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|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 71 | 1,615 | Dann ob ſchon jm nachgeredt ward/ dz er zwey oder dreymahl fallirt oder banckerottirt hatte/ ſo iſt doch hergegẽ war/ das andere gleichfals meineydig an jhm worden/ vnd jne darzu gebracht vñ verurſacht haben: | Dann ob schon ihm nachgeredet wurde / das er zwei oder dreimal falliert oder bankrottiert hatte / so ist doch hergegen war / das andere gleichfalls meineidig an ihm worden / und jene dazu gebracht und verursacht haben: | de | de | de | 1 | 5.8001 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 72 | 1,615 | Einmal iſt gewiß/ daß die Menſchen nicht von Stahl gemacht worden/ derwegen auch nicht ſchuldig ſeyen/ wie Naͤgel ſteiff zu halten/ dann ſo gar die Negel ſelbſt verlieren/ letztlichen jhre Krafft wacklen/ laſſen nach vnnd werden loß. | Einmal ist gewiss / dass die Menschen nicht von Stahl gemacht worden / derentwegen auch nicht schuldig seien / wie Nägel steif zu halten / dann so gar die Nägel selbst verlieren / letztlichen ihre Kraft wackle / lassen nach und werden los. | de | de | de | 1 | 5.3511 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 73 | 1,615 | Diſes ſeindt die ſtratagemata vnnd griffel der Kauffleuten/ welche taͤglich practiciert werden/ derwegen ſoll man ſich nicht ſo ſehr druͤber verwundern/ ſonder es Gott dem HErꝛn vnnd dem Beichtuatter heimbſetzen: | Dieses sind die stratagemata und Griffel der Kaufleuten / welche täglich praktiziert werden / derentwegen soll man sich nicht so sehr drüber verwundern / sonder es Gott dem Herrn und dem Beichtvater heimsetzen: | de | de | de | 1 | 5.6173 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 74 | 1,615 | Vil Kauffleuth kenne ich/ welche dergleichen ding ſtarck treiben/ aber keinen einigen habe ich deßwegen hencken ſehen: woferꝛn derwegen das fallieren vnnd Leut anſetzen boͤß oder ein Diebſtuck were/ ſo wurde mans ohne zweifel mit ernſt ſtraffen/ zumaln weil wir ſehen/ daß offt einer wegen eines einigen geſtohlenen Guldens mit Ruthen außgehawen oder auff die Galeren geſchmidt wuͤrdet. | Viel Kaufleut kenne ich / welche dergleichen Ding stark treiben / aber keinen einigen habe ich deswegen henken sehen: wofern derentwegen das fallieren und Leute ansetzen böse oder ein Diebstuck wäre / so wurde man es ohne Zweifel mit ernst strafen / zumal weil wir sehen / dass oft einer wegen eines einigen gestohlenen Guldens mit Ruten ausgehauen oder auf die Galeeren geschmiedet würdet. | de | de | de | 1 | 6.2067 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 75 | 1,615 | Ob wol auch mein Vatter dreymal gefaͤngklich befaͤngnuſt woꝛdẽ/ ſo machte er ſich doch allzeit widerumb ledig/ dañ weil er reich war/ vnnd der Oberꝛichter gleichſamb ſein Vatter/ vnnd der Gerichtſchreiber ſein Genatteꝛ war/ ſo ward er bald wider außgelaſſen. | Ob wohl auch mein Vater dreimal gefänglich befängnust worden / so machte er sich doch allzeit wiederum ledig / dann weil er reich war / und der Oberrichter gleichsam sein Vater / und der Gerichtschreiber sein Gevatter war / so wurde er bald wieder ausgelassen. | de | de | de | 1 | 5.1338 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 76 | 1,615 | Es waren gleichwol inditia gnug verhanden/ aber die bloſſe inditia ſeindt nit gnugſamb/ ſo waren auch die Zeugnuſſen falſch/ vnd galten nichts bey Gericht/ noch bey ſolchen guͤnſtigen vnnd wolgeneigten gefatteriſchen Richtern vnd Schreibern/ zu dem purgierte mein Vatter ſolche inditia durch die Tortur/ vnd machte alſo die Zeugen/ welche ohne einiges Fundament vñ auß lauter præſumptionibus deponirten, offentlich zuſchanden. | Es waren gleichwohl inditia genug vorhanden / aber die bloße inditia sind nicht genugsam / so waren auch die Zeugnussen falsch / und galten nichts bei Gericht / noch bei solchen günstigen und wohlgeneigten gevatterischen Richtern und Schreibern / zu dem purgierte mein Vater solche inditia durch die Tortur / und machte also die Zeugen / welche ohne einiges Fundament und aus lauter praesumptionibus deponierten, öffentlich zuschanden. | de | de | de | 1 | 5.5137 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 77 | 1,615 | Beſchließlich hielt mans meinem Vatter hoch fuͤr vbel/ daß er ſehr hoffertig war/ vnnd ſein Angeſicht anſtriche/ welchs ich nit loben koͤndte/ woferꝛn deme alſo were/ Aber ich hab nichts dergleichen an jm koͤnnen vermercken/ allein ſahe ich/ daß er weiß vnd roth duꝛch einander war/ vnnd ich glaube/ daß er von Natur alſo war/ vnd groſſe Augen vnnd rothe Carfunckelſtein im Angeſicht hatte/ dannenhero vnd woferꝛn ers von Natur alſo gehabt/ ich jn nit verdencken noch tadlen koͤndte/ daß er dergleichen mengel vnd gebrechen durch den anſtrich bedeckt vnnd verboꝛgen haben moͤchte: | Schließlich hielt man es meinem Vater hoch für übel / dass er sehr hoffertig war / und sein Angesicht anstriche / welches ich nicht loben könnte / wofern dem also wäre / Aber ich habe nichts dergleichen an ihm können vermerken / allein sah ich / dass er weiß und rot durcheinander war / und ich glaube / dass er von Natur also war / und große Augen und rote Karfunkelstein im Angesicht hatte / dannenher und wofern er es von Natur also gehabt / ich ihn nicht verdenken noch tadeln könnte / dass er dergleichen Mängel und gebrechen durch den anstrich bedeckt und verborgen haben möchte: | de | de | de | 1 | 5.193 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 78 | 1,615 | Hat ers aber auß Hoffart vnd fuͤrwitz gethan/ ſo were es vnrecht/ dañ es thuns nur die Weiber/ vnd zwar die faile vnd liderliche Metzen/ welche/ ob ſchon ſie von Natur/ ſchoͤn gnug ſeindt/ nicht deſto weniger deß Morgens im Beth anfahen/ ſich anzuſtreichen biß zu Mittag/ vnd begeren alſo noch ſchoͤner zu werden: | Hat er es aber aus Hoffart und Fürwitz getan / so wäre es Unrecht / dann es Tuns nur die Weiber / und zwar die Feile und liederliche Metzen / welche / ob schon sie von Natur / schön genug sind / nicht desto weniger des Morgens im Bett anfangen / sich anzustreichen bis zu Mittag / und Begehren also noch schöner zu werden: | de | de | de | 1 | 5.1456 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 79 | 1,615 | Je mehꝛ aber dergleichen Weiber jhꝛ Angeſicht zieren vnnd beſchawen/ je mehr gehet jhr Haußweſen zu grundt: | Je mehr aber dergleichen Weiber ihr Angesicht zieren und beschauen / je mehr geht ihr Hauswesen zu Grund: | de | de | de | 1 | 6.2036 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 80 | 1,615 | So dann das anſtreichen deß Angeſichts den Weibern ein ſchand iſt/ vmb wie vil mehr iſts dañ den Maͤnnern? | So dann das Anstreichen des Angesichts den Weibern ein Schande ist / um wie viel mehr ist es dann den Männern? | de | de | de | 1 | 5.669 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 81 | 1,615 | Was aber meinen lieben Vatter betrifft/ ob ſchon ers gleichfals gethan hette/ ſo iſt er doch nit allein der jenig geweſt/ der ſich dißfals verſuͤndigt/ ſonder es thuns jhm villeicht auch andere ſtattliche Herꝛen nach. | Was aber meinen lieben Vater betrifft / ob schon er es gleichfalls getan hätte / so ist er doch nicht allein der jenig gewesen / der sich diesfalls versündigt / sonder es Tuns ihm vielleicht auch andere stattliche Herren nach. | de | de | de | 1 | 5.4625 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 82 | 1,615 | Capvt II. | Capvt II. | en | en | xh | 0 | 8.4675 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 83 | 1,615 | Guſman erzehlt wie