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Es gibt gute Gründe dafür, dass es bislang kaum Billigflüge für die Langstrecke gibt. Doch nun will Ryanair-Chef Michael O'Leary eine Schwesterfirma für Langstrecken starten. Die Verunsicherung in der Branche dürfte wachsen. Ryanair-Chef Michael O'Leary will eine Billigfluggesellschaft für Langstrecken starten. O'Leary sagte dem Fachmagazin Flight International in einem Interview, Flüge über den Atlantik könnten um das Jahr 2010 herum beginnen. Für das Vorhaben würde er eine eigenständige Fluggesellschaft gründen, die als Schwesterfirma zu Ryanair fungieren könnte. Verwirklicht O'Leary seinen Plan, dürfte dies die Umwälzungen in der Luftverkehrsbranche weiter beschleunigen. ,,Ryanair würde die Wettbewerbslage natürlich völlig verändern'', sagt etwa Nathaniel Pieper, Allianzchef der US-Fluglinie Northwest Airlines. Die Pläne tragen weiter zur Verunsicherung in der Branche bei, in der die bisherigen Strukturen immer mehr aufgeweicht werden. ,,Niemand weiß wirklich, wie sich der Markt in den nächsten Jahren verändern wird'', gibt Pieper zu. Etablierte Anbieter profitieren von hohen Margen Bislang können sich die etablierten Anbieter wie British Airways, Lufthansa und Air France-KLM auf hohe Gewinnmargen im Langstreckenverkehr verlassen, während sie in Europa längst stark unter den Druck der Billiganbieter geraten sind. O'Leary will USA-Flüge für Preise ab zehn Euro anbieten. HypoVereinsbank-Analyst Uwe Weinreich schätzt allerdings, dass die Preise im Durchschnitt bei 300 Euro liegen müssten, damit das Unternehmen profitabel arbeitet. Dem Ryanair-Chef zufolge würde die neue Fluggesellschaft rund 50 Flugzeuge - entweder vom Typ Boeing 787 oder Airbus A350 - bestellen. Sie würde 23 europäische Ryanair-Basen mit fünf oder sechs Zielen in den USA verbinden. Kleinere US-Flughäfen In Deutschland kommen damit voraussichtlich die Flughäfen Hahn/Hunsrück, Weeze (bei Düsseldorf) und Bremen in Frage, die Ryanair derzeit als Basis nutzt. In den USA will O'Leary kleinere Flughäfen in der Nähe großer Städte anfliegen, etwa Baltimore nahe Washington, Islip nahe New York oder Providence nahe Boston. ,,Mitte 2009 werden wir 70 Millionen Passagiere von 23 Basen aus in Europa transportieren'', so O'Leary. ,,Ein Deal für 40 oder 50 Langstreckenflugzeuge, mit denen wir Transatlantikziele anbinden könnten, wäre ein Leichtes für uns. Niemand könnte uns etwas anhaben.'' Mit dem Projekt würde sich O'Leary die neuen Freiheiten zunutze machen, die die Liberalisierung des Luftverkehrs zwischen den USA und Europa voraussichtlich von März 2008 an bieten wird. Dann können europäische Fluglinien aus jedem EU-Mitgliedsland unbegrenzt Flüge in die USA anbieten, die Nationalität spielt bei der Vergabe von Verkehrsrechten keine Rolle mehr. Bislang nur vereinzelte Billigflüge auf der Langstrecke Bislang gibt es nur wenige Versuche, das Billigflugkonzept auf der Langstrecke zu etablieren. Oasis Hongkong fliegt seit dem vergangenen Jahr täglich zwischen Hongkong und London. Die australische Virgin Blue will von 2008 an Verbindungen zwischen Sydney und der US-Westküste anbieten. Kritiker merken an, dass das Billigflugkonzept auf Langstrecken schwieriger durchzusetzen ist. Einer der größten Vorteile, die hohe tägliche Nutzung der Flugzeuge, sei auf Transatlantikstrecken nicht zu halten, so Air France-Allianzchef Dominique Patry. Auch müssten die Fluggesellschaften ihren Passagieren auf Langstrecken mehr Platz bieten, die hohen Fluggastzahlen pro Flugzeug seien nicht mehr zu halten. O'Leary will bei der neuen Fluggesellschaft deutlich mehr Komfort bieten als bei Ryanair. So soll die noch unbenannte Fluglinie auch eine ,,Premium-Klasse'' anbieten, die vergleichbar ist mit einer Business Class. Zusätzliches Geld über Bordunterhaltungsprogramm Zusätzliches Geld verdienen will O'Leary über das Bordunterhaltungsprogramm sowie zollfreien Verkauf von Waren während des Fluges. Der Ryanair-Chef sagte, er wolle selbst eine Rolle bei der Gründung der Fluggesellschaft spielen, werde aber wahrscheinlich nicht ihr Vorstandschef. Das Startkapital für das Projekt zu finden, ist seiner Ansicht nach kein Problem. ,,Es gibt jede Menge Investoren, die ein starkes Interesse an Billigflügen auf der Langstrecke haben'', so O'Leary. ,,Geld brauchen wir am wenigsten.'' Die Startkosten für das Projekt schätzt er auf 200 Millionen Euro. | Es gibt gute Gründe dafür, dass es bislang kaum Billigflüge für die Langstrecke gibt. Doch nun will Ryanair-Chef Michael O'Leary eine Schwesterfirma für Langstrecken starten. Die Verunsicherung in der Branche dürfte wachsen. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/neue-billigfluggesellschaft-in-die-usa-fuer-zehn-euro-1.898265 | Neue Billigfluggesellschaft - In die USA für zehn Euro | 00/05/2010 |
Die Frage, was ein Anruf aus dem Urlaub nach Hause kostet, beantwortet sich meist erst nach der Reise — wenn die Handyrechnung kommt. (SZ vom 02.07.2003) — Man kann schon vor dem Urlaub einiges tun, damit sich die Kosten für die Kommunikation nach Hause in Grenzen halten. Zwar hat man die Gesprächsgebühren beim Anruf aus dem klassischen Telefonhäuschen besser im Griff, doch komfortabler ist es natürlich, Urlaubsgrüße mit dem Handy mitzuteilen und ständig erreichbar zu sein. Diesen Komfort lassen sich die Mobilfunkgesellschaften teuer bezahlen. Wer vom Urlaubsort nach Deutschland telefonieren will, muss dies über die Roaming-Partner seines heimischen Mobilfunkbetreibers erledigen. Dabei bestehen riesige Preisunterschiede zwischen den einzelnen Netzbetreibern am Ort und der Tageszeit, zu der man telefoniert. So hat die Stiftung Warentest beispielsweise errechnet, dass ein zwölfminütiges Gespräch aus dem niederländischen O2-Netz nach Deutschland tagsüber zwölf Euro kostet, bei T-Mobile Netherlands hingegen nur 8,60 Euro. Von 19 Uhr an greift der Abendtarif, hier ist O2 wieder mit 5,10 Euro der günstigere. Einstellen lässt sich der gewünschte Roaming-Partner, indem man die Netzsuche seines Handys von Automatisch auf Manuell umstellt. Kostenfalle Mailbox Relativ günstig sind SMS: ihr Empfang ist in der Regel kostenlos und das Versenden kostet mit Roaming-Aufschlag meist nicht mehr als 50 Cent, für Prepaid-Kunden maximal 70 Cent. Das Versenden von Multimedia-Mitteilungen (MMS) kostet hingegen bis 1 Euro mehr als in Deutschland, da der ausländische Netzbetreiber die übertragene Datenmenge in Rechnung stellt. Der Empfang ist hingegen bis auf wenige Ausnahmen auch im Ausland kostenlos. Im Gegensatz zu innerdeutschen Handygesprächen kostet im Ausland auch die Annahme eines Gespräches aus Deutschland. Das kann bei der Mailbox schnell zur Kostenfalle werden. Die Fachzeitschrift connect hat errechnet, dass dadurch pro auf die Mailbox gesprochene Minute 1,99 Euro Kosten für einen Handybesitzer in Italien anfallen, für die Türkei sind es gar mindestens 2,60 Euro. Hinzu kommen Kosten für das Abhören der Mailbox. Die Experten raten daher, die Mailbox ganz abzuschalten oder alle Anrufe auf sie umzuleiten und nur von Zeit zu Zeit abzuhören. Grundsätzlich entstehen Besitzern von Prepaid-Karten wie xTra, Callya, Free&Easy oder Loop beim Roaming zum Teil wesentlich höhere Gebühren als Vertragskunden. "Es ist in jedem Fall daher ratsam, sich vorher auf der Internet-Seite oder über die Hotline seiner Mobilfunkpartners zu informieren, was konkret für meinen Vertrag Telefonate nach Deutschland kosten, was im Ausland angenommene Anrufe kosten, was das Verschicken von SMS und MMS kostet oder der mobile Internet-Zugang", rät Sybille Kujat vom Europäischen Verbraucherzentrum (EVZ) in Kiel. Für Vieltelefonierer oder für Urlauber, die jedes Jahr ihren Urlaub am gleichen Ort verbringen, empfiehlt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen Prepaid-Karten der Mobilfunkanbieter im Urlaubsland. Die Karte wird anstatt der deutschen SIM-Karte ins Handy gelegt und der Urlauber umgeht bei Gesprächen innerhalb des Ferienlandes und Anrufen nach Hause sowie SMS die teuren Roaming-Gebühren. Außerdem zahlt er nichts für ankommende Gespräche. Unübersichtliches GRPS-Wap Eine andere Möglichkeit ist die CallingCard. Sie kann im Internet von verschiedenen Anbietern bestellt und mit einem Guthaben aufgeladen werden. Über eine kostenfreie Nummer und persönlicher PIN wählt man sich dann vom Handy, der Telefonzelle oder vom Hoteltelefon ins ausländische Festnetz ein und kann nach Hause telefonieren. Auch nach dem Surfen im Internet haben viele Urlauber ein Bedürfnis. Besitzt das Handy einen eMail-Client oder der eigene Internet-Provider einen WAP-Zugang, dann lassen sich die eMails direkt vom Handy abfragen, lesen und beantworten. Auch Surfen lässt sich über WAP: Tourenplaner (wap.falk.de), Wetter-Infos (wap.dwd.de) oder Nachrichten (wap.sueddeutsche.de) sind so mobil erreichbar. Der Preis entspricht dabei einem Handy-Anruf nach Deutschland und wird pro Minute abgerechnet. Unübersichtlich und teuer wird es hingegen bei GPRS-Wap, denn während in Deutschland pro zehn Kilobyte-Block abgerechnet wird, rechnen die Netzbetreiber im Ausland angefangene Datenblöcke zwischen 100 und 250 Kilobytes ab. Auch HSCSD, sofern im Ferienziel überhaupt unterstützt, kostet genauso viel, wie ein Anruf nach Deutschland. Wer gerne mit dem Handy im Urlaub telefoniert und dabei auch viel mit Wap und GPRS ins Internet geht, für den lohnt sich daher eine Prepaid-Karte eines einheimischen Betreibers allemal, denn die Kosten bewegen sich dann in etwa im gleichen Rahmen, wie wenn man in Deutschland mobil ins Internet geht. Besitzer eines Smartphones können dann auch mit einem richtigen Browser beispielsweise von Reqwireless oder Opera mit ihrem kleinen Bildschirm ins "große" Internet gehen. Anderenfalls ist das Internet-Café die richtige Wahl. In größeren Städten und typischen Touristenorten kann man dort für zwei bis vier Euro pro Stunde im Internet surfen oder, das bieten die meisten Internet-Provider inzwischen an, seine eMails fernabfragen. Allerdings ist hier etwas Vorsicht im Umgang mit Daten geboten: bei der Eingabe von PIN oder Passwörtern, beispielsweise um seine eMails oder den Stand seines Girokontos abzufragen, sollte man sich nicht beobachten lassen und nach seiner Sitzung den Browser-Zwischenspeicher, den "Verlauf" und Cookies löschen, anderenfalls könnte der nächste Besucher auch ohne Passwort das eigene Postfach öffnen. Wer doch lieber die klassische Ansichtskarte nach Hause bevorzugt: Bis Ende August können Kunden von Vodafone, T-Mobile und O2 sowie des Providers Debitel aus fast ganz Europa ein mit dem Foto-Handy aufgenommenes Urlaubsbild als ausgedruckte Postkarte verschicken lassen. Das kostet je nach Bildauflösung und Vertrag zwischen 39 Cent und 1,29 Euro, lediglich O2 will 1,99 Euro. In der billigsten Version ist sie damit nicht nur günstiger als die klassische Urlaubspostkarte, sondern geht auch noch schneller als jeder grenzüberschreitende Postweg: spätestens 48 Stunden nach Abschicken soll die Postkarte daheim ankommen. Kunden anderer Provider können sich bei www.opedo.de anmelden, die Handypostkarte kostet hier allerdings 2,99 Euro. Nützliche Internet-Adressen Ausländische Prepaid-Karten in Deutschland kaufen: www.globilo.de Anbieter von CallingCards: www.m-d-s.de www.tele2.de www.dtag.de Tarif-Übersichten im Internet: www.billigertelefonieren.de www.teltarif.de Verzeichnis deutscherWAP-Seiten: http://de.mobile.yahoo.com/wap/dir.html Verzeichnis weltweiter Internet-Café's: www.cybercafe.com Internet-Browser für Smartphones: www.reqwireless.com/webviewer.html www.opera.com/products/smartphone/ | Die Frage, was ein Anruf aus dem Urlaub nach Hause kostet, beantwortet sich meist erst nach der Reise — wenn die Handyrechnung kommt. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/telefonieren-im-urlaub-so-bleibt-die-handyrechnung-niedrig-1.898073 | Telefonieren im Urlaub - So bleibt die Handyrechnung niedrig | 00/05/2010 |
Arbeitskämpfe und Arbeitslosigkeit in Kalifornien - von dem von Arnold Schwarzenegger versprochenen Wirtschaftsaufschwung ist nicht viel zu spüren. Außer einigen spektakulären PR-Erfolgen habe der Gouverneur bisher nicht viel erreicht, monieren Kritiker. Rickey Bates ist stocksauer. Er redet sich in Rage. "Wir müssen für die Krankenversicherung immer mehr zahlen. Ich weiß nicht, wie meine Familie noch über die Runden kommen soll", schimpft der 38-jährige Hotelangestellte. Detailansicht öffnen Kämpft gegen Altlasten: Kaliforniens Gouverneuer Arnold Schwarzenegger. (Foto: Foto: AP) Zusammen mit 4300 Mitarbeitern von 14 großen Hotels in San Francisco hatte Familienvater Bates über einen Monat lang gestreikt. Tag und Nacht hatten sie mit großen Plakaten vor den Eingangstüren der Nobelherbergen protestiert und mit Rasseln und Kochtopf-Trommeln auf sich aufmerksam gemacht. Die Wut der Streikenden Gästen und Nachbarn ging der Lärm auf die Nerven. Doch die Wut der Streikenden, die von den Hoteliers ausgesperrt waren, konnte das nicht bremsen. Es war einer der erbittertsten Arbeitskämpfe der vergangenen Jahre in Kalifornien. In der vergangenen Woche beschlossen die Streikenden, ihren Arbeitskampf zunächst zu unterbrechen, um Verhandlungen zwischen der Gewerkschaft und den Hotelbetreibern zu ermöglichen. Doch Bates, der tagelang mit einem Megaphon vor dem Grand Hyatt Hotel in der Stockton Street stand und die schlechten Arbeitsbedingungen anprangerte, hat nicht viel Hoffnung. "Da wird nicht viel bei rauskommen. Wir müssen am Ende die Zeche zahlen. Und Gouverneur Schwarzenegger wird uns auch nicht helfen. Der steht auf Seiten der Unternehmer", befürchtet der Afro-Amerikaner. 273 statt zehn Dollar Er rechnet vor, dass er statt zehn Dollar monatlich bald 273 Dollar für die Krankenversicherung zahlen soll, weil die Hoteliers den bislang gezahlten Arbeitgeberanteil drastisch zusammenstreichen wollen. Arbeitskämpfe und Arbeitslosigkeit in Kalifornien - von dem von Gouverneur Arnold "Arnie" Schwarzenegger versprochenen Wirtschaftsaufschwung ist in diesen Tagen in San Francisco nicht viel zu spüren. Büros stehen leer. Die großen Kaufhäuser wie Saks am Union Square melden im Weihnachtsgeschäft nur schleppende Umsätze. In den Straßen der Millionenmetropole, durch die in dieser Jahreszeit ein nasskalter Wind pfeift, hat die Zahl der Wohnungslosen zugenommen. Lange Schlangen an den Suppenküchen An den Suppenküchen von Kirchen und Wohltätigkeitsorganisationen, die Essen an Arme verteilen, bilden sich lange Schlangen. Zwar haben die Ikonen der Computer- und Softwareindustrie wie der weltgrößte Chiphersteller Intel oder die Softwareschmiede Oracle, die ihre Zentralen im Silicon Valley haben, nach den mageren Jahren infolge des Börseneinbruchs 2001 und 2002 nun wieder satte Gewinne vermeldet. Die meisten Unternehmen haben aber massiv Arbeitsplätze abgebaut. In der Bay Area, der städtischen Konglomeration, die mit ihren sechs Millionen Einwohnern von San Francisco im Norden bis San José im Süden reicht und die in den neunziger Jahren als Motor eines geradezu sagenhaften Wirtschaftsaufschwungs im Golden State galt, sind zwischen 2001 und 2003 etwa 450.000 Arbeitsplätze verloren gegangen. Job-Export nach China und Indien Hart getroffen hat es die einst gut verdienenden Computerspezialisten. Immer mehr Jobs werden nach Indien und China verlagert, wo Programmierer zu einem Bruchteil der amerikanischen Löhne arbeiten. | Arbeitskämpfe und Arbeitslosigkeit in Kalifornien - von dem von Arnold Schwarzenegger versprochenen Wirtschaftsaufschwung ist nicht viel zu spüren. Außer einigen spektakulären PR-Erfolgen habe der Gouverneur bisher nicht viel erreicht, monieren Kritiker. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/wirtschaftskrise-in-kalifornien-arnies-pepsodent-laecheln-1.920473 | Wirtschaftskrise in Kalifornien - Arnies Pepsodent-Lächeln | 00/05/2010 |
Über den Oscar für ihre Rolle in "Monster" hat sich nicht nur Charlize Theron, sondern auch der eine oder andere Anleger gefreut. Besonders attraktiv sind bei Medienfonds die Steuervorteile - die dem deutschen Fiskus allerdings ein Dorn im Auge sind. Als Charlize Theron für ihre Rolle in "Monster" den Oscar erhielt, entlockte dies nicht nur ihr heiße Freudentränen. Detailansicht öffnen Charlize Theron und Renee Zellweger freuen sich über ihre Oscars - Anleger in Medienfonds frohlocken mit ihnen. (Foto: Foto: Reuters) Auch Andreas Schmidt, Geschäftsführer des Münchner Medienfondsinitiators VIP, hat gejubelt. Seine Firma finanzierte den Film zusammen mit vielen Anlegern. Kinofilme werden immer aufwändiger und teurer. Produzenten haben immer häufiger Probleme, die meist achtstelligen Summen zu beschaffen. So kommen bei der Filmfinanzierung zunehmend branchenfremde Investoren ins Spiel. Abgestuftes Risiko Über Medienfonds können sich einzelne Anleger an der Produktion von Kino- und TV-Filmen beteiligen. Sie müssen dafür allerdings tief in die Tasche greifen. Die Mindestbeteiligung liegt bei rund 20.000 Euro. Das Risikoprofil ist nicht bei allen Medienfonds gleich hoch. Generell wird in zwei Hauptarten unterschieden. Während unternehmerisch konzipierte Fonds ein sehr hohes Risiko in sich bergen, da der Anleger Miteigentümer wird, sind Leasing-Modelle wesentlich sicherheitsorientierter. Die Chancen sind bei dieser Variante allerdings auch geringer, da alle Parameter unabhängig vom Filmerfolg bereits vorher festgelegt wurden: die Verträge mit den Filmvertrieben, die Ausschüttungen und die Endverwertungserlöse. Schwer durchschaubare Branche Anleger lieben den Glamour der Filmbranche. Diese Zuneigung scheinen sie auch auf die Medienfonds zu übertragen. Allein in 2003 investierten sie mit rund 1,76 Milliarden Euro knapp neun Prozent mehr als im Vorjahr in diese Beteiligungsart. Der Schwerpunkt lag dabei aber eindeutig auf den sicherheitsorientierten Leasingmodellen. Auch das große Hollywood-Kino profitiert von der Medien-Euphorie der deutschen Anleger. Nach Schätzung von Experten sind rund 20 Prozent aller Hollywood-Produktionen über deutsche Medienfonds finanziert. | Über den Oscar für ihre Rolle in "Monster" hat sich nicht nur Charlize Theron, sondern auch der eine oder andere Anleger gefreut. Besonders attraktiv sind bei Medienfonds die Steuervorteile - die dem deutschen Fiskus allerdings ein Dorn im Auge sind. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/medienfonds-ein-stueck-hollywood-fuers-bankdepot-1.915404 | Medienfonds - Ein Stück Hollywood fürs Bankdepot | 00/05/2010 |
Noch ist die abgeschottete Schweiz ein weißer Fleck auf der Firmenlandkarte von Aldi-Süd. Bei den dort herrschenden Hochpreisen rechnet sich der Discounter jetzt allerdings gute Chancen aus. Der Lebensmitteldiscounter Aldi dringt jetzt erstmals auf den Schweizer Markt vor. Aldi-Süd-Chef Karl Albrecht habe jetzt grünes Licht für den seit langem geplanten Schritt gegeben, sagte eine Aldi-Sprecherin dem Handelsblatt. 60 neue Märkte Es würden bereits "intensive Gespräche mit Entscheidungsträgern der Schweizer Kommunen geführt", um Standorte für Aldi-Filialen zu bestimmen, zitiert die Zeitung die Sprecherin. Branchenbeobachter gehen laut dem Bericht davon aus, dass Aldi mit Investitionen von rund 70 Millionen Euro in möglichst kurzer Zeit bis zu 60 neue Märkte errichten will. Eine der ersten Märkte, so das Handelsblatt, solle im ostschweizerischen Romanshorn entstehen. Hohes Preisniveau Die Schweiz gelte als attraktiver aber schwieriger Markt: Das Preisniveau der Lebensmittel sei noch immer so hoch, dass es sich für Einzelhändler lohnt, zu investieren. Gleichzeitig teilen sich aber die beiden Ketten Coop und Migros mehr als 70 Prozent des Branchenumsatzes. Bislang scheiterten Konkurrenten mit dem Versuch, deren Dominanz zu brechen. Zwei Schweizer Discounter kommen auf etwas mehr als zehn Prozent Marktanteil, so das Handelsblatt. Zum Vergleich: In Deutschland fallen auf die Discounter mehr als ein Drittel des Umsatzes im Lebensmitteleinzelhandel. Bislang ist Aldi-Süd bereits auf den Märkten in Österreich, Großbritannien, Irland, Australien und den USA präsent. Dass der deutsche Discounter auch in der Schweiz auf Erfolg hoffen darf, wenn er es schafft, schnell genügend Märkte zu eröffnen, stellen Konsumforscher außer Frage, berichtet das Handelsblatt weiter. Zum Einkauf ins Ausland Sie verweisen vor allem auf die Preise im Handel, die in der Schweiz etwa ein Drittel höher liegen als in Deutschland und die ein Discounter wie Aldi leicht unterbieten könnte. Wie sehr ein günstiger Konkurrent etwa der Migros zu schaffen macht, würde in den grenznahen Regionen deutlich, wo immer mehr Schweizer im nahen Ausland einkaufen. | Noch ist die abgeschottete Schweiz ein weißer Fleck auf der Firmenlandkarte von Aldi-Süd. Bei den dort herrschenden Hochpreisen rechnet sich der Discounter jetzt allerdings gute Chancen aus. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/einzelhandel-aldi-wagt-sich-nach-teuerland-1.906155 | Einzelhandel - Aldi wagt sich nach Teuerland | 00/05/2010 |
Chefs angeschlagener Unternehmen machen häufig einen großen Fehler: Aus Scham verschieben sie den Gang zum Insolvenzrichter. Irgendwann ist die Firma nicht mehr zu retten. Banken erwägen nun strengere Bonitätsprüfungen. Die Einbußen sind beträchtlich: Gut 31.000 Unternehmen mussten im vergangenen Jahr Insolvenz anmelden. Der Schaden belief sich nach Angaben der Wirtschaftsauskunftei Creditreform auf 31 Milliarden Euro. In diesem Jahr rechnet sie mit insgesamt 28.000 bis 30.000 Pleiten. Ob es bei der Prognose vom Sommer bleibt, ist allerdings völlig offen. Neue Zahlen will Creditform am Dienstag in Frankfurt veröffentlichen. "Wir leben in Unsicherheit", sagte Creditreform-Vorstand Helmut Rödl der Süddeutschen Zeitung. Eine wichtige Rolle in seinem Risikoszenario spielt die KfW. Am Dienstag hatte die Bankengruppe bekanntgegeben, dass sie ihre Risikovorsorge wegen der Schieflage der Mittelstandsbank IKB, deren größter Aktionär die KfW ist, um 2,3 auf 4,8 Milliarden Euro erhöhen muss. "Das dürfte nicht ohne Einfluss auf das für den deutschen Mittelstand so wichtige Fördergeschäft der KfW bleiben", sagt Rödl, betont aber: "Derzeit gibt es keine Kreditklemme." Er verweist auf Zahlen der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Deutschen Bundesbank, wonach die Kreditvergabe der Banken an die Unternehmen in den vergangenen Monaten stabil geblieben ist. "Ertragslage und Investitionstätigkeit im Mittelstand sind weiter positiv", erläutert Rödl. Er nennt allerdings auch einige negative Aspekte. "Die Konjunkturaussichten haben sich eingetrübt, und die Banken überdenken ihr Risikoverhalten. In der Folge könnten die Anforderungen an die Bonität der Schuldner steigen", sagt Rödl. "Das Mittelfeld dünnt aus" Darunter würden ihm zufolge zunächst vor allem große Unternehmen leiden, die sich nicht nur über Kredite, sondern beispielsweise auch über Anleihen oder Genussscheine finanzieren. Sollten in den kommenden Monaten die Zinsen an den Kapitalmärkten anziehen, wächst aber auch die Insolvenzgefahr in den Unternehmen, denn die Finanzierung über die Kreditinstitute wird teurer. Die Eigenkapitalausstattung vieler Mittelständler habe sich zwar in den vergangenen Jahren auch unter dem Druck der strengeren Eigenkapitalvorschriften, Stichwort Basel II, verbessert, sei aber häufig noch nicht ausreichend. "Das Mittelfeld dünnt aus", so Rödl. Die Gruppe der Unternehmen mit einer als gut zu bewertenden Eigenkapitalquote von 30 Prozent wächst, allerdings auch die Zahl der Firmen mit weniger als zehn Prozent. Finanzierungslücken, allen voran zu wenig Eigenkapital, sehen Insolvenzverwalter als einen der wesentlichen Gründe für Firmenpleiten (Grafik), ergab eine Studie des auf Sozial- und Wirtschaftsforschung spezialisierten Wiesbadener Kohorten-Instituts für den Kreditversicherer Euler Hermes und das Zentrum für Insolvenz und Sanierung (ZIS) an der Universität Mannheim. Für die Studie wurden 124 Insolvenzverwalter befragt, die insgesamt etwa 19000 Verfahren bearbeiten. Viele Firmen wären allerdings noch zu retten, wenn der Insolvenzantrag früher gestellt worden wäre. "In einer frühen Phase der Schieflage ist noch genügend Liquidität und genügend Masse für eine Sanierung vorhanden", sagt Gert Schloßmacher, Vorstandsmitglied von Euler Hermes. Und, so ein weiteres Ergebnis der Studie, zu Beginn einer Krise sind sowohl Gläubiger, etwa Banken oder Lieferanten, als auch Mitarbeiter noch sehr viel stärker bereit, an der Sanierung mitzuwirken. "Wartet ein Unternehmer zu lange mit dem Gang zum Amtsgericht, sind die besten Mitarbeiter, die in der Lage gewesen wären, die Krise zu meistern, schon weg, weil sie den Braten längst gerochen haben", sagt Schloßmacher. Psychologie bedeutend Dennoch zögern viele Firmeninhaber. Dabei spielen der Studie zufolge psychologische Gründe eine weit größere Rolle als sachliche. Gerade der Geschäftsführer eines kleinen oder mittleren Betriebes sei häufig kein Homo oeconomicus, heißt: Er ist eher Handwerker, Techniker oder Ingenieur als Kaufmann. Fehlende betriebswirtschaftliche Kenntnisse seien für inhabergeführte Unternehmen, sie stellen mehr als 80 Prozent der Pleiten, besonders typisch, heißt es in der Studie: So kommt es vor, dass Umsatz und Ertrag verwechselt werden, oder Firmen lassen sich in der vagen Hoffnung auf lukrativere Folgeaufträge anfänglich auf ein Minusgeschäft ein. Branchenkrisen treffen der Studie zufolge besonders Betriebe mit weniger als 50 Mitarbeitern. Deren Inhaber oder Gründer haben sich oft als gute Fachleute selbständig gemacht, aber häufig nichts über Betriebswirtschaftslehre gelernt. Tritt dann die Krise ein, werde sie häufig als vorübergehend angesehen. Die Unternehmer hegen allzu lange die Hoffnung, nach jahrelangen Erfolgen werde es irgendwann wieder von selbst aufwärtsgehen. "Die haben einen Tunnelblick", sagt Schloßmacher: "Die wollen die Schieflage nicht wahrhaben, weil sie sich dann ihr eigenes Versagen eingestehen müssten." So sieht das auch die Mehrheit der befragten Insolvenzverwalter. Die Angst, vor Bekannten oder in der Branche bloßgestellt zu werden, ist demnach eine der wesentlichen Ursachen dafür, weshalb Insolvenzanträge immer noch zu spät gestellt werden. Zu diesen persönlichen Defiziten, die die Sozialforscher ausgemacht haben, passt eine weitere Erkenntnis. 57 Prozent der befragten Insolvenzverwalter nannten einen "autoritären, rigiden Führungsstil" als Grund für die Pleite. | Chefs angeschlagener Unternehmen machen häufig einen großen Fehler: Aus Scham verschieben sie den Gang zum Insolvenzrichter. Irgendwann ist die Firma nicht mehr zu retten. Banken erwägen nun strengere Bonitätsprüfungen. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/mittelstaendische-unternehmen-das-prinzip-hoffnung-1.889370 | Mittelständische Unternehmen - Das Prinzip Hoffnung | 00/05/2010 |
Für den Verbraucher wird die Rückgabe pfandpflichtiger Dosen vom 1. Mai an einfacher. Allerdings kämpft der Handel zwei Wochen vor Inkrafttreten der neuen Regeln noch mit praktischen Problemen. In der langen Geschichte der Verpackungsverordnung beginnt demnächst ein neues Kapitel. Dann müssen Händler, die Getränkedosen oder Einwegflaschen verkaufen, alle Verpackungen dieser Materialart zurücknehmen - ganz gleich, ob diese aus dem eigenen Sortiment stammen oder von der Konkurrenz in Umlauf gebracht wurden. Detailansicht öffnen (Foto: Foto: dpa) Damit entfallen die vor allem von Discountern wie Aldi oder Lidl praktizierten Insellösungen, bei denen sich die Händler lediglich zur Rücknahme des Leerguts aus dem eigenen Verkaufsprogramm verpflichten. Die Branche erwartet, dass damit Einwegflaschen und vor allem Dosen vor einem Comeback stehen. Ausnahmen gelten von Mai an nur für Läden mit einer Verkaufsfläche von weniger als 200 Quadratmetern, also beispielsweise für Kioske. Sie müssen auch in Zukunft nur Gebinde derjenigen Marken zurücknehmen, die in ihrem Verkaufsregal stehen. Die Liste der Getränke, für die die Verbraucher Pfand zahlen müssen, verlängert sich zum 1.Mai. Dann gilt auch eine Pfandpflicht für kohlensäurefreie Erfrischungsgetränke und alkoholhaltige Mischgetränke. Ausgenommen vom Pfand sind nach wie vor Weine, Milch und Säfte. Außerdem Verpackungen, die nach Ansicht des Gesetzgebers als ökologisch vorteilhaft gelten, wie etwa Getränkekartons. Einzelhandel, Getränkeindustrie und Verpackungshersteller bereiten sich seit Monaten intensiv auf die neuen Pfandregeln vor. Händler stehen vor der Frage, wie sie die zu erwartende Leergut-Flut bewältigen sollen. Für das Jahr 2007 rechnen Fachleute mit 18 Milliarden Einweggebinden, die bepfandet zurückgenommen, gezählt und entsorgt werden müssen. Per Hand ist das nicht zu machen. Investitionen von mehr als 1,2 Milliarden Euro In vielen Läden werden deshalb neue Rücknahmeautomaten installiert. Nach Auskunft von Wincor Nixdorf, dem hinter der Tomra-Gruppe zweitgrößten Anbieter von Leergutrücknahme-Systemen, werden von Anfang Mai an bundesweit etwa 10.000 Automaten in Betrieb sein. "Viele Händler warten noch ab", heißt es. Dennoch schätzt das Unternehmen, dass Ende 2007 etwa 30.000 Rücknahmeautomaten installiert sein werden. Das erfordert Investitionen von mehr als 1,2 Milliarden Euro, wie der Metro-Konzern errechnet hat. Hinzu kommen Ausgaben für bauliche Veränderungen in den Märkten und Serviceleistungen der Geräteanbieter. In der Getränke- und Verpackungsindustrie gilt es als sicher, dass die neuen Pfandregeln Einwegverpackungen zu einem Comeback verhelfen. In den vergangenen Jahren hatten Händler vor allem Dosen und Einwegflaschen aus ihrem Sortiment verbannt, weil deren Rücknahme Probleme bereitete. Chancen für Glasindustrie "Jetzt werden die Karten neu gemischt. Einweggebinde kehren in die Verkaufsregale zurück", sagte Jörg Croseck, Geschäftsführer der Mineralwasser-Gruppe Gerolsteiner der Süddeutschen Zeitung. Dieser Trend begünstigt nach seiner Überzeugung vor allem Markenartikel-Hersteller, die künftig verstärkt neue Getränke im Handel platzieren können. Croseck erwartet, dass damit die überwiegend am Massengeschmack orientierten Discounter aus Sicht mancher Kunden an Attraktivität verlieren. Begünstigt durch die bisher gültige Pfandregelung haben die Billiganbieter ihren Marktanteil im Wassergeschäft seit 2002 von 15 auf 40 Prozent gesteigert. Von dem erwarteten Vormarsch der Einweggebinde erhoffen sich die Hersteller von PET-Gebinden und Dosen gleichermaßen Impulse. Auch die Glasindustrie wittert neue Chancen. "Es gibt deutliche Signale vom Handel für eine neuerliche Listung von Glasflaschen", sagt Paul Neeteson, Präsident des Bundesverbandes Glasindustrie. Nach Erkenntnis der Unternehmensberatung Roland Berger verursachen Glasflaschen bei der Abfüllung die niedrigsten Kosten aller Einweggebinde. Mit der letzten Änderung der Verpackungsverordnung vor drei Jahren waren Getränkedosen nahezu vollständig aus den Verkaufsregalen verschwunden. Der Absatz in Deutschland schrumpfte von 7,5 Milliarden auf weniger als 500 Millionen Stück pro Jahr. Jetzt registrieren die Dosenhersteller wieder vermehrt Anfragen von Abfüllern und Handel. "Es gibt sehr konkrete Gespräche mit vielen Brauereien, sagte Hanno Fiedler, Aufsichtsratschef von Ball Packaging Europa, dem größten deutschen Dosenhersteller, der SZ. Er rechnet damit, dass in diesem Jahr wieder etwa eine Milliarde Dosen verkauft werden. "2008 könnte das vor der Pfandpflicht erreichte Volumen von mehr als sieben Milliarden Stück wieder erreicht sein", sagt er. | Für den Verbraucher wird die Rückgabe pfandpflichtiger Dosen vom 1. Mai an einfacher. Allerdings kämpft der Handel zwei Wochen vor Inkrafttreten der neuen Regeln noch mit praktischen Problemen. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/einzelhandel-neue-pfandpflicht-ebnet-dose-den-rueckweg-1.904717 | Einzelhandel - Neue Pfandpflicht ebnet Dose den Rückweg | 00/05/2010 |
Er soll die Marke Volkswagen sanieren. Spannend ist die Frage, nann Wolfgang Bernhard die Arbeit, für die er engagiert wurde, tatsächlich beginnen darf. Am 1.Februar tritt der 44 Jahre alte Manager zwar als Vorstandsmitglied der Volkswagen AG an, aber er bekommt zunächst kein eigenes Ressort. Offiziell soll er spätestens am 1. Januar 2006 die Markenleitung bei VW übernehmen. Detailansicht öffnen Wolfgang Bernhard (Foto: Foto: AP) Wer Bernhard kennt, kann sich nicht vorstellen, dass es der sportliche Manager (zehn Kilometer läuft er in 42 Minuten, für 1000 Höhenmeter braucht er 50 Minuten) in Wolfsburg so gemütlich angehen lassen wird. Wann auch immer er startet: Bernhard bekommt mit VW einen chronisch Kranken anvertraut. So richtig rund ist es bei der Stammmarke des Wolfsburger Konzerns noch nie gelaufen - jedenfalls nicht für eine längere Strecke. Traditionell sind in dem Konzern die Töchter weit eher in den Griff zu bekommen, als die behäbige Mutter mit dem riesigen Stammwerk tief in der niedersächsischen Provinz. Das war bisher ungleich schwieriger: Die Töchter kann der Konzernchef an die kurze Leine legen, derweil die Marke VW, für die er neben der Konzernführung selbst verantwortlich ist, ein Eigenleben führt. Erkundigungen in Detroit Mit der Verquickung von Marke und Konzern soll in der neuen Unternehmensstruktur, die Konzernchef Bernd Pischetsrieder ausgetüftelt hat, Schluss sein. Der künftige Markenchef Bernhard muss sich um Konzernaufgaben nicht kümmern; Konzernchef Pischetsrieder wiederum, derzeit auch Chef der Marke, bekommt durch Bernhard mehr Luft für Strategien. Man wird sich daran gewöhnen müssen, dass es sich, wenn künftig die Rede vom "VW-Chef" ist, nicht mehr um den Herrn eines weltumspannenden Imperiums handelt, sondern "nur" um den Chef der Marken VW, Skoda, Bentley und Bugatti. Pischetsrieder sollte sich bald einen neuen Namen für den Konzern ausdenken, damit es da künftig keine Verwechslungen gibt. Bernhard eilt der Ruf eines knallharten Sanierers voraus. Es geisterten auch schon wüstere Titel wie "Rambo", "Draufgänger" oder "Kostenkiller" durch die Medien. Dass der mächtige VW-Betriebsratschef Klaus Volkert der Personalie trotzdem seinen Segen gegeben hat, zeigt, wie groß die Not in Wolfsburg ist. Angeblich hat sich Volkert bei seinen Gewerkschafts-Kollegen in Detroit umgehört und dort erfahren, dass es Chrysler ohne Bernhard wohl deutlich schlechter ergangen wäre. Einer der fähigsten Manager der Branche Wolfgang Bernhard war von 2000 an zweiter Mann bei der amerikanischen Daimler-Sparte Chrysler. Er hat dort gründlich aufgeräumt, Fabriken verkauft, fast geräuschlos mehr als 20.000 Arbeitsplätze abgebaut und im Einkauf ein milliardenschweres Sparpotenzial aufgetan. Er galt als einer der fähigsten Automanager der Branche und schien eine große Karriere im DaimlerChrysler-Konzern vor sich zu haben. Tatsächlich wurde er im Februar 2004 zum Nachfolger von Mercedes-Chef Jürgen Hubbert berufen. Doch dann stellte sich Bernhard gegen Konzernchef Jürgen Schrempp, als es um die Zukunft der japanischen Beteiligung Mitsubishi ging, und er wurde - nur wenige Tage vor seinem Amtsantritt bei Mercedes am 1.Mai - abberufen. Ende Juli verließ Bernhard endgültig den Stuttgarter Konzern, und da er weder eine Abfindung noch eine Wettbewerbsklausel im Gepäck hatte, standen die Personalchefs der Branche - so zumindest geht die Legende - bei ihm Schlange. Auch VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch fand Gefallen an Bernhard, und dass die beiden so schnell handelseinig wurden, liegt möglicherweise auch daran, dass sie eine Gemeinsamkeit haben: Wie Bernhard eilte auch Piëch der Ruf des knallharten Sanierers voraus, als er Anfang 1993 Konzernchef wurde. An die Strukturen In Wolfsburg soll der diplomierte Wirtschaftsingenieur und promovierte Volkswirt dafür sorgen, dass die Marke VW eine akzeptable Rendite erwirtschaftet. Und das bedeutet, er muss an die Strukturen ran, die Effizienz der Werke verbessern und die Produktionskosten senken. Im Moment schreibt die Marke VW, die für mehr als 50 Prozent des Konzernumsatzes steht, operativ Verluste. Dass das beim Blick auf den Gesamtkonzern nicht so auffällt, ist vor allem der Marke Audi und den Finanzdienstleistungen zu verdanken. Aus Ingolstadt und Braunschweig fließen de facto Subventionen nach Wolfsburg. Insofern darf vermutet werden, dass die Trennung von Marke und Konzern dort den größten Zuspruch findet. Bleibt abzuwarten, wie das konzerninterne Kräftemessen der künftig gleichwertigen Markenchefs der Konzerntöchter ausgeht. Übrigens: Aufgewachsen ist Bernhard unter neun Geschwistern. | Er soll die Marke Volkswagen sanieren. Spannend ist die Frage, nann Wolfgang Bernhard die Arbeit, für die er engagiert wurde, tatsächlich beginnen darf. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/das-kraftpaket-wolfgang-bernhard-1.915576 | Das Kraftpaket - Wolfgang Bernhard | 00/05/2010 |
Die Green Card hat 14.600 indische und osteuropäische Computerexperten nach Deutschland gelockt, jetzt sind viele arbeitslos - und werden abgeschoben. (SZ vom 12.07.2003) — Eigentlich sollte der Mann jetzt vor dem Computer sitzen, Programme schreiben, Geld verdienen. Statt dessen sieht er am Lufthansa-Schalter den Computer von hinten, während er das Geld für seinen Rückflug nach Indien über den Tresen schiebt. Shah Umang ist ein Computer-Inder. Einer von denen, die Deutschlands Computerindustrie vom Fachkräftemangel erlösen sollten. 2001 hatte eine kleine Softwarefirma im Spessart ihn mit der Green Card um die halbe Welt gelockt. Anderthalb Jahre später fehlten der Firma erst die Aufträge, dann das Geld für sein Gehalt. Heute arbeitet dort nur noch der Insolvenzverwalter. 1000 Zuwanderer im Monat "Wegen der Krise sind die Chancen auf einen neuen Job im Moment sehr gering", sagt Umang. Jetzt bleibt dem 26-Jährigen nur noch der Heimflug: Ein halbes Jahr hatte die Ausländerbehörde ihm Zeit für die Suche gelassen. Weil er immer noch keinen Job hat, muss er nun zurück. So will es das Gesetz. Es hatte alles so schön angefangen: Vor drei Jahren leckte sich die deutsche Computerindustrie die Finger nach Leuten wie Shah Umang. Auf 70.000 Experten schätzten Branchenkenner den Bedarf, Optimisten erhöhten auf 100.000 und Verwegene hielten selbst 200.000 für nicht übertrieben. Die gesetzliche Regelung fiel dann vergleichsweise bescheiden aus: Höchstens 20.000 Computerkenner sollte die Green Card für höchstens fünf Jahre ins Land lassen. Anfangs wollten das auch viele: Rund 1000 Computer-Zuwanderer kamen im Monat. "Im Jahr 2000 hätten wir den Bedarf nie mit deutschen Arbeitskräften decken können", sagt Stephan Pfisterer vom Branchenverband Bitkom. "Schon allein deshalb war die Green Card ein Erfolg." Doch selbst die kleinkarierte Kalkulation der Regierung erwies sich als Fata Morgana: Bis heute sind die Arbeitsämter nicht mehr als 14.600 grüne Karten losgeworden. Doch deren Besitzer sind häufig arbeitslos. Für München hat das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung ausgerechnet, dass rund sieben Prozent der Green Cardler schon einmal arbeitslos waren. Bundesweit verlässliche Zahlen existieren nicht. Aber so viel ist sicher: Seit der Hype vorbei ist, hinken die ausländischen Spezialisten dem eingeborenen Durchschnittsprogrammierer im Rennen um die Arbeitsplätze hinterher. Englisch reicht nicht mehr "Die Unternehmen erwarten, dass man deutsch kann", sagt Ranjid Oojam (Name geändert). Seit Februar ist der 33-jährige Inder arbeitslos, weil seine Firma pleite machte. Seitdem findet er nur Absagen in seinem Kölner Briefkasten. Die Start-up-Unternehmer, deren einzig wichtige Sprache englisch war, sind abgestürzt. Die Überlebenden der Computerdämmerung suchen nun Mitarbeiter, die sich mit ihren deutschen Kunden auf deutsch unterhalten können. Oojam kann das verstehen: "Ich habe ja angefangen, deutsch zu lernen. Aber das braucht Zeit." Zwar könne er im Laden schon nach Gewürzgurken fragen, aber mit den Kunden über Tools und Chips reden, das sei doch etwas ganz anderes. Doch nicht nur wegen sprachlicher Defizite haben die einst umworbenen Ausländer heute schlechte Karten: Sie sind einfach zu teuer. Green Cardler müssen - ob sie wollen oder nicht - in Westdeutschland mindestens 39600 Euro verdienen, im Osten 32700. In Boomzeiten war dieser finanzielle Dumpingschutz kein Handicap. Doch inzwischen zahlen die Firmen deutlich kleinere Gehälter. Mircea Popa hat weder Probleme mit der Sprache noch mit dem Geld. Der 30-jährige Rumäne spricht fließend deutsch und schreibt in einer Nürnberger Computer-Firma Programme für Apotheken und Ärzte. Mit seinem Job ist er rundum zufrieden: "Das Gehalt ist gut, die Kollegen sind nett." Weniger gut findet er die Green Card deutscher Herkunft - im Unterschied zu den Angeboten der internationalen Konkurrenz: "In Kanada ist man nach fünf Jahren Staatsbürger. Wenn aber in Deutschland die fünf Jahre um sind, wenn die Kinder besser deutsch sprechen als ihre Muttersprache, wenn die Ehefrau endlich einen Job hat - dann muss man die Koffer packen und irgendwo anders wieder ganz von vorne anfangen." Weil die Konditionen von Karte und Konjunktur sind, wie sie sind, haben viele Hightech-Unternehmen nichts mehr übrig für ausländische Experten - und viele ausländische Experten nichts mehr für die deutsche Green Card. "Wir sind halt nicht das gelobte Land für alle Computer-Fachleute in der Welt", sagt Claus Schnabel, Arbeitsmarktexperte an der Universität Erlangen-Nürnberg. Kuriose Allianzen Selbst wenn der Bedarf wieder steige, fehle Deutschland zum Einwanderungsparadies eine Menge. Die deutsche Sprache schreckt die anglophonen Inder ab, und viel mehr noch das deutsche Gesetz. "Wenn ein Land keine vernünftige Zuwanderungsregelung hat, dann überlege ich mir als Spezialist doch, ob ich da hin will", sagt Schnabel. Deutschland brauche ein Zuwanderungsgesetz, das jeden hineinlasse, der im Land fehlt - egal ob Kernphysiker oder Krankenschwester. Derweil erzeugt die Debatte um dieses Gesetz in Berlin kuriose Allianzen: Seite an Seite mit Bitkom und der FDP machen sich SPD und Grüne für mehr Computergurus und Maschineningenieure aus dem Ausland stark. Die Gewerkschaften sind - genau wie die Union - dagegen. Jürgen Rüttgers, der Landeschef der CDU in Nordrhein-Westfalen, hatte im Landtagswahlkampf 2000 mit dem Slogan "Kinder statt Inder an die Computer" die Unions-Richtung vorgegeben. Und so blockiert sie bislang das Zuwanderungsgesetz im Bundesrat. Für den Fall, dass während des Blockade-Komas der nächste Computer-Fachkräftemangel aufziehen sollte, hat die Regierung das Green-Card-Programm vorsorglich bis Ende des Jahres verlängert. Schon vor drei Jahren sei die Green Card überflüssig gewesen, betont unterdessen Hartmut Koschyk, innenpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag: "Statt in Hochglanzbroschüren für die Green Card hätte man das Geld lieber in die deutschen Hochschulen stecken sollen." Dann hätten bald heimische Informatiker auf den für Inder reservierten Stühlen Platz nehmen können. Eine Fehlkalkulation, glaubt Claus Schnabel. Selbst perfekte Unis, so der Arbeitsmarktexperte, könnten die Verstärkung aus dem Ausland nicht ersetzen. "So viele Informatikstudenten gibt es in Deutschland gar nicht. Was wir brauchen, sind Kinder und Inder." | Die Green Card hat 14.600 indische und osteuropäische Computerexperten nach Deutschland gelockt, jetzt sind viele arbeitslos - und werden abgeschoben. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/green-card-ranjid-sieht-die-rote-karte-1.898088 | Green Card - Ranjid sieht die rote Karte | 00/05/2010 |
Kirch will 1,6 Milliarden von der Deutschen Bank Im Rufmord-Streit zwischen dem früheren Medienmogul Leo Kirch und der Deutschen Bank wird es zu einer Verhandlung vor dem Landgericht München kommen. Kirch hat eine Milliardenklage eingereicht. Der frühere Medienmogul Leo Kirch reichte die Klage beim Landgericht München I ein, wie das Gericht am Mittwoch mitteilte. Grundlage ist eine Entscheidung des Bundesgerichtshofs (BGH) vom 24. Januar, wonach Kirch grundsätzlich einen Schadensersatzanspruch hat. Der damalige Deutsche-Bank-Vorstandssprecher Rolf-E. Breuer hatte Anfang 2002 in einem Fernsehinterview die Kreditwürdigkeit der Kirch-Gruppe in Frage gestellt. Nach Ansicht von Kirch war diese Äußerung die Ursache für den Untergang seines Firmenimperiums. "Halten die Ansprüche Kirchs für unbegründet" Ein Sprecher der Deutschen Bank bezeichnete dies am Mittwoch als falsch: "Wir halten die Ansprüche Kirchs für unbegründet und gehen davon aus, dass Kirchs Klage zurückgewiesen wird." Der BGH habe deutlich gemacht, dass Kirch beweisen müsse, dass der ihm entstandene Schaden ursächlich durch die Äußerungen Breuers entstanden ist. "Wir sind überzeugt, dass dies nicht gelingen wird", sagte der Banksprecher. Kirch wolle mit der Klage nur "von seiner eigenen Verantwortung für den Niedergang ablenken". Schadensersatz auf Kirch-Tochter begrenzt Der BGH begrenzte den möglichen Schadensersatz auf diejenige Kirch-Tochter, mit der die Deutsche Bank tatsächlich eine Vertragsbeziehung unterhielt, die Printbeteiligungs GmbH. Dort verwaltete Kirch im Wesentlichen seinen Axel-Springer-Anteil. Die Bank habe ihre Pflichten verletzt, entschied der BGH. In diesem Fall hafte der damalige Vorstandssprecher Breuer auch persönlich. Breuer hatte in dem TV-Interview wörtlich gesagt: "Was man alles darüber lesen und hören kann, ist ja, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder gar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen." Insolvenz im Jahre 2002 Für den Zusammenbruch des gesamten Kirch-Konzerns könne die Bank allerdings nicht zur Rechenschaft gezogen werden, urteilte das Gericht. Am 8. April 2002 hatte mit KirchMedia das wichtigste Unternehmen der Kirch-Gruppe Insolvenz beantragt. Wann sich das Landgericht München I mit der Zivilklage befassen wird, ist noch offen. | Im Rufmord-Streit zwischen dem früheren Medienmogul Leo Kirch und der Deutschen Bank wird es zu einer Verhandlung vor dem Landgericht München kommen. Kirch hat eine Milliardenklage eingereicht. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/klage-vor-dem-landgericht-muenchen-kirch-will-1-6-milliarden-von-der-deutschen-bank-1.913853 | Klage vor dem Landgericht München - Kirch will 1,6 Milliarden von der Deutschen Bank | 00/05/2010 |
