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21.8
abel_leibmedicus_1699
3,305
1,699
Jungferſchafft zu erkennen 41
Jungferschaft zu erkennen 41
de
de
lb
0.667
7.4286
abel_leibmedicus_1699
3,306
1,699
Lampen zu zurichten/ daß die Leute wie Mohren ſcheinen 11
Lampen zuzurichten / dass die Leute wie Mohren scheinen 11
de
de
de
1
7.1399
abel_leibmedicus_1699
3,307
1,699
Maſſa ad Fornacem zu machen 23
Massa ad Fornacem zu machen 23
de
de
lb
0.667
6.2449
abel_leibmedicus_1699
3,308
1,699
Perſohnen (lebendige) in Wachs zu pouſſiren 12
Personen (lebendige) in Wachs zu poussieren 12
de
de
de
1
5.1464
abel_leibmedicus_1699
3,309
1,699
Piſtolen/ ſo weiter als andere ſchieſſen 24
Pistolen / so weiter als andere schießen 24
de
en
es
0.333
7.163
abel_leibmedicus_1699
3,310
1,699
Poudre (wohlriechenden) zu machen 19 ſq.
Puder (wohlriechenden) zu machen 19 sq.
de
de
de
1
5.8621
abel_leibmedicus_1699
3,311
1,699
Probe ob ein geſtochener oder geſchoſſener Menſch lebendig bleibe 38
Probe ob ein gestochener oder geschossener Mensch lebendig bleibe 38
de
de
de
1
6.5316
abel_leibmedicus_1699
3,312
1,699
‒ ob ein verwundeter Menſch geneſe 39 . 40
‒ ob ein verwundeter Mensch genese 39 . 40
de
de
de
1
6.1476
abel_leibmedicus_1699
3,313
1,699
Pulver wohlriechend Blitz-Pulver zu machen 15
Pulver wohlriechend Blitzpulver zu machen 15
de
de
de
1
7.7703
abel_leibmedicus_1699
3,314
1,699
‒ zu den Kleidern 16
‒ zu den Kleidern 16
de
de
de
1
6.67
abel_leibmedicus_1699
3,315
1,699
Ringe und Ketten ſo alt ſeyn/ wieder zu faͤrben 15
Ringe und Ketten so alt sein / wieder zu färben 15
de
de
de
1
6.2518
abel_leibmedicus_1699
3,316
1,699
Schlaff/ einen 8 Tage lang ſchlaffend zu machen 40
Schlaf / einen 8 Tage lang schlaffend zu machen 40
de
de
de
1
6.9976
abel_leibmedicus_1699
3,317
1,699
‒ daß einer nicht ſchlaffe 44
‒ dass einer nicht schlaffe 44
de
de
de
1
7.9664
abel_leibmedicus_1699
3,318
1,699
Schmauß-Stuͤckchen der Studenten 43
Schmausstückchen der Studenten 43
de
de
de
1
8.5464
abel_leibmedicus_1699
3,319
1,699
Schrifften/ ſo ſich bald wieder verliehren 4
Schriften / so sich bald wieder verlieren 4
de
de
de
1
8.2791
abel_leibmedicus_1699
3,320
1,699
‒ ſo verblichen ſind wieder leſend zu machen ibid.
‒ so verblichen sind wieder lesend zu machen ibid.
de
de
de
1
6.3831
abel_leibmedicus_1699
3,321
1,699
‒ wieder aus zu loͤſchen ibid.
‒ wieder auszulöschen ibid.
de
de
de
1
6.0682
abel_leibmedicus_1699
3,322
1,699
Schrifften da das Feld ſchwartz und die Buchſtaben weiß ſind 5
Schriften da das Feld schwarz und die Buchstaben weiß sind 5
de
de
de
1
6.1391
abel_leibmedicus_1699
3,323
1,699
‒ ſo durch Huͤlffe des Waſſers muͤſſen geleſen werden 7
‒ so durch Hilfe des Wassers müssen gelesen werden 7
de
de
fy
0.667
7.2621
abel_leibmedicus_1699
3,324
1,699
‒ ſo durch Huͤlffe des Feuers muͤſſen geleſen werden 8
‒ so durch Hilfe des Feuers müssen gelesen werden 8
de
de
de
1
7.4601
abel_leibmedicus_1699
3,325
1,699
‒ unſichtbar zu machen 9
‒ unsichtbar zu machen 9
de
de
de
1
7.3252
abel_leibmedicus_1699
3,326
1,699
Schuch- und Stiffel-Wichſe (wohlriechende) zu machen 23
Schuch- und Stiefel-Wichse (wohlriechende) zu machen 23
de
de
de
1
6.007
abel_leibmedicus_1699
3,327
1,699
Seyffe (wohlriechende) zu machen 17 ſeq.
Seife (wohlriechende) zu machen 17 seq.
de
de
de
1
5.3714
abel_leibmedicus_1699
3,328
1,699
‒ Kugeln-wider die Sommer-Flecken 18
‒ Kugeln-wider die Sommerflecken 18
de
de
de
1
10.0162
abel_leibmedicus_1699
3,329
1,699
Truncken zu machen ohne Schaden 37
Trunken zu machen ohne Schaden 37
de
de
de
1
8.2033
abel_leibmedicus_1699
3,330
1,699
Trunckene nuͤchtern zu machen 38
Trunkene nüchtern zu machen 38
de
de
de
1
7.4028
abel_leibmedicus_1699
3,331
1,699
Waffen-verletzung/ ein Secret darwider 30
Waffen-Verletzung / ein Sekret dawider 30
de
de
de
1
8.1273
abel_leibmedicus_1699
3,332
1,699
‒ verroſtete/ zu reinigen 31
‒ verrostete / zu reinigen 31
de
de
de
1
7.3651
abel_leibmedicus_1699
3,333
1,699
‒ fuͤr Koſt zu bewahren ibid.
‒ für Kost zu bewahren ibid.
de
de
ku
0.667
7.1028
abel_leibmedicus_1699
3,334
1,699
ENDE.
