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21.8
albertinus_landtstoertzer01_1615
689
1,615
Capvt XIX.
Capvt XIX.
en
en
ca
0
8.7033
albertinus_landtstoertzer01_1615
690
1,615
Guſman erzehlt ferꝛner/ was geſtalt er auch wegen ſeines ſpilens vom Cardinal beurlaubt/ vnnd widerumb in deß Frantzoͤſiſchen Geſandten dienſt angenommen worden/ was er auch bey demſelben fuͤr artliche boſſen geriſſen.
Gusman erzählt ferner / was Gestalt er auch wegen seines Spielens vom Kardinal beurlaubt / und wiederum in des französischen Gesandten Dienst angenommen worden / was er auch bei demselben für artliche bösen gerissen.
de
de
de
1
6.7452
albertinus_landtstoertzer01_1615
691
1,615
VJl gute gelegenheiten hatte ich Gottsfuͤrchtig vnnd andaͤchtig zu ſeyn/ aber es war vnſere andacht ſehr klein/ vnnd ich ſahe/ daß das Sprichwort:
Viel gute Gelegenheiten hatte ich gottesfürchtig und andächtig zu sein / aber es war unsere Andacht sehr klein / und ich sah / dass das Sprichwort:
de
de
de
1
4.2787
albertinus_landtstoertzer01_1615
692
1,615
Je naͤhender Rom/ je aͤrger Chriſt: wahr iſt/ vnnd daß die jenigen/ ſo die beſte Gelegenheit zur Gottsforcht haben/ am aller Gottloſeſten ſeindt.
Je nähender Rom / je ärger Christ: wahr ist / und dass diejenigen / so die beste Gelegenheit zur Gottsfurcht haben / am aller Gottlosesten sind.
de
de
de
1
5.9599
albertinus_landtstoertzer01_1615
693
1,615
Dann wann wir Edelknaben Kirchfahrten gingen/ thaten wir nichts anders/ als newe Maͤrlein auffklauben vñ erzehlen/ vnd vnderwegs die Tafernen beſuchen vnnd ſpilen:
Dann wann wir Edelknaben Kirchfahrten gingen / taten wir nichts anders / als neue Märchen aufklauben und erzählen / und unterwegs die Tavernen besuchen und spielen:
de
de
de
1
5.7329
albertinus_landtstoertzer01_1615
694
1,615
Bey der Nacht aber lieffen wir auff den gaſſen vmb vnd bulten.
Bei der Nacht aber liefen wir auf den Gassen um und buhlten.
de
de
de
1
4.9345
albertinus_landtstoertzer01_1615
695
1,615
Diſes Leben fuͤhrte ich ſo lang/ biß mir der Barth anfing herfuͤr zu ſtechen/ fuͤꝛnem̃lich vnd inſonderheit aber ergab ich mich dem ſpilen allerdings/ zumaln ala primera.
Dieses Leben führte ich so lang / bis mir der Barth anfing herfür zu stechen / vornehmlich und in Sonderheit aber ergab ich mich dem spielen allerdings / zumal ala Primera.
de
de
de
1
6.4307
albertinus_landtstoertzer01_1615
696
1,615
O was fuͤr ſchoͤne ſtuͤckel falſchheiten vnd betrug lernete ich im ſpilen? nichts vnderließ ich zu lernen/ was ein Spitzbub wiſſen vnnd koͤnnen ſoll:
O was für schöne stückel Falschheiten und betrug lernte ich im Spielen? nichts unterließ ich zu lernen / was ein Spitzbub wissen und können soll:
de
de
de
1
6.6979
albertinus_landtstoertzer01_1615
697
1,615
Dardurch aber verſaumbte ich nicht allein vilmals meinen dienſt/ ſonder verſpilte auch alles/ was ich hatte:
dadurch aber versäumte ich nicht allein vielmals meinen Dienst / sonder verspielte auch alles / was ich hatte:
de
de
de
1
5.5802
albertinus_landtstoertzer01_1615
698
1,615
Einsmals bliben alle meine Leibskleyder im ſtich/ derwegen dorffte ich auß meinem Loſament nicht gehen/ noch zum dienſt kom̃en: Mein Herꝛ mengelte meiner alsbald/ vnd erfuhr alles/ wie es mir ergangen war:
Einsmals blieben alle meine Leibskleider im Stich / derentwegen durfte ich aus meinem Losament nicht gehen / noch zum Dienst kommen: Mein Herr mangelte meiner alsbald / und erfuhr alles / wie es mir ergangen war:
de
de
de
1
5.2307
albertinus_landtstoertzer01_1615
699
1,615
Er hatte ein mitleyden mit meiner ſo gar boͤſen eygenſchafft/ vnuerſchambkeit vnd hartneckigkeit/ vnd gab befelch/ daß man mich widerumb kleyden/ vnd fort ziehen laſſen ſoll.
Er hatte ein mitleiden mit meiner so gar bösen Eigenschaft / Unverschämtheit und Hartnäckigkeit / und gab Befehl / dass man mich wiederum kleiden / und fort ziehen lassen soll.
de
de
de
1
4.7905
albertinus_landtstoertzer01_1615
701
1,615
Dann ob ich mich ſchon etliche tag bey meinẽ guten freunden vñ Bruͤdern auffhielt/ ſo wurden ſie doch meiner bald muͤd/ vnd zeigten mir das Kuͤhefenſter/ ſeytemal ich kein Gelt hatte.
Dann ob ich mich schon etliche tag bei meinen guten freunden und Brüdern aufhielt / so wurden sie doch meiner bald müde / und zeigten mir das Kühefenster / sintemal ich kein Geld hatte.
de
de
de
1
5.2195
albertinus_landtstoertzer01_1615
702
1,615
Da fing das Elendt widerumb bey mir an zu regieren/ keinen einigen Baum kondte ich finden/ der mir einen Schatten hette geben/ der Hunger ward ſo gar gꝛoß bey mir/ daß ich ſambt jenem verloꝛnen Sohn gar gern mit deß Herꝛn Cardinals Schweinen auß jhrem Trog geſſen/ vnd mich mit jhren Kleiben erſaͤttiget hette.
Da fing das Elend wiederum bei mir an zu regieren / keinen einigen Baum konnte ich finden / der mir einen Schatten hätte geben / der Hunger wurde so gar groß bei mir / dass ich samt jenem verlorenen Sohn gar gern mit des Herrn Kardinals Schweinen aus ihrem Trog gegessen / und mich mit ihren Kleiben ersättiget hätte.
de
de
de
1
5.443
albertinus_landtstoertzer01_1615
703
1,615
Letztlichen nam ich mein Zuflucht zu der Frantzoͤſiſchen Bottſchafft oder Geſandten/ der meines Herꝛn deß Cardinals ſeligen gar guter Freund geweſt/ vnnd mich bey jhm wol gekennt hatte.