Regierungen, Unternehmen und auch die Verbraucher sollen nach den Vorstellungen der Kommission künftig wirkungsvoller gegen die unerwünschte elektronische Werbung vorgehen. Ende vergangenen Jahres seien Schätzungen zufolge bereits 52 Prozent aller E-Mails in der EU Spam-Sendungen gewesen, begründete der zuständige EU-Kommissar Erkki Liikanen in Brüssel einen entsprechenden Vorstoß seiner Behörde. "Vor drei Jahren dachte man noch, das Problem löst sich von ganz allein," so der finnische Kommissar: "Heute gibt es niemanden mehr, der es noch wagen würde so etwas zu sagen." Ernstes Problem Spam ist nach Ansicht der Kommission aus vielen Gründen ein ernst zu nehmendes Problem: Die Privatsphäre der E-Mail-Nutzer werde verletzt, Verbraucher würden häufig getäuscht und zum Teil gehe es auch um den Schutz von Minderjährigen, wenn über das elektronische Postfach etwa pornografische Inhalte verteilt würden. Durch die massive Zunahme der Spam-Sendungen müssten die Netzbetreiber die Kapazitäten erhöhen, was zu mehr Kosten führe. Am Arbeitsplatz und zuhause müssten die Empfänger viel Zeit dafür aufwenden, um die Spams wieder zu löschen. Letztlich zahlten damit die Verbraucher für die unerwünschte Werbung selbst. Grundsätzlich will die Kommission das Spam-Problem international angehen und richtet dafür im Februar auch eine Arbeitstagung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) aus. Globale Lösungen Schließlich kommen laut Liikanen etwa 80 Prozent aller Spam-Mails von Absendern außerhalb der EU. "Langfristig brauchen wir globale Lösungen, aber darauf können wir nicht warten," warnte der Kommissar zugleich. Ein Ansatzpunkt im Kampf gegen Spam ist nach seiner Überzeugung eine bessere Anwendung bereits bestehender gesetzlicher Vorschriften. So verbietet die EU-Richtlinie für den Datenschutz in der elektronischen Kommunikation EU-weit bereits ausdrücklich die unerbetene Werbung. Bei der Umsetzung ins nationale Recht liegen eine Reihe von EU-Staaten aber noch zurück, darunter laut Liikanen auch Deutschland. Den Regierungen empfiehlt die Kommission, die Wirksamkeit von Sanktionen wie Geldstrafen zu überprüfen und für Möglichkeiten zum Einfordern von Schadenersatz zu sorgen. Mehr Aufklärung Internet- und E-Mail-Anbieter, Software-Hersteller, Netzbetreiber und die Werbewirtschaft sollen sich beispielsweise mit Verhaltensregeln und Schlichtungsverfahren engagieren. Anbieter von Filterprogrammen, die zwischen erwünschter und unerwünschter E-Mail unterscheiden können, sollen ihre Software nach den gesetzlichen Bestimmungen ausrichten. Regierungen, Behörden, Unternehmen, Verbrauchergruppen und Nutzerverbände rief die Kommission zu mehr Aufklärung auf. | Regierungen, Unternehmen und auch die Verbraucher sollen nach den Vorstellungen der Kommission künftig wirkungsvoller gegen die unerwünschte elektronische Werbung vorgehen. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/europaeische-union-ueber-die-haelfte-aller-e-mails-bereits-spam-1.902731 | Europäische Union - Über die Hälfte aller E-Mails bereits Spam | 00/05/2010 |
Erst handelt er, dann wundert er sich: Warum einer der wichtigsten Manager Deutschlands immer wieder ins Fettnäpfchen tritt - und dazu auch noch steht. In der mit Samt und Damast geschmückten Frankfurter Festhalle fühlt sich Josef Ackermann sichtlich wohl. Entspannt und scheinbar gut gelaunt tanzt der Vorstandschef der Deutschen Bank an der Seite seiner Frau Pirko in die "Nacht der Sterne". Detailansicht öffnen Im Zentrum der Kritik: Josef Ackermann. (Foto: Foto: dpa) Unter diesem Motto veranstaltete die Stiftung Deutsche Sporthilfe am vergangenen Samstag den 35. Ball des Sports - ein Höhepunkt der diesjährigen Ballsaison am Main, den sich selbst Bundespräsident Horst Köhler nicht entgehen lässt. Im Speerwerfen gut Willig erzählt Ackermann den anwesenden Reportern, dass er in seiner Studienzeit viel Sport getrieben hat. "Besonders gut war ich im Speerwerfen." Sein Robert-Redford-Lächeln weicht jedoch blitzschnell einer versteinerten Miene. Dafür reicht schon die Bitte, zur Kritik an der angekündigten Streichung von Arbeitsplätzen Stellung zu beziehen. Bisher hatte die Bank zu der Debatte geschwiegen. Doch nach kurzem Zögern überwindet Ackermann seine Scheu. Zu dem Ziel, die Rentabilität der Bank zu verbessern, gebe es keine Alternative, sagt er schmallippig ins Mikrofon. Lawine der Empörung Zwei Tage zuvor hatte der Bankchef auf der Jahrespressekonferenz eine regelrechte Lawine der Empörung losgetreten. Zunächst hatte er verkündet, das Bankhaus habe im vergangenen Jahr einen Reingewinn von 2,5 Milliarden Euro erwirtschaftet und damit das beste Ergebnis seit vier Jahren erzielt. Doch gleichzeitig gab er auch den Abbau von weltweit 6400 Arbeitsplätzen bekannt. Und dies nur einen Tag, nachdem die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland erstmals seit dem Krieg die Marke von fünf Millionen überschritten hatte. "Verantwortungslos" "unerträglich", "inakzeptabel", poltern seitdem Politiker aller Couleur. Nur ein Jahr, nachdem Ackermann im Düsseldorfer Mannesmann-Prozess vor Kameras die Finger zum Siegeszeichen spreizte und damit Überheblichkeit zelebrierte, steht der Manager erneut im Mittelpunkt der Kritik. Arbeitnehmer als Kostenfaktoren Verurteilt als Buhmann der Nation, der die Anbindung an die realen Probleme der Menschen längst verloren hat und sich eiskalt in den Dienst jener Aktionäre und Börsenspekulanten stellt, die Arbeitnehmer zu Kostenfaktoren herabwürdigen und nur an wachsenden Gewinnen interessiert sind. Einer, der Tausende von Jobs opfert, um das Ziel einer Rendite von 25 Prozent vor Steuern zu erreichen. Umstrittene Äußerungen der Bank-Vorstände haben Tradition, seit sich der frühere Chef Hilmar Kopper Mitte der Neunziger zu seinen "Peanuts" hinreißen ließ. Im Skandal um den gescheiterten Baulöwen Schneider hatte er damals offene Handwerkerrechnungen in Millionenhöhe als Kleinigkeiten abgetan. | Erst handelt er, dann wundert er sich: Warum einer der wichtigsten Manager Deutschlands immer wieder ins Fettnäpfchen tritt - und dazu auch noch steht. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/schwieriges-verhaeltnis-zu-deutschland-buhmann-ackermann-1.918257 | Schwieriges Verhältnis zu Deutschland - Buhmann Ackermann | 00/05/2010 |
Adidas-Schuhe für 20 Euro, eine Levi's 501 - Jeans für 15 Euro: Natürlich gefälscht, aber viele Konsumenten stört das nicht. Die Firmen schon - sie greifen zur Selbsthilfe. Als sich der Hamburger Zoll im September 2006 im Hafengelände auf die Suche nach geschmuggelten Zigaretten machte, ahnten die Beamten noch nicht, dass sie bald darauf einen Schmuggelware im Rekordwert von 383 Millionen Euro präsentieren sollten. Detailansicht öffnen Drei Streifen, die den Unterschied machen. Doch sind sich auch echt? (Foto: Foto: ddp) In insgesamt 117 Containern fanden sie jedoch keine Zigaretten, sondern 945.000 Paar Sportschuh-Plagiate von Nike, 72.000 gefälschte Schuhpaare von Adidas und noch Einiges mehr. Die Behörden sprachen vom "weltweit größten Aufgriff von Plagiaten" und jubelten über einen Fund, der dennoch nur als Tropfen auf dem heißen Stein gesehen werden kann. OECD-Schätzungen sprechen von 176 Milliarden Dollar, die jährlich mit Fälschungen umgesetzt werden. Dies entspräche rund zwei Prozent des gesamten Welthandels, andere Schätzungen gehen sogar bis neun Prozent. Für die Bundesregierung ist das Thema derart wichtig, dass sie den Schutz geistigen Eigentums in das Programm der EU-Ratspräsidentschaft aufnahm, und in Genf startete Ende Januar der dritte Weltkongress zum Thema Markt- und Produktpiraterie. Mit Detektiven auf Plagiatsjagd Für betroffene Unternehmen könnte es jedoch teilweise existenzbedrohend sein, auf Lösungen der Politik zu warten, und so greifen viele zur Selbsthilfe. "Immer wieder wenden sich Firmen mit einem konkreten Verdacht an uns", sagt Ralph Wirths von der Detektei Contecta aus Hamburg. Neben Nachforschungen in Verdachtsfällen von Betriebsspionage oder Diebstählen offeriert seine Firma unter anderem auch Recherchen bezüglich Produktpiraterie. Die könnten auch schon mal in exotische Länder führen, so Wirths: "Üblicherweise recherchieren wir zunächst aus Hamburg, aber bei größeren Fällen fahren wir auch vor Ort. Dort versuchen wir den Umfang der Fälschungen zu klären und Hintermänner ausfindig zu machen." Alle weiteren Schritte würden dann den Rechtsanwälten der Firmen obliegen. Beliebt bei Fälschern: Adidas Diese haben beispielsweise beim deutschen Sportausrüster Adidas alle Hände voll zu tun. "2006 wurden über sechs Millionen gefälschte Adidas-Produkte beschlagnahmt", so Adidas-Sprecherin Kirsten Keck zu sueddeutsche.de. Das Erkennen von Plagiaten sei aber nicht so einfach, daher setze Adidas verstärkt auf Schulungen des Zollpersonals. Stoßen die Beamten auf Verdachtsfälle, wird meist ein Grenzbeschlagnahmeverfahren eingeleitet. Keck dazu: "Dabei wird versucht, den Absender festzustellen, was meist schwierig ist, da es sich oftmals um Scheinfirmen handelt." Würde man doch einmal auf einen exotischen Hersteller stoßen, läge die Sache bei den Rechtsanwälten. Die Plagiate hingegen würden vernichtet. Der Zoll wird durch die zunehmende Flut an Plagiaten vor einige Herausforderungen gestellt. Die Beamten kämpfen mit immer geschickteren Fälschern und einem rasanten Anstieg der Verdachtsfälle. Doch auch die Summe der Zollerfolge stieg stark: 1995 meldete der deutsche Zoll 506 Fälle von beschlagnahmten Plagiaten, zehn Jahre später lag die Zahl fünfzehnmal so hoch bei 7217. Bei den Fälschern besonders beliebt sind Konsumgüter: Rund ein Viertel aller aufgegriffenen Plagiate ist laut Zoll Freizeitbekleidung, die Kategorien Uhren und Schmuck sowie Accessoires (insbesondere Taschen) machen jeweils rund 20 Prozent der gefälschten Ware aus. Fälscherparadies China Ein Großteil der Fälscherware stammt aus Asien: Mehr als ein Drittel aller beschlagnahmten Waren kommt aus China; Hongkong und Thailand sind für jeweils ein Zehntel der Plagiate verantwortlich. Auch in den USA sitzen die Fälscher: Jedes zehnte beim Zoll aufgegriffene Plagiat kommt aus den Staaten. Doch Unternehmen wehren sich nicht nur gegen Plagiate, sondern auch gegen den Ideenklau. Zeitungsberichten zufolge beschäftigt die Firma Levi Strauss weltweit 40 Detektive, die besonders wachsam durch Boutiquen und Kaufhäuser streifen. Sie sind auf der Suche nach Jeansmodellen, die die Markenrechte von Levi verletzen könnten - und auch sie haben alle Hände voll zu tun. Der Kampf um die Naht Besonders beliebt bei namhaften wie namenlosen Jeans-Herstellern ist die Imitation der charakteristischen Naht auf den hinteren Hosentaschen. Die beiden Bögen, die entfernt einem M gleichen, wurden schon unzählige Male variiert: als V, als Haken, oder einfach als ein um wenige Millimeter verschobenes M - Hauptsache, die Ähnlichkeit mit Levi's Jeans leidet nicht zu sehr darunter. Doch Levi Strauss wehrt sich dagegen: Auf Anfrage von sueddeutsche.de bestätigte die Europazentrale in Brüssel die Existenz der Markendetektive, bei Levi Strauss "Markenschutzkoordinatoren" genannt. In erster Linie setze man aber auf die guten Beziehungen zu den Händlern - und darauf, dass diese nur echte Levi's Jeans in ihr Programm nehmen würden. Fälschern hingegen wird mit Klagen gedroht, und offenbar ist man mit juristischen Schritten nicht zimperlich: Seit 2001 soll die Firma rund 100 Klagen gegen Mitbewerber eingebracht haben. Diese allerdings werfen Levi's Rechtsanwälten vor, besonders aggressive Töne anzuschlagen, und glauben den wahren Grund zu wissen: Die ehemalige Kultmarke habe den Trend zu schicken Designerjeans heillos verschlafen und versuche nun verzweifelt, verlorene Marktanteile aufzuholen. | Adidas-Schuhe für 20 Euro, eine Levi's 501 - Jeans für 15 Euro: Natürlich gefälscht, aber viele Konsumenten stört das nicht. Die Firmen schon - sie greifen zur Selbsthilfe. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/kampf-gegen-plagiate-auf-der-spur-der-drei-streifen-1.904044 | Kampf gegen Plagiate - Auf der Spur der drei Streifen | 00/05/2010 |
Hoffnungsfroh wie schon lange nicht mehr Der ifo-Index ist im September den fünften Monat in Folge gestiegen. Er rückte unerwartet deutlich auf 91,9 Punkte vor — den höchsten Stand seit zweieinhalb Jahren. In der deutschen Wirtschaft stehen die Signale auf Aufschwung. Der ifo-Geschäftsklimaindex für Westdeutschland stieg im September zum fünften Mal in Folge von 90,8 Punkten auf 91,9 Punkte. Er liegt nunmehr auf dem höchsten Stand seit rund zweieinhalb Jahren — im April 2001 stand er bei 92,3 Punkten. Konjunkturexperten warnen jedoch vor Euphorie: "Die in allen Sektoren zu beobachtende Verschlechterung der Lage gegenüber dem Vormonat mahnt allerdings weiterhin zur Vorsicht", sagte der Chef des Münchner ifo Instituts für Wirtschaftsforschung, Hans-Werner Sinn. Kein stabiler Aufschwungprozess Nach einer besseren Beurteilung der aktuellen Geschäftslage in der August-Umfrage wurde der Indexanstieg im September wieder ausschließlich durch die gestiegenen Erwartungen getragen. Die Einschätzungen der Lage trübte sich dagegen ein. ifo-Chefvolkswirt Gernot Nerb sieht darin keinen Grund zur Beunruhigung. Dies zeige, dass es noch "keinen stabilen Aufschwungprozess" gebe, sagte Nerb. Das Auseinanderklaffen von der Einschätzung der aktuellen Lage und den Erwartungen für die nächsten sechs Monate sei in der Frühphase einer konjunkturellen Erholung nicht ungewöhnlich. "Auf Grund der Erfahrungen der Vergangenheit haben die Erwartungen eine Vorlaufzeit von vier bis fünf Monaten", sagte Nerb. Die optimistischeren Erwartungen der Unternehmen werden sich nach seiner Einschätzung in den nächsten Monaten auf die realen Wirtschaftsdaten auswirken. Der Anstieg des ifo-Index lag im Rahmen der Erwartungen. Experten hatten einen Zuwachs auf 92 Punkte prognostiziert. Die Börse reagierte positiv: Der Deutsche Aktienindex DAX stieg zeitweise um 0,79 Prozent auf 3333 Punkte. Positiver Trend im Einzelhandel Der Index für die Beurteilung der aktuellen Lage sank im September von 79,9 auf 79,2 Punkten. Die Bayerische Landesbank bezeichnete den aktuellen Rückgang des Wertes als überraschend. Dagegen zeigten sich die Unternehmen für die kommenden sechs Monate wieder optimistischer. Der entsprechende Index verbesserte sich von 102,2 auf 105,2 Punkte. Einen positiven Trend machten die Konjunkturforscher bei Einzelhandel und Industrie als traditionellen Motoren der Konjunktur aus. Dagegen hinken Bau und Großhandel hinterher. Hier hat sich das Geschäftsklima im September eingetrübt. In den neuen Bundesländern ging der Geschäftsklimaindex geringfügig um 0,1 auf 104 Punkte zurück. Wie in den alten Bundesländern stehen den besseren Geschäftserwartungen ungünstigere Urteile zur aktuellen Lage gegenüber. Das Konjunkturbarometer stieg für den Einzel- und Großhandel, sank aber in der Bauwirtschaft. Der ifo-Index gilt als wichtigster Frühindikator für die Entwicklung der Wirtschaft. Das Institut ermittelt ihn jeden Monat aus einer Befragung von rund 7000 Unternehmen. Im Oktober legen die sechs großen Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Wachstumsprognose in diesem und im kommenden Jahr vor. | Der ifo-Index ist im September den fünften Monat in Folge gestiegen. Er rückte unerwartet deutlich auf 91,9 Punkte vor — den höchsten Stand seit zweieinhalb Jahren. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/deutsche-unternehmen-hoffnungsfroh-wie-schon-lange-nicht-mehr-1.901929 | Deutsche Unternehmen - Hoffnungsfroh wie schon lange nicht mehr | 00/05/2010 |
Die unangenehmen Auswirkungen des heißen Sommers und der hohen Rohstoffkosten werden die Verbraucher voraussichtlich bald zu spüren bekommen: Die Ernährungsindustrie hält Preissteigerungen für unvermeidlich. Verbraucher müssen sich in den nächsten Wochen darauf einstellen, dass Lebensmittel teurer werden. Davor warnte am Freitag der Branchenverband der Ernährungsindustrie. Vor allem die Preise für Schweinefleisch, Obst und Gemüse dürften anziehen. Schuld daran seien Ernteausfälle und hohe Rohstoffkosten, hieß es. Detailansicht öffnen Trotz erheblicher Preiserhöhungen in den letzten Monaten ist bei Schlachtschweinen mit weiterhin steigenden Preisen zu rechnen. (Foto: Foto: ddp) Eine der Hauptursachen für den erwarteten Preisanstieg ist nach Ansicht der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) die lange Hitzeperiode im Juni und Juli. Sie hat gravierende Ernteausfälle nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa zur Folge. Höhere Nachfrage nach Schweinefleisch Bemerkbar mache sich auch die während der Fußball-WM und der Grillsaison stark gestiegene Nachfrage nach Schweinefleisch. Hinzu kämen die stark gestiegenen Energiekosten. "Diese Faktoren haben zu Engpässen und explosionsartigen Preissteigerungen bei den Rohwaren geführt", ergänzte BVE-Geschäftsführerin Sabine Eichner Lisboa. Einen möglichen Zusammenhang mit der Mehrwertsteuererhöhung zum 1. Januar 2007 schloss sie ausdrücklich aus. Die meisten Lebensmittel werden nur mit dem reduzierten Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent belegt und sind daher von der Steuererhöhung nicht betroffen. Aufschläge bei Schweinefleisch, Obst und Gemüse Auch die Zentrale Markt- und Preisberichtstelle ZMP rechnet zumindest teilweise mit Preiserhöhungen, etwa bei Schlachtschweinen. Hier legten die Preise in den letzten Monaten teilweise um mehr als 20 Prozent zu. "Die Erzeugerpreise sind derzeit auf dem höchsten Niveau seit fünf Jahren", sagte ZMP-Experte Ditmar Weiß. Hier sei sicherlich mit weiteren Steigerungen zu rechnen. Erhebliche Aufschläge stellte der Branchenverband BVE auch bei Obst und Gemüse fest. Bei einzelnen Sorten, etwa bei Beerenfrüchten, betrug das Plus in den vergangenen Wochen bis zu 90 Prozent. Teurer werden dürften daher in nächster Zeit auch Fertigprodukte wie Marmelade. Bei frischer Ware müssen Verbraucher allerdings auch mit den üblichen saisonalen und regionalen Schwankungen rechnen. | Die unangenehmen Auswirkungen des heißen Sommers und der hohen Rohstoffkosten werden die Verbraucher voraussichtlich bald zu spüren bekommen: Die Ernährungsindustrie hält Preissteigerungen für unvermeidlich. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/folgen-der-hitzewelle-lebensmittelpreise-ziehen-stark-an-1.901897 | Folgen der Hitzewelle - Lebensmittelpreise ziehen stark an | 00/05/2010 |
Seit Autofahrer mit Biodiesel Geld sparen können, blüht das Geschäft mit der Ölfrucht. Doch Ökonomen sehen ein Ende des Wachstums - und Ökologen hoffen darauf. Dieser Strom hat mittlerweile viele Mündungen, auf eine stoßen wir in Niendorf. In dem mecklenburgischen Dorf, das an der Bundesstraße zwischen Schwerin und Wismar liegt, betreibt Dieter Reichenbach eine Tankstelle. Sie sieht aus wie jede andere, wenn man von der Zapfsäule absieht, an der "Biodiesel" steht. Die Seitenwand zeigt das Foto eines Rapsfeldes in voller, grell gelber Blüte. Die Preistafel an der Straße verrät dem Durchreisenden, dass Biodiesel ein Schnäppchen ist. Detailansicht öffnen Liefert Öl für Tisch und Auto: ein Rapsfeld in Schleswig-Holstein (Foto: Foto: dpa) Für den Liter nimmt Dieter Reichenbach dieser Tage einen Euro und eineinhalb Cent, für den Liter regulären Diesel dagegen einen Euro und zehneinhalb Cent. "Ich habe Biodiesel seit sechs Jahren im Angebot", sagt Dieter Reichenbach. "Ist technisch eine problemlose Sache, in der gesamten Zeit gab es nicht eine Reklamation." Er schlägt schnell mal in seinem Abrechnungsbuch nach. Reichenbachs Tankstelle hat im Mai 190 000 Liter Diesel abgegeben - und immerhin 10 000 Liter Biodiesel. Seit der Zeitgeist grün weht, ist der Strom, der Biodiesel in Autotanks spült, heftig angeschwollen. Ständig bilden sich neue Mündungen, vulgo: Tankstellen. Weil Biodiesel boomt, wird auch die Pflanze, aus deren Öl der Ökokraftstoff gepresst wird, stark nachgefragt: Raps. Als Rapskammer der Nation gilt Mecklenburg-Vorpommern. Wer sich im Mai im westlichen Landesteil Mecklenburg auf einen Hügel stellt, sieht weithin Gelb, vor allem im Klützer Winkel mit seinen fetten, fruchtbaren Böden. Das Logo des Landesmarketings wirbt unter dem Slogan "MV tut gut" mit dem Gelb des Rapses - neben dem Blau des Meeres und dem Grün der Wälder. Wer sich mit Mecklenburger Raps-Menschen unterhält, lernt jedoch schnell, dass die Karriere von brassica napus an natürliche und künstliche Grenzen zu stoßen droht. Von wegen Öko-Klitschen Wenn wir den Biodiesel von der Mündung zur Quelle zurückverfolgen, kreuz und quer durch Mecklenburg, gelangen wir von Niendorf zunächst nach Sternberg. Den Biodiesel, den Dieter Reichenbach verkauft, hat Jens Quandt produziert. Naja, der Betriebswirt schafft das natürlich nicht allein. Hoch ragen die Silos des Biodieselwerks ecoMotion in den Himmel, mal glänzend, mal matt, mal geriffelt, mal glatt. Wer das blitzsaubere Werk sieht, verabschiedet sich schnell von dem Klischee, Biodiesel werde von Öko-Klitschen zusammengerührt, die es sich in Nischen gut gehen lassen. Der 27-jährige Quandt ist in seinem Büro umgeben von Hightech. Ein Ölgemälde, das einen alten Fischerschuppen zeigt, wirkt fast ein bisschen fehl am Platz. Fischerei war gestern, heute ist Raps. Schnell muss er per Computer noch einen Lastwagen umdirigieren, dann hat er Zeit. "Wenn die Saat bei uns ankommt, rütteln Siebe sie erstmal sauber, bevor sie in den Silos gelagert wird", sagt Quandt. Er muss laut reden, um gegen das Dauerrauschen der Produktion anzukommen. Nach der Rüttelei brechen Walzen, die gegeneinander arbeiten, die Saat auf und quetschen sie zusammen. 110 Grad heißer Dampf, gefangen im so genannten "Konditionierer", erhitzt die Saat, bevor sie nochmal gepresst wird. "Indem wir unter Hitze arbeiten, erhöhen wir die Ausbeute", ruft Quandt und linst durch ein "Bullauge" in den "Konditionierer". Das dunkle, zähe Zeug muss zum Schluss nur noch von Trüb-, Bitter- und Schleimstoffen befreit werden. Dazu wird es in Zentrifugen umgeleitet. Computer mischen genau dosiert Säure und Lauge dazu, bis die Suppe goldgelb glänzt. Das Pflanzenöl ist endgültig zum Kraftstoff mutiert. "Rapsmethylester" heißt er unter Fachleuten; 120 000 Tonnen davon will ecoMotion im Jahr ausstoßen. | Seit Autofahrer mit Biodiesel Geld sparen können, blüht das Geschäft mit der Ölfrucht. Doch Ökonomen sehen ein Ende des Wachstums - und Ökologen hoffen darauf. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/gelbe-felder-rapsodie-mit-misstoenen-1.907538 | Gelbe Felder - Rapsodie mit Misstönen | 00/05/2010 |
Immer mehr EU-Länder können die Kriterien von Maastricht nicht einhalten. Der Stabilitätspakt funktioniert dennoch. Aus Brüssel gibt es eine schlechte und eine gute Nachricht. Die schlechte zuerst: Immer mehr Staaten in der EU bekommen ihre Schulden nicht in den Griff. Zuerst war es Portugal, das mit dem Stabilitätspakt in Konflikt geriet, dann folgten Frankreich und Deutschland. Nun müssen auch noch Italien, Griechenland, die Niederlande und Großbritannien mit einem Tadel der Kommission rechnen. Da könnte man schon auf die Idee kommen, dass in der EU die Verabredung zur Haushaltsdisziplin allmählich gekündigt wird. "Der Pakt funktioniert" Doch der Währungskommissar persönlich weist diese Sicht zurück. Pedro Solbes macht aus der Brüsseler Frühjahrsprognose eine positive Nachricht. Er sagt: "Der Pakt funktioniert". Und Solbes hat recht. Es ist ja nicht böser Wille, der die Staaten in die Schuldenfalle treibt. Reformangst spielt dabei eine Rolle, mangelnde Vorsorge und ein Konjunkturoptimismus, der sich wieder einmal als voreilig erwiesen hat. Das sind keine Gründe, gegen Defizitsünder mit Feuer und Schwert vorzugehen. Man kann immer noch auf den guten Willen der meisten Regierungen bauen. Fast alle bekennen sich zu den Grundsätzen des Paktes, auch wenn es immer wieder Probleme gibt, die guten Vorsätze auch einzuhalten. Ein permanenter Boykott des Paktes durch Schuldenmacher ist jedenfalls nicht zu erkennen. Ein neuer Geist Portugal etwa, das erste Sünderland, hat es geschafft und wird aus dem Defizitverfahren entlassen. Die Niederlande und Großbritannien kündigen seriöse Gegenmaßnahmen an, um aus der Finanzmisere zu kommen. Und Deutschland bekommt aus Brüssel wieder ganz vorsichtig gute Noten. Selbst im französischen Finanzministerium scheint ein neuer Geist zu herrschen. Dass jetzt bereits sechs Länder mit ihren Schulden zu kämpfen haben, könnte dem Pakt paradoxerweise gut tun: Statt weiter die fixe Idee zu verfolgen, man müsse an den großen Staaten Frankreich und Deutschland ein Spar-Exempel statuieren, könnte sich die Diskussion jetzt einer sinnvollen Reform des Paktes zuwenden. Es muss ein Mechanismus gefunden werden, der die Staaten in guten Zeiten zwingt, ausreichend Rücklagen zu bilden. Sonderfall Italien Italien allerdings ist ein Sonderfall. Silvio Berlusconi behauptet jetzt ziemlich frech, die katastrophale Finanzlage in seinem Land sei nur eine Erfindung des EU-Kommissionspräsidenten und politischen Konkurrenten Romano Prodi. Das Problem mit diesem Ministerpräsidenten kann allerdings kein Defizitverfahren der Welt lösen. Das müssen schon die italienischen Wähler selbst in die Hand nehmen. | Immer mehr EU-Länder können die Kriterien von Maastricht nicht einhalten. Der Stabilitätspakt funktioniert dennoch. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/kommentar-das-gute-im-schlechten-1.898748 | Kommentar - Das Gute im Schlechten | 00/05/2010 |
Bei der Einführung der Lkw-Maut haben sich Politik und Wirtschaft gründlich blamiert. (SZ vom 28.8.2003) - Ein Mautsystem für Lastkraftwagen soll es also in Deutschland geben. Hochmodern, vollelektronisch, bequem über Mobilfunk zu bedienen, für sämtliche Autobahnstrecken. Etwas Besseres als die Mauthäuser etwa in Frankreich oder Italien, wo Bedienstete umständlich Geld kassieren oder die Kreditkarte entgegennehmen und dann erst die Sperrschranke öffnen. Doch der Start wurde nach langem Streit verschoben, von diesem Sonntag auf Anfang November. Dabei hätte eigentlich nichts schief gehen dürfen. Schließlich hatte die Bundesregierung mit leistungsfähigen Konzernen ein neuartiges Bündnis geschlossen. Die Mauttechnik liefern zwei der renommiertesten deutschen Unternehmen, Daimler-Chrysler und die Deutsche Telekom. Beide sind über ihre Gemeinschaftsfirma Toll Collect auch für den alltäglichen Betrieb zuständig. Was deutscher Erfindergeist noch zu leisten vermag Ein Milliardenauftrag im Dienst des Staates, der nicht nur schöne Gewinne verspricht. Die Konzerne wollten endlich wieder zeigen, was deutscher Ingenieurs- und Erfindergeist noch zu leisten vermag. Für die rot-grüne Bundesregierung, die ja nachhaltige Akzente in der Verkehrspolitik setzen will, ist die streckenabhängige Autobahn-Maut ebenfalls ein Schlüsselprojekt. Erstmals müssen die schweren Laster einen wesentlichen Teil der Wegekosten tragen, die sie auf den Autobahnen verursachen. Immerhin schädigt ein Lkw die Fahrbahn rund 60.000mal stärker als ein Personenauto. Erstmals werden auch ausländische Spediteure herangezogen, die das deutsche Autobahnnetz bisher als preiswerte Transitstrecke nutzen konnten. Und doch ist bei diesem wichtigen Projekt nahezu alles schief gelaufen, was nur schief laufen konnte. Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) hat sich blamiert, auch die Unionsopposition und die Weltunternehmen Daimler-Chrysler und Deutsche Telekom sowieso. Sie haben, jeder für sich, ein ökologisch und volkswirtschaftlich sinnvolles Vorhaben schwer beschädigt. Wunsch, nicht Wirklichkeit Monatelang hatten Manager und Minister stets beteuert, dass bei der Maut alles nach Plan laufe, technisch und politisch. Dies war der Wunsch, nicht aber die Wirklichkeit. Was als Modellfall für die Übertragung staatlicher Aufgaben an Wirtschaftsunternehmen angelegt war, hat sich bislang als ein Bündnis der Tölpelei erwiesen. Toll Collect ist es nicht rechtzeitig gelungen, gravierende technische Probleme in den Griff zu bekommen. Ein erstes Gutachten, das im Auftrag des Bundesamtes für Güterverkehr erstellt wurde, kam zu einem vernichtenden Urteil: Die gesetzeskonforme, störungsfreie und die Verkehrssicherheit nicht beeinträchtigende Maut-Erhebung sei stark gefährdet. Erst halb so viele Mautboxen eingebaut wie geplant Erst 75.000 Mautboxen sind derzeit in den Lkw-Fahrerhäusern eingebaut, 150.000 sollten es eigentlich sein. Stolpe blieb kürzlich nichts anderes übrig, als den Betriebsbeginn um zwei Monate zu verschieben. Doch die Pannen und damit die Unsicherheit halten an. Toll Collect ist schon seit zwei Wochen mit einer weiteren Expertise in Verzug, sogar ein Probestart am Sonntag steht deshalb auf der Kippe. All das erinnert mehr an einen unzuverlässigen Handwerker als an Technologiekonzerne. Auch das Verkehrsministerium hat gepatzt Doch auch im Verkehrsministerium wurde bei der Maut kräftig gepatzt. Stolpe hatte nicht nur die ablehnende Haltung der streitbaren EU-Kommissarin Loyola de Palacio fahrlässig unterschätzt. Toll Collect wurde von seinem Haus offenkundig nicht hinreichend kontrolliert, die Verträge sind stümperhaft ausgehandelt. So kann das Ministerium Schadensersatzansprüche erst drei Monate nach Betriebsbeginn des Maut-Systems geltend machen. Dem Verkehrshaushalt fehlen dadurch bis zu 400 Millionen Euro, der Ausbau von Straßen und Schiene leidet darunter. Und der fragile Kompromiss mit der EU ist gefährdet, weil sich Regierung und Union bei den Ausgleichszahlungen für deutsche Spediteure wieder gegenseitig blockieren wollen. Überall Sperrschranken, nur leider ohne Mauthäuser. | Bei der Einführung der Lkw-Maut haben sich Politik und Wirtschaft gründlich blamiert. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/kommentar-buendnis-der-toelpelei-1.900367 | Kommentar - Bündnis der Tölpelei | 00/05/2010 |
Trotz einer Mogelpackung der Bahn will Gewerkschaftsboss Schell an den Verhandlungstisch zurückkehren und wieder mit der Bahn reden. Er gibt den Unterhändlern eine Chance, sich mit ihm über den Begriff "eigenständig" zu einigen. Falls nicht, drohen unbefristete Streiks. Manfred Schell ist offensichtlich sauer. Sauer auf Bahn-Chef Hartmut Mehdorn, sauer auf den kompletten Bahnvorstand, und wenn er das als Chef der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) könnte, er würde dem ganzen Konzern gerne mal so richtig die Meinung sagen. Die Schlaufe seines schwarzen Herrenhandtäschchens stramm um das rechte Handgelenk geschnürt, stampft Schell fünf Minuten zu früh zur Pressekonferenz im Berliner Forum des Deutschen Beamtenbundes. Seine beiden Stellvertreter folgen mit grimmigen Mienen. Die GDL hat hier zwei große Räume für die Pressekonferenz zusammenlegen lassen, das Atrium IV und V. Es sind mehrere Dutzend Journalisten gekommen, um den nächsten Akt im Drama um den Tarifkonflikt zwischen Bahn und GDL mitzubekommen. Dennoch wirkt der Raum viel zu groß. Nicht mal ein Drittel ist gefüllt. Großer Raum für viel Wut Aber wohl nur in einem Raum dieser Größe hat die Wut Platz, die Manfred Schell mühsam zu unterdrücken versucht. Es ist eine Wut, die Sätze hervorbringen wird wie: "Ich weiß immer noch nicht, ob der Bahn-Vorstand weiß, was ein eigenständiger Tarifvertrag ist." Oder: "Ich habe den Eindruck, Herr Mehdorn verwechselt manchmal Schubkarren mit Lokomotiven." Oder: Der Bahnvorstand tue so, als sei ein eigenständiger Tarifvertrag "schlimmer als eine Atombombe". Dabei muss Schell an diesem Nachmittag ein Kunststück vollbringen: Er muss das Bahn-Angebot, das aus seiner Sicht keines ist, so drehen, dass er dennoch Verhandlungsbereitschaft signalisieren und zugleich den Vorschlag als unannehmbar hinstellen kann. Entgegen allen Absprachen hatte Bahn-Chef Mehdorn am Wochenende die Details seines Vorschlag munter ausgeplaudert. Auf den ersten Blick hört sich das gut an: 13 Prozent mehr Lohn und ein Tarifvertrag, der in weiten Teilen eigenständig mit der GDL verhandelt werden soll. Schell will aber keinen "weitgehend" eigenständigen Tarifvertrag. Schell will einen eigenständigen Tarifvertrag. Genau das aber begreife der Bahnvorstand offenbar nicht, poltert Schell. Dabei habe selbst dessen "charmanter Hund Karla" inzwischen verstanden, was eigenständig bedeute. Angebot gleicht Mogelpackung Und die Sache mit den 13 Prozent mehr Geld: Auch das sei eine "Mogelpackung", sagt Schell mit schneller Stimme. Erreichbar seien die 13 Prozent nur mit Mehrarbeit und Sonderzuschlägen, die es aber dann für alle gäbe, nicht nur für die Lokführer. Dennoch will er jetzt Tarifverhandlungen aufnehmen. Eine Runde zumindest soll es geben. Im GDL-Vorstand hätten einige Mitglieder zwar lieber sofort wieder gestreikt. Aber Schell weiß um die sensible Stimmung im Land, die noch auf Seiten der Lokführer ist. "Wir wollen uns den Zuspruch der Bürger erhalten. Das geht nur, wenn wir darlegen, dass es so geht und nicht anders", sagt Schell. Der kommende Montag soll nun zeigen, was geht und was nicht. Offensichtlich glaubt aber auch Schell nicht, dass da irgendwas geht. Darum will er erst mal den Begriff "eigenständiger Tarifvertrag" mit dem Bahn-Vorstand klären. Erst wenn es da Einigkeit gebe, lohne es sich, über Zeit und Geld zu verhandeln, sagt Schell. Letzteres ist nicht sonderlich wahrscheinlich. Überliefert ist, dass Mehdorn alles daran setzen wird, einen eigenständigen Tarifvertrag mit der GDL zu verhindern. Und dann? "Es mehren sich die Stimmen unter den Mitgliedern, die einen unbefristeten Streik wollen", äußert sich Schell noch zurückhaltend. Der würde dann wahrscheinlich genau in den Weihnachtsreiseverkehr hineinrauschen. Noch aber glaubt Schell an die Macht der Wunder. "Es dauert noch lange zu, bis wir Pfingsten haben", sagt er. Aber es könne ja sein, dass der Heilige Geist schon vorher über den Vorstand komme. Schell: "Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt." | Trotz einer Mogelpackung der Bahn will Gewerkschaftsboss Schell an den Verhandlungstisch zurückkehren und wieder mit der Bahn reden. Er gibt den Unterhändlern eine Chance, sich mit ihm über den Begriff "eigenständig" zu einigen. Falls nicht, drohen unbefristete Streiks. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/gdl-auf-gespraechskurs-hoffen-auf-den-heiligen-geist-1.889141 | GDL: Auf Gesprächskurs - Hoffen auf den Heiligen Geist | 00/05/2010 |
In seltener Einigkeit werben von der Kanzlerin über CDU und SPD bis hin zum Bundespräsidenten Politiker für den Investivlohn. Der soll Arbeitnehmer stärker an Unternehmensgewinnen beteiligen. Das klingt gut - aber zu Ende gedacht wurde das Thema nicht. Ein Kommentar von Marc Beise Der Bundespräsident ist dafür und die Bundeskanzlerin, die CDU und jetzt auch die SPD - was soll da noch schiefgehen? Der "Investivlohn" kommt in Mode, und nur Beobachter mit Langzeitgedächtnis erinnern sich, wie oft schon über dieses Thema geredet worden ist - und wie vergeblich. Letztlich ist die Idee einer Beteiligung der Arbeitnehmer am Unternehmenserfolg so alt wie die Bundesrepublik, sogar noch älter. Schon Ludwig Erhard, dem Vater des Wirtschaftswunders, schwebte eine "Gesellschaft von Teilhabern" vor, und auch er gab nur wieder, was schon in der christlichen Arbeiterbewegung des 19. Jahrhunderts propagiert worden ist. Es muss ja nicht alles schlecht sein, was alt ist, weshalb man kein Spielverderber sein und das Thema neu durchdenken sollte. Und in Krisenzeiten? Es klingt ja gut: Endlich werden die Arbeitnehmer nicht mehr nur mit einem kaum noch steigenden Lohn abgespeist, sondern erwerben Eigentum am Unternehmen. Wahrscheinlich sind die Mitarbeiter auch motivierter bei der Arbeit und in Krisenzeiten auch eher bereit zu Einschnitten bei Lohn und Gehalt, denn sie sind ja am Überleben der Firma doppelt interessiert. Leider liegen die Probleme wie so oft im Detail. So einleuchtend die Grundidee ist, so problematisch ist die Ausgestaltung. Das beginnt schon bei der Frage, ob der Teil des Lohns, der in Form einer Beteiligung am Unternehmen - sei es in Form von Aktien, GmbH-Anteilen, Genossenschaftsanteilen, Mitarbeiterdarlehen oder Genussscheinen - gewährt wird, zusätzlich ausgezahlt wird oder nicht. Wenn ja, dann können sich das nur wenige Unternehmen leisten. Probleme beim Mittelstand Vor allem für den Mittelstand, der jeden Überschuss für Investitionen benötigt, wäre ein Investivlohn unbezahlbar. Wird aber der Investivlohn lediglich Teil des bisherigen Gehalts, werden sich die Mitarbeiter bedanken, die schon jetzt mit ihrem Geld kaum noch zurechtkommen und die nun bei gleichem Geld ein zusätzliches Risiko tragen sollen. Das ist die Crux der Mitarbeiterbeteiligung: Ein Investivlohn ist sinnvoll in einer aufstrebenden Wirtschaft, wo auf Jahre hinaus mehr zu verteilen sein wird. Deshalb war Ludwig Erhards Ansatz so richtig wie vergeblich - eine große Chance wurde damals von den Tarifparteien vertan. Heute aber, wo die Wirtschaft insgesamt trotz aktuell guter Zahlen immer stärker unter den Druck des internationalen Wettbewerbs steht, ist das Risiko für die Arbeitnehmer ungleich höher als in den 60er oder 70er Jahren: Gerät ein Unternehmen in die Krise, sind Jobs und Anwartschaften in Gefahr. Nichts gegen einen Investivlohn in großen Unternehmen, deren Überleben vergleichsweise sicher ist, oder bei aufstrebenden Dienstleistungs- und Beratungsunternehmen. Als Instrument einer breiten Mitarbeiterbeteiligung tief in den Mittelstand hinein, wie sich das manche Christ- und Sozialdemokraten vorstellen, wird er nicht funktionieren. | In seltener Einigkeit werben von der Kanzlerin über CDU und SPD bis hin zum Bundespräsidenten Politiker für den Investivlohn. Der soll Arbeitnehmer stärker an Unternehmensgewinnen beteiligen. Das klingt gut - aber zu Ende gedacht wurde das Thema nicht. Ein Kommentar von Marc Beise | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/debatte-um-investivlohn-vergiftetes-geschenk-1.914082 | Debatte um Investivlohn - Vergiftetes Geschenk | 00/05/2010 |
Bis zu 45 Prozent zahlen Bürger Einkommensteuer auf ihre Kapitaleinkünfte - das soll nun vereinfacht werden: Was auf Aktionäre und Anleger von 2009 an zukommt. Bisher zahlen die Bürger in Deutschland auf ihre Kapitaleinkünfte Einkommensteuer. Das heißt, dass etwa Zinseinnahmen im Zuge der jährlichen Steuererklärung einfach zum Arbeitseinkommen hinzuaddiert und mit dem persönlichen Einkommensteuersatz belastet werden. Da dieser Satz mit jedem zusätzlich verdienten Euro steigt, muss der Bürger bis zu 45 Prozent seiner Zinserlöse an das Finanzamt abführen. Dieses Verfahren soll nun vereinfacht werden. Entlastungen, die auf Aktionäre und Anleger von 2009 an zukommen Abgeltungsteuer: Künftig behält die Bank von sämtlichen Kapitaleinkünften ihrer Kunden 25 Prozent ein und überweist das Geld direkt und anonym an den Fiskus. Die Ansprüche des Staates sind damit abgegolten, daher der Name Abgeltungsteuer. In der Steuererklärung spielen die Kapitaleinkünfte nur noch dann eine Rolle, wenn der persönliche Einkommensteuersatz unter 25 Prozent liegt. In diesem Fall überweist das Finanzamt den Teil der einbehaltenen Abgeltungsteuer, der zu viel gezahlt wurde, an den Bürger zurück. Mit der Reform soll die Steuerhinterziehung - die bei inländischen Kapitaleinkünften schon heute kaum noch möglich ist - weiter erschwert werden. Für Kleinsparer wird die Steuererklärung ein wenig einfacher, Großanleger sparen zudem kräftig Geld. Belastungen, die auf Aktionäre und Anleger von 2009 an zukommen Vergünstigungen: Insgesamt gesehen bedeutet die Einführung der Abgeltungsteuer keineswegs eine Steuersenkung. Im Gegenteil: Da zugleich viele Vergünstigungen wegfallen oder eingeschränkt werden, dürfte die Reform für viele Anleger zu einem Minusgeschäft werden. So sinkt zum Beispiel der Sparerfreibetrag von 1.370 auf 750 Euro für Ledige und von 2.740 auf 1.500 Euro für Verheiratete. Halbeinkünfteverfahren: Dividenden müssen in Zukunft statt zur Hälfte voll versteuert werden. Die Koalition argumentiert, dass die Abschaffung des Halbeinkünfteverfahrens gerechtfertigt sei, weil die Unternehmen dank des sinkenden Körperschaftsteuersatzes ja mehr Geld ausschütten könnten. Ob sie das auch tun werden, weiß aber niemand. Veräußerungserlöse: Gewinne aus dem Verkauf von Wertpapieren werden demnächst ebenfalls voll versteuert. Bislang waren die Erlöse steuerfrei, wenn der Aktionär seine Anteilsscheine mehr als ein Jahr lang behielt. Wer von 2009 an neue Aktien erwirbt, muss dagegen in jedem Fall voll versteuern. Bei Zertifikaten gilt dies sogar rückwirkend für alle Zertifikate, die nach dem 14. März 2007 erworben wurden. Verrechnung: Auch in Zukunft dürfen Gewinne und Verluste aus unterschiedlichen Kapitalanlagen nicht steuermindernd miteinander verrechnet werden, was die Attraktivität der Aktienanlage noch weiter schmälert. Zunächst war eine unbeschränkte Verrechenbarkeit etwa von Zinseinnahmen mit Verlusten aus Aktiengeschäften vorgesehen. Die Idee wurde aber wieder kassiert, weil an einer anderen Stelle innerhalb des Reformwerks Geld fehlte. | Bis zu 45 Prozent zahlen Bürger Einkommensteuer auf ihre Kapitaleinkünfte - das soll nun vereinfacht werden: Was auf Aktionäre und Anleger von 2009 an zukommt. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/einkommensteuer-auf-kapitaleinkuenfte-endgueltig-abgegolten-1.901052 | Einkommensteuer auf Kapitaleinkünfte - Endgültig abgegolten | 00/05/2010 |
Auch wenn man auf Bahnfahrten vor Abenteuern nicht gefeit ist - die Kunden der Bahn sind im vergangenen Jahr einen Hauch zufriedener gewesen. Die Zahl der unzufriedenen Bahnkunden ist im vergangenen Jahr leicht zurückgegangen. Insgesamt seien 2513 Beschwerden eingegangen, zehn Prozent weniger als in 2003, teilte die Schlichtungsstelle Nahverkehr der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen am Montag in ihrem Jahresbericht mit. Unpünktliche und verdreckte Züge sowie mangelhafte Informationen stehen ganz oben auf der Beschwerdeliste. 85 Prozent der Beschwerden richteten sich gegen die Deutsche Bahn. Im Geisterzug In dem Jahresbericht beschreibt die Schlichtungsstelle auch besondere Fehlleistungen der Bahn. So fand sich eine Frau aus Rheydt auf dem Heimweg plötzlich in einem "Geisterzug" wieder. Auf Grund technischer Probleme waren alle Reisenden gebeten worden, den Zug zu verlassen. Als die Frau ebenfalls aussteigen wollten, schlugen die Türen zu und der Zug fuhr zurück zum Ausgangsbahnhof. Erst mit vierstündiger Verspätung kam sie zu Hause an. Erst auf Intervention der Schlichtungsstelle erhielt sie einen Reisegutschein in Höhe von 25 Euro von der Bahn. Ein Böschungsbrand verhinderte den Kurzausflug einer Männergruppe nach Bad Godesberg. Die Entschädigung verweigerte die Bahn mit dem Hinweis auf "höhere Gewalt". Aus der Zeitung erfuhren die Männer am folgenden Tag den wirklichen Grund: Beim Abschleppen einer Lok mit festgestellter Bremse hatte der Funkenflug den Brand an der Strecke ausgelöst. Eine Wiedergutmachung verweigerte die Bahn lange Zeit. Erst nach zähem Ringen mit den Verbraucherschützern gab es einen Reisegutschein und vier Garantietickets. Wenig kulant zeigte sich ein Verkehrsbetrieb auch bei einer stark sehbehinderten Frau: Weil der Entwerter auf dem Bahnhof kein akustisches Signal abgegeben hatte, stempelte sie in der U-Bahn noch einmal. Wegen doppelter Entwertung wurde sie als Schwarzfahrerin angezeigt und sollte ein erhöhtes Beförderungsentgelt zahlen. Die Schlichter konnten dies aber verhindern. Ohne Konzept Immer häufiger beklagen sich Reisende über den Umgang der Bahn mit Beschwerden. So hatte ein Kunde nach einer 20-minütigen Verspätung eine Entschädigung gefordert und als Beweis sein Viererticket eingeschickt. Die Bahn lehnt das Ansinnen des Mannes ab. Auf das Viererticket auf dem noch einige Felder frei waren, wartet er seitdem vergeblich. "Es fehlen bei der Bahn einfach die Konzepte, systematisch die Beschwerden zu bearbeiten", sagt der Leiter der Schlichtungsstelle Christian Schirmer. Viele Kunden erhielten ein Schreiben mit völlig unverständlichen Textbausteinen. "Solche Briefe sind eine verpasste Chance und verärgern die Kunden noch mehr", betont Schirmer. Die bundesweit einzige Schlichtungsstelle Nahverkehr hat im vergangenen Jahr die Zahl der erfolgreichen Schlichtungen um 50 Prozent auf 526 erhöhen können. Die Mitarbeiter beantworten zudem Rechtsfragen und geben Tipps rund um den öffentlichen Personennahverkehr. Finanziell gefördert wird die Schlichtungsstelle vom NRW-Verkehrsministerium und der Agentur Nahverkehr NRW. | Auch wenn man auf Bahnfahrten vor Abenteuern nicht gefeit ist - die Kunden der Bahn sind im vergangenen Jahr einen Hauch zufriedener gewesen. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/deutsche-bahn-unpuenktliche-und-verdreckte-zuege-veraergern-die-kunden-1.905270 | Deutsche Bahn - Unpünktliche und verdreckte Züge verärgern die Kunden | 00/05/2010 |
