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21.8
albertinus_landtstoertzer01_1615
484
1,615
Jn meinen zerꝛiſſenen Kleidern vnd Haderlumpen fing ich an/ das Allmuſen zu begeren/ beſuchte die Haͤuſer der Cardinaͤlen/ Geſandten/ Fuͤrſten/ Biſchoffe vnd anderer Potentaten: Ein anderer junger Bub fuͤhrte mich/ vnd gab mir alle gute anleitung vnnd lectiones, vnnd vnderwiſe mich in den principijs, wie vnd was/ vnd auff was fuͤr vnderſchidliche form vnd weiſe ich von einem jeglichen dz Almuſen begeren/ wie ich mit den Reichen ein mitleiden erzeigen/ vñ die andaͤchtigẽ verobligiren ſolte:
In meinen zerrissenen Kleidern und Haderlumpen fing ich an / das Allmusen zu Begehren / besuchte die Häuser der Kardinälen / Gesandten / Fürsten / Bischöfe und anderer Potentaten: Ein anderer junger Bub führte mich / und gab mir alle gute Anleitung und lectiones, und unterwiese mich in den principijs, wie und was / und auf was für unterschiedliche Form und weise ich von einem jeglichen das Almosen Begehren / wie ich mit den Reichen ein mitleiden erzeigen / und die andächtigen verobligieren sollte:
de
de
de
1
5.0379
albertinus_landtstoertzer01_1615
486
1,615
Alle Gaſſen durchſtraiffte ich/ vnd alle Winckel vnd Haͤuſer durchnaſchte ich/ aber doch viertheilte ich die Statt/ vnnd theilte die Kirchen nach den Feſttaͤgẽ auß.
Alle Gassen durchstreifte ich / und alle Winkel und Häuser durchnaschte ich / aber doch vierteilte ich die Stadt / und teilte die Kirchen nach den Festen aus.
de
de
de
1
4.9518
albertinus_landtstoertzer01_1615
488
1,615
Folgends begab ich mich in die geſellſchaft etlicher alten Betler/ damit ich durch ſie deſto perfectior vnd vollkom̃ner in diſer facultet werden moͤchte.
Folgendes begab ich mich in die Gesellschaft etlicher alten Bettler / damit ich durch sie desto perfectior und vollkommener in dieser Fakultät werden möchte.
de
de
de
1
5.7841
albertinus_landtstoertzer01_1615
489
1,615
Einer vnder jnen nam mich in ſeine diſciplin vnd zucht/ vnnd vnderwiſe mich in den aller fuͤrnembſten geheimnuſſen/ grandezen vnnd hochheiten deß bettlens/ ſo gar gab er mir ein geſchribene Betteloꝛdnung damit ich mich vor allem ſchaden vnd aͤrgernuſſen deſto beſſer moͤchte huͤten.
Einer unter ihnen nahm mich in seine Disziplin und Zucht / und unterwiese mich in den aller fürnehmsten Geheimnissen / grandezen und Hochheiten des Bettelns / so gar gab er mir ein geschriebene Bettelordnung damit ich mich vor allem schaden und Ärgernissen desto besser möchte hüten.
de
de
de
1
5.371
albertinus_landtstoertzer01_1615
490
1,615
Jn ſumma/ ich ward in kurtzer zeit ein abgefuͤhꝛter Betler/ vnd hette mich trefflich wol darbey befunden/ woferꝛn nicht die zeit vnnd das vngluͤck mich daruon getriben vnd entſetzt hetten/ dann als mich einsmals der fuͤrwitz ſtach/ daß ich wiſſen moͤchte/ ob man zu Gaeta ebẽ ſo barmhertzig vnnd mitleidig waͤre/ wie zu Rom/ ſo verfuͤgt ich mich dorthin/ ſetzte mich mit meinem ſehr grindigen vnd ſchadhafften Kopff (vnangeſehen derſelb ſonſten friſch vnnd geſundt war) vor die Kirchthuͤrn/ vnnd ſamblete das Allmuſen/ mit ſehr lauter klaͤglicher vnnd beweglicher Stim̃.
In summa / ich wurde in kurzer Zeit ein abgeführter Bettler / und hätte mich trefflich wohl dabei befunden / wofern nicht die Zeit und das Unglück mich davon getrieben und entsetzt hätten / dann als mich einsmals der Fürwitz stach / dass ich wissen möchte / ob man zu Gaeta eben so barmherzig und mitleidig wäre / wie zu Rom / so verfügt ich mich dorthin / setzte mich mit meinem sehr grindigen und schadhaften Kopf (unangesehen derselbe sonsten frisch und gesund war) vor die Kirchtüren / und sammelte das Allmusen / mit sehr lauter kläglicher und beweglicher Stimm.
de
de
de
1
5.0514
albertinus_landtstoertzer01_1615
491
1,615
Der Statthalter daſelbſt ſahe mich eygentlich an/ vnnd gab mir gleichfals ein reiches Allmuſen:
Der Statthalter daselbst sah mich eigentlich an / und gab mir gleichfalls ein reiches Allmusen:
de
de
de
1
6.0953
albertinus_landtstoertzer01_1615
492
1,615
Aber der Geitz vberging mich vnnd brach den Sack/ dann an einem andern Feſttag brauchte ich ein anders vñ newe inuention, præparirte meinen geſunden vnnd friſchen Schenckel dermaſſen/ daß es ein grewel war anzuſehen: darmit ſetzte ich mich vor die Kirchen/ fing an vber laut zu ſchreyen/ vñ meinen verwundten elendigen (aber doch geſunden) Schenckel zu erheben vnnd zu zeigen: zu meinem Vngluͤck kam der vorbemelte Statthalter damals in dieſelbe Kirch/ vnd als er mich erkennte/ hieß er mich auffſtehen vnd ſprach: gehe mit mir heimb/ ich wil dir ein Hemmet geben.
Aber der Geiz überging mich und brach den Sack / dann an einem anderen Festtag brauchte ich ein anders und neue Invention, präparierte meinen gesunden und frischen Schenkel dermaßen / dass es ein Gräuel war anzusehen: damit setzte ich mich vor die Kirchen / fing an über laut zu schreien / und meinen verwundeten elendigen (aber doch gesunden) Schenkel zu erheben und zu zeigen: zu meinem Unglück kam der vorbemehlte Statthalter damals in dieselbe Kirche / und als er mich erkennte / hieß er mich aufstehen und sprach: gehe mit mir heim / ich will dir ein Hemd geben.
de
de
de
1
4.7147
albertinus_landtstoertzer01_1615
493
1,615
Jch glaubte es/ kam in ſein Loſament/ vnnd er ſchawte mich eygentlich vnder mein Angeſicht/ vnd ſprach:
Ich glaubte es / kam in sein Losament / und er schaffte mich eigentlich unter mein Angesicht / und sprach:
de
de
de
1
5.6255
albertinus_landtstoertzer01_1615
494
1,615
Wie iſts muͤglich/ daß ein ſolches rothes friſches vnd faiſtes Angeſicht einen ſo gar boͤſen Schenckel habe?
Wie ist es möglich / dass ein solches rotes frisches und feistes Angesicht einen so gar bösen Schenkel habe?
de
de
de
1
5.2914
albertinus_landtstoertzer01_1615
495
1,615
Es reimen vnd ſchicken ſich diſe zwey ding gar nicht zuſammen?