ENDE.
en
en
be
0
3.0487
albertinus_landtstoertzer01_1615
0
1,615
Der Landtſtoͤrtzer: Guſman von Alfarche oder Picaro genannt/ deſſen wunderbarliches/ abenthewꝛlichs vnd poſſirlichs Leben/ was geſtallt er ſchier alle ort der Welt durchloffen/ allerhand Staͤndt/ Dienſt vnd Aembter verſucht/ vil guts vnd boͤſes begangen vnd außgeſtanden/ jetzt reich/ bald arm/ vnd widerumb reich vnd gar elendig worden/ doch letztlichen ſich bekehrt hat/ hierin beſchriben wirdt.
Der Landstörzer: Gusman von Alfarche oder Picaro genannt / dessen wunderbarliches / abenteuerliches und possierliches Leben / was Gestalt er schier alle Ort der Welt durchlaufen / allerhand Stände / Dienst und Ämter versucht / viel Gutes und böses begangen und ausgestanden / jetzt reich / bald arm / und wiederum reich und gar elendig worden / doch letztlichen sich bekehrt hat / hierin beschrieben wird.
de
de
de
1
5.8541
albertinus_landtstoertzer01_1615
1
1,615
Durch ÆGIDIVM ALBERTINVM, Fuͤrſtl: Durchl:
Durch AEGIDIVM ALBERTINVM, Fürstl: Durchl:
de
lb
az
0.333
6.3642
albertinus_landtstoertzer01_1615
2
1,615
in Bayrn Secretarium, theils auß dem Spaniſchen verteutſcht/ theils gemehrt vnd gebeſſert.
in Bayern Secretarium, teils aus dem Spanischen verdeutscht / teils gemehrt und gebessert.
de
de
de
1
6.4792
albertinus_landtstoertzer01_1615
3
1,615
Getruckt zu Muͤnchen/ durch Nicolaum Henricum.
gedruckt zu München / durch Nicolaum Henricum.
de
de
lb
0.667
7.6981
albertinus_landtstoertzer01_1615
4
1,615
Anno M. DC. XV.
Anno M. DC. XV.
it
it
it
0
5.4595
albertinus_landtstoertzer01_1615
5
1,615
Dem Hochehrwuͤrdigen in GOtt Herꝛn/ Herꝛn Iacobo Abbte/ deß wuͤrdigen Gottshauß Farnbach/ ꝛc. Meinem gnedigen Herꝛn.
Dem Hochehrwürdigen in Gott Herrn / Herrn Jacobo Abbete / des würdigen Gotteshaus Farnbach / etc. Meinem gnädigen Herrn.
en
de
fy
0.333
6.377
albertinus_landtstoertzer01_1615
6
1,615
Hochehꝛwuͤrdiger in Gott/ gnediger Herꝛ.
Hochehrwürdiger in Gott / gnädiger Herr.
en
no
sv
0
5.7601
albertinus_landtstoertzer01_1615
7
1,615
VJlen dingen wirdt die Welt artlich verglichen/ bißweiln einem prato florido, oder gruͤnen vnnd luſtigen Wiſen/ dann wie in derſelben ſich zu Sommerszeit allerhand ſchoͤne vñ wolriechende Blumen vnd Kraͤuter ſehen laſſen/ vnd die Augen der Menſchen erluſtigẽ/ alſo wañ der Schnitter kombt/ vnd mit ſeiner Sichel alles abmehet/ alsdann fallen vnd ligen alle vnd jede ſchoͤne vnd heßliche/ gute vnd boͤſe Blumen vnd Kraͤuter durch einander/ verwelcken vnd verdorꝛen.
Vielen Dingen wird die Welt artlich verglichen / bisweilen einem prato florido, oder grünen und lustigen Wiesen / dann wie in derselben sich zu Sommerszeit allerhand schöne und wohlriechende Blumen und Kräuter sehen lassen / und die Augen der Menschen erlustigen / also wann der Schnitter kommt / und mit seiner Sichel alles abmähet / alsdann fallen und liegen alle und jede schöne und hässliche / gute und böse Blumen und Kräuter durcheinander / verwelken und verdorren.
de
de
de
1
4.6965
albertinus_landtstoertzer01_1615
8
1,615
Alſo vnd ebner geſtallt ſeind die Menſchen in diſer Welt je nicht anders/ als vnderſchidliche Blumen/ die einander in der groͤſſe/ in der ſchoͤnheit/ in der guͤte/ vnd in der ehr vnd hochheit ſehr vngleich ſeind aber wann der grauſamb Todt ſein Sichel anſetzet/ alsdann machet er alles gleich: omnia mors æquat Dann wo ſeind anjetzo die Scepter der Koͤnige/ die Huͤt der Cardinaͤln/ die dryfache Jnfeln der Baͤpſte/ die Kronen der Kaiſern/ wo ſeind anjetzo die Samſones, Gedeones, Hercules vnd Achilles: Wo ſeind die reiche Craſſi, Midæ, Cræſi vnd weiſe vnd geſcheide Salomones.
Also und ebener Gestalt sind die Menschen in dieser Welt je nicht anders / als unterschiedliche Blumen / die einander in der Größe / in der Schönheit / in der Güte / und in der Ehre und Hochheit sehr ungleich sind aber wann der grausam Tod sein Sichel ansetzet / alsdann macht er alles gleich: omnia mors aequat dann wo sind jetzt die Zepter der Könige / die Hüte der Kardinälen / die dreifache Inseln der Päpste / die Kronen der Kaisern / wo sind jetzt die Samsones, Gedeones, Herkules und Achilles: Wo sind die reiche Crassi, Midä, Craesi und weise und gescheite Salomones.
de
de
de
1
4.8754
albertinus_landtstoertzer01_1615
9
1,615
Bißweiln wirdt die Welt einem dicken Waldt verglichen/ dann in demſelben ſehen wir vnderſchidliche art der Baͤum/ dern etliche wachſen in alle hoͤhe/ vnd verbergen jre Haͤupter vnd Haar biß in die Wolcken/ etliche ſeind ſehꝛ nutzlich vnd fruchtbar/ aber benebens heßlich/ etliche ſeind vnnutzlich vnnd vnfruchtbar/ vnd doch darneben ſchoͤn/ gruͤn/ luſtig vnd lieblich anzuſehen/ etliche aber ſeind dermaſſen klein vnd kurtz/ daß ſie jhre Zweig biß auff die Erden hangen laſſen/ Alsbald aber die Art an ſie geſchlagen wirdt/ vnnd ſie ins Fewr geworffen vnd zu Aſchen verbrennt worden/ alsdann keñet man die hohe vnd nidrige Baͤum nit von einander.