Analysten reagierten überwiegend positiv auf die Berufung Peter Löschers zum neuen Siemens-Chef. Zwar ist der Österreicher branchenfremd und weitgehend unbekannt. Doch das soll die Aufbruchstimmung an den Börsen nicht trüben. Analysten reagierten überwiegend positiv auf die Berufung von Peter Löscher zum Siemens-Vorstandschef. Zwar wird in den Kommentaren zu der Personalentscheidung die mangelnde Bekanntheit Löschers als Nachteil angesehen. Doch seine bisherigen Erfolge und seine internationalen Erfahrungen machten seine fehlenden Branchehkenntnisse wett, so der Tenor an den Börsen einen Tag nach der Entscheidung des Siemens-Aufsichtsrats. Löscher sitzt seit April 2006 im Vorstand des US-Pharmariesen Merck und ist bisher in der deutschen Öffentlichkeit weitgehend unbekannt. Am 1. Juli übernimmt er die Leitung des Konzerns mit rund 475.000 Mitarbeitern weltweit. Die Siemens-Aktie reagierte mit einem Kursanstieg um 1,3 Prozent. UBS hat die Siemens-Aktie nach der Neubesetzung der Führungsspitze mit "Buy 2" bestätigt. Die Wahl des ehemaligen Merck-Managers Peter Löscher zum neuen Siemens-Chef sei eine sehr gute Entscheidung, schrieb Analyst Michael Hagmann in einer Studie vom Montag. Auch die Berufung von Heinrich Hiesinger in den Zentralvorstand sei positiv. Das "Fit for 2010"-Programm sowie die Portfolio-Neuausrichtung dürften unter der Führung Löschers fortgesetzt werden, hieß es. Das Kursziel bleibt 107 Euro. "In der Lage, Potenziale einzuschätzen" Löschers Profil erfülle die meisten Eigenschaften, die von dem künftigen CEO von Siemens erwartet würden. Seine internationale Erfahrung und bisherigen Erfolge würden die fehlende Branchenkenntnis wettmachen. Durch seine Arbeit bei General Electric (GE) sollte Löscher zudem in der Lage sein, das Potenzial der entsprechenden Geschäftsbereiche richtig einzuschätzen. Für die Medizintechnik-Sparte dürfte er durch seine Kenntnisse im Healthcare-Bereich sofort einen Beitrag leisten. Mit der Einstufung "Buy 2" geht die UBS davon aus, dass der Gesamtertrag der Aktie (Kursgewinn plus Dividende) den Gesamtmarkt in den kommenden zwölf Monaten um mindestens sechs Prozent schlägt. Die Ziffer 2 bedeutet, dass die Schwankungsbreite der Aktie vergleichsweise hoch eingeschätzt wird. Entsprechend ist die Prognose der Analysten mit größerer Unsicherheit behaftet. "Guter industrieller Hintergrund" Roland Pitz von HVB betont vor allem die Erfahrungen Löschers in der Gesundheitsbranche: "Löscher hat einen guten industriellen Hintergrund, er kommt aus der Gesundheitsbranche. Er hat die Chance, das Unternehmen erfolgreich nach vorne zu bringen. Er hat schon viel geleistet bei den Unternehmen, bei denen er war. Er ist ein charakterstarker Manager und hat damit die Chance, das Unternehmen zu seinen Zielen für 2010 zu bringen, die sehr ehrgeizig sind und eine sehr starke Persönlichkeit brauchen." Dagegen kritisiert Jochen Klusmann von der BHF-Bank die mangelnde Bekanntheit des neuen Siemens-Chefs: "Ich kenne ihn nicht. Das dürfte das Hauptproblem vieler Leute sein, die sich mit Siemens beschäftigen. Er ist total unbekannt, der Name sagt gar nichts. Er kommt nicht aus der Industrie, er kommt nicht von einem Wettbewerber oder einem ähnlichen Unternehmen. Ich finde es gut, dass es jemand von außen ist, dass er relativ jung ist und auch einen angelsächsischen Hintergrund hat. Er ist jemand, der im Prinzip das vorantreiben kann, was Kleinfeld angefangen hat. Aber das ist eben nur, wie es vom Papier her scheint. Wir kennen ihn selber nicht." "Ich kenne ihn nicht" Ingo Queiser von Kepler Equities sieht die Schwierigkeiten, die ein Vorstandsvorsitzender in einem Mischkonzern wie Siemens hat: "Ich kann nicht viel sagen, weil ich Peter Löscher nicht von früher kenne. Er hat viel internationale Erfahrung, vor allem in der Medizintechnik. Das ist sicherlich gut, weil das ein wichtiger Bereich von Siemens ist. Aber in einem großen Konzern wie Siemens gibt es auch andere Geschäftsfelder, und das wird eine Herausforderung für ihn sein. Aber es gibt keinen Grund zu glauben, dass er das nicht schaffen kann. Gut ist, dass sie sehr schnell einen Ersatz gefunden haben. Scheinbar haben sie gezielt einen Outsider an Bord geholt, der auf keinen Fall mit den Affären bei Siemens in Verbindung steht." "Zielgerichtet, bodenständig, relativ jung" Ben Uglow von Morgan Stanley erwähnt die persönlichen Merkmale des Österreichers: "Der Fokus auf der Medizintechnik ist wohl ein Plus; auch wenn manche überrascht sein mögen, dass er bis jetzt noch keine Top-Position bei einem großen Unternehmen innehatte. Er wird als zielgerichtet und bodenständig beschrieben. Er hatte zunächst die Aufgabe, Vertrieb und Marketing von Merck zu restrukturieren. Er hat signifikante US- und internationale Erfahrung und ist relativ jung - eigentlich wie Kleinfeld." Neben der Kritik, sich für einen Unbekannten zu entscheiden, hebt Steubing-Analyst Heino Ruland auch die Verdienste von Löschers Vorgänger hervor: "Da kann man wenig sagen, weil Peter Löscher vorher öffentlich kaum in Erscheinung getreten ist und man ihn kaum kennt. Wir können Löschers Qualifikation nicht erörtern, weil er seine Verdienste bei Pharma-Unternehmen erworben hat. Aber Kleinfeld hat gute Arbeit geleistet, um Siemens zu dem zu machen, was es heute ist: ein erfolgreich restrukturiertes und profitables Unternehmen." | Analysten reagierten überwiegend positiv auf die Berufung Peter Löschers zum neuen Siemens-Chef. Zwar ist der Österreicher branchenfremd und weitgehend unbekannt. Doch das soll die Aufbruchstimmung an den Börsen nicht trüben. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/zweckoptimismus-an-den-boersen-vom-papier-her-scheint-loescher-gut-1.897875 | "Zweckoptimismus an den Börsen - ""Vom Papier her scheint Löscher gut""" | 00/05/2010 |
Der Chef des des Essener RAG-Konzerns, Werner Müller, fordert die Renaissance der Zechen. Deutsche Kohle soll wettbewerbsfähig zu Koks gedrückt werden. Werner Müller gilt als Kommunikationstalent. Als Bundeswirtschaftsminister entwickelte er ein Gespür dafür, das richtige Thema zur richtigen Zeit zu platzieren. Detailansicht öffnen Der Vorstandvorsitzende der Ruhrkohle, Werner Müller, nach einer Grubenfahrt im Bergwerk Prosper-Haniel in Bottrop. (Foto: Foto: dpa) Jetzt sitzt Müller auf dem Chefsessel des Essener RAG-Konzerns. Und der Energiekonzern mit einem bis dato eher verstaubten Image geht plötzlich in die Offensive und wartet mit politischen Botschaften auf. Erschließung einer neuen Zeche "Der Staat bestellt bei der RAG das Produkt nationale Energiesicherheit und bezahlt dafür." So umschrieb Müller das, was gemeinhin als Kohlesubventionen bezeichnet wird. Jetzt legt der Kommunikator noch eine Schippe nach und fordert nach jahrelangem Abwärtstrend der deutschen Kohle die Erschließung einer neuen Zeche. Tatsache ist, deutsche Kohle kann wegen des schwierigen Abbaus in großen Tiefen mit Importware aus Polen, Südafrika oder Kolumbien nicht mithalten. Auch wenn die Preise steigen, ist deutsche Kohle nicht wettbewerbsfähig und wird es nach menschlichem Ermessen auch nicht mehr werden. Die deutsche Produktion ist also nur mit hohen Subventionen zu vermarkten. Bis zum Jahr 2012 sind der RAG hierfür öffentliche Mittel von 16 Milliarden Euro zugesagt. Die reichen aber bei weitem nicht aus, das heutige Produktionsniveau der noch zehn Zechen zu halten. So wird sich nach der jüngsten Kohlevereinbarung zwischen Bund, Land-NRW und dem RAG-Konzern die Zahl der Bergwerke bis 2012 halbieren. Kohle wird zu rund drei Vierteln in Kraftwerken zur Stromproduktion verfeuert und geht zu einem Viertel als Kokskohle oder Koks an die Stahlindustrie. Preisschub für Koks Die weltweite Nachfrage nach Energie und ein Stahlboom in China haben besonders den Preis für Koks angeheizt. Er schoss von weniger als 100 Dollar Ende 2002 zeitweise auf über 400 Dollar hoch und bewegt sich momentan zwischen 250 und 300 Dollar. Mit diesen Preisen kann deutsche Kohle wettbewerbsfähig "zu Koks gedrückt" werden, wie es im Fachjargon heißt. Vieles spricht dafür, dass die Preise vorerst auf dem Niveau bleiben, und so schafft die RAG gemeinsam mit der Stahlindustrie unerwartet neue Kapazitäten für die Herstellung von Koks. Die Kapazität der letzten Kokerei des Energiekonzerns soll um 1,3 Millionen auf 3,3 Millionen Tonnen ausgebaut werden. Das ist schon eine kleine Sensation. Anschubfinanzierung vom Bund Müller denkt plötzlich aber auch laut über einen Ausbau der Förderung von Kokskohle durch ein neues Grubenfeld nach. Das kostet schätzungsweise 800 Millionen Euro. Soll der Ausbau der Kokerei von der Stahlindustrie bezahlt werden, bringt Müller für die Finanzierung der Zeche eine Anschubfinanzierung durch die öffentlichen Hand ins Gespräch. Risikoteilung lautet das Stichwort. Der Staat soll das Projekt vorfinanzieren und bekommt sein Geld zurück, wenn die Grube nach 15 Jahren Geld abwirft. Mit diesem Vorstoß geht Konzernchef Müller für die Kohle vehement in die Offensive. Folgen dürfte eine hitzige Debatte über die Zukunft der Kohle. Selbst stemmen kann die RAG die Investitionen nicht - und wird es auch nicht wollen. Der Konzern ist ein gebranntes Kind. Er musste seine modernste Kokerei Kaiserstuhl bei Dortmund vor wenigen Jahren stilllegen, als Koks noch billig aus dem Ausland kam. Die Kokerei wurde zerlegt und Teil für Teil verkauft: nach China. | Der Chef des des Essener RAG-Konzerns, Werner Müller, fordert die Renaissance der Zechen. Deutsche Kohle soll wettbewerbsfähig zu Koks gedrückt werden. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/energie-eine-schippe-fuer-die-kohle-1.903359 | Energie - Eine Schippe für die Kohle | 00/05/2010 |
Bei einer dreitägigen Auktion in der riesigen Werfthalle in Brand bei Lübben (Dahme-Spreewald) waren vergangene Woche etwa 6000 Wirtschaftsgüter unter den Hammer gekommen. In den erzielten Erlös nicht eingerechnet seien die unter Vorbehalt zugeschlagenen Gebote, Erlöse aus dem Nachverkauf bis Ende Oktober und Einnahmen aus freihändigen Verkäufen, teilte Insolvenzverwalter Rolf-Dieter Mönning mit. Mehr als 4000 Besucher seien zu der Versteigerung gekommen, sagte Mönnich. Mit deren Ergebnis sei er im wesentlichen zufrieden. Eine kleine Gruppe Aktionärsvertreter sei seiner Einladung gefolgt, um für den Erhalt der Leichter-als-Luft-Technologie in Deutschland zu demonstrieren. Erwarteter Gesamterlös 1,9 Millionen Euro Auf der Basis eines Wertgutachtens hatte der Versteigerer Mindestbietpreise bestimmt, die 2,2 Millionen Euro ausmachen. Erwartet wurde ein Gesamterlös von 1,9 Millionen Euro. Bislang seien 79 Prozent der Katalogpositionen zugeschlagen worden, hieß es. Nicht verkauft wurden unter anderem eine Krananlage, der größte Schneidetisch der Welt für die Ballonhülle, die Halle für das Testluftschiff "Joey" sowie Großcontainer und Laboreinrichtungen. "Da die Auktion weltweit in allen Industriestaaten angekündigt wurde, mag dieses Ergebnis ein Indiz dafür sein, dass in naher Zukunft auch außerhalb Deutschlands weder die Entwicklung noch der Bau von Luftschiffen geplant sind", meinte Mönning. Ansprüche der Gläubiger in Höhe von 120 Millionen Euro Die Ansprüche der Gläubiger an die CargoLifter AG und ihre Tochtergesellschaften, die sich seit Juni 2002 in Insolvenz befinden, belaufen sich auf etwa 120 Millionen Euro. Allein das Land Brandenburg beansprucht 50 Millionen. Auf dem ehemaligen Flugplatzgelände in Brand waren einmal 600 Mitarbeiter mit der Entwicklung von riesigen Transportluftschiffen beschäftigt. | Bei einer dreitägigen Auktion in der riesigen Werfthalle in Brand bei Lübben (Dahme-Spreewald) waren vergangene Woche etwa 6000 Wirtschaftsgüter unter den Hammer gekommen. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/cargolifter-ausverkauf-erbrachte-bislang-1-1-million-euro-1.901367 | CargoLifter - Ausverkauf erbrachte bislang 1,1 Million Euro | 00/05/2010 |
Die Aktie der Internet-Suchmaschine steigt und steigt und steigt. Doch wie lange noch? Die Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin stehen nicht im Ruf, sonderlich nachtragend oder rechthaberisch zu sein. Wenn sie in diesen Tagen allerdings eine gewisse Genugtuung empfinden, dann kann man es ihnen kaum verdenken. Schließlich haben sie die vielen Warner - zumindest vorerst - widerlegt. Selten zuvor hatte man bei einem seriösen Börsengang so viele skeptische Stimmen gehört. Finger weg von Google, rieten Geldexperten. Die ursprünglich geplante Preisspanne von 108 bis 135 Dollar sei weit überzogen, hieß es. Mittlerweile 50 Milliarden Dollar wert Und nun? Nun flucht wohl jeder, der sich abschrecken ließ. Denn wer bei der Erstemission für 85 Dollar pro Aktie einstieg, hat viel Geld gemacht. Der Kurs hat sich auf 186 Dollar mehr als verdoppelt, und Analysten rätseln schon, wann er die Marke von 200 Dollar überspringt. Das vor sechs Jahren gegründete Unternehmen ist heute rund 50 Milliarden Dollar wert. Selbst wer erst spät eingestiegen ist, hat einen guten Schnitt gemacht: Googles Aktie steigt und steigt und steigt, ein Ende scheint nicht abzusehen. Kräftig nachgeholfen haben dabei vor wenigen Tagen die herausragenden Quartalszahlen. Es stellte sich heraus, dass die Suchmaschine noch dynamischer wächst und profitabler ist, als viele gedacht hatten. Den Chor der Nörgler brachte sie damit erst einmal zum Verstummen - zumindest, was Geschäftsmodell und Wettbewerbsfähigkeit angeht. Beim Aktienpreis hingegen scheiden sich die Geister. Zwar halten etliche Experten das Papier noch immer für billig, doch viele andere finden die Bewertung überzogen. Großanleger müssen kaufen Sie warnen, dass Google zurzeit eine Scheinblüte erlebe: Als Schwergewicht unter den Internet-Werten und eine der teuersten Firmen an der Nasdaq gehört es ins Pflichtportfolio der allermeisten Geldmanager. Doch noch gibt es wenige Aktien auf dem freien Markt, der free float ist gering. Deshalb treiben die Käufe der institutionellen Anleger den Preis hoch. Das könnte aber vorbei sein, wenn demnächst die Haltefristen für die Alteigentümer enden und damit mehr Google-Aktien auf den Markt kommen. Manche Auguren sehen daher einen Kursrutsch in nächster Zeit voraus. Mit künstlicher Knappheit alleine lässt sich die Beliebtheit der Aktie allerdings nicht erklären. Denn die Anleger stürzen sich auch auf andere Blue Chips des Internets wie Googles schärfsten Konkurrenten Yahoo, der ebenfalls verlässlich blendende Ergebnisse liefert. Das Netz boomt Sie setzen damit auf eine besonders dynamische Branche. Wenige Jahre nach dem Absturz und nach einem schmerzvollen Ausleseprozess erscheinen die Aussichten der Netz-Wirtschaft besser denn je; der schon totgesagte Online-Anzeigenmarkt boomt. Dabei wandern erst drei Prozent aller Werbeetats in das Internet, doch das ändert sich schnell. Das Potenzial ist riesig, die Erwartungen sind es aber auch. Für jeden Dollar, den ein Anleger derzeit in die Google-Aktie steckt, hat das Unternehmen aus Mountain View in den letzten zwölf Monaten nicht einmal einen halben Cent Profit gemacht. So schlechte Renditen bringt Kapital sonst nur auf Sparbüchern. | Die Aktie der Internet-Suchmaschine steigt und steigt und steigt. Doch wie lange noch? | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/google-die-geldmaschine-1.904017 | Google - Die Geldmaschine | 00/05/2010 |
Das großsprecherisch angekündigte Abenteuer Deutschland ist gescheitert - weil Wal-Mart gegen die Konkurrenten Aldi, Lidl & Co. nicht bestehen konnte. Gute Nachricht für die Mitarbeiter in 85 deutschen Großmärkten: Nun kann es dort wieder lockerer zugehen, und auch ein bisschen Flirten ist erlaubt. Detailansicht öffnen Wal Mart macht Schluss - in Deutschland wird es keine Filialen des US-Riesen mehr geben. (Foto: Foto: AP) Denn der US-Handelskonzern Wal-Mart verkauft die deutschen Filialen an den Düsseldorfer Konkurrenten Metro und verlässt das Land. Das ist eine der größten Niederlagen für die erfolgsverwöhnten Amerikaner. Das großsprecherisch angekündigte Abenteuer Deutschland ist gescheitert - weil Wal-Mart gegen die Billig-Konkurrenten Aldi, Lidl & Co. nicht bestehen konnte. Mit dem Erwerb der traditionsreichen Supermarktkette Wertkauf hatte der US-Konzern Wal-Mart seine Deutschland-Offensive im Winter 1997 begonnen; später kam Interspar hinzu. In Europa rechnete sich das Familienunternehmen, das der mittlerweile verstorbene Sam Walton 1962 in Arkansas gegründet und zur weltweiten Nummer eins gemacht hatte, Expansionschancen aus. Eine aggressive Preispolitik, gut ausgestattete Läden und eine freundliche und sachkundige Bedienung - darauf hätten, so das Kalkül, die Europäer schon lange gewartet. Wal-Mart wollte den alten Kontinent erobern, und Deutschland sollte dabei die erste Station sein. "Deutschland ist ein fast altmodischer Markt" Der hiesige Lebensmitteleinzelhandel galt den Amerikanern als hinterwäldlerisch. So gebe es, notierten die US-Manager damals, fast kein Supermarktunternehmen, das über gut eingeführte eigene Markenartikel verfüge. "Deutschland ist ein unterentwickelter, fast altmodischer Markt", sekundierte ein Branchenspezialist der US-Investmentbank Goldman Sachs. Altmodisch kam den Deutschen allerdings bald der Wal-Mart-Stil vor. Aufsehen erregte es, als die Amerikaner mit einer Richtlinie das Liebesleben ihrer Mitarbeiter steuern wollten. Darin wurde den 125.000 Mitarbeitern in Deutschland unter anderem untersagt, mit Kollegen zum Abendessen auszugehen oder gar eine Beziehung zu beginnen, wenn einer der Beteiligten den Arbeitsplatz des anderen "beeinflussen" könnte. Am Arbeitsplatz selbst waren "lüsterne Blicke, zweideutige Witze und sexuell deutbare Kommunikation jeder Art" untersagt. Zwar kassierte das Landesarbeitsgericht Düsseldorf diese Richtlinie als Verstoß gegen die Menschenwürde, doch ruhte der gütig-strenge Blick der Vorgesetzten weiter auf dem Personal. Erivan Haub wusste es schon vorher Auch mit den Gewerkschaften hatten die Amerikaner ihre liebe Not: In den USA, wo Mitarbeitern die Mittagspause verweigert wurde, aber auch in Deutschland, wo die Betriebsräte nach eigener Aussage "alle Hände voll zu tun" hatten, ihre Kollegen zu schützen. Die Kunden dagegen freuten sich über attraktive Preise und lobten die ausgesprochene Freundlichkeit des Personals, das dank intensiver Schulung "motiviert bis in die Haarspitzen" (Walton) auf die Kunden losgelassen wurde. Es wird interessant sein zu beobachten, wie viel von diesem Engagement sich unter wieder deutscher Führung erhalten wird. Bestätigt fühlen kann sich ein älterer Herr namens Erivan Haub. Dessen Tengelmann-Gruppe hatte sich 1997 auch um Wertkauf beworben, war aber von den Amerikanern ausgestochen worden. Wal-Mart werde, so Haub damals, in Deutschland noch sein blaues Wunder erleben. Es hat zwar fast neun Jahre gedauert, es ist aber genau so gekommen. | Das großsprecherisch angekündigte Abenteuer Deutschland ist gescheitert - weil Wal-Mart gegen die Konkurrenten Aldi, Lidl & Co. nicht bestehen konnte. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/der-abzug-des-us-unternehmens-flirten-wieder-erlaubt-1.902267 | Der Abzug des US-Unternehmens - Flirten wieder erlaubt | 00/05/2010 |
Auf den ersten Blick sieht es aus, als könnte Rolf Breuer aufatmen. Das Oberlandesgericht München hat entschieden, dass der frühere Vorstands- und jetzige Aufsichtsratschef der Deutschen Bank nicht persönlich für den Schaden aufkommen muss, den er mit einem Fernseh-Interview im Februar 2002 bei Kirch angerichtet hat. (SZ vom 11.12.03) - Stattdessen haftet die Deutsche Bank, in deren Namen Breuer damals die Kreditwürdigkeit der Mediengruppe von Leo Kirch angezweifelt hatte. Doch der Richterspruch hat es in sich - bescheinigt er doch dem Ex-Chef der größten deutschen Bank, dass er mit seinen Äußerungen über Kirch das Bankgeheimnis verletzt hat. Ausgerechnet das Bankgeheimnis! Wie hoch und heilig dieses Privileg den Kreditinstituten ist, erfährt man spätestens bei jedem vorsichtigen Versuch der Bundesregierung, daran zu rütteln: Jedesmal läuft die Kreditwirtschaft Sturm und prophezeit den Niedergang des deutschen Finanzplatzes. Jeder angehende Bankkaufmann bekommt es am ersten Tag seiner Ausbildung eingebläut: "Was die Beziehungen zum Kunden angeht, muss absolute Diskretion herrschen." Und dann plaudert ausgerechnet der oberste Chef einer Bank, der mittlerweile auch Vorsitzender der Bundesverbands deutscher Banken ist, im Fernsehen über die heikle Kreditsituation eines angeschlagenen Kunden. Peinlich Etwas Peinlicheres als den Richterspruch aus München kann es für einen Banker eigentlich gar nicht geben. Für den finanziellen Schaden, den er angerichtet hat, muss Breuer nun zwar nicht aufkommen, doch das ist ohnehin noch eine Sache mit vielen Fragezeichen. Die Richter haben zwar entschieden, dass die Deutsche Bank den von Breuer verursachten Schaden ersetzen muss. Worin dieser aber besteht und wie hoch er ausfällt, darüber musste das Gericht nicht urteilen. Diese Fragen werden in einem weiteren Verfahren zu klären sein. Vage Der Schaden liege darin, dass der Verkauf von Unternehmensteilen durch die Insolvenz deutlich weniger Geld einbringe, heißt es von Kirch-Seite. Doch das ist ziemlich vage, zu vage für einen Gerichtsprozess, in dem jeder Anspruch bewiesen werden muss. Kirch wird jeden Euro, den er verlangt, auf das Breuer-Interview zurückführen müssen. Kann das Kreditinstitut dagegen darlegen, dass Kirch ohnehin pleite gegangen wäre, sieht es schlecht aus für den Medienunternehmer. Noch steht also überhaupt nicht fest, ob die Deutsche Bank an Leo Kirch jemals auch nur einen Euro Schadensersatz zahlen muss. Der Spott der Öffentlichkeit dagegen ist Rolf Breuer bereits heute sicher. | Auf den ersten Blick sieht es aus, als könnte Rolf Breuer aufatmen. Das Oberlandesgericht München hat entschieden, dass der frühere Vorstands- und jetzige Aufsichtsratschef der Deutschen Bank nicht persönlich für den Schaden aufkommen muss, den er mit einem Fernseh-Interview im Februar 2002 bei Kirch angerichtet hat. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/kommentar-fuer-spott-ist-gesorgt-1.898960 | Kommentar - Für Spott ist gesorgt | 00/05/2010 |
Deutschland droht ein dramatischer Ärztemangel. "Die Nachwuchsprobleme sind alarmierend", erklärte Jörg-Dietrich Hoppe, Präsident der Bundesärztekammer. In den Kliniken werde die Situation immer prekärer, klagt Burghard Rocke, Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG). In vielen Regionen Deutschlands würden Ärzte derzeit händeringend gesucht. Nach einer aktuellen Untersuchungen der Personalberatung Kienbaum Executive Consultants kann jedes zweite Krankenhaus offene Stellen nicht mehr besetzen. In Ostdeutschland liegt der Anteil sogar bei 76 Prozent. Insgesamt bleiben nach Informationen der DKG in diesem Jahr mehr als 3.100 ärztliche Stellen und rund 2.600 Stellen im Pflegebereich vakant. Folgen treffen Patienten "Der Versorgungsnotstand ist programmiert", sagte Jörg-Dietrich Hoppe, Präsident der Bundesärztekammer, der Süddeutschen Zeitung. Die Folgen der Personalmisere würden zwangsläufig auch die Patienten treffen. So sei eine Verringerung der Betreuungszeiten von Kranken zu erwarten. Zahlreichen Abteilungen und selbst ganzen Krankenhäusern drohe aus Mangel an qualifiziertem Personal das Aus. Erste Fälle habe es in Ostdeutschland bereits gegeben. Nach einer aktuellen Studie des Deutschen Krankenhausinstitutes (DKI) planen ein Drittel aller Kliniken die Einführung von Wartelisten. Die Lücke könne möglicherweise nur noch mit Ärzten aus dem Ausland geschlossen werden, warnt Rocke. Abwanderung ins Ausland Hauptproblem für die Kliniken sei die Abwanderung von Ärzten ins Ausland und in andere Berufsfelder, erklärt die Deutsche Krankenhausgesellschaft. Nur noch jeder zweite Mediziner arbeite nach dem Studium auch als Arzt. Das Centrum für Krankenhausmanagement (CKM) macht für die Personalmisere die schlechten Arbeitsbedingungen in den Kliniken verantwortlich. Eine kaum zu bewältigende Arbeitsdichte, schlechte Verdienstmöglichkeiten, zu wenige finanzielle Leistungsanreize und starre Hierarchien vergraulten die Mitarbeiter, warnt CKM-Geschäftsführer Wilfried von Eiff. 30-Stunden-Schichten ohne Erholungphasen seien an der Tagesordnung. Krankenhausärzte schieben nach Informationen des Klinikärzte-Verbandes Marburger Bund 25 Millionen Überstunden pro Jahr vor sich her - ohne Bezahlung oder Freizeitausgleich. Eine halbe Milliarde Euro wird so jährlich gespart. Marburger-Bund-Chef Frank Ulrich Montgomery fordert von der Bundesregierung gezielte Maßnahmen gegen den Ärztemangel. Als wesentliche Ursache der langen Dienstzeiten sieht der Verband das deutsche Arbeitszeitgesetz. Streit um Arbeitszeiten Danach werden Bereitschaftsdienste in Krankenhäusern teilweise als Ruhezeit gewertet. Dies widerspreche der EU-Arbeitszeitrichtlinie, kritisiert Montgomery. In einem aufsehenerregenden Verfahren hatte der Europäische Gerichtshof (EuGH) bereits im Oktober 2000 entschieden, dass der Bereitschaftsdienst als Arbeitszeit gewertet werden muss. Der Marburger Bund fordert deshalb eine Änderung der deutschen Gesetzes noch im Rahmen der Gesundheitsreform. Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) warf Montgomery vor, Zusagen für eine frühere Neuregelung nicht eingehalten zu haben. Um die EU-Richtlinie zu erfüllen, müssten nach Berechnungen des Verbandes 15.000 neue Ärzte eingestellt werden. Geschätzte Kosten: Etwa eine Milliarde Euro. Weil die Krankenkassen diese Summe nicht aufbringen können und so viele Ärzte nicht sofort zur Verfügung stehen, schlägt Montgomery ein Stufenmodell vor: Über drei Jahre sollten von 2004 an 5.000 neue Ärzte eingestellt werden. Auf die Krankenkassen kämen Zusatzkosten von 300 bis 400 Millionen Euro pro Jahr zu. Moderne Dienstmodelle Die Mittel sollten nur in Krankenhäuser fließen, die Ärzte auf der Grundlage moderner Dienstmodelle und des angepassten Arbeitszeitgesetzes einstellen, fordert der Verbandschef. Auch die DKG erwartet von der Bundesregierung Sofortmaßnahmen. Tarifliche Personalkostensteigerungen müssten ausgeglichen und die strenge Deckelung der Krankenhausbudgets gelockert werden. In den vergangenen zehn Jahren seien die Personalkosten jährlich um gut zwei Prozent gestiegen, die Budgets aber nahezu gleich geblieben, kritisierte DKG-Präsident Rocke. Die Personalkosten machen 70 Prozent der Gesamtkosten von Kliniken aus. Helfen könnte nach Ansicht von Experten eine Reform bei der Ausbildung der Mediziner. So fordert der Präsident der Bundesärztekammer, Hoppe, eine Verkürzung der Zeit bis zur Approbation und die Verringerung der Unterrichtsfächer, um den Arztberuf wieder attraktiver zu machen. "Schritt in die richtige Richtung" Die für das kommende Jahr geplante Abschaffung des schlecht bezahlten Jahres als Arzt im Praktikum nannte Hoppe einen Schritt in die richtige Richtung. Ärzte würden nach dem Studium dann zu vernünftigen Gehältern beschäftigt. | Deutschland droht ein dramatischer Ärztemangel. "Die Nachwuchsprobleme sind alarmierend", erklärte Jörg-Dietrich Hoppe, Präsident der Bundesärztekammer. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/aerztemangel-krankenhaeusern-droht-notstand-1.907253 | Ärztemangel - Krankenhäusern droht Notstand | 00/05/2010 |
(SZ vom 24.06.2003) — Bis hinauf in die Chefetage der Deutschen Post ist er inzwischen bekannt wie ein bunter Hund: Gerhard Saborowski, pensionierter Postbeamter und Sprecher der Bürgerinitiative Waldheim, die vor einigen Jahren die Einrichtung einer Postfiliale am Stadtrand von Hannover erzwang. Relikt aus Kaisers Zeiten Seither piesackt Saborowski nicht nur die Post, sondern auch die Bonner Regulierungsbehörde mit einem Thema, bei dem sich der Niedersachse voll im Recht fühlt. Es geht um die von der Post seit Mitte 2001 betriebene Demontage der so genannten Drehkränze, die zumindest bei einem Teil der Briefkästen jeweils den aktuellen Stand der Leerung anzeigen. Mit einem Vierkantschlüssel werden die Anzeiger, die die Post als ein Relikt aus Kaisers Zeiten schnellstmöglich loswerden möchte, bei jeder Briefkastenleerung weitergedreht. So weiß jeder Postkunde im Zweifelsfall, ob ein Briefkasten schon geleert wurde oder ob die Sendung dank verspäteter Leerung doch noch rechtzeitig zugestellt wird. Von den Argumenten, die nach Meinung der Post für die Abschaffung der Drehkränze sprechen, vor allem deren angebliche Störanfälligkeit bei Frost, ließ sich Saborowski von Anfang an nicht beeindrucken. Statt dessen sensibilisierte er in zäher Öffentlichkeitsarbeit den Gesetzgeber, der Ende 2001 die so genannte Post-Universaldienstverordnung - im Amtsdeutsch kurz PUDLV genannt - dahingehend präzisierte, dass auf den Briefkästen alle Leerungszeiten "und die nächste Leerung" angegeben werden müssen. Was Saborowski als persönlichen Erfolg verbuchen konnte, beeindruckte die Post herzlich wenig. Vielmehr konnte man seither den Eindruck gewinnen, dass der immer noch mächtige Briefmonopolist im Zuge seiner laufenden Rationalisierungskampagne vorrangig Briefkästen mit den Drehkränzen demontieren ließ. Inzwischen kämpft Saborowski gegen Windmühlenflügel. Mal ist es die regionale Post-Repräsentanz in Hannover, die ihn damit vertröstet, dass in der Konzernzentrale intensiv über eine Lösung des Problems nachgedacht werde. Mal erfährt er aus Bonn, dass mit Hilfe eines neuen Kontrollsystems auf Scannerbasis sicherstellt wird, dass die Leerungen der Briefkästen nicht vor den angegebenen Zeiten erfolgen. "Unerwünschter Nebeneffekt" Dies sei ausreichend, um den Vorgaben der PUDLV Rechnung zu tragen, denn der Verordnungsgeber schütze ja nicht die Interessen derjenigen Verbraucher, die auf eine verspätete Leerung der Briefkästen spekulierten, heißt es bei der Post. Enttäuscht ist Saborowski inzwischen auch von der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP), die das Unternehmen nach seiner Meinung mit Glacé-Handschuhen anfasst. In der Tat gibt die RegTP nicht eindeutig zu verstehen, ob das Verhalten der Post im Zusammenhang mit der nächsten Leerung nun den Anforderungen der Universaldienstleistungsverordnung entspricht oder nicht. Auch die Süddeutsche Zeitung erhielt jetzt auf Anfrage nur eine ausweichende Antwort. Die Umrüstung aller Briefkästen mit einer Anzeige für die nächste Leerung berge die Gefahr, dass die Post die Zahl ihrer Briefkästen weiter reduzieren werde, war zu erfahren. Dieser "unerwünschte Nebeneffekt" läge sicherlich nicht im Interesse der Postkunden, heißt es bei der Bonner Regulierungsbehörde. Für Saborowski steht damit fest, dass auch die RegTP gegen geltendes Recht verstößt, indem sie vor der mächtigen Deutschen Post AG kuscht. | Die Post will die jeweils nächste Leerung der Briefkästen nicht mehr anzeigen. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/deutsche-post-naechste-leerung-sagen-wir-nicht-1.906383 | Deutsche Post - Nächste Leerung? Sagen wir nicht! | 00/05/2010 |
Bis zu 80.000 Beschäftigte werden heute gegen die Sparpläne des Autobauers DaimlerChrysler protestieren. In der Nacht haben Mitarbeiter Fackelzüge organisiert. Die Daimler-Belegschaft gilt als selbstbewusste Speerspitze der IG Metall, die viele Pilotabschlüsse der Metallindustrie erzwungen hat. Selbstbewusst war die Belegschaft beim "Daimler" schon immer. Mit einem Organisationsgrad von über 80 Prozent in der Produktion der großen Werke Sindelfingen und Untertürkheim waren die Mercedes-Bauer oft auch die Speerspitze der IG Metall. Viele Pilotabschlüsse der Metallindustrie der vergangenen Jahre basierten auf der Drohkulisse der Macht der Daimler-Belegschaft im Südwesten. Und wenn es um Streik ging, waren die Metaller vom Daimler als erste mit dabei. Hasardeure aber waren die Betriebsräte bei Daimler-Benz schon vor dem Zusammenschluss mit Chrysler nicht. "Wir wissen, dass wir trotz harter Auseinandersetzungen später wieder miteinander auskommen müssen", hatte schon 1971 ein Daimler-Benz-Betriebsrat während eines harten Arbeitskampfes ausgerufen. Und so wird es auch jetzt bei den Verhandlungen des Betriebsrates mit dem DaimlerChrysler-Vorstand laufen. Linien abgesteckt Beide Seiten haben ihre Linien abgesteckt. Die DaimlerChrysler-Manager wollen pro Jahr 500 Millionen Euro bei der Produktion der neuen C-Klasse in Sindelfingen einsparen. Falls diese Summe nicht erreicht werde, könnte die Produktion nach Bremen - und auch Südafrika - verlagert werden. Der Vorteil von Bremen: Dort werden pro Jahr 72 Stunden mehr zum gleichen Gehalt gearbeitet wie im Südwesten. Der Betriebsrat will unter allen Umständen verhindern, dass die Sparaktion in Baden-Württemberg über Eingriffe in den Flächentarifvertrag läuft. Die Betriebsräte stehen unter einem hohen Erwartungsdruck, denn viele von ihnen haben wichtige Funktionen in der IG Metall. Die Daimler-Belegschaft ist derart selbstbewusst, dass selbst der IG Metall-Vorstand in Frankfurt nicht öffentlich in die aktuelle Situation - mit Vorschlägen oder Mahnungen - eingreift. Die Zusammenarbeit zwischen Betriebsrat und Vorstand hat früher bei Daimler-Benz und jetzt bei DaimlerChrysler immer funktioniert. Wenn der Vorstand mal zu weit ging, fuhr der Betriebsrat kurz die Krallen aus und "unterbrach" die Arbeit. So war das auch 1996 als Daimler-Chef Jürgen Schrempp an die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall wollte. Straff geführt "Einen Dammbruch, der Auswirkungen auf andere Tarifgebiete hat, lassen wir nicht zu", meinte damals ein in der IG Metall organisierter Betriebsrat. Die Gewerkschaftsmitglieder am Band werden von den Betriebsräten straff geführt. Das erhöht die Schlagkraft bei Arbeitsniederlegungen, sorgt aber auch dafür, dass nicht einige kleine Gruppen nach Lust und Laune die Produktion anhalten können. Auch wenn derzeit viel Pulverdampf von beiden Verhandlungspartnern in die Luft gelassen wird, restlos überziehen wollen beide Seiten nicht. Die Daimler-Belegschaft weiß, dass ihre Arbeitsplätze recht sicher und ihr Lohn sicherlich zu den besten im Land gehört. Und die "betrieblichen Sonderleistungen", wie eine Ergebnisbeteiligung, sind auch nicht zu verachten. Doch ohne Kostensenkung in der Produktion wird der Markt für Mercedes eng. Immerhin bewegt sich DaimlerChrysler mit der C-Klasse im "Golf-Bereich" und da tummeln sich unter anderem neben VW und Opel auch die Japaner. Wer hier verkaufen will, kann nicht jährlich die Preise erhöhen, heißt es aus der Zentrale in Möhringen. Abwarten Deshalb auch der ungewöhnlich harte Ton aus dem Daimler-Management. "Jetzt müssen erst mal die Protest-Tage des Betriebsrates vorbeigehen, dann wird sich der Nebel wieder verziehen", meinte ein Manager. "Einen Kompromiss werde man finden, wenn schon nicht bis Ende Juli, dann aber im August", lautet die kurze Antwort eines Daimler-Betriebsrates. Auch die Daimler-Gespräche, das wissen Insider, folgen dem Ritual der jährlichen Tarifverhandlungen - dazu gehört auch, dass es schon ein Spitzengespräch zwischen Konzernchef Jürgen Schrempp und dem Vorsitzenden des Gesamtbetriebsrates, Erich Klemm, gab. | Bis zu 80.000 Beschäftigte werden heute gegen die Sparpläne des Autobauers DaimlerChrysler protestieren. In der Nacht haben Mitarbeiter Fackelzüge organisiert. Die Daimler-Belegschaft gilt als selbstbewusste Speerspitze der IG Metall, die viele Pilotabschlüsse der Metallindustrie erzwungen hat. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/drohende-verlagerung-von-arbeitsplaetzen-der-betriebsrat-zeigt-die-krallen-1.917383 | Drohende Verlagerung von Arbeitsplätzen - Der Betriebsrat zeigt die Krallen | 00/05/2010 |
Das Interesse der Hamburger Sparkasse (Haspa) an der Vereins- und Westbank mag überraschen, zumindest was die Herkunft des potenziellen Käufers betrifft. Denn in der starren deutschen Bankenlandschaft kommt es nicht gerade oft vor, dass ein Institut aus dem Sparkassensektor seine Fühler in Richtung einer sich in Privatbesitz befindlichen Bank ausstreckt. (SZ vom 01.07.03) - Doch was vor eineinhalb Jahren der Landesbank Baden-Württemberg mit der Übernahme der privaten Baden-Württembergischen Bank gelungen ist, könnte demnächst auch in Hamburg vollzogen werden. Haspa-Chef Karl-Joachim Dreyer hatte bereits im Frühjahr angekündigt, die starken Veränderungen im deutschen Kreditgewerbe in der Region Hamburg aktiv mitgestalten zu wollen. Willkommene Ergänzung Für die wachstumsorientierte Hamburger Sparkasse wäre eine Fusion mit der Vereins- und Westbank nämlich eine willkommene Ergänzung ihres Geschäftsmodells. Denn das Bankhaus generiert traditionell einen Großteil seiner Erträge aus dem Wertpapier- und Anlagegeschäft mit besonders intensiven Beziehungen zu den Börsen in Hamburg und Hannover. Zudem bekäme die Sparkasse mit Hilfe der Vereins- und Westbank auch ein Standbein in Bremen, wo die Bank über ein Tochterinstitut vertreten ist. Insgesamt zählt die Bank eine halbe Million Kunden im gesamten norddeutschen Raum, darunter zahlreiche auch von den Sparkassen umworbene mittelständische Betriebe. Ein Zusammengehen beider Institute würde also die Konsolidierung des Kreditgewerbes im norddeutschen Raum ein gutes Stück voranbringen und gleichzeitig einen unliebsamen Konkurrenten ausschalten. Kein Kapitalmangel Am nötigen Kapital mangelt es der größten deutschen Sparkasse nicht. Mit 2,1 Milliarden Euro ist die Kriegskasse der Haspa gut gefüllt. A priori dürfte auch die Muttergesellschaft der Vereins- und Westbank, die mit 75,1 Prozent beteiligte HypoVereinsbank (HVB), ein Interesse am Verkauf ihrer regionalen Tochter haben. Schließlich müssen die Münchner mit ihrer gefährlich niedrigen Kernkapitalquote nicht nur ihr Kreditportfolio abbauen, sondern sich auch von Beteiligungen trennen. Dazu gehört neben der zur Disposition stehenden Norisbank auch die in Hamburg ansässige Vereins- und Westbank. Hohe Risikovorsorge Ein Verkauf dieser Regionalbank würde gleichzeitig dazu beitragen, das Risikoportfolio der HVB zu entlasten, da die Hamburger durch das Geschäft der Schiffsfinanzierung Darlehen von rund drei Milliarden Euro vergeben haben. Dadurch wurden sie im vergangenen Jahr zu einer hohen Risikovorsorge gezwungen. | Das Interesse der Hamburger Sparkasse (Haspa) an der Vereins- und Westbank mag überraschen, zumindest was die Herkunft des potenziellen Käufers betrifft. Denn in der starren deutschen Bankenlandschaft kommt es nicht gerade oft vor, dass ein Institut aus dem Sparkassensektor seine Fühler in Richtung einer sich in Privatbesitz befindlichen Bank ausstreckt. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/kommentar-expansion-in-hamburg-1.900492 | Kommentar - Expansion in Hamburg | 00/05/2010 |
Gegen die Eröffnung einer Filiale des Arzneihändlers DocMorris haben deutsche Apotheker gleich mehrere Klagen angestrengt. Nun fällte das Saarbrücker Landgericht eine wegweisende Entscheidung. Der niederländische Internet-Arzneihändler DocMorris darf seine erste deutsche Filiale weiter betreiben. Das entschied das Landgericht Saarbrücken am Mittwoch in einem Eilverfahren. Es wies den Antrag einer Saarbrücker Apothekerin auf sofortige Schließung der DocMorris-Filiale in der saarländischen Landeshauptstadt als unbegründet zurück. Detailansicht öffnen DocMorris darf seine deutsche Filiale in Saarbrücken weiter betreiben. (Foto: Foto: dpa) Zuvor wollten die deutschen Apothekerverbände den Betrieb einer Filialapotheke des niederländischen Versandhändlers Doc Morris in Saarbrücken rechtlich stoppen. Die vom saarländischen CDU-Gesundheitsminister Josef Hecken erteilte Betriebserlaubnis "gefährdet das Prinzip der freiberuflichen und mittelständischen Apotheke", warnte Heinz-Günter Wolf, Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) am Dienstag in Berlin. Hecken missachte den Willen des Gesetzgebers Die Zulassung müsse zurückgenommen werden, da Hecken den Willen des Gesetzgebers missachtet habe. "Mit seiner Entscheidung stellt sich ein Landesminister bewusst gegen deutsches Recht, das es nur approbierten Apothekern erlaubt, eine Apotheke zu betreiben", so Wolff. DocMorris hatte Anfang Juli seine erste Niederlassung in Deutschland in der Saarbrücker Kaiserstraße eröffnet. Bisher verkaufte das Unternehmen mit Sitz in den Niederlanden in Deutschland Medikamente nur über das Internet. Dieses Jahr will Doc Morris mehr als 170 Millionen Euro umsetzen - und habe zur Expansion eine deutsche Filialapotheke eröffnet, sagte Däinghaus zur SZ. Klage der ABDA Gegen die Betriebserlaubnis der Filiale klagten die ABDA und die Apothekerkammer des Saarlandes vor dem Verwaltungsgericht Saarlouis. In einem Präzedenzfall entschied das Landgericht Saarbrücken über den Eilantrag einer örtlichen Apothekerin, die die benachbarte Doc-Morris-Filiale schließen lassen will. Von dem erst in drei bis sechs Wochen erwarteten Verwaltungsgerichtsurteil erhofft sich die ABDA eine gründlichere Aufarbeitung desselben Sachverhalts. | Gegen die Eröffnung einer Filiale des Arzneihändlers DocMorris haben deutsche Apotheker gleich mehrere Klagen angestrengt. Nun fällte das Saarbrücker Landgericht eine wegweisende Entscheidung. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/gerichtsurteil-docmorris-darf-deutsche-apotheke-weiter-betreiben-1.902736 | Gerichtsurteil - DocMorris darf deutsche Apotheke weiter betreiben | 00/05/2010 |
Deutschlands Wirtschaftsminister mischt sich stärker in die Industriepolitik ein - auch im Wettstreit mit seinem französischen Kollegen. Am Tag nach seinem Paris-Ausflug zog es den Superminister und seinen Staatssekretär für Industriefragen in den Biergarten. Doch im "Café am Neuen See", Berlins populärster Open-Air-Gaststätte, fanden die beiden zunächst keinen Platz. Wolfgang Clement und Georg Adamowitsch, der Mann für die Industriethemen, ließen sich schließlich an einem versteckten Tisch am Rande nieder, gönnten sich ein Glas Bier und genossen unweit von Clements Wohnung am Rande des Tiergartens den goldenen Herbsttag. Die Herren im Anzug sahen jedoch so aus, als hätten sie noch Geschäftliches zu erledigen. Denn der Terminkalender von Clement ist in diesen Wochen prall gefüllt. Es geht, anders als im Sommer, nicht nur um Hartz IV oder Ausbildungsplätze. Denn in Deutschland brennt es, zehntausende von Arbeitsplätzen stehen auf dem Spiel, bei Opel und Karstadt. "Die können nicht miteinander"... Überall redet Clement mit, überall mischt er sich ein, spricht mit den Managern, den Betriebsräten, den Aufsichtsräten. Aus Clement, dem Arbeitsmarktpolitiker, ist in diesen Wochen Clement, der Industriepolitiker geworden - die deutsche Version des Nicolas Sarkozy. Der französische Minister für Wirtschaft und Finanzen hat, seit er im Amt ist, seinen deutschen Kollegen immer wieder genervt. Clement musste sich vorhalten lassen, warum er nicht ähnlich in die Wirtschaft eingreife wie Sarkozy bei der Fusion der Pharmakonzerne Sanofi und Aventis oder dem geplanten Einstieg von Siemens bei Alstom, warum er sich nicht stärker um die "nationalen Champions" kümmere. Nun tut er dies mehr denn je. Clement redet mit den Managern von General Motors in Zürich und Detroit, um den Stellenabbau in Deutschland "in sehr engen Grenzen" zu halten. Der Verlust von 10.000 Jobs, wie ihn Opel angekündigt hat, wäre "eine Katastrophe", sagt der Mann aus Bochum. Kurzerhand sagte Clement deswegen auch vorletzte Woche ein seit Monaten geplantes Treffen mit Sarkozy ab - was in Paris als neuerlicher Beweis dafür gesehen wurde, dass man in Berlin von der französischen Wirtschaftspolitik nicht viel hält. "Die können nicht miteinander", räumen Berliner Beamte ein. Selbst vom Kanzler ist zu vernehmen, Sarkozy handele "extrem nationalistisch". Insofern darf man es als Akt der Versöhnung ansehen, dass Clement am Samstag überraschend nach Paris flog. Eigentlich waren die Minister nur für den gestrigen Abend in Berlin verabredet, um im Vorfeld des deutsch-französischen Ministerrats an diesem Dienstag über die strittigen Themen in der Industriepolitik zu beraten. ...und müssen doch Doch dann kam von Sarkozy die zusätzliche Einladung an die Seine. Und so speiste man in der Privatwohnung von "Speedy Sarkozy". Es soll, so heißt es im Berliner Wirtschaftsministerium, ein "konstruktives Gespräch" gewesen sein. "Konstruktiv" heißt in diesem Sinne aber wohl auch, dass Clement mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg gehalten hat. Die jüngste Idee von Sarkozy, als Reaktion auf den Ölpreis die Energiesteuern zu senken, lehnte er bereits im Laufe der vergangenen Woche ab. Auch von einem anderen Vorschlag aus Paris hält Clement nicht viel. Vor zwei Wochen hatte sein Kollege vorgeschlagen, nach dem Vorbild des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS auch in der Werftenbranche einen deutsch-französischen Industrieverbund zu schaffen. Doch in Berlin wird befürchtet, dass die Franzosen in diesem Verbund vor allem die defizitäre Werftensparte von Alstom unterbringen wollen - und dies letztlich der eben erst verabschiedeten Fusion der deutschen Werften von Thyssen-Krupp und HDW schaden würde. "Die Zeit für einen solchen Verbund", verkündete denn auch am Montag Clements Sprecherin, "ist noch nicht reif". Und dies liege vor allem an den Franzosen: Deutschland habe die Voraussetzungen dafür geschaffen, aber "das steht auf der anderen Seite noch aus". Der Industriepolitiker Clement weiß, dass er stets im Interesse seines Kanzlers handelt. So versuchte Schröder auf seiner jüngsten Indienreise, einen U-Boot-Auftrag, den die französische Staatswerft DCN schon sicher wähnte, doch noch nach Kiel zu holen. Auch über Sarkozys Vorschlag, die Ölpreis-Spekulation stärker zu bekämpfen, äußerte sich Gerhard Schröder süffisant: "Dafür gibt es keine Patentrezepte, auch wenn man das bei unseren Nachbarn gelegentlich glaubt." | Deutschlands Wirtschaftsminister mischt sich stärker in die Industriepolitik ein - auch im Wettstreit mit seinem französischen Kollegen. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/wolfgang-clement-die-deutsche-version-von-speedy-sarkozy-1.915575 | Wolfgang Clement - Die deutsche Version von Speedy Sarkozy | 00/05/2010 |
Zusätzliche Milliardeneinnahmen sollten nach der Empfehlung des Sachverständigenrates nicht in die Haushaltssanierung fließen. Priorität hätten der Umbau von Steuer- und Sozialsystem. Der Sachverständigenrat der "Fünf Weisen" sprach sich dafür aus, die Mehrwertsteuer in Deutschland zu erhöhen und sparte nicht mit Kritik an Union und SPD. Die Mehreinnahmen dürften nicht zum Stopfen von Haushaltslöchern verwandt werden, fordern die Ökonomen. Sie empfehlen, mit dem Geld radikale Sozial- und Steuerreformen zu bezahlen. Detailansicht öffnen Die "Fünf Weisen" würden eine Erhöhung der Mehrwertsteuer mittragen - statt Haushaltssanierung müsste aber der Reformkurs Vorrang haben. (Foto: Foto: dpa) Haushalt ohne Steuererhöhung sanieren Die Fünf Weisen zeigen sich überzeugt, dass die Lücke in den öffentlichen Haushalten geschlossen werden kann, ohne die Steuern zu erhöhen. In ihrem Gutachten, das sie an Bundeskanzler Gerhard Schröder übergaben, raten sie "dringend davon ab, zu Zwecken der Haushaltskonsolidierung eine Erhöhung des Normalsatzes der Mehrwertsteuer im nächsten Jahr vorzunehmen." Sie verweisen dabei an anderer Stelle auch auf die geringe Kauflust der Bürger. Das Wachstum insgesamt werde 2006 nur ein Prozent betragen, getragen vom Export und den Investitionen, während der private Konsum wie in diesem Jahr wieder sinken werde. Steuerrecht vereinfachen Die Sachverständigen wollen sich die höhere Mehrwertsteuer stattdessen aufsparen, um damit Umbauten im Sozial- und Steuersystem zu bezahlen. So sprechen sie sich dafür aus, das Steuerrecht zu vereinfachen und eine duale Einkommensteuer einzuführen. In diesem System würden Arbeitseinkommen wie bisher mit einem ansteigenden Steuertarif belegt, während für Kapitaleinkünfte und Unternehmensgewinne ein einheitlicher Satz von 25 Prozent gilt. | Zusätzliche Milliardeneinnahmen sollten nach der Empfehlung des Sachverständigenrates nicht in die Haushaltssanierung fließen. Priorität hätten der Umbau von Steuer- und Sozialsystem. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/jahresgutachten-der-fuenf-weisen-mehrwertsteuererhoehung-ja-aber-nur-fuer-reformen-1.903487 | "Jahresgutachten der ""Fünf Weisen"" - Mehrwertsteuererhöhung ja - aber nur für Reformen" | 00/05/2010 |
