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21.8
albertinus_landtstoertzer01_1615
278
1,615
O wie vil Kaufleut ſitzen noch heutiges tags ſam̃t dẽ Matthæo am Zoll in einem Seſſel/ ſaugen frembdes blut/ werffen jhꝛe Angel auß/ vnd fiſchen dz Gelt auß allen Staͤtten vnd Landen:
O wie viel Kaufleut sitzen noch heutiges tags samt den Matthaeo am Zoll in einem Sessel / saugen fremdes Blut / werfen ihre Angel aus / und fischen das Geld aus allen Stätten und Landen:
de
de
de
1
6.0989
albertinus_landtstoertzer01_1615
279
1,615
O wie vil Rechtsgelehꝛten ſitzẽ in jꝛen Seßln/ durchkucken vnd durchblettern jhre Buͤcher/ ſpitzen jhꝛe Feder/ vnnd erobern mit ſchlechter muͤh ein jaͤmmerlichs Geltwerck:
O wie viel Rechtsgelehrten sitzen in Iren Sesseln / durchkucken und durchblättern ihre Bücher / spitzen ihre Feder / und erobern mit schlechter Mühe ein jämmerliches Geldwerk:
de
de
de
1
5.7
albertinus_landtstoertzer01_1615
280
1,615
Warumb thun ſie es aber? wohin zielen die Kauffleut/ was iſt jhr intent vnnd meinung/ wann ſie alſo mit dem Judenſpieß rennen/ vnnd andere Leuth betriegen?
Warum tun sie es aber? wohin zielen die Kaufleut / was ist ihr Intent und Meinung / wann sie also mit dem Judenspieß rennen / und andere Leute betrügen?
de
de
de
1
5.4737
albertinus_landtstoertzer01_1615
281
1,615
Was haben etliche andere im Sinn/ welche erſt geſtern auß den hohen Schulen kommen/ heut aber das Land regieren/ hohe Haͤuſer bawen/ vnnd ſtattliche Herꝛſchafften kauffẽ?
Was haben etliche andere im Sinn / welche erst gestern aus den hohen Schulen kommen / heute aber das Land regieren / hohe Häuser bauen / und stattliche Herrschaften kaufen?
de
de
de
1
5.4997
albertinus_landtstoertzer01_1615
282
1,615
Fuͤrwar/ nichts anders ſuchen/ ſoꝛgen/ dichten vnd trachten ſie/ als dz jre Neſter in der hoͤhe ſtehen moͤgen.
Fürwahr / nichts anders suchen / sorgen / dichten und trachten sie / als dass ihre Nester in der Höhe stehen mögen.
de
de
lb
0.667
5.5278
albertinus_landtstoertzer01_1615
283
1,615
O wie ſelig aber weren ſie/ wañ ſie ſich mit jrem mitelmaͤſſigen ſtand/ darin Gott ſie geſetzt/ benuͤgẽ lieſſen/ vñ mit gutem ruͤhigen Gewiſſen leben theten:
O wie selig aber wären sie / wann sie sich mit ihrem mittelmäßigen stand / darin Gott sie gesetzt / benügen ließen / und mit gutem ruhigen Gewissen leben täten:
de
de
de
1
6.0168
albertinus_landtstoertzer01_1615
284
1,615
Aber leyder/ weil die begeren Edelleut zu ſein/ vñ ſehꝛ hoch zu ſteigen/ ſo geraichts jhnen bißweilen zu groſſer zeitlichen Soꝛg vnd ewigen quaal/ malam enim telam & confuſionem domui ſuæ orſi ſunt.
Aber leider / weil die Begehren Edelleut zu sein / und sehr hochzusteigen / so gereicht ihnen bisweilen zu großer zeitlichen Sorge und ewigen Qual / malam enim telam & confusionem domui suae orsi sunt.
de
de
de
1
6.1907
albertinus_landtstoertzer01_1615
285
1,615
O wie gefaͤhrlich iſt die Ehꝛ zu erlangen/ wie ſchwerlich zu erhalten/ wie muͤheſamblich zu tragen/ vnnd wie leichtlich zu verlieren/ vnnd nicht deſto weniger reiſſet man ſich dermaſſen darumb/ als muͤſte man durch ſie ſelig werden:
O wie gefährlich ist die Ehre zu erlangen / wie schwerlich zu erhalten / wie mühsam zu tragen / und wie leichtlich zu verlieren / und nicht desto weniger reißet man sich dermaßen darum / als müsste man durch sie selig werden:
de
de
de
1
4.5033
albertinus_landtstoertzer01_1615
286
1,615
Deſſen allen waꝛ ich bey meinem Picariſchen oder Bernhaͤutiſchen Leben allerdings vberhebt/ war ſorgloß/ vnnd beſaß die edle Freyheit/ welche von den Gelehrten ſo ſehꝛ gelobt/ von vilen verlangt/ vnnd von den Poeten beſungen wird/ vnd gegen dern alles Goldt vnnd Reichthumb der Erden nit zuſchetzen iſt.
Dessen allen war ich bei meinem Picarischen oder Bernhäutischen Leben allerdings überhebt / war sorglos / und besaß die edle Freiheit / welche von den Gelehrten so sehr gelobt / von vielen verlangt / und von den Poeten besungen wird / und gegen deren alles Gold und Reichtum der Erden nicht zuschätzen ist.
de
de
de
1
5.2106
albertinus_landtstoertzer01_1615
287
1,615
Diſe edle freyheit hatte ich/ kondte aber ſie nit behalten/ noch die gute tag laͤnger tragen/ ſonder begab mich in einen andern/ aber doch nit vil ehꝛlichern ſtandt/ dañ ich waꝛd ein rotziger vñ ſchmotziger Kuchelratz/ wie im nachfolgenden Capitel zu vernemmen.
Diese edle Freiheit hatte ich / konnte aber sie nicht behalten / noch die gute tag länger tragen / sonder begab mich in einen anderen / aber doch nicht viel ehrlicheren stand / dann ich warte ein rotziger und schmutziger Küchelratz / wie im nachfolgenden Kapitel zu vernehmen.
de
de
de
1
5.5528
albertinus_landtstoertzer01_1615
288
1,615
Capvt IX.
Capvt IX.
en
en
bg
0
9.8596
albertinus_landtstoertzer01_1615
289
1,615
Guſman dienet fuͤr einen Kuchelbuben/ fahet an/ ſich mit der vnbegerten Arbeit/ das iſt/ mit ſtehlen/ zu ernehꝛen.
Gusman dient für einen Küchelbuben / fanget an / sich mit der unbegehrten Arbeit / das ist / mit stehlen / zu ernähren.
de
de
de
1
5.4902
albertinus_landtstoertzer01_1615
290
1,615
ALs ich mich ein zeitlang gewehnt hatte/ allerhand Buͤrd vnd laſt auffm rucken zu tragen/ vñ ich nunmehr/ wegen meiner trew vñ fleiſſes/ wolbekant woꝛden/ ſchickte mich einsmals eines Grafen Einkauffer/ mit etlichen eingekaufften Speiſen in ſeines Herꝛn Hauß/ vnd vberꝛedete mich/ dz ich meinen Picariſchen/ beꝛnheutiſchen odeꝛ ſchwaꝛakiſchen ſtand verließ/ vñ mich in ſeines Herꝛn Kuchel gebrauchen ließ/ dann er verhieß mir/ daß er mich von dannen in deß Koͤnigs dienſt befuͤrdern/ vnd zu einem Herꝛn machen wolte.
