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Das Urteil der Verfassungsrichter lässt nur einen Schluss zu: Nicht eine hohe Zuschauerquote rechtfertigt die Gebühren für die öffentlich-rechtlichen Sender - sondern eine hohe Qualität. Beim Essen unterscheidet man zwischen den Nahrungsmitteln und den sonstigen konsumierbaren Stoffen; beim Rundfunk unterscheidet man zwischen den öffentlich-rechtlichen und den privaten Sendern: Die Öffentlich-Rechtlichen, also ARD, ZDF und das Deutschlandradio, sollen quasi Brot, Wurst, Eier und Käse liefern, die "Grundversorgung", wie dies das Bundesverfassungsgericht formuliert; dafür dürfen sie Rundfunkgebühren eintreiben. Detailansicht öffnen Eine Außenaufnahme der Gebühreneinzugszentrale in Köln (Foto: Foto: AP) Die privaten Sender dagegen haben sich auf Pommes, Chips, Cola und Cocktails spezialisiert, also auf die Genuss- und Verdrussmittel; sie finanzieren sich ausschließlich mit Werbung. Man nennt diese Einteilung "duales System": Die einen Sender sind zuständig für den Nährwert, die anderen sind für den bloßen Genusswert. Unterschied zwischen Theorie und Praxis So ist es in der Theorie; die Praxis ist anders - vor allem deshalb, weil die öffentlich-rechtlichen Sender süchtig danach sind, immer mehr Genusswert zu liefern. Sicherlich: auch Unterhaltung gehört zur Grundversorgung, aber mit Maß und Ziel. Wer die Programme verfolgt, stellt fest, dass es dieses Maß immer weniger gibt und immer mehr Grundversorgung nach Arte, Phoenix und 3Sat, also in die Spartensender, abgeschoben wird. Das jüngste Urteil des Bundesverfassungsgerichts gibt nun zwar den Öffentlich-Rechtlichen ein Recht auf angemessene Gebühren - aber nicht das Recht, damit zu machen, was sie wollen. Das Bundesverfassungsgericht versucht, erstens das duale System aufrechtzuerhalten und zweitens den Nährwert der Grundversorgung zu mehren. Das Urteil stärkt die öffentlich-rechtlichen Sender - indem es ihnen eine ordentliche Finanzierung zuspricht und dem Einfluss der Politik enge Grenzen setzt. Aber es verlangt dafür auch einiges: Meinungsvielfalt, Sorgfalt und Qualität. Die Demokratie, so das höchste Gericht, braucht diese Sender - aber nicht als Abklatsch der Privaten. Mehr Brot und Wurst, weniger Chips Das Bundesverfassungsgericht spricht den öffentlich-rechtlichen Sendern ausreichende Gebühren zu (die derzeitigen, so sagt das Gericht, sind nicht ausreichend), es will dafür aber mehr Brot und Wurst haben, und weniger Chips. Das Gericht besteht darauf, dass die öffentlich-rechtlichen Sender, um es etwas altertümlich zu sagen, eine demokratische Dienstpflicht haben - als "Informations-, Kommunikations- und Kulturträger". Also: ARD und ZDF müssen herunter von der Rutsche des Kommerzes. Nicht eine hohe Zuschauerquote rechtfertigt die Rundfunkgebühren, sondern eine hohe Qualität. Das Gericht warnt daher vor einer weiteren Verwässerung des Profils durch seichte Programme, durch Werbung und Sponsoring. Noch im Rundfunkgebührenurteil von 1994 hatten die Richter gemeint, eine Finanzierung auch durch Werbeeinnahmen könne die Unabhängigkeit des öffentlich-rechtlichen Fernsehens und Rundfunks stärken. Werbung und Sponsoring sind zu streichen Damit ist es nun vorbei - das Gericht korrigiert sich selbst : Es verweist auf die Risiken, die öffentlich-rechtliche Sender eingehen, wenn sie ihre Programme auf die Werbewirtschaft ausrichten - weil dann zunehmend Rücksicht genommen werden müsse auf Massenattraktivität. Das heißt im Klartext: Werbung und Sponsoring sind zu streichen. Wenn das Gebührenfernsehen auch noch Werbegelder einstreichen will, gefährdet es seinen Anspruch - auch den auf Gebühren. Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts ist so gestrickt, dass sich zunächst alle auf die Schulter klopfen können - sowohl Kläger als auch Beklagte. ARD, ZDF und Deutschlandfunk haben geklagt und gewonnen, weil die von den Ministerpräsidenten gekappte Gebührenerhöhung vom Gericht für verfassungswidrig erklärt wurde. Die beklagten Länder und ihre Ministerpräsidenten haben gleichwohl nicht verloren, weil die von ihnen gekappten Rundfunkgebühren für die laufende Periode (bis 2008) trotz ihrer verfassungswidrigen Festsetzung weitergelten, also nicht rückwirkend erhöht werden müssen. Allerdings muss in der nächsten Gebühren-Periode, also von 2009 an, dann wohl berücksichtigt werden, dass die öffentlich-rechtlichen Sender in den zurückliegenden Jahren zu knappgehalten waren. Das Gericht, und das ist der eigentliche Wert des Urteils, hat die Entscheidung über die Gebühren zum Anlass genommen für eine juristische und politische Hymne auf die Rundfunkfreiheit und die demokratische Bedeutung der öffentlich-rechtlichen Sender. Es warnt davor, die Sender politisch kontrollieren zu wollen und die Rundfunkgebühren-Gesetze dabei als Tatzenstock zu benutzen, mit dem man den Intendanten auf die Finger schlägt. Das Gericht weist ausdrücklich darauf hin, dass es auch ein ganz anderes, probateres Gebührenfestsetzungs-Modell geben könnte, als das gegenwärtig praktizierte: Karlsruhe hat ausdrücklich nichts gegen "indexgestützte Berechnungsmethoden" - auch nicht gegen eine "Vollindexierung". Das heißt: Die TV-Gebühren könnten einfach an die Inflationsrate gekoppelt werden. Das wäre begrüßenswert. Wer aber stoppt eine andere Inflation, wer stoppt die Entwertung der Programme? Rundfunkfreiheit ist nicht nur die Freiheit, Gebühren zu kassieren. Rundfunkfreiheit ist die Freiheit und die Pflicht, Qualität zu bieten - auch wenn sie viel kostet.
Das Urteil der Verfassungsrichter lässt nur einen Schluss zu: Nicht eine hohe Zuschauerquote rechtfertigt die Gebühren für die öffentlich-rechtlichen Sender - sondern eine hohe Qualität.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/urteil-zu-rundfunkgebuehren-naehrwert-des-fernsehens-1.880585
Urteil zu Rundfunkgebühren - Nährwert des Fernsehens
00/05/2010
Die Debatte über Interessenkonflikte wird in Deutschland nicht ernst genug geführt. Die Zeit drängt. Deutschland soll endlich reformiert werden. Bleibt da Zeit für soziale Gerechtigkeit? Was bedeutet das überhaupt, soziale Gerechtigkeit? (SZ vom 25.10.03) — Um es gleich klarzustellen: Eine allgemein gültige Definition gibt es nicht. Der liberale Wirtschaftsnobelpreisträger Friedrich August von Hayek bezeichnete das Adjektiv sozial im Zusammenhang mit Gerechtigkeit deshalb als inhaltsleer; die Debatte darüber behindere nur den Fortschritt. Wer so denkt, macht es sich zu einfach. Menschen besitzen ein Gerechtigkeitsempfinden. Sie ordnen jede Entscheidung auf ihrer Werteskala ein. Die Bewertungen liegen innerhalb einer Kultur gar nicht so weit auseinander, wie mancher vermutet. Keine objektive Definition Die Menschen können sich auf gemeinsame Regeln verständigen, wenn sie nur darüber reden. Darauf hat der österreichische Wirtschaftsprofessor Kurt W. Rothschild schon vor langem hingewiesen. Er sagt: "Auch wenn man keine objektive Definition für soziale Gerechtigkeit erstellen kann, muss man diskutieren. So kann man zu einer vorherrschenden Meinung kommen." Als Beispiel nennt er die Nachkriegszeit. Die Menschen seien schockiert gewesen von der Massenarbeitslosigkeit in den dreißiger Jahren. Sie habe mit zum Ausbruch des Krieges beigetragen. Ein solches Desaster wollten die Politiker künftig verhindern. Sie bauten die Sozialsysteme aus und trafen damit die Gerechtigkeitsvorstellung der Mehrheit. Man war sich einig: Der Staat sollte eine weitgehende Fürsorgepflicht haben. Heute ist das anders. Der Sozialstaat ist umstritten; sein Umbau erst recht. Der Widerstand zeigt, dass die Reform-Agenda 2010 gegen das Gerechtigkeitsempfinden bestimmter Gruppen verstößt. Dabei geht es nicht um ein paar sozialromantische Spinner, sondern um Millionen Menschen. Nimmt man ihre Sorgen ernst, darf man der Diskussion über soziale Gerechtigkeit nicht aus dem Weg gehen. Aber genau das passiert. Unterschiedliche Ansichten Natürlich gibt es unterschiedliche Ansichten. Die Arbeitslosen, die nur noch Sozialhilfe bekommen sollen, finden das ungerecht. Die Rentner, die auf Einkommen verzichten sollen, jammern. Die Beschäftigen, die immer höhere Abgaben fürchten, fühlen sich ungerecht behandelt, ebenso die Unternehmer, die ihre Lohnkosten für viel zu hoch halten. Und was tun die Politiker? Sie weichen der inhaltlichen Debatte aus, weil sie angesichts unangenehmer Wahrheiten um ihre Wiederwahl fürchten. Viele Unternehmen stellen die Lage schlimmer dar, als sie ist, um den Arbeitnehmern möglichst große Zugeständnisse abzutrotzen. Die Gewerkschaften treiben orientierungslos in ihrer Sinnkrise. Die Kirchen, eigentlich die Instanz für soziale Gerechtigkeit, bleiben stumm oder werden überhört. Und die Arbeitslosen haben sowieso keine Lobby, seit die Sozialdemokraten die Seiten wechselten. Verwirrung steigt So vermischen sich Unwahrheiten mit Halbwahrheiten; die Verwirrung über den Sinn der Reformen steigt. Diese Unsicherheit nützt den Lobbygruppen, die Stärksten setzen sich durch. Im Moment sind das die Unternehmen, weil sie das größte Drohpotenzial haben: Sie könnten jederzeit ins Ausland abwandern, sagen ihre Vertreter. Angesichts 4,2 Millionen Arbeitsloser macht das Eindruck - zum Beispiel bei den Politikern. Über die Agenda 2010 können sich Deutschlands Unternehmer freuen. Erwerbslose aber müssen starke Einschnitte hinnehmen. Die Politiker wollen freilich nicht zugeben, dass sie dem Druck der mächtigsten Lobbyisten nachgeben. So gaukeln sie den Menschen vor, die Reform bringe Wohlstand für alle. Mit dieser Propaganda schüren sie falsche Erwartungen. Die Agenda 2010 wird vielen Menschen helfen, aber auch viele zu Verlierern stempeln. Einigung nötig Spätestens dann wird sich die Gesellschaft überlegen müssen, wie sie mit den sozialen und ökonomischen Folgen dieser Spaltung umgeht. Vielleicht muss sie sogar darüber nachdenken, ob die repräsentative Demokratie angesichts der Tragweite der Agenda 2010 an Grenzen stößt, ob nicht direktere Formen der Teilhabe nötig werden. Das Problem wäre entschärft, wenn sich die Mehrheit über grundlegende Fragen einigen würde: Wie vielen Menschen und welchen Gruppen werden Einschnitte zugemutet? Wie tief darf der Abstieg eines Einzelnen sein? Wann kommt der Staat zur Hilfe? Die Menschen müssen - im Sinne Rothschilds - eine vorherrschende Meinung über die soziale Gerechtigkeit der Reformen finden. Es erscheint absurd, dass nur einige wenige den Maßstab für Gerechtigkeit setzen. Ein Referendum nach Schweizer Vorbild würde die Legitimität der Agenda 2010 erhöhen. Egal wie sie ausgeht.
Die Debatte über Interessenkonflikte wird in Deutschland nicht ernst genug geführt. Die Zeit drängt. Deutschland soll endlich reformiert werden. Bleibt da Zeit für soziale Gerechtigkeit? Was bedeutet das überhaupt, soziale Gerechtigkeit?
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/sz-serie-zur-gerechtigkeit-folge-17-der-staerkere-gewinnt-1.898254
SZ-Serie zur Gerechtigkeit, Folge 17 - Der Stärkere gewinnt
00/05/2010
Die Einkommensschere in Deutschland wird immer größer: Reiche sind dabei die Gewinner, Arme die Verlierer. Das ist zwar ungerecht, aber ein schlichter Umverteilungsreflex wäre dennoch grundverkehrt. Deutschland ist ein reiches Land, heute und noch auf lange Zeit. Doch die Schere in der Einkommensverteilung öffnet sich weiter, wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) soeben errechnet hat: Die Reichen werden reicher, und die Armen ärmer. Darf das sein? Detailansicht öffnen Die Reichen werden immer reicher. (Foto: Foto: AP) Reichtum und Armut sind relative Begriffe. Natürlich leben die Deutschen heute, global betrachtet und im Vergleich zu früheren Jahrhunderten, auf einer Insel der Seligen. 68.500 Euro hat jeder Haushalt zur Verfügung, 35 Prozent mehr als 1998. Leider aber ist dies ein Durchschnittswert und deshalb nur begrenzt aussagefähig. Drei Millionen Haushalte überschuldet Gleichzeitig sind so viele Menschen wie nie überschuldet: acht Prozent der Haushalte, drei Millionen an der Zahl. Auf das oberste Zehntel der Haushalte entfällt rund die Hälfte des Vermögens, die untere Hälfte verfügt über weniger als vier Prozent. Seit 1984 ermittelt das DIW das verfügbare Haushaltseinkommen: Löhne, Kapitaleinkünfte, Sozialleistungen, private Unterhaltszahlungen, und niemals in diesen gut 20 Jahren war die soziale Ungleichheit so groß wie heute. Entsprechend wächst die Armut in Deutschland. Als arm gilt, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Haushaltseinkommens hat. Das sind heute 17,3 Prozent der Bürger, in Ostdeutschland ist es ein Fünftel. Unter-der-Brücke-Dasein Man mag den Armutsbegriff in Frage stellen, der irreführenderweise nach Hunger und Unter-der-Brücke-Dasein klingt. Dabei fließen die Transferleistungen des Staates noch immer vergleichsweise üppig. Wenn ein Arbeitslosen-Haushalt mit Kindern auf bis zu 2000 Euro netto kommt, ist das mehr, als mancher hart arbeitende Familienvater nach Hause bringt. Aber das ändert nichts daran, dass das Gefälle immer größer wird. Durch die enge ökonomische Brille betrachtet, gibt es daran wenig auszusetzen, im Gegenteil: Ungleichheit ist Voraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg. Leistung entsteht aus Ansporn. "Den Menschen treibt die Gier, und wenn jeder an sich denkt, ist an alle gedacht", sagt Milton Friedman, US-Nobelpreisträger und Vordenker einer weitgehend schrankenlosen Marktwirtschaft.
Die Einkommensschere in Deutschland wird immer größer: Reiche sind dabei die Gewinner, Arme die Verlierer. Das ist zwar ungerecht, aber ein schlichter Umverteilungsreflex wäre dennoch grundverkehrt.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/arm-und-reich-den-menschen-treibt-die-gier-1.907351
"Arm und Reich - ""Den Menschen treibt die Gier"""
00/05/2010
Mit seiner Kritik am Management und dem Kurs des Bonner Konzerns spricht ein Techniker Hunderten Kollegen aus dem Herzen. Für viele Telekom-Mitarbeiter ist der 48-jährige Techniker Michael Glück (Name von der Redaktion geändert) ein Held. Sein Protestbrief an Konzernchef René Obermann verbreitete sich wie ein Kettenbrief. Der Briefschreiber ist schon fast erschreckt über das große Echo, welches sein Schreiben ausgelöst hat. Detailansicht öffnen In seinem Brief sprach der Telekom-Techniker für viele. (Foto: Foto: AP) "Mit der Welle der Solidarität habe ich nicht gerechnet", sagt er der SZ, spricht von 900 bis tausend E-Mails, die ihm Kollegen aus allen Sparten der Telekom bereits geschickt hätten, ob Mobilfunk, Festnetz oder Immobilien. "Alle unterstützen mich", sagt er. Nach der Arbeit sitzt er, der tagsüber in Berlin als Techniker für die Telekom unterwegs ist, nun stundenlang daheim und beantwortet E-Mails von Kollegen, von denen er vielen noch nie begegnet ist. Dabei hatte er seinen dreiseitigen Brief vor zwei Wochen nur an die Vorstandsriege um René Obermann und einige Mitarbeiter geschickt. Doch schnell verbreitete sich der Brief, weil er vielen aus dem Herzen sprach. Immer größerer Scherbenhaufen "Arroganz und Selbstherrlichkeit" prägten das Vorgehen des Vorstands, der einen immer größeren Scherbenhaufen hinterlasse, wirft der langjährige Mitarbeiter dem Führungskreis vor. Bei Vorständen, die sich die Klinke in die Hand gäben, könne von Identifizierung mit der Firma wohl kaum die Rede sein. Er selbst sieht sich nicht als Revoluzzer, aber ein "Ja-Sager" sei er noch nie gewesen, erzählt er. Als dann der Aufsichtsrat für die Auslagerungspläne von Obermann grünes Licht gab, da setzte sich der Fernmeldetechniker an den Computer und formulierte seinen Unmut. Dabei hat er nur wenig Hoffnung, dass der Vorstand seinen Beschluss zurückzieht. Obermann will 55.000 Mitarbeiter in eine neue Servicegesellschaft ausgliedern, wo sie für weniger Geld länger arbeiten sollen. So soll die Telekom wettbewerbsfähig werden, der Kundenschwund gestoppt werden. "Reden sie mit uns" In den Augen des Mitarbeiters ist die Vorgehensweise ein fataler Fehler. "Damit setzen sie doch nur eine Billiglohnschleife in Gang", kritisiert er. Er empfiehlt Obermann, auf die Mitarbeiter zu hören. "Wir wissen, was die Kunden wollen und wie wir es ihnen bieten können! Wenn Sie es ernst meinen mit der Forderung, wieder das beste Kommunikationsunternehmen zu sein, reden sie mit uns." Bislang hat sich Obermann bei dem Techniker aber noch nicht persönlich gemeldet. Stattdessen schrieb er einen Brief an alle Mitarbeiter, in dem er selbst Kritik übte. Die Beleidigungsgrenze sei in einigen internen Briefen überschritten worden. In diesem Klima finden nun die vielleicht schwierigsten Gespräche zwischen Verdi und der Telekom seit deren Privatisierung statt: Es geht um die Servicegesellschaft T-Service. Beide Seiten setzten sich am Donnerstagnachmittag im Erzbischöflichen Seminar in Bad Honnef an den Verhandlungstisch. "Himmlischer Beistand könnte hilfreich sein", sagte ein Teilnehmer, der keine schnelle Einigung erwartet. Verhindern kann Verdi die Auslagerung rechtlich nicht. Jetzt geht es der Gewerkschaft um die Arbeitsbedingungen. Sie fordert für die Mitarbeiter in der neuen Gesellschaft Bestandsschutz der geltenden tarifvertraglichen Regelungen und zeigte gleich am ersten Tag der Verhandlungen ihre Waffen: In Bayern demonstrierten Telekom-Beschäftigte gegen die Pläne.
Mit seiner Kritik am Management und dem Kurs des Bonner Konzerns spricht ein Techniker Hunderten Kollegen aus dem Herzen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/viel-resonanz-auf-protestbrief-der-held-der-telekom-1.898632
Viel Resonanz auf Protestbrief - Der Held der Telekom
00/05/2010
Eine Expertengruppe der EU-Kommission will die Übernahme von Sparkassen und Genossenschaftsbanken durch private Kreditinstitute erleichtern. Sollten die Pläne Realität werden, stünde das gesamte Bankensystem Deutschlands vor einem Umbruch. Die EU-Kommission setzte vor einigen Monaten Expertengruppen ein, die Vorschläge für die Zukunft des Finanzsektors machen sollen. Um einen echten grenzübergreifenden Binnenmarkt mit Vorteilen für Unternehmen und Verbraucher zu schaffen, fordert die Banken-Gruppe radikale Änderungen. Detailansicht öffnen Die Sparkassen sind auf dem deutschen Bankenmarkt ein großer Faktor. "In einigen EU-Staaten werden Übernahmen per Gesetz oder durch die Einstellung der Regierung behindert", heißt es in dem 21-seitigen Berichtsentwurf, der im Hause von Binnenmarktkommissar Frits Bolkestein geschrieben wurde. "Die Kommission und die Mitgliedsstaaten sollten daran arbeiten, diese Barrieren soll schnell wie möglich zu beseitigen." Großes Interesse Wenn die Kommission einen entsprechenden Rechtsvorschlag macht, würde dies in Deutschland vor allem die vielen Sparkassen und Genossenschaftsbanken treffen. Diese können bisher von privaten Banken oder anderen privaten Investoren so gut wie nicht aufgekauft werden, obwohl es ein großes Interesse daran gibt. In der öffentlich-rechtlichen Bankenszene heißt es, vor allem die britische Barclays Bank habe sich in Brüssel für eine Änderung nationaler Vorschriften stark gemacht. "Die privaten Banken wollen die Strukturen in Deutschland und anderen Ländern aufbrechen", sagt ein Insider. Die Kommission will ihre Vorschläge zur Zukunft des Finanzmarkts im Juni vorlegen. Namensschutz Wie in Brüssel aber zu hören ist, finden die Ideen der Experten bei Bolkestein viel Anklang. Der marktliberale Kommissar hat bereits ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland wegen des Namensschutzes der Sparkassen gestartet. Wenn ein privater Investor eine deutsche Sparkasse in einem Ausnahmefall überhaupt kaufen darf, dann muss er den eingeführten Namen "Sparkasse" aufgeben. Bolkestein betrachtet dies als Hindernis für den gemeinsamen Finanzmarkt. Nachdem die Bundesregierung die Regelung in einem Schreiben an die Kommission verteidigt hat, prüft Bolkestein nun das weitere Vorgehen gegen Deutschland. Für Empörung der Sparkassenverbände sorgten unterdessen Schlussfolgerungen einer Studie über die Perspektiven des deutschen Bankensektors insgesamt, die das Bundesfinanzministerium beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Auftrag gegeben hat. "Erhebliche Belastungen" Darin ist von unverkennbarem Reformbedarf die Rede. Die Politik sollte den Wegfall der Staatsgarantien für die Landesbanken "gestaltend begleiten".Künftig würden Kreditinstitute unabhängig von ihrer eigentumsrechtlichen Verankerung Pleite gehen können. "Damit ist eine entscheidende ordnungspolitische Veränderung erfolgt", heißt es. Auf die Landesbanken würden "erhebliche zusätzliche Belastungen zukommen". Die bisherigen Anpassungsprozesse ließen kein einheitliches Muster erkennen. Teile des öffentlichen Bankensektors würden außerordentlich profitabel arbeiten. Deshalb sei eine Privatisierung nicht zwingend. Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband appelliert an die Politik, sich nicht den Wünschen der Kapitalmärkte beugen. "Die 50 Millionen Kunden der Sparkassen-Finanzgruppe vertrauen darauf, dass die deutsche Politik und das Bundesfinanzministerium das Interesse der Kunden stärker berücksichtigen als die Gewinninteressen weniger privater Großbanken", sagte Vorstandsmitglied Holger Berndt. Siegfried Naser, Präsident des bayerischen Sparkassenverbandes, verweist darauf, Sparkassenrecht sei Sache der Länder und Kommunen. Politischer Widerstand Die Privatisierung der Sparkassen war am Fall Stralsund diskutiert worden, wo die Stadt ihre Finanzen mit dem Verkauf aufbessern wollte, aber am politischen Widerstand scheiterte. Die den Sparkassen übergeordneten Landesbanken suchen wegen des Wegfalls der Staatshaftung Wege, um zu überleben.
Eine Expertengruppe der EU-Kommission will die Übernahme von Sparkassen und Genossenschaftsbanken durch private Kreditinstitute erleichtern. Sollten die Pläne Realität werden, stünde das gesamte Bankensystem Deutschlands vor einem Umbruch.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/interner-bericht-bruessel-will-sich-sparkassen-vorknoepfen-1.906619
Interner Bericht - Brüssel will sich Sparkassen vorknöpfen
00/05/2010
DaimlerChrysler drückt bei der Sanierung des angeschlagenen japanischen Autobauers Mitsubishi aufs Tempo. Andreas Renschler, Chef des Tochterunternehmens Smart, wird sich in Zukunft oft in Japan aufhalten. In einem Brief an die Smart-Mitarbeiter schrieb Renschler, er sei beauftragt worden, im Rahmen der weiteren strategischen Entwicklung von DaimlerChrysler ein bis Ende April befristetes Projekt zu leiten. "Ziel ist es, mit einem Business Plan für Mitsubishi die künftige Rolle unseres strategischen Allianzpartners auszuarbeiten." Dies habe zur Folge, dass er in den nächsten Wochen viel Zeit in Japan verbringen werde. Vorstandschef Jürgen Schrempp hatte auf der Bilanzpressekonferenz am vergangenen Donnerstag erklärt, dieser Geschäftsplan solle die Aktivitäten des japanischen Herstellers auf eine solide finanzielle Basis stellen, die Produktoffensive vorantreiben und wieder positive Ergebnisse ermöglichen. Zu Medienberichten, dass er Mitsubishi-Chef Rolf Eckrodt ersetzen soll, nahm Renschler in dem Brief keine Stellung. Ein Unternehmenssprecher lehnte am Montag ebenfalls eine Auskunft dazu ab. In Unternehmenskreisen freilich wurde inzwischen ein Rückzug von Eckrodt von der Firmenspitze nicht mehr ausgeschlossen. Er war vor drei Jahren von Deutschland nach Japan zur Mitsubishi-Sanierung entsandt worden. Verluste unerwartet hoch Die DaimlerChrysler-Tochter Mitsubishi Motors wird ihr Geschäftsjahr 2003/2004 nach eigenen Angaben mit einem deutlich höheren Verlust abschließen als zunächst erwartet. DaimlerChrysler ist an dem japanischen Autobauer zu 37 Prozent beteiligt. Angesichts einer schwachen Entwicklung auf dem nordamerikanischen Automarkt werde mit einem Nettoverlust von 72 Milliarden Yen (rund 530 Millionen Euro) gerechnet, hatte der japanische Konzern vergangene Woche erklärt. Ursprünglich war nur mit einem Minus von 11 Milliarden Yen gerechnet worden. DaimlerChrysler ist an dem japanischen Autobauer zu 37 Prozent beteiligt. Langjährige Zusammenarbeit Mitsubishi und Smart arbeiten schon seit längerer Zeit intensiv zusammen. Ein Ergebnis ist der viersitzige Smart forfour. Das Auto wurde in nur 33 Monaten entwickelt. Von dem Kleinwagen müssen früheren Angaben zufolge pro Jahr 80.000 Einheiten ausgeliefert werden, damit die Gewinnschwelle erreicht wird. Smart wollte eigentlich schon in diesem Jahr die Gewinnschwelle erreichen. Weil jedoch die Entwicklungskosten für den forfour in die Bilanz mit einbezogen werden mussten, wird der Kleinwagenbauer erst ab 2006 auch offiziell schwarze Zahlen schreiben, wie ein Sprecher berichtete.
DaimlerChrysler drückt bei der Sanierung des angeschlagenen japanischen Autobauers Mitsubishi aufs Tempo. Andreas Renschler, Chef des Tochterunternehmens Smart, wird sich in Zukunft oft in Japan aufhalten.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/mitsubishi-renschler-soll-es-richten-1.900078
Mitsubishi - Renschler soll es richten
00/05/2010
Die Deutsche Börse will verhindern, dass ihr wichtigster Index an Bedeutung verliert: Künftig können auch bestimmte Konzerne mit Sitz im Ausland in den Dax aufrücken. Mit den neuen Regeln passt die Deutsche Börse sich internationalen Gepflogenheiten an. Beispielsweise ist der französische Leitindex CAC40 unter bestimmten Bedingungen bereits jetzt für ausländische Unternehmen offen, ähnlich ist es an anderen europäischen Handelsplätzen. Detailansicht öffnen Dax-Notierungen in Frankfurt mit einem Zoom-Objektiv aufgenommen. (Foto: Foto: dpa) In Deutschland kann künftig ein Unternehmen, das seinen juristischen Sitz nicht in Deutschland hat, unter zwei alternativen Voraussetzungen in den Dax aufgenommen werden: Ein Unternehmen könnte dann Zugang zum Leitindex bekommen, wenn ein Teil der Geschäftsführung hier angesiedelt ist. Zweitens ist die Aufnahme in den Dax auch möglich, wenn mindestens 33 Prozent des weltweiten Handels mit Aktien der betreffenden Firma an deutschen Börsen stattfinden. Erster Nutznießer Die Deutsche Börse AG gab die neuen Regeln in einer Situation bekannt, in der sie selbst zum ersten Nutznießer der Reform werden könnte. Sollte es doch noch zu der erhofften Fusion mit der Vierländerbörse Euronext kommen und der juristische Sitz einer fusionierten Börse in Amsterdam angesiedelt sein, könnte die Deutsche Börse nach dem neuen Regelwerk im Dax bleiben. Die Deutsche Börse hatte Euronext eine Lösung vorgeschlagen, bei der die Geschäftsführung vorwiegend in Frankfurt liegen sollte, der juristische Sitz aber in einem der Euronext-Länder. Das Euronext-Management hatte aber vor wenigen Tagen den Zusammenschluss mit der New Yorker Börse beschlossen. Die Börse betonte am Mittwoch, dass die Reform nicht aus diesem Grunde gerade jetzt erfolge. "Die geplante Fusion mit Euronext hat für das Timing keine Rolle gespielt", sagte Hartmut Graf, der bei der Deutschen Börse für das Indexgeschäft zuständig ist. Reform schon lange geplant Der Arbeitskreis Aktienindizes arbeite bereits seit langem an einer Reform. Es gehe darum, mit der Indexgestaltung der Internationalisierung der Kapitalmärkte Rechnung zu tragen. Ziel sei es unter anderem, dass in Zukunft auch Aktien von Unternehmen in den Dax aufgenommen werden können, die sich für die neue Rechtsform einer Europäischen Gesellschaft (SE) entscheiden. Unter den großen deutschen Konzernen hat dies bislang nur die Allianz getan, die allerdings auch ihren juristischen Sitz in Deutschland beließ und deshalb auch ohne die neue Regel im Dax hätte bleiben können. Ein Börsensprecher ließ allerdings durchblicken, dass sich schon zahlreiche Unternehmen erkundigt hätten, wie sich die Umwandlung in eine SE auf die Dax-Mitgliedschaft auswirken würde. Geprüft wird ein solcher Schritt unter anderem von der Deutschen Bank, es gilt jedoch als unwahrscheinlich, dass sie sich tatsächlich in eine Europa AG umwandelt.
Die Deutsche Börse will verhindern, dass ihr wichtigster Index an Bedeutung verliert: Künftig können auch bestimmte Konzerne mit Sitz im Ausland in den Dax aufrücken.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/neue-regeln-dax-auch-fuer-auslaendische-firmen-offen-1.897827
Neue Regeln - Dax auch für ausländische Firmen offen
00/05/2010
Das Massengeschäft mit Otto Normalverbraucher ist nicht das Revier der Privatbanken. Mittelständler, Großverdiener und Millionäre mit dicker Brieftasche sind ihre Klientel. Eine halbe Million Euro frei verfügbares Vermögen gilt in der Branche als Mindesteinsatz. Leuchtreklame und Zeitungsanzeigen sind nicht ihr Stil. Wenn die feinen Privatbanken neue Kunden gewinnen wollen, laden sie zu einer Kunstausstellung oder einem Konzert ein. Detailansicht öffnen Bankhaus Sal. Oppenheim in Köln: Wer hier verkehrt, erscheint in der Regel in gutem Tuch. (Foto: Foto: dpa) "Reich und reich gesellt sich gern", beschreibt ein Privatbanker die Atmosphäre unter den Kunden. Persönliche Ansprache und umfassender Service zählt bei den gut betuchten Anlegern nämlich viel. "Beim Bankhaus Lampe kocht der Chef noch selbst", sagt der persönlich haftende Gesellschafter, Christian Graf von Bassewitz. Gemeint ist, er kümmert sich persönlich um Kunden. Die Zahl der Institute des deutschen Geldadels war in den vergangenen Jahrzehnten aber deutlich rückläufig. Aderlass Vor 80 Jahren waren in Deutschland noch 1200 Privatbanken aktiv, erzählt Graf von Bassewitz. Vor 40 Jahren gab es dann noch 130 bis 140. Heute listet der Bundesverband deutscher Banken nur noch 33 Privatbankiers auf, von denen einige wiederum zu großen Instituten gehören. Während sich die Großbanken in jüngster Zeit neu aufstellen und nach Fusionskandidaten Ausschau halten, geraten viele Privatbanken in den Strudel von Übernahmen. So nahm die niederländische Großbank ABN Amro Anfang 2004 die privaten Geldhäuser Delbrück Bethmann Maffei unter ihr Konzerndach. Andere Privatbankiers gingen selbst in die Offensive: Paradebeispiel ist das traditionsreiche Kölner Bankhaus Sal. Oppenheim. Das Geldinstitut zählt die Reichsten der Reichen zu seinen Kunden. Eine der ersten Adressen Die "Bank der Milliardäre" schluckt jetzt die deutsche Tochter des niederländischen Finanzkonzern ING. Die Berliner Handels- und Frankfurter Bank (BHF) zählte einst zu den ersten Adressen der deutschen Kreditwirtschaft.
Das Massengeschäft mit Otto Normalverbraucher ist nicht das Revier der Privatbanken. Mittelständler, Großverdiener und Millionäre mit dicker Brieftasche sind ihre Klientel. Eine halbe Million Euro frei verfügbares Vermögen gilt in der Branche als Mindesteinsatz.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/privatbanken-kampf-um-millionaere-1.901779
Privatbanken - Kampf um Millionäre
00/05/2010
Eigentum verpflichtet, auch in Second Life: Bei bald vier Millionen angemeldeten Spielern wird der Raum schon langsam knapp. Doch es gibt klare Eigentumsregeln, die denen in der realen Welt ähneln. Achtung! Sie sind nicht der Eigentümer dieses Geländes. Verlassen Sie es! Dafür bleiben Ihnen noch 10.000 Sekunden.'' Damit beginnt auf dem Computermonitor von Soeren Susa ein Countdown, der ihm unmissverständlich klar macht, dass er nicht willkommen ist. Detailansicht öffnen Die Bewohner von "Second Life" fühlen sich auf Inseln wohl: Schon 4400 Spieler haben sich ihren Platz am Meer gegönnt. (Foto: Screenshot: Linden Labs) Dabei wollte sich die Spielfigur des Reporters im Internetspiel Second Life nur eine besonders schöne Strandvilla aus der Nähe anschauen. Susa ignoriert die Warnung, klickt sie weg - und wird augenblicklich durch die Luft geschleudert. Er bleibt unverletzt, findet sich aber in einem Niemandsland in der virtuellen Realität wieder. Eigentum verpflichtet, auch in Second Life. Dass jedem Nutzer das gehört, was er erschaffen hat, zählt zu den Erfolgsfaktoren des Spiels. Durchbruch durch Eigentumsregelung Seit Ende 2003 ist es möglich, Land in Second Life zu besitzen. Mit der Regelung des Eigentums hat die Computersimulation den Durchbruch geschafft. ,,Anschließend gab es einen digitalen Landrush - so wie einst im Wilden Westen der USA'', erklärt Catherine Smith, Marketingchefin bei Linden Lab, dem nordamerikanischen Unternehmen, das die Internetplattform Second Life im Netz betreibt. Spazierengehen durch die Online-Welt kostet nach wie vor nichts, wer aber Land besitzen möchte, muss ordentlich zahlen. So fallen für eine Insel mit virtuellen 65.000 Quadratmetern 1695 Dollar einmalig an, zuzüglich 295 Dollar im Monat. Stolzer Preis Ein stolzer Preis für eine Fläche von etwa acht Fußballplätzen, die aber rein aus Computercode besteht und gar nicht existiert. Dennoch haben sich allein im Februar bisher mehr als 500 Avatare den Traum von der eigenen Insel gegönnt. Insgesamt besitzen etwa 4400 Spieler ihren Platz am Meer. Linden Lab lässt sich mit der Pacht auf den virtuellen Grund die Rechnerkapazitäten im Hintergrund bezahlen, die nötig sind, um die Second-Life-Welt über das Internet auf dem Bildschirm zuhause darzustellen. Für den Boden der Großgrundbesitzerin Anshe Chung etwa sind bei Linden Lab 550 Netzwerkrechner in Betrieb. Das junge US-Unternehmen ächzt unter der Flut an Neuanmeldungen. Im Oktober 2006 wurde der einmillionste Einwohner auf Second Life begrüßt. Acht Wochen später waren es schon zwei Millionen. Im Moment nähert sich die Zahl rasant der Grenze von vier Millionen angemeldeten Spielern. In Spitzenzeiten kommt es an den populären Orten im Netz schon zu Gedränge. Eigene Währung Die virtuelle Wirtschaft hält eine eigene Währung am Laufen: der Linden-Dollar. Er lässt sich jederzeit umtauschen in echte, harte Dollar. Den Wechselkurs regeln wie im wirklichen Leben Angebot und Nachfrage an einer Börse. Derzeit bekommt der Spieler für einen US-Dollar 269,36 Linden-Dollar. Einige sichern sich schon einen Zusatzverdienst über Second Life. So haben laut offizieller Statistik im Januar 548 Mitglieder 1000 Dollar oder mehr mit dem Spiel verdient, ein Plus von 19 Prozent gegenüber dem Vormonat.
Eigentum verpflichtet, auch in Second Life: Bei bald vier Millionen angemeldeten Spielern wird der Raum schon langsam knapp. Doch es gibt klare Eigentumsregeln, die denen in der realen Welt ähneln.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/digitaler-landrush-virtuelle-oekonomie-1.897771
Digitaler Landrush - Virtuelle Ökonomie
00/05/2010
Der Strom kommt aus der Steckdose - und damit in der Regel von Stadwerken. Daran hat sich auch fünf Jahre nach der Liberalisierung des Strommarktes in Deutschland wenig geändert. Ganze zwei Prozent der deutschen Kunden haben in dieser Zeit ihren Anbieter gewechselt. Dies ergab eine Umfrage des Forsa-Instituts im Auftrag des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU), die am Montag in Köln veröffentlicht wurde. Demnach sind 93 Prozent der Kunden mit den Leistungen der Stadtwerke als traditionellen Stromversorgern zufrieden. Verbraucher kennen ihren Strompreis nicht VKU-Wolfgang Prangenberg erklärte die geringe Wechselrate mit dem Wunsch der Kunden nach Servicequalität und Versorgungssicherheit. Vielen Verbrauchern ist die Höhe ihrer Stromrechnung offenbar schlichtweg egal: Der Umfrage zufolge kennen 90 Prozent ihren derzeitigen Strompreis nicht. Prangenberg berief sich bei seinen Angaben zur Wechselrate auf eine Erhebung bei den VKU-Mitgliedsunternehmen. Dem VKU-Sprecher zufolge lagen die Stadtwerke mit der Wechselquote teilweise deutlich unter den traditionellen privaten Großversorgern. Dort seien teilweise bis zu fünf Prozent der Kunden abtrünnig geworden. Die erhofften Vorteile durch den Eintritt privater Unternehmen in den Strommarkt hätten sich in der Wahrnehmung der Kunden nur teilweise bestätigt, erklärte der Verband. Demnach hätten sich noch 1999 fast 70 Prozent der Befragten günstigere Strompreise durch mehr Wettbewerb versprochen. In der jüngsten Erhebung waren es lediglich 37 Prozent, die glaubten, dass die Marktpreise günstiger geworden seien. Befragt wurden von Forsa 1001 repräsentativ ausgewählte Haushaltskunden. Vorteil: Versorgungsleistungen aus einer Hand "Dass die Stromversorgung zuverlässig läuft, ist vielen wichtiger, als eine extrem preiswürdige Energie zu bekommen", so der Verbandssprecher. Vorteil der Stadtwerke im Wettbewerb ist der Umfrage zufolge auch, dass sie vielfach mehrere Versorgungsleistungen aus einer Hand liefern können. 84 Prozent der Befragten fänden es laut VKU vorteilhaft, Strom, Gas und Wasser von nur einem Anbieter zu beziehen. Auch die Stadtwerke sähen die Strompreise in den kommenden Monaten tendenziell steigen, sagte Prangenberg weiter. Dies werde aber je nach Anbieter sehr unterschiedlich ausfallen. Angesichts des hohen Stellenwertes der Lieferqualität gehe der VKU nicht davon aus, dass steigende Energiekosten die Wechselbereitschaft der Kunden deutlich erhöhen würden.
Der Strom kommt aus der Steckdose - und damit in der Regel von Stadwerken. Daran hat sich auch fünf Jahre nach der Liberalisierung des Strommarktes in Deutschland wenig geändert. Ganze zwei Prozent der deutschen Kunden haben in dieser Zeit ihren Anbieter gewechselt.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/stromanbieter-konkurrenz-ausgeknipst-die-stadwerke-bleiben-vorn-1.898404
Stromanbieter - Konkurrenz ausgeknipst: Die Stadwerke bleiben vorn
00/05/2010
Mit scharfen Vorwürfen des US-Milliardärs Kirk Kerkorian hat der Prozess um die Fusion von Daimler-Benz und Chrysler begonnen. Kerkorian verlangt eine Milliarde Dollar Schadenersatz und eine Geldstrafe in bislang ungenannter Höhe. Kerkorians Anwalt Terry Christensen warf dem Stuttgarter Autobauer vor, bei den Fusionsgesprächen mit Chrysler vor fünf Jahren mit "einfachem, altmodischem Betrug" vorgegangen zu sein. "Auf Grund von Lügen waren die Angeklagten in der Lage, Chrysler zu übernehmen, ranghohe Führer bei Chrysler zu vertreiben und sie durch Daimler-Manager aus Deutschland zu ersetzen", sagte der Anwalt vor dem US-Bezirksgericht in Wilmington im Staat Delaware. Das Eröffnungsplädoyer Nach Darstellung von DaimlerChrysler handelte es sich nicht um eine Übernahme, sondern um eine "Fusion unter Gleichen", wie Konzernanwalt Jonathan Lerner in seinem Eröffnungsplädoyer sagte. Kerkorian habe von Beginn an über die Entwicklungen gewusst und sei über Veränderungen in der Belegschaft informiert worden. Er sei jedoch erst aktiv geworden, als der Aktienkurs gefallen sei. "Dies ist ein Fall um den sinkenden Aktienwert des Konzerns und einen Großaktionär, der zu lange auf seinen Papieren sitzen geblieben ist", sagte Lerner. Zeuge Kerkorian Als einer der ersten Zeugen wird Kerkorian selbst erwartet. Der US Milliardär macht nach DaimlerChrysler-Angaben einen Schaden von 1,2 Milliarden Dollar geltend. Bei Erhebung der Klage vor drei Jahren hatte er noch acht Milliarden Dollar gefordert, einschließlich Strafe. Kerkorian hat unter anderem DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp verklagt, weil er sich über die Umstände der Fusion getäuscht fühlt. Kerkorian bezieht sich in seiner Klage auf ein umstrittenes Interview in der Financial Times im Oktober 2000. Kerkorians Investmentfirma soll laut Unternehmensangaben die Klage schon vor der Äußerung Schrempps vorbereitet haben. Tracinda habe Anfang 2000 den deutsch-amerikanischen Autobauer zum Rückkauf eigener Aktien gedrängt, um den Börsenkurs zu stützen. Dies hatte die Führungsetage des Autobauers kategorisch abgelehnt. Schrempp und Finanzchef Manfred Gentz sind in dem Verfahren ebenfalls als Zeugen geladen. Sie werden voraussichtlich in der zweiten Prozesswoche auftreten. Auch der ehemalige Chryslerchef Robert Eaton, eine zentrale Figur bei den damaligen Fusionsverhandlungen, soll eine Aussage machen. Vergleich möglich Die Verhandlung ist zunächst bis 17. Dezember angesetzt. Ein Urteil wird nicht vor dem Frühjahr erwartet. Einen Vergleich wollte DaimlerChrysler-Anwalt Michael Schell nicht völlig ausschließen. Kerkorian war vor der Fusion der beiden Autobauer mit einem Anteil von 13,75 Prozent größter Besitzer von Chrysler-Papieren. Bei einer Übernahme statt einer Fusion unter Gleichen wäre Kerkorian nach eigenen Angaben eine Summe von ein bis zwei Milliarden Dollar zugeteilt worden. DaimlerChrysler hat dagegen erklärt, dass Kerkorian die Fusion nicht nur genehmigt, sondern sogar vorangetrieben habe. In einem anderem Rechtsstreit um die Fusion hatte der deutsch-amerikanische Autobauer im August einem Vergleich mit anderen Chrysler-Aktionären in den USA zugestimmt. Er willigte damals ein, rund 275 Millionen Euro an die Sammelkläger zu zahlen, die insgesamt 22 Milliarden Dollar gefordert hatten.
Mit scharfen Vorwürfen des US-Milliardärs Kirk Kerkorian hat der Prozess um die Fusion von Daimler-Benz und Chrysler begonnen. Kerkorian verlangt eine Milliarde Dollar Schadenersatz und eine Geldstrafe in bislang ungenannter Höhe.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/kerkorian-vs-daimlerchrysler-einfacher-altmodischer-betrug-1.900427
"Kerkorian vs. DaimlerChrysler - ""Einfacher, altmodischer Betrug"""
00/05/2010
Zahlreiche Kleinaktionäre haben ihrer Wut über die Wiedereingliederung des Internetanbieters in den Telekom-Konzern Luft gemacht. Vor allem das aus ihrer Sicht zu niedrige Umtauschverhältnis haben sie scharf kritisiert. Kleinaktionäre sprachen von einem "Börsenskandal" und einer "Schande für die Aktienkultur". T-Online-Vorstandschef Rainer Beaujean dagegen verteidigte die Verschmelzung. Detailansicht öffnen Das pinke "T" findet man im Logo von Telekom und T-Online - die nun wieder zu einem Unternehmen verschmelzen sollen. (Foto: Foto: ddp) Im Zuge der Fusion sollen die T-Online-Aktionäre für einen Anteilsschein 0,52 T-Aktien erhalten. Dies entspricht einem Wert von rund 8 Euro. Vor fünf Jahren beim Börsengang hatte das T-Online-Papier 27 Euro gekostet. "Der Aktionär hat seine Schuldigkeit getan, der Aktionär kann gehen", sagte dazu Hans Richard Schmitz, Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Die Verschmelzung stehe in keinster Weise im Interesse der außen stehenden Aktionäre. "Schnellboot" für die Telekom Dagegen sagte T-Online-Chef Beaujean, der größte europäische Internetanbieter werde ein "Schnellboot" im Telekom-Konzern sein. Gemeinsam könnten die Ziele noch schneller, effizienter und nachhaltiger erreicht werden. Es gebe immer mehr Überschneidungen zwischen den Geschäftsmodellen von Festnetzbetreibern und Internetanbietern. Die Deutsche Telekom will T-Online vollständig erwerben und mit seiner Festnetzsparte T-Com fusionieren. Dadurch will Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke, der auch Aufsichtsratschef von T-Online ist, die Umsatzrückgänge im Festnetzgeschäft ausgleichen und sein Unternehmen stärker auf die Bedürfnisse der Kunden ausrichten. Keine Entlastung Die geplante Verschmelzung ist praktisch nicht mehr aufzuhalten, weil die Deutsche Telekom bereits mehr als 90 Prozent der T-Online-Aktien hält. Für die Wiedereingliederung notwendig ist auf der Hauptversammlung aber nur die Zustimmung von 75 Prozent des Kapitals. Dennoch hat T-Online den Ort der Hauptversammlung, die TUI-Arena, vorsorglich für zwei Tage gemietet. Die DSW und die Schutzgemeinschaft der Kleinanleger kündigten aber bereits an, gegen die Verschmelzung zu stimmen und Vorstand und Aufsichtsrat nicht zu entlasten. Außerdem behielten sie sich vor, gegen die Wiedereingliederung gerichtlich zu klagen.
Zahlreiche Kleinaktionäre haben ihrer Wut über die Wiedereingliederung des Internetanbieters in den Telekom-Konzern Luft gemacht. Vor allem das aus ihrer Sicht zu niedrige Umtauschverhältnis haben sie scharf kritisiert.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/t-online-anleger-erbost-ueber-boersenskandal-1.904234
"T-Online - Anleger erbost über ""Börsenskandal"""
00/05/2010
Auch an diesem Wochenende haben die Maut-Betreiber erneut versucht, gut Wetter für ihre Technologie zu machen. Das System sei "in seiner Gesamtheit entwickelt", und man sei damit "sehr zufrieden", teilte ein Toll Collect-Sprecher mit. Im Verkehrsministerium will man davon nichts hören. Das Verkehrsministerium reagierte nur zögerlich auf neue Erfolgsmeldungen vom Maut-Betrteiber Toll Collect. Man sehe keine Anzeichen für eine gütliche Einigung auf eine weitere Zusammenarbeit mit dem Konsortium. "Es geht weiter um finanzielle Fragen wie die Haftungshöhe und den Ersatz von Einnahmeausfällen2, teilte ein Sprecher des Ministeriums mit. Zwar habe man tatsächlich den Eindruck, dass die technische Entwicklung voran gehe. Nun erwarte man aber, dass Toll Collect das Vertrauen in die eigene Technik durch entsprechend großzügige Haftungszusagen unter Beweis stelle. Toll Collect: System in seiner Gesamtheit entwickelt Toll Collect hat nach eigenen Angaben die technischen Probleme des Mautsystems ausgeräumt. Das System sei "in seiner Gesamtheit entwickelt" und mit derzeitigen Tests sei man "sehr zufrieden", zitierte die "Berliner Zeitung" einen Toll-Collect-Sprecher. Bei dem ersten Test sind allerdings nach Angaben des Güterverkehr-Verbandes nur 600 Lkw-Bordgeräte eingesetzt worden Das Konsortium will in den nächsten Tagen eine Wiederaufnahme der Verhandlungen vorschlagen und dem Bund mit Nachbesserungen entgegenkommen. Unter Berufung auf Daimler-Kreise berichtete die Welt am Sonntag vorab von einer Haftungsobergrenze bis zu 1,1 Milliarden Euro jährlich und einem Verzicht auf die umstrittene Ausstiegsklausel. Auch werde mit Siemens über eine Beteiligung verhandelt Der Sprecher von Toll Collect kündigte an, man fühle sich verpflichtet, weiter so zu arbeiten, dass die erste Stufe der Maut Anfang 2005 starten könne. Grund der Kündigung seien nicht die technischen Probleme, sondern Haftungsfragen gewesen. Brüderle: Managern fehlt Bodenhaftung Derweil ist FDP-Vize Heiner Brüderle die deutschen Managern wegen der Maut-Pleite scharf kritisiert. "In deutschen Chefetagen waren früher Fehlleistungen die seltene Ausnahme. Heute hat man den Eindruck: Fehler im Management häufen sich", betonte Brüderle in der "Bild am Sonntag". Milliarden würden in den Sand gesetzt, aber kein Wirtschaftskapitän wolle die Verantwortung übernehmen. Stattdessen zeige sich immer häufiger "fehlende Bodenhaftung". Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel sagte, die Fehler der beteiligten Unternehmen seien "ein riesiger Image-Schaden für Deutschland". Der Bundesregierung warf sie aber Mitverantwortung für die Einnahmeausfälle vor, weil sie die Vignette voreilig abgeschafft habe. Rot-Grün müsse jetzt dafür sorgen, dass schleunigst Geld in die Kasse komme. Zu einem Untersuchungsausschuss, wie ihn FDP und CSU befürworten, äußerte sich Merkel zurückhaltend. Sie bekräftigte, darüber werde "nach sorgfältiger Prüfung" in der nächsten Sitzungswoche des Bundestags entschieden.
