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21.8
albertinus_landtstoertzer01_1615
792
1,615
Weil mein Herꝛ der Cardinal mich ſehr lieb hatte/ ſo warẽ mir alle andere Diener feindt/ derwegen beſoꝛgte ich mich/ daß ſie mich einsmahls in vngnad bey jhm bringen moͤchten:
Weil mein Herr der Kardinal mich sehr lieb hatte / so waren mir alle andere Diener Feind / derentwegen besorgte ich mich / dass sie mich einsmals in Ungnade bei ihm bringen möchten:
de
de
de
1
5.4063
albertinus_landtstoertzer01_1615
793
1,615
Das verurſachte mich nun/ vrlaub von jhm zunemmen/ vnnd weil ich zu Rom etliche Wochenlang dienſtloß vmbzohe/ ſo hab ich meine Kleider vnd gewandt theils verkauffen/ vnnd theils verpfenden muͤſſen.
Das verursachte mich nun / Urlaub von ihm zunehmen / und weil ich zu Rom etliche Wochenlang dienstlos umzog / so habe ich meine Kleider und gewandt teils verkaufen / und teils verpfänden müssen.
de
de
de
1
6.0477
albertinus_landtstoertzer01_1615
794
1,615
Der Graf glaubte mirs:
Der Graf glaubte mir es:
de
de
de
1
6.8138
albertinus_landtstoertzer01_1615
795
1,615
Die Tiſch wurden gedeckt vnd die Speiſen angericht:
Die Tisch wurden gedeckt und die Speisen angerichtet:
de
de
de
1
5.6179
albertinus_landtstoertzer01_1615
796
1,615
Jch ſtelte mich/ als wolte ich zu Tiſch dienen vnd auffwarten/ aber mein Herꝛ hieß mich nider ſitzen/ vnd ſetzte mir ein Schuͤſſel mit Fleiſch fuͤr:
Ich stellte mich / als wollte ich zu Tisch dienen und aufwarten / aber mein Herr hieß mich nieder sitzen / und setzte mir ein Schüssel mit Fleisch für:
de
de
de
1
5.4028
albertinus_landtstoertzer01_1615
797
1,615
Die aß ich dermaſſen luſtig vnnd geſchwind auß/ daß mein Herꝛ zu mir ſagte: haſtu es ſchon gar?
Die aß ich dermaßen lustig und geschwind aus / dass mein Herr zu mir sagte: hast du es schon gar?
de
de
de
1
5.2101
albertinus_landtstoertzer01_1615
798
1,615
einen guten Hunger haſtu mitbracht.
einen guten Hunger hast du mitbracht.
de
de
de
1
5.8675
albertinus_landtstoertzer01_1615
800
1,615
Deſſen lachte mein Herꝛ von Hertzen/ vñ ſetzte mir noch zwo Schuͤſſeln mit Speiſen fuͤr: die expedirte ich eben ſo geſchwindt als die erſten/ derwegen vergliche er mich etlichen beruͤmbten Freſſern/ nem̃lich dem Claudio, Albino, vnd dem Mileſiſchen Aſtidama, welche alles allein fraſſen/ was fuͤr die Gaͤſt zubereit war:
Dessen lachte mein Herr von Herzen / und setzte mir noch zwei Schüsseln mit Speisen für: Die expedierte ich eben so geschwind als die ersten / derentwegen vergliche er mich etlichen berühmten Fressern / nämlich dem Claudio, Albino, und dem Milesischen Astidama, welche alles allein fraßen / was für die Gäste zubereite war:
de
de
de
1
5.4107
albertinus_landtstoertzer01_1615
801
1,615
Vom Camble Koͤnig in Lidia ſagte er auch/ daß derſelb dermaſſen gefraͤſſig geweſt/ daß er einsmals beym Nachtmal ſein Weib gefreſſen:
Vom Camble König in Lidia sagte er auch / dass derselbe dermaßen gefräßig gewesen / dass er einsmals beim Nachtmahl sein Weib gefressen:
de
de
de
1
5.959
albertinus_landtstoertzer01_1615
802
1,615
Jch ließ gleichwol meinen Herꝛn reden/ vnnd vil andere dergleichen Exempel der Freſſern allegiren/ aber doch fraß ich darneben wie ein Wolff/ vnnd erleuterte alle Schuͤſſeln dermaſſen/ daß ein vnnotturfft war ſie abzuſpuͤlen oder anderſt zu rainigen.
Ich ließ gleichwohl meinen Herrn reden / und viel andere dergleichen Exempel der Fressern allegieren / aber doch fraß ich daneben wie ein Wolff / und erläuterte alle Schüsseln dermaßen / dass ein Unnotdurft war sie abzuspülen oder anders zu reinigen.
de
de
de
1
5.3484
albertinus_landtstoertzer01_1615
803
1,615
Das verdroſſe aber die andere Diener vnnd ſahen mich ſawr vnnd vnwirſch an:
Das verdross aber die andere Diener und sahen mich sauer und unwirsch an:
de
de
de
1
5.7363
albertinus_landtstoertzer01_1615
804
1,615
Da gedachte ich alsbald bey mir ſelbſt: wolan Guſman/ mache dich gefaſt/ du muſt durch die Spieß rennen/ vnnd vil contradictiones vnd widerwertigkeiten außſtehen:
Da gedachte ich alsbald bei mir selbst: wohlan Gusman / mache dich gefast / du musst durch die Spieß rennen / und viel contradictiones und Wiederwertigkeiten ausstehen:
de
de
de
1
5.8457
albertinus_landtstoertzer01_1615
805
1,615
Aber doch ließ ich mich gegen jhnen nicht mercken/ ſonder demuͤtigte mich/ als vil mir muͤglich war.
Aber doch ließ ich mich gegen ihnen nicht merken / sonder demütigte mich / als viel mir möglich war.
de
de
de
1
5.9116
albertinus_landtstoertzer01_1615
806
1,615
Nun ward die Rechnung gemacht/ der Wirth nam ſein Gelt ein/ vnnd mein Herꝛ machte ſich wider auffn weeg:
Nun wurde die Rechnung gemacht / der Wirt nahm sein Geld ein / und mein Herr machte sich wieder auf den Weg:
de
de
de
1
3.9576
albertinus_landtstoertzer01_1615
807
1,615
Jch lieff allzeit neben jhm her/ vnd wartete jhm vil fleiſſiger auff/ denn ein Hundt.
Ich lief allzeit neben ihm her / und wartete ihm viel fleißiger auf / denn ein Hund.
de
de
de
1
5.1623
albertinus_landtstoertzer01_1615
808
1,615
Vnder wegs ſprach er: Guſman/ erzehle vns etwas kurtzweiliges/ damit vns der weg deſto kuͤrtzer werde/ dann weil du ein Spanier biſt/ ſo haſtu ohne zweiffel die Welt geſehen vnnd wol etwas erfahren.
Unter Wegs sprach er: Gusman / erzähle uns etwas Kurzweiliges / damit uns der weg desto kürzer werde / dann weil du ein Spanier bist / so hast du ohne Zweifel die Welt gesehen und wohl etwas erfahren.
de
de
de
1
5.3463
albertinus_landtstoertzer01_1615
810
1,615
Hiſpanien (ſprach ich) iſt ein Kron der Welt/ ein Haupt der Waffen/ ein compendium der gelehrtheit/ ein ſubtilheit der ingenien, ein monarchia der maͤchtigen/ ein Saͤul der Kirchen/ ein Beſchuͤtzung der religion/ vnd hat keinẽ ſuperiorẽ oder Oberherꝛn.
Hispanien (sprach ich) ist ein Krone der Welt / ein Haupt der Waffen / ein compendium der Gelehrtheit / ein Subtilheit der Ingenien, ein monarchia der mächtigen / ein Säule der Kirchen / ein Beschützung der Religion / und hat keinen superioren oder Oberherrn.
de
de
de
1
5.1755
albertinus_landtstoertzer01_1615
811
1,615
Der Koͤnig in Hiſpanien iſt der aller groͤſt Monarch der Welt/ auf deſſen Achſſeln ſich die Chriſtenheit lainet/ deſſen Kron die zwo Welten begreiffet/ deſſen Wapen die zwẽ Poli ſehen/ deſſen Adler vnd gulden Fluͤß alle grandezẽ vbertreffen.
