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|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 896 | 1,615 | Hierdurch gab er meines erachtens zu veꝛſtehen/ daß vnſere jetzige Rathsherꝛen biß weilen den vberfluß der gelehrtheit/ aber groſſen mangel an der diſcretion, fuͤrſichtigkeit vnd weißheit leiden. | Hierdurch gab er meines Erachtens zu verstehen / dass unsere jetzige Ratsherren bisweilen den Überfluss der Gelehrtheit / aber großen Mangel an der Diskretion, Vorsichtigkeit und Weisheit leiden. | de | de | de | 1 | 5.3137 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 897 | 1,615 | Die vnhoͤfligkeit/ die vnwiſſenheit/ die einfalt vnd die vngelehrtheit wirdt gar gern begleidt mit der innocentia vnnd vnſchuidt/ aber die curioſitet vnd ſubtilitet wird beglait mit der Boßheit: | Die Unhöflichkeit / die Unwissenheit / die Einfalt und die Ungelehrtheit wird gar gern Begleit mit der innocentia und vnschuidt / aber die Kuriosität und Subtilität wird Begleit mit der Bosheit: | de | de | de | 1 | 4.7648 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 898 | 1,615 | Die demut/ foꝛcht/ gehoꝛſam vnnd guͤtigkeit begehren ein laͤhre/ gelehrnige vnnd demuͤtige Seel/ welche nit vil von jhr ſelbſt preſumiret. | Die Demut / furcht / gehorsam und Gütigkeit begehren ein Lehre / gelehrnige und demütige Seele / welche nicht viel von ihr selbst präsumieret. | de | de | de | 1 | 5.9061 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 899 | 1,615 | Kein ſchaͤdlicher ding iſt auff Erden als eben der Fuͤrwitz: | Kein schädlicher Ding ist auf Erden als eben der Fürwitz: | de | de | de | 1 | 6.6859 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 900 | 1,615 | Die ſoꝛg vnnd begird ſich in der Weißheit vnnd ſcientz zu augmentiren/ iſt geweſt der erſte fall vnnd verderben deß Menſchlichen Geſchlechts/ ſie iſt auch der weeg/ auff welchem man ſich ſtuͤrtzet in die ewige Verdamnuß. | Die sorg und Begierde sich in der Weisheit und scientz zu augmentieren / ist gewesen der erste Fall und verderben des menschlichen Geschlechts / sie ist auch der Weg / auf welchem man sich stürzet in die ewige Verdammnis. | de | de | de | 1 | 5.1278 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 901 | 1,615 | Selig vnnd abermal ſelig ſeind derwegen die Jnnwohner in Breſilia/ welche nur wegen deß hohen alters ſterben/ vnnd nicht wegen deß geſunden Luffts/ ſonder wegen der jhrer geſunden/ ruhigen vnnd ohn paſſionirten Seelen ſo lang leben. | Selig und abermals selig sind derentwegen die Inwohner in Bresilia / welche nur wegen des hohen alters sterben / und nicht wegen des gesunden Lofts / sonder wegen der ihrer gesunden / ruhigen und ohne passionierten Seelen so lang leben. | de | de | de | 1 | 5.4607 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 902 | 1,615 | Dann fuͤrwar/ diſe Leuth verzehren jhr leben in aller einfalt/ in der Jgnorantz/ ohne Gelehrtheit/ ohne Geſetz/ ohne Koͤnig vnnd ohne Religion. | Dann fürwahr / diese Leute verzehren ihr leben in aller Einfalt / in der Ignoranz / ohne Gelehrtheit / ohne Gesetz / ohne König und ohne Religion. | de | de | de | 1 | 4.2404 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 903 | 1,615 | Capvt XXIII. | Capvt XXIII. | en | en | pl | 0 | 9.2807 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 904 | 1,615 | Guſman erzehlt/ was jhm ſeines Herꝛn Hofmeiſter fuͤr einen poſſen geriſſen. | Gusman erzählt / was ihm seines Herrn Hofmeister für einen Possen gerissen. | de | de | fy | 0.667 | 6.6404 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 905 | 1,615 | DEr Herꝛ Graf lachte vber diſes mein Geſchwaͤtz/ vnd ſagte/ Guſman/ du redeſt von der ſachen wie ein Lapp/ aber auffm Weg gehets wol hin. | Der Herr Graf lachte über dieses mein Geschwätz / und sagte / Gusman / du redest von der Sachen wie ein Lapp / aber aufm Weg geht es wohl hin. | de | de | de | 1 | 5.2519 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 906 | 1,615 | Jn wehrender ſolcher vnſer conuerſation kamen wir zu der Herberg/ vnnd mein Herꝛ befalche/ daß man mich ſolte wol tractiren/ das verdroß aber die andere Diener/ wurden mir neydig vnnd feindt/ vnnd legten mir vber Tiſch nur die Bein vnd Nieren fuͤr/ ich aber erzeigte jederzeit ein groſſe Gedult/ vnnd gedachte an die Wort: Oſſibus & neruis compegiſti me: | In währender solcher unser Konversation kamen wir zu der Herberge / und mein Herr befolge / dass man mich sollte wohl traktieren / das verdross aber die andere Diener / wurden mir neidig und Feind / und legten mir über Tisch nur die Bein und Nieren für / ich aber erzeigte jederzeit ein große Geduld / und gedachte an die Wort: Ossibus & neruis compegisti me: | de | de | de | 1 | 5.8094 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 907 | 1,615 | Als auch ich mich in einen winckel deß Hauſes (dann kein beth gab man mir) ſchlafen gelegt/ namẽ ſie mich beym Kopff vñ Fuͤſſen/ trugẽ mich in meines Herꝛn Schlafkammer/ legten mich vnden bey ſeinẽ beth nider/ vñ banden mir ein wachsliecht an dem Fuß. | Als auch ich mich in einen Winkel des Hauses (dann kein Bett gab man mir) schlafen gelegt / Namen sie mich beim Kopf und Füßen / trugen mich in meines Herrn Schlafkammer / legten mich unten bei seinen Bett nieder / und banden mir ein wachslich an dem Fuß. | de | de | de | 1 | 5.0492 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 908 | 1,615 | Das Wachsliecht hielt ſeinen diſcurs, vnd vollbrachte ſeinen Lauff/ vnd als es zu meinem Schuch vnd Fleiſch kam/ erwachte ich/ vnnd fing jaͤmmerlich an zu ſchreyen/ dann es traumte mir/ daß mich der Teuffel hinweg fuͤhren wolte: | Das Wachslicht hielt seinen Diskurs, und vollbrachte seinen Lauf / und als es zu meinem Schuh und Fleisch kam / erwachte ich / und fing jämmerlich an zu schreien / dann es traumte mir / dass mich der Teufel hinwegführen wollte: | de | de | lb | 0.667 | 4.9395 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 909 | 1,615 | Jch gedachte auch/ daß ich allbereit in der Hoͤllen lege/ ſeytemal mein Fuß anfing zu brinnen. | Ich gedachte auch / dass ich allbereits in der Höllen lege / sintemal mein Fuß anfing zu brennen. | de | de | de | 1 | 5.3134 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 910 | 1,615 | Mein Herꝛ lag gleichfals im erſten Schlaf/ erſchrack ob meinem geſchrey/ ſpꝛang im Hembd vom Beth/ ſchrye vñ vermeinte/ daß es ein Geſpenſt waͤre. | Mein Herr lag gleichfalls im ersten Schlaf / erschrak ob meinem Geschrei / sprang im Hemd vom Bett / schrie und vermeinte / dass es ein Gespenst wäre. | de | de | de | 1 | 5.237 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 911 | 1,615 | Vnſer beyder alteration vnd ſchrecken/ vnd