Auch an diesem Wochenende haben die Maut-Betreiber erneut versucht, gut Wetter für ihre Technologie zu machen. Das System sei "in seiner Gesamtheit entwickelt", und man sei damit "sehr zufrieden", teilte ein Toll Collect-Sprecher mit. Im Verkehrsministerium will man davon nichts hören.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/lkw-maut-toll-collect-gibt-nicht-auf-1.898165
Lkw-Maut - Toll Collect gibt nicht auf
00/05/2010
Schwellenländer gewinnen innerhalb der globalen Wirtschaft an Bedeutung. Das macht sie für Anleger interessant, denn starkes Wachstum treibt üblicherweise die Aktienkurse. Liebling der Experten ist zur Zeit Indien. Argentinien-Pleite, asiatische Grippe oder Russland-Crash - es sind vor allem solche schweren Krisen, an die sich Anleger im Zusammenhang mit Schwellenländern (Emerging Markets) erinnern. Detailansicht öffnen Indische Arbeiter fertigen Honda-Roller in einem Werk bei Neu Delhi. Bei Experten gilt das Land momentan als der Wachstumsmarkt. (Foto: Foto: Reuters) Immer wieder folgten auf Phasen starken Wachstums ebenso heftige Rückschläge. In den vergangenen Jahren sind die aufstrebenden Volkswirtschaften erneut stark gewachsen, China wurde neben den USA zum Motor für die Weltwirtschaft. Zusammen mit Indien, Russland und Brasilien erwirtschaftete das Land nach Angaben des Internationalen Währungsfonds - in Kaufkraftparitäten gerechnet - schon Ende 2003 fast ein Viertel des Weltsozialproduktes. An den Börsen aber ist das Gewicht dieser Länder weitaus geringer. Fünf Prozent im Welt-Aktienindex Der Anteil börsennotierter Unternehmen ist in den Schwellenländern meist niedriger als in den Industrienationen. Im Welt-Aktienindex MSCI World machen Titel aus den Emerging Markets nur etwa fünf Prozent aus - und an diesem Index orientieren sich viele Investoren, wenn sie ihr Geld über den Globus verteilen. Doch nicht alle halten sich daran. "Wir haben schon jetzt acht Prozent unseres Aktienportfolios in Emerging Markets angelegt", sagt Maarten-Jan Bakkum, Emerging-Markets-Stratege bei der niederländischen Bank ABN Amro. Der wichtigste Grund für diesen Ansatz sei die Erwartung, dass die Wirtschaft in diesen Ländern überdurchschnittlich wachse. "Warum sollten in einem globalen Aktienportfolio ausgerechnet die am schnellsten wachsenden Regionen stark untergewichtet sein?", fragt auch Björn Drescher, Geschäftsführer des Fondsberatungs- und Analysehauses Drescher und Cie. Besseres Kurs-Gewinn-Verhältnis Ein weiteres starkes Argument ist nach Ansicht der Emerging-Markets-Strategen die Bewertung der Schwellenland-Aktien. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von durchschnittlich zehn liege deutlich unter dem KGV von 15, das etablierte Märkte im Schnitt aufweisen, sagt Bakkum. Vor der Asienkrise 1997 gab es keinen Bewertungsunterschied - es folgte allerdings ein Kurssturz.
Schwellenländer gewinnen innerhalb der globalen Wirtschaft an Bedeutung. Das macht sie für Anleger interessant, denn starkes Wachstum treibt üblicherweise die Aktienkurse. Liebling der Experten ist zur Zeit Indien.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/emerging-markets-eine-wette-auf-die-maerkte-der-zukunft-1.906535
Emerging Markets - Eine Wette auf die Märkte der Zukunft
00/05/2010
Verkehrsminister Stolpe kündigt den Vertrag noch diese Woche, falls der Mautbetreiber nicht für entstandenen Schaden einsteht. Die Bundesregierung steht kurz davor, den Vertrag mit dem Mautbetreiber Toll Collect zu kündigen. "Wir haben keine Geduld mehr", sagte Verkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) vor einer Sitzung des Bundestags-Verkehrsausschusses. Wie die Süddeutsche Zeitung erfuhr, will sich der Bund noch in dieser Woche von Toll Collect und den dahinter stehenden Konzernen Deutsche Telekom und DaimlerChrysler trennen. Die Kündigung lasse sich nur abwenden, wenn die Unternehmen auf die Forderungen der Regierung eingingen, betonte Stolpe. Eine Blamage Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hatte sich zuvor erneut in den Konflikt eingeschaltet. Das Kanzleramt habe Stolpe entsprechende Direktiven erteilt, hieß es in Koalitionskreisen. Die rot-grüne Regierung blamiere sich schon zu lange mit dem Maut-Desaster, das Problem müsse nun vom Tisch. Der Verkehrsminister will den Spitzenmanagern von Toll Collect, Deutscher Telekom und DaimlerChrysler bis zum Wochenende eine letzte Chance geben. Die Konzerne müssten auf alle neuen Forderungen zu ihren Gunsten verzichten. "Das, was da aufgeführt wurde, wird uns vertrags- und vergaberechtlich in eine böse Lage bringen", sagte der Minister. Stolpe zeigte sich ungewohnt kompromisslos. Deutsche Telekom und DaimlerChrysler müssten endlich für ihr pannenbehaftetes Erhebungssystem einstehen. "Wir wollen umfassende finanzielle Garantieleistungen", sagte er. So lehnt es das Ministerium ab, dass Toll Collect seine Haftung auf 500 Millionen Euro begrenzen will. Ausfälle in Milliardenhöhe Allein für dieses Jahr werden sich die Mautausfälle für den Bund auf etwa 2,2 Milliarden Euro belaufen. In einem Positionspapier des Verkehrsministeriums heißt es, dass die Konzerne höhere Vergütungen verlangten, obwohl deren bisher schon enttäuschende Leistungen noch weiter zurückgeschraubt würden. Telekom und DaimlerChrysler versuchten, Milliardenrisiken auf den Bund zu verlagern. Wegen technischer Probleme konnte das Mautsystem nicht wie vertraglich zugesichert im August 2003 starten. Toll Collect verspricht derzeit eine Einführung in zwei Stufen, und zwar Anfang 2005 und Anfang 2006. Stolpe hat bereits einen Alternativplan entworfen. Demnach soll zunächst die Lkw-Autobahnvignette wieder eingeführt werden und dann per neuer Ausschreibung ein einfacheres Mikrowellensystem installiert werden. Verkehrspolitiker aller Parteien forderten eine Kündigung des Vertrags. Ermittlungsverfahren "Es drängt sich der Eindruck auf, dass Toll Collect dies geradezu provoziert", sagte der verkehrspolitische Sprecher der Grünen, Albert Schmidt. Die Berliner Staatsanwaltschaft teilte mit, dass sie ein Ermittlungsverfahren gegen Toll Collect wegen Verdachts auf Betrug eröffnet habe. Es liege die Anzeige einer Privatperson vor. Telekom-Vorstandschef Kai-Uwe Ricke signalisierte Verhandlungsbereitschaft. Das Thema Maut und Toll Collect gehöre gelöst, "und zwar durch uns gelöst", sagte er in Berlin, ohne konkreter zu werden. Er sehe sich dabei in einer besonderen Verantwortung.
Verkehrsminister Stolpe kündigt den Vertrag noch diese Woche, falls der Mautbetreiber nicht für entstandenen Schaden einsteht.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/toll-collect-wir-haben-keine-geduld-mehr-1.915105
"Toll Collect - ""Wir haben keine Geduld mehr"""
00/05/2010
Drei Jahre ist es her, da gab eine ehrgeizige Ministerin die Devise von der "Agrarwende" aus. Eine ganze Grüne Woche lang ging es um die Landwirtschaft der Zukunft, die natürlich ökologisch sein musste: mit glücklichen Kühen auf endlosen Weiden, Obst und Gemüse, die im Wesentlichen mit Sonne, Luft und Wasser sprießen, schließlich mit Millionen Verbrauchern, denen nichts so wichtig ist wie eine naturnahe Ernährung. Bis 2010, so forderte die neue Landwirtschaftsministerin Renate Künast (Grüne) damals, solle auf jedem fünften Hektar Ökolandbau betrieben werden. Der Gegenentwurf zur konventionellen Landwirtschaft war die Regierungs-Antwort auf die Rinderseuche BSE. Vier Prozent der gesamten Agrarfläche Drei Jahre später bleibt den meisten Ökobauern nur die Erinnerung an eine bessere Zeit. "Es geht uns nicht besonders gut", sagt Thomas Dosch, Chef des größten deutschen Anbauverbandes Bioland. "Über viele Jahre hatten wir zweistellige Zuwachsraten", sagt Dosch, "jetzt spüren wir, dass es so wohl nicht weitergehen wird." Um rund sieben Prozent hat bei Bioland im vergangenen Jahr die Zahl der Betriebe zugenommen. Das ist immerhin noch ein Plus, aber es ist lange nicht mehr so viel, wie für die Erfüllung der ministerialen 20-Prozent-Öko-Forderung nötig wäre. Stattdessen dümpelt der Ökolandbau bei etwas mehr als vier Prozent der gesamten Agrarfläche dahin - mehr als sechs Prozent Öko sind beim derzeitigen Wachstum bis 2010 wohl nicht drin. Und während früher noch zumindest in der Öffentlichkeit der Eindruck entstand, mindestens die ferne Zukunft gehöre den Biohöfen, ist es zuletzt deutlich ruhiger geworden. Für 2003 meldet der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) nur noch ein Wachstum von 1,6 Prozent bei der Zahl seiner Ökobetriebe. "Wir leiden unter denselben Problemen wie die konventionellen Landwirte", sagt BÖLW-Vorstand Felix Prinz zu Löwenstein. "Die Leute gehen in den Discount-Markt und wollen sparen." Auch bei den Öko-Bauern sind die Umsätze im vergangenen Jahr zurückgegangen. Anderer Ansatz Ausgerechnet das Biosiegel, mit dem Künast ursprünglich den ökologischen Landbau salonfähig machen wollte, gilt vielen Landwirten als Bedrohung. Zwar wurden die Bioprodukte tatsächlich salonfähig - sie finden sich mittlerweile im Naturkostladen genauso wie bei Aldi - doch auf die Herkunft der Produkte nimmt das Biosiegel keine Rücksicht mehr. Öko-Fundamentalisten sehen darin eine Abkehr von der Ursprungsidee. Während der gesundheitliche Vorteil ökologischer Lebensmittel gegenüber konventionell hergestellten sich kaum nachweisen lässt, liegt der Umwelt-Vorteil auf der Hand: Der ökologische Landbau belastet Böden und Gewässer weniger stark als der herkömmliche. "Wir müssen den Verbrauchern stärker klar machen, dass der Ökolandbau ihnen die meisten Vorteile bringt, wenn sie regionale Produkte einkaufen", sagt BÖLW-Vorstand Löwenstein. Dies aber ist in den Hintergrund gerückt: Mit dem Verkauf in immer größeren Märkten werden die Öko-Produkte auch aus immer größeren Entfernungen herangeschleppt. Und während die Ökobauern Umsatzeinbußen beklagen, verzeichnet der Biohandel wachsende Einnahmen: Auf 1,1 Prozent schätzt der Bundesverband Naturkost Naturwaren sein Umsatzplus im vergangenen Jahr. Siegelvielfalt Die deutschen Anbauverbände sind kaum in der Lage, wieder an das alte Wachstum anzuknüpfen. Zersplittert in acht verschiedene Einzelverbände, verwirren sie mit ihren jeweils eigenen Siegeln und Marken die Verbraucher, obwohl dahinter im Wesentlichen dieselben Standards stehen. Hinzu kommen die Eigenmarken, unter denen die großen Handelsketten ihre Öko-Produkte verkaufen. Immer wieder gab es Pläne, die verschiedenen Verbände zu wenigen zu fusionieren, um gemeinsam mehr Gewicht zu erlangen. Geschehen ist nur wenig, zu groß sind die Eitelkeiten und Vorbehalte innerhalb der Öko-Szene. Gleichzeitig verlieren die Verbände immer mehr Landwirte, die sich allein mit dem Biosiegel begnügen: Sie wirtschaften zwar weiter ökologisch, wollen aber nicht mehr in einem Ökoverband organisiert sein. Schließlich ersparen sie sich damit nicht nur die Beiträge, sondern auch manche aufwändige Kontrolle. Mehr und mehr verwischen derweil die Unterschiede zwischen konventioneller und ökologischer Landwirtschaft: Auch der Bauernverband führt die "Nachhaltigkeit" in jeder öffentlichen Erklärung im Munde, streicht die Naturnähe seiner Produkte heraus. Skandale hat es seit BSE nicht mehr gegeben. Dafür aber viele Initiativen, über verschärfte Kontrollen die Nahrung sicherer zu machen. Wettbewerb, Globalisierung, nachlassendes öffentliches Interesse - der Traum von der konsequenten Agrarwende währte nur kurz. Mittlerweile stehen auch Deutschlands Öko-Bauern vor Problemen wie Hofnachfolge und Betriebssterben, fallenden Preisen und Einkünften. Zwar stellen immer noch Betriebe von konventionellem auf ökologischen Landbau um. Doch zugleich geben andere auf, weil sie niemanden gefunden haben, der ihren Hof hätte übernehmen können. "So langsam merken wir, dass jetzt auch bei uns der Strukturwandel zuschlägt", sagt Bioland-Chef Thomas Dosch. "Das macht uns nicht glücklich."
Nach Jahren zweistelliger Zuwächse kämpfen nun auch Bio-Höfe mit Problemen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/zwischen-konvention-und-oekologie-der-kurze-traum-von-der-agrarwende-1.902467
Zwischen Konvention und Ökologie - Der kurze Traum von der Agrarwende
00/05/2010
Vor sechs Monaten hat der Prozess um die umstrittenen Millionenprämien bei Mannesmann begonnen. 55 Zeugen haben ausgesagt. Hier die wichtigsten Etappen: 21. Januar: Detailansicht öffnen Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und seine Siegesgeste. (Foto: Foto: dpa) Die Hauptverhandlung beginnt vor der 14. Strafkammer des Düsseldorfer Landgerichts. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann zieht mit seinem Victory-Zeichen den Zorn der Öffentlichkeit auf sich. Auch seine Kritik am Verfahren wird ihm als Arroganz ausgelegt. 5. Februar: Auf der Bilanzpressekonferenz der Deutschen Bank entschuldigt sich Ackermann für seine unbedachte Sieges-Geste zum Prozessauftakt bei der Vorsitzenden Richterin. 26. Februar: Einer der Hauptzeugen des Prozesses, Canning Fok, wird per Videovernehmung aus Hongkong zugeschaltet. Der Vertreter des Mannesmann-Großaktionärs Hutchison Whampoa hatte die Millionenprämie für Klaus Esser vorgeschlagen. In seiner Vernehmung bescheinigt er den Angeklagten korrektes Verhalten. "Klaus Esser ist ein wunderbarer Mensch." 3. März: Gerd Krieger, Autor mehrerer Fachbücher für Aktienrecht, sagt als Zeuge aus. Er hatte die Prämien vor deren Auszahlung begutachtet. Auf Nachfrage des Gerichts bestätigt er, dass die Angeklagten von der Zulässigkeit ihres Handelns ausgehen konnten. 11. März: Die frühere Sachbearbeiterin in der Direktions-abteilung von Mannesmann, Helga Schoeller, berichtet über gravierende Mängel des Prämien-beschlusses. So hatte etwa der damalige Aufsichtsratsvorsitzende Joachim Funk unter-schrieben, obwohl er selbst zu den Begünstigten zählte. Zudem sei Papier verwendet worden, "das wir sonst nur für Geburtstagsbriefe nahmen". 25. März: Auftritt des früheren Vodafone-Chefs Chris Gent: Nach seinen Aussagen waren die Bonuszahlungen für den Ausgang des Übernahmekampfes zwischen Mannesmann und Vodafone unerheblich. Er sagt, es sei ihm bei den Übernahme-verhandlungen sehr daran gelegen gewesen, "Wunden zu heilen". 14. April: Alexander Dibelius, Deutschland-Chef der Investmentbank Goldman Sachs, sagt, die umstrittenen Millionenprämien hätten keine zentrale Rolle bei der Zustimmung Essers zur Übernahme durch Vodafone gespielt. 31. März: Die Zäsur. Das Landgericht zieht mit einem Rechtsgespräch Zwischenbilanz: Bislang seien keine Straftaten erkennbar, sagt die Vorsitzende Richterin Brigitte Koppenhöfer. Alle Angeklagten könnten nach dem vorläufigen Stand mit Freisprüchen rechnen.
Vor sechs Monaten hat der Prozess um die umstrittenen Millionenprämien bei Mannesmann begonnen. 55 Zeugen haben ausgesagt. Hier die wichtigsten Etappen:
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/der-prozess-verlauf-solche-millionenpraemien-sind-nichts-ungewoehnliches-1.905833
"Der Prozess-Verlauf - ""Solche Millionenprämien sind nichts Ungewöhnliches"""
00/05/2010
Der Hersteller von Unternehmenssoftware Oracle will seinem Konkurrenten SAP das Feld nicht kampflos überlassen und hat dessen Angebot für die Übernahme des amerikanischen Softwarehauses Retek überboten. Um den amerikanischen Software-Anbieter Retek ist ein Übernahmekampf zwischen Oracle und SAP entbrannt. Detailansicht öffnen Die Übernahme des amerikanischen Softwarehauses Retek durch SAP galt bereits als perfekt. Das lässt sich Oracle nicht gefallen und hat ein höheres Angebot abgegeben. (Foto: Foto: dpa) Nachdem die Walldorfer Ende Februar den Kauf für knapp 500 Millionen Dollar bereits als perfekt vermeldet hatten, ging Oracle am Dienstagabend in die Offensive. Je Retek-Aktie würden 9 US-Dollar in bar geboten, teilte Oracle nach Börsenschluss in Redwood Shores mit. SAP will einen Preis von 8,50 Dollar zahlen. Oracle will Nummer eins bleiben Der Walldorfer Konzern hatte am 28. Februar mitgeteilt, die Retek-Spitze habe dem Fusionsvertrag zugestimmt und empfehle einstimmig den Aktionären die Annahme des SAP-Angebots. Retek ist auf Software-Lösungen für Handelsunternehmen spezialisiert. Oracle-Vorstandschef Larry Ellison sagte, er wolle die Position als Nummer eins bei Unternehmenssoftware in Nordamerika gegen SAP verteidigen. "Unser Applikationsgeschäft in Nordamerika ist größer als das von SAP." Oracle-Präsident Charles Philipps betonte, die meisten Retek-Kunden würden sein Unternehmen als neuen Besitzer bevorzugen. Oracle habe der Retek-Spitze in einem Schreiben das neue Angebot unterbreitet. Oracle und Retek arbeiten bereits seit 1986 zusammen und hatten im vergangenen Herbst Gespräche über einen Zusammenschluss geführt. "Exzellente Wachstumsmöglichkeiten" Das SAP-Angebot vom Februar entsprach einem Aufschlag von 42 Prozent gegenüber dem damaligen Schlusskurs der Retek-Aktie. Das Papier stieg am Dienstag im nachbörslichen Handel um fast 15 Prozent auf 9,85 Dollar. Retek hat nach SAP-Angaben derzeit mehr als 200 Kunden in über 20 Ländern. Die Gesellschaft bietet eine integrierte Anwendungslösung für den Handel sowie weitere Lösungen für diesen Industriezweig an. Im Geschäftsjahr 2004 setzte Retek 174,2 Millionen Dollar um. Zum Jahresende 2004 zählte das Unternehmen 525 Mitarbeiter und war mit Büros am Hauptsitz in Minneapolis sowie in Atlanta, London und Melbourne präsent. SAP-Chef Hennig Kagermann hatte gesagt, das Marktsegment Handelsunternehmen biete seinem Unternehmen "exzellente Wachstumsmöglichkeiten".
Der Hersteller von Unternehmenssoftware Oracle will seinem Konkurrenten SAP das Feld nicht kampflos überlassen und hat dessen Angebot für die Übernahme des amerikanischen Softwarehauses Retek überboten.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/kampf-der-software-riesen-oracle-ueberbietet-sap-1.900985
Kampf der Software-Riesen - Oracle überbietet SAP
00/05/2010
Mit ihren Regionalzügen erwirtschaftete die Bahn einen deutlich höheren Überschuss als geplant. Der Vorstand hält dennoch daran fest, die Tickets zu verteuern Der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn (DB) hat sich am Donnerstag hinter Vorstandschef Hartmut Mehdorn und dessen Strategie gestellt. Detailansicht öffnen Fährt gewinnbringend: Ein Regionalzug der Bahn. (Foto: Foto: ddp) Man unterstütze ausdrücklich den Kurs, den Konzern wie geplant in die Gewinnzone zu führen und mittelfristig an die Börse zu bringen, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Michael Frenzel. Wichtig sei es jetzt, die teilweise Privatisierung die Staatsunternehmens in Ruhe vorzubereiten. Bundesregierung und Aufsichtsrat hatten kürzlich entschieden, den von Mehdorn bis zur Bundestagswahl im Herbst 2006 beabsichtigten Börsengang zu verschieben. Bundeskanzler Gerhard Schröder nannte den Zeitraum bis 2008 als neues Ziel. Stolpe muss entscheiden Mehdorn kündigte an, die DB werde nach mehreren Jahren mit teils hohen Verlusten für 2004 ein "deutlich positives Ergebnis" präsentieren. Laut internen Unterlagen liegt das vor allem am Unternehmensbereich Regionalverkehr (DB Regio). Von Januar bis einschließlich August 2004 erzielte die Bahn mit ihren Regionalzügen und dem Großteil der S-Bahnen einen Überschuss von 310,8 Millionen Euro (die S-Bahnen in Berlin und Hamburg sind dem Konzernbereich Stadtverkehr zugeordnet). Das sind knapp 62 Millionen Euro mehr geplant und über 100 Millionen Euro mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Für das ganze Jahr will die DB Regio nach der neuesten Vorschau einen Gewinn von 466,9 Millionen Euro ausweisen. Preiserhöhung beantragt Der Vorstand bekräftigte im Aufsichtsrat die Absicht, für die Fahrscheine von Ende 2004 an sowohl im Fern- wie auch im Nahverkehr mehr zu verlangen. Beim Regierungspräsidium Darmstadt hat die DB mittlerweile eine Preiserhöhung zwischen drei und vier Prozent für die regulären Tickets sowie die Wochen- und Monatskarten bei den Regionalzügen beantragt. Das Regierungspräsidium koordiniert die Verhandlungen der DB mit den 16 Bundesländern, die nach Angaben von Bayerns Verkehrsminister Otto Wiesheu den Antrag aber mehrheitlich ablehnen werden. Die Länder sollen sich bis zum 20. Oktober in Darmstadt äußern. Sie organisieren den Nahverkehr und bestellen die von ihnen gewünschten Zugverbindungen. Dafür erhält die DB Regio in diesem Jahr 4,25 Milliarden Euro von den Ländern. Die Geschäftsentwicklung bei den Regionalzügen widerlege die Behauptung des Bahnvorstandes, wegen steigender Kosten müssten auch hier die Preise erhöht werden, sagte Wiesheu der Süddeutschen Zeitung. Die DB habe zuletzt Ende 2003 die Tickets verteuert; zusammen mit der neuen Preisrunde würden die Tickets im Nahverkehr dann insgesamt fast acht Prozent mehr kosten. "Das ist zu viel", sagte Wiesheu und sprach von einer "falschen Strategie". Das Bahn müsse versuchen, mit attraktiven Angeboten, pünktlichen Zügen und einem besseren Service mehr Fahrgäste in die Züge zu holen. "Es ist mir recht, wenn die Bahn mehr Gewinn macht, aber bitte mit mehr Kunden und nicht mit höheren Preisen." Die Verkehrsminister der Länder treffen sich nächste Woche mit Bahnchef Mehdorn und Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe. Defizit bei den Fernzügen Stolpe hat bei der Preiserhöhung im Nahverkehr das letzte Wort. Er dürfe den Antrag der DB "nicht durchwinken", sondern müsse die Zahlen genau prüfen, forderte Wiesheu. Große Sorge bereitet der Bahn das nach wie vor hohe Defizit bei den Fernzügen. Laut internen Papieren könnte das auch dazu führen, dass sich die Modernisierung der 59 Züge der ersten ICE-Generation verzögert, die seit 1991 fahren. Die DB will es sich 178 Millionen Euro kosten lassen, den Komfort für die Kunden erhöhen. Der Umbau sollte 2004 beginnen. Nunmehr werden eine Verschiebung auf April 2004 und eine deutlich längere Umbauphase erwogen, um die Investitionen zu strecken. Die DB hat 196 ICE im Einsatz. Ein DB-Sprecher erklärte, man wolle in Kürze einen Zeitplan für die Renovierung der ICE-1 mitteilen.
Mit ihren Regionalzügen erwirtschaftete die Bahn einen deutlich höheren Überschuss als geplant. Der Vorstand hält dennoch daran fest, die Tickets zu verteuern
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/gutes-ergebnis-bahn-ueberrascht-mit-hohen-gewinnen-im-nahverkehr-1.918202
Gutes Ergebnis - Bahn überrascht mit hohen Gewinnen im Nahverkehr
00/05/2010
Die Deutsche Bank soll im Auftrag von Gazprom nach den Resten des russischen Ölkonzerns greifen. Die Reste des vom Kreml zerschlagenen Ölkonzerns Yukos könnten in die Hände der Deutschen Bank geraten. Die russische Wirtschaftszeitung Kommersant berichtete am Montag, die Bank wolle die Schulden des Ölunternehmens übernehmen und einen Kontrollanteil an der Firma erwerben. Das Blatt vermutet, dass die Deutsche Bank im Auftrag des Energiekonzerns Gazprom handelt. Detailansicht öffnen Die Reste des zerschlagenen Ölkonzerns Yukos könnten in die Hände der Deutschen Bank geraten. (Foto: Foto: Reuters) Kommersant beruft sich auf den Yukos-Aufsichtsratsvorsitzenden Wiktor Geraschtschenko. Dieser habe den Erhalt eines Schreibens der hundertprozentigen Deutsche-Bank-Tochter Deutsche UFG mit der Bitte um Verkaufsgespräche bestätigt. Die Deutsche Bank sei demnach bereit, die Schulden von Yukos "auf sich zu nehmen" und strebe ein "Kontrollpaket an Yukos" an. Gericht erklärte Ölunternehmen für bankrott Die Investmentbank Deutsche UFG war am Montag zu einer Stellungnahme nicht bereit. Ein Moskauer Gericht hatte Anfang August das einst größte russische Ölunternehmen für bankrott erklärt und damit die letzte Phase eines Machtkampfes um die Reste des Konzerns eingeläutet. Konkursverwalter Eduard Rebgun gab den Unternehmenswert im August mit knapp 14 Milliarden Euro an und stellte dem Verbindlichkeiten von 14,5 Milliarden Dollar gegenüber. Yukos und sein damaliger Chef Michail Chodorkowskij und der Yukos-Konzern waren 2003 ins Visier der russischen Behörden geraten. Der Kreml-Kritiker Chodorkowskij sitzt mittlerweile eine achtjährige Freiheitsstrafe im Osten Sibiriens ab, Yukos wurde mit Hilfe massiver Steuernachforderungen zu großen Teilen zerstört. Gazprom und Rosneft als Konkurrenten Im Kampf um die Übernahme des Privatunternehmens Yukos treten nun die beiden halbstaatlichen Konzerne Gazprom und Rosneft als Konkurrenten an. Beide verfügen über exzellente Verbindungen in den Kreml. Trifft die Vermutung von Kommersant zu, dass die Deutsche Bank im Auftrag von Gazprom agiert, würde sich das Geldinstitut direkt in einen innerrussischen Machtkampf einschalten. Gazprom und Deutsche Bank seien durch vielfältige gemeinsame Geschäftsinteressen verbunden. Außerdem habe es am 9. Oktober ein Treffen von Gazprom-Chef Alexej Miller und dem Vorstandschef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, gegeben, berichtete die Zeitung. Die Deutsche Bank hatte Gazprom bereits bei der Übernahme des Ölunternehmens Sibneft beraten.
Die Deutsche Bank soll im Auftrag von Gazprom nach den Resten des russischen Ölkonzerns greifen.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/letzte-phase-des-machtkampfes-spekulationen-um-yukos-uebernahme-1.907590
Letzte Phase des Machtkampfes - Spekulationen um Yukos-Übernahme
00/05/2010
Deutschlands Armee, immer auf der Suche nach zusätzlichen Einnahmequellen, hat ein neues Potenzial ausgemacht: die frische Brise am Truppenübungsplatz. Es gibt nicht mehr viel zu lachen für die deutsche Windkraft. Wo immer neue Windräder entstehen sollen, gibt es Probleme. Detailansicht öffnen Auch auf den Truppenübungsplätzen der Bundeswehr sollen sich künftig Windräder drehen. (Foto: Foto: dpa) Entweder stehen längst andere Windräder da, weil es in der Gegend ordentlich windet. Oder aber Bürgermeister und örtliche Initiativen gehen gegen weitere "Verspargelung" auf die Barrikaden. Waren Deutschlands Windmüller jahrelang mit exponentiellem Wachstum gesegnet, geht es inzwischen weit langsamer zu. Ende Juni gab es 16.826 Windräder in Deutschland, und es sieht fast so aus, als wäre in windreichen Regionen die Grenze erreicht. Doch seit diesem Montag hat die Branche einen neuen Verbündeten: die Bundeswehr. Paradiesische Flächen Bundesweit verfügt sie über knapp 500 Liegenschaften, die größer sind als 50 Hektar. Paradiesische Liegenschaften: Weit und breit findet sich kein Nachbar, kein Bürgermeister, keine Bürgerinitiative - und noch keine andere Windkraftanlage. "Das ist ein erhebliches Flächenpotenzial", schwärmt Hermann Albers, Vizepräsident des Bundesverbandes Windenergie (BWE). "Meist haben wir es dort mit weitläufigen, unbebauten Flächen zu tun." Auch die Regeln, die viele Bundesländer der neuesten Generation Windkraftanlagen entgegenstellen, kann die Bundeswehr umgehen - zum Beispiel die Höhenbegrenzung. Jenseits der 100 Meter dürfen in Deutschland kaum irgendwo Windkraft-Stängel errichtet werden. Vor allem die Entwickler neuer Anlagen hatte die Begrenzung zuletzt in Rage gebracht. Denn die Mega-Räder mit ihren 60-Meter-Rotoren müssen irgendwo an Land ausprobiert werden, ehe sie auf dem Meer errichtet werden können; seit im Binnenland die guten Plätze ausgehen, sehen die Windler auf See ihre Zukunft. "Es geht also auch um Exportpotenziale der deutschen Windanlagenbauer, wenn diese Flächen eröffnet werden", sagt BWE-Vize Albers. Lukratives Geschäft Der Bundeswehr geht es um wesentlich Profaneres - um Geld. Um die 200.000 Euro, so hat die Bundeswehr-Servicetochter Gebb errechnet, kann der Verkauf eines Windkraft-Areals bringen. Je nach Größe der Windräder sollen die Parzellen zwischen 1500 und 4000 Quadratmeter groß sein. Für 25 Jahre gehen sie an den neuen Besitzer, danach kehren sie in den Besitz der Bundeswehr zurück - zum Kaufpreis von einem Euro je Parzelle.
Deutschlands Armee, immer auf der Suche nach zusätzlichen Einnahmequellen, hat ein neues Potenzial ausgemacht: die frische Brise am Truppenübungsplatz.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/bundeswehr-windraeder-zwischen-panzern-und-granaten-1.905691
Bundeswehr - Windräder zwischen Panzern und Granaten
00/05/2010
Im Januar, als mit Senator Joe Lieberman der letzte Erbe von Bill Clintons Wirtschaftspolitik im Vorwahlkampf der Demokraten unterging, sah es schlecht aus für die Wirtschaft. Selbst John Kerry, der von Beginn an die meisten Stimmen bekam und heute als Präsidentschaftskandidat so gut wie fest steht, äußerte sich ungewohnt wirtschaftskritisch. Je mehr Stimmen er bekam, desto heftiger wetterte er gegen den Einfluss der Bosse, gegen die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland und gegen Freihandelsverträge. Nichts war mehr geblieben von der Ära Clinton, in der die demokratische Partei mit Wirtschaftskompetenz Wahlen gewann. Statt dessen versuchte auch Kerry sich wirtschaftspolitisch "links von Bill Clinton" zu etablieren. Von den Beratern , die Clinton im Wahlkampf vor zwölf Jahren so erfolgreich begleitet haben, war lange Zeit nichts mehr zu hören. Jobs, Jobs, Jobs Nun aber tauchen sie wieder auf. In einem Artikel der New York Times werden sie als die neuen Wirtschaftsberater von John Kerry gefeiert, als die Mannschaft, die im so genannten war room, also abgeschirmt von der Öffentlichkeit die Wirtschaftspolitik des möglichen neuen Präsidenten bestimmt. Kerry soll nun wieder als Mann mit Wirtschaftskompetenz wahrgenommen werden, und nicht als rückschrittlicher Protektionist, wie seine Gegner ihn inzwischen beschimpfen. "Ein Kerry-Team, ein Clinton-Touch", titelt die Demokraten-freundliche New York Times. Roger Altman, ehemals Staatssekretär im Finanzministerium unter Bill Clinton, Gene Sperling, früherer Chefökonom Clintons, Jason Furman und Sarah Bianchi, die einstigen Jungstars als Berater im ehemaligen Wirtschaftsteam Clintons, diese vier sollen nun schnell ein "Netz von Beratern" aufbauen, in dem von Gewerkschaftern bis zu Wall-Street-Experten alle beteiligt werden. Und vor allem sollen sie dafür sorgen, dass Kerry ein Profil als Wirtschaftsmann bekommt. Der endgültige Kurs jedoch steht noch nicht eindeutig fest; die Frage ist, wie treu das Kerry-Team den Prinzipien der Clinton-Ära bleiben kann, den Forderungen nach einem schlankeren Staat, einem ausgeglichenen Staatshaushalt und dem generellen Vertrauen in die Privatwirtschaft. Rubin im Hintergrund Grundsätzlich bekennen sich Kerrys Leute zwar zu den Grundzügen der Wirtschaftspolitik Clintons, und Robert Rubin, der ehemalige Finanzminister Clintons und wichtigster Architekt der Clintonomics, wird noch immer konsultiert. Roger Altman behauptet sogar, das Team stimme sich jeden Tag mit Rubin ab. "Er war der beste Finanzminister seit Alexander Hamilton (dem ersten Finanzminister der Vereinigten Staaten), und er ist der einflussreichste Mann in der Wirtschaft und der Hochfinanz", sagt Altman. Und doch ist heute nicht mehr alles so wie es in den Neunzigerjahren. "Unterschiedliche Probleme führen zu unterschiedlichen Prioritäten", räumt Sperling ein. Arbeitsplätze sind heute das wichtigste Thema und entsprechend sieht auch der erste Vorschlag des neuen Kerry-Teams zur Wirtschaftspolitik eine Steuerreform zur Förderung amerikanischer Arbeitsplätze vor. Sorge vor dem Linksrutsch Unternehmen, die neue Arbeitsplätze in den Vereinigten Staaten schaffen, sollen danach besser gestellt, Unternehmen, die Jobs ins Ausland verlagern, steuerlich stärker belastet werden. Kerry stellte das neue Konzept in der vergangenen Woche vor und versprach, wie Bill Clinton in den nächsten vier Jahren zehn Millionen Arbeitsplätze zu schaffen. Er erntete dafür Spott von den Republikanern, aber sein Wirtschaftsteam sieht in dem Vorstoß den ersten vielversprechenden Versuch, Kerrys Wahlkampfrhetorik in ein konkretes Programm umzusetzen, das der Wirtschaft hilft. "Die Botschaft muss sein, dass eine vernünftige Steuerpolitik Arbeitsplätze schafft", sagt Sperling. Doch auch Kerrys Wirtschaftsberater sorgen sich, dass der Kandidat wirtschaftspolitisch zu weit nach links rutscht. Gefürchtet ist vor allem der Einfluss des linken Senators Ted Kennedy, der wie Kerry aus Massachusetts kommt und im Vorwahlkampf Kerrys eine große Rolle spielte. In einem Artikel für das Magazin Foreign Policy warnte Gene Sperling den "demokratischen Präsidentschaftskandidaten" davor, zu stark den Argumenten der Linken zu folgen. "Das schlimmste ist", schreibt Sperling, "dass derzeit so gut wie niemand für eine wachstumsorientierte Handelspolitik eintritt". Sperling stellt in dem Artikel ein Drei-Punkte-Programm vor : "Wie man ein freihandelsfreundlicher Demokrat wird". Er erwarte nicht, dass der Kandidat alles übernehmen werde, schreibt er. "Aber unterschätzen Sie nicht den Optimismus der Amerikaner und ihren Wunsch nach einem politischen Führer, der in die Zukunft blickt".
Die Berater des demokratischen Präsidentschaftskandidaten stehen für die Erfolge der neunziger Jahre.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/john-kerry-und-sein-wirtschaftsteam-die-vier-mit-dem-clinton-touch-1.901397
John Kerry und sein Wirtschaftsteam - Die Vier mit dem Clinton-Touch
00/05/2010
Es ist wieder soweit: Zwei bis drei kurze Jahre gab es kaum spektakuläre Firmenübernahmen. Nüchternheit war Regel des Handelns geworden im einst überbordenden Markt der Mergers & Acquisitions, wenn nicht gar Ernüchterung obsiegt hatte über die Börsen- und Fusions-Exzesse der neunziger Jahre. Jetzt scheint die Zeitmaschine zurückgedreht zu werden. Ähnlich wie bei der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone Anfang 2000 stehen sich wieder zwei Konzerne im Kampfhaltung gegenüber: Der französische Pharmakonzern Sanofi will den deutsch-französischen Konkurrenten Aventis übernehmen, gegen den Willen von dessen Management. Zwei Firmenchefs verhalten sich wie Kampfhähne, Jean Francois Dehecq von Sanofi und Igor Landau von Aventis. Dehecq behauptet, es gehe ihm um eine Strategie, um Synergien und Skaleneffekte, die Produktion und Forschung billiger machten. Trotzdem drängt sich der Eindruck auf, dass noch andere Motive im Spiel sind: Eitelkeit und Dehecqs Hang zur Größe. Dynamischer Unternehmer "Wir wollen einen Marktführer schaffen", sagt der Sanofi-Chef, der seit Jahrzehnten als dynamischer Unternehmer positiv aufgefallen ist. "Wir sehen nicht ein, dass wir Medikamente von morgen nur aus Gründen der Größe nicht entwickeln können", heißt es in ganzseitigen Anzeigen, in denen Sanofi für die Übernahme wirbt. Doch solche Kraft-Rhetorik wird durch Wiederholung nicht richtiger. Fast alle Konzernzusammenschlüsse werden mit dem Zwang begründet, in eine neue Größenordung wachsen zu müssen. Doch diese Logik ist zu platt. "Wir wollen der Größte werden", hat Jürgen Schrempp gesagt, als er vor 1998 den transatlantischen Autokonzern DaimlerChrysler schuf. Er wurde zu einem der größten Verlierer in der jüngeren Wirtschaftsgeschichte. Die Aktionäre haben für seine Strategie mit schweren Kursverlusten bezahlt. Auch Chris Gent, der frühere Chef von Vodafone hatte Großes im Sinn, als er vor vier Jahren den Mannesmann-Konzern schluckte. Die Aktionäre hatten nichts von Gents Ehrgeiz: Der Vodafone-Aktienkurs entwicklete sich seit der Fusion schlechter als die wichtigen Börsenindizes. Aus dem Firmennamen verschwunden Vor einem Jahr musste Steve Case, der Gründer des Internet-Unternehmens AOL, die Bühne verlassen. Er hatte 2001 mit seinem Online-Konzern den US-Medienriesen Time-Warner geschluckt und die seinerzeit größte Fusion inszeniert. Das neue Unternehmen sollte "das höchstbewertete der Welt" werden. Es funktionierte nie und machte Rekordverluste. Case musste gehen. Der Name AOL verschwand aus dem Firmennamen. Die Liste der gescheiterten Fusionen ließe sich endlos fortsetzen. Es kann vernünftig sein, wenn sich Unternehmen zusammenschließen. Besonders gilt das in der Pharma-Industrie, wo die Entwicklung eines neuen Medikaments mehrere Milliarden Euro kostet und wo Fehlschläge an der Tagesordnung sind. Manchmal können zwei Unternehmen gemeinsam mehr leisten als getrennt. Dafür gibt es Beispiele wie Novartis oder den Weltmarktführer Pfizer. Aber es kann auch anders gehen: Hoechst mutete sich Zukäufe in Serie zu, um zu den Spitzenreitern der Pillen-Branche aufzurücken. Das in Aventis umbenannte Unternehmen wurde trotzdem zum Übernahmekandidaten. Firmen-Zusammenschlüsse sind schwer umzusetzen. Interner Dauerstreit um Firmenkultur und Vorherrschaft lähmt im neuen Unternehmen schnell auch die besten Manager. Weit mehr als die Hälfte aller Fusionen scheitern. Wenig Gewähr Selbst das Spielcasino bietet mehr Gewinnchancen als der internationale Markt für Fusionen. Es ist erstaunlich, dass die Marktwirtschaft so wenig Gewähr dafür bietet, dass unsinnige Fusionen unterbleiben und die wirtschaftliche Vernunft obsiegt. Größe garantiert in der Wirtschaft gar nichts. General Motors (GM) hat ungezählte Firmenkäufe hinter sich und ist der größte Autohersteller der Welt. Der profitabelste ist dagegen Toyota. Die Japaner haben nie Firmen zugekauft, sind deutlich kleiner als GM, aber an der Börse fünf mal höher bewertet. Auch der französische Pharma-Streit ist Beispiel dafür, dass Größe kein Erfolgskriterium ist. Sanofi ist nur halb so groß wie Aventis, wird an der Börse aber wegen seiner Entwicklungserfolge und der hohen Profitabilität gleich teuer gehandelt. Der Streit zwischen Aventis und Sanofi legt nahe, dass es in diesem Falle um mehr geht als um nüchterne Zahlen. Offenbar fürchtet Sanofi-Chef Dehecq, dass der Höhenflug seines Unternehmens zu Ende geht, er sich das Fressen eines Konkurrenten bald nicht mehr leisten kann und an Macht und Einfluss verliert. Brüske Ablehnung Dafür spricht, dass er den Aventis-Vorschlag, partnerschaftlich zusammenzugehen, brüsk ablehnt. Doch wer die Dominanz will, riskiert, einen zu hohen Preis zu zahlen. Da Manager sich offenbar systematisch überschätzen und die Vorteile einer Fusion meist zu hoch bewerten, ist diese Gefahr groß. Tragisch ist, dass mit solcher Hybris mehr Arbeitsplätze vernichtet als geschaffen werden. Die Archive sind voll mit Artikeln über angeblich weitsichtige Strategen, die die Gesetze der Wirtschaft neu schreiben wollten, große Superkonzerne bildeten - und scheiterten. Trotzdem hält sich in den Führungsetagen der Glaube, dass die Größe eines Konzerns das beste Kriterium für erfolgreiches Management ist. Jede Sonntagsrede von Fachleuten sagt dagegen, dass Innovationen, Kreativität und Dynamik eher in kleineren Unternehmen entstehen. Sie sind die Triebfedern der Wirtschaft. Es hat sich noch nicht herumgesprochen, dass es nicht große Unternehmen gibt und kleine, sonderen nur gut und schlecht geführte.
Es ist wieder soweit: Zwei bis drei kurze Jahre gab es kaum spektakuläre Firmenübernahmen. Nüchternheit war Regel des Handelns geworden im einst überbordenden Markt der Mergers & Acquisitions, wenn nicht gar Ernüchterung obsiegt hatte über die Börsen- und Fusions-Exzesse der neunziger Jahre. Jetzt scheint die Zeitmaschine zurückgedreht zu werden.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/kommentar-fataler-hang-zur-groesse-1.897816
Kommentar - Fataler Hang zur Größe
00/05/2010
Gegen fünf Unternehmen sei jetzt ein förmliches Missbrauchsverfahren eingeleitet worden, kündigte der Präsident der Behörde, Ulf Böge, am Dienstag in Bonn an. Für die Verbraucher seien die Preisanhebungen nicht transparent, sie fühlten sich nicht hinreichend informiert. Die betroffenen Gasversorger gehörten nach derzeitigen Erkenntnissen zu den teuersten in Deutschland. Untersuchung wird womöglich ausgedehnt Das Kartellamt werde prüfen, ob die Preiserhöhungen bis zu 14 Prozent angemessen und die Senkungen von Bezugskosten in der Vergangenheit weitergegeben wurden. Sollte ein Preismissbrauch festgestellt werden, dürfen die Verbraucher auf Rückerstattung der Beträge hoffen. Böge: "Dann besteht im Prinzip ein solcher Anspruch". Betroffen von den neuen Ermittlungen sind die Versorger MITGAS Mitteldeutsche Gasversorgung GmbH (RWE), Stadtwerke Mannheim (MVV Energie AG) und Stadtwerke Ulm (SWU Energie GmbH) sowie die Thüga AG Erdgas Allgäu-Oberschwaben (E.ON) und EnBW Ostwürttemberg. Das Kartellamt geht davon aus, dass sich die Unternehmen in den kommenden vier Wochen zu den Vorwürfen äußern werden. Nicht ausschließen wollte Böge, dass auch gegen andere Gasversorger noch förmliche Missbrauchsverfahren eingeleitet werden. Ausdrücklich ausgenommen von dem Vorgehen der Bonner Kartellwächter wurden E.ON Hanse, E.ON Westfalen Weser, Stadtwerke Bremen und EWE (Oldenburg). Diese Versorger hätten im Vorfeld der Untersuchungen angekündigt, die beabsichtigten Preiserhöhungen zu reduzieren beziehungsweise in der laufenden Heizperiode keine weiteren Aufschläge zu erheben, sagte Böge zur Begründung. Ferner wurde versichert, dass Gaskunden Rückerstattungen erhielten, falls die Erlöse aus den Preisanhebungen die höheren Bezugskosten überstiegen. Ölpreisbindung nicht nachvollziehbar Grundsätzlich stellte Böge die Bindung der Gaspreise an die Entwicklung der Ölpreise auf der Endstufe in Frage. Hiermit werde sich die Behörde nach Abschluss der Verfahren auseinandersetzen. "Wir werden darüber nachdenken müssen, ob dieses System kartellrechtlich in Ordnung ist", betonte der Kartellamtschef. Auf der Endstufe sei die Ölpreisbindung nicht nachvollziehbar. Auch in Großbritannien gebe es keine Koppelung und einen eigenständigen Gasmarkt. In diesem Zusammenhang fordert Böge einen funktionierenden Durchleitungswettbewerb mit entsprechenden Nutzungsentgelten. Hierdurch würde dann für den Verbraucher die Wahl zwischen verschiedenen Gasanbietern möglich. Abschließen wird das Kartellamt nach weiteren Angaben von Böge im kommenden Jahr auch die Ermittlungen gegen 16 weitere Gasunternehmen wegen unzulässiger Wettbewerbsbeschränkung. Dabei geht es um langfristige Gasbezugsverträge, die zu 80 Prozent und mehr den Bedarf eines Verteilerunternehmens abdecken. Hierhin sehen die Wettbewerbshüter einen Marktverschließungseffekt. Ermittelt wird unter anderem gegen die E.ON Ruhrgas, RWE, Wingas und VNG.
Die massiven Verbraucher-Beschwerden beim Bundeskartellamt wegen kräftiger Preiserhöhungen verschiedener Gasversorger zeigen Wirkung.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/erhoehung-der-gaspreise-die-behoerden-sind-misstrauisch-geworden-1.901002
Erhöhung der Gaspreise - Die Behörden sind misstrauisch geworden
00/05/2010
Calisto Tanzi legte alle Ämter nieder. Mitglied des Verwaltungsrats, Vorstandschef, Präsident - der Parmalat-Gründer räumte sämtliche Posten in dem von ihm geschaffenen Nahrungsmittel-Imperium. (SZ vom 17.12.03) — Auf den schwindelerregenden Aufstieg des Milchzaren aus Parma folgt ein noch bodenloserer Fall. Den Konkurs vor Augen zeigte sich Tanzi einsichtig: Sein Abgang sei ein "notwendiges Opfer, denn Parmalat benötigt jetzt eine Wende", meinte er. Herbeiführen soll diese der erfahrene Sanierer Enrico Bondi, Italiens namhaftester Konzernretter. Dem Toskaner übergab Tanzi die volle Macht über sein Unternehmensreich, dessen Aktienkapital er zu rund 52 Prozent kontrolliert. Die Ausnahmeerscheinung Tanzi, Sohn eines kleinen Wurst- und Konservenfabrikanten aus dem winzigen Collecchio bei Parma, galt in der an erfolgreichen Großunternehmen armen italienischen Industrielandschaft immer als Ausnahmeerscheinung. Als der Papa 1961 schwer erkrankt, gibt er mit 21 das Wirtschaftsstudium auf und geht in den väterlichen Betrieb. Doch mit den Schinken kann er nicht viel anfangen. Und so gründet der tüchtige Bursche wenige Monate später eine Molkereifirma. Fortan stellt der junge Tanzi ein ungewöhnliches Talent und ein großes unternehmerisches Gespür unter Beweis. Er führt in Italien die Abfüllung in Tetrapack-Kartons ein und lanciert die H-Milch. Früh setzt er auf den Aufbau der Marke und die Expansion ins Ausland. Als einer der ersten entdeckt er den Sport als Publicity-Vehikel, sponsert Gustav Thoeni und Niki Lauda und macht schließlich den Provinzklub AC Parma zur Fussball-Weltmarke. Größer als Barilla Aufgebaut hat Tanzi in Italiens nebelverhangener Schinkenmetropole den größten Nahrungsmittelkonzern des Landes - größer als der ortsansässige Nudelgigant Barilla oder Schokoladen-Multi Ferrero aus dem Piemont. 7,6 Milliarden Umsatz erwirtschaftete Parmalat 2002 und avancierte damit in Europa hinter Nestlé, Unilever und Danone zur Nummer vier. Einher ging der industrielle Gipfelsturm mit der Errichtung eines vollkommen undurchsichtigen Finanzlabyrinths. Doch trotz manch unüberlegter Akquisition gilt Parmalat durchaus als wettbewerbsfähig. Zu versinken droht Tanzi mit seinem Lebenswerk in einem Schuldenmeer, dessen Tiefe Nachfolger Bondi nun ausloten muss.
Calisto Tanzi legte alle Ämter nieder. Mitglied des Verwaltungsrats, Vorstandschef, Präsident - der Parmalat-Gründer räumte sämtliche Posten in dem von ihm geschaffenen Nahrungsmittel-Imperium.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/parmalat-gruender-tanzi-tiefer-fall-eines-vorzeigeunternehmers-1.900549
Parmalat-Gründer Tanzi - Tiefer Fall eines Vorzeigeunternehmers
00/05/2010
Berühmt geworden ist Felix Huby mit seinen Schwaben-Krimis, den Tatort-Filmen mit Kommissar Bienzle. Detailansicht öffnen In der Zeitung "Schwarzmarkt" weist die Gewerkschaft Verdi auf die aus ihrer Sicht schlechten Arbeitsbedingungen bei Lidl hin. (Foto: Foto: dpa) Jetzt macht der in Berlin lebende Autor auch im wirklichen Leben gleichsam Jagd auf Übeltäter. "Menschenverachtend" sei es, wie die Supermarktkette Lidl in dem baden-württembergischen Städtchen Calw gegen seine Beschäftigten vorgehe, erklärte Huby. Froh über den prominenten Unterstützer verbreitet Verdi diese Botschaft; Huby gehört selbst der Gewerkschaft an. Am Samstag wird Verdi-Vize Margret Mönig-Raane persönlich nach Calw kommen - denn es geht um viel mehr als um diesen einen Supermarkt. Es geht, so sieht Verdi das, um Grundrechte im Betrieb. Der Lidl-Markt in Calw soll geschlossen werden. Verdi erhebt schwere Vorwürfe gegen den Arbeitgeber. Der Betrieb habe Zuwächse bei Umsatz und Kunden - aber er sei eines der ganz wenigen Geschäfte der Kette, das einen Betriebsrat erstritten hat, und obendrein wurde hier im Juli einen Tag gestreikt. "Belegschaft soll abgestraft werden" "Lidl will offenbar den Betriebsrat loswerden und die Belegschaft abstrafen", sagt Mönig-Raane. Und dies sei kein Einzelfall. "Wir kennen diese Methode auch von anderen Standorten, bei Lidl und bei anderen Discountern." Ein Geschäft im bayerischen Forchheim, gleichfalls mit Betriebsrat, solle aus Lidl ausgegliedert und zum Schnäppchenmarkt umgewidmet werden. Und anderswo soll es im Zusammenhang mit der Gründung von Betriebsräten zu Kündigungen gekommen sein, etwa in München. Lidl widerspricht Lidl widerspricht energisch. Die Verkaufsfläche in Calw sei einfach zu gering, nur deshalb werde das Geschäft geschlossen. "Wir bemühen uns seit fünf Jahren um ein Baurecht im Gewerbegebiet", sagt eine Sprecherin, die Stadt lehne dies aber ab. Das bestätigt der Oberbürgermeister Manfred Dunst. Allerdings sei die Stadt durchaus aktuell mit Lidl im Gespräch über einen anderen möglichen neuen Standort. Lidl wiederum kontert, der sei beispielsweise von den Parkmöglichkeiten her nicht geeignet. "Jedes Jahr werden 50 bis 70 alte Filialen geschlossen, wenn die optimalen Voraussetzungen in der Filiale nicht mehr gegeben sind", erklärt der Konzern: "Der Vorgang ist absolut nicht ungewöhnlich". "Fluktuation geringer als im Branchendurchschnitt" Auch bei den anderen Fällen stimme die Darstellung von Verdi nicht. Im Übrigen sei die Fluktuation unter den Lidl-Beschäftigten geringer als im Branchenschnitt, so übel könnten also die Arbeitsbedingungen wohl nicht sein. Betriebs-Paten wie Huby will Verdi bundesweit bei Discountern einsetzen. Bezeichnenderweise stammt die neue Kampagnenstrategie der Gewerkschaft aus den wenig gewerkschaftsfreundlichen USA. Es geht um Mitgliedergewinnung und um neue Betriebsräte. Und zwar dort, wo die Gewerkschaft sonst schwach ist.
