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21.8
albertinus_landtstoertzer01_1615
896
1,615
Hierdurch gab er meines erachtens zu veꝛſtehen/ daß vnſere jetzige Rathsherꝛen biß weilen den vberfluß der gelehrtheit/ aber groſſen mangel an der diſcretion, fuͤrſichtigkeit vnd weißheit leiden.
Hierdurch gab er meines Erachtens zu verstehen / dass unsere jetzige Ratsherren bisweilen den Überfluss der Gelehrtheit / aber großen Mangel an der Diskretion, Vorsichtigkeit und Weisheit leiden.
de
de
de
1
5.3137
albertinus_landtstoertzer01_1615
897
1,615
Die vnhoͤfligkeit/ die vnwiſſenheit/ die einfalt vnd die vngelehrtheit wirdt gar gern begleidt mit der innocentia vnnd vnſchuidt/ aber die curioſitet vnd ſubtilitet wird beglait mit der Boßheit:
Die Unhöflichkeit / die Unwissenheit / die Einfalt und die Ungelehrtheit wird gar gern Begleit mit der innocentia und vnschuidt / aber die Kuriosität und Subtilität wird Begleit mit der Bosheit:
de
de
de
1
4.7648
albertinus_landtstoertzer01_1615
898
1,615
Die demut/ foꝛcht/ gehoꝛſam vnnd guͤtigkeit begehren ein laͤhre/ gelehrnige vnnd demuͤtige Seel/ welche nit vil von jhr ſelbſt preſumiret.
Die Demut / furcht / gehorsam und Gütigkeit begehren ein Lehre / gelehrnige und demütige Seele / welche nicht viel von ihr selbst präsumieret.
de
de
de
1
5.9061
albertinus_landtstoertzer01_1615
899
1,615
Kein ſchaͤdlicher ding iſt auff Erden als eben der Fuͤrwitz:
Kein schädlicher Ding ist auf Erden als eben der Fürwitz:
de
de
de
1
6.6859
albertinus_landtstoertzer01_1615
900
1,615
Die ſoꝛg vnnd begird ſich in der Weißheit vnnd ſcientz zu augmentiren/ iſt geweſt der erſte fall vnnd verderben deß Menſchlichen Geſchlechts/ ſie iſt auch der weeg/ auff welchem man ſich ſtuͤrtzet in die ewige Verdamnuß.
Die sorg und Begierde sich in der Weisheit und scientz zu augmentieren / ist gewesen der erste Fall und verderben des menschlichen Geschlechts / sie ist auch der Weg / auf welchem man sich stürzet in die ewige Verdammnis.
de
de
de
1
5.1278
albertinus_landtstoertzer01_1615
901
1,615
Selig vnnd abermal ſelig ſeind derwegen die Jnnwohner in Breſilia/ welche nur wegen deß hohen alters ſterben/ vnnd nicht wegen deß geſunden Luffts/ ſonder wegen der jhrer geſunden/ ruhigen vnnd ohn paſſionirten Seelen ſo lang leben.
Selig und abermals selig sind derentwegen die Inwohner in Bresilia / welche nur wegen des hohen alters sterben / und nicht wegen des gesunden Lofts / sonder wegen der ihrer gesunden / ruhigen und ohne passionierten Seelen so lang leben.
de
de
de
1
5.4607
albertinus_landtstoertzer01_1615
902
1,615
Dann fuͤrwar/ diſe Leuth verzehren jhr leben in aller einfalt/ in der Jgnorantz/ ohne Gelehrtheit/ ohne Geſetz/ ohne Koͤnig vnnd ohne Religion.
Dann fürwahr / diese Leute verzehren ihr leben in aller Einfalt / in der Ignoranz / ohne Gelehrtheit / ohne Gesetz / ohne König und ohne Religion.
de
de
de
1
4.2404
albertinus_landtstoertzer01_1615
903
1,615
Capvt XXIII.
Capvt XXIII.
en
en
pl
0
9.2807
albertinus_landtstoertzer01_1615
904
1,615
Guſman erzehlt/ was jhm ſeines Herꝛn Hofmeiſter fuͤr einen poſſen geriſſen.
Gusman erzählt / was ihm seines Herrn Hofmeister für einen Possen gerissen.
de
de
fy
0.667
6.6404
albertinus_landtstoertzer01_1615
905
1,615
DEr Herꝛ Graf lachte vber diſes mein Geſchwaͤtz/ vnd ſagte/ Guſman/ du redeſt von der ſachen wie ein Lapp/ aber auffm Weg gehets wol hin.
Der Herr Graf lachte über dieses mein Geschwätz / und sagte / Gusman / du redest von der Sachen wie ein Lapp / aber aufm Weg geht es wohl hin.
de
de
de
1
5.2519
albertinus_landtstoertzer01_1615
906
1,615
Jn wehrender ſolcher vnſer conuerſation kamen wir zu der Herberg/ vnnd mein Herꝛ befalche/ daß man mich ſolte wol tractiren/ das verdroß aber die andere Diener/ wurden mir neydig vnnd feindt/ vnnd legten mir vber Tiſch nur die Bein vnd Nieren fuͤr/ ich aber erzeigte jederzeit ein groſſe Gedult/ vnnd gedachte an die Wort: Oſſibus & neruis compegiſti me:
In währender solcher unser Konversation kamen wir zu der Herberge / und mein Herr befolge / dass man mich sollte wohl traktieren / das verdross aber die andere Diener / wurden mir neidig und Feind / und legten mir über Tisch nur die Bein und Nieren für / ich aber erzeigte jederzeit ein große Geduld / und gedachte an die Wort: Ossibus & neruis compegisti me:
de
de
de
1
5.8094
albertinus_landtstoertzer01_1615
907
1,615
Als auch ich mich in einen winckel deß Hauſes (dann kein beth gab man mir) ſchlafen gelegt/ namẽ ſie mich beym Kopff vñ Fuͤſſen/ trugẽ mich in meines Herꝛn Schlafkammer/ legten mich vnden bey ſeinẽ beth nider/ vñ banden mir ein wachsliecht an dem Fuß.
Als auch ich mich in einen Winkel des Hauses (dann kein Bett gab man mir) schlafen gelegt / Namen sie mich beim Kopf und Füßen / trugen mich in meines Herrn Schlafkammer / legten mich unten bei seinen Bett nieder / und banden mir ein wachslich an dem Fuß.
de
de
de
1
5.0492
albertinus_landtstoertzer01_1615
908
1,615
Das Wachsliecht hielt ſeinen diſcurs, vnd vollbrachte ſeinen Lauff/ vnd als es zu meinem Schuch vnd Fleiſch kam/ erwachte ich/ vnnd fing jaͤmmerlich an zu ſchreyen/ dann es traumte mir/ daß mich der Teuffel hinweg fuͤhren wolte:
Das Wachslicht hielt seinen Diskurs, und vollbrachte seinen Lauf / und als es zu meinem Schuh und Fleisch kam / erwachte ich / und fing jämmerlich an zu schreien / dann es traumte mir / dass mich der Teufel hinwegführen wollte:
de
de
lb
0.667
4.9395
albertinus_landtstoertzer01_1615
909
1,615
Jch gedachte auch/ daß ich allbereit in der Hoͤllen lege/ ſeytemal mein Fuß anfing zu brinnen.
Ich gedachte auch / dass ich allbereits in der Höllen lege / sintemal mein Fuß anfing zu brennen.
de
de
de
1
5.3134
albertinus_landtstoertzer01_1615
910
1,615
Mein Herꝛ lag gleichfals im erſten Schlaf/ erſchrack ob meinem geſchrey/ ſpꝛang im Hembd vom Beth/ ſchrye vñ vermeinte/ daß es ein Geſpenſt waͤre.
Mein Herr lag gleichfalls im ersten Schlaf / erschrak ob meinem Geschrei / sprang im Hemd vom Bett / schrie und vermeinte / dass es ein Gespenst wäre.
de
de
de
1
5.237
albertinus_landtstoertzer01_1615
911
1,615
Vnſer beyder alteration vnd ſchrecken/ vnd ſonderlich meines Herꝛn/ war dermaſſen groß/ dz er gedachte zu ſterben/ man ſchickte alsbaldt nach dem Balbirer/ der jhm zur Ader ließ vnd mir meinen verbrenten Fuß verbandt.