ſonderlich meines Herꝛn/ war dermaſſen groß/ dz er gedachte zu ſterben/ man ſchickte alsbaldt nach dem Balbirer/ der jhm zur Ader ließ vnd mir meinen verbrenten Fuß verbandt. | Unser beider Alteration und schrecken / und sonderlich meines Herrn / war dermaßen groß / dass er gedachte zu sterben / man schickte alsbald nach dem Balbierer / der ihm zur Ader ließ und mir meinen verbrannten Fuß Verband. | de | de | de | 1 | 5.7485 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 912 | 1,615 | Er war ſehr vbel mit den Dienern zu friden/ vnd ſonderlich mit dem Hofmeiſter/ der deſſen allein ein Anſtiffter geweſt war/ vnnd mir diſen poſſen auß lauter neyd geriſſen/ derwegen gab er jm als bald vrlaub/ vnangeſehen ich (gleichwol nur zum ſchein) ſtarck fuͤr jhne intercedirte vnd bate. | Er war sehr übel mit den Dienern zu Frieden / und sonderlich mit dem Hofmeister / der dessen allein ein Anstifter gewesen war / und mir diesen Possen aus lauter Neid gerissen / derentwegen gab er ihm als bald Urlaub / unangesehen ich (gleichwohl nur zum Schein) stark für ihn interzedierte und bat. | de | de | de | 1 | 5.2788 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 913 | 1,615 | Folgendis ſprach er zu mir: Guſman/ du gefelſt mir wol/ vnnd will dich fuͤr einen Diener annemmen/ fuͤr einen Hofmeiſter gebrauchen/ vnd zu Neapolis mit Kleidern ſtaffiren. | Folgendes sprach er zu mir: Gusman / du gefelst mir wohl / und will dich für einen Diener annehmen / für einen Hofmeister gebrauchen / und zu Neapolis mit Kleidern staffieren. | de | de | de | 1 | 5.1645 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 914 | 1,615 | Das empfandẽ die andere Diener noch mehꝛ/ weil ſie ſahen/ daß ein ſolcher vnbekandter Stoͤrtzer/ vnnd vmblauffender zerꝛiſſener Menſch jhr Hofmeiſter ward. | Das empfanden die andere Diener noch mehr / weil sie sahen / dass ein solcher unbekannter Störtzer / und umlaufender zerrissener Mensch ihr Hofmeister wurde. | de | de | de | 1 | 5.4948 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 915 | 1,615 | Jch aber ward heimlich froh/ hielt mich fuͤr den allergluͤckſeligiſten Menſchen auff Erden/ fing an meinen dienſt zu vertretten/ vnd wuſte mich zimlich in die Sach zu ſchicken/ dann ich war von Natur demuͤtig/ hatte allbereit gelernt zu gehorſamen/ vnnd derwegen kondte ich deſto beſſer ſchaffen: | Ich aber wurde heimlich froh / hielt mich für den allerglückseligisten Menschen auf Erden / fing an meinen Dienst zu vertreten / und wusste mich ziemlich in die Sache zu schicken / dann ich war von Natur demütig / hatte allbereits gelernt zu gehorsamen / und derentwegen konnte ich desto besser schaffen: | de | de | de | 1 | 5.4076 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 916 | 1,615 | Darzu halff auch vil mein angebornes adeliches Gemuͤth/ das ward aber verderbt durch boͤſe geſellſchafft/ jnmaſſen voꝛ zeiten dem Roͤmiſchen Catalina beſchehen/ dann derſelb war ſehr edel/ aber ward dermaſſer verfuͤhꝛt vnd boßhafftig/ daß er vil andere ſeines gleichen verfuͤhꝛte/ dañ vnmuͤglich iſts/ daß einer lang tugentſamb ſein/ vnd in ſeinem ſtandt verbleiben koͤnne/ woferꝛn er vmbgeben iſt mit boͤſer geſellſchafft. | Dazu half auch viel mein angeborenes adeliges Gemüt / das wurde aber verderbt durch böse Gesellschaft / in Maßen vor Zeiten dem Römischen Catalina geschehen / dann derselbe war sehr edel / aber wurde dermasser verführt und boshaft / dass er viel andere seinesgleichen verführte / dann unmöglich ist es / dass einer lang tugendsam sein / und in seinem stand verbleiben könne / wofern er umgeben ist mit böser Gesellschaft. | de | de | de | 1 | 5.2266 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 917 | 1,615 | Eſopus erzehlt/ was geſtallt ein Kohler vnnd ein Waͤſcher ſich mit einander verglichen/ daß ſie beyſammen wohnen vnd arbeiten wolten/ aber der vnbeſonnene Waͤſcher erfuhꝛ im werck die gefahꝛ vnnd vngelegenheit/ dar in er ſich geſetzt hatte/ dann alles was er reinigte vnnd weiß machte/ das machte der Kohler ſchwartz vnd vnrein: weder das edle Blut/ noch die fleiſſige erzeigung/ noch die ſorgfaͤltige vnderweiſungen vnnd ermahnungen/ noch die vberfluͤſſige vnderhaltung ſeind ſufficient vnnd gnugſamb/ das Hertz eines Menſchen zu arbeiten/ wofern es vmbgeben iſt mit boͤſer geſellſchafft/ vnd eben diſes iſt auch mir widerfahren/ dann weil die junge Leut einer zarten condition ſeind/ vnd ein duͤnnes ringes vnd liederliches Blut habẽ/ ſo folgen ſie nur deme nach/ was ſie ſehen/ vnd ſie vnderſcheiden das boͤſe nit von dem boͤſen: | Esopus erzählt / was Gestalt ein Kohler und ein Wäscher sich miteinander verglichen / dass sie beisammen wohnen und arbeiten wollten / aber der unbesonnene Wäscher erfuhr im Werk die Gefahr und Ungelegenheit / dar in er sich gesetzt hatte / dann alles was er reinigte und weiß machte / das machte der Kohler schwarz und unrein: weder das edle Blut / noch die fleißige Erzeigung / noch die sorgfältige Unterweisungen und Ermahnungen / noch die überflüssige Unterhaltung sind sufficient und genugsam / das Herz eines Menschen zu arbeiten / sofern es umgeben ist mit böser Gesellschaft / und eben dieses ist auch mir widerfahren / dann weil die junge Leute einer zarten Kondition sind / und ein dünnes ringes und liederliches Blut haben / so folgen sie nur dem nach / was sie sehen / und sie unterscheiden das böse nicht von dem bösen: | de | de | de | 1 | 4.5587 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 918 | 1,615 | Jhre diſcretion erſtrecket ſich noch nit ſo weit/ daß ſie erkennen moͤgen/ was jhnen wol oder vbel anſtehet/ vnd wer ein guter oder boͤſer Freundt ſeye/ weil auch ſie mehreꝛs lieben/ denn verſtehen/ ſo verlieben ſie ſich leichtlich in die jenigen/ mit denen ſie vmbgehen. | Ihre Diskretion erstrecket sich noch nicht so weit / dass sie erkennen mögen / was ihnen wohl oder übel anstehet / und wer ein guter oder böser Freund sei / weil auch sie Mehrers lieben / denn verstehen / so verlieben sie sich leichtlich in diejenigen / mit denen sie umgehen. | de | de | de | 1 | 4.4639 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 919 | 1,615 | Allerdings transformiren vnd verkehren ſie ſich in jhre Sitten/ eben diſes war mein aller groͤſter Schad/ vnnd hat verurſacht/ daß ich die gantze zeit meines Lebens muͤhſelig vnd armſeligklich vmbgezogen. | Allerdings transformieren und verkehren sie sich in ihre Sitten / eben dieses war mein allergrößter Schad / und hat verursacht / dass ich die ganze Zeit meines Lebens mühselig und armseligelich umgezogen. | de | de | de | 1 | 5.0932 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 920 | 1,615 | Capvt XXIV. | Capvt XXIV. | en | en | hu | 0 | 9.1933 