Verdi mobilisiert gegen den Lebensmittel-Discounter Lidl, Krimi-Autor Felix Huby macht mit.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/lidl-tatort-supermarkt-1.899471
Lidl - Tatort Supermarkt
00/05/2010
Der russische Milliardär Oleg Deripaska hat seine Anteile an Hochtief auf gut zehn Prozent aufgestockt. Die Freude bei Deutschlands größtem Baukonzern ist eher verhalten - der neue Aktionär sei ein "möglicherweise geeigneter Partner", hieß es. Der Mischkonzern Basic Element des russischen Oligarchen Oleg Deripaska hat seinen Anteil an Deutschlands größtem Baukonzern Hochtief auf 9,99 Prozent aufgestockt. Das teilte das Unternehmen am Montag in Moskau mit. "Wir planen für die nächste Zeit keine weitere Aufstockung", sagte Konzernsprecher Sergej Rybak. Detailansicht öffnen Die Kontrolle über den weltgrößten Aluminiumkonzern RusAl hat er schon - Oleg Deripaska. (Foto: Foto: dpa) Ein Hochtief-Sprecher bestätigte das Engagement. "Wir begrüßen alle neuen Aktionäre, die Chancen in attraktiven Märkten mitbringen - und Russland ist ein attraktiver Markt", sagte er. Erst Ende März dieses Jahres hatte der größte spanische Baukonzern ACS ein Aktienpaket von 25,08 Prozent an Hochtief erworben. Deripaska, der als zweitreichster Mann Russlands gilt, besitzt nach dem jüngsten Zukauf knapp sieben Millionen Hochtief-Papiere. Deripaska kontrolliert den derzeit größten Aluminiumkonzern der Welt, RusAl. Verstärkt widmet sich der Oligarch in jüngster Zeit der russischen Automobilindustrie. "Möglicherweise ein geeigneter Partner" Basic Element war Anfang Mai dieses Jahres mit drei Prozent der Anteile bei Hochtief eingestiegen. In der Vorwoche kaufte das Tochterunternehmen Rasperia Trading Limited 6,99 Prozent der Hochtief-Papiere zum geschätzten Preis von mindestens 390 Millionen Euro dazu. Zum Kaufpreis machte Basic Element keine Angaben. "Die enge Kooperation mit Hochtief wird es Basic Element gestatten, fortgeschrittene Erfahrungen bei der Förderung der Transportinfrastruktur in Russland maximal zu nutzen", sagte die Generaldirektorin von Basic Element, Gulschan Moldaschanowa. "Dies ist möglicherweise ein geeigneter Partner, mit dem wir Projekte in Russland realisieren wollen", hatte Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter bereits vor knapp zwei Wochen nach dem Einstieg von Deripaska vor der Hauptversammlung in Essen angekündigt. In fünf Jahren Österreich überholen Ende April hatte Basic Element bereits einen 30-prozentigen Anteil am österreichischen Baukonzern STRABAG übernommen. Die STRABAG hatte danach angekündigt, nach ihrem langfristigen Geschäftsplan das Umsatzniveau in Russland bis 2010 auf 600 Millionen Euro verdreifachen zu wollen. Diese Annahme sei aber "sehr konservativ" und spiegele nur die Weiterentwicklung des Geschäfts wider, das das Unternehmen derzeit nur im Großraum Moskau und nur im Hochbau habe, hieß es. Der Nachholbedarf auch im Straßenbau sei enorm. Insgesamt rechne das Unternehmen damit, dass die eigene Bauleistung in Russland in vier oder fünf Jahren die in Österreich von rund zwei Milliarden Euro überholen könnte.
Der russische Milliardär Oleg Deripaska hat seine Anteile an Hochtief auf gut zehn Prozent aufgestockt. Die Freude bei Deutschlands größtem Baukonzern ist eher verhalten - der neue Aktionär sei ein "möglicherweise geeigneter Partner", hieß es.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/deripaska-steigt-bei-hochtief-ein-oligarch-sucht-bauaktien-1.907622
Deripaska steigt bei Hochtief ein - Oligarch sucht Bauaktien
00/05/2010
Ob eine Delle noch "normale Gebrauchsspur" zu nennen ist oder schon als Beschädigung gilt - da sind Leasingnehmer und - geber oft unterschiedlicher Meinung. Wie Leasinggesellschaften Konflikte bei der Fahrzeugrückgabe vermeiden wollen. Der Deutsche hat zu seinem Auto bekanntlich eine besondere Beziehung. Schon ein winziger Kratzer im Lack kann den Krisenfall auslösen. Detailansicht öffnen Wer sein Auto scheckheftgepflegt abgibt, muss selten nachzahlen. (Foto: Foto: dpa) Ähnlich verhält es sich, wenn der Inhaber des Fahrzeugs eine Leasinggesellschaft ist. In dem Fall geht es allerdings ums schnöde Geld. Denn eine Delle in der Stoßstange reduziert, zumindest aus Sicht des Leasinggebers, den Restwert des Gefährts. "Dann kann es zu teilweise hohen Nachzahlungen kommen", sagt ADAC-Sprecher Jochen Oesterle. Denn bei dieser Variante muss der Leasingnehmer für eine mögliche Differenz zwischen dem zu Anfang der Laufzeit kalkulierten Restwert und dem Schätzwert oder Veräußerungserlös nach Ablauf des Vertrages aufkommen. "Wir raten daher eher zum Kilometer-Leasing. Da ist die Gefahr geringer, dass es am Ende zu Streitigkeiten kommt", sagt Oesterle. ADAC rät zum Kilometer-Leasing Beim Kilometer-Leasing wird eine Gesamtkilometerleistung festgelegt, für zu viel gefahrene Kilometer muss der Leasingnehmer nachzahlen. "Und die Kilometerzahl ist eine objektive Messzahl, während es über den Restwert oft zu Streitigkeiten kommt", erklärt der ADAC-Sprecher. Dass es im Gegensatz zum Kilometer-Leasing beim Restwert-Leasing häufig zum Streit kommt, beobachtet auch Michael Velte, Vorstandschef des Verbandes markenunabhängiger Autoleasing- und Fuhrpark-Managementgesellschaften in Hamburg. Bei der Frage, was noch unter "betriebsgewöhnlicher Nutzung" falle, und was bereits eine Beschädigung sei, gingen die Meinungen oft auseinander. Konflikte treten dabei umso öfter auf, je stärker die Leasinggesellschaften in das Verwertungsrisiko der Gebrauchtfahrzeuge einsteigen und je angespannter die Lage am Gebrauchtwagenmarkt ist. Schwammige Klauseln Ein Grund mehr, sich dieses Problems auf Leasinganbieter- und auf Verbandsebene anzunehmen, meinen Velte, sein Vorstandskollege Harald Frings sowie Wolfram Uhlmann von der Stuttgarter LHS Leasing- und Handelsgesellschaft Deutschland.
Ob eine Delle noch "normale Gebrauchsspur" zu nennen ist oder schon als Beschädigung gilt - da sind Leasingnehmer und - geber oft unterschiedlicher Meinung. Wie Leasinggesellschaften Konflikte bei der Fahrzeugrückgabe vermeiden wollen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/fahrzeugrueckgabe-streit-vermeiden-1.905719
Fahrzeugrückgabe - Streit vermeiden
00/05/2010
Die Grünen wollen ihre wirtschaftspolitische Kompetenz stärken. Am Mittwoch präsentierten die Experten der Bundestagsfraktion den Entwurf für ein neues Wirtschaftsprogramm. Detailansicht öffnen (Foto: Foto: dpa) Er entstand unter der Federführung von Fraktionschef Fritz Kuhn und trägt den Titel ,,Grüne Marktwirtschaft''. Das Programm soll Anfang Juli von der Fraktion beschlossen werden. Entscheidende Änderungen sind nicht mehr zu erwarten, da die Autoren viele Einwände parteiinterner Kritiker bereits aufgenommen haben. Kuhns Stellvertreterin Thea Dückert wies bei der Präsentation des Entwurfs Spekulationen zurück, die Grünen wollten durch eine Neuausrichtung ihres Wirtschaftsprogramms Bündnisse mit der Union erleichtern. Dies sei mitnichten der Fall, sagte Dückert. Die Positionen der Grünen und der Union passten ,,vorne und hinten nicht zusammen''. Die ,,Flirterei'' der Union habe sie deshalb ,,unheimlich amüsiert''. Am Dienstag hatte der Vorsitzende des CDU-Wirtschaftsrats, Kurt Lauk, eine Öffnung seiner Partei zu den Grünen als ,,logisch und politisch konsequent'' begrüßt. Es gebe inzwischen ,,viele Anknüpfungspunkte zu den Grünen'', da sich diese in der Finanz-, Etat- und Arbeitsmarktpolitik bewegt hätten. Dückert sagte, gerade in diesen Bereichen könne sie keine Nähe erkennen. So träten die Grünen für einen branchenspezifischen Mindestlohn ein. Außerdem würden sie ,,an keiner Stelle'' Steuersenkungen fordern. Strittige Passagen entfernt Bei der Präsentation eines ersten Programmentwurfs im Oktober 2006 hatten Kuhn und der damalige Wirtschaftsexperte der Fraktion, Matthias Berninger, das Papier jedoch noch anders intoniert. Kuhn sagte damals, seine Fraktion wolle die Bedeutung ,,wirtschaftlicher Stärke für die Finanzierung sozialer Gerechtigkeit'' betonen. Man könne dafür nicht einfach Geld aus irgendwelchen Kassen nehmen, sondern müsse für eine ,,positive Wertschöpfung'' in der Wirtschaft sorgen - dies sei die Voraussetzung für einen funktionierenden Sozialstaat. Das einzusehen, habe nichts mit ,,einem neuen neoliberalen Kurs'' zu tun. Der Markt sei ein gutes Mittel, um die ökologischen und sozialen Ziele der Grünen zu erreichen. In dem damals präsentierten ersten Programmentwurf hieß es deshalb unter Anspielung auf Adam Smith: ,,Die unsichtbare Hand des Marktes wird grün.'' Außerdem wurde ungewöhnlich deutlich vor einer Verteufelung der staatlichen Industriepolitik und der Risiko-Kapitalgesellschaften gewarnt. In dem ursprünglichen Entwurf stand: ,,Statt ausländisches Kapital in pauschalierten Heuschrecken-Debatten schlechtzureden, müssen wir mehr ausländische Direktinvestitionen nach Deutschland holen.'' Außerdem wurde die Förderung des Airbus-Konzerns als ,,Erfolg europäischer Industriepolitik'' gepriesen, der für mehr Wettbewerb gesorgt habe. Airbus gehört zum Rüstungs- und Raumfahrtkonzern EADS, der bei den Grünen eigentlich nicht sonderlich hoch im Kurs steht. Alle drei Passagen wurden auf Druck zahlreicher Kritiker - an ihrer Spitze Parteichefin Claudia Roth und Ex-Umweltminister Jürgen Trittin - geglättet. In dem nun vorgelegten Abschluss-Entwurf heißt es jetzt: ,,Die unsichtbare Hand des Marktes kann nur funktionieren, wenn staatliche Ordnungssysteme zur Regulierung von Märkten bestehen.'' Die Sätze zu den Heuschrecken und zu Airbus wurden sogar ganz gestrichen. ,,Beste ökologische Lösung'' In dem Grundsatzteil des 36-seitigen Programmentwurfs heißt es jetzt: Wenn die Grünen die Herausforderungen der Globalisierung mit ihren sozialen, ökonomischen und ökologischen Folgen meistern wollten, müssten sie ,,jenseits von neoliberaler Marktvergötterung und altlinker Überschätzung staatlicher Planungs- und Steuerungsfähigkeit nach den neuen Rahmenbedingungen fragen, die funktionierende Märkte der Zukunft brauchen''. Diese Rahmenbedingungen klug zu setzen und dann eine Politik für effektiven Wettbewerb durchzusetzen, sei Kern des Konzepts der grünen Marktwirtschaft. Weiter heißt es: ,,Die ökologische Herausforderung verlangt nach Rahmenbedingungen, die den Markt und seine Akteure zwingen, nach den besten ökologischen Lösungen zu suchen. In einer grünen Marktwirtschaft kann nur derjenige die Zukunft bestehen, der Ressourcen sparend und schonend produziert und konsumiert. Den Rahmen setzt ein richtiger Mix aus Steuern, Grenzwerten und Verboten.'' Beispiele dafür wären ein Gebäudepass, der die Verbraucher über den tatsächlichen ökologischen Wert einer Wohnung informiert, oder die Pflicht für Finanzdienstleister, Anleger über die ökologischen Wirkungen ihres Investments zu informieren. Manche dieser Rahmensetzungen seien - wie bei den Emissionszertifikaten für den Kohlendioxid-Ausstoß - direkt in Preise verwandelbar, andere indirekt - wie bei den Verbrauchsobergrenzen für Autos. Dabei legen die Autoren ,,Wert auf die Feststellung, dass grüne Marktwirtschaft nicht nur ökologischer ist, sondern auch wirtschaftlich erfolgreicher als die bisherige ökologisch blinde Marktwirtschaft''. Dies gelte nicht zuletzt deshalb, weil sie durch ökologische Sparsamkeit und Effizienz Folgekosten reduziere.
Der Entwurf des neuen Wirtschaftsprogramms der Grünen sucht den Weg zwischen "altlinker Überschätzung staatlicher Steuerungsfähigkeit" und "neoliberaler Marktvergötterung".
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/wirtschaftlich-erfolgreicher-die-gruenen-und-die-marktwirtschaft-1.902396
"""Wirtschaftlich erfolgreicher"" - Die Grünen und die Marktwirtschaft"
00/05/2010
Nie zuvor strömten mehr Fans in die Stadien als in der WM-Saison. Die Umsätze der Vereine steigen in lichte Höhen. Dennoch schleppen viele Klubs immer noch Schulden mit sich herum. Die 36 Vereine und Kapitalgesellschaften der Ersten und Zweiten Bundesliga sollten dies nutzen, um für schlechtere Zeiten finanziell vorzusorgen, fordert die Wirtschaftsauskunftei Creditreform. Detailansicht öffnen Die Bonität der Vereine in der 1. Bundesliga ist in den meisten Fällen gut. (Foto: Grafik: Süddeutsche Zeitung) Nie zuvor strömten mehr zahlende Fans in die Stadien als in der Saison unmittelbar vor der Fußball-Weltmeisterschaft in diesem Sommer in Deutschland. Bereits in der Vorrunde der laufenden Spielzeit zählte die Deutsche Fußball Liga (DFL) mehr als 5,7 Millionen Zuschauer - eine Steigerung um 7,5 Prozent. Die Umsätze der 36 Bundesligisten kletterten im vergangenen Geschäftsjahr sogar um 19 Prozent auf mehr als 1,5 Milliarden Euro. In der zweiten Aprilhälfte will die DFL den Klubs die ersten Entscheidungen im Lizenzierungsverfahren für die kommende Saison mitteilen. Große Probleme dürften kaum zu erwarten sein angesichts des Booms in der Kicker-Branche. Darauf deutet die Bonitätsanalyse zur Kreditwürdigkeit und Zahlungsfähigkeit der einzelnen Bundesligisten hin, die die Wirtschaftsauskunftei Creditreform exklusiv für die Süddeutsche Zeitung erstellt hat (siehe Tabellen). Hinzu kommt: In der neuen Saison winken den Klubs zusätzliche Einnahmen aus der Fernsehvermarktung, nachdem die Firma Arena den Vorzug vor Premiere erhalten hat. "Guter Job" Creditreform-Vorstand Helmut Rödl bescheinigt den Bundesligisten und der DFL, in den vergangenen Jahren meist "einen guten Job" mit Blick auf die finanzielle Situation "in den mittelständischen Unternehmen" des Profifußballs gemacht zu haben. Es gebe insgesamt seit drei bis vier Jahren einen "positiven Trend", sagte Rödl der SZ. Er warnte allerdings vor zu viel Zuversicht. Noch immer schleppten zu viele Klubs zu hohe Schulden mit sich herum und hätten weiterhin Nachholbedarf bei der Bildung von zusätzlichem Eigenkapital. Zwar konnten die Bundesligisten ihre Verbindlichkeiten zuletzt von 770,7 Millionen Euro auf 716,7 Millionen Euro senken. Doch Rödl reicht dies noch nicht. Anstrengungen forcieren Er sagte: "Der Schuldenstand muss weiter reduziert werden. Diese Anstrengungen gilt es zu forcieren." Die Klubs könnten dies erreichen, indem sie weniger Geld in "überteuerte Spielertransfers und überdimensionierte Infrastrukturprojekte" steckten.
Nie zuvor strömten mehr Fans in die Stadien als in der WM-Saison. Die Umsätze der Vereine steigen in lichte Höhen. Dennoch schleppen viele Klubs immer noch Schulden mit sich herum.
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Finanzcheck - Boom im deutschen Profifußball
00/05/2010
Droht die Insolvenz, oder handelt es sich um ein "ausgemachtes Ganovenstück"? Fest steht: Nur bis Freitag hat der Konzern Zeit, zwei Aktionäre zu überzeugen, der Kapitalerhöhung doch noch zuzustimmen. Es war kurz vor 19 Uhr, die Hauptversammlung dauerte bald neun Stunden. Detailansicht öffnen Keine Schönwetter für KarstadtQuelle. (Foto: Foto: AP) Da nahm Aufsichtsratsvorsitzender Thomas Middelhoff am Montag das Wort in den Mund, das im Karstadt-Quelle-Konzern auf dem Index steht: Insolvenz. Denn schon einmal hatten Gedankenspiele über eine drohende Zahlungsunfähigkeit für Unheil gesorgt. Das war vor ein paar Wochen, als Wolfgang Pokriefke, der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats, eine unbedachte Äußerung in der Öffentlichkeit machte. Diesmal aber war der Fall anders. Middelhoff, souveräner Leiter der Hauptversammlung, warnte bewusst und unmissverständlich: "Wenn die Kapitalerhöhung blockiert wird, droht Karstadt-Quelle die Insolvenz." Zweimal Widerspruch eingelegt Kurz zuvor hatten zwei Aktionäre Widerspruch gegen die Kapitalmaßnahme zu Protokoll gegeben. Caterina Steeg vom Verein zur Förderung der Aktionärsdemokratie (VFA) um den Würzburger Professor für Bank- und Kreditwirtschaft Ekkehard Wenger und der Kasseler Unternehmensberater Rainer Johannes. Dreimal drängte es den Kritiker aus Kassel ans Mikrofon. Und bei seinem letzten Auftritt wollte er es mit einem einfachen Widerspruch nicht bewenden lassen. Er teilte den vielleicht 60 Aktionären, die es bis dahin in der Düsseldorfer Stadthalle ausgehalten hatten mit, ein "rechtlich verbindliches Kaufangebot" für alle Karstadt-Quelle-Aktien abgeben zu wollen.
Droht die Insolvenz, oder handelt es sich um ein "ausgemachtes Ganovenstück"? Fest steht: Nur bis Freitag hat der Konzern Zeit, zwei Aktionäre zu überzeugen, der Kapitalerhöhung doch noch zuzustimmen.
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KarstadtQuelle-Krise - Kleinanleger an der Macht
00/05/2010
Der amerikanische Internet-Suchmaschinenbetreiber hat drastische Gewinn- und Umsatzsteigerungen verbucht. Die Nachricht katapultierte den Google-Aktienkurs gehörig nach oben. Google Inc. konnte im vergangenen Jahr und vor allem im Schlussquartal 2004 mit stark steigenden Nutzerzahlen und hohen Internet-Werbeeinnahmen aufwarten. Die Aktien des Internet-Höhenfliegers schossen am Dienstag nach Vorlage der Geschäftsergebnisse nachbörslich scharf um 9,51 Prozent auf 210,15 Dollar in die Höhe. Detailansicht öffnen Beziehung zu Nutzern, Partnern und Werbekunden verbessert: Google. (Foto: Foto: ddp) Google hatte vor einem knappen halben Jahr beim Börsengang seine Aktien zu 85 Dollar offeriert. Die ehemaligen Studenten Sergey Brin und Larry Page, die Google vor etwas mehr als sechseinhalb Jahren gegründet hatten, sind inzwischen Multimilliardäre geworden. Jahresumsatz legt stark zu Google erhöhte seinen Gewinn im Jahr 2004 um 278 Prozent auf 399 Millionen Dollar (307 Mio Euro) und steigerte den Jahresumsatz um 118 Prozent auf 3,2 Milliarden Dollar. Der Gewinn pro Aktie legte im vergangenen Jahr auf 1,46 (Vorjahr 0,41) Dollar zu. Dies gab Google mit Sitz in Mountain View (Kalifornien) am Dienstag nach Börsenschluss bekannt. Google verbuchte scharfe Umsatzsteigerungen im In- und Ausland sowie hohe Werbeeinnahmen auf den eigenen Internet-Sites und denen seiner Partnerfirmen. Google konnte im Schlussquartal seine Gewinn sogar um das siebenfache steigern und verdiente 204,1 (27,3) Millionen Dollar oder 71 (sieben) Cent je Aktie. Google-Netz Der Quartalsumsatz verdoppelte sich auf eine Milliarde Dollar (512,2 Mio Dollar). Davon stammten 378 (216) Millionen Dollar aus Zahlungen an andere Web-Sites im Google-Netz. Die Google selbst gehörenden Web-Sites brachten einen Quartalsumsatz von 530 Millionen Dollar, plus 118 Prozent oder 51 Prozent des Gesamtumsatzes. Das Google Network, sprich fremde Web- Sites mit denen Google Anzeigenpartnerschaften hat, steuerte einen Umsatz von 490 Millionen Dollar bei oder 92 Prozent mehr als im Schlussquartal 2003. 2,1 Milliarden Dollar liquide Mittel "Google hatte ein außergewöhnliches Quartal", erklärte Konzernchef Eric Schmidt. Umsätze und Gewinne seien erheblich gestiegen. Die Beziehung zu den Nutzern, Partnern und Werbeauftragebern seien noch stärker geworden. Gleichzeitig habe man weltweite Innovationen durchgeführt und strategische Langzeitinvestitionen gemacht. Google hob auch die höheren Nutzerzahlen hervor. Die Anzeigengeber hätten außerdem klarer erkannt, dass das Internet ein effektives Werbemedium sei. Google hatte zum Jahresende 2,1 Milliarden Dollar liquide Mittel und kurzfristige Investments. Das Unternehmen hat weltweit 3021 (2668) Vollzeitbeschäftigte. Yahoo und Microsoft sagen Google den Kampf an Die Internetfirma Yahoo und Microsoft mit seinem Internetportal MSN haben Google den Kampf angesagt und wollen mit ihren Suchmaschinen mehr vom lukrativen Internet-Werbegeschäft für sich verbuchen.
Der amerikanische Internet-Suchmaschinenbetreiber hat drastische Gewinn- und Umsatzsteigerungen verbucht. Die Nachricht katapultierte den Google-Aktienkurs gehörig nach oben.
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Geschäftsergebnis 2004 - Google begeistert Anleger und Analysten
00/05/2010
Der Vorstand der Deutschen Bundesbank muss jetzt deren Glaubwürdigkeit sichern. Gibt er sich eine Blöße, einen Mann mit Fehl und Tadel in den eigenen Reihen zu belassen, steht als nächstes die Unabhängigkeit zur Diskussion. Die Bundesbank ist unabhängig. Das schafft Vertrauen, weil Politiker so gar nicht erst in Versuchung geraten können, eine Politik des billigen Geldes erzwingen zu wollen. Die Kehrseite dieser Unabhängigkeit besteht darin, dass die Währungsbehörde von niemandem wirklich kontrolliert wird. Der Mangel hat bisher niemanden gestört, weil es über die Führung der Bundesbank kaum Klagen gab. Nun ist es so weit, und nicht nur wegen einer Lappalie. Die Führung der Bundesbank entscheidet wegen der Adlon-Affäre über den Abgang des eigenen Chefs - in dessen Abwesenheit. Quasi Selbstkontrolle Die Bundesbank muss also quasi Selbstkontrolle ausüben und viele fragen sich, wie das gehen soll. Die Diskussion über die Zukunft von Ernst Welteke ist eine brisante Angelegenheit, ganz unabhängig von den beteiligten Personen. Mit welcher Begründung kann der Chef abgesetzt werden? Wie halten es die anderen Vorstände mit ihren Spesen? Dem Gremium gehören neben Welteke sieben Mitglieder an. Sie haben unterschiedliche Parteibücher - ein Spiegelbild des deutschen Föderalismus und der damit verbundenen Konsenskultur. Den Präsidenten, seinen Stellvertreter und zwei weitere Vorstände schlägt die Bundesregierung vor, die übrigen der Bundesrat. Die Aufteilung wurde erst vor zwei Jahren im Zuge der Bundesbankreform gesetzlich festgelegt. Möglichst viele politische Lager wollten Leute ihres Vertrauens in eine Institution von bislang untadeligem Ruf schicken. Der wichtigste Posten Der wichtigste Posten bleibt derjenige des Bundesbankpräsidenten. Nur er gehört dem Rat der Europäischen Zentralbank an und bestimmt die Zinsen und die Stabilität des Geldes in Europa mit. Das ist wichtig, weil Deutschland die Nation mit den meisten Menschen und dem größten ökonomischen Gewicht in der Währungsunion ist. Die im Frankfurter Eurotower beschlossene Politik muss er den Bürgern vermitteln; er ist damit das Bindeglied zwischen der Zentralbank und den Menschen, die mit dem Euro leben und ihm zum Teil immer noch misstrauen. Daneben führt er die Bundesbank wie ein normaler Behördenchef. Es geht bei dieser Affäre also nicht mehr um die Person von Welteke. Es geht um den Ruf der Bundesbank und der Europäischen Zentralbank. Als Chef der Institution und als Mitglied der übergeordneten Währungsbehörde muss er eine saubere Weste haben, um seiner Arbeit nachzugehen. An die Zukunft denken Die sieben Männer des Bundesbankvorstandes müssen auch an die Zukunft der Bundesbank denken, die sich wegen der Währungsunion ohnehin neu erfinden muss. Geben sie sich die Blöße, einen Mann mit Fehl und Tadel in den eigenen Reihen zu belassen, steht als nächstes die Unabhängigkeit zur Diskussion. Auf jeden Fall muss die Aufklärung der Affäre Sauberkeit in das Abrechnungsgebaren der Bundesbankführung bringen. Die Europäische Zentralbank hat für ihre Spitzenleute bereits einen Verhaltenskodex eingeführt. Die Bundesbank muss hier schnell nachziehen.
Der Vorstand der Deutschen Bundesbank muss jetzt deren Glaubwürdigkeit sichern. Gibt er sich eine Blöße, einen Mann mit Fehl und Tadel in den eigenen Reihen zu belassen, steht als nächstes die Unabhängigkeit zur Diskussion.
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Kommentar - Aktion saubere Weste
00/05/2010
Seit dem frühen Morgen kommt es im Nahverkehr zu erheblichen Behinderungen. In einzelnen Regionen fielen bis zu 50 Prozent der Regionalzüge und der S-Bahnen aus. Schwerpunkte des GDL-Streiks sind München, Berlin und Hamburg. Der Lokführer-Streik hat bereits am frühen Freitagmorgen zu schweren Behinderungen im Nahverkehr geführt. In einzelnen Regionen seien bis zu 50 Prozent der Nahverkehrszüge und S- Bahnen ausgefallen, sagte ein Bahn-Sprecher. Auch Vertreter der Lokführer-Gewerkschaft GDL sprachen von massiven Zugausfällen. Detailansicht öffnen An vielen Bahnhöfen steht der Nah- und Regionalverkehr still (Foto: Foto: dpa) Die Lokführer der Gewerkschaft GDL streiken seit 2.00 Uhr und wollen die Arbeit den ganzen Tag niederlegen. Der frühe Zeitpunkt sei extra gewählt worden, damit die Züge gar nicht erst die Depots verlassen, sagte GDL-Sprecherin Seibert. Damit solle verhindert werden, dass stehengebliebene Nahverkehrszüge auch ICE- und Intercity-Züge aufhalten. Millionen Bahnreisende betroffen Der Ausstand dürfte Millionen Bahnreisende treffen. Ein Teil der Nahverkehrszüge ist jedoch trotzdem unterwegs, weil nicht alle Lokführer der GDL angehören und viele als Beamte nicht streiken dürfen. Der Bahnsprecher sagte, Schwerpunkte des Streiks seien unter anderem die S-Bahnen in Berlin, München und Hamburg. Auch mit Einschränkungen im Fernverkehr muss gerechnet werden. In anderen Regionen seien 10 oder 20 Prozent der Züge ausgefallen. Ein bundesweiter Schnitt oder eine Gesamtzahl der ausgefallenen Züge ließen sich derzeit nicht beziffern. Vom Münchner Hauptbahnhof meldet ein GDL-Sprecher: "Hier steht alles still". Lediglich die S-Bahn fahre "sporadisch". Auf der Anzeigentafel fielen von 22 angeschriebenen Zügen zehn aus. Etliche Züge hatten zudem massive Verspätungen. Die Infobuden waren stark umlagert. In Berlin fährt nur jede zweite S-Bahn Ein Gewerkschafts-Sprecher in Berlin sagte, inklusiver der S-Bahn seien mindestens 80 Lokführer im Ausstand. In München könne derzeit nur die Strecke zum Flughafen bedient werden. In der Hauptstadt fahre nur etwa jede zweite S-Bahn. In Norddeutschland legten nach GDL-Angaben bis 4.30 Uhr bereits 60 bis 70 Lokführer die Arbeit nieder. "Wir bitten die Kunden, uns zu verstehen", sagte der GDL-Bezirkschef Nord, Norbert Quitter. Man sei schließlich bereits seit März in einem Tarifkonflikt. Für Nordrhein-Westfalen sagte Bezirksleiter Frank Schmidt, das Risiko, dass auch Fernverkehrszüge in Mitleidenschaft gezogen würden, sei eher gering, da S-Bahnen und Regionalzüge zumeist auf einen Gleisstrecken unterwegs seien. In Nordrhein-Westfalen sind pro Tag 5000 Nahverkehrszüge unterwegs. Der für den Personenverkehr zuständige Bahn-Vorstand Karl- Friedrich Rausch kündigte zusätzliche Züge im Fernverkehr an, um die Streikfolgen zu mildern. Er riet, auf andere Verkehrsmittel auszuweichen. Einen Notfahrplan wie bei den Warnstreiks vor einer Woche werde es wegen der knappen Vorlaufzeit nicht geben. "Wir erwarten einen schwierigen Tag", sagte er. Einen Funken Hoffnung gibt es noch Zugleich gibt es Hoffnung auf eine Lösung des festgefahrenen Tarifstreits: Am Abend einigten sich der GDL-Vorsitzende Manfred Schell und Bahnchef Hartmut Mehdorn in einem dreistündigen Spitzengespräch auf neue Verhandlungen. Er gehe davon aus, dass mit dem neuen Angebot bis Monatsende Friedenspflicht herrsche, sagte Mehdorn. GDL-Sprecherin Gerda Seibert sagte, die Bahn habe für Montag ein neues Angebot angekündigt. Die GDL hatte den erneuten Arbeitskampf ungeachtet des Spitzentreffens angekündigt. Er findet trotz der neuen Verhandlungen statt. GDL-Chef Manfred Schell sagte am Donnerstag Abend, der Streik am Freitag sei wenige Stunden vor Beginn nicht mehr abzuwenden. Er betonte, dass seine Gewerkschaft nur dann auf weitere Streiks verzichten werde, wenn das Angebot der Bahn akzeptabel ausfalle. Montag und Dienstag kein Streik Am kommenden Montag und Dienstag werde es zunächst aber keinen Streik geben. Die GDL- Lokführer wollen einen eigenständigen Tarifvertrag und ein höheres Einkommen durchsetzen. Die Bahn hatte zuletzt Einkommenserhöhungen von 4,5 Prozent angeboten, wie mit den Gewerkschaften Transnet und GDBA vereinbart. Mit Mehrarbeit könnten die Lokführer netto auf etwa zehn Prozent mehr Geld kommen, erklärte die Bahn. Die GDL lehnt dieses Angebot ab. Die Bahn empfiehlt, sich über die aktuelle Situation im Internet unter www.bahn.de/aktuell sowie über die kostenlose Service-Hotline 08000 99 66 33 zu informieren. Die Hotline war in den frühen Morgenstunden allerdings schwer zu erreichen. Die Bahn will aber auch das Personal zur Kundenbetreuung wie bereits während der Warnstreiks vor einer Woche deutlich aufstocken. Kunden aus dem Ausland können sich telefonisch bei der Service-Hotline +49 1805 33 44 44 informieren .
Seit dem frühen Morgen kommt es im Nahverkehr zu erheblichen Behinderungen. In einzelnen Regionen fielen bis zu 50 Prozent der Regionalzüge und der S-Bahnen aus. Schwerpunkte des GDL-Streiks sind München, Berlin und Hamburg.
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Streik bei der Bahn - Chaos auf Deutschlands Bahnhöfen
00/05/2010
Das Wehklagen der Automobilklubs, ihre Klientel könne nur noch einen Cent sparen wenn sie Normal statt Super tanke, ist nach Auffassung von Greenpeace eine Farce. Normalbenzin spielt - zumindest in Europa - eine immer geringere Rolle. Die meisten Neuwagen sind auf Oktanzahlen von 95 und mehr ausgelegt. Ältere Fahrzeuge werden hingegen nach und nach aus dem Straßenbild verschwinden - und mit ihnen der Bedarf an Normalbenzin. Detailansicht öffnen Für schnelles Fahren auf der Autobahn denkbar ungeeignet: Ein Porsche Cayenne. (Foto: Foto: ddp) In Schweden, Spanien und der Schweiz, ist Normalbenzin schon jetzt nicht mehr erhältlich. In Deutschland und Österreich beträgt sein Anteil nur noch etwa ein Viertel der gesamten Kraftstoffnachfrage an Tankstellen. Tendenz: sinkend. Die Umweltorganisation Greenpeace kann daher den Aufschrei der Automobilklubs nicht verstehen, die sich darüber mokieren, dass Normalbenzin verschwinden könnte: "Es geht doch gar nicht um den einen Cent, den Autofahrer noch sparen können, wenn sie Normal statt Super tanken", sagte Wolfgang Lohbeck, Verkehrsexperte bei Greenpeace Deutschland zu sueddeutsche.de. Wobei der Begriff "Sparen" an dieser Stelle differenziert betrachtet werden muss: Die Motoren von Fahrzeugen, die nicht älter als etwa fünf Jahre sind, haben meist einen elekronischen "Klopfsensor" eingebaut. Dieser Sensor regelt die Verdichtung des Kraftstoffes und den Zündzeitpunkt. In der Regel müssen Autofahrer entgegen den Mahnungen der Hersteller nicht mit erhöhtem Verschleiß oder Motorschäden rechnen. Das elektronische Motormanagement erkennt unterschiedliche Kraftstoffqualitäten. Nur bei älteren Fahrzeugen verläuft der Verbrennungsprozess bei Nichtbeachtung der vorgesehenen Oktanzahl ineffektiv. Die Folge: Der höhere Verbrauch überwiegt den kleinen Preisvorteil an der Zapfsäule. Vom Sturm der Mineralölkonzerne ist nichts übrig geblieben Margot Wallström, von 1999 bis 2004 unter EU-Kommissionspräsident Romano Prodi für Umweltfragen zuständig, setzte sich einst dafür ein, nur noch Benzinsorten mit mindestens 95 Oktan zuzulassen - und damit Normalbenzin europaweit zu verbieten. Das von Mallström angeregte Verbot sollte dem Umweltschutz Rechung tragen: "Neue umweltfreundliche Autos, die weniger Benzin verbrauchen, benötigen den höherwertigen Kraftstoff mit einer Klopffestigkeit von mindestens 95 Oktan", so die Argumentation der ehemaligen Umweltkommissarin. Damals liefen die deutschen Mineralölkonzerne noch Sturm gegen das Ansinnen der EU-Kommission - doch die Zeiten haben sich geändert. Die Begründung der Mineralölkonzerne, der hohe Verbrauch in China und den USA wären für die Angleichung der Preise verantwortlich, mag durchaus nachvollziehbar sein. Doch nach Ansicht von Greenpeace ist das nicht das Problem. Das Problem liegt im steigenden Gewicht "Das Hauptproblem der Diskussion liegt im steigenden Gewicht der Fahrzeuge. Und zwar nicht nur in Hinsicht auf den hohen Verbrauch, sondern auch in puncto Sicherheit der anderen Verkehrsteilnehmer", so Lohbeck. Die Zeitschrift Auto Bild trieb den Verbrauch eines Porsche Cayenne Turbo S bei einem "Extrem-Verbrauchstest" auf 66,7 Liter Kraftstoff pro 100 Kilometer. Dieser Wert ist natürlich nicht repräsentativ, zumal er bei Vollgas und Tempo 270 zustande kam. Doch auch für normal-flotte Fahrten auf der Autobahn sind Schwergewichte wie der Cayenne ob ihres hohen Verbrauchs denkbar ungeeignet. Laut Lohbeck sei die Argumentation der Automobilfirmen, eine höhere Sicherheit führe zu höherem Gewicht, bedenklich. Damit seien diejenigen Verkehrsteilnehmer, die umweltfreundliche, leichte Kleinwagen fahren, auf der Verliererseite und bei Verkehrsunfällen besonders gefährdet. Würden sich die Verbraucher hingegen von liebgewonnenen, in tonnenschweres Blech gegossenen "Automobilträumen" abkoppeln, wären sie weniger abhängig von der willkürlichen Preisgestaltung der Tankstellenbetreiber. Aber dazu brauche es Weitsicht bei den Automobilisten, mahnt der Umweltaktivist.
Das Wehklagen der Automobilklubs, ihre Klientel könne nur noch einen Cent sparen wenn sie Normal statt Super tanke, ist nach Auffassung von Greenpeace eine Farce.
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Sorge über die Abschaffung von Normalbenzin - Greenpeace kann Aufregung nicht verstehen
00/05/2010
Financial Times will nichts von Verkaufsplänen wissen Die Financial Times hat einen Zeitungsbericht dementiert, wonach sie ihre Beteiligung an der Financial Times Deutschland reduzieren könnte. Die britische Financial Times plane zurzeit nicht, ihre Beteiligung an der Wirtschaftszeitung Financial Times Deutschland zu verringern, gab die "FT" bekannt. Detailansicht öffnen Ein Mann liest die erste Ausgabe der Financial Times Deutschland am 21. Februar 2000. (Foto: dpa) Eine Sprechrin der "FT" sagte am Freitag in London zu einem entsprechenden Bericht der britischen Times: "Das sind reine Spekulationen." Die "FTD" sei "sehr erfolgreich". Es sei allerdings so, dass sämtliche Teile des Medienkonzerns Pearson ständig überprüft würden. Achim Twardy, Zeitungsvorstand des FTD-Miteigentümers Gruner+Jahr, sagte: "Spekulationen zu strategischen Überlegungen unseres Joint Venture Partners Pearson/FT-Group können wir nicht kommentieren". Vertrauen "Wir rechnen fest damit, dass Pearson weiterhin zu der gemeinsam ins Leben gerufenen und seit ihrem Start gegen den Markttrend sehr erfolgreichen "FTD" als Gesellschafter steht", ergänzte er. G+J selbst stehe fest zum "FTD"-Joint Venture. Die "Times" hatte berichtet, dass Pearson die Zukunft der "FTD" überprüfe. Eine Möglichkeit sei, dass Pearson seine Beteiligung zu Gunsten von G+J verringere. Eine Änderung der Anteilsstruktur bezeichnete G+J-Sprecher Kurt Otto aber als "rein hypothetische Spekulation". Nach Plan Twardy verwies darauf, dass die "FTD" die einzige überregionale Tageszeitung in Deutschland sei, die sowohl in der Auflagen- als auch in der Reichweitenentwicklung stetig wachse. "Die wirtschaftliche Entwicklung der FTD verbessert sich nach Plan von Jahr zu Jahr." Die "FTD" erhöhte ihre verkaufte Auflage im 2. Quartal 2003 verglichen mit dem Vorjahreszeitraum um 10,1 Prozent auf 91.177 Exemplare. Davon entfallen 54.847 auf Abonnements (plus 18,3 Prozent) und 6.393 (zuvor 6.700) auf Sonderverkäufe. In der deutschen Leserschaft gewann der Titel mehr als ein Fünftel (23 Prozent) hinzu. Die "FTD", die wie die Konkurrenten im Anzeigengeschäft unter der Werbeflaute litt, erhöhte im Anzeigengeschäft im 1. Halbjahr die Bruttoumsätze um 19,1 Prozent. Seit 2000 in einem Boot Die auf lachsrosa-farbenem Papier gedruckte Wirtschaftszeitung ist ein Joint Venture zwischen dem britischen Pearson-Konzern mit seiner "FT"-Group und Europas größtem Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr mit Sitz in Hamburg. An der "FTD" sind beide Medienhäuser zu gleichen Teilen seit Februar 2000 beteiligt. Die Gewinnschwelle will die Zeitung 2005 erreichen.
Die Financial Times hat einen Zeitungsbericht dementiert, wonach sie ihre Beteiligung an der Financial Times Deutschland reduzieren könnte.
wirtschaft
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FTD - Financial Times will nichts von Verkaufsplänen wissen
00/05/2010
Der Vorstandschef der Deutschen Bahn hat einen großen Fehler bei der Finanzplanung zugegeben. Bei den Bundesmitteln für die Schiene bis 2007 habe der Bahnvorstand wissentlich mit zu hohen Beträgen gerechnet, räumt Mehdorn in einem Brief an das Verkehrsministerium ein. (SZ vom 20.09.2003) — Die Deutsche Bahn (DB) gerät bei ihrer Finanzplanung immer stärker unter Druck. In einem der Süddeutschen Zeitung vorliegenden Schreiben vom 5. September an Staatssekretär Ralf Nagel im Bundesverkehrsministerium unterichtet Konzernchef Mehdorn die Regierung über des Sparkurs des Staatsunternehmens und den beabsichtigten Stopp beim Ausbau des Schienennetzes. Mehdorn räumt in dem Brief indirekt ein, sich verkalkuliert zu haben. Im Namen des Vorstandes schreibt der Konzernchef, "wir wussten bereits zum Zeitpunkt der Verabschiedung der Mittelfristplanung 2003 bis 2007 im Dezember 2003, dass unsere Erwartungen an eine Fortschreibung der Haushaltsmittellinie auf dem im Jahr 2001 gefundenen Niveau nicht eintreten würden". Kein Geld mehr für neue Großprojekte Mehdorn gibt damit zu, weiterhin mit 4,4 Milliarden Euro pro Jahr (Stand 2001) vom Bund gerechnet zu haben, obwohl der Vorstand wusste, dass dies nicht zutrifft. Der SZ sagte Mehdorn dazu: "Wir haben unsere Planung abgeschlossen, bevor der Bund uns ein paar Monate später im Aufsichtsrat gesagt hat, dass es eine Verstetigung der Mittel wahrscheinlich so nicht geben wird." Nach Informationen aus dem Verkehrsministerium waren damals in den Haushaltsentwürfen des Bundes 2,3 Milliarden Euro weniger für die Schiene bis 2007 vorgesehen, als im Finanzplan der Bahn. Staatssekretär Nagel bemängelte im Dezember 2002 im Aufsichtsrat der DB zwar diese Differenz. Er und die anderen Vertreter der Bundesregierung forderten aber nicht, dass der Vorstand den Finanzplan zurückzieht und durch ein neues Zahlenwerk mit realistischen Annahmen ersetzt. In dem Brief an Nagel beklagt Mehdorn, dass sich die Bundesmittel gegenüber dem Stand vom Dezember "nochmals reduzieren". Durch "Kostenfortschreibungen bei laufenden Vorhaben" und Mehrkosten bei Großprojekten sei noch weniger Geld für den Aus- und Neubau von Strecken verfügbar. "Für den Beginn neuer Projekte bleibt aus unserer jetzigen Sicht zumindest in den nächsten 30 Monaten praktisch kein Raum." Das werde Auswirkungen auf die gerade erst erhöhten Planungs- und Baukapazitäten der Bahn haben. Weniger Jobs beim Bau Der Konzernchef rechnet auch bei den Baufirmen, die für die Bahn arbeiten, mit Stellenkürzungen. Er verweist auf Folgen für die "Beschäftigungssituation unserer Partner". Mehdorn erwartet eine öffentliche Diskussion, die "für uns schmerzlich sein wird, weil wir Ländern und Kommunen erläutern müssen, dass und wo sie unsere Investitionskürzungen betreffen". Die Bahn wolle Bund, Länder und Kommunen davon überzeugen, dass man sich auf die Instandhaltung des vorhandenen Netzes und die Vollendung laufender Projekte konzentrieren müsse. Der Verkehrsexperte des CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Dirk Fischer, wirft Mehdorn eine "grobe Täuschung" vor. Der Bahnchef hätte seinen Finanzplan sofort korrigieren müssen, nachdem sich der Ansatz bei den Bundesmitteln als überhöht erwiesen habe, sagt Fischer. Ein DB-Sprecher entgegnete, Mehdorn habe niemanden getäuscht. Eine der Prämissen sei eben die Verstetigung der Bundesmittel gewesen. "Das ist völlig sauber aufgeschrieben worden, das wusste der Aufsichtsrat", sagte der Sprecher.
Der Vorstandschef der Deutschen Bahn hat einen großen Fehler bei der Finanzplanung zugegeben. Bei den Bundesmitteln für die Schiene bis 2007 habe der Bahnvorstand wissentlich mit zu hohen Beträgen gerechnet, räumt Mehdorn in einem Brief an das Verkehrsministerium ein.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/deutsche-bahn-fehler-im-finanzplan-1.902814
Deutsche Bahn - Fehler im Finanzplan
00/05/2010
Die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 wird zum Milliardengeschäft. Der erste Shop für WM-Artikel eröffnet schon am Donnerstag in Berlin. Bis zum Anpfiff der Fußball-WM 2006 sind es an diesem Donnerstag noch 631 Tage. Aber das große Geschäft rund um den Nationenkick, der vom 9. Juni bis 9. Juli 2006 in zwölf deutschen Städten stattfindet, läuft schon längst. Detailansicht öffnen Auf Shirts und Jacken wird das WM-Logo mit den lachenden Mondgesichtern zu sehen sein. (Foto: Foto: AP) Von Donnerstag an ist dies auch für den normalen Fan zu erkennen. In einem Sporthaus am Berliner Bahnhof Zoo wird mit viel Prominenz - Organisationschef Franz Beckenbauer, Bundestrainer Jürgen Klinsmann und der WM-Pokal im Original — der erste offizielle WM-Shop eröffnet. Zum Auftakt der WM sollen es dann bundesweit mehr als 300 sein. Beim Weltfußballverband FIFA sind 70 Mitarbeiter damit beschäftigt, den Nationenkick möglichst ertragreich zu vermarkten. 40 Millionen deutsche Fans Für sich selbst erwartet der Verband Marketing-Einnahmen von rund 600 Millionen Euro. Dem Einzelhandel soll das Geschäft mit den WM-Artikeln in den nächsten beiden Jahren weltweit Einnahmen von mehr als 1,6 Milliarden Euro in die Kassen spülen. Zum Vergleich: Die WM 2002 in Japan und Südkorea brachte 1,2 Milliarden, die WM 1998 in Frankreich eine Milliarde. Der Löwenanteil wird bei der nächsten Weltmeisterschaft wahrscheinlich in Europa eingenommen — mit dem Gastgeberland als größtem Markt. Nach einer Studie der Ruhr-Universität Bochum gibt es allein in Deutschland 40 Millionen Fußball-Anhänger. Außerdem werden während des WM-Monats hier zu Lande eine Million ausländischer Fans erwartet, von denen sich viele erst vor Ort mit den WM-Artikeln eindecken werden. Grund genug für den Handelsriesen KarstadtQuelle, sich beim Münchner Rechtehändler EM.TV mehrere Exklusiv-Lizenzen zu sichern. Der Essener Konzern - heute schon Deutschlands größter Sportartikelhändler mit einem Anteil von zwölf Prozent am Gesamtmarkt von neun Milliarden - ist jetzt der einzige, der Fanartikel in offiziellen WM-Shops verkaufen darf. Die meisten werden in den Karstadt-Warenhäusern zu finden sein. Zudem hält KarstadtQuelle aber auch in den zwölf WM-Stadien die Exklusivrechte. Offen ist noch, wie der TV-Sportsender DSF zur Vermarktung genutzt wird, an dem KarstadtQuelle mit 49,9 Prozent beteiligt ist. Fest steht: Die offizielle WM-Kollektion wird zwei Mal pro Jahr gewechselt. "Wir wollen schließlich Umsatz machen", sagt Konzernsprecher Michael Scheibe. Auf Shirts und Jacken wird das WM-Logo mit den lachenden Mondgesichtern zu sehen sein. Tip und Tap Das offizielle WM-Maskottchen - Nachfolger des Pärchens Tip und Tap von der Deutschland-WM 1974 - wird erst im November präsentiert. Wieviel KarstadtQuelle für die Rechte zahlt, darüber schweigt sich der Konzern aus. Auch beim Rechtehändler EM.TV in München ist darüber nichts in Erfahrung zu bringen. "Darüber haben wir Stillschweigen vereinbart", sagt Unternehmenssprecherin Celia Morgner. Das Vertragsvolumen sei jedoch selbst für eine WM "herausragend". Ansonsten hat EM.TV, der die Merchandising-Lizenzen europaweit vermarktet, bislang zwölf weitere Lizenzen vergeben. So wird Bertelsmann die offiziellen Zeitschriften, Bücher und Kalender drucken. Das schwäbische Familienunternehmen Etuis Duggert sicherte sich die Rechte für Brillenputztücher, die Deumer GmbH aus Lüdenscheid für Schlüsselanhänger, und die Münchner Eder Holding für Anstecknadeln. Bälle und Trikots von Adidas Auf ein Riesengeschäft hofft auch der Sportartikelhersteller Adidas, der zum exklusiven Club der 15 internationalen Partner der WM 2006 gehört. Der Konzern will - wie bei allen großen Turnieren in jüngster Zeit - neue Bälle und Trikots präsentieren. Eine Milliarde Euro Umsatz soll der Fußball im WM-Jahr bringen, sagt Sprecher Oliver Brüggen. "Wir wollen unterstreichen, dass wir weltweit die Fußballmarke Nummer eins sind."
Die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 wird zum Milliardengeschäft. Der erste Shop für WM-Artikel eröffnet schon am Donnerstag in Berlin.