Der König in Hispanien ist der aller größt Monarch der Welt / auf dessen Achseln sich die Christenheit leinet / dessen Krone die zwei Welten begreifet / dessen Wappen die zwen Poli sehen / dessen Adler und Gulden Fluss alle grandezen übertreffen.
de
de
de
1
5.6749
albertinus_landtstoertzer01_1615
812
1,615
Jn Reichthum̃en iſt er der groͤſt/ vnnd der allermaͤchtigſt Herꝛ vnder der Sonnen/ er ſauget die guldine Bruͤſt der Orientaliſchen vñ Occidentaliſchen Jndien: Alle Nationes vnnd Voͤlcker verehren den Spanniſchen namen/ jederman verwundert ſich vber der Spanier Thaten/ Monarchiam vnd triumphen: niemandt darff ſich gegen jhnen competiren vnd ſetzen.
In Reichtume ist er der größt / und der allermächtigst Herr unter der Sonnen / er sauget die goldene Brüste der Orientalischen und Okzidentalischen Indien: Alle Nationes und Völker verehren den spanischen Namen / jedermann verwundert sich über der Spanier Taten / Monarchiam und Triumphen: Niemand darf sich gegen ihnen kompetieren und setzen.
de
de
de
1
5.8995
albertinus_landtstoertzer01_1615
813
1,615
Wann wir die beruͤmbte Spaniſche Helden/ welche ſeyt der zeit der vnuͤberwindlichen Gotten gelebt/ betrachten/ ſo wirdt man ſehen wie offt ſie die gewaltige Statt Rom erſchreckt/ vnd alle andere Voͤlcker bezwungen.
Wann wir die berühmte spanische Helden / welche seid der Zeit der unüberwindlichen Goten gelebt / betrachten / so wird man sehen wie oft sie die gewaltige Stadt Rom erschreckt / und alle andere Völker bezwungen.
de
de
de
1
5.2481
albertinus_landtstoertzer01_1615
814
1,615
Cantabro Pelayo hat mit wenig Volcks gantz Hiſpanien wider erobert/ Koͤnig Bamba hat den anfang der Chriſtlichen Religion vnd der Policey in Hiſpanien gemacht:
Cantabro Pelayo hat mit wenig Volks ganz Hispanien wieder erobert / König Bamba hat den Anfang der christlichen Religion und der Polizei in Hispanien gemacht:
de
de
de
1
5.3598
albertinus_landtstoertzer01_1615
815
1,615
Ferdinandus Gonzales war der erſt Herꝛ in Caſtillia, von deſſen Lini die Koͤnige in Hiſpanien herkommen.
Ferdinandus Gonzales war der erst Herr in Castillia, von dessen Linie die Könige in Hispanien herkommen.
de
de
de
1
5.1314
albertinus_landtstoertzer01_1615
816
1,615
Bernardus del Carpio hat die zwoͤlff pares in Franckreich erſchreckt vnd die Schlacht zu Ronzes Valles vnſterblich gemacht.
Bernardus del Carpio hat die zwölf pares in Frankreich erschreckt und die Schlacht zu Ronzes Valles unsterblich gemacht.
de
de
de
1
5.4176
albertinus_landtstoertzer01_1615
817
1,615
Rodrigo de Viuar der Cid genannt/ hat vil Koͤpff der Mohren in Affrica vnd Hiſpania fuͤr ſeine Fuͤß ligen ſehen.
Rodrigo de Viuar der Cid genannt / hat viel Köpf der Mohren in Affrica und Hispania für seine Füße liegen sehen.
de
de
de
1
6.2984
albertinus_landtstoertzer01_1615
818
1,615
Der vnuͤberwindtliche Don Iayme de Aragon iſt wegen ſeiner herꝛlichen Thaten genennt worden der Vberwinder.
Der unüberwindliche Don Iayme de Aragon ist wegen seiner herrlichen Taten genannt worden der Überwinder.
de
de
de
1
6.2414
albertinus_landtstoertzer01_1615
819
1,615
Was ſoll ich auch ſagen von dem gewaltigen vnnd vberwindtlichen Koͤnig Ferdinand vnd Jſabella von Aragon/ vnnd von jhrem Hauptmann Gonzalo Hernandez de Aguilar vnnd Cordua, vor deſſen namen ſich das Koͤnigreich Neapolis vnnd Franckreich pflegte zuentſetzen?
Was soll ich auch sagen von dem gewaltigen und überwindlichen König Ferdinand und Isabelle von Aragon / und von ihrem Hauptmann Gonzalo Hernandez de Aguilar und Cordua, vor dessen Namen sich das Königreich Neapolis und Frankreich pflegte zuentsetzen?
de
de
de
1
4.9059
albertinus_landtstoertzer01_1615
820
1,615
Hat nicht der allermaͤchtigſt Keyſer Carl durch das bloſſe gereuſch vnd ſchwingen ſeiner Fluͤgel/ die Tuͤrckiſche macht voꝛ Wien vertriben?
Hat nicht der allermächtigst Kaiser Carl durch das bloße Geräusch und schwingen seiner Flügel / die türkische macht vor Wien vertrieben?
de
de
de
1
6.9946
albertinus_landtstoertzer01_1615
821
1,615
Hat er nit Niderlandt vnd Franckreich entſetzt vnd erzittert?
Hat er nicht Niederland und Frankreich entsetzt und erzittert?
de
de
da
0.667
5.5973
albertinus_landtstoertzer01_1615
822
1,615
Hat nit ſein Sohn Philippus die Frantzoͤſiſche macht gedempfft vnnd jhren Koͤnig gefaͤngklich vberkommen?
Hat nicht sein Sohn Philippus die französische macht gedämpft und ihren König gefänglich überkommen?
de
de
de
1
6.879
albertinus_landtstoertzer01_1615
823
1,615
Hat nit Don Iohan d’ Auſtria ſein Bruder deß Tuͤrcken macht auffm Meer erlegt/ vnnd die Niderlaͤnder vor Namur ſcheutzlich gebutzt?
Hat nicht Don Johan d' Austria sein Bruder des Türken macht aufm Meer erlegt / und die Niederländer vor Namur scheußlich geputzt?
de
de
de
1
6.1729
albertinus_landtstoertzer01_1615
824
1,615
Was hat nicht Don Aluaro Bazan Marggraf zum heiligen Creutz in Portugal vnd Terzera gethan? deß Ferdinandi Corteſij herꝛliche Thaten ſeind mehꝛ zu verwundern/ denn zu erzehlen:
Was hat nicht Don Aluaro Bazan Markgraf zum heiligen Kreuz in Portugal und Terzera getan? des Ferdinandi Cortesij herrliche Taten sind mehr zu verwundern / denn zu erzählen:
de
de
de
1
6.9183
albertinus_landtstoertzer01_1615
825
1,615
Wie auch deß Don Fernando de Toledo, von deſſen herꝛlichen Siegen vnd Triumphen Portugal/ Nider: vnd Hochteutſchlandt gnug haben zu reden.
Wie auch des Don Fernando de Toledo, von dessen herrlichen Siegen und Triumphen Portugal / nieder: und Hochdeutschland genug haben zu reden.
de
de
de
1
6.0983
albertinus_landtstoertzer01_1615
826
1,615
Hierauff antwortet der Graf vnd ſpꝛach: Du Guſman/ lobeſt dein Hiſpanien waidlich/ aber es laͤſt ſich anſehen/ als habeſt du nit geſehen die ding/ dern ſich andere nationes vñ Voͤlcker beruͤhmen.
Hierauf antwortet der Graf und sprach: Du Gusman / lobest dein Hispanien weidlich / aber es lässt sich ansehen / als habest du nicht gesehen die Ding / deren sich andere nationes und Völker berühmen.
de
de
de
1
5.4953
albertinus_landtstoertzer01_1615
827
1,615
Sag aber mir/ wo haſtu diſe ding erfahren? haſtu villeicht etwas ſtudiert?
Sage aber mir / wo hast du diese Ding erfahren? hast du vielleicht etwas studiert?
de
de
de
1
5.8572
albertinus_landtstoertzer01_1615
828
1,615
Jch antwortet/ daß mich meine Eltern von zarter jugend auff/ hatten zur ſchulen gehalten/ vnd daß ich etliche Hiſtoꝛibuͤcher geleſen.