Als ich mich ein Zeitlang gewähnt hatte / allerhand Bürde und lässt aufm rucken zu tragen / und ich nunmehr / wegen meiner treu und Fleißes / wohlbekannt worden / schickte mich einsmals eines Grafen Einkaufer / mit etlichen eingekauften Speisen in seines Herrn Haus / und überredete mich / dass ich meinen Picarischen / bernheutischen oder schwarakischen stand verließ / und mich in seines Herrn Küche gebrauchen ließ / dann er verhieß mir / dass er mich von dannen in des Königs Dienst befördern / und zu einem Herrn machen wollte.
de
de
de
1
5.2798
albertinus_landtstoertzer01_1615
292
1,615
Vnd dz beſte war/ daß ich darneben mein Beſoldung vnd Koſtgelt erſparte/ aber das aͤrgiſte war/ daß man mich zuuoꝛ im Picariſchen Leben hatte ſpielen gelehꝛt/ dannenhero verkauffte ich anjetzo alles/ was ich erſparen kondte/ vnnd verſpilte es fein ſauber bey einem biſſen.
Und das beste war / dass ich daneben mein Besoldung und Kostgelt ersparte / aber das ärgiste war / dass man mich zuvor im Picarischen Leben hatte spielen gelehrt / dannenher verkaufte ich jetzt alles / was ich ersparen konnte / und verspielte es fein sauber bei einem bissen.
de
de
de
1
5.5702
albertinus_landtstoertzer01_1615
293
1,615
Jm Ambt oder in meinem Kucheldienſt ward ich in kurtzer Zeit gleichſamb ein Doctor, aber im ſpilen war keiner vber mich/ vnnd weil mein Koſtgelt vnnd Beſoldung mir zum ſpilen nicht erkleckte/ ſo ſuchte ich etwas anders/ vnnd hieß alles mit mir gehen/ was ich im Hauſe ſahe/ aber doch mit einer ſolchen Beſcheidenheit vnnd ſubtilheit/ daß mans nit gewar ward.
Im Amt oder in meinem Kücheldienst wurde ich in kurzer Zeit gleichsam ein Doktor, aber im Spielen war keiner über mich / und weil mein Kostgelt und Besoldung mir zum Spielen nicht erkleckte / so suchte ich etwas anders / und hieß alles mit mir gehen / was ich im Hause sah / aber doch mit einer solchen Bescheidenheit und Subtilheit / dass man es nicht gewahr wurde.
de
de
de
1
4.6587
albertinus_landtstoertzer01_1615
294
1,615
Einsmals begegnete mir ein artlicher poſſen/ dann mein Herꝛ der Graf brachte auff ein zeit etliche Bacchus vñ bon tempo, oder Sauffbruͤder mit ſich heimb/ vnd weil er ein ſonderbarer guter Kanten muſicus war/ vnd nit nachließ drin zu ſingẽ vñ zu blaſen/ biß jm der Flaſchen humor in Kopff ſtieg/ ſo machte ich jhnen geſchwind ein gute Collatzen von guten Zapfraͤſſen Wuͤrſten vnnd Weinziehenden Speiſen/ darauff ſchmeckte jhnen der Wein dermaſſen wol/ dz ſie nit wuſten wie ſie letztlichẽ von einander geſchiden.
Einsmals begegnete mir ein artlicher Possen / dann mein Herr der Graf brachte auf ein Zeit etliche Bacchus und bon tempo, oder Saufbrüder mit sich heim / und weil er ein sonderbarer guter Kanten musicus war / und nicht nachließ drin zu singen und zu blasen / bis ihm der Flaschen humor in Kopf stieg / so machte ich ihnen geschwind ein gute Zollatzen von guten Zapfrässen Würsten und Weinziehenden Speisen / darauf schmeckte ihnen der Wein dermaßen wohl / dass sie nicht wussten wie sie letztlichen voneinander geschieden.
de
de
de
1
5.8062
albertinus_landtstoertzer01_1615
295
1,615
Mein Herꝛ vñ Fraw legten ſich vnuerſehens ins Beth/ dz Hauß blib offen/ der Tiſch gedeckt/ vnnd das Silbergeſchirꝛ blib drauff ſtehen.
Mein Herr und Frau legten sich unversehens ins Bett / das Haus blieb offen / der Tisch gedeckt / und das Silbergeschirr blieb draufstehen.
de
de
de
1
4.9654
albertinus_landtstoertzer01_1615
296
1,615
Jch befand mich damals in meiner Kuchel/ vnd verꝛichtete mein Arbeit/ als ich aber vermerckte wie es zugangen war/ ſo verfuͤgte ich mich in aller ſtill in den Saal/ folgends in die Silberkammer/ vnnd ſahe/ daß das Silbergeſchirꝛ theils noch ordentlich ſtund/ theils aber hin vnd wider zerſtrewtlag.
Ich befand mich damals in meiner Küche / und verrichtete mein Arbeit / als ich aber vermerkte wie es zugegangen war / so verfügte ich mich in aller still in den Saal / folgendes in die Silberkammer / und sah / dass das Silbergeschirr teils noch ordentlich stand / teils aber hin und wieder zerstreut lag.
de
de
de
1
4.4217
albertinus_landtstoertzer01_1615
297
1,615
Vnder andern aber lag ein ſilberne Schuͤſſel auff der Erden/ die ſahe mich gar ſuͤndtlich an/ vnnd bate mich gleichſamb/ daß ich mich vber ſie erbarmen/ auffheben vnnd zu mir nemmen wolte:
Unter anderen aber lag ein silberne Schüssel auf der Erden / die sah mich gar sündlich an / und bat mich gleichsam / dass ich mich über sie erbarmen / aufheben und zu mir nehmen wollte:
de
de
de
1
4.7337
albertinus_landtstoertzer01_1615
298
1,615
Das thate ich nun/ hebte ſie auff/ nam ſie zu mir/ vnnd ging in aller ſtill daruon/ ohne daß es mein Herꝛ vnnd Fraw gewar wurden/ dann ich ſahe/ daß ſie im Wein begꝛaben lagen:
Das tat ich nun / hob sie auf / nahm sie zu mir / und ging in aller still davon / ohne dass es mein Herr und Frau gewahr wurden / dann ich sah / dass sie im Wein begraben lagen:
de
de
de
1
4.7414
albertinus_landtstoertzer01_1615
299
1,615
Jch hette jhnen gern ein Poſſen geriſſen/ vnnd jhnen jhre Fuͤß an die Bethſtatt gebunden/ aber es gedunckte mich/ daß die ſilberne Schuͤſſel beſſer were.
Ich hätte ihnen gern ein Possen gerissen / und ihnen ihre Füße an die Bettstatt gebunden / aber es gedunkte mich / dass die silberne Schüssel besser wäre.
de
de
de
1
5.3787
albertinus_landtstoertzer01_1615
300
1,615
Deß Morgens fruͤ maͤngelte mein gnedige Fraw alsbald der ſilbernen Schuͤſſel/ kam zu mir in die Kuchel/ vñ durchſuchte alle winckel:
Des Morgens früh mangelte mein gnädige Frau alsbald der silbernen Schüssel / kam zu mir in die Küche / und durchsuchte alle Winkel:
de
de
de
1
5.0361
albertinus_landtstoertzer01_1615
301
1,615
Jch fragte ſie/ was ſie doch ſuchte? ſie antwortet mit weinenden Augen:
Ich fragte sie / was sie doch suchte? sie antwortet mit weinenden Augen:
de
de
de
1
5.6228
albertinus_landtstoertzer01_1615
302
1,615
Ach Guſmaͤndl/ daß Gott erbarm/ ich maͤngle einer ſilbernen Schuͤſſel/ was wird mein Herꝛ darzu ſagen/ wofern ſie verlohren iſt:
Ach Gusmändl / dass Gott erbarm / ich mangle einer silbernen Schüssel / was wird mein Herr dazusagen / sofern sie verloren ist:
de
de
de
1
5.6336
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303
1,615
Jch hatte mit jhrem weinen durchauß kein mitleyden/ dann man ſagt/ daß/ wann ein Weib weinet/ man alsdann eben ein ſolches mitleiden mit jhr tragen ſolle/ wie mit einer Ganß/ welche mitten im Winter barfuß im Waſſer vmbzeucht:
Ich hatte mit ihrem weinen durchaus kein mitleiden / dann man sagt / dass / wann ein Weib weinet / man alsdann eben ein solches mitleiden mit ihr tragen solle / wie mit einer Gans / welche mitten im Winter barfuß im Wasser umbezeucht:
de
de
de
1
5.4484
albertinus_landtstoertzer01_1615
304
1,615
Aber doch ſtelte ich mich ſehr mitleidig/ troͤſtete ſie/ vnnd erbotte mich/ daß ich geſchwind hin zu etwan einem Goldtſchmidt gehen/ vnnd ein andere dergleichen Schuͤſſel kauffen/ wie auch etwan einen guten Freund finden wolte/ der das Gelt darfuͤr herlihe.