Letztlich nahm ich mein Zuflucht zu der französischen Botschaft oder Gesandten / der meines Herrn des Kardinals seligen gar guter Freund gewesen / und mich bei ihm wohl gekannt hatte.
de
de
de
1
6.1909
albertinus_landtstoertzer01_1615
704
1,615
Diſer Herꝛ nam mich auff/ vnd hielt mich wol/ aber mit einem vnderſchidlichen intent, dann der Cardinal ſahe allzeit auff meinen nutz/ heyl vnd wolfahrt/ aber der Geſandte ſahe nur auff ſeinen luſt/ dann er erluſtigte ſich mit den boſſen vnd kurtzweiligkeiten/ die ich jhm vorſagte/ vnnd mit den Bottſchafften/ die ich jm hin vnd wider bey groſſen Herꝛn vnd ſchoͤnen Frawen außrichtete.
Dieser Herr nahm mich auf / und hielt mich wohl / aber mit einem unterschiedlichen Intent, dann der Kardinal sah allzeit auf meinen Nutz / Heil und Wohlfahrt / aber der Gesandte sah nur auf seinen Lust / dann er erlustigte sich mit den bösen und Kurzweiligkeiten / die ich ihm vorsagte / und mit den Botschaften / die ich ihm hin und wieder bei großen Herrn und schönen Frauen ausrichtete.
de
de
de
1
5.025
albertinus_landtstoertzer01_1615
705
1,615
Er gab vñ benente mir keinen eigentlichen dienſt noch Beſoldung ſonder ich diente jhm generaliter, vnnd er belohnte mich generaliter, dann man hielt mich gleichſamo fuͤr ſeinen Schalcksnarꝛen vnd Kupler:
Er gab und benennte mir keinen eigentlichen Dienst noch Besoldung sonder ich diente ihm generaliter, und er belohnte mich generaliter, dann man hielt mich gleichsam für seinen Schalksnarren und Kuppler:
de
de
de
1
5.6101
albertinus_landtstoertzer01_1615
706
1,615
Wann auch er Gaͤſt hatte/ brauchte er mich fuͤr ein Auffwarter vnnd kurtzweiligen Tiſchrath:
Wann auch er Gäste hatte / brauchte er mich für ein Aufwarter und kurzweiligen Tischrat:
de
de
de
1
6.3063
albertinus_landtstoertzer01_1615
707
1,615
Vnd weil bißweilen ſich etliche vngeſchickte/ grobe vngeſchmackige vnd vnannembliche Geſellen vnnd Knoͤpff ſelbſt zu Gaſt luden/ vnnd vnberuffen kamen/ ſo erwiſe ich denſelbigen allerhandt Poſſen/ dann etliche ließ ich ohne Tranck ſitzen/ vnnd gewehnte ſie wie die duͤrꝛe Melonen: andern gab ich nur gar wenig zu trincken auß gar kleinen Glaͤſern: andern gab ich den gewaͤſſerten Wein/ vnnd andern einen gar warmen Wein.
Und weil bisweilen sich etliche ungeschickte / grobe ungeschmackige und unannehmliche Gesellen und Knöpf selbst zu Gast luden / und unberufen kamen / so erwiese ich denselbigen allerhand Possen / dann etliche ließ ich ohne Trank sitzen / und gewähnte sie wie die dürre Melonen: Anderen gab ich nur gar wenig zu trinken aus gar kleinen Gläsern: Anderen gab ich den gewässerten Wein / und anderen einen gar warmen Wein.
de
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de
1
5.2505
albertinus_landtstoertzer01_1615
708
1,615
Wann ich vermerckte/ daß jhnen ein Speiſe wol ſchmeckte/ ſo ruckte ich die Schuͤſſel von jnen hinweg/ vnnd ſetzte jhnen was anders vngeſchmackiges fuͤr:
Wann ich vermerkte / dass ihnen ein Speise wohl schmeckte / so ruckte ich die Schüssel von ihnen hinweg / und setzte ihnen was anders ungeschmackiges für:
de
de
de
1
5.3602
albertinus_landtstoertzer01_1615
709
1,615
Allerhandt mittel erſann ich/ damit jhnen die Mahlzeit vbel bekaͤme/ vnd ſie nit vrſach hetten wider zu kommen.
Allerhand Mittel ersann ich / damit ihnen die Mahlzeit übel bekäme / und sie nicht Ursache hätten wieder.
de
de
de
1
6.1487
albertinus_landtstoertzer01_1615
710
1,615
Einsmals erſchinen neun Perſonen/ vnd als man gleich zu Tiſch ſitzen ſolte/ kam ein wolbekandter Schmorotzer/ vnnd wolte ſich gleichfals zum eſſen laden/ vnangeſehen der Tiſch allbereit wol beſetzt war/ da ging ich zu jhm vnnd ſprach:
Einsmals erschienen neun Personen / und als man gleich zu Tisch sitzen sollte / kam ein wohlbekannter Schmarotzer / und wollte sich gleichfalls zum Essen laden / unangesehen der Tisch allbereits wohl besetzt war / da ging ich zu ihm und sprach:
de
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de
1
4.8269
albertinus_landtstoertzer01_1615
711
1,615
Herꝛ/ jhr ſollet wiſſen/ daß mein Herꝛ der Geſandte niemaln vber neun Perſonen ſetzet/ derwegen will ich hingehen vnd die verhandene Perſonen abzehlen.
Herr / ihr sollet wissen / dass mein Herr der Gesandte niemals über neun Personen setzet / derentwegen will ich hingehen und die vorhandene Personen abzählen.
de
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de
1
5.5788
albertinus_landtstoertzer01_1615
713
1,615
Aber er antwortet vnnd ſprach: Du haſt gejrꝛt/ gehe hin/ vnnd zehle ſie noch einmal/ aber an mir muſtu anfahen/ ſo wirſtu befinden/ daß ich kein vbriger bin.
Aber er antwortet und sprach: Du hast geirrt / gehe hin / und zähle sie noch einmal / aber an mir musst du anfangen / so wirst du befinden / dass ich kein übriger bin.
de
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de
1
4.5711
albertinus_landtstoertzer01_1615
714
1,615
Deſſen muſte ich gleich lachen/ vnd jhne paſſiren laſſen.