Bisweilen wird die Welt einem dicken Wald verglichen / dann in demselben sehen wir unterschiedliche Art der Bäume / deren etliche wachsen in alle Höhe / und verbergen ihre Häupter und Haar bis in die Wolken / etliche sind sehr nützlich und fruchtbar / aber benebens hässlich / etliche sind unnützlich und unfruchtbar / und doch daneben schön / grün / lustig und lieblich anzusehen / etliche aber sind dermaßen klein und kurz / dass sie ihre Zweig bis auf die Erden hingen lassen / Alsbald aber die Art an sie geschlagen wird / und sie ins Feuer geworfen und zu Aschen verbrennt worden / alsdann kennet man die hohe und niedrige Bäume nicht voneinander.
de
de
de
1
4.6895
albertinus_landtstoertzer01_1615
10
1,615
Die Welt iſt der Waldt/ die Menſchen ſeind die Baͤum/ vnd wie der Waldt/ alslang er gruͤnet/ mit vnderſchidlichen farben geziert iſt/ alſo ſeind etliche Menſchen pur lautere ignoranten, ſtam̃ler vñ vnberedt/ andere ſeind geſchwetzig vnd wolredent:
Die Welt ist der Wald / die Menschen sind die Bäume / und wie der Wald / solang er grünet / mit unterschiedlichen Farben geziert ist / also sind etliche Menschen pur lautere ignoranten, Stammler und unberedt / andere sind geschwätzig und wolredent:
de
de
de
1
5.1633
albertinus_landtstoertzer01_1615
11
1,615
Etliche ſeind Sophiſten vñ Philoſophi, andere ſchoͤn/ andere heßlich/ etliche werden erkent auß jren heroiſchen Fruͤchten vñ dapfern thaten/ andere aber ſeind forchtſam̃ vnd doͤrffen ſich nichts vnderfahen/ aber alsbaldt der Todt ſein Sichel anſchlaͤgt/ alsdann redigiret vnd verkehꝛet er alles in Aſchen.
Etliche sind Sophisten und Philosophie, andere schön / andere hässlich / etliche werden erkennt aus ihren heroischen Früchten und tapferen taten / andere aber sind furchtsam und dürfen sich nichts unterfachen / aber alsbald der Tod sein Sichel anschlägt / alsdann redigieret und verkehret er alles in Aschen.
de
de
de
1
5.491
albertinus_landtstoertzer01_1615
12
1,615
Ferner wirdt die Welt dem Hauſe eines Hafners verglichen/ Dañ wie in deſſelbẽ Hauſe allerhand geſchirꝛ/ groſſe vnd kleine/ ſchoͤne vnd heßliche verhanden/ dern etliche zu ehren gebraucht vnd auf den Tiſch geſetzt/ andere aber zu vnehꝛen vnd nur in die Winckel geſetzt werden/ aber doch alleſambt vnuerſehens oder langſamb zerbrochen vnd zu lauter Scherben gemacht werden/ alſo findt man in der Welt Magnates, Fuͤrſten/ Koͤnige/ Monarchen/ Edelleut/ Burger/ Bawren vnd Armen/ wie aber die vaſa alia in honorem, alia in contum eliam: vos nobiles, nos autem ignobiles; alſo ſeind wir alleſampt dem fall vnderwoꝛffen/ vnd von Natur ſehr ſchwach vnd bawfellig/ deſcende ergo, ô homo, in domum figuli.
Ferner wird die Welt dem Hause eines Hafners verglichen / Dann wie in desselben Hause allerhand Geschirr / große und kleine / schöne und hässliche vorhanden / deren etliche zu ehren gebraucht und auf den Tisch gesetzt / andere aber zu Unehren und nur in die Winkel gesetzt werden / aber doch allesamt unversehens oder langsam zerbrochen und zu lauter Scherben gemacht werden / also findet man in der Welt Magnates, Fürsten / Könige / Monarchen / Edelleut / Burger / Bauern und Armen / wie aber die vasa alia in honorem, alia in contum eliam: vos nobiles, nos autem ignobiles; also sind wir allesamt dem Fall unterworfen / und von Natur sehr schwach und baufällig / descende ergo, o homo, in domum figuli.
de
de
de
1
4.8996
albertinus_landtstoertzer01_1615
13
1,615
Ierem. 18.
Ierem. 18.
fr
en
fr
0
6.6215
albertinus_landtstoertzer01_1615
14
1,615
Der jenig aber triffts meines erachtens/ am beſten/ welcher die Welt einem Laborint oder Jrꝛgarten verglichen/ dann was ſeind die Menſchen in diſer armſeligen Welt anderſt/ als die hin vnd wider/ auff vnd nider wanderen/ lauffen/ ſuchen/ dichten/ trachten/ ſich bemuͤhen/ jmmerdar vnnd vil jrꝛen/ aber wenig finden noch treffen?
Der jenig aber trifft meines Erachtens / am besten / welcher die Welt einem Labyrinth oder Irrgarten verglichen / dann was sind die Menschen in dieser armseligen Welt anders / als die hin und wieder / auf und nieder wandern / laufen / suchen / dichten / trachten / sich bemühen / immerdar und viel irren / aber wenig finden noch treffen?
de
de
de
1
4.9408
albertinus_landtstoertzer01_1615
15
1,615
Dann zum treffen iſt nur ein einiger weg verhanden/ aber zum faͤhlen vnd jrꝛen ſeind vnendtlich vil verhanden.