Ich antwortet / dass mich meine Eltern von zarter Jugend auf / hatten zur schulen gehalten / und dass ich etliche Historiebücher gelesen.
de
de
de
1
6.1326
albertinus_landtstoertzer01_1615
829
1,615
Folgends fragte er mich/ wz ich von den Laſtern der Spanier hielte? dann (ſprach er) gemeinlich ſeind die Spanier ſtoltz/ hoffertig/ vbermuͤtig/ auffgeblaſen/ ignoranten, vnnd woͤllen alleſampt Caualleri ſein/ ꝛc. Darauff antwortet ich vnd ſprach:
Folgendes fragte er mich / was ich von den Lastern der Spanier hielte? dann (sprach er) gemeinlich sind die Spanier stolz / hoffertig / übermütig / aufgeblasen / ignoranten, und wollen allesamt Caualleri sein / etc. Darauf antwortet ich und sprach:
de
de
de
1
5.3669
albertinus_landtstoertzer01_1615
830
1,615
Die Spanier ſeind nit hoffertig/ ſonder haben gemeinlich ein hohes großmuͤtiges Hertz vnd gemuͤt/ vnd daſſelbe waͤchſt bey jhnen vmb ſo vil deſto mehꝛ/ vm̃ wie vil mehꝛ ſie mercken/ daß ſie andern nationen voꝛ gezogen werden wegen jrer dapfern vñ ritterlichen thaten.
Die Spanier sind nicht hoffertig / sonder haben gemeinlich ein hohes großmütiges Herz und Gemüt / und dasselbe wächst bei ihnen um so viel desto mehr / vmm wie viel mehr sie merken / dass sie anderen Nationen vorgezogen werden wegen ihrer tapferen und ritterlichen taten.
de
de
de
1
5.3651
albertinus_landtstoertzer01_1615
831
1,615
Ob derwegen ſchon ſie nit alle Adelichen Geſchlechts ſeind/ jedoch wann ſie in frembde Landt kommen/ ſo ſuchen vnd bewerben ſie ſich vmb den Adel durch das Kriegsweſen/ dann nur der jenig Soldat iſt edel/ der edle thaten verꝛichtet.
Ob derentwegen schon sie nicht alle adeligen Geschlechts sind / jedoch wann sie in fremde Land kommen / so suchen und bewerben sie sich um den Adel durch das Kriegswesen / dann nur der jenig Soldat ist edel / der edle Taten verrichtet.
de
de
de
1
5.0022
albertinus_landtstoertzer01_1615
832
1,615
Beſehe man jhre Thaten in Niderland/ ſo wird man bekennen muͤſſen/ daß ſie deß Adels wol wuͤrdig.
Besehe man ihre Taten in Niederland / so wird man bekennen müssen / dass sie des Adels wohl würdig.
de
de
de
1
5.599
albertinus_landtstoertzer01_1615
833
1,615
Vñ ob ſchon etliche ſtoltze vnder jnen gefunden woꝛden/ ſo haben doch alle vnd jede andere rechtſchaffene vñ beſcheidene ſpaniſche Soldaten deſſen nit zu entgelten.
Und ob schon etliche stolze unter ihnen gefunden worden / so haben doch alle und jede andere rechtschaffene und bescheidene spanische Soldaten dessen nicht zu entgelten.
de
de
de
1
5.5613
albertinus_landtstoertzer01_1615
834
1,615
Mein Herꝛ aber fil mir in die red/ vnd ſagte: Du biſt halt auch ein Spanier/ derwegen lobſtu deine Landtsleuth/ vnangeſehen ich alzeit ſagen hab hoͤꝛen/ daß in Hiſpanien nit vil Roß/ aber vnendlich vil Eſel verhanden/ dannenhero wenig Caualleri, aber vil Aſinini oder Eſelleut gefunden werden.
Mein Herr aber fil mir in die rede / und sagte: Du bist halte auch ein Spanier / derentwegen lobst deine Landsleute / unangesehen ich allzeit sagen habe hören / dass in Hispanien nicht viel Ross / aber unendlich viel Esel vorhanden / dannenher wenig Caualleri, aber viel Asinini oder Eselleut gefunden werden.
de
de
de
1
6.1579
albertinus_landtstoertzer01_1615
835
1,615
Darauff antwoꝛtet ich vnnd ſprach:
Darauf antwortet ich und sprach:
de
de
de
1
5.6197
albertinus_landtstoertzer01_1615
836
1,615
Gnediger Herꝛ/ die Eſel ſeind nit zu verachten/ dann ich bin auch eins mals ein Eſel geweſt/ vnd hab jren dienſt vnd Ampt mit tragen allerhand buͤrden/ verꝛichten helfſen.
gnädiger Herr / die Esel sind nicht zu verachten / dann ich bin auch eins Mals ein Esel gewesen / und habe ihren Dienst und Amt mit tragen allerhand bürden / verrichten helfen.
de
de
de
1
5.3008
albertinus_landtstoertzer01_1615
837
1,615
Es hat auch mit den Eſeln vnd der Eſellſchafft eben die meinung/ welche es hat mit dẽ Signori vnd Signorie, dann wie die Signoria oder herꝛlichkeit von menigklichen gelobt/ verlangt vnd verwundert wirdt/ hergegen die Herꝛn gemeinglich veracht vnd geflogen werden/ (dann niemandt hat gern/ daß jhm ſein Herꝛ auff der Hauben ſitze) alſo werden die Eſel veracht/ aber die Eſelſchafft wirdt hoch geacht/ vnd iſt dem Menſchen gleichfoͤrmig/ vnd nah verwandt.
Es hat auch mit den Eseln und der Eselschaft eben die Meinung / welche es hat mit den Signori und Signorie, dann wie die Signoria oder Herrlichkeit von menniglichen gelobt / verlangt und verwundert wird / hingegen die Herrn gemeiniglich verachte und geflogen werden / (dann niemand hat gern / dass ihm sein Herr auf der Hauben sitze) also werden die Esel verachte / aber die Eselschaft wird hoch geachtet / und ist dem Menschen gleichförmig / und nah verwandt.
de
de
de
1
5.1839
albertinus_landtstoertzer01_1615
838
1,615
Dann als die Welt anfangs erſchaffen war/ vnnd alle Thier dem Menſchen vnderthaͤnig gemacht wurden/ iſt gleichwol vom Eſel kein einige meldung beſchehen/ ohne zweiffel darumb/ allweil man zweiffelte/ ob der Menſch vber den Eſel/ oder der Eſel vber den Menſchen herꝛſchen wuͤrde/ von wegen ſeines verſtandts vnd ſonderbarer Tugenden vnd Hochheiten/ dann erſtlich iſt ein Eſel wuͤrdig woꝛden/ den Engel GOttes zu ſehen/ vnd die Menſchliche Sprach zu reden/ welches aber keinem einigẽ andern Thier jemals verguͤnſtigt iſt worden/ wie zu ſehen iſt im alten Teſtament.
Dann als die Welt anfangs erschaffen war / und alle Tier dem Menschen untertänig gemacht wurden / ist gleichwohl vom Esel kein einige Meldung geschehen / ohne Zweifel darum / allweil man zweifelte / ob der Mensch über den Esel / oder der Esel über den Menschen herrschen würde / von wegen seines Verstands und sonderbarer Tugenden und Hochheiten / dann erstlich ist ein Esel würdig worden / den Engel Gottes zu sehen / und die menschliche Sprache zu reden / welches aber keinem einigen anderen Tier jemals vergünstigt ist worden / wie zu sehen ist im alten Testament.
de
de
de
1
4.8509
albertinus_landtstoertzer01_1615
839
1,615
So gar hat vnſer Erloͤſer ſelbſt ſeinen triumphierlichen Einritt nicht halten wollen auff einem Cauallo vnd ſchoͤnen Pferdt/ ſonder auff einem Eſel: deßgleichen leſen wir von keinem einigen heiligen Einſidler/ daß er in der Wuͤſte oder Einoͤde ein Pferdt hette bey ſich gehabt/ ſonder ſie haben ſich allzeit mit Eſeln bedient.
So gar hat unser Erlöser selbst seinen Triumphierlichen Einritt nicht halten wollen auf einem Cauallo und schönen Pferd / sonder auf einem Esel: desgleichen lesen wir von keinem einigen heiligen Einsiedler / dass er in der Wüste oder Einöde ein Pferd hätte bei sich gehabt / sonder sie haben sich allzeit mit Eseln bedient.
de
de
de
1
5.6689
albertinus_landtstoertzer01_1615
840
1,615
Am andern beſtehet die Guͤte deß Eſels in ſeiner demut/ dann weil diſes holdſelige Thier begert von mennigklichen geliebt zu werden/ ſo erzeigt es ſich gegen jederman demuͤtig/ annemblich vnd dienſtbar.