Dessen musste ich gleich lachen / und ihn passieren lassen.
de
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fr
0.667
5.2663
albertinus_landtstoertzer01_1615
715
1,615
Zu einer andern zeit kam ein Spaniſcher Soldat zu mittag/ als mein Herꝛ der Geſanle eſſen wolte/ ging in den Saal zu jhm vnnd ſprach: Herꝛ/ ich bin ein Soldat vnd ein fuͤrnemmer Cauallero vnnd Cordua, befinde mich aber anjetzo bloß an Gelt/ vnnd bin geſchoſſen worden mit dem Pfeil der Armut/ derwegen bitte ich vmb ein Ritterzehrung?
Zu einer anderen Zeit kam ein spanischer Soldat zu mittag / als mein Herr der Gesandte essen wollte / ging in den Saal zu ihm und sprach: Herr / ich bin ein Soldat und ein fürnehmer Cauallero und Cordua, befinde mich aber jetzt bloß an Geld / und bin geschossen worden mit dem Pfeil der Armut / derentwegen bitte ich um ein Ritterzehrung?
de
de
de
1
5.263
albertinus_landtstoertzer01_1615
716
1,615
Der Geſandt griffe in ſeinen Beutel/ zohe etliche Ducaten herauß/ vnnd gab jhms: Der Cauallero war aber damit nit vernuͤgt/ ſonder erzehlte dem Geſandten wer er waͤre/ vnd in was fuͤr Feldtſchlachten vnd impreſen er ſich befunden Als auch der Geſandt zu Tiſch ging/ ſetzte ſich diſer Cauallero gleichfalls hinzu.
Der Gesandte griffe in seinen Beutel / zog etliche Dukaten heraus / und gab ihms: Der Cauallero war aber damit nicht vergnügt / sonder erzählte dem Gesandten wer er wäre / und in was für Feldschlachten und Impressen er sich befunden Als auch der Gesandte zu Tisch ging / setzte sich dieser Cauallero gleichfalls hinzu.
de
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de
1
5.2797
albertinus_landtstoertzer01_1615
717
1,615
Jch ging damals vmb die Speiſen hinauß/ vnnd ſahe zwen andere Spanier herein gehen/ vnnd als dieſelbigen diſen Soldaten oder Cauallero ſahen am Tiſch ſitzen/ ſprachen ſie zu einander:
Ich ging damals um die Speisen hinaus / und sah zwei andere Spanier hereingehen / und als dieselbigen diesen Soldaten oder Cauallero sahen am Tisch sitzen / sprachen sie zueinander:
de
de
de
1
5.3561
albertinus_landtstoertzer01_1615
718
1,615
Jſt dann das nit ein klaͤglicher handel/ daß vns diſer Schwarack vnd Bernhaͤuter aller orten den weg ablauffet:
Ist dann das nicht ein kläglicher handel / dass uns dieser Schwarack und Bärenhäuter aller Orten den weg ablaufet:
de
de
de
1
6.1541
albertinus_landtstoertzer01_1615
719
1,615
Als ich das hoͤrte/ ging ich zu jhnen vnnd ſprach:
Als ich das hörte / ging ich zu ihnen und sprach:
de
de
de
1
3.6528
albertinus_landtstoertzer01_1615
720
1,615
Jhr Herꝛn/ kennet jhꝛ diſen Cauallero?
Ihr Herrn / kennet ihr diesen Cauallero?
en
cs
ku
0
6.676
albertinus_landtstoertzer01_1615
721
1,615
Sie antwoꝛteten:
Sie antworteten:
de
de
de
1
3.8239
albertinus_landtstoertzer01_1615
722
1,615
Ja/ wir kennen diſen Hudler gar wol/ ſein Vatter hat vns offtermals die Schuch angelegt vnd gepletzt/ ſeinen Schuſter Laden hat er zu Cordua nahe bey vnſer behauſung.
Ja / wir kennen diesen Hudler gar wohl / sein Vater hat uns öftermals die Schuh angelegt und gepletzt / seinen Schuster Laden hat er zu Cordua nahe bei unser Behausung.
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lb
0.667
6.6948
albertinus_landtstoertzer01_1615
723
1,615
Zu erbarmen vñ ein ſchand iſts/ daß/ wann vnſer zwantzig Caualleri in Jtalien ziehen/ alsdann hundert heyloſe Leut/ wie diſer einer iſt/ mitkommen/ vnd jnen gleich ſein woͤllen/ dann weil ſie wiſſen/ daß man ſie nit kennet/ ſo vermeinen ſie/ daß/ wann ſie nur jhꝛen Knoͤbelbarth ſtreichen/ vnnd vil Federn auffſetzen/ ſie dardurch den Adel vnd dapfferkeit allbereit erlangt haben/ vnangeſehen ſie letze Lettfeigen vnd verzagte Hennen ſeind/ vñ niemaln kein fliegendes Faͤndel geſehen haben/ dann nicht die Federn vnd Knoͤbelbaͤrth/ ſonder die Hertzen vñ Maͤñer muͤſſen ſtreiten.
Zu erbarmen und ein Schande ist es / dass / wann unser zwanzig Caualleri in Italien ziehen / alsdann hundert heillose Leute / wie dieser einer ist / mitkommen / und ihnen gleich sein wollen / dann weil sie wissen / dass man sie nicht kennet / so vermeinen sie / dass / wann sie nur ihren Knobelbart streichen / und viel Federn aufsetzen / sie dadurch den Adel und Tapferkeit allbereits erlangt haben / unangesehen sie letzte Lettefeigen und verzagte Hennen sind / und niemals kein fliegendes Fändel gesehen haben / dann nicht die Federn und Knöbelbärth / sonder die Herzen und Männer müssen streiten.
de
de
de
1
5.3458
albertinus_landtstoertzer01_1615
724
1,615
Darmit gingen ſie hinweg.