vnd was geſtallt ſein Vatter anfangs vmb ſeine Fraw Mutter gebuelt/ vnd auß was fuͤr einem ehrlichen Stammen er geboren worden/ Jtem/ was ſein Fraw Mutter fuͤr ein erbare Fraw geweſt. | Gusman erzählt wie und was Gestalt sein Vater anfangs um seine Frau Mutter gepult / und aus was für einem ehrlichen Stamm er geboren worden / Item / was sein Frau Mutter für ein ehrbare Frau gewesen. | de | de | de | 1 | 5.7906 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 85 | 1,615 | Nun begabs ſich/ daß/ als einsmals mein Vatter ſampt andern Kauffleuten auffm Marckt ſpatzieren ging/ daſelbſt ein Kindtstauff fuͤr paſſierte/ vnnd von vilen ſchoͤnen Frawen gen Kirchen begleitet ward. | Nun begab es sich / dass / als einsmals mein Vater samt anderen Kaufleuten aufm Markt spazieren ging / daselbst ein Kindstaufe für passierte / und von vielen schönen Frauen gen Kirchen begleitet wurde. | de | de | de | 1 | 5.5018 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 86 | 1,615 | Der fuͤrwitz ſtach vnd reitzte meinen Vatter dermaſſen/ daß er jhnen nachfolgete/ vnnd ſahe/ was geſtallt mein Mutter vnd noch ein feiner alter Geiſtlicher Ordensherꝛ/ das Kindt auß der Tauff hebten. | Der Fürwitz stach und reizte meinen Vater dermaßen / dass er ihnen nachfolgte / und sah / was Gestalt mein Mutter und noch ein feiner alter Geistlicher Ordensherr / das Kind aus der Taufe hebten. | de | de | de | 1 | 5.3033 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 87 | 1,615 | Beſagte mein Mutter war huͤpſch/ ſchoͤn/ holdſelig vñ ſehꝛ verſtaͤndig: Mein Vatter ſchawte ſie jmmerdar an/ verliebte vnd vernarꝛte ſich alsbaldt in jhre Schoͤnheit: | Besagte mein Mutter war hübsch / schön / holdselig und sehr verständig: Mein Vater schaffte sie immerdar an / verliebte und vernarrte sich alsbald in ihre Schönheit: | de | la | lb | 0.333 | 4.9072 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 88 | 1,615 | Das merckte mein Mutter/ vnnd verliebte ſich gleichfals in jhn/ aber doch diſſimulirte ſie es ſehr verſtaͤndigklich/ dann es ſey ein Fraw ſo ſtattlich/ wie ſie immer woͤlle/ ſo frewet ſie ſich doch/ geſehen vnd gelobt zu werden von Maͤnnern/ vnangeſehen dieſelbigen nicht ſehꝛ ſtattlich ſeindt. | Das merkte mein Mutter / und verliebte sich gleichfalls in ihn / aber doch dissimulierte sie es sehr verständigklich / dann es sei ein Frau so stattlich / wie sie immer wolle / so freuet sie sich doch / gesehen und gelobt zu werden von Männern / unangesehen dieselbigen nicht sehr stattlich sind. | de | de | de | 1 | 4.8476 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 89 | 1,615 | Mit redenden Augen/ vnd mit ſchweigendem Mund redeten mein Vatter vnnd Mutter mit einander/ vnd entdeckten alſo einander jhꝛ Hertz. | Mit redenden Augen / und mit schweigendem Mund redeten mein Vater und Mutter miteinander / und entdeckten also einander ihr Herz. | de | de | de | 1 | 4.7023 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 90 | 1,615 | Damals koͤndte mein Vatter meiner Mutter halben mehr nit erfahren/ als allein/ daß ſie deß vorberuͤrten Ordensherꝛn Fraw oder Anhang war/ vnd dz er ſie heimblich bey ſich hatte. | Damals könnte mein Vater meiner Mutter halben mehr nicht erfahren / als allein / dass sie des vorberührten Ordensherrn Frau oder Anhang war / und dass er sie heimlich bei sich hatte. | de | de | de | 1 | 5.452 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 91 | 1,615 | Vnangeſehen nun mein Mutter ſampt jhrem Herꝛn heimb ging/ ſo blib doch das Hertz meines Vatters jmmerdar bey jhr/ vnnd ſuchte gelegenheit ſie in der Kirchen bey der Meß widerumb zuſehen/ dann laider die Kirchen vnd Haͤuſer Gottes muͤſſen bißweilen das beſte thun/ vnd Kuppel/ Huren vnnd Teufels haͤuſer vertretten: | Unangesehen nun mein Mutter samt ihrem Herrn heim ging / so blieb doch das Herz meines Vaters immerdar bei ihr / und suchte Gelegenheit sie in der Kirchen bei der Messe wiederum zusehen / dann leider die Kirchen und Häuser Gottes müssen bisweilen das beste tun / und Kuppel / Huren und Teufels Häuser vertreten: | de | de | de | 1 | 6.135 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 92 | 1,615 | Diſes ſehen vnnd anſchawen wehꝛte ſo lang/ biß letztlichen mein Vatter ein feine erbare Fraw antraff/ die ſich fuͤr ein Kuplerin gebrauchen ließ/ vnd meiner Mutter ein holdſeligs Brieffel/ welches jhr mein Vatter geſchriben/ vberantwortete/ vnnd benebens gute muͤndtliche officia præſtirte. | Dieses sehen und anschauen werte so lang / bis letztlichen mein Vater ein feine ehrbare Frau antraf / die sich für ein Kupplerin gebrauchen ließ / und meiner Mutter ein holdseliges Briefchen / welches ihr mein Vater geschrieben / überantwortete / und benebens gute mündliche officia prästierte. | de | de | de | 1 | 5.5867 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 93 | 1,615 | Weil dann der Ordens Ritter nunmehr alt vnd jmmerdar kranck war/ ſo vberkam mein Mutter ein vil beſſers gefallen an meinem Vatter/ der noch ein junger/ friſcher vnd ſtarcker Mann war/ derwegen entſchloſſe ſie ſich gleichwol/ jhren alten Herꝛn zuvertauſchen vñ zuverlaſſen/ aber doch wolte ſie auch die gute bey jhm habende gelegenheit vnd ſtatliche vnderhaltung nit gern verlaſſen/ derwegen ſuchte ſie ein mittel auſſerhalb Hauſes/ zu meinem Vatter zukommen/ vnnd ſtellte ſich/ als wolte ſie ein Kirchfarth nah bey meines Vatters Hof Alfarche verꝛichten: | Weil dann der Ordens Ritter nunmehr alt und immerdar krank war / so überkam mein Mutter ein viel besseres gefallen an meinem Vater / der noch ein junger / frischer und starker Mann war / derentwegen entschloss sie sich gleichwohl / ihren alten Herrn zuvertauschen und zuverlassen / aber doch wollte sie auch die gute bei ihm habende Gelegenheit und staatliche Unterhaltung nicht gern verlassen / derentwegen suchte sie ein Mittel außerhalb Hauses / zu meinem Vater zukommen / und stellte sich / als wollte sie ein Kirchfahrt nah bei meines Vaters Hof Alfarche verrichten: | de | de | de | 1 | 5.6339 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 94 | 1,615 | Wie nun ſie ſampt jhrem Herꝛn auffm Weg/ vnd nicht weit von Alfarche war/ fing ſie vnuerſehens an/ ſich vber jhren Magenwehthumb zu beklagen/ vnd ſich dermaſſen vbel zugehaben/ daß man ſie fuͤr paſſiert hielt/ vnd daß ſie deß Todts erloſchen were: ein hertzlichs mitleyden mit jhr hatte. | Wie nun sie samt ihrem Herrn aufm Weg / und nicht weit von Alfarche war / fing sie unversehens an / sich über ihren Magenwehthumb zu beklagen / und sich dermaßen übel zugehaben / dass man sie für passiert hielt / und dass sie des Tods erloschen wäre: Ein herzliches mitleiden mit ihr hatte. | de | de | de | 1 | 5.3129 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 95 | 1,615 | Die Leut/ welche der orten fuͤruͤber gingen/ bliben ſtill bey jhr ſtehen/ vnd ein jegklicher wolte jhr einen guten Rath geben/ was ſie brauchen vnd einnemmen ſolte: | Die Leute / welche der Orten vorübergingen / blieben still bei ihr stehen / und ein jeglicher wollte ihr einen guten Rat geben / was sie brauchen und einnehmen sollte: | de | de | de | 1 | 5.2289 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 96 | 1,615 | Weil man aber nit gelegenheit hatte/ ſolche jr gerathene ſachen zuwegen zubringen/ ſo waren alle fuͤrgeſchlagene remedia vnd mittel vergebens: Widerumb in die Statt zu gehen war ir vnmuͤglich/ weiter fort zu gehen war beſchwerlich: vnnd mitten auffm weg alſo ſtill zu ligen/ war ſpoͤttlich: | Weil man aber nicht Gelegenheit hatte / solche