Unser beider Alteration und schrecken / und sonderlich meines Herrn / war dermaßen groß / dass er gedachte zu sterben / man schickte alsbald nach dem Balbierer / der ihm zur Ader ließ und mir meinen verbrannten Fuß Verband.
de
de
de
1
5.7485
albertinus_landtstoertzer01_1615
912
1,615
Er war ſehr vbel mit den Dienern zu friden/ vnd ſonderlich mit dem Hofmeiſter/ der deſſen allein ein Anſtiffter geweſt war/ vnnd mir diſen poſſen auß lauter neyd geriſſen/ derwegen gab er jm als bald vrlaub/ vnangeſehen ich (gleichwol nur zum ſchein) ſtarck fuͤr jhne intercedirte vnd bate.
Er war sehr übel mit den Dienern zu Frieden / und sonderlich mit dem Hofmeister / der dessen allein ein Anstifter gewesen war / und mir diesen Possen aus lauter Neid gerissen / derentwegen gab er ihm als bald Urlaub / unangesehen ich (gleichwohl nur zum Schein) stark für ihn interzedierte und bat.
de
de
de
1
5.2788
albertinus_landtstoertzer01_1615
913
1,615
Folgendis ſprach er zu mir: Guſman/ du gefelſt mir wol/ vnnd will dich fuͤr einen Diener annemmen/ fuͤr einen Hofmeiſter gebrauchen/ vnd zu Neapolis mit Kleidern ſtaffiren.
Folgendes sprach er zu mir: Gusman / du gefelst mir wohl / und will dich für einen Diener annehmen / für einen Hofmeister gebrauchen / und zu Neapolis mit Kleidern staffieren.
de
de
de
1
5.1645
albertinus_landtstoertzer01_1615
914
1,615
Das empfandẽ die andere Diener noch mehꝛ/ weil ſie ſahen/ daß ein ſolcher vnbekandter Stoͤrtzer/ vnnd vmblauffender zerꝛiſſener Menſch jhr Hofmeiſter ward.
Das empfanden die andere Diener noch mehr / weil sie sahen / dass ein solcher unbekannter Störtzer / und umlaufender zerrissener Mensch ihr Hofmeister wurde.
de
de
de
1
5.4948
albertinus_landtstoertzer01_1615
915
1,615
Jch aber ward heimlich froh/ hielt mich fuͤr den allergluͤckſeligiſten Menſchen auff Erden/ fing an meinen dienſt zu vertretten/ vnd wuſte mich zimlich in die Sach zu ſchicken/ dann ich war von Natur demuͤtig/ hatte allbereit gelernt zu gehorſamen/ vnnd derwegen kondte ich deſto beſſer ſchaffen:
Ich aber wurde heimlich froh / hielt mich für den allerglückseligisten Menschen auf Erden / fing an meinen Dienst zu vertreten / und wusste mich ziemlich in die Sache zu schicken / dann ich war von Natur demütig / hatte allbereits gelernt zu gehorsamen / und derentwegen konnte ich desto besser schaffen:
de
de
de
1
5.4076
albertinus_landtstoertzer01_1615
916
1,615
Darzu halff auch vil mein angebornes adeliches Gemuͤth/ das ward aber verderbt durch boͤſe geſellſchafft/ jnmaſſen voꝛ zeiten dem Roͤmiſchen Catalina beſchehen/ dann derſelb war ſehr edel/ aber ward dermaſſer verfuͤhꝛt vnd boßhafftig/ daß er vil andere ſeines gleichen verfuͤhꝛte/ dañ vnmuͤglich iſts/ daß einer lang tugentſamb ſein/ vnd in ſeinem ſtandt verbleiben koͤnne/ woferꝛn er vmbgeben iſt mit boͤſer geſellſchafft.
Dazu half auch viel mein angeborenes adeliges Gemüt / das wurde aber verderbt durch böse Gesellschaft / in Maßen vor Zeiten dem Römischen Catalina geschehen / dann derselbe war sehr edel / aber wurde dermasser verführt und boshaft / dass er viel andere seinesgleichen verführte / dann unmöglich ist es / dass einer lang tugendsam sein / und in seinem stand verbleiben könne / wofern er umgeben ist mit böser Gesellschaft.
de
de
de
1
5.2266
albertinus_landtstoertzer01_1615
917
1,615
Eſopus erzehlt/ was geſtallt ein Kohler vnnd ein Waͤſcher ſich mit einander verglichen/ daß ſie beyſammen wohnen vnd arbeiten wolten/ aber der vnbeſonnene Waͤſcher erfuhꝛ im werck die gefahꝛ vnnd vngelegenheit/ dar in er ſich geſetzt hatte/ dann alles was er reinigte vnnd weiß machte/ das machte der Kohler ſchwartz vnd vnrein: weder das edle Blut/ noch die fleiſſige erzeigung/ noch die ſorgfaͤltige vnderweiſungen vnnd ermahnungen/ noch die vberfluͤſſige vnderhaltung ſeind ſufficient vnnd gnugſamb/ das Hertz eines Menſchen zu arbeiten/ wofern es vmbgeben iſt mit boͤſer geſellſchafft/ vnd eben diſes iſt auch mir widerfahren/ dann weil die junge Leut einer zarten condition ſeind/ vnd ein duͤnnes ringes vnd liederliches Blut habẽ/ ſo folgen ſie nur deme nach/ was ſie ſehen/ vnd ſie vnderſcheiden das boͤſe nit von dem boͤſen:
Esopus erzählt / was Gestalt ein Kohler und ein Wäscher sich miteinander verglichen / dass sie beisammen wohnen und arbeiten wollten / aber der unbesonnene Wäscher erfuhr im Werk die Gefahr und Ungelegenheit / dar in er sich gesetzt hatte / dann alles was er reinigte und weiß machte / das machte der Kohler schwarz und unrein: weder das edle Blut / noch die fleißige Erzeigung / noch die sorgfältige Unterweisungen und Ermahnungen / noch die überflüssige Unterhaltung sind sufficient und genugsam / das Herz eines Menschen zu arbeiten / sofern es umgeben ist mit böser Gesellschaft / und eben dieses ist auch mir widerfahren / dann weil die junge Leute einer zarten Kondition sind / und ein dünnes ringes und liederliches Blut haben / so folgen sie nur dem nach / was sie sehen / und sie unterscheiden das böse nicht von dem bösen:
de
de
de
1
4.5587
albertinus_landtstoertzer01_1615
918
1,615
Jhre diſcretion erſtrecket ſich noch nit ſo weit/ daß ſie erkennen moͤgen/ was jhnen wol oder vbel anſtehet/ vnd wer ein guter oder boͤſer Freundt ſeye/ weil auch ſie mehreꝛs lieben/ denn verſtehen/ ſo verlieben ſie ſich leichtlich in die jenigen/ mit denen ſie vmbgehen.
Ihre Diskretion erstrecket sich noch nicht so weit / dass sie erkennen mögen / was ihnen wohl oder übel anstehet / und wer ein guter oder böser Freund sei / weil auch sie Mehrers lieben / denn verstehen / so verlieben sie sich leichtlich in diejenigen / mit denen sie umgehen.
de
de
de
1
4.4639
albertinus_landtstoertzer01_1615
919
1,615
Allerdings transformiren vnd verkehren ſie ſich in jhre Sitten/ eben diſes war mein aller groͤſter Schad/ vnnd hat verurſacht/ daß ich die gantze zeit meines Lebens muͤhſelig vnd armſeligklich vmbgezogen.
Allerdings transformieren und verkehren sie sich in ihre Sitten / eben dieses war mein allergrößter Schad / und hat verursacht / dass ich die ganze Zeit meines Lebens mühselig und armseligelich umgezogen.
de
de
de
1
5.0932
albertinus_landtstoertzer01_1615
920
1,615
Capvt XXIV.