Dann zum Treffen ist nur ein einiger weg vorhanden / aber zum Fehlen und irren sind unendlich viel vorhanden.
de
de
de
1
6.7306
albertinus_landtstoertzer01_1615
16
1,615
Das haben nun die jenigen mit jhrem ſchaden wol erfahren/ welche in der ewigen qual ſich jhꝛes auff Erden vollbrachten boͤſen Lebens halben beklagten vnd ſagten: ambulauimus vias difficiles.
Das haben nun diejenigen mit ihrem schaden wohl erfahren / welche in der ewigen Qual sich ihres auf Erden vollbrachten bösen Lebens halben beklagten und sagten: ambulauimus vias diffiziles.
de
de
de
1
6.574
albertinus_landtstoertzer01_1615
17
1,615
Diſes haben etliche gelehrte betracht vnnd geſagt/ daß deß Menſchen Leben nur ein inconſtantiæ imago, ein ebenbild der vnbeſtaͤndigkeit ſeye/ vermuͤg der Wort: in imagine pertranſit omnis homo.
Dieses haben etliche gelehrte Betracht und gesagt / dass des Menschen Leben nur ein inconstantiae imago, ein Ebenbild der Unbeständigkeit sei / vermög der Wort: in imagine pertransit omnis homo.
de
de
de
1
5.6761
albertinus_landtstoertzer01_1615
18
1,615
Pſ. 38.
Ps. 38.
en
te
cs
0
5.344
albertinus_landtstoertzer01_1615
19
1,615
Andere habẽs dem vnbeſtaͤndigen vngeſtuͤmmen Meer verglichen/ welches ſtuͤndtlich newe Wellen/ Vngewitter vnnd Schiffbruͤch verurſachet:
Andere habens dem unbeständigen ungestümen Meer verglichen / welches stündlich neue Wellen / Ungewitter und Schiffbrüche verursachet:
de
de
lb
0.667
5.7257
albertinus_landtstoertzer01_1615
20
1,615
Dañ hominum vita imitatur mare veſaniens, quotidie parens naufragia.
Dann hominum vita imitatur mare vesaniens, quotidie parens naufragia.
la
la
la
0
5.885
albertinus_landtstoertzer01_1615
21
1,615
Andere ſagen/ daß deß Menſchen Leben ein vergehender Windt: vermuͤg der Wort Nazianzeni, eſt homo turbo referens puluerem omnibus infidum, & incertũ hucatq; illucagitãs Iob 37.
Andere sagen / dass des Menschen Leben ein vergehender Wind: vermög der Wort Nazianzeni, est homo turbo referens puluerem omnibus infidum, & incertu hucatq; illucagitas Job 37.
de
de
de
1
6.8972
albertinus_landtstoertzer01_1615
22
1,615
Aber noch beſſer ſagt der weiſe Mann/ Vniuerſa vanitas omnis homo viuens, als wolte er ſagen: alle vnd jede eytelkeiten/ vnbeſtaͤndigkeiten/ thorheiten/ arm: vnd vngluͤckſeligkeiten befinden ſich in dem Menſchen.
Aber noch besser sagt der weise Mann / Vniuersa vanitas omnis homo viuens, als wollte er sagen: alle und jede Eitelkeiten / Unbeständigkeiten / Torheiten / arm: und Unglückseligkeiten befinden sich in dem Menschen.
de
de
de
1
5.4638
albertinus_landtstoertzer01_1615
23
1,615
Daß nun ſolches alles alſo war zu ſein erſcheine/ hab ich allen vnnd jeden Standts Perſonen zur nachrichtung vnd gutem/ die Hiſtori vom Leben Johan Guſmans in Truck verfertigt/ vnd E. Gn. zu einen Patron deſſelben erwoͤhlen/ vnnd beynebens derſelben zu jhrer erlangten Pręlatur von Gott dem Allmaͤchtigen vil gluͤck vnd heyl wuͤnſchenwoͤllen/ damit alſo E. Gn. derſelben vil Jarlang gluͤcklich vnnd wol vorſtehen/ vnd jedermennigklichs zu derſelben geſetzter guten hoffnung/ ein gnuͤgen thun moͤgen/ Daran dann deſtoweniger zu zweiflen/ allweil E. Gn. nunmehr vil Jahrlang der Probſtey Gloͤcknitz in Oeſterꝛeich loͤblich vnd wol gehauſt vnd vorgeſtanden/ vnd dardurch allbereit einen guten Namen præparirt vnd erlangt haben.
Dass nun solches alles also war zu sein erscheine / habe ich allen und jeden Stands Personen zur Nachrichtung und gutem / die Historie vom Leben Johan Gusmans in Druck verfertigt / und E. Gn. zu einen Patron desselben erwählen / und beinahe derselben zu ihrer erlangten Prälatur von Gott dem Allmächtigen viel Glück und Heil wünschenwöllen / damit also E. Gn. derselben viel Jarlang glücklich und wohl vorstehen / und jedermännigliches zu derselben gesetzter guten Hoffnung / ein Genügen tun mögen / Daran dann desto weniger zu zweifeln / allweil E. Gn. nunmehr viel Jahrlang der Propstei Glöcknitz in Österreich löblich und wohl gehaust und vorgestanden / und dadurch allbereits einen guten Namen präpariert und erlangt haben.
de
de
de
1
5.8163
albertinus_landtstoertzer01_1615
24
1,615
Datum Muͤnchen den 1. Ianuarij 1615.
Datum München den 1. Januar 1615.
de
de
fy
0.667
6.0031
albertinus_landtstoertzer01_1615
25
1,615
E. Gn. dienſtwilliger Ægidius Albertinus den Fuͤrſtl: Durchlein Bayꝛn Secretarius.
E. Gn. dienstwilliger Aegidius Albertinus den Fürstl: Durchleine Bayern Sekretarius.
de
la
la
0.333
6.7048
albertinus_landtstoertzer01_1615
26
1,615
1 Der Landtſtoͤrtzer.
1 Der Landstörzer.
de
de
de
1
6.2107
albertinus_landtstoertzer01_1615
27
1,615
Capvt I.