ihr geratene Sachen zuwegen zubringen / so waren alle vorgeschlagene remedia und Mittel vergebens: wiederum in die Stadt zu gehen war ihr unmöglich / weiter fortzugehen war beschwerlich: und mitten aufm weg also stillzuliegen / war spöttisch: | de | de | de | 1 | 5.5642 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 97 | 1,615 | Jnmittelſt ward mein Mutter je lenger je ſchwecher/ (ſcilicet) jederman ward trawrig/ vnnd man wuſte je nit/ was man thun oder anfahen ſolte: | Inmittelst wurde mein Mutter je länger je schwächer / (scilicet) jedermann wurde traurig / und man wusste je nicht / was man tun oder anfangen sollte: | de | de | fy | 0.667 | 5.8466 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 98 | 1,615 | Letztlichen ſprach ein Fraw/ fuͤhret ſie von der ſtraſſen/ ein ſpott vnd ſchandt iſts/ daß man die gute Fraw alſo ligen vnnd ſterben laͤſt/ traget ſie dort in deß Edelmans Hof/ biß es gleichwol beſſer vmb ſie wirdet. | Letztlich sprach ein Frau / führt sie von der Straßen / ein Spott und schont ist es / dass man die gute Frau also liegen und sterben lässt / traget sie dort in des Edelmans Hof / bis es gleichwohl besser um sie werdet. | de | de | de | 1 | 5.8993 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 99 | 1,615 | Jederman lobte diſen Fuͤrſchlag/ vnd der Ordensherꝛ ſchickte alsbald hin/ vnd ließ das Haußgeſindt erſuchen/ daß ſie doch diſe krancke Fraw nur ein ſtundlang/ biß es etwas beſſer vmb ſie woꝛden/ einnemmen wolten Ein altes Weib befand ſich im Hauſe/ die war allbereit vnderwiſen/ was ſie thun ſolte/ gab derwegen zur antwort/ daß man die krancke Fraw nur kecklich herbꝛingen ſolte/ damit jhr geholffen/ vnd aller guter willen erwiſen werden moͤchte. | Jedermann lobte diesen Vorschlag / und der Ordensherr schickte alsbald hin / und ließ das Haußgesindt ersuchen / dass sie doch diese Kranke Frau nur ein stundlang / bis es etwas besser um sie worden / einnehmen wollten ein altes Weib befand sich im Hause / die war allbereits unterwiesen / was sie tun sollte / gab derentwegen zur Antwort / dass man die Kranke Frau nur kecklich herbringen sollte / damit ihr geholfen / und aller guter Willen erwiesen werden möchte. | de | de | de | 1 | 5.2524 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 100 | 1,615 | Der Ordensherꝛ ließ ſie hintragen/ ging ſelbſt mit/ vnd erzeigte ein groſſes mitleiden mit ſeiner krancken Frawen/ welche jhren ſchmertzen ſtarck klagte/ vñ doch heimblich lachte: | Der Ordensherr ließ sie hintragen / ging selbst mit / und erzeigte ein großes Mitleiden mit seiner kranken Frauen / welche ihren Schmerzen stark klagte / und doch heimlich lachte: | de | de | de | 1 | 5.5115 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 101 | 1,615 | Die alte Fraw oder Haußpflegerin eroͤffnete alsbald alle Zimmer vnnd Loſementer/ vberzohe ein Beth mit friſchen Leylachern/ legte mein Mutter darein/ waͤrmete jhꝛen Bauch mit warmen Tuͤchern/ labte vñ erquickte ſie mit confect vnd andern kraͤfftigen guten ſachen/ biß ſich der ſchmertzẽ allgemach verluhr: Mein Mutter ſtellte ſich/ als begerte ſie ein wenig zu ruhen vnnd zu ſchlafen/ deſſen frewete ſich der alt Herꝛ/ ließ ſie allein im Beth ligen: ſperꝛte alle Fenſter vnd Thuͤr fleiſſig zu/ vnd befahl/ daß man ſtill ſeyn/ vnd niemandt zu jhr hinein gehen laſſen ſolte: | Die alte Frau oder Hauspflegerin eröffnete alsbald alle Zimmer und Losementer / überzog ein Bett mit frischen Leylachern / legte mein Mutter darein / wärmte ihren Bauch mit warmen Tüchern / labte und erquickte sie mit Konfekt und anderen kräftigen guten Sachen / bis sich der Schmerzen allgemach verlor: Mein Mutter stellte sich / als begehrte sie ein wenig zu ruhen und zu schlafen / dessen freute sich der alt Herr / ließ sie allein im Bett liegen: sperrte alle Fenster und Tür fleißig zu / und befahl / dass man still sein / und niemand zu ihr hineingehen lassen sollte: | de | de | de | 1 | 4.8314 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 102 | 1,615 | Er ſelbſt ging auch von dannen vnnd im Garten ſpatzieren: | Er selbst ging auch von dannen und im Garten spazieren: | de | de | de | 1 | 5.0348 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 103 | 1,615 | Aber mein Vatter ſchlieff nicht/ ſonder hoͤrte in einer abſonderlichen Kammer alles/ was fuͤruͤber ging/ er eroͤffnete in aller ſtill die Kammerthuͤr/ darinn mein Mutter lag/ verfuͤgte ſich zu jr/ vnd vertrib jr jnnerhalb zweyer ſtunden allen ſchmertzen. | Aber mein Vater schlief nicht / sonder hörte in einer absonderlichen Kammer alles / was vorüberging / er eröffnete in aller still die Kammertür / darin mein Mutter lag / verfügte sich zu ihr / und vertrieb ihr innerhalb zweier Stunden allen Schmerzen. | de | de | de | 1 | 5.3993 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 104 | 1,615 | Letztlichen ging der alt Herꝛ auß dem Garten/ ſuchte mein Mutter heimb/ vnd als er ſahe/ daß es etwas beſſer vmb ſie worden/ danckte er Gott/ ſchickte alsbald in die Statt/ ließ allerhand Speiſen vnd Getranck herauß bringen/ vnd hatte einen guten Muth mit ſeiner Frawen. | Letztlich ging der alt Herr aus dem Garten / suchte mein Mutter heim / und als er sah / dass es etwas besser um sie worden / dankte er Gott / schickte alsbald in die Stadt / ließ allerhand Speisen und Getränk herausbringen / und hatte einen guten Mut mit seiner Frauen. | de | de | de | 1 | 4.8756 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 105 | 1,615 | Jnmittelſt aber ging mein Vatter heim̃lich von dannen gen Seuilia/ ließ jm ein Pferdt ſatteln vnd ritte/ ſeiner gewonheit nach gen Alfarche/ fandt daſelbſt den alten Ordens Ritter ſam̃t der Frawen/ erzeigte ſich gantz freundlich gegen jhnen/ leiſtete jhnen ein zeitlang geſellſchafft/ vnd begleitete ſie widerumb in die Statt. | Inmittelst aber ging mein Vater heimlich von dannen gen Sevilla / ließ ihm ein Pferd satteln und ritt / seiner Gewohnheit nach gen Alfarche / fand daselbst den alten Ordens Ritter samt der Frauen / erzeigte sich ganz freundlich gegen ihnen / leistete ihnen ein Zeitlang Gesellschaft / und begleitete sie wiederum in die Stadt. | de | de | de | 1 | 5.232 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 106 | 1,615 | Bald hernacher ward der alt Herꝛ je laͤnger je kraͤncker vñ ſchwaͤcher/ aber mein Mutter je lenger je gatler vnd begieriger/ biß letztlichen ſie jhne ins Grab brachte: | Bald hernach wurde der alt Herr je länger je kränker und schwächer / aber mein Mutter je länger je gatler und begieriger / bis letztlichen sie ihn ins Grab brachte: | de | de | da | 0.667 | 5.3397 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 107 | 1,615 | Jn ſeinem letzten End vnnd Zuͤgen aber/ zohe ſie gleichfals/ vnnd raumte aller orten dermaſſen auff/ daß ſchier kein einiges gantzes Leylach mehr verhanden war/ darin man ſeinen todten Leib wicklen hette moͤgen. | In seinem letzten Ende und Zügen aber / zog sie gleichfalls / und raumte aller Orten dermaßen auf / dass schier kein einiges ganzes Leylach mehr vorhanden war / darin man seinen toten Leib wickle hätte mögen. | de | de | de | 1 | 6.3282 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 108 | 1,615 | Vnd ob ſchon man ein ſtarcke nachfrag hatte/ wo doch ſein Gelt vnd Gut hinkommen ſein moͤchte/ ſo wolte doch mein Mutter nit beſtehen/ daß er ſonderbars vil gehabt/ ſonder ſagte/ daß er das ſeine ſelbſt an worden/ vnd ob ſchon er jhr etwas wenigs geſchenckt/ ſo hette ſie es doch wol vm̃ jne verdient/ vnd jhm fleiſſig vnnd trewlich außgewart. | Und