Aber doch stellte ich mich sehr mitleidig / tröstete sie / und erbot mich / dass ich geschwind hin zu etwan einem Goldschmied gehen / und ein andere dergleichen Schüssel kaufen / wie auch etwan einen guten Freund finden wollte / der das Geld dafür herliehe.
de
de
de
1
4.5274
albertinus_landtstoertzer01_1615
305
1,615
Mein gnedige Fraw bedanckte ſich gegen mit wegen diſes guten Raths/ vnd bate mich/ daß ich doch geſchwindt hingehen/ vnd es alſo zu werck ziehen wolte.
Mein gnädige Frau bedankte sich gegen mit wegen dieses guten Rats / und bat mich / dass ich doch geschwind hingehen / und es also zu Werk ziehen wollte.
de
de
de
1
5.5448
albertinus_landtstoertzer01_1615
306
1,615
Jch ging zwar alsbaldt hin/ nam die geſtohlene Schuͤſſel zu mir/ brachte ſie einem Goldtſchmidt/ vnd bate jhne/ daß er ſie geſchwindt ein wenig renouiren vnnd verneweren thete/ ich gab jhm fuͤr ſein benuͤgung zwen Real/ brachte meiner Frawen die gleichſamb newe Schuͤſſel vnnd ſprach:
Ich ging zwar alsbald hin / nahm die gestohlene Schüssel zu mir / brachte sie einem Goldschmied / und bat ihn / dass er sie geschwind ein wenig renovieren und neueren täte / ich gab ihm für sein benügung zwei Real / brachte meiner Frauen die gleichsam neue Schüssel und sprach:
de
de
de
1
5.5224
albertinus_landtstoertzer01_1615
307
1,615
Gnedige Fraw/ zu allem vnſerm Gluͤck hab ich ein Schuͤſſel beym Goldtſchmidt angetroffen/ die wigt ſiben vnnd funfftzig Real/ vnnd er fordert fuͤr ſein Arbeit weniger nicht/ als acht Real.
Gnädige Frau / zu allem unserem Glück habe ich ein Schüssel beim Goldschmied angetroffen / die wiegt siebenundfünfzig Real / und er fordert für sein Arbeit weniger nicht / als acht Real.
de
de
de
1
5.1954
albertinus_landtstoertzer01_1615
308
1,615
Wer war froͤher als die Fraw?
Wer war froher als die Frau?
de
de
de
1
4.8297
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309
1,615
Das Gelt zahlte ſie mir alsbald baar auß/ nam die Schuͤſſel zu ſich/ vnd erſetzte darmit den verſpuͤrten mangel.
Das Geld zahlte sie mir alsbald bar aus / nahm die Schüssel zu sich / und ersetzte damit den verspürten Mangel.
de
de
de
1
4.9564
albertinus_landtstoertzer01_1615
310
1,615
Diſer geſtallt verkauffte ich jhr jhre eygne Schuͤſſel/ ſamb hette ich ſie nit geſtohlen:
Dieser Gestalt verkaufte ich ihr ihre eigene Schüssel / samt hätte ich sie nicht gestohlen:
de
de
de
1
6.2536
albertinus_landtstoertzer01_1615
311
1,615
Sie war froh vnnd ich war nicht trawrig/ dann ich vberkame dardurch vil Gelts:
Sie war froh und ich war nicht traurig / dann ich überkam dadurch viel Geld:
de
de
de
1
5.7373
albertinus_landtstoertzer01_1615
312
1,615
Das blib aber nicht lang bey mir/ dann wie es war gewunnen/ alſo iſt es Entrunnen/ Dann in einem einigen Abend verſpielte ich alles miteinander/ vnnd es blibe mir kein Haller im Beutel.
Das blieb aber nicht lang bei mir / dann wie es war gewonnen / also ist es entronnen / Dann in einem einigen Abend verspielte ich alles miteinander / und es bliebe mir kein Haller im Beutel.
de
de
de
1
5.2369
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313
1,615
Nicht allein behalff ich mich diſer geſtalt mit ſtehlen/ Sondern auch der Einkauffer/ der Kuchelmeiſter/ der Kellermeiſter vnnd alle andere Officier ſtahlen vnnd raubten heimlich alles/ was ſie jmmer zuwegen bringen kondten/ an Fleiſch/ Wein/ Gefluͤgelwerck/ Gewuͤrtz/ Eſſig/ Traidt/ Mehl/ Kertzen/ Holtz/ dann jhre Beſoldung warklein/ vnnd kondten derwegen ſich vnnd jhre Baͤſel nicht darmit ernehren/ Derwegen iſts nit allzeit gut/ daß die Herꝛen jhren Dienern ein ſo gar kleine Beſoldung geben/ dann ſie gewinnen dardurch Vrſach zum ſtehlen.
Nicht allein behalf ich mich dieser Gestalt mit stehlen / Sondern auch der Einkaufer / der Küchelmeister / der Kellermeister und alle andere Offizier stahlen und raubten heimlich alles / was sie immer zuwegen bringen konnten / an Fleisch / Wein / Geflügelwerk / Gewürz / Essig / Trait / Mehl / Kerzen / Holz / dann ihre Besoldung war klein / und konnten derentwegen sich und ihre Bäsel nicht damit ernähren / Derentwegen ist es nicht allzeit gut / dass die Herren ihren Dienern ein so gar kleine Besoldung geben / dann sie gewinnen dadurch Ursache zum Stehlen.
de
de
de
1
4.8652
albertinus_landtstoertzer01_1615
314
1,615
Mit deme/ was ſolche Officier jhren Herꝛn ſtehlen vnd abtragen/ koͤndten ſie ſechs Diener gratificiren: vnnd ob ſchon die Herꝛn vermeinen/ daß ſie ſehꝛ geſcheid ſeyen/ vnd auf alle ſachen dermaſſen fleiſſig mercken/ daß nit muͤglich ſeye/ ſie zu betriegen vnd zu beſtehlen/ ſo ſeind doch die Officier vil geſcheider/ liſtiger vnnd verſchlagener/ vmb wie vil mehꝛ auch ſie vermercken/ daß man jhnen nit trawe/ vmb ſo vil deſto mehr befleiſſen ſie ſich deß ſtehlens vnd abtragens.
Mit dem / was solche Offizier ihren Herrn stehlen und abtragen / könnten sie sechs Diener gratifizieren: und ob schon die Herrn vermeinen / dass sie sehr gescheit seien / und auf alle Sachen dermaßen fleißig merken / dass nicht möglich sei / sie zu betrügen und zu bestehlen / so sind doch die Offizier viel gescheiter / listiger und verschlagener / um wie viel mehr auch sie vermerken / dass man ihnen nicht traue / um so viel desto mehr befleißen sie sich des Stehlens und Abtragens.
de
de
de
1
4.626
albertinus_landtstoertzer01_1615
315
1,615
O wie offt vnd vilmals hab ich deß Mundtkochs Haußfraw die allerbeſte Paſteten/ Torten vnd andere gute Biſſel muͤſſen zu Hauß tragen:
O wie oft und vielmals habe ich des Mundkochs Hausfrau die allerbeste Pasteten / Torten und andere gute Bissel müssen zu Haus tragen:
de
de
de
1
6.3004
albertinus_landtstoertzer01_1615
316
1,615
O wie offt hab ich auß befehl deß Kelners/ groſſe Flaſchen deß allerbeſten Weins vnd Maluaſier muͤſſen hin vnnd wider zu ſeinen guten Freunden vnd Baͤſeln/ ꝛc. tragen?