Damit gingen sie hinweg.
de
de
de
1
5.7562
albertinus_landtstoertzer01_1615
725
1,615
Jch aber ſchoͤpffte allerhand nachgedencken drauß/ hielt eben ſo vil von jhnen/ als dem andern vnuerſchamten Geſellen/ der an meines Herꝛn Tiſch ſaß/ derwegen vberkam ich einen luſt/ jhm einen poſſen zu reiſen: vnd als er zu trincken begerte (dann in Hiſpanien ſetzet man keine Glaͤſer mit Wein auff den Tiſch/ wie in Teutſchlandt/ ſonder wer da begert zu trincken/ der mags fordern vnnd begeren) gab er mir ein zeichen mit der Handt/ oder mit den Augen:
Ich aber schöpfte allerhand nachgedenken daraus / hielt ebenso viel von ihnen / als dem anderen unverschämten Gesellen / der an meines Herrn Tisch saß / derentwegen überkam ich einen Lust / ihm einen Possen zu reisen: und als er zu trinken begehrte (dann in Hispanien setzet man keine Gläser mit Wein auf den Tisch / wie in Deutschland / sonder wer da begehrt zu trinken / der mag es fordern und Begehren) gab er mir ein Zeichen mit der Hand / oder mit den Augen:
de
de
de
1
5
albertinus_landtstoertzer01_1615
726
1,615
Jch aber verwendete meine Augen anderſtwohin/ oder ſtelte mich/ als ſehe ichs nit/ weil dann er vermerckte daß man keinen luſt hatte jhme einzuſchencken/ ſo ſprach er zum Geſandten:
Ich aber verwendete meine Augen anderswohin / oder stellte mich / als sehe ich es nicht / weil dann er vermerkte dass man keinen Lust hatte ihm einzuschenken / so sprach er zum Gesandten:
de
de
de
1
4.9842
albertinus_landtstoertzer01_1615
727
1,615
Ob wol es villeicht ein vermeſſenheit ſein moͤchte/ daß ich mich an eine Taſel geſetzt/ ſo bin ich doch deſſen/ wegen meines adelichen Geſchlechts vnd dapferen verhaltens im Kriegsweſen/ wol wuͤrdig/ derwegen bitte ich/ jhr woͤllet Beuelch geben/ daß man mir einſchencke/ dann diſer Spanier ewer Diener hat mich nit verſtanden/ vnangeſchen ichs begert hab.
Ob wohl es vielleicht ein Vermessenheit sein möchte / dass ich mich an eine Tafel gesetzt / so bin ich doch dessen / wegen meines adeligen Geschlechts und tapferen Verhaltens im Kriegswesen / wohl würdig / derentwegen bitte ich / ihr wollt Befehl geben / dass man mir einschenke / dann dieser Spanier euer Diener hat mich nicht verstanden / unangesehen ich es begehrt habe.
de
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de
1
4.8099
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728
1,615
Da befalch gleich wol mein Herꝛ vns/ daß wir jhm zutrincken geben ſolten/ aber ich ſchwur jhm heimblich einen Eydt/ daß ich jhne außzahlen wolte:
Da befahl gleich wohl mein Herr uns / dass wir ihm zutrinken geben sollten / aber ich schwor ihm heimlich einen Eid / dass ich ihn auszahlen wollte:
de
de
de
1
5.1959
albertinus_landtstoertzer01_1615
729
1,615
Derwegen ſetzte ich jhm ein gar kleines Glaß mit wolgewaͤſſertem Wein fuͤr/ mit welchem er den Durſt nicht loͤſchen koͤndte.
Derentwegen setzte ich ihm ein gar kleines Glas mit wohlgewässertem Wein für / mit welchem er den Durst nicht löschen könnte.
de
de
de
1
5.8852
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730
1,615
Er vermerckte auch/ daß ſo wol ich als meine andere Mitgeſellen vnnd auffwarter vnſere Augen vnnd Geſichter von jhm abwendeten/ vnnd jhne nicht anſchawen wolten? damit wir nicht Vrſach hetten/ jhme einzuſchencken/ derwegen verluhre er letztlichen die Gedult/ ſtunde vom Tiſch auff/ vnnd ſprach zu meinem Herꝛen dem Geſandten:
Er vermerkte auch / dass so wohl ich als meine andere Mitgesellen und Aufwarter unsere Augen und Gesichter von ihm abwendeten / und ihn nicht anschauen wollten? damit wir nicht Ursache hätten / ihm einzuschenken / derentwegen verlor er letztlichen die Geduld / stand vom Tisch auf / und sprach zu meinem Herren dem Gesandten:
de
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de
1
5.2934
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731
1,615
Herꝛ verzeyhet mirs/ ich muß hingehen vnnd trmcken:
Herr verzeihet mir es / ich muss hingehen und trinken:
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1
7.2254
albertinus_landtstoertzer01_1615
732
1,615
Folgendts ging er zum Schencktiſch/ ſchenckte jhm ſelbſt ein groß maͤchtiges Glaß mit Wein ein/ loͤſchte ſeinen durſt/ nam ſeinen Hut ab/ thate ſein Reuerentz vnnd ging hinweg ohne einiges reden oder vrlaub nemmen.
Folgend ging er zum Schenktisch / schenkte ihm selbst ein großmächtiges Glas mit Wein ein / löschte seinen Durst / nahm seinen Hut ab / tat sein Reverenz und ging hinweg ohne einiges reden oder Urlaub nehmen.
de
de
de
1
5.6748
albertinus_landtstoertzer01_1615
733
1,615
Deſſen lachte der Geſandt/ vnnd ſprach zu mir: Guſmaͤndl/ diſer Soldat iſt dir vnnd deinem Vatterlandt gleich/ allda man alles mit Hoffart trutzen vnnd bochen hinauß fuͤhret.
Dessen lachte der Gesandte / und sprach zu mir: Gusmändl / dieser Soldat ist dir und deinem Vaterland gleich / allda man alles mit Hoffart trutzen und bogen hinausführt.
de
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de
1
5.6441
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734
1,615
Sonſten war noch ein Engellaͤnder verhanden/ der gab ſich fuͤr meines Herꝛn Blutsverwandten auß/ vnnd kam ſchter taͤglich zu jhm zum eſſen.
Sonsten war noch ein Engländer vorhanden / der gab sich für meines Herrn Blutsverwandten aus / und kam schier täglich zu ihm zum Essen.