Es reimen und schicken sich diese zwei Ding gar nicht zusammen?
de
de
de
1
6.2187
albertinus_landtstoertzer01_1615
496
1,615
Jch antwortet: Herꝛ/ ich weiß es je nit/ vnſer Herꝛ hat mirs alſo zugeſchickt:
Ich antwortet: Herr / ich weiß es je nicht / unser Herr hat mir es also zugeschickt:
de
de
de
1
5.1996
albertinus_landtstoertzer01_1615
497
1,615
Aber der Statthalter ſchickte vmb einen Balbierer/ der beſchawte mich eygentlich/ erkennte letztlichen den betrug vnd ſprach:
Aber der Statthalter schickte um einen Balbierer / der beschaute mich eigentlich / erkennte letztlichen den betrug und sprach:
de
de
de
1
7.3359
albertinus_landtstoertzer01_1615
498
1,615
Herꝛ/ diſer Bub hat eben ſo wenig einen ſchadhafften Schenckel/ als ich ein ſchadhafftes Aug hab:
Herr / dieser Bub hat ebenso wenig einen schadhaften Schenkel / als ich ein schadhaftes Auge habe:
de
de
de
1
5.0005
albertinus_landtstoertzer01_1615
499
1,615
Folgendts fing er an/ meine Windel vnd Pflaſter auffzuloͤſen/ vnnd zeigte mennigklichen meinen friſchen vnd geſunden Schenckel:
Folgend fing er an / meine Windel und Pflaster aufzulösen / und zeigte menniglichen meinen frischen und gesunden Schenkel:
de
de
de
1
6.153
albertinus_landtstoertzer01_1615
500
1,615
Deſſen verwunderte ſich der Statthalter/ vnd befalch dem Hencker/ daß er mir in ſeiner gegenwertigkeit ein Wammes vnder das Hemmet gab/ vnnd mich mit Ruthen auß der Statt hawen ließ/ nam luit in corpus quiſquis non poſſidet æra.
Dessen verwunderte sich der Statthalter / und befahl dem Henker / dass er mir in seiner Gegenwertigkeit ein Wams unter das Hemd gab / und mich mit Ruten aus der Stadt hauen ließ / nahm luit in corpus quisquis non possidet aera.
de
de
de
1
4.8382
albertinus_landtstoertzer01_1615
501
1,615
Diſer geſtallt ward mein fuͤrwitz gebuͤſt/ vnd ich nam meinen weg widerum̃ auff Rom zu/ allda man nicht ſo gar haͤck vnd geſtreng iſt/ vnnd nicht ſo fleiſſig auffmercket/ wie zu Gaeta, ſonder man laͤſt einen jeglichen ſein Nahrung ſuchen/ wie er am beſten kan vnnd mag.
Dieser Gestalt wurde mein Fürwitz gebüßt / und ich nahm meinen weg wiederum auf Rom zu / allda man nicht so gar häck und gestreng ist / und nicht so fleißig aufmerket / wie zu Gaeta, sonder man lässt einen jeglichen sein Nahrung suchen / wie er am besten kann und mag.
de
de
de
1
5.5801
albertinus_landtstoertzer01_1615
502
1,615
Capvt XVI.
Capvt XVI.
en
en
sr
0
10.0961
albertinus_landtstoertzer01_1615
503
1,615
Was geſtallt Guſman zu Rom durch einen Cardinal auß mitleyden/ in ſeinem eygnen Hauß vnd Beth curirt worden.
Was Gestalt Gusman zu Rom durch einen Kardinal aus mitleiden / in seinem eigenen Haus und Bett kuriert worden.
de
de
de
1
6.7159
albertinus_landtstoertzer01_1615
504
1,615
DJe junge Leuth haben in zarten vnd wichtigen ſachen ein kurtzes geſicht/ nicht zwar auß mangl deß verſtands/ ſonder auß mangel der fuͤrſichtigkeit/ welche nur durch die experientz zu wegen gebꝛacht:
Die junge Leute haben in zarten und wichtigen Sachen ein kurzes Gesicht / nicht zwar aus Mangel des Verstands / sonder aus Mangel der Vorsichtigkeit / welche nur durch die experientz zu wegen gebracht:
de
de
de
1
6.0837
albertinus_landtstoertzer01_1615
505
1,615
die experientz aber durch die zeit erlangt wirdt:
die experientz aber durch die Zeit erlangt wird:
de
de
de
1
7.0478
albertinus_landtstoertzer01_1615
506
1,615
dann wie ein gruͤne vnzeitige frucht keinen vollkom̃nen Geſchmack hat/ ſonder bitter vnd ſawr iſt/ alſo vnd ebner geſtallt ſehen wir/ daß/ weil die junge Leuth noch vnzeitig vnnd vngeſchmackig ſeind/ jnen die ſpeculationes vnd die wahꝛe erkaͤndtnuß der dingen mengelt vnd abgehet/ derwegen iſts je kein wunder/ dz ſie jrꝛen/ jnmaſſen auch ich gethan/ vnfuͤrſichtigklich handlete/ vnd das allerboͤſeſte fuͤr das beſte erwehlte.
dann wie ein grüne unzeitige Frucht keinen vollkommenen Geschmack hat / sonder bitter und sauer ist / also und ebener Gestalt sehen wir / dass / weil die junge Leute noch unzeitig und ungeschmackig sind / ihnen die speculationes und die wahre Erkenntnis der Dingen mangelt und abgehet / derentwegen ist es je kein Wunder / dass sie irren / in Maßen auch ich getan / unvorsichtig handelte / und das böseste für das Beste erwählte.
de
de
de
1
5.4825
albertinus_landtstoertzer01_1615
507
1,615
Dann einsmals ſtund ich meiner gewonheit nach/ deß Morgens fruͤ auff/ verband meinen geſundten Schenckel/ ſetzte mich voꝛ dem Hauſe eines Cardinals nider/ vnnd als derſelb außgehen wolte/ erhebte ich mein klaͤgliche Stimm vnd ſprach:
Dann einsmals stand ich meiner Gewohnheit nach / des Morgens früh auf / verband meinen gesundeten Schenkel / setzte mich vor dem Hause eines Kardinals nieder / und als derselbe ausgehen wollte / erhebt ich mein klägliche Stimme und sprach:
de
de
de
1
5.1858
albertinus_landtstoertzer01_1615
508
1,615
O edler Chriſt/ O Freund Chriſti Jeſu/ erbarme dich vber diſen betruͤbten/ elendigen/ verwundten vnd armſeligen Menſchen/ O hochwuͤrdigſter Vatter/ habt doch ein mitleiden mit diſer armen Creatur/ vnd jungen Knaben/ ꝛc.
O edler Christ / O Freund Christi Jesu / erbarme dich über diesen betrübten / elendigen / verwundeten und armseligen Menschen / O hochwürdigster Vater / habt doch ein mitleiden mit dieser armen Kreatur / und jungen Knaben / etc.
de
de
lb
0.667
4.4091
albertinus_landtstoertzer01_1615
509
1,615
Der Cardinal merckte auff mein ſchreyen/ erbarmete ſich vber mich/ vnnd vermeinte/ daß ich kein Menſch/ ſonder Gott ſelbſt were/ derwegen ließ er mich alsbald durch ſeine Diener in ſein Hauß tragen/ meine alte zerꝛiſſene Kleyder außziehen/ vnnd mich in ſein eygnes Beth legen.
Der Kardinal merkte auf mein Schreien / erbarmte sich über mich / und vermeinte / dass ich kein Mensch / sonder Gott selbst wäre / derentwegen ließ er mich alsbald durch seine Diener in sein Haus tragen / meine alte zerrissene Kleider ausziehen / und mich in sein eigenes Bett legen.
de
de
de
1
4.348
albertinus_landtstoertzer01_1615
510
1,615
Folgendts ſchickte er nach den allerbeſten Stattbalbierern vnd Wundtartzten/ vnd befalch jhnen/ daß ſie mich fleiſſig curiren vnd heilen ſolten/ dañ ich hatte meinẽ Schenckel dermaſſen armſeligklich præparirt vnd zugericht/ als waͤre er vnheylbar vnnd mit dem Krebs befangen/ aber doch hette ich jhne jnnerhalb dꝛey Tagen gar wol widerumb heylen koͤnnen.