Capvt XXIV.
en
en
hu
0
9.1933
albertinus_landtstoertzer01_1615
921
1,615
Guſman wirdt ſtattlich wie ein Hofmeiſter gekleidt/ vnd fahet widerumb an zu buelen.
Gusman wird stattlich wie ein Hofmeister gekleidet / und fanget wiederum an zu Bühlen.
de
de
de
1
6.0344
albertinus_landtstoertzer01_1615
922
1,615
ALs wir gen Neapolis kamen/ ließ mich mein Herꝛ ſtattlich kleiden/ wie einem Hofmeiſter gebuͤhret/ da wuͤnſchete man mir gluͤck/ vnd die Diener fingen erſt an/ mich zu reſpectiren/ zu verehꝛen vnd meinen befehlen zu gehorſamen/ gleichſamb hette mir das Kleidt die ſufficient vnnd laugligkeit zum Dienſt gegeben.
Als wir gen Neapolis kamen / ließ mich mein Herr stattlich kleiden / wie einem Hofmeister gebühret / da wünschte man mir Glück / und die Diener fingen erst an / mich zu respektieren / zu verehren und meinen befehlen zu gehorsamen / gleichsam hätte mir das Kleid die sufficient und laugligkeit zum Dienst gegeben.
de
de
de
1
5.0138
albertinus_landtstoertzer01_1615
923
1,615
Nit allein ward ich alſo ſtattlich gekleidt/ ſonder wañ mein Herꝛ der Graf in der Kaꝛotzen wohin außfur/ muſte ich auff einẽ ſchoͤnen Pferdt neben jhm herreitẽ/ daß war mir nun ein groſſe ehꝛ/ vñ ich gedũckte mich nit wenig zu ſeyn.
Nicht allein wurde ich also stattlich gekleidet / sonder wann mein Herr der Graf in der Karotzen wohin Ausfuhr / musste ich auf einen schönen Pferd neben ihm herreiten / dass war mir nun ein große ehr / und ich geduckte mich nicht wenig zu sein.
de
de
de
1
6.1424
albertinus_landtstoertzer01_1615
924
1,615
Einmals ſahe ich/ daß ein ſehꝛ ſchoͤne Jungfꝛaw in meines Herꝛn Hauß mit fleiß auff mich ſahe/ die hieß la Signora Liuia: war aber meines Herꝛn ſchweſter/ vnd nit deſto weniger war ich ſo gar naͤrriſch vnd vermeſſen/ daß ich mir einbildete/ dz ich jr in meinem ſchoͤnen Kleid ſo gar wol gefallen/ vnd daß ſie einlieb zu mir geſetzt hatte/ derwegen fing ich gleichfals alsbald an/ mich in ſie zu veriieben/ vnd alle meine Sinnen vnd gedancken nur auff ſie zu ſetzen.
Einmals sah ich / dass ein sehr schöne Jungfrau in meines Herrn Haus mit Fleiß auf mich sah / die hieß la Signora Liuia: war aber meines Herrn Schwester / und nicht desto weniger war ich so gar närrisch und vermessen / dass ich mir einbildete / dass ich ihr in meinem schönen Kleid so gar wohl gefallen / und dass sie einlieb zu mir gesetzt hatte / derentwegen fing ich gleichfalls alsbald an / mich in sie zu veriieben / und alle meine Sinnen und Gedanken nur auf sie zu setzen.
de
de
de
1
4.642
albertinus_landtstoertzer01_1615
925
1,615
Nur die Signora Liuia lag mir im Sinn:
Nur die Signora Liuia lag mir im Sinn:
de
de
gd
0.667
5.559
albertinus_landtstoertzer01_1615
926
1,615
Sehet was ſchoͤne Kleider vnd Gelt verurſachet: im wenigſten betrachtete ich meinen voꝛigen Bettelſtaudt/ Bernhaͤuterey vnd Armut/ ſonder vberkam newe gedancken vnd hoffnungen:
Sehet was schöne Kleider und Geld verursachet: im wenigsten betrachtete ich meinen vorigen Bettelstaudt / Bärenhäuterei und Armut / sonder überkam neue Gedanken und Hoffnungen:
de
de
de
1
6.3663
albertinus_landtstoertzer01_1615
927
1,615
ich vnderſtund mich/ mein Hertz auff ſolche Frawen zu ſetzen/ die ich zuuoꝛ nit hette mit meinẽ Augen doͤrffen anſchawen:
ich unterstand mich / mein Herz auf solche Frauen zu setzen / die ich zuvor nicht hätte mit meinen Augen dürfen anschauen:
de
de
de
1
5.5961
albertinus_landtstoertzer01_1615
928
1,615
Nit gebachte ich an das Exempel deß verlohꝛnen Sohns/ vnd wie vbel es jhm mit ſeiner Bulerey vnd ſchoͤnen Frawen ergangen war.
Nicht gepochte ich an das Exempel des verlorenen Sohns / und wie übel es ihm mit seiner Buhlerei und schönen Frauen ergangen war.
de
de
lb
0.667
4.9106
albertinus_landtstoertzer01_1615
929
1,615
Als lang einer reich vnd im guten wolſtande iſt/ laden ſich die ſchoͤne Fraͤwlein ſelbſt zu jhm zu gaſt/ es præſentiren vnd erbieten ſich tauſent Kupler vñ Kuplerin/ vnnd in allen Wirtshaͤuſern iſt er willkomb/ lieb vnd angenemb/ aber wann er arm worden/ alsdañ iſt er menigklichs ſchabab.
Als lang einer reich und im guten Wohlstande ist / laden sich die schöne Fräulein selbst zu ihm zu gast / es präsentieren und erbieten sich tausend Kuppler und Kupplerin / und in allen Wirtshäusern ist er willkommen / lieb und angenehm / aber wann er arm worden / alsdann ist er menigklichs schabab.
de
de
de
1
5.6853
albertinus_landtstoertzer01_1615
931
1,615
Taͤglich ritte ich zweymal ſpatzieren/ vnd hette mich gern den gantzen Taglang auff der Gaſſen befunden/ nur damit man meine ſchoͤne Kleider vnd den newen jungen Hofmeiſter ſehen ſolte.
Täglich ritt ich zweimal spazieren / und hätte mich gern den ganzen Taglang auf der Gassen befunden / nur damit man meine schöne Kleider und den neuen jungen Hofmeister sehen sollte.
de
de
de
1
5.1543
albertinus_landtstoertzer01_1615
932
1,615
Einsmals ſahe ich ein ſehr ſtattliche vnnd ſchoͤne Fraw voꝛ mir hergehen/ die war begleit von einer andern alten erbarn Frawen.
Einsmals sah ich ein sehr stattliche und schöne Frau vor mir hergehen / die war Begleit von einer anderen alten ehrbaren Frauen.
de
de
de
1
5.0915
albertinus_landtstoertzer01_1615
933
1,615
Nun fing diſe Fraw an zu ſtraucheln/ vnnd ſo gar nider zu fallen:
Nun fing diese Frau an zu straucheln / und so gar niederzufallen:
de
de
lb
0.667
4.608
albertinus_landtstoertzer01_1615
934
1,615
Villeicht wars jhr ernſt/ villeicht aber nicht:
Vielleicht war es ihr ernst / vielleicht aber nicht:
de
de
de
1
5.919
albertinus_landtstoertzer01_1615
935
1,615
Jch aber ſprang geſchwindt/ wie der Wind/ vom Pferdt herunder/ halff jr wider auffſtehen/ vnnd ſprach auff Spaniſch zu jhr:
Ich aber sprang geschwind / wie der Wind / vom Pferd herunter / half ihr wieder aufstehen / und sprach auf Spanisch zu ihr:
de
de
de
1
4.7127
albertinus_landtstoertzer01_1615
936
1,615
Weil jhr mir/ ſo bald ich euch geſehen/ mein Hertz habt geſtohlen/ ſo bitte ich/ jhꝛ woͤllets gnedigklich tractiren.