de
de
de
1
5.1795
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735
1,615
Weil er aber ein vngeſchmackiger/ vngelegener vnnd vnannemblicher Mann war/ ſo hatte mein Herꝛ einen verdruß an jhm/ das merckte ich/ vnd als derwegen man einsmals waidlich zechte/ vnnd der Wein jhm das Hirn allerdings eingenommen hatte/ fing er an mich zu vexiren/ vñ wegen meiner kleinen Perſon/ zu verſpotten/ vnnd ſagte/ daß der Bapſt im werck vnd vorhabens were/ die kleine Maͤndl zu lauter Puluerflaſchen zu brauchen/ das empfandt ich/ nam einen Strick/ kroche heimlich vnder den Tiſch/ band jhm den Fuß an den Seſſel/ vnd an Tiſch:
Weil er aber ein ungeschmackiger / ungelegener und unannehmlicher Mann war / so hatte mein Herr einen Verdruss an ihm / das merkte ich / und als derentwegen man einsmals weidlich zechte / und der Wein ihm das Hirn allerdings eingenommen hatte / fing er an mich zu vexieren / und wegen meiner kleinen Person / zu verspotten / und sagte / dass der Papst im Werk und Vorhabens wäre / die kleine Mandl zu lauter Pulverflaschen zu brauchen / das empfand ich / nahm einen Strick / kroch heimlich unter den Tisch / band ihm den Fuß an den Sessel / und an Tisch:
de
de
de
1
4.7579
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736
1,615
Folgendts beſtellte ich durch meiner Geſellen einen/ daß er vnuerſehens herein zu der Tafel lieffe vnnd ſchrye:
Folgend bestellte ich durch meiner Gesellen einen / dass er unversehens herein zu der Tafel lief und schrie:
de
de
de
1
6.1665
albertinus_landtstoertzer01_1615
737
1,615
Jhꝛ Herꝛen/ es brint/ es brint: deſſen erſchracken die Gaͤſt/ ſprangen vom Tiſch auff/ vnnd wolte ein jeglicher der erſt beym Fewr ſeyn: Mein ſchoͤner Engellaͤnder aber fiel ſampt dem Seſſel vber vnnd vber/ zohe den Tiſch nach ſich/ vnnd beſchaͤdigte ſich dermaſſen im Geſicht/ daß er vberall ein lauters Blut war.
Ihr Herren / es brennt / es brennt: Dessen erschraken die Gäste / sprangen vom Tisch auf / und wollte ein jeglicher der erst beim Feuer sein: Mein schöner Engländer aber fiel samt dem Sessel über und über / zog den Tisch nach sich / und beschädigte sich dermaßen im Gesicht / dass er überall ein lauteres Blut war.
de
de
de
1
5.2886
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738
1,615
Nun hatte auch mein Herꝛ der Geſandt einen groſſen ſtarcken ſehr ſchwartzen Mohꝛen/ der diente in der Kuchel/ denſelben beſtellte ich/ daß er mit einer Hellebarten vnuerſehens auff jhne zu lieff/ vnd ſich ſtelte/ als wolte er jhne erſtechen: deſſen erſchrack der Engellender noch mehr/ vermeinte/ daß es der Teuffel waͤre/ lieff derwegen vor jhm auff ſeine Knye nider/ vnd ſprach mit auffgehabenen Haͤnden:
Nun hatte auch mein Herr der Gesandte einen großen starken sehr schwarzen Mohren / der diente in der Küche / denselben bestellte ich / dass er mit einer Hellebarden unversehens auf ihn zu lief / und sich stellte / als wollte er ihn erstechen: Dessen erschrak der Engländer noch mehr / vermeinte / dass es der Teufel wäre / lief derentwegen vor ihm auf seine Knie nieder / und sprach mit aufgehobenen Händen:
de
de
de
1
4.751
albertinus_landtstoertzer01_1615
739
1,615
O ſancte Diabole, miſerere mei, O heiliger Teuffel/ erbarme dich meiner.
O sancte Diabole, miserere mei, O heiliger Teufel / erbarme dich meiner.
de
de
fy
0.667
4.5711
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740
1,615
Seyther derſelben zeit kam diſer Engellaͤnder nimmer zum eſſen.
Seither derselben Zeit kam dieser Engländer nimmer zum Essen.
de
de
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1
5.9853
albertinus_landtstoertzer01_1615
741
1,615
Noch einen andern vngeſchmackigen taͤglichen Gaſt oder Schmarotzer hatte der Geſandt/ der war ein Aduocat vnd beyder rechten Doctor/ ſpilte jmmerdar mit meinem Herꝛn/ vnd gewann jhm vil Gelts ab/ der fragte mich einsmals vber Tiſch/ was doch die vrſach were/ daß ich ſo glat vmbs Maul were/ vnnd daß mir der Bart nicht wachſe?
Noch einen anderen ungeschmackigen täglichen Gast oder Schmarotzer hatte der Gesandte / der war ein Advokat und beider rechten Doktor / spielte immerdar mit meinem Herrn / und gewann ihm viel Geld ab / der fragte mich einsmals über Tisch / was doch die Ursache wäre / dass ich so glatt ums Maul wäre / und dass mir der Bart nicht wachse?
de
de
de
1
5.0429
albertinus_landtstoertzer01_1615
742
1,615
Jch aber fragte jhne hingegen/ was doch die Vrſach were/ daß er auffm Kopff ſo kahl were? (dann er war kahlkoͤpffig/ vnnd hatte die Frantzoſen etliche mal gehabt)
Ich aber fragte ihn hingegen / was doch die Ursache wäre / dass er aufm Kopf so kahl wäre? (dann er war kahlköpfig / und hatte die Franzosen etliche Mal gehabt)
de
de
de
1
5.6875
albertinus_landtstoertzer01_1615
743
1,615
Er ward ſchamrot/ vnnd wuſte nicht was er darzu ſolte ſagen:
Er wurde schamrot / und wusste nicht was er dazu sollte sagen:
de
de
de
1
5.1437
albertinus_landtstoertzer01_1615
744
1,615
Jch aber halff jm vñ ſpꝛach:
Ich aber half ihm und sprach:
de
en
de
0.667
4.8936
albertinus_landtstoertzer01_1615
745
1,615
Domine Doctor, caluitium non eſt vitiũ, ſed probitatis indiciũ, ſi morbus gallicus nõ fuit initium.
Domine Doktor, caluitium non est vitiu, sed probitatis indiciu, sie morbus gallicus no fuit initium.
la
la
la
0
6.0547
albertinus_landtstoertzer01_1615
746
1,615
Weil ich auch vernommen/ daß ſein Fraw bulte/ ſo fragte ich jhne noch ferꝛner vnnd ſprach:
Weil ich auch vernommen / dass sein Frau buhlte / so fragte ich ihn noch ferner und sprach:
de
de
de
1
5.0268
albertinus_landtstoertzer01_1615
747
1,615
Herꝛ Doctor/ weil jhꝛ hochgelehꝛt ſeyt/ ſo ſagt mir/ an was fuͤr einem Ort deß Menſchlichen Leibs die Haut am aller harteſten ſeye?
Herr Doktor / weil ihr hochgelehrt seid / so sagt mir / an was für einem Ort des menschlichen Leibs die Haut am aller Hartesten sei?
de
de
lb
0.667
5.1485
albertinus_landtstoertzer01_1615
748
1,615
Der Doctor lachet vnd ſagte/ daß ers je nit wiſſe/ aber wofern ichs wiſſe/ ſo moͤchte ers gern von mir vernemmen.