Folgend schickte er nach den allerbesten Stattbalbierern und Wundärzten / und befahl ihnen / dass sie mich fleißig kurieren und heilen sollten / dann ich hatte meinen Schenkel dermaßen armseligelich präpariert und zugerichtet / als wäre er Unheilbar und mit dem Krebs befangen / aber doch hätte ich ihn innerhalb drei Tagen gar wohl wiederum heilen können.
de
de
de
1
4.9647
albertinus_landtstoertzer01_1615
511
1,615
Die zwen Balbirer vermeinten anfangs/ daß es ein ſehr boͤſer Schenckel waͤre/ legten jhre Maͤntel von ſich/ begerten ein Glutpfanne/ Kuͤhſchmaltz/ Eyer vnd andere ſachen/ fingen an den Schenckel auffzuloͤſen/ vnnd gaben ſo vil zu verſtehen/ als muͤſte man jhne gar abſchneiden.
Die zwei Balbierer vermeinten anfangs / dass es ein sehr böser Schenkel wäre / legten ihre Mäntel von sich / begehrten ein Glutpfanne / Kühschmalz / Eier und andere Sachen / fingen an den Schenkel aufzulösen / und gaben so viel zu verstehen / als müsste man ihn gar abschneiden.
de
de
de
1
4.7467
albertinus_landtstoertzer01_1615
512
1,615
Da fing mir erſt an angſt vnd bang zu werden/ der ſpott/ welcher mir zu Gaeta erwiſen war worden/ gedunckte mich ein Kinderſpil gegen diſer gefahr zu ſein/ dann ich beſoꝛgte mich einer vil groͤſſern Straff/ derwegen wuſte ich meiner ſachen keinen rath/ dann weder in der gantzen Letaney/ noch im Flore Sanctorum fand ich keinen einigen Helffer noch Beſchuͤtzer der Schelmen.
Da fing mir erst an angst und bang zu werden / der Spott / welcher mir zu Gaeta erwiesen war worden / gedunkte mich ein Kinderspiel gegen dieser Gefahr zu sein / dann ich besorgte mich einer viel größeren Strafe / derentwegen wusste ich meiner Sachen keinen Rat / dann weder in der ganzen Letaney / noch im Flore Sanctorum fand ich keinen einigen Helfer noch Beschützer der Schelmen.
de
de
de
1
5.8679
albertinus_landtstoertzer01_1615
513
1,615
Je laͤnger die Artzten meinen Schenckel beſchawten/ je mehꝛ fingen ſie an zu zweiffeln/ einander anzuſchawen vnd zu laͤchlen/ letztlichen aber eroͤffnete mir der Geitz der Artzten ein Thuͤr/ auß diſem laborinth zu kommen/ vnd als derwegen ſie von mir hinweg gingen/ vnd ſich ſtelleten/ als wolten ſie hingehen/ vnd dem Cardinal die beſchaffenheit meines ſchenckels vnnd Kranckheit referiren, ſprang ich geſchwindt auß dem Beth/ vnnd hoͤrte/ was ſie herauſſen im Saal mit einander heimlich vnd vertrewlich redeten:
Je länger die Ärzten meinen Schenkel beschauten / je mehr fingen sie an zu zweifeln / einander anzuschauen und zu lächle / letztlichen aber eröffnete mir der Geiz der Ärzten ein Tür / aus diesem Labyrinth zu kommen / und als derentwegen sie von mir hinweggingen / und sich stellten / als wollten sie hingehen / und dem Kardinal die Beschaffenheit meines Schenkels und Krankheit referieren, sprang ich geschwind aus dem Bett / und hörte / was sie heraußen im Saal miteinander heimlich und vertraulich redeten:
de
de
de
1
4.7973
albertinus_landtstoertzer01_1615
514
1,615
dann der ein ſprach zum andern: diſer Knab iſt ein arger Schelm/ ſeine Wunden ſeind falſch/ was woͤllen wir aber thun?
dann der ein sprach zum anderen: Dieser Knabe ist ein arger Schelm / seine Wunden sind falsch / was wollen wir aber tun?
de
de
de
1
4.7843
albertinus_landtstoertzer01_1615
515
1,615
Verlaſſen wir jhne/ ſo gehet vns vnſer Lohn vnd nutz auß den Haͤnden/ ich vermeine/ wir ſolten vns gegen dem Cardinal nichts mercken laſſen/ ſonder den Knaben allgemach mit langſamer hand curiren, vnd vil Tag vnnd Zeit mit jhm verzehren/ damit vnſer Artztlohn deſto groͤſſer vnd mehrer werde.
Verlassen wir ihn / so geht uns unser Lohn und Nutz aus den Händen / ich vermeine / wir sollten uns gegen dem Kardinal nichts merken lassen / sonder den Knaben allgemach mit langsamer Hand kurieren, und viel Tag und Zeit mit ihm verzehren / damit unser Arztlohn desto größer und mehrerer werde.
de
de
de
1
5.7749
albertinus_landtstoertzer01_1615
516
1,615
Der ander Artzt aber wolte nicht darein verwilligen/ ſonder war der meinung/ daß man dem Cardinal den Betrug entdecken ſolte:
Der ander Arzt aber wollte nicht darein bewilligen / sonder war der Meinung / dass man dem Kardinal den Betrug entdecken sollte:
de
de
de
1
6.1448
albertinus_landtstoertzer01_1615
517
1,615
Als ich das hoͤrte/ ging ich nackendt zu jhnen hinauß/ fiel vor jhnen nider vnnd ſprach:
Als ich das hörte / ging ich nackend zu ihnen hinaus / fiel vor ihnen nieder und sprach:
de
de
de
1
3.4053
albertinus_landtstoertzer01_1615
518
1,615
Ach jhr meine liebe Herꝛen/ mein Leben vnnd mein verderben ſtehet in ewren Haͤnden vnnd Zungen.
Ach ihr meine liebe Herren / mein Leben und mein Verderben steht in euren Händen und Zungen.
de
de
de
1
5.2974
albertinus_landtstoertzer01_1615
519
1,615
Jhr ſelbſt wiſſet die groſſe noth der Armen/ vnnd die haͤrtigkeit der Reichen/ dannenhero vnd zu jhrer beweg: vnd erwaichung jhꝛer Hertzen/ iſt je ein notturfft/ daß wir vnſer Fleiſch verwunden/ vnnd alſo das heilige Allmuſen herauß preſſen.
