieser Sozialtat. Sie müssen für krank gewordene Pflichtversicherte heute erst nach sechs Wochen Ausfall Lohnersatz zahlen. Für die Zeit davor stehen die Arbeitgeber finanziell gerade. Deren Verpflichtung wiegt vier- bis fünfmal schwerer als das Obligo der Kassen. Die Wirtschaft wendet für die Lohnfortzahlung - je nach Rechnung - jährlich zwischen 28und 35 Milliarden Euro auf. Die Krankenversicherungen werden dafür aber nur mit rund 7,1 Milliarden Euro pro Jahr belastet. Trotzdem sind die Arbeitgeber nicht die einzigen Leidtragenden der Entwicklung. Auch die Arbeitnehmer haben sich in den vergangenen drei Jahrzehnten viele Leistungen einseitig aufbürden lassen. Ein Drittel wird privat finanziert Von den 140 Milliarden Euro, die das deutsche Gesundheitswesen im Jahr verschlingt, wird fast ein Drittel von Arbeitnehmern privat, also ganz ohne Arbeitgeberbeitrag, finanziert. Das fängt bei Rezeptgebühren an und hört bei dem Tagegeld für Krankenhausaufenthalte noch lange nicht auf. Viele Medikamente - Pillen gegen Unpässlichkeiten oder Mittel gegen leichte Erkältungen - stehen bereits nicht mehr im Leistungskatalog der Kassen. Das System der paritätischen Lastenverteilungen wird von der Praxis also längst unterlaufen. Die Regierung will dennoch am Prinzip einer für Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu gleichen Teilen geltenden Abgabenpflicht festhalten. Das erstaunt. Denn alle Reformbemühungen laufen auf eine weitere Durchlöcherung der alten Maxime hinaus. Gesundheitsministerin Ursula Schmidt (SPD) muss ja schließlich die Lohnnebenkosten senken, weil andernfalls die Firmen keine Chancen auf Schaffung neuer Arbeitsplätze sehen. Da aber gleichzeitig die Gesundheitsausgaben nicht zuletzt auch wegen der zunehmenden Überalterung der Gesellschaft tendenziell steigen, verbleibt eine immer größer werdende Deckungslücke. Diese kann wegen der Gefahr einer wachsenden Massenarbeitslosigkeit nicht über das Konto der Lohnnebenkosten geschlossen werden. Deshalb bleibt nichts anderes übrig, als die Bürger zur Kasse zu bitten. Fehlende Möglichkeiten der Beeinflussung Ob das ungerecht ist, bleibt abzuwarten. Die Antwort auf diese Frage hängt auch von den Möglichkeiten der Beeinflussung ab. Pflichtversicherte würden ohne Murren einen größeren Finanzierungsbeitrag leisten, wenn sie sicher wären, auch die Kostenentwicklung kontrollieren zu können. Privat nachgefragte Gesundheitsleistungen, wie etwa medizinische Wellness-Dienste, gehören ohne Zweifel in die persönliche Verantwortung. Aber wie steht es mit Arztkosten, die bei der Heilung berufsbedingter Krankheiten anfallen? Oder Krankenhausaufenthalte? Kommunen sind für überdimensionierte Bettenkapazitäten verantwortlich, bezahlen aber muss das alles der Krankenversicherte mit seinem Kassenbeitrag. Der will zwar Sparsamkeit, kann dies aber nicht durchsetzen, weil er keinen Einfluss auf die Kosten nehmen kann. Die Versicherungen teilen ihm ja noch nicht einmal die Aufwendungen für seine eigene Genesung mit. Dies über mehr Transparenz zu korrigieren, diente den Interessen der Versicherten mehr als das Festhalten am Phantom der paritätischen Lastenteilung.
Warum das Ende der paritätischen Beitragsteilung auch eine Chance sein kann.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/sz-serie-zur-gerechtigkeit-folge-4-mehr-lasten-gegen-mehr-einfluss-1.902959
SZ-Serie zur Gerechtigkeit, Folge 4 - Mehr Lasten gegen mehr Einfluss
00/05/2010
Die Devisenhändler schrecken auf: US-Finanzminister Snow, grundsätzlich Befürworter eines starken Dollar, hat die Vorteile einer schwachen Währung hervorgehoben. (vom Mai 2003) Der Euro klettert historischen Höchstständen entgegen und lässt mit seinem Höhenflug die ersten Warnglocken in Politik und Wirtschaft läuten. Am Montagmorgen wurde die Gemeinschaftswährung vorübergehend mit 1,1621 notiert, bevor sie im Handelsverlauf wieder leicht nachgab. Es war der höchste Stand seit über vier Jahren. Den Euro trennen damit nicht einmal mehr drei Cent von seinem bisherigen Allzeithoch am 4. Januar 1999, als er drei Tage nach seiner Einführung im Handelsverlauf bei 1,1884 notiert wurde. Die US-Währung zeigte sich am Montag auch gegenüber dem japanischen Yen und dem Schweizer Franken schwächer. Marktbeobachter führten diese Entwicklung auf Aussagen von US-Finanzminister John Snow vom Wochenende zurück. Dieser hatte erklärt, ein schwächerer Dollar könnte den US-Exporten helfen. Analysten sehen darin ein Signal, dass die US-Regierung zumindest in naher Zukunft keinen starken Dollar befürworten werde. Sorge vor der Volatilität Die EU-Kommission sieht die Euro-Entwicklung nach eigenen Angaben gelassen. "Wir sind durch eine lange Periode gegangen, in der wir dachten, der Euro sei unterbewertet", sagte Kommissionssprecher Gerassimos Thomas am Montag in Brüssel. Jetzt werde dies korrigiert. Entscheidend sei dabei die Volatilität, also die Geschwindigkeit der Korrektur. Eine zu große Volatilität sei nicht gut, sagte Thomas. Die deutsche Autoindustrie erklärte, der Euro-Dollar-Wechselkurs habe ein Niveau erreicht, das er zu Beginn des Jahres 1999 bereits einmal hatte. "Auch mit der damaligen Situation ist man fertig geworden", sagte Bernd Gottschalk, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA). Was Sorge an der derzeitigen Entwicklung mache, sei jedoch die Dynamik des Anstiegs. Die Devisen-Analystin Alexandra Bechtel von der Commerzbank erklärte, Snows Äußerungen zeigten, dass von den USA keine Intervention zu Gunsten des Dollars zu erwarten sei. Auch von Seiten der EZB werde es keine Intervention geben werde, bis der Euro seinen Einführungskurs übersteige. Der Chefvolkswirt der britischen Großbank Barclay's Capital, Thorsten Polleit, bezeichnete den Wert von 1,15 Dollar als "Schmerzgrenze". Der starke Euro führe aber "zu keinen großen negativen Effekten für die deutsche Wirtschaft". Grundsätzlich verblieben die deutschen Exporte zu 60 Prozent im europäischen Binnenmarkt. Mehrere Faktoren Ursache für Euro-Höhenflug Zum Höhenflug des Euro haben nach Meinung von Devisenexperten gleich mehrere Faktoren beigetragen. Zum einen haben immer mehr Anleger Sorgen vor der weiteren Entwicklung der US-Konjunktur und der Finanzmärkte. Wenn diese Investoren ihre Gelder aus den USA zurückziehen, verkaufen sie Dollar und üben zusätzlichen Druck auf die US-Währung aus. Ein weiterer Faktor ist das höhere Zinsniveau in Europa, das ebenfalls zu einem Zufluss von Geldern aus den USA führt. Dort haben die Zinsen inzwischen den tiefsten Stand seit vier Jahrzehnten erreicht. Die meisten Analysten vertreten die Ansicht, dass es sich bei der derzeitigen Entwicklung eher um eine Dollar-Schwäche als um eine Euro-Stärke handelt und verweisen auf das nach wie vor nur moderate Wirtschaftswachstum in Europa. Über die weitere Entwicklung herrscht Uneinigkeit: Einige Devisenexperten halten den Zenit des Euro-Höhenflugs bald für erreicht, andere dagegen sehen den Euro bis Jahresende bei 1,20 Dollar.
Die Devisenhändler schrecken auf: US-Finanzminister Snow, grundsätzlich Befürworter eines starken Dollar, hat die Vorteile einer schwachen Währung hervorgehoben. (vom Mai 2003)
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/euro-auf-rekordkurs-das-ungewollte-kursfeuerwerk-1.916430
Euro auf Rekordkurs - Das ungewollte Kursfeuerwerk
00/05/2010
Merkwürdig, was manchem zum 1. Oktober einfällt. Stefan Keil denkt bei diesem Datum an eine Bugwelle. Er hat sie kommen sehen, beobachtet, wie sie angeschwollen ist und nun den Höhepunkt erreicht, und so sagt er: "Das wird ein historischer Tag." Keil ist für Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Er sitzt im sechsten Stock eines Bürogebäudes in der Konstanzer Straße in Berlin. Neben ihm liegt ein ausgebreiteter Aktenordner. Man sieht Graphiken, Fotos von Häusern bei Tag und Nacht. Er redet von Logos und Schildern, denn das alles gehört zur Bugwelle von Stefan Keil, die seinen Arbeitgeber erfasst hat: die Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA). Die Behörde, die sich um 25 Millionen Angestellte und neun Millionen Rentner kümmert, die hunderttausende Kuren genehmigt und Rentenbescheide verschickt, verschwindet -- und taucht in neuem Gewand auf: Deutsche Rentenversicherung Bund. Rentenorganisationsreform nennt sich das, und bereits der Name schreckt ab. Gewandelte Arbeitswelt Denken doch viele bei der Rente an Milliardenlöcher in der Alterskasse und fürchten die Zeit, wenn sie ihre dritten Zähne nachts im Glas aufbewahren müssen und die Rente nicht reichen könnte zum Leben. Vor der RVOrgG, wie Fachleute das Vorhaben nennen, muss sich kaum einer fürchten, obwohl das Gesetz 86 Artikel und 53 Seiten umfasst und die Begründung weitere 50 Seiten stark ist. Es ist die wichtigste Neuordnung der Rentenkassen in den vergangenen 50 Jahren, doch dadurch erhält kein Ruheständler weniger Rente, kein Arbeitnehmer muss mehr Beitrag zahlen. Die meisten Menschen werden das Vorhaben vermutlich nicht einmal bemerken. Manche rätseln über die neu gestalteten Briefe, die sie von ihrem Rentenamt bekommen, über den Briefkopf mit dem gelbgrünen Logo, das 100.000 Euro kostete und Seriosität und Tatkraft ausstrahlen soll. Oder sie wundern sich, wenn sie die BfA-Telefonnummer wählen und hören: "Deutsche Rentenversicherung Bund. Was kann ich für sie tun? " Ansonsten hat das Vorhaben kaum Folgen, die den Bürgern auffallen werden, was insofern bemerkenswert ist, da viele lange darum gerungen haben: Bund, Länder, Gewerkschaften, Verbände, Personalräte. Es geht um die Arbeit der Rentenbehörden. Heute sind 26 verschiedene tätig, die BfA betreut die Angestellten, die Seekasse die Seeleute, die Knappschaft die Bergarbeiter, die Bahnversicherungsanstalt die Bahnbediensteten, für die Arbeiter sind weitere 22 Landesversicherungsanstalten (LVA) zuständig, und darüber thront der Verband Deutscher Rentenversicherungsträger (VDR) als Ansprechpartner für Journalisten und Politiker. Unternehmensberater wollten diesen Ämterdschungel schon lange lichten, auch weil sich die Arbeitswelt gewandelt hat. Es gibt immer mehr Angestellte und immer weniger Arbeiter, Seemänner und Bergleute. Und warum gilt der Fahrer eines Supermarkts, behördlich betrachtet, als Angestellter, während sein Kollege von der Brauerei zum Arbeiter wird? Viel Ungereimtes ist da, weswegen etliche Behörden überflüssig sind. Eigentlich. Aber es gibt auch 75 000 Arbeitsplätze in den Rentenämtern, und es gibt Bundesländer, die ihren Behörden die Jobs sichern wollen. Also entstand ein komplizierter Kompromiss. Künftig übernimmt die Deutsche Rentenversicherung Bund die Arbeit von BfA und VDR. Daneben entsteht die Deutsche Rentenversicherung Knappschaft, Bahn, See, die sich um die Beschäftigten dieser Branchen kümmert, und in den Ländern sind die regionalen Ableger der Deutschen Rentenversicherung tätig, welche die heutigen LVA ersetzen, wobei einige zusammengehen; statt 26 Behörden soll es nur 18 geben. Vor allem wird Arbeit umverteilt. Die umgewandelte BfA soll sich mehr um Statistik, Medien und Politik kümmern. Dafür muss sie in den nächsten 15 Jahren viele Akten abgeben an die anderen Träger. Ob ein Amt gut oder schlecht ist, ob die Sachbearbeiter fix oder schlampig arbeiten, ist egal. Bei der Umverteilung regiert die Quote -- nicht der Wettbewerb. Herbert Rische schmunzelt. Er sitzt einige Stockwerke unter Stefan Keil in einem langen Raum. An der Seite stehen Stehpult und ein Glastisch, man sieht einen weißen Porzellanbären mit BfA-Logo. Herbert Rische trägt einen Schnurrbart, der lustig auf und ab federt, wenn er redet. Noch ist er der Präsident der BfA, doch bald wird er Chef der Deutschen Rentenversicherung Bund sein. Ein einflussreicher Posten. Er ist dann der oberste Rentenverwalter der Republik. Sein Wort zählt, wenn die Politiker wieder die Rente reformieren wollen. Rische sagt nicht viel an diesem Tag, nur dass sich wenig ändern wird: "Die BfA geht nicht unter, sie erhält nur einen neuen Namen." Er ist vorsichtig. Noch ist er nicht gewählt. Er steckt sich eine Zigarette an, holt ein Papier hervor. Der Ablaufplan für den 1. Oktober: elf Sitzungen, von 9.30 bis 19 Uhr. Neue Aufsichtsgremien treten zusammen, alte treten ab. Es wird viel beraten und beschlossen. Reformieren ist kompliziert. Irgendwann wird er Sozialministerin Ulla Schmidt treffen, und Franz Ruland, seinen früheren Konkurrenten um den Posten des obersten Rentenverwalters. Das ist auch etwas, was verschwindet. Der Wettstreit zwischen Rische und Ruland, dem VDR-Chef. Beide betrieben oft ein Schaulaufen in den Medien oder bei Anhörungen im Bundestag. Erst sagte Ruland Kritisches, dann Rische, und stets waren die Worte ähnlich. Beide pochten auf Unabhängigkeit und gaben das Duett der Rentenmanager. Damit ist es vorbei. Ruland hört auf, Rische übernimmt das Büro, einige Dutzend Mitarbeiter beider Häuser wechseln die Schreibtische. Ruland lobt die Reform. Er schaut von seinem Schreibtisch auf eine Glasfront mit zehn Fenstern. Auf dem Boden liegen Broschüren und aufgeklappte Akten. Er steht seit 13 Jahren an der VDR-Spitze, hat Blüm, Riester und Schmidt erlebt, und manche sagen, dass er der eigentliche Rentenminister ist, auch weil er auf einem Bierdeckel die Rentenformel erklären kann. Er spricht davon, dass die Reform 350 Millionen Euro einsparen wird, wobei man sich fragt, wie das gehen soll, wenn die Behörden nur die Arbeit umverteilen und keinem Arbeitnehmer gekündigt werden soll. Er sagt, ohne die Reform wäre die BfA immer weiter gewachsen, und das hätte zum Problem werden können. Dabei ist die BfA schon heute eine Mammutbehörde. Allein in Berlin hat sie 27 Gebäude an 13 Orten, der gesamte Büroraum umfasst eine Fläche von 50 Fußballfeldern. Sie ist in der Stadt einer der größten Arbeitgeber mit 27.000 Beschäftigten. Reformieren ist kompliziert 125 Milliarden Euro werden im Jahr umgewälzt, 53 Millionen Postsendungen verschickt, pro Tag 250 000 Blatt Papier und 165 000 Kuverts bedruckt. Im sechsten Stock steht die Hausdruckerei. Briefe und Umschläge drehen sich an kleinen Rädern. Mannshohe 400-Kilo-Rollen spulen Papierbahnen ab. Es wird sortiert und kuvertiert, und manchen beschleicht ein mulmiges Gefühl. Wie Ulrich Theil. Er ist Vizesprecher der BfA und sorgt sich naturgemäß um das öffentliche Bild seiner Anstalt. Er denkt an die vielen Rentenbescheide, die Reha-Anträge, an 2000 verschiedene Papiervordrucke, 700 elektronische Vordrucke und 600 Computer-Vorlagen, aus denen das Kürzel BfA getilgt werden muss. Ansonsten wären die Briefe ungültig, und in den Zeitungen hieße es: "Rentenamt verschickt falsche Bescheide." Theil erschrickt kurz bei dem Gedanken, aber er erzählt von Probeläufen der Techniker und wird wehmütig, wenn er an das Ende des BfA-Kürzel denkt: "Da verändert sich etwas im Bewusstsein." Der neue Name ist auch für Stefan Keil ein Problem. Wegen der Schilder und Stempel, die er überall austauschen muss. Ständig rufen unbekannte Leute an, und er wundert sich, was sein Arbeitgeber alles macht. Er schaut auf seine Graphiken und Fotos, überlegt, wo die neuen Schilder an den Gebäuden hängen könnten und erzählt von seinem Sieg über das Bauamt. Es ging um ein Eingangsschild. In meterhohen Bronzebuchstaben stand auf einem Vordach: BUNDESVERSICHERUNGSANSTALT FÜR ANGESTELLTE. Keil wollte die Buchstaben abnehmen und durch ein Wandschild ersetzen, aber das Bauamt sperrte sich. Nun werden die Buchstaben abmontiert, umgestellt, teilweise neu gegossen und danach aufpoliert, bis über dem Eingang prangt: DEUTSCHE RENTENVERSICHERUNG BUND. Ein Amt recycelt sich selbst.
Warum die Bundesversicherungsanstalt für Angestellte verschwindet und als Deutsche Rentenversicherung Bund wieder auftaucht
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/deutschland-ein-amt-recycelt-sich-selbst-1.914099
Deutschland - Ein Amt recycelt sich selbst
00/05/2010
Claus Weyrich führt die Siemens-Forscher und muss die Trends der Zukunft frühzeitig erkennen. Dazu arbeiten ihm auch Utopisten zu. Zweckfreie Forschung duldet er aber nicht. Soeben ist er aus China zurückgekommen, dem Markt der Zukunft. Siemens hat dort Forschungszentren mit größtenteils einheimischen Forschern, die Produkte für den chinesischen Markt ersinnen, aber auch für die Welt. Claus Weyrich, der Forschungsvorstand des Konzerns, hat vor Ort nach dem Rechten gesehen. Detailansicht öffnen Führt gerne persönliche Gespräche: Siemens-Forschungsvorstand Claus Weyrich. (Foto: Foto: AP) Weyrich steht unter Druck. Der oberste Forscher des Weltkonzerns ist qua Amtes auf der Suche nach den Erlösquellen von morgen. 75 Prozent des Konzernumsatzes verdient der Multi mit Produkten und Dienstleistungen, die jünger sind als fünf Jahre. "Das bedeutet, dass wir drei Viertel unseres Umsatzes in fünf Jahren durch heutige Investition in Forschung und Entwicklung sichern müssen", sagt Weyrich. Seine Aufgabe sieht er darin, vor allem im Bereich der Forschung diesen Innovationsprozess zu "managen und die Rahmenbedingungen zu schaffen, unter denen die Mitarbeiter ihre Leistungsfähigkeit voll entfalten können." Tüftler wichtig Etwa 1800 der 47.000 Forscher und Entwickler weltweit arbeiten Weyrich direkt zu: Naturwissenschaftler, vor allem Physiker, Ingenieure und Informatiker. Geduldet werden aber auch Tüftler und Utopisten. Sie seien wichtig, weil sie querdenken und auch unkonventionelle Ansätze ausprobierten, sagt Weyrich. "Erfolgreiche Forschung ist eine Teamleistung, in der sie Tüftler, Umsetzer und Manager brauchen." Aber auch für die Tüftler gelte: "Wir machen keine zweckfreie Forschung. Wer Vorfeld macht, muss wissen, wo das Feld ist." Erfolg am Markt ist essenziell Am Ende geht es immer um den geschäftlichen Erfolg. Erfindungen werden erst dann zu Innovationen, wenn sie im Markt erfolgreich sind. Forschung und Entwicklung (F&E) bei Siemens müssen die technologische Zukunft des Großkonzerns mit 461.000 Mitarbeitern sichern. Auch die Forscher dürfen das Kosten-Nutzen-Verhältnis nie aus den Augen verlieren. Weyrich: "Das Wichtigste dabei ist ein konsequentes Projektmanagement. Natürlich sollen die Mitarbeiter Freiheiten für Ideen haben, aber die Kreativität muss zielgerichtet zu einem Produkt hinführen, das sich im Markt durchsetzen kann. Sobald wir merken, dass wir dieses Ziel nicht erreichen, stellen wir das Forschungsprojekt ein." Erfolgreiche Projekte dagegen werden im Unternehmen gefeiert. Einmal im Jahr werden die zwölf herausragendsten Erfinder des Unternehmens von Vorstandschef Klaus Kleinfeld persönlich ausgezeichnet. Enges Kommunikationsnetz Diese Entwicklungen versucht Vorstand Weyrich über ein enges Netz von Kommunikation zu steuern. Am Anfang steht die Analyse zukünftiger Märkte und Kundenwünsche. Hierfür hat Siemens einen eigenen Prozess entwickelt, der zu Zukunftsszenarien führt, den "Pictures of the Future". Es folgt die Entwicklung neuer Technologien und die konkrete Umsetzung in Produkten. "Alles in allem", sagt Weyrich, "ist Innovation harte Arbeit." Arbeit, bei der sich der promovierte Physiker als "Moderator" zwischen Kreativität und Kommerz, zwischen Freiraum in der Forschung und Marktnähe versteht.
Claus Weyrich führt die Siemens-Forscher und muss die Trends der Zukunft frühzeitig erkennen. Dazu arbeiten ihm auch Utopisten zu. Zweckfreie Forschung duldet er aber nicht.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/der-oberforscher-zwischen-kreativitaet-und-kommerz-1.899495
Der Oberforscher - Zwischen Kreativität und Kommerz
00/05/2010
(SZ vom 24.07.03) - Mut hat die legendäre Rundfunk-Gesellschaft BBC: Schon jetzt muss sie ihr Programm viel billiger produzieren als ARD und ZDF. In den roten Zahlen steckt sie ohnehin schon. Und dennoch gibt sie im Streit mit der Regierung wegen der Affäre um den toten Waffenexperten David Kelly nicht klein bei. Die British Broadcasting Corporation (BBC) ist auf der Insel eine Institution wie die königliche Familie oder die Gartenausstellung Chelsea Flower Show. Wenn auch ihr Marktanteil sinkt, weil immer mehr private Programme ins Geschäft einsteigen - für politische Informationen schalten die Briten zur BBC um. Und wenn Politiker eine Botschaft an den Mann bringen wollen, dann kommen sie notgedrungen morgens zu BBC Radio4 oder abends zur TV-"Newsnight". Bedeutender Ex-Monopolist Neben der Post ist die BBC der einzige bedeutende Ex-Monopolist des Landes, der bislang der Privatisierungswelle entkam: Auch heute noch ist sie ein öffentlich-rechtliches Unternehmen, ganz ähnlich wie ARD und ZDF. Wie bei ihren deutschen Pendants bilden die staatlich festgesetzten Rundfunk-Gebühren die dominierende Einnahmequelle. Die Diagnosen über den wirtschaftlichen Zustand der BBC gehen weit auseinander. "Sie hat heute eine noch stärkere Position als in früheren Jahren, und ihre Einnahmen sind höher als je zuvor", meint Ray Addison vom Bertelsmann-Konzern. Bertelsmann ist der einzige deutsche Konkurrent der BBC; über ihre Tochter RTL halten die Gütersloher die Mehrheit an der Channel Five, der jüngsten Fernsehstation mit Vollprogramm auf der Insel. Hohe Verluste Der Abschluss für das Geschäftsjahr 2002/03, den die BBC vor wenigen Tagen vorgelegt hat, vermittelt dagegen ein anderes Bild: Der Verlust schnellte auf 450 Millionen Euro empor, und das Defizit aus der normalen Geschäftstätigkeit erreichte sogar 580 Millionen Euro. Das entspricht zwölf Prozent der Einnahmen, wenn man den BBC World Service, also Programme, die nur für das Ausland bestimmt sind, nicht einrechnet. Der World Service wird unmittelbar vom Außenministerium finanziert und bildet wirtschaftlich quasi nur einen durchlaufenden Posten. Immer neue Spartenkanäle Einer der Hauptgründe für das Defizit: Die BBC folgte der Strategie von ARD und ZDF und hat neben ihren beiden Hauptprogrammen immer neue Sparten-Kanäle hochgezogen, um nicht weiter Marktanteile an die Privatanbieter zu verlieren. Dazu kommt auf Grund der Aktienbaisse noch ein Loch in der Pensionskasse von etwa 1,4 Milliarden Euro. Mit einem Wort, die BBC wird sparen müssen. Dabei zeigt sie unfreiwillig schon jetzt, dass man ein anspruchsvolles Programm auch mit sehr viel weniger Geld machen kann als das öffentlich-rechtliche Fernsehen in Deutschland: Ihre Einnahmen liegen um 40 Prozent unter denen von ARD und ZDF. Denn es gibt weniger Zuschauer in Großbritannien, zudem liegen die Gebühren - im Gegensatz zum Preisniveau insgesamt - niedriger als in Deutschland. Und Werbung oder gar Sponsoring sind der BBC verboten. Seltene Sportübertragungen Ein Stück weit zeigt sich die Sparsamkeit allerdings schon im Programm: Teuere Sportübertragungen und Spielfilme - sie kosten fünfmal soviel wie Sendungen zum Zeitgeschehen - sind seltener als bei ARD und ZDF. Die Konfrontation mit der Regierung und gleich beiden großen Parteien der Insel birgt für die BBC zusätzliche Risiken. Denn die Politik kann den Übergang zum Digitalfernsehen, der 2006 abgeschlossen sein soll, so gestalten, dass speziell das Satelliten-Fernsehen von BSkyB (dominierender Anteilseigner: Medienmogul Rupert Murdoch) dabei gewinnt. Und die Politik könnte Murdoch, der auf dem britischen Zeitungsmarkt eine überragende Marktstellung hat, den Weg öffnen, eine der herkömmlichen TV-Lizenzen zu erwerben. Zudem muss das Parlament bis zum Jahr 2006 ohnehin ganz neu über die Zukunft der lebenden Legende entscheiden.
Der Streit mit der britischen Regierung birgt für den legendären Sender langfristig große Gefahren.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/bbc-mehr-mut-als-vaterlandsliebe-1.900852
BBC - Mehr Mut als Vaterlandsliebe
00/05/2010
Karlheinz Kögel denkt um. Er, der Last-Minute-Reisen in Deutschland populär gemacht hat, will in seinen Reiseshops künftig auch Reisen verkaufen, die langfristig buchbar sind. Deshalb wird die vor zwei Jahren eingeführte Internetmarke Flyloco von sofort an in 145 L'Tur Shops in Deutschland, Österreich und der Schweiz verfügbar sein. Flyloco bietet Reisen bis zu einem Jahr vor Abreise an - anders als L'Tur, wo der Urlaub wenige Tage oder Wochen vor Abflug gebucht wird. Detailansicht öffnen Erweitert sein Geschäfts-Modell: Karlheinz Kögel. (Foto: Foto: dpa) Mit diesem neuen Vorgehen werden die Reisebüros von L'Tur zum ersten Mal lange vor Reisebeginn buchbare Angebote verkaufen. Kögel schätzt, dass das Unternehmen in Zukunft mit Flyloco stärker wachsen kann, als mit dem klassischen Produkt von L'Tur. Kögel, 58, ist der Erfinder von L'Tur - dem Vermarkter von "in letzter Minute" gebuchten Reisen. Restplätze-Verwertung Die Idee, Restplätze von Reiseveranstaltern, Hoteliers und Fluggesellschaften zu übernehmen und sie zu neuen, billigeren Paketen zu kombinieren, hat das Unternehmen in diesem Markt führend gemacht. Täglich stehen den Angaben zufolge mehr als eine Million Angebote zur Verfügung, darunter Pauschalreisen, Flüge, Hotels und Städtetrips. Im vorigen Jahr hat L'Tur nach Kögels Angaben mit 355 Millionen Euro und einem Plus von fünf Prozent den höchsten Umsatz seiner 17-jährigen Firmengeschichte erzielt. 69 Prozent des Umsatzes würden über mittlerweile 151 L'Tur-Shops in sechs Ländern erwirtschaftet, so Kögel. Keine Angaben zum Gewinn Das Unternehmen hat neben den Agenturen in Deutschland, Österreich und der Schweiz auch Shops in den Niederlanden, Frankreich und Polen. Angaben über den Gewinn macht Kögel mit Verweis auf die Gesellschafter nicht.
Karlheinz Kögel denkt um. Er, der Last-Minute-Reisen in Deutschland populär gemacht hat, will in seinen Reiseshops künftig auch Reisen verkaufen, die langfristig buchbar sind.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/reaktion-auf-billigflieger-l-tur-bietet-erstmals-langfristig-buchbare-reisen-1.914529
Reaktion auf Billigflieger - L'Tur bietet erstmals langfristig buchbare Reisen
00/05/2010
Euro Disney hätte im Augenblick gerne so viel Geld wie Dagobert Duck. Der Amüsierpark-Betreiber hat Probleme mit seinem Schuldendienst. Die Aktie des Unternehmens brach am Freitag ein, weil Euro Disney wegen des maroden Tourismusgeschäfts Verpflichtungen bei Banken nicht einhalten kann. Die Aktie verlor zur Eröffnung der Pariser Börse knapp 23 Prozent, konnte sich jedoch zum Mittag auf ein Minus von 13 Prozent bei 0,53 Euro verbessern. Ein Sprecher des größten europäischen Freizeitparks betonte in Paris, ein Sozialplan sei derzeit nicht an der Tagesordnung. Er bewertete die laufenden Gespräche mit dem US-Disney- Mutterhaus optimistisch. Verhandlungen mit den Banken Die Gefahr, dass vorzeitige Schuldenrückzahlungen verlangt würden, bleibe bestehen, die Verhandlungen mit den Banken hätten begonnen. Ziel sei es, den notwendigen Auflagenverzicht oder notwendige Änderungen sowie Zusatzfinanzierungen zu erreichen. Euro Disney hatte am Donnerstagabend mitgeteilt, die angestrebten Unternehmensziele für den Freizeitpark und seine Hotels in diesem Geschäftsjahr und im Jahr 2004 nicht erreichen zu können. Bei den Schulden geht es um einen im Juni 2004 fällig werdenden Kredit von 167,7 Millionen Euro sowie Verbindlichkeiten in einem Gesamtvolumen von 1,7 Milliarden Euro. Durch Streiks verschlimmert Die prognostizierten Besucher- und Hotelbelegungszahlen könnten nicht erreicht werden, teilte Euro Disney mit. Die Lage der Reise- und Tourismusbranche habe sich im dritten Quartal verschlechtert und sei durch die Streiks in Frankreich noch verschlimmert worden. Dies habe Euro Disney stärker als erwartet getroffen. Deshalb erwarte der Park, dass die Bankauflagen für die Geschäftsjahre 2003 und 2004 nicht mehr erfüllt würden. Euro Disney hatte sich mit dem US-Medienkonzern Disney, der eine Minderheitsbeteiligung an dem europäischen Amüsierpark hält, auf den Verzicht von Lizenz- und Management-Gebühren von Januar bis Ende September 2003 geeinigt. Auch im laufenden Quartal erwartet Disney keine Gelder. Zusätzliche Kredite nötig Ohne zusätzliche Kreditmittel werde Euro Disney nicht mehr den notwendigen Cash-Flow haben, um seinen Verpflichtungen beim Schuldendienst im Geschäftsjahr 2004 nachzukommen. Dann wären das Disney-Investment und die Disney-Forderungen von 522 Millionen Dollar bei Euro Disney teilweise oder ganz beeinträchtigt. Die im Jahr 1992 eröffneten Euro-Disney-Parks bei Paris hatten nach Milliardenverlusten erstmals Mitte 1995 Gewinne ausweisen können. In dem Ende Juni abgeschlossenen dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres waren die Euro-Disney-Umsätze im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um sieben Prozent auf 275,6 Millionen Euro zurückgegangen. In den gesamten ersten neun Monaten des Jahres seien die Erlöse mit 748,2 Millionen Euro immer noch um zwei Prozent höher als vor einem Jahr gewesen. Einmalige Sonderzahlungen Mit der Eröffnung eines neuen Film-Themenparks hatte Euro Disney die Besucherzahlen im Geschäftsjahr 2001/2002 auf gut 13 Millionen steigern können, war jedoch wegen einmaliger Sonderzahlungen mit 33,1 Millionen Euro in der Verlustzone gelandet. Die Sonderzahlungen hingen mit den Investitionen in den neuen Themenpark zusammen.
Euro Disney hätte im Augenblick gerne so viel Geld wie Dagobert Duck. Der Amüsierpark-Betreiber hat Probleme mit seinem Schuldendienst.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/schuldendienst-euro-disney-braucht-dringend-gold-taler-1.917876
Schuldendienst - Euro Disney braucht dringend Gold-Taler
00/05/2010
Im Schmiergeldskandal bei Siemens tauchen neue Vorwürfe auf: In den 90-er Jahren könnte sich der Konzern die "korrupten Gebräuche des Suharto-Clans" zu Nutze gemacht haben. In der Schmiergeld-Affäre um den Siemens-Konzern sind neue Vorwürfe in der Kraftwerkssparte aufgetaucht. Nach Darstellung des Nachrichtenmagazins Der Spiegel besteht der Verdacht, dass auch im Zusammenhang mit einem Kraftwerksbau in Indonesien Schmiergelder in Höhe von fast 20 Millionen Euro über ein geheimes Depot in Liechtenstein geflossen sein könnten. Die WirtschaftsWoche berichtet, die Hälfte des Siemens-Geschäfts in China soll von Bestechung beeinflusst worden sein. Das hätten die internen Ermittler der mit der Untersuchung des Skandals beauftragten US-Anwaltskanzlei Debevoise & Plimpton festgestellt. Bei dem Indonesiengeschäft sollte Siemens gemeinsam mit einem britischen und einem indonesischen Partner Ende der 90-er Jahre ein 1200-Megawatt-Kohlekraftwerk unter dem Namen "Paiton II" im Osten der Insel Java bauen und betreiben. Unterzeichnung im Beisein Suhartos und Kohls Der Vertrag mit einem Wert von 1,2 Milliarden US-Dollar war den Spiegel-Angaben zufolge im April 1995 im Beisein des damaligen Kanzlers Helmut Kohl (CDU) und des indonesischen Diktators Suharto unterzeichnet worden. Ein mit dem Projekt vertrauter hochrangiger indonesischer Strommanager hatte den Kontrakt im Jahr 1998 als "Auswuchs der korrupten Gebräuche des Suharto-Clans" bezeichnet. Siemens-Manager hätten damals beteuert, bei dem Bau sei alles korrekt gelaufen. Jetzt seien Unterlagen aufgetaucht, die an diesen Aussagen zweifeln lassen. "Neutrale Zahlung" Zwischen Februar 1998 und Dezember 1999 sollen aus der Siemens-Kasse rund 19,7 Millionen Euro auf ein Konto in Vaduz mit dem Verwendungszweck "Neutrale Zahlung" geflossen sein. Intern sollen die 15 Überweisungen jedoch unter "Paiton Indonesien" verbucht worden sein. Für die vermutete Korruption in China sollen laut WirtschaftWoche die mächtigen Chefs der Siemens- Landesgesellschaften verantwortlich sein. Sie agierten autonom von der Zentrale in München und arbeiten mit zahlreichen selbstständigen Agenten und Vermittlern. Rund 90 Prozent des Geschäftes in China werde über diese Mittelsmänner abgewickelt, habe ein Siemens-Manager dem Blatt gesagt. Die Verträge mit diesen Vermittlern sowie die damit verbundenen nicht verbuchten Bargeldzahlungen stünden im Zentrum der internen Ermittlungen bei Siemens. Siemens wollte sich mit Blick auf die laufenden Verfahren dazu nicht äußern. Vor knapp einer Woche hatte die Süddeutsche Zeitung berichtet, dass es in der Siemens-Schmiergeld-Affäre fragwürdige Zahlungen in Höhe von circa einer Milliarde Euro gegeben habe und nicht wie bisher angenommen lediglich rund 420 Millionen Euro.
Im Schmiergeldskandal bei Siemens tauchen neue Vorwürfe auf: In den 90-er Jahren könnte sich der Konzern die "korrupten Gebräuche des Suharto-Clans" zu Nutze gemacht haben.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/siemens-zwielichtige-geschaefte-mit-suharto-1.879170
Siemens - Zwielichtige Geschäfte mit Suharto
00/05/2010
Viren, Bakterien, Unfälle - Urlaubszeit ist Notruf-Zeit: Eine Telefonzentrale kümmert sich im Auftrag von Krankenversicherern um besorgte Patienten im Ausland. (SZ vom 09.08.2003) — Wenn bei Robert Möginger das Telefon läutet, bedeutet das selten Gutes. Der Mann telefoniert den ganzen Tag - meist mit Urlaubern, die im Ferienland krank geworden sind, oder mit deren Angehörigen. Der 39-Jährige ist Teamleiter für den Bereich Medizin bei Mondial Assistance in München. Das Unternehmen, hinter dem die Allianz-Gruppe steht, arbeitet im Auftrag von Versicherungen und Betriebskrankenkassen. Möginger hilft den im Ausland Gestrandeten. Er hat die Kontrolle über die medizinische Versorgung am Urlaubsort, organisiert Rücktransporte der Patienten - manchmal sogar den Einbau eines kompletten Krankenbettes im Linienflugzeug -, bucht Flüge und Hotels für aus Deutschland anreisende Ärzte. Manchmal hört er auch einfach nur zu, macht Mut, wenn jemand am anderen Ende der Leitung nervlich fertig ist. Möginger leitet eine Gruppe von 23 so genannten Assistance-Koordinatoren. Sie arbeiten in einer Notruf-Zentrale im Drei-Schicht-Betrieb rund um die Uhr. In der Notruf-Zentrale geht es an diesem Tag alles andere als hektisch zu. Selbst in der Hitze sitzt das Team konzentriert am Schreibtisch. Jeder trägt einen Kopfhörer mit geschwungenem Mikrophon, das erleichtert das Telefonieren. Die Schreibtische stehen sich gegenüber, so lassen sich alle Fragen und Probleme leichter besprechen. "Puedo ayudarle?", fragt die Frau den Anrufer am anderen Ende auf Spanisch: "Kann ich helfen?" Mögingers Team spricht 20 Sprachen: "Damit kommt man in der Welt durch." Mehr als normales Call-Center Die Mitarbeiter von Mondial Assistance können mehr als "normale" Call-Center-Beschäftigte, die nur Bestellungen, Reklamationen oder Buchungen entgegen nehmen. "Meine Leute brauchen Kenntnisse in der Touristik, in Sprachen, in der Medizin und vor allem einen gesunden Menschenverstand", sagt Möginger, der selbst Betriebswirtschaft und Tourismus studiert hat. "Widerstandsfähigkeit gegen Stress" ist eine Eigenschaft, die gerade jetzt in der Urlaubszeit zählt. Denn das Telefon kann bis zu 500-mal am Tag läuten. Nicht immer sind die Telefongespräche so problemlos wie das mit der Mutter aus der Türkei. Deren Kleinkind hat einen Magen-Darm-Katarrh und Blut im Stuhl. Deshalb möchte die Frau, dass die Zweijährige weiterhin im Krankenhaus bleibt. Sie ist ein bisschen beunruhigt, weil das Kind drei verschiedene Antibiotika und Infusionen bekommt. Möginger verbindet die Frau mit einem Kinderarzt im Zimmer nebenan. Er erklärt der besorgten Mutter, dass türkische Privatkliniken schnell dabei sind, Antibiotika per Spritze in die Vene zu verabreichen. "Wenn das Kind wieder isst und trinkt, und wenn es wieder herumläuft, dann nehmen Sie es aus dem Krankenhaus", empfiehlt der Mediziner. Dienstlich auf die Malediven Er ist einer von 18 Ärzten, die für Mondial Assistance tätig sind. Einer von ihnen muss vielleicht bald auf die Malediven reisen. Auf Mögingers Schreibtisch ist gerade die Akte eines 38 Jahre alten Mannes gelandet, der auf den Malediven eine Hirnblutung erlitten hat. Die Computer-Tomographie, die Möginger per E-Mail vom dortigen Krankenhaus erhalten hat, zeigt eine großflächige Einblutung im Kopf. Möginger runzelt die Stirn: "Das bedeutet nichts Gutes." Die nächste Anruferin ist fürchterlich aufgeregt: "Ich brauche sofort Ihre Hilfe." Die Schwiegermutter der Frau ist auf einer Busreise durch Tschechien beim Aussteigen aus dem Bus gefallen. Sie hat sich das Hüftgelenk gebrochen, ist operiert worden und liegt nun auf der Intensivstation. "Wie ist das jetzt mit dem Rücktransport und mit der Bezahlung?", will die Frau wissen. Ruhig fragt Möginger nach dem Hausarzt der Schwiegermutter, nach Medikamenten, die sie regelmäßig nehmen muss, nach der Krankenkasse und dem Tarif der Reiseversicherung. Die Frau kann die Fragen beantworten. "Klappt das jetzt mit dem Rücktransport?", fragt sie ungeduldig. Möginger bleibt freundlich: "Unsere Ärzte müssen das erst prüfen." Falls nötig, wird Mondial Assistance einen Arzt aus seiner Prager Niederlassung einschalten, der die Schwiegermutter in der Klinik aufsucht. Die Mondial Assistance Group ist mit 37 Gesellschaften in 28 Ländern auf fünf Kontinenten vertreten. Neben dem medizinischen Service bietet sie beispielsweise auch Pannenhilfen an. Sie verfügt über ein Netz von 7000 Mitarbeitern, allein 450 arbeiten in den deutschen Niederlassungen in München und Wiesbaden. Gerhard M. Mueller, 50, Mögingers Chef und Leiter des Bereichs Medizin, schimpft. Die Klinik in Tschechien sei dafür bekannt, teuer zu sein. "Abzocke" in Privatklinik "Abzocke" sagt Mueller, selbst Mediziner, zu Privatkliniken, "die mit der Angst der Menschen spielen". In der Türkei beispielsweise würden auffallend viele Blinddarm-Operationen vorgenommen. Die Symptome einer Blinddarm-Entzündung und eines Durchfalls seien sehr ähnlich, erklärt der Mediziner. Es gebe aber auch einen regelrechten Krankenhaus-Tourismus, der die Schadenquote steigen lässt. "Da zwickt auf einmal im Urlaub der Gallenstein. Und es ist doch schöner, nach der Operation in der Privatklinik im Einbett-Zimmer mit Meerblick zu liegen, als zu Hause", sagt Mueller. Auf Mallorca machten sich inzwischen sogar Hoteliers breit, die an Privatkliniken beteiligt sind. Kassenpatienten, die für ihre Auslandsreise eine spezielle Krankenversicherung abgeschlossen haben, werden in ausländischen Kliniken wie Privatpatienten behandelt. Die Versicherungen werben damit. Ein Komplett-Paket kostet etwa 45 Euro. Nicht selten setzen die Versicherungen aber auch auf die Angst der Menschen, indem sie ihnen sagen, was so alles passieren könnte. "Ein Ambulanzflug von Teneriffa nach Deutschland kostet 25.000 Euro, eine Blinddarm-Operation in den USA 25.000 Dollar, die Behandlung einer Durchfallerkrankung in der Türkei 1500 Euro." Mueller hat sämtliche Preise im Kopf. Bei Mögingers Team gibt es jedoch nicht nur schlechte Nachrichten. Einer seiner liebsten "Patienten" ist erst wenige Wochen alt: Julian Aristoteles drängte es im Urlaub auf der griechischen Insel Kos zwei Monate zu früh auf die Welt. Der Winzling wurde der besseren Versorgung wegen nach Athen geflogen, ein Monat später war er für die Heimreise bereit. Julian Aristoteles kam gesund in Würzburg an. Sein Name ist eine Hommage an sein Geburtsland.
Viren, Bakterien, Unfälle - Urlaubszeit ist Notruf-Zeit: Eine Telefonzentrale kümmert sich im Auftrag von Krankenversicherern um besorgte Patienten im Ausland.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/notruf-zentrale-mondial-assistance-antibiotika-in-antalya-1.905627
"Notruf-Zentrale ""Mondial Assistance"" - Antibiotika in Antalya"
00/05/2010
Das Strafmaß für den russischen Öl-Manager Michail Chodorkowskij steht noch aus, Solidarität mit ihm ist aber schon verboten. Der Uniformierte stellt nur eine Frage: "Für oder gegen?" Darauf weiß die junge Frau nur eine Antwort: "Für. Ich bin gekommen, um Michail Chodorkowskij zu unterstützen", sagt sie. Detailansicht öffnen Ein Anhänger des angeklagten Michail Chodorkowskij wird vor dem Gerichtsgebäude in Gewahrsam genommen. (Foto: Foto: Reuters) Der Gesetzeshüter macht eine ablehnende Kopfbewegung, der Russin bleibt der Weg vor das Gerichtsgebäude versperrt. "Für oder gegen?", fragt der Milizionär den Nächsten. "Gegen", sagt der hoch gewachsene und kräftig gebaute Mann. Es ist der 48 Jahre alte Walentin Bogdanow. Er darf hinein und sagt später: "Ich habe gesagt 'gegen', aber nicht wogegen. Ich bin dagegen, dass wir vom Rechtsstaat reden, aber keinen haben", sagt er lächelnd. Zum Gericht sei er gekommen, um Solidarität mit Michail Chodorkowskij zu zeigen - "das ist meine Bürgerpflicht." Monotone Pflicht Drinnen im Gerichtssaal sitzt der einst reichste Mann Russlands derweil zusammen mit seinem Partner Platon Lebedew in einem Käfig. Es wird das Urteil verlesen, die drei Richterinnen wechseln sich ab mit ihrer monotonen Pflicht. Sie lesen hastig, um Zeit zu gewinnen, und sie sprechen leise, vielleicht um Kraft zu sparen. Es sind viele hundert Seiten vorzutragen, gefüllt mit Vorwürfen gegen den Ex-Chef von Yukos, des einst erfolgreichsten russischen Ölkonzerns, und seinen Geschäftsfreund von der Muttergesellschaft Menatep. Diese haben die Richterinnen im Verlauf ihrer Urteilsverlesung bereits zur "kriminellen Vereinigung" erklärt. Fast aufs Wort wiederholen sie die Formulierungen der Staatsanwaltschaft. Ob Steuerhinterziehung oder Betrug, sie schließen sich in jedem Vorwurf dem blassen, blau uniformierten Mann an, der zu ihrer Linken sitzt und dort für die Staatsanwaltschaft Platz genommen hat. Grüße an Chodorkowskij Gelegentlich ist von draußen ein Hupen zu hören, es sind freundliche Grüße von Autofahrern an Chodorkowskij. "Ich habe am eigenen Leib erfahren, wie ein Gerichtsverfahren in diesem Land abläuft", sagt Bogdanow, "das Urteil fällt so aus, wie es bestellt wird." Nach Einzelheiten solle man ihn aber bitte nicht fragen, bittet er. Der Hüne spricht leise und wirkt ein bisschen etwas deplatziert. Um ihn herum stehen hauptsächlich ältere Frauen, viele von ihnen tragen Kopftuch. Sie haben Transparente dabei, auf denen "Der Raubzug gegen Russland muss enden" oder "Chodorkowskij, Sie stehlen unsere Zukunft" steht. Sprüche aus der Lubjanka Eine russische Journalistin berichtet später, sie habe gesehen, wie die Spruchbänder am Morgen aus der "Lubjanka" getragen worden seien. Die "Lubjanka", das ist die Zentrale des Geheimdienstes FSB. "Lesen Sie", sagt eine der Frauen und zeigt auf ihr Transparent, mehr Auskunft gebe sie nicht. "Gericht, wir verlangen ein gerechtes Urteil für den Raub", ist darauf geschrieben. Ungefähr um diese Zeit verlässt ein bekannter Mann das Gerichtsgebäude. Es ist Garri Kasparow, langjähriger Schach-Weltmeister und Mahner gegen die "Putin-Diktatur", wie er es nennt. Er hatte zu tun in Raum Nummer 11. Der liegt einige Zimmer entfernt vom voll besetzen Gerichtssaal, in dem Chodorkowskij und Lebedew im Käfig sitzen. Kasparow ist gekommen, um Freunde zu unterstützen.