O wie oft habe ich aus Befehl des Kellners / große Flaschen des allerbesten Weins und Maluasier müssen hin und wieder zu seinen guten Freunden und Bäseln / etc. tragen?
de
de
lb
0.667
5.9553
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317
1,615
Weil ich dann ſahe/ daß meine Obrigkeiten ſolches thaten/ vnnd daß jederman ſtahl/ ſo ſtahl ich auch/ vnnd weil ich mich vnder den Woͤlffen befand/ ſo vermeinte ich/ daß ich ſampt jhnen muͤſte heulen.
Weil ich dann sah / dass meine Obrigkeiten solches taten / und dass jedermann stahl / so stahl ich auch / und weil ich mich unter den Wölfen befand / so vermeinte ich / dass ich samt ihnen müsste heulen.
de
de
de
1
4.1532
albertinus_landtstoertzer01_1615
318
1,615
Mein beſte vbung war damals das ſtehlen vnd ſpielen:
Mein beste Übung war damals das stehlen und spielen:
de
de
de
1
6.2828
albertinus_landtstoertzer01_1615
319
1,615
Einsmals aber als ich biß in die Mittenacht ſaß vnd ſpielte/ vnd wir mit einander vneins wurden vnd rumorten/ hoͤrte es vnſer Herꝛ der Graf/ nam einen duͤrꝛen Pruͤgel/ vnnd ſchlug vns den Staub dermaſſen auß den Kleydern/ daß vns ſtarcke Puͤndtl auffm gantzen Leib auflieffen/ dardurch fing ich von derſelben zeit an/ meinen credit vnd guten Glauben bey jhm zuuerlieren/ vnd je laͤnger je weniger bey jhm zu gelten/ zumaln weil ſich noch ein anderer fall begab/ daruon im nachfolgenden Capitel meldung beſchehen ſoll.
Einsmals aber als ich bis in die Mittenacht saß und spielte / und wir miteinander uneins wurden und rumorten / hörte es unser Herr der Graf / nahm einen dürren Prügel / und schlug uns den Staub dermaßen aus den Kleidern / dass uns starke Pündtl aufm ganzen Leib aufliefen / dadurch fing ich von derselben Zeit an / meinen credit und guten Glauben bei ihm zuverlieren / und je länger je weniger bei ihm zu gelten / zumal weil sich noch ein anderer Fall begab / davon im nachfolgenden Kapitel Meldung geschehen soll.
de
de
de
1
5.5264
albertinus_landtstoertzer01_1615
320
1,615
Capvt X.
Capvt X.
en
en
sr
0
9.2702
albertinus_landtstoertzer01_1615
321
1,615
Was dem Guſman/ als einem Kuchelbuben/ fuͤr ein wercklicher Poß widerfahꝛen.
Was dem Gusman / als einem Küchelbuben / für ein werklicher Poß widerfahren.
de
de
de
1
6.7761
albertinus_landtstoertzer01_1615
322
1,615
NJl iſts/ wann einer ſich ernehren kan mit ſeiner Arbeit/ aber vilmehr iſts wann einer mit tugendt das jenig kan behalten/ was er hat gewunnen.
Viel ist es / wann einer sich ernähren kann mit seiner Arbeit / aber vielmehr ist es wann einer mit Tugend das jenig kann behalten / was er hat gewonnen.
de
de
de
1
5.4853
albertinus_landtstoertzer01_1615
323
1,615
Gewinnen kondte ich mein Brot/ vnnd hatte allbereit ein gutes Lob vnd vertrawen bey meinem Herꝛn erlangt/ aber ich verluhꝛs gaꝛ bald durch mein boͤſes verhalten/ dann was andere Diener im Hauſe thaten/ das thate ich auch:
Gewinnen konnte ich mein Brot / und hatte allbereits ein gutes Lob und vertrauen bei meinem Herrn erlangt / aber ich verlor es gar bald durch mein böses verhalten / dann was andere Diener im Hause taten / das tat ich auch:
de
de
de
1
5.3144
albertinus_landtstoertzer01_1615
324
1,615
Etlich Dieb ſeind dermaſſen gluͤcklich/ daß ſie alt ſterben/ andere aber ſeind ſo gar vngluͤckſelig/ daß ſie wegen deß erſten Diebſtahls in der zarten jugendt gehenckt werden:
Etlich Dieb sind dermaßen glücklich / dass sie alt sterben / andere aber sind so gar unglückselig / dass sie wegen des ersten Diebstahls in der zarten Jugend gehängt werden:
de
de
de
1
4.9753
albertinus_landtstoertzer01_1615
325
1,615
Andere meines Herꝛn Diener ſtahlen in groſſo, vnnd wurden reich dardurch/ ich aber zwickte vñ zwackte meinem Herꝛn nur hin vñ wider etwz wenigs ab/ vnd blib doch arm darbey/ wz derwegẽ bey andern ein laͤßliche Suͤnd war/ das muſte an mir ein Todtſuͤnd ſeyn:
Andere meines Herrn Diener stahlen in grosso, und wurden reich dadurch / ich aber zwickte und zwackte meinem Herrn nur hin und wieder etwas weniges ab / und blieb doch arm dabei / was derentwegen bei anderen ein lässliche Sünde war / das musste an mir ein Todsünde sein:
de
de
de
1
5.2039
albertinus_landtstoertzer01_1615
326
1,615
Jch ſahe nit auff mich ſelbſt/ ſonder nur auf andere/ vnd ich vermeinte/ daß mir das ſtehlen eben ſo frey waͤre/ als jnen/ im wenigſten betrachtete ich/ dz ſie allbereit drin eraltet vñ anſehenlich waren/ ich aber nur ein ſchlim̃er picaro vñ Bernhaͤuter war.
Ich sah nicht auf mich selbst / sonder nur auf andere / und ich vermeinte / dass mir das stehlen eben so frei wäre / als ihnen / im wenigsten betrachtete ich / dass sie allbereits drin eraltet und ansehenlich waren / ich aber nur ein schlimmer picaro und Bärenhäuter war.
de
de
de
1
5.6673
albertinus_landtstoertzer01_1615
327
1,615
Nit gedachte ich/ dz dißfals nur die reichẽ/ die mechtigen/ die auffgeſchwollnen/ vnd hoffertigen/ welche die lachrymas crocodili fellen/ vnd nit mit dem Mundt beiſſen/ ſonder mit dem ſchwantz verwunden/ Jtem die Schmeichler vnd Fuchsſchwaͤntzler/ priuilegirt ſeyen/ vnd daß jhnen alles/ was ſie thun/ wol anſtuͤnde/ aber daß es mir vnnd meines gleichen armen Tropffen fuͤr ein ſacrilegium crimen læſæ Maieſtatis auffgenom̃en werde:
Nicht gedachte ich / dass diesfalls nur die reichen / die mächtigen / die aufgeschwollenen / und hoffertigen / welche die lachrymas crocodili Fällen / und nicht mit dem Mund beißen / sonder mit dem Schwanz verwunden / Item die Schmeichler und Fuchsschwänzler / privilegiert seien / und dass ihnen alles / was sie tun / wohl anstünde / aber dass es mir und meines gleichen armen Tropfen für ein sacrilegium crimen laesae Maiestatis aufgenommen werde:
de
de
de
1
5.2945
albertinus_landtstoertzer01_1615
328
1,615
Jn ſumma/ ich armer junger Schelm muſte jrer aller entgelten/ vnd die Zech fuͤr ſie zahlen.