Ihr selbst wisset die große Not der Armen / und die härtigkeit der Reichen / dannenher und zu ihrer beweg: und Erweichung ihrer Herzen / ist je ein Notdurft / dass wir unser Fleisch verwunden / und also das heilige Allmusen herauspressen.
de
de
de
1
5.7014
albertinus_landtstoertzer01_1615
520
1,615
Vmb Gottes willen bitte ich/ jhr woͤllet euch vber mich erbarmen vnd mich nicht offenbar machen/ ſonder hierunder auch ewren eignen nutz vnd gewinn betrachten:
Um Gottes willen bitte ich / ihr wollt euch über mich erbarmen und mich nicht offenbar machen / sonder hierunter auch euren eigenen Nutz und Gewinn betrachten:
de
de
de
1
5.2317
albertinus_landtstoertzer01_1615
521
1,615
Jnmittelſt vnnd in wehrender vnſer vnderꝛedung ging der Cardinal herein/ vnnd der ein Balbierer ſprach zu jhm:
Inmittelst und in währender unser Unterredung ging der Kardinal herein / und der ein Balbierer sprach zu ihm:
de
de
de
1
6.5873
albertinus_landtstoertzer01_1615
522
1,615
Gnediger Herꝛ/ groß iſt die Kranckheit vnnd der Schaden diſes jungen Menſchen/ dann der Krebs hat ſich allbereit an vnderſchidlichen orten ſeines Leibs angeſetzt/ vnnd muß durch ein lange Cuhr vertriben werden:
gnädiger Herr / groß ist die Krankheit und der Schaden dieses jungen Menschen / dann der Krebs hat sich allbereits an unterschiedlichen Orten seines Leibs angesetzt / und muss durch ein lange Kur vertrieben werden:
de
de
de
1
5.4484
albertinus_landtstoertzer01_1615
523
1,615
Der ander Balbirer ſprach:
Der ander Balbierer sprach:
de
de
de
1
8.332
albertinus_landtstoertzer01_1615
524
1,615
Gnediger Herꝛ/ woferꝛn diſer Knab nicht in ewer gnedige vnd barmhertzige Haͤnd gerathen waͤre/ ſo hette er muͤſſen verfaulen/ ſterben vnnd verderben/ aber wir verhoffen jhne jnnerhalb 6. Monat zu heilen.
gnädiger Herr / wofern dieser Knabe nicht in euer gnädige und barmherzige Hände geraten wäre / so hätte er müssen verfaulen / sterben und verderben / aber wir verhoffen ihn innerhalb 6. Monat zu heilen.
de
de
lb
0.667
4.6487
albertinus_landtstoertzer01_1615
525
1,615
Der fromb Cardinal antwoꝛtet: nit nemmet nur 6. ſonder 10. Monat darzu/ damit er wol curiert werde.
Der fromm Kardinal antwortet: nicht nehmet nur 6. sonder 10. Monat dazu / damit er wohl kuriert werde.
de
de
de
1
6.5026
albertinus_landtstoertzer01_1615
526
1,615
Wer war froͤher/ als eben ich?
Wer war froher / als eben ich?
de
de
de
1
7.6868
albertinus_landtstoertzer01_1615
527
1,615
Dann fuͤrwar/ die gefahr/ darinn ich mit den Balbierern ſteckte/ war je groß.
Dann fürwahr / die Gefahr / darin ich mit den Balbierern steckte / war je groß.
de
de
de
1
5.8276
albertinus_landtstoertzer01_1615
528
1,615
Man traetirte mich mit eſſen vnnd trincken/ wie einen Fuͤrſten/ vnnd der Cardinal ſelbſt ſuchte mich taͤglich heimb/ conuerſirte mit mir/ vnd hoͤꝛte mich gar gern reden.
Mann trätierte mich mit essen und trinken / wie einen Fürsten / und der Kardinal selbst suchte mich täglich heim / conuersirte mit mir / und hörte mich gar gern reden.
de
de
de
1
5.423
albertinus_landtstoertzer01_1615
529
1,615
Als nun ich letztlichen gefundt worden/ namen die Balbierer vꝛlaub/ vnd wurden wegen jhꝛer gehabten bemuͤhung reichlich ergetzt vnd befeidigt.
Als nun ich letztlichen gesund worden / nahmen die Balbierer Urlaub / und wurden wegen ihrer gehabten Bemühung reichlich ergötzt und befriedigt.
de
de
de
1
5.4033
albertinus_landtstoertzer01_1615
530
1,615
Jch aber ward gekleidt vnd in die zahl der Edelknaben geſetzt/ muſte auch ſampt jhnen dem Herꝛn Cardinal dienen/ vnd in ſeiner Kammer auffwarten.
Ich aber wurde gekleidet und in die Zahl der Edelknaben gesetzt / musste auch samt ihnen dem Herrn Kardinal dienen / und in seiner Kammer aufwarten.
de
de
de
1
5.5802
albertinus_landtstoertzer01_1615
531
1,615
Capvt XVII.
Capvt XVII.
en
en
sr
0
9.3375
albertinus_landtstoertzer01_1615
532
1,615
Was geſtallt Guſman dem Cardinal fuͤr einen Edelknaben gedienet.
Was Gestalt Gusman dem Kardinal für einen Edelknaben gedient.
de
de
lb
0.667
7.4018
albertinus_landtstoertzer01_1615
533
1,615
ALle vnd jede ding haben jhre periodes viciſſitudines vnnd veraͤnderungen.
Alle und jede Ding haben ihre Periodes vicissitudines und Veränderungen.
de
de
da
0.667
5.8935
albertinus_landtstoertzer01_1615
534
1,615
Vorzeiten war die Poeterey in hohem werth/ deßgleichen kan das alte Rom zeugnuß geben/ wie hoch man die Oratores geſchetzt habe:
Vorzeiten war die Poetik in hohem wert / desgleichen kann das alte Rom Zeugnis geben / wie hoch man die Oratores geschätzt habe:
de
de
de
1
5.8379
albertinus_landtstoertzer01_1615
535
1,615
Vnſer Hiſpanien waiſt/ wie ſehr bey jhr die ſtudia Theologiæ vnnd beeder Rechten florire.
Unser Hispanien weist / wie sehr bei ihr die studia Theologiae und beider Rechten floriere.
de
de
de
1
6.8828
albertinus_landtstoertzer01_1615
536
1,615
Deßgleichen ſihet man/ wie offt vnnd vilmals ſich die Spanniſche Kleydungen veraͤndern/ vnnd was man taͤglich fuͤr newerungen erdencke/ die ignorantz, Toꝛheit vnd vermeſſenheit deß gemeinen Manns iſt dermaſſen groß worden/ daß ſie in der Hoffart vnnd ſeltzamkeit der Kleidern/ dem Adel vnnd Herꝛenſtandt nichts beuor gibt.
Desgleichen sieht man / wie oft und vielmals sich die Spanische Kleidungen verändern / und was man täglich für Neuerungen erdenke / die Ignoranz, Torheit und Vermessenheit des gemeinen Manns ist dermaßen groß worden / dass sie in der Hoffart und Seltsamkeit der Kleidern / dem Adel und Herrenstand nichts bevor gibt.
de
de
de
1
4.7772
albertinus_landtstoertzer01_1615
537
1,615
So gar die phraſes vnd termini deß redens vnd ſchreibens verkehren ſich in allen Sprachen/ vnnd muß alles auff den newen form gerichtet ſein/ der alt ſtylus gilt nichts mehr.
So gar die phrases und termini des Redens und Schreibens verkehren sich in allen Sprachen / und muss alles auf den neuen Form gerichtet sein / der alt stylus gilt nichts mehr.
de
de
de
1
5.6348
albertinus_landtstoertzer01_1615
538
1,615
Die Gebaͤw vnnd Kriegs Jnſtrumenten verneweren ſich jmmerdar:
Die Gebäude und Kriegs Instrumenten neueren sich immerdar:
de
de
lb
0.667
9.3266
albertinus_landtstoertzer01_1615
539
1,615
Die Sitten der Menſchen ſeind nunmehr nicht Chriſtlich/ ſonder Heydniſch:
Die Sitten der Menschen sind nunmehr nicht christlich / sonder heidnisch:
de
de
de
1
5.7451
albertinus_landtstoertzer01_1615
540
1,615
Die Frawen vnd Jungkfrawen ſelbſt muͤſſen bekennen/ daß ſie ohne zarte Polſterhuͤndlein/ Affen/ Meerkaͤtzel/ Papageyen/ vnnd ſonderlich ohne Galanen oder Seruidorn ſich nit behelffen/ leben noch jhꝛe zeit vertreiben koͤndten/ da doch ſie vor zeiten jhre beſte vnd meiſte Kurtzweil pflegten mit dem Spinnrocken/ vnd mit der Haußarbeit zu haben.