Das Strafmaß für den russischen Öl-Manager Michail Chodorkowskij steht noch aus, Solidarität mit ihm ist aber schon verboten.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/yukos-prozess-im-namen-des-gelenkten-volkes-1.901373
Yukos-Prozess - Im Namen des gelenkten Volkes
00/05/2010
Künftig sollen auch Nicht-Juristen wie Architekten und Bankangestellte ihre Kunden rechtlich beraten dürfen. Dies sieht ein neues Gesetz vor, das das Bundeskabinett am Mittwoch beschloss. Das Rechtsdienstleistungsgesetz soll Mitte 2007 in Kraft treten und bedarf nicht der Zustimmung des Bundesrats. Die Novelle erlaubt Unternehmern Rechtsdienstleistungen, wenn dies eng zu ihrem Geschäftsbetrieb gehört. Als Beispiel nannte Justizministerin Brigitte Zypries Architekten, die über Fragen des Baurechts aufklären, oder die Beratung der Banken zur Unternehmensnachfolge. Zudem will die Regierung in dem Rechtsdienstleistungsgesetz anders als bisher erlauben, Rechtsberatung auch kostenlos anzubieten. Dabei geht es um die unentgeltliche Rechtsberatung in der Familie und im Freundeskreis sowie für karitative Zwecke oder zum Wohle anderer. FDP besorgt Die FDP hatte es bereits am Dienstag bedenklich genannt, die Rechtsberatung für Berufsgruppen zu öffnen, die die besonderen Pflichten und Rechte des Rechtsanwalts zum Schutz der Mandanten nicht haben. "Hierdurch ist die Qualität der Rechtsberatung gefährdet", erklärte die Bundestagsabgeordnete Mechthild Dyckmans. So seien gerade Banken "oftmals nicht frei von Eigeninteressen". Zypries betonte hingegen, der Kern der rechtlichen Beratung und Vertretung - insbesondere vor Gericht - bleibe auch künftig allein Rechtsanwälten überlassen.
Künftig sollen auch Nicht-Juristen wie Architekten und Bankangestellte ihre Kunden rechtlich beraten dürfen. Dies sieht ein neues Gesetz vor, das das Bundeskabinett am Mittwoch beschloss.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/neues-gesetz-rechtsberatung-ohne-studium-erlaubt-1.901816
Neues Gesetz - Rechtsberatung ohne Studium erlaubt
00/05/2010
Der Bundesrechnungshof bringt einem Pressebericht zufolge eine Zerschlagung des Konzerns ins Spiel - und stößt bei der Bahn damit auf Unverständnis. Der Bundesrechnungshof empfehle dem Eigentümer - der Beteiligungsverwaltung des Bundes -, die separate Privatisierung einzelner Konzernteile zu prüfen, berichtete die Financial Times Deutschland unter Berufung auf den ihr vorliegenden Entwurf eines Gutachtens. Detailansicht öffnen Auf dem Weg an die Börse: Die Deutsche Bahn (Foto: Foto: AFP) Dort heiße es zur Begründung, der Bund müsse in Betracht ziehen, dass möglicherweise "die für die Kapitalmarktfähigkeit notwendigen Voraussetzungen auf längere Sicht nicht vorliegen. (...) Insbesondere im Logistikbereich könnten Risiken entstehen oder Chancen nicht wahrgenommen werden, wenn finanzielle Ressourcen fehlen." Daher müsse erwogen werden, einzelne Teile des Konzerns getrennt zu privatisieren. Die Prüfer warnten dem Bericht zufolge davor, dass bei zu langem Warten, bis ein Börsengang des Konzerns zustande komme, die Logistiksparte mangels Investitionsmitteln im internationalen Wettbewerb ins Hintertreffen geraten könnte. Das würde den Wert des Gesamtkonzerns schmälern und seinem Eigentümer, dem Bund, schaden. Bahn weist Überlegungen zurück "Der Bundesrechnungshof ist seit der Bahn-Reform 1994 für uns nicht mehr zuständig", habe ein Bahn-Sprecher die Überlegungen zurück gewiesen, hieß es in dem Bericht weiter. "Die Strategie fällt in die Kompetenz des Vorstandes." Er betonte Synergien zwischen dem Schienenverkehr und der Speditionstochter Schenker. "Das Filetstück Logistik zu verkaufen, wäre Unsinn und eine komplette Umkehr unserer Strategie." Die Sparte Transport und Logistik steuerte 2004 etwa zwölf Milliarden Euro und damit fast die Hälfte des Umsatzes der Bahn bei. Die Spedition Schenker gehört zu den profitabelsten Bereichen der Bahn. Der Rechnungshof prüft seit der Bahn-Reform zwar nicht länger die Bahn-Bilanzen. Die mit dem Unternehmen verbundenen Maßnahmen des Bundes - wie etwa ein geplanter Börsengang - fallen aber weiter in seine Zuständigkeit. Rechnungshof mahnt aktivere Rolle im Aufsichtsrat an Ein Sprecher des Rechnungshofes bestätigte, dass die Prüfungsmitteilung Anfang Dezember an das zuständige Verkehrsministerium geschickt worden sei. Zu den Inhalten wollte er sich nicht äußern. Da es sich bei der Bahn-Privatisierung um ein heikles Thema handelt, geben die Prüfer dem Ministerium zunächst die Möglichkeit, Stellung zu nehmen, bevor sie ihren endgültigen Bericht erstellen. Auch mit der Rechnungslegung der Bahn beschäftigen sich die Prüfer. Sie empfehlen dem Verkehrsministerium dem Bericht zufolge insbesondere, sich kritisch mit der Rückstellungspraxis der Bahn zu beschäftigen und mahnen eine aktivere Rolle im Aufsichtsgremium des Unternehmens an. "Wir sind bereit" Bahnchef Hartmut Mehdorn kündigte unterdessen zu den Börsenplänen an: "Wir sind bereit." Die Entscheidung der Bundesregierung könne noch 2006 fallen. Mehdorn betonte auf dem Managementforum der Welt am Sonntag, "wir glauben, dass wir 2007 börsenfähig sind." Mit seinen Mitarbeitern habe er einen sehr harten Sanierungskurs gefahren. "Jetzt sind wir auf der Zielgeraden, wo auch die Belegschaft ernten soll", sagte er. Im Falle eines Börsengangs plant der Bahnchef Mitarbeiteraktien, um die Belegschaft am Konzernerfolg zu beteiligen.
Der Bundesrechnungshof bringt einem Pressebericht zufolge eine Zerschlagung des Konzerns ins Spiel - und stößt bei der Bahn damit auf Unverständnis.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/teil-privatisierung-empfohlen-die-bahn-und-das-problem-projekt-boersengang-1.917471
Teil-Privatisierung empfohlen - Die Bahn und das Problem-Projekt Börsengang
00/05/2010
Eine Milliarde Euro Verlust, 100.000 Gläubiger: Leichtgläubige Anleger machten es der Göttinger Gruppe einfach, groß abzukassieren - ein Musterfall für die Zustände auf einem unkontrollierten Markt. Es war die leichtfertigste und teuerste Unterschrift ihres Lebens. Gut 25.000 Euro hat Ingrid Schrumpf verloren, weil sie damals, vor mehr als sieben Jahren, ihren Namen unter einen Vertrag des Anlagekonzerns Göttinger Gruppe gesetzt hatte. Detailansicht öffnen Der wohl größte Anlegeskandal der Republik: 100.000 Sparer dürften durch die Insolvenz der Göttinger Gruppe gut eine Milliarde Euro verloren haben. (Foto: Foto: ddp) Wenige Monate später hatte die Betriebsärztin wegen dieser Unterschrift Heulkrämpfe. Sie lag schlaflos nachts im Bett, hadernd mit sich selbst. Sie war wütend auf sich - und den Mann, der "mich nach allen Regeln der Kunst hereingelegt hat". Aber heute kann sie wieder laut und herzlich lachen, wenn sie im Esszimmer ihres Hauses in Göttingen erzählt, wie es dazu kam, dass sie diesem Finanzvertreter blind vertraute. Das Drama begann auf einem Zahnarztstuhl: Der Mann, der ihr den Prospekt "Private Altersvorsorge nach Maß" auf den Wohnzimmertisch legte, war ein Patient ihrer Tochter. Am 61. Geburtstag von Ingrid Schrumpf kamen sie zusammen zu Besuch. Er, ein Mittdreißiger, fuhr im BMW vor. Mutter Schrumpf servierte Kaffee und Apfelkuchen. Der Gast sagte Sätze, wie sie geschulte Verkäufer eben so sagen: "So wie ich auf dem Zahnarztstuhl Ihrer Tochter vertraue, können Sie auch mir vertrauen." Die Anlage sei so sicher, dass er sie auch seiner Mutter verkaufen würde. Und einige Monate danach, als Schrumpf die ersten Bedenken kamen und in der Lokalzeitung von Problemen der Göttinger Gruppe die Rede war, sagte er zu der Ärztin: Bevor diese untergehe, "müsste ja erst die Republik untergehen". Der größte Anlegeskandal der Republik Sieben Jahre später ist passiert, was manche schon lange voraussagten: Die Göttinger Gruppe ist untergegangen. Anfang Juni meldete das Firmenkonglomerat Insolvenz an. Es ist eine Pleite, wie sie Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg noch nie gesehen hat. Es geht um den größten Anlageskandal der Republik, um mehr als 100.000 Sparer, die gut eine Milliarde Euro verloren haben dürften, eine offensichtlich überforderte Justiz, willfährige Politiker und um allzu Menschliches: Die Geschichte handelt auch von ein paar Männern, die sich aufmachen, das ganz große Geld zu verdienen, die Bodenhaftung verlieren, dem Größenwahn verfallen und untergehen. Spurensuche in und um Göttingen. Schrumpfs Rechtsanwalt Jürgen Machunsky fährt nach Holzerode, gut 20 Kilometer nordöstlich der niedersächsischen Universitätsstadt. Machunsky hält in einer Seitenstraße, ein Feldweg führt zu einem eingezäunten Grundstück. Wer über den Maschenzaun mit Stacheldraht schaut, sieht eine dreistöckige, riesige Villa, umgeben von mehreren tausend Quadratmetern Garten. "Das Haus ist wahrscheinlich größer als unsere Kirche", sagt ein Landwirt, der sich schon lange über diesen Bau ärgert. "Hier wollte einer zeigen, was er für ein Kerl ist." Mit dem Kerl meint er Jürgen Rinnewitz, den Manager, der zuletzt als der starke Mann der Göttinger Gruppe galt. Der Jurist wollte hier für sich und seine Familie offenbar eine Art goldenen Käfig bauen. Doch der Neubau geriet ins Stocken, womöglich wegen Geldmangels. Rinnewitz verkaufte das Grundstück wieder. Seine Familie lebt nach wie vor in einem Haus im Göttinger Ost-Viertel, dort, wo die Göttinger wohnen, die es zu etwas gebracht haben. Der Mann, den jetzt gerne mehr als 100.000 Gläubiger zur Rede stellen würden, ist allerdings nicht zu sprechen, zumindest nicht für die Presse. Seine frühere Handy-Nummer ist nicht mehr gültig. Auf ein Fax mit der Bitte um einen Gesprächstermin kommt keine Antwort. Am Briefkasten des weißen Wohnhauses der Familie steht "Rinnewitz", aber niemand reagiert auf das Klingeln. Auch der langjährige Weggefährte von Rinnewitz, Erwin Zacharias, ist nicht zu erreichen. Seit November 2006 ist er untergetaucht, nachdem der Fiskus von ihm private Steuerschulden in Höhe von 400.000 Euro eintreiben wollte. Seine Villa in Göttingen, an der Rechtsanwalt Machunsky ebenfalls vorbeifährt, ist verkauft. Womöglich hält sich Zacharias in Kanada auf, wo der Wirtschaftsprüfer Immobilien besitzen soll und vor den deutschen Strafverfolgern vorerst gut geschützt ist. Zacharias war der Kopf der Göttinger Gruppe, das Superhirn. Er erfand vor gut 20 Jahren die "SecuRente" (früher "Persönlicher-Sachwert-Plan"), ein Steuersparmodell für den kleinen Mann, das sich in den neunziger Jahren zum Verkaufsschlager entwickelte - und Ingrid Schrumpf um 25.000 Euro und viele andere Sparer um ihre zusätzliche private Altersvorsorge brachte. Lesen Sie im zweiten Teil, wie die Göttinger Gruppe Millionen in Firmen verpulverte, die nichts als Verluste brachten.
Eine Milliarde Euro Verlust, 100.000 Gläubiger: Leichtgläubige Anleger machten es der Göttinger Gruppe einfach, groß abzukassieren - ein Musterfall für die Zustände auf einem unkontrollierten Markt.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/pleite-der-goettinger-gruppe-der-sichere-weg-zur-geldvernichtung-1.902335
"Pleite der ""Göttinger Gruppe"" - Der sichere Weg zur Geldvernichtung"
00/05/2010
Behörden in sieben Ländern ermitteln wegen des Verdachts von Schmiergeldzahlungen gegen den Konzern. Ein Überblick Die Rechtsabteilung von Siemens hat derzeit mehr Arbeit, als dem Konzern lieb sein kann. In sieben Staaten wird wegen mutmaßlicher Schmiergeldzahlungen ermittelt. Detailansicht öffnen Der Weg des Geldes: Nach bisherigen Ermittlungen flossen hohe Beträge in zahlreiche Länder. (Foto: Grafik: SZ) Deutschland: Die Staatsanwaltschaft Wuppertal ermittelt seit Jahren gegen fünf Siemens-Mitarbeiter und zehn weitere Beschuldigte wegen Verdachts der Bestechung bei einem Geschäft in Serbien. Siemens und der Duisburger Anlagenbauer Lurgi Lentjes Services hatten als Konsortium von der EU-Agentur für den Aufbau des Balkans den Zuschlag für die mindestens 49,8 Millionen Euro teure Modernisierung des Kraftwerkblocks Nikola Tesla A3 bei Belgrad bekommen. Angeblich wurden etwa zweieinhalb Prozent des Gesamtumsatzes (1,3 Millionen Euro) als Schmiergeld an einen früheren britischen EU-Bediensteten gezahlt. Die Ermittlungen sollen im nächsten Jahr abgeschlossen werden. Falls sich der Korruptionsverdacht bestätigen sollte, könnte die EU einen Teil der Summe zurückfordern und die in den Fall verstrickten Firmen, darunter Siemens, von künftigen Ausschreibungen ausschließen. Siemens erklärte, es handele sich um ein laufendes Verfahren: "Wann und ob es zu einer Anklage kommt, wissen wir nicht." Die Staatsanwaltschaft München ermittelt wegen der schwarzen Kassen in Österreich und der Schweiz. Dieses Verfahren beruht auf einem Rechtshilfeersuchen aus der Schweiz. Schweiz: Die Bundesanwaltschaft in Bern ermittelt seit Sommer 2005 gegen Siemens-Manager wegen des Verdachts der Geldwäsche. Die Strafverfolger waren von dem Geldwäschebeauftragten einer Dresdner-Bank-Tochter in Zürich alarmiert worden. Den Geldmanagern war aufgefallen, dass ein Siemens-Beauftragter eine zweistellige Millionensumme an einen zweifelhaften Empfänger transferieren wollte. Im Zuge der Ermittlungen stellten die Eidgenossen fest, dass auch Kuriere größere Geldbeträge über die Grenze gebracht hatten. Italien: Seit Jahren ermittelt die Staatsanwaltschaft Bozen gegen den früheren italienischen Top-Manager Giuseppe Parella und weitere Landsleute wegen Verdachts der Bestechung und Geldwäsche. Siemens-Manager sollen angeblich Parella bestochen haben, um den Zuschlag für einen Kauf der Tochter des staatlichen Telekomunternehmens Stet zu bekommen. Parella behauptete, er habe für seine angebliche Vermittlertätigkeit fünf Millionen Euro Provision von Siemens erhalten. Die Bozener Staatsanwaltschaft folgte der Spur des Geldes: Zunächst waren die fünf Millionen Euro auf einem Konto in London gebunkert worden, dann wurden sie auf ein Konto der Offshore-Insel Guernsey im Ärmelkanal transferiert. Das Geld war von einem Konto der Raiffeisenlandesbank Tirol AG in Innsbruck gekommen. Auf diesem Konto, das von den Strafverfolgern Siemens zugerechnet wird, rekonstruierten die Ermittler Geldflüsse in Höhe von insgesamt rund 70 Millionen Mark in den neunziger Jahren. In Salzburg gab es ein weiteres Schwarzgeld-Konto, über das pro Jahr 75 bis 100 Millionen Mark geflossen sein sollen. Einer der Beschuldigten im Münchner Verfahren soll das Konto jahrelang verwaltet haben. Aus Sicht der Bozener war der 56 Jahre-alte Siemens-Manager nur "ausführendes Organ". In einem weiteren Verfahren haben die Staatsanwaltschaft Mailand und die Eingreifreserve des Hessischen Generalstaatsanwalts in knapp zwei Jahre dauernden Ermittlungen die Hintergründe eines Geschäfts zwischen der Siemens-Sparte Power Generation und dem italienischen Energiekonzern Enel aufgerollt. Nach Feststellungen der Strafverfolger sollen ein ehemaliges Vorstandsmitglied und ein ehemaliger Manager der deutschen Anlagenbau-Firma an zwei italienische Manager rund sechs Millionen Euro gezahlt haben, um den Zuschlag für die Lieferungen von Industrieanlagen (Gasturbinen und Zubehör) zu gewinnen. Das Schmiergeld soll über die Konten verschiedener Firmen und Stiftungen in Liechtenstein, Dubai und Abu Dhabi auf Konten in Monaco und Lugano geflossen sein. Den beiden früheren Siemens-Managern soll nach dem derzeitigen Stand der Dinge im nächsten Jahr in Darmstadt der Prozess wegen Verdachts der Bestechung und der Untreue gemacht werden. Siemens teilte auf Anfrage mit, die Staatsanwaltschaft habe im März 2006 Anklage erhoben. Im zweiten Teil: Die Ermittlungen in Liechtenstein, Ungarn, Griechenland und Norwegen.
Behörden in sieben Ländern ermitteln wegen des Verdachts von Schmiergeldzahlungen gegen den Konzern. Ein Überblick
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/siemens-spuren-quer-durch-europa-1.903803
Siemens - Spuren quer durch Europa
00/05/2010
Die größte Insolvenz in diesem Jahr führt jetzt zu einem Millionen-Streit mit Ignaz Walter. Der ehemalige Haupteigner der pleite gegangenen Walter Bau-AG soll seinem Konzern unerlaubterweise mindestens 25 Millionen Euro entzogen haben. Walter bestreitet die Vorwürfe. Die größte Insolvenz in diesem Jahr in Deutschland führt jetzt zu einem Millionen-Streit mit Ignaz Walter, der lange Zeit zu den bedeutendsten Industriellen in der Bundesrepublik zählte. Detailansicht öffnen Ignaz Walter ist ins Visier der Justiz geraten. (Foto: Foto: dpa) Nach der Pleite der in Augsburg ansässigen Walter Bau-AG soll deren ehemaliger Mehrheitsaktionär, Vorstands- und Aufsichtsratschef mindestens 25 Millionen Euro für Geschäfte zurückzahlen, von denen er privat profitiert habe. Diese Forderung erhebt Werner Schneider, Insolvenzverwalter der einst drittgrößten Unternehmensgruppe der deutschen Baubranche. "Der kriegt nicht einen Euro", sagte Walter der Süddeutschen Zeitung. "Das ist ein Luftballon." Klageweg Schneider will Walter nunmehr verklagen, um die Ansprüche der Gläubiger zu wahren. "Nachdem keine Bereitschaft zu einem Vergleich erkennbar ist, bin ich gezwungen, die Forderungen im Einzelfall gerichtlich durchzusetzen", sagte Schneider. Aus dem Gläubigerausschuss der Walter Bau-AG verlautete am Freitag, der Insolvenzverwalter habe das Gremium umfassend über sein Vorgehen gegen Ignaz Walter informiert, der bis zur Pleite der größte private Bauunternehmer in Deutschland war. Im Gläubigerausschuss sind unter anderem frühere Hausbanken der AG vertreten. Die AG befand sich zu rund 57 Prozent im Besitz der Familie Walter, das Bauunternehmen Züblin AG und die Bayerische Landesbank hielten jeweils mehr als zehn Prozent, der Rest war Streubesitz. "Unentgeltliche Vermögensübertragungen" Wie der Gläubigerausschuss erfuhr, hat Schneider am 5. Dezember in einem Brief an Ignaz Walter den Vorwurf erhoben, bei der AG und einer weiteren Firma (BS-Baugeräte-Service GmbH & Co. KG) sei es zu "unentgeltlichen Vermögensübertragungen in einem wesentlichen Umfang" an den Hauptaktionär oder dessen Familie gekommen. Das soll etwa beim An- und Verkauf von wertvollen Grundstücken der Fall gewesen sein.
Die größte Insolvenz in diesem Jahr führt jetzt zu einem Millionen-Streit mit Ignaz Walter. Der ehemalige Haupteigner der pleite gegangenen Walter Bau-AG soll seinem Konzern unerlaubterweise mindestens 25 Millionen Euro entzogen haben. Walter bestreitet die Vorwürfe.
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Erst die Pleite, dann der Untreueverdacht - Ignaz Walter droht Millionen-Klage
00/05/2010
2008 sollen alle Versicherten die Gesundheitskarte erhalten, doch die Technik funktioniert noch längst nicht einwandfrei - zum Ärger der Krankenkassen und Ärzte. Die Zukunft des Gesundheitswesens besteht aus einer Plastikkarte und einem kleinen grauen Kasten. Doch jetzt in diesem Augenblick scheint diese Zukunft unglaublich kompliziert. Detailansicht öffnen Karte im Test: Der Start der Gesunheitskarte könnte sich weiter verzögern, befürchten Kritiker. (Foto: Foto: dpa) Martin Litsch steht in der Arztpraxis des Urologen Hans-Peter Peters in Bochum und schiebt das kreditkartengroße Plastikstück in das kleine graue Lesegerät. Die Karte mit Foto und Speicherchip ist die neue elektronische Gesundheitskarte, die in Zukunft alle Versicherten, Arztpraxen, Krankenhäuser und Apotheken vernetzen soll. Nach einigem Hin und Her erkennt das Gerät die Karte, der Patient wird im Computer mit seinen Versichertendaten angezeigt. In der Praxis von Peters wird seit Juni erprobt, was eigentlich schon Realität sein sollte: Seit 2006 sollte die elektronische Gesundheitskarte in den Portemonnaies der Versicherten stecken. Nun bekommen jeweils 10.000 Patienten die Karte in der Testregion Bochum-Essen und in sechs anderen Gebieten Deutschlands zur Probe. Im nächsten Frühjahr sollen alle Bürger sie erhalten. Die Einführung kostet den Bund etwa 1,6 Milliarden Euro. Doch der schwierigste Patient ist die Gesundheitskarte selbst. Geheimes neues System In Bochum haben gerade einmal 2000 Patienten ihre Karte erhalten, die dazugehörigen Geheimzahlen wurden erst Mitte September verschickt. Geheim soll es sein, das neue System. Auch die Patientenkarte funktioniert nur, wenn sie gleichzeitig mit dem Heilberufsausweis des Arztes im Lesegerät steckt. Erst wenn beide ihre Geheimzahlen eingeben sind die Daten lesbar. In der Theorie soll die Karte viel können: zum Beispiel Krankendaten speichern, um Wechselwirkungen, Doppeluntersuchungen und falsche Diagnosen zu verhindern. Auf der Karte sollen alle Rezepte gespeichert sein - genauso wie wichtige Notfalldaten. Mit dem schnellen Zugriff auf die Blutgruppe oder Allergien gegen Arzneien sind bei einem Unfall lebensbedrohliche Fehler besser vermeidbar. Doch zur Zeit wird in den Tests nur eine abgespeckte Karte verwendet. Diese Version ist noch nicht vernetzt, die Ärzte können nur Notfalldaten und bald auch elektronische Rezepte auf dem Chip speichern. Damit kann der Patient in der Apotheke Medikamente abholen. Akte nicht lesbar Selbst das will aber in Bochum nicht richtig funktionieren. "Eigentlich sollte ich jetzt Notfalldaten eintragen können", sagt die Arzthelferin in Peters' Praxis und klickt im Programm herum. Eine Kollegin kommt zu Hilfe, kann aber in den Unterlagen nichts finden. Der Patient Martin Litsch, selbst Leiter der Arbeitsgemeinschaft elektronische Gesundheitskarte und Vorstand der AOK Westfalen-Lippe, versucht, den Ausweis ein letztes Mal einzustecken. Aber es tut sich nichts - die Mitarbeiter kennen das Programm noch nicht gut genug. Lesen Sie weiter, warum die Industrie Mitschuld an der Verzögerung trägt
2008 sollen alle Versicherten die Gesundheitskarte erhalten, doch die Technik funktioniert noch längst nicht einwandfrei - zum Ärger der Krankenkassen und Ärzte.
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Praxistest - Der elektronische Patient
00/05/2010
Nach monatelangem Hin und Her fiel die Entscheidung des Verwaltungsrats einstimmig. Die EADS-Spitze will am Mittwoch den Plan mit dem europäischen Airbus-Betriebsrat beraten und danach Details verraten. Die Analysten zweifeln am Erfolg von Power 8 - und die Mitarbeiter bangen um Tausende Arbeitsplätze. Der Verwaltungsrat des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS hat nun doch dem Restrukturierungskonzept Power 8 zugestimmt. Am Montagabend billigte das Gremium das Vorhaben von EADS- und Airbus-Chef Louis Gallois einstimmig. Die EADS-Tochter Airbus war vor allem wegen der zweijährigen Verspätung des Großraumflugzeuges Airbus A380 in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten. Das A380-Desaster offenbarte auch gravierende strukturelle Mängel, die nun durch das Sanierungsprogramm Power 8 behoben werden sollen. Es sieht bis zum Jahr 2010 Einsparungen von insgesamt fünf Milliarden Euro vor und von da an jährlich weitere 2,1 Milliarden Euro. Ursprünglich sollten die Inhalte des Konzeptes bereits am 20. Februar verkündet werden. Doch die Konzernspitze konnte sich nicht auf wesentliche Eckpunkte einigen. Einigen Verwaltungsräten, unter ihnen dem Vernehmen nach auch Co-Vorstandschef Thomas Enders, gingen die Vorschläge Gallois' auf der Kostenseite nicht weit genug. Außerdem seien die Chancen bei künftigen Flugzeugprojekten nicht ausgewogen verteilt gewesen. Das Gremium sicherte nun "dem Management von EADS und Airbus seine uneingeschränkte Unterstützung bei der Umsetzung der Pläne zu." 10.000 Arbeitsplätze in Gefahr In den vergangenen Wochen hatte es intern heftige Auseinandersetzungen darüber gegeben, wie die Lasten von Power8 auf die deutschen und französischen Standorte verteilt werden. Gewerkschaften fürchten, dass durch die Sparmaßnahmen rund 10.000 Arbeitsplätze gefährdet sein könnten. Sie haben auch Streiks angedroht, sollten tatsächlich wie mehrfach spekuliert Airbus-Werke verkauft werden. Entlassungen in der Produktion gelten wegen der hohen Auslastung der Werke und der hohen Nachfrage der Fluggesellschaften als unwahrscheinlich. Die Betriebsräte wollen sich dennoch am heutigen Dienstag in Brüssel treffen, um über die Sanierungspläne zu beraten. Politiker wie Bundeswirtschaftsminister Michael Glos und Vizekanzler Franz Müntefering hatten wiederholt gefordert, Deutschland dürfe bei der Airbus-Sanierung nicht benachteiligt werden, und sprachen sich für eine "klare Industriepolitik für Deutschland" (Müntefering) aus. Doch geht es bei dem Programm nicht nur darum, die Kosten zu senken, sondern Airbus strukturell zu modernisieren. Wer dabei welche Arbeitsanteile am neuen Langstreckenjet A350 bekommt, gilt deswegen als so wichtig, weil auch bei künftigen neuen Flugzeugen voraussichtlich die gleichen neuen Technologien verwendet werden und sich die Werke im internen Wettbewerb bereits jetzt möglichst gut positionieren wollen. Das Programm Power 8 trägt diesen Namen weil es aus acht Schlüsselgebieten besteht, in denen Airbus sich deutlich verbessern soll. Die Entwicklungszeiten für neue Flugzeuge sollen von acht auf sechs Jahre verkürzt werden. Airbus will mit weniger, aber dafür größeren Lieferanten zusammenarbeiten und künftig die eigenen Barmittel schonen. Flugzeuge sollen 20 Prozent schneller gebaut werden und in der Verwaltung soll die Produktivität gar um 30 Prozent steigen. Durch diese operationellen Verbesserungen will Airbus jährliche rund 1,7 Milliarden Euro einsparen. Zusätzliche rund 300 Millionen Euro erhofft sich der Konzern durch eine veränderte Struktur. Innerhalb des Airbus-Systems sollen die Arbeitsanteile betriebswirtschaftlich sinnvoller und nicht mehr so stark nach politischen Erwägungen verteilt werden. Die Endmontage eines Flugzeugtyps soll, wenn möglich, nur noch an einem Standort stattfinden. Beim A350 will Airbus nur noch etwa 50 Prozent der Teile selbst entwickeln und mehr Aufträge an Fremde vergeben. Auch Werke könnten verkauft werden. Analysten skeptisch In Unternehmenskreisen hieß es vorab, dass die Veränderungen bei bestehenden Programmen wie dem A380 oder den älteren Modellen A330/340 und A320 eher gering sein werden, weil sie viel zu komplex und teuer wären. Hingegen wird erwartet, dass Airbus sich von einigen Werken trennt. Beobachter halten es allerdings für unwahrscheinlich, dass EADS und Airbus bereits am Mittwoch Käufer für einzelne Standorte bekannt geben werden. Zur Disposition stehen offenbar in Deutschland die Werke Varel und Nordenham, in Frankreich Saint Nazaire und Méaulte sowie das Werk im spanischen Illescas. Als mögliche Käufer deutscher Standorte gelten Diehl, Liebherr Aerospace und OHB Technology, aber auch Finanzinvestoren. Analysten bewerten Power 8 bereits kritisch. Die Investmentbank Goldman Sachs schätzt, dass Airbus mit dem Programm jährlich nur 1,3 Milliarden Kosten einsparen kann, statt die vom Unternehmen geplanten 2,1 Milliarden. Merrill Lynch bemängelt die "fehlende Glaubwürdigkeit" des Planes und kritisiert, die Ziele könnten nur über den Verkauf von Beteiligungen erreicht werden.
Nach monatelangem Hin und Her fiel die Entscheidung des Verwaltungsrats einstimmig. Die EADS-Spitze will am Mittwoch den Plan mit dem europäischen Airbus-Betriebsrat beraten und danach Details verraten. Die Analysten zweifeln am Erfolg von Power 8 - und die Mitarbeiter bangen um Tausende Arbeitsplätze.
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Zur Bewältigung der Airbus-Krise - EADS billigt Sanierungsplan Power 8
00/05/2010
Auf dem Gewerkschaftstag der IG Metall sagt der designierte Chef einen Konflikt mit der Bundesregierung voraus. (SZ vom 30.08.03) - Der alleinige Kandidat für den Chefposten der IG Metall, Jürgen Peters, rief seine Organisation zu einem kämpferischen Kurs auf. Die Gewerkschaft müsse "Entschlossenheit und Geschlossenheit" zeigen, sagte Peters zum Auftakt des Gewerkschaftstages der IG Metall in Frankfurt. Zwar beschwor er den Dialog und erklärte, er sei "nicht gegen Reformen". Zugleich aber erneuerte Peters seine Kampfansage an Rot-Grün in Berlin: Sowohl in der Sozialpolitik als auch auf dem Feld der Tarifautonomie sei "ein Konflikt auch mit der Bundesregierung absehbar, und zwar in den nächsten Wochen". "Altbackener Sozialabbau" Die Agenda 2010 des Kanzlers biete ebenso wie die Konzepte der Rürup-Kommission keine echten Reformen sondern "altbackenen Sozialabbau", sagte Peters. Am Sonntag werden die knapp 600 Delegierten der IG Metall Peters zum Nachfolger von Klaus Zwickel wählen - dieser war vom Amt des Chefs der Gewerkschaft zurückgetreten, nachdem deren Arbeitskampf im Osten gescheitert war. Zwickel hatte Peters für die verfehlte Streik-Strategie verantwortlich gemacht, hatte im Vorstand jedoch keine Mehrheit dafür gefunden, statt Peters den Baden-Württemberger Bezirks-Chef Berthold Huber als Kandidaten aufzustellen. Flügelstreit Huber wird nun Vize von Peters; für beide gibt es keine Gegenkandidaten. Allerdings wird der Flügelstreit wohl in Kampfkandidaturen für die übrigen Vorstandsposten zum Ausdruck kommen. Hierfür wird an erster Stelle der Name von Klaus Ernst aus Schweinfurt genannt, der Bayer gilt als Unterstützer Peters'. Streikniederlage und Führungsstreit hatten dazu geführt, dass der erst für Oktober geplante Gewerkschaftstag zum Teil auf dieses Wochenende vorgezogen worden ist. Der designierte Vorsitzende wies am Freitag Kritik am Streik für die 35-Stunden-Woche in Ostdeutschland zurück. Zwar seien Fehler gemacht worden, sagte Peters. Er betonte aber, die Risiken seien allen Entscheidungsträgern bekannt gewesen. Dies richtete sich gegen Zwickel und andere Peters-Kritiker; im schriftlichen Bericht über den Arbeitskampf sprach Peters außerdem den umstrittenen Bezirkschef von Berlin-Brandenburg-Sachsen, Hasso Düwel, weitgehend von Schuld am Ost-Desaster frei. Solidarität vermisst Peters machte Uneinigkeit in der Gewerkschaft als wichtige Ursache für den Misserfolg aus. "Die aktive Solidarität der gesamten Organisation, ich will es ganz vorsichtig formulieren, war nicht überall spürbar", sagte er. Zudem gab er die Ansicht zu erkennen, interne Kritik am Streik sei nicht in der Sache, sondern im Lagerstreit begründet gewesen. Ausdrücklich verteidigte Peters die Fernwirkung des Arbeitskampfes, der zu Kurzarbeit für mehr als 10.000 Beschäftigte bei BMW in Bayern, außerhalb des Streikgebiets, führte. Auch künftig werde die IG Metall auf solche Eskalationsstrategien nicht verzichten, kündigte er an. "Offenbar sind auch uns Leitbilder und Visionen abhanden gekommen", räumte Peters ein. Er zog jedoch daraus die Schlussfolgerung, "gerade in einer Zeit der Umbrüche müssen die Menschen wissen, wo der Tanker hinsteuert". Es dürfe "nicht zurück in den ungezügelten Kapitalismus" gehen, "wir werden die soziale Gerechtigkeit nicht in den Mülleimer der Geschichte entsorgen". Organisationsgrad gesunken Die IG Metall steckt wegen der vielen Austritte in einer Finanzkrise, erklärte Kassierer Bertin Eichler. Laut Geschäftsbericht ist der Organisationsgrad in der Metallindustrie von 30,8 Prozent 1999 auf heute 29,4 Prozent gesunken.
Auf dem Gewerkschaftstag der IG Metall sagt der designierte Chef einen Konflikt mit der Bundesregierung voraus.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/sondergewerkschaftstag-juergen-peters-weist-kaempferischen-kurs-1.899527
Sondergewerkschaftstag - Jürgen Peters weist kämpferischen Kurs
00/05/2010
Nachdem sich das ZDF aus der Vertragspoker um die Erstverwertungsrechte verabschiedet hatte, darf nun das Deutsche Sportfernsehen die Sonntagsspiele der ersten Liga zeigen. Der Aufstieg in die erste Liga ist für das Deutsche Sportfernsehen (DSF)perfekt. Der Sender hat sich für die Saison 2003/2004 die Erstverwertungfür die Übertragung der Bundesliga-Sonntagsspiele gesichert. Der Münchner Sender, der in den vergangenen Spielzeiten bereits die 2. Bundesliga präsentiert hatte, erhielt am Freitag endgültig den Zuschlag für die kommende Spielzeit vom Rechteverwerter Buli GmbH/Infront. "Das ist ein Meilenstein für uns", sagte DSF-Geschäftsführer Rainer Hüther. Auch der letzte noch fehlende TV-Vertrag zwischen der ARD und Lizenzgeber Infront mit den sieben Samstag-Spielen wurde am Freitag perfekt gemacht. Sonntagsspiele für zehn Millionen Zehn Millionen Euro zahlt der Spartensender dem Vernehmen nach für die Lizenz. "Maßgebend für die Entscheidung waren nicht allein wirtschaftliche Überlegungen, vielmehr haben sport- und medienpolitische Gründe den Ausschlag gegeben", sagte Präsident Werner Hackmann von der Deutschen Fußball-Liga (DFL). Die Liga nimmt dabei auch in Kauf, dass das DSF nicht von allen Zuschauern zu empfangen ist. Haushalte, die ihre TV-Programme nur über eine klassische Antenne empfangen, bleiben von der Zusammenfassung der beiden Sonntag-Spielen in der kommenden Saison ausgeschlossen. Das DSF hat nach Hüthers Angaben derzeit eine Haushaltsabdeckung von 92 Prozent. Bei den Verhandlungen mit Infront und den Gesprächen mit der Liga sei das kein Problem gewesen, versicherte der DSF-Geschäftsführer. Einzelheiten werden nicht verraten Auch die Werbewirtschaft sehe darin kein Problem. Hüther geht davon aus, dass sich die Erstliga-Rechte durch Werbeeinnahmen refinanzieren lassen. Das Konzept für den Sonntag mit Zusammenfassungen von der 2. Liga und den anschließenden Berichten der 1. Liga stehe. Einzelheiten wollte das DSF noch nicht verraten. "Der Erwerb der Erstrechte der Sonntag-Spiele ist ein einmaliger Erfolg in der Geschichte des DSF", erklärte Hüther. Der defizitäre Spartensender soll Stück für Stück ausgebaut werden. Theoretisch wäre auch der Erwerb der gesamten Erstrechte im frei empfangbaren Fernsehen möglich gewesen. "Das wäre für uns aber im Moment nicht zu stemmen gewesen", sagte Hüther.
Nachdem sich das ZDF aus der Vertragspoker um die Erstverwertungsrechte verabschiedet hatte, darf nun das Deutsche Sportfernsehen die Sonntagsspiele der ersten Liga zeigen.
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Übertragungsrechte - DSF: Aller Anfang sind zwei
00/05/2010
DSL ist nur eine Möglichkeit. Wir zeigen Ihnen, wie sie online gehen können und welche Vor-und Nachteile die jeweiligen Lösungen mit sich bringen. Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Arten, das eigene Home Office über die Telefonleitung mit einem schnellen DSL-Internetzugang auszustatten. Sie können verkabelt oder kabellos online gehen. Auch wenn der kabellose Weg ins Internet immer häufiger genutzt wird, gibt es durchaus Gründe, die für eine Kabelverbindung sprechen. Vor allem, wenn Sie ausschließlich einen PC nutzen, dieser einen festen Platz hat, Sie nicht vorhaben, sich einen Laptop zuzulegen und in Ihrem Haushalt keine weiteren Computer einen Internetzugang benötigen, hat ein Kabel-DSL-Modem Vorteile. Die Verbindung ist gleichbleibend stabil, außerdem kann sie von außen nicht durch Unbefugte angezapft werden - anders als bei einer kabellosen Verbindung per WLAN, also einem drahtlosen lokalen Netzwerk. Vor allem ältere WLAN-Geräte sind standardmäßig meist nur unzureichend gegen Eindringlinge geschützt. Und wer sich Zugang zum Netzwerk verschafft hat, kann dort alles mitlesen. Aktuelle Geräte weisen jedoch Verschlüsselungsstandards auf, die relativ hohe Sicherheit gewährleisten. WLAN bietet sich vor allem dann an, wenn in Ihrem Home Office bzw. Haushalt mehrere PCs oder Laptops mit dem Internet verbunden werden sollen. Eine umständliche Kabelverlegung entfällt. Außerdem können Sie zum Beispiel im Sommer auf der Terrasse oder dem Balkon arbeiten, ohne aufs Internet verzichten zu müssen. Für relativ wenig Geld und ohne technische Vorkenntnisse können Sie sich heute ein kabelloses Netzwerk einrichten, das es Ihnen erlaubt, mit allen Computern eines Haushaltes online zu gehen, die Computer untereinander zu verbinden und sogar WLAN-geeignete Drucker oder Scanner kabellos zu nutzen. Der gefürchtete Kabelsalat gehört mit einem WLAN-Router, der die Geräte per Funk miteinander verbindet, der Vergangenheit an. Was, wenn die Wände zu dick sind? Doch was, wenn das Netzwerk zwar im Erdgeschoss funktioniert, im ersten Stock jedoch nicht, weil die Wände zu dick oder aus Stahlbeton sind? Internet aus der Steckdose ist in einem solchen Fall eine Alternative. Dass die Stromkonzerne ein Haus über die Stromleitung mit einem Internetanschluss verbinden, hat sich nicht durchgesetzt. Es ist aber möglich, Datenströme, die auf herkömmliche Weise über die Telefonleitung zum Verbraucher gelangen, in den Stromkreis des eigenen Hauses einzuspeisen, so dass jede Steckdose mit Hilfe sogenannter Powerline-Adapter zu einem Netzwerkzugang wird. Adapter bekommen Sie beispielsweise bei Devolo, Zyxel, Netgear, oder Allnet. Die Einrichtung eines solchen Inhouse-Netzwerks ist beinahe narrensicher, die notwendigen Geräte sind jedoch meist ein wenig teurer als ein herkömmlicher WLAN-Router. Inte rnet via Kabel Mittlerweile existieren auch echte Alternative zum Breitband-Internet über die Telefonleitung. So ist den DSL-Anbietern in den Kabelnetzbetreibern ernsthafte Konkurrenz erwachsen. Über eine Million Haushalte in Deutschland surfen inzwischen über die Fernsehbuchse. Jeder, der Kabelfernsehen empfängt oder empfangen könnte, kann über das Kabel auch ins Internet gehen. Aufgrund der oft günstigeren Tarife bei höheren Übertragungsgeschwindigkeiten sollten Sie diese Möglichkeit in Ihre Überlegungen bei der Einrichtung eines Internetzuganges für das Home Office einbeziehen und die Angebote für Ihr Wohngebiet vergleichen. Außerdem existieren noch zwei weniger bekannte Möglichkeiten, einen schnellen Online-Zugang zu erhalten: Zum einen kann man sich über Satellit mit dem Internet verbinden. Das ist örtlich am ungebundensten, dafür aber auch am teuersten. Darüber hinaus wird die Funktechnik Wimax gerade von verschiedenen Anbietern aufgebaut.Wimax ist im Grunde ein räumlich sehr weit gefasstes, kabelloses Funk-Netz. Noch ist die Versorgung in Deutschland jedoch regional sehr unterschiedlich und mit höheren Kosten als bei den bekannten Technologien verbunden.
DSL ist nur eine Möglichkeit. Wir zeigen Ihnen, wie sie online gehen können und welche Vor-und Nachteile die jeweiligen Lösungen mit sich bringen.
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Internet-Anschlüsse - Schnelles Surfen im Home Office
00/05/2010
In Großbritannien zeichnet sich nach einer Protestabstimmung von Aktionären des führenden Pharmakonzerns GlaxoSmithKline eine Wende bei der teils exzessiven Gehalts- und Bonuspolitik von Großkonzernen ab. Mit ihrer Entscheidung, eine Abfindung in Höhe von umgerechnet fast 31 Millionen Euro (22 Millionen Pfund) für ihren Vorstandschef nicht abzusegnen, hätten die Glaxo-Aktionäre der Führungsetage des zweitgrößten Pharma-Unternehmens der Welt eine "sensationelle Niederlage" erteilt, kommentierte die Financial Times am Dienstag. Glaxo-Aufsichtsratschef Chris Hogg erklärte, der Konzern nehme das Aktionärs-Votum sehr ernst. Die etwa 900 Aktionäre hatten auf der Hauptversammlung am Montagabend mit einer Mehrheit von 50,72 Prozent die Gehalts- und Abfindungsregelungen des Konzerns abgelehnt. Aktionäre verwirren die "fat cats"... Konkret ging es um das Zahlungspaket von angeblich 22 Millionen Pfund, das Vorstandschef Jean-Pierre Garnier (55) für den Fall seiner Ablösung erhalten sollte. Die großzügigen Gehalts-und Abfindungsregelungen britischer Industriekapitäne - der so genannten "fat cats" (fetten Katzen) - sind schon seit Jahren Zielschreibe der Kritik von Angestellten und Gewerkschaften. "Wir sind mit dieser Entscheidung in eine neue Welt eingetreten", sagte Peter Montagnon, Investment-Chef der britischen Vereinigung der Versicherer, am Dienstag. Brendan Barber, Chef des Gewerkschaftsdachverbandes TUC, sprach von einem "wichtigen Ergebnis, das Folgen haben wird." Das Votum der Aktionäre ist bisher einmalig in der britischen Industriegeschichte. Die Labour-Regierung hatte Aktionären in diesem Jahr erstmals das Recht eingeräumt, über die Gehaltspolitik von Großkonzernen abzustimmen. ...wie Chris Gent Obwohl das Votum der Aktionäre für die Konzernspitze nicht bindend ist, dürfte Glaxo jetzt zu einer Überprüfung und Änderung ihrer Gehaltspraktiken gezwungen sein. Die Signalwirkung auf andere Unternehmen wie Shell, Barclays, Reuters, Vodafone und die Hilton-Kette dürfte nicht ausbleiben. Alle hatten in der Vergangenheit den Unmut ihrer Aktionäre zu spüren bekommen. Nach einer Erhebung des Independent (Dienstagausgabe) sind die Durchschnittseinkommen und Rentenbeiträge der Chefs der 100 größten Firmen Großbritanniens im vergangenen Jahr um neun Prozent auf ein jährliches Paket von umgerechnet 2,4 Millionen Euro angestiegen. In dem Berechnungszeitraum fielen die Aktienwerte an der Londoner Börse um 25 Prozent. Bei den "fat cats" steht Vodafone-Chef Chris Gent laut Independent mit einem Jahreseinkommen von 5,2 Millionen Euro an weit oben auf der Liste. British Telecom-Chef Peter Bromfield verdient pro Jahr 4,34 Mio Euro. Auf Platz zehn steht danach Reuters-Chef Tom Glocer mit 2,6 Millionen Euro pro Jahr.
In Großbritannien zeichnet sich nach einer Protestabstimmung von Aktionären des führenden Pharmakonzerns GlaxoSmithKline eine Wende bei der teils exzessiven Gehalts- und Bonuspolitik von Großkonzernen ab.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/glaxosmithkline-aktionaere-rebellieren-gegen-chefgehaelter-1.900589
GlaxoSmithKline - Aktionäre rebellieren gegen Chefgehälter
00/05/2010
Die deutschen Unternehmen rechnen mit einer baldigen Erholung der Wirtschaft. Das Münchner Ifo-Institut meldete am Dienstag zum vierten Mal in Folge einen Anstieg des Konjunktur-Indexes. (SZ vom 27.08.2003) - Der Geschäftsklima-Index ist in der Bundesrepublik zum vierten Mal in Folge gestiegen. Der Trend, der eine leichte Erholung der Wirtschaft signalisiert, scheint sich zu festigen. Detailansicht öffnen Die Richtung zeigte zuletzt stetig nach oben. (Foto: Foto: sueddeutsche.de) Mit 90,8 Punkten ( Vormonat: 89,3 ) erreichte der Index des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung im August den höchsten Stand seit Juni 2002. "Besonders erfreulich ist, dass die Unternehmen nun auch ihre Lage besser einschätzen", sagte Gernot Nerb, Chefvolkswirt des Instituts, der Süddeutschen Zeitung. Der Ifo-Index gilt als wichtigster Frühindikator für die deutsche Wirtschaft. Der so genannte Lage-Index, der zusammen mit dem Erwartungs-Index das Geschäftsklima prägt, stieg in den alten Bundesländern um 1,2 Punkte. Er erwarte nun eine baldige Verbesserung auch der realen Wirtschaftsdaten, sagte Nerb. "Dass der Aufschwung kommt, ist nun relativ sicher. Länge und Intensität sind aber noch ungewiss." So müsse sich die Einschätzung der Lage sechsmal in Folge bessern, ehe sich eine konjunkturelle Erholung auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar mache. Dort werde es zunächst wohl nur eine leichte Entspannung geben, sagte Nerb. "Belebung im zweiten Halbjahr" In den vergangenen Monaten hatten sich vor allem die Erwartungen der 7000 befragten Unternehmen gebessert. Für die nächsten sechs Monate verspricht sich die Wirtschaft zumindest in den alten Bundesländern weiterhin eine Erholung: Der Erwartungsindex legte abermals deutlich zu. In den neuen Bundesländern gab der Wert zwar geringfügig nach, doch "die Umfragewerte untermauern die Ifo-Prognose einer konjunkturellen Belebung im zweiten Halbjahr", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Vor allem die Industrie und der Großhandel bewerten ihre Lage mittlerweile deutlich besser. Die Bauwirtschaft meldet ebenfalls eine leichte Aufwärtstendenz. Allerdings beurteilt der Einzelhandel, der in den vergangenen Monaten kontinuierlich eine Besserung erwartete, das Geschäftsklima etwas schlechter. Dies könne aber auch auf die Hitzewelle zurückgehen, die den Konsum im vergangenen Monat etwas gedämpft habe, sagte Nerb. Während die meisten Ökonomen mittlerweile von einer wirtschaftlichen Erholung ausgehen, sprechen noch nicht alle von einem Aufschwung. "Die belastenden Faktoren sind zwar weg", sagt Gustav Horn, Konjunkturexperte beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. "Ich sehe aber immer noch keine Anzeichen für einen durchgreifenden Aufschwung." Immer noch fehle vielen Verbrauchern das Vertrauen in den Aufwärtstrend. Dagegen wächst die Zuversicht in die Erholung der Weltwirtschaft. Viele Risikofaktoren der Vergangenheit seien mittlerweile verschwunden, urteilen Deutschlands Volkswirte einhellig. "In den USA erkenne ich deutliche Signale für einen Aufschwung", sagte Horn. Dies werde auch die europäische Wirtschaft voranbringen. So könne der sinkende Euro-Kurs stärker zu einer Erholung beitragen als bisher erwartet. Schwacher Euro Vor allem Exporteure freuen sich über die schwache Gemeinschaftswährung - ein Aufschwung in den Vereinigten Staaten wirkt sich dadurch noch schneller auf Europas Ausfuhren aus. Ein überraschend deutlich gestiegenes Verbrauchervertrauen in den USA stützte am Dienstag die Hoffnungen auf eine Belebung der Weltwirtschaft. Der Verbrauchervertrauens-Index des privaten Forschungsinstitutes Conference Board, der im Juli noch gefallen war, stieg spürbar an. Der Index gibt Aufschluss über die künftigen Ausgaben der privaten Haushalte in den USA und gilt als wichtiger Indikator. Der private Konsum macht etwa zwei Drittel der amerikanischen Wirtschaftsleistung aus.