Weil ihr mir / so bald ich euch gesehen / mein Herz habt gestohlen / so bitte ich / ihr wöllet gnädiglich traktieren.
de
de
de
1
5.2892
albertinus_landtstoertzer01_1615
937
1,615
Sie verwunderte ſich/ daß ſie mich hoͤrte Spaniſch reden/ vnd ſtelte ſich/ als hette ſie ein wolgefallen dran/ darneben gab ſie mir zur antwort/ daß ſie ſich meines dienſts vnd huͤlff nit wuͤrdig erkennte.
Sie verwunderte sich / dass sie mich hörte Spanisch reden / und stellte sich / als hätte sie ein wohlgefallen dran / daneben gab sie mir zur Antwort / dass sie sich meines Diensts und Hilfe nicht würdig erkennte.
de
de
de
1
5.1591
albertinus_landtstoertzer01_1615
938
1,615
Jch ſetzte mich wider zu Roß/ vnnd ſie ging heimb in jhrer Mutter Hauß:
Ich setzte mich wieder zu Ross / und sie ging heim in ihrer Mutter Haus:
de
de
de
1
5.0161
albertinus_landtstoertzer01_1615
939
1,615
Da fing ich an/ Schloͤſſer im Lufft zu bawen/ vnd die reuolution der gedancken zu empfinden.
Da fing ich an / Schlösser im Luft zu bauen / und die Revolution der Gedanken zu empfinden.
de
de
de
1
5.5673
albertinus_landtstoertzer01_1615
940
1,615
Der jetzt bemelten wort/ die ſie zu mir geredt hatte/ kondte ich je nit vergeſſen/ vnnd ich nam darbey ab/ daß ſie mir nit vnguͤnſtig waͤre.
Der jetzt bemehlten Wort / die sie zu mir geredet hatte / konnte ich je nicht vergessen / und ich nahm dabei ab / dass sie mir nicht ungünstig wäre.
de
de
de
1
4.9866
albertinus_landtstoertzer01_1615
942
1,615
Nun fragte mich mein Herꝛ vber tiſch wie mir Neapolis gefiele?
Nun fragte mich mein Herr über Tisch wie mir Neapolis gefiele?
de
de
de
1
6.3453
albertinus_landtstoertzer01_1615
943
1,615
Jch antwoꝛtet jm/ daß meines bedunckens in der gantzen Welt kein ſchoͤnere/ herꝛlichere noch kurtzweiligere Statt gefunden weiden koͤnte: Mein ſignora Liuia ſahe mich allzeit ſtarck an/ wann ich anderſtwohin ſchawte.
Ich antwortet ihm / dass meines Bedünkens in der ganzen Welt kein schönere / herrlichere noch kurzweiligere Statt gefunden weiden könnte: Mein Signora Liuia sah mich allzeit stark an / wann ich anderswohin schaffte.
de
de
de
1
6.0764
albertinus_landtstoertzer01_1615
944
1,615
Dañ ich ließ mich geduncken/ daß alle vnd jede Frawen ein gefallen an mir vnd meinem weſen hatten:
Dann ich ließ mich Gedunke / dass alle und jede Frauen ein gefallen an mir und meinem Wesen hatten:
de
de
de
1
6.8694
albertinus_landtstoertzer01_1615
945
1,615
Aber doch gedachte ich vilmehꝛ an die andere Fraw/ dern Handt ich beruͤhꝛt hatte/ als ich jhꝛ wider auff halff.
Aber doch gedachte ich vielmehr an die andere Frau / deren Hand ich berührt hatte / als ich ihr wieder aufhalf.
de
de
de
1
4.6031
albertinus_landtstoertzer01_1615
946
1,615
Derwegen ging ich nach der Mahlzeit hinauß ſpatzieren/ vnd erſahe ſie von ferne in Fenſter ſtehen/ geſchwindt aber veꝛwendete ſie jhr Angeſicht von mir ab/ deſſen betruͤbte ich mich zum hoͤchſten/ Aber ein Magd eroͤffnete die Haußthuͤr/ winckte mir mit den Angen/ fuͤhrte mich durch zwo Gaſſen/ vnnd gab mir zu verſtehen/ was geſtalt jhꝛe Jungfraw gern geſehen hett/ daß ich den voꝛigen Abendt were zu jhꝛ kommen/ weiles aber nit beſchehen/ ſo ſolte ich doch in der Nacht vmb zwoͤlff vhr kommen/ vnnd auß dem Fenſter mit jhr reden:
Derentwegen ging ich nach der Mahlzeit hinausspazieren / und ersah sie von ferne in Fenster stehen / geschwind aber verwendete sie ihr Angesicht von mir ab / dessen betrübte ich mich zum höchsten / Aber ein Magd eröffnete die Haustür / winkte mir mit den Ahnen / führte mich durch zwei Gassen / und gab mir zu verstehen / was Gestalt ihre Jungfrau gern gesehen hat / dass ich den vorigen Abend wäre zu ihr kommen / weile aber nicht geschehen / so sollte ich doch in der Nacht um zwölf Uhr kommen / und aus dem Fenster mit ihr reden:
de
de
de
1
4.9994
albertinus_landtstoertzer01_1615
947
1,615
Deſſen frewte ich mich zum hoͤchſten vnnd ſchenckte jhr alsbald ein bar Ducaten wegen der guten Bottſchafft.
Dessen freute ich mich zum höchsten und schenkte ihr alsbald ein bar Dukaten wegen der guten Botschaft.
de
de
de
1
6.1743
albertinus_landtstoertzer01_1615
948
1,615
Jch vergaß der benennten zeit nit/ kein Schlaf fandt ſtatt in meinen Augen/ ein jeglich ſtundt gedunckte mich 100. Jahꝛlang zu ſeyn.
Ich vergaß der benennten Zeit nicht / kein Schlaf fand statt in meinen Augen / ein jeglich stand gedunkte mich 100. Jahrlang zu sein.
de
de
de
1
6.7864
albertinus_landtstoertzer01_1615
949
1,615
Meines Herꝛn Hauß war gleichwol verſperꝛet/ aber ich ſtieg zum Fenſter hinauß/ verfuͤgte mich zum Hauſe vnd Fenſter meiner Jungfrawen/ das ſtundt gleichwol offen/ vnd ſahe ein Liecht brinnen/ aber darneben hoͤrte ich ein ſtarckes greinen/ dann die alte Fraw zanckete ſich mit jrer Tochter/ leydt war mirs/ daß die alte noch auff war/ vnd ſich noch nicht ſchlaffen gelegt hatte/ dann ich muſte deſto laͤnger herauſſen auff der Gaſſen warten/ vnnd gefahr außſtehen.
Meines Herrn Haus war gleichwohl versperret / aber ich stieg zum Fenster hinaus / verfügte mich zum Hause und Fenster meiner Jungfrauen / das stand gleichwohl offen / und sah ein Licht brennen / aber daneben hörte ich ein starkes greinen / dann die alte Frau zankte sich mit ihrer Tochter / leid war mir es / dass die alte noch auf war / und sich noch nicht schlafen gelegt hatte / dann ich musste desto länger heraußen auf der Gassen warten / und Gefahr ausstehen.
de
de
de
1
5.0412
albertinus_landtstoertzer01_1615
950
1,615
Letztlichen kam die Magd zum Fenſter/ vnnd ſprach zu mir: Herꝛ/ es gibt diſe Nacht nit gelegenheit mit der Jungfrawen zu reden/ dann ſie hat geſtern ein koͤſtlich Kleynod verlohren/ vnd jhre Mutter hats heut bey jhr gemengelt/ vñ iſt ſehꝛ vbel zu friden.
Letztlich kam die Magd zum Fenster / und sprach zu mir: Herr / es gibt diese Nacht nicht Gelegenheit mit der Jungfrauen zu reden / dann sie hat gestern ein köstlich Kleinod verloren / und ihre Mutter hat es heute bei ihr gemengelt / und ist sehr übel zu Frieden.
de
de
de
1
5.1443
albertinus_landtstoertzer01_1615
951
1,615
Da gedachte ich gleichwol/ daß ſolches nur ein Betrug ſein moͤchte/ jnmaſſen mir dergleichen Poͤßlein zu Toledo widerfahren war/ aber doch weil die Buler blindt ſeindt/ vnnd ich meines Herꝛn Beutel hatte/ ſo gab ich jhꝛ zur antwoꝛt/ daß ſie ſich deßwegen nicht kummern/ ſondern ſehen ſolte/ daß ich mit der Jungkfrawen reden moͤchte/ es muſte entweder das Kleynod wider gefunden/ oder ein anders erkaufft werden.