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Fußball-WM - Das Geschäft mit dem Kick
00/05/2010
Die Arbeitslosenquote fiel im vergangenen Monat mit 10,4 Prozent enttäuschend hoch aus - fast ein Prozentpunkt über dem Vorjahresmonat. Trotzdem sieht Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD)positive "Signale". Die Union kontert mit starken Worten Trotz der anhaltend hohen Zahl von Erwerbslosen sieht Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) positive Tendenzen auf dem Arbeitsmarkt. "Derzeit mehren sich die Signale, dass die Konjunktur langsam wieder Fahrt aufnimmt", sagte Clement am Donnerstag in Berlin. Detailansicht öffnen Zu optimistisch? Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) (Foto: Foto: dpa) Dies werde mit einem Zeitverzug von einigen Monaten auch auf dem Arbeitsmarkt spürbar werden. Aus Sicht der Opposition sind dagegen keine Anzeichen für eine Entspannung zu erkennen. "Die Arbeitslosigkeit verfestigt sich auf hohem Niveau", hieß es von der CSU. Der DGB verlangte mehr öffentliche Investitionen, um eine Trendwende zu erreichen. Im August waren 4,314 Millionen Menschen ohne Job. Dies waren knapp 37.800 weniger als im Juli, aber 296.000 mehr als vor einem Jahr. Starker Anstieg im ersten Quartal Die Arbeitslosenquote lag gegenüber dem Vormonat unverändert bei 10,4 Prozent, wie die Bundesanstalt für Arbeit in Nürnberg mitteilte. Vor einem Jahr hatte sie bei 9,6 Prozent gelegen. Nach Angaben von Behördenchef Florian Gerster änderte sich die saisonbereinigte Arbeitslosigkeit im August nicht, nachdem sie im Durchschnitt der vergangenen drei Monate gesunken, im ersten Quartal aber stark gestiegen war. Trübe seien die Aussichten auf dem Lehrstellenmarkt. Dort stünden noch rund 113.100 weniger Ausbildungsplätze zur Verfügung als Bewerber vorhanden seien. Clement hob hervor, die bereits realisierten Reformen am Arbeitsmarkt begännen Wirkung zu zeigen. So entschieden sich immer mehr Arbeitslose für den Weg in die Selbstständigkeit. "Wir werden aber nur dann zu einem deutlichen und anhaltenden Rückgang der Arbeitslosenzahlen kommen, wenn der von uns eingeleitete Reformkurs konsequent fortgesetzt und nicht aufgehalten wird", erklärte der Minister weiter. Clement fordert mehr Ausbildungsplätze Besorgt äußerte sich Clement über die Lage auf dem Ausbildungsmarkt. Ebenso wie auch Bildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) rief der Wirtschaftsminister die Unternehmen erneut auf, mehr Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen. Kritik an Clement übten die Jusos. "Herr Clement scheint mit seiner Ausbildungstour lieber PR-Eigendarstellung zu betreiben, als die Ausbildungsmisere nachhaltig anzugehen", erklärte der stellvertretende Juso-Vorsitzende Björn Böhning. CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer warf der Regierung vor, die wahre Dramatik der Lage durch geschönte Statistiken zu verschleiern. Als Beleg verwies er auf die Zahl der Erwerbstätigen, die im vergangenen Jahr um 622.000 gesunken sei. Von einem "dramatischen Versagen von Rot-Grün in der Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik" sprach der CSU-Wirtschaftsexperte Johannes Singhammer. Er drängte auf eine weitere Flexibilisierung des Arbeitsrechts, um betriebliche Bündnisse für Arbeit zu erleichtern. Auch der CDU-Politiker Karl-Josf Laumann wies darauf hin, die "mit großem Pomp von der Regierung vor einem Jahr verkündeten und eingeführten Hartz-Reformen" hätten "praktisch keine Effekte" erzielt. Liberale: längste Stagnation seit Kriegsende FDP-Vize Rainer Brüderle erklärte, die Regierung sei verantwortlich für die längste Stagnation auf dem Arbeitsmarkt in der deutschen Nachkriegsgeschichte. SPD-Fraktionsvize Ludwig Stiegler rief die Europäische Zentralbank (EZB) auf, die Zinsen weiter zu senken. Von der Geldpolitik müsse ein wesentlicher, zusätzlicher Konjunktur- und Arbeitsmarktimpuls ausgehen, erklärte Stiegler in Berlin. Der SPD-Abgeordnete Klaus Brandner erklärte, der leichte Rückgang der Arbeitslosenzahl widerlege pessimistische Vorankündigungen: "Der Tiefpunkt ist eindeutig überwunden." Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) forderte zusätzliche Maßnahmen, um die Binnenkonjunktur anzukurbeln. (sueddeutsche.de/AFP)
Die Arbeitslosenquote fiel im vergangenen Monat mit 10,4 Prozent enttäuschend hoch aus - fast ein Prozentpunkt über dem Vorjahresmonat. Trotzdem sieht Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD)positive "Signale". Die Union kontert mit starken Worten
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Arbeitslosenzahlen - Clement sieht Land, Meyer sieht schwarz
00/05/2010
Eine Karriere in der deutschen Autoindustrie führt fast immer über BMW. Nahezu alle Top-Positionen in der Branche sind von ehemaligen BMW-Managern besetzt - die damit die Strategie des gesamten Sektors bestimmen. So stammen nicht nur die deutschen Chefs von VW, Ford, Opel und Fiat ursprünglich aus dem Haus des bayerischen Premiumherstellers, sondern auch die Vorstände zahlreicher Zulieferer und Nischenhersteller, berichtet das Wirtschaftsmagazin DMEuro in seiner aktuellen Ausgabe. Detailansicht öffnen Die BMW-Zentrale in München. (Foto: Foto: AP) "Bei BMW lernen Führungskräfte unternehmerisch zu denken, Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen selbstständig zu treffen", erklärt Barbara Hartmann, Autoexpertin der Personalberatung Heidrick & Struggles das Interesse der Konkurrenz an BMW-Managern. Leitstern der Branche Damit wird BMW zum Leitstern der Autobranche. So baut Opel-Vorstandschef Carl-Peter Forster den angeschlagenen Konzern nach dem Modell aus Bayern um. "Er verändert die Strukturen so, wie er es bei BMW erfahren hat: Schneller, direkter, kürzere Wege, autonome Entscheidungen", sagt Personalberaterin Hartmann. VW-Chef Bernd Pischetsrieder führt Führungsleitlinien nach BMW-Vorbild ein und Fiat-Deutschlandchef Klaus Fricke verändert den Vertrieb nach bayerischem Muster. Modell BMW. Seit immer mehr ehemalige BMW-Manager in wichtige Positionen bei der Konkurrenz aufgerückt sind, werden die Strategien des bayrischen Autobauers zum Vorbild. Festes Netzwerk Sei es der Ausbau der Modellpalette, die Organisation des Vertriebs oder die Philosophie der Mitarbeiterführung - BMW prägt die Strukturen der Branche, berichtet das Magazin weiter. Sogar mit einem festen Netzwerk: Regelmäßig trifft sich ein Club von etwa 30 Ex-BMW-Managern, darunter Webasto-Vorstand Wolfgang Thurow und W.E.T.-Automotive-Chef Peter Paul Moll. Zugleich bildet eine aktive Förderung des Managementnachwuchses die Basis dafür, dass der Weggang von Spitzenkräften nicht dazu führt, dass BMW personell ausblutet. "Ohne gute Leute geht's nicht; sie sind das Fundament", sagt BMW-Vertriebsvorstand Michael Ganal. "Einer der gefragtesten Arbeitgeber Europas zu sein ist deswegen für uns eine wichtige Sache", erklärt er und ergänzt selbstbewusst: "Wir haben die Nase vorn, weil wir die besten Mitarbeiter kriegen."
Eine Karriere in der deutschen Autoindustrie führt fast immer über BMW. Nahezu alle Top-Positionen in der Branche sind von ehemaligen BMW-Managern besetzt - die damit die Strategie des gesamten Sektors bestimmen.
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BMW-Manager - Aus Freude am Führen
00/05/2010
Die Deutschen haben eines der kompliziertesten Steuersysteme der Welt - und eines der ineffektivsten. Peer Steinbrück versucht das Problem jetzt mit Pragmatismus zu lösen. Die Kunst der Besteuerung besteht darin, "die Gans so zu rupfen, dass man möglichst viel Federn bei möglichst wenig Geschrei bekommt". An diese Erkenntnis von Jean-Baptiste Colbert, dem Finanzminister Ludwigs XIV sollte sich in diesen Tagen der eine oder andere in Berlin erinnern, vielleicht auch in der etwas vornehmeren Fassung, die von Friedrich II überliefert ist: Steuern sollen den Staat finanzieren, ohne die Bürger zu "bedrücken". Weil diese klaren Maßgaben in der Bundesrepublik jahrzehntelang missachtet wurden, weil alles mögliche ins Steuerrecht hineingepackt wurde, haben die Deutschen heute eines der kompliziertesten Steuersysteme der Welt - und eines der ineffektivsten. Die Gans wird gerupft, aber sie liefert immer weniger Federn. Mindestens zehn Jahre Arbeit Experten arbeiten seit mindestens zehn Jahren an einer großen Reform, die das Steuerrecht radikal vereinfacht, zu niedrigeren Sätzen und einer gleichmäßigeren Besteuerung führt. Es war einer der schwersten Fehler der großen Koalition, dieses Projekt aufgegeben zu haben. Und wie die Dinge liegen, ist diese Entscheidung auch kaum noch zu revidieren. Merkel, Müntefering und Steinbrück erhöhen die Mehrwertsteuer - ohne die Mehreinnahmen für Systemverbesserungen zu nutzen, sie halten an der antiquierten Gewerbesteuer fest und irgendwann werden sie dem Land wohl noch einen Gesundheitssoli bescheren. Das ist die schlechte Nachricht. Und jetzt die gute: Unter den miserablen Vorgaben hat Finanzminister Steinbrück ein recht vernünftiges Konzept für die Reform der Unternehmensteuern vorgelegt. Stellung Deutschlands könnte sich verbessern Die Eckpunkte kommen an diesem Mittwoch ins Kabinett, und wenn alles gut geht wird, könnte sich die Stellung Deutschlands im Wettbewerb der Steuersysteme danach deutlich verbessern. Die Gefahr liegt, darin, dass das Gesetz zerredet und zerpflückt wird, weil es in einigen Punkten der Gerechtigkeit und dem ökonomisch Nächstliegenden zu widersprechen scheint.
Die Deutschen haben eines der kompliziertesten Steuersysteme der Welt - und eines der ineffektivsten. Peer Steinbrück versucht das Problem jetzt mit Pragmatismus zu lösen.
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Unternehmenssteuern - Die Gans effektiv rupfen
00/05/2010
Weil Abgase die schöne kalifornische Luft verpessten, will die Regierung nun sechs große Autohersteller zur Verantwortung ziehen. Der millionenschwere Prozess könnte wegweisend sein. Mit einer weltweit einzigartigen Musterklage will Kalifornien sechs große Autokonzerne für die Klimaerwärmung zur Rechenschaft ziehen. Der US-Bundesstaat reichte Klage gegen Chrysler, General Motors und Ford sowie die Nordamerika-Filialen der japanischen Autobauer Toyota, Honda und Nissan ein. Ihre Fahrzeuge verpesten aus Sicht Kaliforniens die Luft mit dem Treibhausgas Kohlendioxid (CO2). Detailansicht öffnen Autobagase beschleunigen den Treibhauseffekt. (Foto: Foto: ap) Damit will der konservative Gouverneur Arnold Schwarzenegger offenbar sein Image als radikaler "Grüner" stärken. Schwarzenegger steht im November zur Wiederwahl. "Erhebliche gesundheitliche und wirtschaftliche Schäden" In der Klage heißt es, die Unternehmen hätten durch die Herstellung von "MillionenFahrzeugen, die zusammen enorme Mengen an Kohlendioxid ausstoßen", eine "öffentliche Belästigung" geschaffen. Die Klimaerwärmung füge der Umwelt, Wirtschaft, Landwirtschaft Kaliforniens und der Gesundheit derBevölkerung "erheblichen Schaden zu", ergänzte der kalifornische Justizminister Bill Lockyer. Das Vorgehen ist selbst in den Vereinigten Staaten einmalig. Laut Lockyer machen Autoabgase fast 20 Prozent des in den USA ausgestoßenen Kohlendioxids aus; in Kalifornien sogar 30 Prozent. Kalifornien ist mit 35 Millionen Einwohnern der bevölkerungsreichste Bundestaat der USA. Die Hauptstadt Los Angeles führt gewöhnlich die Liste der am meisten verschmutzten Städte der USA an. Kalifornien gebe Millionen Dollar für den Kampf gegen die Folgen der Umweltverschmutzung aus, betonte Justizminister Lockyer, der zugleich Generalstaatsanwalt des Landes ist. Kein Kommentar von den Firmen Die Autobauer reagierten zunächst zurückhaltend auf die Klage. Toyota-Chef Fujio Cho wollte den Schritt zunächst nicht kommentieren. "Ich kenne die Details nicht." Auch Nissan und Honda gaben zunächst keine Stellungnahme ab. In Japan hatten Asthmapatienten vor Jahren bereits Autokonzerne wie Nissan und Toyota wegen angeblicher Schäden durch Dieselruß verklagt. Ein Gericht hatte 2002 dann aber lediglich die Regierungen von Japan und der Hauptstadt Tokio zur Verantwortung gezogen, nicht die Konzerne selbst. Die Umweltschutzorganisation Germanwatch sprach von einem "wegweisenden Fall": "Wer andere Menschen schädigt, muss erstens diese Schädigung einstellen. Und zweitens die Geschädigten kompensieren", erklärte der politische Geschäftsführer Chrisoph Bals am Donnerstag in Berlin. USA für ein Viertel der weltweiten Treibhausgase verantwortlich Die Vereinigten Staaten sind für ein Viertel aller weltweit ausgestoßenen Treibhausgase verantwortlich und sind damit in den Augen von Umweltschützern der größte Klimasünder. Bisher weigert sich Präsident George W. Bush aber, dem internationalen Kyoto-Klimaschutzprotokoll beizutreten. Sein Parteifreund Schwarzenegger fährt dagegen einen Konfrontationskurs: Er will Ende September ein Gesetz verkünden, das einen reduzierten Ausstoß von Treibhausgasen vorschreibt. Damit wäre Kalifornien der erste US-Bundesstaat, der sich an die Vorgaben von Kyoto hält. Erst am Mittwoch hatte Schwarzenegger Bush in einem Beitrag für die britischen Zeitung "Guardian" herausgefordert. Die Überschrift lautete: "Schauen Sie beim Klimaschutz auf Kalifornien, nicht auf die USA".
Weil Abgase die schöne kalifornische Luft verpessten, will die Regierung nun sechs große Autohersteller zur Verantwortung ziehen. Der millionenschwere Prozess könnte wegweisend sein.
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Umweltgifte aus dem Auspuff - Schwarzenegger klagt gegen Autokonzerne
00/05/2010
Bundesfinanzminister Hans Eichel will die Steuervorteile für geschlossene Fonds abschaffen. In der Branche setzte nach Bekanntwerden der Pläne quasi ein Schlussverkauf ein. Das Kabinett beschloss Mitte der Woche seinen Gesetzentwurf zur Begrenzung der Verlustzuweisung. Mit den erhofften zusätzlichen Steuereinnahmen daraus sollen die Änderungen der Unternehmensbesteuerung finanziert werden. Betroffen sind alle Fonds mit Verlustzuweisungen von mehr als zehn Prozent. Sie können ihre negativen Steuerergebnisse - so sieht es zumindest der Entwurf vor - nicht mehr an die Anleger zur Verrechnung mit anderen Einkünften weitergeben. Mit dem neuen Gesetz sollen die Modelle also ihren größten Pluspunkt verlieren. Die Verluste aus den Beteiligungen sollen nur noch mit späteren Gewinnen aus derselben Gesellschaft verrechnet werden können. Lediglich für Beteiligungen, deren Außenvertrieb vor dem 18. März 2005 begonnen hat und denen Investoren bis zum am 4. Mai beigetreten sind, gelten noch die bisherigen Bedingungen. Diese kurze Frist hatte für Verwirrung gesorgt, denn zunächst war vom 30. September 2005 die Rede. Telefone stehen nicht mehr still In der Fondsbranche setzte nach Bekanntwerden der kürzeren Frist quasi ein Schlussverkauf ein. Bei manchen Anbietern standen die Telefone und Faxgeräte nicht mehr still. Vertriebler schoben am Wochenende Extraschichten, um die Wünsche der Kunden entgegenzunehmen. Manche Initiatoren platzierten innerhalb weniger Tage so viele Anteile wie sonst in mehreren Monaten. Für die Investoren seien solche Schnellschüsse nicht ohne Risiko, warnt Fondsexperte Stefan Löwer. "Mancher hat vielleicht noch einen Anteil erworben, ohne sich die Risiken des Fonds genauer anzuschauen." Langfristiges Engagement Bei geschlossenen Fonds handelt es sich um eine unternehmerische Beteiligung, und zwar auf lange Zeit, meist zehn bis fünfzehn Jahre. Die Initiatoren sammeln Geld für ein bestimmtes Projekt ein. Je nach Typ - etwa Schiffsfonds, Immobilienfonds oder Medienfonds - investieren die Fonds in den Bau neuer Containerschiffe, Bürohochhäuser oder Filme. "Einige Initiatoren haben wohl ein sensationelles Geschäft gemacht", berichtet der Fondsanalyst Stefan Loipfinger. Probleme könnten nun aber die Fonds bekommen, deren Anteile noch nicht vollständig platziert worden seien, ergänzt er. "Es wird nicht einfach, die restlichen Anteile unter den neuen steuerlichen Bedingungen zu verkaufen." Von den Plänen des Bundesfinanzministers Hans Eichel sind besonders Medien-, Windpark- und Wertpapierfonds betroffen. Denn gerade diese Beteiligungen weisen extrem hohe Verluste aus. Rendite ohne Vorzugsbehandlung Etliche geschlossene Immobilienfonds sind dagegen schon jetzt so kalkuliert, dass sie auch ohne steuerliche Vorzugsbehandlung eine ansehnliche Rendite erwirtschaften.
Bundesfinanzminister Hans Eichel will die Steuervorteile für geschlossene Fonds abschaffen. In der Branche setzte nach Bekanntwerden der Pläne quasi ein Schlussverkauf ein.
wirtschaft
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Steuervorteile sollen abgeschafft werden - Schlussverkauf bei Sparfonds
00/05/2010
Die Investmentbank Morgan Stanley warnt in einem Gutachten für die Regierung besonders vor "Finanzierungslücken bei Großprojekten" und fordert ein "deutliches Entgegenkommen des Bundes". Das geht aus einem internen Vermerk der Regierung hervor. Das Staatsunternehmen DB bekommt vom Bund in den nächsten Jahren nicht genügend Geld für den zügigen Weiterbau der sieben Milliarden teuren ICE-Strecke von Nürnberg über Erfurt nach Leipzig. Auch die Lücke im ICE-Netz zwischen Mannheim und Frankfurt am Main kann nicht geschlossen werden, und beim Bau einer Hochgeschwindigkeitslinie von Stuttgart nach München gibt es offenbar ebenfalls Finanzierungsprobleme. Hinzu kommt, dass die Bahn bei abgeschlossenen oder noch laufenden Großprojekten bislang unbezahlte Mehrkosten von zwei Milliarden Euro verkraften muss. "Die Braut wird ausgeplündert" "Bauruinen zwischen Nürnberg und Erfurt und große Lücken im ICE-Netz sind das denkbar schlechteste Fundament für einen Börsengang der Bahn", kritisiert der Verkehrsexperte der Union im Bundestag, Dirk Fischer. In der Regierungskoalition zeichnet sich inzwischen ein heftiger Krach ab. Der Abgeordnete Albert Schmidt von den Grünen wirft Finanzminister Hans Eichel (SPD) vor, bei den Mitteln für die Schiene die Milliardenbeträge bereits abzuziehen, die der Bahn bei einem Verkauf von Aktien zugute kommen könnten. "Die Braut wird nicht geschmückt, sondern ausgeplündert." Sollten sich deshalb keine privaten Investoren auftreiben lassen, "dann bleibt die Bahn auf der Strecke". Verkehrsminister Manfred Stolpe will Abgeordnete von SPD und Grünen am Sonntagmorgen über seine Bahnpläne informieren, Oppositionspolitiker sind nicht geladen. Der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Bundestag, Eduard Oswald (CSU), verwahrt sich gegen "diese Geheimniskrämerei" und fordert, dem Parlament das Gutachten von Morgan Stanley zu übergeben. Die Finanznöte der Regierung bringen die Bahn auch anderweitig zunehmend in Bedrängnis. Das Unternehmen kann in diesem Jahr voraussichtlich nicht einmal die von 4,3 auf 3,5 Milliarden Euro reduzierten Mittel für die Schiene verbauen. Mehdorn kann nicht bauen Bei vielen Projekten wartet Bahnchef Hartmut Mehdorn wegen des langen Entscheidungsprozesses in der Regierung noch auf verbindliche Finanzierungs-Zusagen. Um zu verhindern, dass deshalb Mittel für Verkehrsinvestitionen verloren gehen, will Stolpes Ressort in diesem Jahr bis zu 600 Millionen Euro von der Schiene zum Straßenbau umschichten und so vor dem Zugriff von Finanzminister Eichel retten. Ab 2005 soll das Geld dann in Raten wieder an die Bahn zurückfließen und für den Ausbau des Streckennetzes eingesetzt werden. Das ist einer internen Vorlage des Verkehrsministeriums für Stolpe zu entnehmen.
Die Investmentbank Morgan Stanley warnt in einem Gutachten für die Regierung besonders vor "Finanzierungslücken bei Großprojekten" und fordert ein "deutliches Entgegenkommen des Bundes". Das geht aus einem internen Vermerk der Regierung hervor.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/bahn-teure-ice-strecken-blockieren-boersengang-1.906614
Bahn - Teure ICE-Strecken blockieren Börsengang
00/05/2010
Der französische Luxusgüterkonzern PPR bleibt auch offiziell bei seinem Angebot von 330 Euro pro Aktie - das Aus für viele Hoffnungen auf große Gewinne. Aktionäre murren über den Preis und auch über den Verkauf an sich. Der französische Luxusgüterkonzern PPR hat sein angekündigtes Übernahmeangebot für Puma mit der offiziellen Veröffentlichung nicht aufgebessert. Detailansicht öffnen Sportartikel des fränkischen Herstellers - Nach den Plänen von PPR künftig unter einem Dach mit Gucci und Yves Saint-Laurent. (Foto: Foto: dpa) PPR strebt den vollständigen Erwerb des fränkischen Sportartikelherstellers für rund 5,3 Milliarden Euro an. Das von Pinault-Printemps-Redoute am Montag vorgelegte Angebot an die Anleger beträgt wie angekündigt 330 Euro je Aktie und liegt damit rund drei Euro unter dem aktuellen Börsenkurs des fränkischen Sportartikelherstellers. Wie Puma-Sprecher Ulf Santjer auf Anfrage mitteilte, wollen Vorstand und Aufsichtsrat ihre Entscheidung innerhalb der nächsten zehn Werktage in einer gemeinsamen Stellungnahme bekannt geben. Entscheidung in zwei Wochen Die nächste Aufsichtsratssitzung sei für den 23. Mai vorgesehen. Die Aktionäre hätten nun bis zum 20. Juni Zeit, ihre Anteilsscheine an die PPR-Tochtergesellschaft Sapardis zu verkaufen. Ihre Entscheidung wird voraussichtlich am 27. Juni veröffentlicht. PPR hatte bereits im April 27,1 Prozent an Puma mit Sitz in Herzogenaurach erworben und hierfür die Anteile des bisherigen Großaktionärs Günter Herz gekauft. Zu PPR gehören bekannte Marken wie Gucci und Yves-Saint-Laurent. Puma-Vorstandschef Jochen Zeitz hatte die Kaufofferte von PPR von Anfang an als "klares freundliches Übernahmeangebot" bezeichnet. Auf der Hauptversammlung im April rief er seine Aktionäre dazu auf, die Offerte anzunehmen. Die Partnerschaft biete zahlreiche Chancen, Arbeitsplätze oder gar Firmenstandorte seien nicht in Gefahr. PPR bestätigte am Montag, dass Puma selbstständig fortbestehen werde. "Unnötige Übernahme" Es sei gegenwärtig auch kein Gewinnabführungsvertrag geplant. Die Puma-Aktionäre kritisierten das Angebot indes als zu niedrig. Grundsätzlich sei der Einstieg von PPR zwar gut für das Unternehmen und dessen Arbeitsplätze, eine vollständige Übernahme aber unnötig. Der Angebotspreis von 330 Euro beinhaltet laut PPR eine Prämie von 24 Prozent bezogen auf den durchschnittlichen Börsenkurs des letzten Monats vor dem 3. April, als erste Gerüchte über die geplante Übernahme aufkamen. Puma setzte im vergangenen Jahr 2,4 Milliarden Euro um und erwirtschaftete einen Gewinn um 263,2 Millionen Euro. Weltweit beschäftigt Europas Nummer zwei unter den Sportausrüstern 7.742 Mitarbeiter, davon 992 in Deutschland. PPR rechnet nicht mit Einwänden von Wettbewerbshütern. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hatte das Angebot am 10. Mai genehmigt.
Der französische Luxusgüterkonzern PPR bleibt auch offiziell bei seinem Angebot von 330 Euro pro Aktie - das Aus für viele Hoffnungen auf große Gewinne. Aktionäre murren über den Preis und auch über den Verkauf an sich.
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PPR-Übernahmeangebot - Puma: Der alte Preis bleibt
00/05/2010
Zwei komplett unterschiedliche Kandidaten tragen das Rennen um den französischen Präsidentensessel aus. Das Wahlergebnis beeinflußt die zukünftige Wirtschaftspolitik - nur bei den Themen Zentralbank und Airbus gleichen sich die Programme. Ein klares Ergebnis: 42 Prozent der Befragten wollen für den konservativen Kandidaten Nicolas Sarkozy stimmen, lediglich neun Prozent für die Sozialistin Ségolène Royal. Detailansicht öffnen Frankreichs Wirtschaft vor der Wahl (Foto: Grafik: SZ) Doch ist dies nur Resultat einer Umfrage unter Selbständigen - in der gesamten Bevölkerung liegen die beiden wichtigsten Bewerber für das Amt des französischen Präsidenten kurz vor dem ersten Wahlgang am Sonntag Kopf an Kopf. Bei der zukünftigen Wirtschaftspolitik könnte der Ausgang des Rennens einen großen Unterschied machen, denn die Programme der zwei Politiker weichen stark voneinander ab - wie schon das Urteil der Unternehmer erahnen lässt. Erhöhung des Mindestlohns So will die 53-jährige Royal den Mindestlohn von derzeit 984 Euro nach Steuern auf 1.500 Euro brutto heraufsetzen und den sozialen Wohnungsbau ausdehnen. Um die hohe Jugendarbeitslosigkeit zu senken, verspricht die Sozialistin einer halben Million junger Menschen eine Jobgarantie: Kleinbetriebe, die erwerbslose Ausbildungsabbrecher einstellen, erhalten ein Jahr lang die Löhne vom Staat erstattet. Wie das alles zu finanzieren sei, hat die Kandidatin nicht verraten. Außerdem droht Royal an, dass Firmen, die Beschäftigte entlassen, öffentliche Hilfen zurückzahlen müssen. Mittelständler will sie bei öffentlichen Ausschreibungen bevorzugen. Michael Hüther, Direktor des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft, ist nicht begeistert: "Royals Programm ist aus der Instrumentenkiste der siebziger Jahre gespeist." Gemeinsamkeiten zwischen Royal und Sarkozy sind, dass beide das Sanierungsprogramm "Power 8" für den Flugzeugbauer Airbus in Frage stellen und dass beide Druck auf die Europäische Zentralbank ausüben wollen: Die Währungshüter sollen die Stärke des Euro gegenüber dem Dollar bekämpfen. Schwerpunkt: Arbeitsmarktpolitik Der Schwerpunkt von Sarkozys Programm liegt aber wie bei Royal im Bereich der Arbeitsmarktpolitik. Sarkozy will den Zusatzverdienst durch Überstunden von Steuern befreien und damit die 35-Stunden-Woche, die die Sozialisten eingeführt haben, de facto aushebeln. Die strikte Trennung zwischen unbefristeten und befristeten Arbeitsverträgen möchte der Konservative aufweichen. Zudem verspricht der Politiker, die Körperschafts- und Erbschaftssteuer zu verringern; Hypothekentilgungen sollen von der Steuer absetzbar sein. Im Staatsdienst will er die Hälfte der Stellen, die durch Pensionierung frei werden, nicht wiederbesetzen. Auch eine Rentenreform kündigt der 52-Jährige an. Damit sei Sarkozy insgesamt wirtschaftsfreundlicher als Royal, sagt Nicolas Sobczak von der Investmentbank Goldman Sachs in Paris. Dass Firmen und Anleger Präsidentschaftswahlen sehr ernst nehmen, zeigt das Beispiel François Mitterand: Als der Sozialist 1981 an die Macht kam, stürzte der CAC 40, der Leitindex der französischen Börse, um 30 Prozent ab.
Zwei komplett unterschiedliche Kandidaten tragen das Rennen um den französischen Präsidentensessel aus. Das Wahlergebnis beeinflußt die zukünftige Wirtschaftspolitik - nur bei den Themen Zentralbank und Airbus gleichen sich die Programme.
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Frankreichs Wirtschaft vor der Wahl - Vereint im Kampf gegen den starken Euro
00/05/2010
Der US-Milliardär Kirk Kerkorian hat bei seiner Milliardenklage gegen DaimlerChrysler einen Etappensieg errungen. Der Antrag des Autokonzerns auf Einstellung des Verfahrens wurde abgewiesen — Schrempp muss nun Anfang Dezember persönlich vor Gericht erscheinen. DaimlerChrysler scheiterte mit dem Antrag, das Verfahren ohne Verhandlung zu beenden. Der Autobauer muss sich somit vom 1. Dezember an wegen angeblicher Täuschung von Aktionären im Zusammenhang mit der Fusion von Daimler und Chrysler vor Gericht verantworten. DaimlerChrysler erklärte am Samstag in Stuttgart, die Vorwürfe entbehrten jeder Grundlage. Man sei zuversichtlich, dass sich dies im Prozess herausstellen werde, wenn die Gegenseite ins Kreuzverhör genommen werde. DaimlerChrysler geht von einem nur wenige Tage dauernden Prozess aus. Kein Schuldeingeständnis Im vergangenen August hatte sich der Stuttgarter Autobauer mit einer Gruppe von Kleinaktionären, außergerichtlich geeinigt und 300 Millionen Dollar gezahlt; dies sei aber kein Schuldeingeständnis gewesen, hatte der Konzern betont. Die Klage gegen DaimlerChrysler wurde von Tracinda, der Firma des früheren Chrysler-Großaktionärs Kirk Kerkorian eingereicht. Tracinda beschuldigt DaimlerChrysler, die Investoren über die Art der Fusion belogen zu haben. Sie sei anders als vom Unternehmen behauptet kein Zusammenschluss unter Gleichen sondern eine Übernahme von Chrysler durch Daimler gewesen. Kerkorian, der vor der Fusion im Jahr 1998 fast 14 Prozent der Chrysler-Anteile hielt, soll auf Grund massiver Aktienkurs-Verluste seit dem Zusammenschluss drei Milliarden Dollar verloren haben. Schadensersatzforderung Diese Summe fordert er von DaimlerChrysler als Schadensersatz, heißt es in dem Bericht. DaimlerChrysler hatte in den Voruntersuchungen des Prozesses argumentiert, die damaligen Chrysler-Manager hätten auch heute erklärt, dass die zwischen Chrysler und Daimler-Benz geschossenen Vereinbarung vollständig und sachgerecht umgesetzt worden sei. Alle damaligen elf Board-Mitglieder von Chrysler würden heute wieder für den Zuammenschluss in dieser Form stimmen. Kerkorian selbst sei 1998 zu dem Schluss gekommen, die Fusion sei zwingend notwendig gewesen. In der 38-seitigen Gerichtsbegründung aus Delaware hieß es weiter, es gebe genügend Beweise dafür, dass Kerkorian zurecht an eine Fusion unter Gleichen geglaubt und nur deshalb dem Zusammenschluss zugestimmt habe. Kommunikationskampagne Die Unternehmensführung "habe eine groß angelegte Kommunikationskampagne gestartet, um ihr Vorhaben zu verschleiern, die Kontrolle über Chrysler zu übernehmen", wird das Gericht zitiert. Ende 2000 jedoch hatte der DaimlerChrysler-Vorstandsvorsitzende Jürgen Schrempp in einem Interview mit der Financial Times zugegeben, dass die Fusion von Beginn an als Übernahme geplant wurde. In diesem Fall hätte Daimler Benz den Chrysler-Aktionären eine zusätzliche Prämie von zehn Milliarden Dollar zahlen müssen, heißt es in der Klage von Kerkorian.
Der US-Milliardär Kirk Kerkorian hat bei seiner Milliardenklage gegen DaimlerChrysler einen Etappensieg errungen. Der Antrag des Autokonzerns auf Einstellung des Verfahrens wurde abgewiesen — Schrempp muss nun Anfang Dezember persönlich vor Gericht erscheinen.
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DaimlerChrysler - Kerkorian zerrt Schrempp vor Gericht
00/05/2010
Trotz engagierter Mülltrennung der Bundesbürger muss der Grüne Punkt schwere Zeiten durchstehen. Pfandpflicht, wachsender Wettbewerb und neue Sortiertechniken machen dem Trenn-System zu schaffen. Hans-Peter Repnik, der Vorstandsvorsitzende des Dualen System Deutschland (DSD), liebt es anschaulich. So sei durch das Recycling von Verkaufsverpackungen im vergangenen Jahr eine Energiemenge eingespart worden, die ausreiche, um für jeden der 83 Millionen Bundesbürger drei Jahre lang täglich zwei Brötchen zu backen. Detailansicht öffnen (Foto: Foto: ddp) Darüber hinaus sei der Ausstoß von 1,32 Millionen Tonnen klimaschädlicher Treibhausgase vermieden worden, was wiederum der Emission von 25 Milliarden Bahnkilometern entspreche, betonte Repnik bei der Vorstellung der Umweltbilanz 2003 am Montag in Bonn. Auch im vergangenen Jahr hätten die Bundesbürger "engagiert" ihren Abfall getrennt und auf diese Weise zur Einsparung natürlicher Ressourcen beigetragen. Nicht leugnen konnte Repnik indessen, dass die mit dem Grünen Punkt gekennzeichneten Mengen an Verpackungsmüll erstmals seit Bestehen des DSD binnen Jahresfrist deutlich von 6,32 auf 5,99 Millionen Tonnen zurückgegangen sind. Deutlich weniger Verpackungsmüll Grund dafür war die zu Jahresbeginn 2003 in Kraft getretene Pfandpflicht für bestimmte Getränkeverpackungen aus Glas, Kunststoff und Aluminium, die damit dem Lizenzsystem des Grünen Punktes entzogen wurden. Das machte sich nicht nur bei der Menge der gesammelten Abfälle, sondern auch bei deren Qualität deutlich bemerkbar, weil dadurch einige besonders günstig zu verwertende Materialien, wie etwa PET, wegfielen. Insgesamt habe der Grüne Punkt durch das Dosenpfand beim Verpackungsmüll im Jahr 2003 Einbußen von rund 300 Millionen Euro erlitten, so Repnik. Den Bürger kostete das Grüne-Punkt-System im Jahr 2003 rund 20 Euro pro Kopf. Unabhängig von dieser Entwicklung, die das DSD schon im vergangenen Jahr kräftig beutelte, haben die Manager des Grünen Punktes aber auch in Zukunft wenig Gutes zu erwarten. So verlor das Duale System inzwischen unter Mitwirkung der Kartellbehörden in Brüssel und Bonn sowohl in Hessen als auch in Hamburg seine bisherige Monopolstellung als Verpackungsmüll-Entsorger. Konkurrenzstreitigkeiten Die beiden Wettbewerber - Interseroh und Landbell - dürfen in beiden Bundesländern inzwischen sowohl das Lizenzzeichen als auch die Infrastruktur der gelben Tonnen und Säcke benutzen, was den Marktführer derart ärgert, dass er diese Frage vom Europäischen Gerichtshof klären lässt. Mit offensichtlich wenig Begeisterung geht das DSD im Übrigen der Frage nach, ob die Trennung von Verpackungsmüll und restlichem Haushaltsmüll zumindest in Ballungsgebieten, wo diese meist recht lasch gehandhabt wird, aufgegeben werden sollte. Selbst wenn die derzeit laufenden Pilotversuche mit neuen Sortiertechniken regional erfolgreich verliefen, bedeute das noch lange nicht die flächendeckende Abkehr von der Getrenntsammlung, wiegelte Repnik ab.
Trotz engagierter Mülltrennung der Bundesbürger muss der Grüne Punkt schwere Zeiten durchstehen. Pfandpflicht, wachsender Wettbewerb und neue Sortiertechniken machen dem Trenn-System zu schaffen.
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Weniger Abfall - Der Grüne Punkt sieht rot
00/05/2010
Der Irak-Krieg und massive Steuererleichterungen hinterlassen Schleifspuren im amerikanischen Haushalt: Der Fehlbetrag steigt im nächsten Jahr auf 480 Milliarden Dollar. (SZ vom 27.08.03) - Das überparteiliche Haushaltsbüro des US-Kongresses schätzt den Fehlbetrag auf 480 Milliarden Dollar. In diesem Jahr wird das Defizit 401 Milliarden Dollar betragen. Erst 2012 soll es wieder Überschüsse geben. Das US-Präsidialamt hatte im Juli das Defizit für 2004 mit 475 Milliarden Dollar vorhergesagt, für 2003 mit 455 Milliarden Dollar. Die unterschiedlichen Schätzungen kommen nach Angaben des Haushaltsbüros des Kongresses dadurch zustande, dass die Regierung für den Irak-Krieg bereits eingestellte Summen langsamer ausgebe als zunächst geplant. Bisheriger Rekord unter George Bush senior Das bisher höchste Haushaltsdefizit wurde mit 290 Milliarden Dollar 1992 erreicht. Damals war George Bush senior, Vater von George W. Bush, Präsident. Neben dem Irak-Krieg schlagen in den beiden Jahren Mindereinnahmen durch die Steuersenkungen der republikanischen Regierung unter Präsident George W. Bush zu Buche. Von den Steuersenkungen erhoffte sich die Regierung Anreize für eine schnelle Erholung der Konjunktur. Das Haushaltsbüro wies darauf hin, dass die absoluten Zahlen zwar neue Rekorde darstellten, gemessen am Bruttoinlandsprodukt seien sie jedoch mit ungefähr vier Prozent kleiner als die Defizite Mitte der achtziger Jahre. Noch schlechtere Zahlen erwartet Die Demokraten hatten noch schlechtere Zahlen erwartet. Ihr Haushaltsbüro geht 2004 von einem Defizit von 495 Milliarden Dollar aus. Der demokratische Abgeordnete John Spratt hatte zuvor erklärt, der Fehlbetrag werde möglicherweise sogar die Grenze von 500 Milliarden Dollar erreichen. Spratt verwies darauf, dass die Schätzungen bereits eine Wachstumsrate von drei Prozent zugrunde legten. Er verwies darauf, dass in den langfristigen Schätzungen mehrere Kosten nicht enthalten seien, darunter die 1,2 Billionen Dollar, die Bushs Steuersenkungen nach 2010 kosten sowie die 400 Milliarden Dollar, die die geplante Gesundheitsreform in den nächsten zehn Jahren kosten soll. "Wir haben ein strukturelles Defizit, daran gibt es keinen Zweifel mehr", sagte Spratt. "Politisch bedeutend" Bill Hoagland, Haushaltsexperte des republikanischen Mehrheitsführers im Senat, Bill Frist, räumte vor der Bekanntgabe der Zahlen ein: "Es wird eine große Zahl sein und sie wird politisch bedeutend sein." Unterdessen nehmen die Anzeichen zu, dass sich in den Vereinigten Staaten der Aufschwung stabilisiert. Das Vertrauen der Verbraucher ist im August stärker gestiegen als von Analysten erwartet. Der vom privaten Forschungsinstitut Conference Board ermittelte Index kletterte auf 81,3 von revidiert 77,0 Punkten im Juli, wie das Institut am Dienstag mitteilte. Analysten hatten einen geringeren Anstieg erwartet. Der Auftragseingang für langlebige Industriegüter in den USA ist im Juli vor allem wegen kräftiger Nachfrage nach Autos gestiegen. Das Volumen der Neuaufträge für Gebrauchsgüter mit einer Nutzungszeit von mehr als drei Jahren habe zum Vormonat um ein Prozent zugelegt, teilte das Handelsministerium am Dienstag in Washington mit. Analysten hatten im Durchschnitt ein Plus von 0,9 Prozent prognostiziert, nachdem der Auftragseingang im Juni noch um 2,6 Prozent gestiegen war. Bester Verkaufsmonat des Jahres Die Nachfrage nach Autos und Automobilteilen legte um 5,5 Prozent zu. US-Autokonzerne gehen davon aus, dass der Juli wegen der Kaufanreize und der niedrigen Zinsen der beste Verkaufsmonat des Jahres sein wird. Die Neuaufträge für Maschinen legten um 1,8 Prozent zu, die für Computer und Elektronikprodukte um 1,9 Prozent. Der Immobilienmarkt zeigte sich überraschend robust, nachdem Experten Befürchtungen geäußert hatten, die steigenden Zinsen könnten eine Spekulationsblase platzen lassen. Die Zahl der Hausverkäufe erreichte im Juli mit einem Plus von fünf Prozent einen neuen Rekord von 6,12 Millionen nach 5,94 Millionen im Juni. Eine Erklärung ist, dass viele Investoren noch einmal zugreifen wollen, bevor die Zinsen noch stärker steigen. Der Immobilienmarkt ist in den letzten Monaten zu einer wichtigen Konjunktur-Stütze geworden, nachdem die niedrigen Zinsen einen Investitionsboom ausgelöst hatten.
Der Irak-Krieg und massive Steuererleichterungen hinterlassen Schleifspuren im amerikanischen Haushalt: Der Fehlbetrag steigt im nächsten Jahr auf 480 Milliarden Dollar.
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Haushaltsjahr 2004 - USA erwarten ein Rekorddefizit
00/05/2010
Der in der Affäre um eine angebliche Begünstigung der Alternativ-Gewerkschaft AUB verhaftete Siemens-Vorstand Johannes Feldmayer ist aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Der Top-Manager soll inzwischen umfangreich ausgesagt haben. Feldmayer verließ die Justizvollzugsanstalt Bamberg am Mittwoch Mittag. Er kam unter Auflagen frei, darunter offenbar eine Kaution. Dennoch gehen die Ermittlungen gegen Feldmayer weiter. Feldmayer war nach Informationen der Süddeutschen Zeitung in den vergangenen Tagen mehrfach vernommen worden und soll dabei umfangreich ausgesagt haben. Weder sein Anwalt noch ein Justizsprecher wollten sich dazu äußern. Eine rasche Rückkehr des beurlaubten Top-Managers auf seinen Posten werde es wahrscheinlich nicht geben, verlautete aus Konzernkreisen. Die Siemens-Spitze bemühe sich bereits um eine Lösung für das vakante Amt. Ein Konzernsprecher verwies lediglich auf die Beurlaubung Feldmayers: ,,Weitere Entscheidungen gibt es bislang nicht.'' Vorwurf der Untreue Die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth wirft dem 50-Jährigen Untreue vor. Er soll dem Gründer der Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Betriebsangehöriger (AUB), Wilhelm Schelsky, Millionen aus der Siemens-Kasse zugeschanzt haben. Die Justiz lastet ihm und weiteren Beschäftigten des Technologiekonzerns an, seit 2001 Zahlungen von bis zu 34 Millionen Euro an Schelsky, veranlasst zu haben, ohne dass dieser nennenswerte Gegenleistungen erbracht habe. ,,Ein dringender Tatverdacht ist weiterhin gegeben'', sagte der zuständige Richter am Oberlandesgericht, Andreas Quentin. Der außer Vollzug gesetzte Haftbefehl bestehe fort. "Fluchtgefahr besteht nicht mehr" Unmittelbare Fluchtgefahr bestehe nicht mehr, erklärte die Staatsanwaltschaft. Sollte Feldmayer allerdings gegen die vom Gericht verhängten Auflagen verstoßen, könne er wieder in Untersuchungshaft genommen werden. Der Siemens-Manager war am Dienstag vergangener Woche als erster aktiver Zentralvorstand in der Siemens-Affäre inhaftiert worden, nachdem die Staatsanwälte ihn drei Stunden lang in seinem Büro vernommen hatten. Feldmayer war zuvor von seiner Sekretärin herbei telefoniert worden. Nach inoffiziellen Angaben aus Justizkreisen bestand wegen zahlreicher Auslandskontakte Fluchtgefahr.Diese Begründung löste nicht nur bei Siemens Kopfschütteln aus. ,,Ein Vorstand, der keine Auslandskontakte hat, gehört doch gefeuert'', sagte Klaus Volk, Professor für Straf- und Strafprozessrecht an der Universität München und Berater von Siemens-Chef Klaus Kleinfeld. "Ein bodenständiger Mensch" In Feldmayers Umfeld hieß es, der Siemens-Manager sei ein bodenständiger Mensch und würde sich niemals ins Ausland absetzen. ,,Grundsätzlich können natürlich Auslandskontakte eine Fluchtgefahr nahelegen'', sagte dagegen Mark Deiters, Professor für Strafprozessrecht und Wirtschaftsstrafrecht an der Uni Münster. ,,Bei der Beurteilung kommt es aber immer auf den Einzelfall an. So wird man zum Beispiel auch die familiären Bindungen im Inland berücksichtigen müssen.'' Schelsky bleibt in Haft Während der Siemens-Europa-Chef das Bamberger Gefängnis verlassen durfte, kann sich der AUB-Gründer Schelsky nach Angaben aus Justizkreisen keine Hoffnung darauf machen, die Osterfeiertage in Freiheit zu verbringen. Schelsky sitzt seit einer ersten Durchsuchungsaktion Mitte Februar in Haft. In einem Schreiben an Mitglieder kündigte die AUB unterdessen einschneidende Maßnahmen an. ,,Wir werden uns personell und organisatorisch verändern'', sagte die stellvertretende Bundesvorsitzende Ingrid Brand-Hückstädt. Auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung im Juni werde es Neuwahlen zum Vorstand geben.
Der in der Affäre um eine angebliche Begünstigung der Alternativ-Gewerkschaft AUB verhaftete Siemens-Vorstand Johannes Feldmayer ist aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Der Top-Manager soll inzwischen umfangreich ausgesagt haben.
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Haftbefehl außer Vollzug gesetzt - Feldmayer ist wieder frei
00/05/2010
Der Sonderverkauf von billigen Bahn-Tickets bei Lidl war schneller vorbei als erwartet: In vielen der bundesweit 2600 Filialen waren die Fahrkarten sofort ausverkauft. Viele Kunden zogen enttäuscht wieder ab. Der Beginn des Fahrkartenverkaufs beim Discounter Lidl am Donnerstag hat einen Ansturm auf die Geschäfte ausgelöst. In den meisten der bundesweit 2600 Niederlassungen waren die Fahrscheine zum Einheitspreis von 49,90 Euro für eine beliebig lange Hin- und Rückfahrt innerhalb kurzer Zeit ausverkauft. Detailansicht öffnen Vorübergehend im Angebot bei Lidl: Bahntickets (Foto: Foto: ddp) Ein Lidl-Mitarbeiter in einem Geschäft erläuterte, dass wegen des insgesamt hohen Gegenwerts der Fahrkarten zunächst nur 300 Tickets verfügbar gewesen seien und erst wieder Nachschub geholt werden müsse. Zahlreiche Kunden mussten enttäuscht abziehen. Die Kunden könnten sich aber in Listen für den Fahrkartenverkauf eintragen. Vor allem in Großstädten wie Berlin, München und Frankfurt bildeten sich an den Kassen lange Schlangen. Viele Kunden mussten enttäuscht wieder abziehen. Bahn hochzufrieden Die Bahn zeigte sich hochzufrieden mit der Aktion. "Für uns ist das ein großer Erfolg", sagte Konzernsprecher Gunnar Meyer. Im Angebot waren insgesamt mehrere hunderttausend Fahrschein-Hefte, die bis zum 3. Oktober zu einer Fahrt in der zweiten Klasse durch ganz Deutschland berechtigen. Allerdings muss in einigen Zügen ein Aufpreis gezahlt werden. Wie viele Karten genau zur Verfügung standen, wollten Bahn und Lidl weiterhin nicht verraten. Wegen des großen Andrangs öffneten mehrere Filialen bereits vor 08.00 Uhr morgens. Außerdem wurden zusätzliche Kassen eingerichtet. Trotzdem gingen viele Kunden nach langem Warten leer aus. In vielen Filialen konnten sie sich dann mit ihrer Telefonnummer in Listen eintragen. Nachlieferung aus anderen Filialen Nach Auskunft von Lidl-Verkäufern sollten sie auf jeden Fall noch Karten bekommen. Dazu sollten noch Karten aus Lidl-Filialen nachgeliefert werden, wo der Andrang nicht so groß war. Insgesamt waren mehrere hunderttausend Fahrscheine im Angebot.
Der Sonderverkauf von billigen Bahn-Tickets bei Lidl war schneller vorbei als erwartet: In vielen der bundesweit 2600 Filialen waren die Fahrkarten sofort ausverkauft. Viele Kunden zogen enttäuscht wieder ab.
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Bahntickets - Billig-Aktion sorgt für Chaos bei Lidl
00/05/2010
Mit Hochdruck versucht der Mischkonzern Hutchison Whampoa als erster Telekom-Anbieter den UMTS-Standard in Europa einzuführen. In Italien und Großbritannien sind die Hongkonger schon seit längerem vertreten. Doch Kinderkrankheiten schrecken die Kunden dort ab. Wegen enttäuschender Nutzerzahlen werde Hutchison in Italien von Montag an jedes UMTS-Handy mit 250 Euro subventionieren, berichtete das Handelsblatt am Montag. Dies sei für Experten ein Eingeständnis der großen Schwierigkeiten, mit denen Hutchison auf dem europäischen Mobilfunkmarkt zu kämpfen habe, schreibt das Handelsblatt weiter. Denn anders als in Deutschland sei die Subventionierung der Geräte in Italien unüblich. Der Konzern, der den neuen Mobilfunkstandard seit einigen Monaten in Großbritannien und Italien und seit Mai auch in Schweden und Österreich anbietet, habe offensichtlich Probleme, ausreichend viele Kunden zu gewinnen. Zielvorgabe kaum noch erfüllbar Die Konzernmarke "3" habe in Italien bisher lediglich 90.000 und in Großbritannien 25.000 Kunden anwerben können, hieß es weiter. Damit sei der Konzern noch weit von seiner Zielmarke von jeweils einer Million UMTS-Kunden in beiden Ländern bis zum Jahresende entfernt. Analysten hielten diese Vorgabe inzwischen für kaum noch zu erfüllen, schreibt das Handelsblatt weiter. Im schlimmsten Fall müsse Hutchison sein UMTS-Engagement in Europa einstellen und 14 Milliarden Euro darauf abschreiben, sagten Analysten dem Handelsblatt. Wegen Geldreserven und anderer profitabler Geschäftbereiche sei die Existenz des Konzerns allerdings auch dann nicht gefährdet, wenn UMTS komplett abgeschrieben werden müsste. Im Gegensatz zu vielen Wettbewerbern habe Hutchison bislang auch noch keine Sonderabschreibung auf die erworbenen Sendelizenzen vorgenommen. Als erster UMTS-Anbieter in Europa kämpfe Hutchison auch mit einer Fülle von technischen Problemen, schreibt das Handelsblatt weiter. So werde jedes zehnte UMTS-Gespräch in Italien unterbrochen. Normalerweise liege die Fehlerquote im Promillebereich. In Liste eintragen Zudem gebe es nach wie vor keine ausreichende Zahl an Endgeräten. So müssten sich schwedische UMTS-Interessenten auf einer Liste eintragen, um ein UMTS-fähiges Handy zu bekommen. Das hätten immerhin bereits "einige tausend" Schweden getan, hieß es weiter. Genauere Zahlen seien Betriebsgeheimnis, sagt ein Sprecher von "3" dem Handelsblatt. Die übrigen europäischen Anbieter haben ihren UMTS-Start für den Herbst angekündigt. Bis dahin, so hoffen sie, sind Kinderkrankheiten des neuen Standards beseitigt. Die geringe Zahl an verfügbaren Handys war von einigen Netzbetreibern als Begründung für den verzögerten Start des neuen Standards genannt worden.
Mit Hochdruck versucht der Mischkonzern Hutchison Whampoa als erster Telekom-Anbieter den UMTS-Standard in Europa einzuführen. In Italien und Großbritannien sind die Hongkonger schon seit längerem vertreten. Doch Kinderkrankheiten schrecken die Kunden dort ab.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/mobilfunk-revolution-briten-und-italiener-scheuen-umts-1.899013
Mobilfunk-Revolution - Briten und Italiener scheuen UMTS
00/05/2010
Für die Zukunft von Chrysler interessieren sich Aktionäre sowie Finanzinvestoren. Doch Konzernchef Dieter Zetsche will am Mittwoch auf der Hauptversammlung kein Urteil über die verlustreiche amerikanische Tochtergesellschaft abgeben. Bei der Hauptversammlung von DaimlerChrysler am Mittwoch in Berlin will Konzernchef Dieter Zetsche weiter offen lassen, was aus der amerikanischen Tochterfirma Chrysler werden soll. Detailansicht öffnen DaimlerChrysler-Chef Dieter Zetsche will sich alle Optionen über die Zukunft der verlustreichen Tochter offenhalten. (Foto: Foto: AP) Das erfuhr die Süddeutsche Zeitung aus der Umgebung des größten deutschen Industrieunternehmens. Danach will Zetsche dem Drängen von Fondsvertretern nicht nachgeben, die ihm ein öffentliches Bekenntnis zur Trennung von Chrysler abverlangen. Eine solche Erklärung sei allein schon deshalb nicht möglich, weil Gespräche noch in verschiedenen Richtungen geführt würden. Es sei daher unlogisch und auch von der Sache her nicht sinnvoll, wenn Zetsche sich während der laufenden Verhandlungen bereits in eine bestimmte Richtung äußern würde, hieß es in den Kreisen. Sämtliche Optionen offenhalten Daher werde es am Mittwoch während der Hauptversammlung in Berlin bei dem Stand der Dinge bleiben müssen, der bereits seit Mitte Februar Aktionäre und Finanzinvestoren in Spannung hält. Bei der Bilanzvorlage am Chrysler-Stammsitz Auburn Hills hatte der Konzernchef erstmals angekündigt, für die Zukunft von Chrysler wolle er sich sämtliche Optionen offenhalten - bis hin zu einem Verkauf des im Jahr 1998 mit Daimler-Benz fusionierten Unternehmens. Chrysler wies zuletzt eine Milliarde Euro Verlust aus, obwohl das Unternehmen von Zetsche vor ein paar Jahren saniert worden war. Einige Fondsgesellschaften haben angekündigt, den Druck auf Zetsche im Zusammenhang mit dem Chrysler-Verkauf erhöhen zu wollen. Sowohl die schwedische Investmentgesellschaft SEB als auch die Fondsgesellschaft der Genossenschaften, Union-Investment, werden sich beim Aktionärstreffen von Daimler-Chrysler für einen Rückzug von Chrysler stark machen. Analysten plädieren für den Verkauf der Tochter "Eine Abspaltung von Chrysler erscheint uns unter den gegebenen Bedingungen sinnvoll, da sich das Marktumfeld in den USA auch zukünftig sehr schwierig gestalten dürfte", sagte Ingo Speich, Fondsmanager bei Union Investment. Aus Analystenkreisen ist zu hören, dass für Zetsche angesichts des wachsenden Drucks des Kapitalmarkts ein Beibehalten des Status quo faktisch kaum mehr möglich ist. Das sieht zum Beispiel Nord/LB-Analyst Frank Schwope so, fragt aber selbstkritisch: "Was kann ein anderer Autohersteller, ein Zulieferkonzern oder ein Finanzinvestor besser als Daimler selbst?" Imageschaden aufpolieren Der weithin als kritischer Konzern-Aktionär bekannte Würzburger Professor Ekkehard Wenger will auf der Hauptversammlung vollendete Tatsachen schaffen und beantragt, die DaimlerChrysler AG wieder in Daimler-Benz AG umzubenennen. Begründung: "Die Weiterführung einer Firmenbezeichnung, die an den missglückten Zusammenschluss mit Chrysler erinnert, ist dem Image der Gesellschaft und ihrer Produkte abträglich." Die Kritischen Daimler-Aktionäre um den Freiburger Aktivisten und Buchautor Jürgen Grässlin fordern gleich den Rücktritt Zetsches, weil dessen Sanierungspolitik bei Chrysler zwischen "kläglich gescheitert" sei. Auf der Tagesordnung steht auch die Ablösung des langjährigen Aufsichtsratschefs Hilmar Kopper. Für ihn soll der derzeitige EADS-Co-Verwaltungsratschef Manfred Bischoff nachrücken. Nicht nur wegen Chrysler droht Ärger beim Aktionärstreffen: Mitglieder der Tierversuchsgegner Berlin-Brandenburg, die Initiative Anti-Corrida und die Gruppe Fight Against Animal Cruelty in Europe wollen die Aktionäre über das Sponsoring von angeblich tierquälerischen Aktivitäten aufklären. Die Chrysler-Tochter Dodge soll jährlich mindestens 6,6 Millionen Dollar für brutale Rodeos in Amerika spenden.