Am anderen bestehet die Güte des Esels in seiner Demut / dann weil dieses holdselige Tier begehrt von menniglichen geliebt zu werden / so erzeigt es sich gegen jedermann demütig / annemblich und dienstbar.
de
de
de
1
5.2378
albertinus_landtstoertzer01_1615
841
1,615
Er fragt auch nichts nach koͤſtlicher zierd/ oder ſtattlichen waaren/ ſonder er laͤſt ſich beladen mit den allerſchlimſten dingen vnd vnreinigkeiten/ er leydet vnd geduldet alle ſchmach vnd ſchlaͤg/ die man jm zufuͤget/ vnd iſt darneben nutzlich zu brauchen im Krieg/ dañ ob ſchon er von Natur nit kriegeriſch noch hitzig/ ſonder kalt vnnd fridſamb iſt/ ſo iſt er doch darneben langſamb/ vnd dieſelbe langſambkeit iſt nit allzeit ſchaͤdlich im Kriegsweſen/ ſonder vilmals ein vrſach deß erhaltenen Siegs geweſt/ wie zu ſehen iſt am Fabio Maximo, qui cunctando reſtituit rem.
Er fragt auch nichts nach köstlicher Zierde / oder stattlichen Waren / sonder er lässt sich beladen mit den schlimmsten Dingen und Unreinigkeiten / er leidet und geduldet alle Schmach und Schläge / die man ihm zufüget / und ist daneben nützlich zu brauchen im Krieg / dann ob schon er von Natur nicht kriegerisch noch hitzig / sonder kalt und friedsam ist / so ist er doch daneben langsam / und dieselbe Langsamkeit ist nicht allzeit schädlich im Kriegswesen / sonder vielmals ein Ursache des erhaltenen Siegs gewesen / wie zu sehen ist am Fabio Maximo, qui cunctando restituit rem.
de
de
de
1
5.0983
albertinus_landtstoertzer01_1615
842
1,615
Vnangeſehen auch die Eſel im Krieg oder in der Schlacht nit feindtlich ſpringen vnd lauffen/ ſo erzeigen ſie doch ein ſonderbare erſchroͤcklichkeit.
Unangesehen auch die Esel im Krieg oder in der Schlacht nicht feindlich springen und laufen / so erzeigen sie doch ein sonderbare Erschröcklichkeit.
de
de
de
1
5.3184
albertinus_landtstoertzer01_1615
843
1,615
Als Darius die Scithier bekriegte/ vnnd ſehr vil Eſel bey ſich hatte/ forchteten ſich die Scitiſche Pferdt jhren Feindt anzugreiffen/ dermaſſen erſchroͤcklich war das ſchreyen der Eſein Darij:
Als Darius die Skitier bekriegte / und sehr viel Esel bei sich hatte / fürchteten sich die Skitische Pferd ihren Feind anzugreifen / dermaßen erschröcklich war das Schreien der Esein Darij:
de
de
de
1
5.7032
albertinus_landtstoertzer01_1615
844
1,615
Er eroberte auch letztlichen durch diſes mittel die Schlacht.
Er eroberte auch letztlichen durch dieses Mittel die Schlacht.
de
de
de
1
6.9312
albertinus_landtstoertzer01_1615
846
1,615
Es brachte auch diſe Stimm ein ſolche Forcht vnder den Rieſen/ daß ſie die Flucht namen: Eben diſer vrſachen halben haben die Goͤtter den Eſel zu einem Zeichen in Himmel geſetzt.
Es brachte auch diese Stimme ein solche Fürchtet unter den Riesen / dass sie die Flucht nahmen: Eben dieser Ursachen halben haben die Götter den Esel zu einem Zeichen in Himmel gesetzt.
de
de
de
1
6.4015
albertinus_landtstoertzer01_1615
847
1,615
Wir wiſſen/ daß jener ſtarcke Samſon ſeine Feinde nit vberwinden hat koͤnnen/ ohne huͤlff deß Kinbackens diſes edlen Thiers/ dann mit demſelben erſchlug er vil tauſent ſeiner feinde.
Wir wissen / dass jener starke Samson seine Feinde nicht überwinden hat können / ohne Hilfe des Kinnbacken dieses edlen Tiers / dann mit demselben erschlug er viel tausend seiner Feinde.
de
de
de
1
5.3613
albertinus_landtstoertzer01_1615
848
1,615
Ferꝛner haben nicht allein die alten darfuͤr gehalten/ daß die Eſel dem Menſchlichen Leben ſehr nutzlich vnnd dienſtlich ſeyen/ ſonder auch ſo gar zu diſen vnſern zeiten werden ſie dermaſſen in Ehren gehalten/ daß/ wann man etwan einen Menſchen einen Eſel nennen will/ man allzeit das Wort Meſſier aſino, oder Herꝛ Eſel/ brauchet:
Ferner haben nicht allein die alten dafür gehalten / dass die Esel dem menschlichen Leben sehr nützlich und dienstlich seien / sonder auch so gar zu diesen unsern Zeiten werden sie dermaßen in Ehren gehalten / dass / wann man etwan einen Menschen einen Esel nennen will / man allzeit das Wort Massier asino, oder Herr Esel / brauchet:
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1
5.4312
albertinus_landtstoertzer01_1615
849
1,615
Wann auch einer einen groͤtzel gehen laͤſt/ oder ſonſt ein grobianiſch ſaͤwiſch Stuͤckel brauchet/ vnnd man jhm ſagt: bon por vous fa Signor Porco, alsdann gibt jhm derſelb zur antwort vnnd ſpricht: beſo las manos Meſſier aſino: diſer geſtallt ehret man einander.
Wann auch einer einen Grätzel gehen lässt / oder sonst ein grobianisch säuisch Stückel brauchet / und man ihm sagt: bon por vous fa Signor Porco, alsdann gibt ihm derselbe zur Antwort und spricht: beso las manos Massier asino: Dieser Gestalt ehret man einander.
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1
6.0188
albertinus_landtstoertzer01_1615
850
1,615
Dermaſſen hoch vnnd ehrwuͤrdig iſt vor zeiten der nam eines Eſels geweſt/ daß ſo gar die edliſte Roͤmer ſich nach jhm die Aſinii genennt/ wie zu ſehen iſt an dem Aſinio Pollione, Aſinio Troillo, Aſinio Celere vnnd andern.
dermaßen hoch und ehrwürdig ist vor Zeiten der nahm eines Esels gewesen / dass so gar die edelste Römer sich nach ihm die Asinii genannt / wie zu sehen ist an dem Asinio Pollione, Asinio Troillo, Asinio Celere und anderen.
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5.2067
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851
1,615
Strabo bezeuget/ daß etliche Staͤtt vnd Jnſeln im Adriatiſchen Meer Aſinæ genennt worden: Fuͤrwar/ gluͤckſelig vnnd abermal gluͤckſelig ſeind geweſt diſe Ort/ ſeytemal jhꝛe Jnwohner Eſel geweſt.
Strabo bezeuget / dass etliche Stät und Inseln im Adriatischen Meer Asinae genannt worden: Fürwahr / glückselig und abermals glückselig sind gewesen diese Ort / sintemal ihre Einwohner Esel gewesen.
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ku
0.667
5.9691
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852
1,615
Nit weniger ſeind die Eſel lobwuͤrdig wegen jhꝛer weißheit/ welche vil groͤſſer bey jhnen iſt/ weder bey allen andern Thieren/ vnnd diſe Weißheit haben ſie ohne zweiffel durch jhre Melancoliam/ in deme nem̃lich ſie jmmerdar mit nider hangendem Kopff gehen/ gleichſam̃ theten ſie nichts anders/ als allzeit gedencken/ ſpeculiren/ dichten vnd trachten/ jn maſſen alle melancolici zu thun pflegen.
Nicht weniger sind die Esel lobwürdig wegen ihrer Weisheit / welche viel größer bei ihnen ist / weder bei allen anderen Tieren / und diese Weisheit haben sie ohne Zweifel durch ihre Melancoliam / in dem nämlich sie immerdar mit nieder hangendem Kopf gehen / gleichsam täten sie nichts anders / als allzeit Gedenken / spekulieren / dichten und trachten / ihn Maßen alle melancolici zu tun pflegen.
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1
5.5605
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853
1,615
Alle hohe vnd ſpitzfindige Maͤnner haben eben diſe Natur an jhnen gehabt/ vnnd Ariſtoteles erzehlt die vrſach.
Alle hohe und spitzfindige Männer haben eben diese Natur an ihnen gehabt / und Aristoteles erzählt die Ursache.
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1
6.2235
albertinus_landtstoertzer01_1615
854
1,615
Gleichwol machen die Gelehrten einen vnderſchidt zwiſchen der melancolia, vnnd ſagen/ daß die eine kalt ſeye/ auch kalte/ faule vnnd grobe Leuth mache: Noch ein andere melancolia iſt dermaſſen hitzig vnnd heißſiedent/ daß ſie die Menſchen naͤrꝛiſch vñ vnſinnig machet.