Die deutschen Unternehmen rechnen mit einer baldigen Erholung der Wirtschaft. Das Münchner Ifo-Institut meldete am Dienstag zum vierten Mal in Folge einen Anstieg des Konjunktur-Indexes.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/geschaeftsklima-index-steigt-weiter-an-anzeichen-fuer-aufschwung-mehren-sich-1.899255
Geschäftsklima-Index steigt weiter an - Anzeichen für Aufschwung mehren sich
00/05/2010
Bei der staatlichen Förderung der privaten Altersvorsorge gibt es neuen Ärger: Die Mehrheit der Sparer hat bislang den staatlichen Zuschuss verschenkt, weil sie mit den Antragsformularen nicht zurecht kommt. (SZ vom 29.11.03) — Im vergangenen Jahr wurden 2,8 Millionen private Riester-Verträge abgeschlossen. Die Zentrale Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA) in Brandenburg hat nach eigenen Angaben bis Mitte dieser Woche aber erst 1,125 Millionen Anträge auf Altersvorsorgezulage für 2002 bearbeitet und 73 Millionen Euro ausgezahlt. "Das ist eine erhebliche Differenz", räumt Claudia Neugebauer aus dem Leitungsstab der ZfA auf Anfrage der Süddeutschen Zeitung ein. Entsprechend schlecht sieht auch die Rücklaufquote bei Anbietern der Riester-Rente aus. Hälfte fehlerhaft Beim Marktführer in der Versicherungsbranche, der Allianz, haben 48 Prozent der Kunden noch keinen Antrag abgegeben. Etwa die Hälfte der zurückgesandten Bögen sind nach Angaben des Unternehmens fehlerhaft ausgefüllt, obwohl die Allianz dafür eine Anleitung zur Verfügung stellt. Ähnlich sieht es bei den Fondsgesellschaften aus. Die Union Investment der Volks- und Raiffeisenbanken verzeichnete 2002 etwa 130000 Abschlüsse. Aber erst 65 Prozent der Anleger haben sich um ihre Zulage bemüht.30 Prozent der Anträge trafen unvollständig ausgefüllt ein. "Beim Nachfassen in der zweiten Runde beträgt die Fehlerquote dann nur noch rund zehn Prozent", sagte ein Sprecher der Fondsgesellschaft in Frankfurt. Grundsätzliche Probleme Peter Grieble, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, wundert sich überhaupt nicht über die mageren Rücklaufquoten. "Viele werfen die Papiere ungelesen weg, weil sie annehmen, es handele sich um Werbung. Viele scheuen sich auch, die Formulare auszufüllen, weil sie grundsätzlich Probleme mit amtlichen Vordrucken haben", sagte Grieble. Er rät, das Papier schnell auszufüllen, denn je früher ein richtig ausgefüllter Antrag bei der Zulagenstelle landet, desto schneller fließt der staatliche Zuschuss auf das Konto des Kunden - und kann verzinst beziehungsweise wieder angelegt werden. Stichtag Ende 2004 Claudia Neugebauer von der ZfA hofft nun, dass viele Sparer Anfang 2004 ihren Zulagenantrag für 2002 zusammen mit dem für 2003 nachreichen. Die Anbieter der Riester-Rente haben bereits signalisiert, dass sie an den fehlenden Antrag für 2002 erinnern wollen. Dieser muss spätestens bis Ende 2004 bei der Zulagenstelle sein, sonst sind die Staatshilfen für das erste Riester-Sparjahr endgültig verloren. Verfahren wird vereinfacht Die Zulagen betragen derzeit 38 Euro pro Vertrag plus 46 Euro je Kind jährlich. Die Zulagen-Anträge schicken die Anbieter der Riester-Produkte immer zum Jahresanfang an ihre Kunden. Das Fördergeld für 2002 ließ sich somit bereits im Februar 2003 beantragen. Das Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung arbeitet derzeit an einem vereinfachten Verfahren. Die Anträge sollen vom nächsten Jahr an verständlicher gestaltet werden.
Bei der staatlichen Förderung der privaten Altersvorsorge gibt es neuen Ärger: Die Mehrheit der Sparer hat bislang den staatlichen Zuschuss verschenkt, weil sie mit den Antragsformularen nicht zurecht kommt.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/riester-rente-sparer-verschenken-millionen-1.902975
Riester-Rente - Sparer verschenken Millionen
00/05/2010
Der Medienunternehmer Rupert Murdoch hat die wichtigste Hürde für den Kauf des Dow-Jones-Konzerns genommen. Er soll sich in den Reihen der Eigentümerfamilie Bancroft eine Mehrheit gesichert haben. Wie das Wall Street Journal auf seiner Internetseite berichtet, hat sich Murdoch in den Reihen der Eigentümerfamilie Bancroft eine Mehrheit gesichert. Beobachter rechnen noch in dieser Woche mit einer endgültigen Vereinbarung. Detailansicht öffnen "Dow Jones wird Teil der News Corp": Rupert Murdoch hat sein Ziel nahezu erreicht. (Foto: Foto: dpa) Über seine Firma News Corp bietet er fünf Milliarden Dollar (3,6 Milliarden Euro) für das amerikanische Medienhaus. Das renommierte Wall Street Journal, zweitgrößte Tageszeitung der USA, gehört zum Dow-Jones-Konzern. Auf seiner Internetseite berichtete das Blatt am Dienstagabend ausführlich über den Verkaufsprozess. Danach habe Rupert Murdoch die Mehrheit der Familie Bancroft auf seine Seite gezogen. Damit könnte er jetzt die für die Übernahme notwendige Mehrheit für den Verkauf zustande bringen, heißt es weiter. Die Familie Bancroft kontrolliert nahezu zwei Drittel der Stimmrechte an Dow Jones. Die Nachrichtenagentur Reuters zitiert John Prestbo, Herausgeber der Sparte Dow Jones Indexes, mit den Worten, ,,Dow Jones wird Teil der News Corp''. Dow-Jones-Aktie im Höhenflug Wie das Wall Street Journal schreibt, kommen die verkaufswilligen Familienmitglieder auf zusammen 32 Prozent der Stimmrechte. Die meisten freien Aktionäre, sie halten zusammen 29 Prozent der Stimmrechte, dürften das Angebot annehmen. Damit hätte Murdoch die Mehrheit von 60 Prozent an Dow Jones. Die Zeitung schreibt, Murdoch müsse nun noch entscheiden, ob ihm die Unterstützung ausreiche, um mit dem Übernahmeprozess fortzufahren. Die Dow-Jones-Aktie legte am Dienstag um fast zwölf Prozent zu. Eine feste Vereinbarung sei aber noch nicht unterschrieben, hieß es. Die Bancrofts halten über verschiedene Treuhandgesellschaften 64,2 Prozent der Stimmrechte. Ihr gehörten aber nur 25 Prozent des gesamten Kapitals, weil es zwei verschiedene Aktienkategorien gibt, die unterschiedlich stark mit Stimmrechten ausgestattet sind. Angebot im Mai unterbreitet Murdoch hatte im Mai sein Angebot unterbreitet. Der Preis von 60 Dollar je Aktie lag knapp 70 Prozent über dem damaligen Börsenkurs und galt als sehr attraktiv. Trotzdem war die Familie Bancroft lange Zeit tief zerstritten über die Offerte von Murdoch. Vor allem sorgten sich Familienmitglieder um die Unabhängigkeit des Wall Street Journal. Der deutsche Verleger Dieter von Holtzbrinck hatte aus Protest gegen Murdoch sein Mandat im Verwaltungsrat von Dow Jones niedergelegt. Auch die Familie des früheren Dow-Jones-Managers James Ottaway, sie hält rund sieben Prozent der Stimmrechte, lehnt Murdochs Angebot ab; ebenso das Ehepaar Peter Kann und Karen House, beide sind preisgekrönte Journalisten, mit zusammen 0,3 Prozent der Anteile. Kann war von 1991 bis 2006 Vorstandschef des Dow-Jones-Konzerns. Murdoch ist für seine rabiate Art bei Übernahmen bekannt. Er mischt sich auch in das Tagesgeschäft seiner Publikationen ein. In langen Verhandlungen mit der Familie Bancroft wollte Murdoch die Bedenken zwar zerstreuen, unter anderem bot er eine Kommission an, die die Unabhängigkeit des Wall Street Journal sichern soll. Der Zeitung zufolge soll er sich nun auch bereit erklärt haben, die Beraterkosten der Familie von mindestens 30 Millionen Dollar zu übernehmen. Frist verstreichen lassen Noch am Montag hatte die Familie ohne Einigung auf eine gemeinsame Linie die von Murdoch für die Übernahme gesetzte Frist verstreichen lassen. Eine Nachbesserung seiner Offerte soll der aus Australien stammende Medienunternehmer, der aber auch die amerikanische Staatsbürgerschaft besitzt, abgelehnt haben. Einige Mitglieder der Bancroft-Familie hatten offenbar bis zuletzt noch auf eine Aufstockung des Kaufpreises gebaut. Dow Jones ist einer der wichtigsten Akteure im weltweiten Geschäft mit Finanznachrichten. Zum Konzern gehören neben dem Wall Street Journal die Wochenzeitung Barron's und die Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires. Auch das Internetgeschäft des Konzerns läuft gut. Zu News Corp, einer der größten Medienkonzerne der Welt, gehören zahlreiche Zeitungen wie die britische Times und das Boulevardblatt Sun, Fernsehstationen, Filmstudios und Internetfirmen wie die Kontaktseite MySpace. In den vergangenen Wochen hatten mehrere andere Interessenten versucht, ein Gegenangebot für Dow Jones auf die Beine zu stellen, unter anderem der Pearson-Verlag aus London und der US-Konzern GE. Doch die Pläne wurden wieder verworfen. Auch der Internet-Pionier Brad Greenspan arbeitete bis zuletzt an einem Konkurrenzangebot, doch er fand nicht genügend Geldgeber.
Der Medienunternehmer Rupert Murdoch hat die wichtigste Hürde für den Kauf des Dow-Jones-Konzerns genommen. Er soll sich in den Reihen der Eigentümerfamilie Bancroft eine Mehrheit gesichert haben.
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Übernahme in der Medienbranche - Murdoch landet bei Dow Jones
00/05/2010
Der russische Gazprom-Konzern will seinen Ruf im Westen verbessern. Zu diesem Zweck erhielt nun eine PR-Agentur einen millionenschweren Auftragt. Eigentlich können die Bosse der russischen Firma Gazprom nicht klagen. Sie verfügen über Geld und Macht, also über alles, worauf es in Moskau normalerweise ankommt. Detailansicht öffnen Gazprom-Gebäude in Moskau: In Russland kann der Konzern haben was er will. Doch im Westen sieht es anders aus. (Foto: Foto: dpa) Der Unternehmenswert an der Börse von fast 262 Milliarden US-Dollar und ein verlässlicher Draht in den Kreml garantieren, dass der russische Gasmonopolist stets bekommt, was er will - sei es eine große Ölfirma, einen ordentlichen Anteil am weltgrößten Flüssiggasprojekt oder eine Garantie seines Transportmonopols. Einen Wunsch aber konnte sich Gazprom bislang nicht erfüllen: einen guten Ruf im Westen. Nicht zuletzt die Preiskriege mit der Ukraine und Weißrussland haben dem Ansehen des Konzerns schwer geschadet. Gute Stimmung in den USA und Westeuropa Doch nun soll alles anders werden. Gazprom will die PR-Firma PBN Company des Amerikaners Peter Necarsulmer mit einer groß angelegten Kampagne beauftragen. Das Ziel: Gute Stimmung für Gazprom in den USA und Westeuropa. Offiziell bestätigt wurde das Geschäft zwar noch nicht. PBN verteilte dennoch am Dienstag bereits im Namen von Gazprom Einladungen an ausländische Journalisten zu einer Pressekonferenz. ,,Im Westen wird Gazprom mit dem Namen von Präsident Wladimir Putin und seiner politischen Umgebung assoziiert. Das Unternehmen will sich aber anders positionieren'', zitierte die Zeitung Kommersant am Dienstag einen Insider. Aufschrei der Empörung Wie schlecht das staatsnahe Image des Konzerns fürs Geschäft ist, erlebt Gazprom jedenfalls immer wieder. Als Gazprom versuchte, sich in das britische Energieunternehmen Centrica einzukaufen, ernteten die Russen einen Aufschrei der Empörung. Und seit selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel Zweifel an der Zuverlässigkeit des Gaslieferanten Russland erkennen lässt, ist es mit der Gelassenheit bei Gazprom offenbar vorbei. Die neue PR-Strategie soll der Firma helfen, als rein kommerzielles Unternehmen wahrgenommen werden. Doch daraus wird nichts, vermutet der liberale russische Abgeordnete Wladimir Ryschkow: ,,Gazprom ist keine eigenständige Firma, sondern Teil des russischen Staates.''
Der russische Gazprom-Konzern will seinen Ruf im Westen verbessern. Zu diesem Zweck erhielt nun eine PR-Agentur einen millionenschweren Auftragt.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/gazprom-konzern-make-up-fuer-den-monopolisten-1.905564
Gazprom-Konzern - Make-up für den Monopolisten
00/05/2010
Die Politik erhöht den Druck auf die Manager: Die SPD-Führung will noch am Montag eine Arbeitsgruppe zum Thema zu hohe Managergehälter einsetzen. Gleichzeitig hat der ehemalige bayerische Ministerpräsident Stoiber vorgeschlagen, die so genannte Cromme-Kommission wieder einzusetzen. Die SPD-Führung will am Montag eine Arbeitsgruppe zum Thema Managergehälter beauftragen. Nach Angaben von Parteichef Kurt Beck soll sie prüfen, ob Millionen-Abfindungen trotz Fehlentscheidungen zu Lasten der Belegschaft gesetzlich unterbunden werden können. Derzeit kann ein Unternehmen den Betrag an ein ausscheidendes Vorstandsmitglied steuerlich geltend machen. SPD-Generalsekretär Hubertus Heil bekräftigte das Vorgehen seiner Partei. Das Gerechtigkeitsgefühl vieler Menschen werde durch exorbitant hohe Abfindungen verletzt, sagte er der ARD. "Wir wollen keine staatliche Lohnfestsetzung - auch nicht für Manager. Aber die Regeln müssten stimmen, etwa in dem Sinne, dass Abfindungen für Manager nicht mehr steuerlich geltend gemacht werden könnten", kündigte Heil entsprechende gesetzliche Initiativen an. Merkel erteilt SPD-Plänen Absage Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erteilte den SPD-Gedankenspielen eine Absage, der Wirtschaft gesetzliche Vorschriften zu machen. Sie lehnt gesetzliche Vorgaben für Gehälter und Abfindungen der Manager ab. Merkel halte die Debatte über Auswüchse bei den Bezügen für richtig, plane aber keine Gesetzesinitiativen, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg in Berlin. Die Entlohnung der Manager sei allein Sache der Unternehmen und ihrer Aufsichtsräte. Auch Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) hat sich klar gegen eine gesetzliche Obergrenze für Managergehälter ausgesprochen. So wie er einen staatlich festgelegten Mindestlohn ablehne, sei er auch dagegen, "dass man praktisch staatlicherseits einen Höchstlohn festlegt für Manager", sagte er am Montag am Rande des IT-Gipfels in Hannover. "Das liegt in allererster Linie natürlich in den Händen der Eigentümer, die im Aufsichtsrat vertreten sind." Er sprach sich aber gleichzeitig dafür aus, die "Aktionärsdemokratie" zu stärken und dafür zu sorgen, dass die Hauptversammlungen über Bezüge von Managern informiert werden. "Das würde auch einen entsprechenden Druck auf die Aufsichtsräte ausüben." Weitere Unionspolitiker sprachen sich gegen gesetzliche Regelungen aus. Der CDU-Arbeitsmarktexperte Ralf Brauksiepe sagte im Bayerischen Rundfunk, "ich glaube nicht, dass der Gesetzgeber aufgerufen ist, eine maximale Gehaltshöhe gesetzlich festzulegen". Zunächst sei die Wirtschaft gefordert "maßzuhalten". Der Vorsitzende der CSU-Mittelstandsunion, Hans Michelbach, kritisierte im Deutschlandfunk "populistische Ansätze" und warnte davor, "den Linksruck der SPD mitzumachen". "Hier ist Sensibilität in den Unternehmen gefragt", nicht neue staatliche Regularien, sagte er. Aktionäre sollen mehr Mitspracherechte erhalten Unterdessen macht sich der ehemalige bayerische Ministerpräsident und CSU-Ehrenvorsitzende Edmund Stoiber für die Wiedereinsetzung der sogenannten Cromme-Kommission stark. "Meines Erachtens sollte die Bundesregierung den Auftrag an die Kommission erneuern", sagte Stoiber dem Sender N24. Das einst von der rot-grünen Bundesregierung eingesetzte Gremium hatte vorgeschlagen, die Managergehälter offenzulegen. Außerdem verlangte Stoiber, den Aktionären mehr Mitspracherecht bei der Festlegung der Managergehälter zu geben. "Warum wird dieses Thema nicht in den Aktionärsversammlungen behandelt und vielleicht sogar entschieden, die ja in der Öffentlichkeit tagen?", regte der ehemalige CSU-Chef an.
Die Politik erhöht den Druck auf die Manager: Die SPD-Führung will noch am Montag eine Arbeitsgruppe zum Thema zu hohe Managergehälter einsetzen. Gleichzeitig hat der ehemalige bayerische Ministerpräsident Stoiber vorgeschlagen, die so genannte Cromme-Kommission wieder einzusetzen.
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Managergehälter - Stoiber will Cromme-Kommission reaktivieren
00/05/2010
Selten wurde eine weltumspannende Marke so schnell ruiniert wie die Handy-Sparte von Siemens. Als Heinrich von Pierer noch Vorstandschef von Siemens war, führte er Journalisten gern die neuesten Handy-Kreationen seines Konzerns vor: Mit denen werde er künftig seinen Enkeln Fotos vom Großvater schicken. Detailansicht öffnen Stopschild vor der Produktionshalle des Handyherstellers BenQ in Kamp-Lintfort. (Foto: Foto: AP) Als Klaus Kleinfeld Pierers Amt übernahm, versenkte er spätabends ein Gerät der Konkurrenz im Wasserglas: Mit denen, sollte das wohl heißen, werden wir schon fertig. Und als dann vor einem Jahr der taiwanesische Konkurrent BenQ die Handy-Sparte von Siemens übernahm, glaubten alle Beteiligten immer noch an eine rosige Zukunft: ,,Wir werden'', versicherte BenQ-Vizepräsident Jerry Wang, ,,auch noch in fünf Jahren in Deutschland Handys herstellen.'' Nach nur einem Jahr ist damit nun Schluss. BenQ Mobile ist in Deutschland pleite. 3000 Mitarbeiter müssen um ihren Job fürchten. Und nicht nur bei den Beschäftigten ist die Aufregung deshalb groß. Denn selten zuvor hat sich ein deutscher Konzern so abrupt aus einer Zukunftstechnologie verabschiedet wie der Siemens-Konzern. Ungläubigkeit Auch Gewerkschafter und Politiker mochten nicht glauben, dass von der riesigen Handy-Sparte des Siemens-Konzerns und dessen Produktion in Deutschland nun endgültig nichts mehr übrig bleiben soll. ,,Die bevorstehende Insolvenz von BenQ ist Folge des eklatanten Versagens des Managements'', schimpfte der bayerische IG-Metall-Chef Werner Neugebauer. Ein Unternehmen wie Siemens müsse sich ,,darüber im Klaren sein, dass es die Verantwortung für die Arbeitsplätze, aber auch für die Handyproduktion nicht einfach durch einen Verkauf abgeben kann'', meint der SPD-Wirtschaftsexperte Rainer Wend. Und Fritz Kuhn, Fraktionschef der Grünen im Bundestag, meint: ,,Für mich stellt sich die Frage, ob der Siemens-Vorstand beim Verkauf der Handy-Sparte diese Entwicklung hätte sehen müssen und ob man das gründlich genug geprüft hat.'' Der Grüne kann daher auch nicht verstehen, dass ausgerechnet Kleinfeld und seine Vorstandskollegen einen Gehaltsaufschlag von dreißig Prozent erhalten sollen: ,,Das finde ich unappetitlich. Die Insolvenz von BenQ und die Gehaltserhöhung im Siemens-Vorstand passen nicht zusammen, das ist unanständig.'' "Das riecht nach Selbstbedienungsladen" Ähnlich sieht das der SPD-Bundestagsabgeordnete Ottmar Schreiner: ,,Das riecht wirklich nach Selbstbedienungsladen. Einer, der von dem Gehaltsplus profitiert, war selber mal für die Siemens-Handys verantwortlich: Rudi Lamprecht hatte als Chef einst über den ,,Wachstumskurs'' von Siemens Mobile geschwärmt. Noch im Jahr 2000 träumte er davon, jährlich nicht bloß elf Millionen, sondern 60 Millionen Handys zu verkaufen.
Selten wurde eine weltumspannende Marke so schnell ruiniert wie die Handy-Sparte von Siemens.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/benq-abschied-von-der-zukunft-1.905586
BenQ - Abschied von der Zukunft
00/05/2010
Die Bundesregierung hat einem Zeitungsbericht widersprochen, wonach der Rentenversicherung im Herbst die Zahlungsunfähigkeit drohe. Der Parlamentarische Staatssekretär im Sozialministerium, Franz Thönnes, sagte: "Die Auszahlung der Renten ist gesichert." Der Präsident des Verbandes Deutscher Rentenversicherungsträger (VDR), Franz Ruland, hatte in einem Zeitungsinterview davon gesprochen, dass den Rentenkassen Ende Oktober nur noch 3,4 Milliarden Euro an liquiden Mitteln zur Verfügung stünden. Dies entspreche etwa 22 Prozent einer Monatsausgabe. Detailansicht öffnen Franz Thönnes beruhigt die Rentner. (Foto: AP) Sollte die Wirtschaft geringer wachsen als angenommen, könne "sehr schnell die Notwendigkeit entstehen, im Herbst Teile der monatlichen Vorschüsse auf den Bundeszuschuss in Anspruch zu nehmen", sagte Ruland. Nur so sei die Liquidität zu sichern. 19,8 statt 19,5 Prozent Außerdem warnte Ruland, dass der Rentenbeitrag Ende dieses Jahres von 19,5 auf 19,8 Prozent steigen könnte, wenn die Arbeitslosigkeit hoch und das Wachstum schwach bleibe. Die Bundesregierung geht aber weiterhin in ihren Prognosen von einem Wachstum von 0,75 Prozent aus. Viele Experten halten das für unrealistisch. Eine Sprecherin des Sozialministeriums sagte, es sei nichts Ungewöhnliches, bei knapper Kassenlage die Zuschüsse an die Rentenversicherung vorzuziehen. Unterdessen gab es weiter Streit über den Krankenkassenbeitrag der Rentner. Der SPD-Haushaltsexperte Carsten Schneider hatte angeregt, dass Rentner ihren Kassenbeitrag künftig komplett selbst zahlen sollten. Kassenbeitrag selbst bezahlen Dazu solle der Anteil der Rentner von 2004 an jährlich um zehn Prozent steigen. Von 2008 an müssten die Ruheständler ihren Kassenbeitrag selbst zahlen, derzeit sind es fünfzig Prozent. Grünen-Chef Reinhard Bütikofer und Unions-Fraktionsvize Friedrich Merz lehnten dies ab. "Ich halte davon nichts", sagte Bütikofer. Solche Vorschläge würden die Menschen nur verunsichern. Ähnlich äußerte sich Merz: "Ich halte wenig davon, dass wir heute über die Aussetzung der Rentenanpassung reden, morgen über die Krankenversicherungsbeiträge der Rentner, übermorgen über eine neue Demografieformel und noch einen Tag später müssen wir über die Besteuerung der Alterseinkommen reden." Nötig sei ein Gesamtkonzept. "Wir brauchen einen Neustart" Dies verlangte auch Vize-Unionsfraktionschef und Sozialexperte Horst Seehofer (CSU) "Wir brauchen einen Neustart in der Rentenpolitik", sagte er der Süddeutschen Zeitung. Den von Schmidt angekündigten neuen Rentenfaktor nannte er nötig, aber nicht ausreichend. Isoliert könne dieser nicht für Sicherheit sorgen, sondern müsse im Rahmen der künftigen Rentenbesteuerung erarbeitet werden. Zugleich müsse die Privatrente attraktiver gemacht werden. Seehofer wandte sich gegen einen höheren Kassenbeitrag für Rentner und kündigte für den Herbst ein umfassendes Rentenkonzept der CDU/CSU an.
Die Bundesregierung hat einem Zeitungsbericht widersprochen, wonach der Rentenversicherung im Herbst die Zahlungsunfähigkeit drohe. Der Parlamentarische Staatssekretär im Sozialministerium, Franz Thönnes, sagte: "Die Auszahlung der Renten ist gesichert."
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Nach Warnruf - Regierung verspricht Rentnern pünktliche Zahlung
00/05/2010
Der Mitbegründer des größten deutschen Softwarekonzerns Dietmar Hopp, ist nicht länger dem Verdacht der Untreue ausgesetzt. Staatsanwaltschaft und Landgericht Mannheim kündigten am Freitag die zügige Einstellung der Ermittlungen an. Der ehemalige Aufsichtsratschef des Software-Riesen reagierte zufrieden und erleichtert, will aber rechtliche Schritte gegen das Vorgehen der Staatsanwaltschaft ergreifen. Diese hatte gegen Hopp am 3. März ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Der SAP-Gründer soll mit Geld aus seiner eigenen gemeinnützigen Stiftung für Bernhard Termühlen, den Vorstandsvorsitzenden des Finanzdienstleisters MLP, gebürgt haben. Patronatserklärung hilft Hopp sitzt im MLP-Aufsichtsrat, will bei den Neuwahlen des Gremiums am 17. Juni jedoch nicht wieder kandidieren. Bei den Ermittlungen waren auch Privat- und Büroräume Hopps durchsucht worden. Das Landgericht erklärte, es gebe keine hinreichenden Beweise mehr für einen Tatverdacht. Die Ermittlungen hätten die Unschuld des 63-Jährigen erbracht. Ausschlaggebend für die Einstellung sei eine so genannte Patronatserklärung des SAP-Mitbegründers gewesen. Darin habe dieser erklärt, bei einem Ausfall der Bürgschaft mit seinem Privatvermögen zu haften. Mit diesem Dokument sei der Tatbestand der Untreue ausgeschlossen, da der Stiftung kein Vermögensschaden hätte entstehen können. Der Leitende Oberstaatsanwalt Hubert Jobski verteidigte erneut die Durchsuchung der Büro- und Privaträume von Hopp mit einem klaren Tatverdacht. Jobski verwies zudem auf ein noch ausstehendes Gutachten, bei dem es um den möglichen Verlust der Gemeinnützigkeit der Hopp-Stiftung gehe. Hopp will gegen Behörde vorgehen Sollte sich dabei der Verdacht erhärten, dass bei der Bürgschaft gegen das Gemeinnützigkeitsrecht und damit auch gegen das Steuerrecht verstoßen worden sei, dann sei die Staatsanwaltschaft gezwungen, sich erneut des Vorgangs anzunehmen. Hopp hatte die Durchsuchung seiner Büro- und Privaträume als "Akt der Willkür" bezeichnet und unter anderem in Zeitungsanzeigen harte Kritik am Vorgehen der Staatsanwaltschaft geübt. Dass die Ermittlungen nun eingestellt werden, sei eine große Befriedigung, sagte Hopp der dpa. "Aber ein bitterer Beigeschmack bleibt." Er kündigte erneut an, juristische Schritte gegen die Behörde einzuleiten. Zu der Ankündigung sagte der Oberstaatsanwalt, das Landgericht habe in seinem Beschluss die Rechtmäßigkeit der Durchsuchungen ausdrücklich erklärt. Dieser Beschluss sei unanfechtbar. Dem SAP- Mitbegründer fehle daher die Grundlage für einen "Vernichtungsfeldzug" gegen einzelne Personen. (sueddeutsche.de/dpa)
Der Mitbegründer des größten deutschen Softwarekonzerns Dietmar Hopp, ist nicht länger dem Verdacht der Untreue ausgesetzt.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/akt-der-willkuer-ermittlungen-gegen-sap-gruender-sollen-eingestellt-werden-1.905252
"""Akt der Willkür"" - Ermittlungen gegen SAP-Gründer sollen eingestellt werden"
00/05/2010
Charles Smith steht da wie ein Denkmal. Der Umhang hängt schwer über seinen Schultern. Er ist zusammengesetzt aus Tausenden kleinen schwarzen und weißen Perlen, die ein gezacktes Muster bilden. Wie Epauletten einer Uniform sind links und rechts lange Adlerfedern angebracht - die Symbole eines Häuptlings. Der 42-Jährige blinzelt in die Sonne. Er hebt seine kräftigen, braungebrannten Arme und beschreibt mit den Händen einen Halbkreis. "Das ist unser Land. Hier hat unser Volk seit Tausenden von Jahren gewohnt. Wir wollen Gerechtigkeit", sagt Smith mit sonorer Stimme. Hinter ihm ist rhythmisches Trommeln zu hören. Powwow und Long Island Auf einer großen Freilichtbühne stampfen bunt gekleidete Männer und Frauen mit den Füßen. Sie trommeln und tanzen für ihr Land: Die Indianer des Shinnecock-Stammes auf Long Island, die sich zu einem "Powwow", einer großen Versammlung, getroffen haben, um über ihre Zukunft zu beraten. "Wir sind Amerikaner. Wir wollen aber auch das Land unserer Vorväter zurück", ruft Smith. Die Trommler auf der Bühne steigern sich zu einem wilden Stakkato. Den Musikern rinnt der Schweiß. Der Boden bebt. In einer der größten Klagen, die je ein Indianerstamm gegen den amerikanischen Staat angestrengt hat, wollen die Shinnecocks große Teile von Long Island zurückhaben, jener 190 Kilometer langen, der Stadt New York vorgelagerten Insel, in der sie einst als Ureinwohner siedelten und dann von den weißen Siedlern verdrängt wurden. Die Klage, die bald bei einem Gericht im Bundesstaat New York eingereicht werden soll, mag skurril erscheinen. Denn es ist schwer vorstellbar, dass die Shinnecocks auf der mondänen Insel, wo New Yorker ihre Wochenend-Chalets haben, bald wieder ungehindert auf die Pirsch gehen. Ohnehin geht es den Indianern vor allem um Schadensersatz für erlittenes Unrecht, um viel Geld. Die Rede ist von mindestens 1,7 Milliarden Dollar. Die Shinnecocks sind kühle Rechner: Sie wollen mit einer möglichst hohen Entschädigung ein Spielcasino bauen. Finanziert wird die Klage von reichen Casino- und Immobilien-Investoren aus Detroit. Der Shinnecock-Fall ist nichts Ungewöhnliches. Die USA sind das Land der Klagen: Amerikaner, die sich ungerecht behandelt fühlen, sei es am Arbeitsplatz, im Restaurant oder wegen ihrer Hautfarbe, ihres Alters oder Geschlechts, ziehen vor Gericht. Es geht ums Rechthaben, meistens aber ums Geld. Denn im Gegensatz zum deutschen Recht erlaubt das amerikanische praktisch unbegrenzt hohe Schadensersatzsummen. Wie ein Würfelspiel In keinem Land der Welt wird so eifrig und verbissen vor Gericht gestritten wie in den USA. Eine Million Rechtsanwälte buhlen um Klienten. Legendär ist das Beispiel des US-Familienvaters Andrew Allocco, dem eine Kellnerin bei einem Frühstück in Disneyworld in Orlando/Florida eine Tasse brühheißen Kaffee zwischen die Beine kippte. Das Missgeschick brachte dem 33-Jährigen, der prompt vor Gericht auf Schadensersatz klagte, 670.000 Dollar ein. Besonders teuer wird es für beklagte Unternehmen, wenn sich viele Kläger zu so genannten Sammelklagen (class action suits) verbünden. Nach Schätzungen von Experten kostet das großzügige Schadensersatzrecht die US-Wirtschaft jedes Jahr 250 Milliarden Dollar. Für die Unternehmen kann es dabei um Sein oder Nicht-Sein gehen. So sind wegen hoher Schadensersatzzahlungen im Zusammenhang mit Asbest-Klagen in den USA bereits 70 Unternehmen in die Pleite getrieben worden. Mehr als 50 000 Arbeitsplätze gingen verloren. Schadensersatzklagen basieren auf angelsächsischen Rechtsprinzipien. Der Ausgang der Prozesse gleicht einem Würfelspiel. Geschworene, die sich oft in Szene setzen wollen und von komplizierten juristischen Sachverhalten nichts verstehen, entscheiden über Schuld und Unschuld. Das ist auch die Stunde trickreich agierender Klägeranwälte, die alles versuchen, um die Geschworenen auf ihre Seite zu ziehen. "Das Ganze hat oftmals mehr mit einer perfekt inszenierten Show zu tun", räumt der New Yorker Anwalt Thomas Elin ein. Kein Zufall, dass sich die Kläger gerne an Provinz-Gerichte in abgelegenen Bundesstaaten wenden, weil die dortigen Richter als voreingenommen gelten, wenn es darum geht, den reichen "Yankee"-Eliten an der Ostküste ein Geschäft zu vermasseln. Der US-Nahrungsmittel-Multi Altria, zu dem der Zigarettenhersteller Philip Morris gehört, hat da leidvolle Erfahrungen gemacht: Ein Gericht in Illinois verdonnerte die Marlboro-Firma vor zwei Jahren zur Zahlung einer Kaution von zwölf Milliarden Dollar. Dem New Yorker Konzern wurde vorgeworfen, in seiner Werbung die Gefahren von "Light"-Zigaretten heruntergespielt zu haben. Zwar wurde die Summe später verringert, weil der weltgrößte Zigarettenhersteller andernfalls vor der Pleite gestanden hätte. Philip Morris ist nach wie vor ein Hauptgegner der Anti-Raucher-Kampagne. Er wird aber zugleich von klagenden Rauchern zusehends als eine Art Melkkuh betrachtet. Zwar hat der US-Kongress vor kurzem auf Betreiben der Regierung eine Reform der Sammelklagen beschlossen. Klagen mit mehr als 100 Klägern und einer geforderten Summe von mehr als fünf Millionen Dollar müssen nun von einem Bundesgericht verhandelt werden. So will Washington die Rechtsprechung vereinheitlichen und vor allem verhindern, dass sich Anwälte klägerfreundliche Bezirksgerichte aussuchen. Doch Experten fragen sich skeptisch, ob das die Klageflut tatsächlich eindämmt. Eine Eigenart des amerikanischen Rechts sind so genannte Strafentschädigungen (punitive damages). So kann eine Jury Klägern ein Vielfaches der tatsächlichen Schadenssumme zugestehen, um den Beklagten von einem zukünftigen Fehlverhalten abzuschrecken. Doch wer kassiert das Geld? Im Prozess-Rodeo sind Anwälte immer die Gewinner. Gerade die Asbest-Verfahren haben sich für den Berufsstand als Goldgrube erwiesen. In den vergangenen Jahren verdienten Amerikas Rechtsvertreter durch Schadensersatzklagen im Zusammenhang mit dem krebserregenden Isolierstoff, der inzwischen verboten ist, zehn Milliarden Dollar an Honoraren. Ihre Mandanten mussten sich mit weniger zufrieden geben: Sie erhielten von jedem Dollar Schadensersatz gerade 39 Cent. Über ein millionenschweres Honorar wird sich auch der neue Star der Anwaltsszene, Mark Lanier, freuen können. Er überzeugte die Jury eines Gerichts in Houston, Texas, davon, den Pharmagiganten Merck zur Zahlung von 253 Millionen Dollar zu verpflichten. Lanier vertrat die Witwe eines 59-jährigen Marathonläufers, der im Jahr 2001 nach achtmonatiger Einnahme des Schmerzmittels Vioxx, das mittlerweile vom Markt genommen ist, gestorben war. Trotz dürftiger Beweise, gelang es Lanier, die Geschworenen auf seine Seite zu ziehen. "Es gibt Zeiten und Gelegenheiten, und dieses ist eine, wenn Sie eine Chance haben, ihre Meinung zu sagen", appellierte er an das Ego der Laienrichter. Prozessbeobachter behaupten sogar, Lanier habe den Jury-Mitgliedern versprochen, nach einem Urteil gegen Merck von der berühmten TV-Talk-Masterin Oprah Winfrey eingeladen zu werden. "Gott hat seine Macht gezeigt", erklärte der 44-jährige Jurist und Baptisten-Laienprediger nach dem spektakulären Prozess vor 300 Gläubigen in Texas. Trickreich vertrieben Im Land der Klagen haben nun auch die Ureinwohner die Macht der Gerichte entdeckt, um ihre Rechte einzufordern. Das Problem des Shinnecock-Falls: Es sind nicht irgendwelche unbewohnten Dünen, welche die Ureinwohner beanspruchen, sondern ausgerechnet die Luxusresorts und Wochenendheime von schwerreichen New Yorkern, die sich in der Gegend der Stadt Southampton niedergelassen haben. Das Ganze sei eine "Erpressung" von ein paar verrückten Indianern, giftete das Boulevardblatt New York Post. Nun werde das "Kriegsbeil" ausgegraben, befürchtet die Internet-Zeitung HamptonsView.com. Zumindest macht sich hinter den akkurat geschnittenen Hecken der Luxusvillen Unruhe breit. Ein Prozess dauert zwar Jahre. Und auch ein Entschädigung müsste wahrscheinlich der Staat zahlen. Doch die betuchten Bewohner befürchten, dass durch den Bau eines Spielcasinos ihre Idylle zerstört werden würde. Es ist der diskrete Charme des New Yorker Geldadels, der hier in den Hamptons, dem östlichen Zipfel Long Islands, regiert: Investmentbanker, Medien-Tycoons und Schauspieler. Der ehemalige Chef des Auktionshauses Sotheby's, Alfred Taubmann, hat in der sandigen Endmoränenlandschaft ebenso sein Anwesen wie Mode-Zar Calvin Klein und Amerikas Superhausfrau und Design-Ikone Martha Stewart. Menschen, die sich am Wochenende mal eben per Hubschrauber von Manhattan in ihr Sommer-Chalet herüberfliegen lassen. Doch nun der Ärger mit den Indianern: Dass ausgerechnet der Shinnecock-Stamm die Spielwiese der Reichen stören könnte, passt nicht in das Bild der heilen Hamptons-Welt. Die Indianer bewohnen bescheidene Fertighäuser im 3,5 Quadratkilometer großen Reservat östlich von Southampton. Ihren Lebensunterhalt verdienen die meisten als Billigarbeiter in Restaurants, als Zimmermädchen, Gartenpfleger oder Caddy-Fahrer im "Shinnecock Hills Gulf Club". Häuptling Smith plädiert beim "Powwow" für das Ende der Bescheidenheit: Die Shinnecocks sollen am Reichtum auf Long Island teilhaben. Der Stamm sei vor 150 Jahren durch trickreiche Pachtverträge mit weißen Siedlern von seinem angestammten Gebiet in Southampton und Umgebung vertrieben worden. "Es ist nur gerecht, wenn wir für dieses Land, das uns für 25 Dollar abgeknöpft wurde, eine Entschädigung erhalten."
Vor 150 Jahren zahlten weiße Siedler den Ureinwohnern für Long Island 25 Dollar - nun verlangen die Shinnecocks Schadensersatz in Milliardenhöhe.
wirtschaft
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Indianer und die US-Justiz - Das Ende der Bescheidenheit
00/05/2010
Jochen Sanio hat ein Problem: Weil in seiner Behörde Bafin bestimmte Grundsätze verletzt wurden, hat es einen dreisten Korruptionsfall gegeben. Die Glaubwürdigkeit des obersten deutschen Finanzkontrolleurs ist beschädigt. Bei der Kontrolle von Banken, Versicherungen und Wertpapierhandel gilt Deutschland als fortschrittlich. Seit vier Jahren beaufsichtigt eine einzige Institution den gesamten Finanzapparat, die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, kurz Bafin genannt. Detailansicht öffnen Steht unter Druck: Bafin-Chef Jochen Sanio. (Foto: Foto: dpa) Der starke Mann an ihrer Spitze heißt Jochen Sanio. Er hat sich einen Namen als harter Hund gemacht, mit Vorständen klammer Banken angelegt, den mächtigen Rating-Agenturen Zugeständnisse abgepresst, im Ringen um die neuen Eigenkapitalvorschriften für die Banken (Basel II) und im Kampf gegen die Geldwäsche internationale Reputation erlangt. Wichtige Grundsätze missachtet Ihn muss der Korruptionsskandal im eigenen Haus treffen, und mehr noch das, was ihm unabhängige Gutachter bescheinigen. Er soll seine eigene Verwaltung nicht ordentlich beaufsichtigt und wichtige Grundsätze missachtet haben, die bei Bankgeschäften als unerlässlich gelten. Er selbst schweigt zu den Vorwürfen, hat bislang keine Konsequenzen gezogen. Sitzt er die Affäre aus, ist sein Ruf beschädigt. Sanio muss sich dann den Vorwurf gefallen lassen, er teile nur nach außen aus, handele aber im eigenen Laden lax. In der Zwickmühle Die Kontrolleure des dem Bundesfinanzministerium unterstellten Bafin, Beamte des Ministeriums, Bundestagsabgeordnete und Bankiers, stecken in der Zwickmühle. Sollen sie den Mann halten, weil sie so schnell weit und breit keinen besseren finden? Sollen sie in Kauf nehmen, dass der Ruf der Behörde und des Finanzplatzes Deutschland Schaden nimmt? Sollen sie seinen Stellvertreter als Bauernopfer vorschieben? Politisch korrekt wäre das nicht. Leider ist die Bafin kein Einzelfall im deutschen Behördenwesen, wo die Korruption seit Jahren wuchert. In Bauämtern und anderen Verwaltungen scheint das Bakschisch, das früher einmal in den Orient gehörte, eine willkommene Morgengabe zu sein. Es fehlt vor allem an Unrechtsbewusstsein. Fall selbst angezeigt Für Sanio spricht, dass er den Fall selbst angezeigt hat und nichts unter den Teppich kehrte. Als weitere mildernde Umstände können die schwierigen Bedingungen gelten, unter denen er drei ehemals getrennte Behörden zusammenschweißte. Die Motivation seiner Mitarbeiter leidet zum Beispiel darunter, dass sie deutlich schlechter bezahlt werden als die Angestellten der zu beaufsichtigenden Banken. Sanio musste betteln, um Zuschläge für seine Leute und eine angemessene finanzielle Ausstattung zu bekommen. Eine weitere Crux der Behörde ist ihr zweigeteilter Sitz in Bonn und Frankfurt, der die Nähe zum Finanzplatz verhindert.
Jochen Sanio hat ein Problem: Weil in seiner Behörde Bafin bestimmte Grundsätze verletzt wurden, hat es einen dreisten Korruptionsfall gegeben. Die Glaubwürdigkeit des obersten deutschen Finanzkontrolleurs ist beschädigt.
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Finanzaufsicht - Im eigenen Haus erblindet
00/05/2010
Der Automobilbauer baut in den nächsten drei Jahren 6000 Arbeitsplätze ab. Auch der Vorstand wird verkleinert. Zetsche wird seine Doppelfunktion als Chef von DaimlerChrysler und Mercedes behalten. Rund drei Wochen nach seinem Amtsantritt hat der neue DaimlerChrysler-Chef Dieter Zetsche nun auch radikale Einschnitte in der Verwaltung des Autokonzerns angekündigt. In den nächsten drei Jahren werden dort 6000 Stellen gestrichen; das ist etwa jeder fünfte Arbeitsplatz in der Verwaltung weltweit. Dies teilte die DaimlerChrysler am Dienstag nach einer Aufsichtsratssitzung in Stuttgart mit. 1,5 Milliarden Kostenreduktion Bereits im vergangenen Jahr war ein Programm zum freiwilligen Ausscheiden von 8500 Mitarbeitern in den deutschen Werken der Mercedes-Gruppe angekündigt worden. Zusammen mit den bereits laufenden Sanierungsmaßnahmen sollen die Verwaltungskosten um rund 1,5 Milliarden Euro im Jahr verringert werden. Gleichzeitig zieht die Konzernzentrale vom alten Standort in Stuttgart-Möhringen näher an die Produktion ins Motorenstammwerk Stuttgart-Untertürkheim um. Der Gesamtbetriebsrat des Autokonzerns protestierte gegen die geplanten Personalabbau. Die Arbeitnehmervertreter haben nach eigenen Angaben die Entscheidung im Aufsichtsrat nicht mitgetragen. Der Betriebsrat wies daraufhin, dass für die Mitarbeiter in Deutschland bis Ende 2011 Beschäftigungssicherung gelte. Daher komme nur ein freiwilliges Ausscheiden in Betracht. Die Aktie legte zeitweise um mehr als drei Prozent auf rund 44 Euro zu. Der Nettoeffekt der am Dienstag angekündigten Maßnahmen werde eine Milliarde Euro pro Jahr betragen, hieß es weiter. Die Kosten für die Umsetzung für das Konzern-Umbauprogramm werden für den Zeitraum von 2006 bis 2008 mit insgesamt etwa zwei Milliarden Euro angegeben. "Ziel ist eine schlanke, bewegliche Struktur mit optimierten Prozessen," sagte Konzernchef Dieter Zetsche. Er kündigte an, dass Doppelkapazitäten auf Konzernebene und operativer Ebene abgebaut werden sollten. Engere Zusammenarbeit Entscheidungsprozesse sollten künftig kürzer und schneller werden. Zetsche betonte erneut, dass die Zusammenarbeit zwischen der Mercedes Car Group und der Chrysler Group "deutlich enger werden" solle. Die deutschen Vorstandsmitglieder verlassen die bisherige Zentrale in Möhringen und ziehen in das Motoren-Stammwerk Stuttgart-Untertürkheim um. Dies bedeute, dass die Konzernzentralen von DaimlerChrysler zukünftig in Untertürkheim und in Auburn Hills bei Detroit (USA) ansässig sein würden, hieß es. Am Standort Möhringen sollen verschiedene Funktionen erhalten bleiben. Der Konzernvorstand werde mit neun Personen zwar gegenüber dem Vorjahr nominell um drei Personen verkleinert, bleibt aber gegenüber der jetzigen Zusammensetzung unverändert. Aber es werden einige Zuständigkeiten neu verteilt. Zetsche selbst bleibt in Doppelfunktion Konzernchef und Leiter der Mercedes Car Group. Finanzchef Bodo Uebber behält die Verantwortung für Finanzen und Controlling sowie DaimlerChrysler Financial Services in Berlin. Strategie-Vorstand Rüdiger Grube verantwortet neben dem Ressort Konzernentwicklung nun auch die Informationstechnologie (IT) und ist im Vorstand für die Beteiligung EADS (European Aeronautic Defence and Space Company) zuständig. Die konzernweite Forschung und Technologie sowie die Entwicklung der Mercedes Car Group werden noch stärker beim Entwicklungschef Thomas Weber zusammengeführt. Damit sollen künftige Technologien schneller eingeführt werden. Am stärksten von der Neustrukturierung ist Sparte Nutzfahrzeuge betroffen. Der von Vorstandsmitglied Andreas Renschler geleitete Geschäftsbereich wird unter dem Namen Truck Group auf das Kerngeschäft Lkw konzentriert. Die Ergebnisse des Bus- und Transportergeschäfts werden künftig in einem anderen Segment ausgewiesen. Zur Truck Group gehören in Zukunft die Bereiche Trucks Europe/Latin America (Mercedes-Benz), Trucks NAFTA (Freightliner, Sterling, Thomas Built Buses), Mitsubishi Fuso Truck and Bus Corporation sowie Truck Product Creation. Der Transporterbereich wird künftig an Zetsche berichten. Erich Klemm, Gesamtbetriebsratschef und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender, sprach sich gegen eine pauschale Personenabbauzahl aus. Es sei sinnvoll, wenn Bürokratie, Doppelfunktion und Hierarchien auf den Prüfstand kämen. Eine Zentralisierung von Entscheidung lähme aber ein Unternehmen eher. Jörg Spies, Betriebsratschef der Zentrale, in der rund 5000 Mitarbeiter arbeiten, forderte, dass Möhringen ein wichtiger Standort der Zentrale bleibe.