Er ist eine Art Super-Ombudsmann fürs Volk, Wettbewerbshüter und Kämpfer gegen das organisierte Verbrechen in einem — New Yorks Generalstaatsanwalt Eliot Spitzer. Es ist hektisch in diesen Tagen in den Büroräumen des New Yorker Generalstaatsanwalts Eliot Spitzer. Auf den Schreibtischen seiner Mitarbeiter stapeln sich dicke, schwarze Mappen. Detailansicht öffnen Generalstaatsanwalt Eliot Spitzer während eines Vortrages in New York. (Foto: Foto: AP) Computer-Bildschirme flimmern. Ein Papierkorb ist mit den Styropor-Verpackungen von Fastfood-Mahlzeiten gefüllt. Irgendwo flitzt der Chef über die Gänge im schmucklosen Bürogebäude am Broadway. Spitzer hat seine Truppe auf die Versicherungsbranche angesetzt. Nach der Zivilklage gegen den größten US-Versicherungsmakler Marsh & McLennan wegen dubioser Kommissionszahlungen will der Generalsstaatsanwalt nun auch andere Brokerfirmen an den Haken bekommen. Illegale Geschäftspraktiken aufdecken Spitzer verbreitet Angst und Schrecken in der Finanzwelt an der Wall Street. Das konservative Wall Street Journal bezeichnete den Strafverfolger vor Kurzem als John Wayne, der mit rauchendem Colt in den Chefetagen für Ordnung sorge. Mit seinen spektakulären Entscheidungen für die Rechte der Kleinanleger und Verbraucher hat Spitzer Bankern und Brokern Zügel angelegt. Im vergangenen Jahr trotzte er den Investmenthäusern an der Wall-Street wegen geschönter Aktienanalysen eine Vergleichszahlung von 1,4 Milliarden Dollar ab. Ein Super-Ombudsmann des Volkes Auch die Investmentfonds gerieten ins Visier des Generalstaatsanwalts. Sie zahlten wegen illegaler Geschäftspraktiken bislang rund 1,8 Milliarden Dollar. Im amerikanischen Rechtssystem hat der Generalstaatsanwalt weitreichende Aufgaben. Er ist eine Art Super-Ombudsmann des Volkes, der zudem mit juristischen Kompetenzen ausgestattet ist. So kann Spitzer sowohl Zivilklage als auch Anklage im strafrechtlichen Sinne erheben. Dabei geht es ebenso um die Bekämpfung der organisierten Kriminalität wie um Umwelt-, Arbeits-, Verbraucher und Gesundheitsschutz. Außerdem agiert Spitzer als Wettbewerbshüter, um gegen Markt- und Preismissbrauch vorzugehen. Die Kanzlei ist zur Kaderschmiede geworden Dem Generalstaatsanwalt des US-Bundesstaats New York unterstehen rund 500 Staatsanwälte und 1800 weitere Mitarbeiter, die nicht nur in New York City tätig sind, sondern auch in verschiedenen Regionalbüros. Längst ist das Büro des Generalstaatsanwalts zur Kaderschmiede für Karrieristen geworden. Die Juristen, die sich mit den Unternehmen anlegen, werden später gerne von diesen als Hausanwälte angeworben. Nach dem Motto: Mein ehemaliger Feind weiß am besten, wie man sich gegen Attacken wehrt. Vor diesem Hintergrund ist es nicht weiter überraschend, dass der neue Marsh & McLennan-Chef, Michael Cherkasky, einst Vorgesetzter von Spitzer war. Dem Harvard-Absolventen Spitzer wird indes nachgesagt, dass es ihn in die Politik zieht. | Er ist eine Art Super-Ombudsmann fürs Volk, Wettbewerbshüter und Kämpfer gegen das organisierte Verbrechen in einem — New Yorks Generalstaatsanwalt Eliot Spitzer. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/juristische-feinarbeit-der-john-wayne-der-wall-street-1.906550 | Juristische Feinarbeit - Der John Wayne der Wall Street | 00/05/2010 |
Der weltgrößte Online-Einzelhändler hat seinen Gewinn dank eines glänzenden Weihnachtsgeschäfts im Schlussquartal 2003 drastisch aufgestockt und schrieb auch im Gesamtjahr schwarze Zahlen. Die starke Auslandsexpansion trug mit zu einer starken Umsatzsteigerung bei. Amazon.com-Konzernchef Jeff Bezos verwies auf die kostenlose Versendung von bestellten Waren und auf niedrigere Preise. Der Gewinn legte im Schlussquartal 2003 massiv auf 73 Millionen Dollar (58 Mio Euro) oder 17 Cent je Aktie zu gegenüber drei Millionen Dollar oder einem Cent je Aktie im entsprechenden Vorjahresabschnitt. Der Quartalsumsatz erhöhte sich um 36 Prozent auf zwei Milliarden Dollar. Dies gab Amazon.com am Dienstag nach Börsenschluss bekannt. Hoher Auslandsumsatz Der Nordamerika-Umsatz erhöhte sich im Oktober-Dezember-Abschnitt um 18 Prozent auf 1,14 Milliarden Dollar und der operative Gewinn um 39 Prozent auf 114 Millionen Dollar. Der Auslandsumsatz mit Websites in Großbritannien, Deutschland, Frankreich und Japan schoss im vierten Quartal sogar um 74 Prozent auf 804 Millionen Dollar in die Höhe. Es gab einen operativen Auslandsgewinn von 39 (Vorjahresvergleichszeit: 20) Millionen Dollar. Der Jahresumsatz der in Seattle (Washington) ansässigen Gesellschaft stieg um 34 Prozent auf 5,3 Milliarden Dollar. Es gab 2003 einen Jahresgewinn von 35 Millionen Dollar oder acht Cent je Aktie gegenüber roten Zahlen von 149 Millionen Dollar oder 39 Cent je Aktie im Vorjahr. Operativer Gewinn Im Gesamtjahr 2003 wurde erstmals ein Auslandsumsatz von mehr als zwei Milliarden Dollar ausgewiesen. Amazon.com geht für das erste Quartal 2004 von einem Umsatz von 1,39 Milliarden Dollar bis 1,49 Milliarden Dollar aus, plus 28 bis 38 Prozent. Der operative Gewinn dürfte 80 Millionen Dollar bis 100 Millionen Dollar erreichen. Die Gesellschaft prognostizierte für das Gesamtjahr einen Umsatz von 6,2 Milliarden Dollar bis 6,7 Milliarden Dollar und einen operativen Gewinn von 355 Millionen Dollar bis 455 Millionen Dollar. Die Amazon.com-Aktien sind nachbörslich von 55,74 Dollar auf 54,45 Dollar gefallen. | Der weltgrößte Online-Einzelhändler hat seinen Gewinn dank eines glänzenden Weihnachtsgeschäfts im Schlussquartal 2003 drastisch aufgestockt und schrieb auch im Gesamtjahr schwarze Zahlen. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/amazon-com-gewinn-explodiert-1.905523 | Amazon.com - Gewinn explodiert | 00/05/2010 |
Die Baywa hat der Staatsanwaltschaft zufolge Betreiber lokaler Märkte um Millionen betrogen und den Schaden später ausgeglichen. Ein schwieriges Verfahren ohne Schuldige - und ohne Aussicht auf ein Ende. Mit der Baywa ist in Bayern nicht immer zu spaßen. Vor einigen Jahren verbot das Kultusministerium ein Schulbuch für den Musikunterricht, weil darin ein lästerliches Lied der Biermösl Blosn vorkam. Deren "Gott mit dir, du Land der Baywa" sei geeignet, "die Firma Baywa und den Einsatz von chemischen Düngemitteln in der bayerischen Landwirtschaft zu kritisieren'', was Achtklässler verwirren könnte, sagte ein Staatssekretär. Noch größeres Ungemach als derlei Kabarettistenspott könnte für den im Agrar-, Baustoff- und Mineralölhandel international tätigen Konzern ein Ermittlungsverfahren der hiesigen Staatsanwaltschaft bringen. Gegen Vorstandschef Wolfgang Deml und ein halbes Dutzend weitere Beschäftigte wird seit drei Jahren wegen des Verdachts auf Betrug ermittelt. Das Unternehmen hat, davon sind die Ermittler inzwischen überzeugt, die Betreiber lokaler Baywa-Märkte um Millionenbeträge geprellt. "Objektiv stehen die Straftaten als solche fest'' Den Konzessionsnehmern der Bau- und Agrarmärkte seien Rabatte vorenthalten worden, die der Konzern mit Lieferanten diverser Waren vereinbart habe, sagt Oberstaatsanwalt Stephan Reich, Chef der für große Wirtschaftsdelikte zuständigen Abteilung 11. "Objektiv stehen die Straftaten als solche fest.'' Nun sei zu klären, wer das zu verantworten habe. ",Die Frage ist, ob der Vorstand Bescheid wusste'', so Reich. Die Baywa selbst versichert, Vorstandschef Wolfgang Deml wisse von den damaligen Geschäften "überhaupt nichts und war in die Vorgänge auch nicht eingebunden''. Deml habe "ganz intensiv die Aufklärung vorangetrieben'', erklärte ein Sprecher des Unternehmens. Der Sprecher und Alois Bießle, Leiter Recht und Kredit der Baywa, sprechen von "Systemfehlern''. Bießle: "Da ist zeitweise nicht richtig zugeordnet worden, was ausgeschüttet werden muss und was nicht.'' Deshalb seien manche Lieferanten-Boni "allzu großzügig zugunsten der Baywa AG zugeordnet worden''. "Planmäßig verschwiegen'' Seit 2004 geht die Abteilung 11 der Sache nach, in diesem Jahr soll das Ermittlungsverfahren Reich zufolge endlich zum Abschluss kommen. Der Oberstaatsanwalt hält dem Handelskonzern zugute, den Schaden nachträglich beglichen zu haben. Ein ehemaliger Konzessionsnehmer aus München hatte vor knapp zwei Jahren ein Urteil des Oberlandesgerichtes (OLG) München erstritten, in dem der Baywa bescheinigt wird, ein "geheimes Rückvergütungssystem'' betrieben zu haben. Den Konzessionsnehmern lokaler Märkte seien die mit Lieferanten ausgehandelten Sonderboni und Rabatte "planmäßig verschwiegen und vorenthalten'' worden, notierte das OLG am 27. Juli 2005 (Az. 23 U 5590/05). Die Richter sprachen dem Münchner Geschäftsmann, der fünfMillionen Euro gefordert hatte, Schadensersatz zu. Noch ehe dessen Höhe festgelegt werden konnte, verglichen sich der ehemalige Konzessionsnehmer und die Baywa und vereinbarten Stillschweigen über das Ergebnis. Oberstaatsanwalt Reich spricht von einem "heiklen Verfahren'', weil es um den Vorstand eines größeren Unternehmens gehe. Im Juli 2004 hatten Polizei und Staatsanwaltschaft die Zentrale des Konzerns (16.250 Mitarbeiter, 7,3 Milliarden Euro Umsatz 2006) in München durchsucht, dessen Aufsichtsrat einem Who's who des Genossenschaftswesens gleicht. | Die Baywa hat der Staatsanwaltschaft zufolge Betreiber lokaler Märkte um Millionen betrogen und den Schaden später ausgeglichen. Ein schwieriges Verfahren ohne Schuldige - und ohne Aussicht auf ein Ende. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/betrugsvorwurf-gegen-baywa-ein-geheimes-system-der-rueckverguetung-1.898882 | "Betrugsvorwurf gegen Baywa - ""Ein geheimes System der Rückvergütung""" | 00/05/2010 |
Wolfgang Röll war nur schwer zu beruhigen: Keine vier Wochen besaß der Wirtschaftsprüfer seinen nagelneuen Mercedes 500 SL - Neupreis nicht unter 94308 Euro -, da fing der Ärger an. Bei voller Fahrt sackte urplötzlich das Heck des Luxus-Sportwagens ab; vermutlich hatte das Steuergerät der aufwändigen Bordelektronik den Dienst quittiert. Ein paar Tage später, das Auto war gerade aus der Werkstatt zurück, streikte das Navigationsgerät samt Autoradio. Ursache: siehe oben. Klagen über die unterschiedlichsten Defekte an Neuwagen füllen mittlerweile regelmäßig die Leserbriefspalten der Fachmagazine, auch die SZ-Redaktion wird nicht selten zur Anlaufstelle erboster Autokäufer. Einhelliger Tenor: "Wenn ich gewusst hätte, wie viel Ärger mein teurer Neuwagen macht, hätte ich ja gleich irgendeine Billigmarke nehmen können." "Ihr Niveau ist unser Ziel" Dabei gelten vor allem deutsche Autos technisch weltweit noch immer als Maß aller Dinge. "Wir schauen nur auf die deutschen Hersteller, ihr Niveau ist unser Ziel", sagt der Entwicklungschef eines japanischen Autokonzerns, und fast unisono klingt so oder ähnlich der Chor der internationalen Hersteller. Um den anerkannt hohen technischen Entwicklungsstand der Deutschen zu erreichen, unternehmen vor allem asiatische Marken mittlerweile fast jede Anstrengung. Krochen einstmals ihre Emissäre auf Automessen wie der IAA noch mit Metermaß und Notizblock durch die Innenräume und unter die Motorhauben, reicht die einfache Kopie von Maßen und Konstruktionen heute längst nicht mehr. Entwicklungs- und Design-Zentren in Europa sollen den Vorsprung der deutschen Konkurrenz aufholen und die verwöhnten Kunden zufrieden stellen. Wer besonders auf sich hält, vergisst auch nicht, sein neuestes Modell als "Autobahn-getestet" anzupreisen oder perfektioniert seine Fahrwerke auf der besonders anspruchsvollen Nordschleife des Nürburgrings. Doch während die deutsche Ingenieurskunst in Sachen Hightech vorerst beispielhaft bleibt und ihre Entwicklungen weltweit Nachahmer finden, scheint hier zu Lande so mancher Autoproduzent, getrieben von immer hektischeren Modellzyklen, Produktinnovation über Funktionssicherheit zu setzen. Vor allem die Bordelektronik, die in den letzten Jahren immer mehr Aufgaben übernehmen musste, scheint anfällig für Defekte zu sein. Nach einer Untersuchung des Gelsenkirchener Center of Automotive Research waren im Jahr 2001 fast 50 Prozent aller Pannen auf Probleme mit Elektronik und Elektrik zurückzuführen. "Die Elektronik ist zwar hilfreich", meint Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des Forschungszentrums, "doch die eine oder andere Neuheit ist womöglich nicht so ausgereift, wie sie sein sollte." Glückliche Hyundai-Besitzer Was der Wissenschaftler betont vorsichtig anspricht, ist für Autokäufer nicht selten bittere Realität. Sie werden als Testfahrer unausgereifter Technik missbraucht, wie auch regelmäßige Untersuchungen der Kundenzufriedenheit belegen, die den deutschen Herstellern ein schlechtes Zeugnis ausstellen. Im aktuellen Bericht des angesehenen Marktforschungsunternehmens J.D. Power rangieren acht japanische Automodelle auf den ersten acht Rängen, davon stammen allein fünf von Toyota. Die E-Klasse von Mercedes folgt erst auf Platz neun. Eine interne Untersuchung der Autobranche sieht sogar die koreanische Marke Hyundai auf dem Spitzenplatz der Kundenzufriedenheit in Europa. Wie die Zeitschrift Automotive News aus dem vertraulichen Papier zitiert, rangiert Mercedes noch hinter Fiat am unteren Ende der Zufriedenheitsskala. Nur BMW schaffte von den europäischen Automarken eine Top-Platzierung. Auch die regelmäßige Umfrage des Stuttgarter Motorpresse-Verlags ergibt ein vergleichbares Bild. Mehr als 63000 Leser stellten hier vor allem den japanischen Marken ein gutes Zeugnis aus. Nur Porsche (Rang 2), BMW (Rang 4) und Audi (Rang 7) konnten mithalten. Abgeschlagen landeten Mercedes (17.), Ford (20.), VW (26.) und Opel (27.) auf den hinteren Plätzen. Grund genug für die Zeitschrift auto, motor und sport, die als Bibel der Autobranche gilt, vor einer alarmierenden Entwicklung zu warnen. Chefredakteur Bernd Ostmann: "Deutsche Hersteller sind offensichtlich auch bei der Fehlerhäufigkeit vorn." Mit den offenbar geringeren Qualitätsansprüchen von Computernutzern aber seien die Automobilisten nicht zufrieden. "Wer dies nicht zur Kenntnis nimmt, fällt über kurz oder lang aus dem Nobelmarkenset heraus", meint Ostmann. Dafür, dass die Japaner so zuverlässige Technik liefern, haben deutsche Hersteller eine einfache Erklärung. "Die warten", sagt der Entwicklungsverantwortliche eines deutschen Konzerns, "bis unsere Innovationen gut funktionieren, und dann übernehmen sie das." Vielleicht hatte aber auch der Schriftsteller Erich Maria Remarque Recht, als er einst sagte: "Nur die einfachen Dinge enttäuschen nicht." | Die Käufer von Autos klagen zunehmend über ärgerliche Defekte — auch in teuren Fahrzeugen. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/schoene-neue-autowelt-mehr-technik-mehr-pannen-1.902582 | Schöne neue Autowelt - Mehr Technik, mehr Pannen | 00/05/2010 |
Jetzt wird es aber Zeit! Wenn es ums Geld geht, dann müssen viele Termine bis zum Jahresende 2003 eingehalten werden. Die wichtigsten Tipps werden in zwei Berichten zusammengefasst (Teil zwei folgt). (SZ-Artikel vom 12.11.03) Detailansicht öffnen Ab 2004 gibt es eine Eintrittsgebühr von 10 Euro beim Arzt. (Foto: Foto: dpa) Arbeitslosengeld: Für Arbeitnehmer, die verheiratet sind und bei denen feststeht, dass sie im Jahr 2004 arbeitslos werden, kann es sich lohnen, zum 1. Januar 2004 die Steuerklassen zu wechseln. Denn für die Höhe des Arbeitslosengeldes kommt es auf die Steuerklasse zu Beginn des Kalenderjahres an. Sollten also zum Beispiel der Mann (mit einem Einkommen von 2000 Euro brutto im Monat) und die Frau (1800 Euro brutto im Monat) in der Steuerklasse IV sein, so gibt es pro Monat rund 156 Euro mehr Arbeitslosengeld, wenn der Mann in die Klasse III und seine Frau in die Klasse V wechseln - sofern der Mann 2004 arbeitslos wird. Die von der Frau zu zahlende höhere Steuer (rund 265 Euro monatlich) kommt über den Steuer-Jahresausgleich zurück. Das höhere Arbeitslosengeld aber bleibt bestehen. Arztbesuch: Das ist zwar kein großer Sparposten, aber immerhin: Wer als gesetzlich Krankenversicherter ohnehin bald fällige Arztbesuche noch 2003 absolviert, der spart gegebenenfalls 10 Euro "Eintrittsgebühr", die ab 2004 verlangt wird. Dasselbe gilt für die Behandlung beim Zahnarzt. Vom nächsten Jahr an gilt auch: Möglichst alle Facharztbesuche auf ein Quartal konzentrieren, weil dann - nach entsprechenden Überweisungen - nur einmal die Praxisgebühr fällig wird. Zusätzlicher Tipp: Nur noch 2003 dürfen Ärzte nicht verschreibungspflichtige Medikamente verordnen. Außergewöhnliche Belastung: Wer in diesem Jahr besondere Aufwendungen zum Beispiel für Krankheitskosten, eine Beerdigung oder eine Scheidung gehabt hat, und bei dem vielleicht gleich zu Beginn des nächsten Jahres noch eine größere Ausgabe ansteht, etwa weil Zahnersatz benötigt wird, der sollte überlegen, ob er seinem Zahnarzt noch bis Silvester 2003 eine Vorauszahlung zu leistet und so den berücksichtigungsfähigen Aufwand komprimiert. Dann steigt die Chance, den Betrag als außergewöhnliche Belastung vom steuerpflichtigen Einkommen abgezogen zu bekommen. Denn das Finanzamt rechnet entsprechend der Höhe des "Gesamtbetrags der Einkünfte" aus, was dem Steuerzahler pro Jahr an Beteiligungen aus der eigenen Geldbörse zuzumuten ist. Bei einem Jahreseinkommen zwischen 15 340 und 51 130 Euro sind das zum Beispiel für eine Familie mit einem oder zwei Kindern 3 Prozent, bei 25 000 Euro Verdienst demnach 750 Euro. Je mehr also in einem Jahr zusammenkommt, desto besser für den Steuerzahler - je mehr auf die Jahre verteilt wird, desto ungünstiger, da ja jeweils der zumutbare Betrag vom kalenderjährlichen Aufwand abgezogen wird. Autounfall: Wurde 2003 ein Unfall verschuldet und wurde dem Besitzer des anderen Wagens der Schaden von vielleicht 250 Euro zunächst aus der eigenen Tasche bezahlt, weil der Schadenfreiheitsrabatt gerettet werden sollte, ist jedoch danach ein zweiter schuldhafter Unfall hinzugekommen, so kann die Kfz-Haftpflichtversicherung sowohl für den zweiten als auch nachträglich für den ersten Unfall in Anspruch genommen werden. Das muss aber spätestens bis Silvester 2003 bei der Versicherung gemeldet werden. Für "Zweit"-Unfälle, die im Dezember passieren, gilt eine Nachmeldefrist bis zum 31. Januar 2004. Auch die Vollkaskoversicherung kann auf diese Weise nachträglich in Anspruch genommen werden. Die Versicherung kann ausrechnen, ob sich der Deal lohnt. Brillen: Ab 2004 bezahlen die gesetzlichen Krankenkassen keine Zuschüsse zu Brillen und Brillengestellen mehr (von Ausnahmen abgesehen, etwa für junge Bürger bis zum 18. Geburtstag). Wer ohnehin bald eine neue Sehhilfe benötigt, der sollte sich also bis zum Jahresende darum kümmern. Freistellungsauftrag: Sparer und Bausparer sollten prüfen, ob ihr Freistellungsauftrag für die 30prozentige Zinsabschlagsteuer für das laufende Jahr noch ausreicht. Für die optimale Höhe des Freistellungsauftrags gilt die Faustformel "Voraussichtliches Guthaben am Jahresende x Zinssatz". Der maximale Freibetrag beträgt 3202 Euro für Verheiratete beziehungsweise 1601 Euro für Ledige. Die Freistellung für Bausparzinsen ist wichtig, weil der Zinsabschlag die Zinsgutschrift und damit das Bausparguthaben mindert, was zu einer späteren Zuteilung führen kann. Bausparer, die im laufenden Jahr oder im Vorjahr einen Antrag auf Wohnungsbauprämie gestellt haben, sind mit ihren Bausparzinsen auch ohne Freistellungsauftrag von der Zinsabschlagsteuer befreit. Krankenversicherung I: Im nächsten Jahr gibt es herbe Einschnitte in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen. Sollte also jetzt schnell noch eine private Zusatzversicherung abgeschlossen werden? Nichts überstürzen! Noch steht nicht im Detail fest, was letztlich Gesetz wird. Und die private Versicherungswirtschaft, die zwar jetzt schon Zusatzversicherungen (zugeschnitten auf das bisherige Recht) im Angebot hat, muss erst noch neue Angebote entwickeln, die das neue Recht berücksichtigen. Vor Frühjahr 2004 wird sich hier auch kaum etwas tun. Krankenversicherung II: Sollte die Gesundheitsreform 2004 Anlass sein, zum 31. Dezember 2003 ihre Kassenmitgliedschaft zu kündigen und sich privat zu versichern? Empfehlenswert ist dies allenfalls für junge und gesunde Singles ohne Kinder. Und der Verdienst muss stimmen: Seine gesetzliche Krankenkasse verlassen darf überhaupt nur, wer regelmäßig mehr verdient als 46 350 Euro im Jahr. Ist diese Bedingung erfüllt, so hilft bei der Wahl der richtigen privaten Krankenversicherung zum Beispiel die Übersicht im Oktoberheft von Finanztest. Gekündigt werden kann mit einer Frist von zwei Monaten - unabhängig vom Jahresende. Im übrigen kann natürlich ein Wechsel innerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung ordentlichen Beitragseinsparungen bringen. Wer bis zum 30. November seiner bisherigen Krankenkasse das Kündigungsschreiben geschickt hat, der kann allerdings erst zum 1. Februar 2004 wechseln. Das Warten bis dahin kann aber lohnen, weil vorher kaum die neuen Beiträge ab Januar 2004 feststehen werden - was ja auch die neu gewählte Krankenkasse betreffen kann. | Jetzt wird es aber Zeit! Wenn es ums Geld geht, dann müssen viele Termine bis zum Jahresende 2003 eingehalten werden. Die wichtigsten Tipps werden in zwei Berichten zusammengefasst (Teil zwei folgt). | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/bescheid-wissen-vorteile-nutzen-noch-rasch-zum-arzt-1.905012 | Bescheid wissen, Vorteile nutzen - Noch rasch zum Arzt | 00/05/2010 |
Drei Wochen lang hat Michael Kutschenreuter geschwiegen, obwohl er über die schwarzen Kassen und Schmiergeldzahlungen bei der Siemens AG sehr viel wissen dürfte. Vermutlich weit mehr, als andere Beschuldigte. Kutschenreuter, 52, ist der bislang einzige Top-Manager, der in Untersuchungshaft sitzt; er war Finanzvorstand in der Sparte Telekommunikation (Com). Sechs Geständnisse Andere Siemens-Leute, die ins Gefängnis kamen, haben seit der Großrazzia der Münchner Staatsanwaltschaft Mitte November der Reihe nach ausgesagt. Sechs Geständnisse liegen nach Informationen der Süddeutschen Zeitung inzwischen vor. Nun packt auch Kutschenreuter aus. Ende dieser Woche hat er angefangen, zu plaudern; nächste Woche gehen die Vernehmungen weiter. Das könnte die Fahnder auf neue, heiße Spuren in die Konzernspitze führen. "Herr Kutschenreuter sagt umfassend aus", erklärten dessen Anwälte, Leonard Walischewski und Thilo Pfordte, am Freitagabend gegenüber der SZ. "Unser Mandant orientiert sich an den Vorgaben des Vorstandsvorsitzenden Kleinfeld, der eine schonungslose Aufklärung gefordert und angekündigt hat." Details nannten die beiden Anwälte nicht. Konzernchef Klaus Kleinfeld hatte gemeinsam mit seinem Vorgänger, dem heutigen Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer, vor zwei Wochen einen Brief an die Belegschaft geschrieben. "Wir müssen kompromisslos aufräumen", teilten Kleinfeld und Pierer darin mit. Mehr als 30 Jahre bei Siemens Ein Geständnis von Kutschenreuter, der seit 1974 bei Siemens nach und nach Karriere gemacht hat, könnte dabei sehr hilfreich sein. Ein anderer Beschuldigter hat ausgesagt, der Top-Manager habe die Verwaltung der schwarzen Kassen und die daraus vorgenommenen Provisionszahlungen - das sei eine Umschreibung für Korruption gewesen - bei Siemens-Com und bei der Vorgängergesellschaft IC Networks (ICN) organisiert beziehungsweise delegiert. Auch sei Kutschenreuter von einer Führungskraft der Abteilung Compliance gewarnt worden, als schwarze Kassen in Österreich aufzufliegen drohten, sagte der langjährige Angestellte Reinhard S. bei seinem Geständnis. S. ist eine Schlüsselfigur in dem Skandal. In der Abteilung Compliance sind die Korruptions-Bekämpfer bei Siemens angesiedelt. Sollte Kutschenreuter die Vorwürfe gegen diese Abteilung bestätigen, dann könnte sich der Skandal dramatisch ausweiten und ein Erdbeben in der Konzernzentrale auslösen. Damit nicht genug. Bei ICN saß Kutschenreuter mit Thomas Ganswindt im Vorstand. Ganswindt war dort der Chef und rückte später sogar in den Zentralvorstand der Siemens AG auf, den innersten Machtzirkel des Konzerns, ehe er das Unternehmen vor zehn Wochen verließ. Ganswindt ist bereits schwer belastet worden - auch er von Reinhard S., dem früheren Angestellten, der schwarze Kassen in Liechtenstein und in der Schweiz eingerichtet hatte, nachdem das Modell Österreich nicht mehr funktioniert hatte. S. hat bei seinem Geständnis ausgesagt, er habe Ganswindt über Schmiergeldzahlungen informiert und konkrete Summen genannt: 10 Millionen Euro im Jahr in die Staaten der ehemaligen Sowjetunion, 15 Millionen nach Griechenland und 10 Millionen nach Nigeria. Ganswindt hat dazu vor zwei Wochen mitgeteilt, er verfolge die Ermittlungen sehr aufmerksam. Es bleiben Fragen Nunmehr, da jetzt auch Kutschenreuter aussagt, vermutlich noch aufmerksamer als bisher. Spannende Fragen tun sich auf. Was weiß Kutschenreuter über Ganswindt? Und was weiß er über andere Spitzenmanager, deren Namen in den Geständnissen schon gefallen sind? Wie weit reicht der Skandal, der sich um Vorgänge in der Ära des früheren Konzernchefs Pierer dreht, in die Konzernspitze hinein? Die Staatsanwaltschaft will alles wissen, und sie ist schon weit gekommen: Sechs Geständnisse von aktiven und ehemaligen Führungskräften und Angestellten in den Sparten Com und ICN in nicht einmal vier Wochen. Alle haben zugegeben, die schwarzen Kassen installiert oder ermöglicht zu haben, in denen mindestens 200 Millionen Euro versteckt worden waren. Die vielen Millionen seien als Schmiergeld geflossen, in Europa, Asien, Afrika und Mittelamerika, beichteten mehrere dieser sechs Beschuldigten. Sie nannten mehr als zehn Länder, in denen man wertvolle Informationen und lukrative Aufträge gekauft habe. Die Aussicht, Weihnachten im Gefängnis zu verbringen, hat sie gesprächig gemacht. Nun redet auch Kutschenreuter. | Nach sechs Geständnissen im Siemens-Skandal verdichten sich die Spuren in die Konzernzentrale. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/korruption-bei-siemens-der-erste-top-manager-packt-aus-1.898663 | Korruption bei Siemens - Der erste Top-Manager packt aus | 00/05/2010 |
Die CSU hat am Wochenende Pläne für eine 100-Euro-Vignette präsentiert. Von Verkehrsminister Tiefensee kam umgehend Ablehnung. Nach den Vorstellungen der CSU sollen Autofahrer für die Benutzung deutscher Autobahnen künftig eine Jahresvignette für 100 Euro kaufen müssen. Im Gegenzug sollen Mineralöl- und Ökosteuer gesenkt werden. Detailansicht öffnen Herrscht bald Mautpflicht auf den deutschen Autobahnen? (Foto: Foto: ddp) Entsprechende Pläne präsentierte CSU-Generalsekretär Markus Söder am Sonntag. Noch vor Weihnachten will die CSU weitere Einzelheiten bekannt geben. Söder begründete den Vorstoß mit einer Gerechtigkeitslücke: Es sei nicht einzusehen, dass deutsche Autofahrer in anderen EU-Ländern zur Kasse gebeten würden, während Ausländer das deutsche Autobahnnetz kostenlos nutzen dürften. Im Sommer hatte Bayerns Innenminister Günter Beckstein (CSU) die Pkw-Maut schon einmal ins Gespräch gebracht. Auch in der CDU-Fraktion im Bundestag gibt es seit längerem Sympathien dafür. Tiefensee mauert Die Idee scheiterte bislang am Widerstand des Bundesverkehrsministers Wolfgang Tiefensee (SPD). Auch diesmal kritieirte Tiefensee den Söder-Vorstoß: "Falsche Argumente werden nicht dadurch richtiger, dass sie regelmäßig wiederholt werden", sagte er und warnte vor Mehrbelastungen für die Autofahrer. Überdies werde eine Maut auf Autobahnen zu einem "dramatischen Ausgleichsverkehr" führen, der "erhebliche Auswirkungen auf nachgeordnete Straßen und die Verkehrssicherheit" hätte. Doch die Minister der großen Koalition sind sich nicht mehr einig. Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) hält es für einen "denkbaren Weg", Autobahngebühren zu erheben und dafür die Mineralölsteuer zu senken. Durch den Tanktourismus verliere der deutsche Staat mehr als 2,5 Milliarden Euro Steuereinnahmen im Jahr. Auch in der SPD-Fraktion scheint der Widerstand gegen ein Maut-System zu bröckeln. Der wirtschaftspolitische Sprecher Rainer Wend erklärte, er würde sich der Maut-Idee nicht verschließen. Doch sei sie wahrscheinlich erst in der nächsten Legislaturperiode zu realisieren. Ablehnung der Autofahrerlobby Bei der Autofahrerlobby traf der Vorstoß aus Bayern auf Ablehnung. ADAC-Präsident Peter Meyer hält die CSU-Pläne für wenig durchdacht. "Der Anteil der ausländischen Pkw auf bundesdeutschen Autobahnen liegt bei fünf Prozent", sagte er. "Das bedeutet: Mögliche Einnahmen von ausländischen Autofahrern durch eine Maut oder Vignette wären geringer, als die Erhebungskosten, die eine derartige Abgabe verursacht." Zustimmung erhofft sich die CSU vor allem von den Tankstellenpächtern, die durch den Tanktourismus in ihrer Existenz bedroht sind. Die CSU befürchtet, die Mehrwertsteuererhöhung zum ersten Januar werde die Preisdifferenz zwischen deutschem und tschechischem oder österreichischem Sprit weiter erhöhen. Daher der Vorschlag, die Mineralölsteuer im Gegenzug zur Maut zu senken. In den meisten europäischen Staaten werden Autobahngebühren schon seit Jahren erhoben. In sieben Ländern, darunter Österreich und die Schweiz, gibt es eine Vignettenpflicht. In Italien, Frankreich und acht weiteren Ländern bemisst sich die Maut nach der Fahrstrecke. In Deutschland wurde im Januar 2005 ein Mautsystem für Lastfahrzeuge in Betrieb genommen. LKW-Maut bringt drei Milliarden Euro Inzwischen nimmt der Bund damit etwa drei Milliarden Euro ein. Die Höhe der Lkw-Maut errechnet sich aus den gefahrenen Kilometern. Die Jahresvignette für Pkw, die von der CSU gefordert wird, sieht hingegen eine pauschale Belastung vor. Umweltpolitiker kritisierten den CSU-Vorstoß daher. Im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung, sagte Grünen-Parteichef Reinhard Bütikofer, der Vorschlag verzichte auf jegliche ökologische Lenkungswirkung, da sich die Höhe der Abgabe nicht nach dem Umfang der verursachten Umweltschäden richte. "Außerdem verbindet die CSU ihren Vorschlag mit dem Versprechen, mehr Straßenbau zu finanzieren", monierte Bütikofer. "Ökologisch sinnvoll wäre es dagegen, in den Ausbau des Schienennetzes zu investieren." Der Bundesgeschäftsführer der Linkspartei, Dietmar Bartsch, bezeichnete das CSU-Modell als "Abzocke". Die Probleme bei der Infrastruktur könnten nicht durch den Griff in die Taschen der Bürger gelöst werden, sagte er. Als Alternative zur Vignette bietet sich das Gebühren-System nach dem Vorbild der Lkw-Maut an. Allerdings wäre das Modell aufwändig, weil die Technik zur Erfassung in jedes Auto eingebaut werden müsste. Außerdem ist das Konzept bei Datenschützern umstritten, weil es die Überwachung von Fahrtwegen ermöglicht. | Die CSU hat am Wochenende Pläne für eine 100-Euro-Vignette präsentiert. Von Verkehrsminister Tiefensee kam umgehend Ablehnung. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/csu-prescht-vor-neuer-vorstoss-zur-pkw-maut-1.900164 | CSU prescht vor - Neuer Vorstoß zur Pkw-Maut | 00/05/2010 |
Die europäische PKW-Gruppe von DaimlerChrysler muss sich entweder von Personal trennen oder ihre Produktion ausweiten. Die Konzern-Sparte, zu der die Marken Mercedes, Maybach und Smart gehören, ist offenbar nicht effizient genug. Die Unternehmensberatung McKinsey hat im Auftrag von DaimlerChrysler errechnet, dass die Mercedes Car Group (MCG) über eine Produktivitätsreserve von ungefähr zehn Prozent verfügt. Detailansicht öffnen (Foto: Foto: ddp) Ein Sprecher von DaimlerChrysler wollte das nicht kommentieren, wies allerdings Spekulationen der Zeitung Die Welt zurück, bei der MCG gebe es einen Personal-überhang von 10.000 Mitarbeitern. BMW produziert mit weniger Mitarbeitern Die MCG produzierte im vergangenen Jahr etwa 1,1 Millionen Autos und beschäftigte rund 104.000 Mitarbeiter. Die konkurrierende BMW-Gruppe produzierte etwa die gleiche Zahl von Autos mit 96.000 Mitarbeitern. Der Mercedes-Sprecher sagte, die MCG sei ständig dabei, ihre Effizienz zu steigern. "Wir können uns noch optimieren." Er sagte aber auch: "Wir schließen betriebsbedingte Kündigungen aus." Bei der PKW-Gruppe gebe es Anstrengungen, das Problem anders zu lösen. "Wir können das mit Wachstum kompensieren." Im Unternehmen läuft gerade unter dem Namen "MCG best" ein Programm zur Rationalisierung der Autoproduktion, ab. An diesem Vorhaben ist die Beratungsgesellschaft McKinsey beteiligt, aber auch andere Berater würden mitarbeiten, heißt es bei DaimlerChrysler. Um Kündigungen zu vermeiden, würden bei Bedarf Teilzeitverträge nicht verlängert oder es würden Mitarbeitern Angebote für einen vorgezogenen Ruhestand gemacht. Die MCG plant eine Reihe neuer Fahrzeuge, mit deren Hilfe die Produktion bis zum Endes dieses Jahrzehnts auf 1,8 Millionen Fahrzeuge ausgedehnt werden soll. Davon sollen 300.000 Stück auf die Marke Smart entfallen. | Die europäische PKW-Gruppe von DaimlerChrysler muss sich entweder von Personal trennen oder ihre Produktion ausweiten. Die Konzern-Sparte, zu der die Marken Mercedes, Maybach und Smart gehören, ist offenbar nicht effizient genug. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/mckinsey-empfiehlt-mercedes-soll-stellen-abbauen-1.914403 | McKinsey empfiehlt - Mercedes soll Stellen abbauen | 00/05/2010 |
Im laufenden Wahlkampf ist Finanzminister Eichel bei einem Treffen mit seinen EU-Amtskollegen in Manchester unter Druck geraten: Die EU-Kommission will das auf Eis liegende deutsche Defizit-Strafverfahren im November wieder aufnehmen. Damit drohen Sanktionen. Der österreichische Finanzminister Bundesfinanzminister hatte moniert, dass Bundesfinanzminister Hans Eichel die Entwicklung des bereits über dem EU-Grenzwert liegenden deutschen Defizits zu positiv einschätze. Detailansicht öffnen Hans Eichel wird schon wieder mit dem Defizitverfahren konfrontiert. (Foto: Foto: AP) Grasser sagte nach dem Treffen mit den anderen Finanzministern der Euro-Zone am Freitag in Manchester, der von Eichel prognostizierte Defizitwert von 3,7 Prozent des Bruttoinlandsproduktes für dieses Jahr sei wahrscheinlich nicht zu halten. "Wir erwarten ein Defizit von 3,9 bis vier Prozent in Deutschland", sagte Grasser unter Hinweis auf Berechnungen der EU-Kommission. Grasser forderte dann die EU-Kommission auf, klare Maßnahmen gegen Deutschland zu ergreifen. Die Kommission will nach der Wahl über die Entwicklung beraten. Erklärung zum Ölpreis Die Euro-Finanzminister berieten zudem über die Folgen hoher Ölpreise für die europäische Wirtschaft. Im Laufe der zweitägigen Konferenz solle dazu eine Erklärung veröffentlicht werden, hieß es dazu von EU-Diplomaten. Die Erklärung soll von den Ressortchefs aller 25 EU-Staaten unterschrieben werden, die am Nachmittag zusammenkommen wollten. Die Minister dürften unter anderem dazu aufrufen, die Nachfrage nach Öl durchschaubarer zu machen, um spekulative Preissteigerungen zu bremsen. Wie schon bei früheren Höhenflügen der Ölpreise reagieren die EU-Staaten nicht einheitlich auf diese Entwicklung. So erwägt Frankreichs Ressortchef Thierry Breton für sein Land eine Sondersteuer auf die Extragewinne der Ölkonzerne. Gordon Brown warnt Der Gastgeber der Konferenz, der britische Schatzkanzler Gordon Brown, warnte in einem Gastbeitrag für die Financial Times vor einer ölpreisbedingten Stagnation der europäischen Wirtschaft. "Das Wachstum in Europa wird in diesem Jahr gerade einmal 1,2 Prozent erreichen, und die Arbeitslosigkeit in der EU dürfte sich 10 Prozent nähern - damit wären 20 Millionen Menschen ohne Job." | Im laufenden Wahlkampf ist Finanzminister Eichel bei einem Treffen mit seinen EU-Amtskollegen in Manchester unter Druck geraten: Die EU-Kommission will das auf Eis liegende deutsche Defizit-Strafverfahren im November wieder aufnehmen. Damit drohen Sanktionen. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/haushaltsloch-bruessel-will-deutsches-defizitverfahren-verschaerfen-1.918858 | Haushaltsloch - Brüssel will deutsches Defizitverfahren verschärfen | 00/05/2010 |
Die neue bürgerlich-grüne Regierung in Prag wirft ein Tabu der Vergangenheit über Bord und will die Traditionsbrauerei Budvar privatisieren. Interessenten gibt es schon. August Busch der Vierte, Chef des US-Bierkonzerns Anheuser-Busch, dürfte die Nachricht mit Genugtuung aufgenommen haben: Die neue schwarz-grüne Regierung Tschechiens hat endlich den Weg für eine mögliche Übernahme des kleineren Konkurrenten Budweiser Budvar freigemacht. Die in Staatsbesitz befindliche südböhmische Brauerei soll innerhalb der nächsten zwölf Monate in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden. Das kündigte Landwirtschaftsminister Petr Gandalovic in dieser Woche an. Die Amerikaner hatten in der Vergangenheit schon mehrfach in Prag ihr Interesse an der Brauerei bekundet, bisher allerdings stets vergeblich. Lange Tradition Für die vorhergehenden Regierungen wäre der Verkauf einem Tabubruch gleich gekommen. Der Bierbrauer mit einem Ausstoß von 1,15 Millionen Hektolitern gilt als einer der ältesten der Welt. Der seit Jahrzehnten andauernde Streit mit dem viel größeren Kontrahenten Anheuser Busch trug der Traditionsbrauerei zudem die Sympathie vieler Tschechen ein. Bei der Auseinandersetzung, die schon in unzählige Gerichtsverfahren mündete, geht es um die Rechte an der Marke Budweiser, die beide Unternehmen für sich beanspruchen. Der neue Landwirtschaftsminister fühlt sich an den politischen Kurs seiner Amtsvorgänger nicht länger gebunden. Sentimentalitäten dieser Art kann sich der tschechische Staat offenbar auch finanziell nicht mehr leisten. Einnahmen von mindestens einer Milliarde Euro versprechen sich die neuen Machthaber von einer Privatisierung der Budvar Brauerei - Geld, das dringend für den Ausbau der Infrastruktur des Landes benötigt wird. Kein Kommentar am Firmensitz in Budweis Zu den Privatisierungsplänen wollte sich am Firmensitz in Budweis am Dienstag niemand äußern. Generaldirektor Jiri Bocek hatte jedoch im vergangenen Sommer angedeutet, dass eine Privatisierung unter der neuen Regierung nicht ausgeschlossen sei. Einem solchen Schritt könne er durchaus auch positive Seiten abgewinnen, ergänzte er damals. Damit wäre etwa der Weg für Übernahmen von anderen Bierherstellern durch die Budvar-Brauerei frei. ,,Für ein staatliches Unternehmen ist das nicht möglich'', sagte er. Interessiert sei er an Billigmarken, mit denen sich der Umsatz von knapp 80 Millionen Euro steigern ließe. Mit der Umwandlung in eine Aktiengesellschaft dürfte das Traditionsunternehmen jedoch selbst zum Übernahmeziel werden. Schon deshalb, weil Budvar eine der letzten, noch selbständigen Großbrauereien des Landes ist. Markt aufgeteilt Den größten Teil des tschechischen Biermarktes haben internationale Konzerne längst unter sich aufgeteilt: 45 Prozent befinden sich in Händen des südafrikanischen Herstellers SAB Miller, Nummer zwei der Branche. Marktführer Inbev hält 15 Prozent. Als wahrscheinlichster Anwärter für eine Übernahme von Budweiser Budvar gilt Anheuser Busch, der drittgrößte Bierkonzern. Dafür spricht auch der Versöhnungskurs, den Anheuser-Chef Busch jüngst eingeschlagen hat. Im Januar legten die Kontrahenten ihren Streit auf dem US-Markt bei und vereinbarten sogar eine Vertriebskooperation. | Die neue bürgerlich-grüne Regierung in Prag wirft ein Tabu der Vergangenheit über Bord und will die Traditionsbrauerei Budvar privatisieren. Interessenten gibt es schon. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/privatisierung-geplant-budweiser-wird-zum-uebernahmeziel-1.898936 | Privatisierung geplant - Budweiser wird zum Übernahmeziel | 00/05/2010 |
Die Nazis enteigneten ihre Familie, jetzt will Barbara Principe Wiedergutmachung. KarstadtQuelle hätte dies in der Hand - weigert sich aber. Die Szene wirkt im Touristengewimmel in Berlin-Mitte ganz normal und hat doch etwas Bizarres. In der hellen Mittagssonne steht Barbara Principe aus New Jersey am Bahnhof Potsdamer Platz. Neben ihr befindet sich eine übermannsgroße Karstadt-Einkaufstüte, mit welcher der Essener Warenhauskonzern in der Hauptstadt für sein 125-jähriges Bestehen wirbt. Detailansicht öffnen Heute steht auf dem ehemaligen Grundbesitz der Familie Wertheim in Berlin das supermoderne Beisheim-Center. (Foto: Foto: ddp) Die Tüte und Principe stehen auf früherem Grundbesitz der von den Nazis enteigneten jüdischen Kaufmannsfamilie. Hinter der freundlich lächelnden Erbin ragt himmelhoch das Beisheim-Center auf. Und wenig später geht es an eben diesem historischen Schauplatz im Luxushotel Ritz-Carlton um die Forderung von 145 Millionen Euro Entschädigung für die Wertheim-Familie durch den KarstadtQuelle-Konzern. "Meine Familie wird niemals ruhen" Nun sind die Lippen eng, das Lächeln ist verschwunden, die Stimme klingt schneidend: "Meine Familie wird niemals ruhen, in meinem Herzen weiß ich, dass meine Familie gewinnt." Um ihre Entschlossenheit zu bekräftigen, habe sie extra aus Amerika zwei ihrer jüngsten Enkel mit nach Berlin gebracht. Die beiden jungen Männer stehen auf und verbeugen sich vor den vielen Journalisten aus Berlin, aus halb Europa, aus Japan und den USA. Barbara Principe hat in dieser spektakulären Pressekonferenz weitere Unterstützer an ihrer Seite. Der Publizist Henryk M. Broder sagt, KarstadtQuelle zeige sich "selbstzerstörerisch kleinlich". Es handele sich in diesem Fall um eine "Verwertung von Kapital auf Kosten der Entrechteten". "Karstadt muss das Trauerspiel beenden" Der frühere Bundesinnenminister Gerhart Baum hat auch Platz genommen auf dem Podium und sagt: "Karstadt muss das Trauerspiel beenden. Das Unternehmen spielt auf Zeit, und das ist in Wiedergutmachungsfällen nicht moralisch." Es geht in einem der kompliziertesten Restitutionsverfahren in der deutschen Geschichte um viel Geld. Die angeblich KarstadtQuelle drohenden Entschädigungsansprüche für den Grund und Boden und für das heute supermodern bebaute Lenné-Dreieck am Potsdamer Platz im Herzen des neuen Zentrums der Hauptstadt summiert der Wertheim-Anwalt Matthias Druba auf mehr als 600 Millionen Euro hoch. Aber an diesem Tag, an diesem besonderen Ort, geht es den Handelnden auf der Wertheim-Seite vor allem um Emotionen, um Moral, um Anstand, um Gewissen. Der Direktor der Jewish Claims Conference zeigt sich "entsetzt" "Dieser Prozess hängt eng mit unser aller Vergangenheit zusammen", sagt Baum. Der Direktor der Jewish Claims Conference (JCC), Roman Haller, äußert sich "regelrecht entsetzt" über die seit Jahren starr abweisenden Positionen des Warenhauskonzerns und wendet sich in dieser Form erstmals persönlich mit einem "Appell zur Besinnung" an den Vorstandsvorsitzenden der KarstadtQuelle AG, Thomas Middelhoff. Barbara Principe zeigt sich ausdrücklich zu einem persönlichen Treffen mit Middelhoff bereit. "Das ist eine sehr gute Idee", sagt sie. Die Erklärungen von Konzernsprecher Jörg Howe, wonach das Unternehmen als Aktiengesellschaft gezwungen ist, den Rechtsweg letztinstanzlich zu beschreiten, will sie und wollen die anderen nicht mehr hören. Sie habe gehofft, bei ihrem vierten Berlin-Besuch "nur nach Deutschland zu kommen, um Urlaub zu machen". Es ist anders gekommen, KarstadtQuelle hat kategorisch erklärt: "Wir streben eine präzise juristische Lösung an, um die strittigen Fragen ein für alle mal rechtsverbindlich zu klären." Auch Barbara Principe kämpft weiter. Es werden noch weitere Fotos von der Karstadt-Einkaufstüte am Bahnhof Potsdamer Platz gemacht. | Die Nazis enteigneten ihre Familie, jetzt will Barbara Principe Wiedergutmachung. KarstadtQuelle hätte dies in der Hand - weigert sich aber. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/die-wertheim-erbin-und-der-karstadt-konzern-meine-familie-gewinnt-1.901428 | "Die Wertheim-Erbin und der Karstadt-Konzern - ""Meine Familie gewinnt""" | 00/05/2010 |
Es läuft nicht gut für Roman Arkadjewitsch Abramowitsch in seiner Wahlheimat London: Er hat eine schlechte Presse, sein Fußballclub Chelsea enttäuscht, obwohl er Millionen verschlingt, und die Scheidung von seiner Frau war auch nicht billig. Abramowitschs Fußballclub, der FC Chelsea, hat eine verkorkste Saison hinter sich: Erst verloren die Luxuskicker das Champions-League-Halbfinale gegen Liverpool und jetzt gab es nur einen undankbaren Platz Zwei in der britischen Meisterschaft. Abramowitsch soll wegen der Misserfolge getobt haben, berichteten britische Medien. Vor vier Jahren legte sich der russische Multimilliardär den hochverschuldeten Fußballclub zu, bei dem unter anderem Ex-Bayern-München-Star Michael Ballack anheuerte. Doch Fortüne hat Abramowitsch mit seiner Investition bislang nicht recht gehabt. Sein Gesamtverlust soll sich auf fast eine halbe Milliarde Euro belaufen. Despektierlicher Bericht Es ist wohl kein Zufall, dass die Sunday Times ausgerechnet in diesen Tagen, in denen Abramowitsch als der glücklose Fußballkönig im Heimatland des Fußballs verhöhnt wird, einen despektierlichen Bericht über seine 40-köpfige "Privat-Armee" veröffentlichte. Es ging um seine Bodyguards, die den Russen rund um die Uhr bewachen. 1,8 Millionen Euro soll die martialische Truppe, die von einem ehemaligen Offizier der britischen Eliteeinheit SAS beraten wird, pro Jahr kosten. Das zahlt der 40-Jährige mit dem melancholischen Blick zwar aus der Portokasse. Sein Vermögen wird auf mindestens 15 Milliarden Euro geschätzt. "Wachsende Aversionen gegen Russen" Doch seinem Image als freundlicher Fußballmäzen sind solche Berichte nicht gerade förderlich. Man gehöre hier schließlich nicht zur Mafia, warf sich Russlands Botschafter in London, Yuri Fedotov, für seinen Landsmann in die Bresche. Der Gesandte des Kremls beklagte sich über wachsende Aversionen gegen Russen in Großbritannien. Abramowitsch zählt zu einer wachsenden Gemeinde schwerreicher Ausländer, die sich in der britischen Hauptstadt niedergelassen haben. Es ist eine illustre Gesellschaft. Sie wohnt in Londons Nobelvierteln wie Kensington und Chelsea. Der indische Stahl-Tycoon Lakshmi Mittal hat dort eine Luxusvilla bezogen, ebenso wie Abramowitschs ehemaliger Geschäftspartner Boris Beresowskij. Dem Zugriff des des Kremls entzogen Für die russischen Oligarchen hat das Londoner Exil einen großen Vorteil: Sie entziehen sich dem Zugriff des Kremls. Dass dies im Fall Beresowskijs, der unlängst zum Sturz des russischen Präsidenten Wladimir Putin aufrief, sogar eine lebensrettende Maßnahme sein kann, liegt auf der Hand. Abramowitsch hat einen solchen Konflikt bislang vermeiden können. Nach langem Zögern versprach er Putin, weiterhin als Gouverneur der Region Tschukotka im fernen Osten Russlands zu amtieren. Rabiate Methoden Ein Geschäft auf Gegenseitigkeit: Abramowitsch spendiert Schulen und Krankenhäuser für verarmte Rentierzüchter und Walrossjäger. Als loyaler Soldat des Kremls kann er sich vor den Machtansprüchen Putins geschützt fühlen, der den Einfluss einiger unliebsamer Oligarchen mit rabiaten Methoden zurückdrängte. | Es läuft nicht gut für Roman Arkadjewitsch Abramowitsch in seiner Wahlheimat London: Er hat eine schlechte Presse, sein Fußballclub Chelsea enttäuscht, obwohl er Millionen verschlingt, und die Scheidung von seiner Frau war auch nicht billig. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/roman-abramowitsch-reicher-exilant-in-noeten-1.901973 | Roman Abramowitsch - Reicher Exilant in Nöten | 00/05/2010 |