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 921 | 1,615 | Guſman wirdt ſtattlich wie ein Hofmeiſter gekleidt/ vnd fahet widerumb an zu buelen. | Gusman wird stattlich wie ein Hofmeister gekleidet / und fanget wiederum an zu Bühlen. | de | de | de | 1 | 6.0344 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 922 | 1,615 | ALs wir gen Neapolis kamen/ ließ mich mein Herꝛ ſtattlich kleiden/ wie einem Hofmeiſter gebuͤhret/ da wuͤnſchete man mir gluͤck/ vnd die Diener fingen erſt an/ mich zu reſpectiren/ zu verehꝛen vnd meinen befehlen zu gehorſamen/ gleichſamb hette mir das Kleidt die ſufficient vnnd laugligkeit zum Dienſt gegeben. | Als wir gen Neapolis kamen / ließ mich mein Herr stattlich kleiden / wie einem Hofmeister gebühret / da wünschte man mir Glück / und die Diener fingen erst an / mich zu respektieren / zu verehren und meinen befehlen zu gehorsamen / gleichsam hätte mir das Kleid die sufficient und laugligkeit zum Dienst gegeben. | de | de | de | 1 | 5.0138 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 923 | 1,615 | Nit allein ward ich alſo ſtattlich gekleidt/ ſonder wañ mein Herꝛ der Graf in der Kaꝛotzen wohin außfur/ muſte ich auff einẽ ſchoͤnen Pferdt neben jhm herreitẽ/ daß war mir nun ein groſſe ehꝛ/ vñ ich gedũckte mich nit wenig zu ſeyn. | Nicht allein wurde ich also stattlich gekleidet / sonder wann mein Herr der Graf in der Karotzen wohin Ausfuhr / musste ich auf einen schönen Pferd neben ihm herreiten / dass war mir nun ein große ehr / und ich geduckte mich nicht wenig zu sein. | de | de | de | 1 | 6.1424 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 924 | 1,615 | Einmals ſahe ich/ daß ein ſehꝛ ſchoͤne Jungfꝛaw in meines Herꝛn Hauß mit fleiß auff mich ſahe/ die hieß la Signora Liuia: war aber meines Herꝛn ſchweſter/ vnd nit deſto weniger war ich ſo gar naͤrriſch vnd vermeſſen/ daß ich mir einbildete/ dz ich jr in meinem ſchoͤnen Kleid ſo gar wol gefallen/ vnd daß ſie einlieb zu mir geſetzt hatte/ derwegen fing ich gleichfals alsbald an/ mich in ſie zu veriieben/ vnd alle meine Sinnen vnd gedancken nur auff ſie zu ſetzen. | Einmals sah ich / dass ein sehr schöne Jungfrau in meines Herrn Haus mit Fleiß auf mich sah / die hieß la Signora Liuia: war aber meines Herrn Schwester / und nicht desto weniger war ich so gar närrisch und vermessen / dass ich mir einbildete / dass ich ihr in meinem schönen Kleid so gar wohl gefallen / und dass sie einlieb zu mir gesetzt hatte / derentwegen fing ich gleichfalls alsbald an / mich in sie zu veriieben / und alle meine Sinnen und Gedanken nur auf sie zu setzen. | de | de | de | 1 | 4.642 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 925 | 1,615 | Nur die Signora Liuia lag mir im Sinn: | Nur die Signora Liuia lag mir im Sinn: | de | de | gd | 0.667 | 5.559 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 926 | 1,615 | Sehet was ſchoͤne Kleider vnd Gelt verurſachet: im wenigſten betrachtete ich meinen voꝛigen Bettelſtaudt/ Bernhaͤuterey vnd Armut/ ſonder vberkam newe gedancken vnd hoffnungen: | Sehet was schöne Kleider und Geld verursachet: im wenigsten betrachtete ich meinen vorigen Bettelstaudt / Bärenhäuterei und Armut / sonder überkam neue Gedanken und Hoffnungen: | de | de | de | 1 | 6.3663 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 927 | 1,615 | ich vnderſtund mich/ mein Hertz auff ſolche Frawen zu ſetzen/ die ich zuuoꝛ nit hette mit meinẽ Augen doͤrffen anſchawen: | ich unterstand mich / mein Herz auf solche Frauen zu setzen / die ich zuvor nicht hätte mit meinen Augen dürfen anschauen: | de | de | de | 1 | 5.5961 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 928 | 1,615 | Nit gebachte ich an das Exempel deß verlohꝛnen Sohns/ vnd wie vbel es jhm mit ſeiner Bulerey vnd ſchoͤnen Frawen ergangen war. | Nicht gepochte ich an das Exempel des verlorenen Sohns / und wie übel es ihm mit seiner Buhlerei und schönen Frauen ergangen war. | de | de | lb | 0.667 | 4.9106 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 929 | 1,615 | Als lang einer reich vnd im guten wolſtande iſt/ laden ſich die ſchoͤne Fraͤwlein ſelbſt zu jhm zu gaſt/ es præſentiren vnd erbieten ſich tauſent Kupler vñ Kuplerin/ vnnd in allen Wirtshaͤuſern iſt er willkomb/ lieb vnd angenemb/ aber wann er arm worden/ alsdañ iſt er menigklichs ſchabab. | Als lang einer reich und im guten Wohlstande ist / laden sich die schöne Fräulein selbst zu ihm zu gast / es präsentieren und erbieten sich tausend Kuppler und Kupplerin / und in allen Wirtshäusern ist er willkommen / lieb und angenehm / aber wann er arm worden / alsdann ist er menigklichs schabab. | de | de | de | 1 | 5.6853 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 931 | 1,615 | Taͤglich ritte ich zweymal ſpatzieren/ vnd hette mich gern den gantzen Taglang auff der Gaſſen befunden/ nur damit man meine ſchoͤne Kleider vnd den newen jungen Hofmeiſter ſehen ſolte. | Täglich ritt ich zweimal spazieren / und hätte mich gern den ganzen Taglang auf der Gassen befunden / nur damit man meine schöne Kleider und den neuen jungen Hofmeister sehen sollte. | de | de | de | 1 | 5.1543 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 932 | 1,615 | Einsmals ſahe ich ein ſehr ſtattliche vnnd ſchoͤne Fraw voꝛ mir hergehen/ die war begleit von einer andern alten erbarn Frawen. | Einsmals sah ich ein sehr stattliche und schöne Frau vor mir hergehen / die war Begleit von einer anderen alten ehrbaren Frauen. | de | de | de | 1 | 5.0915 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 933 | 1,615 | Nun fing diſe Fraw an zu ſtraucheln/ vnnd ſo gar nider zu fallen: | Nun fing diese Frau an zu straucheln / und so gar niederzufallen: | de | de | lb | 0.667 | 4.608 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 934 | 1,615 | Villeicht wars jhr ernſt/ villeicht aber nicht: | Vielleicht war es ihr ernst / vielleicht aber nicht: | de | de | de | 1 | 5.919 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 935 | 1,615 | Jch aber ſprang geſchwindt/ wie der Wind/ vom Pferdt herunder/ halff jr wider auffſtehen/ vnnd ſprach auff Spaniſch zu jhr: | Ich aber sprang geschwind / wie der Wind / vom Pferd herunter / half ihr wieder aufstehen / und sprach auf Spanisch zu ihr: | de | de | de | 1 | 4.7127 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 936 | 1,615 | Weil jhr mir/ ſo bald ich euch geſehen/ mein Hertz habt geſtohlen/ ſo bitte ich/ jhꝛ woͤllets gnedigklich tractiren. | Weil ihr mir / so bald ich euch gesehen / mein Herz habt gestohlen / so bitte ich / ihr wöllet gnädiglich traktieren. | de | de | de | 1 | 5.2892 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 937 | 1,615 | Sie verwunderte ſich/ daß ſie mich hoͤrte Spaniſch reden/ vnd ſtelte ſich/ als hette ſie ein wolgefallen dran/ darneben gab ſie mir zur antwort/ daß ſie ſich meines dienſts vnd huͤlff nit wuͤrdig erkennte. | Sie verwunderte sich / dass sie mich hörte Spanisch reden / und stellte sich / als hätte sie ein wohlgefallen dran / daneben gab sie mir zur Antwort / dass sie sich meines Diensts und Hilfe nicht würdig erkennte. | de | de | de | 1 | 5.1591 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 938 | 1,615 | Jch ſetzte mich wider zu Roß/ vnnd ſie ging heimb in jhrer Mutter Hauß: | Ich setzte mich wieder zu Ross / und sie ging heim in ihrer Mutter Haus: | de | de | de | 1 | 5.0161 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 939 | 1,615 | Da fing ich an/ Schloͤſſer im Lufft zu bawen/ vnd die reuolution der gedancken zu empfinden. | Da fing ich an / Schlösser im Luft zu bauen / und die Revolution der Gedanken zu empfinden. | de | de | de | 1 | 5.5673 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 940 | 1,615 | Der jetzt bemelten wort/ die ſie zu mir geredt hatte/ kondte ich je nit vergeſſen/ vnnd ich nam darbey ab/ daß ſie mir nit vnguͤnſtig waͤre. | Der jetzt bemehlten Wort / die sie zu mir geredet hatte / konnte ich je nicht vergessen / und ich nahm dabei ab / dass sie mir nicht ungünstig wäre. | de | de | de | 1 | 4.9866 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 942 | 1,615 | Nun fragte mich mein Herꝛ vber tiſch wie mir Neapolis gefiele? | Nun fragte mich mein Herr über Tisch wie mir Neapolis gefiele? | de | de | de | 1 | 6.3453 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 943 | 1,615 | Jch antwoꝛtet jm/ daß meines bedunckens in der gantzen Welt kein ſchoͤnere/ herꝛlichere noch kurtzweiligere Statt gefunden weiden koͤnte: Mein ſignora Liuia ſahe mich allzeit ſtarck an/ wann ich anderſtwohin ſchawte. | Ich antwortet ihm / dass meines Bedünkens in der ganzen Welt kein schönere / herrlichere noch kurzweiligere Statt gefunden weiden könnte: Mein Signora Liuia sah mich allzeit stark an / wann ich anderswohin schaffte. | de | de | de | 1 | 6.0764 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 944 | 1,615 | Dañ ich ließ mich geduncken/ daß alle vnd jede Frawen ein gefallen an mir vnd meinem weſen hatten: | Dann ich ließ mich Gedunke / dass alle und jede Frauen ein gefallen an mir und meinem Wesen hatten: | de | de | de | 1 | 6.8694 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 945 | 1,615 | Aber doch gedachte ich vilmehꝛ an die andere Fraw/ dern Handt ich beruͤhꝛt hatte/ als ich jhꝛ wider auff halff. | Aber doch gedachte ich vielmehr an die andere Frau / deren Hand ich berührt hatte / als ich ihr wieder aufhalf. | de | de | de | 1 | 4.6031 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 946 | 1,615 | Derwegen ging ich nach der Mahlzeit hinauß ſpatzieren/ vnd erſahe ſie von ferne in Fenſter ſtehen/ geſchwindt aber veꝛwendete ſie jhr Angeſicht von mir ab/ deſſen betruͤbte ich mich zum hoͤchſten/ Aber ein Magd eroͤffnete die Haußthuͤr/ winckte mir mit den Angen/ fuͤhrte mich durch zwo Gaſſen/ vnnd gab mir zu verſtehen/ was geſtalt jhꝛe Jungfraw gern geſehen hett/ daß ich den voꝛigen Abendt were zu jhꝛ kommen/ weiles aber nit beſchehen/ ſo ſolte ich doch in der Nacht vmb zwoͤlff vhr kommen/ vnnd auß dem Fenſter mit jhr reden: | Derentwegen ging ich nach der Mahlzeit hinausspazieren / und ersah sie von ferne in Fenster stehen / geschwind aber verwendete sie ihr Angesicht von mir ab / dessen betrübte ich mich zum höchsten / Aber ein Magd eröffnete die Haustür / winkte mir mit den Ahnen / führte mich durch zwei Gassen / und gab mir zu verstehen / was Gestalt ihre Jungfrau gern gesehen hat / dass ich den vorigen Abend wäre zu ihr kommen / weile aber nicht geschehen / so sollte ich doch in der Nacht um zwölf Uhr kommen / und aus dem Fenster mit ihr reden: | de | de | de | 1 | 4.9994 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 947 | 1,615 | Deſſen frewte ich mich zum hoͤchſten vnnd ſchenckte jhr alsbald ein bar Ducaten wegen der guten Bottſchafft. | Dessen freute ich mich zum höchsten und schenkte ihr alsbald ein bar Dukaten wegen der guten Botschaft. | de | de | de | 1 | 6.1743 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 948 | 1,615 | Jch vergaß der benennten zeit nit/ kein Schlaf fandt ſtatt in meinen Augen/ ein jeglich ſtundt gedunckte mich 100. Jahꝛlang zu ſeyn. | Ich vergaß der benennten Zeit nicht / kein Schlaf fand statt in meinen Augen / ein jeglich stand gedunkte mich 100. Jahrlang zu sein. | de | de | de | 1 | 6.7864 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 949 | 1,615 | Meines Herꝛn Hauß war gleichwol verſperꝛet/ aber ich ſtieg zum Fenſter hinauß/ verfuͤgte mich zum Hauſe vnd Fenſter meiner Jungfrawen/ das ſtundt gleichwol offen/ vnd ſahe ein Liecht brinnen/ aber darneben hoͤrte ich ein ſtarckes greinen/ dann die alte Fraw zanckete ſich mit jrer Tochter/ leydt war mirs/ daß die alte noch auff war/ vnd ſich noch nicht ſchlaffen gelegt hatte/ dann ich muſte deſto laͤnger herauſſen auff der Gaſſen warten/ vnnd gefahr außſtehen. | Meines Herrn Haus war gleichwohl versperret / aber ich stieg zum Fenster hinaus / verfügte mich zum Hause und Fenster meiner Jungfrauen / das stand gleichwohl offen / und sah ein Licht brennen / aber daneben hörte ich ein starkes greinen / dann die alte Frau zankte sich mit ihrer Tochter / leid war mir es / dass die alte noch auf war / und sich noch nicht schlafen gelegt hatte / dann ich musste desto länger heraußen auf der Gassen warten / und Gefahr ausstehen. | de | de | de | 1 | 5.0412 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 950 | 1,615 | Letztlichen kam die Magd zum Fenſter/ vnnd ſprach zu mir: Herꝛ/ es gibt diſe Nacht nit gelegenheit mit der Jungfrawen zu reden/ dann ſie hat geſtern ein koͤſtlich Kleynod verlohren/ vnd jhre Mutter hats heut bey jhr gemengelt/ vñ iſt ſehꝛ vbel zu friden. | Letztlich kam die Magd zum Fenster / und sprach zu mir: Herr / es gibt diese Nacht nicht Gelegenheit mit der Jungfrauen zu reden / dann sie hat gestern ein köstlich Kleinod verloren / und ihre Mutter hat es heute bei ihr gemengelt / und ist sehr übel zu Frieden. | de | de | de | 1 | 5.1443 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 951 | 1,615 | Da gedachte ich gleichwol/ daß ſolches nur ein Betrug ſein moͤchte/ jnmaſſen mir dergleichen Poͤßlein zu Toledo widerfahren war/ aber doch weil die Buler blindt ſeindt/ vnnd ich meines Herꝛn Beutel hatte/ ſo gab ich jhꝛ zur antwoꝛt/ daß ſie ſich deßwegen nicht kummern/ ſondern ſehen ſolte/ daß ich mit der Jungkfrawen reden moͤchte/ es muſte entweder das Kleynod wider gefunden/ oder ein anders