Der Doktor lachet und sagte / dass er es je nicht wisse / aber sofern ich es wisse / so möchte er es gern von mir vernehmen.
de
de
de
1
4.4941
albertinus_landtstoertzer01_1615
749
1,615
Da antwoꝛtet ich vñ ſpꝛach:
Da antwortet ich und sprach:
de
lb
de
0.667
6.1567
albertinus_landtstoertzer01_1615
750
1,615
Ewre Haut iſt nirgents dicker vnd groͤber/ als eben voꝛnen an der Stirn/ dann ob ſchon ewre Fraw euch allbereit vil Jahr lang die Hoͤrner auffgeſetzt/ ſo haben ſie doch niemaln wachſen woͤllen/ welches dann ein zeichen iſt/ daß die Haut an demſelben Ort (nemblich an der Stirn) ſehr hart iſt.
Eure Haut ist nirgends dicker und gröber / als eben vorne an der Stirn / dann ob schon eure Frau euch allbereits viel Jahr lang die Hörner aufgesetzt / so haben sie doch niemals wachsen wollen / welches dann ein Zeichen ist / dass die Haut an demselben Ort (nämlich an der Stirn) sehr hart ist.
de
de
de
1
4.7426
albertinus_landtstoertzer01_1615
751
1,615
Der Doctor lachte/ aber zum eſſen kam er nimmer.
Der Doktor lachte / aber zum Essen kam er nimmer.
de
de
de
1
5.505
albertinus_landtstoertzer01_1615
752
1,615
Diſer geſtallt erlaidete vnnd vertrib ich meinem Herꝛn vil Schmorotzer vnd vnuerſchambte freſſer.
Dieser Gestalt erleidet und vertrieb ich meinem Herrn viel Schmarotzer und unverschämte Fresser.
de
de
de
1
4.5031
albertinus_landtstoertzer01_1615
753
1,615
Capvt XX.
Capvt XX.
en
en
sr
0
10.3769
albertinus_landtstoertzer01_1615
754
1,615
Guſman verlaͤſt den Dienſt der Frantzoͤſiſchen Bottſchafft/ zeucht auß Rom/ vnd wirdt beraubt.
Gusman verlässt den Dienst der französischen Botschaft / zieht aus Rom / und wird beraubt.
de
de
de
1
6.1554
albertinus_landtstoertzer01_1615
755
1,615
DAs Leben bey der Frantzoͤſiſchen Bottſchafft gefil mir nicht/ dann ich hatte einen ſchlechten nutz vnnd gewinn/ aber vil muͤhe vnnd gefahr bey jhm.
Das Leben bei der französischen Botschaft gefiel mir nicht / dann ich hatte einen schlechten Nutz und Gewinn / aber viel Mühe und Gefahr bei ihm.
de
de
de
1
5.7097
albertinus_landtstoertzer01_1615
756
1,615
Dann nit allein war ich ſein Schalcksnarꝛ vnd Brillenreiſſer/ ſondern auch ſein Kupler/ vnnd brachte jhm vil ſchoͤne zarte Fraͤwlein zuwegen/ darbey aber hatte bißweilen auch ich vnnd andere gute Geſellen vnſern theil/ dann man machts keinem anderſt/ die groſſe Herꝛn muͤſſen ſich auch bißweilẽ narꝛen laſſen.
Dann nicht allein war ich sein Schalksnarr und Brillenreisser / sondern auch sein Kuppler / und brachte ihm viel schöne zarte Fräulein zuwegen / dabei aber hatte bisweilen auch ich und andere gute Gesellen unsern Teil / dann man macht es keinem anders / die große Herrn müssen sich auch bisweilen narren lassen.
de
de
de
1
5.7678
albertinus_landtstoertzer01_1615
757
1,615
Einsmals als er an einem Sontag etliche Schreiben auß Franckreich empfangen/ vnnd beym Bapſt audientz haben ſolte/ ging ich im Capitolio ſpatzieren/ vnnd ſahe von vngefahr zween junge Spanier: Wir erkennten alsbald einander am Angeſicht/ vnnd ſie redeten mich in Spaniſcher Sprach an:
Einsmals als er an einem Sonntag etliche Schreiben aus Frankreich empfangen / und beim Papst Audienz haben sollte / ging ich im Capitolio spazieren / und sah von ungefähr zweien junge Spanier: Wir erkennten alsbald einander am Angesicht / und sie redeten mich in spanischer Sprache an:
de
de
de
1
4.9707
albertinus_landtstoertzer01_1615
758
1,615
Deſſen frewete ich mich/ ſamb hette ich zween Engel angetroffen:
Dessen freute ich mich / samt hätte ich zweien Engel angetroffen:
de
de
de
1
6.5706
albertinus_landtstoertzer01_1615
759
1,615
Wir erzehlten emander vnſere Gelegenheit vnnd Zuſtaͤndt/ ich vermerckte auch/ daß ſie wegen jhrer Vnruhe jhr Vatterlandt verlaſſen/ im Niderlaͤndiſchen Krieg gedient/ mit gefahr jhres Lebens entloffen/ vnd voꝛhabens waͤren Rom zu verlaſſen/ derwegen vergliche ich mich mit jhnen/ daß wir mit einander fort ziehen wolten:
Wir erzählten einander unsere Gelegenheit und Zustände / ich vermerkte auch / dass sie wegen ihrer Unruhe ihr Vaterland verlassen / im niederländischen Krieg gedient / mit Gefahr ihres Lebens entlaufen / und Vorhabens wären Rom zu verlassen / derentwegen vergliche ich mich mit ihnen / dass wir miteinander fort ziehen wollten:
de
de
de
1
5.4101
albertinus_landtstoertzer01_1615
760
1,615
Aber doch bate ich ſie/ daß ſie doch mit mir vor meines Herꝛn Loſament vber gehen ſolten/ dann ich woͤlle meinen Wanderbuͤndtel/ darin ein bar Hembder vnnd Kraͤß/ zu mir nemmen: Ja (ſagten ſie) gar gern/ aber ſchaw/ daß du ſonſten noch etwas anders vnd beſſers zu wegen vnd mit bringen moͤgeſt:
Aber doch bat ich sie / dass sie doch mit mir vor meines Herrn Losament übergehen sollten / dann ich wolle meinen Wanderbündel / darin ein bar Hemde und Kress / zu mir nehmen: Ja (sagten sie) gar gern / aber Schaf / dass du sonsten noch etwas anders und besseres zu wegen und mitbringen mögest:
de
de
de
1
6.1019
albertinus_landtstoertzer01_1615
761
1,615
Jch folgte jhrem Rath/ verfuͤgte mich in meines Herꝛn Hofmeiſters Loſament/ vnnd ſahe/ daß er ſich fertig machte/ mit dem Geſandten gen Hof zu gehen/ weil auch er mich jederzeit lieb gehabt/ vñ wol wuſte/ daß mir zu trawen war/ ſo ſprach er zu mir: Du Guſmaͤndl/ ich muß dem Geſandten auffwarten/ derwegen verbleibe du hie im Loſament/ vnnd ſchaw fleiſſig auff/ damit niemand frembder herein komme/ oder etwas verlohren werde:
Ich folgte ihrem Rat / verfügte mich in meines Herrn Hofmeisters Losament / und sah / dass er sich fertig machte / mit dem Gesandten gen Hof zu gehen / weil auch er mich jederzeit lieb gehabt / und wohl wusste / dass mir zu trauen war / so sprach er zu mir: Du Gusmändl / ich muss dem Gesandten aufwarten / derentwegen verbleibe du hie im Losament / und Schaf fleißig auf / damit niemand fremder hereinkomme / oder etwas verloren werde:
de
de
de
1
4.9646
albertinus_landtstoertzer01_1615
762
1,615
Jch antwortet: gar gern wil ichs thun/ kein frembder ſol euch etwas beruͤhren.