Der Automobilbauer baut in den nächsten drei Jahren 6000 Arbeitsplätze ab. Auch der Vorstand wird verkleinert. Zetsche wird seine Doppelfunktion als Chef von DaimlerChrysler und Mercedes behalten.
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DaimlerChrysler - Jede fünfte Stelle in der Verwaltung fällt weg
00/05/2010
Nach einem Streit mit Weißrussland hat Russland Öl-Lieferungen durch das Nachbarland gestoppt. Als Folge versiegte der Nachschub in deutschen Raffinerien. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) zeigte sich besorgt über die Entwicklung: Die russische Pipeline-Gesellschaft Transneft schloss am Montag wegen eines Streits mit Weißrussland eine wichtige Öl-Leitung durch das Nachbarland und beschnitt damit auch die Versorgung Deutschlands. Detailansicht öffnen Die Raffinerie im brandenburgischen Schwedt verarbeitet Rohöl aus Russland, das über die Pipeline "Druschba" (Freundschaft) angeliefert wird. (Foto: Foto: dpa) Transneft begründete dies am Montag damit, dass Weißrussland sich illegal mit Öl aus der Pipeline ,,Druschba'' (Freundschaft) versorge. ,,Weißrussland hat am 6. Januar einseitig und ohne Vorankündigung mit der unerlaubten Entnahme von Öl aus der Druschba-Pipeline begonnen, die ausschließlich für den Transport zu den Verbrauchern in Westeuropa bestimmt ist'', sagte am Montag der Chef der Transneft, Semjon Wainstok. Minsk wehrt sich gegen Vorwürfe Minsk wies die Vorwürfe zurück. ,,Die Republik Weißrussland hat die Öl-Durchleitung über sein Territorium in dritte Länder nicht unterbrochen'', versicherte der Sprecher des Außenministeriums in Minsk, Andrej Popow. Es sei ,,nicht die Schuld Weißrusslands'', dass der Druck in der ,,Druschba''-Pipeline reduziert worden sei. Am Montag wurde die Versorgung Deutschlands mit Öl aus der Leitung unterbrochen. Betroffen waren zwei Raffinerien. Eine steht in Schwedt an der polnischen Grenze, die andere in Leuna. Genügend Reserven Sprecher der Betreiberfirmen bestätigten den Ausfall. Es gebe aber genügend Ölreserven, um die Anlagen weiterzubetreiben. Vertreter der Industrie reagierten überrascht vom russischen Vorgehen. Wirtschaftsminister Glos sagte: ,,Ich fordere die russischen und weißrussischen Stellen auf, ihren Liefer- und Transitverpflichtungen nachzukommen.'' Die Auswirkungen des Lieferstopps seien momentan jedoch nicht dramatisch. Die deutschen Erdölvorräte reichten für 90 Tage. Allerdings ist Russland der größte Öllieferant Deutschlands. Die 1963 fertiggestellte Leitung lieferte im vergangenen Jahr etwa 23 Millionen Tonnen Rohöl. Das sind 20 Prozent des deutschen Bedarfs.
Nach einem Streit mit Weißrussland hat Russland Öl-Lieferungen durch das Nachbarland gestoppt. Als Folge versiegte der Nachschub in deutschen Raffinerien.
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Streit zwischen Moskau und Minsk eskaliert - Bangen in Deutschland um Öl-Versorgung
00/05/2010
Es könnte nur von kurzer Dauer sein, aber der Ölpreis entspannte sich leicht nachdem Venezuelas Präsident Hugo Chavez im Amt bestätigt wurde. Auch Saudi-Arabien verspricht, die Preise für den begehrten Rohstoff zu drücken. Die Lage an den internationalen Ölmärkten hat sich nach dem Referendum in Venezuela am Montag leicht entspannt. Detailansicht öffnen Wurde mit 58 Prozent der Wählerstimmen im Amt bestätigt: Venezuelas Präsident Hugo Chavez. (Foto: Foto: AP) Venezuelas linksnationalistischer Staatspräsident Hugo Chávez hat das Referendum über seine Amtsenthebung für sich entschieden. "Der Ausgang des Referendums ist kurzfristig gut für den Ölmarkt", sagte Ölexperte Oliver Franz von der ING-BHF-Bank. Ölexperten hatten bei einer möglichen Amtsenthebung von Chávez Versorgungsstörungen befürchtet. Schließlich habe der Präsident wichtige Führungspositionen der staatlichen Ölgesellschaft mit Gefolgsleuten besetzt, sagte Franz. Nach dem gescheiterten Referendum versprach Chavez sogleich stabile Ölexporte. Seine Regierung garantiere "die Stabilität des Weltölmarktes", sagte er bei seiner Siegesrede. Venezuela ist der fünfgrößte Erdölexporteur der Welt und einziges lateinamerikanisches Mitglied der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC). Die tägliche Produktion wird auf 2,6 bis 2,8 Millionen Barrel (je 159 Liter) geschätzt. In London entfernte sich der Preis für ein Barrel der Nordsee-Sorte Brent zur Lieferung im September von seinem am Freitag erreichten Rekordniveau von 43,92 Dollar je Barrel. Am Montagmorgen gab die Notierung um 1,21 Prozent auf 43,35 Dollar nach. Auch der Preis am New Yorker Warenterminmarkt Nymex für Sweet-Öl zur September-Auslieferung entfernte sich von seinem am Morgen erreichten Rekordstand von 46,91 Dollar. Zuletzt kostete ein Barrel 46,48 Dollar je Barrel. Das waren 0,21 Prozent weniger als am Freitag. Die ungewisse politische Zukunft im Ölland Venezuela hatte den Ölpreis am Morgen zunächst an die Marke von 47 Dollar getrieben. Yukos kurz vor Konkurs? Einen gegenläufigen Effekt auf den Ölpreis dürfte der weitere Verlauf der Krise um den russischen Ölkozern Yukos haben. Nach Angaben seines Finanzchefs muss Yukos in den kommenden Tagen Insolvenz anmelden, sollten die Behörden in Moskau ihren Druck auf das Unternehmen nicht abschwächen. Er halte die Zahlungsunfähigkeit für "sehr wahrscheinlich", sagte Finanzchef Bruce Misamore in einem am Montag veröffentlichten Interview mit der Financial Times. Mit Erreichen der Monatsmitte mit stehe die Insolvenz unmittelbar bevor. Ab September könne damit auch der Ölexport beeinträchtigt werden. "Fördern was die Ölfelder hergeben" Währenddessen hält Saudi-Arabien an seinem Versprechen, den Ölpreis stabil zu halten, fest. Der weltweit größte Ölexporteur will nach den Worten von Kronprinz Abdullah seine Ölfördermenge so stark wie möglich erhöhen, um die hohen Ölpreise zu senken. In einer am Montag veröffentlichten Zeitungsinterview sagte Abdullah, sein Land werde so viel fördern "wie die Ölfelder hergeben". Ziel Saudi-Arabiens sei es, dass sich der derzeit von Rekordhoch zu Rekordhoch kletternde Ölpreis bei einem Preis zwischen 25 und 30 Dollar pro Barrel (knapp 159 Liter) einpendele. In dem Interview mit der Kuwaitischen Zeitung Al-Sejassa und und ihrer arabischen Ausgabe der Arab Times sagte Abdullah, das Königreich werde das äußerste tun, um die Preise zu senken und Öl auf "Rekordniveau" fördern.
Es könnte nur von kurzer Dauer sein, aber der Ölpreis entspannte sich leicht nachdem Venezuelas Präsident Hugo Chavez im Amt bestätigt wurde. Auch Saudi-Arabien verspricht, die Preise für den begehrten Rohstoff zu drücken.
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Rohstoff - Chavez will Stabilität des Weltölmarktes garantieren
00/05/2010
Die Klagen von Tausenden Kleinanlegern gegen die Deutsche Telekom wegen angeblicher Täuschung erweisen sich offenbar als Schlag ins Wasser. Die Bonner Staatsanwaltschaft stellte nach eigenen Angaben zwei von drei gegen die Telekom laufenden Ermittlungsverfahren ein. Die Ermittler hätten in ihren teilweise mehrjährigen Nachforschungen keine Anhaltspunkte für falsche Angaben in Börsenprospekten oder Bilanzen gefunden, hieß es. Die Behörde teilte zudem mit, der Verdacht auf eine falsche Bilanzierung des technischen Anlagevermögens in der Eröffnungsbilanz des Unternehmens aus dem Jahr 1995 und den folgenden Jahresabschlüssen habe sich nicht erhärtet. Zudem seien die Ermittlungen wegen angeblich unzutreffender Darstellung der allgemeinen Lage des Unternehmens sowie der Risiken durch die Übernahme des britischen Mobilfunkunternehmens One2One eingestellt worden. Ausreichend erläutert Die Vorwürfe seien nicht aufrecht zu erhalten, da die Telekom in ihrem Börsenprospekt des Jahres 2000 die Geschäftslage ausreichend erläutert habe, meinte die Staatsanwaltschaft. Noch nicht abgeschlossen seien allerdings die Ermittlungen wegen des Vorwurfs der Überbewertung des konzerneigenen Immobilienvermögens, betonte die Behörde. Mit einem Abschluss dieser Ermittlungen sei nicht vor Jahresende zu rechnen. Mit dieser Stellungnahme erhalten mehrere tausend Kleinanleger einen ersten Dämpfer. Nach einem dramatischen Kurssturz der Telekom-Aktie hatten sie die Ermittlungen angestrengt, da sie auf den Ersatz ihres verlorenen Vermögens hofften. Ziel der gegen die Telekom laufenden Prospekthaftungsklagen ist die Rückzahlung des Kaufpreises von 63,50 Euro für die im Jahr 2000 aus dem Besitz des Bundes an die Börse gebrachten Telekom-Aktien. Bewertungsmethode geändert Auslöser für die Klagen war, dass die Telekom erstmals im Frühjahr 2001 einen Abwertungsbedarf bei ihrem Immobilienbestand einräumen hatte müssen. Insgesamt korrigierte die Telekom in zwei Schritten ihre Bewertung für Grundstücke um insgesamt etwa 2,5 Milliarden Euro nach unten, nachdem der Konzern zuvor seine Bewertungsmethode geändert hatte.
Die Klagen von Tausenden Kleinanlegern gegen die Deutsche Telekom wegen angeblicher Täuschung erweisen sich offenbar als Schlag ins Wasser.
wirtschaft
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Deutsche Telekom - Aktionäre klagen vergeblich
00/05/2010
(SZ vom 07.07.2003) — Der Raum ist dämmerig, fette bunte Buchstaben leuchten auf der Projektionsleinwand. "Stellen Sie sich vor, Deutschland sei eine Marke", rufen die beiden Experten der Londoner Trendagentur "The Future Laboratory" im Goethe-Institut der britischen Hauptstadt, "welche Adjektive würden Sie mit der Marke Deutschland verknüpfen?" Und lassen gleich darauf das Urteil internationaler Trendsetter auf der Leinwand aufleuchten: "Zuverlässig", steht da, und weiter: "Effizient, technologisch, dauerhaft, wissenschaftlich, genau, umweltfreundlich, modern, sauber, fair." Umfassender und moderner Dann die nächste Frage: Welche Eigenschaften hätte Deutschland, wäre das Land ein Star? "Wahrhaftig", leuchtet diesmal in grellem Orange auf, "ehrlich, zufrieden, gewöhnlich, verbindlich, wohlhabend, langweilig, blond, dick." Sehen so die Stars aus, die durch die Gazetten geistern? Taugt Deutschland als Marke? Deutschland soll verkauft werden. Aber so recht kann sich niemand für unser Land begeistern. Was tun? Antworten auf diese Frage sucht die "Creative Capital Foundation" in London. Deutsche, in England lebende Künstler, Unternehmer, Journalisten und Diplomaten haben sich unter der Schirmherrschaft von Botschafter Thomas Matussek zusammengetan, um "in Großbritannien ein umfassenderes und zeitgenössisches Bild von Deutschland" zu vermitteln. Der erste Schritt zum Ziel war Ende vergangener Woche die flott betitelte "Britisch-deutsche Medien-Sause", ein Treffen von Journalisten und Werbefachleuten, das Aufschluss darüber geben sollte, ob sich Deutschland als Marke propagieren lässt. Das Thema hat Konjunktur. "Marke Deutschland. Kongress der Generationen" hieß nur wenige Tage vor der Londoner eine Berliner Veranstaltung, in der es etwas konkreter als in der englischen Hauptstadt nicht nur um das allgemeine Image Deutschlands, sondern vor allem um den Wirtschaftsstandort ging. Beispiel Neuseeland Als Gastredner trat Hilmar Kopper auf, der in den vergangenen fünf Jahren als Beauftragter für Auslandsinvestitionen agierte. Die Frage sei, so Kopper in Berlin, "was wir tun müssen, um aus Deutschland eine Marke zu machen und wie diese Marke zukünftig beworben werden kann." Dabei hat der frühere Deutsche-Bank-Chef auch ohne Marken-Marketing Erfolge zu melden: Zwischen 1998 und 2002 stieg die Summe der Direktinvestitionen von 18 Milliarden Euro auf 42 Milliarden Euro. Es gibt Beispiele, die zeigen, dass erst ein neues Marken-Marketing die Wirtschaft eines Landes wieder florieren ließ. Neuseeland etwa engagierte vor zwölf Jahren die Londoner Markenagentur Corporate Edge, um einerseits die darniederliegenden Exporte von Äpfeln, Birnen und Lammfleisch in die EU anzukurbeln, von denen der Wohlstand des Landes wesentlich abhängt, und andererseits als Urlaubsziel das Image der langweiligen Insel hinter Australien abzustreifen. "Wesentlich für den Erfolg eines Marken-Marketings ist eine klare Strategie, die sich auf ein eindeutig definiertes Ziel richtet", sagt Corporate Edge-Chefin Creenagh Lodge. In ihrer Neuseeland-Kampagne stellte sie die Qualität der Landesprodukte heraus, ein eigenes Gütesiegel wurde entwickelt. Seitdem stiegen die Exporte deutlich. Das Image des Qualitätsstandorts lockte auch Investoren und Touristen. In der modischen Begeisterung für Deutschland als Marke jedoch mischt sich zu vieles, was mit einer Marketingstrategie nichts zu tun hat. In London will man endlich das Klischee vom humorlosen Nazi-Deutschen abschütteln. Ein "Markenmanifest" der Initiative "DEbatte" setzte mit Aussagen wie "Die neue Marke Deutschland strahlt Lebensfreude und Energie aus" die Ruck-Debatte fort, die der frühere Bundespräsident Roman Herzog angestoßen hatte. Zur Warnung sollte der Versuch Englands dienen, sich als "Cool Britannia" neu zu erfinden. Das frische Image, das mit Britart und Britpop die konservative Idylle vom Cricket vor der Dorfkirche und warmem Bier an Frühlingsabenden austreiben sollte, wurde nach wenigen Jahren seinerseits beerdigt. In England ist "Cool Britannia" heute nur noch ein Spottwort.
Wie Fachleute in Großbritannien versuchen, Deutschland ein neues Marken-Image zu verpassen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/neues-image-braucht-das-land-blond-und-dick-1.914955
Neues Image braucht das Land - Blond und dick
00/05/2010
Zeit der schrillen Töne: In Frankreich stehen Wahlen bevor, daher ist die starke Gemeinschaftswährung plötzlich ein Politikum geworden. Die Staaten müssten ihren Einfluss auf die Wechselkurse zurückgewinnen, verlangte Premierminister Dominique de Villepin. Konkret sollen die Finanzminister der Euro-Staaten ein Gegengewicht zur EZB bilden. Hintergrund ist, dass das Sinken des Dollar-Kurses in Frankreich mit Sorge betrachtet wird. Paris macht den starken Euro mitverantwortlich für die andauernde Exportschwäche der französischen Wirtschaft. Vor allem die Auto- und Luftfahrtindustrie sind davon betroffen. Im dritten Quartal stagnierte die Industrieproduktion. Am Montag gab das Statistikamt Insee bekannt, dass die Industrieproduktion im Oktober sogar leicht sank. Gleichzeitig verlangsamt sich der Abbau der Arbeitslosigkeit wenige Monate vor den Wahlen. "Nicht Trichet soll die Wirtschaft bestimmen" Die exportabhängige deutsche Wirtschaft hat am starken Euro hingegen wenig auszusetzen. "Es gibt Staaten, die sich auf die aktuelle Situation einstellen können", räumte Villepin ein. Frankreich komme damit jedoch nicht zurecht. Der Premier der rechts-bürgerlichen UMP griff mit dem Vorschlag, die Rolle der EU-Finanzminister oder Regierungschefs zu stärken, eine Forderung der Kandidatin der Sozialistischen Partei für die Präsidentschaftswahlen, Ségolène Royal, auf. "Die Europäische Zentralbank muss politischen Entscheidungen unterworfen werden", sagte Royal am vergangenen Donnerstag zur Eröffnung des Kongresses der Europäischen Sozialisten in Porto. "Es darf nicht länger an Herrn Trichet sein, über die Wirtschaft zu bestimmen. Das ist Aufgabe der demokratisch vom Volk Gewählten." EZB-Chef Jean-Claude Trichet hatte am Donnerstag die sechste Erhöhung des Leitzinses in Folge auf 3,5 Prozent bekannt gegeben. Royal schränkte ihre Forderung anschließend ein. Sie sagte, sie kritisiere nicht die Unabhängigkeit der Notenbank, sondern deren Allmacht. Auch Nicolas Sarkozy, der voraussichtliche Bewerber der UMP und parteiinterne Gegner von Villepin, will die Geldpolitik in Europa politisch beeinflusst wissen. Der UMP-Chef und Innenminister hatte als erster französischer Spitzenpolitiker Ende Juli die Unabhängigkeit der EZB angegriffen. Er schlug vor, den Euro zu einem politischen Instrument zu machen. Mitte November bedauerte er "die Abwesenheit einer Wirtschaftsregierung in der EU, wodurch der Euro zu einer Währung ohne Kompass und ohne gemeinsame Ziele" würde. Der Sarkozy nahe stehende UMP-Abgeordnete Nicolas Dupont-Aignan forderte in der vergangenen Woche den Rücktritt Trichets. Kurz zuvor hatte Frankreichs Finanz- und Wirtschaftsminister Thierry Breton die auf Inflationsbekämpfung ausgerichtete Zinspolitik der EZB im Kreis der EU-Finanzminister moniert. Er machte sich in Brüssel dafür stark, der EZB die Zuständigkeit für Eingriffe in den Devisenmarkt zu entziehen. Angeheizt wird die Debatte in Frankreich durch eine Flut von Medienberichten über "Teuro" und schwindende Kaufkraft. Ihnen zufolge haben sich Preise für Konsumgüter des täglichen Bedarfs wie Obst oder Gemüse, aber auch Mieten seit der Euro-Einführung zum Teil verdoppelt. "Die Preise müssen gesenkt werden" Nach Angaben des Statistikamts Insee soll die Kaufkraft zwar 2006 um 2,3 und 2007 um 2,8 Prozent steigen, Frankreichs Spitzenpolitiker bezweifeln diese Zahlen jedoch. "Ich bin überzeugt, dass die herkömmlichen Indizes zur Berechnung der Inflation nicht die reale Preissteigerung im Alltag widerspiegeln und dass der Übergang zum Euro zu einem ziemlich massiven Preisanstieg geführt hat", sagte der ehemalige Finanzminister in der vergangenen Woche. Sarkozy und Royal fordern übereinstimmend, den Preisindex zu reformieren. "Die Preise müssen gesenkt werden. Das drängendste Wirtschaftsproblem Frankreichs ist die mangelnde Kaufkraft. Deswegen muss jeder, der will, die Möglichkeit haben, mehr zu verdienen", sagte Sarkozy. Auch Royal plädierte für steigende Löhne und Gehälter: "Die entscheidende Frage, auf die wir antworten müssen, ist die der Kaufkraft, und zwar mit einem starken Signal bei den Mindestlöhnen. Die Gehälter müssen rauf." Dabei sind die Gehälter in den vergangenen Jahren in Frankreich im Vergleich zu Deutschland überdurchschnittlich gestiegen. Die Arbeitskosten in Frankreich blieben zwar im Industrie- und Dienstleistungssektor unter denen in Deutschland, sie erhöhten sich jedoch seit 1996 vergleichsweise stark um 37 Prozent. Gleichzeitig büßte Frankreich international an Wettbewerbsfähigkeit ein. Politiker und Wirtschaftsforscher in Frankreich fürchten, dass sich diese Tendenz mit der Mehrwertsteuererhöhung 2007 in Deutschland verstärkt. Denn diese verteuert die Importe aus Frankreich, Deutschlands wichtigstem Handelspartner. Die Exporte aus Deutschland bleiben von der erhöhten Abgabe zwar unberührt. Die Steuereinnahmen werden aber dazu genutzt, die Arbeitskosten in Deutschland zu senken, was die Wettbewerbsfähigkeit Frankreichs weiter beeinträchtigen würde.
Zeit der schrillen Töne: In Frankreich stehen Wahlen bevor, daher ist die starke Gemeinschaftswährung plötzlich ein Politikum geworden.
wirtschaft
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Unmut über den starken Euro - Frankreich greift die Zentralbank an
00/05/2010
Die überraschende Insolvenz des Ferienfliegers Aero Lloyd hat Tausende von Fluggästen in Mitleidenschaft gezogen. Sie sitzen auf deutschen und ausländischen Flughäfen fest und warten auf die angekündigten Ersatzflüge. Die schlechte Nachricht vom vorläufigen Aus der Ferienfluggesellschaft Aero Lloyd traf die Mitarbeiter auf dem Weg zur Arbeit und überraschte viele Touristen am Flugschalter. Detailansicht öffnen Es kann losgehen, doch der Aero-Lloyd-Flieger wird wohl nicht mehr abheben. (Foto: Foto: dpa) "Hätten die nicht einen Tag später Pleite machen können", fragt entnervt ein junges Paar auf dem Hamburger Flughafen. Die beiden sitzen mit etwa 80 weiteren Reisenden müde auf ihren Koffern und Taschen. Alle haben ein Ticket für den Aero-Lloyd-Flug 4258 nach Hurghada in Ägypten in der Tasche. Doch nach der Insolvenz hat die Chartergesellschaft ihren Flugbetrieb am Morgen eingestellt. Uwe Jähnel ist sichtlich verärgert. Er steht vor dem verlassenen Aero Lloyd-Schalter am Düsseldorfer Flughafen. "Ich weiß überhaupt nicht, wie es weiter geht", sagt der 41-Jährige. Aus Koblenz ist er in aller Frühe angereist und hat erst am Flughafen erfahren, dass die Fluggesellschaft pleite ist und sein Flieger nicht startet. Heute nicht, morgen nicht, gar nicht mehr. So wie Jähnel ergeht es rund 700 Touristen am Donnerstag in Düsseldorf, die mit Aero Lloyd nach Ägypten, Korsika oder in die Türkei fliegen wollten. Auf dem Weg zum Flughafen Viele haben auf dem Weg zum Flughafen aus dem Radio erfahren, dass ihre Flüge gestrichen sind. "Ich war erstmal total geschockt", sagt Claudia Kowallik aus Bottrop, die mit ihrem Gatten und den zwei Kindern einen Flug nach Ägypten gebucht hat. Ihr Mann gibt sich gelassen. "Es kann jeden mal treffen", sagt er, "außerdem habe ich ja Urlaub." Die Kowalliks haben Glück im Unglück. Touristen, die wie sie ihren Urlaub bei großen Reiseveranstaltern wie TUI, Neckermann und Tjaereborg gebucht haben, werden mit LTU-Fliegern zu ihrem Urlaubsort gebracht. "Es nervt nur ein wenig, dass wir jetzt so lange warten müssen", sagt Jürgen Kamps aus Rhede, der auch mit Familie unterwegs ist. "Aber besser warten als gar nicht fliegen." Sein Ersatzflieger hebt allerdings in Dortmund ab. "Zum Glück haben wir Essensgutscheine bekommen." Endlich in Urlaub Andere Passagiere müssen einen Umweg bis Brüssel in Kauf nehmen, um endlich in Urlaub starten zu können. Vollkommen entnervt ist eine Reisegruppe aus Wermelskirchen. "Ich möchte denen am liebsten an den Hals gehen", ruft eine Frau, die bei einem kleinen Reiseveranstalter gebucht hat. Die Reisenden der großen Veranstalter würden bei der Verteilung auf andere Flugzeuge bevorzugt. "Wenn dann noch Platz ist, kommen wir dran. Man hat uns schon gesagt, wir sollten lieber wieder nach Hause fahren."" Bei Andrea Pieper aus Unna hat es geklappt. Sie fliegt nun mit Air Berlin nach Ägypten. Allerdings muss die 39-Jährige 560 Euro für den neuen Flug berappen. Am Morgen habe es aber noch schlechter ausgesehen, sie sei "stinksauer" gewesen: "An der Hotline haben die mir nur gesagt, wir können nichts tun." Aero Lloyd sei ja wohl nicht erst seit gestern in Schwierigkeiten, argwöhnt sie: "Das hätte man doch vielleicht eher absehen können, als heute früh um Sechs." "Mächtig sauer" Zwei Stunden später wartet Uwe Jähnel immer noch vor dem verlassenen Schalter von Aero Lloyd. "Mein Reisebüro versucht jetzt, den Flug für mich zu regeln", sagt er. "Wenn nicht, werde ich mächtig sauer." Eine Personalvertreterin der Aero Lloyd wurde mitten in der Nacht von aufgeregten Besatzungsmitgliedern angerufen. "Die waren auf dem Weg zum Flughafen, als sie von der Crew-Einsatzplanung zurückgepfiffen wurden", erzählt sie zwischen zwei Telefonaten in ihrem Oberurseler Büro in der Nähe von Frankfurt. Im Minutentakt rufen bei ihr Mitarbeiter an und wollen wissen, was denn nun los sei. Weit entfernt vom Alltagsjob Die Antwort ist immer die gleiche: "Wir wissen noch gar nichts." Die erste Anweisung der Geschäftsleitung ist: Die Beschäftigten von Kabine und Cockpit sollten zu Hause bleiben und das Bodenpersonal "ganz normal" weiterarbeiten. Vom Alltagsjob sind die insgesamt 1400 Beschäftigten von Aero Lloyd allerdings weit entfernt. In kleinen Gruppen sitzen sie in ihren Büros und reden über die Zukunft ihres Arbeitgebers. "Na, das haben unsere oberen Herren ja super gemacht", sagt ein Mann. Ein Kollege meint: "Ich arbeite seit 15 Jahren bei Aero Lloyd. Mit so etwas hätte ich nie gerechnet." Ein junger Urlauber aus Bielefeld erfuhr die schlechte Nachricht hingegen beim Bustransfer zum Hamburger Flughafen. "Ich zeigte dem Busfahrer mein Flugticket und er sagte, Aero Lloyd sei seit zwei Stunden pleite." Seit 30 Stunden auf den Beinen und noch eine Erkältung in den Knochen, hatte er sich auf den zweiwöchigen Urlaub in Ägypten gefreut. Er wollte zum Tauchen ans Rote Meer - doch daraus wird vorerst nichts. "Uns wurde gesagt, dass wir einfach warten sollen. Extra-Urlaubstag Angeblich sollen wir mit einer anderen Gesellschaft fliegen können." Nicht die Fluggesellschaft, sondern die Reiseveranstalter müssen für Ersatz sorgen. In den meisten Fällen geht dies gut, jedoch müssen 250 Ägypten-Touristen einen Extra-Urlaubstag nehmen. Sie saßen in Luxor am Flughafen fest und wurden mit Bussen in Hotels gebracht. In der Nacht soll eine Sondermaschine sie nach Deutschland bringen. Ein Seniorenpaar aus Hamburg bleibt gelassen: "Wir müssen nicht mehr arbeiten, uns geht hier kein Urlaubstag verloren." Auch das Pärchen aus Schleswig-Holstein zeigt noch keinen Frust, trotz Zeitdrucks. Sie haben eine Kreuzfahrt auf dem Nil gebucht. "Morgen soll es losgehen. Ich bin sicher, dass wir das noch schaffen." Draußen auf dem Hamburger Flugfeld herrscht derweil reger Betrieb. Im Minutentakt starten und landen die Linien- und Ferienflieger, rollen Kofferwagen und Tankfahrzeuge zu den Maschinen. Nur einen Airbus, abgestellt am Rande des Flugfeldes, lässt das Bodenpersonal links liegen: Aero-Lloyd-Flug 4258 nach Hurghada bleibt am Boden.
Die überraschende Insolvenz des Ferienfliegers Aero Lloyd hat Tausende von Fluggästen in Mitleidenschaft gezogen. Sie sitzen auf deutschen und ausländischen Flughäfen fest und warten auf die angekündigten Ersatzflüge.
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Aero-Lloyd-Pleite - Wir müssen am Boden bleiben
00/05/2010
Das Jahr 2005 mit seinen verheerenden Hurrikanen in Amerika, den Überschwemmungen in den Alpen und Indien sowie dem Erdbeben in Pakistan geht als das teuerste Naturkatastrophenjahr aller Zeiten in die Versicherungsgeschichte ein. Die versicherten Schäden verdoppelten sich auf den Rekordwert von gut 75 Milliarden US-Dollar, das sind rund 63 Milliarden Euro, wie die Münchener Rück am Donnerstag berichtete. Detailansicht öffnen Hurrikanschäden in New Orleans. (Foto: Foto: AFP) Der weltgrößte Rückversicherer wurde zwar unerwartet stark belastet, rechnet aber weiter mit einem Rekordgewinn. Die Dividende soll um mehr als die Hälfte steigen. Rund 650 Naturkatastrophen ereigneten sich 2005 weltweit und kosteten mehr als 100.000 Menschen das Leben. Die volkswirtschaftlichen Schäden schnellten auf die Rekordhöhe von mehr als 200 Milliarden Dollar (rund 167 Milliarden Euro). Allein Hurrikan Katrina kostet 125 Milliarden Dollar Allein der Hurrikan Katrina, der im August New Orleans im Süden der USA verwüstete, sorgte schätzungsweise für volkswirtschaftliche Schäden von 125 Milliarden Dollar (rund 105 Milliarden Euro). Davon waren etwa 45 Milliarden Dollar (38 Milliarden Euro) versichert. Die nachfolgenden Stürme Rita und Wilma trieben laut Münchener Rück die Schäden zusätzlich in die Höhe, weil Materialkosten und Löhne in Bau und Handwerk explodierten. Mit insgesamt 26 Hurrikanen entwickelten sich im Atlantik so viele und auch so starke tropische Stürme wie nie zuvor seit Beginn der Aufzeichnungen 1851. Hurrikan Wilma war der stärkste bisher gemessene Wirbelsturm. Außer den Hurrikanen verursachten auch die Winterstürme Erwin und Gudrun, die im Januar über weite Teile Europas hinwegfegten, sowie die Überschwemmungen in Indien hohe Schäden. Größter versicherter Schaden der Geschichte Die Überschwemmungen in den Alpen im August richteten in der Schweiz den bislang größten versicherten Schaden der Geschichte an.
Das Jahr 2005 mit seinen verheerenden Hurrikanen in Amerika, den Überschwemmungen in den Alpen und Indien sowie dem Erdbeben in Pakistan geht als das teuerste Naturkatastrophenjahr aller Zeiten in die Versicherungsgeschichte ein.
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Rekordschäden - 2005 war teuerstes Naturkatastrophenjahr aller Zeiten
00/05/2010
Ähnlich wie bei der VW-Affäre gerät auch bei Infineon der Aufsichtsrat in die Schusslinie. "Man hat den Eindruck, dass die interne Kontrolle nicht funktioniert", kritisierte Wolfgang Müller von der IG Metall. "Der Aufsichtsratsvorsitzende Max Dietrich Kley hat das ganze unter den Teppich gekehrt", meint ein Kenner des Unternehmens. Detailansicht öffnen Max Dietrich Kley steht als Vorsitzender des Aufsichtsrats in der Kritik. (Foto: Foto: AP) Infineon-Experte Wolfgang Müller von der IG Metall kritisiert: "Man hat den Eindruck, dass die interne Kontrolle nicht funktioniert." Die Hinweise seien offenbar früh genug da gewesen, es sei schleierhaft, warum der Konzern nicht reagiert habe. Infineon selbst räumte ein, dass die Schmiergeld-Vorwürfe gegen den zurückgetretenen Vorstand Andreas von Zitzewitz bereits seit mehr als einem Jahr bekannt sind. Interne Untersuchungen hätten aber keine Belege erbracht. Durchsuchung brachte Stein ins Rollen Konsequenzen wurden daher erst nach einer umfangreichen Durchsuchungsaktion der Staatsanwaltschaft gezogen. Die Affäre schwelt schon seit Monaten, mit von Zitzewitzs Rücktritt erreichte sie einen ersten Höhepunkt. Die Staatsanwaltschaft hatte erklärt, der Verdacht dass der Vorstand 259.000 Euro Schmiergeld für der Vermittlung von Sponsoring-Verträgen bekam, habe sich erhärtet. Angesichts der hohen Vorstandsgehälter sei die Summe vergleichsweise klein, sagt Müller von der IG Metall. Wenn sich die Vorwürfe tatsächlich bewahrheiten sollten, gelte daher: "Wie man so gierig sein kann, das Taschengeld dann auch noch mitzunehmen, das ist schon obszön." Aufsichtsrat hält sich bedeckt Aufsichtsratschef Kley hält sich bisher bedeckt. In einer Pressemitteilung erklärte er zwar, der Aufsichtsrat nehme den Rücktritt an. Weiter nahm er aber keine Stellung. "Wir werden uns zu einem schwebenden Verfahren nicht äußern." Die Wurzeln der Korruptionsaffäre reichen weit zurück und berühren fast alle Themen, die Infineon zu einem der schillerndsten Unternehmen im DAX gemacht haben: Den Rausschmiss des früheren Vorstandschefs Ulrich Schumacher im vergangenen Jahr, die Intrigen, die dazu geführt haben sollen und das Motorsport-Engagement des Konzerns, das vor allem als Hobby Schumachers angesehen wurde. Ins Rollen gebracht hat die Affäre Udo Schneider gebracht, Betreiber der Schweizer Sponsoring-Agentur BF Consulting. Schneider berichtete Anfang des Jahres bei einer Verhandlung vor dem Münchner Landgericht von Zahlungen an von Zitzewitz. Abhängigkeiten im Vorstand In Branchenkreisen wird verbreitet, dass sich Schneider schon im April 2004 an Schumacher gewandt habe, weil ihm die Sache zu heiß geworden sei. Schumacher habe dann sofort Kley kontaktiert und ihm die Angelegenheit übergeben. Dieser habe aber nicht wirklich etwas unternommen. Als Schumacher abgesägt wurde, habe Kley vielmehr die Unterstützung von Zitzewitzs gebraucht. Kley führte das Unternehmen nach dem Rausschmiss Schumachers fünf Monate lang kommissarisch selbst. Die Staatsanwaltschaft wollte im Rahmen ihrer Ermittlungen als Zeugen auch Schumacher befragen. "Er konnte aber nicht vernommen werden, da er sich in Urlaub befand", erklärte der Leitende Oberstaatsanwalt Christian Schmidt-Sommerfeld. Aus dem Umfeld Schumachers heißt es, dieser sei eher verärgert, dass sein Name nun im Zusammenhang mit der Affäre auftauche. Das Kapitel Infineon sei für ihn abgeschlossen.
Ähnlich wie bei der VW-Affäre gerät auch bei Infineon der Aufsichtsrat in die Schusslinie. "Man hat den Eindruck, dass die interne Kontrolle nicht funktioniert", kritisierte Wolfgang Müller von der IG Metall.
wirtschaft
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"Infineon - ""Skandal unter den Teppich gekehrt"""
00/05/2010
Überraschung im Disney-Land: Die weitgehend unbekannte Schweizer Firma Center-Tainment will das finanziell angeschlagene Euro Disney übernehmen. Bunt, laut, lustig - so kennt man Eurodisney in Paris. Für die Manager ist die Situation weniger lustig: immer wieder stand der Vergnügungspark am Rande des Konkurses. Detailansicht öffnen Die Mickey Mouse in Euro Disney könnte schon bald das Gehalt aus der Schweiz beziehen. (Foto: Foto: AFP) Völlig überraschend kündigte nun das nahezu unbekannte schweizer Unternehmen Center-Tainment an, den Vergnügungspark übernehmen zu wollen. Das Unternehmen werde "in den kommenden Tagen" ein Übernahmeangebot für Europas einziges Disneyland vor den Toren von Paris vorlegen, sagte Center-Tainment-Verwaltungsratschef Ulf Werner am Donnerstag in der französischen Hauptstadt. Ziel seien 50,01 Prozent der Anteile. Schwierige Übernahme Die französische Finanzmarktaufsicht werde nun über das Vorhaben unterrichtet. Analysten verwiesen darauf, dass Aktionärsstruktur und Statuten eine feindliche Übernahme des Verluste schreibenden Parkbetreibers schwierig erscheinen lassen. Center-Tainment mit Sitz im schweizerischen Zug war Ende September in Frankfurt am Main an die Börse gegangen und ist dort im Freiverkehr notiert. Als Ziel beschreibt das Unternehmen, "die neuen Standards und Trends als Marktführer in der Planung und Realisierung von Family-Entertainment-Centern umzusetzen". Austausch des Managements vorgesehen Center-Tainment bietet den Euro-Disney-Aktionären bei der Übernahme eigene Aktien an. Bei einem Erfolg des Vorhabens solle die bisherige Euro-Disney-Führung durch eine eigene Management-Mannschaft ersetzt werden. Dies dürfte aber aufgrund des Statuten von Euro Disney als so genannter Kommandit-Gesellschaft auf Aktien nicht leicht sein. Diese ermöglichen eine Trennung von Eignern und Management und dienen gerade zur Abschreckung feindlicher Übernehmer. Haupteigner von Euro Disney ist mit 39,8 Prozent die US-Gruppe Disney. Weitere zehn Prozent werden durch den saudischen Prinzen El Walid gehalten. Erneut verlustreiches Geschäftsjahr Euro Disney schrieb im Geschäftsjahr 2005/2006 Verluste von 73,1 Millionen Euro, obwohl die Zahl der Besucher um 4,1 Prozent auf 12,8 Millionen stieg. Die Konzern-Aktie hatte wegen der Übernahmegerüchte am Mittwoch von sechs auf neun Cent zugelegt und notierte am Donnerstagmittag dann unverändert. Die Center-Tainment-Aktie stürzte um mehr als 60 Prozent auf acht Euro.
Überraschung im Disney-Land: Die weitgehend unbekannte Schweizer Firma Center-Tainment will das finanziell angeschlagene Euro Disney übernehmen.
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Euro Disney - Schweizer Käse für Mickey Mouse
00/05/2010
Manfred Schell ist einer jener selten gewordenen Gewerkschafter, die das Ethos des Arbeiters noch wie eine Monstranz vor sich hertragen. Seit mehr als 50 Jahren stehe er im Beruf, berichtet der Vorsitzende der GDL am Freitag, nicht einen Tag sei er arbeitslos gewesen, dieses Jahr habe er sich erstmals eine Kur gönnen wollen. Zweimal schon hat er sie verschieben müssen, doch als man ihm schließlich den 16. Oktober als neuen Termin vorschlug, war er zuversichtlich. "Bis dahin ist der Käse dreimal gegessen", sagte er sich. Und meldete sich für den 16. Oktober an. Detailansicht öffnen Überzeugter Gewerkschafter: GDL-Boss Manfred Schell. (Foto: Foto: ddp) Der 16. ist der kommende Dienstag, doch sieht es momentan nicht danach aus, als sei der Käse bis dahin auch nur einmal gegessen. Bis Montag erwartet Manfred Schell ein "tragbares Angebot'' des Arbeitgebers, sagt er. Auf die Frage, was er darunter verstehe, verweist er auf das Ergebnis der Vermittlung von Ende August. Seine Position ist unverändert geblieben: Schell will für die Lokführer einen eigenen Tarifvertrag, und nichts anderes. Frostiger Abend Am Ende wird Schell so oder so reif für die Kur sein. Das Spitzentreffen am Donnerstagabend im Berliner Bahntower war allein schon anstrengend genug. Auf der einen Seite des Tisches hatten drei Mitglieder des Aufsichtsratspräsidiums der Bahn Platz genommen: der Vorsitzende Werner Müller, sein Vize Norbert Hansen (zugleich Chef der GDL-Konkurrenz Transnet) sowie Jörg Hennerkes, der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium. Müller hatte sowohl Bahnchef Hartmut Mehdorn als auch Schell zugestanden, zur Unterstützung jeweils noch einen Kollegen mitzubringen. Mehdorn nahm das Angebot an, Schell nicht - so dass sich auf der einen Seite des Tisches folgende Sitzordnung ergab: Bahn-Personalchefin Margret Suckale, Mehdorn, ein Stuhl frei, Schell. Es muss anfangs mehr als frostig gewesen sein - "eins unter Tundra", wie am Freitag zu hören ist. Gespräche auf der Kippe Der frühzeitig bekannt gewordene Streikaufruf war der Atmosphäre nicht besonders zuträglich, heißt es in Teilnehmerkreisen. "Das war ein Affront für den Aufsichtsratschef." Müller ließ den Gewerkschafter dann trotzdem viel reden, während Mehdorn relativ schweigsam blieb. Die ersten zwei Stunden stand das Gespräch mehrmals kurz vor dem Abbruch, doch schließlich raufte man sich zusammen. Ein Teilnehmer will sogar eine gewisse "Wärme" festgestellt haben. Kurz vor 20 Uhr war man sich zumindest insoweit einig, dass Müller seinen Job an diesem Abend für erledigt betrachtete. Da er einen Anschlusstermin hatte, brach er auf und ließ die fünf anderen noch ein paar Minuten unter sich sein. Neues Angebot am Montag Das Ergebnis besteht nun nicht nur darin, dass die Bahn am Montag der GDL ihr Angebot präsentieren will - sondern auch darin, dass die GDL mit der Tarifgemeinschaft aus Transnet und der dritten Eisenbahngewerkschaft GDBA verhandelt. Diese Verhandlungen sind deshalb wichtig, weil die Bahn bei der Tarifgemeinschaft im Wort steht: Sie darf der GDL in einem eigenständigen Tarifvertrag für die Lokführer nichts zukommen lassen, was sie der Tarifgemeinschaft für die anderen Bahn-Beschäftigten verweigert hat - andernfalls dürfen Transnet und GDBA den Tarifvertrag von Anfang Juli kündigen. Kostenloses Zugeständnis Der GDL wird für die Gespräche mit ihren beiden Konkurrenten die "Verhandlungsführerschaft" zugestanden - ein Zugeständnis, das niemanden etwas kostet, mit dem GDL-Chef Schell aber hofiert wird. Bis zum 31. Oktober will man es nun zu Ende gebracht haben. Schell versicherte am Donnerstagabend, bis dahin von Streiks abzusehen. Dass er am Freitag schon wieder etwas anderes sagt, wird im Aufsichtsrat der Bahn nicht unbedingt zum Nennwert genommen. Der GDL-Chef erklärt in Frankfurt in seiner Pressekonferenz, sollte das Angebot der Bahn "ungenügend" ausfallen, könne es schon von Mittwoch an wieder zu Streiks kommen. Schell steht schließlich unter hohem Erwartungsdruck seiner Mitglieder. Ihm wird zugestanden, dass er auch öffentlich noch einmal klarmachen muss, wie dringlich ein Angebot für einen eigenständigen Lokführer-Vertrag nun ist. Von seiner Kur hat Schell sich übrigens noch nicht ganz verabschiedet. Es sei "weiterhin geplant", dass er sie am Dienstag antritt, heißt es bei der GDL. Darauf verlassen könne man sich aber nicht.
Eisenbahner und Gewerkschafter aus Passion: Manfred Schell gibt im Tarifkampf mit Bahn-Chef Mehdorn nicht klein bei.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/bahn-streik-reif-fuer-die-kur-1.889520
Bahn-Streik - Reif für die Kur
00/05/2010
Während der Halbleiterhersteller Siltronic seinen geplanten Börsengang abgesagt hat, wird die Postbank definitiv am 21. Juni an die Börse gehen und dort nach den Worten ihres Chefs Wulf von Schimmelmann bis zu 49,99 Prozent ihres Aktienkapitals anbieten. Das Tochterunternehmen der Deutschen Post hat am Mittwoch bei seiner Bilanzpressekonferenz in Frankfurt bestätigt, dass es nun doch unmittelbar vor der Sommerpause an die Börse gehen will. Ein Datum wurde offiziell nicht genannt. Detailansicht öffnen Postbank-Chef Wulf von Schimmelmann - wenn dieser Börsengang nicht klappt, welcher soll dann funktionieren? (Foto: Foto: AP) Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung steht der Termin 21. Juni jedoch seit längerem fest. Mit Hinweisen auf eine spätere Platzierung im Herbst hätten die Vorstände von Post und Postbank monatelang bewusst abgelenkt, um sich nicht unter Zeitdruck setzen zu lassen, hieß es in informierten Kreisen. "Wir haben unsere Hausaufgaben schnell erledigt" Postbank-Chef Wulf von Schimmelmann sagte, die Postbank werde "noch vor der Sommerpause erstmals auf den Kurszetteln der deutschen Börsen stehen", falls "nichts Unvorhergesehenes" passiere. "Wir haben unsere Hausaufgaben schneller erledigt als erwartet und glauben, dass wir von der Marktentwicklung her (im Sommer) größere Chancen haben." Die Absage von Siltronic tangiere den Börsengang der Postbank in keiner Weise, hieß es weiter. Das Volumen der Anteile, die der Mutterkonzern Deutsche Post abgeben werde, wollte Schimmelmann nicht genau beziffern. Zwischen null und 49,99 Prozent sei "alles denkbar". Details zum Börsengang sollen in den kommenden Wochen mitgeteilt werden. Keine neue "Volksaktie" Deutlich abgrenzen will sich die Postbank bei ihrer geplanten Werbekampagne für die neuen Aktien vom Image "Volksaktie", das einst von der Deutschen Telekom propagiert wurde. "Wir bleiben auch hier unserer Linie treu und setzen nicht auf den schnellen Erfolg, denn der ist eher flüchtig, wie uns die letzten Tage gezeigt haben", sagte Schimmelmann. Die Postbank, die seit einigen Jahren Gewinne schreibt, gilt als Deutschlands größtes Kreditinstitut für Privatkunden. Siltronic auch seiner Branche gescheitert Mit dem Halbleiterhersteller Siltronic hat unterdessen am Mittwoch schon das zweite Unternehmen in diesem Jahr seinen Börsengang nur wenige Tage vor der geplanten Erstnotiz storniert. Während die Absage des Chipherstellers X-Fab vor einigen Tagen wegen diverser Pannen keine große Überraschung war, hat der Rückzug von Siltronic einige Marktbeobachter erstaunt. "Ich hätte nicht unbedingt damit gerechnet", sagte Eberhard Dilger, Aktienstratege bei Commerzbank Securities in London. Die großen Schwachpunkte bei beiden Emissionen waren laut Dilger mangelnde Profitabilität und Börsenreife. "Die Absagen zeigen, dass X-Fab und Siltronic nicht die idealen Türöffner für den Neuemissions-Markt waren." Beide Firmen seien zudem in einem schwierigen Bereich tätig. Dies habe vergangene Woche der Börsengang des chinesischen Chipherstellers SMIC gezeigt, der in New York und Hongkong erstmals gelistet wurde. Die Aktien seien gleich nach ihrer Erstnotiz deutlich gefallen. "Das hatte sicher auch auf Siltronic Auswirkungen", erklärte Dilger. Der große Hoffnungsträger Große Hoffnungen ruhen nun auf der Postbank, die mit ihrer Aktienausgabe die seit gut zwei Jahren andauernde Flaute bei Börsengängen beenden soll. "Profitable Unternehmen, die ihre Aktien zu vernünftigen Preisen abgeben wollen, haben nach wie vor gute Chancen", sagte dazu Unternehmensberater Konrad Bösl von S&P Business Consulting, der seit Jahren Neuemittenten berät. "Die Postbank dürfte dem deutschen Aktienmarkt und insbesondere dem Neuemissionsgeschäft einen großen Schub geben." Nach den jüngsten Absagen gilt es als wahrscheinlich, dass einige Kandidaten ihre Börsenpläne für dieses Jahr nicht mehr realisieren werden. "Es wird sicher nicht mehr so viele Börsengänge geben", sagte etwa Bösl, der nur noch von maximal sieben Neuemissionen in 2004 ausgeht. Auch Dilger reduziert seine Prognose auf höchstens zehn Neulinge.