Für die Zukunft von Chrysler interessieren sich Aktionäre sowie Finanzinvestoren. Doch Konzernchef Dieter Zetsche will am Mittwoch auf der Hauptversammlung kein Urteil über die verlustreiche amerikanische Tochtergesellschaft abgeben.
wirtschaft
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Kein öffentliches Bekenntnis - DaimlerChrysler übt sich in Schweigen
00/05/2010
Das Bundesland Bayern profitiert von staatlichen Wettfirmen wie Oddset - und verbietet TV-Sendern nun Spots privater Konkurrenten. Die Geschichte einer Doppelmoral. Der Staat, so will es das Gesetz, soll sich aus dem Rundfunk heraushalten. Was aber ist, wenn aus übergeordneten Gründen bestimmte Ziele verfolgt werden - und das Fernsehen nicht so mitzieht, wie Beamte und Politiker das gern sähen? Detailansicht öffnen Oddset ist eine staatliche Wettfirma. (Foto: Foto: ddp) Der Konflikt eskaliert jetzt in der Frage privater Sportwetten im TV. Zuständig hierfür sind die Landesmedienanstalten, in Bayern zum Beispiel die Bayerische Landeszentrale für Neue Medien (BLM) - doch die Regierung des Freistaates will nun über die Köpfe der Medienaufseher hinweg ein Werbeverbot der Zocker-Spots durchsetzen. Verbot illegaler Sportwetten und deren Werbung Im bayerischen Landtag redete Staatssekretär Georg Schmid, 53, jetzt Klartext. Der CSU-Abgeordnete aus Donauwörth verwies in einer Fragestunde darauf, dass Sportwetten und andere Glücksspiele "wegen der negativen Folgen für die Spieler nur in engen Grenzen zugelassen" würden; das Bundesverfassungsgericht habe am 28. März die Veranstaltung oder Vermittlung von Wetten durch private Wettfirmen verboten; am 22. Juni beschlossen dann die Ministerpräsidenten das Verbot illegaler Sportwetten und deren Werbung. "Konsequentes Vorgehen heißt auch, dass keine Ausnahmen gemacht werden", so Schmid. Wütend Der Mann aus der Regierung ist wütend, dass die Medienaufseher der BLM einer Anweisung des bayerischen Wissenschafts-Ministeriums vom 9. Mai nicht nachkamen, spätestens bis Ende Juni die Werbung für illegale Sportwetten in von ihr verantworteten Rundfunkprogrammen einzustellen. Schmid: "Die Landeszentrale für neue Medien ist dieser Weisung bislang nicht nachgekommen. Deshalb wird das Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst seine Weisung nun durchsetzen", kündigte er an. Und: "Nun werden noch in dieser Woche die notwendigen Anordnungen erlassen werden, um Recht und Gesetz durchzusetzen." Die Betroffenen hätten ausreichend Zeit gehabt, die strafrechtlichen Verstöße einzustellen.
Das Bundesland Bayern profitiert von staatlichen Wettfirmen wie Oddset - und verbietet TV-Sendern nun Spots privater Konkurrenten. Die Geschichte einer Doppelmoral.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/staatliches-wettmonopol-wer-nicht-spielt-hat-schon-verloren-1.919351
Staatliches Wettmonopol - Wer nicht spielt, hat schon verloren
00/05/2010
Keiner der Verantwortlichen im Skandal um die Berliner Bankgesellschaft weiß was, und natürlich hat auch keiner was veranlasst — der harte Kampf der Ermittler in einem Fall, der die Stadt Berlin bis zu acht Milliarden Euro kosten könnte. Am Abend in einem Seminarraum der Universität inmitten der Stadt. An der Tafel steht eine Ökonomin. Eine kleine Frau, die freundlich lächelt und eine einfache Frage stellt. Sie fragt: "Was ist eine Bank?" Dann schaut sie in die Runde. Vor ihr sitzen dreißig Leute an einem Hufeisentisch. Junge und alte. Studenten, Rentner, Arbeiter, Künstler. Einige haben Zeitungsausschnitte dabei, einige Stift und Papier. Es ist eng, es fehlen Stühle. Zwei Männer sitzen auf dem Boden. "Sie verleiht Geld", sagt einer. "Und was noch?", fragt die Ökonomin. "Sparbücher", ruft jemand. Eine Bank verleihe also Geld und nehme Geld an, sagt die Ökonomin. "Wie kann sie da pleite gehen?" Die Leute schauen erwartungsvoll. Sie gehören zur Initiative "Berliner Bankenskandal". Einige von ihnen könnten eine Antwort gebrauchen. Sie haben 37.000 Unterschriften gesammelt, dass jetzt endlich "Schluss mit dem Berliner Bankenskandal" sein soll. Da wäre es natürlich nicht schlecht, wenn man wüsste, wie es überhaupt dazu kam. Die Ökonomin hat ein Haus an die Tafel gemalt, das kauft die Bank. Dann verkauft sie es an ihre Tochter und die verkauft es an einen Immobilienfonds der Bank. Jedesmal wird das Haus teurer, jedesmal macht die Bank Gewinn. "Ist das verstanden?", fragt die Ökonomin. "Aber das Haus ist doch nicht so viel wert", sagt jemand. Die Ökonomin antwortet: "Das ist nicht der Punkt." Der Punkt ist, die Bank braucht Geld. Das bekommt sie, wenn Kunden Anteile des Fonds kaufen. Damit sie das tun, garantiert die Bank, dass Miete fließt, sagen wir für zwanzig Jahre. Mit dem Geld ihrer Kunden legt die Bank dann neue Fonds auf und holt noch mehr Geld rein. "Ja, aber wo iss'n nu' die Kohle", fragt einer. "Moment", sagt die Ökonomin. Sollte das Haus keine Miete abwerfen, weil zum Beispiel der gesamte Immobilienmarkt zusammengebrochen ist, stört das die Bank erstmal kaum. Zur Zeit hat sie Geld und kann die Garantie bezahlen. So verschiebt sie das Risiko in die Zukunft. Dort häuft es sich an. Wenn kein ökonomisches Wunder geschieht, weil das Haus, sagen wir, ein Plattenbau in Leipzig ist, entsteht irgendwann Verlust. Die Ökonomin redet zwei Stunden. Danach schwebt wenigstens eine Ahnung davon im Raum, dass hier irgendeine riesige Sauerei gelaufen sein muss. Monströser Schaden Vor zehn Jahren gründete das Land Berlin die Bankgesellschaft. Eine Hauptstadtbank, geboren aus der Euphorie der Nachwende. Berlin behielt die Mehrheit der Anteile. Die Bank expandierte und wurde Marktführer bei Immobilienfonds. Mit ihrem Geld entstanden die Fassaden des Aufschwungs. Acht Jahre später war sie fast pleite. Ohne die Absicherung der Fondsgarantien wäre sie geschlossen worden. Berlin musste absichern. In dieser Woche gibt es erstmals einen Prozess zum Skandal. Es sind nur zwei Nebenfiguren, die vor dem Berliner Landgericht stehen. Man wirft ihnen Betrug in Höhe von 800.000 Euro vor. Wenn es schlimm kommt für das Land, verliert es an den Geschäften der Bank tausendmal mehr. Acht Milliarden Euro. Davon könnte Berlin fast zwanzig Jahre lang seine Kultur bezahlen. Opern, Theater, Museen, Bibliotheken. Zwanzig Jahre. Oder zwanzig Jahre eben nicht. Der Stadt wird ein monströser Schaden entstehen. Die Frage ist nur, ob man die, die ihn verursacht haben, bestrafen kann. Das fragen sich die Bürgerinitiative, der Untersuchungsausschuss des Parlaments und die Staatsanwaltschaft. Und je nachdem, wohin man geht, bekommt man verschiedene Antworten. Am Tor der Polizeidirektion steht ein VW Bully, Baujahr '91, die Scheiben mit dunkler Folie beklebt. Er ist das Fahrzeug der Ermittlungsgruppe Bankgesellschaft. Der Polizist darin bringt einen zu einem großen Gebäude, in einen Aufenthaltsraum, in dem Claus-Peter Wulff wartet, Leitender Oberstaatsanwalt. Wulff sagt: "Zuerst zu den Akten!" In einer Halle, die früher einmal eine Kleiderkammer war, stehen siebzehn riesige Eisenregale mit Tausenden von Ordnern. Davor sitzen Polizisten, Staatsanwälte und Wirtschaftsreferenten, etwa 40 Leute. Das ist Wulffs Mannschaft. Die Bank gehört Berlin... Als die Staatsanwälte im Herbst 2001 mit Ermittlungen gegen die Bank begannen, wurde ihnen bald klar, dass sie mit ihr zusammenarbeiten mussten. Inzwischen gab es einen neuen Vorstand, der war bereit, Akten herauszugeben. Es hätte sonst Monate gedauert, bis sie gewusst hätten, was sie beschlagnahmen sollen in einem Konzern mit 112 Tochterfirmen und 16.000 Mitarbeitern. Also fragen sie: Wie viele Akten gibt es zu so einem Fonds? Die Bank sagt: Etwa 600. Sie verspricht, sie zusammenzustellen. Plötzlich ruft sie an und sagt: Wir haben uns geirrt. Es sind zehnmal so viel. Auf die Art kamen die Staatsanwälte zu 5700 Aktenordnern, von denen sich der größte Teil in der Kleiderkammer stapelt. Eineinhalb Jahre lang haben sie hier nur gesessen und gelesen und in eine Datenbank eingetragen. Hinter der Kleiderkammer gibt es einen Raum, da steht ein grauer Kasten. Ein Server, auf dem vier Millionen Dateien gespeichert sind. Es ist unmöglich, alles Material zu lesen, dann zu überlegen, was der Vorwurf sein könnte, und dann nochmal zu lesen. Man muss vorher wissen, was man sucht. Wulff sagt: "Am einfachsten wäre es, wir fänden ein Papier, in dem die Banker beschlossen haben, ihre Bank zu ruinieren." Nur so ein Papier finden sie nicht. Es ist ja nicht so, dass die Banker sich das Geld eingesackt hätte. Sie brauchten es, um über die Fonds das große Rad zu drehen. Ihre Bank wurde größer, sie immer wichtiger. Nur das Rad konnten sie nicht mehr stoppen. Aber nicht jeder Größenwahn ist strafbar. Geht ein Geschäft schief, kann das passieren. Geht es aber vorsätzlich schief, wäre es Untreue. "Nicht alles ist schon kriminell, nur weil der Schaden hoch ist", sagt Wulff. Die meisten Beschuldigten erklären, keiner könne etwas dafür, dass der Immobilienmarkt zusammengebrochen ist. Viele hätten geglaubt, dass Berlin mal sechs Millionen Einwohner haben würde. Wer sage denn, dass das nicht noch passiert? "Es ist schwer, unternehmerische Entscheidungen mit der Elle des Strafrechts zu messen", sagt ein Staatsanwalt. Und selbst wenn er etwas findet. Untreue verjährt nach fünf Jahren. Für vieles, was die Staatsanwälte hätten untersuchen können, war es schon zu spät, als sie anfingen. Für manches in den Akten wird es vielleicht jetzt gerade zu spät. Wulff verlässt die Kleiderkammer und geht in den Aufenthaltsraum zurück. Ein kleiner, energischer Mann, Anfang sechzig. Er spricht schnell und in Abkürzungen, "damit nicht noch was verjährt". Er hat schon gegen Schalk-Golodkowski ermittelt, aber das war nicht zu vergleichen. Das Verfahren um die Bank ist das größte in der Wirtschaftsgeschichte der Bundesrepublik. Nur wirkt es manchmal, als wüssten dies nur die Beschuldigten. Sie verpflichten Anwälte, die für einen Haftprüfungstermin bis zu 50.000 Euro verlangen. Wulff hat nicht einmal ein Diensthandy. Wenigstens sind die Laptops vor einiger Zeit gekommen. 124 Verfahren wurden eingeleitet, 78 sind erledigt, sieben Anklagen geschrieben. Die größten Prozesse werden wohl dieses Jahr beginnen. "Aber auch wenn wir alles geleistet haben, was möglich ist", sagt ein Staatsanwalt am Ende, "die Bürger werden unzufrieden sein." Mit dem Satz steigt man wieder in den Bully. Als Anfang 2001 erste Verluste bei der Bank auftauchten, sprang das Land Berlin mit vier Milliarden Mark ein. Ein Untersuchungsausschuss wurde eingesetzt. Danach zerbrach die Große Koalition, es gab Neuwahlen. Der Untersuchungsausschuss aber arbeitet noch immer. ...aber das Parlament darf nicht hineinschauen Ein Freitagmorgen im Abgeordnetenhaus. Im Raum 113 sucht ein Mann, der früher in der Kreditabteilung einer Tochter der Bank gearbeitet hat. Es geht darum, ob er wusste, dass die Immobilien weniger wert waren als die Kredite. "Das ist mir nicht bekannt", sagt er. Es befragt ihn eine Frau aus der Fraktion der Bündnisgrünen. Sie hat Akten vor sich liegen und einen Teller mit Möhren. "Aber Sie waren doch verantwortlich", sagt sie. "Ja, sorry", sagt er, "wenn ich's nicht weiß, kann ich es nicht verhindern." Die Frau blättert in den Akten. "Und wer hat es dann veranlasst?", fragt sie. "Das weiß ich nicht", sagt er. Da fragt Barbara Oesterheld den jungen Mann noch, ob er denn Alzheimer hat. Aber darauf antwortet er auch nicht. Später sitzt sie in ihrem Büro, das wie mit Aktenordnern tapeziert ist. Eine kleine Frau mit rauer Stimme, die mit den Begriffen Kreditwesengesetz, Andienungsrecht, Nießbrauch, Objektgesellschaft und Freistellungserklärung jongliert. Seit drei Jahren untersucht sie die Bank. Sie ist baupolitische Sprecherin. Wenn sie sich früher mit Immobilien beschäftigt hat, dann weil es um eine Hausbesetzung ging oder um sozialverträgliches Umsiedeln von Plattenbaumietern. Aber nicht um Milliardenkredite. Als der Ausschuss die Vorstände und Aufsichtsräte der Bank vorlud, mussten sich seine Mitglieder anhören, sie hätten ja keine Ahnung von Wirtschaft Also ging Barbara Oesterheld auf Immobilienkongresse, um sich schlau zu machen. Hinweisen statt beweisen Sie war verblüfft, was alles rechtlich zulässig ist. Außerdem hatte sie den Eindruck, dass dort alle wussten, was los war mit der Bank. Nur sie nicht. Tagelang las sie im Bunker des Abgeordnetenhauses in den vertraulichen Unterlagen der Bank. Tagelang blätterte sie in der Kleiderkammer in den Aktenordnern der Staatsanwaltschaft. Doch der Ausschuss bekommt nicht alle Akten der Justiz. Wenn er etwas kopieren möchte, muss er es kennzeichnen. Dann prüft es eine Kanzlei der Bank, ob es nicht zu vertraulich ist. Wenn ja, wird nicht kopiert. Dann muss der Ausschuss begründen, warum er das Papier trotzdem braucht. So geht es hin und her. "Es ärgert mich", sagt Barbara Oesterheld, "die Bank gehört Berlin." Aber das Parlament darf nicht hineingucken. Sie weiß inzwischen trotzdem genug, um die Vorstände noch einmal vorzuladen. Vielleicht sagen sie wieder nichts. Vielleicht fehlt wieder eine Akte, die man ihnen hätte vorhalten können. Aber sie werden kommen müssen. Und dann kommt die Presse und schreibt darüber. "Was diese Leute der Gesellschaft angetan haben, dieses Verhalten", sagt Barbara Oesterheld, "das muss geächtet werden. Es kann nicht sein, dass sie Milliarden verlieren und davonkommen." Ende des Jahres will der Ausschuss die Arbeit beenden. Der Bericht ist schon jetzt 300 Seiten lang. Wer ihn liest, wird sehen, dass so ein Ausschuss gegenüber der Justiz im Vorteil ist. Natürlich holt auch er das Geld nicht zurück. Aber er kann Versagen benennen, auch wenn es nicht kriminell ist oder schon verjährt. Er muss nicht beweisen, er kann hinweisen. Was er nicht kann, ist verurteilen. Es ist spät geworden im Seminarraum an der Universität. "Ist das verstanden?" fragt die Ökonomin. Jemand sagt: "Nö." "Ökonomisch-politisch-juristisch-administrative Komplizenschaft" An einem der abgewetzten Tische sitzt Peter Grottian, er sieht müde aus. Er ist Anfang sechzig, ein schwerer Mann in einer Strickjacke, die Brille am Bändchen. Seit vier Stunden reden sie jetzt nun. Grottian ist Professor für Politik, er ist einer der wenigen, die verstehen, worin der Skandal besteht. Aber er will, dass es alle verstehen, egal wie lange es dauert. Sie sind die Initiative gegen den Bankenskandal. Sie sind seine Mannschaft. Die Initiative gründete sich im Sommer 2002, einige Zeit, nachdem sich Berlin dazu entschlossen hatte, für die Verluste aus dem Immobiliengeschäft seiner Bank einzustehen. Eine ihrer ersten Aktionen war ein Spaziergang durch Grunewald, zu den Villen der Bankvorstände. Fast 1000 Menschen standen damals vor dem Haus von Klaus Landowsky. Vor Monaten starteten sie ein Volksbegehren für die Insolvenz der Bank, weil sie glauben, dass das für Berlin billiger wird, als für Verluste zu haften. Aber der Senat wies die 37.000 Unterschriften ab, weil sich das Begehren auf den Haushalt auswirke, und das dürfe es nicht. Also ziehen sie jetzt vor das Verfassungsgericht. "Man muss was vom Zaun brechen", sagt Grottian, "wir haben keinen Apparat, wir müssen auch mal provozieren." Grottian hat da Erfahrung. 1984 hat er an der Freien Universität, an der er lehrt, versucht, einen Beamtenstreik gegen den Nato-Doppelbeschluss vom Zaun zu brechen. Letztes Jahr hat er Studenten zum Schwarzfahren aufgefordert, damit das Sozialticket wieder eingeführt wird. Das ist so sein Spektrum. Seine Stelle an der Universität hat er geteilt, so bleibt ihm jedes zweite Jahr Zeit für Aktionen. "Man kann das für naiv halten", sagt Grottian, "aber ich habe nicht die Sozialwissenschaftler-Pose, alles vorher zu wissen. Man kann ja erfolgreich scheitern." Vor einem Monat haben sie versucht, eine Anzeige in Berliner Tageszeitungen unterzubringen. Darauf standen die Namen einiger Banker und deren Pensionen. Summen bis zu 19.000 Euro im Monat. Banker, die von ihrer eigenen Bank auf Schadensersatz verklagt worden waren. Trotzdem haben sich die Zeitungen nicht getraut, die Anzeige zu drucken. "Ich glaube nicht an Verschwörung", sagt Grottian, "aber es gibt bei dem Skandal eine ökonomisch-politisch-juristisch-administrative Komplizenschaft." Am Ende beschließt die Initiative, was sie zu dem Prozess vor dem Landgericht vom Zaun brechen will. Sie verabreden Transparente, Flugblätter und eine Speakers Corner. Sie rechnen mit 300 Leuten. Als der Prozess beginnt, sind 25 da.
Keiner der Verantwortlichen im Skandal um die Berliner Bankgesellschaft weiß was, und natürlich hat auch keiner was veranlasst — der harte Kampf der Ermittler in einem Fall, der die Stadt Berlin bis zu acht Milliarden Euro kosten könnte.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/berliner-bankenkrise-ja-wo-iss-n-nu-die-kohle-1.918136
"Berliner Bankenkrise - ""Ja, wo iss'n nu' die Kohle?"""
00/05/2010
Der Airbus A380 in Paris? Selbst wenn es den neuen Überjumbo schon gäbe, wäre das nicht möglich. Denn in ganz Europa existiert bislang nur ein einziger Flughafen, der A380-tauglich ist: München. Alle anderen Flughäfen müssen umgebaut werden. Der doppelstöckige Riesen-Jumbo Airbus A380 ist auch eine gewaltige Herausforderung für die Flughäfen rund um den Globus. Wenn der erste "europäische Riese" im Frühjahr 2006 seinen Dienst bei Singapore Airlines antreten wird, werden aber viele der wichtigsten Airports gerüstet sein. Detailansicht öffnen Mit dem A380 werden die Flughafenbetreiber noch viel Arbeit haben. (Foto: Foto: AP) Erst 14 Flughäfen Airbus-tauglich "Schon heute sind 14 Flughäfen in Europa, Asien und Afrika für den Airbus A380 fit", stellt Thilo Stilp fest, beim europäischen Flugzeugbauer für Planung und Kooperation mit den Flughäfen in aller Welt zuständig. "Bis Ende 2009 werden über 60 Airports für den Airbus A380 bereit sein." Das größte bisher entwickelte Verkehrsflugzeug werde ohnehin nur die wichtigsten Drehkreuze anfliegen. In Europa ist bisher erst ein einziger Großflughafen in der Lage, schon heute einen Airbus A380 abzufertigen: München. Hier haben die Flughafenplaner von vornherein Nägel mit Köpfen gemacht und alle notwendigen Einrichtungen für diese fliegenden Giganten installiert. Asien ist bereit Von den 14 Airports, die für den A380 gerüstet sind, befinden sich nicht weniger als zwölf in Asien; dazu kommt die südafrikanische Metropole Johannesburg. Bemerkenswert ist, dass bislang kein nordamerikanischer Großflughafen für den A380 präpariert ist, obwohl in der Region der größte Teil des Weltluftverkehrs abgewickelt wird. Für Airbus-Manager Stilp ist das nicht verwunderlich: "In den Metropolen Asiens sind in den letzten Jahren viele Flughäfen neu gebaut oder mit Milliarden-Aufwand modernisiert worden. Auch kommen viele wichtige A380-Kunden aus Asien. Dagegen sind viele große US-Airports veraltet, in diese Flughäfen ist in den letzten Jahren wenig investiert worden. Doch sie werden in den nächsten Jahren nachziehen." New York ist der amerikanische Vorreiter So hat der J. F. Kennedy-Airport in New York, der als Vorreiter in den USA gilt, einen Masterplan für zehn Milliarden Dollar aufgelegt, um "JFK" gründlich zu modernisieren. Mit anderen Worten: Der Flughafen wird dann auch den Airbus A380 abfertigen können. Ein anderes Beispiel ist Los Angeles. Erst standen Milliarden Dollar für die Renovierung dieses Airports zur Verfügung, dann wurden die Mittel von der Regierung wieder gestrichen und damit auch das Geld für die A380-Einrichtungen. Erst als man begriff, dass dann möglicherweise einige große asiatische Airlines mit ihren doppelstöckigen Riesen zur Konkurrenz nach San Francisco abwandern könnten, lenkten Regierung und Airport ein. "Der Airbus A380 wird in drei Jahren auch in Los Angeles landen können", sagt Stilp. Gewaltige Anstrengungen Es ist keine Frage, dass Europas Riese viele Flughäfen auch zu teuren Gewaltakten zwingen wird. Vielfach müssen neue konstruierte Fahrgastbrücken installiert sowie Landebahnen verbreitert und verstärkt werden, um das Gewicht der bis zu 590 Tonnen schweren vierstrahligen Jumbos tragen zu können. Auch neue Bodengeräte fürs Catering, die Reinigung, das Frischwasser sowie neue Flugzeug-Traktoren sind nötig. Für die Flughäfen kommt das allerdings nicht unerwartet. Schon seit 1994 haben intensive Gespräche zwischen Airbus, den Fluggesellschaften und den Airports stattgefunden. "Die Flughäfen waren immer in das A380-Programm integriert", betont Stilp. Die großen Flughäfen seien längst davon überzeugt, dass der Airbus A380 ihnen helfen wird, ihren Umsatz zu erhöhen. Der Konkurrenzdruck sei stark gewachsen. "Da wird sich einer nach dem anderen melden: Wir sind bereit für die A380. Auch in Nordamerika."
Der Airbus A380 in Paris? Selbst wenn es den neuen Überjumbo schon gäbe, wäre das nicht möglich. Denn in ganz Europa existiert bislang nur ein einziger Flughafen, der A380-tauglich ist: München. Alle anderen Flughäfen müssen umgebaut werden.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/flughaefen-ruesten-auf-gewaltakt-fuer-den-riesen-1.899778
Flughäfen rüsten auf - Gewaltakt für den Riesen
00/05/2010
Siemens-Chef Klaus Kleinfeld will nach der Bundestagswahl bei den drei verlustträchtigen Bereichen Kommunikation, IT-Dienstleistungen und Industrielogistik hart durchgreifen. Kleinfeld wolle unmittelbar nach der Bundestagswahl ein groß angelegtes Sanierungsprogramm für drei wichtige Sparten des Konzern verkünden, dem mehrere tausend Stellen zum Opfer fallen könnten, berichtete der Spiegel am Wochenende. Detailansicht öffnen Der neue Konzernchef Klaus Kleinfeld räumt bei Siemens auf. (Foto: Foto: ddp) Das Blatt berief sich auf hochrangige Arbeitnehmervertreter, die dies im Anschluss an eine außerordentliche Sitzung des Wirtschaftsausschusses berichtet hätten. Dabei sei unter anderem über die Zukunft der drei verlustträchtigen Bereiche Kommunikationssparte, IT-Dienstleister SBS und Industrielogistik diskutiert worden. Danach solle das Geschäft mit Automatisierungsanlagen etwa für Getränkehersteller zunächst ausgegliedert und danach in Partnerschaften eingebracht oder verkauft werden. Befürchtungen der Betriebsräte Ähnliche Pläne verfolge Kleinfeld offenbar auch mit der Servicetochter SBS. Alles in allem, fürchteten Betriebsräte und Gewerkschafter, könnten bei Siemens bis zu 10.000 Jobs wegfallen, davon allein 3.000 in der Telefonsparte. Allerdings hatte Siemens bereits Ende August angekündigt den Bereich Distribution Industries mit 5.000 Beschäftigten aus der Logistiksparte in eine noch zu gründende GmbH einer Siemenstochter zu verlagern. Ein Siemens-Sprecher bezeichnete die Zahlen über den beabsichtigten Personalabbau laut Spiegel als "viel zu hoch gegriffen". Ein absichtliches Abwarten, um Auswirkungen auf die Wahl zu vermeiden, wies Sprecher Eberhard Posner ausdrücklich zurück. Untersuchungen abgeschlossen Vielmehr seien erst dann die Ende August vom Zentralvorstand des Konzerns beauftragten Untersuchungen über die drei Geschäftsbereiche abgeschlossen, die im letzten Quartalsbericht Verluste ausgewiesen hatten, erklärte Posner. Zugleich betonte der Sprecher, dass eine Ausgliederung von Stellen nicht bedeute, dass diese wegfielen, sondern, dass sie in einem eigenständigen Betrieb weitergeführt würden. Wie viele Stellen möglicherweise umstrukturiert werden sollten, wollte Posner nicht sagen. Siemens-Vorstandschef Klaus Kleinfeld bekannte sich unterdessen in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zum Erhalt der Arbeitsplätze in Deutschland. "Wir beschäftigen in Deutschland 164.000 Mitarbeiter und diese Zahl ist im vergangenen Jahr stabil geblieben. Ich kann keinen Grund erkennen, warum sich an dieser Größenordnung etwas ändern sollte", sagte er. Nicht nur Abbau Zwar schloss Kleinfeld Stellenstreichungen einzelner Bereiche in Deutschland nicht aus, doch würden erfolgreiche Siemens-Sparten zugleich im Heimatland Arbeitsplätze schaffen, betonte der Manager. Auch habe Siemens nicht vor, Zentralen von Geschäftsbereichen ins Ausland umzusiedeln. In den vergangenen Jahren hatte der größte deutsche Industriearbeitgeber mehrfach gedroht, Arbeitsplätze aus Kostengründen zu verlagern. Kleinfeld äußerte sich zudem kritisch zum Anlageverhalten einiger Finanzinvestoren: "Wir beobachten auch die wenigen Hedgefonds, die ereignisgetrieben kurzfristige Gewinne suchen. Solche Geschäftsmodelle könnten problematisch sein." Er glaube aber nicht, dass Siemens selbst ins Visier solcher Hedgefonds gerate.
Siemens-Chef Klaus Kleinfeld will nach der Bundestagswahl bei den drei verlustträchtigen Bereichen Kommunikation, IT-Dienstleistungen und Industrielogistik hart durchgreifen.
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Sanierungskurs - Tausende von Arbeitsplätzen bei Siemens in Gefahr
00/05/2010
Galeries Lafayette, die größte Abteilung für Damenwäsche in der Welt. So weit das Auge reicht, BHs, Slips, Strings und Kleidchen fürs Bett. Jedes Stück wie eine kostbare Rarität präsentiert. Feiner Tüll rechts, Calaisspitze links. Das Ganze umflort von süßem Parfümduft und digitalen Pianoklängen. Mittendrin das Besondere: die Umkleidekabinen. Männerbegleitung ist dort beim Anprobieren der Frau ausdrücklich erwünscht. Hocker stehen für den Herrn bereit, und Verkäuferinnen weisen freundlich den Weg hinter den Vorhang. Alle Dessous-Boutiquen, die in Paris etwas auf sich halten, frönen dieser exception française. Detailansicht öffnen Die wohl größte Abteilung für Damenwäsche: Ein Model präsentiert Dessous in den Galeries Lafayette. (Foto: Foto: rtr) Funktioniert der Verkaufstrick? "Mais oui, Monsieur", sagt eine der drei Beraterinnen, die hinter der Rezeption vor den Umkleiden stehen. "Manchmal stehen die Kunden Schlange." Tatsächlich gibt kaum jemand so viel für Spitzenunterwäsche aus wie Französinnen. 100 Euro sind es im Schnitt pro Jahr, berechnete das Institut français de la Mode (IFM), 133 Euro sogar bei den unter 24-Jährigen. "Die Engländerinnen sind noch spendabler", schränkt Loumia Hiridjee ein. Die Gründerin der Marke Princesse Tam Tam sitzt im Café L'Esplanade beim Invalidendom. Sie ist die Frau im französischen Lingerie-Geschäft mit dem ungewöhnlichsten Aufstieg. Aber dass die Engländerinnen vorne liegen, ist den Nachthemden zuzuschreiben, die in der britischen Statistik inbegriffen sind, aber in Frankreich nicht als Dessous durchgehen. Trotzdem bemerkenswert, dass die Französinnen überhaupt immer noch so viel zu zahlen bereit sind. Denn Daniel Carrière, der Fabrikleiter des Traditionsunternehmens Aubade in Vienne bei Lyon behauptet: "Mehr als die Hälfte der in Frankreich verkauften Unterwäsche ist heute chinesisch." Tatsächlich schossen die Importe aus China allein 2005 um 40 Prozent nach oben. Seither erlebt die Lingerie-Branche einen noch nicht da gewesenen Umbruch. Einen Platzhirschen wie Triumph in Deutschland gibt es links vom Rhein nicht. 70 Prozent Einbruch - in fünf Jahren Das Fressen und Gefressenwerden ist im vollen Gange. Vor allem ausländische Investoren lassen sich von französischen Dessous verführen. Loumia Hiridjee aus Madagaskar zählt mit den Fingern auf: "Im vergangenen Sommer übernahm Calida aus der Schweiz Aubade, dann kaufte Fast Retail aus Japan uns auf, Barbara wurde von einer Bank übernommen, Desseilles Textiles von Letten gekauft, und eben erst griff Chantelle bei Orcanta von PPR zu." Sie schaut auf, linst durch die schmale Brille und fragt: "In nur einem Jahr. Nicht schlecht, oder?" Als die drei Verkäuferinnen vor den Umkleiden im Kaufhaus erfahren, dass Aubade, Princesse Tam Tam und Desseilles längst nicht mehr französisch sind, machen sie große Augen. Sie wussten nicht, was sich hinter den Kulissen alles tut. "Das liegt daran, dass der Markt in Frankreich zersplittert ist, dass es viele Familienbetriebe gibt, die großes Potenzial haben, die über Jahre Moden geprägt haben, die aber keine Finanzmittel haben, um sich fortzuentwickeln", sagt Hiridjee. "Der Markt spaltet sich in ein teures und ein billiges Segment." In nur fünf Jahren brach die Dessous-Produktion in Frankreich um 70 Prozent ein. In dem Land, das so stolz ist, den ersten BH 1889 auf der Weltausstellung in Paris vorgestellt zu haben, wird heute kaum mehr selbst gefertigt. Firmen machen Pleite und mit ihnen zahllose Fachhändler. Familienbetriebe bauen Stellen ab oder verlagern sie nach Nordafrika oder Asien. Diejenigen Hersteller, die es sich leisten können, werden zu Händlern, und Händler zu Herstellern. Dazu brauchen die meisten Geld und damit Investoren. Wer den falschen erwischt, ist schnell am Ende. Es herrscht ein gnadenloser Verdrängungswettbewerb. Boxershorts als Anregung Die drei wesentlichen Spieler in Frankreich reagieren auf den Ausleseprozess mit denkbar unterschiedlichen Strategien. Patrice Kretz, der Eliteschulen-Absolvent, der den Marktführer Chantelle leitet und Verbandspräsident ist, macht nebenbei auf billig. Seine Marke Passionata ist auch auf den Grabbeltischen in den Einkaufszentren zu finden. Weil das ankommt, gilt Chantelle als beispielhaft dafür, wie man in Zeiten der Globalisierung auch als Franzose überleben kann. Princesse Tam Tam setzt auf Modetrends und will nicht nur als Dessous-Hersteller gelten, sondern auch mit Badeanzügen und Bikinis auffallen. Das alles im mittleren Preissegment. Die Schwierigkeit dabei ist, immer den richtigen Riecher für die Trends zu haben. Aber Hiridjee ist da zuversichtlich. So entstand die Marke, die ihren Namen aus einem Film mit Joséphine Baker geklaut hat. 1985, da war Hiridjee 22, fiel ihr in ihrem Geschäft auf, dass weibliche Studentinnen die Boxershorts für Männer toll fanden und kauften. Daraufhin entschied sie, eben nicht nur weiße und schwarze Spitzen-BHs zu kreieren, sondern bunte und bedruckte Unterwäsche, und zwar in ungewöhnlicheren Formen. Gerade noch erschwinglicher Hauch von Nichts Aubade schließlich legt gerade eine neue Luxus-Linie auf - ein gewagtes Unterfangen, teurer zu werden, obwohl Billiganbieter drohen. "Die Entscheidung wurde schon getroffen, bevor wir Aubade übernahmen", sagt Felix Sulzberger, Chef des Schweizer Mutterunternehmens Calida. Er steht dazu. "Frankreich ist besonders stark beim so genannten Einstiegsluxus." Also beim gerade noch erschwinglichen Hauch von Nichts. Für Deutschland gelte das jedoch schon nicht mehr, sagt Sulzberger. "In Frankreich ist Lingerie ein Statussymbol, etwas, das man jeden Tag trägt und nicht wie in Deutschland nur am Wochenende oder zu besonderen Anlässen." Das mag erklären, warum deutsche Frauen immer weniger Geld für Dessous ausgeben. Zuletzt waren es knapp 75 Euro durchschnittlich im Jahr. In Frankreich dagegen ist der Umsatz stabil. Trotzdem macht man sich im Modeinstitut IFM Sorgen. In Deutschland kommen französische Dessous immer schlechter an. Und die auf Lingerie spezialisierten Marktforscher von Xerfi stellten erst vergangene Woche fest: "Anfangs waren nur die Anbieter im Billig- und Mittelpreis-Segment von der asiatischen Konkurrenz betroffen, jetzt hat China ausreichend Know-how, um auch den Luxus-Labels Paroli zu bieten."
Franzosen kaufen gerne Dessous, trotzdem kämpfen einheimische Hersteller ums Überleben - sogar Luxuswäsche könnte bald aus Asien kommen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/unterwaesche-aus-fernost-chinesische-spitzen-1.903670
Unterwäsche aus Fernost - Chinesische Spitzen
00/05/2010
So ein Desaster wie vor vier Jahren wollen die IG-Metall-Oberen diesmal vermeiden. Wenn auf dem Gewerkschaftstag im November in Leipzig eine neue Führung gewählt wird, soll alles glatt und unaufgeregt über die Bühne gehen. Am kommenden Montag, so ist es daher auch geplant, soll der Bundesvorstand einen Personalvorschlag verabschieden, der den Delegierten des Gewerkschaftstages zur Abstimmung präsentiert wird. Detailansicht öffnen Detlef Wetzerl aus Nordrhein-Westfalen und Hartmut Meine aus Niedersachsen gelten als aussichtsreichste Kandidaten für den Posten des Vizechefs der IG Metall. (Foto: Foto: dpa) Als sicher gilt inzwischen, dass Jürgen Peters, 63, der Erste Vorsitzende und oberste Chef der mächtigsten deutschen Gewerkschaft, seinen Posten für den bisherigen Vizechef Berthold Huber, 57, räumen wird. Huber zumindest rechnet fest damit, und so war es ja auch nach dem Flügelkampf um die neue Vorstandsspitze im Sommer 2003 vereinbart worden. Zwei Modernisierer Die Wunden, die dieser Streit vor vier Jahren in die Gewerkschaft gerissen hatte, gingen tief. Sie spalteten die Organisation in das Lager der Traditionalisten um Peters und jenes der Modernisierer um Huber. In einer Kampfabstimmung setzte sich Peters im Vorstand der IG Metall gegen Huber durch, der vom damaligen IG-Metall-Chef Klaus Zwickel favorisiert wurde. Die Kampfkandidatur war ein Affront gegen Zwickel, der den gescheiterten Streik um die 35-Stunden-Woche in Ostdeutschland dann auch zum Anlass nahm, gegen seinen damaligen Stellvertreter Peters zu polemisieren. Peters wurde vorgeworfen, die Lage im Osten falsch eingeschätzt zu haben. Den öffentlichen Disput beendete Zwickel auf seine Art, indem er vorzeitig zurücktrat und damit den Weg für die neue Führung mit Peters an der Spitze und Huber als Stellvertreter frei machte. Derlei Unbill soll es diesmal auf gar keinen Fall geben. Und die Organisation hüllt sich in Schweigen. Doch intern wird die Nachfolge für Huber hitzig diskutiert. Zwei Männer werden als aussichtsreiche Kandidaten immer wieder genannt: Detlef Wetzel, 54, Bezirksleiter in Nordrhein-Westfalen, und Hartmut Meine, 55, Bezirksleiter in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Kolportiert wird auch: Huber würde Wetzel und Peters Meine den Vorzug geben. Fest steht: Detlef Wetzel gilt wie Huber als Modernisierer. Die beiden würden gut zusammenpassen, doch würden sich dadurch die Traditionalisten nicht ausreichend vertreten sehen. Diese bevorzugten natürlich ein Duo aus Huber und Meine, doch diese beiden wären wohl nicht mehr als ein Zweckbündnis. Das allerdings war auch bei Peters und Huber der Fall, und dennoch haben die beiden gute Arbeit gemacht: den Mitgliederschwund gestoppt und innovative Tarifpolitik betrieben. Detlef Wetzel leitet seit Juli 2004 den mit etwa 600 000 Mitgliedern größten Tarifbezirk der IG Metall. Mit dem Pilotabschluss für die Metall- und Elektroindustrie 2006 hat er sich bundesweit einen Namen gemacht. Dieser Abschluss gilt als vorbildlich. Neu daran ist eine Öffnungsklausel, wonach Einmalzahlungen an den wirtschaftlichen Erfolg der Firmen gekoppelt sind. Entscheidung im Vorstand am Montag? Der Abschluss hat dem als Pragmatiker geltenden Wetzel auch Respekt im Arbeitgeberlager eingebracht. Der in Siegen geborene Wetzel gilt als jemand, der nicht nur in der Tarifpolitik neue Wege geht. Mit der Aktion "Tarif aktiv" wandte er sich gegen Lohndumping, mit "Besser statt billiger" gegen Arbeitsplatzverlagerungen. Sein Unterfangen "Neue soziale Verantwortung, Initiative: Solidarität" richtet sich gegen Ausgrenzung in den Betrieben, dagegen, dass viele Menschen inzwischen keine vollwertige Arbeitsstelle mehr haben. An der Zahl der Mitglieder werde er seine politische Arbeit messen, hat er einmal gesagt. In Nordrhein-Westfalen hat er den Mitgliederschwund bereits gestoppt. Dazu hat auch der von ihm eingeführte Mitgliederbonus zu einem guten Teil beigetragen. Danach müssen Gewerkschaftsmitglieder geringere Einbußen hinnehmen als andere Beschäftigte, wenn eine Firma vom Tarifvertrag abweichen will. Der gebürtige Hildesheimer Hartmut Meine gilt als einer der erfahrensten Tarifexperten in der IG Metall und ist einer der dienstältesten Bezirksleiter dazu. Seit 1998 leitet er als Nachfolger von Jürgen Peters den Bezirk Niedersachsen und Sachsen-Anhalt und ist damit der Gewerkschafter der Autoindustrie. Dort hat auch Meine innovative Abschlüsse hingelegt: 2001 einigte er sich mit Volkswagen auf das Modell "5000 mal 5000", mit dem Arbeitslose für weniger Lohn eingestellt wurden. Der sogenannte Zukunftstarifvertrag zur Beschäftigungs- und Standortsicherung bei Volkswagen gilt als einer der spektakulärsten: der Betriebsrat entscheidet mit, wo, was, wie gefertigt wird. Wenn sich der IG-Metall-Vorstand am Montag auf keinen Personalvorschlag einigt, muss er dies auf der nächsten Sitzung Mitte Oktober tun. Das aber wäre ein schlechtes Signal. Dann wäre klar, dass es auch diesmal wieder keine Einigkeit in der Personalfrage gibt. Doch genau das will die IG Metall ja vermeiden.
Die IG Metall steht vor einem Führungswechsel - Modernisierer und Traditionalisten suchen nach einem Kompromiss.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/ig-metall-truegerische-ruhe-1.879727
IG Metall - Trügerische Ruhe
00/05/2010
Deutschland ist nicht mehr der Führungsspieler Europas und im Zuge der Globalisierung verpuffen die Wirtschaftsprogramme einzelner Länder. Die EU plant deswegen erstmals eine gemeinsame Konjunkturspritze. Die Staats- und Regierungschefs der EU wollen bei ihrem Gipfeltreffen nächste Woche ein gemeinsames Konjunkturprogramm in Milliardenhöhe für die europäische Wirtschaft auf den Weg bringen. Detailansicht öffnen Das Wirtschaftswachstum in Europa lahmt. Auch die Bauaktivität ist zurückgegangen. (Foto: AP) Wie die Financial Times Deutschland berichtete, soll die Europäische Investitionsbank (EIB) das Programm mit Kreditbürgschaften absichern. Beschlussfähig im Oktober Der Gipfel am 20. Juni in Thessaloniki werde der EU-Kommission den Auftrag erteilen, bis Ende Juli einen Vorschlag auszuarbeiten, sagte ein Sprecher von Kommissionspräsident Romano Prodi der Zeitung. Dies hätten Prodi und der amtierende Ratsvorsitzende, Griechenlands Premierminister Kostas Simitis, vereinbart. Bei dem folgenden EU-Gipfel im Oktober solle das Programm dann beschlossen werden. Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi, der am 1. Juli turnusgemäß den Vorsitz im Europäischen Rat übernimmt, und auch Bundeskanzler Gerhard Schröder hätten dem Vorhaben bereits zugestimmt. "Prodi geht es darum, die Forschungs- und Entwicklungsausgaben in der EU zu steigern und die Infrastrukturvorhaben im Rahmen der transeuropäischen Netze voranzutreiben", sagte der Sprecher des Kommissionspräsidenten. Die Bestimmungen des europäischen Stabilitätspakts würden durch die Vorschläge in keiner Weise berührt. 50 bis 70 Milliarden Euro Das geplante europäische Konjunkturprogramm soll nach Vorstellungen der künftigen italienischen EU-Ratspräsidentschaft zwischen 50 und 70 Milliarden Euro schwer sein. Italiens Finanzminister Giulio Tremonti sagte am Donnerstag in Brüssel, das Programm solle bis 2010 pro Jahr Investitionen zwischen 0,5 und einem Prozent des europäischen Bruttoinlandsproduktes (BIP) ermöglichen. Das Konjunkturprogramm sei notwendig, "weil das europäische Wachstum in den vergangenen beiden Jahren unzureichend war" und "unter seinem Potenzial lag", betonte Tremonti, dessen Land zum 1. Juli die EU-Ratspräsidentschaft übernimmt. "Keinerlei Auswirkung auf Stabilitätspakt" Mit den Einnahmen aus der Ausgabe von Anleihen vor allem durch die Europäische Investitionsbank (EIB) sollen den italienischen Plänen zufolge Infrastrukturvorhaben finanziert werden. Dies werde "keinerlei Auswirkung" auf den Stabilitätspakt haben, der Obergrenzen für die Neuverschuldung der EU-Staaten setzt, sagte der Minister. Dies hatte die Bundesregierung zur Bedingung für eine Zustimmung zu dem Vorhaben gemacht.
Deutschland ist nicht mehr der Führungsspieler Europas und im Zuge der Globalisierung verpuffen die Wirtschaftsprogramme einzelner Länder. Die EU plant deswegen erstmals eine gemeinsame Konjunkturspritze.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/eu-staaten-der-star-ist-die-mannschaft-1.899705
EU-Staaten - Der Star ist die Mannschaft
00/05/2010
Ob Metro, WM oder Apple - Marken und Markennamen gehören heute zum wertvollsten Potenzial eines Unternehmens. Doch je wichtiger die Exklusivrechte werden, desto häufiger wird um sie gestritten. Ein Trend, der Gefahren birgt. Nein, gegen die berühmte Pariser Métro will die Metro-Group bisher nicht klagen, doch den Verkehrsbetrieben in München, Berlin und Hamburg rückt der Handelsriese ziemlich auf die Pelle. Der Konzern will ihnen das "Metro" im Namen der Bus- und Tramlinien verbieten. Der Grund: Es herrsche Verwechslungsgefahr. Am 16. Juni soll das Oberlandesgericht Hamburg diesen Markenkrieg beenden. Und es wäre nicht das erste Mal, dass der Handelskonzern seine Namensrechte erfolgreich durchsetzt. Der Kampf um die Nutzung von Namen und Marken nimmt immer häufiger solch skurrile Formen an. Selbst die Fifa hat noch nie versucht, bei einer Weltmeisterschaft mehr als 850 Marken für sich zu schützen. "Nach der WM ist vor der WM" Der Bundesgerichtshof bremste den Fußballverband im April zwar aus. Er löschte die Fifa-Marke "Fußball-WM 2006" vollständig. Bei der Marke "WM 2006" kassierten sie den Schutz für Bierkrüge, Postkarten, Spielzeug und Fußbälle. Aber der Streit um die kommerzielle Nutzung des Großereignisses ist damit sicher nicht beendet. "Nach der WM ist vor der WM", sagt Hans-Joachim Zeisberg vom Deutschen Patent- und Markenamt. Das BGH-Urteil habe zwar wenig Auswirkungen auf die WM 2006, die Wirtschaft denke aber längst an die Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika. Schließlich wolle dann wieder jeder bei dem Milliardenspiel teilhaben. Markenanmeldungen nehmen zu Ob bei Metro, WM oder Apple - die Marke gehört heute zu den wertvollsten Potenzialen von Unternehmen. Sie schafft Prestige, Vertrauen, Identifikation und emotionale Bindung. Und sie wird in dem Maße wichtiger, in dem Vielfalt von Bildern, Wörtern und Symbolen wächst, die um die Aufmerksamkeit der Kunden buhlen. Nach Zahlen des deutschen Markenverbands sind mittlerweile 80 Prozent aller Konsumgüter Markenprodukte. Das Deutsche Patent- und Markenamt meldet eine deutliche Steigerung von Anmeldungen. Mit fast 71 000 Markenanmeldungen im Jahr 2005 wurde das Vorjahres-Ergebnis um gut 5000 übertroffen. Tausende Widersprüche pro Jahr Große Unternehmen, aber vor allem kleine Firmen melden inzwischen verstärkt Marken an, berichtet Zeisberg. Schutzfähig sind nicht nur Namen und grafische Symbole, sondern auch Farben, Slogans und sogar die dreidimensionale Gestaltung der Ware. Die Unternehmer könnten sich Autoteile, Flaschen und Verpackungen auf ewig als Marke schützen lasen, so Zeisberg. Ist eine Marke erst einmal angemeldet, wird sie laut Zeisberg auch eisern verteidigt. Die Marktüberwachung funktioniere über Verbände oder spezialisierte Kanzleien. Auf diese Weise gingen im vergangen Jahr beim Markenamt fast 7000 Widersprüche ein. Gefahr für Unternehmen Annette Kur vom Max-Planck-Institut für Geistiges Eigentum beobachtet diese Entwicklung durchaus mit Sorge. "Diese Marken-Euphorie, die sich breit macht, ist für niemanden gut." Unternehmen, Gerichte und Ämter würden durch sie zunehmend belastet. Die Expertin des Münchner Forschungsinstituts hegt zudem Zweifel, ob hinter den Justizstreitigkeiten immer ernsthafte Interessen stecken. Im Markenrecht gehe es eigentlich darum, Verbraucher zu schützen - sie sollen keine Sachen kaufen, die sie eigentlich gar nicht wollen, nur weil sie beispielsweise durch einen Produktnamen irregeführt wurden. Davon könne in einigen Prozessen aber keine Rede mehr sein. Vielmehr gehe es darum, potenzielle Konkurrenten fern zu halten. Unternehmen würden sich inzwischen schon die Farbnuancen sichern, bevor es das Produkt überhaupt gibt. Kur plädiert deswegen für eine Karenzfrist: Eine Farbe sollte erst dann als Marke geschützt sein, wenn sie tatsächlich mit der Firma oder dem Produkt verbunden wird. Europäisches Markenbabylon Noch sind viele Elemente der etwa zehn Jahre alten europäischen Markenrichtlinie nicht ausreichend interpretiert. Die Gerichte müssen wohl noch zahlreiche Fragen lösen, bevor aus dem grenzübergreifenden Markenbabylon ein einheitliches Gebilde wird. Auch der Weltfußballverband hofft nach dem BGH-Urteil auf das europäische Markenrecht, das liberaler und damit günstiger für ihn ausfallen könnte. Verliert die Fifa tatsächlich die Exklusivrechte an der Weltmeisterschaft, werden die Karten für das Milliardenspiel 2010 neu gemischt. Denn laut Zeisberg würden Sponsoren-Gelder dann nur noch spärlich fließen.