Ich antwortet: gar gern will ich es tun / kein fremder soll euch etwas berühren.
de
de
de
1
6.2328
albertinus_landtstoertzer01_1615
763
1,615
Alsbaldt er hin war/ fiſchte ich ſeine beſte Kleider/ Hoſen/ Wambes/ Maͤntel vñ Hembder/ wicklet ſie in ein Leylach/ als waͤre es ein kotiges gewandt/ kam zu meinem geſellen/ ſuchte das Statt Tohr auff Neapolis zu/ vnd theileten die Kleider in drey vnderſchidliche Buͤndtel/ damit wir deſto leichter vnnd geſchwinder gehen vnnd fort kommen moͤchten.
alsbald er hin war / fischte ich seine beste Kleider / Hosen / Wambes / Mäntel und Hemde / wickelt sie in ein Leylach / als wäre es ein kotiges gewandt / kam zu meinem gesellen / suchte das Stadttor auf Neapolis zu / und teilten die Kleider in drei unterschiedliche Bündel / damit wir desto leichter und geschwinder gehen und fort kommen möchten.
de
de
de
1
5.7827
albertinus_landtstoertzer01_1615
764
1,615
Wie nun wir drey Meil wegs fort geloffen waren/ vnnd in ein gehuͤltz kamen/ entſchloſſen wir vns daſelbſt vber nacht zu verbleiben/ wir aſſen vnd trancken was wir bey vns hatten/ erzehlten einander/ wie es vns jederzeit vñ aller orten ergangen war/ vnnd machten vertrewliche Bruͤderſchafft.
Wie nun wir drei Meil Wegs fort gelaufen waren / und in ein Gehölz kamen / entschlossen wir uns daselbst über Nacht zu verbleiben / wir aßen und tranken was wir bei uns hatten / erzählten einander / wie es uns jederzeit und aller Orten ergangen war / und machten vertrauliche Brüderschaft.
de
de
de
1
4.3848
albertinus_landtstoertzer01_1615
765
1,615
Letztlichen legten wir vns nider zum ſchlaffen.
Letztlich legten wir uns nieder zum Schlafen.
de
de
de
1
4.168
albertinus_landtstoertzer01_1615
766
1,615
Sie ſtelten ſich als waͤren ſie ſehr muͤd vnd ſchlaͤfferig/ vnnd entſchlieffen vor mir:
Sie stellten sich als wären sie sehr müde und schläfrig / und entschliefen vor mir:
de
de
de
1
4.2857
albertinus_landtstoertzer01_1615
767
1,615
Derwegẽ thate ich auch dergleichen/ vnd entſchlieff ohn alle ſoꝛgen:
Derentwegen tat ich auch dergleichen / und entschlief ohne alle sorgen:
de
de
de
1
6.2224
albertinus_landtstoertzer01_1615
769
1,615
Deß Moꝛgens fruͤe erwachte ich/ ſahe mich hin vnnd wider vmb/ vnnd rieff meinen Mitgeſellen/ aber ich kondte keinen ſehen noch erſchreyen/ dann ſie hatten ſich allbereit vnſichtbar gemacht:
Des Morgens frühe erwachte ich / sah mich hin und wieder um / und rief meinen Mitgesellen / aber ich konnte keinen sehen noch erschreien / dann sie hatten sich allbereits unsichtbar gemacht:
de
de
de
1
5.1981
albertinus_landtstoertzer01_1615
770
1,615
Jch ſuchte meinen Buͤndtel hin vnnd wider/ aber fand nirgents nichts:
Ich suchte meinen Bündel hin und wieder / aber fand nirgends nichts:
de
de
de
1
5.9528
albertinus_landtstoertzer01_1615
771
1,615
Jch erſchrack vnnd gedachte/ daß es villeicht ein Traum waͤre:
Ich erschrak und gedachte / dass es vielleicht ein Traum wäre:
de
de
de
1
4.8843
albertinus_landtstoertzer01_1615
772
1,615
doch ſahe ich/ daß es wahr war:
doch sah ich / dass es wahr war:
de
de
de
1
4.7088
albertinus_landtstoertzer01_1615
773
1,615
Es war mir gleichwol leyd/ aber doch ſprach ich ſampt dem Job: Nackent bin ich geboren worden/ vnd nackent befindt ich mich:
Es war mir gleichwohl leid / aber doch sprach ich samt dem Job: Nackend bin ich geboren worden / und nackend befind ich mich:
de
de
de
1
5.5135
albertinus_landtstoertzer01_1615
774
1,615
Jch gedachte auch an das Epheu Jonæ/ welches in einer einigen Nacht gewachſen/ vnd in der andern verdorꝛt.
Ich gedachte auch an das Efeu Jonae / welches in einer einigen Nacht gewachsen / und in der anderen verdorrt.
de
de
de
1
5.1103
albertinus_landtstoertzer01_1615
775
1,615
Nun wolan/ ich ging meinen weg foꝛt/ troͤſtete mich ſelbſt mit allerhandt gedancken/ allermaſſen die jenigen thun/ welche alles verſpilt/ oder einen Schiffbruch auffm Meer erlitten hatten/ ich gedacht auch an diſe meine falſche Bruͤder vnd Freunde/ vnnd was geſtallt der ein Dieb den andern beſtohlen.