In summa / ich armer junger Schelm musste ihrer aller entgelten / und die Zech für sie zahlen.
de
de
lb
0.667
5.1731
albertinus_landtstoertzer01_1615
329
1,615
Dañ es begab ſich eins mals/ daß mein Herꝛ einen frembden Fuͤrſten zu gaſt geladen/ vnnd zu ſolchem end außzohe/ vnd ſelbſt allerley gefluͤgelwerck procurirte vnd zu Hauß ſchickte/ derwegen befahl mir mein gnedige Fraw/ daß ich ſolches Gefluͤgelwerck fleiſſig vnd ſauber butzen/ vnd in der Speißkam̃er ordenlich aufhencken ſolte/ jnmaſſen auch beſchahe.
Dann es begab sich eins Mals / dass mein Herr einen fremden Fürsten zu gast geladen / und zu solchem Ende auszog / und selbst allerlei Geflügelwerk procurirte und zu Haus schickte / derentwegen befahl mir mein gnädige Frau / dass ich solches Geflügelwerk fleißig und sauber putzen / und in der Speisekammer ordentlich aufhängen sollte / in Maßen auch beschahe.
de
de
de
1
5.1578
albertinus_landtstoertzer01_1615
330
1,615
Nun war es damals ein ſehꝛ warme zeit/ derwegen vnnd nach verꝛichteter meiner arbeit/ zohe ich mir meine kleideꝛ ab/ vñ legte mich nackent nider/ dañ die kleine thierlein od’ wuͤrmlein/ welche man ſonſtẽ Leuß vñ floͤch neñet/ lieſſen mir kein ruh.
Nun war es damals ein sehr warme Zeit / derentwegen und nach verrichteter meiner Arbeit / zog ich mir meine Kleider ab / und legte mich nackend nieder / dann die kleine Tierlein oder Würmlein / welche man sonsten Läuse und Flöhe nennet / ließen mir kein Ruhe.
de
de
de
1
4.74
albertinus_landtstoertzer01_1615
331
1,615
Jn wehꝛendẽ meinem beſtẽ ſchlaffen hoͤꝛte ich ein jaͤm̃erlichs ſcharmuͤtzeln vñ reiſſen der Katzen/ welche an einem Schaͤfenen ſchloͤgel bancketirten vñ zechten/ dañ es haben die Katzen ein boͤſe art vnd eygenſchafft/ vnnd nit weiſt man wañ ſie content ſeyen/ ſonder/ allermaſſen wie die alte Maͤnner/ koͤnnen ſie nit ſtillſchweigendt oder fridlich eſſen/ ſonder murꝛen/ gꝛonen vnd greinen jmmerdar.
In wehrenden meinem besten schlafen hörte ich ein jämmerliches Scharmützeln und reißen der Katzen / welche an einem Schäfenen Schlögel bankettierten und zechten / dann es haben die Katzen ein böse Art und Eigenschaft / und nicht weist man wann sie content seien / sonder / allermaßen wie die alte Männer / können sie nicht stillschweigend oder friedlich essen / sonder murren / Granen und greinen immerdar.
de
de
de
1
6.206
albertinus_landtstoertzer01_1615
332
1,615
Diß Katzen getuͤmmel weckte mich auf/ da gedachte vnd beſorgte ich/ daß die Katzen villeicht in die Speißkammer vber das Wildtpraͤt kommen waͤren: derwegen ſprang ich geſchwind nackendt vnd bloß auß dem Beth/ vnd rumpelte in aller eyl die Stiegen hinab/ in meinung/ meinem Wildtpraͤt zu huͤlff zu kom̃en:
Dies Katzen Getümmel weckte mich auf / da gedachte und besorgte ich / dass die Katzen vielleicht in die Speiskammer über das Wildbret kommen wären: derentwegen sprang ich geschwind nackend und bloß aus dem Bett / und rumpelte in aller Eile die Stiegen hinab / in Meinung / meinem Wildbret zu Hilfe zu kommen:
de
de
de
1
4.6441
albertinus_landtstoertzer01_1615
333
1,615
Aber mein gnedige Fraw/ welche laͤngſt vor mir ſchlaffen war gangen/ war vil geſchwinder auß dem Beth/ weder ich/ dann ſie hatte das getuͤmmel/ reiſſen vnd beiſſen der Katzen alsbaldt vernommen: derwegen ſaumbte ſie ſich nit lang/ vergaß in ſolcher eyl vnnd noth jhꝛer Kleyder vnd Hemmets/ lieff Mutternackendt herfuͤr/ vnd hatte nur ein Wachsliecht in der Hand.
Aber mein gnädige Frau / welche längst vor mir schlafen war gegangen / war viel geschwinder aus dem Bett / weder ich / dann sie hatte das Getümmel / reißen und beißen der Katzen alsbald vernommen: derentwegen saumbte sie sich nicht lang / vergaß in solcher Eile und Not ihrer Kleider und Hemmet / lief Mutternackt herfür / und hatte nur ein Wachslicht in der Hand.
de
de
de
1
5.5365
albertinus_landtstoertzer01_1615
334
1,615
Jhre vnd meine gedancken vnd voꝛhaben waren einerley/ vnnd zwar in cauſa propria:
Ihre und meine Gedanken und vorhaben waren einerlei / und zwar in causa propria:
de
de
de
1
5.3969
albertinus_landtstoertzer01_1615
335
1,615
Mitten auff dem Fletz kamen oder ſtieſſen wir beyde zuſammen:
Mitten auf dem Fletts kamen oder stießen wir beide zusammen:
de
de
de
1
6.2811
albertinus_landtstoertzer01_1615
336
1,615
Sie erſchrack als ſie mich in ſolcher geſtalt ſahe/ vnd ich erſchrack/ als ich ſie alſo ſahe: Sie vermeinte daß ich etwan ein Geſpaͤnſt were/ derwegen ließ ſie die Koͤrtze fallen/ vnd fieng an vberlaut zuſchreyẽ:
Sie erschrak als sie mich in solcher Gestalt sah / und ich erschrak / als ich sie also sah: Sie vermeinte dass ich etwan ein Gespenst wäre / derentwegen ließ sie die Kerze fallen / und fing an überlaut zuschreien:
de
de
de
1
4.2404
albertinus_landtstoertzer01_1615
337
1,615
Jch aber erſchrack vber diſer figur/ vnd ſchꝛye noch vil ſtaͤrcker/ dann ich gedachte daß es der Geiſt deß vnlengſt verſtorbenen Einkauffers waͤre.
Ich aber erschrak über dieser Figur / und schrie noch viel stärker / dann ich gedachte dass es der Geist des unlängst verstorbenen Einkaufers wäre.
de
de
de
1
5.2743
albertinus_landtstoertzer01_1615
339
1,615
Das hoͤrte nun mein gnedige Fraw auß jhrem Loſement/ hatte ein mitleiden mit mir/ ſchrye mir zu/ vnd hieß mich widerumb hin ſchlaffen gehen/ vnangeſehen ſie gleichwol ſelbſt auff ein endt vbel erſchrocken vnnd ſehr krafftloß war worden/ dann in wehrendem jhrem lauffen entrann jhr die virtus retentiua, ehr vnnd beuor ſie widerumb in jhre Schlafkammer kam/ eroͤffneten ſich jhre beyde hinderſte Geſchoß deß Leibs dermaſſen/ daß ſie gar nichts mehr im Bauch behielt/ ſonder alles mit einander theils herauſſen im Fletz/ theils auff den Stiegen verzettete vnnd fallen ließ/ dardurch vberkam ich ein ſchoͤne vnnd ſaubere Arbeit/ kehꝛte vnd faßte es alles ſauber auff/ dann der Reinigkeit befliſſe ich mich jnſonderheit.