erkaufft werden. | Da gedachte ich gleichwohl / dass solches nur ein Betrug sein möchte / in Maßen mir dergleichen Pösslein zu Toledo widerfahren war / aber doch weil die Buhler blind sind / und ich meines Herrn Beutel hatte / so gab ich ihr zur Antwort / dass sie sich deswegen nicht kümmern / sondern sehen sollte / dass ich mit der Jungfrauen reden möchte / es musste entweder das Kleinod wieder gefunden / oder ein anders erkauft werden. | de | de | de | 1 | 4.6692 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 952 | 1,615 | Die Magd hieß mich warten/ vnd baldt hernacher kam die Jungkfraw Lelia, redete gantz lieblich mit mir/ vnd ließ doch benebens etlich hertzliche ſeufftzer gehen/ wegen jres verlohrnen Kleynods: | Die Magd hieß mich warten / und bald hernach kam die Jungfrau Lelia, redete ganz lieblich mit mir / und ließ doch benebens etlich herzliche Seufzer gehen / wegen ihres verlorenen Kleinods: | de | de | de | 1 | 5.2091 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 953 | 1,615 | Darneben ließ ſie ſich auch mercken/ daß ich jhr nit vbel gefiel/ vnnd daß ſie mich alsbald anfangs als ſie mich erſehen/ lieb gewunnen/ zumaln weil ich ein Spanier/ vnd ohne zweifel eines guten Adelichen Geſchlechts waͤre. | Daneben ließ sie sich auch merken / dass ich ihr nicht übel gefiel / und dass sie mich alsbald anfangs als sie mich ersehen / lieb gewonnen / zumal weil ich ein Spanier / und ohne Zweifel eines guten adeligen Geschlechts wäre. | de | de | de | 1 | 4.8661 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 954 | 1,615 | Jn ſumma/ verurtheilt ward ich/ das Kleynod zu zahlen/ welches ſie ſagte/ daß ſie es vorgeſtern/ als ich ſie auff der Gaſſen angetroffen/ verlohren hatte/ vnnd vber 80. Ducaten werth geweſt ſein ſolte/ dann ſie ſagte/ daß es ein guldiner Papagey/ vnnd mit etlichen ſchoͤnen Rubinen vnd Diamanten verſetzt geweſt/ derwegen jre Mutter ſtarck mit jhr gegrinen/ vnnd der gaͤntzlichen meynung waͤre/ daß eben der jenig Mann/ der jhr auff der Gaſſen wider auffgeholffen/ jhrs genommen: | In summa / verurteilt wurde ich / das Kleinod zu zahlen / welches sie sagte / dass sie es vorgestern / als ich sie auf der Gassen angetroffen / verloren hatte / und über 80. Dukaten wert gewesen sein sollte / dann sie sagte / dass es ein goldener Papagei / und mit etlichen schönen Rubinen und Diamanten versetzt gewesen / derentwegen ihre Mutter stark mit ihr gegrinen / und der gänzlichen Meinung wäre / dass eben der jenig Mann / der ihr auf der Gassen wieder aufgeholfen / ihrs genommen: | de | de | de | 1 | 4.6481 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 955 | 1,615 | Dardurch gab nun die Jungkfraw zu verſtehen/ daß/ ob ſchon ich jhꝛs nit genommen/ ich doch der jenig ſein ſolte/ der jhꝛs wider geben vnd ein anders kauffen ſolte. | Dadurch gab nun die Jungfrau zu verstehen / dass / ob schon ich ihrs nicht genommen / ich doch der jenig sein sollte / der ihrs wieder geben und ein anders Kaufen sollte. | de | de | de | 1 | 5.2001 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 956 | 1,615 | Nun verglichen wir vns dahin/ daß ich in der andern Nacht vñ zu eben derſelben ſtundt widet kommen/ 80. Ducaten mit mir bringen/ vnd daß es an einem Strickel gebunden/ vnd zum Fenſter hinauff gezogen werden ſolte. | Nun verglichen wir uns dahin / dass ich in der anderen Nacht und zu eben derselben stand weidet kommen / 80. Dukaten mit mir bringen / und dass es an einem Strickel gebunden / und zum Fenster hinauf gezogen werden sollte. | de | de | de | 1 | 5.8617 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 957 | 1,615 | Darmit gingen wir damals von einander/ vnnd ich war eben ſo froh/ als hette ich beyde Jndien erfunden: | Damit gingen wir damals voneinander / und ich war eben so froh / als hätte ich beide Indien erfunden: | de | de | de | 1 | 6.0426 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 958 | 1,615 | Die gantze Welt wolte ich nit darfuͤr genommen haben/ daß ich Neapolis nit geſehen hette. | Die ganze Welt wollte ich nicht dafür genommen haben / dass ich Neapolis nicht gesehen hätte. | de | de | de | 1 | 5.4931 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 959 | 1,615 | Nunmehr O guͤnſtiger Leſer/ befandt ich mich in einer groſſen melancolia vnnd vnruhe/ vnd doch benebens in frewden/ dann ich gedachte auff alle mittel/ damit ich einen griff in meines Herꝛn mir anuertrautes gelt thun moͤchte/ damit ers nit merckte oder erfuͤhre. | Nunmehr O günstiger Leser / befand ich mich in einer großen melancolia und Unruhe / und doch benebens in Freuden / dann ich gedachte auf alle Mittel / damit ich einen griff in meines Herrn mir anvertrautes Geld tun möchte / damit er es nicht merkte oder erführe. | de | de | de | 1 | 5.9742 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 960 | 1,615 | Letztlichen entſchloſſe ich mich/ es anzugreiffen/ vnangeſehen ers erfuͤhre/ dermaſſen groß ward die Begierd/ mein Jungfraw Leliam zu contentiren/ dann fuͤrwar/ die verliebte Buler gedencken nit auff das zukuͤnfftige/ ſonder nur das gegenwertige/ dann weil ich reich war/ vnnd den Beutel voller Gelts hatte/ ſo gedachte ich nur auff die gegenwertige erluſtigungen/ vnnd im wenigiſten machte ich mein Rechnung auffs kuͤnfftig Jahr/ derwegen erging mirs dem gemeinen Sprichwoꝛt nach: | Letztlich entschloss ich mich / es anzugreifen / unangesehen er es erführe / dermaßen groß wurde die Begierde / mein Jungfrau Leliam zu kontentieren / dann fürwahr / die verliebte Buhler Gedenken nicht auf das zukünftige / sonder nur das gegenwärtige / dann weil ich reich war / und den Beutel voller Geld hatte / so gedachte ich nur auf die gegenwärtige erlustigungen / und im wenigisten machte ich mein Rechnung aufs künftig Jahr / derentwegen erging mir es dem gemeinen Sprichwort nach: | de | de | de | 1 | 5.5175 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 961 | 1,615 | Wer nit ſihet fuͤr ſich/ der findet ſich hinder ſich: oder wer nit iſt Fuͤrſichtig/ der wirdt hinderſichtig. | Wer nicht sieht für sich / der findet sich hinter sich: oder wer nicht ist vorsichtig / der wird hindersichtig. | de | de | de | 1 | 5.5711 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 962 | 1,615 | Mit groſſem verlangen erwartete ich die andere Nacht/ zuuoꝛ aber wickelte ich 80. Kronen in ein ſtarnitzel/ legte ſie in einen ſeydenen beutel fuͤr den verlohꝛnen Papagey/ welcher mich gedunckte/ das er zu mir ſagte: como eſtas loco cautiuo? das iſt: | Mit großem verlangen erwartete ich die andere Nacht / zuvor aber wickelte ich 80. Kronen in ein starnitzel / legte sie in einen seidenen beutel für den verlorenen Papagei / welcher mich gedunkte / das