Gleichwohl machen die Gelehrten einen Unterschied zwischen der melancolia, und sagen / dass die eine kalt sei / auch kalte / faule und grobe Leute mache: Noch ein andere melancolia ist dermaßen hitzig und heißsiedend / dass sie die Menschen närrisch und unsinnig macht.
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4.9319
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855
1,615
Noch ein andere iſt maͤſſig/ vnd theils kalt/ theils warm/ vnd dieſelbe machet die Leuth weiſe vnd ſpitzfindig/ die ſpitzfindigkeit der Eſeln aber erſcheint auß deme/ daß ſie gleichſamb Propheten vnd verkuͤnder deß guten vnd boͤſen Wetteꝛs ſeind/ dañ wann ſie deß Morgens fruͤ laut ſchreyen/ vnnd mit den Fuͤſſen ſcharꝛen/ iſt ſolches ein zeichen eines guten Wetters/ wann aber ſie langſamb vnnd faul herein gehen/ alsdann wehets oder regnets gern.
Noch ein andere ist mäßig / und teils kalt / teils warm / und dieselbe macht die Leute weise und spitzfindig / die Spitzfindigkeit der Eseln aber erscheint aus dem / dass sie gleichsam Propheten und Verkünder des guten und bösen Wetters sind / dann wann sie des Morgens früh laut schreien / und mit den Füßen scharren / ist solches ein Zeichen eines guten Wetters / wann aber sie langsam und faul hereingehen / alsdann wehet oder regnet gern.
de
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1
4.922
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856
1,615
Man vermeint/ daß die Eſel/ woferꝛn ſie nur gute vnnd rechtſchaffene Meiſter hetten/ in vilen kuͤnſtlichen dingen koͤndten vnderwiſen vnnd abgericht werden/ nemblich in den ſtudiis vnd auff Lautenſchlagen/ deßgieichen im muſiciren/ dann damit einer ein guter muſicant ſey/ werden zwey ding darzu erfordert/ nemblich ein gutes Gehoͤr/ vnd ein gute ſtim̃: vnd eben diſe zwey requiſita vnd eygenſchaften hat der Eſel in ſuperlatiuo gradu vnnd außbuͤndig/ dann kein einiges anders Thier/ ja die Talpæ oder Maulwirff ſelbſt/ vber trift den Eſel im Gehoͤr/ vnnd derwegen hat er ſo ſchoͤne lange Ohren.
Man vermeint / dass die Esel / wofern sie nur gute und rechtschaffene Meister hätten / in vielen künstlichen Dingen könnten unterwiesen und abgerecht werden / nämlich in den studiis und auf Lautenschlagen / deßgieichen im Musizieren / dann damit einer ein guter Musikant sei / werden zwei Ding dazu erfordert / nämlich ein gutes Gehör / und ein gute stimm: und eben diese zwei requisita und Eigenschaften hat der Esel in superlatiuo gradu und ausbündig / dann kein einiges anders Tier / ja die Talpae oder Maulwirff selbst / übertrifft den Esel im Gehör / und derentwegen hat er so schöne lange Ohren.
de
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1
5.8533
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857
1,615
Als Apollo mit dem Marſia Satiro in die wett muſiciren wolte/ beſtellte er den Koͤnig Midam zu einen arbitrum oder Schidtsrichter/ weil aber Midas ein vngeſchickter grober Koͤnig war/ vnnd wider den Apollinem erkennte vnnd vrtheilte/ ſo ſetzte Apollo jhm lange Eſelsohren an/ zum zeichen vnnd gedaͤchtnuß/ daß er hinfuͤran ein deſto beſſere gelegenheit haben ſolte/ die muſicaliſche Jnſtrumenten vnnd tonos deſto beſſer von einander zu vnderſcheiden.
Als Apollo mit dem Marsia Satiro in die wett musizieren wollte / bestellte er den König Midam zu einen arbitrum oder Schiedsrichter / weil aber Midas ein ungeschickter grober König war / und wieder den Apollinem erkennte und urteilte / so setzte Apollo ihm lange Eselsohren an / zum Zeichen und Gedächtnis / dass er hinfüran ein desto bessere Gelegenheit haben sollte / die musikalische Instrumenten und tonos desto besser voneinander zu unterscheiden.
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1
6.0413
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858
1,615
Gleichwol ſagen andere/ daß durch deß Koͤnigs Midæ lange Eſelsohren nichts anders bedeut wirdt/ als daß etliche Koͤnige vnnd Fuͤrſten ſich/ wie die Eſel/ von jhren Schmaichlern vnnd Vnderthauen bey den Ohren lupffen/ vnd dermaſſen vmbziehen vñ narꝛen laſſen/ dz dieſelbigen keinen ſchnaller vmb jre Gebott geben.
Gleichwohl sagen andere / dass durch des Königs Midä lange Eselsohren nichts anders bedeute wird / als dass etliche Könige und Fürsten sich / wie die Esel / von ihren Schmeichlern und Untertauen bei den Ohren lupfen / und dermaßen umziehen und narren lassen / dass dieselbigen keinen Schnaller um ihre Gebot geben.
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1
5.7794
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859
1,615
Was aber die ſtim̃ deß Eſels belangt/ iſt dieſelbe dermaſſen hell vñ klar/ daß ſie vber ein halbe meil wegs gar wol gehoͤrt werden kan/ vnd derwegen treflich wol in die Orgel taugt.
Was aber die stimm des Esels belangt / ist dieselbe dermaßen hell und klar / dass sie über ein halbe Meilen Wegs gar wohl gehört werden kann / und derentwegen trefflich wohl in die Orgel taugt.
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1
5.4028
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860
1,615
Vber oberzehltes alles hat der Eſel die tugendt der arbeitſeligkeit/ vnnd iſt allen Hofleuthen ein Spiegel vnd Exempel der gedult vnnd vnuerdroſſenheit/ dann wie der Eſel den gantzen Taglang hart vnnd ſtreng arbeitet/ vnnd nicht außſetzet noch auch nachlaͤſt/ biß er nider faͤllt vnnd verrecket/ vnnd doch darneben nur mit ein wenig Stroh fuͤr gut nimbt/ Alſo haben die Hofleuth von jugendt auff/ biß in jhrem hohen Alter/ harte vnnd ſtrenge Dienſt/ vnnd ſonderlich die jenigen/ welche die Feder fuͤhren/ vnnd die geheimnuß der Koͤnige vnder Haͤnden haben/ derwegen werden ſolche Leuth der Fuͤrſten Eſeltrager genennet/ ſie muͤſſen auch bißweilen mit einem buͤſchlen Stroh fuͤr gut nemmen/ wann andere muthwillige Roß vnd Schwetzer den Habern freſſen/ Wie auch der Eſel einfeltig/ nicht begirig/ eygenwitzig/ noch auch ein Vollſauffer/ Schwaͤtzer vnd Verꝛaͤther iſt/ vnd nit deſto weniger bißweiln vbel tractirt vnnd gepruͤgelt wirdt/ alſo ob ſchon die Hofleuth ſchlecht/ recht/ fromb/ auffrecht/ redlich/ ſtill vnnd verſchwigen ſein/ ſo vberkommen ſie doch bißweilen letztlichen den Eſelslohn: Weil (ſag ich) ſie wie die Polſterhuͤndlein den Wadel nicht ruͤhren/ fuchsſchwaͤntzlen/ vnnd ſich inſinuiren vnnd zudaͤppiſch machen koͤnnen/ ſonder wie der Eſel Eſopi/ mit den groben Fuͤſſen der Warheit/ auff die Herꝛn ſpringen/ ſo werden ſie mit Bruͤglen der Vngnad abgedanckt/ vñ eben diſes iſt auch mir beſchehen/ dann weil ich meinem vorigen Herꝛn dem Cardinal vnd der Frantzoͤſiſchen Boitſchafft bißweilen die Warheit zu verſtehen gab/ ſo wurden ſie mir feind/ vnd gaben mit den Sack.