Während der Halbleiterhersteller Siltronic seinen geplanten Börsengang abgesagt hat, wird die Postbank definitiv am 21. Juni an die Börse gehen und dort nach den Worten ihres Chefs Wulf von Schimmelmann bis zu 49,99 Prozent ihres Aktienkapitals anbieten.
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Nach Siltronic-Rückzug - Postbank — der große Hoffnungsträger
00/05/2010
Mit weit auseinander liegenden Positionen gehen Volkswagen und IG Metall in die Tarifverhandlungen. Die Stimmung bei VW ist aufgeheizt. Einen Tag vor Beginn der Tarifverhandlungen hat die IG Metall am Dienstag ihre Forderungen auf den Punkt gebracht. Die Gewerkschaft erwartet, dass Volkswagen für die 103.000 in den sechs westdeutschen Werken Beschäftigten eine konkrete und rechtsverbindliche Arbeitsplatzgarantie abgibt. Eine verbale Zusage des Vorstands reiche nicht aus, sagte ein Sprecher. Die Gewerkschaft stellt sich vielmehr vor, dass VW für jedes Werk konkrete Investitionszusagen gibt und festschreibt, welche künftigen Modelle wo gebaut werden. Außerdem fordert die IG Metall vier Prozent mehr Lohn. Garantie mit Unbekannten Während sie allerdings vor wenigen Wochen die Lohnerhöhung als ihre wesentliche Forderung dargestellt hatte, ist nun die Jobgarantie in den Vordergrund gerückt. Die VW-Führung denkt bei den Einkommen hingegen an eine Nullrunde für zwei Jahre. Personalvorstand Peter Hartz will zudem die "Arbeitskosten" bis zum Jahr 2011 um 30 Prozent oder zwei Milliarden Euro senken. 2011 ist der Zielhorizont, weil der Arbeitsmarkt in der erweiterten EU bis dahin vollständig liberalisiert sein soll. Auch Hartz hat zwar eine Arbeitsplatzgarantie angeboten, allerdings in anderer Form. Er bietet Sicherheit für sämtliche der 176.544 in Deutschland Beschäftigten VWler, ohne einen konkreten Zeitraum zu nennen. Das wiederum irritiert die Gewerkschaft, denn dem zur Verhandlung anstehenden Haustarif unterliegen nur 103.000 VW-Mitarbeiter. Für die Audi-Mitarbeiter zum Beispiel wie auch für die in Ostdeutschland Beschäftigten gelten die jeweiligen Flächentarifverträge. Nach Ansicht der IG Metall beginnen die Verhandlungen diesmal in einem deutlich schärferen Klima als in früheren Jahren. Der "mediale Schlagabtausch" im Vorfeld sei für VW-Verhältnisse ungewöhnlich heftig ausgefallen, sagte der Gewerkschaftssprecher. Kein Sanierungsfall Es sei auch verwunderlich, dass sich bereits drei Vorstände zu dem Thema geäußert hätten. Neben Hartz hatte Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch vor wenigen Tagen das Klima angeheizt, als er sagte, 30.000 Arbeitsplätze stünden zur Disposition, falls es keine Nullrunde gebe. Auch Konzernchef Bernd Pischetsrieder hat sich bereits mit eigenen Forderungen zu Wort gemeldet, was die IG Metall "eher störend als hilfreich" findet. Pischetsrieder hatte gesagt, VW lebe derzeit über seine Verhältnisse und investiere mehr, als verdient werde; der Spielraum sei nun ausgeschöpft. Der IG-Metall-Sprecher räumte ein, dass VW zwar ernst zunehmende Ertragsprobleme habe, aber kein Sanierungsfall sei. "Wir verschließen uns nicht den Forderungen", sagte er, aber die bestehenden Probleme könnten nicht sämtlichst durch Lohnverzicht gelöst werden. Vom deutschen Markt hat der VW-Konzern auch im August keinen Rückenwind bekommen. Nach den Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes wurden in dem Monat 150000 VW-Fahrzeuge neu zugelassen, das waren acht Prozent weniger als vor einem Jahr. Der Gesamtmarkt schrumpfte in dieser Zeit nur um drei Prozent. Auch im Betriebsrat wächst offenbar der Unmut über die VW-Führung. Das Verhältnis sei hochgradig gestört und von Misstrauen geprägt, heißt es in Gewerkschaftskreisen. Neben dem externen Problem der Marktschwäche habe auch das Management zur derzeitigen Ertragsschwäche beigetragen. Vor allem Marketing-Fehler - ein zu teurer Golf, ein falsches Modell für China - kreidet die Gewerkschaft der VW-Spitze an. Die Stimmung sei so gereizt, dass Warnstreiks nicht ausgeschlossen werden. Die Friedenspflicht endet Ende Oktober. Die Unternehmensverbände Niedersachsen haben die VW-Forderung nach einer Nullrunde am Dienstag begrüßt. "In einer Situation, in der die Zulassungszahlen zurückgehen, wird VW aus meiner Sicht an einer Nullrunde nicht vorbeikommen", sagte deren Hauptgeschäftsführer Volker Müller der dpa. Er könne keine besondere Härte erkennen, wenn die VW-Beschäftigten auf Einkommenserhöhungen verzichten müssten, da sie mehr verdienten als ihre Kollegen in mittelständischen Unternehmen.
Mit weit auseinander liegenden Positionen gehen Volkswagen und IG Metall in die Tarifverhandlungen. Die Stimmung bei VW ist aufgeheizt.
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IG Metall fordert VW heraus - Jobgarantie und vier Prozent mehr Lohn
00/05/2010
Das Prinzip Kokosnuss, oder: wie Mitarbeiter eines deutschen Konzerns im brasilianischen Urwald die Varianten der Globalisierung studieren. (SZ vom 09.09.2003) — Es riecht nach Diesel, und die Äquatorsonne brennt bei 32 Grad. Der kleine, vielleicht zehn Meter lange Holzdampfer tuckert durch die träge braune Brühe des Rio Tocantins. Gabriele Rosenfelder, 29, hat zwar den Studiosus-Rucksack hierher mitgenommen in den Norden Brasiliens, aber diesmal soll alles anders werden als damals beim Wandern auf Gomera. Urlaub muss schließlich nicht immer nur Urlaub sein. Die freundliche und zugleich energische Ingenieurin aus Deutschland will in den sattgrünen Wäldern an der 800 Kilometer breiten Mündung des Amazonas bei der Lösung von Problemen ein Stück weit selbst mit anpacken. Problemen, über die in dieser Woche auf der Hotel-Landzunge vor Cancún am grünen Tisch gesprochen wird. Im Mallorca der Nordamerikaner an der Ostküste Mexikos werden die Delegierten der Welthandelsorganisation (WTO) diskutieren, wie lange noch die Welt in Arm und Reich zerfällt. Reise in eine andere Welt Zementiert die fortschreitende Globalisierung der Wirtschaft die bestehenden Verhältnisse? Oder ermöglicht sie Entwicklungsländern erst eine fairere Teilnahme am Welthandel? Eine von vielen Antworten findet sich am Amazonas. Gabriele Rosenfelder blickt zurück auf die Hochhauskulisse von Belem, auf das Manhattan von Amazonien mit seinen 1,3 Millionen Bewohnern. Die meisten von ihnen leben freilich nicht in den Wolkenkratzern, sondern in Favelas, den Armutsquartieren am Fluss. Die Stadt blühte auf mit dem Kautschuk-Boom am Ende des 19. Jahrhunderts. Zwar ist - wegen Aids - neuerdings Naturkautschuk wieder mehr gefragt für medizinische Handschuhe und Kondome, aber für Reifen wird Kautschuk zunehmend synthetisch hergestellt - schlecht für die Stadt. Das einst so reiche Belem wirkt heute ziemlich heruntergekommen. Nach 20 Minuten Fahrt erreicht das kleine Schiff die Flussinsel Cumbu. Noch ein kurzes Stück durch dichten Urwald wie aus dem Reiseprospekt, und der Steuermann legt an beim Stelzenhaus des Bauern Laercio. Die kurze Fahrt von Belem über den Rio Tocantins ist eine Reise in eine andere Welt. Laercio lebt mit seiner sechsköpfigen Familie so wie die meisten Menschen in den abgelegenen Urwäldern Amazoniens. Wasser umgibt ihn mehr als reichlich, mindestens zweimal jährlich überschwemmt der Fluss sein Land, aber keimfreies Trinkwasser muss er aus der Stadt besorgen. Den Stromgenerator teilt Laercio mit Nachbarn. Hohe Paranuss- und Mangobäume überdachen seinen landwirtschaftlichen Nutzwald. Darunter stehen Kokospalmen, dann Bananenstauden, Mais, Kürbisse, Ananas und Melonen. Und drei Hühnerkäfige. Laercio ist Caboclo und zwar einer, dem es schon besser geht als den meisten dieser Halbindianer am Amazonas. Es reicht bei Laercio für die Ernährung der Familie, aber zum Verkaufen bleibt ihm nicht viel. Sein Verdienst beträgt 240 Real im Monat, gut 70 Euro, das ist weniger als ein Drittel des Durchschnittseinkommens in den Metropolen Sao Paulo oder Rio de Janeiro. Man ahnt, was es heißt, wenn gut aussehende Brasilianerinnen in Belems Freiluft-"Bar-Parque" nachts von durch Caipirinha benebelten ausländischen Männern zunächst einmal 500 Real verlangen. An Kleinbauern wie Laercio richtet sich Poema, das Forschungs- und Entwicklungsprogramm "Armut und Umwelt in Amazonien", das Gabriele Rosenfelder in den Dschungel lockte. 900 kleinbäuerliche Familien liefern heute die Schalen von Kokosnüssen an sieben genossenschaftlich organisierte Produktionsstätten. Diese bringen die Kokosfasern zu Seilen aufgezwirbelt zur Poematec-Fabrik in Ananindeua bei Belem. Hier werden sie zu Kopfstützen, Sonnenblenden oder Sitzpolstern gepresst. Abnehmer ist DaimlerChrysler, der Konzern, bei dem Gabriele Rosenfelder in Sindelfingen dafür sorgt, dass alles funktioniert, was sich Designer für die Kabinen von Lkw ausdenken: "Wir gestalten den Lebensraum des Fahrers." Zusammen mit 60 weiteren Mitarbeitern und Mitarbeiter-Kindern aus der DaimlerChrysler beteiligt sich die Maschinenbauerin an so genannten "Nature Workcamps", die in Südafrika, Russland, Spanien, USA und eben Brasilien stattfinden. Die bis vier Wochen dauernden Trips sind für den Konzern ein neuer Weg, um Mitarbeitern den Wert umweltbewussten Handelns nahezubringen. Von Gabriele Rosenfelder und den anderen Teilnehmern wird nicht nur persönlicher, sondern auch ein materieller Einsatz gefordert. Sie reisen in ihrem Urlaub. Für Flüge und Unterbringung in einfachen Unterkünften zahlen sie cirka 2000 Euro aus eigener Tasche. In Brasilien dürfen sich die jungen "Urlauber" aus Deutschland an der Produktion der Kokosfasern und ihrer Vermarktung beteiligen. Auf dem Markt in Belem hat Gabriele Rosenfelder eine Hängematte gekauft. Denn die Projektdörfer von Poema liegen teilweise tief im Urwald und da gibt es keine Hotels mehr. Gabriele Rosenfelder fährt zum Beginn ihrer Reise 30 Kilometer aus Belem hinaus nach Castanhal. Hier schlüpft sie in weiße Schutzkleidung, denn die 1991 eingeweihte Fruchtfleischfabrik ist ein moderner Lebensmittelbetrieb mit international üblichen Hygienestandards. Maschinen halbieren hier die Kokosnüsse, das Fruchtfleisch wird von Hand ausgelöst, was für Ungeübte nicht ungefährlich ist. In Zentrifugen entsteht eine klebrige Kokosmasse, wie Eisfabriken und Bäckereien sie verwenden. Die leeren Schalen sind der Rohstoff für die Fabrik 20 Kilometer weiter, die mit alten Maschinen aus Deutschland aus Kokosfasern Kopfstützen macht. Im nützlichen Dschungel Hinter dem Poema-Projekt steht Thomas Mitschein, 54. Den Bielefelder Soziologen verschlug es 1980 als Austausch-Professor an die Bundesuniversität von Para in Belem, wo er bis heute blieb. Mitschein interessierten die realen Probleme der Menschen mehr als die Theorie. "Wir werden die Regenwälder Amazoniens nicht retten, wenn es uns nicht gelingt, die Lebensbedingungen der Menschen nachhaltig zu verbessern", sagt Mitschein, der mit seinen wallenden grauen Haaren aussieht, als ob man ihm bei einer Neuverfilmung von Werner Herzogs Amazonas-Streifen "Fitzcarraldo" die Rolle des Kapitäns anbieten müsste. Die Caboclos sollten nicht länger durch Brandrodungen und Monokulturen binnen weniger Jahre ihre Lebensgrundlage zerstören und in Hoffnungslosigkeit versinken. Solarbetriebene Anlagen für die Aufbereitung von Trinkwasser entstanden, und Agrarexperten entwickelten für gerodete Flächen ein Ersatzökosystem. In den natürlichem Dschungel nachgebildeten künstlichen Nutzwäldern ließ sich die Ernte steigern, von zwölf auf 60 Kokosnüsse pro Baum, ohne dass die Fruchtbarkeit des Bodens beeinträchtigt wurde. Und dann schleusten sie die Kokosnuss in eine, wie die Ökonomen das nennen, Wertschöpfungskette ein. Was nichts anderes heißt, als dass durch Veredelung mehrere Produkte entstehen, die insgesamt einen höheren Ertrag erzielen. Die Kokosmilch, das Fleisch der Kokosnuss und die Fasern werden getrennt vermarktet und erzielen insgesamt einen deutlich höheren Ertrag, als wenn der Kleinbauer einfach wie früher seine Ernte auf dem Markt verkauft hätte. Genossenschaftliche Organisationsformen verschaffen den Erzeugern als Miteigentümern zusätzliche Einkünfte. Das Poema-Netzwerk gibt es seit 1992. Mitschein hatte zunächst die deutsche Sektion der Kinderhilfsorganisation Unicef als Partner gewonnen. Sie stellte für die ersten drei Jahre 1,5 MillionenDollar bereit. DaimlerChrysler, vom früheren Metallgewerkschafter und Grünen-MdB Willi Hoss kontaktiert, gab dann eine weitere Million Dollar und verschaffte zumindest einigen Amazonas-Indianern Zugang zur globalen Wirtschaft. Auch wenn inzwischen ungefähr 9000Menschen von Poema profitieren, nennt der Professor - frei nach einem Buch des Schriftstellers Manès Sperber - das Projekt eine "Träne im Amazonas". Und trotzdem: Wenn die Juristin Nazar Imbiriba, Ehefrau von Thomas Mitschein, nun für Poema nach Cancun gereist ist, dann wird sie für die Idee eines Entwicklungsfonds werben, der internationales Kapital nach Amazonien lenken soll. Denn mit der nachhaltigen Nutzung von Rohstoffen aus den Amazonaswäldern lasse sich durchaus Geld verdienen, sagt Mitschein. "Wenn es gerecht zugeht, können sowohl die Millionen Kleinbauern wie auch Anleger aus aller Welt an diesem Modell verdienen."
Das Prinzip Kokosnuss, oder: wie Mitarbeiter eines deutschen Konzerns im brasilianischen Urwald die Varianten der Globalisierung studieren.
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DaimlerChrysler - Eine Träne im Amazonas
00/05/2010
Die Abgabefrist für die Steuererklärung 2006 läuft Ende Mai aus. Das Ausfüllen lohnt mehr denn je: Noch nie gab es bei den Steuern so viele Vergünstigungen wie für das Jahr 2006. Einige davon zum letzten Mal. Eigentlich ist alles ganz einfach. Drei wichtige Steuergruppen gibt es für Verbraucher im deutschen Steuerrecht: Die Einkommenssteuer, die Konsumsteuer und die Vermögenssteuer. Daraus leiten sich insgesamt etwa 34 Steuerarten ab. Damit hängen einige der Ausgaben zusammen, die Steuerzahler bei der jährlichen Steuererklärung geltend machen können. Die absetzbaren Ausgaben wiederum unterteilen sich in vier Kategorien: Werbungskosten, Sonderausgaben, außergewöhnliche Belastungen und haushaltsnahe Dienstleistungen. Folgt man dieser grundsätzlichen Einteilung, müsste die berühmte Steuererklärung auf dem Bierdeckel gar nicht so weit hergeholt sein, die der ehemalige Unionsfraktionschef Friedrich Merz seinerzeit forderte. Doch die Realität sieht anders aus. Baldige Abgabefristen Es gilt, eine fast unüberschaubare Menge an Regelungen zu beachten. Zunächst die Abgabefrist: Für die meisten Berufe gilt eine allgemeine Frist bis zum 31. Mai 2007 für den Berechnungszeitraum 2006. Wer seine Steuererklärung selbst erstellt, kann den Zeitpunkt mit einem rechtzeitigen Antrag auf Fristverlängerung bis zum 30. September 2007 ohne Begründung verschieben. Wer noch länger braucht, muss das hinreichend begründen. Falls ein Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein die Steuererklärung erstellt, gilt automatisch die spätere Abgabefrist bis zum 31. Dezember 2007. Mit einem begründeten Antrag kann auch diese Frist letztmalig bis zum 29. Februar 2008 verlängert werden. Zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet sind alle Personen, deren Einkünfte über dem Grundfreibetrag liegen. Dieser liegt für das Jahr 2006 bei 7664 Euro (Alleinstehende) und bei 15.329 Euro (Ehepaare). Fast immer eine Rückzahlung Eine Übersicht der wichtigsten Vorgaben und Hilfestellung für 2006 bieten die "Zehn Tipps für den Papierkrieg". Die Zeit fürs Ausfüllen ist gut investiert. Es gibt fast immer eine Rückzahlung, teilt der Bund der Steuerzahler mit. Gerade Arbeitnehmer können außerdem von Pauschbeträgen (zum Beispiel: Arbeitnehmerpauschbetrag) und anderen Abzugsmöglichkeiten profitieren. Lesen Sie weiter: Was tun bei laufenden Gerichtsprozessen zu neuen Steuerregelungen, sowie: Professionell und preiswert - Lohnsteuerhilfevereine
Die Abgabefrist für die Steuererklärung 2006 läuft Ende Mai aus. Das Ausfüllen lohnt mehr denn je: Noch nie gab es bei den Steuern so viele Vergünstigungen wie für das Jahr 2006. Einige davon zum letzten Mal.
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"Steuererklärung 2006 - ""Fast immer ein Gewinn"""
00/05/2010
"Habe immer noch das Gefühl, ihn beschützen zu müssen" Nach einigen Patzern wird Michael Glos als schwächste Figur im Kabinett gehandelt - bei seiner Reise in Asien kommt er aber gut an, vor allem bei den Mittelständlern. Es sind drei kichernde Japanerinnen, die das Eis bei Michael Glos an diesem Tag brechen. Zufällig sind die jungen Damen auf die Party im Spiral Garden in Tokio geraten, einem schicken Ausstellungsforum, wo aus Anlass des Besuchs des deutschen Wirtschaftsministers eine Modenschau stattfindet. Als Glos gerade gehen will, stehen die drei kleinen Asiatinnen vor ihm. Sie brechen in verschämtes Kichern aus, als sie hören, was für ein wichtiger Mann die "Langnase" ist, in deren Arme sie fast gestolpert sind. Kaum wiederzuerkennen Und da fällt von dem Minister plötzlich die Anspannung des Tages ab, die stoische Mimik macht einem breiten Lächeln Platz, die verschränkten Arme öffnen sich, scherzend und schäkernd posiert er mit den Damen für die Fotografen und überreicht den immer noch ki-chernden Japanerinnen am Ende das ge-wünschte Autogramm. So gelöst war Michael Glos in letzter Zeit selten zu sehen. Der CSU-Politiker, der im neuen rot-schwarzen Kabinett die Wirtschaft vertreten soll, war in den vergangenen Wochen ohnehin kaum wiederzuerkennen. Bei seinem Start im Ministeramt galt der langjährige Chef der CSU-Landesgruppe als listiger Strippenzieher: bekannt und gefürchtet für seine krachledernen Attacken gegen Widersacher aber vor allem gerühmt für sein in Jahrzehnten entwickeltes politisches Gespür. Doch seitdem Glos vor knapp fünf Monaten nach dem plötzlichen Abgang Edmund Stoibers aus Berlin für den CSU-Chef als Ersatz eingesprungen ist, hat sich dieses Bild radikal gewandelt. Zuletzt war etwa von dem "Lehrbub" zu lesen, der irrlichternd seine neue Rolle suche, sogar über mögliche Nachfolgekandidaten für Glos wurde schon spekuliert. In den wenigen Wochen seines Wirkens ist eine lange Liste mit Verfehlungen, Versprechern und unglücklichen Vorstößen zusammengekommen; sie reicht von missverständlichen Äußerungen zur Lohnentwicklung über heikle Zahlendreher, den ungeschickten Umgang bei der Besetzung von Staatssekretärsposten und misslungene TV-Auftritte. Selbst Glos bestreitet inzwischen nicht mehr, dass sein Start im neuen Amt - gelinde gesagt - unglücklich verlaufen ist. "Der ist durch" Der neue CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer erklärte den Wandel seines Vorgängers kürzlich so: "Bei Michael Glos kann man beobachten, wie es ist, wenn man ein politisches Schwergewicht in einen bürokratischen Käfig hineinzwängt." Da krache und scheppere es nun mal, sagte Ramsauer. Nach seiner Erfahrung seien aber am Ende oft diejenigen am erfolgreichsten, "die am Anfang am allermeisten geprügelt worden sind". Diesen Glauben teilt indes nicht jeder. "Der ist durch", heißt es bei einem wichtigen deutschen Wirtschaftsverband. Von einem "verheerenden Start" und der "schwächsten Figur im Kabinett" ist dort die Rede. Beim traditionellen Politiker-Derblecken auf dem Münchner Nockherberg hatte Fastenprediger Bruno Jonas für den Minister das Verb "glosen" entdeckt, das für glimmen stehe. "Das ist der Zustand, wenn ein Feuer ganz heruntergebrannt ist", so der Kabarettist. Glos war auf dem Nockherberg nicht anzusehen, ob ihn das traf. Vertraute sagen, die Frotzeleien hätten ihm nichts ausgemacht - sie beteuern, dass ein glimmendes Feuer ja auch wieder aufflammen könne.
Nach einigen Patzern wird Michael Glos als schwächste Figur im Kabinett gehandelt - bei seiner Reise in Asien kommt er aber gut an, vor allem bei den Mittelständlern.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/der-neue-wirtschaftsminister-habe-immer-noch-das-gefuehl-ihn-beschuetzen-zu-muessen-1.903177
"Der neue Wirtschaftsminister - ""Habe immer noch das Gefühl, ihn beschützen zu müssen"""
00/05/2010
Ein Ex-Bankier und eine frühere Tagesschau-Sprecherin gründen mitten in London einen deutschen Schnellimbiss. Die Bürger der Hochpreismetropole scheinen auf das Angebot gewartet zu haben. Dass seine Frau sich abends zu Hause mal über Bratwurstdunst beschwert habe, räumt Valentin von Amsberg ein. ,,Der Dunst klebt in den Haaren. Die Kleider stinken. Das lässt sich nicht vermeiden'', sagt er. Es ist gewissermaßen der Berufsduft der Fast-Food-Branche. Trotz der Nebenwirkungen ist Amsberg davon überzeugt, dass er die richtige Karriere eingeschlagen hat. Zusammen mit seiner Geschäftspartnerin Ina Zimmermann von Siefart hat er die Bratwurstküche ,,Kurz & Lang'' im Londoner Zentrum gegründet. Dort verkaufen die beiden Gastronomen, was sich der Wurst-Kenner wünscht - von der knackigen Thüringer bis zur würzigen Krakauer. Dazu gibt es goldbraune Bratkartoffeln und saftiges Sauerkraut, Ketchup und Senf. Weder korpulent noch rosa gefärbte Gesichtshaut Das Duo vom Grill repräsentiert nicht unbedingt den Phänotypen des klassischen Imbissbuden-Besitzers: Sie sind weder korpulent noch haben sie die schweinchenrosa gefärbte Gesichtshaut, die immer ein wenig an die Grundmaterialien ihres Geschäfts erinnert. Das mag daher rühren, dass Amsberg und Zimmermann bereits andere Karrieren hinter sich haben. Sie sind neu in der Branche. Der gebürtige Berliner Amsberg hat Volkswirtschaft studiert. Er fing dann bei der Citibank in Frankfurt an, wechselte später zu American Express und kam nach London. Dort leitete er die Versicherungsabteilung des Kreditkartenunternehmens. Gier nach dem ganz großen Geld hielt sich in Grenzen Er passte damit ins Bild jener smarten, hungrigen Banker, die in der Finanzmetropole mit Millionen jonglieren. Doch die Gier nach dem ganz großen Geld und die dazugehörigen Statussymbole wie Porsche oder Ferrari hielt sich bei Amsberg in Grenzen. Viel größer war der Hunger des 36-Jährigen, aus den eingefahrenen Firmenhierarchien auszubrechen und etwas Eigenes aufzubauen. ,,Ich hatte keine Lust mehr auf Abhängigkeiten'', sagt Amsberg. Und ich hatte die große Politik in Unternehmen satt.'' Seine Geschäftspartnerin Zimmermann hatte zwar andere Motive, aber den gleichen Drang, aus den eingefahrenen Bahnen auszubrechen. Die ehemalige Tagesschau-Sprecherin kam zusammen mit ihrem Ehemann nach London. Doch so richtig aufregend fand sie ihr Leben nicht. ,,Es war mir zu wenig, nur die Familienmutter zu spielen und auf meine Kinder aufzupassen'', sagt die blonde 41-Jährige. Zeiten kulinarischer Tristesse sind vorüber Und London schien auf die Geschäftsidee der beiden Unternehmensgründer nur gewartet zu haben. Die Stadt an der Themse hat zwar jene dunklen Zeiten kulinarischer Tristesse, in denen man sich vorzugsweise von farblich undefinierbaren Baked Beans oder wabbeligen Fish & Chips ernährte, längst hinter sich gelassen. Nach den Rezepten englischer Starköche wie Jamie Oliver bereiten mittlerweile sogar die Franzosen ihre Menüs. Zwischen den ansonsten in Londons Straßen dominierenden, preiswerten China- und Indien-Restaurants entdeckten Amsberg und Zimmermann eine Marktlücke: hochqualitatives Fastfood ,,Made in Germany''. Bei der Umsetzung ihrer Idee gingen die beiden strategisch vor. Zunächst suchten sie den richtigen Standort. ,,Wir haben die Stadtteile regelrecht abgeklappert. Sogar nachts sind wir mal losgefahren, um zu gucken, wo potentiell die meisten Kunden auf der Straße sind'', erzählt Amsberg. Mitten im Szeneviertel Die Wahl fiel schließlich auf ein Ladenlokal an der St. Johns Street - mitten im aufstrebenden Szeneviertel Smithfield Market nahe der U-Bahnstation Farringdon. Mittags laufen zum schnellen Lunch Banker und Broker aus Londons Finanzviertel zu Kurz & Lang herüber. Nachts kommt die hungrige Kundschaft unter anderem aus Londons angesagtem Club ,,Fabric''. Zwischen House-Rhythmen gönnen sich viele Partygänger Bratwurst mit Senf oder trinken auf die Schnelle ein kühles deutsches Bier. Amsberg und Zimmermann haben sich mit ihrer Investition bewusst aufs Nötigste beschränkt. London ist ein teures Pflaster für Jungunternehmer. Die Gewerbemieten gehören mit zu den höchsten in Europa. Überschaubares Risiko Andererseits machen Behörden wenig Ärger mit Öffnungszeiten oder anderen bürokratischen Vorschriften - insofern war das Risiko überschaubar. Und die Wurstbrater waren von ihrem Konzept überzeugt. ,,Wir wollen den Gästen etwas Authentisches bieten. Von vornherein haben wir gesagt, es muss beste Qualität sein'', sagt Amsberg. Die Bratwurst pur kostet 3,80 Pfund (etwa 5,60 Euro). Das ist in der Hochpreismetropole, in der ein Cappuccino schon drei Pfund kostet, fast ein Schnäppchen. Gespart wurde an der Einrichtung: Der Tresen steht in einem gerade 35 Quadratmeter großen Raum. Alles ist hell und freundlich. Ein paar Barhocker vervollständigen das Imbisslokal. Das Plus: Alles ist hell und freundlich - anders als viele britische Fish & Chips-Kaschemmen. ,,Wir kaufen Würste und Zutaten in Deutschland ein. Dadurch haben wir natürlich höhere Kosten. Aber unsere Kunden schätzen deutsche Ware'', sagt Zimmermann. Täglich 100 bis 200 Portionen Das Rezept der beiden Restaurantbesitzer scheint gut anzukommen: Obwohl Kurz & Lang erst seit knapp einem Jahr geöffnet hat, gehen täglich 100 bis 200 Portionen über den Tresen. Es gibt sogar Kunden, die extra mit der U-Bahn anreisen. Zehn Mitarbeiter haben Amsberg und Zimmermann mittlerweile. Schon denken die beiden Geschäftsleute darüber nach, weitere Filialen zu öffnen. ,,Kurz & Lang soll eine Marke werden, die nicht nur in London bekannt ist'', wünscht sich Amsberg. Kein Wunder, dass seine ehemaligen Kollegen neidisch auf den Aussteiger sind. ,,Die kommen häufig in mein Geschäft und staunen, was wir geschafft haben'', sagt der Ex-Banker.
Ein Ex-Bankier und eine frühere Tagesschau-Sprecherin gründen mitten in London einen deutschen Schnellimbiss. Die Bürger der Hochpreismetropole scheinen auf das Angebot gewartet zu haben.
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Deutsches Selfmade-Team in London - Die Bratwurst-Macher
00/05/2010
Das Jahr ist noch jung, doch beim Volkswagen-Konzern jagt bereits eine Meldung die andere: Neben dem für das vergangene Jahr gemeldeten Absatzrekord verdichten sich die Gerüchte, dass Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch nun doch nicht wie geplant bald auf das Altenteil wechselt. Ganz im Gegensatz dazu soll VW-Produktvorstand Wolfgang Bernhard dem Konzern schon bald den Rücken kehren. Detailansicht öffnen Hält die Fäden bei VW in der Hand: Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch. (Foto: Foto: AP) Jede dieser Meldungen ist ein Stein in jenem Mosaik, dessen Gesamtbild schon am kommenden Mittwoch deutlich werden dürfte. Dann schlägt Martin Winterkorn bei seinem ersten Auftritt als Vorstandschef vor dem Aufsichtsrat eine neue Konzernstruktur vor. Dabei wird er allem Anschein nach deutlich machen, dass VW künftig von zentraler Stelle aus gelenkt werden soll. Baldiger Abgang Bernhards Pikant ist daran: Die Karriere von Markenvorstand Wolfgang Bernhard, der vor zwei Jahren von DaimlerChrysler zu VW wechselte, dürfte damit abrupt zu Ende gehen: Während Spiegel und Focus melden, dass Bernhard am 31. Januar geht, verlautet aus seinem Umfeld, dass sein Ausscheiden bereits nach der Aufsichtsratssitzung in dieser Woche zu erwarten sei. Nachdem bereits seit Wochen über den Abgang Bernhards spekuliert wird, scheinen die Medienberichte über die Demission dieses Mal begründet zu sein. Denn nach den Vorstellungen Winterkorns wäre Bernhard künftig nur noch für die Werke des Autoherstellers verantwortlich, nicht aber - wie bis dato - für die Entwicklung neuer Modelle und den Vertrieb. Das kommt einer Degradierung gleich, die Bernhard offenbar nicht bereit ist hinzunehmen: Der 46-Jährige hatte bereits im Dezember intern durchblicken lassen, dass die Aufgabe eines Produktionsvorstandes für ihn nicht in Frage komme. Sinnbild für Kosteneffizienz In Fachkreisen würde der Abgang des angesehenen Automanagers als Verlust für das Unternehmen interpretiert. "Bernhard gilt als Sinnbild dafür, dass Volkswagen die Kostenprobleme in der Entwicklung und im Einkauf in den Griff bekommen hat", sagte Auto-Analyst Georg Stürzer von der HypoVereinsbank zu sueddeutsche.de. Winterkorn greife nun aber wieder die auf den Chef konzentrierte Führungsstruktur auf, die unter Piëch üblich war, meint ein namentlich nicht genannter Analyst. Im Gegensatz dazu hatte Winterkorns Vorgänger Bernd Pischetsrieder die Rolle des Moderators gepflegt. Bei VW war das neu: Piëch war in seiner Zeit als VW-Vorstandschef geradezu berüchtigt für seinen autoritären und zentralen Führungsstil. Schon unmittelbar nach der Ausrufung Winterkorns als Nachfolger Pischetsrieders im vergangenen Herbst, war darüber spekuliert worden, dass Winterkorn die von Pischetsrieder abgeschafften Positionen des Produktions- und Entwicklungsvorstands wieder aufleben lassen wolle. "Winterkorn gilt als getreuer Gefolgsmann Piëchs", sagt Stürzer dazu. Volumenvorteile Beim Großaktionär Porsche wird die Rückkehr zur zentralen Konzernlenkung begrüßt. Porsche-Chef Wendelin Wiedeking hält das Markendenken bei VW für zu stark ausgeprägt. Er hatte deswegen zuletzt mehrfach darauf gedrängt, dass VW Vorteile als Massenproduzent besser ausschöpft, indem die Marken des Konzerns besser aufeinander abgestimmt werden.
Hinter den zahlreichen neuen Personalgerüchten bei Volkswagen steckt ein einziger Masterplan: die Machtstrategie des amtierenden Aufsichtsratschefs Ferdinand Piëch.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/volkswagen-im-griff-des-autokraten-1.907291
Volkswagen - Im Griff des Autokraten
00/05/2010
Die Deutsche Bundesbank hatte einst weltweite Macht. Heute spricht sie von "föderaler Erpressung" - bei der Neubesetzung des Vorstands macht Ministerpräsident Oettinger trotzdem weiter Druck, obwohl sein Wunschkandidat durchfiel. Wenn Edgar Meister an diesem Freitag nach fast 14 Jahren im Amt in den Ruhestand verabschiedet wird, dann wird der Festredner Peer Steinbrück noch einmal die gute alte Zeit hochleben lassen: Damals, als ganze Regierungen vor der mächtigen Deutschen Bundesbank zitterten, und ein Wort des Direktoriumsmitglieds Meister die Weltfinanzmärkte zum Beben bringen konnte. Detailansicht öffnen Die Vergangenheit der "Hüterin der D-Mark" ist glanzvoll. Die Zukunft eher nicht. (Foto: Foto: ddp) Der Blick in die ruhmreiche Vergangenheit der Bundesbank ist verständlich, denn die Zukunft sieht alles andere als rosig aus - und die Personalie Meister steht symptomatisch dafür. Nachfolger soll nämlich der Chef der baden-württembergischen Staatskanzlei, Rudolf Böhmler, werden - ein Behelfskandidat von Ministerpräsident Günther Oettinger, der bei einer Anhörung durch seine künftigen Kollegen im Bundesbankvorstand mangels Qualifikation durchfiel. Er wird künftig 220.000 Euro im Jahr verdienen. Für Klaus-Peter Schmidt-Deguelle, einst Berater des damaligen Finanzministers Hans Eichel, zeigt der Fall Böhmler "die ganze Perversion der föderalen Erpressungsmöglichkeiten". Statt auf sein Vorschlagsrecht zu verzichten und damit den Weg für eine Verkleinerung des siebenköpfigen Vorstands freizumachen, habe "Herr Oettinger die unselige Tradition fortgesetzt, durch die Berufung zu versorgender Landespolitiker, die Bundesbank an den Finanzmärkten immer mehr der Lächerlichkeit preiszugeben". Föderale Erpressungsmöglichkeiten Auch Eichel selbst, sonst eher Diplomat, findet deutliche Worte: "Herr Böhmler mag ein hervorragender Verwaltungsfachmann sein, als Experte in Fragen der Geldpolitik oder der Bankenaufsicht hat er sich bisher aber nicht hervorgetan." Genau das aber werde im entsprechenden Gesetz verlangt. "Baden-Württemberg muss deshalb Böhmlers Kandidatur zurückziehen. Alles andere wäre ein unverantwortlicher Umgang mit der Funktion und dem Ansehen der Bundesbank, national wie international." Den Grund für die Misere sieht der Ex-Minister, der 2002 mit einer grundlegenden Bundesbankstrukturreform an den Ländern gescheitert war, in deren Realitätsverweigerung: "Die Bundesbank ist seit Gründung der Europäischen Zentralbank das, was früher eine Landeszentralbank im Verhältnis zur Bundesbank war. "Drei Mitglieder würden reichen" Vor diesem Hintergrund gibt es keinen einzigen vernünftigen Grund mehr dafür, dass die Länder bei der Besetzung des Bundesbankvorstands noch mitmischen." Das Gremium sei ohnehin aufgebläht: "Drei Mitglieder wie bei der größeren Banque de France würden auch bei uns ausreichen", so Eichel zur SZ. Auch sei den Mitarbeitern nicht zu erklären, "dass die Belegschaft angesichts der veränderten Rolle der Bundesbank um mehrere tausend Stellen reduziert worden ist und weiter reduziert wird, der Vorstand aber nahezu unverändert bleibt". Die amtierende Bundesregierung will sich nicht zu dem Fall äußern und wird Böhmler am Ende ernennen. Der Fall sei zu unwichtig, als dass Kanzlerin Angela Merkel dafür einen Konflikt mit Parteifreund Oettinger riskieren werde, heißt es in Regierungskreisen - was alles über die Bedeutung der Bundesbank sagt. Geeignete Kandidaten nicht in Sicht Insider befürchten, dass angesichts des Aderlasses große Probleme auf Bundesbankchef Axel Weber zukommen werden. Weber selbst sei in Europa das "letzte vorzeigbare Schwergewicht" Deutschlands, ansonsten gelte: "Die guten Leute wollen nicht mehr zur Bundesbank". Als nächstes dürfen Berlin und Brandenburg gemeinsam ein Vorstandsmitglied nominieren: Geeignete Kandidaten sind, sieht man vielleicht einmal von Berlins Finanzsenator Thilo Sarrazin ab, nicht in Sicht.
Die Deutsche Bundesbank hatte einst weltweite Macht. Heute spricht sie von "föderaler Erpressung" - bei der Neubesetzung des Vorstands macht Ministerpräsident Oettinger trotzdem weiter Druck, obwohl sein Wunschkandidat durchfiel.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/postenschacher-bei-der-bundesbank-besser-wird-s-nicht-mehr-1.916070
Postenschacher bei der Bundesbank - Besser wird's nicht mehr
00/05/2010
Kein Geld im Portemonnaie - für viele ist es schwierig, einen Prozess zu führen. Aus Scheu vor hohen Rechungen lassen sie den Rechtsstreit sein. Oft zu Unrecht - auch bei wenig Mitteln gibt es Möglichkeiten, die Anwaltskosten zu bezahlen. Das Recht ist nur für Reiche da - stimmt das wirklich? "Nein", betont Rechtsanwältin Ines Burrer von der Kanzlei Brodski & Lehner in München, "jemand der wirtschaftlich nicht in der Lage ist, einen Prozess zu führen, hat grundsätzlich Anspruch auf Prozesskostenhilfe" (PKH), "dann trägt nicht der Mandant die Kosten eines Gerichtsverfahrens, sondern die Staatskasse - auch wenn er verliert." Voraussetzung: Das Verfahren hat hinreichend Aussicht auf Erfolg und ist nicht mutwillig. Der Antrag ist bei Gericht zu stellen. In der Regel übernimmt das der Anwalt - mit Einreichung der Klageschrift fügt er die erforderlichen Unterlagen bei. Besteht ein Anspruch auf PKH, ordnet das Gericht dem Antragsteller einen Rechtsanwalt bei - das ist normalerweise der Anwalt, der schon vorher vom Mandanten beauftragt wurde. Der Mandant ist dann von der Zahlung der Gerichtskosten, der Vorlage der Auslagenvorschüsse für Zeugen und Sachverständige und sogar den Kosten seines eigenen Anwalts befreit. Allerdings erhält der Anwalt geringere Gebühren als ein Kollege, der nach den gesetzlichen Gebühren tätig wird. Manche verweigern deshalb, auf PKH abzurechnen- das ist ihr gutes Recht. "PKH wird besonders häufig in familienrechtlichen Streitigkeiten gewährt," weiß Burrer. Vor allen Dingen Scheidungsprozesse laufen oft mit der Hilfe vom Staat. Beratungshilfe für zehn Euro Bei sehr geringem Einkommen besteht auch die Möglichkeit sich außergerichtlich durch einen Rechtsanwalt beraten zu lassen. Anträge zur Beratungshilfe gibt es bei Gericht. Dort wird geprüft, ob die Rechtsberatung notwendig und der Antragsteller bedürftig ist. Falls ja, stellt das Gericht einen Berechtigungsschein aus. Gegen eine Gebühr von zehn Euro kann der Antragsteller einen Anwalt zur Erstberatung aufsuchen. Der widerum erhält vom Staat die Vergütung - allerdings sind auch hier die Gebühren niedriger als sonst. Selten: Prozessfinanzierung Gerichtsprozesse können ebenfalls über gewerbliche Anbieter finanziert werden. Die Unternehmen, darunter auch Rechtschutzversicherer, übernehmen die Vorfinanzierung sowie das gesamte Kostenrisiko der Klage. Dafür berechnen sie ein Erfolgsbeteiligung. Die Sache hat gleich mehrere Haken: Erstens besteht die Möglichkeit nur für Kläger, nicht für Beklagte und zweitens muss es sich um eine beträchliche Summe handeln, um die gestritten wird - in der Regel mehr als 50.000 Euro. Dabei ist "die Bonität des Beklagten eine wesentliche Voraussetzung für das Modell der Prozessfinanzierung", sagt Hansjörg Staehle, Präsident der Rechtsanwaltskammer München. Rechtschutz: Familien- und Erbrecht oft ausgeschlossen Um Kosten zu sparen, sind auch Rechtschutzversicherungen beliebt: Mittlerweile haben sich etwa 40 Prozent aller Haushalte für den Rechtsfall versichert. Die Versicherung übernimmt die gesetzlichen Gebühren für den Anwalt, die Gerichtskosten, die Vollstreckungskosten und die Verwaltungskosten, sowohl gerichtlich als auch außergerichtlich. Wer allerdings glaubt, für alle Fälle gewappnet zu sein, der irrt: "Es gibt keine Versicherung, die bei jedem Rechtsstreit eintritt. In der Regel sind familien- und erbrechtliche Streitigkeiten, also auch die Scheidung nicht abgedeckt - allenfalls eine Erstberatung beim Anwalt", erläutert Burrer. Bauprozesse sind ebenfalls ausgeschlossen. Mietrechtsschutz ist nur gegen Aufpreis erhältlich. "Honorarfrage ansprechen" Um Kosten zu vermeiden, ist meist der eigene Anwalt der beste Ansprechpartner. "Es ist sinnvoll, vom Anwalt vorab eine möglichst konkrete Aufstellung der Gebühren zu verlangen", weiß Rechtsanwalt Dr. Daniel Rohlff von der Kanzlei Groll, Gross & Steiner. Schlägt der Anwalt zum Beispiel eine außergerichtliche Einigung vor, soll er die Kosten möglichst genau berechnen und auch auf kostengünstigere Alternativen hinweisen. Dazu ist er verpflichtet. "Der Anwalt muss unnötige Kostenrisiken für seinen Mandanten vermeiden und ihn entsprechend beraten. Ist das Honorar des Anwalts vom Gegenstandswert abhängig, muss er seinen Mandanten hierüber informieren," erklärt Rohlff. "Oft bestehen seitens des Mandanten Hemmungen, die Honorarfrage anzusprechen. Das ist völlig unbegründet," sagt Rohlff. Gerade diese Frage solle als Erstes geklärt werden. Aber der Mandant sollte auch Nachsicht üben, so Rohlff: "In vielen Fällen ist es nicht möglich die Rechtsanwalts- und Prozesskosten genau vorauszusagen." "Der Anwalt ist kein Automat" Denn: Zu Beginn ist es oft nicht absehbar, in welchem Umfang ein Anwalt tätig werden muss - nur Beratung oder umfangreicher Prozess mit Beweisaufnahme, Terminvertreter und mehreren Vollstreckungsversuchen. Die Einzelheiten einer gerichtlichen Auseinandersetzung und der Verlauf eines Verfahrens entscheiden, wie teuer der Rechtsstreit vor Gericht wird. "Der Anwalt ist kein Automat," sagt Hansjörg Staehle, Präsident der Rechtsanwaltskammer München, "er muss sich einem Problem nähern - das ist nicht schändlich. Schließlich funktioniert er nicht auf Kommando." Seriöse Anwälte klären erst mal in Ruhe den Sachverhalt, anstatt die Hauruck-Methode anzuwenden. Die friedliche Lösung Und die günstigste Lösung? "Eine friedliche Einigung ist meist für die Parteien die günstigste Variante", betont Burrer. Für einen gerichtlichen Vergleich erhält der Anwalt eine zusätzlich Gebühr. Gleichzeitig ermäßigen sich die Gerichtsgebühren vor dem Zivilgericht auf ein Drittel der für das Urteil anfallenden Gebühren. "Im Arbeitsgerichtsverfahren entfallen die Gerichtsgebühren sogar ganz", weiß Burrer. Einigen sich die Parteien im Beisein von Anwälten oder in einem Gerichtstermin, so kann der Vergleich wie ein Urteil wirken, also auch vollstreckt werden. Berufung oder Revision gegen einen Vergleich sind aber nicht zulässig.