Da gedachte ich gleichwohl / dass solches nur ein Betrug sein möchte / in Maßen mir dergleichen Pösslein zu Toledo widerfahren war / aber doch weil die Buhler blind sind / und ich meines Herrn Beutel hatte / so gab ich ihr zur Antwort / dass sie sich deswegen nicht kümmern / sondern sehen sollte / dass ich mit der Jungfrauen reden möchte / es musste entweder das Kleinod wieder gefunden / oder ein anders erkauft werden.
de
de
de
1
4.6692
albertinus_landtstoertzer01_1615
952
1,615
Die Magd hieß mich warten/ vnd baldt hernacher kam die Jungkfraw Lelia, redete gantz lieblich mit mir/ vnd ließ doch benebens etlich hertzliche ſeufftzer gehen/ wegen jres verlohrnen Kleynods:
Die Magd hieß mich warten / und bald hernach kam die Jungfrau Lelia, redete ganz lieblich mit mir / und ließ doch benebens etlich herzliche Seufzer gehen / wegen ihres verlorenen Kleinods:
de
de
de
1
5.2091
albertinus_landtstoertzer01_1615
953
1,615
Darneben ließ ſie ſich auch mercken/ daß ich jhr nit vbel gefiel/ vnnd daß ſie mich alsbald anfangs als ſie mich erſehen/ lieb gewunnen/ zumaln weil ich ein Spanier/ vnd ohne zweifel eines guten Adelichen Geſchlechts waͤre.
Daneben ließ sie sich auch merken / dass ich ihr nicht übel gefiel / und dass sie mich alsbald anfangs als sie mich ersehen / lieb gewonnen / zumal weil ich ein Spanier / und ohne Zweifel eines guten adeligen Geschlechts wäre.
de
de
de
1
4.8661
albertinus_landtstoertzer01_1615
954
1,615
Jn ſumma/ verurtheilt ward ich/ das Kleynod zu zahlen/ welches ſie ſagte/ daß ſie es vorgeſtern/ als ich ſie auff der Gaſſen angetroffen/ verlohren hatte/ vnnd vber 80. Ducaten werth geweſt ſein ſolte/ dann ſie ſagte/ daß es ein guldiner Papagey/ vnnd mit etlichen ſchoͤnen Rubinen vnd Diamanten verſetzt geweſt/ derwegen jre Mutter ſtarck mit jhr gegrinen/ vnnd der gaͤntzlichen meynung waͤre/ daß eben der jenig Mann/ der jhr auff der Gaſſen wider auffgeholffen/ jhrs genommen:
In summa / verurteilt wurde ich / das Kleinod zu zahlen / welches sie sagte / dass sie es vorgestern / als ich sie auf der Gassen angetroffen / verloren hatte / und über 80. Dukaten wert gewesen sein sollte / dann sie sagte / dass es ein goldener Papagei / und mit etlichen schönen Rubinen und Diamanten versetzt gewesen / derentwegen ihre Mutter stark mit ihr gegrinen / und der gänzlichen Meinung wäre / dass eben der jenig Mann / der ihr auf der Gassen wieder aufgeholfen / ihrs genommen:
de
de
de
1
4.6481
albertinus_landtstoertzer01_1615
955
1,615
Dardurch gab nun die Jungkfraw zu verſtehen/ daß/ ob ſchon ich jhꝛs nit genommen/ ich doch der jenig ſein ſolte/ der jhꝛs wider geben vnd ein anders kauffen ſolte.
Dadurch gab nun die Jungfrau zu verstehen / dass / ob schon ich ihrs nicht genommen / ich doch der jenig sein sollte / der ihrs wieder geben und ein anders Kaufen sollte.
de
de
de
1
5.2001
albertinus_landtstoertzer01_1615
956
1,615
Nun verglichen wir vns dahin/ daß ich in der andern Nacht vñ zu eben derſelben ſtundt widet kommen/ 80. Ducaten mit mir bringen/ vnd daß es an einem Strickel gebunden/ vnd zum Fenſter hinauff gezogen werden ſolte.
Nun verglichen wir uns dahin / dass ich in der anderen Nacht und zu eben derselben stand weidet kommen / 80. Dukaten mit mir bringen / und dass es an einem Strickel gebunden / und zum Fenster hinauf gezogen werden sollte.
de
de
de
1
5.8617
albertinus_landtstoertzer01_1615
957
1,615
Darmit gingen wir damals von einander/ vnnd ich war eben ſo froh/ als hette ich beyde Jndien erfunden:
Damit gingen wir damals voneinander / und ich war eben so froh / als hätte ich beide Indien erfunden:
de
de
de
1
6.0426
albertinus_landtstoertzer01_1615
958
1,615
Die gantze Welt wolte ich nit darfuͤr genommen haben/ daß ich Neapolis nit geſehen hette.
Die ganze Welt wollte ich nicht dafür genommen haben / dass ich Neapolis nicht gesehen hätte.
de
de
de
1
5.4931
albertinus_landtstoertzer01_1615
959
1,615
Nunmehr O guͤnſtiger Leſer/ befandt ich mich in einer groſſen melancolia vnnd vnruhe/ vnd doch benebens in frewden/ dann ich gedachte auff alle mittel/ damit ich einen griff in meines Herꝛn mir anuertrautes gelt thun moͤchte/ damit ers nit merckte oder erfuͤhre.
Nunmehr O günstiger Leser / befand ich mich in einer großen melancolia und Unruhe / und doch benebens in Freuden / dann ich gedachte auf alle Mittel / damit ich einen griff in meines Herrn mir anvertrautes Geld tun möchte / damit er es nicht merkte oder erführe.
de
de
de
1
5.9742
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960
1,615
Letztlichen entſchloſſe ich mich/ es anzugreiffen/ vnangeſehen ers erfuͤhre/ dermaſſen groß ward die Begierd/ mein Jungfraw Leliam zu contentiren/ dann fuͤrwar/ die verliebte Buler gedencken nit auff das zukuͤnfftige/ ſonder nur das gegenwertige/ dann weil ich reich war/ vnnd den Beutel voller Gelts hatte/ ſo gedachte ich nur auff die gegenwertige erluſtigungen/ vnnd im wenigiſten machte ich mein Rechnung auffs kuͤnfftig Jahr/ derwegen erging mirs dem gemeinen Sprichwoꝛt nach:
Letztlich entschloss ich mich / es anzugreifen / unangesehen er es erführe / dermaßen groß wurde die Begierde / mein Jungfrau Leliam zu kontentieren / dann fürwahr / die verliebte Buhler Gedenken nicht auf das zukünftige / sonder nur das gegenwärtige / dann weil ich reich war / und den Beutel voller Geld hatte / so gedachte ich nur auf die gegenwärtige erlustigungen / und im wenigisten machte ich mein Rechnung aufs künftig Jahr / derentwegen erging mir es dem gemeinen Sprichwort nach:
de
de
de
1
5.5175
albertinus_landtstoertzer01_1615
961
1,615
Wer nit ſihet fuͤr ſich/ der findet ſich hinder ſich: oder wer nit iſt Fuͤrſichtig/ der wirdt hinderſichtig.