Ungeachtet aller Widrigkeiten steht die Deutsche Bank zu ihrem bisherigen Vorstandssprecher Josef Ackermann. Das Institut verlängerte den Vertrag des Schweizers, obwohl sich dieser erneut vor Gericht verantworten muss. Josef Ackermann (57) wird die Deutsche Bank bis zur Hauptversammlung 2010 leiten und dann insgesamt acht Jahre an der Spitze des größten Geldinstituts der Republik stehen. Detailansicht öffnen Hat Grund zum Lachen: Josef Ackermann. (Foto: Foto: dpa) Der Aufsichtsrat verlängerte seinen Vertrag und berief ihn außerdem mit sofortiger Wirkung zum Vorstandsvorsitzenden. Bisher fungierten alle Chefs der Deutschen Bank als Sprecher. Offiziell wird die neue Funktion mit "nationalen und internationalen Gepflogenheiten" begründet. Aus der Bank ist jedoch zu hören, die neue Position stärke Ackermann über die Vertragsverlängerung hinaus den Rücken. Schließlich gibt es eine weitere wichtige Neuerung in der Führung. Künftig wird der Vorstandsvorsitzende vom Aufsichtsrat berufen und nicht mehr vom Vorstandsgremium gewählt. Diese Regelung gibt dem Kontrollgremium mehr Gewicht, vor allem aber dem Aufsichtsratsvorsitzenden Rolf Breuer. Beständigkeit Der Aufsichtsrat hat in seiner Sitzung am Mittwoch nicht nur den Vertrag von Ackermann verlängert, sondern auch Tessen von Heydebreck (61) bis zur Hauptversammlung 2007 im Konzernvorstand für den Bereich Personal bestätigt. Über dessen Ablösung war aufgrund seines Alters spekuliert worden. Offenbar setzte das Kontrollgremium bei der Führung der Bank auf Beständigkeit. An dem gestiegenen Gewinndes Geldinstituts, den Ackermann an diesem Donnerstag bei der Vorlage der Bilanz 2005 bekannt geben will, werden die Aktionäre beteiligt. Die Dividende wird von 1,70 Euro auf 2,50 Euro heraufgesetzt. Hohe Eigenkapitalrendite Nach der Erwartung vieler Analysten hat die Deutsche Bank 2005 bei den Gewinnen um 50 Prozent zugelegt und damit das Ziel einer Eigenkapitalrendite von 25 Prozent erreicht. Der Aktienkurs stieg am Mittwoch Nachmittag über 90 Euro. | Ungeachtet aller Widrigkeiten steht die Deutsche Bank zu ihrem bisherigen Vorstandssprecher Josef Ackermann. Das Institut verlängerte den Vertrag des Schweizers, obwohl sich dieser erneut vor Gericht verantworten muss. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/deutsche-bank-ackermann-vertrag-bis-2010-verlaengert-1.918953 | Deutsche Bank - Ackermann-Vertrag bis 2010 verlängert | 00/05/2010 |
Nach den Turbulenzen bei der CSU gab es für Landwirtschaftsminister Seehofer mal wieder einen angenehmen Termin. Er besuchte die Grüne Woche. Mit einem Rundgang hat Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) am Donnerstagmorgen den Startschuss für die internationale Landwirschafts- und Ernährungsmesse Grüne Woche in Berlin gegeben. Detailansicht öffnen Kartoffel in Herzform: Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer auf einem Rundgang bei der Grünen Woche. (Foto: Foto: dpa) Die deutsche Land- und Ernährungswirtschaft mit ihren vier Millionen Beschäftigten sei das "Schmuckstück der deutschen Wirtschaft", sagte Seehofer. Er verwies auf die Chancen, die umweltfreundliche Kraftstoffe für die Landwirschaft darstellten: "Das ist äußerst gute Perspektive, auch für die Bauern." Deutschland wolle dieses Thema auch im Rahmen seiner EU-Ratspräsidentschaft voranbringen. Es war der erste öffentliche Auftritt Seehofers seit der CSU-Krise und den Enthüllungen aus seinem Privatleben. Zu beidem wollte er sich nicht äußern. "Es ist alles, was im Moment zu erklären ist, erklärt", sagte Seehofer. Novum Offiziell eröffnet wird die weltgrößte Agrar- und Ernährungsschau am frühen Abend von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso. Es ist das erste Mal in der 81-jährigen Geschichte der Messe, dass ein deutscher Regierungschef dies übernimmt. Die Grüne Woche 2007 findet vom Freitag an zehn Tage lang auf dem Messegelände unter dem Funkturm statt. Mehr als 1.600 Aussteller aus 56 Ländern präsentieren auf 115.000 Quadratmeter ein Mammutangebot aus den Bereichen Ernährung, Landwirtschaft und Gartenbau. Über 400.000 Besucher erwartet Dazu gehören rund 100.000 Spezialitäten der Schlemmermeile, über 10.000 Nutztiere und 40.000 Frühblüher. Auch 2007 werden über 400.000 Besucher erwartet. | Nach den Turbulenzen bei der CSU gab es für Landwirtschaftsminister Seehofer mal wieder einen angenehmen Termin. Er besuchte die Grüne Woche. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/gruene-woche-schmuckstueck-der-deutschen-wirtschaft-1.903242 | "Grüne Woche - ""Schmuckstück der deutschen Wirtschaft""" | 00/05/2010 |
Zum Job von Ilona Luttmann gehört es, die umstrittenen Produkte der Tabakindustrie zu verteidigen. Auf kritische Fragen hat sie schnell die passende Antwort parat. Michael Ballack im schwarz-rot-goldenen Fahnenmeer - Öl auf Leinwand. Das Bild hängt gegenüber von einem Schreibtisch in einem kleinen Büro der deutschen Niederlassung von British American Tobacco (BAT) am Alsterufer in Hamburg. Detailansicht öffnen Bekennender Genussmensch: Ilona Luttmann. (Foto: Foto: Ralf Buscher) Das Büro gehört Ilona Luttmann, ,,Leiterin für Gesellschafts- und Verbraucherpolitik''. Die kryptische Positionsbeschreibung versteckt, dass sie als führende deutsche Lobbyistin des zweitgrößten Tabakunternehmens einen der schwierigsten Jobs der Branche hat: Sie vertritt die Positionen des Unternehmens bei Abgeordneten, Staatssekretären und Verbänden. Hin und wieder ist sie auch im Fernsehen zu sehen - vor einigen Wochen war sie zum Beispiel bei Sabine Christiansen. Lob von der Gegnerin Dass die Vertreter der Tabakindustrie ihren Job gut machen, bescheinigt ausgerechnet Tabakgegnerin Bärbel Höhn. In der aktuellen Diskussion um Rauchverbote schimpft die stellvertretende Vorsitzende der Grünen-Fraktion, SPD und Union seien ,,vor der Tabaklobby eingeknickt'', weil sie das Rauchen in Gaststätten entgegen dem Rat von Gesundheitsexperten nicht vollständig verbieten wollen. Luttmann lässt sich nicht dazu hinreißen, das einen Erfolg zu nennen. Sie formuliert vorsichtiger: ,,Ich freue mich, dass sinnvolle Argumente in die Debatte einzufließen scheinen.'' Vom Stress im Beruf entspannt sich die 41-Jährige beim Malen. Der Ballack in ihrem Büro ist während der Weltmeisterschaft entstanden. Hobby und Beruf haben bei Luttmann eines gemeinsam: Es geht darum, Bilder zu kreieren - mal mit Pinseln, mal mit Worten. Das Bild vom Genussmensch Im Job geht es Luttmann vor allem darum, von BAT das Bild eines ,,verantwortungsvollen Tabakunternehmens'' zu hinterlassen. Der dazugehörige Wunschkunde ist nach Luttmanns Darstellung natürlich nicht der Sucht-, sondern der Genussmensch. | Zum Job von Ilona Luttmann gehört es, die umstrittenen Produkte der Tabakindustrie zu verteidigen. Auf kritische Fragen hat sie schnell die passende Antwort parat. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/tabak-lobbyistin-mit-charme-und-zweifelhaften-argumenten-1.898677 | Tabak-Lobbyistin - Mit Charme und zweifelhaften Argumenten | 00/05/2010 |
Die Tickets sind zwar unschlagbar günstig. Aber wie viel ist das wert, wenn das Sandwich fünf Euro kostet und sich im Kleingedruckten unzulässige Klauseln finden? Billigflieger halten nicht immer das, was sie in der Werbung versprechen. Detailansicht öffnen Bei Sonnenschein ist es ja kein Problem, wenn man zu Fuß zum Flieger muss. Aber wenn's richtig regnet? (Foto: Foto: dap) Dies zumindest hat die Stiftung Warentest in Berlin herausgefunden. Sie verglich Preise und Leistungen von 15 Fluggesellschaften auf sechs Strecken und kam zu dem Ergebnis: Superpreise, wie sie in der Werbung auftauchen, gibt es nur ganz selten. Dennoch hängen Billiganbieter etablierte Fluggesellschaften beim Preis ab. Tickets der irischen Ryanair und der britischen Easyjet kosten der Stiftung zufolge im Durchschnitt 109 (Ryanair) und 112 Euro (Easyjet). Für Preisniveau und Verfügbarkeit erhielten diese Anbieter von den Testern die Note "sehr gut". Bei den nationalen Fluggesellschaften bot sich den Testern ein uneinheitliches Bild. "Die Höchstpreise sind mit 900 bis 1600 Euro aber geradezu aberwitzig, wenn man bedenkt, dass dafür kaum mehr als bei den Billigfliegern geboten wird", berichtet die Stiftung in der Februar-Ausgabe ihrer Zeitschrift test weiter. Ryanairs Service am schlechtesten Allerdings müsse, wer richtig billig fliegen will, deutliche Abstriche beim Service machen. Besonders auffällig sei dies bei Ryanair. Die Tester bemängeln etwa, dass bei der irischen Fluggesellschaft die Passagiere auch bei Regen meist zu Fuß zum Flugzeug laufen müssen und der Sitzkomfort zu wünschen übrig lässt. Dem Service an Bord der Ryanair geben sie sogar die Note "mangelhaft". Wer etwa essen und trinken wolle, müsse zu viel dafür bezahlen, da ein Sandwich fünf und ein Bier vier Euro koste. | Die Tickets sind zwar unschlagbar günstig. Aber wie viel ist das wert, wenn das Sandwich fünf Euro kostet und sich im Kleingedruckten unzulässige Klauseln finden? | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/stiftung-warentest-billigflieger-sind-nicht-immer-billig-1.900442 | Stiftung Warentest - Billigflieger sind nicht immer billig | 00/05/2010 |
Während der Vorstand der Bundesbank noch über die Zukunft Ernst Weltekes berät, wird in den Medien bereits über einen Nachfolger des Bundesbank-Präsidenten spekuliert. Als Favorit gilt offenbar Finanzstaatssekretär Caio Koch-Weser. Der Vorstand der Deutschen Bundesbank kam am Mittwoch zusammen, um über die Zukunft seines Präsidenten Ernst Welteke zu entscheiden. Das Gremium prüft die Vorwürfe gegen Welteke in der Hotelkostenaffäre. Unterdessen wird bereits über eine mögliche Nachfolge Weltekes spekuliert. Als ein Favorit gilt laut Medienberichten Finanzstaatssekretär Caio Koch-Weser. Der parteilose, aber SPD-nahe Politiker war bereits 2000 Kandidat für den Chefposten des Internationalen Währungsfonds. Er scheiterte aber am Widerstand der Amerikaner. Auch Wirtschaftsstaatssekretär Alfred Tacke werden Chancen eingeräumt, wie das Handelsblatt berichtete. Bundesbank-Vizepräsident Jürgen Stark käme ebenfalls in Frage. Er steht politisch allerdings der Union nahe. Dementi Unterdessen dementierte eine Bundesbank-Sprecherin einen Bericht der Bild-Zeitung, wonach Welteke einmal nach einem Besuch des Wiener Opernballs mehrere Tage Urlaub auf Kosten eines österreichischen Kreditinstituts gemacht haben soll. Welteke sei von der Österreichischen Nationalbank zwar zum Opernball eingeladen worden. Er habe jedoch nicht auf deren Kosten anschließend Urlaub gemacht, sagte die Sprecherin. Welteke selbst hatte einen Rücktritt am Vortag erneut abgelehnt. "Ich sehe bisher keinen Grund zurückzutreten", sagte Welteke am Dienstagabend in den ARD-Tagesthemen. Er habe keinen Anlass, an der Unterstützung der Bundesregierung und des Bundesfinanzministers zu zweifeln. Er werde die Ergebnisse der Vorstandsüberprüfung, der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen und sicher auch die Medienberichterstattung "in den nächsten Tagen würdigen müssen - und muss mich dann fragen, ob ich das meiner Familie, mir persönlich, meinen Ehrenämtern, meinem sozialen Engagement, dem Amt und der Institution zumuten kann", sagte er. Kritik nimmt zu Unterdessen mehrte sich die Kritik an dem Verhalten Weltekes. Der Vorsitzende der SPD-Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen, Ottmar Schreiner, erinnerte in der Bild-Zeitung an die Regierungserklärung von Bundeskanzler Gerhard Schröder vor zwei Wochen, in der Schröder die Millioneneinkommen von Spitzenverdienern kritisiert hatte. "Es darf nicht sein, dass unten im Maschinenraum immer härter gearbeitet wird, und oben auf dem Sonnendeck fließt der Champagner immer reichlicher. Das gilt auch für Herrn Welteke", wurde Schreiner zitiert. Der mittelstandspolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Hubert Ulrich, sagte dem Blatt: "Gerhard Schröder hat völlig Recht, wenn er mehr Augenmaß bei den Spitzenverdienern fordert". Welteke sei "nicht mehr zu halten. Alles andere wäre gerade in dieser Zeit das völlig falsche Signal." Auch FDP-Wirtschaftsexperte Dirk Niebel sieht dem Bericht zufolge Schröder in der Pflicht: Der Kanzler müsse "dafür sorgen, dass Herr Welteke zurücktritt", wurde Niebel zitiert. | Während der Vorstand der Bundesbank noch über die Zukunft Ernst Weltekes berät, wird in den Medien bereits über einen Nachfolger des Bundesbank-Präsidenten spekuliert. Als Favorit gilt offenbar Finanzstaatssekretär Caio Koch-Weser. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/adlon-affaere-koch-weser-gilt-als-moeglicher-nachfolger-weltekes-1.903030 | Adlon-Affäre - Koch-Weser gilt als möglicher Nachfolger Weltekes | 00/05/2010 |
Die Zahl der Dax-Unternehmen, die sich der Veröffentlichung ihrer Vorstandsbezüge verweigern, ist auf ganze sieben zusammen geschrumpft. Mit jedem weiteren Transparenz-Verweigerer, der umschwenkt, geraten die restlichen stärker in die Defensive. Manchmal genügt schon das bloße Drohen mit Konsequenzen: Kaum hatte Bundesjustizministerin Brigitte Zypries im vergangenen Jahr ein Gesetz zur Veröffentlichung der Vorstandsgehälter angekündigt, gaben die ersten Unternehmen nach. Detailansicht öffnen Gegensätze bei der Commerzbank: Die Vorstandsbezüge werden kräftig erhöht. Zuvor wurden allerdings erst einmal die Betriebsrenten gesenkt. (Foto: Foto: dpa) Wiesen bis dahin nur neun der 30 Dax-Konzerne die Bezüge ihrer Vorstandsmitglieder einzeln aus, so sind es mittlerweile 23. Einige wollen damit zwar erst im kommenden Jahr beginnen, und ein paar beschränken sich auch darauf, das Gehalt des Vorstandschefs offen zu legen; trotzdem dürfte die Justizministerin zufrieden sein. Denn Zypries hatte von vornherein klar gemacht, dass sie die Transparenz nur im Notfall gesetzlich erzwingen will. Lieber wäre ihr, wenn die Konzerne die Gehälter freiwillig veröffentlichten. Quote erreicht Zwei Drittel der Dax-Unternehmen sollten es mindestens sein, damit sie von ihrem Gesetzesvorhaben Abstand nimmt. Diese Quote ist jetzt erreicht, sogar übertroffen. Die Zahl der Transparenz-Verweigerer ist auf ganze sieben zusammengeschrumpft: die Münchener Rück, Linde, Henkel, Fresenius Medical Care, DaimlerChrysler, BMW und BASF. Und mit jedem weiteren, der umschwenkt, geraten die restlichen stärker in die Defensive. Dabei gibt es durchaus Argumente, die gegen eine Pflicht zur vollständigen Transparenz sprechen. Da sind zunächst mal die Bedenken aus Gründen des Datenschutzes. Allzu leichtfertig werden sie häufig abgetan. Als der Bundestag 1994 die Pflichtangaben von Unternehmen konkretisierte, fügte er eine Vorschrift ein, die in der gegenwärtigen Diskussion komplett untergeht: Zwar müssen grundsätzlich die Bezüge des Vorstands insgesamt veröffentlicht werden; dies kann jedoch unterbleiben, wenn sich dadurch das Gehalt eines einzelnen Vorstandsmitglieds feststellen lässt - nachzulesen in Paragraph 286 des Handelsgesetzbuches. Datenschutz Das ist zum Beispiel der Fall, wenn der Vorstand nur aus einer Person besteht oder wenn die Relationen der Gehälter bekannt sind. Der Gesetzgeber hielt diese Ausnahmeregelung für erforderlich, um dem Datenschutz zu genügen; das ergibt sich aus dem damaligen Bericht des Rechtsausschusses. Wer heute dagegen solche Bedenken vorträgt, wird belächelt - wie Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber, der sich lange gegen die Transparenz gewehrt, schließlich aber doch nachgegeben hat. Das Recht auf informationelle Selbstbestimmung, um das es hier geht, wurde 1983 vom Bundesverfassungsgericht im Volkszählungsurteil in den Vordergrund gerückt. | Die Zahl der Dax-Unternehmen, die sich der Veröffentlichung ihrer Vorstandsbezüge verweigern, ist auf ganze sieben zusammen geschrumpft. Mit jedem weiteren Transparenz-Verweigerer, der umschwenkt, geraten die restlichen stärker in die Defensive. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/vorstandsgehaelter-die-hartnaeckigen-sieben-1.906130 | Vorstandsgehälter - Die hartnäckigen Sieben | 00/05/2010 |
Bei Europas größtem Autobauer ist am Dienstag im Stammwerk Wolfsburg der 100-millionste Volkswagen vom Band gelaufen. Das Jubiläumsauto war ein Touran, wie VW in Wolfsburg mitteilte. VW legte die Produktionszahlen nach dem Krieg seit 1945 zu Grunde. Meistverkauftes Modell in der VW- Geschichte ist der Golf. Detailansicht öffnen Konzernchef Bernd Pischetsrieder mit dem Jubiläumsfahrzeug. (Foto: Foto: Reuters) VW-Chef Bernd Pischetsrieder übergab das Jubiläumsfahrzeug in Berlin als Spende an die Frau von Bundespräsident Horst Köhler, Eva Köhler. Sie ist Schirmherrin der Allianz Chronischer Seltener Erkrankungen. Pischetsrieder sagte, VW wolle damit sein soziales Engagement unterstreichen. Der VW-Chef bezeichnete das Produktionsjubiläum als "großen Tag" für die Marke Volkswagen und den gesamten Konzern. Volkswagen habe eine "Schallmauer durchbrochen". Mit rund 23 Millionen Autos ist der Golf das meistverkaufte VW- Modell. Dahinter folgen nach Unternehmensangaben Käfer (21,5 Millionen), Passat (13 Millionen) und Polo (neun Millionen). 133.000 Mitarbeiter 2004 lieferte die Marke Volkswagen als Hauptmarke des Konzerns weltweit rund 3 Millionen Fahrzeuge aus. Die Marke beschäftigt derzeit rund 133.000 Menschen. Nach VW-Angaben rollte das Jubiläumsauto am Dienstag in den Morgenstunden im Werk Wolfsburg vom Band. Der Wagen wurde danach nach Berlin transportiert und Frau Köhler übergeben. VW rechnete für das Jubiläum von Beginn der Serienproduktion Ende 1945. Damals hätten auf Geheiß der Briten die ersten Käfer die Werkshallen in Wolfsburg verlassen, hieß es. Vor dem Krieg noch keine Serienproduktion Vor dem Krieg waren nach den Worten einer VW-Sprecherin nur wenige Autos für den zivilen Gebrauch gebaut worden. Von einer Serienproduktion könne man daher nicht sprechen. Während des Krieges fertigte VW für das Militär. Die Produktion im Werk Wolfsburg war zwar am Montag wegen des technischen Defekts einer wichtigen Presse weitgehend zum Stillstand gekommen. Davon betroffen war aber nicht die Touran-Produktion. Die Produktion von Golf und Golf Plus sollte am Dienstagmittag wieder aufgenommen werden. Schwierige Zeiten VW feiert das Produktionsjubiläum in einer für den Konzern schwierigen Zeit. 2004 war der Gewinn erneut eingebrochen. Die Kernmarke Volkswagen rutschte in die roten Zahlen. Massive Absatzprobleme hat VW derzeit vor allem in den USA und China. Vor allem wegen des Milliarden-Sparprogramms "ForMotion" erwartet VW 2005 aber ein besseres Ergebnis als im Vorjahr. | Bei Europas größtem Autobauer ist am Dienstag im Stammwerk Wolfsburg der 100-millionste Volkswagen vom Band gelaufen. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/jubilaeum-bei-volkswagen-100-millionen-autos-gebaut-1.905123 | Jubiläum bei Volkswagen - 100 Millionen Autos gebaut | 00/05/2010 |
Ein Großaufgebot aus rund 200 Polizeibeamten, Steuerfahndern und Staatsanwälten hat am Mittwoch über 30 Siemens-Bürohäuser und Wohnungen teils ranghoher Siemens-Mitarbeiter durchsucht. Es geht offenbar um Bestechung im "großen Stil". ,,Es besteht der Verdacht, dass Angestellte des Konzerns Gelder veruntreut haben'', sagte Oberstaatsanwalt Anton Winkler in München. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung gehen die Behörden dem Verdacht nach, dass Mitarbeiter hohe Summen als Bestechungsgelder gezahlt haben, unter anderem an Kunden in Osteuropa. Auch ranghohe Mitarbeiter sollen in die Affäre verstrickt sein. Für die vermuteten Schmiergeldzahlungen sollen sogenannte Schwarze Kassen im Ausland gebildet worden sein, und zwar in der Schweiz und möglicherweise auch in Liechtenstein. Auf den betreffenden Konten seien von Personen und Firmen, die Siemens nahe stünden, Millionenbeträge verwaltet worden; insgesamt offenbar mehr als zehn Millionen Euro. Über solche Schwarze Kassen seien dann, so die Vermutung, Schmiergelder ausgezahlt worden. Mindestens eine Festnahme Es gehe offenbar um ,,Bestechung im großen Stil'', heißt es aus dem Unternehmen. Nach weiteren Angaben aus dem Unternehmen nahmen die Ermittler mindestens einen Verdächtigen fest. Insgesamt werden sechs Mitarbeiter beschuldigt. Bei der Aktion wurden den ganzen Dienstag über 30 Bürohäuser und Privatwohnungen von Siemens-Beschäftigten an mehreren Standorten durchsucht, darunter München und Erlangen. Unterlagen seien sichergestellt worden. Weitere Affäre Weitere Aktionen könnten an diesem Donnerstag folgen, hieß es. Damit bringt den Konzern nach der umstrittenen Gehaltserhöhung für Vorstände und der Pleite seiner ehemaligen Handytochter BenQ Mobile eine weitere Affäre in Bedrängnis. | Ein Großaufgebot aus rund 200 Polizeibeamten, Steuerfahndern und Staatsanwälten hat am Mittwoch über 30 Siemens-Bürohäuser und Wohnungen teils ranghoher Siemens-Mitarbeiter durchsucht. Es geht offenbar um Bestechung im "großen Stil". | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/bakschischzahlungen-grossrazzia-bei-siemens-1.906027 | Bakschischzahlungen - Großrazzia bei Siemens | 00/05/2010 |
Die Frankfurter Staatsanwaltschaft hat eine Ermittlungsverfahren gegen den Bundesbankpräsidenten Ernst Welteke eingeleitet. Der schließt seinen Rücktritt inzwischen nicht mehr aus. Bundesbankpräsident Ernst Welteke gerät wegen seines zunächst von der Dresdner Bank bezahlten Aufenthalts in einem Berliner Luxushotel mehr und mehr in Bedrängnis. Detailansicht öffnen Das Luxushotel Adlon, in dem Bundesbankpräsident Welteke zum Jahreswechsel 2001/02 vier Tage mit seiner Familie auf Kosten der Dresdner Bank verbrachte. (Foto: Foto: dpa) Am Dienstag wurde sein Rücktritt erwartet, weil er den Rückhalt in der Bundesregierung verloren hat. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft leitete ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Vorteilsannahme ein. Welteke selbst schloss die Aufgabe seines Amtes nicht mehr aus. Über seinen Verbleib entscheidet formell der Bundesbankvorstand, der am Dienstag mit der Untersuchung der Hotel-Affäre begann. Welteke wird vorgeworfen, dass er sich und seiner Familie den Aufenthalt im Berliner Adlon-Hotel bei der Euro-Einführung Anfang 2002 von der Dresdner Bank hat bezahlen lassen. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft teilte mit, dass sie deswegen ein Ermittlungsverfahren gegen Welteke und Vertreter der Dresdner Bank eingeleitet habe. Zunächst keine Bereitschaft zur Zahlung Welteke hatte zunächst keine Bereitschaft gezeigt, die Hotelrechnung über 7661 Euro zu begleichen. Erst nach massiver öffentlicher Kritik räumte er am Montag "Missverständnisse" ein. Die Rechnung wurde dann nachträglich teils von der Bundesbank und teils von ihm privat beglichen. Am Dienstag schob Welteke eine weitere Erklärung nach, in der er den Eindruck "zutiefst bedauert, er würde den hohen Maßstäben nicht selbst Rechnung tragen, denen die Deutsche Bundesbank verpflichtet ist". Er habe den Bundesbankvorstand gebeten, die gegen ihn erhobenen Vorwürfe vorbehaltlos und ohne Ansehen seiner Person zu prüfen. Auch die neuerliche Erklärung wurde, wie schon die Stellungnahme von Montag, in Berliner Koalitionskreisen massiv kritisiert. Welteke wurde vorgeworfen, dass er nach und nach sein Fehlverhalten einräume: "Dies ist ein Krisenmanagement, wie es schlechter nicht sein kann." Um Schaden von der Bundesbank abzuwenden, müsse der Fall schnellstens aufgeklärt werden. Selbstkontrolle Die Bank ist von Weisungen der Regierung unabhängig und unterliegt bezüglich der Abberufung von Vorstandsmitgliedern nur der Selbstkontrolle durch den eigenen, achtköpfigen Vorstand. Dieser hat am Dienstag in Frankfurt mit und ohne Welteke getagt, ist aber noch nicht zu einem abschließenden Ergebnis gekommen. Während Welteke mit einer Entscheidung zögert, werden die Rufe nach seinem Rücktritt zahlreicher. Auch im Haus der Bundesbank wurde mit Besorgnis wahrgenommen, dass die gesamte Regierung sowie SPD-Parteifreunde auf Distanz gegangen sind. In Berlin hat bereits die Suche nach einem Nachfolger begonnen, die sich aber schwierig gestaltet. Der stellvertretende Bundesbank-Chef Jürgen Stark genießt wenig Sympathie, weil er über ein CDU-Parteibuch verfügt. Als "totaler Quatsch" wurde im Finanzministerium bezeichnet, dass Ressortchef Hans Eichel (SPD) nach Frankfurt wechseln könnte. "Darin liegt der eigentliche Skandal" Nach Ansicht des Bremer Wirtschaftswissenschaftlers Rudolf Hickel wäre ein Rücktritt von Welteke "die beste Lösung". Der Bundesbankpräsident habe durch seine Vorteilsannahme die Unabhängigkeit der Bundesbank als Organ der Europäischen Zentralbank (EZB) erschüttert. "Darin liegt der eigentliche Skandal", fügte der Professor hinzu. Die EZB selbst wollte nicht dazu Stellung nehmen, ob Welteke gegen den Verhaltenskodex für die Mitglieder des EZB-Rates verstoßen hat. Sie verwies auf den Vorstand der Bundesbank, der sich mit dem Fall beschäftige. Im Verhaltenskodex der EZB heißt es, Vergünstigungen, Vergütungen oder Geschenke seien mit dem Prinzip der Unabhängigkeit der Ratsmitglieder unvereinbar. Auch CSU-Generalsekretär Markus Söder forderte die Entlassung Weltekes. Der Bundesbank-Chef lege die Dreistigkeit an den Tag, sich "die Hälfte seines Luxusurlaubs von der Bundesbank bezahlen zu lassen". | Die Frankfurter Staatsanwaltschaft hat eine Ermittlungsverfahren gegen den Bundesbankpräsidenten Ernst Welteke eingeleitet. Der schließt seinen Rücktritt inzwischen nicht mehr aus. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/staatsanwalt-ermittelt-praesident-der-bundesbank-vor-dem-ruecktritt-1.900744 | Staatsanwalt ermittelt - Präsident der Bundesbank vor dem Rücktritt | 00/05/2010 |
Volkswagen legt seine Quartalszahlen erstmals nach den verschiedenen Konzernmarken aufgegliedert vor. Wichtigste Erkenntnis: Die Kernmarke VW hat die Verlustzone wieder verlassen. Die lange Zeit schwächelnde Marke Volkswagen hat im ersten Quartal 2007 die Verlustzone verlassen und einen operativen Gewinn von 386 Millionen Euro eingefahren. Dies sei im Wesentlichen auf die "Restrukturierungen" im vergangenen Jahr zurückzuführen, sagte Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch zur Vorlage der detaillierten Zahlen für das erste Quartal am Mittwoch in Wolfsburg. Der VW-Konzern erwartet nach einem kräftigen Gewinnsprung im ersten Quartal in diesem Jahr erneut deutliche Zuwächse. Die Kernmarke VW hatte im Vorjahresquartal noch einen operativen Verlust von 49 Millionen Euro hinnehmen müssen. Zur Sanierung der ertragsschwachen Traditionsmarke hatte Volkswagen unter Ex-Konzernchef Bernd Pischetsrieder und VW-Markenvorstand Wolfgang Bernhard Tausende Stellen abgebaut und die Arbeitszeit in den westdeutschen VW-Werken deutlich erhöht. Winterkorn erntet Sanierungserfolg Den Erfolg der mit der IG Metall schwer errungenen Sanierung erntet nach dem Führungswechsel jetzt der neue VW-Chef Martin Winterkorn. Im ersten Quartal erhöhte die Marke ihren Auslieferungen um 6,8 Prozent auf 850.193 Autos und der Umsatz stieg um 5,2 Prozent auf 18 Milliarden Euro. Pötsch sagte: "Die großen Fortschritte bei der Verbesserung unserer Wettbewerbsfähigkeit schlagen sich positiv in unserem Ergebnis nieder. Jede Marke hat zu diesem Erfolg beigetragen." Audi legte beim operativen Ergebnis um 56 Millionen Euro auf 401 Millionen Euro zu. Bei Skoda stieg das Ergebnis um 29 auf 172 Millionen Euro. Die tschechische Tochter erzielte bei den Verkäufen den höchsten Zuwachs mit einem Plus von 15,5 Prozent auf knapp 150.000 Autos. Seat weiterhin defizitär Die defizitäre spanische Tochter Seat verzeichnet weiterhin rote Zahlen, hat die Verluste mit 11 Millionen Euro (32 Mio.) aber reduziert. Bei relativ geringen Stückzahlen verzeichneten auch die Nobel- und Luxusmarken Bentley, Lamborghini und Bugatti gute Zuwächse. Bei VW Nutzfahrzeuge stieg das Ergebnis von 51 auf 66 Millionen Euro. Die Kernzahlen für das erste Quartal - ohne Einzelergebnisse - hatte VW bereits zur Hauptversammlung vor zwei Wochen vorgelegt. Weltweit 1,5 Millionen Autos verkauft Der Konzern verkaufte weltweit 1,5 Millionen Autos, ein Plus von 7,9 Prozent. Das Operative Ergebnis lag mit 1,1 Milliarden deutlich über dem Vorjahr. Beim Umsatz legte VW in den ersten drei Monaten um 5,1 Prozent auf 26,6 Milliarden Euro zu. Unterm Strich verdiente VW mit 740 Millionen Euro mehr als doppelt so viel wie ein Jahr zuvor mit 327 Millionen Euro. | Volkswagen legt seine Quartalszahlen erstmals nach den verschiedenen Konzernmarken aufgegliedert vor. Wichtigste Erkenntnis: Die Kernmarke VW hat die Verlustzone wieder verlassen. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/volkwagen-quartalszahlen-das-flaggschiff-duempelt-nicht-mehr-hinterher-1.917787 | Volkwagen-Quartalszahlen - Das Flaggschiff dümpelt nicht mehr hinterher | 00/05/2010 |
Monat für Monat schockt die Bundesagentur für Arbeit mit neuen Horror-Meldungen vom Arbeitsmarkt. Vor allem junge Leute ohne Ausbildung und ältere Menschen stehen auf der Straße. Die Riesenmenge von 5,2 Millionen Jobsuchenden erschreckt, doch die große Zahl allein sagt noch wenig aus. Die Arbeitslosigkeit hat erstens viele Gesichter, denn sie setzt sich aus unterschiedlichen Gruppen zusammen. Detailansicht öffnen Die wahre Arbeitslosigkeit beträgt letztlich sogar sechs oder sieben statt fünf Millionen. (Foto: Foto: ddp) Zweitens hat der aktuelle Anstieg nicht nur mit der Wirtschaftskrise zu tun, sondern auch mit den nicht beeinflussbaren jahreszeitlichen Einflüssen. Und drittens macht es einen großen Unterschied, welche Menschen überhaupt statistisch erfasst werden. Vor allem Menschen ohne Ausbildung finden keinen Job. 37 Prozent der Arbeitslosen haben keine Lehre und kein Studium gemacht, so die Bundesagentur für Arbeit (BA) - das ist merklich mehr als ihr Anteil an der erwerbsfähigen Bevölkerung. Besonders ausgeprägt ist dieses Phänomen in Westdeutschland, wo 45 Prozent der Arbeitslosen keine Ausbildung haben. Unter Akademikern nimmt die Arbeitslosigkeit zwar tendenziell zu, sie ist aber unterdurchschnittlich. Fast ein Viertel der Jobsuchenden ist 50 Jahre und älter. Das ist bedrückend, und ihre Zahl hat im Vorjahresvergleich auch etwas stärker zugenommen als die der Arbeitslosen insgesamt. Aber: Der Anteil der Älteren an den Arbeitslosen liegt leicht unter ihrem Anteil an der Bevölkerung zwischen 15 und 65 Jahren. Dramatischer ist die Situation bei den Jugendlichen. 13 Prozent der Jobsuchenden ist jünger als 25 Jahre. Das ist zwar etwas weniger, als es ihrem Bevölkerungsanteil entspricht; aber bei ihnen war in diesem Februar der Anstieg besonders heftig - mehr als ein Viertel im Vergleich zum Vorjahr. Und: Wer als junger Mensch nicht in Arbeit kommt, bei dem besteht die Gefahr, dass dies auch künftige Chancen mindert. In den neuen Bundesländern ist die Arbeitslosenquote, gemessen an allen Erwerbspersonen, mit 20,7 Prozent fast doppelt so hoch wie im Westen mit 10,4 Prozent. Die höchste Quote hat Mecklenburg-Vorpommern mit 24 Prozent, die niedrigste Baden-Württemberg mit sieben. Der stärkste Anstieg im Vorjahresvergleich war zwar in Bremen und im Saarland zu verzeichnen, zwischen Stralsund und Chemnitz nahm die Arbeitslosigkeit nicht einmal halb so stark zu wie im Westen. Aber dies liegt, so die Experten der BA, schlicht an der anhaltenden Abwanderung von Arbeitskräften aus den östlichen Bundesländern. Außergewöhnlich kalt und schneereich Erschreckend ist die Menge der Menschen, die schon ein Jahr und mehr vergeblich auf eine Stelle hoffen: 35 Prozent machen sie aus. Hier steht Deutschland auch im internationalen Vergleich nicht gut da. Immerhin: Die Zahl der Langzeitarbeitslosen stieg gegenüber Februar 2004 mit 9,9 Prozent etwas weniger stark als die Arbeitslosigkeit insgesamt (plus 12,4 Prozent). Für den heftigen Anstieg im Februar ist zu einem kleinen Teil der Winter verantwortlich: Vom Wetter abhängige Tätigkeiten zum Beispiel von Bauarbeitern werden eingeschränkt. Rechnet man die langjährigen saisonalen Erfahrungswerte ein, verringerte sich das Plus an Arbeitslosen gegenüber dem Januar aber nur um 160.00 auf 161.000. Weil der Februar jedoch außergewöhnlich kalt und schneereich war, ist nach Auffassung der BA der Anstieg noch um einige Zehntausend überzeichnet. Man kann, Wunder der Statistik, auch alles ganz anders rechnen. So sähe der Anstieg der Arbeitslosigkeit viel geringer aus, würden nicht auch die erwerbsfähigen bisherigen Sozialhilfeempfänger einbezogen. Seit Anfang des Jahres sieht das Gesetz dies aber so vor. Wegen dieser neuen Ehrlichkeit schnellte im Januar die Zahl der Arbeitslosen erstmals über fünf Millionen. Hartz-IV-Fälle fehlen in der Statistik Im Februar kam es nun erneut zu einem Anstieg um 86.000 Personen, die zuvor Sozialhilfe bezogen hatten. Auch von den 40.000 Arbeitslosmeldungen von Menschen, die zuvor nicht erwerbstätig waren, dürften viele mit der Hartz-IV-Reform zusammenhängen. Denn nun melden sich notgedrungen auch Angehörige von Beziehern des niedrigeren neuen Arbeitslosengeldes II zur Jobsuche. Auf der anderen Seite fehlen noch geschätzte 76.000 Hartz-IV-Fälle in der Statistik, weil laut BA die Kommunen die Daten nicht geliefert haben. Einige arbeitsmarktpolitische Mittel entlasten die Statistik. Sie sind teilweise sinnvoll - schönen aber zugleich die Zahlen. Weil es heute 322.000 Minijobber mehr gibt als vor einem Jahr, ist trotz gestiegener Arbeitslosigkeit auch die Zahl der Erwerbstätigen gestiegen. Die viel wichtigere reguläre Beschäftigung aber ist weiter zurückgegangen. Auch die neuen Mini-Existenzgründer fallen dank Förderung durch die BA aus der Statistik heraus - wie nachhaltig der Erfolg der derzeit 220.000 Ich-AG's sein wird, weiß noch niemand. Entlastet ist die Statistik schließlich durch Zehntausende neuer Ein-Euro-Jobber. All diese Menschen werden nicht in der Arbeitslosenzahl erfasst. Andere melden sich gar nicht erst - auch wegen der strengen Bedürftigkeitsprüfung beim Arbeitslosengeld II. Deshalb beträgt die wahre Arbeitslosigkeit im Land letztlich sogar sechs oder sieben statt fünf Millionen. | Monat für Monat schockt die Bundesagentur für Arbeit mit neuen Horror-Meldungen vom Arbeitsmarkt. Vor allem junge Leute ohne Ausbildung und ältere Menschen stehen auf der Straße. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/5-2-millionen-ohne-job-das-gesicht-der-arbeitslosigkeit-1.905982 | 5,2 Millionen ohne Job - Das Gesicht der Arbeitslosigkeit | 00/05/2010 |
Die Deutsche Bank hat im dritten Quartal 2003 einen Gewinn von 755 Millionen Euro vor Steuern eingefahren. Im Vorjahreszeitraum hatte Deutschlands größtes Geldinstitut dagegen noch einen Verlust von 181 Millionen Euro verbuchen müssen. Wie das Unternehmen in Frankfurt am Main weiter berichtete, wurde nach Steuern ein Gewinn von 576 Millionen Euro erzielt - nach einem Verlust von 299 Millionen Euro im Vorjahresquartal. "Solides Ergebnis" Die Gesamterträge sanken den Angaben zufolge um 6 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal auf 5,2 Milliarden Euro. Dies sei auf den starken Euro und den Verkauf von Geschäftsfeldern zurückzuführen, begründete die Bank diese Entwicklung. Deutsche-Bank-Vorstandschef Josef Ackermann sprach von einem "soliden Ergebnis" im dritten Quartal. "Auch haben wir uns im bisherigen Jahresverlauf gut behauptet." Gewinnmitnahmen An der Börse musste die Aktie des Instituts zunächst Federn lassen. Zum Handelsauftakt verlor das Papier mehr als zwei Prozent. Damit war die Bank zunächst einer der größten Verlierer im Deutschen Aktienindex (DAX). Analysten verwiesen auf Gewinnmitnahmen und ein relativ niedriges Handelsergebnis. Dieses lag mit 940 Millionen Euro zwar vier Prozent über dem Vorjahresquartal, aber um fast 40 Prozent unter dem zweiten Quartal des laufenden Jahres. Besser, als die Konkurrenz Beim Überschuss lag die Deutsche Bank leicht über dem zweiten Quartal, als das Institut einen Nettogewinn von von 572 Millionen Euro ausgewiesen hatte. Im Vorjahresquartal hatte das Unternehmen noch einen Verlust von 299 Millionen Euro geschrieben. Von der AFP-Finanztochter AFX befragte Analysten hatten im Schnitt mit einem Überschuss von 464 Millionen Euro gerechnet. Die Deutsche Bank liegt damit deutlich vor der deutschen Konkurrenz. Die HypoVereinsbank hatte am Mittwoch einen Überschuss von 196 Millionen Euro vermeldet. Optimistisch für die Zukunft Schon auf dem Höhepunkt der Bankenkrise im vergangenen Jahr hatte die Deutsche Bank sich verhältnismäßig gut behauptet und konnte zum Jahresende einen Gewinn ausweisen, während die Konkurrenz ausnahmslos in die Verlustzone rutschte. Allerdings profitierte das Institut dabei vom Verkauf zahlreicher Industrie- und Firmenbeteiligungen. Bei den Gesamterträgen verlor die Bank an Boden. Sie sanken zum Vorjahreszeitraum um 5,5 Prozent auf 5,2 Milliarden Euro. Die Bank machte dafür den schwachen US-Dollar verantwortlich sowie die Trennung von Geschäftsfeldern. "Im Hinblick auf die verbesserte Weltwirtschaftslage sind meine Kollegen und ich optimistisch, dass wir für das gesamte Geschäftsjahr 2003 ein für unsere Aktionäre sehr zufriedenstellendes Ergebnis erzielen werden." | Die Deutsche Bank hat im dritten Quartal 2003 einen Gewinn von 755 Millionen Euro vor Steuern eingefahren. Im Vorjahreszeitraum hatte Deutschlands größtes Geldinstitut dagegen noch einen Verlust von 181 Millionen Euro verbuchen müssen. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/deutsche-bank-satter-gewinn-1.906250 | Deutsche Bank - Satter Gewinn | 00/05/2010 |
Erst im Sommer soll das iPhone zunächst in US-Läden stehen. Im Internet wird schon jetzt versucht, mit der Apple-Hoffnung Geschäfte zu machen. Für Apple ist es Zukunftshoffnung, manchem Technikexperten gilt es als Revolution am Handysektor und Apple-Fans haben ein neues Kultobjekt: das iPhone. Das Wunderding ist offiziell noch gar nicht da - aber schon längst angekommen. Etwa im Online-Auktionshaus Ebay, wo eine Suche im internationalen Angebot mit dem Begriff iPhone 170 Treffer erbrachte - für ein Produkt, das es offiziell noch gar nicht gibt. Detailansicht öffnen Auf Ebay können Apple-Fans ein 1:1-Modell des iPhone kaufen - aus Papier und Pappe. (Foto: Screenshot ebay.com) Da finden sich T-Shirts mit iPhone-Liebeserklärungen und zahllose E-Mail-Adressen, die das Wort iPhone beinhalten. Den großen Reibach dürften die Verkäufer aber nicht machen: Für Adressen wie My-iPhone-Store@hotmail.com mochten Käufer noch nicht einmal 99 US-Cent bezahlen. Domainverkauf - "But did you ship to Portugal?" Mehr Profit dürften da schon die Anbieter von Domains machen. Internet-Adressen mit dem Namen iPhone sind begehrt, auch wenn offenbar nicht alle wissen, worauf sie eigentlich bieten. So fand sich unter der Auktion für die Adresse iphone-music.com folgender verunsicherter Nutzerkommentar in etwas holprigem Englisch: "I offer a bid of $150,00. But did you ship to Portugal? I will pay the shipment?" Auch ein zweiter Interessent fragte: "Does the cellular phone be used in peru?" Das Wort iPhone und ein Produktfoto scheinen schon jetzt weltweit eine magische Anziehungskraft zu besitzen, egal, welche Ware denn tatsächlich verkauft wird. Doch Unachtsamkeit könnte ihren Preis haben, lag doch beispielsweise der Startpreis für die Domain iPhone-Planet.com bei stolzen 1000 US-Dollar. Marktplatz für fragwürdige Angebote Allerdings können neben den virtuellen iPhone-Geschäften auf Ebay auch Geschäfte über reale Telefone abgeschlossen werden. Neben Angeboten für das "echte" iPhone, das die Firma Infogear bereits Mitte der 1990er auf den Markt brachte, häuften sich in den letzten Januar-Tagen auch Angebote, die offenbar das iPhone von Apple zum Gegenstand hatten. Die Seriösität dieser Angebote darf aber bezweifelt werden. Interessenten wurden gebeten, vor dem Bieten per E-Mail mit dem Anbieter in Kontakt zu treten. Das Angebot, das sueddeutsche.de auf Anfrage zugesandt bekam, enthielt einen Fixpreis von 200 Euro inklusive Versandkosten und Versicherung. Der offizielle Preis, den Steve Jobs für ein 8 GB-iPhone in Verbindung mit einer Zweijahres-Bindung beim US-Mobilfunkbetreiber Cingular vorstellte, lag hingegen bei 599 US-Dollar. Offenbar fiel die Problematik dieses Angebots auch bei Ebay auf - sämtliche Angebote dieser Art wurden noch vor Ablauf der Auktion wieder aus dem Netz genommen. Lesen Sie weiter auf Seite 2: Vom iPhone-Klingelton im Netz und Schwierigkeiten bei der Patentanmeldung | Erst im Sommer soll das iPhone zunächst in US-Läden stehen. Im Internet wird schon jetzt versucht, mit der Apple-Hoffnung Geschäfte zu machen. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/das-iphone-sonderbare-geschaefte-1.904521 | Das iPhone - Sonderbare Geschäfte | 00/05/2010 |
Die Firma US-Landbanking wirbt bei Galopprennen oder dem UEFA-Cup um Anleger, verspricht eine Verdopplung des Kapitals und kassiert Millionen. Das Problem dabei: Der Firmenchef Ulrich Engler wird per Haftbefehl gesucht. Wer beim Internationalen Galopprennen Baden-Baden das Frühjahrsmeeting besuchte, erlebte vergangenen Donnerstag in Iffezheim eine ungewöhnliche Premiere: Erstmals fand der "US-Landbanking-Cup" statt. Die Firma US-Land Banking, die Anlagegeschäfte mit Bauerwartungsland in den Vereinigten Staaten anbietet, ist derzeit auf vielen Plätzen und Sälen in Deutschland als Sponsor präsent. Bei der Handball-Champions-League, in der Deutschen Eishockey-Nachwuchsliga und auch beim Neckar-Musikfestival 2007. Detailansicht öffnen Allein beim Internationalen Rennen in Galopprennen in Baden-Baden letzte Woche soll Ulrich Engler einen zweistelligen Millionenbetrag eingenommen haben. (Foto: Foto: AP) Das Problem dabei: Hinter US-Land Banking steht der deutsche Geschäftsmann Ulrich Engler, und der wird nach Angaben des Deutschen Instituts für Anlegerschutz (Dias) per Haftbefehl in Deutschland gesucht. Es soll dabei um Betrug gehen. Der 45-Jährige, der sich womöglich in den USA aufhält, ist hierzulande zuletzt nicht persönlich aufgetreten - er wird wissen, warum. Die Werbeslogans seiner Firma sind dagegen häufig zu sehen. Im Februar war bei einem Uefa-Pokalspiel von Bayer Leverkusen auf der Bande des Fußballfeldes zu lesen: "US-Land-Banking. Verdoppeln Sie Ihr Kapital in 4 Jahren. Grundbuchabgesichert!!!" Auch beim Day-Trading, beim Handel mit Aktien innerhalb eines Tages, verspricht Engler Traumgewinne: Bis zu vier Prozent sollen für Anleger drin sein - pro Monat und garantiert. Auf seiner Homepage weist er für 2007 sogar Monatsrenditen von mehr als zehn Prozent aus. Selbst im Februar 2007, als der amerikanische Leitindex Dow Jones mehr als drei Prozent verlor, will er mit seinen Spekulationen am amerikanischen Aktienmarkt ein Plus von 13,32 Prozent erwirtschaftet haben. Davon lassen sich offenbar derzeit viele Anleger in Deutschland beeindrucken. Allein während der Rennwoche in Iffezheim soll es Englers Vertriebstruppe gelungen sein, einen zweistelligen Millionenbetrag einzusammeln. Er selbst sprach Anfang des Jahres von bereits 4000 Kunden, die ihm umgerechnet mehr als 150 Millionen Dollar für seine Day-Trading-Geschäfte zur Verfügung gestellt hätten. Das klingt gut Englers bisheriger beruflicher Werdegang weckt allerdings nicht gerade Vertrauen. Der Geschäftsmann nennt sich "Investment-Banker des Jahres 2006" und sagt, er habe seine Karriere bei der Schweizer Bank UBS begonnen und danach 21 Jahre lang, zum Teil als Chefhändler für Derivate, bei der früheren Chase Manhattan Bank (jetzt JP Morgan Chase) gearbeitet. Das klingt gut, nur weiß die amerikanische Bank davon nichts: Bei dem Geldhaus heißt es, Engler habe nie für Chase Manhattan gearbeitet. Die Bank hat wegen der Behauptungen gegen ihn eine Klage eingereicht. Andere Ungereimtheiten kommen hinzu: Engler erklärt, seine Firma Private Commercial Office (PCO) habe mit Day-Trading-Geschäften 2003 eine Rendite von 76 Prozent erwirtschaftet. 2004 und 2005 seien es sogar 125 Prozent beziehungsweise 107 Prozent gewesen. Das passt aber nicht zusammen mit den offiziellen Meldeunterlagen der zuständigen Behörden in Florida, wo PCO eine Briefkastenanschrift angemietet hat. Demnach wird Englers Firma erst seit Oktober 2005 wieder als aktiv geführt. Der Grund: Von 2002 bis September 2005 hatte er weder einen Jahresbericht vorgelegt noch die erforderliche Jahresgebühr bezahlt. Merkwürdig ist auch ein anderes Detail: Im Februar sagte Engler der Süddeutschen Zeitung, seine Aktienhändler seien an der New Yorker Börse aktiv. Eine Adresse, wo sein Personal arbeitet, ist jedoch nicht zu finden. Englers Firma PCO besitzt auch keine Zulassung der Finanzbehörden in Florida, als Day-Trading-Firma zu arbeiten. Gefälschte Banklizenz Dafür verrät ein Urteil des Landgerichts Hamburg, in dem Engler als "gesondert verfolgter Mittäter" bezeichnet wird, eine Menge über seine bisherige Geschäftsaktivitäten. Demnach soll er in den Jahren 2003 bis 2005 mehrmals versucht haben, Geld von Anlegern einzuwerben. Engler und sein zu zwei Jahren Freiheitsstrafe verurteilter Kompagnon zeigten sich dabei sehr flexibel: Zunächst ging es um den angeblich lukrativen Vertrieb von öffentlichen Fernsprechern in den USA. Dann gab das Duo vor, eine "Offshore-Bank" zu gründen - die gefälschte Banklizenz war von dem "Minister of Finance" des Phantasiesstaates "Dominion of Melchizedek" unterzeichnet. Später versprachen die beiden hohe Renditen durch den Verkauf von Erotik-Seiten im Internet. Das Geld der Anleger verwendete das Duo dabei "für eigene Zwecke", wie es in dem Urteil heißt. Dias-Chef Volker Pietsch warnt deshalb gerade auf Sicherheit bedachte Investoren davor, sich von Engler ködern zu lassen und auf seine Angebote einzugehen. Bislang hätten sich noch keine Geschädigte gemeldet. Dies sage jedoch nichts über die Seriosität der Anlagegeschäfte aus. Ein gewisser "Richie" und sein System "Die von Engler angepriesene wundersame Geldvermehrung schließt den dringenden Verdacht eines Schneeballsystems nicht aus", sagt Pietsch. Das heißt: Das an Anleger ausgeschüttete Geld könnte von dem Kapital neu angeworbener Investoren stammen. Engler hat dies stets bestritten. Die Fragen der SZ zu seinem Werdegang ließ er unbeantwortet. In einem der Internet-Foren, in denen ausgiebig über sein Treiben diskutiert wird, meldete sich Anfang April aber ein gewisser "Richie" zu Wort und gab an, selbst Ulrich Engler zu sein. Dafür spricht, dass Engler sich selbst "Richie" nennt. Jener Richie jedenfalls teilte mit, er fliege über Ostern in den US-Bundesstaat Idaho in den Urlaub. Und weiter ließ er die Anleger wissen: "Während meiner Abwesenheit passt mein Hund auf Euer Geld auf." | Die Firma US-Landbanking wirbt bei Galopprennen oder dem UEFA-Cup um Anleger, verspricht eine Verdopplung des Kapitals und kassiert Millionen. Das Problem dabei: Der Firmenchef Ulrich Engler wird per Haftbefehl gesucht. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/dubiose-anlagegeschaefte-aufs-falsche-pferd-gesetzt-1.906435 | Dubiose Anlagegeschäfte - Aufs falsche Pferd gesetzt | 00/05/2010 |