Die Frauen und Jungfrauen selbst müssen bekennen / dass sie ohne zarte Polsterhündlein / Affen / Meerkätzchen / Papageien / und sonderlich ohne Galanen oder Seruidorn sich nicht behelfen / leben noch ihre Zeit vertreiben könnten / da doch sie vor Zeiten ihre beste und meiste Kurzweil pflegten mit dem Spinnrocken / und mit der Hausarbeit zu haben.
de
de
de
1
5.3343
albertinus_landtstoertzer01_1615
541
1,615
Eben ein ſolche meinung hats auch mit der Warheit/ dann dieſelbe brauchte man vor alten zeiten dermaſſen ſehr/ daß ſie vber alle Tugenden reſpectirt ward/ vnnd daß einer der ein Lugen redete/ offentlich mit Steinen zu todt geworffen ward:
Eben ein solche Meinung hat es auch mit der Wahrheit / dann dieselbe brauchte man vor alten Zeiten dermaßen sehr / dass sie über alle Tugenden respektiert wurde / und dass einer der ein Lügen redete / öffentlich mit Steinen zu tot geworfen wurde:
de
de
de
1
5.5666
albertinus_landtstoertzer01_1615
542
1,615
wie aber alle gute ding baldt ab: aber die boͤſe auffkommen/ alſo iſts allgemach dahin gelangt/ daß man die Warheit weder hoͤren noch reden will:
wie aber alle gute Ding bald ab: aber die böse aufkommen / also ist es allgemach dahin gelangt / dass man die Wahrheit weder hören noch reden will:
de
de
de
1
5.9788
albertinus_landtstoertzer01_1615
543
1,615
Ja ſo gar hat man jhre ſtatuam oder Bildtnuß zerſtoͤrt/ ſie banniſirt/ vnd in jhren Stul die Fraw Mendacium oder Lugen geſetzt.
Ja so gar hat man ihre statuam oder Bildnis zerstört / sie bannisirt / und in ihren Stuhl die Frau Mendacium oder Lügen gesetzt.
de
de
de
1
6.7259
albertinus_landtstoertzer01_1615
544
1,615
Die Warheit muſte dem Jnhalt deß ſententzes nachkom̃en/ vnd allein arm vnnd veraͤchtlich vmbziehen:
Die Wahrheit musste dem Inhalt des sententzes nachkommen / und allein arm und verächtlich umziehen:
de
de
de
1
7.7168
albertinus_landtstoertzer01_1615
545
1,615
Dann der gebrauch iſt/ daß/ wann einer/ der zu Hof im hohen anſehen iſt/ fellt/ alsdann jhm jederman feind wirdt/ ja ſeine allerbeſte Freunde ſehen jhne nur vber die Achßeln an/ vnd kennen jhne nimmer.
Dann der Gebrauch ist / dass / wann einer / der zu Hof im hohen Ansehen ist / fehlt / alsdann ihm jedermann Feind wird / ja seine allerbeste Freunde sehen ihn nur über die Achseln an / und kennen ihn nimmer.
de
de
de
1
5.8518
albertinus_landtstoertzer01_1615
547
1,615
weil dann die Warheit jhr keinen Widerſtandt thun koͤndte/ ſo gehorſambte ſie/ folgte jhr nach/ aber blib weit hinder der gantzen turbæ, dann ſie wuſte jhꝛ bekandtes vnd gehoͤꝛiges oꝛt wol/ dann wer die Warheit begert zu ſuchen/ der wirdt ſie nit finden bey der Lugen vnnd jhren Miniſtris vnd Dienern/ ſonder hinden nach vnd zu aller letzt laͤſt ſie ſich ſehen vnnd offenbaren.
weil dann die Wahrheit ihr keinen Widerstand tun könnte / so gehorsamte sie / folgte ihr nach / aber blieb weit hinter der ganzen turbae, dann sie wusste ihr bekanntes und gehöriges Ort wohl / dann wer die Wahrheit begehrt zu suchen / der wird sie nicht finden bei der Lügen und ihren Ministris und Dienern / sonder hinten nach und zu aller letzt lässt sie sich sehen und offenbaren.
de
de
de
1
5.6387
albertinus_landtstoertzer01_1615
548
1,615
An der erſten Tagreiß kamen ſie zu einer Statt/ darin regiert ein ſehꝛ maͤchtiger Fuͤrſt/ der hieß Fauor, der ritte jhr hinauß entgegen/ vnnd begerte ſie in ſeinem Pallaſt zu beherbergen/ aber die Koͤnigin Lugen nam nur ſeinen guten willen an/ vnnd verfuͤgte ſich in das Hauß deß Ingenij: derſelb hatte ein ſehꝛ koͤſtlichs Haußweſen/ vnnd tractirte ſie ſehr ſtattlich mit allerhandt ſpeiſen.
An der ersten Tagreise kamen sie zu einer Stadt / darin regiert ein sehr mächtiger Fürst / der hieß Favor, der ritt ihr hinaus entgegen / und begehrte sie in seinem Palast zu beherbergen / aber die Königin Lügen nahm nur seinen guten Willen an / und verfügte sich in das Haus des Ingenij: Derselbe hatte ein sehr köstliches Hauswesen / und traktierte sie sehr stattlich mit allerhand speisen.
de
de
de
1
4.6897
albertinus_landtstoertzer01_1615
549
1,615
Jhr Hofmaiſter hieß Oſtentatio, hatte einen langen Barth/ ein grauitetiſches Anſehen/ reputatiſche ſitten/ vnnd ein ſehr ſittſame Rede:
Ihr Hofmeister hieß Ostentatio, hatte einen langen Barth / ein gravitätisches Ansehen / reputatische Sitten / und ein sehr sittsame Rede:
de
de
de
1
6.3442
albertinus_landtstoertzer01_1615
550
1,615
Der fragte den Wirth/ was ſein gnedige Fraw die Koͤnigin verzehrt vnd ſchuldig waͤre?
Der fragte den Wirt / was sein gnädige Frau die Königin verzehrt und schuldig wäre?
de
de
de
1
6.1522
albertinus_landtstoertzer01_1615
551
1,615
Der Wirth machte die Rechnung/ vnnd der Hofmeiſter ſagte anders nichts daꝛzu/ als daß es recht vnd gut waͤre.
Der Wirt machte die Rechnung / und der Hofmeister sagte anders nichts dazu / als dass es recht und gut wäre.
de
de
de
1
5.1029
albertinus_landtstoertzer01_1615
552
1,615
Da ruffte die Koͤnigin Lugen jhrem Hofmeiſter Oſtentatio vnnd ſprach:
Da ruft die Königin Lügen ihrem Hofmeister Ostentatio und sprach:
de
de
de
1
7.8058
albertinus_landtstoertzer01_1615
553
1,615
Bezahle diſen guten Mann von dem Gelt/ welches du jhm zu verwahꝛen haſt gegeben/ als du allhie einzoheſt.
Bezahle diesen guten Mann von dem Geld / welches du ihm zu verwahren hast gegeben / als du allhier einzogst.
de
de
de
1
4.5434
albertinus_landtstoertzer01_1615
554
1,615
Der Wirth erſchꝛack/ vñ wuſte von keinẽ ſolchem jm zugeſtellten Gelt: vnd er hielts anfangs nur fuͤr einen Schertz/ aber als er ſahe/ daß es jhnen ernſt war/ beklagte er ſich/ vnnd ſchwur/ daß man jhm niemaln ein Gelt hatte zu geſtellt:
Der Wirt erschrak / und wusste von keinen solchem ihm zugestellten Geld: und er hielt es anfangs nur für einen Scherz / aber als er sah / dass es ihnen ernst war / beklagte er sich / und schwor / dass man ihm niemals ein Geld hatte zugestellt:
de
de
de
1
4.4432
albertinus_landtstoertzer01_1615
555
1,615
Aber die Koͤnigin Lugen rieff zu Zeugen jhren Schatzmeiſter Ocium, vnd jren Kuchelmeiſter Adulatio, deßgleichen jhre Kammer Jungfraw Fraus.