Über oberzähltes alles hat der Esel die Tugend der Arbeitseligkeit / und ist allen Hofleuten ein Spiegel und Exempel der Geduld und vnuerdrossenheit / dann wie der Esel den ganzen Taglang hart und streng arbeitet / und nicht aussetzet noch auch nachlässt / bis er niederfällt und verrecket / und doch daneben nur mit ein wenig Stroh für gut nimmt / Also haben die Hofleut von Jugend auf / bis in ihrem hohen Alter / harte und strenge Dienst / und sonderlich diejenigen / welche die Feder führen / und die Geheimnis der Könige unter Händen haben / derentwegen werden solche Leute der Fürsten Eseltrager genannt / sie müssen auch bisweilen mit einem büschle Stroh für gut nehmen / wann andere mutwillige Ross und Schwaetzer den Habern fressen / Wie auch der Esel einfältig / nicht begierig / eigenwitzig / noch auch ein Vollsaufer / Schwätzer und Verräter ist / und nicht desto weniger bisweilen übel traktiert und geprügelt wird / also ob schon die Hofleut schlecht / recht / fromm / aufrecht / redlich / still und verschwiegen sein / so überkommen sie doch bisweilen letztlichen den Eselslohn: Weil (sage ich) sie wie die Polsterhündlein den Wadel nicht rühren / fuchsschwänzeln / und sich insinuieren und zudäppisch machen können / sonder wie der Esel Esopi / mit den groben Füßen der Wahrheit / auf die Herrn springen / so werden sie mit Brüglen der Ungnade abgedankt / und eben dieses ist auch mir geschehen / dann weil ich meinem vorigen Herrn dem Kardinal und der französischen Boitschafft bisweilen die Wahrheit zu verstehen gab / so wurden sie mir Feind / und gaben mit den Sack.
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1
5.1927
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861
1,615
Beſchließlichen wie man allerley Eſel haben muß/ nem̃lich groſſe/ kleine/ mittelmaͤſſige wilde vnnd zaͤme/ ja gehoͤrnte Eſel ſindt man in Jndien/ alſo vñ ebner geſtalt werden in den rebus publicis vnd Landen/ oder an den Hoͤfen der Fuͤrſten allerley dergleichen Perſonen Eſeliſche Perſonen erfoꝛdert/ welche mit den oberzehlten guten qualiteten vñ eygenſchaften geziert vnnd verſehen ſein muͤſſen/ dann ſonſten wirdts jnen ergehen/ wie jenem vnbeſonnenen ſtoltzen Eſel Eſopi/ welcher mehr zu ſcheinen vnd zu ſein begerte/ weder er war/ derwegen ſich mit einer Loͤwenhaut bedeckte/ vnd in ſolcher geſtalt vnder den andern Thieren erſchine/ in meinung/ daß man jne durch diſes mittel fuͤrchten/ vnnd vor jhm entſetzen/ auch letztlichen jhrer aller Herꝛ werden wuͤrde:
Beschließlichen wie man allerlei Esel haben muss / nämlich große / kleine / mittelmäßige wilde und zähme / ja gehörnte Esel sind man in Indien / also und ebener Gestalt werden in den rebus publicis und Landen / oder an den Höfen der Fürsten allerlei dergleichen Personen Eselische Personen erfordert / welche mit den oberzählten guten Qualitäten und Eigenschaften geziert und versehen sein müssen / dann sonsten Wirts ihnen ergehen / wie jenem unbesonnenen stolzen Esel Esopi / welcher mehr zu scheinen und zu sein begehrte / weder er war / derentwegen sich mit einer Löwenhaut bedeckte / und in solcher Gestalt unter den anderen Tieren erschiene / in Meinung / dass man jene durch dieses Mittel fürchten / und vor ihm entsetzen / auch letztlichen ihrer aller Herr werden würde:
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1
5.5738
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862
1,615
Aber die andere Thier waren nit ſo gar thierlich vnd beſtialiſch/ daß ſie den betrug diſes verkleidten Eſels nit verſtunden/ derwegen wiſchten ſie alle vber jhne her/ zohen jhm die Loͤwenhaut ab/ vnnd tractirten jhne wie einen Eſel dermaſſen/ daß er keinen luſt mehꝛ hatte/ ſich zu verkleiden.
Aber die andere Tier waren nicht so gar tierlich und bestialisch / dass sie den betrug dieses verkleideten Esels nicht verstanden / derentwegen wischten sie alle über ihn her / zogen ihm die Löwenhaut ab / und traktierten ihn wie einen Esel dermaßen / dass er keinen Lust mehr hatte / sich zu verkleiden.
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1
4.5067
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863
1,615
Wer derwegen mit der Efelshaut vberzogen/ vnd in der Haut ein Eſel iſt/ der ſchaͤme ſich nit/ einer genennt zu werden/ dann wie ein Eſel/ ein Eſel iſt vnd bleibt/ auch ſchwerlich in einen Caual verkehrt kan werden/ vnangeſehen man jhm den Zaum/ Sattel/ Zierd vnd Woldrappa eines Pferds auflegt/ alſo ſehẽ wir/ daß/ ob ſchon ein Bawr/ Handtwercksman oder Kauffman/ oder Schreiber noch ſo vil Gelts vnnd Guts erobert/ vnd die Zierd vnd das Kleynod deß Adels erlanget/ er doch ſein vorige grobitet vnnd vnartigkeit jederzeit behelt:
Wer derentwegen mit der Efelshaut überzogen / und in der Haut ein Esel ist / der schäme sich nicht / einer genannt zu werden / dann wie ein Esel / ein Esel ist und bleibt / auch schwerlich in einen Caual verkehrt kann werden / unangesehen man ihm den Zaum / Sattel / Zierde und Wolltrappe eines Pferds auflegt / also sehen wir / dass / ob schon ein Bauer / Handwerksman oder Kaufmann / oder Schreiber noch so viel Geld und Gutes erobert / und die Zierde und das Kleinod des Adels erlanget / er doch sein vorige grobitet und Unartigkeit jederzeit behält:
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1
5.2285
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864
1,615
Aber ob ſchon dem allem alſo/ ſo woͤllen doch vil geboꝛne Eſel keine ſein/ ſonder legen ein Loͤwen haut oder Fuchshaut/ oder Schafhaut an/ das iſt/ ſie ziehen mit groſſen dicken Leibern/ mit langen Baͤrthen vnd grauitetiſchen Sitten auf/ ſtellen ſich/ als waͤren ſie Loͤwen/ dapffere/ herꝛliche vnd fuͤrtreffliche Maͤnner/ woͤllen von allerhand ſachen diſcurriren, oder die Staͤtt vnd Laͤnder regieren/ aber vnuerſehens laſſen ſie jhre Eſelsohren vnd vngeſchicklichkeit herfuͤr kucken/ vnd beſtehen mit ſpott vnnd ſchanden.
Aber ob schon dem allem also / so wollen doch viel geborene Esel keine sein / sonder legen ein Löwen haut oder Fuchshaut / oder Schafhaut an / das ist / sie ziehen mit großen dicken Leibern / mit langen Bärten und gravitätischen Sitten auf / stellen sich / als wären sie Löwen / tapfere / herrliche und fürtreffliche Männer / wollen von allerhand Sachen diskurrieren, oder die Stät und Länder regieren / aber unversehens lassen sie ihre Eselsohren und Ungeschicklichkeit herfür kucken / und bestehen mit Spott und Schanden.
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1
5.3629
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865
1,615
Weil dann die Menſchen ein ſo groſſe conformitet, vergleichnuß vnd correſpondenz mit den Eſeln haben/ vnd wir ſchir auff einerley weiß genaturt ſeind/ ſo haben wir nit vrſach vns jhrer ſo ſehꝛ zu ſchaͤmen/ noch auch vns zu erzuͤrnen/ wann man vns Eſelleuth nennet/ vnd den ſchoͤnen Tittel Meſſier Aſino gibt.
Weil dann die Menschen ein so große Konformität, Gleichnis und Korrespondenz mit den Eseln haben / und wir schier auf einerlei weiß genaturt sind / so haben wir nicht Ursache uns ihrer so sehr zu schämen / noch auch uns zu erzürnen / wann man uns Eselleut nennt / und den schönen Titel Massier Asino gibt.
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1
5.1752
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866
1,615
Capvt XXII.
Capvt XXII.
en
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0
9.0166
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867
1,615
Guſman redet ferꝛner von der Ignorantz.
Gusman redet ferner von der Ignoranz.
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1
5.2411
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868
1,615
AVff diſen meinen diſcurs’ gab der Herr Graf kein andere antwort/ als allein/ daß er mich fragte/ was dem Menſchen beſſer anſtuͤnde/ die aſinitet vnnd Eſellſchafft/ oder die Jgnorantz?