Das hörte nun mein gnädige Frau aus ihrem Losament / hatte ein mitleiden mit mir / schrie mir zu / und hieß mich wiederum hin schlafen gehen / unangesehen sie gleichwohl selbst auf ein Ende übel erschrocken und sehr kraftlos war worden / dann in währendem ihrem laufen entrann ihr die virtus retentiua, Ehre und bevor sie wiederum in ihre Schlafkammer kam / eröffneten sich ihre beide hinterste Geschoss des Leibs dermaßen / dass sie gar nichts mehr im Bauch behielt / sonder alles miteinander teils heraußen im Fletts / teils auf den Stiegen verzettete und fallen ließ / dadurch überkam ich ein schöne und saubere Arbeit / kehrte und fasste es alles sauber auf / dann der Reinheit beflisse ich mich in Sonderheit.
de
de
de
1
5.8858
albertinus_landtstoertzer01_1615
340
1,615
Damals ſahe vnnd erkennte ich/ daß die Vnreinigkeiten/ welche in dergleichen accidentiis vnnd Zuſtaͤnden geſellt vnnd außgeworffen werden/ vil vbler ſchmecken/ weder andere ordinariæ, die Philoſophi vnnd Sophiſten aber werden die eygentliche vrſachen deſſen wol wiſſen zu inquiriren vnnd zu erforſchen.
Damals sah und erkennte ich / dass die Unreinigkeiten / welche in dergleichen accidentiis und Zuständen gesellt und ausgeworfen werden / viel übler schmecken / weder andere ordinariae, die Philosophie und Sophisten aber werden die eigentliche Ursachen dessen wohl wissen zu inquirieren und zu erforschen.
de
de
de
1
5.4098
albertinus_landtstoertzer01_1615
341
1,615
Mein Fraw erſchrack wegen diſes zuſtands vber alle maſſen/ aber ich noch vil mehr/ darneben ſchaͤmte ich mich/ als waͤre ich ein Jungkfraw geweſt:
Mein Frau erschrak wegen dieses Zustands über alle Maßen / aber ich noch viel mehr / daneben schämte ich mich / als wäre ich ein Jungfrau gewesen:
de
de
de
1
4.5084
albertinus_landtstoertzer01_1615
342
1,615
Jch ſchaͤmte mich auch wegen jreꝛ ſcham/ leyd war mirs von Hertzen/ daß ich ſie alſo geſehen hatte/ ſie aber wolte es nit glauben/ ſonder vermeinte vnnd glaubte veſtigklich/ daß ichs auß lauter Boßheit gethan/ vnnd ſie mit allem fleiß eygentlich vnd wol/ hinden vnnd vorn/ geſchawt hatte:
Ich schämte mich auch wegen ihrer Scham / leid war mir es von Herzen / dass ich sie also gesehen hatte / sie aber wollte es nicht glauben / sonder vermeinte und glaubte vestigklich / dass ich es aus lauter Bosheit getan / und sie mit allem Fleiß eigentlich und wohl / hinten und vorn / geschaut hatte:
de
de
de
1
4.5953
albertinus_landtstoertzer01_1615
343
1,615
Von derſelben zeit hero/ ward ſie mir von Hertzen ſeind/ vnnd vnſer Nachbaͤwrin eine (dern ſie diſen Handel erzehlt hatte) ſagte mir/ daß mein Fraw zu jhꝛ geſagt vnnd bekennt hatte/ daß jhꝛ nichts leiders waͤre/ als daß ſie ſich damals embloͤſt/ vnd daß ich jhre Nackendtheit geſehen hatte.
Von derselben Zeit her / wurde sie mir von Herzen sind / und unser Nachbäuerin eine (deren sie diesen Handel erzählt hatte) sagte mir / dass mein Frau zu ihr gesagt und bekennt hatte / dass ihr nichts Leiders wäre / als dass sie sich damals entblößt / und dass ich ihre Nacktheit gesehen hatte.
de
de
de
1
4.6455
albertinus_landtstoertzer01_1615
344
1,615
Als mein Herꝛ deß andern tags hernacher widerumb heimb kam/ fragte er mich/ ob alle Sachen in der Kuchel fertig waͤren?
Als mein Herr des anderen tags hernach wiederum heim kam / fragte er mich / ob alle Sachen in der Küche fertig wären?
de
de
de
1
5.1793
albertinus_landtstoertzer01_1615
345
1,615
Jch antwortet: Ja.
Ich antwortet: Ja.
it
de
de
0.667
5.7062
albertinus_landtstoertzer01_1615
346
1,615
Folgendts veroꝛdnere vnd gab er alle andere Sachen vnnd Speiſen herfuͤr/ vnd ich vnnd meine Mitgeſellen vberkamen damals ein ſehr gewuͤnſchte gelegenheit zuſtehlen/ dañ es ging alles vnordenlich durcheinander/ man kondte nicht ſo eygendtlich auff alle ſachen mercken/ derwegen neñen wir dergleichen Bancket/ iubileos, auff denen die Officier allerhand indulgentias erlangen/ die beſte Wein/ Paſteten/ Torten/ Gewuͤrtz/ Schmaltz/ vnnd dergleichen erſchnappen vnd heimbtragen koͤnnen.
Folgend verordnete und gab er alle andere Sachen und Speisen herfür / und ich und meine Mitgesellen überkamen damals ein sehr gewünschte Gelegenheit zustehlen / dann es ging alles unordentlich durcheinander / man konnte nicht so eigentlich auf alle Sachen merken / derentwegen nennen wir dergleichen Bankett / iubileos, auf denen die Offizier allerhand indulgentias erlangen / die beste Wein / Pasteten / Torten / Gewürz / Schmalz / und dergleichen erschnappen und heimtragen können.
de
de
de
1
5.5737
albertinus_landtstoertzer01_1615
347
1,615
Was nun andeꝛe thaten/ dz thate ich gleichfals/ vnd ſchiebte mein Hemmet vnnd Hoſen voller Eyer vnnd Fleiſch: Meinen Hut fuͤllte ich mit ſchmaltz/ ſetzte jhne auff meinen Kopff/ vnd wolte darmit heimgehen/ aber mein Vngluͤck war/ daß mir mein Herꝛ auffm weg begegnete/ ich waͤre jhm gern gewichen/ vnd draͤhte mich hin vnd her/ aber es halff alles nichts/ dann je mehꝛ ich mich ſeiner enteuſſerte/ je mehr nahete er zu mir/ vnd fragte mich/ wo ich ſo ſtarck/ eylends vnd wol beladen hinauß wolte?
Was nun andere taten / das tat ich gleichfalls / und schiebt mein Hemd und Hosen voller Eier und Fleisch: Meinen Hut füllte ich mit Schmalz / setzte ihn auf meinen Kopf / und wollte damit heimgehen / aber mein Unglück war / dass mir mein Herr aufm weg begegnete / ich wäre ihm gern gewichen / und drehte mich hin und her / aber es half alles nichts / dann je mehr ich mich seiner entäußerte / je mehr nahte er zu mir / und fragte mich / wo ich so stark / eilends und wohl beladen hinaus wollte?
de
de
de
1
4.2865
albertinus_landtstoertzer01_1615
348
1,615
Jch aber erſchrack dermaſſen/ daß ich nit wuſte/ was ich thun ſolte:
Ich aber erschrak dermaßen / dass ich nicht wusste / was ich tun sollte:
de
de
de
1
3.8216
albertinus_landtstoertzer01_1615
349
1,615
blib ſtock ſtill ſtehen/ vnd erſtum̃ete:
blieb stock still stehen / und erstummte:
de
la
vi
0.333
7.9415
albertinus_landtstoertzer01_1615
350
1,615
Steteruntque comæ, & vox faucibus hæſit:
Steteruntque comae, & vox faucibus haesit:
de
da
la
0.333
7.8774
albertinus_landtstoertzer01_1615
351
1,615
Die Sonn ſtach auch damals dermaſſen heiß/ daß die Butter/ welche oben auff meinem Kopff im Hut lag/ anfing zu zergehen/ zu verſchmeltzen/ vnd tropffenweiß vber mein Angeſicht herunder zu rinnen/ deſſen lachte mein Herꝛ heimlich vnd ſpꝛach zu mir: Guſmandl/ was iſt das? eytert dir dein Kopf? laß ſehen was du fuͤr einen grindigen Kopff habeſt?