er zu mir sagte: como estas loco cautiuo? das ist: | de | de | de | 1 | 5.6766 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 963 | 1,615 | Gefangener Narꝛ/ wie ſtehts/ vnd wie gehts dir? | Gefangener Narr / wie steht es / und wie geht es dir? | de | de | nl | 0.667 | 4.4632 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 964 | 1,615 | Nun wolan/ in der beſtim̃ten nacht ſandt ich mein Nympham im Fenſter ligen vñ auf mich warten: | Nun wohlan / in der bestimmten Nacht sandte ich mein Nympham im Fenster liegen und auf mich warten: | de | de | de | 1 | 6.5168 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 965 | 1,615 | Jch gab jhꝛ zu verſtehen/ daß ſie ein Baͤndel oder ſtrickel herunder laſſen ſolte: | Ich gab ihr zu verstehen / dass sie ein Bändel oder strickel herunterlassen sollte: | de | de | de | 1 | 5.7908 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 966 | 1,615 | Aber ſie war allbereit darmit gefaſt/ vnnd zohe darmit den Beutel mit Gelt zu ſich hinauff/ dann nach demſelben hatte ſie zweifels ohne/ ein vil groͤſſers verlangen/ weder nach meiner Perſon: Sie erzeigte mir auch groſſe zeichen der Lieb/ vnd ſagte/ daß wofern es in jhrer macht ſtuͤnde/ ſie mich in derſelben Nacht zu jhꝛ einlaſſen wolte/ aber doch woͤlle ſie auff alle muͤgliche mittel vnnd weg gedencken/ daß es ehiſtens beſchehe: | Aber sie war allbereits damit gefast / und zog damit den Beutel mit Geld zu sich hinauf / dann nach demselben hatte sie zweifelsohne / ein viel größeres verlangen / weder nach meiner Person: Sie erzeigte mir auch große Zeichen der Liebe / und sagte / dass so fern es in ihrer macht stünde / sie mich in derselben Nacht zu ihr einlassen wollte / aber doch wolle sie auf alle mögliche Mittel und weg Gedenken / dass es ehestens geschehe: | de | de | de | 1 | 5.3973 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 967 | 1,615 | Jn ſumma/ ſie erfuͤllte mir beyde Wangen mit Windt/ den verſtandt mit vnrichtigkeit/ vnnd den willen mit guten hoffnungen/ jnmaſſen der Weiber eygenſchafft iſt/ daß ſie die einfaͤltige Buler aͤffen/ bezaubern/ vnd alslang der Beutel voll iſt/ darin niſten/ aber wann er laͤr iſt worden/ ſie verlaſſen/ vnnd ſampt den Schwalben gegen der Winterzeit ein anders Loſament oder Herberg ſuchen: | In summa / sie erfüllte mir beide Wangen mit Wind / den verstand mit Unrichtigkeit / und den Willen mit guten Hoffnungen / in Maßen der Weiber Eigenschaft ist / dass sie die einfältige Buhler äffen / bezaubern / und solang der Beutel voll ist / darin nisten / aber wann er leer ist worden / sie verlassen / und samt den Schwalben gegen der Winterzeit ein anders Losament oder Herberge suchen: | de | de | de | 1 | 5.476 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 968 | 1,615 | Jn derſelben Nacht vnd nah beym Tag/ kam ich wider heimb in meines Herꝛn Hauß/ legte mich nider/ vnd ſchlieff biß vber acht: | In derselben Nacht und nah beim Tag / kam ich wieder heim in meines Herrn Haus / legte mich nieder / und schlief bis über acht: | de | de | de | 1 | 4.9073 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 969 | 1,615 | das ward nun meinem Herꝛn geſagt/ derſelb lehrte ſein Schweſter die Jungkfraw Liuiam an/ daß ſie mich vber Tiſch fragte vnnd ſprach: | das wurde nun meinem Herrn gesagt / derselbe lehrte sein Schwester die Jungfrau Liuiam an / dass sie mich über Tisch fragte und sprach: | de | de | de | 1 | 6.7459 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 970 | 1,615 | Herꝛ Hofmeiſter/ iſts in Hiſpanien auch der gebrauch/ daß man deß Morgens nicht fruͤ auffſtehet? | Herr Hofmeister / ist es in Hispanien auch der Gebrauch / dass man des Morgens nicht früh aufstehet? | de | de | de | 1 | 5.3091 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 971 | 1,615 | Jch antwortet vnd ſprach: der gleichen Geſellen/ wie ich bin/ vnd welche jhrem Herꝛn auff den dienſt haben zu warten/ ſtehet das lange ſchlaffen nit wol/ an/ aber die Herꝛen vnd Frawen haben im gebrauch/ daß ſie auß dem Tag ein Nacht/ vnd auß der Nacht einen Tag machen/ daß auch ſie der Soñen die Fenſter verſperꝛen/ vnd ſich mit dem Liecht vnd ſchein deß Mohns behelffen/ aber ich habs nit mit willen/ ſonder auß noth gethan/ dann ich hab mich in der vergangenen Nacht vbel auff befunden. | Ich antwortet und sprach: Der gleichen Gesellen / wie ich bin / und welche ihrem Herrn auf den Dienst haben zu warten / steht das lange schlafen nicht wohl / an / aber die Herren und Frauen haben im Gebrauch / dass sie aus dem Tag ein Nacht / und aus der Nacht einen Tag machen / dass auch sie der Sonnen die Fenster versperren / und sich mit dem Licht und Schein des Mohns behelfen / aber ich habe es nicht mit Willen / sonder aus Not getan / dann ich habe mich in der vergangenen Nacht übel auf befunden. | de | de | de | 1 | 4.7156 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 972 | 1,615 | Die Jungfraw vnnd jhr Bruder mein Herꝛ winckten einander/ vnd gaben dardurch zu verſtehen/ dz ſie von meinen Woꝛten nit vil hielten. | Die Jungfrau und ihr Bruder mein Herr winkten einander / und gaben dadurch zu verstehen / dass sie von meinen Worten nicht viel hielten. | de | de | de | 1 | 4.6987 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 973 | 1,615 | Jch aber nam 100. Kronen von meines Herꝛn gelt zu mir/ in meinung/ ſie meiner Jungkfrawen zu ſchencken: | Ich aber nahm 100. Kronen von meines Herrn Geld zu mir / in Meinung / sie meiner Jungfrauen zu schenken: | de | de | de | 1 | 6.0773 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 974 | 1,615 | Als derwegen ich zu jhrer Behauſung kam/ lag ſie im Fenſter/ vnnd ſagte mir/ daß ſie auf mittel vnd weg gedaͤchte mich einzulaſſen: | Als derentwegen ich zu ihrer Behausung kam / lag sie im Fenster / und sagte mir / dass sie auf Mittel und weg gedächte mich einzulassen: | de | de | de | 1 | 5.0124 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 975 | 1,615 | Jch glaubte es/ vnd ſagte jhr/ daß ſie ein Schnur herunder laſſen ſolte: daran band ich den Beutel mit 100. Kronen. | Ich glaubte es / und sagte ihr / dass sie ein Schnur herunterlassen sollte: daran band ich den Beutel mit 100. Kronen. | de | de | de | 1 | 5.9936 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 976 | 1,615 | Alsbald ſie diß Gelt vberkom̃en/ gedachte ſie villeicht/ daß an mir nit vil mehꝛ zu rupffen war/ oder villeicht hatte ſie allbereit etwan einẽ andern Galan bey jhr im Hauſe/ derwegen vnd in wehrendem vnſerm allerbeſten diſcurrirẽ vnd vnderꝛedung/ ſprangen vier junge ſtarcke Kerl herfuͤr mit bloſſen wehꝛen/ vñ ſtelten ſich/ als wolten ſie vber mich herwiſchen: aber ich nam den fluͤchtigen Fuß alsbald in die Hand/ vnd