ob schon man ein starke Nachfrage hatte / wo doch sein Geld und Gut hinkommen sein möchte / so wollte doch mein Mutter nicht bestehen / dass er sonderbar viel gehabt / sonder sagte / dass er das seine selbst an worden / und ob schon er ihr etwas weniges geschenkt / so hätte sie es doch wohl vmm jene verdient / und ihm fleißig und treulich außgewart. | de | de | de | 1 | 5.3143 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 109 | 1,615 | Darmit thate ſie nun jhrem Gewiſſen ein gnuͤgen/ vnnd die Rechtsgelehrten gaben jhr zu verſtehen/ daß ſie es gar wol vnnd mit gutem Gewiſſen behalten doͤrffte/ dann ob ſchon ſie es ſchendtlich gewunnen/ ſo hab ſie es doch nicht ſchaͤndtlich/ ſonder redlich angenommen. | Damit tat sie nun ihrem Gewissen ein Genügen / und die Rechtsgelehrten gaben ihr zu verstehen / dass sie es gar wohl und mit gutem Gewissen behalten dürfte / dann ob schon sie es schändlich gewonnen / so habe sie es doch nicht schändlich / sonder redlich angenommen. | de | de | de | 1 | 4.4635 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 110 | 1,615 | Bey diſem Todtfall hat ſich wahr zu ſein befunden/ was ich zuuor hab ſagen hoͤren/ daß nemblich die Reichen auß Armut/ die Armen auß vberfluß/ vnnd die Geiſtlichen auß Kaͤlte ſterben/ dann die Reichen doͤrffen auß lauter Geitz vñ mißtrawen gegen Gott/ nicht gnug eſſen/ vnd ſterben mehꝛers auß hunger/ weder wegen der ſchaͤrpffe der Kranckheit: | Bei diesem Totfalle hat sich wahr zu sein befunden / was ich zuvor habe sagen hören / dass nämlich die Reichen aus Armut / die Armen aus Überfluss / und die Geistlichen aus Kälte sterben / dann die Reichen dürfen aus lauter Geiz und Misstrauen gegen Gott / nicht genug essen / und sterben Mehrers aus Hunger / weder wegen der Schärfe der Krankheit: | de | de | de | 1 | 4.851 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 111 | 1,615 | Mit den Armen aber hat jederman ein mitleyden/ dañ etliche ſchicken jhnen etwas/ andere bringen jhnen einen gantzen hauffen Speiſen/ zumaln wann ſie in extremis vnnd letzten noͤthen ligen. | Mit den Armen aber hat jedermann ein mitleiden / dann etliche schicken ihnen etwas / andere bringen ihnen einen ganzen Haufen Speisen / zumal wann sie in extremis und letzten Nöten liegen. | de | de | de | 1 | 6.393 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 112 | 1,615 | Man findt etliche mente captas oder vnweiſe Frawen/ welche die krancke Armen/ auß lauter andacht/ in jhren Haͤuſern oder Spitaͤlen beſuchen/ vnnd jhnen gantze Haͤfen vnd Koͤrb voller collationen vnnd Speiſen bringen/ aber an ſtatt deß Almuſens/ welches ſie jhnen dardurch zu geben vermeinen/ befuͤrdern ſie jhren Todt/ dann entweder koͤnnen die Krancken es alsdann im Todtbeth nim̃er genieſſen/ oder aber ſie genieſſen es vnordentlich/ koͤnnens nicht veꝛdaͤwen/ vnnd erſticken gleichſam̃ druͤber. | Man findet etliche mente captas oder unweise Frauen / welche die Kranke Armen / aus lauter Andacht / in ihren Häusern oder Spitälern besuchen / und ihnen ganze Häfen und Körbe voller Kollationen und Speisen bringen / aber anstatt des Almosens / welches sie ihnen dadurch zu geben vermeinen / befördern sie ihren Tod / dann entweder können die Kranken es alsdann im Todtbeth nimmer genießen / oder aber sie genießen es unordentlich / können es nicht vertäuen / und ersticken gleichsam drüber. | de | de | de | 1 | 5.1419 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 113 | 1,615 | Was aber die Geiſtlichen belangt/ weil ſie in jhren toͤdtlichen Kranckheiten bißweilen keine rechte Erben bey ſich haben/ ſo ſterben ſie gleichſamb vor lauter Kaͤlte/ wie zu ſehen an diſem Ordensherꝛn/ deme man in ſeinem Leben kein Hemmet ließ/ vnd kaum ein altes zerꝛiſſenes Leylach widerfahren hat laſſen/ das iſt nun aber der Concubinariorum rechter Lohn. | Was aber die Geistlichen belangt / weil sie in ihren tödlichen Krankheiten bisweilen keine rechte Erben bei sich haben / so sterben sie gleichsam vor lauter Kälte / wie zu sehen an diesem Ordensherrn / dem man in seinem Leben kein Hemd ließ / und kaum ein altes zerrissenes Leylach widerfahren hat lassen / das ist nun aber der Concubinariorum rechter Lohn. | de | de | de | 1 | 5.7546 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 114 | 1,615 | Jnmittelſt vnnd noch in wehrendem deß alten Ordensherꝛn Leben/ ward mein Fraw Mutter ſchwanger/ vnd gebahr einen Sohn/ der war ich/ vnd hatte ich/ der rechnung vnnd regel der ſcientiæ fœmininæ nach/ zween Vaͤtter/ dann mein Mutter wuſte mich der maſſen zu filioliſiren, daß ich gleichſamb ein vnmuͤglichs ding erhielt vnd zuwegen brachte/ dann ich gefiel zweyen Vaͤttern oder Herren/ vnnd ſie alle beyde erkennten mich fuͤr jhren Sohn/ Wann der Ordensherꝛ allein bey mir war/ ſagte vnnd beruͤmbte er ſich/ daß ich jhm vil gleicher vnd aͤhnlicher ſehe/ weder ein Ey dem andern: | Inmittelst und noch in währendem des alten Ordensherrn Leben / wurde mein Frau Mutter schwanger / und gebar einen Sohn / der war ich / und hatte ich / der Rechnung und regel der scientiae foemininae nach / zweien Väter / dann mein Mutter wusste mich der maßen zu filiolisiren, dass ich gleichsam ein unmögliches Ding erhielt und zuwegen brachte / dann ich gefiel zweien Vättern oder Herren / und sie alle beide erkennten mich für ihren Sohn / Wann der Ordensherr allein bei mir war / sagte und berühmte er sich / dass ich ihm viel gleicher und ähnlicher sehe / weder ein Ei dem anderen: | de | de | de | 1 | 5.5974 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 115 | 1,615 | Wann ich mit dem andern meinem Vatter redete/ ſagte vnnd bezeugete derſelb/ daß ich jhme je gleicheꝛ nit ſehen koͤndte. | Wann ich mit dem anderen meinem Vater redete / sagte und bezeugte derselbe / dass ich ihm je gleicher nicht sehen könnte. | de | de | de | 1 | 5.5766 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 116 | 1,615 | Diſer geſtallt zaͤrtelten vnd liedten ſie mich alle beyde: | Dieser Gestalt zärtelten und litten sie mich alle beide: | de | de | lb | 0.667 | 5.4273 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 117 | 1,615 | Kein anderer vnderſchidt war hierunder verhanden/ als allein/ daß der Ordensherꝛ mich in ſeinem noch wehrenden Leben/ offentlich fuͤꝛ ſeinen Sohn hielte/ aber der ander hielt mich heimblich darfuͤr/ dann mein Mutter hat mich deſſen hernacher verſichert vñ mir deßwegen ein lange Relation gethan/ derwegen ſage vñ proteſtire ich hiemit/ daß mir das jenig/ deſſen mich die mißguͤnſtige calumnianten bezeyhen/ daß nemblich ich mehꝛ/ als zwen Vaͤtter gehabt haben ſolle/ nit wahꝛ iſt/ dann nit allein meine zwen Vaͤtter haben mich ſelbſt fuͤr jren Sohn erkennt/ ſonder es hats auch mein Mutter beſtaͤttigt: | Kein anderer Unterschied war hierunter vorhanden / als allein / dass der Ordensherr mich in seinem noch währenden Leben / öffentlich für seinen Sohn hielte / aber der ander hielt mich heimlich dafür / dann mein Mutter hat mich dessen hernach versichert und mir deswegen ein lange Relation getan / derentwegen sage und protestiere ich hiermit / dass mir das jenig / dessen mich die missgünstige calumnianten bezeihen / dass nämlich ich mehr / als zwei Väter gehabt haben solle / nicht wahr ist / dann nicht allein meine zwei Väter haben mich selbst für ihren Sohn erkennt / sonder es hat es auch mein Mutter bestätigt: | de | de | de | 1 | 5.3003 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 118 | 1,615 | Jſt alſo vil beſſer/ daß man ſage/ daß ich vbel geboren woꝛden/ weder keines einigen Sohn vnd