Nun wohlan / ich ging meinen weg fort / tröstete mich selbst mit allerhand Gedanken / allermaßen diejenigen tun / welche alles verspielt / oder einen Schiffbruch aufm Meer erlitten hatten / ich gedacht auch an diese meine falsche Brüder und Freunde / und was Gestalt der ein Dieb den anderen bestohlen.
de
de
de
1
5.8218
albertinus_landtstoertzer01_1615
776
1,615
Mein beſter troſt vnd gluͤck war/ daß ſie mir nit auch das Leben genommen hatten.
Mein bester Trost und Glück war / dass sie mir nicht auch das Leben genommen hatten.
de
de
de
1
4.4871
albertinus_landtstoertzer01_1615
777
1,615
Capvt XXI.
Capvt XXI.
fi
en
sr
0
8.3355
albertinus_landtstoertzer01_1615
778
1,615
Guſman trifft einen Jtalieniſchen Grafen an/ erlangt dienſt bey jhm/ vnd erzehlt allerhandt artliche Schnacken.
Gusman trifft einen italienischen Grafen an / erlangt Dienst bei ihm / und erzählt allerhand artliche Schnacken.
de
de
de
1
6.5561
albertinus_landtstoertzer01_1615
779
1,615
JN oberzehlter meiner ſo groſſen Melancoley/ Vngluͤck vnnd Trawrigkeit erſahe ich einẽ groſſen hauffen volcks/ welches gen Neapolis raiſte/ Darunder war nun ein Graf von Mirandola, zu demſelben geſellete ich mich/ vnnd lieff allzeit neben ſeinem Pferdt/ damit er vrſach hette mich anzureden/ vnnd mit mir zu diſcurriren: Jch hielt jhm den Stegreiff wann er wolte abſteigen/ vnd gab jhm etliche Blumen die ich auffm weeg abbrache:
In oberzählter meiner so großen Melancholie / Unglück und Traurigkeit ersah ich einen großen Haufen Volks / welches gen Neapolis reiste / Darunter war nun ein Graf von Mirandola, zu demselben gesellte ich mich / und lief allzeit neben seinem Pferd / damit er Ursache hätte mich anzureden / und mit mir zu diskurrieren: Ich hielt ihm den Stegreif wann er wollte absteigen / und gab ihm etliche Blumen die ich aufm Weg abbrach:
de
de
de
1
5.267
albertinus_landtstoertzer01_1615
780
1,615
Derwegen verſtundt er mich/ vnnd fragte wo ich hin wolte?
Derentwegen verstand er mich / und fragte wo ich hin wollte?
de
de
de
1
5.506
albertinus_landtstoertzer01_1615
781
1,615
ich antwortet: gen Neapolis:
ich antwortet: gen Neapolis:
de
de
de
1
7.6157
albertinus_landtstoertzer01_1615
782
1,615
Er begerte zu wiſſen/ von wannen ich waͤre/ vnd womit ich mich ernehꝛte?
Er begehrte zu wissen / von wannen ich wäre / und womit ich mich ernährte?
de
de
de
1
4.7196
albertinus_landtstoertzer01_1615
783
1,615
Jch antwoꝛtet jm vermuͤg meines gewoͤnlichen ſtyli, dann nit allzeit ſol man die waꝛheit ſagen/ damit nicht mehꝛ ſchadẽ/ als nutz drauß erfolge/ ein jegklicher iſt ſchuldig ſein Ehr zuerhalten.
Ich antwortet ihm vermög meines gewöhnlichen styli, dann nicht allzeit soll man die Wahrheit sagen / damit nicht mehr schaden / als Nutz daraus erfolge / ein jeglicher ist schuldig sein Ehre zu erhalten.
de
de
de
1
6.3567
albertinus_landtstoertzer01_1615
784
1,615
Als wir zu der Herberg kamen/ ſprach er zu mir: Guſman, raſte ein wenig/ vnd laſſe dir zueſſen geben/ ich wil fuͤr dich außzahlen:
Als wir zu der Herberge kamen / sprach er zu mir: Gusman, raste ein wenig / und lasse dir zuessen geben / ich will für dich auszahlen:
de
de
de
1
4.8585
albertinus_landtstoertzer01_1615
785
1,615
Diſe ſtimm klingte vil lieblicher in meinen Ohren/ dann die Harpffe Orphæi.
Diese stimme klengte viel lieblicher in meinen Ohren / dann die Harfe Orphaei.
de
de
de
1
7.3708
albertinus_landtstoertzer01_1615
786
1,615
Diſe frewd wehrte aber nit lang/ dann ich ſahe zwen Betler vorm Wirts hauß ligen/ die kennten mich/ vnd redeten mich an/ das ſahe der Graf vnnd fragte mich/ was ich fuͤr kundtſchafft mit Bettlern hette?
Diese Freude werte aber nicht lang / dann ich sah zwei Bettler vorm Wirts Haus liegen / die kennten mich / und redeten mich an / das sah der Graf und fragte mich / was ich für Kundschaft mit Bettlern hätte?
de
de
de
1
4.8325
albertinus_landtstoertzer01_1615
787
1,615
Jch erſchrack ſchaͤmte mich von Hertzen vnd ſprach:
Ich erschrak schämte mich von Herzen und sprach:
de
de
de
1
4.5999
albertinus_landtstoertzer01_1615
788
1,615
Herꝛ/ zu Rom ſeind ſie jmmer dar voꝛ meines Herꝛn deß Cardinals Thuͤr gelegen:
Herr / zu Rom sind sie immer dar vor meines Herrn des Kardinals Tür gelegen:
de
de
de
1
7.2922
albertinus_landtstoertzer01_1615
789
1,615
Er aber fing an zuzweiffeln/ vnd fragte mich noch ferner:
Er aber fing anzuzweifeln / und fragte mich noch ferner:
de
de
de
1
6.153
albertinus_landtstoertzer01_1615
790
1,615
weil du beym Cardinal gedient haſt/ wie biſtu dann ſo arm vnd zerriſſen von jhm kommen?
weil du beim Kardinal gedient hast / wie bist du dann so arm und zerrissen von ihm kommen?
de
de
de
1
5.5112
albertinus_landtstoertzer01_1615
791
1,615
da war ich geſchwindt mit noch einer andern Lugen beſchoſſen/ vnd ſprach:
da war ich geschwind mit noch einer anderen Lügen beschossen / und sprach:
de
de
de
1
6.1573