Capvt I.
de
en
bg
0.333
9.0387
albertinus_landtstoertzer01_1615
28
1,615
Guſman erzehlt/ wer ſein Herꝛ Vatter geweſt/ nemblich ein ſeltzamer Geſell vnd ſehr erbarer Mann.
Gusman erzählt / wer sein Herr Vater gewesen / nämlich ein seltsamer Gesell und sehr ehrbarer Mann.
de
de
lb
0.667
5.7684
albertinus_landtstoertzer01_1615
29
1,615
OHne zweiffel wirdt man mirs fuͤr vbel haben/ daß ich wider das vierdte Gebott GOTtes handle/ vnnd in Beſchreibung meiner ſchaͤndtlichen Geburt/ die Laſter vnd Schand meiner Eltern entdecke/ dann jederzeit ſeindt die calumnianten vnnd Ehrenſchaͤnder veracht vnnd verhaßt worden/ zumaln die jenigen/ welche jhrer eygnen Eltern nicht verſchonen:
Ohne Zweifel wird man mir es für übel haben / dass ich wider das vierte Gebot Gottes handle / und in Beschreibung meiner schändlichen Geburt / die Laster und Schande meiner Eltern entdecke / dann jederzeit sind die calumnianten und Ehrenschänder verachte und verhasst worden / zumal diejenigen / welche ihrer eigenen Eltern nicht verschonen:
de
de
de
1
5.4145
albertinus_landtstoertzer01_1615
30
1,615
Aber doch troͤſte ich mich mit deme/ daß man von mir ſagen wirdt:
Aber doch tröste ich mich mit dem / dass man von mir sagen wird:
de
de
de
1
4.2202
albertinus_landtstoertzer01_1615
31
1,615
O/ wie gleich iſt Guſman ſeinen Eltern:
O / wie gleich ist Gusman seinen Eltern:
de
de
de
1
7.6738
albertinus_landtstoertzer01_1615
32
1,615
Zu dem iſt jhr Leben allermennigklichen dermaſſen bekannt/ daß es ein Thorheit were/ wann ichs laugnen wolte/ derwegẽ halte ichs vilmehꝛ fuͤr ein pur lautere hoͤflichkeit/ daß ich den wahren vnd klaren Text ableſe/ vnd etlicher Leuth daruͤber gemachte falſche gloſſas ablaine:
Zudem ist ihr Leben menniglichen dermaßen bekannt / dass es ein Torheit wäre / wann ich es leugnen wollte / derentwegen halte ich es vielmehr für ein pur lautere Höflichkeit / dass ich den wahren und klaren Text ablese / und etlicher Leute darüber gemachte falsche glossas ablaine:
de
de
de
1
5.6099
albertinus_landtstoertzer01_1615
33
1,615
Dann man findt Leuth/ welche/ zu erzeigung jhꝛer Kunſt vnd Wolredenheit/ auß einem Zwergl einen Riſen/ vnd auß der præſumption oder veꝛmutung ein euidentiam vñ warheit machen/ Jnmaſſen einem frembden Edelman zu Madril widerfahren/ welcher einen ſo groſſen Luſt vnnd wolgefallen an Spaniſchen Pferden hatte/ daß er ſich entſchloſſen/ eins abmahlen zulaſſen/ vñ es ſeinen Freunden heimbzubringen vnd zu zeigen:
Dann man findet Leute / welche / zu Erzeigung ihrer Kunst und Wohlredenheit / aus einem Zwergl einen Riesen / und aus der Präsumtion oder Vermutung ein euidentiam und Wahrheit machen / In Maßen einem fremden Edelmann zu Madrid widerfahren / welcher einen so großen Lust und wohlgefallen an spanischen Pferden hatte / dass er sich entschlossen / eins abmalen zulassen / und es seinen Freunden heimzubringen und zu zeigen:
de
de
de
1
5.8778
albertinus_landtstoertzer01_1615
34
1,615
Zu ſolchem end verfuͤgte er ſich zu zween beruͤm̃ten vnd Kunſtreichen Mahlern/ vnd verhieß dem jenigen einen beſtimbten Lohn/ der das Pferdt am aller zierlichſten vnd natuͤꝛlichſten mahlen vnnd treffen wuͤrde:
Zu solchem Ende verfügte er sich zu zweien berühmten und Kunstreichen Malern / und verhieß demjenigen einen bestimmten Lohn / der das Pferd am aller zierlichsten und natürlichsten malen und treffen würde:
de
de
de
1
5.5896
albertinus_landtstoertzer01_1615
35
1,615
Der ein Mahler mahlte es dermaſſen vollkom̃lich/ daß jhm nichts mehr abging/ als nur die Seel: Sonſten vnnd nichts anders mahlte er auff das Tuch:
Der ein Maler malte es dermaßen vollkommen / dass ihm nichts mehr abging / als nur die Seele: Sonsten und nichts anders malte er auf das Tuch:
de
de
de
1
5.6161
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36
1,615
Der ander Mahler mahlte gleichfals ein Pferd/ aber bey weitẽ nit ſo ſchoͤn vnd volkom̃lich/ wie der erſt/ ſondern darneben mahlte er einen ſehr ſchoͤnen Sattel/ deßgleichen ſchoͤne Baͤum/ alte Gebaͤw/ zerfallene Mawren vnd dergleichen/ luſtige Felder/ Wieſen/ Blumen vnnd Kraͤuter.
Der ander Maler malte gleichfalls ein Pferd / aber bei weiten nicht so schön und vollkommen / wie der erst / sondern daneben malte er einen sehr schönen Sattel / desgleichen schöne Bäume / alte Gebäude / zerfallene Mauern und dergleichen / lustige Felder / Wiesen / Blumen und Kräuter.
de
de
de
1
5.3372
albertinus_landtstoertzer01_1615
37
1,615
Als der Edelman diſe Gemaͤhld ſahe/ verliebte er ſich alsbaldt ins erſte/ vnnd ſchenckte dem Mahler einen koͤſtlichen guldinen Ring/ ſampt ſeinem verdienten Lohn:
Als der Edelmann diese Gemälde sah / verliebte er sich alsbald ins Erste / und schenkte dem Maler einen köstlichen goldenen Ring / samt seinem verdienten Lohn:
de
de
de
1
4.838
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38
1,615
Diſe deß Edelmanns groſſe Freygeblichkeit verurſachte/ daß der ander Mahler fuͤr ſein Gemaͤhld einẽ vberſchwenglichen werth forderte.