niemande zugehoͤrig ſeye: | Ist also viel besser / dass man sage / dass ich übel geboren worden / weder keines einigen Sohn und niemand zugehörig sei: | de | de | de | 1 | 5.9949 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 119 | 1,615 | Es liebte mich auch mein Vatter Guſman dermaſſen/ daß er gleichſam̃ ein Abgoͤtterey dardurch beging/ dann vnangeſehen mein Mutter von menigklichen ein Fraw Commenthurin (wegen jhres erſten alten Herꝛn deß Commenthurs) genennt ward/ ſo verthedigte er ſie doch/ ſamb hette er ein Wohnung oder rechtſame zu der cõmenda: | Es liebte mich auch mein Vater Gusman dermaßen / dass er gleichsam ein Abgötterei dadurch beging / dann unangesehen mein Mutter von menniglichen ein Frau Kommenturin (wegen ihres ersten alten Herrn des Kommenturs) genannt wurde / so verteidigte er sie doch / samt hätte er ein Wohnung oder Rechtsame zu der comenda: | de | de | de | 1 | 6.4222 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 120 | 1,615 | Ja was mehr iſt/ er fragte nichts nach ſolchem Namen/ ſondern er ehelichte ſie auch offentlich/ vnd zwar nit ohne vrſach/ dann er wuſte ein anſehenlichs Gelt bey jhr/ Aber wie das Gelt war gewunnen/ alſo iſt es entrunnen/ dann bald nach dem mein Vatter Hochzeit mit meiner Mutter gehalten/ fing er an/ ſich ſehꝛ ſtattlich zu halten/ zu bancketiren/ zu ſpielen/ vnd dermaſſen zu dommiren/ daß er jnner halb zwey Jaren nit allein 10000 Ducaten meines Muͤtterlichen Guts hindurch jagte/ ſonder auch ſein Landtgut Alfarche genannt/ verkauffte/ vnnd bald hernacher auß Hertzleyd ſtarb. | Ja was mehr ist / er fragte nichts nach solchem Namen / sondern er ehelichte sie auch öffentlich / und zwar nicht ohne Ursache / dann er wusste ein ansehenliches Geld bei ihr / Aber wie das Geld war gewonnen / also ist es entronnen / dann bald nach dem mein Vater Hochzeit mit meiner Mutter gehalten / fing er an / sich sehr stattlich zu halten / zu bankettieren / zu spielen / und dermaßen zu dominieren / dass er inne halb zwei Jahren nicht allein 10000 Dukaten meines mütterlichen Gutes hindurchjagte / sonder auch sein Landgut Alfarche genannt / verkaufte / und bald hernach aus Herzleid starb. | de | de | de | 1 | 5.1035 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 121 | 1,615 | Da fing mein Mutter an/ arm/ elendig/ veracht vnd demuͤtig zu werden/ dann vnangeſehen jederman wol wuſte/ daß ſie an dem alten Herꝛn Commenthur hing/ nicht deſto weniger war ſie dermaſſen vnuerſchambt/ ſtoltz vnnd hoffertig/ daß ſie ſich gedunckte vil beſſer zu ſeyn/ weder andere ehrliche matronen, vnnd diſes iſt aller Fetlen gebrauch/ derwegen vnd als mein lieber Vatter auß diſer zeitlichen Wanderſchafft erfordert worden/ diſem Leben vꝛlaub gegeben/ ſeine letzte Taͤg mit vollendung deß Todts beſchloſſen hatte/ vnnd vom Liecht diſer Welt verſchiden war/ ward jederman meiner Mutter ſpinnenfeindt/ vnd man redete jhr ſehꝛ ſpoͤttlich vnnd ſchimpflich nach: | Da fing mein Mutter an / arm / elendig / verachte und demütig zu werden / dann unangesehen jedermann wohl wusste / dass sie an dem alten Herrn Kommentur hing / nicht desto weniger war sie dermaßen unverschämt / stolz und hoffertig / dass sie sich gedunkte viel besser zu sein / weder andere ehrliche Matronen, und dieses ist aller Fetlen Gebrauch / derentwegen und als mein lieber Vater aus dieser zeitlichen Wanderschaft erfordert worden / diesem Leben Urlaub gegeben / seine letzte Tage mit Vollendung des Tods beschlossen hatte / und vom Licht dieser Welt verschieden war / wurde jedermann meiner Mutter spinnefeind / und man redete ihr sehr spöttisch und schimpflich nach: | de | de | de | 1 | 5.3252 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 122 | 1,615 | Vnder andern ſagte man auch/ daß jhr Vatter ein Ehrwuͤrdiger Prieſter/ vnd jhꝛe Fraw Mutter ein Fettel geweſt war: | Unter anderen sagte man auch / dass ihr Vater ein Ehrwürdiger Priester / und ihre Frau Mutter ein Fettel gewesen war: | de | de | de | 1 | 5.6396 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 123 | 1,615 | An ſtatt auch/ daß mein Mutter nur zwen Maͤnner in jhre Netz verwickelt hatte/ ſagte man/ daß mein Anfraw zwey gantze dutzet gehabt/ vnnd dieſelbigen/ wie junge Huͤnlein/ auß einerley Geſchirꝛ eſſen/ vnd in einerley Beth ſchlaffen hatte laſſen/ ohne daß ſie einander biſſen. | Anstatt auch / dass mein Mutter nur zwei Männer in ihre Netz verwickelt hatte / sagte man / dass mein Ahnfrau zwei ganze Dutzend gehabt / und dieselbigen / wie junge Hühnlein / aus einerlei Geschirr essen / und in einerlei Bett schlafen hatte lassen / ohne dass sie einander bissen. | de | de | de | 1 | 5.2662 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 124 | 1,615 | Mit jhrer diſer Tochter meiner Mutter vberkam ſie vil Vaͤtter/ dern jeden ſie vberꝛedete/ daß jhre Tochter jhnen zugehoͤrte/ ſeytemal ſie einem jeden ſehr gleich vnd aͤnlich ſahe/ vnd zwar dem einen mit den Augen/ dem andern mit dem Mund/ dem dꝛitten mit der Naſen/ dem vierten mit dem Reden/ dem fuͤnfften mit den Geberden/ vnd dem ſechſten ſo gar mit dem außſpeyen. | Mit ihrer dieser Tochter meiner Mutter überkam sie viel Väter / deren jeden sie überredete / dass ihre Tochter ihnen zugehörte / sintemal sie einem jeden sehr gleich und ähnlich sah / und zwar dem einen mit den Augen / dem anderen mit dem Mund / dem dritten mit der Nasen / dem vierten mit dem Reden / dem fünften mit den Gebärden / und dem sechsten so gar mit dem ausspeien. | de | de | de | 1 | 3.7979 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 125 | 1,615 | Capvt III. | Capvt III. | en | en | xh | 0 | 8.8596 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 126 | 1,615 | Guſmans erſter Auffzug. | Gusmans erster Aufzug. | de | la | lb | 0.333 | 7.0424 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 127 | 1,615 | AVß oberzehlten vrſachen ward ich ein armes Waißlein/ vnd dermaſſen troſt: vnnd huͤlffloß/ daß kein einiger Baum verhanden war/ der mir einen Schatten gemacht oder gegeben hette/ Kein anders mittel ſahe ich/ als mich von dannen anderſt wohin vnbekanter weiß/ in die frembde zu begeben/ vnd mich nicht nach meinem Vatter/ ſonder nach meiner Mutter Geſchlecht/ Guſman von Alfarche zu nennen/ ſeytemal ich allda zu Alfarche meinen Anfang vberkommen. | Aus oberzählten Ursachen wurde ich ein armes Waislein / und dermaßen Trost: und hilflos / dass kein einiger Baum vorhanden war / der mir einen Schatten gemacht oder gegeben hätte / Kein anderes Mittel sah ich / als mich von dannen anders wohin unbekannter weiß / in die fremde zu begeben / und mich nicht nach meinem Vater / sonder nach meiner Mutter Geschlecht / Gusman von Alfarche zu nennen / sintemal ich allda zu Alfarche meinen Anfang überkommen. | de | de | de | 1 | 5.3281 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 128 | 1,615 | Nun begab ich mich hinauß/ in meinung/ die Welt zu beſehen/ vnd befahl mich Gott vnd guten Leuten. | Nun begab ich mich hinaus / in Meinung / die Welt zu besehen / und befahl mich Gott und guten Leuten. | de | de | de | 1 | 5.0103 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 130 | 1,615 | Jch hatte weder zu Mittag noch zu Nacht geſſen/ derwegen ſing mich an zu hungern/ vnnd ich empfandt den vnderſchidt/ der da iſt zwiſchen einem ſatten vnd hungerigen Menſchen: Alle muͤhe vnd arbeit paſſieren/ wann man darneben zu eſſen hat/ wo aber nichts zu freſſen verhanden/ da gehets vnwirſch zu. | Ich hatte weder zu Mittag noch zu Nacht gegessen / derentwegen singe mich an zu hungern / und ich empfand