Wer nicht sieht für sich / der findet sich hinter sich: oder wer nicht ist vorsichtig / der wird hindersichtig.
de
de
de
1
5.5711
albertinus_landtstoertzer01_1615
962
1,615
Mit groſſem verlangen erwartete ich die andere Nacht/ zuuoꝛ aber wickelte ich 80. Kronen in ein ſtarnitzel/ legte ſie in einen ſeydenen beutel fuͤr den verlohꝛnen Papagey/ welcher mich gedunckte/ das er zu mir ſagte: como eſtas loco cautiuo? das iſt:
Mit großem verlangen erwartete ich die andere Nacht / zuvor aber wickelte ich 80. Kronen in ein starnitzel / legte sie in einen seidenen beutel für den verlorenen Papagei / welcher mich gedunkte / das er zu mir sagte: como estas loco cautiuo? das ist:
de
de
de
1
5.6766
albertinus_landtstoertzer01_1615
963
1,615
Gefangener Narꝛ/ wie ſtehts/ vnd wie gehts dir?
Gefangener Narr / wie steht es / und wie geht es dir?
de
de
nl
0.667
4.4632
albertinus_landtstoertzer01_1615
964
1,615
Nun wolan/ in der beſtim̃ten nacht ſandt ich mein Nympham im Fenſter ligen vñ auf mich warten:
Nun wohlan / in der bestimmten Nacht sandte ich mein Nympham im Fenster liegen und auf mich warten:
de
de
de
1
6.5168
albertinus_landtstoertzer01_1615
965
1,615
Jch gab jhꝛ zu verſtehen/ daß ſie ein Baͤndel oder ſtrickel herunder laſſen ſolte:
Ich gab ihr zu verstehen / dass sie ein Bändel oder strickel herunterlassen sollte:
de
de
de
1
5.7908
albertinus_landtstoertzer01_1615
966
1,615
Aber ſie war allbereit darmit gefaſt/ vnnd zohe darmit den Beutel mit Gelt zu ſich hinauff/ dann nach demſelben hatte ſie zweifels ohne/ ein vil groͤſſers verlangen/ weder nach meiner Perſon: Sie erzeigte mir auch groſſe zeichen der Lieb/ vnd ſagte/ daß wofern es in jhrer macht ſtuͤnde/ ſie mich in derſelben Nacht zu jhꝛ einlaſſen wolte/ aber doch woͤlle ſie auff alle muͤgliche mittel vnnd weg gedencken/ daß es ehiſtens beſchehe:
Aber sie war allbereits damit gefast / und zog damit den Beutel mit Geld zu sich hinauf / dann nach demselben hatte sie zweifelsohne / ein viel größeres verlangen / weder nach meiner Person: Sie erzeigte mir auch große Zeichen der Liebe / und sagte / dass so fern es in ihrer macht stünde / sie mich in derselben Nacht zu ihr einlassen wollte / aber doch wolle sie auf alle mögliche Mittel und weg Gedenken / dass es ehestens geschehe:
de
de
de
1
5.3973
albertinus_landtstoertzer01_1615
967
1,615
Jn ſumma/ ſie erfuͤllte mir beyde Wangen mit Windt/ den verſtandt mit vnrichtigkeit/ vnnd den willen mit guten hoffnungen/ jnmaſſen der Weiber eygenſchafft iſt/ daß ſie die einfaͤltige Buler aͤffen/ bezaubern/ vnd alslang der Beutel voll iſt/ darin niſten/ aber wann er laͤr iſt worden/ ſie verlaſſen/ vnnd ſampt den Schwalben gegen der Winterzeit ein anders Loſament oder Herberg ſuchen:
In summa / sie erfüllte mir beide Wangen mit Wind / den verstand mit Unrichtigkeit / und den Willen mit guten Hoffnungen / in Maßen der Weiber Eigenschaft ist / dass sie die einfältige Buhler äffen / bezaubern / und solang der Beutel voll ist / darin nisten / aber wann er leer ist worden / sie verlassen / und samt den Schwalben gegen der Winterzeit ein anders Losament oder Herberge suchen:
de
de
de
1
5.476
albertinus_landtstoertzer01_1615
968
1,615
Jn derſelben Nacht vnd nah beym Tag/ kam ich wider heimb in meines Herꝛn Hauß/ legte mich nider/ vnd ſchlieff biß vber acht:
In derselben Nacht und nah beim Tag / kam ich wieder heim in meines Herrn Haus / legte mich nieder / und schlief bis über acht:
de
de
de
1
4.9073
albertinus_landtstoertzer01_1615
969
1,615
das ward nun meinem Herꝛn geſagt/ derſelb lehrte ſein Schweſter die Jungkfraw Liuiam an/ daß ſie mich vber Tiſch fragte vnnd ſprach:
das wurde nun meinem Herrn gesagt / derselbe lehrte sein Schwester die Jungfrau Liuiam an / dass sie mich über Tisch fragte und sprach:
de
de
de
1
6.7459
albertinus_landtstoertzer01_1615
970
1,615
Herꝛ Hofmeiſter/ iſts in Hiſpanien auch der gebrauch/ daß man deß Morgens nicht fruͤ auffſtehet?
Herr Hofmeister / ist es in Hispanien auch der Gebrauch / dass man des Morgens nicht früh aufstehet?
de
de
de
1
5.3091
albertinus_landtstoertzer01_1615
971
1,615
Jch antwortet vnd ſprach: der gleichen Geſellen/ wie ich bin/ vnd welche jhrem Herꝛn auff den dienſt haben zu warten/ ſtehet das lange ſchlaffen nit wol/ an/ aber die Herꝛen vnd Frawen haben im gebrauch/ daß ſie auß dem Tag ein Nacht/ vnd auß der Nacht einen Tag machen/ daß auch ſie der Soñen die Fenſter verſperꝛen/ vnd ſich mit dem Liecht vnd ſchein deß Mohns behelffen/ aber ich habs nit mit willen/ ſonder auß noth gethan/ dann ich hab mich in der vergangenen Nacht vbel auff befunden.
Ich antwortet und sprach: Der gleichen Gesellen / wie ich bin / und welche ihrem Herrn auf den Dienst haben zu warten / steht das lange schlafen nicht wohl / an / aber die Herren und Frauen haben im Gebrauch / dass sie aus dem Tag ein Nacht / und aus der Nacht einen Tag machen / dass auch sie der Sonnen die Fenster versperren / und sich mit dem Licht und Schein des Mohns behelfen / aber ich habe es nicht mit Willen / sonder aus Not getan / dann ich habe mich in der vergangenen Nacht übel auf befunden.
de
de
de
1
4.7156
albertinus_landtstoertzer01_1615
972
1,615
Die Jungfraw vnnd jhr Bruder mein Herꝛ winckten einander/ vnd gaben dardurch zu verſtehen/ dz ſie von meinen Woꝛten nit vil hielten.
Die Jungfrau und ihr Bruder mein Herr winkten einander / und gaben dadurch zu verstehen / dass sie von meinen Worten nicht viel hielten.
de
de
de
1
4.6987
albertinus_landtstoertzer01_1615
973
1,615
Jch aber nam 100. Kronen von meines Herꝛn gelt zu mir/ in meinung/ ſie meiner Jungkfrawen zu ſchencken:
Ich aber nahm 100. Kronen von meines Herrn Geld zu mir / in Meinung / sie meiner Jungfrauen zu schenken:
de
de
de
1
6.0773
albertinus_landtstoertzer01_1615
974
1,615
Als derwegen ich zu jhrer Behauſung kam/ lag ſie im Fenſter/ vnnd ſagte mir/ daß ſie auf mittel vnd weg gedaͤchte mich einzulaſſen:
Als derentwegen ich zu ihrer Behausung kam / lag sie im Fenster / und sagte mir / dass sie auf Mittel und weg gedächte mich einzulassen:
de
de
de
1
5.0124
albertinus_landtstoertzer01_1615
975
1,615
Jch glaubte es/ vnd ſagte jhr/ daß ſie ein Schnur herunder laſſen ſolte: daran band ich den Beutel mit 100. Kronen.