Ob Metro, WM oder Apple - Marken und Markennamen gehören heute zum wertvollsten Potenzial eines Unternehmens. Doch je wichtiger die Exklusivrechte werden, desto häufiger wird um sie gestritten. Ein Trend, der Gefahren birgt.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/der-kampf-um-die-marke-milliardenpoker-um-ideen-1.905793
Der Kampf um die Marke - Milliardenpoker um Ideen
00/05/2010
Steile Thesen, schrille Forderungen: Die Debatte um die Arbeitszeit in Deutschland entgleitet. Ökonomen und Unternehmer sollten sich darauf besinnen, worum es bei der Arbeitszeitdebatte wirklich geht. Die Mediengesellschaft liebt die Extreme. In der Flut der Informationen wird nur noch der wahrgenommen, der den ultimativen Kick anzubieten hat - die schrillste Doku-Soap, die geschmackloseste Show, die steilsten Thesen. Etwa die, wonach wir viel länger arbeiten und den Gürtel noch viel enger schnallen müssen, um mit Tschechen, Ungarn und Chinesen auf dem Weltmarkt konkurrieren zu können. Wilde Vorschläge Solcher Radikalismus in der Wirtschaftspolitik ist schön für Journalisten, weil man gut darüber schreiben kann. Aber er ist schlecht für das Land, weil wilde Vorschläge, etwa zur Arbeitszeit, die Debatte exakt in die falsche Richtung lenken. Im Einzelnen: Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Klaus Zimmermann, sagte in einem Interview, um Jobs zu sichern, müsse "auch mal 50 Stunden pro Woche gearbeitet werden". Die Aussage ist so trivial wie falsch. Sie ist trivial insofern, als viele qualifizierte Arbeitnehmer längst weit mehr als 50 Stunden in der Woche arbeiten. Die magische 50 Sie ist falsch, wenn der Eindruck erweckt wird, man müsse die 50-Stunden-Woche in Tarifverträge einbauen. Wahrscheinlich wollte Zimmermann diesen Eindruck auch gar nicht erwecken. Aber er setzte die magische Zahl 50 in die Welt und schürte damit die ohnehin grassierende Angst in den Betrieben: Was kommt denn noch alles? Oder Industriepräsident Michael Rogowski. Er schlug jetzt vor, den Urlaubsanspruch der Arbeitnehmer einfach um eine Woche zu kürzen. Schließlich sei es nicht unzumutbar, statt sechs nur noch fünf Wochen Urlaub zu machen. Eine Aussage, der wahrscheinlich kaum jemand widersprechen wird, die aber trotzdem die Wut und den Widerstand gegen Sozialreformen schüren wird. Was kommt noch alles?
Steile Thesen, schrille Forderungen: Die Debatte um die Arbeitszeit in Deutschland entgleitet. Ökonomen und Unternehmer sollten sich darauf besinnen, worum es bei der Arbeitszeitdebatte wirklich geht.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/35-40-50-wer-bietet-mehr-1.917764
35 - 40 - 50 !!! - Wer bietet mehr?
00/05/2010
Der Bundeswirtschaftsminister sieht weiter keinen Grund für Pessimismus. Der jüngste Konjunkturknick könne im Jahresverlauf überwunden werden. Das Frühjahrsgutachten der sechs führenden Wirtschaftsforschungsinstitute zeige, "dass die Erholung allmählich an Breite gewinnt und damit mehr Eigendynamik entfalten kann", erklärte Clement in Berlin. Detailansicht öffnen Wirtschaftsminister Wolfgang Clement sieht im Frühjahrsgutachten keinen Grund zum Pessimismus. (Foto: Foto: dpa) Der jüngste Konjunkturknick könne im Jahresverlauf überwunden werden. Auch eine Besserung am Arbeitsmarkt sei in Sicht. Deutsche Wirtschaft noch in "Schwächephase" Wie aus der am Dienstag in Berlin vorgestellten Studie hervorgeht, erwarten die Institute in der Mitte dieses Jahres einen kräftigen Rückgang der Arbeitslosigkeit. Im Jahresdurchschnitt werde die Zahl der Arbeitslosen bei 4,844 Millionen liegen, nachdem die Zahl zum Jahresbeginn die Fünf-Millionen-Marke deutlich überschritten hatte. 2006 erwarten die Institute dann im Schnitt 4,518 Millionen. Die deutsche Wirtschaft befinde sich derzeit immer noch in einer "Schwächephase", hieß es. Die Institute gehen für dieses Jahr von einem Wachstum von 0,7 Prozent aus, nach 1,6 Prozent 2004. In ihrem Herbstgutachten hatten die Institute noch ein Wachstum von 1,5 Prozent vorausgesagt. Für 2006 erwarten sie wieder ein Anziehen der Konjunktur auf 1,5 Prozent. Clement: Reformprozess fortsetzen Zur Stärkung der Wachstumskräfte forderte Clement die "umgehende und vollständige" Umsetzung der Vereinbarungen des Job-Gipfels. Trotz Kritik im Detail unterstützten die Institute den Reformkurs der Regierung, der fortgesetzt werde. "Um die mittel- und langfristigen Wachstumsaussichten weiter zu stärken, ist eine Fortsetzung dieses Reformprozesses unausweichlich." Mehr Schwung beim privaten Konsum Die Institute hätten erklärt, dass die rot-grünen Reformen am Stellenmarkt allmählich ihre Wirkung entfalteten, meinte Clement. "Die Arbeitslosigkeit dürfte ab Jahresmitte saisonbereinigt zurückgehen. Dieser Rückgang wird sich im Jahr 2006 weiter fortsetzen." Die konjunkturelle Erholung werde zunächst wie im Vorjahr vor allem von der Exportdynamik getragen. Bei den inländischen Ausrüstungsinvestitionen gebe es einen Aufwärtstrend. "Auch der private Konsum wird im Verlauf des Jahres an Schwung gewinnen", erklärte Clement unter Berufung auf das Frühjahrsgutachten.
Der Bundeswirtschaftsminister sieht weiter keinen Grund für Pessimismus. Der jüngste Konjunkturknick könne im Jahresverlauf überwunden werden.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/fruehjahrsgutachten-der-wirtschaftsinstitute-clement-bleibt-optimistisch-1.906099
Frühjahrsgutachten der Wirtschaftsinstitute - Clement bleibt optimistisch
00/05/2010
Die Bundesregierung will den Chef der Finanzaufsicht, Jochen Sanio, trotz der Korruptionsaffäre in seiner Behörde erstmal nicht ablösen. Die Vorgänge seien ,,nicht so schlimm, dass Sanio gehen muss'', hieß es informierten Kreisen. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) hatte Sanio zuvor in einem internen Gutachten schwere Versäumnisse in seiner Behörde vorgeworfen, wie der Spiegel berichtete. Sanio und sein Stellvertreter, Karl-Burkhard Caspari, sollen demnach die Auftragsvergabe in ihrer Behörde nicht ausreichend kontrolliert haben. Die Staatsanwaltschaft Bonn ermittelt zudem gegen sechs Mitarbeiter der Aufsichtsbehörde unter anderem wegen des Verdachts der Untreue. Das Bundesfinanzministerium hatte das Gutachten bei PwC in Auftrag gegeben, nachdem im Frühjahr eine Korruptionsaffäre aufgeflogen war: Ein ranghoher Mitarbeiter der Finanzaufsicht soll mindestens 2,6 Millionen Euro veruntreut haben. Geld für private Zwecke Er soll als Leiter der IT-Beschaffung Rechnungen für Software ausgestellt haben, die es nicht gab, und das Geld für private Zwecke genutzt haben. Dem 52-Jährigen werden Bestechlichkeit, Untreue in einem besonders schweren Fall sowie Steuerhinterziehung vorgeworfen. Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums sprach mit Blick auf das Gutachten der Wirtschaftsprüfer von einem ,,sehr, sehr ernsten Vorgang''. Die Korruptionsaffäre belastet seit Monaten die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin). Die Behörde mit Sitz in Bonn und Frankfurt am Main soll die Finanzmärkte in Deutschland kontrollieren. Sie prüft Banken, Versicherungen und Fondsgesellschaften, sie untersucht zudem auffällige Entwicklungen bei Börsenkursen. Tadelloser Ruf Oberaufseher Sanio hatte bislang einen tadellosen Ruf. Er war auch jenseits der deutschen Grenzen als Experte und scharfer Kontrolleur angesehen. Doch dieser Ruf gerät durch das Gutachten von PwC ins Rutschen. Finanzpolitiker von Grünen und FDP forderten am Montag deshalb seine Entlassung: ,,Ein Kontrolleur, der es nicht schafft, seine eigene Behörde zu kontrollieren, ist nicht sehr glaubwürdig'', sagte der FDP-Politiker Volker Wissing. "Riesiges Problem" Die Finanzexpertin der Grünen, Christine Scheel, erklärte, die Bafin habe ein ,,riesiges Problem'', wenn sie im eigenen Hause auf einem Auge erblindet sei.
Die Bundesregierung will den Chef der Finanzaufsicht, Jochen Sanio, trotz der Korruptionsaffäre in seiner Behörde erstmal nicht ablösen. Die Vorgänge seien ,,nicht so schlimm, dass Sanio gehen muss'', hieß es informierten Kreisen.
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Korruptionsaffäre - Regierung stützt Chef der Finanzaufsicht
00/05/2010
Trotz massiver Kritik aus allen Parteien sieht Bundespräsident Horst Köhler keinen Anlass, seine Äußerungen zu den Lebensverhältnissen in Deutschland zu korrigieren. Führende Ökonomen - wie etwa Ifo-Chef Hans-Werner Sinn - stärkten dem Staatsoberhaupt unterdessen den Rücken. "Ich teile voll und ganz die Äußerung des Bundespräsidenten", sagte der ehemalige Wirtschaftsweise Juergen B. Donges dem Handelsblatt. Detailansicht öffnen Wirtschaftsforscher Hans-Werner Sinn. (Foto: Foto: ddp) Köhler in einem am Wochenende bekannt gewordenen Interview mit dem Nachrichten-Magazin Focus das im Grundgesetz festgeschriebene Ziel gleicher Lebensverhältnisse in Frage gestellt. Besonders ostdeutsche Politiker hatten darauf kritisch reagiert. "Die Warnung des Bundespräsidenten ist angebracht", sagte Hans-Werner Sinn, Präsident des Münchener Ifo-Instituts. Für Udo Ludwig, Konjunkturchef des Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH), ist das Ziel gleicher Lebensverhältnisse illusorisch. "Transfers auf Wachstumszentren konzentrieren" "Auch hinter dem westdeutschen Durchschnitt verbergen sich große Unterschiede, beispielsweise zwischen Teilen des Ruhrgebietes und München. Wir müssen lernen, mit diesen Unterschieden auch im Osten zu leben." Künftig sollten sich die staatlichen Transfers auf die Wachstumszentren konzentrieren, forderte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, Klaus Zimmermann. Menschen in Ländern wie Mecklenburg-Vorpommern, das auch künftig nicht zu den Wachstumsregionen zählen wird, könne man nur helfen, indem man ihre Bereitschaft, umzuziehen, fördert, sagte Zimmermann. Ifo-Chef Sinn ging noch einen Schritt weiter: Er hält das staatliche Handeln für kontraproduktiv: "Zum Glück sorgt die Marktwirtschaft selbst bereits für eine weitgehende Annäherung der Lebensverhältnisse. Kapital wandert dahin, wo die Löhne niedrig sind, und Arbeitnehmer wandern in Gebiete, in denen die Löhne hoch sind und es Stellen gibt. "Die Angleichung nicht gefördert, sondern behindert" Ein Großteil der staatlichen Transferzahlungen für die ostdeutschen Bundesländer stünden einer Angleichung der Lebensverhältnisse zwischen Ost und West daher im Wege, schrieb Sinn in einer am Dienstag veröffentlichten Stellungnahme. Der Staat habe durch die Zahlung von Sozialleistungen in Milliardenhöhe "die Angleichung der Lebensverhältnisse nicht gefördert, sondern massiv behindert". "Mehr, als diesen natürlichen Angleichungsprozess zu fördern, darf der Staat kaum tun." Insofern halte er die Warnung des Bundespräsidenten für angebracht.
Trotz massiver Kritik aus allen Parteien sieht Bundespräsident Horst Köhler keinen Anlass, seine Äußerungen zu den Lebensverhältnissen in Deutschland zu korrigieren. Führende Ökonomen - wie etwa Ifo-Chef Hans-Werner Sinn - stärkten dem Staatsoberhaupt unterdessen den Rücken.
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Wohlstandsschere - Ökonomen verteidigen Köhler
00/05/2010
Auch das gibt es: Da wird ein deutsches Traditionsunternehmen an einen der berüchtigten Risikofonds verkauft, doch statt Heuschreckenalarm herrscht bei allen Beteiligten eitel Freude. Geschäftsführung und Betriebsrat der MTU Friedrichshafen GmbH reagierten positiv auf den Verkauf ihres Unternehmens an den Finanzinvestor EQT für 1,6 Milliarden Euro. "EQT Partners ist unser Wunschkandidat, der sich in erheblichem Maß finanziell an unserem Unternehmen beteiligt und uns auf unserem Wachstumskurs begleitet", sagte MTU-Geschäftsführer Volker Heuer am Mittwoch nach einer Mitteilung der bisherigen DaimlerChrysler-Tochter. Detailansicht öffnen MTU-Mechaniker bei der Arbeit. (Foto: Foto: dpa) Zufrieden zeigte sich auch MTU-Betriebsratsvorsitzender Karl-Heinz Wulle, auch wenn sich die Arbeitnehmervertretung lange Zeit für einen industriellen Käufer ausgesprochen und dabei den Münchner Konzern MAN favorisiert hatte. Sogar Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder war für dieses Ziel in Gang gesetzt worden. "Industrieller Ansatz" "Der Finanzinvestor EQT verfolgt einen eher industriellen Ansatz, der sich am detaillierten Konzept, das uns präsentiert wurde, gut ablesen lässt", sagte Wulle. Er verwies darauf, dass MTU als tarifgebundenes Mitglied im Arbeitgeberverband bleiben werde. Der Geschäftsführer von EQT Deutschland, Marcus Brennecke, gab zu verstehen, dass es sich bei der MTU-Übernahme um ein langfristiges Engagement handele. In der MTU-Mitteilung wurde er mit den Worten zitiert: "Wir denken, dass unsere Investitionen in die geplanten neuen Produkte der MTU hervorragend investiertes Geld sind. Dass wir bis zum Ernten der Früchte einen langen Atem benötigen, ist uns durchaus bewusst." Friedrichshafen bleibt Unternehmenssitz Nach Heuers Angaben soll Friedrichshafen der "zentrale Unternehmenssitz" der MTU bleiben, an dem die Geschäftsführung angesiedelt ist. EQT werde durch seine Investitionsbereitschaft den Ausbau der MTU-Technologieführerschaft sichern, betonte der Geschäftsführer. DaimlerChrysler-Vorstand und MTU-Aufsichtsratschef Rüdiger Grube sagte, mit der Veräußerung an EQT seien die Weichen für die weitere Expansion von MTU Friedrichshafen gestellt. "Bei vergleichbaren Preisvorstellungen der drei Kaufinteressenten haben wir uns für den Bieter mit dem überzeugendsten Konzept entschieden." Zuletzt waren noch MAN und Kohlberg Kravis Roberts im Rennen gewesen. DaimlerChrysler hatte erst im September seinen MTU-Anteil von 88 auf 100 Prozent aufgestockt. Nach monatelangem Streit verkauften die Familiengesellschafter Schmid-Maybach und Brandenstein-Zeppelin ihre Aktienpakete an den Stuttgarter Autobauer. Diese hatten lange die Pläne von DaimlerChrysler blockiert und sich exklusiv an den Finanzinvestor Carlyle gebunden. Monatelanger Verhandlungspoker Dem Verkauf war ein monatelanger Verhandlungspoker vorangegangen. DaimlerChrysler trennt sich durch die Transaktion von einer der letzten großen Industriebeteiligungen und forciert damit die Konzentration auf das Kerngeschäft Automobilbau. Nicht zum Zuge kommt der Münchner MAN-Konzern, der MTU gerne übernommen hätte. EQT ist eine nordeuropäische Private Equity-Gruppe, die rund sechs Milliarden Euro Eigenkapital in acht Fonds verwaltet.
Auch das gibt es: Da wird ein deutsches Traditionsunternehmen an einen der berüchtigten Risikofonds verkauft, doch statt Heuschreckenalarm herrscht bei allen Beteiligten eitel Freude.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/mtu-friedrichshafen-keine-angst-vor-der-heuschrecke-1.901719
MTU Friedrichshafen - Keine Angst vor der Heuschrecke
00/05/2010
Bis zum Jahr 2012 sollen in Nordamerika 14 Werke des Automobilbauers stillgelegt werden. Beim Autohersteller Ford haben hohe Verluste in Nordamerika den Gewinn fast halbiert. Konzernchef Bill Ford verschärft den Sanierungskurs. Der angeschlagene Konzern schließt bis zum Jahr 2012 in Nordamerika 14 Werke und streicht 25 000 bis 30000 Arbeitsplätze, teilte Ford am Montagabend in Dearborn bei Detroit mit. Der Konzern hatte harte und schmerzhafte Einschnitte angekündigt. "Schwarzer Montag" haben die Arbeiter der Ford Motor Co. den Tag benannt, an dem Konzernchef Bill Ford Jr. in Dearborn den massiven Restrukturierungsplan "Weg vorwärts" (Way Forward) vorlegte. Der Plan sieht 2006 Investitionen von sieben Milliarden Dollar vor, sagte Ford. In diesem Jahr werde der Verkauf von Autos noch Verluste einbringen. Außerhalb des Heimatmarktes USA sollen vor Steuern und Sonderposten aber bereits 2006 Gewinne erwirtschaftet werden. In die Gewinnzone bis 2008 Bis spätestens 2008 soll das Autogeschäft weltweit wieder in die Gewinnzone kommen. Ford verliert seit zehn Jahren in Folge auf seinem Heimatmarkt USA Marktanteile. Im vergangenen Jahr verkaufte der Autohersteller dort 2,9 Millionen Autos und erreichte nur noch einen Marktanteil von 17,4 Prozent. 2004 waren es noch 18,3 Prozent und 1990 sogar 24 Prozent. Der Konzern will durch den Stellenabbau seine nordamerikanische Gesamtbelegschaft von 120 000 Beschäftigten um rund ein Viertel verkleinern. Ford will die nordamerikanische Produktionskapazität um 25 Prozent reduzieren oder um mehr als eine Million Autos. Mark Fields, der neue Chef der nord- und südamerikanischen Ford- Operationen, ist der Chefarchitekt, des Restrukturierungsplans. Er wolle auch neue Pkws und Geländewagen mit "emotionalerem" Design und besserer Qualität herausbringen, die Entwicklungszeiten und -kosten reduzieren und die Autofabriken auf flexiblere Produktion ausrichten. Ford wolle damit jüngere Autokäufer anlocken.Fields hatte zuvor die europäischen Ford-Bereiche und Mazda auf Vordermann gebracht. Ford habe Kapazitäten, um 4,5 Millionen Autos in Nordamerika zu bauen, habe jedoch 2005 nur 3,3 Millionen Stück produziert. Keine Marke soll aufgegeben werden Die Auslastung der Fabriken sei mit 79 Prozent eine der niedrigsten in der Autoindustrie. Ford wolle keine Marken aufgeben. Der zweite Sanierungsplan unter Bill Ford, dem Urenkel des Ford-Gründers Henry Ford, ist auf die Rettung des angeschlagenen nordamerikanischen Autogeschäfts ausgelegt. Ford hatte die Führung des 103 Jahre alten Unternehmen 2001 übernommen und hatte im Rahmen seines vor vier Jahren angekündigten ersten Restrukturierungsplans 20 000 nordamerikanische Stellen gestrichen und mehrere Fabriken geschlossen. Dies hatte 2004 wieder zu Milliardengewinnen geführt. Dann kamen aber scharf steigende Benzinpreise, die die für Ford lukrativen Geländewagen-Verkäufe absacken ließen. Hinzu kamen Rabattschlachten und die erfolgreichere Konkurrenz von Toyota, Honda, Nissan und Hyundai. Europa nicht betroffen Der zweitgrößte amerikanische Autohersteller hat im vergangenen Geschäftsjahr nach kräftigen Verlusten in Nordamerika einen deutlichen Gewinnrückgang verbucht. Ford verdiente im vergangenen Jahr zwei Milliarden Dollar (1,7 Milliarden Euro) und 1,5 Milliarden Dollar weniger als 2004. Der Umsatz stieg auf 178,1 (171,6) Milliarden Dollar, teilt der weltweit drittgrößte Autokonzern in Dearborn (Michigan) mit. In Nordamerika gab es vor Steuern einen Verlust von 1,2 Milliarden Dollar nach einem Gewinn von 1,6 Milliarden Dollar im Jahr 2004. Das weltweite Autogeschäft brachte im Gesamtjahr rote Zahlen von einer Milliarde Dollar vor Steuern im Vergleich zu einem Vorsteuergewinn von 850 Millionen Dollar im Vorjahr. In Nordamerika gab es im Autogeschäft Verluste von 1,6 Milliarden Dollar - eine Verschlechterung im Vergleich zum Vorjahr von drei Milliarden Dollar. Ford-Aktien sinken Im vierten Quartal 2005 erreichte der Ford-Gewinn 124 (104) Millionen Dollar. Der Quartalsumsatz erhöhte sich auf 47,6 (44,9) Milliarden Dollar. Der Nordamerika-Verlust betrug im Schlussquartal noch 15 Millionen Dollar vor Steuern nach 426 Millionen Dollar in der entsprechenden Vorjahreszeit. Die Ford-Aktien waren in den vergangenen zwölf Monaten um knapp 42 Prozent auf 7,90 Dollar abgesackt. Der von Ford angekündigte Abbau von 30.000 Stellen betrifft keine Arbeitsplätze in Deutschland. "Das ist ein Plan für Nordamerika, um dort das Geschäft voranzubringen. Er hat keine Auswirkungen für Europa oder Deutschland", sagte ein Ford-Sprecher in Köln. In Deutschland und Europa seien Kapazitätsanpassungen bereits in den vergangenen Jahren durchgeführt worden.
Bis zum Jahr 2012 sollen in Nordamerika 14 Werke des Automobilbauers stillgelegt werden.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/vereinigte-staaten-ford-wirft-ein-viertel-der-us-belegschaft-raus-1.905185
Vereinigte Staaten - Ford wirft ein Viertel der US-Belegschaft raus
00/05/2010
Die Bundesagentur für Arbeit hat einem Zeitungsartikel widersprochen, wonach sie ihre eigene Arbeitslosenstatistik anzweifelt. Die in dem Artikel vorgebrachten Argumente seien allerdings nachvollziehbar, sagte ein Experte zu sueddeutsche.de Die Financial Times Deutschland hatte am Mittwoch unter Berufung auf fehlerhafte und unplausible Angaben in Bewerberunterlagen berichtet, die Zahl der Arbeitslosen sei um rund ein Fünftel überzeichnet. "Diese Schlussfolgerung ist definitiv falsch", betonte eine Sprecherin der Bundesagentur am Mittwoch in Nürnberg. Detailansicht öffnen Mann vor dem Fenster des Arbeitsamtes Gelsenkirchen. (Foto: Foto: ddp) Bei den Stichproben der Bewerberprofile sei es ausschließlich um die Qualität der maschinell erfassten Bewerberangaben gegangen. 20 Prozent hätten zumindest in Teilen nicht den Anforderungen entsprochen, räumte die BA ein. Daraus dürfe aber nicht geschlossen werden, dass eben diese 20 Prozent auch zu Unrecht als Arbeitslose registriert seien und die Zahl der Arbeitslosen insgesamt deutlich nach unten korrigiert werden müsse. Die FTD hatte am Mittwoch gemeldet, dass Stichproben der Bundesagentur bei örtlichen Arbeitsagenturen ergeben hätten, dass etliche Personen als arbeitslos registriert wurden, die dem Arbeitsmarkt tatsächlich nicht zur Verfügung stehen. BA-Mitarbeiter hätten in den Stichproben die Bewerberprofile der Personen überprüft, die in den Computersystemen der BA als arbeitslos geführt würden. Dabei sei festgestellt worden, "dass es viele unplausible oder fehlerhafte Angaben gibt". Klärungsbedarf Als Beispiel habe ein BA-Sprecher eine Mutter genannt, die täglich drei kleine Kinder betreuen muss, dem Arbeitsmarkt laut Angaben aber gleichzeitig voll zur Verfügung stehe. Hier bestehe Klärungsbedarf, da die Mutter eigentlich nicht als arbeitslos mitgezählt werden dürfe, so der Sprecher zur FTD. Die Stichproben hätten eine Fehlerquote von 22 Prozent ergeben. "In dieser Größenordnung" sei die Zahl der Arbeitslosen "überzeichnet", schreibt die Zeitung weiter unter Berufung auf Kreise des Bundeswirtschaftsministeriums. Nach der Klärung unplausibler Fälle dürfte die Quote allerdings geringer sein, habe der BA-Sprecher der FTD gesagt. Arbeitsmarkt-Experte hält Argumentation für berechtigt Der Arbeitsmarkt-Experte Viktor Steiner vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin hält den in der FTD vorgetragenen Sachverhalt allerdings für nachvollziehbar: "Ich gehe ebenfalls davon aus, dass die Arbeitslosenzahlen in Deutschland als überschätzt betrachtet werden können. Meine Analysen des EU-Mikrozensus bestätigen die Größenordnung von zwanzig Prozent", sagte Steiner zu sueddeutsche.de. Allerdings sei dies eine Frage des verwendeten Konzepts. Der Sachverhalt sei zudem bereits seit längerem bekannt. Das Konzept der Bundesagentur zur Erfassung von Arbeitslosen sei weitgehender als im internationalen Vergleich üblich, so Steiner weiter. Nach dem System der International Labour Organization (ILO) in Genf, das in der überwiegenden Zahl der EU-Länder verwendet werde, würden nur jene Menschen geführt, die in den letzten zwei Wochen nach Arbeit gesucht hätten. "Die berühmte Mutter mit drei Kindern in Bayern ohne ausreichende Kinderbetreuungsmöglichkeiten ist da natürlich nicht mehr dabei", sagte Steiner. Logik des BA-Konzepts Allerdings müsse die Diskussion über die Arbeitslosenzahlen in einen breiteren Kontext eingebettet werden. So gebe es durchaus auch handfeste Gründe für das Konzept der Bundesagentur. Denn würden besagter Mutter ausreichend Kinderbetreuungsmöglichkeiten eingeräumt werden, dann sei ihre Berücksichtigung in der Arbeitslosenstatistik ja womöglich vollkommen gerechtfertigt. Zudem sei in Deutschland der Bezug von Sozialleistungen bis zum Arbeitslosengeld II an die Meldung als Arbeitssuchender geknüpft. "Diese Systematik wird bei dem ILO-System durchbrochen", so Steiner. Wirtschaftsminister Clement habe daher angeregt, neben den offiziellen BA-Zahlen auch Daten nach der ILO-Systematik für Deutschland zu erheben. "Ich würde diese Vorgehensweise für sinnvoll halten", so Steiner.
Die Bundesagentur für Arbeit hat einem Zeitungsartikel widersprochen, wonach sie ihre eigene Arbeitslosenstatistik anzweifelt. Die in dem Artikel vorgebrachten Argumente seien allerdings nachvollziehbar, sagte ein Experte zu sueddeutsche.de
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/kritik-an-arbeitslosenstatistik-agentur-fuer-arbeit-steht-zu-ihren-zahlen-1.906733
Kritik an Arbeitslosenstatistik - Agentur für Arbeit steht zu ihren Zahlen
00/05/2010
Erfolg für Siemens-Chef Peter Löscher: Trotz Sonderbelastungen hat der Konzern deutlich mehr verdient. Nun startet der Konzern ein großes Aktienrückkauf-Programm - das größte der deutschen Unternehmensgeschichte. Gute Zahlen bei Siemens: Der Umsatz legte im Geschäftsjahr 2006/07 im fortgeführten Geschäft um neun Prozent auf knapp 72,5 Milliarden Euro, sagte der neue Siemens-Chef Peter Löscher am Donnerstag auf der Bilanzpressekonferenz in München. Der Auftragseingang wuchs um zwölf Prozent auf knapp 84 Milliarden Euro. Detailansicht öffnen Siemens hat im vierten Geschäftsquartal kräftig verdient und pumpt nun mehrere Milliarden Euro in eigene Aktien. (Foto: Foto: dpa) Bis Ende des Geschäftsjahres 2009/2010 sollen Aktien im Volumen von insgesamt bis zu zehn Milliarden Euro erworben werden. Auf diesem Weg solle die Kapitalstruktur optimiert werden, erklärte Löscher am Vorabend nach einer Sitzung des Aufsichtsrats in München. "So schaffen wir Wert für unsere Aktionäre und erhalten uns zugleich finanzielle Flexibilität." Der Konzern sei für den Rückkauf dank der guten Geschäfte und des VDO-Verkaufs finanziell gut gerüstet. Conti zahlt mehr als elf Milliarden Euro für den Autozulieferer VDO an Siemens. In einem ersten Schritt will der Konzern eine Ermächtigung der Hauptversammlung nutzen, die es erlaubt, bis Mitte 2008 insgesamt bis zu zehn Prozent des Grundkapitals zu erwerben. Auf dieser Basis beschloss Siemens ein erstes Aktienrückkaufprogramm, das den Erwerb von insgesamt bis zu 89 Millionen Aktien vorsieht. Dies entspricht auf Basis der aktuellen Kurse einem Volumen von rund 8,5 Milliarden Euro - und ist das größte Aktienrückkaufprogramm der deutschen Unternehmensgeschichte. Für die weiteren Schritte soll die Hauptversammlung dann eine neue Ermächtigung erteilen. An der Börse im Plus Die Renditeziele für das operative Geschäft stockte Löscher bei der Vorlage der Jahreszahlen für 2006/07 auf. Die Medizintechnik müsse künftig eine Marge von 14 bis 17 Prozent abwerfen, sagte Löscher am Donnerstag in München. Bisher galt eine Messlatte von 13 bis 15 Prozent. Die Ziele für die künftigen Großbereiche Energie und Industrie würden zur Hauptversammlung im Januar verkündet. Löscher will die bisher neun Siemens-Bereiche ab dem neuen Jahr in drei Großsegmente zusammenfassen. Alle neun Bereiche hatten im vierten Quartal (bis Ende September) die erst vor einem halben Jahr erhöhten Renditeziele erreicht, die Löschers Vorgänger Klaus Kleinfeld erst für 2010 angepeilt hatte. Zugleich kündigte Löscher an, der Anteil der allgemeinen Vertriebs- und Verwaltungskosten am Umsatz solle bis 2010 um 10 bis 20 Prozent sinken. Zuletzt gab Siemens 16,7 Prozent seines Umsatzes für Vertrieb- und Verwaltung aus. An der Börse notiert Siemens heute im Plus. Der Konzern legte an der Spitze des Leitindex Dax 2,95 Prozent auf 97,86 Euro zu. Der Technologiekonzern hat das vierte Quartal seines Geschäftsjahres mit einem Gewinn- und Umsatzsprung abgeschlossen. Die Zahlen seien sehr solide ausgefallen, sagte UniCredit-Analyst Roland Pitz. Alles wird beleuchtet Bei Siemens steht derzeit alles auf dem Prüfstand. Löscher ist seit gut vier Monaten im Amt. Er hatte den VDO-Verkauf durchgesetzt und die US-Medizintechnikfirma Dade Behring für rund fünf Milliarden Euro erworben. Der Konzern soll künftig auf den Säulen Industrie, Energie und Gesundheit ruhen. Bisher ist Siemens in ein knappes Dutzend Bereiche gegliedert. Trotz zahlreicher Sonderlasten verzeichnet der Konzern für das vierte Quartal seines Geschäftsjahres 2006/2007 (30. September) einen Gewinnzuwachs. Der Gewinn nach Steuern legte 2006/07 um gut ein Fünftel auf 4,04 Milliarden Euro zu, wie das Unternehmen am Donnerstag in München mitteilte. Die Steuerlast aus dem Verkauf der Automobilsparte betrage rund eine Milliarde Euro. Der Kaufpreis von gut elf Milliarden Euro werde allerdings erst im neuen Geschäftsjahr verbucht. Der Umsatz kletterte um rund ein Zehntel auf 72,45 Milliarden Euro. Siemens kündigte an, die Dividende um 15 Cent auf 1,60 Euro je Aktie aufzustocken, und will im kommenden Geschäftsjahr weiter wachsen. "Operativ erwarten wir für das Geschäftsjahr 2008 weiterhin ein profitables Wachstum. Wir gehen davon aus, dass unser Volumen prozentual doppelt so stark wachsen wird wie das weltweite Bruttoinlandsprodukt", erklärte Vorstandschef Löscher.
Erfolg für Siemens-Chef Peter Löscher: Trotz Sonderbelastungen hat der Konzern deutlich mehr verdient. Nun startet der Konzern ein großes Aktienrückkauf-Programm - das größte der deutschen Unternehmensgeschichte.
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Aktienrückkauf - Siemens investiert massiv in eigene Papiere
00/05/2010
Weil die Biersorte vom Niederrhein seltener getrunken wird, suchen die Brauereien nach Alternativen - zum Beispiel Pils. Die Nachricht hat Deutschlands Biertrinker in ungläubiges Staunen versetzt: Der bisherige Altbierpurist Diebels (Werbeslogan: "Ein schöner Tag") will von 2005 an auch Pils brauen. Detailansicht öffnen Immer weniger Altbier geht über den Tresen. Nun will Diebels das Geschäft mit Pils aufzubessern. (Foto: Grafik: sueddeutsche.de) Damit reagiert das zum belgisch-brasilianischen Brauriesen Inbev gehörige Unternehmen auf den anhaltend rückläufigen Absatz von Altbier: Seit der Übernahme durch Interbrew im Jahr 2001 sank der Ausstoß der dunklen Bierspezialität kontinuierlich von 1,5 auf heute etwa 1,2 Millionen Hektoliter. Auch die Verkaufszahlen des einst umsatzträchtigen Altbier-Cola-Gemisches Dimix befinden sich im Sinkflug. Altbier weniger gefragt Dass die Brauerei Diebels, die als einzige das Altbier bundesweit vertreibt und mit einem Marktanteil von über 50 Prozent Branchenführer ist, nun auch Pils brauen will, ist bezeichnend für den Niedergang der einst so beliebten Biersorte: Das am Niederrhein beheimatete Alt, ein obergäriges, dunkles Vollbier mit 11,4Prozent Stammwürze, findet nämlich immer weniger Abnehmer. Wurden 1993 noch 3,5 Millionen Hektoliter Altbier getrunken, waren es 2003 nur noch knapp 2,7. Allein im vergangenen Jahr brach der Markt um 13,4 Prozent ein, in Nordrhein-Westfalen, dem Stammland des Obergärigen, sogar um 15,8 Prozent. Auf dem stark regional konzentrierten Altbiermarkt haben es vor allem Brauereien, die großen Konzernen angegliedert sind, schwer: So musste die Oetker-Tochter Schlösser Alt, die mit einem Ausstoß von 170.000 Millionen Hektolitern Branchendritte ist, innerhalb eines Jahres Umsatzeinbußen von etwa 30 Prozent hinnehmen. Auch die Brauereien Gatz und Hannen, die zum dänischen Carlsberg Konzern gehören, setzten zusammen etwa zehn Prozent weniger um als noch vor einem Jahr. Beide verkaufen nach wie vor nur Altbier und keine Mischgetränke. Mittelständler mit Erfolg Für Rudolf Böhlke, Branchenexperte der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst &Young, stehen die Schwierigkeiten der Altbierbrauer stellvertretend für die Probleme der gesamten Branche: "Bier hat ein Identifikationsproblem." Allerdings scheinen vom abnehmenden Altbierdurst nicht alle Brauer gleichermaßen betroffen: Der Branchenzweite, die Privatbrauerei Frankenheim, wird als Shootingstar am Markt gefeiert. So konnte der Mittelständler den Altbierausstoß im vergangenen Jahr sogar leicht auf 550.000 Hektoliter steigern.
Weil die Biersorte vom Niederrhein seltener getrunken wird, suchen die Brauereien nach Alternativen - zum Beispiel Pils.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/ruecklaeufiger-absatz-kein-schoener-tag-fuer-altbier-1.903225
Rückläufiger Absatz - Kein schöner Tag für Altbier
00/05/2010
Allein für das vergangene Jahr hat der Fiskus mit 4,7 Milliarden Euro Einnahmen aus dem Spiel mit dem Glück gerechnet. Das sind fast 50 Prozent mehr als zehn Jahre zuvor. Zwar hoffen jede Woche Millionen Bundesbürger auf "sechs Richtige" im Lotto, doch den Hauptgewinn zieht allemal der Staat. Das berichtete das Institut der deutschen Wirtschaft. Von 1993 bis 2002 kletterte allein der Gesamtumsatz des deutschen Lotto- und Totoblocks um 43 Prozent auf gut 8,3 Milliarden Euro. Hälfte wird ausgezahlt Das klassische Mittwochs- und Samstagslotto vereinte dabei mit 5,3 Milliarden Euro fast 64 Prozent der Spieleinsätze auf sich. Von den eingesammelten Milliardenbeträgen werde aber nur ungefähr die Hälfte wieder als Gewinn ausgezahlt. Auf den Geldsegen wollten die Finanzminister ebenso ungern verzichten wie die sozialen und kulturellen Einrichtungen, die in den Genuss der Lottoabgaben kommen, urteilten die Wirtschaftsexperten. Neuer Staatsvertrag Der neue Staatsvertrag zum Lotteriewesen, der Mitte dieses Jahres in Kraft treten soll, sehe deshalb vor, dass private Gewinnzwecke verboten blieben, während öffentliche Einnahmen ausdrücklich erzielt werden sollten. Allein für Nordrhein-Westfalen beliefen sich die für 2003 erwarteten Glücksspieleinkünfte nach Angaben des Instituts auf gut eine Milliarde Euro. Bayern und Baden-Württemberg dürften jeweils knapp 700 Millionen Euro kassiert haben, hieß es.
Allein für das vergangene Jahr hat der Fiskus mit 4,7 Milliarden Euro Einnahmen aus dem Spiel mit dem Glück gerechnet. Das sind fast 50 Prozent mehr als zehn Jahre zuvor.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/lotto-vater-staat-zieht-den-hauptgewinn-1.904243
Lotto - Vater Staat zieht den Hauptgewinn
00/05/2010
Der Traum von einer neuen Börsenhausse hat sich als verfrüht erwiesen: In den vergangenen drei Handelstagen gab der deutsche Leitindex Dax bis zu 400 Punkte ab. Es könnte so schön sein: der Dax auf dem besten Weg zu neuen Höchstständen, die harten Jahre 2001 bis 2003 vergessen, ein New Economy-Enthusiasmus und Geldsegen kehren langsam aber sicher zurück. Detailansicht öffnen Ein Händler sah heute zeitweise im TecDAX sogar "panikartige Verkäufe". (Foto: Foto: AP) Doch die letzten zwei Handelstage haben gezeigt, dass der Traum von einer neuen Hausse noch etwas verfrüht ist. Nach dem der Index bereits am Freitag mehr als zwei Prozent eingebüßt hatte, geht die Talfahrt am Montag weiter. Zeitweise rutschte der Dax sogar unter die Marke von 5.800 Punkte, erholte sich zuletzt aber leicht. So tief stand der Index das letzte Mal vor zwei Monaten. Nebenwerte ebenfalls unter Druck Auch der sonst so solide MDax, in dem die Werte der zweiten Reihe notiert sind, verlor in den letzten fünf Handelstagen über sechs Prozent. Der TecDax musste im selben Zeitraum sogar über 7 Prozent abgeben und sank heute um 3,80 Prozent auf 700,40 Punkte. Ein Händler in Frankfurt sprach angesichts der erneut kräftigen Kursrückgänge von "Zinsangst", nachdem die US-Börsen am Freitag schwach geschlossen hatten. Gewinnmitnahmen Sorgen vor Inflation und weiter steigenden Zinsen hatten jenseits des Atlantiks auf die Marktstimmung gedrückt und würden nun auch den deutschen Aktienmarkt belasten. "Es werden nun Gewinne erst einmal mitgenommen", sagte er. Ein weiterer Händler sah zeitweise im TecDax sogar "panikartige Verkäufe". Das sonst beliebte Argument "steigender Ölpreis" gilt dies mal nicht. Der Preis der Rohölsorte Brent gab in den letzten zwei Handelstagen um mehrere Prozent nach und notiert momentan bei 71,53 US-Dollar. RWE im Plus RWE gehörten zu den wenigen Gewinnern im Dax. Nach einem verlustgeprägten Start legten die Papiere des Versorgers um 0,67 Prozent auf 64,93 Euro zu und konnten damit ihre anfänglichen Verluste ausgleichen. RWE hat im ersten Quartal vom langen Winter profitiert und sein Ergebnis kräftig gesteigert. Händler und Analysten äußerten sich recht positiv zu den Ergebnissen, sahen aber auch einige Enttäuschungen. Schwächster Dax-Wert war die Deutsche Börse mit einem Minus von 4,34 Prozent auf 117,74 Euro. Ein möglicher Zusammenschluss des Frankfurter Marktbetreibers mit der Fünfländerbörse Euronext ist einem Zeitungsbericht zufolge wegen anhaltender Differenzen beider Partner noch längst nicht in trockenen Tüchern. Eine Fusion habe nur eine 50:50 Chance, schreibt das Wall Street Journal Europe unter Berufung auf der Angelegenheit vertraute Personen. Seit Jahresbeginn hat der Dax mehr als 800 Punkte zulegen können. Der Aufwärtstrend verlief ohne nennenswerte Korrekturen. Eine Korrektur wäre also längst überfällig.
Der Traum von einer neuen Börsenhausse hat sich als verfrüht erwiesen: In den vergangenen drei Handelstagen gab der deutsche Leitindex Dax bis zu 400 Punkte ab.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/boerse-panikartige-verkaeufe-1.898479
"Börse - ""Panikartige Verkäufe"""
00/05/2010
Neue Zahlen aus Nürnberg: Die Zahl der Arbeitslosen ist im März auf 4,108 Millionen gesunken. Im Vergleich zum vergangenen Jahr sind dies 869.000 weniger. Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im März um rund 114.000 auf 4108.000 gesunken. Das waren 869.000 weniger als vor einem Jahr, berichtete die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Donnerstag in Nürnberg. Die Arbeitslosenquote ging um 0,3 Punkte auf 9,8 Prozent zurück. Vor einem Jahr hatte sie noch bei 12,0 Prozent gelegen. "Getragen von der guten Konjunktur fiel die Frühjahrsbelebung am Arbeitsmarkt kräftig aus. Die Arbeitslosigkeit ist zurückgegangen, das Beschäftigungswachstum gewann nochmals an Fahrt und die Kräftenachfrage bleibt hoch", erklärte BA-Chef Frank-Jürgen Weise am Donnerstag in Nürnberg. Der vergleichsweise milde Winter und auch das neue Saison-Kurzarbeitergeld hätten den saisonal bedingten Anstieg der Arbeitslosigkeit halbiert. Die überdurchschnittliche Abnahme im März sei Beleg für die ungebrochene Wirkung der konjunkturellen Belebung des Arbeitsmarktes, sagte Weise weiter. Im Westen: Knapp 2,7 Millionen Arbeitslose In Westdeutschland waren im März 2.698.000 Männer und Frauen ohne Beschäftigung. Das waren 84.000 weniger als im Februar und 620.000 weniger als vor einem Jahr. In Ostdeutschland lag die Zahl der Erwerbslosen im März bei 1.410.000. Das waren 30.000 weniger als im Vormonat und 249.000 weniger als im März des vergangenen Jahres. Die Arbeitslosenquote lag im Westen bei 8,1 Prozent, im Osten bei 16,5 Prozent. Die saisonbereinigte Erwerbslosenzahl, das Spiegelbild der konjunkturellen Entwicklung am Arbeitsmarkt, sank im März bundesweit um 65.000 auf 3,832 Millionen. Im Westen nahm sie um 46.000 ab, im Osten um 19.000. Zahl sozialversicherter Jobs steigt Die Zahl der Erwerbstätigen lag zuletzt mit 38,96 Millionen um 571.000 über dem Vorjahreswert. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten stieg binnen Jahresfrist um 624.000 auf 26,46 Millionen.
Neue Zahlen aus Nürnberg: Die Zahl der Arbeitslosen ist im März auf 4,108 Millionen gesunken. Im Vergleich zum vergangenen Jahr sind dies 869.000 weniger.
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Anziehende Konjunktur - Arbeitslosigkeit im März leicht gesunken
00/05/2010
Im Tarifstreit der Lokomotivführer hat die Gewerkschaft GDL den neuen Vorschlag der Bahn als "im Grunde nichts Neues" abqualifiziert. Zugleich boten die Lokführer aber weitere Gespräche an. Das Angebot der Deutschen Bahn, das der Konzern Montagmittag auf einer Pressekonferenz in Berlin präsentiert hatte, bewertete die Lokführer-Gewerkschaft offiziell in gereiztem Tonfall. Die Bahn habe, "nachdem sie die Öffentlichkeit informiert hat, auch der GDL die Kurzfassung eines Tarifangebots zugefaxt", hieß es in einer Mitteilung. Die Langfassung liege der Gewerkschaft noch nicht vor. Bereits aus der vorgelegten Fassung sei jedoch erkennbar, dass das Angebot "in jedem Fall unzureichend sei", teilte GDL-Chef Schell mit. Neue Gespräche angeboten Hinter den Kulissen bewertet die Lokführer-Gewerkschaft die Vorschläge der Bahn offenbar aber nicht ganz so ablehnend, wie es auf den ersten Eindruck schien. In Bahn-Kreisen hieß es Montagnachmittag, dass Schell dem Bahn-Verhandlungsführer Werner Bayreuther neue Gespräche angeboten habe. Die Bahn hatte zuvor erklärt, der Konzern sei der GDL mit seinem neuen Angebot deutlich entgegengekommen. "Wir bieten einen eigenen Tarifvertrag für Lokführer an", sagte Bahn-Personalvorstand Margret Suckale zu dem zentralen Streitpunkt zwischen dem Konzern und der Gewerkschaft. Die GDL war in die Auseinandersetzung mit der Bahn mit der Forderung nach einem deutlichen Lohnplus für die Lokführer sowie einem eigenen Tarifvertrag gezogen. Obwohl die Bahn nun von solch einem eigenen Tarifvertrag spricht, muss dieser sich nach Ansicht des Konzerns allerdings zugleich "konflikt- und widerspruchsfrei" in das bestehende Tarifsystem der Bahn einfügen. Zug um Zug eigene Bedingungen Damit will der Konzern verhindern, dass er künftig mit den verschiedenen Bahn-Gewerkschaften - der GDL, Transnet sowie der GDBA - alle Bedingungen separat verhandeln muss. Die Eigenständigkeit der GDL engt dies wiederum ein, die ja eben Zug um Zug eigene Bedingungen für die Lokführer aushandeln will. "Bevor wir abschließen, muss es eine Kooperation der Gewerkschaften geben", sagte Suckale. Transnet und GDBA forderten die Lokführer am Montag angesichts des neuen Angebots der Bahn auf, wieder gemeinsam zu verhandeln. Grundlage für das Angebot an die Lokführer ist nach wie vor ein Abschluss zwischen der Bahn mit Transnet und GDBA vom Juli dieses Jahres. Darin ist ein Lohnplus von 4,5 Prozent vom nächsten Jahr an sowie eine Einmalzahlung für dieses Jahr von 600 Euro vorgesehen. Einmalzahlung von 2000 Euro Darüber hinaus bietet die Bahn nun an, dass die Arbeitnehmer sich dieses Jahr zwei Überstunden je Woche auszahlen lassen können und auf diese Weise noch einmal 1400 Euro erhalten. Insgesamt ergäbe sich noch vor Weihnachten eine Einmalzahlung von 2000 Euro, rechnet die Bahn vor. Vor allem das Angebot zur Auszahlung der Überstunden sei speziell auf die GDL zugeschnitten, weil laut dem Konzern fast alle Lokführer Überstunden gesammelt haben, die sie nach den aktuellen Regeln nicht in Geld umwandeln können. 2008 können die Lokführer zu dem Lohnplus von 4,5 Prozent weitere fünf Prozent erhalten, falls sie pro Woche zwei Stunden mehr arbeiten. Letzteres Vorschlag hatte die GDL in der Vergangenheit bereits abgelehnt. Zudem bietet die Bahn an, die Schichtpläne stärker an den Wünschen der Mitarbeiter auszurichten. Die Dienstpläne werden derzeit noch häufig kurzfristig geändert. Dieses Angebot begrüßte auch die Gewerkschaft Transnet, weil beispielsweise auch die Zugbegleiter an mitarbeiter-freundlichen Schichtplänen interessiert seien. Unternehmensberatung soll Lohnstrukturen untersuchen Suckale sagte, weiter sei vorstellbar, dass der Konzern die Zulagen verändere. Zudem soll die Unternehmensberatung Kienbaum die Lohnstrukturen der Lokführer untersuchen und Vorschläge für Verbesserungen machen. Suckale sagte, dass die Bahn sich im Laufe der monatelangen Verhandlungen deutlich auf die GDL zubewegt habe. "Wir haben manche Kröte geschluckt, jetzt muss die GDL an den Tisch kommen", erklärte sie. Die Bahn gehe davon aus, "dass wir nicht gleich eine Absage bekommen". Zudem erwarte der Konzern, dass die Lokführer während weiterer Verhandlungen nicht mehr zu Streiks aufriefen. "Arbeitsniederlegungen unverständlich" Schon die Arbeitsniederlegungen vergangene Woche seien unverständlich gewesen, weil die Bahn zuvor bereits ein neues Angebot für die GDL angekündigt habe. Die Streiks hatten am Freitag bundesweit den Nahverkehr deutlich beeinträchtigt. Der Fern- und Güterverkehr blieben nur verschont, weil das Arbeitsgericht Chemnitz Arbeitsniederlegungen dort untersagt hatte.
Im Tarifstreit der Lokomotivführer hat die Gewerkschaft GDL den neuen Vorschlag der Bahn als "im Grunde nichts Neues" abqualifiziert. Zugleich boten die Lokführer aber weitere Gespräche an.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/annaeherung-im-tarifkonflikt-lokfuehrer-gereizt-aber-gespraechsbereit-1.889569
Annäherung im Tarifkonflikt - Lokführer gereizt - aber gesprächsbereit
00/05/2010
Deutsche Firmen, die ihre Produktion ins Ausland verlagern, werden dafür vom Fiskus belohnt. Von Ulrich Schäfer Porsche-Chef Wendelin Wiedeking betrachtet sich als echten Patrioten. Er springt dem Kanzler gelegentlich zur Seite. Im Namen der CDU hat er voriges Jahr den Bundespräsidenten mitgewählt. Und er hat ein Autowerk in Leipzig errichtet, das andere in Osteuropa hoch gezogen hätten. Detailansicht öffnen Steuerprivilegien für Jobvernichter? Die Silhouette von Bundesfinanzminister Hans Eichel. (Foto: Foto: dpa) Die Karosserien, die in Sachsen zusammengeschraubt werden, stammen allerdings aus dem slowakischen Bratislava - was der Sportwagen-Hersteller gern verschweigt. Am Dienstag redete sich der Mann aus Zuffenhausen vor Abgeordneten aus Baden-Württemberg in Rage. Sein Thema: die Schwierigkeiten des Standorts Deutschland. Die Löhne seien nicht das Problem, konstatierte Wiedeking, schließlich habe Porsche sein Stammwerk "im Herzen des Hochlohnlands Deutschland" und sei trotzdem weltweit erfolgreich. Standortverlagerung steuerlich absetzen Problematisch seien die EU-Subventionen für Osteuropa und das deutsche Steuerrecht: Es sei "geradezu der Gipfel des Unsinns, wenn man in Zeiten, in denen mehr als fünf Millionen Menschen als Arbeitslose in Deutschland registriert sind, den Job-Export auch noch aus dem deutschen Steuertopf subventioniert." Denn vereinfacht gesagt können Firmen, die Fabriken ins Ausland verlagern, die Kosten dafür in Deutschland absetzen. Von den Gewinnen müssen sie aber nur zwei Prozent an den hiesigen Fiskus abführen. Wiedeking mischt sich damit in eine Debatte ein, die seit längerem die Steuerwissenschaftler beschäftigt - und seit kurzem auch das politische Berlin. So hatte die Vorsitzende des Finanzausschusses im Bundestag, Christine Scheel von den Grünen, unmittelbar nach dem Job-Gipfel im Kanzleramt gefordert: "Schluss mit Steuersubventionen für den Export von Arbeitsplätzen". Auch in der SPD murren immer mehr Politiker, insbesondere Parteilinke, über den Steuervorteil - aber auch wirtschaftsliberale Vertreter wie der Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin. Wenn die Sätze der Körperschaftsteuer nun von 25 auf 19 Prozent sinken, dann müssten, fordert Sarrazin (dem 15 Prozent eigentlich noch lieber wären), im Gegenzug auch "ungerechtfertigte Privilegierungen" fallen. Welche Macht hat nationale Politik? Mehr als fünf Milliarden Euro gehen dem deutschen Staat durch die Lappen, weil er den Job-Export begünstigt, hat der Senator mit Hilfe von Zahlen aus dem Bundesfinanzministerium errechnet. Ein Unding, sagt Scheel. Aber die Experten von Hans Eichel halten dagegen: Dies sei eine sehr vernünftige Regel, wenn man die Unternehmen nicht vollends vertreiben wolle. Es geht in diesem Streit um eine komplizierte Regel im ohnehin schon komplizierten Firmensteuerrecht. Es geht um schwierige Fragen, die selbst manche Experten überfordern. Es geht aber auch um ganz einfache Dinge: Welche Macht hat nationale Politik noch im Zeitalter der Globalisierung? Und was darf die Politik von den großen Unternehmen des Landes noch erwarten?