den Unterschied / der da ist zwischen einem satten und hungrigen Menschen: Alle Mühe und Arbeit passieren / wann man daneben zu essen hat / wo aber nichts zu fressen vorhanden / da geht es unwirsch zu. | de | de | de | 1 | 4.43 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 131 | 1,615 | Jch hette gern zu Nacht geſſen/ fand aber nichts anders/ als ein friſch Bruñenwaſſer/ ich wuſte je nit/ was ich thun oder anfahen ſolte: | Ich hätte gern zu Nacht gegessen / fand aber nichts anders / als ein frisch Brunnenwasser / ich wusste je nicht / was ich tun oder anfangen sollte: | de | de | de | 1 | 5.3143 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 132 | 1,615 | Jch befand mich in forcht vnd hoffnung/ ergab mich doch letztlichen Gottes Haͤnden/ vnnd verꝛichtete ein kurtzes Gebett/ ging wider hinauß/ ſetzte mich bey einem Brunnen nider/ vnd entſchlief auß lauter Melancoley vnd Trawꝛigkeit/ erwachte deß Morgens fruͤh/ vnd ging den nechſten weg fort/ vnnd gedachte an die vbel formirte vnd beſtelte reſpublicas, in denen die Fuͤß das Ambt deß Haupts/ vnd das Haupt das Ampt der Fuͤſſen verꝛichten. | Ich befand mich in fürchtet und Hoffnung / ergab mich doch letztlichen Gottes Händen / und verrichtete ein kurzes Gebet / ging wieder hinaus / setzte mich bei einem Brunnen nieder / und entschlief aus lauter Melancholie und Traurigkeit / erwachte des Morgens früh / und ging den nächsten weg fort / und gedachte an die übel formierte und bestellte respublicas, in denen die Füße das Amt des Haupts / und das Haupt das Amt der Füßen verrichten. | de | de | de | 1 | 4.9869 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 133 | 1,615 | Meine Fuͤß trugen mich/ vnd ich folgte jnen vber Berg vñ Thal/ vber Wiſen vnnd Aecker/ denſelben gantzen Tag ging ich nur zwo kleine Meil wegs/ aber doch gedunckte mich/ daß ich die antipodes erꝛeicht/ vnd ſampt dem Columbo ein newe Welt erſunden hatte. | Meine Füße trugen mich / und ich folgte ihnen über Berg und Tal / über Wiesen und Äcker / denselben ganzen Tag ging ich nur zwei kleine Meil Wegs / aber doch gedunkte mich / dass ich die antipodes erreicht / und samt dem Columbo ein neue Welt erfunden hatte. | de | de | de | 1 | 5.4144 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 134 | 1,615 | Als nun ich in ein kalte vnd duͤrꝛe Herberg kam/ fragte man mich/ wo ich hinauß woͤlle? | Als nun ich in ein kalte und dürre Herberge kam / fragte man mich / wo ich hinaus wolle? | de | de | de | 1 | 4.8969 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 135 | 1,615 | Jch antwortet/ daß ich vorhabens were/ mich an deß Koͤnigs Hof gen Madril zu begeben/ aber dz mich faſt hungerte/ ſeytemal ich ſchier in zwen Tagen nichts geſſen/ man ſetzte mir Eyer fuͤr/ die aß ich geſchwindt vngeſchawt/ aber in wehrendem eſſen/ empfand ich etwas von zarten Gebeinen vnd Fleiſch/ ohne zweiffel warens junge Huͤner/ die allbereit außgebruͤt waren. | Ich antwortet / dass ich Vorhabens wäre / mich an des Königs Hof gen Madrid zu begeben / aber das mich fast hungerte / sintemal ich schier in zwei Tagen nichts gegessen / man setzte mir Eier für / die aß ich geschwind ungeschaut / aber in währendem essen / empfand ich etwas von zarten Gebeinen und Fleisch / ohne Zweifel waren es junge Hühner / die allbereits ausgebrüht waren. | de | de | de | 1 | 5.2298 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 136 | 1,615 | Jch vermerckte gleichwol/ daß ſie nit beſchaffen waren wie andere Eyer/ die ich in meiner Mutter Hauß hatte geſſen/ aber doch ließ ich ſie paſſieren/ dann der Hunger trib ſie fort/ daß ſie durch den Mundt in Halß/ vnd auß dem Halß hinab in Bauch kamen: | Ich vermerkte gleichwohl / dass sie nicht beschaffen waren wie andere Eier / die ich in meiner Mutter Haus hatte gegessen / aber doch ließ ich sie passieren / dann der Hunger trieb sie fort / dass sie durch den Mund in Hals / und aus dem Hals hinab in Bauch kamen: | de | de | de | 1 | 4.6366 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 137 | 1,615 | Mit dem Brot hielt ich mich etwas laͤnger auf/ dann es war dermaſſen hart vnd ſchimlecht/ daß ichs nur zu kleinen broͤcklsweiß hinab bringen vnd ſchlicken muſte: | Mit dem Brot hielt ich mich etwas länger auf / dann es war dermaßen hart und schimmlig / dass ich es nur zu kleinen bröckchenweise hinab bringen und schlicken musste: | de | de | de | 1 | 4.8566 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 138 | 1,615 | Vngefaͤhrlich vber ein viertel ſtund hernacher fingen die Eyer an zu wircken/ vnd ich empfandt/ daß die arme Huͤnlein anfingen in meinem Bauch zu kratzen/ derwegen fing ich/ wie ein ſchwangere Fraw/ an zu ſpeyen vnnd außzuwerffen/ biß mir nichts mehr im Bauch verblib. | Ungefährlich über ein Viertel stand hernach fingen die Eier an zu wirken / und ich empfand / dass die arme Hühnlein anfingen in meinem Bauch zu kratzen / derentwegen fing ich / wie ein schwangere Frau / an zu speien und auszuwerfen / bis mir nichts mehr im Bauch verblieb. | de | de | de | 1 | 4.5139 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 139 | 1,615 | Dem allem aber vnangeſehen/ begab ich mich deß Morgens fruͤh widerumb auff den weg/ vnd traff einen Eſeltreiber an/ der fragte mich was mir mangelte? | Dem allem aber unangesehen / begab ich mich des Morgens früh wiederum auf den weg / und traf einen Eseltreiber an / der fragte mich was mir mangelte? | de | de | de | 1 | 4.9438 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 140 | 1,615 | Jch erzehlte jhm/ was ich fuͤr ein herꝛliche Mahlzeit gehabt/ vnd wie es mir mit den Eyern gangen war. | Ich erzählte ihm / was ich für ein herrliche Mahlzeit gehabt / und wie es mir mit den Eiern gegangen war. | de | de | de | 1 | 4.448 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 141 | 1,615 | Aber an ſtatt deß troͤſtens lachte er mich rein auß/ vnnd ſpottete meiner noch darzu/ vnd fuͤhrte mich zu Mittag in ein Herberg vnd zum allergroͤſten Dieb/ den man in derſelben gantzen Gegent hette finden moͤgen/ Diſer Wirth hatte vnder ſeinem Vieh auch ein Eſelin/ die ließ er bißweilen mit allem fleiß ledig im Stall vmblauffen/ damit ſie den andern Roſſen der frembden Fuhrleuten vnd Gaͤſten jhre lectiones leſen vnd das Futer auffeſſen helffen ſolten/ darauß aber erfolgte/ daß ſie letztlichen ſchwanger von jhnen ward/ weil aber die Geſetz in Andaluſia ſolche vngleiche vermiſchungen bey ſchwerer ſtraff verbotten/ vnnd aber ſich begab/ daß die Eſelin vor der rechten zeit einen jungen Eſel gebar/ ſo verbarg jhne der Wirth/ vnd hielt jn gantz heim̃lich/ aber als er ſahe/ daß ers in die laͤng nit verbergen kondte/ ſo ließ er jhne an einem Freytag niderſchlagen/ das Fleiſch einſaltzen/ vnd den Kopff/ das Hirn/ die Fuͤß vnd das Jngeweid an einem Sontag ſieden vnd zubereiten: | Aber anstatt des Tröstens lachte er mich rein aus / und spottete meiner noch dazu / und führte mich zu Mittag in ein Herberge und zum allergrößten Dieb / den man in derselben ganzen Gegend hätte finden mögen / dieser Wirt hatte unter seinem Vieh auch ein Eselin / die ließ er bisweilen mit allem Fleiß ledig im Stall umlaufen / damit sie den anderen Rossen der fremden Fuhrleuten und Gästen ihre lectiones lesen und das Futter aufessen helfen sollten / daraus aber erfolgte / dass sie letztlichen schwanger von ihnen wurde / weil aber die Gesetz in Andalusia solche ungleiche Vermischungen bei schwerer Strafe verboten / und aber sich begab / dass die Eselin vor der rechten Zeit einen jungen Esel gebar / so verbarg ihn der Wirt / und hielt ihn ganz heimlich / aber als er sah / dass er es in die läng nicht verbergen konnte / so ließ er ihn an einem Freitag niederschlagen / das Fleisch einsalzen / und den Kopf / das Hirn / die Füße und das Eingeweide an einem Sonntag sieden und zubereiten: | de | de | de | 1 | 4.8373 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 142 | 1,615 | Wir zwen kamen auch gerad zur rechten zeit/ vnd fragten den Wirth/ ob er vns hette etwas zu eſſen zu geben? | Wir zwei kamen auch gerade zur rechten Zeit / und fragten den Wirt / ob er uns hätte etwas zu essen zu geben? | de | de | de | 1 | 4.2522 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 143 | 1,615 | Der gab vns zuꝛ antwort/ daß er geſtrigs Tages ein ſehr gutes vnd feiſtes Kalb hatte abgeſtochen/ vnnd das Jngeweidt geſotten/ vnd ſeye vrbietig/ vns etwas daruon mit zutheilen: | Der gab uns zur Antwort / dass er gestriges Tages ein sehr gutes und feistes Kalb hatte abgestochen / und das Eingeweide gesotten / und sei erbötig / uns etwas davon mit zuteilen: | de | de | de | 1 | 5.3072 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 144 | 1,615 | Deſſen frewete ich mich zum hoͤchſten. | Dessen freute ich mich zum höchsten. | de | de | de | 1 | 6.0156 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 145 | 1,615 | Der Tiſch ward gedeckt/ vnnd man ſetzte vns vier geſottene Eyer fuͤr/ deßgleichen ein in Butter gebachenes Hirn/ folgends ein geſottenes Jngeweyd/ das alles aber ſchmeckte vns nit wol/ dañ die Eyer waͤten inwendig blutig/ vnd das Hirn vnd Jngeweyd ſtanck ſehr vbel: | Der Tisch wurde gedeckt / und man setzte uns vier gesottene Eier für / desgleichen ein in Butter gebackenes Hirn / folgendes ein gesottenes Eingeweide / das alles aber schmeckte uns nicht wohl / dann die Eier Wetten inwendig blutig / und das Hirn und Eingeweide stank sehr übel: | de | de | de | 1 | 5.1255 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 146 | 1,615 | Jch vnd mein Mitgeſell ſahẽ einander an/ lachten vnd aſſen nichts darnon/ der Wirth merckte es vnd ſpꝛach: | Ich und mein Mitgesell sahen einander an / lachten und aßen nichts davon / der Wirt merkte es und sprach: | de | de | de | 1 | 5.6132 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 147 | 1,615 | Jhꝛ Herꝛn/ jhꝛ doͤrffet mir meine Speiſen nit verlachen/ die Eyer ſeind friſch/ vnd das ander iſt von einem guten faiſten Kalb/ das kan ich beweiſen woferꝛn jhrs begert. | Ihr Herrn / ihr dürfet mir meine Speisen nicht verlachen / die Eier sind frisch / und das ander ist von einem guten feisten Kalb / das kann ich beweisen wofern ihrs begehrt. | de | de | de | 1 | 5.54 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 148 | 1,615 | Mein Mitgeſell der Eſeltreiber aber antwortet vnnd ſprach: | Mein Mitgesell der Eseltreiber aber antwortet und sprach: | de | de | de | 1 | 6.5507 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 149 | 1,615 | Was gehet dich vnſer lachen an/ haſtu dann einen Tax im Hauſe/ warumb vnd wie vil der Gaſt lachen ſolle? | Was geht dich unser Lachen an / hast du dann einen Tax im Hause / warum und wie viel der Gast lachen solle? | de | de | de | 1 | 6.2352 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 150 | 1,615 | Laß du einen jeden lachen oder weinen ſo vil vnd offt es jhne geluſtet/ vñ nimb du dein Gelt darfuͤr ein: | Lass du einen jeden lachen oder weinen so viel und oft es ihn gelüstet / und nimm du dein Geld dafür ein: | de | de | de | 1 | 5.7533 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 151 | 1,615 | Die vrſach meines lachens iſt/ allweil deine Eyer mich erjnnert haben an die jenige Eyer/ welche diſer mein Mitgeſell vorgeſtern an einem andern ort geſſen/ vnnd dermaſſen friſch waren/ daß jhme das Blut der jungen darin verhandenen Huͤnlein auß dem Mundt gerunnen. | Die Ursache meines Lachens ist / allweil deine Eier mich erinnert haben an diejenige Eier / welche dieser mein Mitgesell vorgestern an einem anderen Ort gegessen / und dermaßen frisch waren / dass ihm das Blut der jungen darin vorhandenen Hühnlein aus dem Mund geronnen. | de | de | de | 1 | 5.6348 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 152 | 1,615 | Der Wirth gab ſich zufriden/ weil er ſahe/ daß wir es ferner nit andeten: | Der Wirt gab sich zufrieden / weil er sah / dass wir es ferner nicht ahndeten: | de | de | de | 1 | 5.6108 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 153 | 1,615 | Weil aber die Eyer bey mir anfingen zu operiren, vnd die darin geweſte junge Huͤner in meinem Magen vmbzukratzen/ ſo ergriffe ich geſchwind die Weinkanten/ vnd thate zwen ſtarcke truͤnck/ dann es heiſt: poſt ouum molle, bonum hauſtum tibi tolle: poſt ouum durum bis, ſi diu viuere cupis. | Weil aber die Eier bei mir anfingen zu operieren, und die darin gewesene junge Hühner in meinem Magen umzukratzen / so ergriffe ich geschwind die Weinkanten / und tat zwei starke trink / dann es heißt: post ouum molle, bonum haustum tibi tolle: post Ovum durum bis, sie diu vivere cupis. | de | de | de | 1 | 5.8731 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 155 | 1,615 | Letztlichen kam ich auch in die Kuchel/ darinn ſtundt ein groſſer Hafen mit friſchem Blut/ vnnd nah darbey lag ein Eſelshaut ſampt den abgehawenen Fuͤſſen/ Kopff vnnd langen Eſels Ohren: | Letztlich kam ich auch in die Küche / darin stand ein großer Hafen mit frischem Blut / und nah dabei lag ein Eselshaut samt den abgehauenen Füßen / Kopf und langen Esels Ohren: | de | de | de | 1 | 5.6708 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 156 | 1,615 | Nur die Zung vnd das Hirn maͤngelte/ dann wir hattens allbereit zum theil geſſen: | Nur die Zunge und das Hirn mangelte / dann wir hatten allbereits zum Teil gegessen: | de | de | de | 1 | 6.35 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 157 | 1,615 | Da lief ich alsbald hin zu meinem mitgeſellen/ zeigte jme die vberwerlein vnſers Nachtmals/ vnd ſprach: | Da lief ich alsbald hin zu meinem mitgesellen / zeigte ihm die Überewerlein unseres Nachtmals / und sprach: | de | de | de | 1 | 6.0355 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 158 | 1,615 | Sihe/ das iſt das friſche Kalb/ welches vns der Wirth ſo ſehr gelobt hat: | Siehe / das ist das frische Kalb / welches uns der Wirt so sehr gelobt hat: | de | de | de | 1 | 5.6667 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 159 | 1,615 | Als ich nun alſo mit jhm redete/ ſahe ich mich noch ferner in der Kuchel vmb/ vnnd ſahe an der Wandt ein feiſte abgezogene Katz hangen/ vnnd die Koͤchin ſagte vns/ daß der Wirth vil dergleichen Katzen an ſtatt der Haſen vnnd Koͤnigl/ braten vnd anrichten lieſſe. | Als ich nun also mit ihm redete / sah ich mich noch ferner in der Küche um / und sah an der Wandte ein feiste abgezogene Katz hingen / und die Köchin sagte uns / dass der Wirt viel dergleichen Katzen anstatt der Hasen und Königl / braten und anrichten ließe. | de | de | de | 1 | 5.1617 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 160 | 1,615 | Wir lachten vnd verwunderten vns vber diſe deß Wirths ſo groſſe fuͤrſichtigkeit: | Wir lachten und verwunderten uns über diese des Wirts so große Vorsichtigkeit: | de | de | de | 1 | 5.9243 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 161 | 1,615 | Folgendts ging ich zu jhm/ vnd fragte mit ernſt nach meinem Mantel/ er aber gab mir boͤſe antwoꝛt/ vnnd trohete mir mit der Ruthen/ da hebte ich Stein auff/ vnd warff ſie jhm nach dem Grindt: | Folgend ging ich zu ihm / und fragte