Avff diesen meinen Diskurs gab der Herr Graf kein andere Antwort / als allein / dass er mich fragte / was dem Menschen besser anstünde / die asinitet und Eselschaft / oder die Ignoranz?
de
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1
6.0109
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869
1,615
Jch antwortet vnnd ſprach:
Ich antwortet und sprach:
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7.0758
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870
1,615
Gnediger Herꝛ/ ich bin gleichwol noch jung vnnd vngelehrt/ aber doch will ich euch gern ſagen/ was ich von der Jgnorantz halte/ daß nemblich ſie eben ſo loͤblich vnnd nutzlich iſt/ als die aſinitet:
gnädiger Herr / ich bin gleichwohl noch jung und ungelehrt / aber doch will ich euch gern sagen / was ich von der Ignoranz halte / dass nämlich sie eben so löblich und nützlich ist / als die asinitet:
de
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1
4.4913
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871
1,615
Vil beſſer iſt ſie/ denn die gelehrtheit/ dann wann die gelehrtheit nit beglait wird mit der from̃keit (jnmaſſen gemeingklich beſchicht) als dañ iſt ſie vil ſchaͤdlicher/ denn nutzlich: derwegen ſagt Cicero/ dz die eloquentz in der Hand eines boͤſen Menſchẽ/ gleich ſeye einem ſchwerdt in der hand eines vnſiñigen Narꝛen/ vnd eben diſer vrſachen halben ſeind die Rectores vnd Oratores vilmals auß Rom vertriben vñ auf ewig verwiſen worden.
Viel besser ist sie / denn die Gelehrtheit / dann wann die Gelehrtheit nicht Begleit wird mit der frommkeit (in Maßen gemeiniglich beschichte) als dann ist sie viel schädlicher / denn nützlich: derentwegen sagt Cicero / dass die Eloquenz in der Hand eines bösen Menschen / gleich sei einem Schwert in der Hand eines unsinnigen Narren / und eben dieser Ursachen halben sind die Rektors und Oratores vielmals aus Rom vertrieben und auf ewig verwiesen worden.
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1
5.1713
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872
1,615
Die gelehꝛten Poeten ſeind gemeinglich eytel/ veꝛlogen vñ ſchmeichler.
Die gelehrten Poeten sind gemeiniglich eitel / verlogen und Schmeichler.
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1
4.4812
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873
1,615
Ein Poet iſt gleich einem Gartner/ der jmmerdar in ſeinem Mundt die Blumen/ Zweig/ klare vnnd friſche Waſſer/ Roſen/ Violen vnd dergleichen ding fuͤhret/ aber in ſeinem eygnen Garten niemaln einige frucht abbricht/ bißweilen transformiret et ſich in einen verdorbenen Jubilirer/ der mit Corallen/ Hiacinten/ Chꝛiſtall/ Topat/ Diamanten/ ꝛc. vmbgehet/ aber an ſeinen Fingern ſihet man niemaln einen:
Ein Poet ist gleich einem Gartner / der immerdar in seinem Mund die Blumen / Zweig / klare und frische Wasser / Rosen / Violen und dergleichen Ding führt / aber in seinem eigenen Garten niemals einige Frucht abbricht / bisweilen transformieret et sich in einen verdorbenen Jubilierer / der mit Korallen / Hiacinten / Christall / Topat / Diamanten / etc. umgehet / aber an seinen Fingern sieht man niemals einen:
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1
5.6237
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874
1,615
Dannenhero iſt ein ſolche Kunſt eytel/ ſeytemal kein feucht oder nutz drauß erfolget/ vnd iſt vil beſſer/ daß einer kein Poet ſeye/ weder daß er naͤrꝛiſch oder beſeſſen waͤre.
Dannenher ist ein solche Kunst eitel / sintemal kein feucht oder Nutz daraus erfolget / und ist viel besser / dass einer kein Poet sei / weder dass er närrisch oder besessen wäre.
de
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1
6.5033
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875
1,615
Die Logici machen ſich mit jhren Syllogiſmis mauſig vnd vnnuͤtz/ vnd verwirꝛen die Warheit:
Die Logici machen sich mit ihren Syllogismus mausig und unnütz / und verwirren die Wahrheit:
de
de
de
1
5.4804
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876
1,615
Die Arithmetici vertieffen ſich in jhrer algebra dermaſſen/ daß der Compaß jhr es verſtandts allerdings verruckt wirdt:
Die Arithmetici vertiefen sich in ihrer Algebra dermaßen / dass der Kompass ihr es Verstands allerdings verrückt wird:
de
de
de
1
6.4888
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877
1,615
Es verurſachet vnd machet auch diſe Kunſt ſpitzfindige Rechner/ Wucherer/ falſche Kramer/ Kauflenth vnd Banckerottirer.
Es verursachet und macht auch diese Kunst spitzfindige Rechner / Wucherer / falsche Kramer / Kauflet und Bankrotterer.
de
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lb
0.667
6.1088
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878
1,615
Derwegen ſagte Plato, daß diſe Kunſt durch die boͤſe Geiſter erfunden worden/ vnd Licurgus hat ſie gar verbotten.
Derentwegen sagte Plato, dass diese Kunst durch die böse Geister erfunden worden / und Licurgus hat sie gar verboten.
de
de
de
1
5.5218
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879
1,615
Die Geometria diſtrahirt die Menſchen dermaſſen/ daß ſie nicht wiſſen/ ob ſie lebendig oder todt ſeyen/ vnd gleichſam̃ den vnſinnigen gleich ſehen.
Die Geometria distrahiert die Menschen dermaßen / dass sie nicht wissen / ob sie lebendig oder tot seien / und gleichsam den unsinnigen gleich sehen.
de
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de
1
5.0721
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880
1,615
Was kan verwirꝛters ſeyn/ als eben die quadratur deß circuli?
Was kann verwirrters sein / als eben die quadratur des circuli?
de
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af
0.667
6.6029
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881
1,615
Die Aſtrologia iſt ſchir ein lauters Lugenwerck/ vnnd erfuͤllt mit allerhand eyteln imaginationen, einbildungen vnd meinungen der Aſtrologorum vnd contemplanten, welche nichts anders thun/ als Sterngucken/ gen Himmel ſchawen/ vnd mit jhꝛem blechenem verſtandt die geheimnuß der zukuͤnfftigen dingen außmeſſen/ wiſſen vñ weiſſagen/ O wie vil beſſer aber vnnd annemlicher iſt Gott dem Herꝛn ein gute vñ beſcheidene ignorantz, deñ ein ſolche ſchaͤdliche gelehꝛtheit der Aſtrologorum.
Die Astrologia ist schier ein lauteres Lugenwerck / und erfüllt mit allerhand eyteln Imaginationen, Einbildungen und Meinungen der Astrologorum und contemplanten, welche nichts anders tun / als Sterngucken / gen Himmel schauen / und mit ihrem blechernem verstand die Geheimnis der zukünftigen Dingen ausmessen / wissen und weissagen / O wie viel besser aber und annehmlicher ist Gott dem Herrn ein gute und bescheidene Ignoranz, denn ein solche schädliche Gelehrtheit der Astrologorum.
de
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1
4.9663
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882
1,615
Derwegen iſt kein wunder/ daß Keyſer Domitianus alle Mathematicos vnd die jenigen/ welche man Philoſophos nennet/ auß Rom vertriben/ dann in deme ſie jmmerdar die Geheimnuß der Natur vermeſſentlich ſuchen/ von der zeit/ vom vacuo, infinito vnnd ſummo bono diſputiren, ſo verlieren ſie dardurch jhre zeit/ vnnd werden laͤr am verſtandt/ vnnd vngluͤckſelig.
Derentwegen ist kein Wunder / dass Kaiser Domitianus alle Mathematicos und diejenigen / welche man Philosophos nennt / aus Rom vertrieben / dann in dem sie immerdar die Geheimnis der Natur vermessentlich suchen / von der Zeit / vom vacuo, infinito und summo bono disputieren, so verlieren sie dadurch ihre Zeit / und werden leer am verstand / und unglückselig.
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1
5.2314
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883
1,615
Die Legiſten oder Iuriſten ſeind bißweilen erfuͤlt mit widerwertigkeit/ meinungen vñ jrꝛthumben/ ſeind authores vnd patroni der controuerſien vnnd feindtſchaffter/ ſeind verderber der Witwen vnnd Waiſen/ ja die allerbeſten Juriſten ſeindt bißweilen die aͤrgiſte Chriſten: dermaſſen ſtoltz/ hoffertig/ vnd auff geblaſen werden die Gelehrten zu zeiten/ daß ſchier niemandt mit jhnen außkom̃en kan/ ein ſchlimmer Bachant, Baccalaureus oder Orator machet ſich ſo gar mauſig/ daß er vermeinet/ daß jm ein jeglicher weichẽ muͤſſe:
Die Legisten oder Juristen sind bisweilen erfüllt mit Widerwärtigkeit / Meinungen und Irrtume / sind authores und patroni der controuersien und feindtschaffter / sind Verderber der Witwen und Waisen / ja die allerbesten Juristen sind bisweilen die ärgiste Christen: dermaßen stolz / hoffertig / und aufgeblasen werden die Gelehrten zu Zeiten / dass schier niemand mit ihnen auskommen kann / ein schlimmer Bachant, Baccalaureus oder Orator macht sich so gar mausig / dass er vermeinet / dass ihm ein jeglicher weichen müsse:
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5.4531
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1,615
Wann ein Legiſt nur die paragraphos mit vilen falſchen cautelis allegiren kan/ vermeinet er/ daß er vnnd ſein Fraw in den Gaſtereyen oben an ſitzen/ vnnd in dem gehen allzeit die præminentz haben muͤſſe.