Diese des Edelmanns große Freigiebigkeit verursachte / dass der ander Maler für sein Gemälde einen überschwänglichen wert forderte.
de
de
de
1
6.32
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39
1,615
Deſſen verwunderte ſich der Edelman vnnd gab jhm zuuerſtehen/ daß ſein Arbeit der andern bey weitem nicht gleichte.
Dessen verwunderte sich der Edelmann und gab ihm zuverstehen / dass sein Arbeit der anderen bei weitem nicht gleiche.
de
de
de
1
5.1603
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40
1,615
Der Mahler replicirte vnd bekente/ daß das Pferdt gleich wol nit ſo gar ſchoͤn vñ wol getroffen/ aber daß jhm die vbrige darneben gemachte Zierlichkeiten vil Muͤh vnnd Arbeit gekoſt hatten:
Der Maler replizierte und bekennte / dass das Pferd gleich wohl nicht so gar schön und wohl getroffen / aber dass ihm die übrige daneben gemachte Zierlichkeiten viel Mühe und Arbeit gekost hatten:
de
de
de
1
6.1071
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41
1,615
Aber der Edelmann antwoꝛtet/ daß er dergleichen gemahlte Landtſchafften/ Gebaͤw/ Baͤum/ Felder/ Bluwen vnd Kraͤuter nicht begert/ ſonder nur zu ſchoͤnen Pferden groſſen luſt gehabt/ vnd mit ſich heim̃ zu fuͤhren begert habe/ derwegen (ſprach er zu jhm) ſo bezahle ich dir nur das Pferdt/ das vbrige Gemaͤhld aber behalte du ſelbſt.
Aber der Edelmann antwortet / dass er dergleichen gemalte Landschaften / Gebäude / Bäume / Felder / Blumen und Kräuter nicht begehrt / sonder nur zu schönen Pferden großen Lust gehabt / und mit sich Heim zu führen begehrt habe / derentwegen (sprach er zu ihm) so bezahle ich dir nur das Pferd / das übrige Gemälde aber behalte du selbst.
de
de
de
1
5.3311
albertinus_landtstoertzer01_1615
42
1,615
Auff eben diſen Schlag findt man Leuth/ welche/ wann man von jhnen begert/ daß ſie vns die ſubſtantz vnd warheit deſſen/ was ſie gehoͤrt oder geſehen/ erzehlen ſollen/ es jres gefallens/ vnd jhren paſſionen nach/ exaggeriren, coloriren, vermehren/ ferben/ anſtreichen/ verbluͤmlen oder vernichten/ auß einem Bachanten einen Comitẽ Palatinũ oder Pfaltzgrauen/ auß einem Narꝛen einen Weiſen/ auß einem heßlichen einen ſchoͤnen/ vnnd auß einer verzagten Lettfeigen einen dapffern Held machen:
Auf eben diesen Schlag findet man Leute / welche / wann man von ihnen begehrt / dass sie uns die Substanz und Wahrheit dessen / was sie gehört oder gesehen / erzählen sollen / es ihres Gefallens / und ihren Passionen nach / exaggerieren, kolorieren, vermehren / färben / anstreichen / verblümen oder vernichten / aus einem Bachanten einen Kometen Palatinu oder Pfaltzgrauen / aus einem Narren einen Weisen / aus einem hässlichen einen schönen / und aus einer verzagten Lettefeigen einen tapferen Held machen:
de
de
de
1
5.1523
albertinus_landtstoertzer01_1615
43
1,615
Nit mahlen ſie nur das Pferd/ ſonder cõmentiren, dichten vnd ſetzen darzu was jhnen wolgefallt.
Nicht malen sie nur das Pferd / sonder kommentieren, dichten und setzen dazu was ihnen wohlgefallt.
de
de
de
1
6.674
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44
1,615
Eben diſes begegnete auch meinem lieben Vatter/ dann/ ſo vil die warheit belangt/ ſagt man nunmehr nit/ was der handel an jhm ſelbſt iſt/ ſonder auß drey machet man dreyzehen/ vnnd auß dreyzehen dreyhundert:
Eben dieses begegnete auch meinem lieben Vater / dann / so viel die Wahrheit belangt / sagt man nunmehr nicht / was der handel an ihm selbst ist / sonder aus drei macht man dreizehn / und aus dreizehn dreihundert:
de
de
de
1
5.3889
albertinus_landtstoertzer01_1615
45
1,615
Ein jeder vnderſtehet ſich etwas hinzu zuſetzen:
Ein jeder unterstehet sich etwas hinzuzusetzen:
de
de
de
1
6.694
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46
1,615
Vnnd auß demſelben Zuſatz wirdt letztlichen ein groſſer hauffen/ welcher doch keinen grundt noch Bodem hat.
Und aus demselben Zusatz wird letztlichen ein großer Haufen / welcher doch keinen Grund noch Boden hat.
de
de
de
1
6.7679
albertinus_landtstoertzer01_1615
47
1,615
Dem ſey aber wie jhm woͤlle/ ſo kan ich mich doch meines Vatters nit verlaugnen:
Dem sei aber wie ihm wolle / so kann ich mich doch meines Vaters nicht verleugnen:
de
de
de
1
5.7921
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48
1,615
Hat er vbel gehandlet/ ſo wirdt er ſeinen Lohn darumb empfahen:
Hat er übel gehandelt / so wird er seinen Lohn darum empfangen:
de
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de
1
5.6515
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49
1,615
Ein jeglicher kehre fuͤr ſeiner eygnen Haußthuͤr/ ſo wirdt er villeicht befinden/ daß ſeine Eltern eben ſo wenig kein nutz vnd vnedel geweſt ſeyen/ als die meinigen.