Kein Geld im Portemonnaie - für viele ist es schwierig, einen Prozess zu führen. Aus Scheu vor hohen Rechungen lassen sie den Rechtsstreit sein. Oft zu Unrecht - auch bei wenig Mitteln gibt es Möglichkeiten, die Anwaltskosten zu bezahlen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/finanzielle-hilfe-klagen-trotz-leerer-kasse-1.905122
Finanzielle Hilfe - Klagen trotz leerer Kasse
00/05/2010
Wie Hans-Michael Heitmüller, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Leasing AG, gegenüber dem "Handelsblatt" sagte, werde die Sparkasse mit einer eigenen Autobank direkt ins Geschäft mit den Autohäusern einsteigen. Heitmüller wolle, so die Zeitung, nicht länger mit ansehen, wie die Sparkassen Marktanteile gegenüber Anbietern wie der VW Financial Services AG, der BMW-Bank oder der Daimler-Chrysler-Bank verlieren: "Gemeinsam mit den Sparkassen schlagen wir jetzt zurück." Detailansicht öffnen (Foto: Foto: dpa) "Die Kraftfahrzeughändler werden dann ihre Geschäfte direkt mit der Deutschen Leasing AG abwickeln können, wie sie es heute mit ihren Autobanken machen. Dabei haben wir auch den Gebrauchtwagenmarkt im Visier", ergänzt er. Die Strategie Organisatorisch könne das neue Geschäftsfeld unter dem Dach der Tochter DIF Bank seinen Platz finden, die schon in der Händlereinkaufsfinanzierung für die Caravan-Branche mit einem Marktanteil von rund 75 Prozent führend ist. "Da wir hier schon Erfahrungen im Einkaufsgeschäft haben, können wir zukünftig auch den Händlerabsatz finanzieren", erläutert Heitmüller die Strategie der DL, an der rund 420 Sparkassen direkt beteiligt sind. So sollen die Sparkassen zukünftig wählen können, ob sie das Händlergeschäft mit der Autofinanzierung selbst machen wollen oder auf Provisionsbasis an die DL-Gruppe weiterreichen. Die Autohändler könnten über eine Internet-Lösung zukünftig Leasing- oder Ratenkreditangebote abrufen oder Finanzierungen aller Art prüfen. "Die KFZ-Händler sind mündiger geworden. Das wird uns sicher helfen", glaubt Heitmüller. Man werde das Autobank-Angebot schrittweise ausbauen, in der Pilotphase sei ein Test in drei bis vier Ballungsräumen geplant. Heitmüller macht sich aber keine Illusionen über schnelle Erfolge. "Das Geschäft wird man holen müssen, vielleicht läuft das anfangs etwas zäh." Branchenbeobachter haben neben den herstellergebundenen Autobanken auch die unabhängigen Finanzierer im Visier, etwa die zur spanischen Großbank Santander Central Hispano zählende CC-Bank. Nach eigenen Angaben liegt deren Marktanteil bei Gebrauchtwagen derzeit bei 14 %. Gute Wachstumschancen Generell sieht Heitmüller auch auf der Endkundenseite gute Wachstumschancen. "Die Sparkassen haben im Privatkundengeschäft in Deutschland einen Marktanteil von über 50 %. Wenn wir nur vier bis sechs Prozentpunkte davon neu für eine Autofinanzierung gewinnen, ist das ein riesiges Potenzial." Insgesamt erwarten Branchenexperten für dieses Jahr einen Neuwagenabsatz von rund 3,2 Mill. Fahrzeugen. Die Deutsche Leasing hat über ihre Tochter Deutsche Auto-Leasing schon zwei Projekte laufen, um wieder Fuß zu fassen. Mit "S-Auto-Leasing" bietet sie über rund 100 Sparkassen Leasing-Finanzierungen für Privatkunden an, im Rahmen der "S-Edition" wendet sie sich über eine Intranet-Anbindung an die rund 370 000 Mitarbeiter im Finanzverbund. Von Januar bis September habe man alleine über die Sparkassen mit dem Slogan "Aus Freude am Sparen" rund 10 000 Fahrzeuge finanziert und ein Neugeschäft von 280 Mill. € generiert. "Wir sind ganz zuversichtlich, dass das einschlägt", hofft Heitmüller. Schwierige Zeiten Für die DL-Gruppe sei das am 30. September abgelaufene Geschäftsjahr "sehr schwierig" gewesen, berichtet Heitmüller. Neben der schwierigen Konjunkturlage habe die "nicht sehr transparente politische Diskussion" um steuerliche Belastungen für das Leasing verunsichert. "Die gesamte Branche wird beim Leasing beweglicher Güter die Vorjahreswerte nicht erreichen." Sein eigenes Haus werde im Neugeschäft voraussichtlich "eine schwarze Null" erzielen.
Wie Hans-Michael Heitmüller, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Leasing AG, gegenüber dem "Handelsblatt" sagte, werde die Sparkasse mit einer eigenen Autobank direkt ins Geschäft mit den Autohäusern einsteigen.
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KFZ-Finanzierung - Die Sparkassen greifen an
00/05/2010
An der Leipziger Strombörse EEX ist der Großhandelspreis für Elektrizität seit Tagen auf Rekordkurs. Experten können sich dies nicht erklären. Der Anstieg der Börsenpreise begann Anfang November. Lag der Preis für Grundlaststrom, wie ihn große Kraftwerke permanent ins Netz einspeisen, im Oktober noch bei durchschnittlich 47,52 Euro je Megawattstunde, schnellte er in der Folge zunächst langsam, seit Ende vergangener Woche sprunghaft in die Höhe. Detailansicht öffnen Masten mit Stromleitungen. (Foto: Foto: dpa) Am Dienstagmorgen notierte er bei 145,97 Euro, gab aber in der Folge leicht nach. Parallel stiegen auch die Preise für Termingeschäfte. Wer sich schon jetzt Strom zur Lieferung im Dezember beschaffen möchte, zahlte für Grundlaststrom am Dienstag 66,75 Euro. Begründungen für den Anstieg gibt es nur zum Teil. So könne es einen Zusammenhang mit dem Auslaufen von Lieferverträgen geben, heißt es bei der Münchner Eon-Tochter Eon Energie. Weil im Herbst viele Verträge mit Großkunden ausliefen, treffe nun große Nachfrage auf den Markt, sagte ein Unternehmenssprecher. "Es hat nur wenig mit dem Schneechaos der letzten Tage zu tun", sagte er. Endende Verträge Auch Marc Ehry, Geschäftsführer des Duisburger Stromhändlers PCC Energy, sieht in endenden Stromverträgen einen Teil des Problems. Viele Lieferanten hätten Verträge gekündigt, um nun zu höheren Preisen neu abschließen zu können. "Diese Verträge werden mit drei Monaten Frist zum Jahresende gekündigt", sagt Ehry. "Dadurch steigt nun die Nachfrage." Auch der Einkäufer eines Stadtwerks räumt ein: "Wir tappen selbst im Dunkeln." Mit den bekannten Fakten könne die Entwicklung in Leipzig nicht begründet werden. Ratlos hinterlässt Experten vor allem die Entwicklung am Spotmarkt. Hier werden auch kurzfristig Strommengen gehandelt. "Ein Preisanstieg lässt sich vielleicht noch damit erklären, dass es in Europa kälter geworden ist", sagt Ehry - vergleichbar dem rasanten Preisanstieg im Winter 2002/2003. "Nur war das damals eine wirkliche Kältewelle mit zweistelligen Minustemperaturen." Knappheit bei der Erzeugung Andere Experten vermuten eine Knappheit bei der Erzeugung. Mit Gundremmingen, Biblis B und Neckarwestheim 1 sind derzeit drei von 17 deutschen Kernkraftwerken nicht am Netz. In Frankreich liefern fünf Reaktoren keinen Strom. Unklar ist, ob deutsche Kohlekraftwerke so viel Strom erzeugen, wie sie könnten. "Auch diese Unsicherheit über die Erzeugungskapazitäten in Europa treibt die Preise", sagt Oliver Kopp, Handelsexperte beim Mannheimer Energiekonzern MVV Energie.
An der Leipziger Strombörse EEX ist der Großhandelspreis für Elektrizität seit Tagen auf Rekordkurs. Experten können sich dies nicht erklären.
wirtschaft
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Heftige Ausschläge - Strompreise auf Rekordhöhe
00/05/2010
Der designierte IG-Metall-Vorsitzende Jürgen Peters hat erheblichen Widerstand der Gewerkschaft gegen die Reformen der Bundesregierung und einen "neoliberalen" Kurs der SPD angekündigt. Wenn die Gespräche mit den Abgeordneten über Änderungen an der Reform-"Agenda 2010" der rot-grünen Bundesregierung nicht zum Erfolg führten, werde die Gewerkschaft im Herbst "auch öffentlichen Druck mobilisieren müssen", sagte Peters der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Peters widersprach damit Äußerungen seines designierten Stellvertreters Berthold Huber. Dieser hatte erst vor kurzem den Konfrontationskurs für gescheitert erklärt und die IG Metall zu einer differenzierten Bewertung der geplanten Sozialreformen aufgefordert. Die Sozialgesetzgebung sei Sache der Regierung und der im Bundestag vertretenen Parteien, hatte Huber gemahnt. Peters appellierte dagegen an die Gewerkschaftsmitglieder, politischer zu werden. Die IG Metall dürfe sich nicht nur auf die Tarifpolitik konzentrieren. "Wir sind und bleiben eine außerparlamentarische Kraft." Peters: Mit Huber Chance zum Neuanfang Peters zeigte sich zugleich zuversichtlich, dass die durch das Streikdebakel ausgelöste Personaldebatte nach dem Gewerkschaftstag am Wochenende beendet sein werde. Huber und er selbst seien in die Lage, zur Beruhigung beizutragen. Peters appellierte an die Gewerkschaftsmitglieder, die Einigung mit Huber als "Chance für einen wirklichen Neuanfang zu begreifen". Gleichwohl rechnet der designierte IG-Metall-Chef bei der Wahl mit "Denkzetteln". Peters und Huber sollen am Wochenende auf einem Sondergewerkschaftstag zum neuen Führungsteam der IG Metall gewählt werden. Der Vorsitzende der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), Franz-Josef Möllenberg, gestand Fehler in der politischen Argumentation der Gewerkschaften ein. "Dazu gehört die Pauschalablehnung der 'Agenda 2010', der die Mitglieder nicht mehr gefolgt sind", sagte Möllenberg dem Wirtschaftsmagazin Focus-Money. "Neoliberale Denke" der SPD Im Magazin Stern kritisierte Peters die jüngste Entwicklung der SPD scharf. Die "neoliberale Denke" fresse sich immer weiter durch die Partei. Wenn die SPD das Thema soziale Gerechtigkeit aufgebe "entsorgt sie einen wichtigen Teil ihrer Geschichte, ihres Wesens". Die SPD unterscheide sich nicht mehr von der FDP und der CDU/CSU, wenn das so rasant weitergehe. "Ob sich dann noch die natürliche Bindung zwischen uns aufrechterhalten lässt, bezweifle ich." Peters sieht die IG Metall als "Bastion gegen den Neoliberalismus" und gegen den "grassierenden Privatisierungswahn". Sie sei kein "ADAC für Arbeitnehmer", sondern eine "politische Gegenmacht, eine außerparlamentarische Kraft, die über die Parteien und andere Organisationen versucht, Einfluss zu nehmen". Möllenberg betonte, an einzelnen Kritikpunkten der Agenda, wie etwa der Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe, habe sich nichts geändert. Von der vermeintlichen Schwächephase würden sich die Gewerkschaften schneller erholen "als es manchen Damen und Herren auf politischer Seite oder aus dem Arbeitgeberlager lieb ist", warnte der NGG-Chef.
Der designierte IG-Metall-Vorsitzende Jürgen Peters hat erheblichen Widerstand der Gewerkschaft gegen die Reformen der Bundesregierung und einen "neoliberalen" Kurs der SPD angekündigt.
wirtschaft
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Agenda 2010 - Peters will Widerstand mobilisieren
00/05/2010
Wer im September vergangenen Jahres bei der Aktionärs-Hotline des Versicherungsmaklers Venturion anrief, erhielt eine unmissverständliche Antwort: "Wir gehen im November an die Börse." Auch auf seiner Internetseite versprach das Unternehmen aus Hamm viel: Venturion sei auf dem Weg zu einem der "größten Finanzberatungsunternehmen Deutschlands", hieß es dort. Der Weg führte Venturion jedoch nicht aufs Börsenparkett, sondern zum Amtsgericht. Im November musste das Unternehmen Insolvenz anmelden. Das Sagen haben jetzt die Staatsanwälte und die Insolvenzverwalterin. Und die stehen vor einer Mammutaufgabe. Am kommenden Dienstag treffen sich die Gläubiger des Unternehmens bei einer Versammlung in Dortmund. Insolvenzverwalterin Petra Mork hat dafür etwa 20.000 Einladungen verschickt, auch an die nach ihrer Schätzung 16.000 bis 18.000 Aktionäre des Unternehmens, die als Gesellschafter von Venturion nicht zu den Gläubigern zählen. An dem Versicherungsmakler hatten sich zahlreiche Privatanleger beteiligt. Venturion hatte die Papiere mit dubiosen Versprechen auf hohe Gewinne nach einem Börsengang verkauft, obwohl das Unternehmen für 2003 keine testierte Bilanz vorlegen konnte und 2004 Verluste machte. Der Gesamtschaden bei der Pleite dürfte sich auf etwa 30 Millionen Euro belaufen. Etwa 150 Anzeigen Viele Gläubiger dürften allerdings nicht nach Dortmund kommen. In den angemieteten Saal im Amtsgericht passen gerade einmal 100 Menschen hinein, und die können sich keine großen Hoffnungen darauf machen, viel von ihrem Geld wiederzubekommen. "Es ist nicht viel da", sagt Mork über die restlichen Vermögenswerte. Die Rechtsanwältin schließt sogar nicht aus, dass das Insolvenzverfahren "mangels Masse" eingestellt wird und die Gläubiger überhaupt nichts von ihrem Geld sehen werden. Vor einem Problem stehen auch die Ermittler. Nachdem sich für die Staatsanwaltschaft Dortmund das Verfahren als zu groß herausstellte, kümmert sich jetzt die Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität in Bochum um den Fall. Etwa 150 Anzeigen sind eingegangen. "Wir haben 12000 Aktenordner und müssen zunächst einmal das Material sichten", sagte ein Sprecher der Behörde. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) hatte gegen den früheren Vorstand von Venturion Strafanzeige wegen Kapitalanlagebetrugs gestellt. Kapitalanlagebetrug wird mit Freiheitsstrafen bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. Vorstand kassierte ab Die DSW wirft der Finanzfirma vor, dass wesentliche Angaben im Verkaufsprospekt für den Vertrieb von Venturion-Aktien "unrichtig sind". Außerdem seien die Unternehmenswerte in dem Prospekt womöglich absichtlich zu hoch dargestellt worden und die Geschäftsprognosen geschönt gewesen. Das glaubt auch der auf Kapitalanlagerecht spezialisierte Rechtsanwalt André Gerhard Morgenstern aus Jena, der etwa 350 Geschädigte mit einer Schadensumme von 3,5 Millionen Euro vertritt. Er will den Venturion-Vorstand auf Schadensersatz verklagen und hat es dabei auf den Privatbesitz der Manager abgesehen, da bei dem Unternehmen selbst vermutlich nicht mehr viel zu holen ist. Morgenstern glaubt, dass der Vorstand verpflichtet war, eine Versicherung abzuschließen, die für Haftpflichtfälle von Vorständen und Aufsichtsräten eintritt. Ist dies nicht der Fall, müssten die Manager mit ihrem Privatvermögen für den Schaden geradestehen. Ob die Herren, die laut dem Emissionsprospekt von Januar 2004 insgesamt feste Bezüge in Höhe von 600.000 Euro im Jahr erhielten, zu Hause besser gewirtschaftet haben, ist nicht bekannt. Der Großaktionär und frühere Vorstandsvorsitzende des Unternehmens, Adolf Eggendorf, reagierte auf eine Anfrage der Süddeutschen Zeitung nicht. Die SZ hatte frühzeitig auf die Ungereimtheiten bei dem geplanten Börsengang aufmerksam gemacht. Der Lokalzeitung in Hamm, dem Westfälischen Anzeiger, sagte Eggendorf: Er arbeite "an einem neuen Konzept". Im Bereich Vertrieb "gibt es vieles - vom Feuerlöscher bis zu Kartoffelchips".
Der Versicherungsmakler Venturion versprach den Börsengang — und meldete Insolvenz an.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/pleite-von-venturion-es-ist-nicht-viel-da-1.918960
"Pleite von Venturion - ""Es ist nicht viel da"""
00/05/2010
Im AEG-Konflikt ist der größtmögliche Kompromiss gelungen. Doch von Nürnberg gehen noch wichtigere Signale aus. Die Sieger sahen müde aus. Sowohl die Unterhändler von Electrolux als auch jene der IG Metall bewerteten nach ihrem nächtlichen Verhandlungsmarathon den Kompromiss im AEG-Konflikt als das unter den gegebenen Umständen realistisch Mögliche. Detailansicht öffnen Betrübt nehmen zwei AEG-Mitarbeiter zur Kenntnis, dass das Werk Nürnberg unwiderruflich geschlossen wird. (Foto: Foto: AP) Tatsächlich trafen sich beide Seiten in der Mitte. Electrolux muss für den Sozialtarifvertrag etwa doppelt so viel aufwenden wie ursprünglich geplant. Die IG Metall erkämpfte die Hälfte dessen, was sie eingefordert hatte. Zieht man die tarifliche Einigungen bei den Dienstleistern und die Garantie für den zweiten deutschen Produktionsstandort mit ins Kalkül, ist allen Beteiligten der größtmögliche Kompromiss gelungen. Signale Darüber hinaus gehen von Nürnberg aber mehrere Signale aus. Der Konflikt hat wohl vielen Menschen hierzulande bewusst gemacht, dass Globalisierung keinen Bogen um die soziale Marktwirtschaft deutscher Prägung macht. Das große öffentliche Interesse an dem Nürnberger Arbeitskampf und die Solidarisierung selbst konservativer Bevölkerungsschichten mit den Streikenden bei AEG zeigt aber auch, dass die Menschen Globalisierung politisch mitgestalten wollen. Vermutlich nicht einmal mit Absicht hat ein über weite Strecken sich stur und abgehoben gebärdendes Electrolux-Management die Politiker machtlos aussehen lassen. Das hat viele hierzulande abgestoßen und ins Grübeln gebracht, ob demokratische Gesellschaften internationalen Konzernen automatisch ausgeliefert sind. Selbstkritik allenthalben angebracht Aber nicht nur Wirtschaftspolitiker, auch Manager und Gewerkschafter müssen den AEG-Konflikt selbstkritisch aufarbeiten. Die Gewerkschaften müssen flexibler werden, wenn es darum geht, Unternehmen zukunftsfähig zu machen. Sie dürfen nicht erst dann mit Zugeständnissen kommen, wenn die Krise hereingebrochen ist. Andererseits aber stehen auch die Arbeitgeber in der Pflicht. Schnell rufen sie nach der Opferbereitschaft der Beschäftigten. Diese hat natürliche Grenzen. Worauf soll ein Waschmaschinenmonteur noch verzichten, wenn er von 1200 Euro Monatslohn eine Familie ernähren soll? Bei Electrolux kommt erschwerend hinzu, dass die 1700 Beschäftigten nicht nur für den durch die Konkurrenz aus Niedriglohnländern ausgelösten Preisverfall bei Hausgeräten büßen, sondern auch für Fehler ihrer Manager. Keine klare Linie Vom Kauf der deutschen Traditionsmarke 1994 an wussten die Schweden nichts Gescheites mit AEG anzufangen. Mal wurden die Geräte in der gehobenen Preisklasse vermarktet, dann verramscht und schließlich verschwanden sie irgendwo beim Mittelmaß.
Im AEG-Konflikt ist der größtmögliche Kompromiss gelungen. Doch von Nürnberg gehen noch wichtigere Signale aus.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/aeg-lehrstueck-zur-globalisierung-1.917784
AEG - Lehrstück zur Globalisierung
00/05/2010
Der Anfang vom Ende: Mit dem Beginn des Arbeitskampfes in Ostdeutschland zeichnet sich ab, dass immer mehr Betriebe der Metallindustrie aus dem Flächentarifvertrag aussteigen. (SZ vom 03.06.2003) — Schon am ersten Tag hat der Arbeitskampf in der ostdeutschen Metallindustrie etwas bewirkt: Das Dresdener Werk von Federal Mogul ist aus dem Flächentarif ausgetreten. Ein simpler Aushang am Schwarzen Brett des Autoteile-Herstellers verkündete den 320 Beschäftigten am Montag die Neuigkeit; der Betriebsratsvorsitzende erfuhr bei einer Gremiensitzung des Konzerns am Gardasee davon. "Wir mussten austreten", sagt der Geschäftsführer der Holding, Friedel Martiny; fast bedauernd. Die Firma will sich damit dem Arbeitskampf zwischen Arbeitgeberverband und Gewerkschaft entziehen. Denn es sei ganz einfach, sagt Martiny: "Wenn gestreikt wird, wird verlagert". Damit umreißt der Manager in wenigen Worten ein veritables Drama für den ostdeutschen Arbeitsmarkt. Die von der IG Metall im Namen der Gerechtigkeit geforderte Verkürzung der Wochenarbeitszeit Ost von 38 Stunden auf die im Westen geltenden 35 erhöht für die Betriebe die Kosten. Da erwägen viele, ihre Produktion nach Polen, Ungarn, Tschechien zu verlagern, wo die Löhne billiger sind. Folge wäre ein weiteres Ansteigen der bereits allzu hohen Arbeitslosigkeit in der Region. "Go East" als Devise Mit der Flucht aus dem Flächentarif, den die Verbände abschließen, kann Federal Mogul selbst über die Arbeitskosten, die Arbeitszeit entscheiden. "Natürlich kann die IG Metall bei uns den Häuserkampf starten und einen Firmentarif zu erzwingen versuchen", sagt Martiny. Er glaubt aber nicht, dass seine Beschäftigten streiken werden. "Die wissen, dass wir höhere Kosten nicht verkraften", sagt Martiny. Die Bosse der US-Mutter des Unternehmens "sagen doch nur: Go East" - raus aus Deutschland. In Dresden stehen millionenschwere Investitionen in neue Maschinen an. Erreicht der Streik doch das Werk von Federal Mogul, so Martiny, "wird woanders investiert werden". Noch sind dies nur düstere Szenarien, die die Arbeitgeber an die Wand malen. So ungewiss aber der Ausgang dieser Kraftprobe zwischen IG Metall und Arbeitgebern ist, so sicher gilt: Der Flächentarif bröckelt. Schon heute sind nur etwa 50 Prozent aller Beschäftigten, zehn Prozent aller Betriebe in Ostdeutschland noch im Flächentarif - und auch davon weichen viele in Arbeitszeit und Bezahlung wegen wirtschaftlicher Notlagen vom vereinbarten Standard ab. Zwar orientiert sich daneben manch tarifloser Betrieb beim Entgelt am Flächentarif. Dennoch: Der Arbeitskampf Ost ist nurmehr eine Angelegenheit von Minderheiten. In besonderer Weise gilt das auch für die Abstimmung über den Streik. Zwar streiten Arbeitgeber und IG Metall hier über die Zahlen, aber sogar nach Rechnung der Gewerkschaft haben gerade einmal 13.370 Mitglieder abgestimmt. Ihre Entscheidung soll jedoch Auswirkungen auf alle 125.000 Beschäftigten der Metallbranche Sachsens haben, so der Ehrgeiz der Gewerkschaft. Die Arbeitgeber wollen wegen dieser Kluft nun vor Gericht ziehen. Immerhin: Von Donnerstag an wird auch in Berlin und Brandenburg über Streik abgestimmt. Stolz ist die Gewerkschaft auf einige Fimen-Tarifverträge zur Arbeitszeitverkürzung, die sie jetzt abgeschlossen hat. So wurde bei ISE Industries Hainichen ein Stufenplan zur Einführung der 35-Stunden-Woche ab 2004 vereinbart. Der aber, mokieren sich die Arbeitgeber von Gesamtmetall, sei sofort wieder ausgesetzt worden: Eine Härtefallklausel erlaube, bis Anfang 2009 eine 37,5-Stunden-Woche zu fahren. Stufenmodell als Kompromiss Dennoch könnte sich hier eine Kompromisslinie andeuten: Einstieg formal sofort, tatsächlich aber erst in weiter Ferne. Wann welche Stufe betreten wird, das könnte an ökonomische Daten wie die Produktivitätsentwicklung geknüpft werden. Solche messbaren Kriterien fordert seit Wochen eisern Gesamtmetall: Die Arbeitgeber seien nicht grundsätzlich gegen die Verkürzung, so die Botschaft, nur sei gerade jetzt die wirtschaftliche Lage einfach noch nicht so weit. Die Gewerkschaft zeigt sich flexibel bei den Stufen, auch entgegenkommend gegenüber Not leidenden Betrieben, will aber mit aller Härte einen raschen und verbindlichen Anfang. Vielleicht treiben die Kosten des Streiks beide Parteien wieder zusammen. Legt nur jeder Zehnte der sächsischen Metaller fünf Tage die Arbeit nieder, summieren sich die Umsatzausfälle auf 50 Millionen Euro. Und das mitten in der Wirtschaftskrise.
Der Anfang vom Ende: Mit dem Beginn des Arbeitskampfes in Ostdeutschland zeichnet sich ab, dass immer mehr Betriebe der Metallindustrie aus dem Flächentarifvertrag aussteigen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/streik-in-ostdeutschland-kampf-der-minderheiten-1.919472
Streik in Ostdeutschland - Kampf der Minderheiten
00/05/2010
Der Wirtschaftsminister verwirrt mit Plänen zum Schutz deutscher Firmen vor Auslandsinvestoren. Es könnte Taktik dahinter stehen, aber auch Tollpatschigkeit ist nicht ausgeschlossen. War es Taktik oder Tollpatschigkeit? Sicher ist nur, dass jetzt auch Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) im Sommerloch für Aufregung sorgt. Eigentlich hatte der Minister diese Woche nur zu einer Pressekonferenz zum Ende der Steinkohle geladen. Angesichts von Themenarmut der Medien und Plauderlaune des Ministers verwandelte diese sich in eine Tour d'Horizon: Glos warnte vor Bahnstreiks, sprach über Klimaschutz, die Krise der IKB-Bank und redete schließlich davon, wie deutsche Firmen vor unerwünschten ausländischen Investoren geschützt werden sollten. Konkret berichtete er von einer generellen Meldepflicht, wonach Ausländer die Bundesregierung informieren müssten, wollen sie bei einem größeren Unternehmen einsteigen. Bislang zurückhaltend Eine Meldepflicht? Ausgerechnet von Michael Glos, der sonst gern vor Staatseinfluss warnt? Bisher waren die Politiker von Union und SPD zurückhaltend, wenn es darum ging, den drohenden Aufmarsch asiatischer oder russischer Staatsfonds zu stoppen. In der zuständigen Arbeitsgruppe der Regierung kursieren Pläne, eventuelle Übernahmen in sensiblen Branchen wie Telekommunikation, Post, Bahn und Energie stärker zu überwachen. Von Meldepflichten und Einspruchsrechten war keine Rede - bis Glos vor die Mikros trat. Dort nannte er auch Details, für wen die Regelung gelten sollte. Etwa Firmen, die im Jahr mehr als 500 Millionen Euro umsetzen oder bei denen der Auslandsinvestor mehr als 25 Prozent der Anteile kaufen will. Veto-Recht Auch ein Veto-Recht der Regierung brachte Glos ins Gespräch. In einem ZDF-Interview ergänzte er seine Überlegungen weiter, es gehe darum, "bei unerwünschten Unternehmen zumindest ein Einspruchsrecht wie andere europäische Länder auch zu haben". Kaum hatte er dies gesagt, fügte er hinzu, dass er persönlich die Firmen nicht übermäßig gegen Übernahmen schützen wolle. "Ich stehe nicht auf dem Gaspedal, sondern auf der Bremse", sagte der Minister. Das interpretierten einige SPD-Politiker flugs anders. Der Wirtschaftspolitiker Rainer Wend begrüßte die Glos-Idee ebenso wie sein Kollege Ludwig Stiegler. "Ich kann einer Meldepflicht viel abgewinnen. Wir sollten wissen, wem die Unternehmen gehören", sagte Stiegler. Sonderregeln Er halte viel von offenen Märkten, in sensiblen Branchen wie Telekommunikation oder Stromversorgung müssten aber Sonderregeln und ein Gegenseitigkeitsprinzip gelten. Der russische Energiekonzern Gazprom könnte dann bei hiesigen Unternehmen nur einsteigen, wenn im Gegenzug auch die Deutschen bei den Russen zugreifen dürften. Doch ob es dazu kommt? Derzeit ruht die Debatte um den Schutz vor Auslandsinvestoren schon deshalb, weil die zuständige Regierungs-Arbeitsgruppe im Urlaub weilt. Dem Kreis gehören die Staatssekretäre Thomas Mirow (Finanzen) und Bernd Pfaffenbach (Wirtschaft) sowie Merkels Chef-Wirtschaftsberater Jens Weidmann an. Aus deren Umfeld ist zu hören, dass es keine spruchreifen Pläne gibt. Erst auf der Klausur in Meseberg Ende August könnte das Kabinett Eckpunkte festlegen. Zwei Erklärungsvarianten Warum aber ist Glos vorgeprescht? Dazu gibt es eben zwei Erklärungen: Taktik oder Tollpatschigkeit. Die erste Variante geht so: Der Minister übernimmt die Maximalforderungen jener, die einen starken Schutz befürworten. Es folgt ein Aufschrei der Union und der Wirtschaftsverbände - worauf die Pläne vom Tisch sind. Variante zwei lautet: Einmal in Plauderlaune, erzählte Glos zu dem Thema mehr, als er ursprünglich wollte.
Der Wirtschaftsminister verwirrt mit Plänen zum Schutz deutscher Firmen vor Auslandsinvestoren. Es könnte Taktik dahinter stehen, aber auch Tollpatschigkeit ist nicht ausgeschlossen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/schutz-deutscher-firmen-plaudertasche-glos-1.901464
Schutz deutscher Firmen - Plaudertasche Glos
00/05/2010
Nirgendwo ist der Preisvergleich so schnell und einfach wie im Internet: Datenbanken suchen den günstigsten Anbieter für ein Produkt. Doch nicht alle Portale halten, was sie versprechen. Der virtuelle Preisvergleich ist ein neuer Sport für die Deutschen. Auftrumpfen kann, wer in den Preisdatenbanken im Internet ein Produkt noch billiger ergattert hat als sein Nachbar. Detailansicht öffnen Günstig, günstiger, Internet — die Formel geht nicht immer auf. (Foto: Foto: AP) Mit Hilfe der Datenbanken kann der Internetnutzer zuerst den günstigsten Preis für einen Artikel finden und ihn anschließend gleich bestellen. Anbieter wie guenstiger.de, evendi.de, kelkoo.de oder der Neuling pricerunner.com verheißen so den Einkauf zu Tiefstpreisen. Doch nicht alle Portale haben die gleichen Kriterien, und nicht überall gibt es den günstigsten Preis. Welche Produkte werden angeboten? Das Sortiment im Netz ist sehr vielfältig. Es umfasst Elektroartikel wie Computer, Digitalkameras, Fernseher, Telefone und deren Zubehör, aber auch Haushalts- und Sportgeräte sowie Musikinstrumente. Wie arbeiten Preisdatenbanken? Die Datenbanken handeln nicht selbst mit Waren. Die Internetseite zeigt dem Interessenten das gesuchte Produkt zunächst an und verweist ihn bei Interesse an die Händler, die an die Datenbank angeschlossen sind. "Die meisten Datenbanken generieren Einnahmen, indem sie Geld von den angeklickten Händlern erhalten", sagt Georg Tryber von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Die Höhe des Betrages richte sich danach, ob ein Kaufvertrag abgeschlossen wurde oder nicht. Letztlich zahle der Kunde so die Kosten für den Preisvergleich mit. Wie funktioniert der Einkauf ? Auf der Homepage der Datenbank kann der Interessent eine Produktbeschreibung in die Suchmaschine eingeben. Daraufhin erscheinen der zum Zeitpunkt der Abfrage niedrigste und höchste Preis für den gesuchten Artikel. Entschließt sich der Interessent zum Kauf, wechselt er direkt auf die Homepage des Händlers und erhält dort die Gelegenheit zu bestellen. Was sollte der Verbraucher beachten? Falk Murko von der Stiftung Warentest rät zur Vorsicht beim Billig-Kauf: "Der Interessent sollte aufpassen, ob auch wirklich Gesamtpreise angegeben werden, ob also Versandkosten im Preis enthalten sind." Beim Online-Shopping geben die Lieferkosten im Vergleich zum stationären Handel oft den Ausschlag, sagt auch der nordrhein-westfälische Verbraucherschützer Tryber. Gerade bei Großgeräten seien die Versandkosten oftmals "irre hoch". So können bei Waschmaschinen durchaus bis zu 80 Euro anfallen. In Ausnahmefällen komme es vor, dass der volle Preis für einen Artikel erst nach Abschluss des Kaufvertrages angezeigt werde. Auch bei dem Auktionsportal Ebay, auf das einige Preissuchmaschinen verweisen, fordert fast jeder fünfte Anbieter überhöhte Versandkosten.
Nirgendwo ist der Preisvergleich so schnell und einfach wie im Internet: Datenbanken suchen den günstigsten Anbieter für ein Produkt. Doch nicht alle Portale halten, was sie versprechen.
wirtschaft
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Bescheid wissen, Vorteile nutzen - Ein Paradies für Preisfüchse
00/05/2010
Aus Sorge um den Airbus-Produktionsstandort Hamburg erwägt die Bundesregierung offenbar einen Einstieg bei EADS. Doch EADS und die Tochtergesellschaft Airbus brauchen nicht mehr, sondern weniger staatlichen Einfluss. Als vor einigen Wochen eine russische Staatsbank rund fünf Prozent am Luft- und Raumfahrtkonzern EADS erwarb, war die Aufregung groß. Ein Berater von Präsident Wladimir Putin hatte angedeutet, langfristig über einen Sitz im EADS-Aufsichtsrat den Einfluss Russlands auf den Konzern stärken zu wollen. EADS verwies sofort auf das Abkommen zwischen den aktuellen Anteilseignern, das einen solchen Schritt unmöglich mache. Die Kommentatoren empörten sich über die allzu forsche russische Industriepolitik. Einfluss soll gewahrt werden Nun erwägt die deutsche Bundesregierung offenbar selbst über die Staatsbank KfW einen Einstieg bei EADS - für den Fall, dass DaimlerChrysler weitere Anteile verkaufen will. So soll der deutsche Einfluss gewahrt und verhindert werden, dass der Standort Hamburg in der geplanten Airbus-Restrukturierung allzu sehr geschröpft wird. Das ist das falsche Signal: EADS und die Tochtergesellschaft Airbus brauchen nicht mehr, sondern weniger staatlichen Einfluss. Die anstehende Restrukturierung bei Airbus ist gerade die Chance, Auftragsvergaben nach nationalen Kriterien und Quoten möglichst abzuschaffen und durch ein aus industrieller Sicht möglichst sinnvolles System zu ersetzen. Es kann nicht ernsthaft Ziel der Bundesregierung sein, überholte Strukturen erhalten zu wollen. Die Furcht, der Standort Hamburg würde in großem Stil platt gemacht, ist zudem nicht angebracht. Zumindest mitverantwortlich Tatsächlich ist Airbus Deutschland für viele der Probleme beim Airbus A380 zumindest mitverantwortlich und wird deswegen schon im eigenen Interesse organisatorische und industrielle Änderungen einleiten müssen. Das heißt aber nicht, dass Airbus wichtige Aufgaben wie die Innenausstattung der Flugzeuge einfach abziehen kann. Das ist viel zu teuer, und an anderer Stelle, etwa in Toulouse, fehlen Know-how und Infrastruktur. Wenn es einschneidende Änderungen gibt, werden diese künftige Programme wie den neuen Langstreckenjet A350 oder einen Nachfolger der A320-Baureihe betreffen. Hamburg muss sich jetzt im internen und externen Wettbewerb durchsetzen, wenn die Arbeit neu verteilt wird. Das mag für den Standort nicht immer gut ausgehen, aber ein von protektionistischen Motiven geleiteter Einstieg der KfW wäre sicherlich noch schädlicher. Erst am Anfang Manchmal hilft ein Blick zur Konkurrenz: Boeing lässt das neue Modell 787 zu einem großen Teil von externen Lieferanten in aller Welt bauen und beschränkt sich im Wesentlichen auf Planung und Endmontage. Airbus steht erst am Anfang solcher Veränderungen.
Aus Sorge um den Airbus-Produktionsstandort Hamburg erwägt die Bundesregierung offenbar einen Einstieg bei EADS. Doch EADS und die Tochtergesellschaft Airbus brauchen nicht mehr, sondern weniger staatlichen Einfluss.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/kommentar-falsches-signal-aus-berlin-1.901284
Kommentar - Falsches Signal aus Berlin
00/05/2010
Erstmals gab es im Januar mehr als fünf Millionen Arbeitslose in Deutschland. Aber nur, weil die Statistik jetzt ehrlicher sei, behauptet Wirtschaftsminister Clement. Die tatsächliche Arbeitslosigkeit ist allerdings noch viel höher. Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland stieg im Januar zum ersten Mal seit Gründung der Bundesrepublik auf über fünf Millionen. Ende vergangenen Monats waren 5,037 Millionen Männer und Frauen ohne Arbeit, teilte die Nürnberger Bundesagentur für Arbeit (BA) am Mittwoch mit. Detailansicht öffnen Arbeitslose warten in der Agentur für Arbeit in Duisburg auf ein Gespräch mit ihrem Berater. (Foto: Foto: AP) Dies waren 573.000 mehr als im Dezember und 440.000 mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote stieg binnen eines Monats um 1,3 Punkte auf 12,1 Prozent. Vor einem Jahr hatte sie bei 11,0 Prozent gelegen. BA-Chef Frank-Jürgen Weise führte den Anstieg auf einen Statistikeffekt durch die Hartz-IV-Reform zurück. "Die Arbeitslosigkeit ist nicht größer geworden, aber sie wird jetzt umfassend abgebildet." Kritiker monierten allerdings, dass die Statistik auch von derzeitigen Regierung manipuliert werde. Sie lege einerseits zwar etwas offen und mache dabei viel Wind darüber, andererseits verschleiere sie aber auch unangenehme Fakten und schweige darüber. Aktive Arbeitsmarktpolitik Durch die Hartz-IV-Reform tauchten nun zwar zu Recht 227.000 erwerbsfähige Sozialhilfeempfänger erstmals in der Statistik auf. Gleichzeitig habe Rot-Grün die aktive Arbeitsmarktpolitik, mittels derer Arbeitslose auf Staatskosten in Lohn und Brot geholt würden, auf neue Rekordstände getrieben. So nahm nach Berechnungen der Stiftung Marktwirtschaft die Zahl der in staatlichen Beschäftigungsmaßnahmen geparkten Arbeitslosen seit Anfang 1999 von damals 1,27 Millionen auf mittlerweile rund 1,4 Millionen zu. Die Stiftung Marktwirtschaft bezeichnet sich selbst als wirtschaftsliberal und parteiübergreifend. Ihr Gesundheitskonzept wurde in weiten Teilen von der FDP übernommen. Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement räumte ein, dass es eine signifikante Zahl staatlich bezuschusster Jobs in Deutschland gebe. Im ZDF-Morgenmagazin betonte er am Mittwoch erneut, dass in der Statistik erstmals arbeitsfähige Sozialhilfeempfänger ausgewiesen seien. Er machte allerdings auch deutlich, dass zur jetzt genannten Zahl noch 1,4 bis 1,5 Millionen Menschen in öffentlicher Beschäftigung hinzu kämen. "Das ist dramatisch hoch." Clement warnt vor "Schockstarre" In Bezug auf die neuesten Arbeitslosenzahlen warnte Clement warnte davor, angesichts der "erschreckenden Zahl" in eine Art "Schockstarre" zu verfallen. Das Wichtigste sei jetzt, "dass ab sofort allen Jugendlichen ein Angebot gemacht wird", sagte er in Berlin. Von der Bundesagentur für Arbeit erwarte er verbesserte Vermittlung. Nach Erfahrungen des Auslands lasse sich die Arbeitslosenzahl allein durch schnellere Vermittlung um 15 Prozent senken. Er erwarte im Februar eine weitere Zunahme an Erwerbslosen. Eine Besserung sehe er erst im März/April, sagte Clement. Den Vorwurf der Opposition, die Statistik sei immer noch geschönt, wies Clement entschieden zurück. "Das ist dummes Zeug." Die CDU warf der Bundesregierung Untätigkeit vor, die FDP forderte Neuwahlen. Clement forderte ein Zusammengehen von Wirtschaft und Politik nach dem Vorbild des Ausbildungspaktes. "Es ist was zu bewegen, wenn sich alle bewegen." Dass dies funktioniere, habe der Ausbildungspakt gezeigt. Die Arbeitsmarktreform Hartz IV und 1,6 Prozent Wachstum reichten nicht für eine tiefgreifende Wende am Arbeitsmarkt aus. Ohne Hartz-IV-Effekt bei 4,8 Millionen Durch die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe zum neuen Arbeitslosengeld II erhöhte sich die Arbeitslosenzahl laut BA im Januar alleine um knapp 230.000. Ohne diesen Effekt hätte es einen für den Januar üblichen Anstieg um etwa 350.000 auf 4,8 Millionen Arbeitslose gegeben. Die saisonbereinigte Arbeitslosigkeit, also ohne Einflüsse der Witterung, wäre praktisch unverändert geblieben. So verzeichnete die BA hier ein Plus von 227.000.
Erstmals gab es im Januar mehr als fünf Millionen Arbeitslose in Deutschland. Aber nur, weil die Statistik jetzt ehrlicher sei, behauptet Wirtschaftsminister Clement. Die tatsächliche Arbeitslosigkeit ist allerdings noch viel höher.
wirtschaft
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Über fünf Millionen Arbeitslose - Der Rekord, der keiner sein soll
00/05/2010
Großbritannien ist Europas Konsumland Nummer eins, nun erschüttert die Krise der Bank Northern Rock die Nation - und sät Zweifel am beliebten Leben auf Pump. Mit zittrigen Händen zählt Paul Marshall sein Geld. Es sind druckfrische 20-Pfund-Scheine, auf denen die Queen würdevoll in die Ferne schaut. Marshall lässt die Banknoten durch die Finger gleiten. Immer wieder hält er die graublauen Scheine mit prüfenden Blick gegen das Licht. "100, 200, 300", murmelt er. Auf seinem abgeschabten Küchentisch hat er die Banknoten in kleinen Stapeln ausgebreitet. Das sieht aus wie beim Monopoly-Spiel. Es sind allerdings keine Millionen für einen Hauskauf in der Schlossallee, sondern nur 4500 Pfund. Marshall zählt seine Ersparnisse. "Ich bin froh, dass ich mein Geld hier zu Hause habe" sagt der 74-jährige Rentner. Ein hartes Leben Der alte Mann mit den schlohweißen Haaren und tiefen Falten im Gesicht wohnt in einer bescheidenen Sozialwohnung im Süden Londons. 40 Jahre hat er als Lastwagenfahrer gearbeitet. Es war ein hartes Leben. Der Rücken ist krumm. Die Augen blinzeln durch dicke Brillengläser. In seiner Zwei-Zimmer-Wohnung hängt der Geruch von altem Frittierfett in den Gardinen. Er habe keine großen Wünsche mehr, sagt Marshall. Mit seiner bescheidenen Rente von 900 Pfund monatlich könne er sich aber ganz gut über Wasser halten, meint er. Vor wenigen Tagen ist für Marshall wie für Tausende anderer Kunden der angeschlagenen britischen Bank Northern Rock eine Welt zusammengebrochen. Ihr mühsam Erspartes schien nicht mehr sicher zu sein. Fünf Stunden Schlange gestanden Erst waren es Gerüchte, dann Zeitungsmeldungen und Fernsehberichte, die Marshall schließlich zu seiner Northern Rock Filiale getrieben haben. Fünf Stunden stand er dort in einer langen schlangen Schlange empörter Kunden - Rentner, Hausfrauen, Postbeamte - die so genannten kleinen Leute, die zur treuesten Klientel der 1860 gegründeten Bank zählen. Sie wollten alles nur eines: Ihr Geld zurück. Der Supergau für eine Bank. Der Angestellte am Bankschalter von Northern Rock versuchte vergeblich, Marshall dazu überreden, das Konto nicht anzurühren. "Geben Sie mir meine Piepen", sagte Marshall empört und bestand auf prompte Auszahlung. Nun hortet er seine Ersparnisse lieber in seiner Wohnung, auch wenn dies keine Zinsen abwirft. Ein Versteck muss er noch finden. "Unter der Matratze ist mir zu unsicher. Vielleicht stecke ich mein Geld in die große Wanduhr", meint er. "Die kümmern sich doch nur um Großverdiener" Auf die Politiker ist der Rentner seit seiner hastigen Kontoauflösung nicht gut zu sprechen: Die Labour-Regierung habe den ganzen Schlamassel mit Northern Rock mitverursacht, ist Marshall überzeugt. "Die kümmern sich doch nur um Großverdiener", wettert er.
Großbritannien ist Europas Konsumland Nummer eins, nun erschüttert die Krise der Bank Northern Rock die Nation - und sät Zweifel am beliebten Leben auf Pump.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/grossbritannien-ende-einer-schulden-party-1.888157
Großbritannien - Ende einer Schulden-Party
00/05/2010
Bei VW haben schwierige Sanierungsgespräche begonnen: Die Konzernspitze drängt auf längere Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich. Der Betriebsrat macht derweil mit markigen Worten klar, dass dies ohne Gegenleistung nicht zu haben sein wird. Vor Beginn der Tarifgespräche bekräftigte der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats, Bernd Osterloh, eine Reihe von Forderungen an die Konzernführung. "Wir werden uns bei der Arbeitszeit bewegen, wenn wir mindestens ein zusätzliches Produkt für Wolfsburg bekommen, wenn unsere Teilefertigung aufgewertet und die Arbeitsplätze langfristig gesichert werden", sagte Osterloh dem Tagesspiegel. Detailansicht öffnen Produktion bei Volkswagen im Stammwerk Wolfsburg. (Foto: Foto: ddp) Der Betriebsratschef warnte den VW-Vorstand: "Wir haben einen Organisationsgrad von 97 Prozent und können zur Not den Konzern lahm legen." Konzernleitung und IG Metall wollen ab 10.00 Uhr erneut über die Sanierung von Europas größtem Autobauer verhandeln. 20 Prozent über Tarifvertrag VW-Vorstandschef Bernd Pischetsrieder will die Rückkehr zur 35-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich, da die VW-Arbeiter in den sechs westdeutschen Werken rund 20 Prozent über dem Tarifvertrag verdienen. Die IG Metall hält dagegen, VW habe nicht einmal genug Arbeit für die derzeitige Vier-Tage-Woche. Mindestens 20.000 Stellen und damit jeder fünfte Job steht bei Volkswagen auf der Kippe, Branchenkenner sprechen sogar von deutlich mehr. Betriebsbedingte Kündigungen sind allerdings bis Ende 2011 ausgeschlossen. Die Schwierigkeiten bei Volkswagen erklärte Betriebsratschef Osterloh vor allem mit Vorstandsentscheidungen und Fehlern in der Konstruktion der Autos. Teure Tür "Allein die so genannte Visionstür des Golf V kostet so viel wie die Einführung der 35-Stunden-Woche bringen würde", kritisierte er im Tagesspiegel.
Bei VW haben schwierige Sanierungsgespräche begonnen: Die Konzernspitze drängt auf längere Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich. Der Betriebsrat macht derweil mit markigen Worten klar, dass dies ohne Gegenleistung nicht zu haben sein wird.
wirtschaft
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"Säbelrasseln bei VW - ""Wir können zur Not den Konzern lahm legen"""
00/05/2010
Der langjährige Vorstandsvorsitzende der WestLB, Friedel Neuber, ist überraschend an Herzversagen gestorben. Neuber hat wie kaum ein anderer die Entwicklung der öffentlich-rechtlichen Kreditwirtschaft in Deutschland geprägt. Wie die Bank am Sonntag in Düsseldorf mitteilte, starb der 69jährige Neuber am Samstag im Anschluss an eine ärztliche Routineuntersuchung "plötzlich und unerwartet an Herzversagen". WestLB-Chef Thoams Fischer würdigte Neuber als eine überragende Unternehmerpersönlichkeit. Wie kaum ein anderer habe Neuber in den vergangen 20 Jahren die Entwicklung der öffentlich-rechtlichen Kreditwirtschaft in Deutschland geprägt. Neuber war der mächtigste Staatsbanker Deutschlands Unter den Topmanagern des deutschen Geldadels war Friedel Neuber in einem Punkt unschlagbar: So lange wie der frühere Vorstandschef der Westdeutschen Landesbank in Düsseldorf stand kein Banker an der Spitze eines deutschen Kreditinstituts. Zwischen 1981 und 2001 bestimmte er die Geschicke der Bank am Rhein. Neuber war ein Quereinsteiger. Ohne Abitur und Studium schaffte SPD- Mitglied Neuber als Sohn eines Eisenbahners aus Rheinhausen den Sprung ganz nach oben. Seinen beruflichen Aufstieg in die Chefetage der Düsseldorfer Staatsbank, die im August 2002 in die öffentlich-rechtliche Landesbank NRW und private WestLB AG aufgespalten wurde, verdankte "der rote Friedel" nicht nur seinem Ehrgeiz und Fleiß. "Friedel, du machst das schon" Auch seine zahlreichen politischen Verbindungen und nicht zuletzt sein Förderer Johannes Rau (SPD), trugen dazu bei: "Friedel, Du machst das schon", soll der damalige NRW-Ministerpräsident seinem Parteifreund gesagt haben, als dieser 1981 mit 46 Jahren Chef WestLB wurde. Neuber verblüffte seine Kritiker, die ihn wegen mangelnder Bankpraxis für eine Fehlbesetzung hielten: In zwei Jahrzehnten trimmte er den Bankkonzern auf Expansion. Mit einer Bilanzsumme von 432 Milliarden Euro - im Jahr seines Ausscheidens 2001 - und einem weit verzweigten Netz von ausländischen Niederlassungen gehörte die "europäische Großkundenbank" in der Branche zu einer Top-Adresse. In der Wirtschaft Nordrhein-Westfalens lief ohne den mächtigen WestLB-Chef nichts. Von der Fusion der Mischkonzerne Thyssen und Krupp, über Metro, Gildemeister, Babcock Borsig bis zur LTU - Neuber mischte mit und praktizierte Industriepolitik. Seine ehrgeizigen Tourismuspläne, über die frühere Preussag (heute TUI) einen Tourismuskonzern zu schmieden, scheiterten 1997 nur am Widerstand der Kartellbehörde. Neuber stand an der Spitze zahlreicher Aufsichtsräte unter anderem bei TUI, RWE und Babcock Borsig. 1999 geriet der quirlige Banker, der wegen seines Einflusses gern als "Macht am Rhein" bezeichnet wurde und als Scharnier zwischen rot- grüner Landesregierung und Wirtschaft galt, im Zusammenhang der Düsseldorfer Flugaffäre in die Schlagzeilen. Politiker sollen auf Kosten der WestLB den Flugdienst der Bank genutzt haben. Gleichzeitig ermittelten Staatsanwälte gegen Neuber und andere Vorstände, weil die WestLB Kunden systematisch beim Geldtransfer nach Luxemburg unterstützt haben soll. Das Verfahren wurde gegen eine Geldbuße eingestellt, ein Vorstandsmitglied nahm den Hut. Noch vor seinem Ausscheiden im August 2001 ebnete Neuber den Weg für einen radikalen Umbau der WestLB. Die Bank wurde in eine öffentlich-rechtliche Muttergesellschaft, der Landesbank NRW und der privaten Tochter WestLB AG aufgespalten. Nach jahrelangem Beihilfestreit mit der Brüsseler EU-Kommission wurde Neuber die Aufspaltung gewissermaßen aufgezwungen. Seine berufliche Laufbahn begann der am 10. Juli 1935 geborene Neuber als Industriekaufmann bei Krupp. Gleichzeitig bastelte er an einer SPD-Karriere. In den Düsseldorfer Landtag kam er als bis dahin jüngster Parlamentarier mit 26 Jahren. 1970 wurde er mit 34 Jahren Präsident des Rheinischen Sparkassen- und Giroverbandes.