es verkehrte ſich mein zarte vnd inbꝛuͤnſtige Lieb in ein groſſe foꝛcht/ ſchꝛecken vñ angſt/ dañ mein Beutel war laͤr woꝛden/ vnd ich wuſte je nit/ wie ich gegen meinem Herꝛn mit der rechnung beſtehen ſolte. | Alsbald sie dies Geld überkommen / gedachte sie vielleicht / dass an mir nicht viel mehr zu rupfen war / oder vielleicht hatte sie allbereits etwan einen anderen Galan bei ihr im Hause / derentwegen und in währendem unserem allerbesten diskurrieren und Unterredung / sprangen vier junge starke Kerl herfür mit bloßen wehren / und stellten sich / als wollten sie über mich herwischen: aber ich nahm den flüchtigen Fuß alsbald in die Hand / und es verkehrte sich mein zarte und inbrünstige Liebe in ein große furcht / schrecken und Angst / dann mein Beutel war leer worden / und ich wusste je nicht / wie ich gegen meinem Herrn mit der Rechnung bestehen sollte. | de | de | de | 1 | 5.2095 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 977 | 1,615 | Nun hoͤret wie mirs ferꝛner ergangen. | Nun höret wie mir es ferner ergangen. | de | de | lb | 0.667 | 6.908 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 978 | 1,615 | Capvt XXV. | Capvt XXV. | en | en | hu | 0 | 8.45 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 979 | 1,615 | Guſman wirdt befaͤngnuſt. | Gusman wird befängnust. | de | de | fy | 0.667 | 7.8016 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 980 | 1,615 | SElten kompt ein Vngluͤck alleinig/ ſonder wirdt gemeingklich mit noch andern beglaidt/ dann als ich wider zu hauß kam/ fandt ich das Fenſter meines Loſaments offen/ das gefil mir gleichwol nit/ aber doch ſtig ich hindurch/ vñ ſahe meinen Herꝛn ſampt vilen Dienern in meinem Zimmer ſtehen/ dieſelbigen erſchracken an mir/ ſchryen vnnd ſprachen: | Selten kommt ein Unglück alleinig / sonder wird gemeiniglich mit noch anderen Begleit / dann als ich wieder zu Haus kam / fand ich das Fenster meines Losaments offen / das gefiel mir gleichwohl nicht / aber doch stieg ich hindurch / und sah meinen Herrn samt vielen Dienern in meinem Zimmer stehen / dieselbigen erschraken an mir / schrien und sprachen: | de | de | de | 1 | 5.094 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 981 | 1,615 | Jetzt haben wir den Dieb: | Jetzt haben wir den Dieb: | de | de | de | 1 | 4.1737 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 982 | 1,615 | ich wolte mich gleichwol entſchuldigẽ/ aber kein entſchuldigung fand ſtatt bey jhnen/ dann ſie vermeinten/ daß ich der jenig Dieb war/ welcher kurtz daruor in meinem abweſen durch das Fenſter geſtigen/ vnd nichts im Loſament gelaſſen hatte: | ich wollte mich gleichwohl entschuldigen / aber kein Entschuldigung fand statt bei ihnen / dann sie vermeinten / dass ich der jenig Dieb war / welcher kurz davor in meinem Abwesen durch das Fenster gestiegen / und nichts im Losament gelassen hatte: | de | de | de | 1 | 5.8378 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 983 | 1,615 | Dannenhero hielt man mich fuͤr den rechten Thaͤter/ vnd daß ich an jetzo keiner andern vrſachẽ halben waͤre wider hin kommen/ als noch mehr auß dem hauſe zu entragẽ. | Dannenher hielt man mich für den rechten Täter / und dass ich an jetzt keiner anderen Ursachen halben wäre wieder hinkommen / als noch mehr aus dem Hause zu entragen. | de | de | de | 1 | 6.4761 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 984 | 1,615 | Mein Herꝛ wolte mich nit anhoͤren/ vnd die Diener verhetzten jne wider mich/ vnd ſagten/ daß eꝛ mir nit ſo vil trawen hette ſollen/ ſeytemal er mich nicht zuuoꝛ gekennt hatte. | Mein Herr wollte mich nicht anhören / und die Diener verhetzten jene wider mich / und sagten / dass er mir nicht so viel trauen hätte sollen / sintemal er mich nicht zuvor gekannt hatte. | de | de | de | 1 | 4.4231 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 985 | 1,615 | Mein Herꝛ begerte Rechnung von mir/ die gab ich jm geſchwind/ aber es gingen die 300. Kronen ab/ die ich verbult vnd vernarꝛt hatte/ derwegen ließ er mich geſchwind auß dẽ Liecht in die Finſternuß legen/ vnd mit einem ſteinigen Haͤubel vberziehen/ da gedachte ich an das jenig/ was die Aſtrologi vñ ſternſeher meiner Mutter geweiſſagt hatten/ dz nemblich ich vil Muͤhe/ arbeit vnnd leibsſtraff wuͤrde außſtehen/ dann ob ſchon die Aſtrologia vilmals fehlt vnnd leugt/ ſeytemal ſie ſich auff die experientz der vergangnen effecten (welche vngewiß ſeind wegen der vngewißheit der elementiſchen diſpoſition) fundiret/ ſo pflegen doch dergleichen Weiſſagungen bißweilen zu zutreffen/ zumaln wann der Menſch ſich ſelbſt zum verdeꝛben geneigt vñ befliſſen iſt/ vñ ſelbſt ſemem vnheil nachtrachtet. | Mein Herr begehrte Rechnung von mir / die gab ich ihm geschwind / aber es gingen die 300. Kronen ab / die ich verbuhlt und vernarrt hatte / derentwegen ließ er mich geschwind aus den Licht in die Finsternis legen / und mit einem steinigen Häubel überziehen / da gedachte ich an das jenig / was die Astrologi und Sternseher meiner Mutter geweissagt hatten / dass nämlich ich viel Mühe / Arbeit und leibsstraff würde ausstehen / dann ob schon die Astrologia vielmals fehlt und lügt / sintemal sie sich auf die experientz der vergangenen Effekten (welche ungewiss sind wegen der Ungewissheit der Elementtischen Disposition) fundieret / so pflegen doch dergleichen Weissagungen bisweilen zuzutreffen / zumal wann der Mensch sich selbst zum Verderben geneigt und beflissen ist / und selbst Semem Unheil nachtrachtet. | de | de | de | 1 | 5.1351 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 986 | 1,615 | Jch bate meinen Herꝛn vmb gnad vnd verzeihung/ aber es war alles vergebens/ ſonder man fuͤhrte mich auß meines Herꝛn Gefaͤngknuß in die gemeine Schachteley oder Hofgefaͤngknuß/ deſſen ſchaͤmete ich mich zum hoͤchſten/ dann auß allen Gaſſen vnd Haͤuſern lieffen die Leuth herzu/ vnd wolten den jungen vnd ſchoͤnen Spaniſchen Hofmeiſter ſehen: Nichts aber verdroß mich ſo ſehr/ als eben daß ich vor dem Loſament der Jungkfrawen/ dern ich die 180. Kronen angehenckt hatte/ fuͤrgefuͤhrt ward/ dann ich ſahe/ daß ſie neben jhrem Galan im Fenſter lag/ mit Fingern auff mich zeigte vnd meiner ſpottete. | Ich bat meinen Herrn um Gnade und Verzeihung / aber es war alles vergebens / sonder man führte mich aus meines Herrn Gefängnis in die gemeine Schachtelei oder Hofgefängnis / dessen schämte ich mich zum höchsten / dann aus allen Gassen und Häusern liefen die Leute herzu / und wollten den jungen und schönen spanischen Hofmeister sehen: Nichts aber verdross mich so sehr / als eben dass ich vor dem Losament der Jungfrauen / deren ich die 180. Kronen angehängt hatte / vorgeführt wurde / dann ich sah / dass sie neben