Die Führungskrise bei VW geht in die nächste Runde. Im Frühjahr werden nach Informationen der SZ drei Mitglieder des Aufsichtsrates nicht mehr für eine weitere Amtszeit kandidieren. Darunter ist auch Gerhard Cromme, der Aufsichtsratschef von Thyssen-Krupp. Damit hat der oberste VW-Kontrolleur Ferdinand Piëch einen starken Widersacher weniger. Im Aufsichtsrat des VW-Konzerns werden im Frühjahr mindestens drei Plätze frei. Den Informationen zufolge werden bei der Hauptversammlung am 3. Mai 2006 Thyssen-Krupp-Chef Gerhard Cromme, Eon-Finanzvorstand Hans Michael Gaul und der Brite Lord David Simon of Highbury nicht wieder für einen Sitz in dem Kontrollgremium kandidieren. Die Verträge der drei Vertreter der Arbeitgeberseite laufen zu diesem Zeitpunkt aus. Bisher war unklar, ob sie sich wieder zur Wahl stellen werden. Die Entscheidung von Cromme, aus dem Gremium auszuscheiden, ist nach den Informationen erst am vergangenen Freitag nach der Aufsichtsratssitzung gefallen. In der Zusammenkunft war es zu einem Eklat gekommen. "Der hat getobt" Der Aufsichtsratsvorsitzende Ferdinand Piëch hatte überraschend und ohne das Thema auf die Tagesordnung zu setzen, einen neuen Personalvorstand für VW durchgesetzt und damit einige Vertreter der Kapitalseite brüskiert. Gemeinsam mit allen Arbeitnehmervertretern und den Kapitalvertretern Klaus Liesen und Michael Frenzel hatte er den bisherigen Audi-Personalvorstand, Horst Neumann, als Nachfolger für den langjährigen Personalmanager Peter Hartz durchgesetzt, der im Verlauf der VW-Spesen- und Schmiergeldaffäre zurückgetreten war. Von Cromme war nach der Sitzung am vergangenen Freitag zu hören, er sei durch diese Entscheidung aufgebracht gewesen. "Der hat getobt", berichtet ein VW-Vertreter. Auch die Aufsichtsratsmitglieder Heinrich von Pierer und Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff waren über Piëch verärgert. Mit dem Ausscheiden Crommes hätte VW-Aufsichtsratschef Piëch einen starken Widersacher weniger in dem Kontrollgremium, dessen Vorsitzender er ist, seit er im Jahr 2002 den VW-Vorstandsvorsitz abgegeben hatte. Piëch unter Druck Gleichzeitig werden in dem Gremium Plätze frei, von denen der Autohersteller Porsche zwei beanspruchen will. Piëch ist als Enkel des Porsche-Gründers und VW-Käfer-Konstrukteurs Ferry Porsche auch mit zehn Prozent am Autobauer Porsche beteiligt. Der hatte im September bekannt gegeben, sich mit knapp 22 Prozent an Volkswagen zu beteiligen. Danach hatte Porsche "mindestens zwei" Mandate im Kontrollgremium beansprucht - und zwar ohne Piëch. Für die beiden Mandate sind der Porsche-Vorstandsvorsitzende Wendelin Wiedeking sowie der Finanzchef Holger Härter vorgesehen. Doch die Voraussetzung für das Einziehen von Porsche in das VW-Kontrollorgan wäre, dass andere Vertreter der Kapitalseite auf eine Kandidatur verzichten. Andernfalls käme es zu Kampfabstimmungen, die in deutschen Unternehmen ungewöhnlich wären. Mit Piëch hätte Porsche demnach in Zukunft drei Vertreter im Kontrollgremium von Volkswagen. Piëch war in den vergangenen Wochen verstärkt unter Druck geraten. Kritiker hielten ihm vor, gegen die Prinzipien der Unabhängigkeit zu verstoßen, die im deutschen Corporate Governance Kodex vorgegeben werden, weil er als Miteigentümer von Porsche im Aufsichtsrat eines anderen Autoherstellers wie VW in einem Interessenkonflikt stehe. Piëchs Mandat als VW-Aufsichtsratschef läuft im Frühjahr 2007 aus. Auch an diesem Donnerstag wird der VW-Konzern wieder im Rampenlicht stehen. Dann wird vor dem Arbeitsgericht Braunschweig darüber verhandelt, ob der ehemalige VW-Personalmanager Klaus-Joachim Gebauer zu Recht fristlos gekündigt wurde. Gebauer war in der Personalabteilung von VW für die Interessen der Betriebsräte verantwortlich. Er hat die umstrittenen Lustreisen der Betriebsräte organisiert, die den Konzern im Sommer erschütterten und den Personalvorstand Peter Hartz seinen Posten kosteten. VW hatte den Manager fristlos entlassen, weil er ihm Spesenbetrug sowie die Gründung von Scheinfirmen und die Annahme von Schmiergeld vorwirft. Gebauer bestreitet die Vorwürfe, räumt aber ein, die Reisen des Betriebsrates organisiert zu haben. Er habe aber auf Anweisung von Vorgesetzten gehandelt, unter anderem von Hartz. Möglicherweise fällt das Gericht noch am Donnerstag sein Urteil Am Mittwoch hatte das Verwaltungsgericht Braunschweig entschieden, dass zwei niedersächsische SPD-Landtagsabgeordnete mehr als 750 000 Euro verbotener Nebeneinkünfte an die Staatskasse abführen müssen. Die Politiker Hans- Hermann Wendhausen und Ingolf Viereck hatten neben ihren Diäten als Abgeordnete noch ein Gehalt vom Volkswagen-Konzern bezogen. Das Verwaltungsgericht Braunschweig verurteilte die beiden am Mittwoch, der Forderung von Landtagspräsident Jürgen Gansäuer (CDU) in voller Höhe nachzukommen. | Die Führungskrise bei VW geht in die nächste Runde. Im Frühjahr werden nach Informationen der SZ drei Mitglieder des Aufsichtsrates nicht mehr für eine weitere Amtszeit kandidieren. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/freie-fahrt-fuer-porsche-piech-verdraengt-widersacher-1.906205 | Freie Fahrt für Porsche - Piëch verdrängt Widersacher | 00/05/2010 |
Banken sollen Zinssteigerungen nicht an ihre Kunden weitergegeben haben, so der Vorwurf von Verbraucherschützern. Sparer können mögliche Zusatzzinsen einfordern. Bei Millionen von Sparverträgen haben Geldinstitute in der Vergangenheit aus Sicht von Verbraucherschützern zu wenig Zinsen ausbezahlt. Die Verbraucherzentrale NRW fordert Betroffene unter Berufung auf ein Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) auf, die Beträge von ihren Instituten zurückzufordern. Detailansicht öffnen (Foto: Foto: AP) Betroffen sind demnach Sparverträge, bei denen ein variabler Grundzins und feste Prämien vereinbart und Zinssteigerungen nicht an die Kunden weitergegeben wurden. Variabler Zins wurde nicht angepasst "Der Grundzins lag in Hochzinsphasen zumeist unterhalb des gängigen Marktzinssatzes", erklärte Finanzexperte der Verbraucherzentrale Thomas Bieler. "Wir empfehlen deshalb allen Sparern, ihre Verträge rückwirkend bis 1977 zu prüfen." Je nach Abschlussdatum und daraus resultierender Verjährungsfrist könnten bis zu diesem Jahr Ansprüche geltend gemacht werden. Die Verbraucherzentrale bezieht sich auf ein von ihr im Februar erstrittenes Urteil des BGH zur Transparenz von Zinsklauseln bei Sparverträgen (AZ: XI ZR 140/03). Demnach müssen Geldinstitute nicht nur sinkende sondern auch steigende Marktzinsen in Hochzinsphasen an ihre Kunden weitergeben. Anspruch auf Nachzahlung Wie Bank- und Sparkassenkunden ihre Ansprüche in Höhe von bis zu mehreren Tausend Euro selbst bei abgelaufenen Verträgen rückwirkend geltend machen können, erklärt ein Info-Paket der Verbraucherzentrale (VZ) Nordrhein-Westfalen. Laut Bieler finden die Verbraucher darin eine Tabelle zu den Marktzinsen der vergangenen Jahrzehnte. Sie gebe auch Laien Anhaltspunkte dafür, ob sie Ansprüche auf Nachzahlungen haben. Mit einem Musterbrief könne dann beim Geldinstitut eine rückwirkende Neuabrechnung durchgesetzt werden. Die Informationen sind bei der Verbraucherzentrale NRW gegen Einsendung von drei Euro in Briefmarken erhältlich. Adresse: Verbraucherzentrale NRW, Sichtwort "Zinsklausel", Mintropstr. 27, 40215 Düsseldorf. | Banken sollen Zinssteigerungen nicht an ihre Kunden weitergegeben haben, so der Vorwurf von Verbraucherschützern. Sparer können mögliche Zusatzzinsen einfordern. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/zu-wenig-zinsen-millionen-von-sparern-betrogen-1.899031 | Zu wenig Zinsen - Millionen von Sparern betrogen | 00/05/2010 |
Im Gefangenenlager Guantanamo Bay nehmen die USA ihre Verdächtigen ins Kreuzverhör. Die Mitschriften zeigen: Jede Aussage ist verdächtig. Im Gefangenenlager Guantanamo Bay versucht die US-Regierung, Hunderte Menschen dem Recht zu entziehen. Es gibt in der jüngeren Geschichte moderner Rechtsstaaten kein vergleichbares Unterfangen. Detailansicht öffnen Hunderte Gefangene ohne Rechte: Außenbereich von Guantanamo. (Foto: Foto: Reuters) Die amerikanische Regierung behauptet, sie habe keine andere Möglichkeit, sich vor den seit Jahren in Guantanamo einsitzenden, angeblichen Terrorverdächtigen zu schützen. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hat sie die "Schlimmsten der Schlimmsten" genannt, unlängst bekräftigte der deutsche US-Botschafter William Timken: "Solange Terroristen abscheuliche Anschläge planen und ausführen, würde keine verantwortungsbewusste Regierung sie freilassen, damit sie es erneut versuchen können." In Guantanamo lebt eine neue Kategorie von Menschen: enemy combatants, "feindliche Kämpfer", die angeblich zu den Taliban oder zu al-Qaida gehörten. Sie gelten weder als Kriminelle, noch als Kriegsgefangene. Guantanamo wurde abseits des amerikanischen Festlands ausgewählt, weil die Regierung einen Ort suchte, der dem Zugriff amerikanischer Gerichte entzogen sei. Der Supreme Court hat bereits widersprochen, doch bis zu endgültigen Urteilen kann es noch Jahre dauern. Ob die Gefangenen korrekt als "feindliche Kämpfer" eingestuft wurden, haben bislang abschließend nur die so genannten "Combatant Status Review Tribunals" entschieden. Sie haben alle Insassen des Lagers überprüft. Seit dem 3.März sind die Mitschriften dieser "Guantanamo-Prozesse" öffentlich zugänglich (im Internet: www.defenselink.mil/pubs/foi/detainees/csrt/index.html), weil eine Nachrichtenagentur auf Herausgabe der Unterlagen geklagt hat. Mehr als 5000 Seiten aus den Verhandlungsprotokollen gewähren den bislang tiefsten Einblick in das System Guantanamo, und nie ist so deutlich geworden, welch rechtliche Farce die so genannten Tribunale waren. Schon die Bezeichnung "Tribunal" ist irreführend. Zu Gericht saßen je drei Angehörige des US-Militärs. Die Vorwürfe wurden den Gefangenen nur summarisch mitgeteilt, Details blieben militärische Geheimsache. Selbst das so genannte Gericht kannte die Einzelheiten der Anklagen nicht, als es die Verdächtigen anhörte. Wo viele Terrorfälle schon vor gut vorbereiteten rechtsstaatlichen Gerichten kaum zu lösen sind, so waren sie es vor den Militärtribunalen erst recht nicht: Argumente der Anklage und der Gefangenen sind nicht überprüfbar, Zeugen so gut wie nie zu finden. Weder sollten diese Tribunale die Wahrheit suchen, noch wiesen sie Schuld nach. Sie beschränkten sich auf eine oberflächliche Glaubwürdigkeitsprüfung, indem sie mit den Gefangenen über Ziegen, Armbanduhren und über das Chaos diskutierten, das nach dem Terror vom 11. September 2001 in Afghanistan entstand. Die Süddeutsche Zeitung dokumentiert Auszüge in leicht redigierter Form. Gemüse für die Taliban Ein Mann aus Kasachstan hat angeblich die Taliban unterstützt, die USA werfen ihm vor, in einem Lager geholfen zu haben. Außerdem soll er in Pakistan Verwandte haben, die als Terroristen bekannt sind. Das Tribunal konfrontiert den Mann zunächst mit den Vorwürfen und stellt dann Fragen. Tribunal: Der Gefangene reiste, von Kasachstan kommend, im September 2000 nach Kabul in Afghanistan. Gefangener: Ich habe es vergessen. Es ist zweieinhalb Jahre her. Ich weiß den Monat nicht mehr. Der Gefangene ist verwandt mit bekannten Terroristen in Pakistan. Inwiefern? Ist einer Ihrer Verwandten ein Terrorist in Pakistan? Ich habe keine Verwandten in Pakistan. Wie kann... Der Gefangene wohnte in einem Gästehaus der Taliban und arbeitete als Koch in einem Taliban-Lager. Ich habe es doch schon gesagt. Ich war kein Koch, ich habe nur das Gemüse angebaut. Ich weiß nicht einmal, wie man kocht. Meine Mutter hat immer für mich gekocht. Wir wissen nicht viel über Sie. Alles was wir haben ist aus dieser - als nicht-geheim eingestuften - Zusammenfassung und das, was Sie uns eben gesagt haben. Wir haben ein paar Fragen, um uns ein Bild Ihrer Geschichte zu machen. Sie und Ihre Familie gingen nach Afghanistan, um Arbeit zu suchen? Wir hörten, dass alle Immigranten in Afghanistan zu Essen bekommen. Also waren Sie in einem Haus in Kabul, und alles, was Sie taten, war Gemüse anbauen. Haben Sie sonst etwas getan? | Im Gefangenenlager Guantanamo Bay nehmen die USA ihre Verdächtigen ins Kreuzverhör. Die Mitschriften zeigen: Jede Aussage ist verdächtig. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/anti-terror-kampf-ich-baue-nur-gemuese-an-1.898141 | "Anti-Terror-Kampf - ""Ich baue nur Gemüse an.""" | 00/05/2010 |
Wir versorgen die Stadt aus der Luft, wir richten eine Luftbrücke für die Rettung der Stadt und ihrer Menschen ein und unser Brückenpfeiler in der eingeschlossenen Stadt ist Tempelhof". Detailansicht öffnen Vorfeld des Flughafens Berlin-Tempelhof. (Foto: Foto: ddp) Für die Berliner im "Westsektor" war dieser Satz des amerikanischen Generals Lucius D. Clay mehr als das Versprechen, sie nicht verhungern zu lassen. Die so genannte Luftbrücke nach dem Zweiten Weltkrieg 1948/49 wurde von vielen Bürgern Berlins als Befreiung empfunden - die gegen alle Widerstände erfolgen sollte. Der Name Tempelhof ging deshalb auch gleichbedeutend für das freie Berlin um die Welt. Der Flughafen war wichtigster Start- und Landeplatz für die so genannten Rosinenbomber, aus denen hin und wieder kleine Fallschirmchen mit feinster Schokolade auf die Stadt niedergingen. Über Tempelhof schafften die Alliierten die Versorgung West-Berlins aus der Luft, da der Landweg von den Russen versperrt war. Befreiung von der Betriebspflicht Jetzt soll "Tempelhof" geschlossen werden. So zumindest will es die Berliner Flughafen Gesellschaft (BFG) und so ist es ihr nun von der Luftverkehrsbehörde des Landes Berlin beschieden worden. Diese hat den Antrag der BFG auf "Befreiung aus der Betriebspflicht mit Ablauf des Sommerflugplans am 30. Oktober 2004" genehmigt, geht aus der Mitteilung der BFG hervor. "Die Entscheidung entlastet die Berliner Flughäfen von einer ihrer größten Verlustquellen", sagt Dieter Johannsen-Roth, Sprecher der Geschäftsführung der Berliner Flughäfen. Die BFG betreibt die Flughäfen Tegel, Schönefeld und Tempelhof. Der Flughafen Tempelhof habe im vorigen Jahr einen Verlust von 15,4 Millionen Euro verbucht, erklärt eine Flughafen-Sprecherin. Zugleich sei die Zahl der Fluggäste um 26,4 Prozent auf rund 450.000 drastisch zurückgegangen. "Der Markt hat sich gegen Tempelhof entschieden. In der Geschäftsfliegerei ist man kostenbewusster geworden", sagt sie. Der Berliner SPD/PDS-Senat begrüßt die Entscheidung. Der Beschluss entspreche dem verkehrspolitischen Ziel, die beiden innerstädtischen Flughäfen Tempelhof und Tegel zu schließen und Schönefeld als Großflughafen auszubauen. | Der Berliner Stadt-Flughafen darf geschlossen werden - seine Geschichte ist wechselvoll. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/tempelhof-eine-legende-am-ende-1.902014 | Tempelhof - Eine Legende am Ende | 00/05/2010 |
Die Belgier kannten den knusprig-kremigen Doppelkeks schon Ende des 19. Jahrunderts. Aber erst vor 50 Jahren schaffte es die Prinzenrolle in die deutschen Supermarktregale. Zwei runde Kekse und dazwischen Schokoladen-Creme: Der Bäckermeister Edouard de Beukelaer erfand Ende des 19. Jahrhunderts dieses Gebäck im belgischen Antwerpen. Detailansicht öffnen Den beiden geschäftsführenden Gesellschafter von Griesson de Beukelaer, Heinz Gries (links) und Andreas Land, scheinen ihre Doppelkekse zu schmecken. (Bitte vergößern.) (Foto: Foto: dpa) Weil der Bäcker königstreu war, widmete er seine Kreation dem belgischen Prinzen und nannte sie - etwas respektlos - "le petit prince fourré" ("der kleine, gefüllte Prinz"). Erst 1955 kamen die Doppelkekse mit dem Prinzen-Aufdruck in deutsche Regale, traten dann jedoch schnell ihren Siegeszug durch die Republik an. Die deutsche Prinzen Rolle wird in diesem Jahr 50, und kaum ein Bundesbürger kennt sie nicht. Das erfolgreichste Süßgebäck Deutschlands 1955 eröffnete Edouard de Beukelaer junior, der Nachfolger des Prinzen-Erfinders, in Kempen am Niederrhein seine Keksfabrik. Seitdem wurden dort rund 450.000 Tonnen Prinzen Rollen - das sind 20 Milliarden Kekse - produziert. Jährlich verkauft sich das Gebäck 35 Millionen Mal. "Die Prinzen Rolle ist das erfolgreichste Süßgebäck in Deutschland", sagt der Sprecher von Griesson - de Beukelaer am Hauptsitz im rheinland-pfälzischen Polch, Peter Gries. Er bezieht sich dabei auf Umsatz- und Absatz-Angaben des Marktforschers A.C. Nielsen in Frankfurt. Geschmack der Leute ändert sich, die Kekse passen sich an Griesson - de Beukelaer versichert, dass die Prinzen Rolle auch heute noch nach dem traditionellen Rezept gebacken wird. "Keks und Creme als solche haben sich unwesentlich verändert", sagt Gries. Er verweist aber darauf, dass der Geschmack der Menschen sich ständig wandelt. Zeitweise gab es deshalb die Prinzen Rolle mit Erdbeer- Quark und auch Vanille-Füllung. Mal wollte der Verbraucher mehr Creme haben, dann sollte der Keks knuspriger sein. Heute gibt es die Prinzen Rolle in den Sorten Kakao, Haselnuss und Mehrkorn und in kleineren Variationen wie beispielsweise den Prinzen Talern. Was für Kinder und Studenten Preiswerter sind die an das Original angelehnten Doppelkeks-Rollen, von denen fast jeder Lebensmitteldiscounter seine eigene Marke im Angebot hat. Auch die Verpackung und die Werbung für die Prinzen Rolle änderte sich: In den 90er Jahren war der Prinz ganz aus der Werbung verschwunden, weil er als nicht mehr zeitgemäß galt. "Jetzt sind wir wieder zurück bei Dornröschen und dem Märchen", sagt Peter Gries. Mal warben die Musketiere, mal der Prinz im 3-D-Format für die Kekse. Die meisten Anhänger hat die Prinzen Rolle unter Kinder und Studenten, wie der geschäftsführende Gesellschafter von Griesson - de Beukelaer, Andreas Land, sagt. Wie viele andere auch, wuchs er mit dem Doppelkeks auf. Weitere Variante geplant "Sie war früher ein Teil meiner Jugend und ist heute ein Teil meines Lebens", sagt der 48-Jährige schmunzelnd. Die Danone-Tochter General Biscuits, die auf die Keksfabrik von Edouard de Beukelaer zurückgeht, brachte die Prinzen Rolle 1999 mit in die Fusion mit der mittelständischen Firma Griesson zu Griesson - de Beukelaer. Auch dank der Doppelkekse erwirtschaftete GdB im vergangenen Jahr einen Umsatz von 343 Millionen Euro, das sind 11 Prozent mehr als 2003. Im Herbst will das Unternehmen eine weitere Variante der Prinzen Rolle auf den Markt bringen. Wie die aussieht, will Peter Gries allerdings noch nicht verraten. | Die Belgier kannten den knusprig-kremigen Doppelkeks schon Ende des 19. Jahrunderts. Aber erst vor 50 Jahren schaffte es die Prinzenrolle in die deutschen Supermarktregale. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/geburtstagskind-zwei-runde-kekse-und-dazwischen-schokolade-1.918509 | Geburtstagskind - Zwei runde Kekse und dazwischen Schokolade | 00/05/2010 |
Vor dem politischen Gipfel in Heiligendamm beraten sich die mächtigen Führer der Wirtschaftsverbände in den G-8-Staaten in Berlin. Ihre Forderungen: Irgendwie weniger Staat und manchmal doch mehr Staat. Ansonsten: Schön, sich mal getroffen zu haben. Die Einflüsterer haben Platz genommen im Ballsaal II des Berliner Nobelhotels Adlon. Es sind die mächtigen Präsidenten der Wirtschaftsverbände in den acht führenden Industrienationen der Erde. Erstmals treffen sie sich auf Einladung des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) vor einem politischen G-8-Gipfel zu einem G-8-Wirtschaftsgipfel. Detailansicht öffnen Sechs der Einflüsterer in Berlin. (Foto: Foto: dpa) Das Ziel der Wirtschaftslenker aus den USA, aus Großbritannien, Kanada, Japan, Italien, Russland, Frankreich und Deutschland: Lösungen für die weltwirtschaftlichen Probleme beraten und sie anschließend mit den politischen Führern ihrer Nationen "diskutieren", wie Thumann sich auf der Pressekonferenz vornehm ausdrückt. Der deutsche BDI-Präsident Jürgen Thumann stellte die sechs aus Sicht der Wirtschaft wichtigsten Punkte vor, mit denen sich die Staatschefs im Juni befassen sollen. Tenor: Die Wirtschaft wird es schon richten. Nur ein freier Handel werde die Probleme lösen. Wachstum generieren Probleme lösen bedeutet aus sich der Wirtschaft vor allem: Wachstum generieren. Daraus resultierten dann die von der Politik geforderten Arbeitsplätze, soziale Stabilität und letztlich auch der Schutz der Umwelt und des Klimas von ganz alleine. An Position eins der Liste findet sich deshalb nicht von ungefähr die Aufforderung der Wirtschaftslenker, die Doha-Runde endlich zu einem Abschluss zu bringen. In ihr verhandeln die Mitgliedsländer der Welthandelsorganisation WTO über eine Neuordnung des weltweiten Handels. Bisher sind sämtliche Bemühungen am Widerstand der Entwicklungsländer gescheitert. Sie fordern einen leichteren Marktzugang zu den entwickelten Ländern, frei von Importquoten und Einfuhrzöllen. Grenzübergreifende Investitionen Dies lehnen viele Industriestaaten ab. Die Wirtschaftsvertreter haben da nicht viel dagegen, auch wenn Thumann fordert, dass "protektionistischen Tendenzen bei grenzübergreifenden Investitionen" entschieden entgegenzutreten sei. Das gilt natürlich vor allem für Investitionen, die aus den G-8-Ländern heraus erfolgen sollen. Beispielweise in Afrika. Die Chinesen haben längst erkannt, dass hier ein Zukunftsmarkt liegt und investieren Milliardensummen in den Kontinent. Thumann sieht das gelassen: "Jeder investiert dort, wo er es für richtig hält", sagte er. Afrika hat offenbar nicht die oberste Priorität bei den Wirtschaftsführern aus den G-8-Staaten. Der private Sektor könne nur dann einen "entscheidenden Beitrag" gegen die Unterentwicklung dort leisten, wenn die "politischen und rechtlichen Voraussetzungen für privatwirtschaftliches Engagement gestärkt werden", sagte Thumann. Dann aber sei es möglich "dass wir Afrika in 20 bis 25 Jahren ähnlich voranbringen können, wie es die Tigerstaaten in Asien vorgemacht haben". Es geht also doch nicht ohne staatliche Regulierung. Das zeigen auch die anderen Punkte in dem Katalog der Forderungen. Da wird mehr Transparenz auf den Kapitalmärkten gefordert, ein besserer Schutz der geistigen Eigentumsrechte und am Markt orientierte Regeln für den Einsatz neuer, klimafreundlicher Technologien. Klingt alles recht schwammig. Ist es auch. "Wir haben kein Interesse, völlig neue Forderungen auf die Agenda des G-8-Gipfels zu setzen", sagte Thumann. Vielmehr sei es wichtig, dass er und seine sieben Kollegen den politischen Führern gegenüber mit einer Stimme sprechen. "Wir wollen ihnen das Gefühl dafür und den nötigen Input geben, wie die Wirtschaft denkt", sagte er. Der Vertreter des italienischen Wirtschaftsverbandes, Luca Cordero di Montezemolo, brachte es zum Ende auf den Punkt: "Wir können nicht auf 100.000 Differenzen im Detail schauen." Wichtig sei, sich auf die Punkte zu konzentrieren, wo Einigkeit herrsche. Die bestehe sicher darin, dass "wir eine Umgebung brauchen, die Wachstum unterstützt. Also eine gute Infrastruktur, Investitionen in Forschung und weniger Steuern für die Unternehmen." So leicht kann Wirtschaftspolitik sein. | Vor dem politischen Gipfel in Heiligendamm beraten sich die mächtigen Führer der Wirtschaftsverbände in den G-8-Staaten in Berlin. Ihre Forderungen: Irgendwie weniger Staat und manchmal doch mehr Staat. Ansonsten: Schön, sich mal getroffen zu haben. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/wirtschaft-mit-eigenem-g-8-gipfel-treffen-der-einfluesterer-1.897835 | Wirtschaft mit eigenem G-8-Gipfel - Treffen der Einflüsterer | 00/05/2010 |
Wann eine Zahlung an Betriebsräte gesetzlich korrekt ist, regelt das Arbeitsrecht nur ungenügend - Zahlungen an Einzelne sind strafbar, Zahlungen an die Arbeitsvertretungen als Ganzes nicht. Genauere Gesetze wären nötig. In der Affäre um den mutmaßlichen Kauf von Betriebsräten bei Siemens ist die Forderung nach einer Verschärfung des Arbeitsstrafrechts laut geworden. Detailansicht öffnen Das Bundesarbeitsgericht mit Sitz in Erfurt - Bei Bestechungen in Unternehmen könnte es helfen. (Foto: Foto: dpa) "Wenn wir die Korruption bekämpfen wollen, dann sollten wir auch auf die Arbeitsbeziehungen schauen", sagte Volker Rieble, Professor für Arbeitsrecht und Bürgerliches Recht und Direktor des Zentrums für Arbeitsbeziehungen und Arbeitsrecht an der Ludwig-Maximilians-Universität in München, zur Süddeutschen Zeitung. "Geldzahlungen an Arbeitnehmervertretungen sind vom Strafrecht nicht erfasst, sondern nur Zahlungen an einzelne Betriebsratsmitglieder", sagte Rieble, der für Siemens in dieser Frage ein Gutachten erstellt hat. Das Betriebsverfassungsgesetz (Paragraf 119) untersagt die Begünstigung von Betriebsräten und Eingriffe in Betriebsratswahlen. Zuweisungen an Arbeitnehmerorganisationen, wie die Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Betriebsangehöriger (AUB), seien von dem Paragrafen 119 nicht erfasst, so Rieble. Deshalb handele es sich nicht um Straftaten. Parallelen zur VW-Affäre "Hier klafft eine Lücke", kritisiert der Arbeitsrechtler allerdings. Wilhelm Schelsky, der frühere Siemens-Betriebsrat und bis Dienstag Bundesvorsitzender der AUB, soll von Siemens Beraterhonorare erhalten und das Geld teils verwendet haben, um die AUB zu finanzieren. Der Fall erinnert an die VW-Affäre, bei der der frühere Vorstand Peter Hartz wegen des Verstoßes gegen den Paragrafen 119 und wegen Untreue kürzlich verurteilt worden war. Kein Einzelfall Hartz habe sich durch Geldzahlungen an den damaligen Betriebsratschef Klaus Volkert dessen Wohlwollen sichern wollen, urteilten die Richter. "Der Fall Volkert ist kein Einzelfall", meint Arbeitsrechtler Rieble dazu. Das Betriebsratsamt sei ein Ehrenamt. Dennoch würden viele Betriebsräte von den Firmen üppig bezahlt. Rieble bezweifelt auch, dass die IG Metall im Fall Siemens Strafantrag stellen wird, wie von ihr derzeit erwogen. Sie selber unterstütze die Betriebsratsarbeit, so Rieble. Noch nicht einmal jeder zweite Arbeitnehmer in Deutschland arbeitet in einem Unternehmen mit Betriebsrat, hat das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung ermittelt. Betriebsräte: Oft gegen die Firma Die Abneigung vieler Arbeitgeber gegen Betriebsräte ist groß. Die Fluggesellschaft Air Berlin gehört dazu, deren Chef Gewerkschaften für notorische Bremser hält. Auch der Reiseveranstalter Alltours und der Handelskonzern Aldi wehren sich. Bei Lidl werden nur in wenigen Filialen die Mitarbeiter betrieblich vertreten. Auch bei Mediamarkt ist die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi schon mit mehreren Versuchen gescheitert, Betriebsräte zu etablieren. Derzeit sieht Verdi eine entsprechende Tendenz bei den Genossenschaftsbanken: "Einige Arbeitgeber gehen gegen Betriebsräte vor, die ihre Betriebratsarbeit machen wollen und sich aktiv einmischen", sagte ein Sprecher. Das Betriebsverfassungsgesetz ist eindeutig: Ab fünf Arbeitnehmer kann ein Betriebsrat gewählt werden, sogar wenn die Mehrheit dagegen ist. Dies war im vorigen Jahr beim Softwarekonzern SAP der Fall. | Wann eine Zahlung an Betriebsräte gesetzlich korrekt ist, regelt das Arbeitsrecht nur ungenügend - Zahlungen an Einzelne sind strafbar, Zahlungen an die Arbeitsvertretungen als Ganzes nicht. Genauere Gesetze wären nötig. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/siemens-gutachter-luecke-im-arbeitsstrafrecht-schaerfere-regeln-gegen-korruption-1.901104 | Siemens-Gutachter: Lücke im Arbeitsstrafrecht - Schärfere Regeln gegen Korruption | 00/05/2010 |
Der Streit zwischen Moskau und Minsk ist offenbar beigelegt. Nach Angaben eines Vertreters der weißrussischen Ölwirtschaft fließt wieder Öl aus Russland durch die Pipelines nach Europa. Nach weißrussischen Zugeständnissen im Streit liefert Russland wieder Öl nach Westen. Der vom Kreml kontrollierte Pipelinemonopolist Transneft kündigte am Abend die Wiederaufnahme des Exports an. ,,Ich bin sicher, dass das Öl morgen wieder im vollen Umfang nach Europa fließt'', sagte der Transneft-Vorsitzende Semjon Wainstok am Mittwochabend in Moskau. Der russische Botschafter bei der EU, Wladimir Tschischow, bestätigte, es habe eine Einigung mit Weißrussland gegeben. Die Öllieferungen nach Deutschland über die Druschba-Pipeline würden noch in der Nacht zum Donnerstag wieder aufgenommen. Am späten Mittwochabend meldeten Vertreter der weißrussischen Ölwirtschaft und die staatliche russische Nachrichtenagentur Itar-Tass, es fließe wieder Öl durch die Druschba-Pipeline nach Europa. Es werde nach Deutschland, Polen, die Ukraine, die Slowakei, Tschechien und Ungarn gepumpt. Weißrussland verzichtet auf Öltransitzölle Russlands EU-Botschafter Tschischow sagte bei einem Treffen mit EU-Energiekommissar Andris Piebalgs in Brüssel: ,,Die russischen Forderungen nach einer Aufhebung der Transitgebühr und der Rückgabe des entwendeten Öls sind erfüllt worden.'' Der stellvertretende russische Wirtschaftsminister Andrej Scharonow hatte zuvor in Moskau gesagt, Weißrussland müsse zunächst die 80.000 Tonnen Öl in die Leitung nach Westeuropa einspeisen, die es illegal entnommen habe. Russland werde dann innerhalb von Stunden die Lieferungen wieder in vollem Umfang aufnehmen. Weißrusslands Ministerpräsident Sergej Sidorski sagte, sein Land habe auf die umstrittenen Öltransitzölle verzichtet und damit den Weg für die Einigung geebnet. Der weißrussische Präsident Alexander Lukaschenko hatte zuvor bereits ein rasches Ende des Ölstreits mit Russland angekündigt. Nach einem Telefonat Lukaschenkos mit dem russischen Staatschef Wladimir Putin teilte das Präsidialamt in Minsk mit, es sei ein grundsätzlicher Kompromiss erzielt worden. "Versorgung ist zu hundert Prozent gewährleistet" Die Details sollten in den kommenden Tagen geklärt werden. Die Ministerpräsidenten seien angewiesen worden, den Kompromiss bis Freitag unter Dach und Fach zu bringen. Russland hatte am Montag die Einspeisung von Öl in die Druschba-Pipeline durch Weißrussland eingestellt. Berlin lagen zunächst nach Angaben des Vize-Regierungssprechers Thomas Steg keine Informationen über eine Beilegung des Streits vor. Die Regierung habe in den vergangenen Tagen deutlich gemacht, dass sie für den Lieferstopp kein Verständnis habe und die Beteiligten aufgefordert, die Belieferung sicherzustellen, betonte Steg. Außenminister Frank-Walter Steinmeier hatte nach Angaben seines Ministeriums am Dienstagabend in einem Telefonat mit Russlands Vizepremier Dmitrij Medwedew darauf gedrängt, dass es zu einer schnellen Einigung zwischen Russland und Weißrussland kommt. Angesichts der teils widersprüchlichen Meldungen aus Moskau und Minsk sagte Steinmeier am Mittwoch, es noch zu früh für eine abschließende Beurteilung. Die Bundesregierung bekräftigte, trotz des Lieferstopps habe es keinen Engpass gegeben. ,,Die Versorgung ist kurz- und mittelfristig zu hundert Prozent gewährleistet'', sagte Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee. Russlands Energieminister Wiktor Christenko traf auf Anweisung Putins am Mittwoch mit Managern von Ölkonzernen zusammen, um eine Drosselung der russischen Ölförderung zu erörtern. | Der Streit zwischen Moskau und Minsk ist offenbar beigelegt. Nach Angaben eines Vertreters der weißrussischen Ölwirtschaft fließt wieder Öl aus Russland durch die Pipelines nach Europa. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/einigung-russisches-oel-fliesst-wieder-nach-europa-1.902367 | Einigung - Russisches Öl fließt wieder nach Europa | 00/05/2010 |
Wochenlang hat die deutsche Autolobby in Brüssel Stimmung gemacht gegen ein neues CO2-Limit. Nun darf sie sich offenbar über einen Teilerfolg freuen. Im Streit um striktere Klimaschutzauflagen für Autos will die EU-Kommission offenbar abgeschwächte Vorschläge präsentieren. Detailansicht öffnen Ursprünglich wollte EU-Umweltkommissar Stavros Dimas das 120-Gramm-Ziel allein durch die Motorentechnik erreichen - heftige Proteste der Autolobby waren die Folge. (Foto: Foto: AP) Brüssel wird EU-Kreisen zufolge am Mittwoch eine Autostrategie vorschlagen, die zwar die Senkung des CO2-Ausstoßes bei Neuwagen bis 2012 auf 120 Gramm pro Kilometer vorsieht. Die Autobauer müssten dabei die CO2-Emissionen von Neuwagen über bessere Motorentechnik tatsächlich aber nur auf 130 Gramm beschränken. Die übrigen zehn Gramm könnten über Maßnahmen wie die Einrechnung von Biosprit erreicht werden. Heftige Proteste gegen 120-Gramm-Ziel Ursprünglich wollte EU-Umweltkommissar Stavros Dimas das 120-Gramm-Ziel allein durch die Motorentechnik erreichen, wogegen vor allem Berlin und die deutsche Autobranche jedoch heftig protestierten. Aus den Kreisen hieß es, fünf Gramm CO2-Einsparung sollten durch die Einrechnung von Biosprit erreicht werden, die restlichen fünf etwa durch spritsparende Klimaanlagen und optimalen Reifendruck. Dimas und Industriekommissar Günter Verheugen hatten sich wochenlangen Streit um die EU-Autostrategie geliefert. Verheugen wollte die Senkung des CO2-Ausstoßes durch ein Maßnahmenbündel erreichen, etwa eine verbesserte Fahrweise und Stauvermeidung - und so die Autoindustrie entlasten. Diese Pläne sind jetzt jedoch offenbar vom Tisch. Aus Kommissionskreisen verlautete, Dimas sei zufrieden mit der jetzt gefundenen Kompromisslösung, der die Kommissare am Mittwoch noch offiziell zustimmen müssen. Ein Sprecher der Behörde sagte, unter den Kommissaren zeichne sich ein immer deutlicherer Rückhalt für einen Kompromiss zum 120-Gramm-Grenzwert ab, der demnach vor allem über verbesserte Motortechnik erreicht werden solle. Einzelheiten nannte er indes nicht. Vorschlag, aber noch kein Gesetz Die Brüsseler Vorlage ist ein Strategiepapier, das noch keine Gesetzesvorschläge enthält. Mit konkreten Gesetzesplänen ist frühestens im Herbst zu rechnen. Hintergrund der Brüsseler Pläne ist das absehbare Scheitern einer Zusage der Autobauer, die die 120-Gramm-Marke bis 2012 freiwillig erreichen wollten. Derzeit liegt der durchschnittliche CO2-Ausstoß in Europa noch bei rund 160 Gramm. Einrechnung von Biosprit Die Bundesregierung - und auch die Autoindustrie - haben sich für die Einrechnung von Biosprit in den CO2-Grenzwert stark gemacht. Das Bundesumweltministerium bekräftigte, die Anrechnung von Biosprit bei der Erreichung des 120-Gramm-Ziels bringe erst die notwendige Dynamik in die Entwicklung höherwertiger Generationen von Biokraftstoffen, die so genannten synthetischen Kraftstoffe. Nur diese seien in ausreichender Menge und Qualität verfügbar, um fossile Brennstoffe in nennenswertem Umfang zu ersetzen. Der Verkehrsclub Deutschland warnte dagegen vor einer Anrechnung von Biosprit. Damit werde die Autoindustrie aus der Pflicht genommen, konsequent auf spritsparende Techniken zu setzen, erklärte der Verband in Berlin. | Wochenlang hat die deutsche Autolobby in Brüssel Stimmung gemacht gegen ein neues CO2-Limit. Nun darf sie sich offenbar über einen Teilerfolg freuen. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/abgasvorschriften-der-eu-lobbyarbeit-der-autoindustrie-traegt-fruechte-1.905894 | Abgasvorschriften der EU - Lobbyarbeit der Autoindustrie trägt Früchte | 00/05/2010 |
Weil Deutschland 2004 zum dritten Mal in Folge die Defizitgrenze überschreitet, drohen nun Sanktionen bis hin zu einer Milliarden-Buße. Mit "99 Prozent Wahrscheinlichkeit" müsse die Bundesregierung im Haushalt 2004 zusätzliche Milliarden einsparen, hieß es in Kommissionskreisen. Der nächste Schritt in dem Verfahren wären Sanktionen bis hin zu einer Milliarden-Buße. Der EU-Plan dürfte zu einem Machtkampf mit der Bundesregierung führen. Finanzminister Hans Eichel (SPD) wehrt sich entschieden gegen neue Auflagen aus Brüssel. "Sanktionen sind für Staaten da, die nicht kooperieren", erklärte er kürzlich. Dritte Überschreitung Währungskommissar Pedro Solbes hält es dagegen für seine Pflicht, das Strafverfahren weiterzutreiben. Weil Deutschland 2004 zum dritten Mal in Folge die Defizitgrenze von drei Prozent überschreitet, müsse er nach Artikel 104,9 EG-Vertrag Maßnahmen mit Sanktionsdrohung vorschlagen. Solbes will auf der Sitzung der Kommission am Dienstag weitere Einsparungen fordern, über deren Höhe jedoch noch nicht entschieden ist. Bisher will Eichel das konjunkturunabhängige Defizit um ein halbes Prozent oder etwa zehn Milliarden Euro senken. Dramatische Konsequenzen Das reicht Solbes offenbar nicht. Das andere Defizitland Frankreich forderte er bereits zu einer Senkung von einem Prozent auf. Im Hause Eichel heißt es, jede weitere Brüsseler Forderung hätte dramatische Konsequenzen und wäre politisch kaum durchsetzbar. "Will Solbes, dass wir das Kindergeld kürzen oder die Mehrwertsteuer erhöhen?", fragt ein Fachmann. Jede weitere Senkung des Defizits um 0,1 Prozent bringt Einsparungen oder Steuererhöhungen um zwei Milliarden Euro mit sich. Bundesrat blockiert Weil der Bundesrat zahlreiche Reformgesetze zu Arbeitsmarkt und Steuern blockiere, werde es bereits schwierig sein, die angekündigten Einsparungen umzusetzen. Brüssel müsse mehr Rücksicht auf die deutsche Konjunkturkrise nehmen. Währungskommissar Solbes will dagegen auf jeden Fall sicherstellen, dass die Bundesrepublik die Defizitgrenze von drei Prozent wenigstens im Jahr 2005 einhält, um die Glaubwürdigkeit des Stabilitätspakts zu retten. Für dieses Ziel seien größere Sparanstrengungen der Bundesregierung nötig, heißt es in Brüssel. Kommission vor Machtprobe Damit steht die Kommission vor einer Machtprobe mit den beiden größten EU-Staaten Deutschland und Frankreich, die wiederholt gegen den Stabilitätspakt verstoßen haben. Beide Staaten versuchten auf der letzten Sitzung der EU-Finanzminister, schärfere Maßnahmen gegen Frankreich abzuwehren. In der Bundesregierung werden erneut Vorbehalte gegen Solbes' deutschen Generaldirektor Klaus Regling geäußert. Regling, der die Vorschläge für Solbes konzipiert, arbeitete einst unter CSU-Finanzminister Theo Waigel in Bonn. "Regling ist sicher kein Freund der rot-grünen Regierung", sagt ein Berliner Koalitionär. | Weil Deutschland 2004 zum dritten Mal in Folge die Defizitgrenze überschreitet, drohen nun Sanktionen bis hin zu einer Milliarden-Buße. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/stabilitaetspakt-bruessel-will-berlin-zum-sparen-zwingen-1.899376 | Stabilitätspakt - Brüssel will Berlin zum Sparen zwingen | 00/05/2010 |
Schröder traut Bundesverkehrminister Stolpe die Lösung der Probleme anscheinend nicht mehr zu. Wie die "Süddeutsche Zeitung" erfuhr, spricht das Kanzleramt nun direkt mit der Deutschen Telekom und DaimlerChrysler. Die beiden Konzerne stehen hinter dem Mautbetreiber Toll Collect. "Der Kanzler will die Sache rasch und endgültig vom Tisch haben", verlautete aus Koalitionskreisen. Die rot-grüne Bundesregierung werde schon zu lange durch das Maut-Desaster beschädigt, hieß es weiter. Die Unternehmen führten den Bund immer wieder an der Nase herum. Vertragliche Verpflichtungen Schröder traut seinem Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) offenbar eine Lösung des Problems nicht mehr zu. Der Kanzler verlangt demnach von der Deutschen Telekom und DaimlerChrysler, dass diese ihre Zeitpläne sowie ihre vertraglichen Verpflichtungen einschließlich unbegrenzter Haftung einhalten. Das von Toll Collect Ende Januar vorgelegte neue Angebot wird auch in der Regierungszentrale entschieden abgelehnt, weil sich dadurch die Position des Bundes erneut verschlechtere. Sollten die Konzerne in den nächsten Tagen nicht endlich einlenken, werde Schröder einen Schlussstrich ziehen, hieß es weiter. Der Bund würde dann den Vertrag wegen Nichterfüllung aufkündigen, die beiden Konzerne wären dann mit ihrem ambitionierten, bislang gut 700 Millionen Euro teuren Mautsystem gescheitert. Der haushaltspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Dietrich Austermann, forderte ebenfalls eine Kündigung. Frist zur Beseitigung "Wir erwarten, dass die Hängepartie endlich ein Ende hat", sagte er. Toll Collect hätte zwar nach der Kündigung eine Frist von zwei Monaten, um die Systempannen zu beseitigen. Es gilt jedoch als nahezu ausgeschlossen, dass dies gelingen könnte. Die Verkehrs- und Haushaltspolitiker der Regierungskoalition befürworten derzeit noch eine andere Variante. Toll Collect solle für eine Übergangszeit von zwei bis drei Jahren bei der Mauterfassung die funktionierende Mikrowellen-technologie etwa des italienischen Autobahnbetreibers Autostrade übernehmen, forderte die haushaltspolitische Sprecherin der Grünen, Franziska Eichstädt-Bohlig. Angebot aus Italien Autostrade-Manager Antonio Marano hatte vorher in Berlin zahlreichen Bundestagsabgeordneten aller Parteien versichert, dass dieses System in 12 bis 14 Monaten betriebsbereit sein werde. Schon von diesem Juli an könne Autostrade monatliche Mautabschläge in dreistelliger Millionenhöhe an den Bund überweisen. "Das finanzieren wir vor", sagte Marano. Im Gegenzug will sich Autostrade an der Satellitentechnologie von Telekom und DaimlerChrysler beteiligen. Es gebe darüber aber derzeit weder mit den Konzernen noch mit Verkehrsminister Stolpe Gespräche oder Verhandlungen, räumte Marano ein. | Schröder traut Bundesverkehrminister Stolpe die Lösung der Probleme anscheinend nicht mehr zu. Wie die "Süddeutsche Zeitung" erfuhr, spricht das Kanzleramt nun direkt mit der Deutschen Telekom und DaimlerChrysler. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/mautstreit-der-kanzler-greift-erneut-ein-1.900358 | Mautstreit - Der Kanzler greift erneut ein | 00/05/2010 |
Finn Kydland und Edward Prescott erhalten Wirtschafts-Nobelpreis für Arbeiten zum Regierungshandeln und zu Konjunkturzyklen. Zwei Aufsätze zu zwei völlig unterschiedlichen Themen, zweimal eine Erkenntnis, die der Ökonomie neue Impulse gab - der norwegische Wirtschaftswissenschaftler Finn Kydland, 60, und sein amerikanischer Kollege Edward Prescott, 63, verdanken ihnen den diesjährigen Nobelpreis für Ökonomie. Detailansicht öffnen Finn Kydland (links) und Edward Prescott. (Foto: Beide Fotos: Reuters) 1977 hatten sich die beiden mit der Frage beschäftigt, warum die Politik Probleme oft noch verschärft - auch wenn sie von richtigen Erkenntnissen geleitet ist. Sie schenkten der Ökonomie das "Problem der zeitlichen Inkonsistenz". Fünf Jahre später gingen sie der Frage nach, warum gängige ökonomische Modelle es nicht schafften, die turbulenten siebziger Jahre mit Ölpreis-Schock, Rezession und wachsender Arbeitslosigkeit einzufangen. Mal bergauf, mal bergab In einem Aufsatz von 1982 begründeten sie ein Modell, das erstmals plötzliche Verteuerungen, aber auch Fortschritt und wachsende Produktivität einfing - und so besser erklären konnte, warum es mit der Wirtschaft mal bergauf, mal bergab geht. "Ihre Arbeit hat nicht nur die Wirtschaftsforschung verändert", heißt es bei der Stockholmer Akademie, "sie hat auch die Wirtschaftspolitik weitreichend beeinflusst." Wissenschaftler haben später einmal versucht, das Problem der zeitlichen Inkonsistenz mit dem politischen Handeln vor und nach einem katastrophalen Hochwasser zu vergleichen. Vor dem Hochwasser wissen Politiker schon, welche Schäden Fluten anrichten können. Sie verbieten es daher, Häuser in Hochwasserregionen zu errichten. Aber viele Bürger ignorieren das Verbot und bauen in Flussnähe. Öffentlicher Druck Nach dem Hochwasser zeigt das Fernsehen Bilder von Hochwasseropfern, die auf Hausdächern der Hilfe harren. Die Regierung beugt sich dem öffentlichen Druck und zahlt den Bausündern von einst Entschädigungen. Die Folge: Die Politik verspielt jene Glaubwürdigkeit, die sie auch in Zukunft bräuchte, um Regeln durchzusetzen. In den Siebzigern beobachteten Kydland und Prescott dieses Phänomen in der Geldpolitik. Obwohl sich viele Regierungen dazu bekannt hatten, die Inflationsraten niedrig zu halten, legte die Teuerung nach einiger Zeit gefährlich zu. | Finn Kydland und Edward Prescott erhalten Wirtschafts-Nobelpreis für Arbeiten zum Regierungshandeln und zu Konjunkturzyklen. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/wirtschaftsnobelpreis-2004-regeln-gegen-den-irrtum-1.898538 | Wirtschaftsnobelpreis 2004 - Regeln gegen den Irrtum | 00/05/2010 |
In der kommenden Woche kommt die Bundesregierung mit den Betreibern des Mautsystems zusammen, um über einen Kompromiss zu verhandeln. Damit könnte die Kündigung des Betreibervertrages durch Verkehrsminister Manfred Stolpe verhindert werden. (9.01.2004) — Es zeichnen sich zwei Alternativen ab. Das Ministerium favorisiert dem Vernehmen nach eine Bürgschaftslösung, wie sie bereits im Dezember vom Hauptverband der Bauindustrie vorgeschlagen wurde. Fehlende Einnahmen Demnach soll die bundeseigene Verkehrsinfrastruktur Finanzierungsgesellschaft (VIFG) einen Kredit bis zu zwei Milliarden Euro aufnehmen dürfen. Mit diesem Geld sollen dann in diesem Jahr die Straßenbau- und Bahn-Projekte finanziert werden, die durch die fehlenden Mauteinnahmen gefährdet sind. Als Bürgen für den Milliardenkredit sollen die Toll Collect-Eigner DaimlerChrysler, Deutsche Telekom und der französische Autobahnbetreiber Cofiroute eintreten, die auch die Bürgschafts- und Zinskosten von rund 130 Millionen Euro tragen müssten. Schiedsgerichtsverfahren In Betracht kommt zudem eine Fondslösung. In diesem Fall legt das Verkehrsministerium in der zweiten Jahreshälfte einen Sonderfonds auf, um hieraus die Mautausfälle auszugleichen. Das Kalkül: Der Milliardenbetrag, der für den Ausbau der Infrastruktur benötigt wird, könnte dann über ein Schiedsgerichtsverfahren von Toll Collect zurückgefordert werden. Ministerium skeptisch Weder der Mautbetreiber noch das Verkehrsministerium wollen sich derzeit zu den beiden Varianten äußern. Die Verhandlungen sollen nicht gestört werden. Im Bundesfinanzministerium betrachtet man die Pläne skeptisch, da neue Schattenhaushalte befürchtet werden. Die Modelle haben ohnehin nur dann eine Chance, wenn Toll Collect mittelfristig ein funktionierendes Mautsystem garantieren kann. Dies ist weiterhin ungewiss. Erst in der nächsten Woche dürfte feststehen, ob die neue Abrechnungssoftware überhaupt funktioniert. | In der kommenden Woche kommt die Bundesregierung mit den Betreibern des Mautsystems zusammen, um über einen Kompromiss zu verhandeln. Damit könnte die Kündigung des Betreibervertrages durch Verkehrsminister Manfred Stolpe verhindert werden. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/toll-collect-annaeherung-im-maut-streit-1.906884 | Toll Collect - Annäherung im Maut-Streit | 00/05/2010 |