Der langjährige Vorstandsvorsitzende der WestLB, Friedel Neuber, ist überraschend an Herzversagen gestorben. Neuber hat wie kaum ein anderer die Entwicklung der öffentlich-rechtlichen Kreditwirtschaft in Deutschland geprägt.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/todesfall-der-rote-friedel-ist-tot-1.905310
"Todesfall - Der ""rote Friedel"" ist tot"
00/05/2010
Der Machtkampf um die Führung der IG Metall eskaliert. Vizechef Jürgen Peters wies alle Rückzugsforderungen scharf zurück und provoziert damit eine Zerreißprobe. (SZ vom 05.07.03) - Als "Verzweiflungsschrei" wertete es ein hoher Funktionär, dass nun bei der Suche nach dem Nachfolger des scheidenden IG-Metall-Chefs Klaus Zwickel ein dritter Kandidat ins Spiel gebracht werde. Bislang war Peters für dieses Amt vorgesehen, während der Reformer Berthold Huber aus Baden Württemberg sein Stellvertreter werden sollte. Detailansicht öffnen Manchem Metaller ist Vize-Chef Jürgen Peters nur noch schwer vermittelbar. (Foto: dpa) Aus Nordrhein-Westfalen kam der Vorschlag, eine Findungskommission einzusetzen. VW-Betriebsratschef Klaus Volkerts forderte Huber ultimativ auf, Farbe zu bekennen. Erstmals wurde auch im Osten Kritik an Peters laut. Druck rausnehmen Die Findungskommission solle den Druck aus dem Führungsstreit nehmen, sagten Gewerkschafter aus Nordrhein-Westfalen und dem Bezirk Küste. "Augen zu und durch, das ist keine mehrheitsfähige Position mehr in der IG Metall", meinte Witich Roßmann, Leiter der Verwaltungsstelle Köln, der Süddeutschen Zeitung. "Um eine glaubwürdige, von einer breiten Mehrheit getragene Führung auf dem Gewerkschaftstag im Herbst wählen zu können, müssen wir in Ruhe neu diskutieren". Damit tritt ein Teil des Reformerlagers um Huber und Zwickel die Flucht nach vorn an. Der Vorschlag soll Bewegung in den 41-köpfigen Vorstand bringen, der seit Wochen durch eine Patt-Situation gelähmt ist. Am Dienstag soll er über die Personalquerelen entscheiden. Sofort abgewinkt In der IG Metall wurden unterdessen sogar Personalvorschläge wie der ehemalige Vorsitzende Franz Steinkühler oder NRW-Arbeitsminister Harald Schartau - der sofort abwinkte - debattiert. Sämtliche Bezirkschefs sind politisch klar zuzuordnen, zwei sind für Peters und fünf für Huber. Sie gelten deshalb als nicht mehr fähig, die zerstrittene Gewerkschaft zu einen. Es liege jetzt an Huber, den Streit zu beenden, sagte VW-Betriebsrat Volkert. Der Baden-Württemberger solle sich mit dem Posten des Vizechefs unter Peters begnügen, so wie es der Vorstand im April beschlossen habe. "Ich sehe sonst im Vorstand niemanden, der auch nur ansatzweise die Organisation einen könnte", sagte Volkert. Der Peters-Unterstützer will damit Huber in Zugzwang bringen. "Es geht nicht um Huber" Bayerns IG Metall-Chef Werner Neugebauer wies dies zurück. "Es geht nicht um Huber, sondern darum, ob Peters als oberster Tarifpolitiker die Verantwortung für unsere größte Niederlage seit fünfzig Jahren übernimmt", sagte er. Huber habe schließlich nicht an der Streikplanung teilgenommen. Zum ersten Mal wurde auch in Ostdeutschland harte Kritik am Eskalationskurs von Peters laut. "Ich verliere jede Achtung" vor den Vizechef, sagte Sieghard Bender, Streikführer in Chemnitz. Der Arbeitskampf sei von "blindem Aktionismus" geprägt gewesen. "Die Änderung des Streikkonzepts" hin zu mehr Fernwirkung der ostdeutschen Ausstände auf westdeutsche Betriebe sei zuvor mit den regionalen Streikführern "nicht diskutiert" worden. "Öffentliche Schlammschlacht" Die Tarifkommission in Chemnitz hat sich laut Bender hinter diese Kritik gestellt, ähnlich sähen dies die Verwaltungsstellen Berlin, Leipzig und Oranienburg. Der Betriebsrat von EKO-Stahl in Eisenhüttenstadt stellte sich hingegen auf die Peters-Seite. Er verlangte, die "öffentliche Schlammschlacht" in der IG Metall zu beenden". Im geschäftsführenden Vorstand der IG Metall attackierte umgekehrt Horst Schmitthenner den scheidenden ersten Vorsitzenden Klaus Zwickel. "Ich fühle mich von Zwickel getäuscht", sagte der als Linksaußen geltende Schmitthenner. "Wir hatten die Verabredung, das Scheitern des Streiks zunächst intern zu analysieren." Zwickel hatte zuvor öffentlich Peters angegriffen, dieser jedoch seinerseits auch Zwickel. Zu zerrüttet "Eine Zusammenarbeit mit einem ersten Vorsitzenden Peters ist nach all dem Streit nicht mehr vorstellbar", sagte ein Bezirkschef der SZ. Zu zerrüttet seien nach dem Streit der zu Ende gehenden Woche die Beziehungen. Seinen Namen wollte er nicht nennen lassen. Sogar über eine Spaltung der Gewerkschaft wird spekuliert, sollte Peters doch noch Chef werden. Die starken Betriebsräte der Autoindustrie, die das Rückgrat der Gewerkschaft bilden, würden sich mit Peters nicht abfinden, hieß es. Wenn der Vorstand am Dienstag Peters nicht zum Rückzug bewegen kann, erwägen Vorständler um Zwickel, selbst zurückzutreten. Damit wäre die 2,7 Millionen Mitglieder große Organisation faktisch führungslos.
Der Machtkampf um die Führung der IG Metall eskaliert. Vizechef Jürgen Peters wies alle Rückzugsforderungen scharf zurück und provoziert damit eine Zerreißprobe.
wirtschaft
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Nach verlorenem Streik - Machtkampf um die Führung in der IG Metall
00/05/2010
Seit sich Michael Jaffé vor vier Jahren um die Pleite des Medienkonzerns Kirch gekümmert hat, ist er einer der prominentesten Insolvenzverwalter Deutschlands. Nun steht er wieder im Mittelpunkt eines bizarren Krimis: Er muss das WM-Maskottchen Goleo verkaufen. Was sofort auffällt, das sind die Karotten. In der Bibliothek der Kanzlei Jaffé liegen nicht, wie sonst in großen Anwaltsbüros oder in Konzernzentralen üblich, ein paar Plätzchen für den kleinen Hunger bereit. Detailansicht öffnen Hält sich gern im Hintergrund: Michael Jaffé. (Foto: Foto: dpa) Statt süßem Teegebäck gibt es für den Hausherrn und seine Gäste knackige Möhren. Michael Jaffé, Fachanwalt für Insolvenzrecht, versucht gesund zu leben. Seit einigen Jahren läuft er regelmäßig. Irgendwie muss der Stress ja abgebaut werden, dem sich der Experte für Firmenpleiten immer wieder aussetzt. Gegenwärtig wühlt sich der Münchner Jurist mit Wirtschaftsprüfern und anderen Helfern tage- und nächtelang durch die Akten und Dateien des Plüschtier-Produzenten Nici im oberfränkischen Altenkunstadt. Weltweite Schlagzeilen Das neue Mandat macht weltweit Schlagzeilen. Schließlich stellt Nici das WM-Maskottchen Goleo her, einen hosenlosen Löwen, der besonders in Japan viele Anhänger hat. Und es handelt sich um einen bizarren Krimi. Der langjährige Vorstandschef Ottmar Pfaff hat für mindestens 55 Millionen Euro Scheinrechnungen geschrieben und diese Forderungen für 40 Millionen Euro an Banken und andere Finanzfirmen verkauft, die das Geld später eintreiben wollten. Pfaff habe es nicht über das Herz gebracht, sagt dessen Anwalt, Einschnitte vorzunehmen und die Kosten den Einnahmen anzupassen. Das ist jetzt der Job des vorläufigen Insolvenzverwalters. Jaffé muss den 580 Beschäftigten, davon 350 in Altenkunstadt, eines nicht allzu fernen Tages bittere Wahrheiten verkünden. Nicht alle Arbeitsplätze bleiben erhalten Nici kann als Firma gerettet werden, dessen ist sich der vorübergehende Firmenchef sicher. Aber es werden bestimmt nicht alle Arbeitsplätze erhalten bleiben. Im nationalen und teilweise auch im internationalen Wirtschaftsleben hat der Münchner Jurist eine gewisse Bekanntheit erlangt, seitdem er sich vor vier Jahren um eine der spektakulärsten Pleiten in Deutschland kümmerte. Das Amtsgericht setzt Jaffé als Insolvenzverwalter bei der Kirch-Gruppe ein, dem größten Film- und Fernsehkonzern im Lande. Die Kanzlei nahe dem Marienplatz, direkt gegenüber dem Rathaus gelegen, war plötzlich eine Art Konzernzentrale. Die meisten Aktien der Pro Sieben Sat 1 Media AG lagen dort, ebenso Übertragungsrechte für die Fußball-Bundesliga und die Weltmeisterschaft 2002 sowie die Rechte an mehreren zehntausend Filmen und Serien. Guter Überblick Dass kein einziger von Leo Kirchs vielen Fernsehsendern vom Bildschirm verschwand, das lag auch an Jaffé, der in dem unübersichtlichen Geflecht mit Hunderten Firmen und diversen fragwürdigen Geschäften nicht den Überblick verlor.
Seit sich Michael Jaffé vor vier Jahren um die Pleite des Medienkonzerns Kirch gekümmert hat, ist er einer der prominentesten Insolvenzverwalter Deutschlands. Nun steht er wieder im Mittelpunkt eines bizarren Krimis: Er muss das WM-Maskottchen Goleo verkaufen.
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Insolvenzverwalter Michael Jaffé - Im Plüschtier-Land
00/05/2010
Warten wird teuer. Denn wer die letzten Wochen des Jahres ungenutzt verstreichen lässt, verzichtet möglicherweise auf mehrere tausend Euro Steuerersparnis oder direkte Zuschüsse vom Staat. (SZ vom 5.11.03) — Geschicktes Taktieren hingegen bringt finanzielle Vorteile und kann zudem die richtigen Weichen für das kommende Jahr stellen, wenn wohl die dritte Stufe der Steuerreform vorgezogen wird. Wer seine Chancen nutzt, kann unter bestimmten Umständen sein Weihnachtsgeld weitgehend steuerfrei einstreichen. "Das kann tatsächlich funktionieren", sagt Steuerberater Lutz Koch aus Eschweiler bei Aachen. Dazu muss der Steuerzahler bis spätestens 30. November seine sämtlichen steuersparenden Freibeträge fürs Jahr 2003, die er bislang noch nicht genutzt hat, in die Lohnsteuerkarte eintragen lassen. Es bleibt viel übrig Darunter fallen etwa die Entfernungspauschale oder Sonderausgaben für Unterhaltszahlungen. "Weil die Jahresfreibeträge dann nur noch in einem einzigen Monat, dem Dezember, wirken, bleibt netto vergleichsweise viel vom Bruttoeinkommen übrig", erläutert Berater Koch. Vom Weihnachtsgeld nimmt der Fiskus dann oft kaum noch etwas weg. Allerdings müssen die erhöhten steuersparenden Ausgaben auf das Jahr gerechnet mindestens 600 Euro betragen, damit das Finanzamt mitspielt. Wer demnächst ins eigene Heim ziehen möchte, sollte sich sputen. Die Neujahrsfalle Denn möglicherweise wird ab dem kommenden Jahr die staatliche Förderung selbst genutzten Wohneigentums spürbar verringert. Zudem droht die so genannte Neujahrsfalle. Die hohe Eigenheimzulage für Neubauten von 2556 Euro jährlich über einen Zeitraum von acht Jahren erhält garantiert nur, wer dieses Jahr noch einen Bauantrag stellt oder den Kaufvertrag unterzeichnet. Dieses Problem haben künftige Eigenheimbesitzer, die momentan bauen, nicht. Dafür aber ein anderes. Wird die selbst genutzte Immobilie noch in diesem Jahr fertig, sollte auch der Einzug bis spätestens Silvester bewältigt sein. Falls nicht, verzichtet der Eigentümer auf ein Jahr staatliche Zulage. Weniger Förderung für Bausparer Wer in diese Neujahrsfalle tappt, erhält für seine neue Immobilie 2556 Euro weniger, für ein gebrauchtes Objekt 1278 Euro weniger. Weniger staatliche Förderung gibt es wohl ab dem kommenden Jahr auch für Bausparer, weil die Wohnungsbauprämie entfallen soll. Wer noch vor Neujahr einen Bausparvertrag abschließt, kann sich die Finanzspritze vom Amt sichern, allerdings nur wenn das Nettojahreseinkommen von 25600 Euro bei Singles und von 51200 bei Verheirateten nicht überschritten wird. Prämienanspruch ab 16 Gefördert werden jährliche Sparraten von höchsten 512 Euro mit zehn Prozent Prämie, umgerechnet 51,20 Euro. Anspruch auf Wohnungsbauprämie haben auch nicht berufstätige Ehepartner und Kinder ab 16 Jahren. Der Staat fördert die Vermögensbildung auch über die Arbeitnehmersparzulage. Diesen Zuschuss erhalten Arbeitnehmer, die ihre "vermögenswirksamen Leistungen" (VL) vom Chef in bestimmte Anlageformen investieren. Werden die einschlägigen Netto-Einkommensgrenzen - 17900 Euro bei Singles und 35800 Euro bei Ehepaaren - eingehalten, beträgt der Zuschuss vom Staat maximal 48 Euro bei Bausparverträgen und 81,60 Euro beim Sparen in Aktienfonds. Deutlich schärfere Kontrollen Noch bis Ende 2004 bekommen Arbeitnehmer in den neuen Bundesländern hier sogar 102 Euro im Jahr. Fällt in diesen Tagen auf, dass die Sparzulage für das Jahr 2001 noch nicht beantragt wurde, kann dies noch bis einschließlich Silvester nachgeholt werden. Wohl auch künftig wird es die Besteuerung von Spekulationsgewinnen geben. Allerdings mit deutlich schärferen Kontrollmechanismen. Für steuerehrliche Anleger kein Problem. Zumal sie bis zum Jahresende noch ausreichend Zeit und genug Chancen haben, ihre Investments steuerlich zu optimieren. Wertpapierstrategien Die Strategie: Das eigene Depot wird daraufhin überprüft, ob sich darin noch verlustträchtige Wertpapiere, in der Hauptsache Aktien, befinden. Wurden die vor weniger als zwölf Monaten erworben und besteht kaum Aussicht, dass sich die Börsenkurse während eines erträglichen Zeitraums erholen, ist ein Verkauf oft sinnvoll. Begründung: "Die während der zwölfmonatigen Spekulationsfrist realisierten Kursverluste dürfen mit Spekulationsgewinnen steuersparend verrechnet werden", sagt der Kölner Rechtsanwalt Günter Reinert. Sind die Verluste in diesem Jahr höher als die Spekulationsgewinne, ist das kein Beinbruch. Denn die roten Zahlen dürfen in das vorangegangene Kalenderjahr 2002 zurück- und unbegrenzt in die Zukunft vorgetragen werden und können dadurch Steuern sparen. Verluste geltend machen Durch die Wahl der passenden Investments noch vor dem Jahreswechsel können sich Steuerzahler auch diverse staatliche Finanzhilfen sichern. Es genügt schon der Kauf erstklassiger Festverzinslicher Wertpapiere wie Staatsanleihen in den letzten Wochen vor dem Jahreswechsel. Vorteilhaft ist hier der legale "Stückzins-Trick". Hintergrund: Börsennotierte Anleihen sammeln mit der Zeit Stückzinsen an. Die sind vergleichsweise hoch kurz vor dem nächsten Ausschüttungstermin. Der Käufer einer Anleihe muss diese zeitanteiligen Zinsen neben dem Börsenkurs dem Verkäufer des Papiers zahlen, darf im Gegenzug aber die Stückzinsen als "negative Einkünfte aus Kapitalvermögen" steuersparend geltend machen. Der praktische Nutzen der genannten Möglichkeiten: Dadurch kann das eigene Einkommen im laufenden Jahr spürbar gedrückt werden. Davon können beispielsweise Bauherren profitieren, die die bei der Eigenheimzulage geltenden Einkommensgrenzen geringfügig überschreiten. Anspruch bis zum 27. Lebensjahr Auch die Eltern volljähriger Kinder können profitieren. Denn Anspruch auf staatliches Kindergeld oder den steuersparenden Freibetrag besteht bis zum vollendeten 27. Lebensjahres des Nachwuchses, sofern dieser sich noch in der Ausbildung befindet und daheim bei den Eltern lebt. Allerdings darf Sohn oder Tochter kein zu hohes eigenes Einkommen haben. Hat der Nachwuchs seit Januar etwa durch Aushilfsjobs zu viel verdient und steht deshalb das Kindergeld auf dem Spiel, kann durch den Kauf von Anleihen mit hohem Stückzins-Anteil die staatliche Finanzhilfe an die Eltern gesichert werden.
Warten wird teuer. Denn wer die letzten Wochen des Jahres ungenutzt verstreichen lässt, verzichtet möglicherweise auf mehrere tausend Euro Steuerersparnis oder direkte Zuschüsse vom Staat.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/bescheid-wissen-vorteile-nutzen-ganz-legale-steuertricks-1.899494
Bescheid wissen, Vorteile nutzen - Ganz legale Steuertricks
00/05/2010
In 80-ern bewarb die Optiker-Kette Fielmann ihre "Nulltarif-Brille". Mit einem ganz ähnlichen Konzept geht nun die McZahn AG an den Start. McZahn verspricht "Zahnersatz zum Nulltarif". Konkurrenzlos billige Import-Implantate aus China sollen es möglich machen. Die erste von bundesweit 400 Discount-Praxen will McZahn am Donnerstag in Krefeld eröffnen. Detailansicht öffnen Zahntechnikerin arbeitet an einem Gebiss-Modell. (Foto: Foto: dpa) Derweil kritisieren Ärztevertreter die McZahn-Versprechen, Zahntechniker halten das Franchise-System von McZahn sogar für rechtlich bedenklich. "An unseren Preis kommt keiner ran", verspricht McZahn-Gründer Werner Brandenbusch, 54-jähriger Unternehmer aus dem niederrheinischen Willich. Billiger chinesischer Zahnersatz Sein Vorteil seien die extremen Niedrigpreise für Zahnersatz made in China: Die Preise für chinesischen Zahnersatz seien im Vergleich zu deutschen Produkten derart niedrig, dass McZahn allein mit den Zuschüssen der gesetzlichen Krankenkassen auskomme und Regelleistungen zum Nulltarif anbieten könne. "Die Chinesen sind nun mal bereit, 16 Stunden am Tag zu arbeiten, und das sieben Tage pro Woche", sagt Brandenbusch. Kritik an seiner Billig-Strategie will er nicht gelten lassen: "Wir sind doch das einzige Unternehmen, das wirklich was für die Kostendämpfung im Gesundheitssystem tut." "Reine Handwerkskunst" Die Qualität seines Zahnersatzes verteidigt der McZahn-Gründer vehement: "Die Herstellung ist ja keine Schwarze Magie, sondern reine Handwerkskunst, die die Chinesen hervorragend beherrschen", sagt Brandenbusch, der Journalisten den Beinamen "Fielmann der Zahnärzte" verdankt. 400 eigene Praxen "in bester Lage" will Brandenbusch bis 2009 eröffnen, die größten mit drei Ärzten und acht Behandlungsstühlen. Noch keinen Cent in Werbung gesteckt Bis zum Jahresende sollen es bis zu 30 Praxen sein. "Und einige sind bereits für drei oder vier Wochen ausgebucht, obwohl sie noch gar nicht geöffnet haben", sagt der McZahn-Chef. Dabei habe sein Unternehmen noch keinen Cent in Werbung gesteckt.
In 80-ern bewarb die Optiker-Kette Fielmann ihre "Nulltarif-Brille". Mit einem ganz ähnlichen Konzept geht nun die McZahn AG an den Start.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/nulltarif-gebiss-der-fielmann-der-zahnaerzte-oeffnet-erste-praxis-1.899557
"Nulltarif-Gebiss - Der ""Fielmann der Zahnärzte"" öffnet erste Praxis"
00/05/2010
Dem Software-Unternehmen Intershop droht die Zahlungsunfähigkeit. Der einstige Börsenstar des Neuen Marktes verfügt kaum noch über finanzielle Mittel. (SZ vom 04.07.03) - Weil die Umsätze weiter abstürzen und die Verluste nach oben schnellen, wurde ein erneuter massiver Stellenabbau angekündigt, 220 Mitarbeiter müssen gehen. Detailansicht öffnen Intershop-Hochhaus in Jena: Ein stolzer Firmensitz, aber hinter der Fassade wird mit Hochdruck gerechnet. (Foto: dpa) Die Lage bei Intershop, dem einstigen ostdeutschen Vorzeigeunternehmen, hat sich dramatisch zugespitzt. Intershop-gründer und Vorstandschef Stephan Schambach und sein Finanzvorstand Jürgen Schöttler arbeiten mit Hochdruck an Lösungen, um die drohende Zahlungsunfähigkeit zu verhindern. "Wir glauben, wir können es abwenden", sagte Schöttler der Süddeutschen Zeitung. Zwei Sofortmaßnahmen wurden eingeleitet, deren Erfolg jedoch ungewiss ist. Mittel frei bekommen Zunächst muss die angeschlagene Software-Firma für den normalen Geschäftsbetrieb dringend benötigte Mittel frei bekommen. Intershop verfügt aufgrund des fortlaufenden Geschäftseinbruches nach eigenen Angaben nur noch über liquide Reserven in Höhe von 10,5 Millionen Euro (Stand 30.Juni) - und das bei einem für 2003 prognostizierten Jahresverlust (Ebitda) von rund 20 Millionen Euro. Sieben Millionen Euro der ohnehin schon dünnen Liquiditätsdecke seien derzeit fest gebunden, mithin nicht greifbar, sagte Schöttler. Mietgarantien In Verhandlungen mit der Commerzbank, die einst den Börsengang von Intershop begleitet hatte, sollen fünf Millionen Euro rasch frei gemacht werden. Dabei geht es um Mietgarantien für das Intershop-Hochhaus in Jena, dem langfristig angemieteten Firmensitz. Die Verhandlungen sind kompliziert, weil neben der sicherheitsgebenden Bank auch der Turm-Vermieter überzeugt werden muss. "Wir arbeiten an einer Lösung", betonte der Finanzchef: "Wir sind uns aber im klaren, was wir machen müssen, falls es uns nicht gelingt." Die Insolvenz ist dann offenkundig unvermeidlich. Als weitere Notmaßnahme baut das Unternehmen erneut erheblich Stellen ab; jeder zweite der noch 445 Mitarbeiter muss gehen. "Die Kosten müssen ganz rasch nach unten gefahren werden", sagte Schöttler. Geschäftsstellen werden verkauft So sollen die verbliebenen Vertriebs- und Geschäftsstellen im europäischen Ausland an die dortigen Manager verkauft werden, rund 100 Stellen fallen dann weg. In Jena dürften 100 Arbeitsplätze gestrichen werden. Hier soll eine Beschäftigungsgesellschaft gegründet werden, damit die Mitarbeiter ihr Unternehmen möglichst freiwillig, rasch und ohne kostentreibende Abfindungen verlassen. "Das Land Thüringen hilft uns", sagte Schöttler, ohne genauere Angaben zu machen. Intershops Überleben hängt allerdings von weiteren Maßnahmen ab. "Wir benötigen Investoren", sagte der Finanzvorstand. Seit einem Jahr sucht Intershop-Gründer Schambach, der 19,2 Prozent an seinem Unternehmen hält, finanzielle oder strategische Investoren - bislang ohne jeden Erfolg. Schon seit zweieinhalb Jahren auf Talfahrt Intershop befindet sich nun schon seit zweieinhalb Jahren auf Talfahrt. Die von Schambach mehrfach angekündigte Wende ist immer wieder ausgeblieben. "Die Lage ist nun dramatisch", sagte ein leitender Mitarbeiter. Das zweite Quartal ist so schlecht gelaufen, dass Intershop seine Prognosen erneut deutlich nach unten korrigieren musste. Statt des erwarteten Jahresumsatzes von 45 Millionen Euro wird nur noch mit 20 bis 25 Millionen Euro gerechnet. Der Markt für Informationstechnologie liege am Boden, die Kunden hielten sich mit Investitionen in das Internet zurück, teilte Intershop mit.
Dem Software-Unternehmen Intershop droht die Zahlungsunfähigkeit. Der einstige Börsenstar des Neuen Marktes verfügt kaum noch über finanzielle Mittel.
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Zugespitzte Lage - Intershop droht das Ende
00/05/2010
Die Europäische Zentralbank ist ungeachtet des steigenden Eurokurses optimistisch zur Konjunkturentwicklung. Der starke Euro sorge für günstige Einfuhrpreise und erhöhe dadurch die verfügbaren Einkommen im Euroraum. (SZ vom 10.10.03) - Die bisher nur allmähliche wirtschaftliche Erholung werde sich im kommenden Jahr verstärken, heißt es im Monatsbericht der Notenbank. Umfragen und Produktionsdaten zeigten im dritten Quartal eine Besserung. Die Erholung habe bereits in Teilen der Weltwirtschaft eingesetzt. Deshalb sei mit einer Belebung der Auslandsnachfrage und einem Anstieg der Exporte zu rechnen, heißt es bei der EZB. Die Bedingungen für den Aufschwung würden durch die Anpassungen der Unternehmen zur Steigerung ihrer eigenen Ertragskraft unterstützt. Das niedrige Zinsniveau fördere dies und reize zu neuen Investitionen. Die EZB hatte am 2. Oktober ihre Leitzinsen bei einem unveränderten Niveau von zwei Prozent gelassen. Die Aufwertung des Euro wird von der EZB nur positiv beschrieben. Die verbilligten Einfuhren könnten eine Belebung des Verbrauchs voranbringen. Stärke im Wesentlichen gegenüber Dollar Die EZB weist außerdem darauf hin, dass der Wechselkurs des Euro Anfang Oktober gegenüber den zwölf wichtigsten Handelspartnern um 13 Prozent über dem Schnitt des vergangenen Jahres lag. Die Eurostärke existiere im Wesentlichen gegenüber dem Dollar und nur in geringem Umfang gegenüber asiatischen Währungen und dem britischen Pfund. Seit dem Anschluss an das G 7-Treffen am 20. September sei es zu einem breit angelegten Anstieg des Yen gekommen. Der Euro habe Anfang Oktober bei knapp 130 Yen gelegen und damit ein Zehntel über dem Schnitt des vergangenen Jahres. Die Preisentwicklung in der Eurozone wird von der EZB weiterhin günstig eingeschätzt. Sie dürfte im weiteren Verlauf des Jahres um die Marke von zwei Prozent pendeln. Der dämpfende Effekt des Eurokurses werde teilweise durch die Folgen der Dürre in Europa und indirekte Steuern sowie höhere staatliche Preise überlagert. 2004 soll die Inflationsrate dessen ungeachtet unter zwei Prozent sinken. Keine Gefahr durch Geldmenge Das kräftige Geldmengenwachstum, das der Wirtschaft im Euroraum mehr Mittel beschert als nötig, stellt angesichts des verhaltenen Wirtschaftswachstums keine Gefahr dar. Erst bei einem kräftigen Konjunkturaufschwung könne es mittelfristig Spannungen wegen eines Preisauftriebs geben. "Tief besorgt" zeigte sich die EZB aber über die Finanzpolitik. Die meisten Länder würden ihre Haushaltsziele für 2003 deutlich verfehlen. In einigen Fällen stimmten auch die Pläne für 2004 nicht zuversichtlich. "Es ist beunruhigend, dass nicht alle Länder mit schwerwiegenden Ungleichgewichten ausreichende Konsolidierungsmaßnahmen eingeleitet haben", heißt es ohne die Namen einzelner Länder zu nennen. Unabdingbar sei, die Regeln des Stabilitäts- und Wachstumspakts einzuhalten und dadurch den einzelnen Ländern regelmäßig die Risiken und Kosten vorzuführen, mit denen sie rechnen müssen. Weitere Reformen an den Arbeits- und Gütermärkten im Euroraum seien "dringend erforderlich".
Die Europäische Zentralbank ist ungeachtet des steigenden Eurokurses optimistisch zur Konjunkturentwicklung. Der starke Euro sorge für günstige Einfuhrpreise und erhöhe dadurch die verfügbaren Einkommen im Euroraum.
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EZB optimistisch - Die positive Seite der Euro-Stärke
00/05/2010
Manfred Bischoff tritt wie schon seit 1976 für DaimlerChrysler an - seit heute als Aufsichtsratschef. Seine erste schwere Aufgaben in seinem neuen Amt: Mit dem Konzernchef Dieter Zetsche eine Lösung für die Sorgentochter zu finden. Versonnen blickte Manfred Bischoff vom Podium des schon ziemlich in die Jahre gekommenen Berliner Kongressbunkers ICC hinunter auf den Hauptredner. Konzernchef Dieter Zetsche erörterte gerade zum x-ten Male, dass man sich für die Zukunft der ebenfalls in die Jahre gekommenen DaimlerChrysler-Ehe weiterhin alle Optionen offenhalte - inklusive Scheidung. Mit dem Ende dieser Hauptversammlung wird Bischoff als neugewählter Aufsichtsratschef der Partner von Zetsche sein und mit darüber wachen, dass das leidige Kapitel Chrysler mit Anstand über die Bühne gebracht wird. Nachfolge von Hilmar Kopper Bischoffs Vorgänger Hilmar Kopper wurde vor einigen Jahren einmal von einem Fernsehteam zum Thema Managergehälter befragt und mit der Frage konfrontiert, wie denn die Spitzengehälter bei DaimlerChrysler einerseits und der ständig fallende Aktienkurs andererseits zu verstehen wären. Darauf antwortete Kopper nur schnöde, das zu verstehen bedürfe eines besonderen Wissens, über das die breite Öffentlichkeit gar nicht verfügen könne. So eine Art von Arroganz an den Tag zu legen, fiele dem pietistisch geprägten Manfred Bischoff aus der Kleinstadt Calw nicht ein. Auch sonst dürfte mit Bischoff ein neuer Stil im DaimlerChrysler-Konzern Einzug halten. Es könnte gut sein, dass nach der konstituierenden Aufsichtsratssitzung andere Saiten aufgezogen und die Fragen des Aufsichtsratsvorsitzenden Bischoff an den Vorstandschef Zetsche bohrender werden als unter Kopper. Multivariabilität Was passiert mittelfristig mit der wackeligen Transporter-Sparte? Und mit der EADS-Beteiligung, die nun definitiv nicht zum Kerngeschäft Auto passt und nach dem Airbus-Debakel auch keine ordentlichen Renditen mehr abwirft? Da trifft es sich gut, dass Bischoff seine Dissertation an der Universität Heidelberg zum Thema "Multivariable Zielsetzungen in der Unternehmung" anfertigte. Solche Multivariabilität nach dem Motto "Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln" prägte das Unternehmen über Jahrzehnte, vom integrierten Technologiekonzern unter Edzard Reuter über Jürgen Schrempps Welt AG bis zu Dieter Zetsches Rückschnitt aufs Kerngeschäft Auto. Seit 1976 bei DaimlerChrysler In Manfred Bischoff steht erstmals ein Chefkontrolleur an der Spitze des Unternehmens, der nicht aus dem Hause des langjährigen Großaktionärs Deutsche Bank kommt. Dafür kennt der promovierte Jurist und Volkswirt, der in knapp drei Wochen 65 wird, den Autokonzern bestens. 1976 begann er bei Daimler-Benz seine Karriere als Manager, wurde 1989 Finanzvorstand bei der Daimler-Tochter Dasa und 1995 mit Jürgen Schrempps Aufstieg zum Konzernchef Vorstandsvorsitzender der Rüstungs- und Flugzeugsparte. Der Dasa verordnete er noch zusammen mit Schrempp das schmerzhafte Sanierungsprogramm Dolores ("Dollar low rescue"), und als die Dasa mit seiner Hilfe 2000 in der EADS aufging, übernahm er dort Aufsichtsratsfunktionen. Bischoff hat nie durch öffentliche Skandale auf sich aufmerksam gemacht, er tendiert auch nicht zum maulheldisch-medialen Großauftritt. "Ich bin mehr Arbeitspferd denn Zirkuspferd", beschrieb er sich einmal selbst.
Manfred Bischoff tritt wie schon seit 1976 für DaimlerChrysler an - seit heute als Aufsichtsratschef. Seine erste schwere Aufgaben in seinem neuen Amt: Mit dem Konzernchef Dieter Zetsche eine Lösung für die Sorgentochter zu finden.
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Neuer Aufsichtsratschef - Alteingesessen und gut
00/05/2010
Geschichten von Geld, Macht und Verwandtschaft sind zwangsläufig dramatisch, zumal mit zunehmendem Reichtum offenbar häufiger gestritten wird. Eines Tages bekommt Bankier Nathan Mayer Rothschild Besuch von einem mächtigen englischen Würdenträger. Nathan bittet ihn, sich einen Stuhl zu nehmen, er sei in einer Minute für ihn da. Schon diese Verzögerung beleidigt den Mann: ,,Wissen Sie eigentlich, wer ich bin?'', fragt er und deutet auf das königliche Wappen. Rothschild blickt nur kurz von der Arbeit auf: ,,Na, dann nehmen Sie eben zwei Stühle.'' Ähnliche Geschichten gibt es von vielen Firmengründern - Patriarchen sind offenbar gerne mal barsch, mit Fremden, oder auch der eigenen Familie. Zumindest handelt das neue Buch von David Landes über Wirtschaftsdynastien von knurrigen Vätern und verlorenen Söhnen. Geld, Macht und Verwandschaft Diese Geschichten von Geld, Macht und Verwandtschaft sind zwangsläufig dramatisch, zumal mit zunehmendem Reichtum offenbar häufiger gestritten wird. Der Wirtschaftshistoriker Landes porträtiert neben den Rothschilds auch die Fords, Agnellis, Rockefellers, Guggenheims und Schlumbergers, und dabei geht es ihm nur am Rande um Geschichten wie die Mordgelüste, die etwa den Clan der Guccis zerstörten. Vielmehr ärgert ihn, dass das herrschende volkswirtschaftliche Denken Familienbetriebe als ,,uneffektiv und nicht mehr zeitgemäß'' wahrnimmt. Stattdessen halte die Wissenschaft managergeführte, börsennotierte Konzerne hoch. Binsenweisheit Landes findet das falsch. Schließlich sei die Mehrzahl der Firmen heute noch familiengeführt. In der EU gilt das, je nach Land, für 60 bis 90 Prozent der Unternehmen, sie stehen für den Großteil der Arbeitsplätze, und es sei ,,fast eine Binsenweisheit, dass die besten kleinen und mittleren Betriebe die eigentlichen Wachstumsmotoren sind''.
Geschichten von Geld, Macht und Verwandtschaft sind zwangsläufig dramatisch, zumal mit zunehmendem Reichtum offenbar häufiger gestritten wird.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/familiendynastien-knurrige-vaeter-und-verlorene-soehne-1.907570
Familiendynastien - Knurrige Väter und verlorene Söhne
00/05/2010
Konjunkturschwäche, Kaufzurückhaltung: das sind Begriffe, die Peter Suchy nicht kennt. Er ist Geschäftsführer der Clearaudio GmbH, die sich auf Geräte rund um die Schallplatte konzentriert - vom Tonabnehmer mit millimeterkleinen Goldspulen über Tonarme und Plattenlaufwerke bis zum Endverstärker. Detailansicht öffnen Doch, das sind Plattenspieler. (Foto: Foto: Clearaudio) "Wer unsere Komponenten kauft, hat üblicherweise eine umfangreiche Schallplattensammlung zuhause und nennt Musik sein Hobby", sagt der 58-jährige Firmengründer. Was er nicht sagt: seine Kunden sind Fans, Freaks oder - überspitzt gesagt - Vinyl-Abhängige, die dem Reiz der analogen Schallplatte erlegen sind und oft große Summen in die Perfektionierung der Wiedergabe investieren. Eine Anlage für 30.000 Euro Musiker wie Peter Gabriel oder Placido Domingo sind Kunden, auf die er ein bisschen stolz ist. Eine Umsatzzahl möchte Suchy nicht nennen. Wer sich seine Anlage aus den jeweils teuersten Komponenten kombiniert, zahlt dafür knapp 30.000 Euro. Peter Suchy ist Kernphysiker und hat lange Zeit Kühlsysteme für Druckwasserreaktoren entwickelt, später auch Brennstoffzellen. Die Liebe zur "richtigen" Musikwiedergabe sei bei ihm umso mehr gewachsen, je weniger Zeit er zum Klavier- und Gitarrespielen hatte. In den späten 70er Jahren fing er gemeinsam mit einem Kompagnon an, im Urlaub und an Wochenenden Lautsprecher zu bauen, die hohe und tiefe Frequenzen ohne Zeitversatz abstrahlen können. 1978 gründete er neben seinem Hauptberuf in der Kraftwerksbranche das Unternehmen Clearaudio. Nach kurzer Zeit sei ihm klar geworden, dass man am Anfang der Wiedergabekette mit dem Optimieren anfangen müsse und nicht am Ende, sagt er. Und dieser Anfang war damals der Plattenspieler. Von den Lautsprechern kam er zu den Tonabnehmern: "Was hier nicht richtig aus der Rille ausgelesen wird, das kann später nicht mehr richtig zu den Lautsprechern kommen", war die Erkenntnis. Gold und Diamanten - als Bauteile Suchy entwickelte einen "coli(MC)Tonabnehmer" und meldete ihn zum Patent an: ein kleines elektromechanisches Wunderwerk mit ein Millimeter kleinen Spulen aus 24-karätigem Gold, einer speziell geschliffenen Diamantnadel und einem Nadelträger aus Bor. "Der größte Absatzmarkt für uns sind die Vereinigten Staaten, da gibt es viele richtige Plattenfreaks", sagt Peter Suchys Sohn Robert, der für Export und Marketing zuständig ist. Er ist wie sein Bruder Patrik mit 20 Prozent an der GmbH beteiligt. 60 Prozent hält der Vater. Vor acht Jahren stand Vater Suchy vor der Entscheidung, Clearaudio weiterzuführen oder nicht: ein Herzinfarkt hatte ihm angezeigt, dass die Doppelbelastung mit dem Hauptberuf in der Energietechnik und dem Wochenendberuf mit der Schallplatte zu viel wurde. Er entschied sich für Clearaudio. Für Suchy gibt es ein wichtiges Kriterium: Musik von der Konserve soll den Menschen anrühren. Eine kurze Vorführung in seinem Hördrama genügt: Das Symphonieorchester, die A-capella-Gruppe, die Jazzcombo stehen so unmittelbar im Raum, dass man sich bei geschlossenen Augen wirklich täuschen lassen könnte. Keine Antwort für CD-Freunde Wenn nicht - bei älteren Platten - hin und wieder ein leichtes Knistern darauf hinweisen würde: hier wird "analog" abgespielt. Wer bei Suchy mit den Vorteilen der CD argumentiert - Unempfindlichkeit, Freiheit von Störgeräuschen - bekommt keine Replik, sondern eine Vorführung mit hausgemachten Geräten. "Was man nicht erklären kann, muss man hören", sagt Suchy und versucht gar nicht erst, mit rationalen Erklärungen zu arbeiten. "Ich habe noch keinen CD-Verfechter erlebt, der nicht zugegeben hätte, dass ihn die Platte emotional mehr ergreift als die CD", meint er. "Heute gibt es Vinyl, das nicht mehr knistert", erklärt der Physiker. Die Lautsprecher fehlen ihm noch. Ende des Jahres will er mit der Herstellung eigener Schallwandler in Erlangen anfangen.
Wo Placido Domingo seine Anlage kauft: Das Familienunternehmen Clearaudio produziert Plattenspieler für Musik-Freaks.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/luxus-plattenspieler-vinyl-das-nicht-mehr-knistert-1.906192
Luxus-Plattenspieler - Vinyl, das nicht mehr knistert
00/05/2010
Seit dem vergangenen Freitag herrscht Ratlosigkeit beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). Eigentlich hätte die Wirtschaftslobby rasch die neuen Pläne für den deutschen Klimaschutz geißeln müssen, denn für etliche Unternehmen bringen sie deutliche Mehrbelastungen. Doch der BDI schweigt, der Verband ist über den Klimaschutz entzweit: Für zu viele Firmen könnte sich der Emissionsrechtehandel, der vom kommenden Januar an den Kohlendioxid-Ausstoß senken soll, auszahlen. Frühestens an diesem Donnerstag will sich der Verband äußern. Wortkarg ist auch der Verband der deutschen Elektrizitätswirtschaft, dessen Sprecherin darauf verweist, man habe sich "bislang bei diesem Thema bewusst zurückgehalten". Der Grund: Der Graben läuft quer durch die Strombranche. Unerwartete Profiteure ... Stein des Anstoßes ist eine winzige Gesetzes-Passage, über deren Sinn Juristen seit einigen Tagen grübeln. Sie hat einige Unternehmen zu unerwarteten Profiteuren des Emissionshandels gemacht - auf Kosten aller anderen. Die Bundesregierung hatte in ihrem "Zuteilungsgesetz", das die Verteilung der Emissionsrechte haarklein regelt, eine Ausnahme zugelassen. Wer nicht, wie eigentlich bei den Zuteilungsregeln vorgesehen, den "historischen" Ausstoß von Kohlendioxid in den Jahren 2000 bis 2002 als Berechnungsgrundlage wählen wollte, konnte seine Anlage - zum Beispiel ein Kraftwerk - auch wie eine neue Anlage behandeln lassen. Für neue Anlagen gelten andere Regeln als für alte: Sie erhalten Emissionsrechte je nach erwarteter Produktionsmenge. Sie müssen sich auch nicht den Minderungszielen unterwerfen - um 2,91 Prozent wollte Berlin die Emissionen senken -, sondern nach moderner Technik arbeiten. Im Gegenzug wird Jahr für Jahr die erwartete mit der tatsächlichen Produktionsmenge verglichen. Wer mehr Zertifikate bekommen hat als er brauchte, muss sie wieder zurückgeben. Die Bundesregierung kann froh sein, dass nur für 519 von 1860 Anlagen diese "Optionsregel" beantragt wurde. 15 Prozent aller Emissionsrechte werden nach der Regel verteilt, also 77 von insgesamt 495 Millionen Tonnen CO2. Und während sich die "Optierer", die in Wirklichkeit "Optimierer" sind, heimlich freuen, haben andere das Nachsehen. Wer nach historischen Werten Emissionsrechte beantragte, so sagt ein Industrievertreter, "beißt sich jetzt ins Knie". ... und Verlierer Und das gleich doppelt: Zum einen müssen nun mindestens diejenigen Anlagen, die nicht die Hintertür wählten, ihre Emissionen dreimal stärker mindern als bislang vorgesehen, so will es das Gesetz. Zum anderen könnten die "Optierer" noch von der EU-Kommission belohnt werden: Dort gibt es Zweifel, ob die nachträgliche Änderung der Zuteilung rechtens ist. Das heißt: Wer sich per Antrag viele Zertifikate sicherte, muss sie womöglich noch nicht einmal nachträglich zurückgeben - und kann sie ausgerechnet jenen Unternehmen verkaufen, denen es nun an Rechten mangelt. Vor allem bei den Stromkonzernen, so heißt es in Industriekreisen, ist der Zwist groß: Während sich Eon reichlich über die "Optionsregel" eindeckte, dürften dessen Konkurrenten bald emsig ausrechnen, wer im Emissionshandel künftig auf wessen Kosten lebt. Vattenfall-Deutschland Chef Klaus Rauscher kündigte am Mittwoch bereits an, der Strompreis werde nicht zuletzt durch den Emissionshandel demnächst weiter steigen. Allerdings warten derzeit die meisten Unternehmen immer noch auf den Zuteilungsbescheid. Bis Ende kommender Woche, so heißt es, sollen die Unternehmen Post von der Deutschen Emissionshandelsstelle bekommen haben. "Kann sein, dass es dann einen heißen Tanz gibt", sagt eine Sprecherin der Wirtschaftsvereinigung Stahl. Schon jetzt ist klar, dass die Gerichte mit dem Emissionshandel viel Arbeit haben werden. "Das Gesetz ist handwerklich grob fehlerhaft", sagt der Münchner Rechtsanwalt Uwe Erling, der eine Reihe betroffener Unternehmen betreut. "Man kann viele strittige Fragen so oder so auslegen." Noch völlig unklar etwa ist, wer nun die zusätzliche Last schultern muss: Sind es nur diejenigen, die nicht die Optionsregel gewählt haben? Oder auch die Optierer selbst, wie es das Umweltministerium möchte? Unterdessen braut sich schon der nächste Ärger zusammen. Mit Emissionsrechten über 30 Millionen Tonnen CO2 sollten benachteiligte Unternehmen eigentlich entschädigt werden, wenn auch erst in den Jahren 2008 bis 2012 - so sehen es jüngste Regierungspläne für eine Gesetzesinitiative vor. Nun ist anscheinend wieder offen, ob sich dies rechtlich überhaupt halten lässt. "Das Ding hängt völlig in der Luft", berichtete ein Verhandlungsteilnehmer am Mittwoch.
Die neuen Pläne zum Emissionshandel machen die Wirtschaft ratlos: Es gibt zu viele Gewinner.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/geschaefte-mit-abgasen-die-industrie-im-klimawandel-1.902463
Geschäfte mit Abgasen - Die Industrie im Klimawandel
00/05/2010
Ein Forscherteam aus Heidelberg will für Tesa den Klebefilm zum handlichen Speichermedium der Zukunft machen - noch ist es nur ein Erfindertraum. Auf dem Montagetisch herrscht ein heilloses Durcheinander aus Kabeln, Platinen, Schrauben und Mikrochips. Doch das vermeintliche Chaos hat System - der Technik-Salat ist das Labor-Laufwerk für einen Datenspeicher, der in ein paar Monaten schon den Markt aufmischen soll. Das Revolutionäre daran: Er speichert Urlaubsbilder, ganze Computerfestplatten oder geheime Dokumente auf dem guten alten Tesa-Film. Detailansicht öffnen Tesa-Film: Der Stoff aus dem Erfinderträume sind. (Foto: Foto: dpa) Entwickelt wird die so genannte Tesa-Rom im Süden von Heidelberg: Hier hat Ende 2001 die Firma Tesa Scribos zwischen Reihenhäusern und Hintergärten im dritten Stock eines roten Gewerbekastens Quartier bezogen. Marktlücke Steffen Noehte, der Vater der Klebestreifen-Idee, leitet den Forschungsbereich des Unternehmens. Er will mit dem neuen Speichermedium eine Marktlücke füllen: Preiswert wie eine CD sei seine Tesa-Rom und auch noch kompatibel für Jackentaschen. Sie sieht aus wie eine ordinäre Kleberolle: rund, in der Mitte ein Loch und etwa zehn Millimeter breit - nur klebt sie nicht mehr. Dafür passt eine Menge drauf. Schicht für Schicht fasst sie digitale Daten, insgesamt drei Gigabyte. Diese werden entweder auf den Tesafilm aufgedruckt oder nachträglich eingebrannt: als winzige Punkte, die ein Laser auf den Film bannt, um sie anschließend wieder zu lesen. 30-jährige Lebensdauer "Eine CD ist für viele Anwendungen zu groß", sagt der 50-jährige Physiker. Die Tesa-Rom aber habe für Videokameras, Fotoapparate oder MP3-Player genau die richtige Größe, könne viermal so viele Daten speichern wie eine CD-Rom. Und 30 Jahre lang halten soll sie auch. Der Computerspeicher ist nicht das einzige High-Tech-Produkt aus dem klebrigen Kunststofffilm. Die meisten Tesa-Scribos-Forscher tüfteln an der Produktionstechnik für den so genannten Holospot. Dieses Plättchen, das Produkte fälschungssicher machen soll, ist einen Quadratmillimeter klein - fasst aber bis zu einer Million Punkte. Der Laser brennt darauf Seriennummern, Bilder, Mikroschrift. "Jedes Produkt bekommt so sein eigenes Hologramm", schwärmt Noehte. Mit einem Lesegerät lasse sich dann feststellen, ob etwa die Viagra-Packung tatsächlich von Pfizer stammt und das Parfüm von Chanel. Fälschung unmöglich Keine Fälscherbande auf der Welt könne momentan den Holospot nachbauen, sagt der Entwickler. Seit Herbst 2003 ist die erste Holospot-Generation marktreif, die Geräte für die Herstellung stehen im Showroom von Tesa Scribos gleich neben den Forschungsräumen und Labors. Dort tüftelt das Scribos-Team unterdessen schon an den nächsten Sicherheitsprodukten rund um den Klebestreifen. Die meisten der Forscher sind jünger als 30, in den Büros stehen Tretroller und Sporttaschen, über den Schreibtischstühlen hängen Jeansjacken.