Deutsche Firmen, die ihre Produktion ins Ausland verlagern, werden dafür vom Fiskus belohnt. Von Ulrich Schäfer
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/job-export-ins-ausland-steuer-wahnsinn-mit-methode-1.901334
Job-Export ins Ausland - Steuer-Wahnsinn mit Methode
00/05/2010
Niedersachsens Ministerpräsident Wulff erkennt an der EADS-Spitze Verständnis für die Sorgen an deutschen Airbus-Standorten. Die beiden Chefs des Luftfahrtkonzerns klangen verhaltener. "Wir sind uns einig gewesen, und zwar ohne Ausnahme, dass die notwendige Restrukturierung fair von statten geht", sagte der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff nach einem Gespräch mit den EADS-Co-Chefs Louis Gallois und Thomas Enders am Dienstag in Berlin. Detailansicht öffnen Freundlicher Händedruck zwischen Christian Wulff (rechts) und Thomas Enders. Ob es dabei bleibt, entscheidet sich nächste Woche. (Foto: Foto: Reuters) Auf eine ausgewogene Lastenverteilung hatte zuvor auch Bundeswirtschaftsminister Michael Glos in einer Unterredung mit den beiden Managern gedrungen, wie es in seinem Haus hieß. Die EADS-Manager enthielten sich weitgehend eines Kommentars. Enders sprach lediglich von "konstruktiven" Gesprächen. Eine Woche vor Verkündung der Airbus-Sparpläne setzte sich Glos für den Erhalt deutscher Jobs bei dem Flugzeugbauer ein. Glos traf am Dienstag in Berlin mit den Chefs des Mutterkonzerns EADS, Louis Gallois und Thomas Enders, zusammen. Deutsche Interessen Zuvor hatte Glos bekräftigt, dabei die deutschen Interessen wahren zu wollen. Glos forderte zugleich, im Zuge des Umbaus von Airbus auch mehr Arbeiten aus Deutschland und Frankreich weg zu verlagern. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) warnte vor einer Verlagerung von technologischem Know-how nach Frankreich. Das Airbus-Sparprogramm soll am kommenden Dienstag vorgestellt werden. Glos sagte vor dem Treffen mit der EADS-Spitze im ZDF, Deutschland werde selbstbewusst in die Verhandlungen um die Zukunft des Flugzeugbauers gehen. "Schließlich sind wir für den EADS-Konzern auf dem militärischen Sektor der größte Arbeitgeber", fügte er hinzu. Drohung Damit ließ er erneut die Drohung anklingen, mit der er vor kurzem für Aufsehen gesorgt hatte. Damals hatte Glos mit der Überprüfung von Rüstungsaufträgen an EADS gedroht, sollte Deutschland bei den Sparplänen gegenüber anderen Airbus-Ländern benachteiligt werden. Glos sagte weiter im ZDF, Airbus habe "unternehmerisch viel nachzuholen". Bisher sei zu sehr darauf geschaut worden, "dass Arbeit vergeben wird in Deutschland und Frankreich". Airbus sei eine Art "Arbeitsbeschaffungsgesellschaft" gewesen. Künftig sollten mehr Aufträge an Zulieferer im Dollar-Währungsraum ausgelagert werden. "Flugzeuge müssen im Dollar-Raum verkauft werden, wir müssen da internationaler werden." Deutschland wolle "keinen staatsgesteuerten Konzern", sondern einen Flugzeugbauer, der im Wettbewerb mit seinem Konkurrenten Boeing bestehen könne, sagte Glos. "Vernünftige Perspektive" Niedersachsens Ministerpräsident Wulff sagte der Tageszeitung Die Welt, er fürchte, dass manche bei Airbus sich durch den Verkauf deutscher Werke Kapital beschaffen wollten. Deshalb fordere er "für alle Standorte eine vernünftige Perspektive".
Niedersachsens Ministerpräsident Wulff erkennt an der EADS-Spitze Verständnis für die Sorgen an deutschen Airbus-Standorten. Die beiden Chefs des Luftfahrtkonzerns klangen verhaltener.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/kampf-um-deutsche-airbus-jobs-eads-sagt-angeblich-faire-lastenverteilung-zu-1.902829
Kampf um deutsche Airbus-Jobs - EADS sagt angeblich faire Lastenverteilung zu
00/05/2010
Übermäßiges Sparen schadet, aber ohne einen wirksamen Stabilitätspakt droht der Euro sein Fundament zu verlieren. Die Bundesregierung darf aufatmen: Brüssel hat der Opposition gerade einen Wahlkampfhit genommen. Mit den rot-grünen Sorgen, vor der Wahl 2006 als Schulden-Weltmeister dazustehen, ist es erstmal vorbei. Die EU-Kommission stoppt das Strafverfahren wegen der deutschen Etatdefizite - und erspart Gerhard Schröder damit bis auf weiteres die peinlichen Dauermahnungen, durch die er wie ein Hasardeur wirkte, dem ständig eine Milliardenbuße der EU droht. Der neue Frieden mit der Kommission beschert der Regierung ein weiteres Geschenk. Die dreijährige Fehde, die zu einer beispiellosen Eskalation vor dem höchsten europäischen Gericht führte, hatte das Verhältnis zu den Brüsseler Akteuren beschädigt und die Bundesrepublik in Europa schlecht aussehen lassen. In so einem Klima ließen sich deutsche Interessen nur schwer vertreten. Jetzt kann der Bundeskanzler wieder unbelasteter versuchen, EU-gesetzliche Grausamkeiten von der Wirtschaft - soll heißen: von deutschen Unternehmen - abzuwenden. Brüsseler Toleranz Die plötzliche Harmonie mit der Kommission rührt nicht etwa daher, dass die Bundesregierung neuerdings mehr sparen würde. Im Gegenteil. Das nach Brüssel gesandte Stabilitätsprogramm spottet seinem Namen. Finanzminister Hans Eichel verbucht für 2005 Einnahmen, die erst später anfallen oder überhaupt nicht in der Kasse landen - so programmiert man schon heute die Etatlöcher von morgen. Die Bundesregierung plant auf Kosten künftiger Generationen. EU-Währungskommissar Joaquin Almunia toleriert dies ebenso wie die wacklige Wachstumsprognose nur aus einem Grund: Er will keine neuerliche Auseinandersetzung mit Berlin. Alle Fragen offen Almunia braucht den Waffenstillstand für die Reform der Euro-Rahmenregeln, die in der Tat keinen Aufschub duldet. In Wahrheit trügt die Entspannung zwischen Berlin und Brüssel. Alle Fragen, die den Konflikt auslösten, sind bisher unbeantwortet. Was ist ein Stabilitätspakt wert, den Europas größte Nation mindestens drei Jahre lang bricht? Welches Land hält sich noch an das Gebot niedriger Defizite, wenn es die Euro-Schwergewichte Deutschland und Frankreich ungestraft ignorieren dürfen? Ganz offenbar hatte sich kein Politiker vorstellen können, dass der Stabilitätspakt je angewandt werden würde. Die Regeln wurden nur beschlossen, damit die Bundesbürger für den Euro ihre Mark opferten - jene Wirtschaftswunder-Währung, die vielen Deutschen noch heute so lieb ist, dass sie die Münzen und Scheine zinslos horten. Heuchlerisches Manöver Der Pakt war als Ersatz-Symbol geplant, auf das die Bürger ihren Stabilitätswunsch projizieren konnten. Deswegen würde die Bundesregierung die Gültigkeit der Euro-Regeln offiziell nie in Frage stellen. Sie möchte sie sogar in den Verfassungsrang erheben. Dies lässt sich nur als durchsichtiges, heuchlerisches Manöver einstufen - es sei denn, die Regierung hilft endlich mit, dem Pakt seine verlorene Geltung wiederzugeben. Als erstes wäre der Grundgedanke wiederzubeleben, dass die Währungsunion Regeln braucht. Die Euro-Zone mit ihren heute zwölf Mitgliedern stellt ein einmaliges Experiment dar. Sie vereint Staaten mit sehr verschiedenen politischen und ökonomischen Traditionen zu einer Schicksalsgemeinschaft. Wie sich inzwischen herausstellt, hat Griechenland nie seine Ausgaben nach den Einnahmen ausgerichtet, sondern einfach die Daten frisiert. Weil solche unsoliden Etats einzelner potentiell alle Mitglieder des Euroclubs belasten, muss der Pakt weiterhin niedrige Defizite und Schulden vorschreiben - und mehr statt wie geplant weniger Druck ausüben, damit die Staaten entsprechend wirtschaften, ob nun Griechenland oder die Bundesrepublik. Dies ist umso wichtiger, als nun die wenig gefestigten Volkswirtschaften Osteuropas in die Währungsunion drängen. Übermäßiges Sparen schadet In einem haben die Gegner der Euro-Regeln aber recht: In einer Wirtschaftskrise kann übermäßiges Sparen schaden. Deshalb sollte nicht jedes Land in jeder Situation genötigt werden, sein Defizit auf drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu beschränken. So starr schreibt das der Pakt auch nicht vor. Er lässt sich deshalb ökonomisch fortentwickeln. Wer wie die Berliner Koalition Reformen für mehr Wachstum umsetzt, ist anders zu behandeln als Regierungen, die die Krise aussitzen. Und Staaten mit hohen Schuldenbergen sollten mehr sparen als andere. Damit solche Flexibilität nicht in Willkür abgleitet, bedarf es aber eines unabhängigen Schiedsrichters. Diese Rolle kann nur die Kommission spielen. Sie braucht dazu mehr Macht als bisher. Hoher Preis Zahlreiche EU-Staaten blockieren dies - und sind deshalb gerade dabei, den Stabilitätspakt endgültig zu zerstören. Sie überbieten sich mit Vorschlägen, die die Regeln außer Kraft setzen sollen, wenn es einer Regierung gerade passt. Mancher rot-grüne Politiker mag es lohnend finden, bei diesem Treiben mitzumachen. Jeder lästige, aber heilsame Sparzwang bliebe Berlin künftig erspart. Doch der Preis für diese Ruhe wäre hoch. Ohne einen wirksamen Stabilitätspakt droht der Euro sein Fundament zu verlieren. Gerhard Schröder könnte dann als der Kanzler in die Geschichte eingehen, der den Deutschen eine Weichwährung beschert hat.
Übermäßiges Sparen schadet, aber ohne einen wirksamen Stabilitätspakt droht der Euro sein Fundament zu verlieren.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/kommentar-der-schulden-pakt-1.907601
Kommentar - Der Schulden-Pakt
00/05/2010
Den Sparkassen reichen 15 Prozent Rendite vor Steuern. Warum will Josef Ackermann für die Deutsche Bank so viel mehr? Weil die in einer höheren Liga spielen soll. Eine einzige Zahl nennt Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank, gerne und beharrlich als Zielgröße. 25 Prozent Eigenkapitalrendite vor Steuern will er erreichen, und zwar mindestens. Detailansicht öffnen Josef Ackermann will für die Deutsche Bank 25 Prozent Rendite - und damit in der internationalen Liga mitspielen. (Foto: Foto: AP) Davon war er im vergangenen Jahr mit 17 Prozent noch weit entfernt. Ob er die 25 Prozent in diesem Jahr erreichen wird, kann er noch nicht sicher sagen. Aber wie er zu diesem Ziel kommen will, nämlich über einen massiven Abbau von Arbeitsplätzen, hat er gesagt - und damit große Empörung in Deutschland ausgelöst, auch weil hierzulande mehr als fünf Millionen Menschen keinen Job haben. Warum aber gerade 25 Prozent? Der Quotient aus Gewinn und Eigenkapital ist eine wichtige Messgröße für die Profitabilität einer Bank. Je höher sich das eingesetzte Kapital verzinst, desto besser für den Kapitalgeber, also die Aktionäre. Auf Augenhöhe mit der Konkurrenz Für die Hausnummer 25 gibt es aber keine genaue Begründung. Vielmehr nennen viele Banken schon seit längerem eine Rendite von 15 Prozent nach Steuern als erstrebenswerte Zielgröße. Weil aber die Besteuerung von Land zu Land unterschiedlich ausfällt, werden im internationalen Vergleich gerne Kennziffern vor Steuern genannt. Olaf Kayser, Bankenanalyst der Landesbank Rheinland-Pfalz, meint, die Deutsche Bank brauche keineswegs 25 Prozent Rendite zum Überleben. Die Kosten des Kapitals würden bereits bei neun Prozent nach Steuern verdient. Für die Deutsche Bank gehe es vielmehr darum, in einer bestimmten Liga mitzuspielen. Bei möglichen Fusionen und Übernahmen wolle sie auf einer Augenhöhe mit der Konkurrenz mitreden. Als unmittelbare Konkurrenz nennt Kayser die französische BNP Paribas oder die schweizerische UBS, deren Kapitalrenditen sich eher bei 30 Prozent befinden würden. 25 Prozent "das absolute Minimum" Auch Ackermann verweist auf die üppigen Gewinne der amerikanischen Citigroup oder der britischen HSBC, um den Nachholbedarf der Deutschen Bank anzumelden. "Wenn wir eine Bank haben wollen, die vorn mitspielt, müssen wir uns an internationalen Kriterien messen", sagte er. Die 25 Prozent nach Steuern seien "das absolute Minimum", die besten Banken der Welt würden weit darüber liegen. Der Chef der Deutschen Bank weist gleichwohl von sich, mit dieser Zahl eine Strategie zu ersetzen. Sie sei nur die Voraussetzung dafür, eine Bank aufzubauen, die aus Deutschland heraus global vorn dabei ist. Schließlich musste Ackermann häufig den Vorwurf hören, er wolle die Deutsche Bank kaputtsparen und habe keine Ideen für sinnvolle Investitionen. Nicht nur das. Sparkassenpräsident Dietrich Hoppenstedt wirft dem umstrittenen Bankier vor, sich mit seinem Renditeziel aus dem Geschäft mit dem deutschen Mittelstand und der Betreuung breiter Bevölkerungsschichten zu verabschieden. Keine Abkehr vom Mittelstand geplant Die Sparkassen als dominierende Bankengruppe in Deutschland haben sich ein Ziel von 15 Prozent Eigenkapitalrendite vor Steuern gesetzt. 2003 waren sie erst bei 10,7 Prozent und die Zahl von 2004 ist noch unter Verschluss. Bekanntlich nagen die öffentlich-rechtlichen Kreditinstitute nicht am Hungertuch, durften sich aber in der Vergangenheit des Privilegs staatlicher Unterstützung erfreuen, was ihnen den Zugang zum Kapitalmarkt sehr erleichterte. Von einer Abkehr von Privatkunden oder vom Mittelstand will Ackermann freilich nichts wissen. Auch glaubt er in diesen Feldern mit seinem Renditeziel richtig zu liegen, weil den Firmenkunden neben Krediten auch Beratung, Börsen- und Anlagegeschäfte zu verkaufen wären. Bei Privatkunden erziele sein Haus schon jetzt Eigenkapitalrenditen über 30 Prozent.
Den Sparkassen reichen 15 Prozent Rendite vor Steuern. Warum will Josef Ackermann für die Deutsche Bank so viel mehr? Weil die in einer höheren Liga spielen soll.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/ackermanns-rendite-ziel-die-magische-25-1.902991
Ackermanns Rendite-Ziel - Die magische 25
00/05/2010
Der Kommunikations-Bereich von Siemens ist seit langem ein Sorgenkind: Jetzt hat der deutsche Konzern mit dem finnischen Handyprimus Nokia eine milliardenschwere Kooperation vereinbart. Diese könnte zahlreiche Jobs kosten. Der Siemens-Konzern und der finnische Konkurrent Nokia haben eine milliardenschwere Kooperation im Bereich Telekom-Ausrüstung vereinbart. Detailansicht öffnen Gebäude der Siemens-Netzwerksparte ICN in München. (Foto: Foto: AP) Dafür werde die Netzwerk-Sparte von Nokia mit dem Netzbetreiber-Geschäft (Carrier Networks) von Siemens in ein neues, rechtlich eigenständiges Unternehmen zusammengelegt, teilte Siemens in München mit. Beide Seiten sollen zu je 50 Prozent an dem neuen Gemeinschaftsunternehmen mit dem Namen Nokia Siemens Networks beteiligt sein. Die beiden Konzerne, die in den vergangenen Jahren unter einer wachsenden Konkurrenz aus Asien zu leiden hatten, erhoffen sich von dem Zusammenschluss nach eigenen Angaben Einsparungen von rund 1,5 Milliarden Euro. Vor Restrukturierungskosten soll sich die Transaktion bis Ende 2007 positiv auf den Gewinn auswirken. "Globale Reichweite" "Das Gemeinschaftsunternehmen ist mit seiner Größe und globalen Reichweite bestens aufgestellt, um bei der Entwicklung innovativer sowie Kosten sparender Produkte und Dienstleistungen in dieser Industrie eine wesentliche Rolle zu spielen", hieß es in der Ad-hoc-Mitteilung. Der Umsatz des neuen Unternehmens liegt auf Basis der Zahlen aus dem Jahr 2005 bei knapp 16 Milliarden Euro pro Jahr. Durch die Fusion entsteht das weltweit drittgrößte Unternehmen der Branche nach Ericsson und Lucent/Alcatel. Nokia und Siemens wollen vor allem durch die Zusammenlegung ihrer Entwicklungsteams auf dem umkämpften Markt für Telefon- und Mobilfunknetze besser bestehen können. Hauptsitz in Helsinki Der Hauptsitz von Nokia Siemens Networks soll in Helsinki liegen. Am Standort München sei aber "eine starke regionale Präsenz" geplant. So sollen drei der insgesamt fünf Geschäftseinheiten dort ihren Sitz haben. Registriert wird Nokia Siemens Networks in den Niederlanden. Die Führung übernimmt Nokia-Manager Simon Beresford-Wylie. Finanzvorstand wird Peter Schönhofer, bislang Mitglied des Vorstands der Siemens AG Österreich. Die Kontrollbehörden müssen dem Zusammenschluss noch zustimmen. Das Closing wird bis Jahresende erwartet.
Der Kommunikations-Bereich von Siemens ist seit langem ein Sorgenkind: Jetzt hat der deutsche Konzern mit dem finnischen Handyprimus Nokia eine milliardenschwere Kooperation vereinbart. Diese könnte zahlreiche Jobs kosten.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/milliarden-deal-siemens-und-nokia-legen-netzwerkgeschaeft-zusammen-1.900462
Milliarden-Deal - Siemens und Nokia legen Netzwerkgeschäft zusammen
00/05/2010
Gleich zwei amerikanische Fluggesellschaften haben Konkurs angemeldet. Die Unternehmen ächzen unter den hohen Kerosinpreisen. Die Pleitewelle in der US-Luftfahrt setzt sich fort: Mit Delta Air Lines und Northwest Airlines meldeten am Mittwoch (Ortszeit) zwei der fünf größten US-Fluggesellschaften Konkurs an. Damit stehen nun vier der sieben größten Unternehmen der US-Branche unter Gläubigerschutz. Detailansicht öffnen Flugzeuge von Delta Air Lines und Northwest Airlines. (Foto: Foto: AP) Delta fliegt täglich von vier deutschen Flughäfen in die USA, Northwest bedient Frankfurt am Main. Für die Kunden ändert sich zunächst nichts. Das US-Konkursrecht erlaubt es Unternehmen, unbelastet von ihren Schulden den Betrieb weiterzuführen und die Sanierung anzugehen. Delta wie Northwest ächzen unter dem erbarmungslosen Preiskampf in der Branche und den hohen Kerosinpreisen. Terrorangst verschärfte Krise Deutlich verschärft wurde die seit Jahren andauernde Krise durch die Terroranschläge vom 11. September 2001 und den folgenden Einbruch bei den Passagierzahlen. Mit United Airlines und US Airways hatten bereits die Nummer zwei und Nummer sieben der US-Branche ihre Pleite angemeldet. United tat dies bereits im Dezember 2002, kündigte aber am Donnerstag an, das Dach des US-Gläubigerschutzes in den kommenden Monaten verlassen zu wollen. Der frühere Vorsitzende von Continental Airlines, Gordon Bethune, sagte, die großen US-Fluggesellschaften hätten sich zu hohe Kosten und zu schlechten Service erlaubt. Diese Arroganz habe es Billig-Fluggesellschaften ermöglicht, auf dem amerikanischen Markt Fuß zu fassen. Für die Kunden bleibt alles gleich Delta betonte, für die Kunden ändere sich durch den Konkursantrag nichts. Der Flugplan werde vollständig eingehalten und Tickets wie gewohnt ausgestellt. Von Deutschland aus bietet Delta tägliche Direktflüge von Frankfurt am Main, München, Stuttgart und Berlin in die Vereinigten Staaten an. Insgesamt fliegt die Airline gut 500 Ziele in 88 Ländern an. Nach eigenen Angaben hat Delta das weltweit zweitgrößte Passagieraufkommen.
Gleich zwei amerikanische Fluggesellschaften haben Konkurs angemeldet. Die Unternehmen ächzen unter den hohen Kerosinpreisen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/schuldenberge-in-milliardenhoehe-delta-und-northwest-airlines-fliegen-in-die-pleite-1.905091
Schuldenberge in Milliardenhöhe - Delta und Northwest Airlines fliegen in die Pleite
00/05/2010
Kramt man in den Unterlagen vergangener Grüner Wochen, stößt man auf die bizarrsten Prospekte. Wozu, denkt man sich, hast du die Sachen damals eigentlich eingesackt: das Merkblatt für das Melkfett, die Weinpreisliste der Egbert Reichsgraf von Plettenberg GmbH, das Faltblatt mit dem "Super-Lug"-Reifen von Kléber? Weder hat man je auf die Heilkraft des im Melkfett verborgenen Teebaumöls gesetzt noch Graf Egberts "Wolfsheimer Götzenborn" geordert noch gar einen Kléber-Reifen bestellt, obwohl dessen Abrollumfang von 3980 mm ein starkes Argument dafür gewesen wäre. Es hat sich freilich auch anderes Papier über die Zeiten hinweg erhalten - Werbematerial, das dem Fress-Ereignis Grüne Woche näher kommt als Reifenprospekte. Frische Eier Nicht, dass man sich nun mit lauter Eiern eingedeckt hätte, doch die CMA-Info "Woran kann der Verbraucher Eier deutscher Herkunft erkennen?" ist in den Hausschatz eingegangen. Auf der Rückseite dieses Blattes ist je ein geschlossener und ein offener Eierkarton abgebildet; ein Pfeil zeigt auf den Aufdruck "Frische Deutsche Eier" und erklärt ihn zum Nachweis deutscher Herkunft. Das Eier-Blatt wurde damals in ein Faltblatt der Aktionsgemeinschaft Deutsches Fleisch gelegt. Darauf prangt die Zeichnung eines riesigen Schweinemastbetriebs. Wir schauen durch weit offene Dächer von oben hinein: Schweine über Schweine, tragende Sauen, Ferkel, säugende Sauen und solche, die am rechten unteren Bildrand den Transporter betreten, mit sich und der Welt offenbar im Einklang. Beruhigende Woche Das ist das eigentlich Schöne und zutiefst Beruhigende an der Grünen Woche: dass man nicht verhungert, nicht verhungern kann. Man hat da schon Leute gesehen, die mit den Nerven am Ende waren; Leute, die immer wieder am koreanischen Stand landeten und dort Kimchi probierten, obwohl sie sich eigentlich über das Coburger Fuchsschaf hatten kundig machen wollen; Leute, die es laut hinausschrieen, dass sie keine Ahnung hätten, welcher Teufel sie reite, hier herumzulaufen, während sie doch vor lauter Krampfadern nicht mehr aus noch ein wüssten; Leute, die bei den Iren gestrandet waren und sich immer fast in ihr Bierglas verkrochen, wenn sie von der Verwandtschaft ausgerufen wurden; Leute, die einen Popcorn-Ofen bestellt hatten und sich nun fragten, wieso sie das nicht unter falschem Namen getan hatten. Leib und Seele Doch dass einer nicht satt geworden wäre auf der Grünen Woche, das hat man noch nie gesehen. Es sind die Freuden des Augenblicks, die der Grünen Woche ein beständiges Publikum sichern. Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen, sagen die Besucher und finden, dass der Januar wie angemessen ist für so eine jährliche Zusammenhalte-Kur. Doch über Tag und Woche hinaus? Keine Angst, auch dafür ist die Grüne Woche gut. Zum Beispiel kann man dort das Faltblatt "Goldener Kartoffelvorrat" einstecken, zu Hause studieren und später auf dem Münchner Viktualienmarkt die Standlfrau verblüffen: Ob sie "zufällig" die Likaria vorrätig habe, "mehlig, wissen S' scho"? Sie hat sie nicht.
Bizarre Werbeunterlagen verraten mehr über Deutschlands liebstes Fress-Ereignis als offizielle Prospekte.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/gruene-woche-in-berlin-melkfett-und-teebaumoel-1.902283
Grüne Woche in Berlin - Melkfett und Teebaumöl
00/05/2010
Die Verteidiger des Deutsche Bank-Chefs schlagen einen neuen Kurs ein: Die umstrittenen Millionen-Prämien sollten angeblich Vorstandsvorsitzenden Klaus Esser zum Bleiben bewegen. Mit einer komplett veränderten Verteidigungsstrategie und mindestens zwölf neuen Zeugen geht der Mannesmann-Prozess ab Oktober in eine neue Runde. Nach Informationen des Handelsblatts wollen die Verteidiger die Richter nun davon überzeugen, dass die umstrittenen Millionenprämien einen Nutzen für das Unternehmen hatten - und damit Freisprüche für den Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und seine Mitangeklagten erreichen. Detailansicht öffnen Der ehemalige Mannesmann Vorstandsvorsitzende Klaus Esser (links) mit Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann. (Foto: Foto: AP) Der neue Prozess vor dem Landgericht Düsseldorf beginnt am 26. Oktober und wird wohl bis Ende Februar andauern. Endet das bislang spektakulärste Wirtschaftsstrafverfahren der deutschen Nachkriegsgeschichte mit einer rechtskräftigen Verurteilung, wird Deutsche-Bank-Chef Ackermann zurücktreten. Dies kündigte er bereits vor einigen Monaten an. Die Frage nach dem Gegenwert Mit der neuen Strategie gehen die Verteidiger wohl auf die Vorgaben und Fragen des Bundesgerichtshofes (BGH) ein. Allen voran: Handelte es sich bei den Prämien, die die Mannesmann-Aufsichtsräte Ackermann, Joachim Funk und Klaus Zwickel ehemaligen Managern des Konzerns gewährten, um schlichte Geschenke - oder hatten sie einen Gegenwert für das Unternehmen? Fast 112 Millionen D-Mark sind Anfang 2000 an Führungskräfte und Pensionäre geflossen - unmittelbar nach der Übernahme des Traditionskonzerns Mannesmann durch die britische Mobilfunkgesellschaft Vodafone. Allein Ex-Vorstandschef Esser bekam zusätzlich zu den Ansprüchen aus seinem Vertrag 30 Millionen D-Mark als Prämie. Anreiz für Esser Der BGH sah darin Sonderzahlungen, die "für die Mannesmann AG ohne jeden Nutzen waren". Die Verteidiger wollen nun angeblich mit Hilfe neuer Zeugen deutlich machen, dass die Prämien durchaus einen Nutzen für das Unternehmen hatten. Sie seien als Anreiz für Klaus Esser gedacht gewesen, damit dieser auch nach der Übernahme von Mannesmann für eine Übergangsphase im Unternehmen verbleibe und weiter an der Verwirklichung seiner Strategie arbeite, berichtet das Handelsblatt. Als Zeugen habe man Investmentbanker sowie Vodafone- und Mannesmann-Manager vorgeschlagen, die damals bei Strategiegesprächen dabei gewesen seien und bezeugen könnten, dass Esser auch nach der Übernahme durch Vodafone noch "nützlich und äußerst brauchbar" gewesen sei.
Die Verteidiger des Deutsche Bank-Chefs schlagen einen neuen Kurs ein: Die umstrittenen Millionen-Prämien sollten angeblich Vorstandsvorsitzenden Klaus Esser zum Bleiben bewegen.
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Mannesmann-Prozess - Eine neue Strategie für Herrn Ackermann
00/05/2010
In der Bundesregierung gibt es starke Vorbehalte gegen Firmenkäufer aus dem Putin-Land - Forsches Auftreten, unklare Herkunft des Kapitals und eine Kontrolle des Kreml im Hintergrund sind häufige Kennzeichen der Investoren. An das Gespräch im Herbst vergangenen Jahres kann sich Peer Steinbrück noch gut erinnern. "Ein wenig seltsam" seien ihm die Gäste vorgekommen, die da in seinem Büro in der Berliner Wilhelmstraße aufkreuzten, erzählte der Bundesfinanzminister später. Die Emissäre des russischen Telefonkonzerns Sistema wollten ausloten, ob sich die Bundesregierung einen Einstieg ihres Unternehmens bei der Deutschen Telekom vorstellen könne. Steinbrück beließ es bei Allgemeinplätzen. Weitere Gesprächswünsche der Russen in den Folgemonaten wimmelte das Büro des Ministers ab. Steinbrücks Reaktion ist symptomatisch für den Umgang der Regierung mit den neureichen Investoren aus Moskau und St. Petersburg. Niemand weiß, woher die Milliarden stammen, die vor allem die sogenannten Oligarchen plötzlich in Firmen aus Deutschland stecken wollen. Wurde das Geld legal erwirtschaftet oder haftet ihm doch der Ruch von Korruption und Günstlingswirtschaft an? Wer steht hinter den Managern, die teilweise nur halb so alt sind wie mancher deutsche Minister? Der Kreml? Die Mafia? Was haben die Investoren aus dem Reich des Wladimir Putin in der Bundesrepublik eigentlich vor? Ratschläge von Kohl und Schröder Pikanterweise waren es ausgerechnet die deutschen Kanzler Helmut Kohl und Gerhard Schröder, die Russland zu einer stärkeren Verankerung in der Weltwirtschaft geraten hatten. "Wir haben die Russen immer dazu ermuntert, sich nicht nur als reiner Energielieferant zu verstehen, sondern auch neue Geschäftsfelder zu erschließen", sagt Wirtschaftsstaatssekretär Bernd Pfaffenbach, der schon unter den beiden früheren Regierungschefs diente und jetzt die von der heutigen Kanzlerin Angela Merkel eingesetzte "deutsch-russische strategische Arbeitsgruppe" leitet. Im Gasgeschäft auf dem deutschen Markt mischen russische Firmen auch bereits mit. Doch das reicht Präsident Putin und seinen Getreuen offenkundig nicht mehr, wie das Beispiel Sistema zeigt. "Russland sitzt dank seiner immensen Gaseinnahmen auf einer Menge Geld, das nun irgendwo investiert werden will", erklärt Pfaffenbach. Da liege es nahe, dass die Investoren deutsche Dax-Konzerne ins Auge fassten. "Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden, allerdings muss man sich jeden Einzelfall genau ansehen", so der Staatssekretär. Bei diesem Hinweis will er es dann aber bewenden lassen. Vom Kreml kontrolliert Hinter vorgehaltener Hand werden Regierungsvertreter dagegen durchaus deutlicher. So sei es problematisch, dass viele Investoren wie der Gaskonzern Gazprom keine Privatunternehmen seien, sondern vom Kreml kontrolliert würden. "Da fragt man sich schon, ob es sein muss, dass ausgerechnet der russische Staat maßgeblichen Einfluss auf deutsche Großunternehmen ausübt", heißt es in Regierungskreisen. Ein zweites Problem ist dem Vernehmen nach das oftmals forsche Auftreten der Russen. "Die schneien herein und wollen immer gleich eine strategische Beteiligung von mindestens 25 Prozent plus einer Aktie", beklagt ein Regierungsbeamter. "Das hieße, dass in dem betreffenden Unternehmen gegen die Russen nichts mehr laufen würde". Andere ausländische Investoren - etwa aus den Scheichtümern am Golf - begnügten sich zunächst mit geringeren Beteiligungen. Gleich eine Beteiligung von 25 Prozent Angesichts der Vorbehalte ist es kaum vorstellbar, dass die Bundesregierung in großem Umfang Aktien der verbliebenen Staatskonzerne Telekom, Post und Bahn an russische Investoren verkaufen würde. Schwieriger würde es, wenn sich die Käufer über die Börse eindeckten. Hier setzen Kanzleramt und Ministerien auf die Meldeschwelle von drei Prozent. Ist die erreicht, kann immer noch entschieden werden, ob die Regierung mit Hilfe anderer Investoren versucht, die Offerte der Russen auszuhebeln. Dass die östlichen Unternehmer nicht zimperlich sind, zeigt ein Beispiel aus der Schweiz: Dort beteiligte sich ein Investor über mehrere Strohmänner mit 30 Prozent an einem Maschinenbauer, ein Schweizer Banker half ihm dabei. Als das Geschäft aufflog, wurde der Banker umgehend gefeuert.
In der Bundesregierung gibt es starke Vorbehalte gegen Firmenkäufer aus dem Putin-Land - Forsches Auftreten, unklare Herkunft des Kapitals und eine Kontrolle des Kreml im Hintergrund sind häufige Kennzeichen der Investoren.
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"Vorbehalte gegen russische Firmenkäufer - ""Seltsame Gäste"""
00/05/2010
Im Betrugsskandal des Geldtransportunternehmens gehen die Behörden inzwischen auch dem Verdacht der persönlichen Bereicherung nach. In einer groß angelegten Durchsuchungsaktion sicherten sie am Montag Beweise. Am Montagvormittag fuhren Beamte bei sechs Privatwohnungen von Ex-Managern sowie bei Geschäftspartnern des insolventen Geldtransportunternehmens Heros in Deutschland und Österreich vor. Detailansicht öffnen Ermittler am Montagvormittag. vor dem Wohnhaus des Heros-Gründers Karl-Heinz Weis. (Foto: Foto: ddp) Damit begann die bisher größte Durchsuchungsaktion im Skandal um die Veruntreuung von mehr als einer halben Milliarde Euro an Kundengeldern. Ausgelöst worden war die Maßnahme durch den Verdacht, dass der inzwischen inhaftierte Heros-Gründer Karl-Heinz Weis, sein ebenfalls einsitzender Top-Manager Bernd Köller und weitere Verantwortungsträger über ein ausgeklügeltes System Millionensummen über die Grenze geschafft haben. Dabei hätten sich die Beschuldigten einer Briefkastenfirma in der Slowakei bedient, der FYA Soluti. Auf diesem Wege sollen die früheren Manager etwa fünf Millionen Euro aus dem Unternehmen abgezweigt haben. Neun Büros betroffen Von der Durchsuchungsaktion waren neun Büros betroffen, unter anderem in Hannover, Hamburg, Mannheim sowie in Österreich. Das sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Hannover, Manfred Knothe. Zu den Inhabern der Scheinfirma in der Slowakei soll auch die Ehefrau des Heros-Firmengründers Weis zählen. Die Firma soll überhöhte Rechnungen für Materialbeschaffung an Heros gestellt haben. "Diesmal steht der Verdacht der persönlichen Bereicherung im Vordergrund", sagte Knothe. Gelder für den laufenden Betrieb Im Rahmen des Heros-Betrugs sollen insgesamt 350 Millionen Euro an Kundengeldern unterschlagen worden sein. Allerdings gehen die Ermittler davon aus, dass die Heros-Führung einen Teil des Geldes nutzte, um den laufenden Betrieb aufrecht zu erhalten. Wie bei einem Schneeball-System sollen über Jahre hinweg Löcher in der Bilanz gestopft worden sein. Der Heros-Gründer und drei seiner Mitarbeiter sitzen in Untersuchungshaft. Heros hatte nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe Insolvenz angemeldet. Nach Einschätzung des Insolvenz-Verwalters wurden bis zu 1000 Firmen geschädigt. Allein der Kölner Handelskonzern REWE hat einen Ausfall von 160 Millionen Euro verzeichnet. Das sagte REWE-Chef Achim Egner bei der Bilanzvorlage des zweitgrößten deutschen Lebensmittelhändlers am Montag in Köln. Manipulationen möglicherweise gedeckt Nach Worten Egners gibt es Ermittlungen gegen einen REWE-Angestellten. Er steht im Verdacht, die Manipulationen gedeckt zu haben.
Im Betrugsskandal des Geldtransportunternehmens gehen die Behörden inzwischen auch dem Verdacht der persönlichen Bereicherung nach. In einer groß angelegten Durchsuchungsaktion sicherten sie am Montag Beweise.
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Betrugsskandal - Ermittler suchen Heros-Gelder im Ausland
00/05/2010
Die Deutsche Bahn friert ihre Mitarbeit am deutsch-französischen Hochgeschwindigkeits-Zug vorerst ein. Von den ursprünglich 10.000 technischen Details, die in mehrjähriger Arbeit geklärt werden konnten, blieben am Ende "500 offene Fragen übrig, die vorerst nicht zu lösen sind". Die Deutsche Bahn (DB) hat ihre Beteiligung an der Entwicklung des europäischen Hochgeschwindigkeitszuges High Speed Train Europe (HTE) "eingefroren". Der von DB-Chef Hartmut Mehdorn und dem französischen Bahn-Chef Louis Gallois 1999 angekündigte "Airbus der Schiene" steht damit vermutlich vor dem Ende. Detailansicht öffnen Der deutsche ICE (links) und der französische TGV sollten aufeinander abgestimmt werden, doch die Unterschiede bleiben nun vorläufig. (Foto: Fotos: ddp, AP) Die zwei größten europäischen Bahngesellschaften hatten viele Jahre an der Entwicklung einer europäischen Zugfamilie mit vielen Gleichteilen gearbeitet. Ziel war es, die unterschiedlichen Normen zu vereinheitlichen, die Anforderungen zu harmonisieren und einen problemlosen grenzüberschreitenden Betrieb der Züge zu ermöglichen. Kosten senken Durch die Verwendung von standardisierten Modulen und größere Stückzahlen wollten Franzosen und Deutsche, denen sich später auch die italienische Bahn anschloss, in erster Linie Kosten senken und Schwierigkeiten im Betrieb überwinden. Derzeit setzt die französische SNCF auf den von Alstom entwickelten TGV, der sich deutlich vom ICE (Siemens) der Deutschen Bahn unterscheidet. "Schwierigkeiten technischer Art, die so nicht vorhersehbar waren" und der unterschiedliche Bedarf an neuen Zügen führten nach Angaben von Gerd Matschke, Projektleiter für den HTE bei der Deutschen Bahn, zum Ausstieg der Deutschen. Von den ursprünglich 10.000 technischen Details, die in mühsamer mehrjähriger Arbeit geklärt werden konnten, blieben am Ende "500 offene Fragen übrig, die vorerst nicht zu lösen sind", so Matschke zur SZ. Budgetgründe Dazu kommt, dass die DB aus Budgetgründen auf die Bestellung neuer Hochgeschwindigkeitszüge verzichtet und statt dessen den 13 Jahre alten ICE 1 überarbeitet. Die Deutschen schließen nicht aus, zu einem späteren Zeitpunkt wieder in das Projekt einzusteigen. Denn Franzosen und Italiener "überlegen, allein weiterzumachen", sagte SNCF-Chef Gallois der SZ. "Die Deutschen können jederzeit zurückkommen", so Gallois. Inwieweit der Schritt der Deutschen tatsächlich revidierbar ist, wird sich zeigen. Unüberwindbare kartellrechtliche Probleme für das Projekt, das sowohl im Interesse der Bahnunternehmen als auch der Industrie wäre, hat es dem Vernehmen nach nicht gegeben.
Die Deutsche Bahn friert ihre Mitarbeit am deutsch-französischen Hochgeschwindigkeits-Zug vorerst ein. Von den ursprünglich 10.000 technischen Details, die in mehrjähriger Arbeit geklärt werden konnten, blieben am Ende "500 offene Fragen übrig, die vorerst nicht zu lösen sind".
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"Hochgeschwindigkeitszug - Aus für den ""Airbus der Schiene"""
00/05/2010
Wenn alles nach Plan verläuft, wird an diesem Donnerstag für den Stuttgarter Autokonzern eine neue Zeitrechnung unter neuem Namen beginnen. Bis kurz vor Schluss der außerordentlichen Hauptversammlung, die in Berlin stattfindet, firmiert dieser Konzern noch als Daimler-Chrysler, wird aber am Abend schon Daimler AG heißen. Die Zustimmung der Aktionäre vorausgesetzt, die angesichts der Mehrheitsverhältnisse als sicher gilt. Sie sollen den allerletzten Schlussstrich ziehen unter das leidige Kapitel mit der Überschrift "Chrysler". Detailansicht öffnen Trennung mit Hindernissen: Der Daimler-Konzern entscheidet über seinen neuen Namen. (Foto: Foto: dpa) Neun Jahre lang hat die kränkelnde US-Tochter dem Autokonzern regelmäßig die Bilanzen verhagelt, neun Jahre lang wollte nicht zusammenwachsen, was per Vorstandsdekret zusammengehören sollte. Im August wurde Chrysler dann praktisch an den amerikanischen Finanzinvestor Cerberus verschenkt - bis auf einen Minderheitsanteil von 20 Prozent, den die Stuttgarter erst einmal behalten. Oettinger tritt für Benz ein Kein Aktionär weint Chrysler eine Träne nach. Wohl aber Carl Benz. Ein Großteil der Debattenbeiträge auf der Hauptversammlung dürfte sich dem für viele empörenden Umstand widmen, dass der Mannheimer Motorenbauer und spätere Kompagnon Gottlieb Daimlers aus dem Konzernnamen getilgt wurde. Seit Monaten schon steht Mannheim Kopf und kämpft für die Rücktaufe des Unternehmens zur alten Daimler-Benz AG. Selbst Ministerpräsident Günther Oettinger, CDU, schrieb an den Vorstandsvorsitzenden Dieter Zetsche einen Brief und forderte ihn auf, das Ganze noch einmal zu überdenken. Begründung: "Der Name Benz hat auf der ganzen Welt einen ebenso guten Klang wie der Name Daimler; zusammen ist die Marke unerreicht." Doch Zetsche ließ sich nicht erweichen und betonte eins ums andere Mal, dass man durch die Rückkehr zur Daimler-Benz AG nicht das falsche Signal setzen wolle, der Konzern habe eine Rolle rückwärts ins Vor-Fusionsjahr 1998 gemacht. Immerhin sei die heutige Daimler AG drei mal so groß wie die seinerzeitige Daimler-Benz AG. Außerdem lebe Benz' Vermächtnis ja in der Automarke Mercedes-Benz fort. "Was allerdings für den Namen Daimler AG sprechen würde, ist der Umstand, dass man theoretisch auf den alten Briefbögen, Schildern und Visitenkarten lediglich mit einem schwarzen Edding das Chrysler übermalt. Einen Haufen Geld kann man damit einsparen." So steht in einem der zahlreichen Internetforen zu lesen, in denen das Aufregerthema hin- und hergewendet wird. Die Schreiberin irrt allerdings insofern, als die Aktion "Name Change" - also Namenswechsel - trotz aller Proteste bereits seit Juli im Konzern läuft. 200 Mitarbeiter um die Unternehmens-Kommunikationsfachfrau Ulrike Becker tüfteln seither am neuen Logo in neuem Schriftzug und neuer Farbe. Wie es aussieht, darum macht Daimler allerdings ein großes Geheimnis, das erst am Schluss der Hauptversammlung gelüftet wird. Am Freitag, dem Tag danach, beginnt dann das große Umetikettieren. Neue T-Shirts Schon in der Nacht von Donnerstag auf Freitag sollen alle deutschen Werke sowie die Firmenzentrale in Untertürkheim mit dem neuen Logo versehen werden. Danach müssen in den Werken Tausende Overalls und T-Shirts der Arbeiter ausgetauscht werden. Tonnen von Briefpapier und Visitenkarten werden neu bedruckt, außerdem müssen Werksausweise sowie Verkehrshinweisschilder ausgewechselt werden. Ganz zu schweigen von Internet und Software. "Wir müssen allein 170 000 E-Mail-Adressen umstellen. Dazu kommt der gesamte Internetauftritt", berichtet Ulrike Becker. Gemessen an den Milliarden, die in der schließlich gescheiterten Firmenehe mit Chrysler versenkt wurden, nimmt sich der "mittlere zweistellige" Millionen-Euro-Betrag für die Umbenennung aber wie die sprichwörtlichen "Peanuts" aus. Gut möglich, dass der Autobauer mit der Umbenennung über alles Unbehagen hinweg einen ähnlichen Fehler begeht wie in den Jahren nach der Chrysler-Fusion. Die scheiterte am Ende daran, dass eine konsequente Integration beider Unternehmen nie stattfand. Auch dafür waren letztlich "weiche", psychologische Faktoren ausschlaggebend. Dass auch der Firmenname mehr als nur Schall und Rauch ist, darauf weist Bernd Samland hin, Geschäftsführer der Namensagentur Endmark. Die psychologischen Wirkungen einer Namensänderung dürften nicht unterschätzt werden, sagt Samland. Sowohl für die Belegschaft, als auch für die Aktienmärkte hätte eine Umbenennung in Daimler-Benz eine Rückbesinnung auf die Kernkompetenz bedeutet. Unbewusst hätte der neue alte Name auch Einfluss auf das Kaufverhalten, denn mit ihm kämen klassische Werte im Unternehmen wieder stärker zum Tragen. Der Name Daimler-Chrysler hingegen sei von Anfang an ein Marketingfehler gewesen, sagt der Namensexperte. Man habe versucht, zwei Kulturen zusammenzufügen, die keine Authentizität gehabt hätten. Das habe sich letztlich auch im Geschäft gezeigt. Auf dieses Geschäft will - wie schon bei der ordentlichen Hauptversammlung im April - der Würzburger Wirtschaftswissenschaftler Ekkehard Wenger zu sprechen kommen. Der Vorstandsschreck auf zahlreichen Aktionärsversammlungen verlangt zusammen mit seinem Kollegen Leonhard Knoll in 17 Gegenanträgen zahlreiche Sonderprüfungen zur Fusion mit Chrysler, um mögliche Schadensersatzansprüche gegenüber Vorstand und Aufsichtsrat klären zu lassen. Im Visier haben Wenger und Knoll vor allem den früheren Konzernchef Jürgen Schrempp, unter anderem wegen seines schon legendären Interviews mit der Financial Times im Jahr 2000. In dem hatte er zugegeben, dass die "Fusion unter Gleichen" in Wahrheit eine Übernahme Chryslers durch Daimler gewesen sei, worauf der Autokonzern amerikanischen Sammelklägern 300 Millionen Dollar Schadenersatz zahlen musste. In diesem Zusammenhang fordern sie auch, dem Gesamtbetriebsratschef und Aufsichtsrat Erich Klemm das Vertrauen zu entziehen, weil er vor "Schrempps Misswirtschaft beständig die Augen verschlossen" habe. Selbstredend hält auch Wenger nichts vom "traditionslosen Kunstnamen Daimler AG", sondern fordert die Rückbenennung in Daimler-Benz AG. Sonst will er auch in dieser Sache eine Sonderprüfung durchsetzen, die der Frage nachgehen soll, ob mit der Namensänderung sinnlos Geld der Anteilseigner vergeudet wird. Ob der Fehlschlag der Firmenehe zwischen Daimler und Chrysler letztlich im Sinne Wengers & Co. justiziabel ist, wird sich weisen. Über die Hintergründe des Scheiterns hat der Nürnberger Unternehmensberater Peter H. Schmaldienst kürzlich eine 64-seitige Studie verfertigt mit dem Titel "Chefs, realistisch betrachtet." Darin beschreibt er den früheren Konzernschmied Jürgen Schrempp von seiner "unternehmerischen Natur" her als Eroberer - im Unterschied zu typischen Integratoren oder Sanierern. Eroberern, so Schmaldienst, liege vor allem am Durchsetzen ihrer Eroberung, an der Integration der Systeme und Strukturen. Anderes, ebenso wichtiges, liege im "toten Winkel" ihrer Wahrnehmung und meistens auch der Wahrnehmung des durch sie geprägten Umfelds. "Was den Eroberungsdrang Schrempps am meisten behinderte, war die Ausführungsseite der Eroberung, also alles, was vor allem mit dem Kleinkram der täglichen Umsetzung zu tun hatte und das Zusammenwachsen von Mercedes und Chrysler bestimmte: die personale Integration." Bis zuletzt haben sich Chrysler- und Mercedes-Mitarbeiter mit gegenseitigem Misstrauen beäugt. Ein wichtiger Faktor des Scheiterns, weit jenseits gewohnter betriebswirtschaftlicher Rationalität. Aber Schrempp wegen seines toten Wahrnehmungswinkels allein die ganze Schuld für die missglückte Fusion in die Schuhe zu schieben, sei auch nicht redlich. Schmaldienst: "Mit dem Verkauf Chryslers ist eine der großen Chancen unternehmerischen Mutes derer vertan worden, die die Fusion vollbracht haben." So kann man es auch sehen. Zu spät.
Bei der außerordentlichen Hauptversammlung will der Daimler-Konzern an diesem Donnerstag mit neuem Namen den Schlussstrich unter die Ära Chrysler ziehen.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/daimler-konzern-der-alte-benz-bleibt-auf-der-strecke-1.889990
Daimler-Konzern - Der alte Benz bleibt auf der Strecke
00/05/2010
Die Unternehmen mobilcom und freenet wollen fusionieren. Doch die Hauptversammlungen ziehen sich in die Länge. Schuld sind zwei besonders unbeliebte Spezien aus dem "Zoo des Kapitalismus". Hamburg erlebt in dieser Woche einen Hauptversammlungs-Marathon. Erst berieten die Aktionäre der mobilcom AG geschlagene zwei Tage lang im Congress-Centrum, ab Donnerstag folgen am gleichen Ort die Anteilseigner der freenet.de AG. Auch sie sind für zwei Tage eingeladen. Detailansicht öffnen Heuschrecken sind bekannt für ihre Gefrässigkeit, sie vernichten oft ganze Ernten. Sind die in der Wirtschaftswelt oft als Heuschrecken titulierten Hedgefonds genauso gefährlich? (Foto: Foto: AP) Wer an beiden Versammlungen von Anfang bis Ende teilnimmt, kann im Extremfall knapp 50 Stunden lang im wesentlichen über ein einziges Thema reden: Die Fusion der beiden Unternehmen, um größer, schlagkräftiger und ertragsstärker zu werden. Zwei übel beleumdete Spezies aus dem "Zoo" der Finanzwelt sind es, die diesen relativ unspektakulären Vorgang über Gebühr in die Länge ziehen: Die von SPD-Chef Franz Müntefering jüngst dingfest gemachten "Heuschrecken", angelsächsische Investmentgesellschaften, die angeblich deutsche Unternehmen aussaugen. Und "räuberische Aktionäre", oft als "Geier" geschmähte Anteilseigner, die auf den Hauptversammlungen nach Anknüpfungspunkten für spätere Anfechtungsklagen suchen. Ein höflicher junger Engländer Die "Heuschrecke" entpuppte sich bei der mobilcom-Hauptversammlung als ein höflicher junger Engländer namens Andrew Dechet. Der Manager vertritt die amerikanische Investmentgesellschaft Texas Pacific Group (TPG), der ein besonders negativer Ruf vorauseilt: Hatte TPG doch bei dem gesunden sauerländischen Sanitär-Hersteller Grohe Arbeitsplätze gestrichen und so erst Müntefering auf das Thema gebracht sowie durch ihre Beteiligung am britischen Flug-Caterer Gate Gourmet einen Streik am Londoner Flughafen Heathrow verursacht. Doch Dechet bemühte sich nach Kräften, die Gemüter zu beruhigen. "Der Vorwurf, TPG wolle das Unternehmen ausbluten, entbehrt jeder Grundlage", erklärte er den Aktionären und beteuerte: "Wir würden nie etwas tun, was das Unternehmen in Gefahr bringt." Doch die Versuchung ist groß: In der Bilanz der fusionierten Firma schlummern stille Reserven von bis zu einer Milliarde Euro, die an die Aktionäre ausgeschüttet werden könnten. IG-Metall-Vize Berthold Huber befürchtet, aus zwei gesunden Unternehmen könne ein Sanierungsfall werden. Christof Hettich, der Anwalt der mobilcom-Mitarbeiter, hatte denn auch einen Katalog von 80 Fragen zu stellen.
Die Unternehmen mobilcom und freenet wollen fusionieren. Doch die Hauptversammlungen ziehen sich in die Länge. Schuld sind zwei besonders unbeliebte Spezien aus dem "Zoo des Kapitalismus".