US-Notenbankchef Alan Greenspan, als Meister verbaler Verklausulierungen bekannt, sorgt mit einer neuen finanztechnischen Begriffsschöpfung für Verwirrung. Alan Greenspan warnt seit kurzem vor "Schaum" im zur Zeit heißen amerikanischen Immobilienmarkt - ein Begriff, der Amerikanern eher von ihrem Kaffee Latte aus der Starbucks-Kette geläufig ist. Detailansicht öffnen Spricht neuerdings von "Schaum" in der Wirtschaft: US-Notenbankchef Alan Greenspan. (Foto: Foto: Reuters) Gleich drei Mal nutzte er die Formulierung am Donnerstag vor dem gemeinsamen Wirtschaftsausschuss im Kongress, in Abgrenzung zu dem Begriff "Blase", mit dem der nicht durch Fundamentaldaten begründete Höhenflug der Aktienkurse Ende der 90er Jahre vor dem Einbruch bezeichnet wurde. Interpretationsspielraum Man könne den Eindruck gewinnen, Greenspan habe sich nebenbei bei Starbucks als Kaffeemixer verdingt, meinte die Washington Post am Freitag. Was Greenspan genau sagen wolle, bleibe wie gewohnt obskur. Was sei denn Schaum anderes als jede Menge kleiner Blasen, fragte die Zeitung. "Typisch Greenspan", resümiert der Reporter, und verweist darauf, dass Greenspan die Welt seit 18 Jahren mit elliptischen Sätzen und Äußerungen wie vom Orakel von Delphi unterhält - "meist mit großem wirtschaftlichen Erfolg". Verklausulierte Warnungen Den Aktienmärkten hatte Greenspan vor sechs Jahren "irrationale Überschwänglichkeit", bescheinigt, was sich erst später als erste Warnung vor dem Ende des Booms herausstellte. "Ich stelle mir gerade vor, wie tausende Studenten zu ihren Professoren laufen, um im Titel ihrer Doktorarbeit "irrationale Überschwänglichkeit" durch "Immobilienmarkt-Schaum" zu ersetzen", bemerkte der demokratische Senator Jack Reed trocken. | US-Notenbankchef Alan Greenspan, als Meister verbaler Verklausulierungen bekannt, sorgt mit einer neuen finanztechnischen Begriffsschöpfung für Verwirrung. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/geheimsprache-greenspan-warnt-vor-schaum-1.902969 | "Geheimsprache - Greenspan warnt vor ""Schaum""" | 00/05/2010 |
Politiker jeglicher Couleur nennen immer wieder ein Vorbild, wenn es um den Umbau des Sozialstaates geht: Skandinavien. Doch was macht die Länder im hohen Norden so erfolgreich? An einem kalten Dezembertag war Gösta Berling so verzweifelt, dass er sich in eine Schneewehe legte und sterben wollte. Denn er hatte große Schuld auf sich geladen. Ein hungriges Mädchen hatte ihm in großer Not einen Schlitten anvertraut, ein Sack Mehl hatte darauf gelegen, und Gösta Berling, der entlaufene Pfarrer in Värmland, hatte beides gegen Branntwein getauscht. Verantwortung muss der irrende Held erst lernen. Detailansicht öffnen Volle Straßencafes in Stockholm: Schweden ist nicht nur beliebt bei Touristen, sondern wird auch von Politikern bewundert. (Foto: Foto: AFP) So beginnt die "Sage von Gösta Berling", Selma Lagerlöfs schwedischer Bildungsroman aus dem Jahr 1891. Er endet mit einer Hymne auf die gemeinsame Arbeit: "Wir wollen alle gut sein. Wir wollen von jedem das Beste. Wir wollen keinem schaden." Der Schmiedehammer schlägt den Takt dazu. Traum von der Erlösung In diesen Tagen träumen viele von einer solchen Erlösung. Ihr schönes Bild wurde wieder im Norden gesichtet. Gerhard Schröder erklärte, gegen Helmut Kohl gewendet, im Norden habe man die großen Probleme des Sozialstaates schon in den neunziger Jahren erfolgreich angefasst. Oskar Lafontaine behauptete, die Schweden hätten vorgemacht, wie man mit Lohnerhöhungen die Wirtschaft fördere. Auch Edmund Stoiber lobte Schweden: Da habe endlich einmal ein Staat seine Hausaufgaben gemacht. Es ist keine zwei Jahrzehnte her, dass die skandinavischen Länder, allen voran Schweden, das Muster eines von allen möglichen Ansprüchen überlasteten, hoffnungslos bürokratisierten Sozialstaates abgaben. Höhnisch wurde kolportiert, dass Astrid Lindgren manchmal auf einen Steuersatz von mehr als hundert Prozent kam, freundlich wurde vermerkt, dass Ingmar Bergman vor der Enteignung durch das Finanzamt nach München flüchtete. Der Höhepunkt schien erreicht, als Anfang der neunziger Jahre der schwedische Immobilienmarkt zusammenbrach und die Krone um dreißig Prozent abgewertet werden musste. Der Umschlag vollzog sich dann in nicht mehr als ein, zwei Jahren. Seitdem ist nicht nur in Schweden, sondern auch in Dänemark und Finnland etwas gelungen, wovon man hierzulande lange vergeblich träumt: die Integration einer beinahe amerikanischen Form der freien Marktwirtschaft in den Sozialstaat, mit stetem Wachstum und regelmäßigen Überschüssen im Staatshaushalt. Ein Bild, das alle deutschen Parteien betört, ob sie nun tiefblau oder knallrot sind. Verhandlung statt Streit Wie es die Skandinavier geschafft haben? Mit denselben Mitteln, von denen auch in Deutschland stets die Rede ist, wenn es um den sogenannten Umbau des Sozialstaates gehen soll: durch eine - in Schweden vorsichtige, in Dänemark radikale - Lockerung des Kündigungsschutzes, durch Verkleinerung des Staatsapparats, durch Kostensenkungen im Gesundheitswesen, durch unbezahlte Karenztage bei Krankheit, durch eine teilweise Privatisierung der Altersvorsorge, kurz: mit dem üblichen, längst bis zum Überdruss beschworenen Instrumentarium der Liberalisierung. | Politiker jeglicher Couleur nennen immer wieder ein Vorbild, wenn es um den Umbau des Sozialstaates geht: Skandinavien. Doch was macht die Länder im hohen Norden so erfolgreich? | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/deutschland-bewundert-skandinavien-wir-wollen-alle-gut-sein-1.900217 | Deutschland bewundert Skandinavien - Wir wollen alle gut sein | 00/05/2010 |
Es sei das Interesse des Golf-Scheichtums, "in einem mehrstufigen Umsetzungsprozess letztlich Aktionär der Volkswagen AG zu werden", sagte Vorstandsvorsitzender Bernd Pischetsrieder am Donnerstag auf der Hauptversammlung. VW-Großaktionär Niedersachsen begrüßte den Einstieg: Abu Dhabi sei "ein interessanter Partner", sagte Ministerpräsident Christian Wulff. Das Geschäft bei VW lief im ersten Quartal unterdessen schlecht: Pischetsrieder bekräftigte seine Einschätzung, dass das erste Quartal "miserabel werden wird". Falls das Geschäft mit Abu Dhabi zu Stande kommt, wäre das Emirat nach Niedersachsen (18 Prozent) zweitgrößter VW-Aktionär. Dazu könnten bis zu zehn Prozent VW-Aktien, die der Konzern selbst hält, über Umwege an Abu Dhabi weitergereicht werden. Milliardenübernahme Das Geschäft muss noch vom VW-Aufsichtsrat abgesegnet werden. Außerdem kauft VW von der ABN Amro-Bank für eine Milliarde Euro 50 Prozent am größten europäischen Betreiber von Autoflotten, der niederländischen Firma Leaseplan. Im Januar und Februar hat VW sechs Prozent weniger Autos weltweit ausgeliefert. Im März habe das Geschäft angezogen, die Auslieferungen stiegen um 11 Prozent, sagte Pischetsrieder. Der Vorstandschef bekräftigte auch den Ausblick, wonach der Autobauer das operative Vorjahresergebnis von 2,5 Millionen Euro vor Sondereinflüssen wiederholen wolle. 2003 hatte VW einen Gewinneinbruch von 48 Prozent vor Sondereinflüssen ausgewiesen. Bei den einzelnen Modellen verwies Pischetsrieder vor allem auf den Golf, der nach einem schwachen Start nun in Schwung komme: Im März lagen die Zulassungen 40 Prozent über dem Vorjahr, nachdem VW gratis eine Klimaanlage in jeden Golf einbaut. Neues Billig-Modell Auch an der kritisierten Luxusstrategie hält Pischetsrieder fest: "Um in allen relevanten Segmenten gleich stark vertreten zu sein, ist es für Volkswagen notwendig, auch Modelle über dem Passat anzubieten", sagte er. Allerdings komme 2005 auch ein Billig-Auto, der Lupo-Nachfolger, für "deutlich unter 10.000 Euro." Zum geplanten Einstieg der Araber erklärte Pischetsrieder im Einzelnen, zunächst wolle VW zusammen mit der staatlichen Investmentgesellschaft von Abu Dhabi, der Mubadala Development Company (MDC), und der saudi-arabischen Privatgesellschaft Olayan für insgesamt 2 Milliarden Euro die niederländische Firma Leaseplan von der ABN Amro Bank übernehmen. VW will 50 Prozent an der Firma kaufen, die eine Autoflotte von 1,2 Millionen Wagen verwaltet. VW ist im profitablen Markt des Flottenmanagements bereits mit Europcar Fleetservices aktiv. Der Aufsichtsrat ermächtigte den VW-Vorstand laut Pischetsrieder, den Leaseplan-Kauf ganz oder teilweise mit eigenen Aktien zu bezahlen. Die VW-Aktien könnten dann nach Angaben eines VW-Sprechers an Abu Dhabi gehen, das den Vorbesitzer ABN Amro auszahlen würde. Der Aufsichtsrat muss dem aber noch zustimmen. Zunächst würde es sich um 6,5 Prozent der VW-Aktien handeln, die dem VW-Anteil am Kaufpreis von einer Milliarden Euro entsprechen. In VW-Kreisen heißt es, dass aber möglicherweise über andere Geschäfte alle 10 Prozent an Abu Dhabi gehen könnten. Das stehe aber noch nicht fest. | Das ölreiche Emirat Abu Dhabi will Großaktionär beim Wolfsburger Autohersteller werden. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/volkswagen-verliebte-blicke-von-den-scheichs-1.903592 | Volkswagen - Verliebte Blicke von den Scheichs | 00/05/2010 |
Krise und Terror führen dazu, dass die Deutschen ihr Verhältnis zum Urlaub normalisieren: Wenn gespart werden muss, spart man mittlerweile auch beim ehedem liebsten Kind. Nicht das Auto, der Urlaub war der Deutschen liebstes Kind. Ob gute oder schlechte Zeiten - für die Ferien war immer Geld da. Bis jetzt. Die derzeitige Wirtschaftskrise ist die erste, die die Manager der Touristik-Konzerne wirklich in ihren Bilanzen sehen können. Detailansicht öffnen Sommerliches Reiseziel: Badestrand im Sommer. (Foto: Foto: dpa) Terror, Krieg, ansteckende Krankheiten und schlechte Konjunktur haben das Geschäft mit dem Tourismus radikal verändert. Wie sehr der globalisierte Terror auch zu einer unberechenbaren ökonomischen Bedrohung geworden ist, zeigen die Reaktionen auf die jüngsten Bombenanschläge in Madrid: Die Börsenkurse sämtlicher Touristik-Aktien sackten sofort ab. Die Deutschen sind beim Reisen vorsichtig geworden. Die Konsumverweigerung trifft damit einen Wirtschaftszweig, der bislang sämtliche Krisen ohne Schaden überstanden hat: die Ölkrise Anfang der siebziger Jahre, den Golfkrieg 1991, Naturkatastrophen und sogar die Entführung von Touristen. Stetig nach oben Nichts von alledem hat den Tourismus nachhaltig belasten können. Seitdem Anfang der sechziger Jahre der Urlaub zum Industrieprodukt standardisiert worden war, gingen die Urlauberzahlen stetig nach oben. In den Nachkriegsjahren wurde die Ferienreise für viele sogar zu einer sozialen Errungenschaft. Sie galt als "schützenswertes Gut", war in der Bewertung nahezu gleichrangig mit Gesundheit und Bildung. Aus heutiger Sicht mag das seltsam sein, doch die Westdeutschen sehnten sich nach dem Krieg nach einer heilen Welt und vielleicht auch nach ein bisschen Exotik. Für die jahrzehntelang im Osten eingesperrten Menschen erfüllte sich nach dem Mauerfall mit der Reise-Freiheit ein sehnlicher Wunsch. Vor diesem Hintergrund wird deutlich, warum die Urlaubsreise bei den Deutschen einen so hohen Stellenwert hatte. Wer sparen musste, fuhr sein Auto, bis es auseinander fiel, trug den Mantel einen weiteren Winter und verschob die Anschaffung eines neuen Möbelstücks auf das nächste oder übernächste Jahr. Auf den Urlaub wurde nicht verzichtet. Inzwischen ist die Urlaubsreise aber ein normales Konsumgut geworden. Sie ist zwar wichtig, aber wenn gespart werden muss, dann spart man auch hier. Alles entscheidender Faktor Überhaupt ist der Preis zum alles entscheidenden Faktor geworden. Das haben die Reiseveranstalter allerdings selbst verursacht. Jahr für Jahr haben sie Urlaubsreisen billiger gemacht und ihre Kunden entsprechend programmiert. Das ging auch lange gut, weil die standardisierte Pauschalreise dem Gesetz der industriellen Massenproduktion gehorchte, die "Stückkosten" also durch die wachsende Mengen sanken. So konnten Preissenkungen an die Kunden weitergereicht werden. Zuletzt aber sind die Unternehmen an die Grenzen dieses Mengenwachstums gestoßen, weil sie die Kosten nicht so schnell senken konnten wie die Preise. Die Erklärung dafür ist einfach: Pauschalreisen sind verderblich, sie sind termingebunden. Je näher der Zeitpunkt für einen Abflug rückt, desto mehr wächst der Druck bei den Veranstaltern, die Reise irgendwie noch loszuwerden. Viel Geld geht verloren, wenn Hotelzimmer und Flugsitze leer bleiben. Oftmals werden die Arrangements dann zum halben Preis verramscht. Verluste Im vergangenen Jahr, dem bislang für die Reisebranche härtesten, wurde fast jede dritte Pauschalreise so kurzfristig verkauft. Das hat den Unternehmen Verluste beschert. Entlassungen, Pleiten und drastische Sparkurse sind die Folge. Da wundert es nicht, dass jetzt alles versucht wird, damit sich Urlaub wieder verkauft. Nun sollen Rabatte für frühes Buchen die Kunden in die Reisebüros holen. Viele reagieren vernünftig und nutzen dies. Der Rest wartet auf das Last-Minute-Angebot. Diejenigen, die Preise ohne Abschläge zahlen, machen sich rar. Die Urlauber haben in der Krise nämlich eines gelernt: möglichst billig zu verreisen. Sie vergleichen die Preise beim Urlaub jetzt genauso wie bei anderen Gütern. Die Ferienreise ist eine Ware wie jede andere geworden. | Krise und Terror führen dazu, dass die Deutschen ihr Verhältnis zum Urlaub normalisieren: Wenn gespart werden muss, spart man mittlerweile auch beim ehedem liebsten Kind. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/kommentar-reisen-eine-ware-wie-jede-andere-1.907398 | Kommentar - Reisen - eine Ware wie jede andere | 00/05/2010 |
Von EADS bis Escada: Russische Konzerne und Milliardäre kaufen sich in Deutschland ein. Viele sehen das mit Sorgen - Fachleute sagen dagegen, die Partnerschaft zahle sich für alle aus. Der Aufsichtsrat tagte am Mittwoch dieser Woche in München. Der russische Multimillionär und Escada-Großaktionär Rustam Aksenenko, 33, hatte die außerordentliche Sitzung einberufen lassen. Auf der Tagesordnung standen eine brisante Personalie: Escada-Chef Frank Rheinboldt musste wegen unterschiedlicher Auffassungen über die künftige Strategie und Geschäftspolitik gehen. Aksenenko, der mehr als 25 Prozent der Aktien hält, geht der Umbau von Escada nicht schnell genug. Er demontierte Rheinboldt gezielt und installierte jetzt einen Vertrauten, den Franzosen Jean-Marc Loubier, als neuen Konzernchef. Der Fall Escada wirft ein spektakuläres Schlaglicht darauf, wie sich russische Investoren immer stärker bei deutschen Unternehmen engagieren. Auch im strategisch sensiblen Energiebereich spielen sie bereits eine Rolle. So betreibt der russische Energiekonzern Gazprom gemeinsam mit der BASF-Tochter Wintershall die deutsche Gashandelsfirma Wingas. Erst kürzlich baute der Geschäftsmann Oleg Deripaska seinen Anteil am Essener Baukonzern Hochtief von drei auf knapp zehn Prozent aus - für 390 Millionen Euro. Zuvor hatte sich der 39-Jährige beim kanadischen Autozulieferer Magna eingekauft sowie beim österreichischen Baukonzern Strabag. Großes Aufsehen erregte, als sich 2005 die staatliche russische Bank JSC VTB eine Beteiligung von fünf Prozent an dem europäischen Luft- und Raumfahrtunternehmen EADS kaufte, das auch den Airbus und Militärflugzeuge baut. An einem Einstieg bei der Deutschen Telekom zeigt der russische Mischkonzern Sistema, der von Ex-Telekom-Chef Ron Sommer beraten wird, immer wieder sein Interesse. "Machtpolitischer Angriff einer russischen Clique" Auch kleine Unternehmen sind zunehmend im Fokus russischer Investoren. Der Kosmetikkonzern Kalina aus Jekaterinburg kaufte sich in die schwäbische Dr. Scheller AG ein. Die russische Atlas Connection hält heute die Mehrheit an dem Landmaschinenhersteller Franz Kleine in Westfalen. Die staatliche Vnestorg-Bank (VTB) übernahm die Frankfurter Ost-West-Handelsbank. Auch der Berliner Tanklagerbetreiber Tabeg ist inzwischen in russischer Hand. Oft allerdings sorgt das russische Interesse an deutschen Firmen für große Unruhe. Vor allem wurde das deutlich, als sich Sistema im Herbst 2006 an der Deutschen Telekom beteiligen wollte. Da beklagten sich Telekom-Aufsichtsräte über den "machtpolitisch motivierten Angriff einer russischen Clique". Von "Industrieimperialismus" war die Rede. Fachleute aus der Wirtschaft halten diese Sorgen vor den Russen für unberechtigt und übertrieben. "Investitionen russischer Firmen in Deutschland sind auch in unserem Interesse", sagt Alexander Dibelius von der Investmentbank Goldman Sachs. | Von EADS bis Escada: Russische Konzerne und Milliardäre kaufen sich in Deutschland ein. Viele sehen das mit Sorgen - Fachleute sagen dagegen, die Partnerschaft zahle sich für alle aus. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/russische-milliardaere-auf-einkaufstour-die-grosse-angst-vor-den-schattenmaennern-1.903664 | Russische Milliardäre auf Einkaufstour - Die große Angst vor den Schattenmännern | 00/05/2010 |
Durch große Fusionen haben deutsche Pharmafirmen ihre einstige Spitzenstellung verloren. Der Versuch einer feindlichen Übernahme von Schering durch Merck zeigt, dass die hiesigen Manager inzwischen die zweite Liga satt haben. Die Firma Merck hat ihren Traum am Montag nicht verborgen: Durch die Übernahme des Wettbewerbers Schering soll ein bedeutendes globales Pharma- und Chemieunternehmen entstehen. So lautet der erste Satz, mit dem Merck in der Öffentlichkeit die - notfalls auch feindliche - Offerte verteidigte. Detailansicht öffnen Die Größenverhältnisse innerhalb der Pharmabranche. (Foto: Grafik: Süddeutsche Zeitung) Das zeigt zweierlei: Die deutschen Arzneimittelhersteller spielen nicht mehr vorne mit in der Pharmabranche. Und: Das war einmal anders - und so sind deutsche Pharmachefs die zweite Liga inzwischen leid, sie sehnen sich nach neuer Größe. Durch den Zusammenschluss entstünde ein deutscher Champion: Eine Merck-Schering würde 54.000 Mitarbeiter in mehr als 150 Ländern beschäftigen - und einen Umsatz von 11,2 Milliarden Euro erzielen. Damit würde der Konzern sogar Bayer und Boehringer Ingelheim übertrumpfen. Nur einer in den Top 20 27,4 Milliarden Euro hat Bayer 2005 umgesetzt, davon 9,4 Milliarden im Geschäft Health Care. Boehringer erlöste 2004 etwa 8,2 Milliarden Euro und hat diverse innovative Mittel im Sortiment. Das Unternehmen spielt als einziger deutscher Konzern in den Top 20 weltweit mit. Die Reihenfolge der umsatzstärksten Firmen wurde in den 90er Jahren durch Übernahmen und Zusammenschlüsse kräftig durcheinander gewirbelt. Das jüngste und in Deutschland wohl schmerzhafteste Beispiel ist das Schicksal des einstigen Vorzeigelieblings Hoechst. Im Jahr 1999 ging die Firma vor den Toren Frankfurts freiwillig mit dem französischen Wettbewerber Rhone-Poulenc zusammen. Aber der zu Aventis fusionierte Konzern blieb nicht lange allein. 2004 schaffte ein französischer Wettbewerber mit Rückhalt aus Paris das scheinbar Unmögliche: Die kleinere Firma Sanofi schluckte Aventis - und es entstand der drittgrößte Pharmagigant. Nur noch Konglomerate Vor Sanofi rangieren nur noch Konglomerate. An der Weltspitze herrscht Pfizer, der Konzern hatte zuvor Pharmacia und Warner-Lambert gekauft. Auch die Nummer zwei, GlaxoSmithKline, besteht aus mühsam integrierten Einzelkämpfern. | Durch große Fusionen haben deutsche Pharmafirmen ihre einstige Spitzenstellung verloren. Der Versuch einer feindlichen Übernahme von Schering durch Merck zeigt, dass die hiesigen Manager inzwischen die zweite Liga satt haben. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/deutsche-pharmaindustrie-vom-traum-ganz-vorne-mitzuspielen-1.899247 | Deutsche Pharmaindustrie - Vom Traum, ganz vorne mitzuspielen | 00/05/2010 |
Im Frühjahr 1929 schlug BMW ein großes Kapitel bayerischer und deutscher Industriegeschichte auf. Der bislang ausschließliche Hersteller von Flugzeugmotoren und Motorrädern, die Bayerische Motoren Werke AG, stieg in den Automobilbau ein. Eine wechselvolle deutsche Automobilgeschichte beginnt 1929 mit britischer Unterstützung: Zunächst noch in Lizenz baut BMW im neu erworbenen Werk Eisenach den Austin Seven. Wenig später wird der Zweitürer 3/15, der noch auf dem britischen Modell basiert, im Volksmund schon liebevoll "Dixi" genannt. Er findet für die Zeit respektable 16.000 Käufer. Die ersten Schritte sind getan. Detailansicht öffnen BMWs Anfänge: Links der "Dixi", der noch auf einem britischen Entwurf basierte. Der 3003 (rechts) begründete die Tradition des Nierengrills. (Foto: Foto: dpa) 1932: Das erste Selbstkontruierte 1932 präsentiert BMW dann das erste selbst konstruierte Auto, das 3/20 AM1 (1. Auto München). Ein Jahr später beginnen mit dem Modell 303 eine doppelte technische Tradition: Der 303 zeigt als erster Wagen der Münchner den für die Frontpartie eines BMW so charakteristischen Nierengrill. Außerdem läuft erstmals ein Reihensechszylinder unter der Motorhaube - wegen der Laufruhe bis heute erste Wahl der Münchner Ingenieure. Der 2. Weltkrieg: Fast das Aus Der Zweite Weltkrieg bedeutet für BMW fast das automobile Aus. Das Autowerk Eisenach liegt in der sowjetischen Besatzungszone und steht nicht mehr zur Verfügung. Erst 1951 stellen die Bayern mit dem 501 - genannt "Barockengel" - wieder ein Auto vor. Fast wäre der 501 sogar deutsche Staatskarosse geworden, doch soll - wie die Legende sagt - Bundeskanzler Konrad Adenauer bei einer Probefahrt der Hut vom Kopf gestoßen worden sein. Deutsche Politiker fuhren daraufhin für rund 40 Jahre Mercedes-Benz. 1959: Drohende Übernahme durch Daimler Benz 1959 ist das Krisenjahr von BMW. Die Verluste in der Bilanz sind in den zurückliegenden Jahren auf 49 Millionen DM angewachsen - die Produktion ist unrentabel und nicht konkurrenzfähig. BMW ist ein Sanierungsfall - der Verkauf an Daimler Benz scheint schon beschlossene Sache. Zwei Kleinaktionären gelingt auf der Hauptversammlung am 9. Dezember 1959 das schier Unmögliche: Sie bringen eine Front gegen das Angebot des Stuttgarter Konkurrenten zu Stande. BMW bleibt selbstständig. Kurze Zeit später steigt dann die Industriellen-Familie Quant bei den Münchnern ein - sie ist bis heute wichtigster Aktionär. Nach der Krise: Klein- und Sportwagen In der Folge experimentiert BMW sowohl im Kleinwagensegment als auch in der Klasse der spritfressenden PS-Maschinen. Mit wechselhaftem Erfolg: Vor allem die beiden großen Roadster Z1 (1988) und Z8 (2000) erreichten die geplanten Produktionszahlen nicht einmal annähernd. Der mitten in der Ölkrise 1973 vorgestellte 2002 turbo fällt wegen des enormen Spritverbrauchs von 14 Litern Super bei den Käufern durch. 1973: Start der 5'er-Reihe Besser gelingen BMW da schon die Baureihen für Jedermann. 1973 läuft in Dingolfing die 5er-Baureihe vom Band. Seit 1975 haben die Münchner die 3er-Reihe, zwei Jahre später dann den ersten 7er im Programm. Der X5 schließt seit 1995 die Lücke bei den geländegängigen Mehrzweckfahrzeugen, seit Anfang dieses Jahres gibt es die abgespeckte Version X3. Die 90'er: Das Rover-Missverständnis Die 90er Jahre werden für die Münchner allerdings fast zum Debakel. Die Übernahme des britischen Autobauers Rover samt der Marken Mini, MG und Land Rover 1994 entpuppt sich als teurer Flop. Ein Fehlbetrag von 2,5 Milliarden Euro in der Bilanz des Jahres 1999 kostet Vorstandschef Bernd Pischetsrieder den Job. BMW verkauft Land Rover an Ford, MG Rover geht an die britische Phönix-Gruppe. Kampf um Rolls-Royce Um die Marke Rolls-Royce entbrennt in den folgenden Jahren eine erbitterte Übernahmeschlacht mit Volkswagen, die BMW schließlich zu seinen Gunsten entscheiden kann. VW übernimmt die Schwestermarke Bentley - BMW baut seit Anfang 2003 im südenglischen Goodwood den neuen Rolls-Royce Phantom. Roverscher Segen: Der Mini Die britische Traditionsmarke Mini bleibt ebenfalls im Besitz der Bayern. Wie sich bald herausstellt, ist das ein Segen: Die Neuauflage des Kultautos seit 2002 wird ein Erfolg und macht BMW wie schon zu Beginn der automobilen Unternehmensgeschichte wieder Lust auf Kleinwagen: In Kürze soll der Mini auch als Cabrio angeboten werden. Und ebenfalls noch in diesem Jahr soll der neue 1er in der umkämpften Golfklasse die Lücke zwischen Mini und 3er-Reihe schließen. | Im Frühjahr 1929 schlug BMW ein großes Kapitel bayerischer und deutscher Industriegeschichte auf. Der bislang ausschließliche Hersteller von Flugzeugmotoren und Motorrädern, die Bayerische Motoren Werke AG, stieg in den Automobilbau ein. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/im-zeichen-des-nierengrills-75-jahre-auto-weiss-blau-1.906504 | Im Zeichen des Nierengrills - 75 Jahre Auto Weiss-Blau | 00/05/2010 |
Die Bremerhavener Werft ist zum zweiten Mal in ihrer Geschichte in finanzielle Schieflage geraten. Es treffe "ein florierendes Unternehmen, das durch das Unglück vom 14. Januar in diese Lage gekommen ist", sagte Werftchef Werner Lüken. Am 14. Januar war das neue Kreuzfahrtschiff "Pride of America" im Sturm an der Pier gekentert. Es liegt seitdem mit Schlagseite im Hafenbecken. Vor knapp neun Jahren hatte der Zusammenbruch des Mutterkonzerns - die Bremer Vulkan Verbund AG - die Werft zum ersten Mal in die Krise geführt. Größtes Interesse Mit der Insolvenz soll nach Angaben von Bremens Wirtschaftssenator Hartmut Perschau (CDU) die Werft gerettet werden. Nur so gebe es die Chance, die Arbeit fortsetzen zu können, sagte er am Montag vor der Belegschaft. "Der Senat hat größtes Interesse, dass die Werft auch in Zukunft als wichtiger Arbeitgeber erhalten bleibt." Eine nicht gezahlte Rate des Auftraggebers der "Pride of America" im zweistelligen Millionenbereich habe letztlich keine andere Wahl als die Insolvenz gelassen, sagte Perschau. Geschäftsführung, Banken, Versicherung und Senat hätten sich auf "die beste Lösung" geeinigt. Schnelle Lösung Die IG Metall Küste forderte eine schnelle Lösung. "Es kann nicht sein, dass die Verantwortung zwischen Banken, Land und Reeder hin- und hergeschoben wird, während auf der anderen Seite mehr als 2000 Arbeitsplätze in Gefahr sind", sagte Bezirksleiter Frank Teichmüller. Lüken ist dennoch optimistisch, dass das Schiff auf der Werft zu Ende gebaut wird. Ein entsprechendes Interesse habe die Reederei Norwegian Cruise Line bisher allerdings nur mündlich bekundet, sagte der Werftchef. Am Mittwoch würden weitere Verhandlungen mit der Reederei geführt. Mit der Bergung der havarierten "Pride of America" soll nach Angaben Lükens in der kommenden Woche begonnen werden. "Für die 525 Mitarbeiter der Werft war das eine harte Nachricht", sagte der Betriebsratsvorsitzende Klaus Rosche. Keiner habe auf der Betriebsversammlung eine Frage gestellt. Normale Arbeit "Die müssen alle erstmal eine Nacht darüber schlafen." Erstmal werde aber normal weitergearbeitet. Den Verdienst erhalten die Beschäftigten in den kommenden drei Monaten über das gesetzliche Insolvenzausfallgeld. Er hoffe, dass sich die schwierige Lage der Werft nicht zu einem Flächenbrand bei den Zulieferer entwickle, sagte Lüken. "Wir sind in Bremerhaven und der Region Bestandteil eines maritimen Netzwerks. Darin sind wir der größte Fisch." Insolvenzverwalter wird nach Angaben des Amtsgerichts Bremerhaven Wolfgang van Betteray aus Düsseldorf. Van Betteray hatte 1996 als Vergleichsverwalter die Geschicke der Werft geregelt und sie aus der Krise geführt. | Die Bremerhavener Werft ist zum zweiten Mal in ihrer Geschichte in finanzielle Schieflage geraten. Es treffe "ein florierendes Unternehmen, das durch das Unglück vom 14. Januar in diese Lage gekommen ist", sagte Werftchef Werner Lüken. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/lloyd-werft-insolvenz-nach-kentern-der-pride-of-america-1.917536 | "Lloyd Werft - Insolvenz nach Kentern der ""Pride of America""" | 00/05/2010 |
Nach dem Traumstart in dieses Jahr hätte es für den deutschen Leitindex Dax kaum besser laufen können. Doch dann schien sich die alte Bauernregel zu bestätigen, nach der der Monat Mai ein schlechter Börsenmonat ist. Manche Profis trauen dem Dax aber immer noch viel zu. Eine vielzitierte Börsenweisheit besagt: "Sell in May and go away." Der Mai gilt bei Aktionären als Verkaufsmonat, um Gewinne vor den traditionell schwachen Sommermonaten zu sichern. Detailansicht öffnen Handelssaal der Deutschen Börse in Frankfurt. (Foto: Foto: dpa) Die historische Statistik ergibt jedoch ein anderes Bild: Nach Berechnungen der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) waren seit Einführung des Dax im Jahre 1988 der August und der September mit einem Minus von durchschnittlich 2,4 beziehungsweise 4,3 Prozent die schlechtesten Börsenmonate. Im Mai verbesserten sich die Kurse dagegen um 1,1 Prozent, das ist sogar etwas mehr als der Monatsdurchschnitt von 0,99 Prozent. Verluste im Wonnemonat In diesem Jahr scheint die Mai-Bauernregel der Börsianer allerdings zuzutreffen: Vom Jahresanfang bis Dienstag vor einer Woche legte der Dax fast 14 Prozent zu. Seitdem hat er aber etwa acht Prozent oder rund 450 Punkte verloren. Noch sprunghafter war die Entwicklung bei den Nebenwerte-Indizes: Der MDax für die 50 wichtigsten Werte unterhalb des Dax gewann zunächst gut 25 Prozent, gab in den vergangenen sieben Handelstagen aber mehr als 12 Prozent ab. Der Mai ist damit bislang der Verlustmonat des Jahres. Trotzdem konnten Anleger, die auf deutsche Aktien setzten, unter dem Strich Gewinne erzielen: Immerhin verbesserten sich Dax und MDax seit Anfang des Jahres um mehr als vier beziehungsweise um fast zwölf Prozent. Dieser Trend spiegelt sich auch in den Aktienfonds wider, die überwiegend in deutsche Dividendenpapiere investieren. Von den 15 besten in dieser Kategorie haben fast alle Wertzuwächse von mehr als 20 Prozent in den vergangenen sechs Monaten erzielt. Viele konnten dabei den Dax schlagen - wie etwa Heidrun Heutzenröder, Managerin des ältesten deutschen Aktienfonds, des Fondak vom Fondsanbieter Cominvest (Tabelle). Dies gelang ihr vor allem durch die Beimischung von Nebenwerten. Knapp 35 Prozent des eingesammelten Anlegergelds hat Heutzenröder in MDax- und SDax-Werte gesteckt, wie etwa K & S, Fresenius oder Puma. Glimpflich davon gekommen Im Mai verzeichneten die Fonds natürlich genauso wie die Indizes aus der Dax-Familie Abschläge. Beim Fondak sind sie aber bisher mit einem Minus von knapp drei Prozent deutlich geringer als beim Dax, der in diesem Monat bereits fast sechs Prozent abgab. | Nach dem Traumstart in dieses Jahr hätte es für den deutschen Leitindex Dax kaum besser laufen können. Doch dann schien sich die alte Bauernregel zu bestätigen, nach der der Monat Mai ein schlechter Börsenmonat ist. Manche Profis trauen dem Dax aber immer noch viel zu. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/trotz-boerseneinbruch-profis-hoffen-auf-neuen-kursanstieg-1.902926 | Trotz Börseneinbruch - Profis hoffen auf neuen Kursanstieg | 00/05/2010 |
Immer mehr Korruptionsfälle werden aufgedeckt - dank der Hartnäckigkeit von Staatsanwälten, besserer Kontrollen von Banken und auch der Unternehmen selbst Jeder neue Korruptionsfall ist Peter von Blomberg eine rechte Freude. Das Vorstandsmitglied von Transparency International (TI), Landesgruppe Deutschland, kann sich in diesen Monaten häufig freuen: Ein Bestechungsfall nach dem anderen wird bekannt. Alltägliche Skandale Von den beinahe schon alltäglich gewordenen Schmiergeldskandalen in der Automobilzulieferindustrie über mögliche Bestechung von Elektronikhändlern durch Philips-Manager, vom Sündenbabel VW über Fehltritte bei Firmen wie Ikea, Infineon DaimlerChrysler, Deutsche Bank und SAP bis hin zum jüngsten Fall beim Elektronik-Weltkonzern Siemens: Korruption in den unterschiedlichsten Spiel- und Abarten drängt sich mit Wucht in die Schlagzeilen. Jeder veröffentlichte Fall aber, weiß TI-Experte Blomberg, ist nur einer von unendlich vielen. Auf 90 Prozent wird die Dunkelziffer im Reich des Gebens und Nehmens geschätzt - eine sehr grobe Annäherung, die in der Natur der Sache liegt: Die Täter handeln im Verborgenen, und meist merken die Opfer von nichts. Kriminelle Handlungen in Unternehmen gesellen sich zum alltäglichen Betrug - von der Schummelei bei der Steuererklärung bis zum großangelegten Firmenmanöver ist es ein fließender Übergang. Deshalb ist noch nicht einmal sicher, dass Korruption wirklich (wie verschiedentlich behauptet) immer mehr um sich greift. Womöglich gelingt nur die Aufklärung besser als früher. Dafür könnten zwei Gründe maßgeblich sein: Zum einen haben sich quer durch die Republik Schwerpunktstaatsanwaltschaften etabliert, die mit wachsendem Erfolg den Sündern auf den Fersen sind. Mit den Ermittlern steigen die Fälle Die Experten sprechen von einer "Hol-Kriminalität": Je mehr Ermittler, desto mehr Fälle. In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl der Korruptionsverfahren in Deutschland mehr als vervierfacht - auf 1650 im Jahr 2005. Oberstaatsanwälte wie Wolfgang Schaupensteiner in Frankfurt sind die Stars der Szene, aber sie bekommen immer mehr Kollegen, die weniger bekannt, jedoch ebenso effektiv sind. Zum anderen leistet auch die Wirtschaft selbst ihren Beitrag zur Bekämpfung der Korruption. Sowohl bei der Vorbeugung als auch bei der Aufklärung von Delikten sind besonders die großen Konzerne glaubwürdig aktiv, lobt TI-Experte von Blomberg. In der zweiten Hälfte der neunziger Jahre ist in der Korruptionsbekämpfung eine Zeitenwende eingetreten. Weil die Industrieländerorganisation OECD damals vereinbarte, dass die Auslandsbestechung auch im Inland strafbar werden solle, hat sich die Kultur in den Unternehmen verändert. Jung-Manager sind weniger korrupt Obwohl Korruption im Großen wie im Kleinen nach dem Prinzip funktioniert, dass man eigentlich dagegen ist, im konkreten Fall aber mitmacht oder mitmachen muss, gewinnt die Einsicht Raum, dass man sich am Ende auch selbst schadet - und sei es nur wegen des Imageverfalls. Besonders junge Manager, haben Experten beobachtet, räumen mit alten Geflogenheiten auf und versuchen, sauber arbeiten zu lassen. Der gesamtwirtschaftliche Schaden der Korruption ist ohnehin unstrittig: Er beträgt für deutsche Unternehmen geschätzt bis zu hundert Milliarden Euro im Jahr. Auch die Firma Siemens, die jetzt wieder im Blickpunkt steht, bemüht sich seit einigen Jahren intensiv um den Kampf gegen die Korruption, bestätigt TI-Experte Blomberg. Freilich ist die Mitgliedschaft des Unternehmens bei der Organisation weiterhin suspendiert, weil die Bestechung des italienischen Stromkonzerns Enel zwischen 1999 und 2002 durch drei frühere Mitarbeiter noch nicht ausreichend aufgearbeitet sei. Insgesamt aber ist Blomberg dem Münchner Konzern nicht gram, im Gegenteil: "Gerade mit gebrannten Kindern", weiß er aus Erfahrung, "kann man hinterher am besten zusammenarbeiten." | Immer mehr Korruptionsfälle werden aufgedeckt - dank der Hartnäckigkeit von Staatsanwälten, besserer Kontrollen von Banken und auch der Unternehmen selbst | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/korruption-im-labyrinth-des-gebens-und-nehmens-1.900003 | Korruption - Im Labyrinth des Gebens und Nehmens | 00/05/2010 |
Die Forderung einer 31-prozentigen Lohnerhöhung für die Lokführer klingt irrwitzig. Das räumt sogar ein Lokführer ein, der am Dienstag in München gestreikt hat. Doch selbst wenn sich die Gewerkschaft vollständig durchsetzen könnte, würde er erst den Netto-Lohn eines verbeamteten Kollegen von 1992 erreichen, behauptet er. Lokführer Dominick Schweitzer steht am Dienstagmorgen am Münchner Hauptbahnhof vor dem Regionalexpress RE 35926 nach Ingolstadt. In der Hand hält er ein Schild: "Dieser Betrieb wird bestreikt!" Es ist das erste Mal, dass der 35-Jährige sich die dünne weiße Plastikweste der Lokführergewerkschaft GDL übergestreift hat. "Ich bin heute in die Gewerkschaft eingetreten", sagt er. "Bislang habe ich nicht viel von Gewerkschaften gehalten, aber jetzt hab ich erstmals das Gefühl, dass hier wirklich etwas für die Interessen der Mitarbeiter getan wird." Von den großen Eisenbahner-Organisationen Transnet und GDBA fühlt sich Schweitzer als Lokführer nach deren Tarifabschluss im Stich gelassen. "Die tun zu wenig für das Fahrpersonal", sagt er. Weiterhin eine 41-Stunden-Woche So gelte für die Lokführer weiter eine 41- statt einer 39-Stunden-Woche. Die Forderungen der Lokführergewerkschaft GDL sieht der Eisenbahner in der Öffentlichkeit jedoch schief dargestellt. "Klar, wenn es immer heißt, 31 Prozent mehr Lohn, klingt das irrwitzig", sagt Schweitzer. "Aber selbst wenn sich die GDL voll durchsetzen könnte, würden wir damit erst das Netto-Lohnniveau eines verbeamteten Lokführers von 1992 erreichen", behauptet er. Bei der Deutschen Bahn gebe es unter den Lokführern mit Beamten und Angestellten ein Zweiklassensystem mit einem großem Einkommensgefälle. "Und wenn ich hier am Münchner Hauptbahnhof einem Kollegen aus Österreich erzähle, was ich verdiene, ist das ein Witz. Der hat netto fünf-, sechshundert Euro mehr in der Tasche." Als noch seine Frau bei den beiden kleinen Kindern zu Hause blieb, sei er als Alleinverdiener mit der günstigen Steuerklasse auf knapp 1800 Euro netto gekommen: "Aber nur weil ich über die Hälfte Nachtdienst gemacht habe und drei von vier Sonntagen im Monat gefahren bin." Billige Eisenbahnerwohnung Nachdem er 1999 zu Bahn ging, habe er davon gerade noch in München leben können. "Da hatten wir noch eine Eisenbahnerwohnung bekommen, aber die wurden ja kurz darauf verkauft." Mit einem Schlag sei die Kaltmiete von 680 Euro bis auf den letzten Cent um die erlaubten 20 Prozent erhöht und die nächste Erhöhung in drei Jahren gleich mitangekündigt worden. | Die Forderung einer 31-prozentigen Lohnerhöhung für die Lokführer klingt irrwitzig. Das räumt sogar ein Lokführer ein, der am Dienstag in München gestreikt hat. Doch selbst wenn sich die Gewerkschaft vollständig durchsetzen könnte, würde er erst den Netto-Lohn eines verbeamteten Kollegen von 1992 erreichen, behauptet er. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/warum-die-lokfuehrer-streiken-was-zum-leben-bleibt-ist-sehr-gering-1.915219 | "Warum die Lokführer streiken - ""Was zum Leben bleibt, ist sehr gering""" | 00/05/2010 |
Die Bayerische Landesbank hat bei einem komplizierten Geschäft mit Aktien des Chemiekonzerns Altana knapp 45 Millionen Euro verloren. Jetzt muss ein Vorstandsmitglied gehen. Der Verwaltungsrat der Bayerischen Landesbank (Bayern LB) ließ sich nach Informationen der Süddeutschen Zeitung am Donnerstagabend vom Vorstand und eigens eingesetzten Prüfern umfassend über das finanzielle Desaster beim Handel mit Altana-Aktien informieren und beschloss anschließend die fristlose Kündigung von Vorstandsmitglied Burgmer. Detailansicht öffnen Der Bayerische Löwe vor dem Gebäude der Bayerischen Landesbank in Muenchen. (Foto: Foto:) Das öffentlich-rechtliche Institut verlor durch das ungewöhnliche und komplizierte Aktiengeschäft 44,6 Millionen Euro. Burgmer wurde vorgeworfen, die übrigen Vorstände und Landesbankchef Werner Schmidt zu spät über das ebenso komplizierte wie verlustreiche Geschäft informiert zu haben. Außerdem sei Burgmer, der für Finanzmarktgeschäfte zuständig war, für Organisationsfehler in seinem Bereich verantwortlich. Burgmer wird nicht ersetzt, die Vorstand der Bayern LB besteht künftig aus sieben statt bisher acht Managern. Landesbankchef Schmidt sagte auf Anfrage, sein Haus kommentiere Personalangelegenheit nicht. Er nahm auch sonst nicht Stellung zu dem Vorgang, deutete aber an, dass die Bayern LB den Verlust gut wegstecken könne. "Unser Geschäftsergebnis im ersten Halbjahr ist exzellent und liegt weit über dem, was wir im ersten Halbjahr 2006 erwirtschaftet haben." Die Bayern LB hatte am Freitag intern mitgeteilt, dass Burgmer gehe, aber keine Gründe genannt. Der 1960 geborene Burgmer war 2001 in den Vorstand aufgerückt. Sein Vertrag war erst vor wenigen Monaten verlängert worden und wäre noch bis 2011 gelaufen. Burgmer war am Freitag nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Gegenüber dem Verwaltungsrat hatte er erklärt, ihn treffe keine Schuld am dem fehlgeschlagenen Geschäft. Der Verwaltungsrat, der die Bayern LB beaufsichtigt, war nach eingehender Diskussion aber zu einem gegenteiligen Ergebnis gelangt. Aktienhändler und Abteilungsleiter im Urlaub Dem Verwaltungsrat der halbstaatlichen Landesbank gehören unter anderem die Minister Kurt Faltlhauser (Finanzen), Günther Beckstein (Innen) und Erwin Huber (Wirtschaft) an. Außerdem ist der Sparkassenverband Bayern, der zusammen mit dem Freistaat die Landesbank betreibt, im Kontrollgremium vertreten. Das Desaster beim Handel mit Altana-Papieren hatte sich nach Informationen aus Bankkreisen vor allem am 3. Mai abgespielt. Der eigentlich in der Bayern LB für dieses Geschäft zuständige Aktienhändler sei an diesem Tag ebenso in Urlaub gewesen wie sein Abteilungsleiter, der betreffende Bereichsleiter und der zuständige Vorstand Burgmer. Ein anderer Aktienhändler, der sich vertretungsweise um dieses Geschäft gekümmert habe, sei überfordert gewesen. Dieser Mitarbeiter wurde nach Angaben aus Bankkreisen abgemahnt. Außergewöhnlich heftige Kursschwankungen Der zuständige Aktienhändler, der Abteilungs- und der Bereichleiter wurden, nachdem der Verlust bekannt geworden war, vom Vorstand gekündigt. Außerdem setzte der Vorstand eigene Prüfer auf den Fall an und schaltete die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) ein. Altana-Aktien hatten Anfang Mai an der Börse für Aufsehen gesorgt. Das damals noch im Dax notierte Papier des Unternehmens aus Bad Homburg erlebte außergewöhnlich heftige Kursschwankungen. Altana hatte sich von seiner Pharma-Sparte getrennt und den größten Teil des Erlöses als Sonderdividende an seine Aktionäre ausgeschüttet. Der Kurs fiel daraufhin zunächst um mehr als die Hälfte und schwankte in den Tagen danach erheblich. | Die Bayerische Landesbank hat bei einem komplizierten Geschäft mit Aktien des Chemiekonzerns Altana knapp 45 Millionen Euro verloren. Jetzt muss ein Vorstandsmitglied gehen. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/45-millionen-euro-bei-aktiengeschaeften-verloren-bayern-lb-feuert-vorstand-1.902448 | 45 Millionen Euro bei Aktiengeschäften verloren - Bayern LB feuert Vorstand | 00/05/2010 |
Ein Grieche ist die zentrale Figur im System der Schwarzgeldkonten bei Siemens. Im Zusammenhang mit den olympischen Spielen in Athen warb Siemens Großaufträge ein. Für einen Manager aus der dritten oder vierten Reihe hat ein Grieche mit etwas lichtem Haar und Schnauzbart, der im Weltkonzern Siemens Karriere machte, offenbar über erstaunlich viel Geld verfügt. Detailansicht öffnen Bauarbeiten im Athener Olympiastadion im Jahre 2004. (Foto: Foto: dpa) Am 8. August 2001 soll der Mann aus Athen einen Scheck über mehr als eine Million Euro eingelöst haben, zur Gutschrift auf eines seiner Konten bei der Dresdner Bank in der Schweiz. Ein Jahr darauf soll der Geschäftsmann dort eine halbe Million Euro in bar abgehoben haben. Und noch ein Jahr später, im August 2003, sollen 760.000 Euro geflossen sein, dieses Mal auf klassische Art und Weise. Per Überweisung, für den Kauf einer Wohnung in München. Die Bundesanwaltschaft in der Schweiz, die gegen den Griechen ermittelt, hat auf dessen Konten hohe Summen entdeckt. Der höchste Betrag sei nach Griechenland gegangen, immerhin sechs Millionen Euro, angeblich für den Bau eines Hauses. Das müsste dann wohl eine Villa gewesen sein. Insgesamt 41 Millionen Euro eingegangen Auf verschiedenen Konten, auf die der Siemens-Manager Zugriff gehabt habe, seien insgesamt 41 Millionen Euro eingegangen, lautet die bisherige Erkenntnis der Fahnder. Als Zahlungsausgänge seien 10,29 Millionen Euro verzeichnet. Das noch vorhandene Vermögen zählt offenbar zu den von der Bundesanwaltschaft in Bern beschlagnahmten Millionen, die in schwarzen Kassen von Siemens gefunden worden waren. Die Berner Strafverfolger gehen dem Verdacht der Geldwäsche und der ,,korrupten Bearbeitung von Märkten'' nach, auf denen Siemens um lukrative Aufträge gekämpft haben soll; womöglich mit allen Mitteln. Jetzt ermittelt auch die Staatsanwaltschaft in München gegen den Mann aus Athen, der dort bis vor acht Monaten Chef der Sparte Telekommunikation (Com) von Siemens in Griechenland war. Plötzlicher Abgang Der Häuslebauer ist eine zentrale Figur im System der Schwarzgeldkonten und mutmaßlichen Schmiergeldzahlungen, das Fahnder aus mehreren Staaten bei Siemens-Com entdeckt haben. Er weiß viel, und sein plötzlicher Abgang Anfang des Frühjahrs bei Siemens bringt den Konzern in Erklärungsnot, bis hinauf zu Vorstandschef Klaus Kleinfeld. Vergangene Woche hatte Siemens eingeräumt, der Konzernchef sei ,,erstmals im Januar 2006 über den Fall in der Schweiz'' - gemeint sind die dortigen Ermittlungen, die 2005 begannen - informiert worden. Er wusste also, dass etwas in der Luft lag. | Ein Grieche ist die zentrale Figur im System der Schwarzgeldkonten bei Siemens. Im Zusammenhang mit den olympischen Spielen in Athen warb Siemens Großaufträge ein. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/schwarzgeldkonten-bei-siemens-unser-mann-in-athen-1.914410 | Schwarzgeldkonten bei Siemens - Unser Mann in Athen | 00/05/2010 |
Ein neuer Name allein kann ein schlechtes Image nicht korrigieren - aber er kann helfen, einen Neustart zu signalisieren. Eine ambivalente Entscheidung. Erinnert sich noch jemand, unter welchem Namen die amerikanische Citibank einst in Deutschland angetreten war? KKB Bank hieß das Kreditinstitut bis September 1991. Ein Name, der bei Verbraucherschützern noch heute ungute Erinnerungen weckt, denn die "Kundenkreditbank" fiel häufig durch überteuerte Konditionen auf. Detailansicht öffnen Ein Name, egal ob von Firmen oder Personen, wird von anderen mit Bildern verknüpft. Diese können durchaus auch negativ sein. (Foto: Foto: AP) Sehr viel frischer in Erinnerung ist dagegen, unter welcher Flagge die spanische Santander Bank anfangs in Deutschland segelte. CC Bank hieß das Institut bis vor knapp einem Jahr. Dann wollte der Eigentümer seinen Namen auch auf dem deutschen Bankenmarkt verankern. Jetzt wird in der deutschen Finanzwirtschaft erneut über einen Namenswechsel spekuliert. Und diesmal geht es nicht um ein Spezialinstitut. Diesmal prüft ein Branchenschwergewicht eine Umfirmierung. Die Allianz-Bank Die Allianz beschäftigt sich mit dem Gedanken, ihrer Tochter Dresdner Bank einen Namen zu verpassen, der die Zugehörigkeit zum Münchner Konzern signalisiert. Am einfachsten wäre dies, wenn das Kreditinstitut künftig als Allianz Bank firmieren würde. Im Ausland ist dies vielfach bereits der Fall. Denn in Ländern, in denen die Dresdner Bank nicht vertreten ist, die Allianz aber ein Kreditinstitut besitzt oder eröffnet, tritt sie als Allianz Bank auf. Auch abseits der Finanzwirtschaft gibt es derzeit prominente Unternehmen, die in Zukunft gerne anders angesprochen werden möchten. Der Mischkonzern RAG zum Beispiel, dessen Name immer noch vornehmlich für Kohle steht, macht sich mit dem geplanten Börsengang zu neuen Ufern auf und will mit dem alten Namen auch ein Stück Vergangenheit abstreifen. Ähnlich ist es bei Karstadt-Quelle. Die einst vornehmlich im Handel tätige Gruppe erwirtschaftet bald mehr als die Hälfte ihres Umsatzes im Reisegeschäft und hält deshalb die alte Firmierung nicht mehr für zeitgemäß. Vernichtung eines großen Werbewerts Aber ist deshalb eine Namensänderung notwendig? Verbietet es nicht das kleine Einmaleins des Marketings, eine mit viel Geld aufgebaute Marke einfach zu tilgen? Manche Marken sind Milliarden Euro wert. In der Liste der 100 wertvollsten Markennamen, die die Beratungsfirma Interbrand jährlich aufstellt, waren 2006 mit Mercedes, Porsche und Siemens immerhin drei deutsche Unternehmen vertreten. Niemand käme es in den Sinn, solche Namen verschwinden zu lassen. Ist es unter Umständen nicht eine weniger große Herausforderung, den eingeführten Namen mit neuen Inhalten zu füllen, als Millionen Euro dafür auszugeben, eine neue Bezeichnung bei Kunden, Geschäftspartnern und in der breiten Öffentlichkeit zu verankern? "Ein Namenswechsel muss wohl überlegt sein", sagt Sybille Kircher, geschäftsführende Gesellschafterin der auf Unternehmens- und Produktnamen spezialisierten Agentur Nomen. Zusammenschlüsse von Firmen oder ein Schwenk in der Strategie sind nach ihrer Beobachtung der häufigste Anlass, die Firmierung zu überprüfen. Bei Thyssen und Krupp beispielsweise war der Fall einfach: Sie wählten einen Doppelnamen. Veba und Viag entschieden sich bei ihrem Zusammengehen für einen anderen Weg und signalisierten mit dem Kunstnamen Eon einen Neuanfang. Internettaugliche Marken Namensagenturen wie Nomen, Enterprise, Endmark und Nambos oder auch Werbeagenturen und kreative Einzelkämpfer erarbeiten meist zwar rasch Vorschläge für einen Namen. Bis die neue Firmierung auf dem Briefkopf steht, sind jedoch viele Hürden zu nehmen. Ist der Name auch von Amerikanern, Franzosen oder Spaniern leicht auszusprechen? Hat er in anderen Ländern möglicherweise eine wenig schmeichelhafte Bedeutung? Vor allem aber: Ist der Name überhaupt verfügbar? Allein in Deutschland sind zwei Millionen Marken eingetragen. Jedes Jahr kommen 60.000 hinzu. Anders als in den neunziger Jahren wird die Suche auch dadurch erschwert, dass der neue Name internetfähig sein muss. Das heißt, er muss auch als Domainname zu verwenden sein. Mit einer Namensänderung allein lässt sich ein schlechtes Image jedoch nicht korrigieren. Das zeigt das Beispiel der Bundesanstalt für Arbeit, die in der Bevölkerung kaum besser angesehen ist, seit sie Bundesagentur für Arbeit heißt. Vor allem aber muss die Zielgruppe den neuen Namen akzeptieren. Ist das nicht der Fall, bleibt nur ein kleinlauter Rückzug. Wie ihn die Deutsche Bank angetreten hat, als der Name Deutsche Bank 24 floppte. Auch das wird die Allianz bedenken, wenn sie den Namen Dresdner Bank überprüft. | Ein neuer Name allein kann ein schlechtes Image nicht korrigieren - aber er kann helfen, einen Neustart zu signalisieren. Eine ambivalente Entscheidung. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/markennamen-mehr-als-schall-und-rauch-1.901392 | Markennamen - Mehr als Schall und Rauch | 00/05/2010 |