mit ernst nach meinem Mantel / er aber gab mir böse Antwort / und drohte mir mit der Ruten / da hob ich Stein auf / und warf sie ihm nach dem Grind: | de | de | de | 1 | 4.3596 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 162 | 1,615 | Er lieff in ſein Zimmer/ holte ſein Woͤhr vnnd wolte mich erſtechen: | Er lief in sein Zimmer / holte sein Wöhr und wollte mich erstechen: | de | de | de | 1 | 6.0441 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 163 | 1,615 | Aber mein Mitgeſell ſtund mir bey/ da ward ein groſſer Lermen/ alle Nachbarn lieffen herzu/ der Richter/ Gerichtſchreiber vnnd die Schoͤrgen lieſſen ſich geſchwindt ſehen/ vnnd namen mich beym Grindt/ vnd wolten mich gefaͤnglich hinweg fuͤhren: | Aber mein Mitgesell stand mir bei / da wurde ein großer Lärmen / alle Nachbarn liefen herzu / der Richter / Gerichtschreiber und die Schören ließen sich geschwind sehen / und nahmen mich beim Grind / und wollten mich gefänglich hinwegführen: | de | de | de | 1 | 5.7315 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 164 | 1,615 | Aber ich bate ſie zum allerhoͤchſten/ daß ſie mich nit alſo vbereylen/ ſonder mich zuuor zur verantwortung kommẽ laſſen wolten/ jnmaſſen beſchehen/ vnnd ich jhnen alles erzehlte/ was ſich zwiſchen vns verloffen/ vnd wz wir fuͤr ein ſchoͤnes Kalbfleiſch geſſen vnd gefundẽ: | Aber ich bat sie zum allerhöchsten / dass sie mich nicht also übereilen / sonder mich zuvor zur Verantwortung kommen lassen wollten / in Maßen geschehen / und ich ihnen alles erzählte / was sich zwischen uns verloffen / und was wir für ein schönes Kalbfleisch gegessen und gefunden: | de | de | de | 1 | 5.0591 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 165 | 1,615 | Darauff lieſſen ſie alsbald dẽ Wirth gefaͤngklich annem̃en/ durchſuchten ſein gantzes Hauß/ vnd fanden nit allein meinen Mantel/ ſonder auch die abgezogene Eſelshaut ſampt dem Kopff/ Ohꝛen/ Fuͤſſen vnd Jngeweid/ deßgleichen zwo abgezogene faiſte Katzen. | Darauf ließen sie alsbald den Wirt gefänglich annehmen / durchsuchten sein ganzes Haus / und fanden nicht allein meinen Mantel / sonder auch die abgezogene Eselshaut samt dem Kopf / Ohren / Füßen und Eingeweide / desgleichen zwei abgezogene feiste Katzen. | de | de | de | 1 | 5.2666 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 166 | 1,615 | Was nun ſie fuͤr ein Straff gegen jhme fuͤrgenommen/ iſt mir vnbewuſt/ dann ich vñ mein Mitgeſell trolten vns von dannen hinweg/ vnd danckten Gott/ daß er vns auß diſer gefahꝛ erꝛett hatte. | Was nun sie für ein Strafe gegen ihm vorgenommen / ist mir unbewusst / dann ich und mein Mitgesell trollten uns von dannen hinweg / und dankten Gott / dass er uns aus dieser Gefahr errettet hatte. | de | de | de | 1 | 4.8656 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 167 | 1,615 | Capvt IV. | Capvt IV. | en | en | ko | 0 | 9.3066 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 168 | 1,615 | Guſman diſcurriret artlich von der Gluͤckſeligkeit vnnd vngluͤckſeligkeit der Menſchen/ vnd was geſtalt er vnſchuldigklich gefangen worden. | Gusman diskurrieret artlich von der Glückseligkeit und Unglückseligkeit der Menschen / und was Gestalt er unschuldig gefangen worden. | de | de | de | 1 | 6.2702 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 169 | 1,615 | REcht vnnd wol ſagt der heilig Job: militia vita hominis ſuper terrá: als wolte er ſagen: | Recht und wohl sagt der heilig Job: militia vita hominis super terra: als wollte er sagen: | de | nl | de | 0.667 | 6.0094 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 170 | 1,615 | Das Leben der Menſchen iſt je nichts anders/ als ein Streit vnnd Krieg auff Erden/ nichts iſt ſicher/ kein Standt iſt beſtaͤndig/ kein Luſt iſt vollkom̃en/ kein freud iſt warhafftig/ alles iſt ein falſchheit vnd eytelkeit: | Das Leben der Menschen ist je nichts anders / als ein Streit und Krieg auf Erden / nichts ist sicher / kein Stand ist beständig / kein Lust ist vollkommen / kein freut ist wahrhaftig / alles ist ein Falschheit und Eitelkeit: | de | de | de | 1 | 4.7962 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 171 | 1,615 | Dann als der Gott Iupiter alle ding auff Erden erſchaffen/ vnd die Menſchen darumb foꝛmirt hatte/ daß ſie ſie beſitzen vnd genieſſen ſolte/ befahler/ daß ein ſonderbare Goͤttin/ namens die Gluͤckſeligkeit/ in der Welt reſidiren vnd wohnen ſolte/ im wenigſten gedachte vnnd vermeinte er/ daß die Menſchen ſo gar vndanckbar gegen jhm werden wurden/ jnmaſſen ſie hernacher gethan/ vnnd ſich gegen jhm ſtarck geſetzt haben/ Dann weil ſie diſe Goͤttin Gluͤckſeligkeit bey ſich hatten/ ſo gedachten ſie an keinen andern Gott/ ſonder opffertẽ diſer Goͤttin allerhand Opffer/ vnd ſangen jhꝛ vil Lobgeſaͤng. | Dann als der Gott Jupiter alle Ding auf Erden erschaffen / und die Menschen darum formiert hatte / dass sie sie besitzen und genießen sollte / befahl / dass ein sonderbare Göttin / namens die Glückseligkeit / in der Welt residieren und wohnen sollte / im wenigsten gedachte und vermeinte er / dass die Menschen so gar undankbar gegen ihm werden wurden / in Maßen sie hernach getan / und sich gegen ihm stark gesetzt haben / Dann weil sie diese Göttin Glückseligkeit bei sich hatten / so gedachten sie an keinen anderen Gott / sonder opferten dieser Göttin allerhand Opfer / und sangen ihr viel Lobgesänge. | de | de | de | 1 | 4.5862 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 172 | 1,615 | Daruͤber erzuͤrnete ſich Iupiter, beruffte alle andere Goͤtter zuſammen/ erzehlte jhnen die boͤſe correſpondentz vnnd vndanckbarkeit der Menſchen/ in deme ſie nun die Gluͤckſeligkeit verehꝛten vnnd anbetteten/ da doch er jhnen ſo vil Gutthaten erwiſen/ vnd ſie auß nichts erſchaffen/ begerte derwegen von jhnen/ daß ſie jhm jhre meinung vnnd guten rath geben ſolten/ was er mit den Menſchen anfahen moͤchte : Etliche der guͤtigſten/ barmhertzigſten vnd mitleidenlichſten Goͤttern ſagten/ daß die Menſchen einer ſchwachen Materi waͤren/ vnd daß man derwegen ſie vbertragen vnd jhnen etwas nachſehen/ aber doch ſie mit etwan einer leidenlichen correction vnnd Straff anſehen ſolte/ in gaͤntzlicher hofnung/ ſie wurden ſich dran kehren/ vnd jhnens ins kuͤnfftig ein gewarnung ſein laſſen. | Darüber erzürnte sich Jupiter, beruft alle andere Götter zusammen / erzählte ihnen die böse Korrespondenz und Undankbarkeit der Menschen / in dem sie nun die Glückseligkeit verehrten und anbeteten / da doch er ihnen so viel Guttaten erwiesen / und sie aus nichts erschaffen / begehrte derentwegen von ihnen / dass sie ihm ihre Meinung und guten Rat geben sollten / was er mit den Menschen anfangen möchte: Etliche der gütigsten / barmherzigsten und mitleidenlichsten Göttern sagten / dass die Menschen einer schwachen Materie wären / und dass man derentwegen sie übertragen und ihnen etwas nachsehen / aber doch sie mit etwan einer leidenlichen Korrektion und Strafe ansehen sollte / in gänzlicher Hoffnung / sie wurden sich dran kehren / und ihnen ins künftig ein gewarnung sein lassen. | de | de | de | 1 | 4.7674 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 173 | 1,615 | Der Gott Momus vnderſtund ſich ſein meinung darzu zuſagen vnd frey herauß zu reden/ aber Iupiter hieß jhne ſtill ſchweigen/ biß die frag an jhn kaͤme. | Der Gott Momus unterstand sich sein Meinung dazu zusagen und frei herauszureden / aber Jupiter hieß ihn still schweigen / bis die frag an ihn käme. | de | de | de | 1 | 6.5785 |
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