ihrem Galan im Fenster lag / mit Fingern auf mich zeigte und meiner spottete. | de | de | de | 1 | 5.0663 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 987 | 1,615 | Als ich nun in diſe Gefaͤngknuß kam/ da fing ich an in mich ſelbſt zu gehen/ vnd meinen elendigen Standt vnnd beuoꝛſtehende gefahr zu erkennen/ dann nicht allein war ich meiner freyheit beraubt/ ſonder ich hatte auch nichts zu eſſen/ zu dem befandt ich im werck/ daß dergleichen gefaͤngnuß je nichts anders ſeind/ als ein ebenbild der Hoͤllen/ dañ wañ einer bey der Nacht hinein kompt/ ſo ſihet vnnd hoͤret man nichts anders/ als ein ſchroͤcken der dicken Finſternuſſen/ deß verwirꝛten ſchreyens vnnd ruffens/ deß rauſchens der Ketten/ deß vnleydenlichen geſtancks/ vnd deß klaͤglichen ſeufftzens/ dann nur der Hepffen oder der faum der Welt kompt daſelbſt zuſammen/ gezwungen ward ich/ einem jeglichen in der Gefaͤngnuß zu dienen/ vnd jhnen jhre Speiſen zu zutragen/ dardurch bekam ich bißweilen ein ſtuck Brots vnnd einen trunck Weins: | Als ich nun in diese Gefängnis kam / da fing ich an in mich selbst zu gehen / und meinen elendigen Stand und bevorstehende Gefahr zu erkennen / dann nicht allein war ich meiner Freiheit beraubt / sonder ich hatte auch nichts zu essen / zu dem befand ich im Werk / dass dergleichen Gefängnis je nichts anders sind / als ein Ebenbild der Höllen / dann wann einer bei der Nacht hineinkommt / so sieht und höret man nichts anders / als ein Schrecken der dicken Finsternussen / des verwirrten Schreiens und Rufens / des Rauschens der Ketten / des unleidlichen Gestanks / und des kläglichen Seufzens / dann nur der Hepffen oder der faum der Welt kommt daselbst zusammen / gezwungen wurde ich / einem jeglichen in der Gefängnis zu dienen / und ihnen ihre Speisen zuzutragen / dadurch bekam ich bisweilen ein Stück Brots und einen Trunk Weins: | de | de | de | 1 | 4.6556 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 988 | 1,615 | Weil man mich auch ſechs wochenlang ligen ließ/ ſo ward mir gerathen/ daß ich ein Supplication machen/ vnd vmb erledigung anhalten ſolte: | Weil man mich auch sechs wochenlang liegen ließ / so wurde mir geraten / dass ich ein Supplikation machen / und um Erledigung anhalten sollte: | de | de | de | 1 | 5.0605 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 989 | 1,615 | Jch folgte diſem guten rath/ ſuchte Feder vñ Dinten/ vnnd ſchrib ein ſupplication: | Ich folgte diesem guten Rat / suchte Feder und dienten / und schrieb ein Supplikation: | de | de | de | 1 | 6.5957 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 990 | 1,615 | Als die andere Gefangenen mein Schrifft vnd Gedicht ſahen/ verwunderten ſie ſich/ hielten mich fuͤr einen Gelehrten/ vnnd jederman kam zu mir/ vnnd begerte/ daß ich jhnen ſupplicationes machen vnd ſchreiben wolte/ durch diſes mittel gewann ich etliche Real/ vnd ſpickte darmit meinen Beutel: | Als die andere Gefangenen mein Schrift und Gedicht sahen / verwunderten sie sich / hielten mich für einen Gelehrten / und jedermann kam zu mir / und begehrte / dass ich ihnen supplicationes machen und schreiben wollte / durch dieses Mittel gewann ich etliche Real / und spickte damit meinen Beutel: | de | de | de | 1 | 5.3435 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 991 | 1,615 | Letzlichen erbarmte ſich mein Herꝛ vber mich/ vnd ließ mich widerum̃ auff freyen Fuß ſtellen. | Lätzlichen erbarmte sich mein Herr über mich / und ließ mich wiederum auf freien Fuß stellen. | de | de | de | 1 | 4.5381 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 992 | 1,615 | Capvt XXVI. | Capvt XXVI. | en | en | hu | 0 | 9.0941 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 993 | 1,615 | Guſman dienet widerumb fuͤr einen Koch/ vnnd komptgen Montſerrat. | Gusman dient wiederum für einen Koch / und kommt Montserrat. | de | de | lb | 0.667 | 6.7373 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 994 | 1,615 | ALsbald ich widerumb ledig worden/ begegneten mir zwen junge Spanier/ die dienten dem Koͤniglichen Statthalter zu Neapolis/ vnnd ſagten mir/ daß jhr Herꝛ vorhabens waͤre/ widerum̃ in Hiſpanien zu ziehen/ vñ daß er eines Kochs bedoͤꝛffte/ der mit jhm reiſte: | Alsbald ich wiederum ledig worden / begegneten mir zwei junge Spanier / die dienten dem Königlichen Statthalter zu Neapolis / und sagten mir / dass ihr Herr Vorhabens wäre / wiederum in Hispanien zu ziehen / und dass er eines Kochs bedürfte / der mit ihm reiste: | de | de | de | 1 | 4.8938 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 995 | 1,615 | Jch gab jhnen zur antwort/ daß ich wol kochen koͤndt/ vnd vrbietig waͤre/ jhrem Herꝛn zu dienen: Sie brachten mich zu jhm/ vnnd er empfing alsbald/ vnd hatte ein ſo gutes gefallen an meinem reden vnnd weſen/ daß er mich fuͤr einen Koch annam: Sehet die vnbeſtaͤndigkeit deß Gluͤcks: zuvor war ich eines anſehenlichen Herꝛn Hofmeiſter/ an jetzo aber bin ich nur ein ſchmotziger vnd rotziger Koch/ Suppenſchmidt vnnd Abſpuͤler. | Ich gab ihnen zur Antwort / dass ich wohl kochen könnt / und erbötig wäre / ihrem Herrn zu dienen: Sie brachten mich zu ihm / und er empfing alsbald / und hatte ein so gutes gefallen an meinem reden und Wesen / dass er mich für einen Koch annahm: Sehet die Unbeständigkeit des Glücks: zuvor war ich eines ansehenlichen Herrn Hofmeister / an jetzt aber bin ich nur ein schmutziger und rotziger Koch / Suppenschmied und Abspüler. | de | de | de | 1 | 5.2951 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 996 | 1,615 | Jch kehrte widerumb zu meinem centro, wie der Fiſch zum waſſer/ vñ ſchickte mich dermaſſen in die kocherey/ dz mein Herꝛ der Statthalter ein ſonderbares gefallen an mir hatte/ mich wie ſein eygnes Kindt liebte/ mir allen meinen willen ließ/ vnnd das Laſter deß Spielens verſtattete. | Ich kehrte wiederum zu meinem centro, wie der Fisch zum Wasser / und schickte mich dermaßen in die Kocherei / dass mein Herr der Statthalter ein sonderbares gefallen an mir hatte / mich wie sein eigenes Kind liebte / mir allen meinen Willen ließ / und das Laster des Spielens verstattete. | de | de | de | 1 | 5.0919 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 997 | 1,615 | Meines Herꝛn Fraw war ein Hochteutſche/ ſie hatte ein bar Augen/ die glantzten wie zwen Stern deß Himmels/ vnd kondten im vbrigen verglichen werden dem Mohn am juͤngſtẽ Gericht/ wann er blutroth ſein wirdt: | Meines Herrn Frau war ein Hochdeutsche / sie hatte ein bar Augen / die glantzten wie zwei Stern des Himmels / und konnten im Übrigen verglichen werden dem Mohn am jüngsten Gericht / wann er blutrot sein wird: | de | de | de | 1 | 6.1608 |
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