Die Sonne stach auch damals dermaßen heiß / dass die Butter / welche oben auf meinem Kopf im Hut lag / anfing zu zergehen / zu verschmelzen / und tropfenweise über mein Angesicht herunterzurinnen / dessen lachte mein Herr heimlich und sprach zu mir: Gusmandl / was ist das? eitert dir dein Kopf? lass sehen was du für einen grindigen Kopf habest?
de
de
de
1
4.9386
albertinus_landtstoertzer01_1615
352
1,615
Folgends hebte er meinẽ Hut herundeꝛ vnd fand den allbereit halb zerꝛuñenen Butter/ deßgleichen alle andere geſtohlene ſachen bey mir/ vnd ſprach:
Folgendes hob er meinen Hut herunter und fand den allbereits halb runden Butter / desgleichen alle andere gestohlene Sachen bei mir / und sprach:
de
de
de
1
5.9587
albertinus_landtstoertzer01_1615
353
1,615
O Schelm/ biſtu der geſell/ welchen man mir ſo ſehr gelobt hat/ vnnd deme ich am meiſten getrawt?
O Schelm / bist du der gesell / welchen man mir so sehr gelobt hat / und dem ich am meisten getraut?
de
de
de
1
5.1424
albertinus_landtstoertzer01_1615
354
1,615
Troll dich/ du Boͤßwicht/ vnnd kom̃ mir nimmer in mein Hauß:
Troll dich / du Bösewicht / und komm mir nimmer in mein Haus:
de
de
fy
0.667
5.0161
albertinus_landtstoertzer01_1615
355
1,615
Deſſen allen erſchrack ich zum hoͤchſten/ wuſte auß lauter ſcham nichts zu reden/ ſonder ging ſtillſchweigendt hinweg/ dann vil beſſer vnd ehrlicher iſts/ daß man vor den zugefuͤgten iniurien fliehe/ weder daß man ſie durchs verantwoꝛten vberwinde.
Dessen allen erschrak ich zum höchsten / wusste aus lauter Scham nichts zu reden / sonder ging stillschweigend hinweg / dann viel besser und ehrlicher ist es / dass man vor den zugefügten Injurien fliehe / weder dass man sie durchs verantworten überwinde.
de
de
de
1
5.4489
albertinus_landtstoertzer01_1615
356
1,615
Capvt XI.
Capvt XI.
fi
en
ca
0
9.9464
albertinus_landtstoertzer01_1615
357
1,615
Guſinan nimbt ſein voriges Picariſches oder Bernhaͤuteriſches Leben widerumb an/ wird durch ein ſonderbares gehebiges mittel reich.
Gusinan nimmt sein voriges Picarisches oder Bernhäuterisches Leben wiederum an / wird durch ein sonderbares gehebiges Mittel reich.
de
de
de
1
7.392
albertinus_landtstoertzer01_1615
359
1,615
Das Gut wird verzehꝛt/ aber die ſcienz waͤchſt/ vnd wirdt das wenige was ein Gelehrter weiſt/ vil hoͤher geacht/ weder das vile/ was ein reicher hat:
Das Gut wird verzehrt / aber die scienz wächst / und wird das wenige was ein Gelehrter weist / viel höher geachtet / weder das viele / was ein reicher hat:
de
de
de
1
5.8564
albertinus_landtstoertzer01_1615
360
1,615
Nun moͤchte aber einer fragen vnd ſpꝛechen:
Nun möchte aber einer fragen und sprechen:
de
de
de
1
5.8023
albertinus_landtstoertzer01_1615
361
1,615
Warumb wiſchet Guſman diſer geſtalt mit der ſcienz heꝛfuͤr/ oder was hat er fuͤr ein ſcienz? warumb lobet er die ſcienz ſo ſehr?
Warum wischet Gusman dieser Gestalt mit der scienz herfür / oder was hat er für ein scienz? warum lobet er die scienz so sehr?
de
de
de
1
5.7898
albertinus_landtstoertzer01_1615
362
1,615
was hat er darmit im Sinn?
was hat er damit im Sinn?
de
de
de
1
3.1519
albertinus_landtstoertzer01_1615
363
1,615
Hierauff gib ich zur antwort/ daß mein gantze ſcienz vnd Kunſt in meiner Putten oder Kraͤxen ſteckte/ dañ nichts andeꝛs noch beſſers konte vñ wuſte ich/ als allerhand ding vnd Buͤrd auffm ruͤcken in einer Putten oder Kraͤxen tragen/ vñ benebens ſpielen/ ſtehlen vnd allerhand buͤberey treiben:
Hierauf gib ich zur Antwort / dass mein ganze scienz und Kunst in meiner Putten oder Kraxen steckte / dann nichts anders noch besseres konnte und wusste ich / als allerhand Ding und Bürde aufm rücken in einer Putten oder Kraxen tragen / und benebens spielen / stehlen und allerhand Büberei treiben:
de
de
de
1
6.1117
albertinus_landtstoertzer01_1615
364
1,615
Durch diſe ſcienz konte ich mein bꝛot reichlich gewiñen/ diſes officiũ war mein beneficium: wie Vlyſſes ſich ernehꝛte mit ſeinem Liſt/ vnnd Demoſthenes mit ſeiner eloquentz, alſo behalff vnnd ernehrte ich mich mit diſer meiner ſcienz, dañ nach dem ich voꝛerzehlter maſſen auß meines Herꝛn dienſt geſchidẽ/ zeigte jederman mit fingern auf mich/ vñ ſagtẽ: ſihe/ doꝛt geht der Dieb: diſer vꝛſachen halbẽ wolte mich niemand annem̃en noch mir trawen/ vñ waꝛd ich derwegẽ verurſacht/ mein voꝛiges leben vñ arbeit zutreiben/ vñ die Eſelarbeit mit Kraͤxen tragẽ widerum̃ zu verꝛichtẽ.
Durch diese scienz konnte ich mein Brot reichlich gewinnen / dieses officiu war mein beneficium: wie Vlysses sich ernährte mit seinem List / und Demosthenes mit seiner Eloquenz, also behalf und ernährte ich mich mit dieser meiner scienz, dann nach dem ich vorerzählter maßen aus meines Herrn Dienst geschieden / zeigte jedermann mit fingern auf mich / und sagten: siehe / dort geht der Dieb: Dieser Ursachen halben wollte mich niemand annehmen noch mir trauen / und warte ich derentwegen verursacht / mein voriges leben und Arbeit zutreiben / und die Eselarbeit mit Kraxen tragen wiederum zu verrichten.
de
de
de
1
5.4594
albertinus_landtstoertzer01_1615
365
1,615
Wie were es mir aber ergangẽ woferꝛn ich diſe picariſche kunſt nit zuuor gelehrnt/ ergriffen vnd practiciert hette?
Wie wäre es mir aber ergangen wofern ich diese pikarische Kunst nicht zuvor gelernt / ergriffen und praktiziert hätte?
de
de
de
1
6.0653
albertinus_landtstoertzer01_1615
366
1,615
Dañ nunmehꝛ war ich dienſtloß/ Kleyderloß vnd Chꝛloß/ alles was ich mit arbeiten hatte erobert/ das verluhr ich ſpielent/ ich war allerdings zerꝛiſſen/ hinden vnd voꝛnen/ vnnd kente kaum mein ſcham bedecken:
Dann nunmehr war ich dienstlos / Kleiderlos und Ehrlos / alles was ich mit arbeiten hatte erobert / das verlor ich spielend / ich war allerdings zerrissen / hinten und vorne / und kannte kaum mein Scham bedecken:
de
de
de
1
5.6423
albertinus_landtstoertzer01_1615
367
1,615
Aber doch war mein ſcientz noch gantz vñ vollkom̃en/ vnd die ſcham verlohren/ dann den Armen iſt ſie wenig nutz.