Aber die Königin Lügen rief zu Zeugen ihren Schatzmeister Ocium, und ihren Küchelmeister Adulatio, desgleichen ihre Kammer Jungfrau Fraus.
de
de
de
1
7.088
albertinus_landtstoertzer01_1615
556
1,615
Damit ſie auch jhne deſto mehꝛ conuinciren vñ vberzeugen moͤchte/ ſo ließ ſie auch herfuͤr tretten deß Wirths Sohn/ namens Intereſſe, Jtem ſein Weib/ namens Auaritia:
Damit sie auch ihn desto mehr conuinciren und überzeugen möchte / so ließ sie auch herfür treten des Wirts Sohn / namens Interesse, Item sein Weib / namens Auaritia:
de
de
gd
0.667
6.7354
albertinus_landtstoertzer01_1615
557
1,615
Diſe alle zeugten einhelligklich wider den Wirth Ingenium.
Diese alle zeugten einhelligecklich wider den Wirt Ingenium.
de
de
de
1
6.8332
albertinus_landtstoertzer01_1615
558
1,615
Weil dann derſelb ſich in ſolchẽ gedraͤng befandt/ ſo fing er an ſeine Haͤnd gen Himmel zu erheben/ zu exclamiren, zuſchreyen vnd Gott den HErꝛn zu bitten/ daß er doch der Warheit einen beyſtandt leiſten wolte/ ſeytemal diſe Leuth jhm nit allein das jenig ablaugneten/ was ſie jhm ſchuldig waren/ ſonder auch etwas begerten/ was er jhnen nit ſchuldig war.
Weil dann derselbe sich in solchen gedrängt befand / so fing er an seine Hände gen Himmel zu erheben / zu exklamieren, zuschreien und Gott den Herrn zu bitten / dass er doch der Wahrheit einen Beistand leisten wollte / sintemal diese Leute ihm nicht allein das jenig ableugneten / was sie ihm schuldig waren / sonder auch etwas begehrten / was er ihnen nicht schuldig war.
de
de
de
1
4.303
albertinus_landtstoertzer01_1615
559
1,615
Da ging die Warheit zu jhm/ vnnd ſprach:
Da ging die Wahrheit zu ihm / und sprach:
de
de
de
1
4.2953
albertinus_landtstoertzer01_1615
560
1,615
Mein lieber Freund Ingenium, du haſt recht/ aber ich kan dir nicht helffen/ dann die Koͤnigin Lugen iſt die jenige/ die dir das deine ablaugnet:
Mein lieber Freund Ingenium, du hast recht / aber ich kann dir nicht helfen / dann die Königin Lügen ist diejenige / die dir das deine ableugnet:
de
de
de
1
4.9056
albertinus_landtstoertzer01_1615
561
1,615
du haſt niemande auff deiner Seyten/ als allein mich/ vnnd kan je mehr nit darbey thun/ als daß ich mich zu erkennen gib/ vnd ſage/ daß dir durch die Koͤnigin Lugen gewalt vnnd vnrecht beſchicht.
du hast niemand auf deiner Seiten / als allein mich / und kann je mehr nicht dabei tun / als dass ich mich zu erkennen gib / und sage / dass dir durch die Königin Lügen Gewalt und Unrecht beschichte.
de
de
de
1
5.6254
albertinus_landtstoertzer01_1615
562
1,615
Diſe der Warheit kuͤnheit vnnd redligkeit verdroß die Koͤnigin Lugen dermaſſen/ daß ſie alsbald befelch gab/ den Wirth außzu zahlen.
Diese der Wahrheit Kühnheit und Redlichkeit verdross die Königin Lügen dermaßen / dass sie alsbald Befehl gab / den Wirt außzu zahlen.
de
de
de
1
5.6177
albertinus_landtstoertzer01_1615
563
1,615
Nun reiſte diſe Koͤnigin noch weiter/ vnd kam in ein Statt/ die gehoͤrte einer Frawen zu/ namens Murmuratio, die war der Koͤnigin gꝛoſſe Freundin/ zohe jhꝛ ſambt jren maͤchtigen Landtſaͤſſen/ fauoriten vnnd Hoſgeſindt entgegen/ die hieſſen Superbia, Traditio, dolus, gula, ingratitudo, malitia, odium, accidia, pertinatia, vindicta, Inuidia, iniuria, ſtultitia, vana gloria, &c. Darneben erbotte ſie ſich ſie zu beherbergen/ das bewilligte nun die Koͤnigin/ doch mit dem Beding/ daß ſie ſich ſelbſt verzehren wolte.
Nun reiste diese Königin noch weiter / und kam in ein Statt / die gehörte einer Frauen zu / namens Murmuratio, die war der Königin große Freundin / zog ihr samt ihren mächtigen Landtsässen / Favoriten und Hofgesinde entgegen / die hießen Superbia, Traditio, dolus, gula, ingratitudo, malitia, odium, accidia, pertinatia, vindicta, Inuidia, iniuria, stultitia, vana gloria, & c. Daneben erbot sie sich sie zu beherbergen / das bewilligte nun die Königin / doch mit dem Beding / dass sie sich selbst verzehren wollte.
de
de
de
1
4.8436
albertinus_landtstoertzer01_1615
564
1,615
Jhr Prouiantmeiſter Sollicitudo vnnd der Schaffner Inconſtantia trachteten nach den Speiſen/ die wurden von allen orten her vberfluͤſſig herzugebracht/ vnd auffkaufft.
Ihr Proviantmeister Sollicitudo und der Schaffner Inconstantia trachteten nach den Speisen / die wurden von allen Orten her überflüssig herzugebracht / und aufkauft.
de
de
de
1
5.0167
albertinus_landtstoertzer01_1615
565
1,615
Als aber ein jeglicher ſein Gelt begerte/ gab jhnen der Schatzmeiſter zur antwort/ daß er jhnen nichts ſchuldig waͤre/ ſeytemal der Einkauffer allbereit außzahlt hatte:
Als aber ein jeglicher sein Geld begehrte / gab ihnen der Schatzmeister zur Antwort / dass er ihnen nichts schuldig wäre / sintemal der Einkaufer allbereits auszahlt hatte:
de
de
de
1
5.2072
albertinus_landtstoertzer01_1615
566
1,615
Da erhebte ſich ein groß Getuͤmmel/ vnnd die Koͤnigin Lugen ſelbſt ging herfuͤr vnd ſprach:
Da erhebt sich ein groß Getümmel / und die Königin Lügen selbst ging herfür und sprach:
de
de
de
1
6.0084
albertinus_landtstoertzer01_1615
567
1,615
Jhr gute Freunde/ was begert jhr/ hat man euch doch alle ewre Sachen bezahlet:
Ihr gute Freunde / was begehrt ihr / hat man euch doch alle eure Sachen bezahlet:
de
de
de
1
6.0407
albertinus_landtstoertzer01_1615
568
1,615
Jch ſelbſt habs geſehen/ vnd man hat euch das Gelt geben in beyſein vnnd gegenwertigkeit der Warheit/ dieſelbe moͤget jhr fragen/ ſie kans auch nicht laugnen/ dann es iſt je wahr/ was ich geredt.