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"Fusionspläne - ""Aasgeier"" trifft ""Heuschrecke"""
00/05/2010
Die russische Justiz hat im Zuge ihrer Ermittlungen gegen den Ölkonzern Yukos sechs Strafverfahren gegen deren Chef Michail Chodorkowski eingeleitet. Angelastet wird einem der reichsten Männer Russlands unter anderem Unterschlagung, Steuerhinterziehung sowie schwerer Betrug. In einer spektakulären Aktion wurde der Geschäftsmann auf dem Flughafen von Nowosibirsk von Sicherheitsbeamten festgenommen und nach Moskau gebracht. Der Haftantrag wurde offiziell damit begründet, dass Chodorkowski dem russischen Staat "Schaden in Höhe von mindestens einer Million Dollar" zugefügt habe. Politiker äußerten sich besorgt über die Entwicklung. Dem Yukos-Chef würden unter anderem Betrug in großem Umfang sowie das Umgehen von Steuerzahlungen "der Organisation und als Einzelperson" vorgeworfen, zitierte die Nachrichtenagentur Interfax einen Sprecher der Staatsanwaltschaft. Staatsanwaltschaft ermittelt seit Monaten Die Staatsanwaltschaft ermittelte schon seit einigen Monaten gegen Yukos wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung und Veruntreuung von Staatseigentum. Chodorkowski wurde bei einer Zwischenlandung in Nowosibirsk von Mitgliedern einer Spezialeinheit aus dem Flugzeug geholt, wie Jukos-Sprecher Alexander Schadrin berichtete. Die Staatsanwaltschaft erklärte, Chodorkowski sei für Freitag zu einem Verhör geladen worden, aber nicht erschienen. Es sei deshalb beschlossen worden, seine Vorladung mit staatlicher Gewalt umzusetzen. Schadrin sagte hingegen, man habe die Behörden davon in Kenntnis gesetzt, dass Chodorkowski auf Geschäftsreise sei und deshalb den Termin nicht wahrnehmen könne. Chodorkowski befand sich laut Interfax am Samstag auf dem Weg von Nischni Nowgorod an der Wolga nach Irkutsk in Sibirien. Die Zwischenlandung in Nowosibirsk war lediglich zum Auftanken des Flugzeugs eingeplant. Yukos hatte sich im April mit seinem heimischen Konkurrenten Sibneft zum viertgrößten Erdöl- und Gasproduzenten der Welt zusammengeschlossen. Bei der am Nachmittag begonnenen Vernehmung Chodorkowskis ging es nach offiziellen Angaben zunächst um Fragen im Zusammenhang mit der früheren Festnahme von leitenden Yukos-Angestellten und dem Verdacht der Steuerhinterziehung innerhalb des Konzerns. Anschließend seien die Strafverfahren gegen den Öl-Magnaten eingeleitet worden. Yukos im Visier der Fahnder Die Justiz hatte im Juli einen der Yukos-Hauptaktionäre, Platon Lebedjew, wegen angeblichen Betrugs bei einem Privatisierungsgeschäft in den 90er Jahren festgenommen. Daneben läuft ein Verfahren wegen angeblichen Mordes gegen einen Mitarbeiter der Sicherheitsabteilung des Konzerns. Im Oktober wurde gegen einen weiteren Yukos-Manager ein Verfahren wegen Steuerhinterziehung eingeleitet. Die Ermittlungen im Umfeld von Yukos hatten begonnen, nachdem Chodorkowski Anfang dieses Sommers angekündigt hatte, er wolle im Wahlkampf vor der Parlamentswahl im Dezember den liberalen Parteien Jabloko und Union Rechter Kräfte helfen, die in Opposition zum Kreml stehen. In einer ersten Reaktion äußerten sich russische Politiker besorgt über die Entwicklung. Der kommunistische Duma-Vorsitzende Gennadi Selesnjow äußerte die Hoffnung, dass "hinter all diesen Ereignissen nicht ein politischer Auftrag steht". Für die Union Rechter Kräfte war der politische Charakter der Aktion gegen Yukos und Chodorkowski "offensichtlich". Alexander Melnikow von der Jabloko-Partei sowie andere Abgeordnete befürchteten negative Auswirkungen am heimischen Aktienmarkt für Yukos sowie "schweren Schaden für die Wirtschaft Russlands insgesamt". Ausländische Investoren würden nunmehr an der Stabilität in Russland zweifeln. Ein namentlich nicht genannter Vertreter der russischen Regierung begrüßte die Aktion der Justizbehörden. Nunmehr könne "die russische Geschäftswelt erfahren, welche Straftaten dieser "bisnismen" begangen hat", wurde der Regierungsvertreter von der Agentur Interfax zitiert.
Die russische Justiz hat im Zuge ihrer Ermittlungen gegen den Ölkonzern Yukos sechs Strafverfahren gegen deren Chef Michail Chodorkowski eingeleitet. Angelastet wird einem der reichsten Männer Russlands unter anderem Unterschlagung, Steuerhinterziehung sowie schwerer Betrug.
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Russland - Die Festnahme eines Öl-Magnaten
00/05/2010
Es gibt wohl kaum eine bessere Gelegenheit für die Verkündung eines unternehmerischen Scoops. (SZ vom 7.11.03) — Kurz bevor der Medienkonzern Bertelsmann im Beisein von Bundeskanzler Gerhard Schröder seine neue prächtige Hauptstadtrepräsentanz, Adresse: Unter den Linden 1, eingeweiht hat, konnte Bertelsmann-Vorstandschef Gunter Thielen eine durchschlagende Neuigkeit präsentieren. Der deutsche Medienkonzern und der japanische Elektronik-Riese Sony wollen ihr Musikgeschäft zusammenlegen, um es künftig gemeinsam und gleichberechtigt zu führen. Dadurch entsteht ein Weltmarktführer, der die Musik seiner Künstler und Popstars in jede noch so abgelegene Ecke der Welt trägt. Universal nun auf Rang zwei Der bisherige Branchenprimus Universal Music, eine Tochter des angeschlagenen Mischkonzerns Vivendi, wird knapp auf den zweiten Platz verwiesen. Doch es ist keineswegs die schiere Größe, die das Vorhaben so bemerkenswert machen. Thielen und sein intern nicht immer unumstrittener Musikvorstand Rolf Schmidt-Holtz haben großes Geschick bewiesen. Nachdem der eigentliche Fusionspartner Warner Music (mit Stars wie Madonna und REM) sich sträubte und Gütersloh nur als Juniorpartner dulden wollte, sind die beiden Macher von Bertelsmann zu Sony umgeschwenkt - konsequent, still und überaus effizient. Probleme in der Branche Diese deutsch-japanische Allianz, die ja erst durch die großen Probleme der Plattenbranche möglich wird, könnte weit über ein Notbündnis hinaus reichen. Bertelsmann und Sony ergänzen sich prächtig. Die Deutschen etwa verfügen über große Fernsehsender, TV-Produktionsfirmen und mächtige Verlage. Sony besitzt mit Columbia ein erfolgreiches Hollywood-Studio und ist, wenngleich derzeit in der Krise, in der Unterhaltungselektronik ein Gigant. So lassen sich, gerade im unsicheren Zeitalter des grenzenlosen digitalen Kopierens von Musik und Filmen, Medienmärkte machen. Skeptische Wettbewerbsbehörden Noch aber gibt es die neue Firma Sony BMG nicht. Die Vorstandschefs müssen noch einige Details klären, bevor der Vertrag besiegelt wird. Und die zu Recht skeptischen Wettbewerbsbehörden in den USA und Brüssel werden sich nicht so einfach überzeugen lassen, zumal sich mit EMI und Warner Music eine weitere Megafusion ankündigt. Die Neuordnung der Musikwelt wird sich im Schatten der Krise aber kaum aufhalten lassen. Sollten dabei jedoch allein die Kostensparer das Sagen haben, dann kommt die Branche nicht hoch. Die wichtigsten Produktionsfaktoren bleiben die Künstler und die Kreativität, das Maß aller Dinge die Kundschaft.
Es gibt wohl kaum eine bessere Gelegenheit für die Verkündung eines unternehmerischen Scoops.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/kommentar-zu-sony-bmg-ideale-ergaenzung-1.903850
Kommentar zu Sony BMG - Ideale Ergänzung
00/05/2010
Der allseits bekannte deutsche Pessimismus stellt sich nach einer Umfrage recht pragmatisch dar: Ausgerechnet die vergleichsweise stabilen Lebenshaltungskosten wecken die meisten Befürchtungen. Das Wort ,,Angst'' hat es in den englischen Wortschatz geschafft, weil die Deutschen nach allgemeiner Auffassung besonders sorgenvoll in die Zukunft blicken. Detailansicht öffnen Lebensmittel sind öfters größeren Preisschwankungen ausgesetzt. Das kann ein Grund zur Sorge sein. (Foto: Foto: AP) Umso erstaunlicher ist, dass eine Umfrage der Wiesbadener R+V-Versicherung, die nur wenige Tage vor dem fünften Jahrestag der Terroranschläge auf die New Yorker Zwillingstürme bekannt gemacht wurde, die deutsche Befindlichkeit als eher pragmatisch darstellt. 2500 Bürger wurden im Sommer nach ihren größten Ängsten gefragt, und was kommt heraus? Furcht vor dem Terror vielleicht oder Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes? Weit gefehlt. Die Menschen zwischen Rhein und Oder fürchten nichts so sehr wie steigende Preise. Fehlende Bürgernähe der Politik 70 Prozent der Befragten halten den Anstieg der Lebenshaltungskosten für ihr Hauptproblem. Die zweitgrößte Angst ist noch erstaunlicher: 63 Prozent der Befragten fürchten ,,fehlende Bürgernähe der Politiker''. An dritter Stelle, genannt von 61 Prozent, folgt die ,,Arbeitslosigkeit in Deutschland'', welche die Menschen sogar stärker bedrückt als der Verlust des eigenen Arbeitsplatzes, der mit 51 Prozent an sechster Stelle folgt. Angst vor Terror rangiert erst an 10. Stelle. Davor, nämlich auf Rang sieben, steht noch die Sorge vor schwerer Erkrankung, gefolgt von Spannungen durch Zuzug von Ausländern und vor Drogen- und Alkoholsucht der eigenen Kinder. Die Deutschen sind von Sorgen befallen, um die andere Völker sie wahrscheinlich beneiden würden. Angstindex gefallen Die Angst hat insgesamt sogar abgenommen. Der sogenannte Angstindex, so die Umfrager, sei von 51 Prozent im Jahr 2005 auf derzeit 45 Prozent gefallen.
Der allseits bekannte deutsche Pessimismus stellt sich nach einer Umfrage recht pragmatisch dar: Ausgerechnet die vergleichsweise stabilen Lebenshaltungskosten wecken die meisten Befürchtungen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/wo-der-schuh-drueckt-pragmatische-sorgen-1.901749
Wo der Schuh drückt - Pragmatische Sorgen
00/05/2010
Zwei von drei Frauen wissen nichts mit dem Begriff "Rendite" anzufangen. Jede Zweite scheitert beim Unterschied zwischen EC- und Kreditkarte. Trotzdem verzichten die meisten Banken auf eine Beratung speziell für ihre weibliche Kundschaft. "Wir haben festgestellt, dass Frauen im Durchschnitt ein sehr schlechtes Finanzwissen haben" sagt Commerzbank-Expertin Monika Arens. "Schlechter als das von Männern." Bei einer Auftrags-Umfrage der Bank glänzten die Frauen durch Nichtwissen: Den Unterschied zwischen EC- und Kreditkarte? Kannte knapp die Hälfte. "Rendite"? Mit dem Begriff wusste nur ein Drittel etwas anzufangen. Duftendes cool-down Doch je mehr ein Kunde aus seinem Geld macht, desto mehr macht eine Bank aus ihrem Kunden. Das gilt natürlich auch für Kundinnen, dachten sich Arens und ihre Kollegen und entwickelten vergangenes Jahr ein Projekt namens "money — made by women". Zentraler Aspekt aller Marketing-Aktionen unter diesem Dach ist die private Altersvorsorge: Die Kundinnen erfahren — aus Vorträgen, einer Broschüre oder dem Internetauftritt der Bank —, dass sie brüchigere Erwerbsbiografien haben, weniger Geld verdienen und deshalb als Frauen zusehen müssen, dass sie ihre finanzielle Versorgung unter Dach und Fach bringen. Nicht bei der Konkurrenz, versteht sich. Deshalb gab es in diesem Jahr bundesweit bislang 20 "money — made by women"-Veranstaltungen, mit insgesamt rund 1.000 Teilnehmern. Um den Damen die Scheu vor dem eigenen Geld zu nehmen, hängt die Commerzbank an ihre Vorträge häufig noch ein cool-down an. So konnten sich die Kundinnen der Hamburger Filiale nach dem trockenen Finanzvortrag beim "Duftseminar" eines Parfumherstellers entspannen. Individuell ja, weiblich nein Und die anderen Großbanken? Rümpfen die Nase: "Wir haben keine speziellen Produkte geplant, um auf diese Zielgruppe individuell einzugehen", sagt eine Sprecherin der Deutschen Bank. Auch die Dresdner Bank verzichtet auf Finanzangebote speziell für Frauen. "Die Beratung für Frauen und Männer ist nicht grundsätzlich unterschiedlich", erklärt ein Sprecher. Dafür sei sie aber "sehr individuell". Genau wie bei der HypoVereinsbank. Deren Vorsorge-Expertin Annemarie Reith ist zwar gegen "Frauen- und Männer-Schubladen"; wichtiger sei eine individuelle Beratung. Allerdings gesteht sie ein, dass Frauen einen "erhöhten Vorsorgebedarf" haben. Deshalb bietet auch ihre Bank seit dem Frühjahr Informationsveranstaltungen unter dem Motto "Frauen und Finanzen" an. Vorträge, Broschüren, Duftseminare — wenn überhaupt, bieten Deutschlands Großbanken ihrer weiblichen Kundschaft bislang nur kurzweilige Anreize. Mehr nicht. Anlageprodukte speziell für Frauen? Fehlanzeige. Dabei unterscheiden sich die Finanzstrategien von Frauen und Männern: "Frauen sind viel risikoscheuer", weiß Commerzbank-Projektleiterin Arens. Männer setzten mehr auf Aktien, während Frauen bei ihren einmal getroffenen Entscheidungen blieben. Ob das für die Banken auch gilt?
Zwei von drei Frauen wissen nichts mit dem Begriff "Rendite" anzufangen. Jede Zweite scheitert beim Unterschied zwischen EC- und Kreditkarte. Trotzdem verzichten die meisten Banken auf eine Beratung speziell für ihre weibliche Kundschaft.
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Frauen und Geld - Von scheuen Kundinnen und duftenden Seminaren
00/05/2010
Im Streit um höhere Löhne hat sich die Bahn mit den Gewerkschaften GDBA und Transnet endgültig geeinigt. Doch die Lokführer legen sich nach wie vor quer. Ihren nächsten Warnstreik kündigten sie für Dienstag an. Bei der Bahn wird der Arbeitskampf am Dienstag weitergehen. Zwar einigte sich das Unternehmen am Montag mit den Gewerkschaften Transnet und GDBA auf einen neuen Tarifvertrag. Zum Warnstreik ruft jedoch die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) auf, mit der eine Einigung nicht in Sicht ist. Die Übereinkunft mit der DGB-Gewerkschaft Transnet sowie der Gewerkschaft Deutscher Bundesbahnbeamten und Anwärter (GDBA), die aber nicht nur Beamte vertritt, besteht aus mehreren Teilen. 600 Euro Einmalzahlung Die Einkommen werden um 4,5 Prozent angehoben, allerdings erst vom 1. Januar an. Für die Übergangszeit erhalten die Beschäftigten eine Einmalzahlung von 600 Euro; wann sie ausgezahlt wird, steht nach Angaben aus der Gewerkschaft Transnet allerdings noch nicht fest. Der Tarifvertrag hat eine Laufzeit bis 31. Januar 2009. Zur Vereinbarung gehört weiter, dass jeder Beschäftigte bis zum Ende der Laufzeit insgesamt 1.600 Euro brutto mehr erhalten wird, als ihm bisher zustanden. Diese Regelung soll die Bezieher niedriger Einkommen begünstigen, für die eine 4,5-prozentige Einkommenssteigerung und auch die Einmalzahlung in absoluten Beträgen nur ein geringeres Plus bedeuten. Die Vorsitzenden von Transnet und GDBA, Norbert Hansen und Klaus-Dieter Hommel, nannten dies die "soziale Komponente des Abschlusses''. Die Einigung bedeutet einen Kompromiss, über den der Vorstandschef der Bahn, Hartmut Mehdorn, in Berlin sagte, er habe ihm "trotz großer Bedenken'' zugestimmt, um im Interesse der Kunden weitere Streiks abzuwenden. Es handele sich dabei um "einen der höchsten Abschlüsse, die in Deutschland in diesem Jahr gemacht worden sind'', außerdem sei dies der höchste Abschluss der Bahn seit Kriegsende. Mit Blick auf die Zurückhaltung der Beschäftigten in den vergangenen Jahren während der Sanierung sei die Erhöhung allerdings "akzeptabel''. Die beiden Gewerkschaftsführer führten das Ergebnis auf die Warnstreiks "quer durch alle Beschäftigtengruppen'' zurück. Lokführer weichen von ihrer Forderung nicht ab Transnet-Chef Hansen sagte, das Ergebnis passe zur hervorragenden Bilanz der Bahn von 2006. Es stärke auch das Vertrauen der Mitarbeiter in das Unternehmen. Die Tarifkommission der beiden Gewerkschaften stimmte der Einigung am Nachmittag zu; Transnet und die zum Deutschen Beamtenbund gehörende GDBA bilden seit knapp zwei Jahren eine Tarifgemeinschaft. Weitere Streiks wird diese Einigung jedoch nicht abwenden; im Gegenteil. Die dritte Gewerkschaft im Unternehmen Bahn, die ebenfalls zum Beamtenbund gehörende GDL, gab sich unbeeindruckt. Mit den Worten "Unser Fahrplan steht'' kündigte sie für diesen Dienstag weitere bundesweite Warnstreiks an. Sie will für die Lokführer, die Schaffner und das Personal der Speisewagen einen eigenen Tarifvertrag sowie Einkommenserhöhungen von bis zu 31 Prozent durchsetzen. Die Bahn lehnt beides nach wie vor ab; Vorstandschef Mehdorn sagte am Montag, man könne bei einem Treffen mit der GDL am kommenden Freitag "über alles'' reden, aber nicht über unterschiedliche Tarifverträge. "Wir wollen keine Mehrklassengesellschaft im Hause einführen'', sagte er. Der Warnstreik der GDL soll diesmal von acht bis elf Uhr dauern - und damit den Berufsverkehr weniger, den Fernverkehr jedoch stärker treffen als am Dienstag vergangener Woche. Damals ließ die Gewerkschaft von fünf bis neun Uhr streiken. Auch der Güterverkehr soll wieder betroffen sein. "Dieser Streik dient ausschließlich dem Ziel, dem Bahnvorstand erneut zu beweisen, dass das Fahrpersonal eindeutig hinter den Zielen der GDL steht'', sagte der Vorsitzende der Gewerkschaft, Manfred Schell. Die GDL ist mit Abstand die kleinste der drei Eisenbahngewerkschaften. Ihr gehören 34000 Mitglieder an, darunter jedoch drei von vier Lokführern. Da nun die beiden großen Gewerkschaften Transnet und GDBA aus dem Arbeitskampf heraus sind und rund jeder zweite Lokführer Beamter ist, also nicht streiken darf, wird der heutige Dienstag zeigen, über welche Kampfkraft die kleine Gewerkschaft verfügt. Falls die Bahn bei dem Treffen am Freitag kein Angebot für einen separaten Tarifvertrag vorlegt, soll es nicht mehr bei Warnstreiks bleiben. Für diesen Fall kündigte die GDL am Montag an, eine Urabstimmung einzuleiten - und damit die Grundlage für einen regulären, unbefristeten Streik zu legen.
Im Streit um höhere Löhne hat sich die Bahn mit den Gewerkschaften GDBA und Transnet endgültig geeinigt. Doch die Lokführer legen sich nach wie vor quer. Ihren nächsten Warnstreik kündigten sie für Dienstag an.
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https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/tarifstreit-bei-der-bahn-lokfuehrer-mauern-gegen-einigung-1.902628
Tarifstreit bei der Bahn - Lokführer mauern gegen Einigung
00/05/2010
Viel Lob für das neue Gesetz Künftig sollen Unternehmensmanager für falsche Angaben persönlich haften — allerdings nur mit bis zu vier Jahresgehältern. Anlegerschützer und Opposition begrüßten den Gesetzentwurf am Mittwoch als Schritt in die richtige Richtung. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz bescheinigte Rot-Grün, "eine große Lücke" im Anlegerschutz zu schließen. Ihr fällt die Beschränkung der Manager-Haftung auf vier Jahresgehälter allerdings zu gering aus. Absicht oder grobe Fahrlässigkeit erforderlich Bisher mussten Vorstandsmitglieder in Deutschland nicht persönlich für falsche Angaben zur Situation ihres Unternehmens geradestehen, durch die Anleger Geld verlieren. Schadenersatzklagen konnten sich nur gegen gegen die Firma richten - mit minimalen Erfolgsaussichten. Nun führt die Regierung die persönliche Haftung ein, wenn der Kapitalmarkt absichtlich oder grob fahrlässig mit Fehlinformationen gefüttert wurde. Während die Höchstgrenze für Manager bei vier Jahresgehältern inklusive diverser Vergütungen liegt, müssen externe Berater eines Unternehmens mit bis zu vier Millionen Euro geradestehen. Die Durchsetzung von Schadenersatzansprüchen wird deutlich erleichtert. Denn die geprellten Aktionäre müssen nicht mehr wie bisher nachweisen, dass sie Geld durch eine fehlerhafte Ad-hoc-Börsenmitteilung verloren haben. Zunächst waren maximal zwei Jahresgehälter als persönliche Haftung vorgesehen. Finanzminister Hans Eichel und Justizministerin Brigitte Zypries verschärften das Gesetz. Der Sprecher der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Jürgen Kurz, sagte: "Das ist ein großer Schritt nach vorne." Allerdings seien vier Jahresbezüge immer noch zu gering. Denn die Summen reichten in der Regel nicht aus, den Schaden auszugleichen, der für Aktionäre durch fehlerhafte Ad-hoc-Mitteilungen entstehe. Union: "Erhebliches Drohpotenzial" Bei vorsätzlicher Falschinformation dürfe es keine Haftungsgrenze geben. "An diesem Punkt muss noch gefeilt werden." Das Gesetz muss durch den unionsbeherrschten Bundesrat, wo die Regierung mit Zustimmung rechnen kann. "Im Grundsatz stehen wir dem Vorhaben aufgeschlossen gegenüber", meinte CDU/CSU-Finanzsprecher Michael Meister. Die Vier-Jahres-Grenze "halte ich für richtig. Das ist durchaus eine angemessene Größenordnung und ein erhebliches Drohpotenzial." Allerdings werde sich die Union den Gesetzestext sehr genau ansehen. Am Ende dürfe es für die Unternehmen nicht zu schwierig werden, "überhaupt noch Informationen weiterzugeben". Korrekturbedarf sieht die Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz auch bei öffentlich gemachten, fehlerhaften Aussagen von Managern zu ihrem Unternehmen, die Einfluss auf den Börsenkurs haben. Haftung sei nur für Schwindeleien in Reden auf Hauptversammlungen vorgesehen oder ähnlichen Veranstaltungen. Diese Regelung müsse auf Talk-Shows sowie Interviews in Medien erweitert werden. Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger bedauerte, dass Manager nur bei grober Fahrlässigkeit haften müssten. Ein Arbeitnehmer müsse hingegen schon bei fahrlässigem Verhalten mit Strafe rechnen, sagte Sprecherin Reinhild Keitel. Ihrer Meinung nach hat das Gesetz vor allem präventive Wirkung. Jeder Manager überlege nun sehr genau, ob er lüge. Bei einem drastischen Kursverlust reichten vier Jahresgehälter eines Managers nicht aus, um den Schaden aller Anleger komplett zu ersetzen.
Künftig sollen Unternehmensmanager für falsche Angaben persönlich haften — allerdings nur mit bis zu vier Jahresgehältern.
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Anlegerschutz - Viel Lob für das neue Gesetz
00/05/2010
Die Finanzinvestoren "Hellman&Friedman" aus Amerika steigen beim deutschen Zeitungsriesen Springer ein. Der verlustreichen "Welt", dem publizistischen Flaggschiff des Verlages, könnte der neue Großaktionär gefährlich werden. (SZ-Artikel vom 10.10.2003)— Der Chef des deutschen Zeitungsverleger-Verbands hatte gewarnt. Die eigene Branche solle nicht in die Hände von Banken oder anonymen Kapitalgesellschaften kommen, sondern weiterhin deutschen Familien gehören, erklärte Helmut Heinen vor drei Wochen. Damit lag der Herausgeber der Kölnischen Rundschau auffallend nahe bei der Realität - seit Donnerstag sind ausgerechnet beim größten deutschen Zeitungshaus, der Axel Springer AG (Bild, Welt, Hamburger Abendblatt, Berliner Morgenpost, B.Z.) Finanzmanager aus Amerika eingestiegen - die in der Kapitalbranche bekannte Firma Hellman&Friedman. Die Anleger aus San Francisco erwarben für 350 Millionen Euro einen Springer-Anteil von 19,4 Prozent, der bei der Deutschen Bank gelegen hatte. Das Finanzinstitut hatte das Aktienpaket einst aus der Hinterlassenschaft des Pleite gegangenen Medienunternehmers Leo Kirch erworben, der Kreditkunde bei der Deutschen Bank war. Wovor Frankfurt zurückschreckte Nun also wollen die Amerikaner das machen, wovor die Frankfurter Geldmanager zuletzt zurückgeschreckt waren: Die Verlagsaktien im großen Stil an der Börse platzieren. Es gebe eine Vereinbarung mit Friede Springer und dem Management um Vorstandschef Mathias Döpfner, die Springer-Aktien "in drei bis sieben Jahren liquider zu machen - also einen größeren Teil an die Börse zu bringen", sagt Patrick Healy, Managing Director von Hellman&Friedman. Aus dem Verlag, dessen Aktie nur in homöopathischen Dosen gehandelt wird, solle eine richtige Börsenfirma werden. Die Amerikaner versprechen, sich nicht ins Tagesgeschäft und in redaktionelle Angelegenheiten einzumischen - wohl aber haben sie im Aufsichtsrat Sitz und Stimme. Dort zieht mit Brian M. Powers, dem Hellman&Friedman-Chef, ein ausgebuffter Finanzprofi ein; ihn hat der Umgang mit bizarren Medienpersönlichkeiten wie dem australischen Medienmagnaten Kerry Packer und dem Formel-1-Herrscher Bernie Ecclestone gestählt. Powers will eines Tages einen schönen Gewinn auf sein 350-Millionen-Euro-Investment bei Springer sehen; schon in wenigen Wochen zieht seine Firma darüber hinaus an der Seite des US-Investors Haim Saban bei der Münchner Pro-Sieben-Sendergruppe ein, an der auch Axel Springer beteiligt ist. So tut sich zwischen München, Berlin und der amerikanischen Westküste eine illustre Dreiecksbeziehung auf (siehe Grafik). Das sei "ein bisschen ironisch", bekennt Finanzmanager Healy, "Herr Kirch war eben ein großer Geschäftsmann mit vielen Geschäften". Angesichts der neuen Konstellation will sich Springer viel stärker als in der Vergangenheit kapitalmarkt-orientiert geben - etwa mit profunden Vierteljahresberichten. Das sei eine für den Verlag "ideale Partnerwahl", sagt Verlagssprecherin Edda Fels. Bilanzen lesen mit Röntgenaugen Ob das stimmt, muss sich zeigen. Firmen wie Hellman&Friedman sind unsentimental und durchblicken Bilanzen mit Röntgenaugen. Und da ist im Kreise von Finanzanalysten die Tageszeitung Die Welt seit langem ein Thema. Das Blatt macht seit Jahrzehnten Verluste; 1997 gab es noch einmal eine auf fünf Jahre angelegte Verschönerungs- und Investitionskampagne, die der Zeitung endgültig aufhelfen sollten. 500 Millionen Mark waren eingeplant, und so möbelte Springer unter dem damaligen Chefredakteur Döpfner die Welt richtig auf. Sie wurde schön, aber nicht billiger. Nach Berichten von Eingeweihten stiegen die jährlichen Verluste von zuvor rund 35 Millionen Euro zwischenzeitlich auf mehr als 50 Millionen. Da zog der Verlag die Notbremse: Es gab Entlassungen, viele der aus anderen Verlagen geholten Journalisten waren arbeitslos, die kostspieligen Sonderverkäufe zur Auflagenmaximierung wurden gedrosselt - und die Welt mit der Berliner Morgenpost verschweißt. Die Verluste sollen nun auf unter 30 Millionen gefallen sein - doch der publizistische Glanz, der unter Döpfner und seinem Nachfolger Wolfram Weimer auf die Welt gefallen war, ist matt geworden. Eine Bestandsgarantie von Verlegerin Friede Springer - all die Jahre die Normalität - scheint inzwischen fraglich zu sein, allen öffentlichen Beteuerungen zum Trotz. In der Redaktion wird gewitzelt: "Vorsicht, Friedman!" Döpfner, inzwischen zum Vorstandschef aufgestiegen, weiß wohl um das Problem. In einer öffentlichen Anhörung zur Zeitungsfusion zwischen Berliner Zeitung und Tagesspiegel hatte Welt-Herausgeber Dieter Stolte enthüllt, sein Blatt müsste notfalls womöglich eingestellt werden, wenn sich in der Hauptstadt ein zu starker Gegner formiere. Er sprach aus, was Börsianer denken. In diesen Kreisen ist auch nicht ausgemacht, ob Springers ausgewiesene finanzielle Rekonvaleszenz nicht auch auf ein paar bilanztechnischen Stärkungsmitteln beruht. So waren Risiken vor Döpfners Dienstantritt in den Jahresabschluss 2001 gepackt worden - mit 198 Millionen Mark Verlust war er theoretisch umfassend genug, auch künftige Lasten zu erfassen. Und da sind immer wieder Sonderverkäufe, mit denen Springer Geld einnimmt - etwa durch die Weggabe der hochprofitablen Tiroler Landeszeitung in Innsbruck. Als nächstes sollen sogar die Druckereien verkauft werden - unter Gründer Axel Springer ein undenkbarer Vorgang. Die Kalifornier sind zum Start voll des Lobes Die neuen Verlags-Großaktionäre aus Kalifornien haben zum Start nur lobende Worte im Gepäck. Das Springer-Management habe in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld einen "guten Job" gemacht, sagt Hellman&Friedmann-Manager Healy, der Verlag sei "in guter Verfassung". Das sei rundum eine "gute Sache - und eine noch bessere, wenn sich einige von Springers Wachstumschancen erfüllen". Die Neuen setzen auf die wieder anspringende Konjunktur und das erstarkende internationale Geschäft des Verlagskonzerns . Nach offizieller Darstellung haben die US-Finanziers vor einem Jahr den Springer-Chef Döpfner angesprochen. Sieben Monate habe man sich intensiv beschnuppert. Am Anfang war das Springer-Aktienpaket offenbar breit angeboten worden, von der Firma Carlyle und Rupert Murdoch wird berichtet. Doch Murdoch winkte wohl schnell ab: Zu klein, zu schwierig. Ist ja nur ein Minderheitsanteil. Patrick Healy von Hellman&Friedman: "Viele haben Interesse bekundet, aber kaum einer hat sich wirklich damit beschäftigt."
Die Finanzinvestoren "Hellman&Friedman" aus Amerika steigen beim deutschen Zeitungsriesen Springer ein. Der verlustreichen "Welt", dem publizistischen Flaggschiff des Verlages, könnte der neue Großaktionär gefährlich werden.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/medien-vorsicht-friedman-1.906864
Medien - Vorsicht, Friedman!
00/05/2010
Wer Miese auf seinem Girokonto hat, sollte regelmäßig die Höhe der genehmigten Überziehung überprüfen. Immer öfter setzen Banken diesen Betrag ohne viel Aufhebens herunter und kassieren horrende Zinsen. (SZ vom 21.08.03) - Selbst wer sich mit seinem Girokonto innerhalb des eingeräumten Kreditrahmens befindet (meist ein bis drei Monatsgehälter), wird ordentlich geschröpft. Denn der durchschnittliche Kreditzins bei Girokonten liegt noch immer bei rund 12 Prozent - die zahlreichen Leitzinssenkungen der Europäischen Zentralbank in den vergangenen Jahren haben sich für die Verbraucher praktisch überhaupt nicht ausgewirkt. Noch viel teurer kommt es für die Girokonten-Kunden aber, wenn sie ihren Kreditrahmen überziehen. Dann schlägt die Bank bis zu sechs Prozentpunkte Überziehungszinsen drauf. Der Kredit kostet dann im Schnitt sage und schreibe 18 Prozent, bei besonders teuren Banken bis zu 20 Prozent. Steigende Zahl von Privatinsolvenzen Die Kreditwürdigkeit und damit die Höhe des Kreditrahmens wird nach Beobachtung von Verbraucherschützern mittlerweile in kürzeren Abständen neu eingestuft. Grund: die steigende Zahl von Privatinsolvenzen. "Das kann dann zur Folge haben, dass statt drei Monatsgehältern plötzlich nur noch ein Dispokredit in Höhe von einem Monatsgehalt gewährt wird", sagt Uwe Döhler, Kredit-Experte bei der Stiftung Warentest. Meist informiert die Bank nur über einen winzigen Hinweis auf dem Kontoauszug über die Kreditkürzung. Verbraucher sollten daher gründlich ihre Auszüge prüfen, denn sonst zahlen sie ahnungslos die viel höheren Zinsen - und laufen zudem Gefahr, dass Daueraufträge und Abbuchungen nicht mehr ausgeführt werden. Aber was kann der Kunde tun, wenn er von der Kreditkürzung erfährt? Döhler: "Am besten wäre es natürlich, wenn er schnell seine Schulden tilgt. Ratendarlehen Fehlt dafür das eigene Geld, kann die Umschuldung in ein Ratendarlehen sinnvoll sein. Da liegen die Zinsen nur bei etwa acht Prozent." Ein weiterer Tipp: Mit der Bank sollte möglichst vereinbart werden, dass ein Kreditrahmen mindestens für ein halbes oder ein ganzes Jahr gilt.
Wer Miese auf seinem Girokonto hat, sollte regelmäßig die Höhe der genehmigten Überziehung überprüfen. Immer öfter setzen Banken diesen Betrag ohne viel Aufhebens herunter und kassieren horrende Zinsen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/winziger-hinweis-genuegt-dispo-gestutzt-1.899293
Winziger Hinweis genügt - Dispo gestutzt
00/05/2010
Erstmals ist ein Spammer bestraft worden: Wegen der massenhaften Versendung unerwünschter E-Mails muss eine kalifornische Firma jetzt eine Geldstrafe von zwei Millionen Dollar bezahlen. Den beiden Inhabern der Firma PW Marketing LLC, Paul Willis und Claudia Griffin, wurde außerdem untersagt, ohne Unterrichtung des Staatsanwalts erneut irgendwelche Werbegeschäfte über das Internet zu betreiben. Erstes Urteil nach dem Gesetz Das Urteil des Bezirksgerichts von Santa Clara ist das erste, das nach dem neuen kalifornischen Anti-Spam-Gesetz gefällt wurde. Das Unternehmen wurde in San Jose für schuldig befunden, Millionen von E-Mails verbreitet zu haben. Darin wurden Computerprogramme und Bücher für Spammer sowie Listen mit E-Mail-Adressen zum Verkauf angeboten. Die Mails wurden ohne gültige Absenderadresse verschickt, wie sie jetzt gesetzlich vorgeschrieben ist. Ein Sprecher des kalifornischen Generalstaatsanwalts Bill Lockyer kündigte an, alles zu tun, um die Geldstrafe einzutreiben. Erstes Anti-Spam-Gesetz verabschiedet Der US-Kongress will der Flut von unerwünschten Werbe-E-Mails einen Riegel vorschieben. Mit großer Mehrheit verabschiedete der Senat nach Medienberichten einen Entwurf für ein erstes in den gesamten USA gültiges Gesetz, dass die Werbung per Massen-E-Mails massiv einschränken würde. Das Weiße Haus habe bereits Zustimmung zu dem Gesetz signalisiert, berichtete die Washington Post. Im Abgeordnetenhaus wird noch über einen ähnlichen Entwurf debattiert. Das Gesetz sieht unter anderem eine ähnliche Liste vor wie im Fall von unerwünschten Werbeanrufen. "Do-not-call-Liste" In die so genannte "Do-not-call- Liste" hatten sich über 50 Millionen Amerikaner eintragen, um damit ihre Nummern für Telefonmarketing-Firmen sperren zu lassen. Nach diesem Vorbild soll es den Amerikanern künftig möglich sein, ihre E-Mail-Adresse für die Versender von "Spam-Mails" zu sperren. Der Entwurf wurde nach Angaben der Zeitung von zwei der großen E-Mail Portale in den USA, Microsoft und Yahoo, begrüßt. Experten schätzen, dass die Massenwerbung bereits 60 Prozent des E-Mail-Verkehrs ausmacht. In einer am Mittwoch veröffentlichten Umfrage des Instituts "Pew Internet & American Life Project" erklärten 25 Prozent der Befragten, die Massen-E-Mails führten dazu, dass sie die elektronische Post weniger nutzen.
Erstmals ist ein Spammer bestraft worden: Wegen der massenhaften Versendung unerwünschter E-Mails muss eine kalifornische Firma jetzt eine Geldstrafe von zwei Millionen Dollar bezahlen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/spam-e-mails-dicke-geldstrafe-1.901880
Spam E-Mails - Dicke Geldstrafe
00/05/2010
Das Softwareunternehmen war an SAP herangetreten, um über eine mögliche Fusion zu diskutieren. Das wurde erst jetzt bekannt — kurz vor den Verhandlungen um den Versuch von Oracle, PeopleSoft zu übernehmen. Kurz vor Beginn der Verhandlungen um den Übernahmeversuch von PeopleSoft durch Oracle ist bekannt geworden, dass Microsoft vor wenigen Monaten an SAP herangetreten war, um seinerseits eine mögliche Fusion zu diskutieren. Detailansicht öffnen Microsoft-Gründer Bill Gates. Foto: dpa SAP begründete diese Bekanntgabe der inzwischen eingestellten Fusionsverhandlungen damit, dass im Laufe des Oracle-PeopleSoft-Verfahrens möglicherweise vertrauliche und interne Informationen an die Öffentlichkeit hätten gelangen können. Sondierungsgespräche bereits beendet Vor einigen Monaten habe Microsoft die Gespräche wegen der Komplexität einer solchen potenziellen Transaktion beendet, hieß es. Die gescheiterten Fusionsgespräche des weltgrößten Software-herstellers Microsoft und der Walldorfer SAP AG waren wohl mehr als nur ein unverbindlicher Flirt zwischen den Software-Titanen. Immerhin haben Bill Gates und Hasso Plattner, die beiden legendären Chef-Softwarearchitekten von Microsoft und SAP, dem Vernehmen nach über Monate hinweg direkt über einen Zusammenschluss der beiden Unternehmen verhandelt. Übernahme statt Fusion Finanzanalysten und Softwareexperten sind sich weitgehend einig, dass beide Konzerne gut beraten waren, die größte Elefanten-Hochzeit in der Geschichte der Softwareindustrie rechtzeitig abzusagen. "Es wäre ohnehin eine Übernahme durch Microsoft und keine Fusion gewesen", sagt Andre Köttner, Manager eines Technologie-Fonds der Union Investment GmbH in Frankfurt, der rund ein Prozent der SAP-Aktien hält. "Fusionen zwischen Softwareunternehmen sind notorisch schwierig. Und in diesem Fall hätte ich erhebliche Bedenken gehabt", meint Felix Csajka, Analyst der Schweizer Bank Hoffmann AG. Neue Wachstumsfelder Microsoft versucht schon seit Jahren, außerhalb des Stammmarktes mit dem Betriebssystem Windows und der Bürosoftware Office neue Wachstumsfelder zu erschließen. Für die Expansion im Bereich der Business-Software hat der Softwaregigant aus Redmond bislang 2,4 Milliarden Dollar (knapp zwei Mrd Euro) in die Hand genommen, um mit der Übernahme des US-Unternehmen Great Plains Software Inc. und des dänischen Anbieters Navision AS zumindest im Markt für Mittelstandssoftware Fuß zu fassen. Eine Fusion von Microsoft und SAP wäre Microsoft-Chef Steve Ballmer viel teurer zu stehen bekommen. Schließlich sind die Aktien der SAP AG zusammen schon heute rund 41 Milliarden Euro (50 Mrd Dollar) wert. Zwar verfügt Ballmer über Barreserven von über 55 Milliarden Dollar, so dass die Finanzierung des Geschäfts kein Problem gewesen wäre. Die Schwierigkeiten liegen woanders: "Beide haben sehr komplexe Produkte. Und es hätten sich kaum Vorteile aus der Fusion ergeben", sagt Analyst Csajka. Wettbewerber beim Mittelstand SAP und Microsoft produzieren beide Software, die in Unternehmen und Organisationen eingesetzt wird, um Arbeitsabläufe zu automatisieren, etwa bei der Warenwirtschaft, dem Einkauf, der Rechnungsstellung oder in den Personalabteilungen. Microsoft zielt mit seinem Angebot aber auf kleinere Unternehmen, während SAP vor allem Umsatz mit Großkunden wie DaimlerChrysler oder Nestlé macht. Im harten Wettbewerb stehen beide Anbieter beim Mittelstand, der sowohl von SAP als auch von Microsoft bedient wird. Europas größter Softwareanbieter SAP kann sich nach dem Bekanntwerden des "Heiratsantrags" geschmeichelt zurücklehnen. Viele werten den Vorstoß von Microft auch als Indiz, dass der US-Konzern mit seinen eigenen Bemühungen im Businessmarkt nicht so richtig voran kommt.
Das Softwareunternehmen war an SAP herangetreten, um über eine mögliche Fusion zu diskutieren. Das wurde erst jetzt bekannt — kurz vor den Verhandlungen um den Versuch von Oracle, PeopleSoft zu übernehmen.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/keine-elefanten-hochzeit-fusion-von-microsoft-und-sap-gescheitert-1.900892
Keine Elefanten-Hochzeit - Fusion von Microsoft und SAP gescheitert
00/05/2010
Amerikas Stahlindustrie hat den Strukturwandel verschlafen. Und so gibt es jetzt hohe Schutzzölle und jede Menge Probleme. (SZ vom 12.11.2003) — Um Ausreden ist Robert Zoellick selten verlegen. Der eloquente Handelsbeauftragte von US-Präsident George W. Bush reagierte auf die Entscheidung der Welthandelsorganisation WTO im Stahlstreit mit der EU prompt mit einem verbalen Gegenangriff. Die Fetzen fliegen Das WTO-Schiedsgremium gehe von falschen Tatsachen aus, ließ Zoellick erklären. Bei den im März 2002 verhängten Schutzzöllen handele sich um "vorübergehende Schutzmaßnahmen", die der heimischen Stahlindustrie "Luft zur Restrukturierung und Konsolidierung" verschaffen sollen, so der Handelsbeauftragte. Damit sind die Fronten geklärt: In einem der härtesten Handelskonflikte der vergangenen Jahre fliegen zwischen Washington und Brüssel weiter die Fetzen. Dabei wundert man sich nicht zuletzt in amerikanischen Industriekreisen, warum die US-Regierung wider aller ökonomischen Vernunft an den Schutzzöllen festhält. Denn nun droht nicht nur der Konflikt mit der EU zu eskalieren, der viele amerikanische Exportfirmen ins Mark treffen könnte. Brüssel hat angekündigt, Sanktionen von bis zu 2,2 Milliarden Dollar (1,9 Milliarden Euro) gegen US-Produkte zu verhängen. Betroffen wären vor allem Textilien, Schuhe, Obst und Gemüse. Längst haben die Zölle für die stahlverarbeitende Industrie in den USA höchst unangenehme Folgen. So sind die Preise für bestimmte Stahlprodukte kurz nach der Einführung der Schutzmaßnahmen um bis zu 50 Prozent gestiegen. Die angeschlagenen amerikanischen Stahlhersteller wie US Steel und Bethlehem Steel haben kräftig an der Preisschraube gedreht. Sie brauchen die Konkurrenz aus Europa, China und Korea nicht mehr zu fürchten. Zu Lasten der einheimischen Industrie Dies ging nach einer Studie des Verbandes der Verarbeitenden Industrie zu Lasten heimischer Branchen, wie zum Beispiel die Automobilindustrie, der es immer schwerer fällt, preiswerten Stahl einzukaufen. Unterm Strich hat der Protektionismus der US-Regierung der amerikanischen Industrie sogar 200.000 Arbeitsplätze gekostet. Das ist mehr als die Gesamtzahl der Beschäftigten in der US-Stahlindustrie von knapp 190.000. Der republikanische Senator Lamar Alexander aus Tennessee klagt, dass rund 900 in dem US-Bundesstaat angesiedelte Automobilzulieferer mit Entlassungen zu kämpfen haben. Nach Meinung Alexanders ist dies Folge der Stahlzölle, die schon bald zur Schließung ganzer Fabriken führen könnten. In die Enge manövriert Einer Studie des Washingtoner Institute of International Economics (IIE) zufolge belaufen sich die Mehrkosten der Schutzzölle für die verarbeitende Industrie auf 120 Milliarden Dollar. "Bush hat die Hunde von der Leine gelassen und könnte nun in die Lage kommen, sie nicht mehr einzufangen", höhnt IIE-Forscher Gary Hufbauer. Tatsächlich hat sich der US-Präsident in die Enge manövriert. Er macht den Kniefall vor der mächtigen Lobby der Stahlindustrie, die unterstützt von einflussreichen Gewerkschaften für die Abschottung des heimischen Marktes trommelt. Vor allem in den "Stahl-Staaten" Pennsylvania und West Virginia fürchtet der Präsident um Stimmen für seine Wiederwahl 2004. Doch seitdem die Automobilzulieferer gegen den Protektionismus ankämpfen, steht Bush auch von anderer Seite unter Druck. Die US-Stahlindustrie leidet unter hohen Überkapazitäten. Sie hat milliardenschwere Pensionsverpflichtungen für ehemalige Beschäftigte. Dies ist behindert auch Fusionen. Ausländische Investoren wollen sich nicht die Altlasten aufhalsen. Im Gegensatz zur europäischen Stahlindustrie, die in den vergangenen Jahren einen schmerzhaften Sanierungskurs hinter sich gebracht und zehntausende von Arbeitsplätzen verloren hat, ist die Konsolidierung der US-Stahlkocher aus politischen Gründen immer wieder hinausgezögert worden. Fraglich ist, ob die Schutzzölle jetzt den gewünschten Erfolg bringen. Anstatt die Zeit für Kapazitätsabbau zu nutzen, führt der Protektionismus dazu, dass unrentable Betriebe künstlich am Leben gehalten werden. Und die Stahl-Lobby lässt nicht locker. Sie wirbt bereits dafür, die Zölle über den bislang vereinbarten Zeitraum bis 2005 hinaus zu verlängern.
Amerikas Stahlindustrie hat den Strukturwandel verschlafen. Und so gibt es jetzt hohe Schutzzölle und jede Menge Probleme.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/usa-zoelle-wider-alle-vernunft-1.907311
USA - Zölle wider alle Vernunft
00/05/2010
Brüssel macht Druck: Die EU-Kommission will die Stromkonzerne zwingen, ihre Netze aufzugeben. Das Ziel: Die Bürger sollen vom Preiswettbewerb profitieren. Die EU-Kommission will die Energiekonzerne zwingen, ihre Netze zu verkaufen. Kommissionspräsident José Manuel Barroso kündigte am Mittwoch in Brüssel einen entsprechenden Vorschlag an. Detailansicht öffnen Ein Elektromonteur verrichtet an einem Strommast Wartungsarbeiten. (Foto: Foto: ddp) "Das ist uns klare Präferenz", sagte er. Deutschland und Frankreich hatten bereits Widerstand gegen solche Pläne angekündigt. Die Mitgliedstaaten müssen dem Vorhaben der Kommission noch zustimmen. Am Strommarkt fehlt der Wettbewerb Barroso sagte, es mangele in Europa an Wettbewerb in der Branche: "Die Gas- und Strommärkte funktionieren nicht so, wie sie sollten." Um angesichts der teils dramatischen Preissteigerungen für mehr Wettbewerb zu sorgen, sei die Kommission auch für andere Optionen offen. Dem Vernehmen nach würde dies bedeuten, dass die Energiekonzerne die Netze zwar behalten dürfen, diese aber von einem unabhängigen Betreiber geführt werden. Das Paket zur künftigen Energie- und Klimapolitik ist noch kein endgültiger Vorschlag für einen Rechtstext. Dieser soll nach dem Frühjahrsgipfel der EU-Staats- und Regierungschefs Anfang März in Brüssel folgen. Auf dem Gipfel werden die Vorschläge der Kommission das zentrale Thema sein. Neue Zielsetzung in der Klimapolitik In der Klimapolitik fordert die Kommission von den 27 Mitgliedstaaten eine Verringerung der schädlichen Treibhausgase im Jahr 2020 um 20 Prozent. International soll sich die EU um eine Reduzierung durch die Industrieländer um 30 Prozent im Vergleich zum Jahr 1990 stark machen. Sollte eine globale Übereinkunft auf dieses Klimaziel möglich sein, würde die EU ihre Selbstverpflichtung entsprechend erhöhen.
Brüssel macht Druck: Die EU-Kommission will die Stromkonzerne zwingen, ihre Netze aufzugeben. Das Ziel: Die Bürger sollen vom Preiswettbewerb profitieren.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/abspaltung-der-netze-eu-will-marktmacht-der-stromkonzerne-brechen-1.902144
Abspaltung der Netze - EU will Marktmacht der Stromkonzerne brechen
00/05/2010
In Deutschland ist der Autoclub der Verein der Vereine - doch weil er nebenher auch noch das große Geschäft machen wollte, hat er nun eine Menge Probleme. Der Präsident ist gut vorbereitet: Jeder Journalist, der auf der Pressekonferenz des ADAC von Peter Meyer wissen will, warum der Autoclub seine Beiträge um satte 16 Prozent erhöhen will, bekommt eine Abreibung: Den Mann von der FAZ bügelt er mit der Bemerkung ab, seine Zeitung habe ihren Preis um 80 Prozent erhöht, seit der ADAC vor zwölf Jahren zum letzten Mal die Beiträge heraufgesetzt hat. Dem Vertreter des Münchner Merkurs hält Meyer einen Preisaufschlag von 140 Prozent entgegen. Detailansicht öffnen ADAC-Pannenhelfer bei der Arbeit. (Foto: Foto: dpa) Er hatte erwartet, dass die Öffentlichkeit mault, wenn der ADAC seinen Mitgliedern tiefer in die Tasche greifen will. Die Autos der Deutschen würden im Schnitt immer älter, klagt Meyer. Das macht sie anfälliger für Pannen. Zudem sei auch das Anspruchsdenken der Menschen gewachsen: "Immer mehr Mitglieder nehmen immer mehr Leistungen in Anspruch." Deutschlands größter Verein, der mit knapp 15 Millionen Mitgliedern doppelt so viele Beitragszahler hat wie der Deutsche Gewerkschaftsbund, steckt in der Klemme. Er will immer mehr Menschen aufnehmen - bis zum Jahr 2010 sollen es 18 Millionen sein. Je mehr Mitglieder, desto höhere Kosten Doch je mehr Autofahrer eintreten, die den Pannendienst an der Autobahn erwarten, desto mehr steigen die Kosten. Die Beiträge von über 500 Millionen Euro im Jahr können in diesem Jahr die Kosten für den Service des Clubs nicht mehr finanzieren. Der Kern des Clubs, der ADAC e. V. München, der die Pannendienste in der Hand hat, wird Verlust machen. Aber auch die Gewinne des kleinen ADAC-Firmenimperiums, zu dem Versicherungen gehören, eine Autovermietungs GmbH und eine Luftrettungsgesellschaft, gehen deutlich zurück. Der ADAC-Verlag, der Reiseführer, Landkarten oder Atlanten herausgibt, hat im vergangenen Jahr 4,2 Millionen Euro Miese gemacht. Allein das Club-Blatt Motorwelt, das jedem Mitglied gratis zugeschickt wird, kostet den Club pro Jahr 40 Millionen Euro. Je mehr der ADAC wächst, desto stärker steigen die Kosten. Um aber den höheren Aufwand durch höhere Gewinne aus den Tochterfirmen auszugleichen, müsste er die Geschäfte aggressiver angehen. Da aber bekommt der Club Probleme mit der Vereinskultur. Die Mitgliederzahlen des 1903 gegründeten Clubs sind mit der wachsenden Motorisierung der Deutschen in den vergangenen 30 Jahren explodiert. Im Jahr 1970 waren rund zwei Millionen Mitglieder registriert, 1980 waren es schon sechs Millionen, nach der Wiedervereinigung explodierten die Zahlen noch einmal.
In Deutschland ist der Autoclub der Verein der Vereine - doch weil er nebenher auch noch das große Geschäft machen wollte, hat er nun eine Menge Probleme.
wirtschaft
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/adac-pannenhelfer-gesucht-1.899979
ADAC - Pannenhelfer gesucht
00/05/2010