Unerlaubte Telefonwerbung kratzt am Image der Call-Center, der Gesetzgeber denkt bereits über neue Sanktionen nach. Die Branchenverbände reagieren bislang hilflos. Als sich Bundeskanzlerin Angela Merkel kurz vor Weihnachten per Video-Podcast zum von ihr anberaumten IT-Gipfel meldete, waren die Vertreter der Call-Center-Branche ganz Ohr. "Wir werden eine Qualitätsoffensive für Call-Center starten", kündigte die Kanzlerin energisch an. Das erklärte Ziel: "Nutzer besser zu informieren". Detailansicht öffnen Die Call-Center-Branche: Endlose Warteschleifen iund blecherne Automatenstimmen. (Foto: Foto: AP) Dass sich Angela Merkel der Sache annimmt, zeigt, wie weit es die Call-Center-Branche inzwischen gebracht hat - als rotes Tuch für Politiker jeglicher Couleur. "Der Ärger in den Fraktionen ist ziemlich groß", meldete sich CDU-Frau Julia Klöckner, verbraucherpolitische Sprecherin ihrer Fraktion, zu Wort. Inzwischen werden die Vertreter der Call-Center-Branche fast im Wochentakt mit Einlassungen zum Thema konfrontiert. So wird das 2004 von Justizministerin Brigitte Zypries geänderte Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb derzeit vor allem aus den Reihen der Union als "völlig wirkungslos" kritisiert. Instrumente gegen Telefonwerbung - ungewiss Inzwischen denkt man im gescholtenen Bundesjustizministerium über wirksamere Instrumente gegen unerlaubte Telefonwerbung nach - Ergebnis ungewiss. Die öffentliche Erregung ist nicht wirklich neu. Mit endlosen Warteschleifen, blechernen Automatenstimmen, inkompetenten Mitarbeitern und unerlaubten Anrufen fiel die Call-Center-Branche schon in der Vergangenheit negativ auf. Doch jetzt geht es, angetrieben von den Verbraucherschützern, ans Eingemachte. "Werbeverbot greift nicht", überschrieb der Berliner Verbraucherverband Bundeszentrale (vzbv) eine kürzlich veröffentlichte Mitteilung. Untermauert wurde die Aussage mit Zahlen der Nürnberger GfK, die einen deutlichen Zuwachs an Werbeanrufen attestieren. Über 72 Millionen Werbeanrufe Demnach wurden im dritten Quartal 2006 in Deutschland über 72 Millionen Werbeanrufe registriert - gut 15 Millionen mehr als im Vorjahreszeitraum. "Allein bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen", so die Verbraucherschützer weiter, "gehen im Jahr über 12.000 Verbraucherbeschwerden über ungebetene Anrufe ein." Quasi als i-Tüpfelchen wird eine Umfrage aus 2006 zitiert. Bitteres Ergebnis: Wenn es um unerwünschte Werbung geht, fühlen sich die Bürger von nichts mehr belästigt als von Akquiseanrufen per Telefon. Kein Wunder, dass Branchenverbände wie das Call-Center Forum (CCF) bisher nicht gerade mit stolz geschwellter Brust durch die Gegend laufen und Pressemitteilungen schon mal mit dem Titel "Ungeliebter Wachstumsmotor?" überschreiben. Gegen die Kritik von allen Seiten konnten die Verbandsvertreter bislang wenig ausrichten. "Das Thema hat sich verselbstständigt", klagt Patrick Tapp, Vizepräsident des Deutschen Direktmarketing-Verbands (DDV), der mit seiner Dialog Frankfurt GmbH selbst im Call-Center-Geschäft aktiv ist. Mitte Dezember hat Tapp zusammen mit CCF-Präsident Manfred Stockmann einen offenen Brief an Angela Merkel verfasst und dabei neben dem Bekenntnis zu mehr Qualität auch mit Argumenten wie "Job-Motor" gewunken. Mittlerweile hat der Verband laut seinem Vizepräsidenten immerhin eins erreicht: die Teilnahme an der "politischen Willensbildung". Geringes Interesse an Zertifikat Und die tendiert, als erster Schritt zur Besserung, zu der Forderung nach mehr Qualität. Ein Thema, an dem sich der DDV schon seit einiger Zeit abarbeitet. Die Gesamtleistung des Unternehmens inklusive die der Agenten und Team-Manager - all das können Call-Center-Betreiber längst prüfen und mit einem Zertifikat bestätigen lassen. Das Problem: Es macht keiner. | Unerlaubte Telefonwerbung kratzt am Image der Call-Center, der Gesetzgeber denkt bereits über neue Sanktionen nach. Die Branchenverbände reagieren bislang hilflos. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/call-center-druck-in-der-leitung-1.905776 | Call-Center - Druck in der Leitung | 00/05/2010 |
Die Parteien im Tarifstreit der Lokführer haben während des Streiks am Freitag ihre Fronten für weitere Verhandlungen abgesteckt. Die Bahn bekräftigte, dass sie ein neues Angebot vorlegen werde. Gewerkschaftschef Manfred Schell erinnerte an seine Kernanliegen. Nachdem das Aufsichtsratspräsidium des Konzerns die Protagonisten Bahnchef Hartmut Mehdorn und GDL-Chef Manfred Schell am Donnerstagabend wieder zur Aufnahme von Verhandlungen ermutigt hatte, bekräftigten Bahn-Manager, sie wollten am Montag ein neues Angebot vorlegen. Schell drohte allerdings mit neuerlichen Arbeitsniederlegungen, falls das Angebot nicht ausreiche. Schell forderte in Frankfurt den Bahn-Vorstand auf, ein "vernünftiges Angebot" vorzulegen, auf dessen Grundlage erstmals erfolgreich über einen eigenständigen Tarifvertrag verhandelt werden könne. Weitere Streiks bei ungenügendem Angebot In dem Fall werde die Gewerkschaft bis Ende des Monats auf Arbeitsniederlegungen verzichten. Sollte das Angebot ungenügend ausfallen, seien neue Streiks ab Mittwoch nächster Woche möglich. Dass die Gewerkschaft nach dem Berliner Spitzengespräch vom Donnerstag den für Freitag vorbereiteten Streik nicht abgesagt hat, begründete Schell zum einen damit, dass 200 Ortsgruppen und Streikleitungen nicht kurzfristig hätten informiert werden können. Zum anderen kritisierte er: "Es geht darum, dass die Bahn ein Ultimatum, das wir bis Dienstag gesetzt haben, nutzlos hat verstreichen lassen. Und wir sind es leid, mit uns Kasperle spielen zu lassen." "Ein beglückendes Gefühl" Schell sagte über das Ergebnis des Spitzengesprächs: "Wir haben ganz konkret beredet, was das, zumindest aus unserer Sicht, für ein beglückendes Gefühl ist, wenn der Bahnvorstand jetzt unseren Kolleginnen und Kollegen anbietet, für zwei Stunden Mehrarbeit - also für die 43-Stunden-Woche - auch noch fünf Prozent mehr zu zahlen. Das ist allerhand." Auch seien familienfreundlichere Dienstpläne angeboten worden. "Das hat alles mit einer Tarifrunde nichts zu tun", kritisierte der GDL-Chef. "Es geht um den Kern. Wir wollen und wir müssen weg von 1.500 Euro Nettoverdienst." Schells Kollege Norbert Hansen, der Vorsitzende der konkurrierenden Verkehrsgewerkschaft Transnet, kritisierte die Arbeitsniederlegungen scharf. "Das ist ein völlig überflüssiger Streik", sagte er dem "RBB-Inforadio". Schell "hätte diesen Streik auch absagen können vor dem Hintergrund des für Montag zu erwartenden Angebots der Bahn", sagte Hansen. "Nicht mehr Herr des Geschehens" "Ich kann nur feststellen, dass die Streikführung der GDL offensichtlich nicht mehr Herr des Geschehens ist." Bei dem Spitzengespräch sei deutlich geworden, dass der Bahn-Vorstand zu weiteren Einkommensverbesserungen für alle Beschäftigten bereit sei, meinte Hansen. Der GDL gehe es nicht um materielle Forderungen, sondern um einen Tarifvertrag, der ihr "organisationspolitische Vorteile" bieten solle. Die GDL streitet darüber hinaus mit der Bahn vor dem Berliner Arbeitsgericht über eine sogenannte Notdienstverordnung. Darin wird normalerweise zwischen Tarifparteien geregelt, welche Tätigkeiten bei einem Streik weiter ausgeübt werden müssen, etwa unentbehrliche, sicherheitsrelevante Arbeiten. Keine Notdienstverordnung Zwischen Bahn und GDL gibt es nach übereinstimmenden Angaben keine solche Regelung, deshalb hat die Bahn eigenmächtig eine aufgestellt und versuchte sie am Freitag durchzusetzen. Ob und in welchem Umfang das rechtens war, sollte das Gericht klären. | Die Parteien im Tarifstreit der Lokführer haben während des Streiks am Freitag ihre Fronten für weitere Verhandlungen abgesteckt. Die Bahn bekräftigte, dass sie ein neues Angebot vorlegen werde. Gewerkschaftschef Manfred Schell erinnerte an seine Kernanliegen. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/arbeitskampf-der-lokfuehrer-wir-muessen-weg-von-1500-euro-netto-1.888248 | "Arbeitskampf der Lokführer - ""Wir müssen weg von 1500 Euro netto""" | 00/05/2010 |
Die gute Nachricht: Von den 30 Dax-Unternehmen ist keines mehr vertreten in der aktuellen Rangliste der 50 größten Kapitalvernichter. Einige große Kursverlierer findet man allerdings im TecDax. Die Abstinenz von Dax-30-Werten in der so genannten DSW-Watchlist der 50 größten Kapitalvernichter sei nicht nur erfreulich, betonte Ulrich Hocker, Hauptgeschäftsführer der Schutzgemeinschaft, sondern auch ein deutlicher Beleg dafür, dass die "Börse die Rezession für beendet erklärt" habe. Detailansicht öffnen Die Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz kürte die größten Kapitalvernichter - bei einigen großen Technologieunternehmen verloren Anleger bis zu zwei Dritteln ihres Kapitals. (Foto: Foto: SZ) Vom Rückenwind der nun anspringenden Konjunktur profitierten zuerst die Kurse gut positionierter Großkonzerne aus dem Dax, die zudem im Fokus der internationalen Anleger und Fonds stünden. Kleine Firmen müssten dagegen auf den Aufschwung und die damit verbundene positive Kursbewegung noch warten. "Rote Laterne" für Augusta Technologie Die im Vorjahr noch im Kapitalvernichter-Ranking geführten sechs Dax-Mitglieder Allianz, Bayer, Deutsche Telekom, HypoVereinsbank, Münchener Rück sowie TUI seien alle aus der Liste verschwunden, sagte Hocker. Der MDax als zweitwichtigstes deutsches Börsensegment bleibe dagegen mit den fünf Aktiengesellschaften WCM, Karstadt-Quelle, SGL Carbon, MLP und Medion in der Negativliste "repräsentativ" vertreten. Die eigentlichen Verlierer aber rekrutierten sich vor allem aus dem Kreis der Unternehmen des ehemaligen Neuen Marktes, erklärte der Hauptgeschäftsführer des DSW. Die "rote Laterne" gebührte dabei der Frankfurter Firma Augusta Technologie, die nur knapp an der Insolvenz vorbeigeschrammt sei. Große Vernichter im TecDax Nicht viel besser sei es Anlegern bei der Hamburger Pandatel AG ergangen, die innerhalb der vergangenen zwölf Monaten ein Minus von mehr als 76 Prozent verzeichnete. Bei der Mosaic Software AG (Meckenheim), dem nach eigenen Angaben führenden Anbieter von universell einsetzbaren Lösungen für den elektronischen Daten- und Dokumententausch, betrage der Wertverlust 74 Prozent. | Die gute Nachricht: Von den 30 Dax-Unternehmen ist keines mehr vertreten in der aktuellen Rangliste der 50 größten Kapitalvernichter. Einige große Kursverlierer findet man allerdings im TecDax. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/wertverluste-bei-unternehmen-das-kapitalvernichter-ranking-1.903630 | Wertverluste bei Unternehmen - Das Kapitalvernichter-Ranking | 00/05/2010 |
Rolls-Royce hat mit BMW seit einigen Jahren einen starken Partner. Doch das Geschäft mit dem Luxus ist schwierig. Weltweit lassen sich nur 2500 Personenwagen zum Preis von mehr als 250.000 Euro absetzen. Mike Pratt hat damals diese Stellenanzeige in der Tageszeitung gelesen. BMW suchte für sein neues Rolls-Royce-Werk im Süden Englands Leute mit Sinn für feine Materialien und besonderem handwerklichen Geschick. Detailansicht öffnen Auch die Kühlerfigur Emily gehört zu den vielen kleinen teuren Details, die einen Rolls-Royce auszeichnen. (Foto: Foto: Reuters) Pratt stellte 2002 in Chichester Lederwaren her, Taschen, Tagebücher, aber auch die rote Box, in welcher der britische Schatzkanzler das Manuskript seiner Etatrede ins Parlament zu tragen pflegt. Leute wie Pratt suchten sie bei BMW, denn der bayerische Autohersteller hatte 1998 zwar die Marke Rolls-Royce gekauft, nicht aber die alte Fabrik im mittelenglischen Crewe, in der Volkswagen heute die Tradition der jahrzehntelangen Schwestermarke Bentley fortführt. Sechs Monate in Dingolfing geschult Der Engländer wurde sechs Monate bei BMW in Dingolfing geschult, arbeitete an der edlen Lederausstattung der Prototypen mit und war dabei, als Anfang 2003 im neugebauten Werk Goodwood der erste Phantom vom Band lief. Heute leitet Pratt die Leder-Werkstatt mit den 72 Mitarbeitern, die pro Fahrzeug 378 Teile auswählen, zuschneiden und vernähen. So viele sind es bereits beim Basismodell. Für die Business-Version mit den Liegesitzen im Fond liefern sie 478 verschiedene Teile an das Fließband, an dem täglich fünf der mindestens 375.000 Euro teuren Autos gebaut werden. Doch die Liebhaber von Limousinen mit vielen kleinen, teuren Details sind rar, das Geschäft mit dem Luxus ist schwierig. Weltweit lassen sich nur 2500 Personenwagen zum Preis von mehr als 250.000 Euro absetzen. 80.000 potentielle Käufer Auf 80.000 wird die Zahl der potentiellen Käufer geschätzt. Sie verfügen über 30 Millionen Euro liquide Mittel und sind damit die High Net Worth Individuals (HNWI). Marktführer ist Rolls-Royce. Kein Hersteller verkauft von den über 200.000 Euro teuren Limousinen mehr als die Briten, die nächste Woche beim Autosalon in Genf ihr neues Cabriolet erstmals dem europäischen Publikum präsentieren. Es wird einiges unternommen, um Menschen davon zu überzeugen, sich etwas zu kaufen, was sie nicht brauchen, aber gern haben wollen. Ursprünglich wollte Rolls-Royce einmal tausend Fahrzeuge pro Jahr an die Frau oder den Mann bringen. Doch diese Marke wurde nie erreicht. 2006 fertigten die Arbeiter in der Autofabrik in Goodwood 805 Stück der Limousinen, die sich ein normaler Mensch nie im Leben leisten kann. Fast unauffällig Die Manufaktur mit ihrem flachen, u-förmigen Gebäude fügt sich trotz ihrer Größe fast unauffällig in die grüne Umgebung der Hügellandschaft zwischen London und der Kanalküste bei Chichester. Der britische Architekt Nicholas Grimshaw hat in Goodwood das durch die Kantine mit dem Werk verbundene Hauptquartier um einen freien Platz herum gebaut, auf dem die kostbaren Produkte des Hauses am Haupteingang vorfahren. Allenfalls auch mal ein BMW darf hier parken unter den Augen der Arbeiter, die vom Fließband aus einen freien Blick haben - ins Grüne und auf die Freifläche mit der wahrscheinlich größten Rolls-Royce-Dichte im Straßenverkehr weltweit. Hier in Goodwood arbeiten 550 Leute, davon 200 in der Produktion. Mike Pratt ist mit seinen 40 Jahren schon einer der Älteren, der Durchschnitt liegt bei 35 Jahren. Die Kunden werden jünger Diejenigen, die einen Rolls-Royce herstellen, sind also um einiges jünger als die, von denen er gefahren wird. Dabei sind die Käufer dieser Luxuswagen heute Anfang 50 und nicht mehr Mitte 60 wie zu den Zeiten der alten Firma Rolls-Royce. Kräftig den Altersschnitt gesenkt hat etwa der 30 Jahre alte Eigentümer einer Firma in Birmingham, der mit dem Modell Phantom täglich ins Büro fährt. | Rolls-Royce hat mit BMW seit einigen Jahren einen starken Partner. Doch das Geschäft mit dem Luxus ist schwierig. Weltweit lassen sich nur 2500 Personenwagen zum Preis von mehr als 250.000 Euro absetzen. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/wie-rolls-royce-seine-nobel-autos-verkauft-offenbarung-aus-holz-und-leder-1.904845 | Wie Rolls-Royce seine Nobel-Autos verkauft - Offenbarung aus Holz und Leder | 00/05/2010 |
Wer schon immer einem Cheddar-Käse bei der Reifung zusehen wollte, kann das jetzt im Internet tun. Der Marketing-Gag britischer Käsebauern wirkt - offensichtlich gibt es immer mehr Cheddar-Käse-Fans. Einige Bauern im Süd-Westen Englands müssen entweder eine gehörige Portion Humor haben oder einen sehr guten PR-Berater. Nur so ist es zu erklären, dass sie die Welt immer wieder auf's neue erfreuen mit originellen Meldungen zu ihrem Hauptprodukt: Cheddar Cheese. So überraschten sie die Welt beispielsweise zum Valentinstag 2006 mit der Meldung "Briten naschen nackt am Valentinstag", in der sie kundtaten, dass laut einer Studie hochgerechnete 48.000 Londoner nächtens nackt zum Kühlschrank schleichen, um dort an ihrem geliebten Cheddar Cheese zu knabbern - und dies auch am Valentinstag. "Kühe muhen im Akzent" Auch die Aussendung "Kühe aus Westcountry muhen im Akzent ihres Farmers" erstaunte die Welt, trug aber zur Popularität der Farmhouse Cheese Company bei, die den Cheddar Cheese prämierter Bauernhöfe vermarktet. Nun überraschen die schlauen Bauern die Welt mit einer neuen Marketing-Finte: Cheddarvision.tv. Auf dieser Webseite können Liebhaber des nach eigenen Angaben besten Käses Großbritanniens einem Käselaib beim Reifen zusehen. In Echtzeit wohlgemerkt, wie die hektisch-laufende Tausendstelanzeige neben dem Bild verdeutlicht. Schön altmodisch Dieses wird in einem alten Fernseher dem alten Publikum präsentiert - Drehknöpfe inklusive. Informationen über den Käse, den Reifungsprozess sowie ein Shop runden das Angebot ab. Wahre Fans können sich sogar einen Bildschirmschoner aus dem Internet laden und in Arbeitspausen dem Käse ganz entspannt bei der Reifung zusehen. Nur gut, dass Gerüche noch nicht über das Internet transportiert werden. | Wer schon immer einem Cheddar-Käse bei der Reifung zusehen wollte, kann das jetzt im Internet tun. Der Marketing-Gag britischer Käsebauern wirkt - offensichtlich gibt es immer mehr Cheddar-Käse-Fans. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/marketing-per-web-cam-totaler-kaese-1.902323 | Marketing per Web-Cam - Totaler Käse | 00/05/2010 |
Die Einstellung des Verfahrens gegen Geldauflage ist tägliches Geschäft bei den Strafgerichten und deren Notwehr gegen eine Verfahrensflut. Würde man der Justitia heute noch Denkmäler bauen - sie würden wohl anders aussehen als die, die wir kennen. Detailansicht öffnen (Foto: Foto: dpa) Justitia hätte keine Binde mehr vor den Augen als Symbol dafür, dass sie ohne Ansehen der Person richtet. Sie hätte kein Schwert in der Hand als Symbol dafür, dass sie das Recht nicht nur spricht, sondern auch durchsetzt. Nach wie vor hätte sie in der einen Hand eine Waage - und in die andere würde ihr der Künstler wohl einen großen Geldbeutel legen. Notwehr gegen Verfahrensflut Justitia ist unter die Händler gegangen; aber nicht zu ihrem Gaudium, sondern aus Notwehr: Weil sie sonst die Verfahrensflut nicht bewältigen könnte (also werden viele Massenverfahren gegen Geldbuße eingestellt); und weil langwierige, komplizierte Verfahren ansonsten die Gerichte lahmlegen würden (also wird in diesen Verfahren ein Deal ausgehandelt - das heißt, es gibt für ein Geständnis ein abgesprochenes mildes Urteil). Die Strafgerichte wären, so heißt es, schon zusammengebrochen, gäbe es diese Methoden der zeit- und arbeitssparenden Verfahrensbeendigung nicht. In das Strafverfahren kommt auf diese Weise freilich ein strafverfahrensfremdes Element; es gibt für diese Handelei keine Regeln, keine Richtlinien, keine überprüfbaren Grundsätze. Für Geldstrafen beispielsweise gibt es einen Rahmen im Gesetz, und die Einkommensverhältnisse des Angeklagten werden eruiert, um die Strafen individuell bemessen zu können. Für die Einstellung eines Verfahrens gegen Geldbuße gibt es keine solchen Vorgaben: Der Prozess gegen Ackermann zum Beispiel wird gegen Zahlung von 3,2 Millionen Euro eingestellt, das sind nicht einmal drei Monatsgehälter. Keine klaren Vorgaben Wäre ein Jahresgehalt angemessener gewesen? Das Gericht entscheidet nach eigenem Gutdünken. Die "Einstellung des Verfahrens bei Erfüllung von Auflagen und Weisungen" ist in Paragraph 153a Strafprozessordnung in ihren Voraussetzungen vage beschrieben. Über die Geldbußen und sonstigen Auflagen heißt es aber dort nur, dass diese geeignet sein sollen, "das öffentliche Interesse an der Strafverfolgung zu beseitigen". Und: "Die Schwere der Schuld" darf nicht entgegenstehen. Kontrollieren kann das allerdings keiner. Und so werden nach dieser Vorschrift derzeit mehr als 300.000 Verfahren jährlich eingestellt, Tendenz steigend. Hochzufrieden damit sind die gemeinnützigen Vereine, weil die Gelder nicht nur dem Staat, sondern nach dem Ermessen des Richters auch ihnen zugewendet werden können. | Die Einstellung des Verfahrens gegen Geldauflage ist tägliches Geschäft bei den Strafgerichten und deren Notwehr gegen eine Verfahrensflut. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/mannesmann-gerechtigkeit-ueber-den-daumen-gepeilt-1.901306 | Mannesmann - Gerechtigkeit - über den Daumen gepeilt | 00/05/2010 |
Im Übernahmekampf mit Aventis hat Sanofi-Chef Dehecq Grund zur Freude: Die eigenen Großaktionäre Total und L'Oreal leisteten schon im Vorfeld Treueschwüre, während er den größten Aktionär des Gegners womöglich auf die eigene Seite holen kann. Die Sanofi-Führung ließ sich nach Angaben der Pariser Börsenaufsicht vom Freitag schon vor ihrer Attacke den Rückhalt der Hauptaktionäre L'Oréal und Total schriftlich zusichern. Detailansicht öffnen Sanofi-Chef Jean-Francois Dehecq (Foto: Foto: dpa) Der Aventis-Großaktionär Kuwait Petroleum Corporation (KPC) droht nach Presse-Informationen ebenfalls in Sanofi-Lager überzulaufen, konzentriert aber im Augenblick wohl auf das Herauftreiben des Preises. Der Pariser Wirtschaftsminister Francis Mer erneuerte zudem indirekt seine Befürwortung des Zusammengehens. Aventis will eine Gegenoffensive gegen die Sanofi-Kampagne für die Übernahme starten. Ihre "gemeinsame befürwortende Position" hätten der Kosmetikkonzern L'Oréal und die Ölgesellschaft Total am 25. Januar schriftlich niedergelegt, teilte die Pariser Börsenaufsicht (AMF) mit. Die beiden Aktionäre haben bei Sanofi zusammen die Stimmen-Mehrheit, so dass sie ein Gegenangebot von Aventis gemeinsam abblocken könnten. Ausstieg zeichnet sich ab Nach Infomationen der Tageszeitungen Die Welt und Handelsblatt zeichnet sich darüber hinaus der Ausstieg des größten Aventis-Aktionärs KPC ab. Die Schweizer UBS und die US-Bank Citigroup sollten das der kuwaitischen Herrscherfamilie gehörende Öl-Unternehmen beraten und möglicherweise den Ausstieg bei Aventis vorbereiten. Bereits in der kommenden Woche soll es dem Blatt zufolge erste Gespräche mit Sanofi-Chef Jean-François Dehecq geben. Nach Informationen des Handelsblattes wollen die Kuwaitis allerdings einen deutlichen Aufschlag gegenüber dem bisherigen Sanofi-Gebot durchsetzen. Die Offerte müsse um mindestens ein Fünftel aufgebessert werden, um interessant zu werden, schreibt die Wirtschaftszeitung. Der Baranteil der Offerte müsse ebenfalls mindestens um diesen Prozentsatz angehoben werden. Nahe am Börsenkurs Derzeit bietet Sanofi fünf eigene Aktien plus 69 Euro in Bar für sechs Aventis-Titel. Gemessen am Aktienkurs von Donnerstag entspricht das einem Wert von etwa 59 Euro pro Aventis-Aktie. Am Donnerstag schloss die Aventis-Aktie in Frankfurt bei 61,95 Euro. Das Aventis-Aktienpaket von KPC geht demnach auf eine Beteiligung des kuwaitischen Unternehmens am Frankfurter Hoechst-Konzern hervor, der 1999 mit der französischen Rhône-Poulenc fusionierte. KPC ist der Welt zufolge 1982 bei Hoechst zu einem Kurs von umgerechnet rund fünf Euro eingestiegen und hat inzwischen einen Wertzuwachs von rund 3,7 Milliarden Euro erzielt. Erst kürzlich trennten sich die Kuwaitis demnach von einer weiteren Beteiligung aus dieser Zeit: Für knapp drei Milliarden Euro habe KPC vor wenigen Wochen den Anteil an der ehemaligen Hoechst-Chemietochter Celanese verkauft. Die Aventis-Unternehmensleitung hatte in der vergangenen Woche erklärt, Kuwait Petroleum stehe beim Abwehrversuch der Übernahme auf ihrer Seite. Rückendeckung aus der Politik Unterdessen stärkte der französische Wirtschaftsminister Francis Mer Sanofi erneut den Rücken: "Wenn diese Unternehmen denken, dass einige zusammengehen müssen, um ihr Geld für die Forschung besser auszugeben, dann sind sie dazu erstens frei, zweitens sind sie selbst verantwortlich und drittens haben sie wahrscheinlich Recht", sagte Mer, der mit seiner Befürwortung des Projekts schon in der vergangenen Woche für Verärgerung auf der Seite von Aventis gesorgt hatte. "Ich bin nicht Partei, aber wenn es ihnen gelänge, warum nicht?", fügte Mer hinzu. Die Jahresbilanz 2003, die Aventis am Donnerstag vorgelegt hatte, führte zu keinen grundsätzlichen Gewichtsverschiebungen. "Gegenattacke von Aventis ohne die Börse zu überzeugen", titelte am Freitag das Pariser Wirtschaftsblatt Les Echos. Am kommenden Montag startet nach Informationen des Pariser Wirtschaftsblattes La Tribune die Aventis-Werbekampagne gegen das Übernahmeangebot. Nachdem der Pariser Konkurrent die Aktionäre zwei Wochen lang mit ganzseitigen Anzeigen bearbeitet habe, lanciere Aventis mit der Agentur TBWA Corporate nun die Gegenoffensive. Ungleiche PR-Budgets Für die Kampagne stehen laut La Tribune insgesamt 13 Millionen Euro zur Verfügung. Dennoch liege das Budget weit unter den Ausgaben von geschätzten 150 Millionen Euro, die Sanofi in den Übernahmekampf investiere. "Wir wollen nicht gleich unser ganzes Pulver verschießen, denn die Schlacht wird lange dauern", sagte dem Bericht zufolge ein Aventis-Mitarbeiter. Sanofi-Synthélabo hatte am Montag vergangener Woche den Aventis-Aktionären ein Kaufangebot im Wert von insgesamt 47,8 Milliarden Euro unterbreitet. Vorstand und Aufsichtsrat von Aventis wiesen das Angebot zurück; die Pariser Börsenaufsicht erklärte das Übernahmeangebot Sanofis am Dienstag für zulässig. | Im Übernahmekampf mit Aventis hat Sanofi-Chef Dehecq Grund zur Freude: Die eigenen Großaktionäre Total und L'Oreal leisteten schon im Vorfeld Treueschwüre, während er den größten Aktionär des Gegners womöglich auf die eigene Seite holen kann. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/uebernahmekampf-druck-auf-aventis-waechst-1.903342 | Übernahmekampf - Druck auf Aventis wächst | 00/05/2010 |
Die Bundesregierung will die Bedingungen für Investmentfonds in Deutschland erheblich verbessern. Mit der Einführung des "Investment-Modernisierungsgesetz" darf nun auch in Deutschland in Hedge-Fonds investiert werden. (SZ vom 7.7.2003) — Davon sollen die Anleger genauso profitieren wie die Anbieter. Finanzminister Hans Eichel will dabei erstmals auch Fonds mit extrem hohen Risiken, so genannte Hedge-Fonds, zulassen. Bislang waren diese hochspekulativen Fonds, die mit hohem Kapitaleinsatz auf bisweilen minimale Veränderungen an den Zins-, Devisen oder Aktienmärkten wetten, in Deutschland nicht erlaubt. Privatanleger, die ihr Geld in Hedge-Fonds anlegen wollten, mussten ins Ausland ausweichen, ebenso Banken und Investmentgesellschaften, die derartige Produkte anbieten. Anfang 2004 sollen Hedge-Fonds nun auch in Deutschland erlaubt werden. Dies sieht das "Investment-Modernisierungsgesetz" vor, das das Finanzministerium am Dienstag der Öffentlichkeit präsentieren will und dessen Kurzübersicht der Süddeutschen Zeitung vorliegt. Das Gesetz ist Teil des Finanzmarkt-Förderplans 2006, mit dem Eichel in den nächsten drei Jahren Schritt für Schritt die "Leistungsfähigkeit und Attraktivität des Investmentstandortes Deutschland" steigern will. Moderne und liberale Rahmenbedingungen "Anbieter von Hedge Fonds", heißt es in der Zusammenfassung des Gesetzestextes, "sollen auf moderne und liberale rechtliche Rahmenbedingungen treffen". Geplant sei eine "großzügige Regelung sowohl bei Leerverkäufen als auch bei der Kreditaufnahme". Leerverkäufe sind Geschäfte, bei denen die Fonds Wertpapiere verkaufen, die sie gar nicht besitzen — mit dem Ziel, die Kurse nach unten zu treiben, um die Papiere dann selber billig am Markt zu erwerben. Eine hohe Kreditaufnahme ist bei Hedge-Fonds üblich, weil die Fondsmanager mit geringem Eigeneinsatz möglichst viel Kapital wollen. Derzeit gibt es weltweit mehrere tausend Hedge-Fonds, ein großer Teil davon wird in Steuerparadiesen wie den Cayman-Inseln oder den Bermudas verwaltet. Die Fonds sind dort der internationalen Finanzaufsicht entzogen. Die Regierung in Berlin setzt nun darauf, dass zumindest die in Deutschland angebotenen Hedge-Fonds einer besseren Kontrolle unterliegen. Die "Sondervermögen mit zusätzlichen Risiken" sollen, genauso wie alle anderen Investmentfonds, von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) überwacht werden. Das Finanzministerium will "hohe Anforderungen an Gesellschaften, die Hedge-Fonds auflegen, und deren Manager" stellen. Privatanleger sollen durch einen "ausdrücklichen Warnhinweis" auf die besonderen Risiken von Hedge-Fonds hingewiesen werden, sie dürfen — anders als Versicherungen, Banken oder Vermögensverwalter — zudem nur in so genannte Dachfonds investieren, also in übergeordnete Fonds, die ihr Kapital, und damit das Risiko, auf mehrere Hedge-Fonds verteilen. Skepsis bei den Grünen Die Zulassung der Risiko-Fonds, so wie sie Eichel nun plant, ist gleichwohl umstritten. In der SPD-Bundestagsfraktion gibt es erhebliche Bedenken, auch unter den Grünen herrscht Skepsis. Um unbedarfte Kleinanleger zu schützen, haben Mitglieder des Finanzausschusses eine Mindestsumme von 50.000 Euro gefordert, von der an eine Anlage in den hochspekulativen Fonds überhaupt erlaubt sein soll. Eichel will mit seinem "Investment-Modernisierungsgesetz" darüber hinaus allen anderen Investmentfonds-Typen in Deutschland das Geschäft erleichtern. So will die Regierung die Genehmigungsverfahren für neue Fonds beschleunigen, damit Anbieter schneller auf veränderte Marktbedingungen reagieren können. Kapitalanlagegesellschaften dürfen zudem mit einem geringeren Anfangskapital starten, statt bisher 2,5 Millionen Euro reichen 730.000 Euro. Zudem will Eichel den Fonds erlauben, in stärkerem Maße als bisher in Derivate zu investieren, also etwa in Optionen. Gleichbehandlung von in- und ausländischen Fonds geplant Erheblich erleichtert wird das Geschäft auch für ausländische Anbieter, die auf den deutschen Markt drängen: Nach heftigem Protest vor allem britischer und amerikanischer Gesellschaften, plant das Finanzministerium nun eine "steuerrechtliche Gleichbehandlung von in- und ausländischen Fonds". Das heißt: Das so genannte Halbeinkünfteverfahren, wonach Anleger nur die Hälfte des ausgeschütteten Gewinns versteuern müssen, wird von den Finanzämtern von 2004 an auf Auslandsfonds angewandt. Gleichzeitig stärkt die Regierung die Rechte der Anleger. So müssen sämtliche Investmentfonds künftig, neben dem ausführlichen Verkaufsprospekt, der für Kleinanleger oftmals viel zu komplex ist, einen neuen, "standardisierten und leichtverständlichen Verkaufsprospekt" herausgeben. Auch die Kontrollmöglichkeiten der BaFin werden ausgeweitet. Künftig müssen die Fonds täglich ihren Bestand und sämtliche Transaktionen auf elektronischem Wege an die Aufsichtsbehörde übermitteln. | Die Bundesregierung will die Bedingungen für Investmentfonds in Deutschland erheblich verbessern. Mit der Einführung des "Investment-Modernisierungsgesetz" darf nun auch in Deutschland in Hedge-Fonds investiert werden. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/investmentbranche-eichel-will-hochriskante-fonds-zulassen-1.919297 | Investmentbranche - Eichel will hochriskante Fonds zulassen | 00/05/2010 |
MLP-Chef Bernhard Termühlen hat bei dem Heidelberger Finanzdienstleister eine steile Karriere gemacht. In nur drei Jahren arbeitete sich der stets braungebrannte Westfale vom einfachen Berater bis in den Vorstand vor. 1999 übernahm der promovierte Ingenieur den Vorsitz von MLP-Gründer Manfred Lautenschläger. Ein "Spitzenmann, aus dem ein Weltmeister geworden ist", lautete damals das Urteil Lautenschlägers über seinen Nachfolger. Atemberaubendes Aufwärtstempo Zunächst ging es für MLP und Termühlen in atemberaubendem Tempo nur Aufwärts. Unternehmenszahlen und Aktienkurs wuchsen explosionsartig, 2001 kam der Aufstieg in den DAX. Ebenso rapide war auch der Absturz. Vorwürfe der Bilanzmanipulation brachten den einstigen Börsenstar im vergangenen Jahr in Bedrängnis, Termühlen musste statt als smarter Geschäftsmann immer häufiger als Krisenmanager eingreifen, im August 2003 ging wegen des drastisch eingebrochenen Aktienkurses auch der Platz im DAX verloren. Zu wenig Zeit für die Familie Der "Kraftakt" der Krisenbewältigung sei an ihm nicht spurlos vorbeigegangen, erklärte der 48-Jährige Termühlen nun sein Ausscheiden zum Jahresende. Vor allem für seine Familie habe er in den vergangenen Jahren nur sehr wenig Zeit gehabt und wolle nun Privates in den Mittelpunkt seiner Lebensplanung stellen. Schon früher war bekannt, dass Termühlen Entspannung in Norddeutschland findet, wo er mit seiner Familie ein großes Anwesen hat. Er soll gern reiten und früher auch Marathon gelaufen sein. Im Job galt Termühlen stets als Mann der leisen Töne, als Analytiker und Zahlenmensch. Ihm wurde aber auch nachgesagt, mit Kritik schlecht umgehen zu können und keine "grauen Eminenzen" neben sich zu dulden. | MLP-Chef Bernhard Termühlen hat bei dem Heidelberger Finanzdienstleister eine steile Karriere gemacht. In nur drei Jahren arbeitete sich der stets braungebrannte Westfale vom einfachen Berater bis in den Vorstand vor. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/kurz-portraet-stets-braun-gebrannter-westfale-1.907659 | Kurz-Porträt - Stets braun gebrannter Westfale | 00/05/2010 |
Der Anstieg der Energiepreise scheint ungebrochen. Zu Beginn der Heizsaison auf der Nordhalbkugel notiert der Preis für das schwarze Gold erstmals über 51 Dollar. Beim Blick auf die momentanen Energiepreise bekommen Hausbesitzer und Mieter schon vor dem Winter das Frösteln: Der Ölpreis stellt an den internationalen Rohstoffbörsen einen Rekord nach dem anderen auf, und auch beim Gas steht eine neue Preiserhöhungsrunde bevor. Detailansicht öffnen Wer Heizkosten sparen will, muss entweder das Thermostat herunterdrehen oder in morderne Heizungsanlagen investieren. (Foto: Foto: AP) Auch wenn das Ausmaß der Kostensteigerung noch nicht genau zu beziffern ist - eines steht fest: Wer es in der gerade beginnenden Heizsaison wohlig warm haben will, wird dafür noch kräftiger als in den Vorjahren zur Kasse gebeten. Der Preis für Rohöl erreichte am Mittwoch an den asiatischen Märkten mit 51,48 Dollar je Barrel (159 Liter) einen historischen Höchststand. Der Ölpreis liegt damit momentan rund 70 Prozent über dem Vorjahresniveau. Was etwas trösten mag: Inflationsbereinigt kostet das "schwarze Gold" rund 29 Dollar weniger als 1981. In Deutschland folgt der Gas- dem Ölpreis wegen der umstrittenen Preisbindung meist auf dem Fuß. So müssen auch Millionen von Haushalten, die mit Gas heizen, zum Jahreswechsel mit steigenden Preisen rechnen. Zahlreiche Gas-Versorger würden ab Januar die Preise anheben, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Energie-Abnehmer (VEA), Manfred Panitz, der Bild-Zeitung. "Wer als Verbraucher bisher von größeren Preissteigerungen verschont geblieben ist, muss ab Januar mit Erhöhungen rechnen." Deutschlands größter Gasversorger, die E.ON Ruhrgas AG, hat ihre Preise bereis zum 1. Oktober um 4 Prozent erhöht. Im Januar stehe eine weitere Preisrunde an, sagte ein Unternehmenssprecher. Um wie viel der Preis steige, werde sich erst Ende Oktober zeigen, nachdem die Daten des Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) vorliegen. Jahreshöchststände für Öl Besitzer von Ölheizungen kommen ebenfalls nicht ungeschoren durch den Winter. Der Preis für Heizöl ist in den vergangenen drei Wochen auf immer neue Jahreshöchststände geklettert - und auch in dieser Woche "weist die Tendenz nicht nach unten", sagte Rainer Wiek vom Hamburger Energie Informationsdienst (EID). Wer also bisher seinen Tank nicht gefüllt und auf sinkende Preise spekuliert hat, muss in den sauren Apfel beißen, wenn sein Heizölvorrat jetzt zur Neige geht. "Die Leute haben viel zu lange gewartet", befürchtet Wiek. Als "äußerst gewagt" bezeichnete er Empfehlungen, mit der Heizöl-Bestellung bis zum Februar zu warten, in der Hoffnung, dass die Preise bis dahin wieder um zehn Prozent zurückgehen. Traditionell seien die Preise im ersten Quartal etwas niedriger, aber darauf verlassen könne man sich eben nicht. Wer in der aktuellen Situation das Risiko mindern will, von der Preisentwicklung auf dem falschen Fuß erwischt zu werden, sollte lediglich Teilmengen tanken und den Markt beobachten, lautet der Tipp des Energieexperte. Schwankungen gab es schon immer Die Rohölpreise werden nach Wieks Einschätzung nicht endlos steigen. Es habe schon immer Schwankungen gegeben. Von Prognosen, die den Ölpreis schnurstracks Richtung 60 und 70 Dollar abheben sehen, hält der EID-Experte nicht viel. Der derzeit hohe Ölpreis hat eine Reihe von Gründen. Auf der Nachfrageseite sind dies die gestiegene Nachfrage durch die boomende Wirtschaft in China und aktuell der Beginn der Heizsaison auf der Nordhalbkugel. Auf der Angebotsseite sind es vor allem politische Unwägbarkeiten, die den Preis treiben: die Lage in Irak, die Vorgänge um den größten russischen Öllieferanten Jukos, die labile Situation in Venezuela und Nigeria. Hinzu kommt das nur schleppende Anlaufen der Ölproduktion nach den Schäden von Hurrikan "Ivan" im Golf von Mexiko. "Wenn da keine Beruhigung in den Markt kommt, dürfte sich an dem derzeitigen Niveau nichts ändern", meinte Wiek. In New York wurden indes auch Stimmen laut, die Spekulationen für den ungebrochenen Preisanstieg verantwortlich machen. "Öl ist das einzige Gewinnspiel der Stadt geworden", sagte Analyst Fadel Gheit von Oppenheimer & Co. Alle anderen Investitionsobjekte hätten in den vergangenen zwölf Monaten enttäuscht. Thermostat herunterdrehen Um den Rohstoffmärkten und Energieversorgern nicht völlig hilflos ausgeliefert zu sein, können die Verbraucher auch selbst einigestun, um ihre Heizkosten im Zaum zu halten. Ein verantwortungsvoller Umgang mit der Heizung macht sich bezahlt: Schon zwei Grad wenigerInnentemperatur können im Winter bis zu zwölf Prozent Heizkosten sparen. Um langfristig die Kosten herunterzuschrauben, lohnen auch Investition in moderne Heizgeräte und in eine gute Isolierung derAußenwände und bei Neubauten die Ausrichtung des Hauses nach Süden. | Der Anstieg der Energiepreise scheint ungebrochen. Zu Beginn der Heizsaison auf der Nordhalbkugel notiert der Preis für das schwarze Gold erstmals über 51 Dollar. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/neuer-rekord-oelpreis-teure-aussichten-fuer-die-heizperiode-1.900802 | Neuer Rekord-Ölpreis - Teure Aussichten für die Heizperiode | 00/05/2010 |
Im Dezember sind weitaus mehr Erwerbslose registriert worden als Experten erwartet hatten. Die Arbeitslosenquote sprang um einen halben Prozentpunkt in die Höhe und notiert nun bei 10,8 Prozent. Der Winter hat auf dem Arbeitsmarkt in Deutschland bereits deutliche Spuren hinterlassen. Die Zahl der Arbeitslosen stieg im Dezember vor allem witterungsbedingt um 206.900 auf 4.464.200. Das waren 149.200 mehr als im Dezember 2003, berichtete die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Dienstag in Nürnberg. Detailansicht öffnen Am Stellenmarkt herrscht immer noch Flaute. (Foto: Foto: dpa) Die Arbeitslosenquote stieg um 0,5 Punkte auf 10,8 Prozent. Vor einem Jahr hatte sie noch bei 10,4 Prozent gelegen. Wirtschaftliche Belebung reicht nicht aus Der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, Frank- Jürgen Weise, sagte, die wirtschaftliche Belebung sei noch nicht kräftig genug, um den Arbeitsmarkt grundlegend zu verbessern. Dementsprechend stieg auch die saisonbereinigte Arbeitslosenzahl im Dezember deutlich um 17.000 auf 4,483 Millionen. Von der Nachrichtenagentur dpa befragte Volkswirte hatten im Durchschnitt mit einem Anstieg um 15.000 gerechnet. Im Vormonat war die Arbeitslosenzahl saisonbereinigt um 7.000 gestiegen. Deutlicher Anstieg In Westdeutschland waren Ende des vergangenen Jahres 2.860.300 Männer und Frauen ohne Beschäftigung. Das waren 133.400 mehr als im November und knapp 110.000 mehr als im Dezember 2003. In Ostdeutschland gab es zum Jahresende 1.603.900 Arbeitslose, 73.500 mehr als im Vormonat und 39.200 mehr als im Vorjahresmonat. Die Arbeitslosenquote lag im Westen bei 8,7 Prozent, im Osten bei 18,5 Prozent. "Keine schnelle Wende" Die HVB Group erwartet nach den Dezember-Daten im Januar ein Erreichen der Marke von 5 Millionen Arbeitslosen. Die Experten der Münchener Großbank bezweifelten in einer Analyse, dass die Hartz IV-Reform eine schnelle Wende am Arbeitsmarkt bringen wird. Es werde noch einige Zeit dauern, bis sich die Reformen am Arbeitsmarkt bemerkbar machen und zu positiven Effekten führen. | Im Dezember sind weitaus mehr Erwerbslose registriert worden als Experten erwartet hatten. Die Arbeitslosenquote sprang um einen halben Prozentpunkt in die Höhe und notiert nun bei 10,8 Prozent. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/jobmarkt-arbeitslosigkeit-steigt-im-dezember-deutlich-an-1.907685 | Jobmarkt - Arbeitslosigkeit steigt im Dezember deutlich an | 00/05/2010 |
Wenn Violeta Reiter wissen will, wie es Rumänien geht, blättert sie nicht in der Zeitung, um Arbeitslosenzahlen oder Konjunkturdaten zu studieren. Wenn sie wissen will, wie es Rumänien geht, tritt die 33-Jährige mittags an die Tür ihres kleinen Restaurants und schaut heraus in den Biergarten, eine betonierte Fläche von der Größe eines Tennisplatzes, eingezwängt zwischen dem Haus und einer lärmenden Straße, auf der Laster Pferdekutschen waghalsig überholen. In der Mitte des Betongartens brutzeln auf einem Grill Variationen vom Lamm und Rind, auf den Holzbänken drumherum brutzeln Arbeiter in der Sonne. Mit viel Fleisch und viel Bier stärken sie sich für die zweite Tageshälfte. Detailansicht öffnen Armut und Aufschwung liegen in Rumänien, wie hier in Bukarest, dicht beieinander. (Foto: Foto: AP) Heute geht es vorwärts in Rumänien, die Bänke sind voll; und da Erdtöne die beherrschenden Farben sind bei den Flecken auf Jogginganzügen und Latzhosen, arbeiten die meisten Besucher wohl auf dem Bau. Reiters Gaststätte liegt im Bukarester Vorort Pipera, zwischen einem Gewerbegebiet und einem schicken Wohnviertel, wo die Gewinner des rumänischen Wirtschaftswunders ihre Profite in Beton anlegen. In beiden Quartieren werden gerade zahlreiche Gebäude hochgezogen. Gut für die Gastronomin. "Die Bauarbeiter sind meine Stammkunden", sagt sie und lächelt. In Rumänien weist nicht nur der Violeta-Reiter-Biergarten-Index nach oben - international stärker beachtete Daten zeigen ebenfalls, dass die Wirtschaft in dem südosteuropäischen Staat mit seinen 22 Millionen Einwohnern boomt. Das Bruttoinlandsprodukt, der Wert der hergestellten Güter und erbrachten Dienstleistungen, legt seit 2001 jährlich um mehr als fünf Prozent zu. In diesem Jahr erwartet die Bank Austria Creditanstalt ein Plus von 5,6 Prozent. 2005 betrug die Wirtschaftsleistung pro Kopf allerdings gerade mal 3660 Euro. Bei dem Wachstumstempo wären Jahrzehnte nötig, bis der Schwarzmeerstaat zum Durchschnitt der EU aufgeschlossen hat. Diplomaten rechnen mit EU-Zusage Dennoch herrscht Goldgräberstimmung in dem Land, zu dem so übel beleumundete Regionen wie die Walachei und Transsylvanien gehören. Befeuert wird die Euphorie auch vom EU-Beitritt zum Jahreswechsel. Die Union entscheidet im Oktober, ob der Staat reif für die Gemeinschaft ist oder ob die Erweiterung auf 2008 verschoben wird. Diplomaten rechnen aber mit einer Zusage. Und wie das so ist bei Goldräuschen, drängen Glückssucher aus der Fremde in die Gegend, um frühzeitig ihre Claims abzustecken: die Investoren aus dem Ausland. Doch nicht jeder Sucher findet sein Glück - Bürokratenwillkür und Korruption lassen manchen Rausch im Kater enden. Trotzdem ist die Liste der Wagemutigen lang. Darauf stehen Unternehmen wie der österreichische Öl- und Gaskonzern OMV, der 2004 die staatliche Ölgesellschaft Petrom übernahm. Rumänien hat inzwischen nahezu alle seine ehemals volkseigenen Betriebe privatisiert. Oder Handelsfirmen wie die deutsche Metro, die schon 1996 in dem Land Großmärkte eröffnet hat. Oder Industrieunternehmen wie der Automobilzulieferer Kromberg & Schubert, der Möbelhersteller Baur Wohnfaszination und der Chiphersteller Infineon, die dort produzieren oder forschen lassen - was deutsche Arbeitnehmer mit Sorge beobachten. Hans-Werner Sinn, Chef des Münchner Ifo-Instituts, befürchtet, dass der EU-Beitritt zu einer neuen Verlagerungswelle hiesiger Jobs führen wird. Im vergangenen Jahr investierten Ausländer laut Bank Austria Creditanstalt 5,2 Milliarden Euro netto in Rumänien; der Wert hat sich innerhalb von drei Jahren mehr als vervierfacht. Deutsche Firmen gehören zu den wichtigsten Kapitalgebern. | Die Wirtschaft in dem südosteuropäischen Land boomt, die niedrigen Löhne ziehen viele Firmen an - doch die Investoren ärgern sich über Korruption und Bürokratie. | wirtschaft | https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/rumaenien-vor-dem-geplanten-eu-beitritt-das-kleine-china-europas-1.897807 | Rumänien vor dem geplanten EU-Beitritt - Das kleine China Europas | 00/05/2010 |
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