Wann ein Legist nur die paragraphos mit vielen falschen cautelis allegieren kann / vermeinet er / dass er und sein Frau in den Gastereien oben an sitzen / und in dem gehen allzeit die praeminentz haben müsse.
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Hierauß erſcheint nun/ daß die ſo groſſe gelehꝛheit nichts anders iſt/ als ein tribulation, vnruhe vnnd reiſſung deß Kopffs/ ja ein verderbung deß Leibs vnnd der Seelen/ aber die Jgnorantz iſt ein jmmerwehꝛende vnd ſuͤſſe ruhe des Geiſtes.
Hieraus erscheint nun / dass die so große gelehrheit nichts anders ist / als ein Tribulation, Unruhe und Reissung des Kopfs / ja ein Verderbung des Leibs und der Seelen / aber die Ignoranz ist ein immerwährende und süße ruhe des Geistes.
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Diſes hat Keyſer Licinius wol verſtanden die gelehrtheit veracht/ vnd die Gelehrten verjagt/ deßgleichen thate auch Keyſer Valentinianus/ nach jhrem Exempel thuns auch bißweiln die Potentaten/ Herꝛen vnnd Edelleuth/ dann gemeinlich ſeind ſie mit der Edlen Jgnorantz gezierdt/ vnnd ſie ſelbſt zieren vnd lieben auch die Jgnoranten vilmehr/ denn dir Gelehrten vnd Weiſen/ vnd zwar nit vnbillich/ dann was kan jhnen ſpoͤttlicher ſeyn/ als wann man von einem Koͤnig/ Fuͤrſten oder groſſen Herꝛen ſagt/ daß er ein gelehrter Magiſter geweſt/ oder Buͤcher cõponirt/ oder ein diſputirer geweſt?
Dieses hat Kaiser Licinius wohl verstanden die Gelehrtheit verachte / und die Gelehrten verjagt / desgleichen tat auch Kaiser Valentinianus / nach ihrem Exempel Tuns auch bisweilen die Potentaten / Herren und Edelleute / dann gemeinlich sind sie mit der Edlen Ignoranz geziert / und sie selbst zieren und lieben auch die Ignoranten vielmehr / denn dir Gelehrten und Weisen / und zwar nicht unbillig / dann was kann ihnen spöttischer sein / als wann man von einem König / Fürsten oder großen Herren sagt / dass er ein gelehrter Magister gewesen / oder Bücher coponirt / oder ein Disputierer gewesen?
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Kein Fuͤrſt ſoll ſo hoch gelehrt ſeyn/ daß er Ketzereyen ſtifften koͤnne:
Kein Fürst soll so hoch gelehrt sein / dass er Ketzereien stiften könne:
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Das haben ohne zweiffel die Alten wol verſtanden/ vnd derwegen veroꝛdnet/ daß auf den hohen Stifften/ ſonderlich im Teutſchland/ keine Thumherꝛn/ ſo Doctores/ ſonder nur die Edelleuth zu Biſchoffe erwehlt werden.
Das haben ohne Zweifel die Alten wohl verstanden / und derentwegen verordnet / dass auf den hohen stiften / sonderlich im Deutschland / keine Thumherrn / so Doctores / sonder nur die Edelleute zu Bischöfe erwählt werden.
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Beſchließlichen iſt die Jgnorantz vil ſicherer/ weder die Gelehrtheit/ dann wer vil kan/ den gehet vil an/ weil die Gelehrten vil wiſſen vnnd verſtehen/ ſo muͤſſen ſie vil verantwoꝛten/ vñ jhꝛ von Gott empfangenes talent verꝛechnen/ wer vil hat empfangen/ von demſelben wirdt vil gefordert werden:
Beschließlichen ist die Ignoranz viel sicherer / weder die Gelehrtheit / dann wer viel kann / den geht viel an / weil die Gelehrten viel wissen und verstehen / so müssen sie viel verantworten / und ihr von Gott empfangenes talent verrechnen / wer viel hat empfangen / von demselben wird viel gefordert werden:
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Weil ſie die Geſetz/ Gebott vnd willen Gottes gewuͤſt vñ verſtanden/ vnd aber ſie nit vollzogen haben/ ſo werden ſie vil harter vnd ſchwerer geſtrafft werden/ denn die ignoranten vnnd einfaͤltigen/ ſo die ſach nit verſtanden.
Weil sie die Gesetz / Gebot und Willen Gottes gewusst und verstanden / und aber sie nicht vollzogen haben / so werden sie viel harter und schwerer gestraft werden / denn die ignoranten und einfältigen / so die Sache nicht verstanden.
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Was aber das zeitliche belangt/ ſeind die ignoranten gleichfals ſicherer/ dann lieber/ was kan gefaͤhrlicher vnd armſeliger ſein/ als eben die jenige gelehrte fauoriten, welcht entweder ſchlechter vrſachen halben in vngnad vnnd Lebensgefahr bey jhren Koͤnigen gerathen/ oder von andern verhaſt/ verfolgt vnd gepeinigt werden/ oder ſonſten mit jhren dienſten vnnd verꝛichtungen ſo vil zu ſchaffen haben/ daß ſie durchauß kein ruhe/ troſt noch ergetzlichkeit haben/ ſonder als Sclauen vmbgezogen werden/ hergegen ſihet man bißweilẽ die Ignoranten, vngeſchickte grobe Geſellen/ vnnd Teutſche Michel vnnd Toͤlpel zu Hof vnnd auff den Ambtern dominiren vnnd triumphiren, &c. O heilige Jgnorantz/ O nuͤtzliche/ O ſichere Jgnorantz/ ſelig iſt der dich beſitzet/ vnnd wolbrauchet:
Was aber das zeitliche belangt / sind die ignoranten gleichfalls sicherer / dann lieber / was kann gefährlicher und armseliger sein / als eben diejenige gelehrte Favoriten, welch entweder schlechter Ursachen halben in Ungnade und Lebensgefahr bei ihren Königen geraten / oder von anderen verhasst / verfolgt und gepeinigt werden / oder sonsten mit ihren Diensten und Verrichtungen so viel zu schaffen haben / dass sie durchaus kein Ruhe / Trost noch Ergötzlichkeit haben / sonder als Sklaven umgezogen werden / hingegen sieht man bisweilen die Ignoranten, ungeschickte grobe Gesellen / und Deutsche Michel und Tölpel zu Hof und auf den Amtern dominieren und triumphieren, & c. O heilige Ignoranz / O nützliche / O sichere Ignoranz / selig ist der dich besitzet / und wolbrauchet:
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5.3496
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Selig iſt das Landt/ deſſen Regenten vnnd Officier Jgnoranten ſeind/ oder welches gar keinen magiſtrat hat/ vnd ohne Geſetz iſt/ jnmaſſen in der newen Welt beſchehen/ alida die Jnwohner vil ordentlicher vnnd fridlicher leben/ denn wo vil Officier/ Doctores vnd Aduocaten ſeind.
Selig ist das Land / dessen Regenten und Offizier Ignoranten sind / oder welches gar keinen Magistrat hat / und ohne Gesetz ist / in Maßen in der neuen Welt geschehen / alida die Einwohner viel ordentlicher und friedlicher leben / denn wo viel Offizier / Doctores und Aduocaten sind.
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Diſes hat wol verſtanden ein fuͤrnemmer Roͤmiſcher Rathsherꝛ zu Rom/ welcher ſagte/ daß vor alten zeiten die Roͤmiſche Rathsherꝛn einen ſehr vbel ſtinckenden Athem hatten/ aber daß jhre Maͤgen nach Byſem vñ Amber deß guten Gewiſſens ſchmeckten:
Dieses hat wohl verstanden ein fürnehmer römischer Ratsherr zu Rom / welcher sagte / dass vor alten Zeiten die Römische Ratsherrn einen sehr übel stinkenden Atem hatten / aber dass ihre Mägen nach Bysem und Amber des guten Gewissens schmeckten:
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5.5913
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Hergegen daß die jetzige Rathsherꝛn einen parfumterten lieblichen Athem/ aber ein ſehr boͤſes Gewiſſen haben:
Hergegen dass die jetzige Ratsherrn einen parfumterten lieblichen Atem / aber ein sehr böses Gewissen haben:
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