Ein jeglicher kehre für seiner eigenen Haustür / so wird er vielleicht befinden / dass seine Eltern ebenso wenig kein Nutz und unedel gewesen seien / als die meinigen.
de
de
de
1
5.8662
albertinus_landtstoertzer01_1615
50
1,615
Mancher ſtoltzieret vnd pranget mit ſeinem Adelichen Geſchlecht/ vralten Stammen vnd herkommen/ wann mans aber eygentlich beym Liecht beſchawt/ ſo befindt ſich daß ſein Anherꝛ etwan ein Jud oder ein Pfannenflicker/ oder ein Schalcksnarꝛ/ oder wann es vil iſt/ ein ſchreiber oder wucheriſcher Kaufman geweſt.
Mancher stolzieret und pranget mit seinem adeligen Geschlecht / uralten Stamm und herkommen / wann man es aber eigentlich beim Licht beschafft / so befind sich dass sein Ahnherr etwan ein Jude oder ein Pfannenflicker / oder ein Schalksnarr / oder wann es viel ist / ein Schreiber oder wucherischer Kaufmann gewesen.
de
de
de
1
5.5207
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52
1,615
Gleichwol wil ich jne nit loben/ vil weniger wil ichs beſtreitẽ vnd ſagen/ daß es zugelaſſen ſeye/ Gelt vmb Gelt oder auff Pfandt/ auff ein beſtimte zeit/ bey verluſt deß Pfands/ woferꝛn es nit zu rechter zeit geloͤſt wird/ außzuleyhen:
Gleichwohl will ich jene nicht loben / viel weniger will ich es bestreiten und sagen / dass es zugelassen sei / Geld um Geld oder auf Pfand / auf ein bestimmte Zeit / bei Verlust des Pfands / wofern es nicht zu rechter Zeit gelöst wird / auszuleihen:
de
de
de
1
5.3175
albertinus_landtstoertzer01_1615
53
1,615
Noch vil weniger wil ich die vſuras palliatas gutheiſſen/ noch auch die jenigen verthaͤdigen/ welche den trucknen Wechßl fuͤhren/ vnd die Stim̃ Jacobs/ aber die Haͤnd Eſaus haben/ ſonder ich lobe nur die gute intention, mit dern die Wechßl vnd Wucher bißweilen beſchehen/ zu dem befinde ich/ daß man in dreyen faͤllen etwas ex mutuo oder vltra fortem, ohne Suͤnd/ nem̃en moͤge/ erſtlich ratione damni emergentis:
Noch viel weniger will ich die Usuras palliatas gutheißen / noch auch diejenigen tätigen / welche den trocknen Wechsel führen / und die Stimm Jacobs / aber die Hände Esaus haben / sonder ich lobe nur die gute Intention, mit deren die Wechsel und Wucher bisweilen geschehen / zu dem befinde ich / dass man in drei fällen etwas ex mutuo oder ultra fortem, ohne Sünde / nehmen möge / erstlich ratione damni emergentis:
de
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de
1
5.9015
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54
1,615
am andern ratione lucri ceſſantis, vnd drittens ratione gratitudinis:
am anderen ratione lucri cessantis, und drittens ratione gratitudinis:
it
en
en
0
5.7783
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55
1,615
dann der Menſch iſt gleichwol ſchuldig/ ſeinem Nechſten zu helffen/ aber doch der geſtallt/ daß er ſelbſt ſchadloß verbleib:
dann der Mensch ist gleichwohl schuldig / seinem Nächsten zu helfen / aber doch der Gestalt / dass er selbst schadlos verbleib:
de
de
de
1
5.3487
albertinus_landtstoertzer01_1615
56
1,615
Alſo/ daß man den Wucher wol vnd vbel bꝛauchen kan/ derwegen verwundere ich mich/ daß man jhn an etlichen Orten verachtet vnd verbietet/ da doch bißweilen die meiſte vnd fuͤrnembſte Geſchlechter/ Herꝛen vnnd Edelleuthen in den groſſen Staͤtten ſich darmit ernehren vnnd dereicheren.
Also / dass man den Wucher wohl und übel brauchen kann / derentwegen verwundere ich mich / dass man ihn an etlichen Orten verachtet und verbietet / da doch bisweilen die meiste und fürnehmste Geschlechter / Herren und Edelleuten in den großen Stätten sich damit ernähren und dereicheren.
de
de
de
1
5.2468
albertinus_landtstoertzer01_1615
57
1,615
Dannenhero hette mans auch meinem lieben Vatter nit ſo hoch fuͤr vbel haben ſollen.
Dannenher hätte man es auch meinem lieben Vater nicht so hoch für übel haben sollen.
de
de
de
1
6.7762
albertinus_landtstoertzer01_1615
58
1,615
Ferꝛner hielt man meinen lieben Vatter fuͤr einen Heuchler:
Ferner hielt man meinen lieben Vater für einen Heuchler:
de
de
de
1
4.6328
albertinus_landtstoertzer01_1615
59
1,615
Wann nun ich ſihe/ daß ein Prieſter oder religios mitten in der Nacht an einem verdaͤchtigen Ort durch das Fenſter ſteigt/ vnd ein Woͤhr an der Seyten hat/ alsdann kan ich je nit ſagen/ daß derſelb im willen habe/ jemande mit den heiligen Sacramenten zuuerſehen:
Wann nun ich siehe / dass ein Priester oder religios mitten in der Nacht an einem verdächtigen Ort durch das Fenster steigt / und ein Wöhr an der Seiten hat / alsdann kann ich je nicht sagen / dass derselbe im Willen habe / jemand mit den heiligen Sakramenten zuversehen:
de
de
de
1
5.1521
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60
1,615
Wann aber einer vil bettet/ offt beichtet/ communiciret, vnd taͤglich Meß hoͤret/ vnnd wann man jhn deßwegen fuͤr einen Heuchler vnd Gleißner halten wolte/ das were je ein vnbillicher handel vnd ein groſſe Boßheit: Mein lieber Vatter pflegte allzeit einen groſſen Roſenkrantz oder pater noſter bey ſich zutragen/ alle Morgen hoͤrte er ſeine dꝛey Meſſen mit gebognẽ Knyen vnd gen Himmel auffgehebten Haͤnden/ darneben gab er auch vtl Almuſen.