Aber doch war mein scientz noch ganz und vollkommen / und die Scham verloren / dann den Armen ist sie wenig Nutz.
de
de
de
1
7.112
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368
1,615
Jch fing widerumb allerhande Waaren vñ ſachen auffm Rucken zu tragen/ vnd aß mein notturfft: niemaln ließ ich meinen Bauch meinen Gott ſeyn:
Ich fing wiederum allerhand Waren und Sachen aufm Rucken zu tragen / und aß mein Notdurft: niemals ließ ich meinen Bauch meinen Gott sein:
de
de
de
1
5.8012
albertinus_landtstoertzer01_1615
369
1,615
Der Menſch ſoll nit mehꝛ eſſen/ als ſein notturfft/ wer aber excediret vnnd mehr jſſet/ der iſt ein Viech: Vermittelſt diſer meiner ſobrietet, nuͤchterkeit vnnd maͤſſigkeit verblib mein Leib allzeit friſch vnd geſund/ vñ mein Beutel voll Gelts.
Der Mensch soll nicht mehr essen / als sein Notdurft / wer aber exzedieret und mehr isst / der ist ein Viech: Vermittels dieser meiner Sobrietät, Nüchterkit und Mäßigkeit verblieb mein Leib allzeit frisch und gesund / und mein Beutel voll Geld.
de
de
de
1
5.2352
albertinus_landtstoertzer01_1615
370
1,615
Niemaln tranck ich mich voll/ dann ich ſahe/ wie ſchaͤndlich meinen Geſellen die Voͤllerey anſtunde.
Niemals trank ich mich voll / dann ich sah / wie schändlich meinen Gesellen die Völlerei anstünde.
de
de
de
1
4.702
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371
1,615
Daß nun die Picari oder Bernhaͤuter ſich voll ſauffen/ das gehet wol hin/ dann ſie haben ohne das wenig Ehr/ daß es aber die Gelehrten/ die edle vnnd maͤchtige Herꝛen vñ Obrigkeiten thun/ iſt ſolches je ein ſchand vnd ſpott.
Dass nun die Picari oder Bärenhäuter sich voll saufen / das geht wohl hin / dann sie haben ohne das wenig Ehre / dass es aber die Gelehrten / die edle und mächtige Herren und Obrigkeiten tun / ist solches je ein Schande und Spott.
de
de
de
1
5.3499
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372
1,615
Nit allein war ich ſehꝛ maͤſſig/ ſonder auch fleiſſig/ vnnd dermaſſen embſig in meiner ſcientz, officio vnnd Ambt/ daß ichs allen meinen Mitgeſellen beuor thate/ vnnd jederman mir trawte vnd mich liebte.
Nicht allein war ich sehr mäßig / sonder auch fleißig / und dermaßen emsig in meiner scientz, officio und Amt / dass ich es allen meinen Mitgesellen bevor tat / und jedermann mir traute und mich liebte.
de
de
de
1
5.3863
albertinus_landtstoertzer01_1615
373
1,615
Einsmals begabs ſich/ daß etliche Faͤndl Soldaten in Jtalien ſolten verſchickt werden/ das gedunckte nun mich ein gewuͤnſchte gelegenheit ſeyn/ mein Vatterland vnd meine Freunde zu beſuchen/ aber weil ich aller nackendt vnd zerꝛiſſen war/ ſo gedachte ich auff alle mittel vnd weg/ mich ſtattlich zu kleyden.
Einsmals begab es sich / dass etliche Fändl Soldaten in Italien sollten verschickt werden / das gedunkte nun mich ein gewünschte Gelegenheit sein / mein Vaterland und meine Freunde zu besuchen / aber weil ich aller nackend und zerrissen war / so gedachte ich auf alle Mittel und weg / mich stattlich zu kleiden.
de
de
de
1
5.4213
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374
1,615
Das Sprichwort:
Das Sprichwort:
de
de
de
1
4.6027
albertinus_landtstoertzer01_1615
375
1,615
Si volete eſſere Papa, ſtampate lo en la teſta:
Si volete essere Papa, stampate lo en la testa:
es
eo
fr
0
7.2447
albertinus_landtstoertzer01_1615
376
1,615
Das iſt: Vegerſtu ein Bapſt zu werden/ ſo preſſe dir jhne in deinen Kopff: ward bey mir verificirt, dann als ich mit vorbemeltem meinem intent vnnd verlangen ſchwanger ging/ vnd ſehr ſollicitus vnd ſorgfaͤltig war/ mich ehꝛlich zu kleidẽ/ ich auch einsmals aufm Marckt ſaß/ vnd auf etwan ein Gluͤck wartete/ hoͤꝛte ich vnuerſehens ein ſtimm/ die ſpꝛach:
Das ist: Begehrst du ein Papst zu werden / so presse dir ihn in deinen Kopf: wurde bei mir verifiziert, dann als ich mit vorbemeltem meinem Intent und verlangen schwanger ging / und sehr sollicitus und sorgfältig war / mich ehrlich zu kleiden / ich auch einsmals aufm Markt saß / und auf etwan ein Glück wartete / hörte ich unversehens ein stimme / die sprach:
de
de
de
1
5.806
albertinus_landtstoertzer01_1615
377
1,615
Guſmaͤndl gehe her: Jch ſprang geſchwind auff meine Fuͤß/ vnnd ſahe einen/ der winckte mir/ legte einen Sack mit 500. Realn/ vnnd noch einen andern mit 300. Kronen in meine Putten/ vnd befahl mir/ dz ich jm nachfolgen ſolte.
Gusmändl gehe her: Ich sprang geschwind auf meine Füße / und sah einen / der winkte mir / legte einen Sack mit 500. Realen / und noch einen anderen mit 300. Kronen in meine Putten / und befahl mir / dass ich ihm nachfolgen sollte.
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5.0809
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Jch war willig/ vnnd trug jhms etliche Gaſſen lang nach/ aber vnuerſehens verdraͤhete ich mich von jhm ab/ verſchwand voꝛ ſeinen Augen/ machte mich vnſichtbar/ gewann das Statt Thor/ lieff noch denſelben Abendt zwo meil wegs/ vnd verbarg mich in einer dicken Stauden vier gantze Taglang/ biß ſich die Schoͤrgen/ welche mir nacheylten/ widerumb verluhren.
Ich war willig / und trug ihms etliche Gassen lang nach / aber unversehens Drähte ich mich von ihm ab / verschwand vor seinen Augen / machte mich unsichtbar / gewann das Stadttor / lief noch denselben Abend zwei Meilen Wegs / und verbarg mich in einer dicken Stauden vier ganze Taglang / bis sich die Schören / welche mir nacheilten / wiederum verloren.
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5.1764
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Als nun ich vermeinte ſicher zu ſeyn/ machte ich mich auf/ ging nur bey der Nacht durch abgelegene ort vnd Doͤrffer/ biß ich auff zwo meil wegs nahe bey Toledo kam/ daſelbſt traf ich einen jungen Knaben meines gleichen an/ der war ſeinen Eltern entloffen/ vnd hatte ein ſtarckes Felleiſſel bey ſich/ darinn war ein ſehr ſchoͤnes Kleyd/ das kauffte ich jhm ab vmb einen rechten werth/ Er nam das Gelt zu ſich/ vnnd ging ſeinen weg fort/ deßgleichen kam ich noch denſelben Abendt gen Toledo/ daſelbſt aber erging es mir ſehꝛ artlich.
Als nun ich vermeinte sicher zu sein / machte ich mich auf / ging nur bei der Nacht durch abgelegene Ort und Dörfer / bis ich auf zwei Meilen Wegs nahe bei Toledo kam / daselbst traf ich einen jungen Knaben meines gleichen an / der war seinen Eltern entlaufen / und hatte ein starkes Felleissel bei sich / darin war ein sehr schönes Kleid / das kaufte ich ihm ab um einen rechten wert / Er nahm das Geld zu sich / und ging seinen weg fort / desgleichen kam ich noch denselben Abend gen Toledo / daselbst aber erging es mir sehr artlich.
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Capvt XII.
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