Ein Forscherteam aus Heidelberg will für Tesa den Klebefilm zum handlichen Speichermedium der Zukunft machen - noch ist es nur ein Erfindertraum.
wirtschaft
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Tesa-Film - Gigabytes von der Rolle
00/05/2010
Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hat gegen den früheren WestLB-Chef Friedel Neuber und Ex-Vorstandsmitglieder des zusammengebrochenen Holzmann-Konzerns Anklage wegen Untreue beziehungsweise Beihilfe dazu erhoben. Das bestätigte Neubers Verteidiger, der Kölner Rechtsanwalt Christian Richter. Die Anklage richte sich gegen zehn Personen, darunter drei Mitarbeiter der WestLB. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Rainer Schilling bestätigte die Anklage, nannte aber keine Namen. Detailansicht öffnen Der ehemalige WestLB-Chef Friedel Neuber. (Foto: Foto: dpa) Den früheren Holzmann-Vorstandsmitgliedern werde vorgeworfen, im Jahr 1994 angesichts einer drohenden feindlichen Übernahme durch den Konkurrenten HOCHTIEF gesetzeswidrig eigene Aktien erworben zu haben, berichtete der Rechsanwalt. Beihilfe geleistet Die WestLB Manager - unter ihnen Neuber - sollen dazu Beihilfe geleistet haben, in dem sie auf Rechnung und Risiko des Bauriesen von der BHF-Bank und dem Bankhaus Warburg gehaltenen Holzmann-Aktienpakte von insgesamt gut fünf Prozent des Stammkapitals kauften. Richter bestätigte damit einen Bericht der Rheinischen Post. Neubers Verteidiger wies die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft gegen den früheren WestLB-Chef entschieden zurück. Der Anklagevorwurf laufe schon deshalb ins Leere, weil die von der BHF-Bank und dem Bankhaus Warburg nominell auf die WestLB übertragenen Aktienpakete bereits zuvor wirtschaftliches Eigentum der Philipp Holzmann AG gewesen seien. Rechtfertigung Die Übertragung auf die WestLB sei deshalb kein "Erwerb" eigener Aktien, so dass der Vorwurf einer Beihilfe entfalle. Außerdem seien damals mit der drohenden feindlichen Übernahme durch HOCHTIEF aktienrechtliche Tatbestände gegeben gewesen, die den Erwerb eigener Aktien gerechtfertigt hätten. Dem zuständigen Frankfurter Staatsanwalt warf Richter Befangenheit vor. Er habe sich nämlich bereits zu einem Zeitpunkt auf eine Erhebung der Anklage festgelegt, als die Staatsanwaltschaft mit der Verteidigung noch über den Umfang der Akteneinsicht diskutiert habe und entsprechende Stellungnahmen der Verteidigung noch ausgestanden hätten. Die Verteidigung habe deshalb bereits im Dezember vergangenen Jahres beim Leitenden Oberstaatsanwalt einen Ersetzungantrag gestellt, über den bisher aber noch nicht entschieden worden sei. Kursverluste Der Sprecher der Frankfurter Staatsanwaltschaft, Schilling, erläuterte die Anklage und sagte, die Aktien sollten bei der WestLB geparkt gewesen sein, dann habe es einen Kursverlust gegeben, welcher der WestLB einen Verlust von 100 Millionen D-Mark gebracht habe. "Dann soll es eine Vereinbarung gegeben haben, wonach die Philipp Holzmann AG diese Verluste ausgleicht." Weiter laute der Vorwurf, dass diese Vorgänge mit Rechnungen über angebliche Beratungs- und Vermittlungsleistungen hätten verschleiert werden sollen. "Diese Leistungen sollen laut Anklage gar nicht erbracht worden sein", sagte Schilling weiter.
Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hat gegen den früheren WestLB-Chef Friedel Neuber und Ex-Vorstandsmitglieder des zusammengebrochenen Holzmann-Konzerns Anklage wegen Untreue beziehungsweise Beihilfe dazu erhoben.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/staatsanwaltschaft-anklage-im-fall-holzmann-und-westlb-1.898049
Staatsanwaltschaft - Anklage im Fall Holzmann und WestLB
00/05/2010
Heute verhandelt das EU-Parlament über einen erhöhten Strahlenschutz für Arbeitnehmer. Sollte die neue Richtlinie beschlossen werden, müssten deutsche Firmen für die über drei Millionen "Freiluft-Arbeiter" einen besseren Schutz vor der krebserregenden UV-Strahlung gewährleisten. Und Europa wäre wieder um ein wenig Bürokratie reicher. Nach WHO-Angaben erkranken weltweit jährlich zwei Millionen Menschen an Hautkrebs. Allein in Deutschland sind das Jahr für Jahr 100.000 Menschen, die von den verschiedenen Formen des Hautkrebses betroffen sind. Detailansicht öffnen Sonnenbadende in Frankfurt am Main: Allein in Deutschland erkranken jährlich 100.000 Menschen an Hautkrebs. (Foto: Foto: AP) Über 22.000 Neuerkrankungen entfallen davon auf die schwerste Form dieses Leidens, den so genannten schwarzen Hautkrebs. Schuld daran soll - nach Auffassung der Wissenschaft - die ultraviolette Strahlung der Sonne sein. Millionen Menschen arbeiten in Deutschland ausschließlich oder zeitweise im Freien, Bauarbeiter, Kellner, Bademeister - und sind damit den Sonnenstrahlen besonders intensiv ausgesetzt. Ob und wie sich diese Freiluft-Arbeiter vor der UV-Strahlung schützen, ist bislang ihre eigene Entscheidung. Der Arbeitgeber ist weder zur Aufklärung über die Gefahren der ultravioletten Strahlung, noch zu weitergehenden Schutzmaßnahmen verpflichtet. All das soll die neue EU-Richtlinie 'über Mindestvorschriften zum Schutz von Sicherheit und Gesundheit der Arbeitnehmer vor der Gefährdung durch physikalische Einwirkung (optische Strahlung)' ändern. Arbeitgeber sollen verpflichtet werden, eine Gefährdungsbeurteilung für jeden Angestellten zu erstellen. So genannte UV-Expositionsgrenzwerte sollen den Orientierungsrahmen dafür bilden. Kleidungsvorschriften sieht die Richtlinie nicht vor. Die meisten Schutzmaßnahmen beziehen sich de facto auf den Schutz vor künstlicher Strahlung - beispielsweise für Arbeiten mit Lasern oder Neonröhren. Doch über diese besteht breiter Konsens im Europäischen Parlament. Abschaffung des mündigen Arbeitnehmers? Über die UV-Schutzmaßnahmen wird allerdings heftig gestritten: Vertreter der EVP und der Liberalen kritisieren die hohen Kosten, die entstünden, wenn man die Richtlinie in die Realität umsetzen wolle. Gerade bei kleinen und mittleren Betrieben würden durch die unverhältnismäßig hohen administrativen und finanziellen Belastungen Arbeitsplätze gefährdet. Der CDU-Europa-Abgeordnete Thomas Mann sieht in der Richtlinie gar die "Abschaffung des mündigen Arbeitnehmers". In einer gemeinsamen Pressemitteilung von BDA, BDI, DIHK und ZDH bezeichnen die Arbeitgeber-Vertreter die neuen Reglementierungen als "realitätsfremd und überflüssig" und fordern: "Regulierungsirrsinn stoppen!" Arbeitgeber haben viele Freiheiten Abgeordnete der SPD und die IG BAU verweisen auf die relativ offen gehaltenen Maßnahmen des Richtlinienpapiers. In der von der Richtlinie verlangten Risikoabschätzung könne sich der Arbeitgeber auf seinen gesunden Menschenverstand verlassen und auf allgemein bekannte Informationen stützen. Teure medizinische Messungen seien nicht von Nöten. Des Weiteren würde eine aktuelle Studie des Heidelberger Berufs- und Umweltdermatologen Prof. Dr. Thomas Diepgen belegen, dass eine berufliche UV-Belastung zu einer Verdoppelung des Krebsrisikos führe. Eine EU-weite Regelung sei somit dringlich. Auch der Europäische Rat und das Europäische Parlament stehen sich unversöhnlich gegenüber: Im April diesen Jahres hatten alle 25 Mitgliedsländer im Rat dem Richtlinienvorschlag zugestimmt. Im Parlament wird sich aber wahrscheinlich keine Mehrheit für das Papier finden. Es wird dann in den Vermittlungsausschuss gehen, weil die konservative EVP-Fraktion den Sonnenschutz regelnden Teilen der Richtlinie nicht zustimmen wird. Dirndl, adieu? Das Dirndl werden die Oktoberfest-Bedienungen jedenfalls auch weiterhin tragen dürfen - auch wenn diese Richtlinie irgendwann in Kraft treten sollte. Das vermeldete die Europäische Kommission in einer Pressemitteilung.
Heute verhandelt das EU-Parlament über einen erhöhten Strahlenschutz für Arbeitnehmer. Sollte die neue Richtlinie beschlossen werden, müssten deutsche Firmen für die über drei Millionen "Freiluft-Arbeiter" einen besseren Schutz vor der krebserregenden UV-Strahlung gewährleisten. Und Europa wäre wieder um ein wenig Bürokratie reicher.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/eu-richtlinie-bruesseler-streit-um-sonnen-schein-1.905303
EU-Richtlinie - Brüsseler Streit um Sonnen-Schein
00/05/2010
Das Münchner Medienunternehmen hat im vergangenen Jahr erstmals seit 1999 wieder schwarze Zahlen geschrieben - der Konzern ist allerdings kaum noch mit dem alten Unternehmen vergleichbar. Der einstige Börsenstar EM.TV hat zum ersten Mal seit der schweren Unternehmenskrise vor fünf Jahren wieder Gewinn gemacht. Detailansicht öffnen EM.TV drohte schon die Insolvenz - jetzt sieht es für das Unternehmen erstmals wieder etwas besser aus. (Foto: Foto: ddp) 2004 betrug der Jahresüberschuss bereinigt um Sondereffekte 44 Millionen Euro, berichtete der Medienkonzern am Dienstag in Unterföhring. 2003 war noch ein Verlust von 132 Millionen Euro angefallen. "Im Jahr 2004 haben wir die Vergangenheit endgültig hinter uns gelassen", sagte Vorstandschef Werner Klatten und kündigte weitere Ertragssteigerungen an. Der EM.TV-Konzern hatte in den Jahren von 2000 bis 2003 Verluste in Höhe von weit über zwei Milliarden Euro gemacht. Mit Hilfe einer radikalen Umstrukturierung konnte das Unternehmen die Pleite vermeiden. Profil schärfen Der Umsatz lag im vergangenen Jahr bei 207 Millionen Euro. Im Vorjahr hatte EM.TV 270 Millionen Euro erlöst. Der Medienkonzern betonte, die Zahlen seien wegen der Veränderungen und Restrukturierungen des Konzerns nicht vergleichbar. Der Umsatz habe über den angepeilten 200 Millionen Euro für 2004 gelegen. Klatten sagte, EM.TV habe alle Ziele erreicht. Im laufenden Jahr will der Konzern ein positives Vorsteuerergebnis ohne Sondereffekte erreichen. "Unser oberstes Ziel ist es, die Profitabilität des Konzerns auf allen Ebenen zu erhöhen", sagte Klatten. Der Konzern will dazu das Profil seiner Sender schärfen. DSF erfolgreicher denn je Das Segment Sport entwickelte sich im vergangenen Jahr besser als erwartet und erzielte 86 Prozent vom Gesamtumsatz. Der Sportsender DSF verzeichnete das erfolgreichste Geschäftsjahr seit dem Sendestart 1993. Im Segment Unterhaltung, in dem das Geschäft mit Kinder- und Jugendprogrammen gebündelt ist, übernahm EM.TV die restlichen 50 Prozent an Junior TV.
Das Münchner Medienunternehmen hat im vergangenen Jahr erstmals seit 1999 wieder schwarze Zahlen geschrieben - der Konzern ist allerdings kaum noch mit dem alten Unternehmen vergleichbar.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/em-tv-erster-gewinn-seit-dem-crash-1.920099
EM.TV - Erster Gewinn seit dem Crash
00/05/2010
Bisher hatten sich Rossmann und dm stillschweigend bestimmte Regionen überlassen. Jetzt setzt Rossmann mit seiner Übernahme der kd-Filialen auf aggressive Expansion. Konkurrent dm aber hat bereits zum Gegenschlag ausgeholt. Deutschlands drittgrößte Drogerie-Kette Rossmann will die Kaufoption für rund 320 kd-Filialen von Tengelmann wahrnehmen. "Klar werden wir die ausüben", sagte Dirk Rossmann in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Die Option gilt bis Ende 2006. Detailansicht öffnen Noch liegt Rossmann hinter Schlecker und dm auf Platz drei der Drogerie-Märkte. (Foto: Foto: dpa) Sein Unternehmen hatte im vergangenen Herbst bereits 70 kd-Märkte übernommen. Die übrigen Filialen werden derzeit auf das Rossmann-Logo und -sortiment umge-rüstet, die Kosten dafür trägt Tengelmann. Vier Prozent Wachstum Nachdem kd lange Zeit tiefrote Zahlen schrieb, geht es seit dem Rossmann-Einstieg operativ steil bergauf. Für dieses Jahr rechnet Rossmann mit einem Umsatzplus von rund 18 Prozent (2003: 1,47 Mrd. Euro). Auf gleicher Verkaufsfläche (ohne neue Filialen) werde das Wachstum etwa vier Prozent betragen. "Es geht uns richtig gut. 2005 werden wir mit kd in Deutschland zwei Milliarden Euro Umsatz machen", sagte Rossmann. Die Umsatzrendite vor Steuern liege bei etwa drei Prozent. Ein Börsengang sei kein Thema. Aggressive Expansionsstrategie Die Dirk Rossmann GmbH aus Burgwedel bei Hannover betreibt derzeit 785 Drogeriemärkte. In diesem Jahr sollen weitere 70 eröffnet werden. Rossmann bezeichnete die Kooperation mit kd (kaisers drugstore)als außerordentlich erfolgreich. Rossmann hatte im Vorjahr eine aggressive Expansionsstrategie angekündigt, um den Branchenprimus Schlecker (Umsatz 5,4 Mrd. Euro) und die Nummer zwei dm (2 Mrd. Euro) anzugreifen. Die von Götz Werner geführte Drogeriemarktkette dm lässt Rossmanns Expansion keineswegs kalt. Noch bis vor kurzem hatten die beiden Wettbewerber ihre Marktgebiete in Deutschland säuberlich untereinander aufgeteilt, wie das Handelsblatt berichtet.
Bisher hatten sich Rossmann und dm stillschweigend bestimmte Regionen überlassen. Jetzt setzt Rossmann mit seiner Übernahme der kd-Filialen auf aggressive Expansion. Konkurrent dm aber hat bereits zum Gegenschlag ausgeholt.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/drogerie-maerkte-ende-des-burgfriedens-1.907759
Drogerie-Märkte - Ende des Burgfriedens
00/05/2010
Bei Siemens kündigt sich eine Revolution an: Der bislang verästelte Konzern soll nach dem Willen von Vorstandschef Peter Löscher nur noch aus den drei Großbereichen Energie, Industrie und Medizintechnik bestehen. Der neue Siemens-Chef Peter Löscher will dem Technologiekonzern zum Jahreswechsel eine zentralistischere Struktur verpassen. Der Aufsichtsrat solle seine Pläne für eine straffere Konzerngliederung Ende November absegnen, bekräftigte Löscher nach Angaben des Unternehmens am Donnerstag auf einer internen Management-Tagung. Der Konzern solle nach Löschers Willen künftig nur noch aus den drei Großbereichen Energie, Industrie und Medizintechnik bestehen. Bislang ist das Unternehmen in zehn eigenständige Sparten gegliedert, die jeweils von einem Bereichsvorstand geführt werden. Zusammenlegungen Siemens zufolge sollen die bisherigen Sparten Kraftwerkstechnik (PG) und Energieverteilung (PTD) zum Energiesektor zusammengelegt werden. Der Industrie-Bereich solle aus dem Automatisierungsgeschäft (A&D), dem Schaltanlagenbereich (I&S), der Zugtechnik (TS) und der Gebäudetechnik (SBT) sowie der Lichttechniktochter Osram bestehen. Allein die Medizintechnik bleibe als Großbereich eigenständig. Die so genannten Sektoren sollen jeweils einen Chef erhalten, der dann auch dem Konzernvorstand angehört. Die IT-Sparte SIS und das Finanzsegment SFS sollen nicht den drei Segmenten zugeordnet werden, sondern ihre Dienstleistungen weiterhin zusammen mit allen Geschäftsfeldern anbieten. "Von der alten Struktur mit Bereichen und Geschäftsgebieten sollen zwar Elemente übernommen werden, jedoch werden diese in der bisherigen Art nicht weiter fortbestehen", erklärte Siemens. Ertragskraft steigern Das Ziel der Umstrukturierung sei es, "Wachstums- und Kundenpotenziale besser zu auszuschöpfen, Kosteneffizienz und somit die Ertragskraft weiter zu steigern", teilte Siemens mit. Zudem soll nach Löschers Willen klarere Verantwortlichkeiten entstehen.
Bei Siemens kündigt sich eine Revolution an: Der bislang verästelte Konzern soll nach dem Willen von Vorstandschef Peter Löscher nur noch aus den drei Großbereichen Energie, Industrie und Medizintechnik bestehen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/konzernstruktur-siemens-soll-straffer-werden-1.888042
Konzernstruktur - Siemens soll straffer werden
00/05/2010
Nach seinem Erfolg im Online-Musikgeschäft will Apple nun auch beim Verkauf von Kino-Filmen übers Internet seinem Hauptkonkurrenten Microsoft auf dem Weg in die Wohnzimmer zuvorkommen. Apple Computer und Microsoft haben sich in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder erbitterte Schlachten geliefert. Den Kampf um den weltweiten PC-Standard haben Microsoft-Gründer Bill Gates und seine Leute in den achtziger und neunziger Jahren klar für sich entschieden. Detailansicht öffnen Apple-Chef Steve Jobs stellt den neuen iTV vor, mit dem Kino-Filme aus dem Internet heruntergeladen werden können. (Foto: Foto: Reuters) Beim vergleichsweise jungen Online-Musikgeschäft hat dagegen Apple-Chef Steve Jobs mit seiner Truppe die Nase klar vorn. Nun liefern sich die beiden Hightech-Pioniere erneut ein Wettrennen. Apple will Kino-Filme online verkaufen und mit einem neuen "iTV" die Kluft zwischen TV und Computer schließen - und damit Microsoft auf dem Weg ins digitale Wohnzimmer zuvorkommen. Apple bietet dem Branchenriesen Microsoft die Stirn Steve Jobs hat in den vergangenen fünf Jahren mit dem sensationellen Erfolg des Musikplayers iPod und des Online-Ladens iTunes nicht nur die Unterhaltungselektronik-Branche und Plattenindustrie umgekrempelt, sondern auch erfolgreich Microsoft die Stirn geboten. Mit 65 Millionen verkauften iPods dominieren die Kalifornier weltweit den Markt der MP3-Player, im Musik-Downloadmarkt hat Apple in den USA die Wettbewerber mit 88 Prozent Marktanteil deklassiert. Dieser Erfolg soll nach dem Willen von Steve Jobs nun auch auf das Thema TV und Film ausgedehnt werden. Über 240 Programme per iTunes Jobs erinnerte in San Francisco daran, wie iTunes vor knapp einem Jahr mit fünf TV-Shows des Disney-Senders ABC gestartet sei. Inzwischen verkaufen mehr als 40 Sender rund 240 Programme über iTunes. Zum Start des Film-Angebots von Apple ist zunächst auch wieder nur Disney mit seinen vier Filmstudios mit dabei. "Weitere Studios werden an Bord kommen, wenn sie sehen, wie erfolgreich der iTunes Store mit Filmen von Disney und Pixar sein wird", sagte Jim Grossman von der US- Investmentgesellschaft Appleton.
Nach seinem Erfolg im Online-Musikgeschäft will Apple nun auch beim Verkauf von Kino-Filmen übers Internet seinem Hauptkonkurrenten Microsoft auf dem Weg in die Wohnzimmer zuvorkommen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/online-filmverkauf-apple-wird-haeuslich-1.906663
Online-Filmverkauf - Apple wird häuslich
00/05/2010
Vor laufenden Kameras hat die US-Bundespolizei FBI 48 Broker festgenommen. Die Justiz erhob Anklage wegen krimineller Machenschaften, da die Händler verdächtigt werden, Anleger um Millionen betrogen zu haben. (SZ vom 20.11.03) — Laut amerikanischen Medienberichten seien Investoren von Devisenhändlern mit fiktiven Geschäften betrogen worden. Das Volumen der Transaktionen reiche in die Millionen. Bei den Festgenommenen soll es sich unter anderem um Mitarbeiter der in London beheimateten Brokerfirma ICAP handeln. FBI-Sprecher Joe Valiquette äußerte sich zunächst nicht zu der FBI-Aktion. Vor laufenden Kameras führten FBI-Beamte die Devisenhändler in Handschellen ab und brachten sie mit Polizeitransportern fort. Einige der in elegante Anzüge gekleideten Männer versuchten, ihr Gesicht hinter ihren Mänteln zu verstecken oder senkten die Köpfe. Lange Untersuchungen Ein FBI-Beamter vor Ort sagte: "Es geht um Devisenbetrug, Wertpapierbetrug." Die entsprechenden Untersuchungen liefen bereits seit langem. Der Fernsehsender NBC berichtete, die Händler hätten Kunden die Beteiligung an Währungsgeschäften vorgegaukelt, an denen Kleinanleger gar nicht teilnehmen könnten. "Wir saßen bei der Arbeit, und sie kamen einfach rein und stürmten das Büro", sagte ein Angestellter einer betroffenen Firma. "Sie hatten Waffen. Sie kamen mit Westen rein und sagten: ,Keine Bewegung.'" Das FBI habe den Angestellten der Firma erklärt, Kunden seien um vier Millionen Dollar geschädigt worden. Geldwäsche und Betrug In FBI-Kreisen hieß es, die Händler hätten Privatanleger im vergangenen Jahr um eine nicht genannte Summe betrogen. Es gehe um Geldwäsche und Betrug. Zu den betroffenen Unternehmen hieß es, die Ermittlungen richteten sich gegen vier Finanzhäuser, die vor allem an den Finanzmärkten und weniger außerhalb der Branche bekannt seien. Die amerikanische Finanzwelt wird seit den Bilanzskandalen großer Unternehmen wie Enron von einem Skandal nach dem anderen erschüttert. Zuletzt hat die Staatsanwaltschaft die Fondsbranche wegen illegaler Handelspraktiken ins Visier genommen. Der Devisenhandel, der täglich rund 1,2 Billionen Dollar umsetzt, war jedoch bislang von Vorwürfen verschont geblieben. Reformdiskussion angeheizt Die Verhaftung der verdächtigen Devisenhändler hat die Diskussion um eine Reform der Finanzindustrie und eine Verstärkung ihrer Aufsicht und Kontrolle erneut angeheizt. Die Mitglieder der New York Stock Exchange (Nyse) haben jetzt einen neuen unabhängigen Verwaltungsrat gewählt, der Interessenkonflikte und Missbräuche künftig verhindern soll. Die Wahl muss von den Bundesbörsenaufsehern noch genehmigt werden. Der neue verkleinerte Verwaltungsrat ist ein Teil der Reformvorschläge von Interimschef John Reed, denen die 1366 Mitglieder des weltweit größten Börsenplatzes am Dienstag zugestimmt hatten. Nach der Grasso-Affäre Der bisher 27-köpfige Verwaltungsrat wird im Rahmen der Vorschläge auf sechs bis zwölf Mitglieder reduziert, die für die Überwachung der Nyse und die Vergütung der Verwaltungsratsmitglieder zuständig sind. Für das operative Geschäft der Nyse wie zum Beispiel Börsenemissionen wird ein getrennter Exekutiv-Ausschuss zuständig sein. Die Nyse war vor zwei Monaten durch das riesige Entlohnungspaket für den damaligen Börsenchef Richard Grasso ins Gerede gekommen. Die Börse habe Marktmacher und Spezialisten nicht ausreichend überwacht, hieß es. Reed, ein früherer Vorstandschef der heutigen Citigroup, trat seinen Posten als Interimschef nach Grassos erzwungenem Rücktritt Ende September an. "Guter Schritt" Ob die US-Wertpapier- und Börsenaufsichtsbehörde SEC (Securities & Exchange Commission) die Reformvorschläge akzeptiert, ist noch offen. Mit einer Entscheidung wird spätestens Mitte Dezember gerechnet. SEC-Chef William Donaldson bezeichnete die Reformen als "guten ersten Schritt", er schloss jedoch weitere Maßnahmen nicht aus. Der New Yorker Generalstaatsanwalt Eliot Spitzer kritisierte die Empfehlungen als unzulänglich.
Vor laufenden Kameras hat die US-Bundespolizei FBI 48 Broker festgenommen. Die Justiz erhob Anklage wegen krimineller Machenschaften, da die Händler verdächtigt werden, Anleger um Millionen betrogen zu haben.
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Neuer Wall Street-Skandal - FBI verhaftet Devisenhändler
00/05/2010
Große blaue Augen, sexy lange Beine und der ewige Kampf gegen das Böse - mit dem ersten Vollprogramm für japanische Zeichentrickfilme drängt sich der Sony-Sender Animax in die deutschen Pay-TV-Kanäle. An diesem Sommerabend im Juni sieht man viel dunkles Tuch auf der Dachterrasse des Nobelhotels Bayerischer Hof. Herren im Anzug stehen herum und essen Sushi - Filmproduzenten, Rechtehändler, Medienanwälte. Vereinzelt dazwischen ein paar Schönheiten der Branche. Detailansicht öffnen "Chrono Crusade": Mit geheimnisvollen Kugeln gehen Rosette und Chrono auf Dämonenjagd - im Abendprogramm. (Foto: Foto: Animax) Direkt gegenüber der Terrasse die Kuppeln der Frauenkirche, rundum die Dächer der Münchner Altstadt in der Abendsonne. Dort, wo sonst Staatschefs und Popsänger bei ihrem Besuch in Bayern absteigen, wird heute japanisches Bier gereicht. Wer mit dem Sushi fertig ist, posiert neben zwei Samurai-Kämpfern für die Fotografen, den Dom und die Abendsonne im Hintergrund. Dazu läuft globales Lounge-Gedaddel, nicht direkt aus Japan, aber sicher auch in Japan kompatibel. Mächtig ins Zeug gelegt Der Medienkonzern Sony Pictures hat sich mächtig ins Zeug gelegt. Es gilt, ein Ereignis zu feiern - den Sendestart der ersten deutschen Fernsehkanals für japanische Zeichentrickfilme, den sogenannten Animes. Zwar ist der kostenpflichtige Kanal über Unity Media vorerst nur in Hessen und Nordrhein-Westfalen empfangbar, doch die deutsche Sony-Tochter SPTI Networks Germany präsentiert den Start wie eine Sensation. "Wir rechnen mit einem schnellen Erfolg und wollen schon Anfang nächsten Jahres bundesweit auf Sendung sein", sagt Robert Niemann, Geschäftsführer von SPTI Networks, gegenüber sueddeutsche.de. Der Markt sei sehr vielversprechend, Animax habe hier eine "manifeste Lücke" geschlossen. Tatsächlich hat es bis jetzt auch in den zahlreichen deutschen Bezahlangeboten noch keinen Fernsehkanal gegeben, der sich ausschließlich japanischen Zeichentrickfilmen verschrieben hat. Kaum älter als Vierzehn, kurz vor dem Abgrund Für Comics aus Japan steht vor allem der Manga-Stil. Das Pendant auf der Leinwand und auf dem Bildschirm heißt Anime, abgeleitet vom englischen animation. Die besondere Ästhetik der Manga-Bilder haben die Anime-Trickfilme übernommen. Es sind langbeinige Figuren, die selten älter aussehen als Vierzehn und sich stets in einer großen Bewegung befinden: Kurz vor dem Sprung in den Abgrund, rennend, mitten im Flug oder im Kampf. Selbst wenn sie still halten, scheinen die Charaktere selbst und alles um sie herum in Bewegung zu sein. Das markanteste Merkmal der japanischen Manga-Comics und Anime-Filme sind die großen Kulleraugen der Helden, eingerahmt von bunten, wild wehenden Haarmähnen. Diese in Japan so erfolgreichen und völlig unjapanisch aussehenden Figuren entsprechen nicht nur dem Kindchenschema, gelegentlich wird dieser Stil auch als die Sehnsucht seiner japanischen Fans nach einem solchen Aussehen verstanden. Auf jeden Fall sind die Manga- und Anime-Helden ständig im Kampf: Gegen Außerirdische, gegen Roboter, gegen böse Geister oder die Jungs von der anderen Schulklasse. Genau dieses Sujet und seine Ästhetik ziehe Jugendliche und junge Erwachsene besonders an, behauptet Sony Pictures und setzt seinerseits zum internationalen Verdrängungswettbewerb im umkämpften Markt des Bezahlfernsehens an. Anders als bisherige Anime-Inhalte richtet sich Animax ausdrücklich an die Kernzielgruppe zwischen 14 bis 29 Jahren - "Es wird keine einzige Kindersendung geben", betont Niemann. In unterschiedlichen Genres wie Action, Romantic, Science-Fiction oder Horror laufen insgesamt 20 als Serien angelegte Zeichentricks. Sie werden alle in Japan produziert und dann für die jeweiligen Märkte zusammengestellt und aufbereitet. Keine einzige Kindersendung So werden Anime-Helden wie Earth Girl Arunja, Najica und Chrono im deutschen Fernsehen natürlich deutsch reden - dank der Synchronisierungen für SPTI Networks Germany. Dieses Konzept hat offenbar Erfolg: 1998 begann Animax in Japan zu senden, expandierte in asiatische Länder und ging 2005 nach Lateinamerika, später nach Osteuropa. Nach Angaben von Sony Pictures erreichen Serien wie "Trinity Blood", "Burst Angel" oder "One Piece" derzeit etwa 36 Millionen Abonnenten in 38 Ländern. Seit 2000 wurden etwa in die USA Anime-Programme im Wert von umgerechnet von 2,5 Milliarden Euro exportiert, berichtet das japanische Außenhandelsministerium. Auf der Terrasse des Bayerischen Hofs blicken die Herren mit Weingläsern und japanischen Bierflaschen in der Hand zufrieden auf die Dächer Münchens. Plötzlich kommt Bewegung in die Runde: "Der Minister kommt." Welcher Minister? "Der Staatsminister."
Große blaue Augen, sexy lange Beine und der ewige Kampf gegen das Böse - mit dem ersten Vollprogramm für japanische Zeichentrickfilme drängt sich der Sony-Sender Animax in die deutschen Pay-TV-Kanäle.
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Neuer Zeichentrick-Sender gestartet - Nichts für Kinder
00/05/2010
Im Prozess um die Korruptionsaffaire der Siemens-Kraftwerkssparte kommen neue Vorwürfe ans Tageslicht: Andreas Kley, der ehemalige Finanzchef, soll trotz schwerer Bestechungsvorwürfe eine Abfindung in Millionenhöhe erhalten haben. Das Gericht machte klar, dass es zu Unrecht erzielte Gewinne von Siemens einfordern könnte. Im Prozess um Korruption in der Siemens-Kraftwerkssparte werden neue Vorwürfe gegen Europas größten Technologiekonzern laut. Siemens soll dem ehemaligen Finanzchef des Bereichs, Andreas Kley, trotz schwerer Bestechungsvorwürfe 1,7 Millionen Euro Abfindung gezahlt haben. Kley habe bei seinem Ausscheiden aus dem Konzern 2004 neben den Übergangsbezügen von einer Million Euro auch eine Ausgleichszahlung in Höhe von 765.000 Euro erhalten, erklärte ein als Zeuge geladener Personalmanager von Siemens am Dienstag vor dem Darmstädter Landgericht. Die Vorwürfe in der Korruptionsaffäre waren bereits 2003 öffentlich geworden. Der Konzern hatte immer wieder betont, bei Korruptionsfällen hart gegen Gesetzesverstöße seiner Beschäftigten vorzugehen. Der Vorsitzende Richter Rainer Buss zeigte sich erstaunt über die Zahlungen an einen Mitarbeiter, "der mit den Bestechungen vorsätzlich seine Pflicht verletzt habe". Erstmals Zentralvorstand im Zeugenstand Das Gericht entschied, mit Uriel Sharef Mitte April erstmals auch ein aktives Mitglied des Zentralvorstands, oberster Führungszirkel im Unternehmen, zu den Vorgängen zu befragen. Sharef solle die Hintergründe der Zahlungen erläutern. Von den Überweisungen an Kley sei seines Wissens nie etwas gepfändet oder einbehalten worden - etwa als Schadensersatz für den in dem Korruptionsskandal erlittenen Schaden, sagte der Personalmanager weiter. Siemens war wegen der Affäre in Italien 2004 für ein Jahr von öffentlichen Aufträgen ausgeschlossen worden und hatte sich dazu verpflichtet, den betroffenen Energiekonzern Enel mit Zahlungen und Liefervergünstigungen im Wert von etwa 100 Millionen Euro zu entschädigen. Von dem Bruttogewinn aus dem Geschäft in Höhe von 103,8 Millionen Euro sei "nahezu nichts übrig geblieben", sagte der Finanzvorstand der Siemens-Kraftwerkssparte, Ralf Guntermann am dritten Prozesstag. So habe Siemens Enel allein für den entstandenen Imageschaden 20 Millionen Euro Wiedergutmachung gezahlt. Freiheitsstrafen absehbar Für die beiden Beschuldigten im bundesweit ersten Prozess um die Bestechung ausländischer Siemens-Kunden wird es derweil eng. Oberstaatsanwalt Ulrich Busch erklärte, er gehe von Freiheitsstrafen für die Angeklagten aus. Die Staatsanwaltschaft wirft Ex-Finanzchef Kley und Ex-Mitarbeiter Horst V. Untreue und Bestechung vor. Sie sollen von 1999 bis 2002 etwa sechs Millionen Euro Schmiergeld an zwei Top-Manager von Enel gezahlt und dabei möglicherweise auch schwarze Kassen genutzt haben. Der Konzern soll sich so nach Angaben der Ermittler Aufträge im Wert von 338 Millionen Euro gesichert haben. Bis zu 60 Millionen Euro Die Bereichsführung erklärte am Dienstag, nichts von Bestechungszahlungen gewusst zu haben. "Weder diese noch andere Zahlungen waren mir bekannt", sagte Klaus Voges, Chef der Sparte Power Generation. Bei einer Verurteilung der Angeklagten drohen aber auch dem Siemens-Konzern ernste Konsequenzen. Das Gericht machte deutlich, dass es den zu Unrecht erworbenen Gewinn von Siemens einfordern könnte. Nach einer ersten Einschätzung der Staatsanwaltschaft gehe es um bis zu 60 Millionen Euro. Allerdings seien noch einige Bewertungsfragen offen, so Oberstaatsanwalt Busch. Mit einem Urteil im Siemens-Prozess ist nach Gerichtsangaben frühestens Mitte April zu rechnen.
Im Prozess um die Korruptionsaffaire der Siemens-Kraftwerkssparte kommen neue Vorwürfe ans Tageslicht: Andreas Kley, der ehemalige Finanzchef, soll trotz schwerer Bestechungsvorwürfe eine Abfindung in Millionenhöhe erhalten haben. Das Gericht machte klar, dass es zu Unrecht erzielte Gewinne von Siemens einfordern könnte.
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Zu Unrecht erworbener Gewinn - Korruption in der Kraftwerkssparte könnte teuer werden
00/05/2010
Mit Spannung haben die Aktionäre der Deutschen Börse AG bei ihrer Hauptversammlung auf den Auftritt des rebellischen Großaktionärs Christopher Hohn gewartet. Doch entgegen den Ankündigungen trat der Hedgefonds-Manager nicht an den Rednerpult. Er machte sich unsichtbar. Die Suche nach dem Phantom nahm bisweilen absurde Züge an: So stürzten sich am Mittwochmorgen die Fotografen vor der Jahrhunderthalle in Frankfurt am Main auf einen ahnungslosen Aktionär, weil sie ihn für den Chef des Hedgefonds hielten. Detailansicht öffnen Öffentlichkeitsscheu: In etwa so soll Christopher Hohn aussehen. (Foto: Montage: sueddeutsche.de) Doch der hatte nur eine gewisse Ähnlichkeit mit Hohn, der kaum öffentlich auftritt und nicht fotografiert werden will. Der 38-Jährige war auf dem Aktionärstreffen erwartet worden - doch bis zum Nachmittag durfte gerätselt werden, ob er sich heimlich unter die Aktionäre geschlichen hatte oder doch nicht gekommen war. Der TCI-Chef habe an der Hauptversammlung teilgenommen, sagte schließlich der Interims-Chef und Finanzvorstand der Deutschen Börse, Mathias Hlubek. "Ich habe ihn gesehen. Man muss respektieren, dass er nicht das Wort ergriffen hat", sagte Hlubek. Der Hedgefonds TCI, der nach eigenen Angaben rund acht Prozent an der Deutschen Börse hält, nahm nach Angaben Hlubeks an den Abstimmungen teil. Wochenlanger Machtkampf Die von TCI angeführte Aktionärsrevolte prägte die Versammlung aber auch ohne dass Hohn persönlich in Erscheinung trat. Die rebellischen Anteilseigner um Hohn hatten die Deutsche Börse in einem wochenlangen Machtkampf zunächst zum Rückzug ihres Übernahmeangebots für die Londoner Börse gezwungen. Auf ihren Druck musste dann schließlich Börsenchef Werner Seifert seinen Stuhl räumen, der Aufsichtsratsvorsitzende Rolf Breuer gibt sein Amt bis zum Jahresende auf. Zukunft des Unternehmens bleibt unklar Seither ist aber auch unklar, wie die Zukunft des Unternehmens aussieht: TCI brachte einen Zusammenschluss mit der Konkurrentin Euronext ins Gespräch, mancher befürchtet nun eine Zerschlagung der altehrwürdigen Börse. Dazu kommt die Ungewissheit, wer nach dem Abgang Seiferts die Börse in diesen schwierigen Zeiten leiten soll. Die Aktionäre hatten sich daher von einer Stellungnahme Hohns auch mehr Klarheit über die Zukunft des Unternehmens erhofft. Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) sprach deshalb von einem "Scherbenhaufen", der - wenn überhaupt - nur mühsam gekittet werden könne. Dem Börsen-Vorstand warf er "mangelhafte Kommunikation" vor. Seifert bescheinigte Nieding zwar Erfolge als Manager der Börse. Doch Diplomatie sei gerade in der schwierigen Phase des Aktionärsaufstands nicht seine Sache gewesen. Statt des Konjunktiv habe er lieber den Imperativ gepflegt, sagte der Aktionärsvertreter.
Mit Spannung haben die Aktionäre der Deutschen Börse AG bei ihrer Hauptversammlung auf den Auftritt des rebellischen Großaktionärs Christopher Hohn gewartet. Doch entgegen den Ankündigungen trat der Hedgefonds-Manager nicht an den Rednerpult. Er machte sich unsichtbar.
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Das Phantom Christopher Hohn - Wie sieht eine Heuschrecke aus?
00/05/2010
Chaostage bei der Bahn - doch das Callcenter funktioniert. Stellen wir mit Begeisterung fest. Warum allerdings Füssen zwischen München und Prag liegt, wissen wir nicht. München, kurz nach neun Uhr. Wir wollen wissen, wo Deutschlands Züge schon wieder rollen - und wo nicht. Eine Tour nach Hamburg? Ein Klassiker - quer durch Deutschland, quer durch die Infrastruktur. Wir wollen wissen, ob das am heutigen Dienstag funktionieren könnte. Darum rufen wir bei der kostenlosen Service-Hotline der Deutschen Bahn an. Mit der masochistischen Hoffnung, eine Odyssee von München nach Hamburg vorgezeichnet zu bekommen. Positive Enttäuschung Gefasst auf quälend lange Warteschleifen und nervtötende Jingles werden wir positiv überrascht. Prompt ist eine überaus freundliche Dame am anderen Ende der Leitung, die einen beruhigt: Der ICE werde zumindest pünktlich um 10.21 Uhr in München starten. Natürlich müsse man sich auf Verspätungen einstellen. Jetzt nach Zürich - ein stets lohnenswertes Ziel, auch wenn nicht gestreikt wird. Mit dem Auto gelangt man in gut drei Stunden vom Starnberger See zum Zürichsee, von dessen Quais man einen ähnlich imposanten Blick auf die nahen Alpen genießen kann. Dass man mit dem Zug aber bis zu drei Mal umsteigen muss, hat selbst die Dame des Callcenters überrascht. Zum Glück sei die Bodenseeregion ja ganz schön. "Nein, es sollte nicht zu Verspätungen kommen", sagt sie. Passieren könnte es trotzdem. Und über Innsbruck fahren? In Österreich wird ja nicht gestreikt? Nein, das sei keine Alternative. Obwohl man nur einmal umsteigen muss. Wir sind etwas ratlos. Streik ohne Stress Nun aber: Prag. Schwierige Strecke, mit vielen Unabwägbarkeiten. Wer um 12.45 Uhr in München einsteigt, ist gut sieben Stunden unterwegs und steigt fünf Mal um. Aber wo? Mit dem Regionalexpress über Füssen? Oder erst einmal nach Traunstein? Diese ungewöhnlichen geographischen Optionen hatten wir noch nicht bedacht, wurden aber sehr freundlich von der Dame am anderen Ende der Leitung verarztet. Und Prag solle ja immer eine Reise wert sein. Vielleicht sollte man jede Bahnfahrt mit einem Anruf im Callcenter beginnen. Schade, dass sie sonst Geld kostet. Heute sind wir ohne Wartezeiten durchgekommen. Und müssen der Bahn ein Lob aussprechen. Mitten in den Chaostagen.
Chaostage bei der Bahn - doch das Callcenter funktioniert. Stellen wir mit Begeisterung fest. Warum allerdings Füssen zwischen München und Prag liegt, wissen wir nicht.
wirtschaft
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Hotline der Bahn - Drei Anrufe bei 08000 99 66 33
00/05/2010
Die Pharma-Gruppe Merck torpediert die Übernahmeofferte des Bayer-Konzerns an Schering. Über die Motive Mercks wird gerätselt. Der im Übernahmekampf um Schering unterlegene Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck liefert sich mit dem Rivalen Bayer einen heftigen Schlagabtausch. Detailansicht öffnen Plötzlich ist wieder fraglich, ob diese Präparate künftig aus einer Hand kommen. Die Mittel Yasmin (Schering) und Aspirin (Bayer). (Foto: Foto: ddp) Durch die weiteren Zukäufe des Darmstädter Konkurrenten Merck droht die Milliarden-Offerte für Schering in letzter Minute zu scheitern. Wenige Tage vor Ablauf der Bayer-Offerte am 14. Juni fehlen Merck nur noch etwas mehr als sechs Prozent der Schering-Anteile, um den größten Zukauf in der Bayer-Firmengeschichte scheitern zu lassen. Mitteilung an die US-Börsenaufsicht Wie Merck am Freitag in einer Mitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC mitteilte, stockte das Unternehmen seine Schering-Beteiligung auf 18,6 Prozent von zuletzt gut 10 Prozent auf. Merck kaufte weitere 16,2 Millionen Aktien zu einem Durchschnittskurs von 85,95 Euro. "Mercks Ziel muss es sein, seinen Anteil an Schering auf über 25 Prozent zu erhöhen", sagte der Aktienrechtler Svend Gerhards von der Anwaltskanzlei Görg. "Damit würde Merck die Übernahme von Schering durch Bayer blockieren und wichtige Satzungsänderungen wie Gewinnabführungsverträge und die Eingliederung in den Bayer-Konzern verhindern", sagte Gerhards. Das Darmstädter Familienunternehmen könnte nach Einschätzung von Beobachtern auch mit Hedge-Fonds zusammen gehen und die Bayer-Pläne mit Schering durchkreuzen oder eine Übernahme durch die Leverkusener in die Länge ziehen. Entscheidende Rolle der Hedge-Fonds Nach Angaben aus Branchenkreisen halten Hedge-Fonds bereits rund 20 Prozent an dem Berliner Traditionsunternehmen. Unter den Schering-Großaktionären hatte zuletzt der Münchener Versicherungskonzern Allianz seinen Anteil von 11 Prozent an Bayer verkauft.
Die Pharma-Gruppe Merck torpediert die Übernahmeofferte des Bayer-Konzerns an Schering. Über die Motive Mercks wird gerätselt.
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Merck contra Bayer - Heftiger Schlagabtausch um Schering
00/05/2010
Der Versuch eines einvernehmlichen Zusammenschlusses ist kaum gescheitert, da konfrontiert MAN den Konkurrenten Scania mit einer feindlichen Übernahmeofferte. Der Nutzfahrzeug- und Maschinenbaukonzern MAN veröffentlichte sein offizielles Angebot für den schwedischen Lastwagenhersteller Scania nur einen Tag nachdem die Gespräche über eine Fusion zwischen den beiden Parteien am Mittwoch endgültig gescheitert waren. Detailansicht öffnen Jetzt sind sie offiziell Rivalen: Lkws der Hersteller MAN und Scania. (Foto: Foto: AP) Die Annahmefrist für das 10,3 Milliarden Euro schwere Angebot beginne am 20. November und ende am 11. Dezember, teilte die MAN AG am Donnerstag in München mit. In Stockholm reagierten sowohl Scania selbst wie auch der größte einheimische Anteilseigner Investor umgehend ablehnend. "Bereits abgelehnt" Scania-Sprecherin Cecilia Edström erklärte, das Angebot beinhalte keine Änderungen gegenüber dem bisherigen. Dies sei von Scanias Aufsichtsrat schon abgelehnt worden. Ein Investor-Sprecher sagte, wie bisher spiegele das Übernahmeangebot nicht "den wirklichen Wert von Scania wider". Die bisher ablehnende Haltung sei unverändert. Investor ist zweitgrößter Anteilseigner bei dem schwedischen Lastwagen- und Bushersteller nach Volkswagen. Als entscheidend für den weiteren Fortgang der MAN-Übernahmepläne für Scania gilt eine VW-Aufsichtsratssitzung am Freitag. Volkswagen hatte MAN-Chef Håkan Samuelsson die eigenen Scania-Anteile nur für den Fall zugesagt, dass das Münchner Unternehmen die Investor-Aktien mit 20,01 Prozent der Stimmrechtsanteile übernehmen kann. Dieser Fall ist nun auf gütlichem Weg nicht eingetreten. Entscheidung der EU-Kommission Die Entscheidung der EU-Kommission über die Zulässigkeit der geplanten Übernahme, mit der MAN zum größten Lastwagenhersteller Europas aufsteigen will, wird für 6. Dezember erwartet. "Diese Kombination wird beide Unternehmen stärken - sowohl in Schweden als auch in Deutschland", erklärte MAN-Chef Hakan Samuelsson.
Der Versuch eines einvernehmlichen Zusammenschlusses ist kaum gescheitert, da konfrontiert MAN den Konkurrenten Scania mit einer feindlichen Übernahmeofferte.
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Übernahmekampf - MAN legt feindliches Angebot für Scania vor
00/05/2010