Ich selbst habe es gesehen / und man hat euch das Geld geben in Beisein und Gegenwertigkeit der Wahrheit / dieselbe möget ihr fragen / sie kann es auch nicht leugnen / dann es ist je wahr / was ich geredet.
de
de
de
1
5.1564
albertinus_landtstoertzer01_1615
569
1,615
Man ging hin zu der Warheit/ vnnd begerte daß ſie die Warheit ſagen vnnd bekennen ſolte/ aber ſie ſtellte ſich/ als ſchlieffe ſie:
Man ging hin zu der Wahrheit / und begehrte dass sie die Wahrheit sagen und bekennen sollte / aber sie stellte sich / als schliefe sie:
de
de
de
1
4.2009
albertinus_landtstoertzer01_1615
570
1,615
Vnnd ob ſchon man jhr ſtarck in die Ohꝛen ſchrye/ ſo ſtellte ſie ſich doch/ als waͤre ſie ſtumm/ dann ſie foͤrchtete ſich vor der Boßheit jhrer Feinde/ dann wer zu Hof mit der Warheit vmbgehet/ der muß jhꝛer entgelten/ vnd wer das Maul zu weit aufthut/ der muß fort.
Und ob schon man ihr stark in die Ohren schrie / so stellte sie sich doch / als wäre sie stumm / dann sie fürchtete sich vor der Bosheit ihrer Feinde / dann wer zu Hof mit der Wahrheit umgehet / der muss ihrer entgelten / und wer das Maul zu weit auftut / der muss fort.
de
de
de
1
4.2555
albertinus_landtstoertzer01_1615
571
1,615
Noch artlicher aber vnd beſſer wirdt die Warheit dem Nagel eines Jnſtruments/ vnd die Lugen einer Saiten verglichen/ dann wie die Saite einen lieblichen Thon oder Klang hat/ vnd aber der Nagel/ wann er vmbgetriben wirdt/ krachet vnnd ſich ſchwerlich vmbkehꝛet/ aber doch letztlichen je lenger je feſter hafftet/ hergegen die Saite zerſpꝛinget vnd bricht/ alſo ſehen wir/ daß die Warheit nicht anders iſt/ als eben ein ſolcher hoͤltzener nagel vñ dz die Lugẽ nichts anders iſt/ als ein Saite vnnd ob ſchon die Lugen bißweilen den Nage der Warheit dermaſſen trucket/ daß ſie es empfindet vnnd ein Zeichen vberkompt/ ſo muß doch letztlichen die Saite der Lugen zerſprin gen/ aber der Nagel der Warheit bleibt je lenger je feſter im Jnſtrument deß Hofs:
Noch artlicher aber und besser wird die Wahrheit dem Nagel eines Instruments / und die Lügen einer Saiten verglichen / dann wie die Saite einen lieblichen Ton oder Klang hat / und aber der Nagel / wann er umgetrieben wird / krachet und sich schwerlich umkehret / aber doch letztlichen je länger je fester haftet / hingegen die Saite zerspringet und bricht / also sehen wir / dass die Wahrheit nicht anders ist / als eben ein solcher hölzerner nagel und dass die Lugen nichts anders ist / als ein Saite und ob schon die Lügen bisweilen den Nage der Wahrheit dermaßen drückt / dass sie es empfindet und ein Zeichen überkommt / so muss doch letztlichen die Saite der Lügen zersprin gen / aber der Nagel der Wahrheit bleibt je länger je fester im Instrument des Hofs:
de
de
de
1
4.8049
albertinus_landtstoertzer01_1615
572
1,615
O wir offt wirdt zu Hof ein warhaffter vnd redlicher Mann durch die neidige Luͤgner vnd Judasgeſellen ſtaꝛck getruckt/ gepetnigt vnd verfolgt/ aber doch ſihet man jederzeit/ daß die Warheit triumphiret, vnd daß die Lugner letztlichen zerſpringen/ vnnd jhren verdienten Lohn empfahen.
O wir oft wird zu Hof ein wahrhafter und redlicher Mann durch die neidige Lügner und Judasgesellen stark gedruckt / gepeinigt und verfolgt / aber doch sieht man jederzeit / dass die Wahrheit triumphieret, und dass die Lügner letztlichen zerspringen / und ihren verdienten Lohn empfangen.
de
de
de
1
5.5329
albertinus_landtstoertzer01_1615
573
1,615
Wofern ich diſes alles in meiner Jugendt wol verſtanden/ gewuͤſt vnd betracht hette/ ſo wuͤrde es mir nicht ſo gar widerwertig vnnd armſelig ergangen ſein/ dann mein handel vñ wandel war ein lauterer Betrug/ Lugen/ Falſchheit vnnd Buͤberey/ derwegen hatte es keinen beſtandt/ ſonder zerſprang vnnd brach jedesmals:
Sofern ich dieses alles in meiner Jugend wohl verstanden / gewusst und Betracht hätte / so würde es mir nicht so gar widerwärtig und armselig ergangen sein / dann mein Handel und Wandel war ein lauterer Betrug / Lügen / Falschheit und Büberei / derentwegen hatte es keinen Bestand / sonder zersprang und brach jedes Mal:
de
de
de
1
5.3043
albertinus_landtstoertzer01_1615
574
1,615
Jmmerdar vnnd je lenger je mehr gerieth ich von dem einen vnheyl ins ander/ abyſſus enim inuocat abyſſum.
Immerdar und je länger je mehr geriet ich von dem einen Unheil ins ander / abyssus enim inuocat abyssum.
de
de
de
1
5.632
albertinus_landtstoertzer01_1615
575
1,615
Anjetzo bin ich eines Cardinals Edelknab/ vnd Gott geb/ daß es nit bald aͤrger mit mir werde/ dañ vnmuͤglich iſt/ daß die violentirte oder mit gewalt gezwungene ding vnderlaſſen koͤnnen widerumb zu jhrem centro zu gelangen.
Jetzt bin ich eines Kardinals Edelknabe / und Gott gebe / dass es nicht bald ärger mit mir werde / dann unmöglich ist / dass die violentirte oder mit Gewalt gezwungene Ding unterlassen können wiederum zu ihrem centro zu gelangen.
de
de
de
1
5.6265
albertinus_landtstoertzer01_1615
576
1,615
Wie der vngewurtzelte Baum keine fruͤchte traͤgt/ vñ bald verduͤrꝛet/ alſo konte auch ich in meinẽ newen Edelknaben dienſt keine wurtzeln ſetzen noch fruͤchte tragen.
Wie der ungewurzelte Baum keine Früchte trägt / und bald dörret / also konnte auch ich in meinen neuen Edelknaben Dienst keine Wurzeln setzen noch Früchte tragen.
de
de
de
1
5.7645
albertinus_landtstoertzer01_1615
577
1,615
Nit war ich geſinnt wie andere Leuth/ dann man ſagt/ daß/ vmb wie vil mehr die Ehr waͤchſt/ ſie vmb ſo vil deſto mehr begert werde/ aber bey mir befandt ſich das widerſpil/ dann ich verachtete die Ehr eines Edelknabendienſts/ vnnd hatte einen verdruß dran.