Ich glaubte es / und sagte ihr / dass sie ein Schnur herunterlassen sollte: daran band ich den Beutel mit 100. Kronen.
de
de
de
1
5.9936
albertinus_landtstoertzer01_1615
976
1,615
Alsbald ſie diß Gelt vberkom̃en/ gedachte ſie villeicht/ daß an mir nit vil mehꝛ zu rupffen war/ oder villeicht hatte ſie allbereit etwan einẽ andern Galan bey jhr im Hauſe/ derwegen vnd in wehrendem vnſerm allerbeſten diſcurrirẽ vnd vnderꝛedung/ ſprangen vier junge ſtarcke Kerl herfuͤr mit bloſſen wehꝛen/ vñ ſtelten ſich/ als wolten ſie vber mich herwiſchen: aber ich nam den fluͤchtigen Fuß alsbald in die Hand/ vnd es verkehrte ſich mein zarte vnd inbꝛuͤnſtige Lieb in ein groſſe foꝛcht/ ſchꝛecken vñ angſt/ dañ mein Beutel war laͤr woꝛden/ vnd ich wuſte je nit/ wie ich gegen meinem Herꝛn mit der rechnung beſtehen ſolte.
Alsbald sie dies Geld überkommen / gedachte sie vielleicht / dass an mir nicht viel mehr zu rupfen war / oder vielleicht hatte sie allbereits etwan einen anderen Galan bei ihr im Hause / derentwegen und in währendem unserem allerbesten diskurrieren und Unterredung / sprangen vier junge starke Kerl herfür mit bloßen wehren / und stellten sich / als wollten sie über mich herwischen: aber ich nahm den flüchtigen Fuß alsbald in die Hand / und es verkehrte sich mein zarte und inbrünstige Liebe in ein große furcht / schrecken und Angst / dann mein Beutel war leer worden / und ich wusste je nicht / wie ich gegen meinem Herrn mit der Rechnung bestehen sollte.
de
de
de
1
5.2095
albertinus_landtstoertzer01_1615
977
1,615
Nun hoͤret wie mirs ferꝛner ergangen.
Nun höret wie mir es ferner ergangen.
de
de
lb
0.667
6.908
albertinus_landtstoertzer01_1615
978
1,615
Capvt XXV.
Capvt XXV.
en
en
hu
0
8.45
albertinus_landtstoertzer01_1615
979
1,615
Guſman wirdt befaͤngnuſt.
Gusman wird befängnust.
de
de
fy
0.667
7.8016
albertinus_landtstoertzer01_1615
980
1,615
SElten kompt ein Vngluͤck alleinig/ ſonder wirdt gemeingklich mit noch andern beglaidt/ dann als ich wider zu hauß kam/ fandt ich das Fenſter meines Loſaments offen/ das gefil mir gleichwol nit/ aber doch ſtig ich hindurch/ vñ ſahe meinen Herꝛn ſampt vilen Dienern in meinem Zimmer ſtehen/ dieſelbigen erſchracken an mir/ ſchryen vnnd ſprachen:
Selten kommt ein Unglück alleinig / sonder wird gemeiniglich mit noch anderen Begleit / dann als ich wieder zu Haus kam / fand ich das Fenster meines Losaments offen / das gefiel mir gleichwohl nicht / aber doch stieg ich hindurch / und sah meinen Herrn samt vielen Dienern in meinem Zimmer stehen / dieselbigen erschraken an mir / schrien und sprachen:
de
de
de
1
5.094
albertinus_landtstoertzer01_1615
981
1,615
Jetzt haben wir den Dieb:
Jetzt haben wir den Dieb:
de
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de
1
4.1737
albertinus_landtstoertzer01_1615
982
1,615
ich wolte mich gleichwol entſchuldigẽ/ aber kein entſchuldigung fand ſtatt bey jhnen/ dann ſie vermeinten/ daß ich der jenig Dieb war/ welcher kurtz daruor in meinem abweſen durch das Fenſter geſtigen/ vnd nichts im Loſament gelaſſen hatte:
ich wollte mich gleichwohl entschuldigen / aber kein Entschuldigung fand statt bei ihnen / dann sie vermeinten / dass ich der jenig Dieb war / welcher kurz davor in meinem Abwesen durch das Fenster gestiegen / und nichts im Losament gelassen hatte:
de
de
de
1
5.8378
albertinus_landtstoertzer01_1615
983
1,615
Dannenhero hielt man mich fuͤr den rechten Thaͤter/ vnd daß ich an jetzo keiner andern vrſachẽ halben waͤre wider hin kommen/ als noch mehr auß dem hauſe zu entragẽ.
Dannenher hielt man mich für den rechten Täter / und dass ich an jetzt keiner anderen Ursachen halben wäre wieder hinkommen / als noch mehr aus dem Hause zu entragen.
de
de
de
1
6.4761
albertinus_landtstoertzer01_1615
984
1,615
Mein Herꝛ wolte mich nit anhoͤren/ vnd die Diener verhetzten jne wider mich/ vnd ſagten/ daß eꝛ mir nit ſo vil trawen hette ſollen/ ſeytemal er mich nicht zuuoꝛ gekennt hatte.
Mein Herr wollte mich nicht anhören / und die Diener verhetzten jene wider mich / und sagten / dass er mir nicht so viel trauen hätte sollen / sintemal er mich nicht zuvor gekannt hatte.
de
de
de
1
4.4231
albertinus_landtstoertzer01_1615
985
1,615
Mein Herꝛ begerte Rechnung von mir/ die gab ich jm geſchwind/ aber es gingen die 300. Kronen ab/ die ich verbult vnd vernarꝛt hatte/ derwegen ließ er mich geſchwind auß dẽ Liecht in die Finſternuß legen/ vnd mit einem ſteinigen Haͤubel vberziehen/ da gedachte ich an das jenig/ was die Aſtrologi vñ ſternſeher meiner Mutter geweiſſagt hatten/ dz nemblich ich vil Muͤhe/ arbeit vnnd leibsſtraff wuͤrde außſtehen/ dann ob ſchon die Aſtrologia vilmals fehlt vnnd leugt/ ſeytemal ſie ſich auff die experientz der vergangnen effecten (welche vngewiß ſeind wegen der vngewißheit der elementiſchen diſpoſition) fundiret/ ſo pflegen doch dergleichen Weiſſagungen bißweilen zu zutreffen/ zumaln wann der Menſch ſich ſelbſt zum verdeꝛben geneigt vñ befliſſen iſt/ vñ ſelbſt ſemem vnheil nachtrachtet.
Mein Herr begehrte Rechnung von mir / die gab ich ihm geschwind / aber es gingen die 300. Kronen ab / die ich verbuhlt und vernarrt hatte / derentwegen ließ er mich geschwind aus den Licht in die Finsternis legen / und mit einem steinigen Häubel überziehen / da gedachte ich an das jenig / was die Astrologi und Sternseher meiner Mutter geweissagt hatten / dass nämlich ich viel Mühe / Arbeit und leibsstraff würde ausstehen / dann ob schon die Astrologia vielmals fehlt und lügt / sintemal sie sich auf die experientz der vergangenen Effekten (welche ungewiss sind wegen der Ungewissheit der Elementtischen Disposition) fundieret / so pflegen doch dergleichen Weissagungen bisweilen zuzutreffen / zumal wann der Mensch sich selbst zum Verderben geneigt und beflissen ist / und selbst Semem Unheil nachtrachtet.
de
de
de
1
5.1351
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986
1,615
Jch bate meinen Herꝛn vmb gnad vnd verzeihung/ aber es war alles vergebens/ ſonder man fuͤhrte mich auß meines Herꝛn Gefaͤngknuß in die gemeine Schachteley oder Hofgefaͤngknuß/ deſſen ſchaͤmete ich mich zum hoͤchſten/ dann auß allen Gaſſen vnd Haͤuſern lieffen die Leuth herzu/ vnd wolten den jungen vnd ſchoͤnen Spaniſchen Hofmeiſter ſehen: Nichts aber verdroß mich ſo ſehr/ als eben daß ich vor dem Loſament der Jungkfrawen/ dern ich die 180. Kronen angehenckt hatte/ fuͤrgefuͤhrt ward/ dann ich ſahe/ daß ſie neben jhrem Galan im Fenſter lag/ mit Fingern auff mich zeigte vnd meiner ſpottete.