Wann aber einer viel bettet / oft beichtet / kommunizieret, und täglich Messe höret / und wann man ihn deswegen für einen Heuchler und Gleisner halten wollte / das wäre je ein unbilliger Handel und ein große Bosheit: Mein lieber Vater pflegte allzeit einen großen Rosenkranz oder pater noster bei sich zutragen / alle Morgen hörte er seine drei Messen mit gebogenen Knien und gen Himmel aufgehabten Händen / daneben gab er auch vtl Almosen.
de
de
de
1
5.4091
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61
1,615
Das legten jhm nun ſeine Mißgoͤnner zu einer Gleißnerey auß:
Das legten ihm nun seine Missgönner zu einer Gleisnerei aus:
de
de
de
1
6.1882
albertinus_landtstoertzer01_1615
62
1,615
Die vrſach deſſen war/ allweil er ſich einsmals ſchier ein gantzes Jahrlang abſentirte, vnſichtbar machte/ vnnd ſeinem Mitgeſellen/ der jhm ein groſſe ſumma Gelts hinweg gefuͤhrt hatte/ nachzohe:
Die Ursache dessen war / allweil er sich einsmals schier ein ganzes Jahrlang absentierte, unsichtbar machte / und seinem Mitgesellen / der ihm ein große summa Geld hinweggeführt hatte / nachzohe:
de
de
de
1
5.9177
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63
1,615
Das Schiff/ darauff er fuhr/ ward durch die Tuͤrcken erobert/ gepluͤndert/ vnnd mein Vatter ſampt vilen anderen gefaͤngklich gen Argel gefuͤhrt.
Das Schiff / darauf er fuhr / wurde durch die Türken erobert / geplündert / und mein Vater samt vielen anderen gefänglich gen Argel geführt.
de
de
de
1
6.2107
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64
1,615
Damit nun er widerumb frey vnnd ledig werden moͤchte/ ſo verlaugnete er daſelbſt ſeinen Chriſtlichen Namen/ verehelichte ſich mit einer ſehr reichen Moͤhrin/ vnnd verblib zwey gantze Jahrlang alldort.
Damit nun er wiederum frei und ledig werden möchte / so verleugnete er daselbst seinen christlichen Namen / verehelichte sich mit einer sehr reichen Möhren / und verblieb zwei ganze Jahrlang dort.
de
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1
4.9612
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65
1,615
Jnmittelſt erholte vnd erquickte ſich meines Vatters Mitgeſell/ vnd vergliche ſich mit ſeinen creditoribus vnnd Glaubigern:
Inmittelst erholte und erquickte sich meines Vaters Mitgesell / und vergliche sich mit seinen creditoribus und Glaubegern:
de
de
de
1
6.4799
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66
1,615
Als mein Vatter ſolches vernommen/ entſchloſſe er ſich heimblich daruon zu ziehen/ vnnd zu ſolchem end vberꝛedete er ſein Fraw Moͤhrin/ daß er Kauffmanſchafft treiben wolte.
Als mein Vater solches vernommen / entschloss er sich heimlich davonzuziehen / und zu solchem Ende überredete er sein Frau Möhren / dass er Kaufmannschaft treiben wollte.
de
de
de
1
4.8001
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67
1,615
Sie glaubte jhm/ vnd verwilligte daß er jren Haußrath/ aller beſte vnnd koͤſtlichſte ſachen verkauffte/ aber mit dem darauß geloͤſtem Gelt zohe er heimblich hinweg gen Genua, nam den Chriſtlichen Glauben widerumb an/ wainte/ buͤßte vnnd bate GOTT den HErꝛn vmb Verzeyhung/ Gnad vnnd Barmhertzigkeit.
Sie glaubte ihm / und bewilligte dass er ihren Hausrat / allerbeste und köstlichste Sachen verkaufte / aber mit dem daraus gelöstem Geld zog er heimlich hinweg gen Genua, nahm den christlichen Glauben wiederum an / weinte / büßte und bat GOTT den Herrn um Verzeihung / Gnade und Barmherzigkeit.
de
de
de
1
5.0333
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68
1,615
Eben diſes war nun die einige Vrſach/ warumb man meinem Vatter hernacher nit glaubte noch trawete/ vnangeſehen er noch ſo ſehr vnnd andaͤchtigklich bettete/ vnnd vil guts thate:
Eben dieses war nun die einige Ursache / warum man meinem Vater hernach nicht glaubte noch traute / unangesehen er noch so sehr und andächtig betete / und viel Gutes tat:
de
de
de
1
5.1316
albertinus_landtstoertzer01_1615
69
1,615
Man ſagt gleichwol/ quod, qui ſemel malus ſemper præſumitur malus:
Man sagt gleichwohl / quod, qui Semmel malus semper praesumitur malus:
de
la
cy
0.333
6.0035
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70
1,615
Wer das Ziel der Erbarkeit einmal vberſchritten/ vnnd ein Schelmenſtuͤckl begangen/ deꝛ wagts wol oͤffter/ aber kein einige Regel iſt ſo gar gewiß/ daß ſie nicht etwan ein exception litte/ dann niemandt waiſt/ wie vnnd was geſtallt Gott bißweilen die Hertzen der Menſchen wunderbaꝛlich beruͤre/ jnmaſſen auch meinem Vatter beſchehen/ vñ er allerdings ein newer Menſch woꝛden/ vnd mit redintegratis morib. auffzohe.
Wer das Ziel der Ehrbarkeit einmal überschritten / und ein Schelmenstückchen begangen / der wagt wohl öfter / aber kein einige Regel ist so gar gewiss / dass sie nicht etwan ein exception litte / dann niemand weist / wie und was Gestalt Gott bisweilen die Herzen der Menschen wunderbarlich berühre / in Maßen auch meinem Vater geschehen / und er allerdings ein neuer Mensch worden / und mit redintegratis morib . aufzog.
de
de
de
1
6.0533