Nicht war ich gesinnt wie andere Leute / dann man sagt / dass / um wie viel mehr die Ehre wächst / sie um so viel desto mehr begehrt werde / aber bei mir befand sich das Widerspiel / dann ich verachtete die Ehre eines Edelknabendiensts / und hatte einen Verdruss dran.
de
de
de
1
5.1428
albertinus_landtstoertzer01_1615
578
1,615
Wie es ein vngereimbter Handel waͤre/ wann einer die Fiſch auß dem Waſſer nemme/ vnnd Pfawen drein zieglen wolte/ oder wann einer einen Ochſſen fliegen/ vnnd einer Adler pfluͤgen laſſen wolte/ oder wann einer ein Roß mit Sandt fuͤtern/ vnnd den Habich mit Stroh ſpeiſen wolte/ eben ein ſolche vngereimbtkeit war es auch mit mir/ in deme man auß einem Picaro/ Bernhaͤuter/ Bettler/ vnnd Lodterbuben/ einen Edelknaben machen wolte:
Wie es ein ungereimter Handel wäre / wann einer die Fisch aus dem Wasser nehme / und Pfauen drein Ziegeln wollte / oder wann einer einen Ochsen fliegen / und einer Adler pflügen lassen wollte / oder wann einer ein Ross mit Sandte füttern / und den Habicht mit Stroh speisen wollte / eben ein solche Ungereimtheit war es auch mit mir / in dem man aus einem Picaro / Bärenhäuter / Bettler / und Loterbuben / einen Edelknaben machen wollte:
de
de
de
1
4.7598
albertinus_landtstoertzer01_1615
579
1,615
Dann nunmehr ward ich der Egyptiſchen Fleiſchhaͤfen gewohnt/ mein centrum, dahin ich zielte/ war die Tafern/ der punct meines Circuls oder Rings/ waren die Laſter/ die waren das endt vnnd ziel/ darnach ich ringete/ trachtete vnd mich erfrewte vnnd erluſtigte.
Dann nunmehr wurde ich der ägyptischen Fleischhäfen gewohnt / mein centrum, dahin ich zielte / war die Taverne / der Punkt meines Circuls oder Rings / waren die Laster / die waren das Ende und Ziel / danach ich ringte / trachtete und mich erfreute und erlustigte.
de
de
de
1
5.518
albertinus_landtstoertzer01_1615
580
1,615
Nit ohne iſts/ daß ich mich anfangs fein anließ/ vnd mich ſampt andern meines Herꝛn Edelknaben zim̃lich in den Poſſen wuſte zuſchicken/ dann ich befliſſe mich fuͤrnemblich vnd jnſonderheit deß eylfften Gebotts/ Du ſolt nit fuchsſchwaͤntzlen:
Nicht ohne ist es / dass ich mich anfangs fein anließ / und mich samt anderen meines Herrn Edelknaben ziemlich in den Possen wusste zuschicken / dann ich beflisse mich vornehmlich und in Sonderheit des elften Gebots / Du sollt nicht fuchsschwänzeln:
de
de
de
1
5.8187
albertinus_landtstoertzer01_1615
581
1,615
Vnnd durch diſes mittel gewann vnnd erlangte ich meines Herꝛn deß Cardmals gnad vnnd gunſt dermaſſen/ daß er mich jmmerdar bey ſich haben muſte/ vnnd gleichſamb ohne mich nit ſein kondte.
Und durch dieses Mittel gewann und erlangte ich meines Herrn des Kardinals Gnade und Gunst dermaßen / dass er mich immerdar bei sich haben musste / und gleichsam ohne mich nicht sein konnte.
de
de
de
1
4.8554
albertinus_landtstoertzer01_1615
582
1,615
Darneben aber ſtach ich jhm heimblich alles auff/ was ich ſo wol in der Statt Rom/ als auch in ſeinem Hauſe ſahe vnd hoͤrte.
Daneben aber stach ich ihm heimlich alles auf / was ich sowohl in der Stadt Rom / als auch in seinem Hause sah und hörte.
de
de
de
1
4.307
albertinus_landtstoertzer01_1615
583
1,615
Das wuſte ich auch bißweilen dermaſſen zu exaggeriren vnd zuuermehꝛen/ daß es ein luſt war/ aber weil meine ſachen auf Lugen vnd betrug fundirt waren/ ſo hatte es keinen beſtandt mit mir/ dann erſtlich kondte ich mein angebornes ſtehlen nicht laſſen/ nichts war ſicher vor mir: Meines Herꝛn Gelt vnd Kleinoder waren mir nicht zu gut/ vnnd der andern Edelknaben meiner Mitgeſellen Kleyder vnnd Gewandt verſchmahete ich nicht/ ſonder ſchiebte es alles ein/ verkauffte es/ vnnd loͤſte Gelt drauß: Sie waren von Natur faul/ hinlaͤſſig vnnd vnauffmercklich/ aber ich machte ſie munter/ vnd verurſachte/ daß ſie jhr Gewandt/ Kraͤß/ Hembder/ Struͤmpff/ Huͤt/ Schuch/ vnnd dergleichen etwas fleiſſiger aufhebten vnd einſperten/ dañ wann ſie es nur ein wenig vergaſſen vnd ligen lieſſen/ ſo ſahens jhꝛe Augen nimmer.
Das wusste ich auch bisweilen dermaßen zu exaggerieren und zuvermehren / dass es ein Lust war / aber weil meine Sachen auf Lügen und betrug fundiert waren / so hatte es keinen Bestand mit mir / dann erstlich konnte ich mein angeborenes stehlen nicht lassen / nichts war sicher vor mir: Meines Herrn Geld und Kleinod waren mir nicht zu gut / und der anderen Edelknaben meiner Mitgesellen Kleider und gewandt verschmachte ich nicht / sonder schiebt es alles ein / verkaufte es / und löste Geld daraus: Sie waren von Natur faul / hinlässig und vnauffmercklich / aber ich machte sie munter / und verursachte / dass sie ihr Gewandt / Kress / Hemde / Strümpfe / Hüte / Schuh / und dergleichen etwas fleißiger aufhoben und einsperrten / dann wann sie es nur ein wenig vergaßen und liegen ließen / so sahen ihre Augen nimmer.
de
de
de
1
4.8184
albertinus_landtstoertzer01_1615
584
1,615
Einsmals brachte ich meines Herꝛn vergulten ſchluͤſſel zum Confect Kaſten zu wegen/ denſelben truckte ich ins Wachs ab/ ging darmit zum Schloſſer/ ließ einen darnach machen/ ſperte den Kaſten bißweilen auff/ vnnd labte mich mit dem beſten darin verhandenen confect, das trib ich ſo lang/ biß man einmals ein ſonderbares ſtuck oder Geſtadel mit Zucker- Roſat mengelte/ vnd merckte/ daß ein falſcher Schluͤſſel verhanden ſein muͤſte:
Einsmals brachte ich meines Herrn vergüldeten schlüssel zum Konfekt Kasten zu wegen / denselben druckte ich ins Wachs ab / ging damit zum Schlosser / ließ einen danach machen / sperrte den Kasten bisweilen auf / und labte mich mit dem besten darin vorhandenen Konfekt, das trieb ich so lang / bis man einmals ein sonderbares Stück oder Gestadel mit Zucker-Rosat mangelte / und merkte / dass ein falscher Schlüssel vorhanden sein müsste:
de
de
de
1
5.5678
albertinus_landtstoertzer01_1615
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Dannenhero inquirirte man ſehr ſtarck bey allen Dienern vnd ſonderlich bey vns Edelknaben/ nichts aber befandt ſich damals/ ſonder als mein Herꝛ auff ein zeit etliche Herꝛn zu Gaſt hatte/ vnd etwz lenger zu Tiſch ſaß/ vnd conuerſirte, ſtund er vnuerſehens auff/ ging in ſein Schlafkammer vnnd wolte ſein Waſſer abſchlagen/ da erwiſchte er mich beym Confect Kaſten ſtehen/ vnd weydlich ſchlecken:
Dannenher inquirierte man sehr stark bei allen Dienern und sonderlich bei uns Edelknaben / nichts aber befand sich damals / sonder als mein Herr auf ein Zeit etliche Herrn zu Gast hatte / und etwas länger zu Tisch saß / und conuersirte, stand er unversehens auf / ging in sein Schlafkammer und wollte sein Wasser abschlagen / da erwischte er mich beim Konfekt Kasten stehen / und weidlich schlecken:
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albertinus_landtstoertzer01_1615
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Er fragte mich/ was ich da machte?
Er fragte mich / was ich da machte?
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