Ich bat meinen Herrn um Gnade und Verzeihung / aber es war alles vergebens / sonder man führte mich aus meines Herrn Gefängnis in die gemeine Schachtelei oder Hofgefängnis / dessen schämte ich mich zum höchsten / dann aus allen Gassen und Häusern liefen die Leute herzu / und wollten den jungen und schönen spanischen Hofmeister sehen: Nichts aber verdross mich so sehr / als eben dass ich vor dem Losament der Jungfrauen / deren ich die 180. Kronen angehängt hatte / vorgeführt wurde / dann ich sah / dass sie neben ihrem Galan im Fenster lag / mit Fingern auf mich zeigte und meiner spottete.
de
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de
1
5.0663
albertinus_landtstoertzer01_1615
987
1,615
Als ich nun in diſe Gefaͤngknuß kam/ da fing ich an in mich ſelbſt zu gehen/ vnd meinen elendigen Standt vnnd beuoꝛſtehende gefahr zu erkennen/ dann nicht allein war ich meiner freyheit beraubt/ ſonder ich hatte auch nichts zu eſſen/ zu dem befandt ich im werck/ daß dergleichen gefaͤngnuß je nichts anders ſeind/ als ein ebenbild der Hoͤllen/ dañ wañ einer bey der Nacht hinein kompt/ ſo ſihet vnnd hoͤret man nichts anders/ als ein ſchroͤcken der dicken Finſternuſſen/ deß verwirꝛten ſchreyens vnnd ruffens/ deß rauſchens der Ketten/ deß vnleydenlichen geſtancks/ vnd deß klaͤglichen ſeufftzens/ dann nur der Hepffen oder der faum der Welt kompt daſelbſt zuſammen/ gezwungen ward ich/ einem jeglichen in der Gefaͤngnuß zu dienen/ vnd jhnen jhre Speiſen zu zutragen/ dardurch bekam ich bißweilen ein ſtuck Brots vnnd einen trunck Weins:
Als ich nun in diese Gefängnis kam / da fing ich an in mich selbst zu gehen / und meinen elendigen Stand und bevorstehende Gefahr zu erkennen / dann nicht allein war ich meiner Freiheit beraubt / sonder ich hatte auch nichts zu essen / zu dem befand ich im Werk / dass dergleichen Gefängnis je nichts anders sind / als ein Ebenbild der Höllen / dann wann einer bei der Nacht hineinkommt / so sieht und höret man nichts anders / als ein Schrecken der dicken Finsternussen / des verwirrten Schreiens und Rufens / des Rauschens der Ketten / des unleidlichen Gestanks / und des kläglichen Seufzens / dann nur der Hepffen oder der faum der Welt kommt daselbst zusammen / gezwungen wurde ich / einem jeglichen in der Gefängnis zu dienen / und ihnen ihre Speisen zuzutragen / dadurch bekam ich bisweilen ein Stück Brots und einen Trunk Weins:
de
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de
1
4.6556
albertinus_landtstoertzer01_1615
988
1,615
Weil man mich auch ſechs wochenlang ligen ließ/ ſo ward mir gerathen/ daß ich ein Supplication machen/ vnd vmb erledigung anhalten ſolte:
Weil man mich auch sechs wochenlang liegen ließ / so wurde mir geraten / dass ich ein Supplikation machen / und um Erledigung anhalten sollte:
de
de
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1
5.0605
albertinus_landtstoertzer01_1615
989
1,615
Jch folgte diſem guten rath/ ſuchte Feder vñ Dinten/ vnnd ſchrib ein ſupplication:
Ich folgte diesem guten Rat / suchte Feder und dienten / und schrieb ein Supplikation:
de
de
de
1
6.5957
albertinus_landtstoertzer01_1615
990
1,615
Als die andere Gefangenen mein Schrifft vnd Gedicht ſahen/ verwunderten ſie ſich/ hielten mich fuͤr einen Gelehrten/ vnnd jederman kam zu mir/ vnnd begerte/ daß ich jhnen ſupplicationes machen vnd ſchreiben wolte/ durch diſes mittel gewann ich etliche Real/ vnd ſpickte darmit meinen Beutel:
Als die andere Gefangenen mein Schrift und Gedicht sahen / verwunderten sie sich / hielten mich für einen Gelehrten / und jedermann kam zu mir / und begehrte / dass ich ihnen supplicationes machen und schreiben wollte / durch dieses Mittel gewann ich etliche Real / und spickte damit meinen Beutel:
de
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de
1
5.3435
albertinus_landtstoertzer01_1615
991
1,615
Letzlichen erbarmte ſich mein Herꝛ vber mich/ vnd ließ mich widerum̃ auff freyen Fuß ſtellen.
Lätzlichen erbarmte sich mein Herr über mich / und ließ mich wiederum auf freien Fuß stellen.
de
de
de
1
4.5381
albertinus_landtstoertzer01_1615
992
1,615
Capvt XXVI.
Capvt XXVI.
en
en
hu
0
9.0941
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993
1,615
Guſman dienet widerumb fuͤr einen Koch/ vnnd komptgen Montſerrat.
Gusman dient wiederum für einen Koch / und kommt Montserrat.
de
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lb
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6.7373
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ALsbald ich widerumb ledig worden/ begegneten mir zwen junge Spanier/ die dienten dem Koͤniglichen Statthalter zu Neapolis/ vnnd ſagten mir/ daß jhr Herꝛ vorhabens waͤre/ widerum̃ in Hiſpanien zu ziehen/ vñ daß er eines Kochs bedoͤꝛffte/ der mit jhm reiſte:
Alsbald ich wiederum ledig worden / begegneten mir zwei junge Spanier / die dienten dem Königlichen Statthalter zu Neapolis / und sagten mir / dass ihr Herr Vorhabens wäre / wiederum in Hispanien zu ziehen / und dass er eines Kochs bedürfte / der mit ihm reiste:
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Jch gab jhnen zur antwort/ daß ich wol kochen koͤndt/ vnd vrbietig waͤre/ jhrem Herꝛn zu dienen: Sie brachten mich zu jhm/ vnnd er empfing alsbald/ vnd hatte ein ſo gutes gefallen an meinem reden vnnd weſen/ daß er mich fuͤr einen Koch annam: Sehet die vnbeſtaͤndigkeit deß Gluͤcks: zuvor war ich eines anſehenlichen Herꝛn Hofmeiſter/ an jetzo aber bin ich nur ein ſchmotziger vnd rotziger Koch/ Suppenſchmidt vnnd Abſpuͤler.
Ich gab ihnen zur Antwort / dass ich wohl kochen könnt / und erbötig wäre / ihrem Herrn zu dienen: Sie brachten mich zu ihm / und er empfing alsbald / und hatte ein so gutes gefallen an meinem reden und Wesen / dass er mich für einen Koch annahm: Sehet die Unbeständigkeit des Glücks: zuvor war ich eines ansehenlichen Herrn Hofmeister / an jetzt aber bin ich nur ein schmutziger und rotziger Koch / Suppenschmied und Abspüler.
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Jch kehrte widerumb zu meinem centro, wie der Fiſch zum waſſer/ vñ ſchickte mich dermaſſen in die kocherey/ dz mein Herꝛ der Statthalter ein ſonderbares gefallen an mir hatte/ mich wie ſein eygnes Kindt liebte/ mir allen meinen willen ließ/ vnnd das Laſter deß Spielens verſtattete.
Ich kehrte wiederum zu meinem centro, wie der Fisch zum Wasser / und schickte mich dermaßen in die Kocherei / dass mein Herr der Statthalter ein sonderbares gefallen an mir hatte / mich wie sein eigenes Kind liebte / mir allen meinen Willen ließ / und das Laster des Spielens verstattete.
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Meines Herꝛn Fraw war ein Hochteutſche/ ſie hatte ein bar Augen/ die glantzten wie zwen Stern deß Himmels/ vnd kondten im vbrigen verglichen werden dem Mohn am juͤngſtẽ Gericht/ wann er blutroth ſein wirdt:
Meines Herrn Frau war ein Hochdeutsche / sie hatte ein bar Augen / die glantzten wie zwei Stern des Himmels / und konnten im Übrigen verglichen werden dem Mohn am jüngsten Gericht / wann er blutrot sein wird:
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