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|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,200 | 1,615 | Am andern verſpuͤrte ich ein ſo groſſe vnſauberkeit vnd vngeſundten Lufft in den Loſamentern vnd im gemeinen Zimmer/ daß die geſunden etwas von den Krancken erwiſchen hetten koͤndten: | Am anderen verspürte ich ein so große Unsauberkeit und ungesunden Luft in den Losamenten und im gemeinen Zimmer / dass die gesunden etwas von den Kranken erwischen hätten könnten: | de | de | de | 1 | 6.0101 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,201 | 1,615 | Die halb geſunde wurden von den gar Krancken nit abgeſondert/ ſonder lagen alle in einerley Zimmer beyſammen vnd durch einander/ das verurſachte nun einen ſo groſſen geſtanck/ dz einer/ der ſein Naſe in ſolches Zimmer recket/ in ohnmacht fallen moͤchte: | Die halb gesunde wurden von den gar Kranken nicht abgesondert / sonder lagen alle in einerlei Zimmer beisammen und durcheinander / das verursachte nun einen so großen Gestank / dass einer / der sein Nase in solches Zimmer recket / in Ohnmacht fallen möchte: | de | de | de | 1 | 5.5967 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,202 | 1,615 | Drittens wurden die Speiſen nit allein dermaſſen vnſauber vnd ſchaͤndtlich gekocht vnd angericht/ als wann es fuͤr Hund vnd Schwein gehoͤrte/ ſonder auch jmmerdar je laͤnger je mehr geſchmaͤlert vnd abbrochen. | Drittens wurden die Speisen nicht allein dermaßen unsauber und schändlich gekocht und angerichtet / als wann es für Hund und Schwein gehörte / sonder auch immerdar je länger je mehr geschmälert und abbrachen. | de | de | de | 1 | 5.3036 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,203 | 1,615 | Nit weniger vnd zum vierdten/ ſahe ich in den Loſamentern vnd an dem Bethgewandt einẽ ſo groſſen vnluſt/ daß es nicht außzuſpꝛechen/ dann die Bethſtatten waren mit Rotz/ ſpaichel vnnd allerley wuſt beſprengt/ vnnd die Waͤnd in den Schlafkammern dermaſſen abſchewlich vnnd ſtinckendt/ als kaͤme einer in einen Saͤwſtall: | Nicht weniger und zum vierten / sah ich in den Losamenten und an dem Betgewand einen so großen Unlust / dass es nicht auszusprechen / dann die Betstatten waren mit Rotz / speichel und allerlei wusste besprengt / und die Wände in den Schlafkammern dermaßen abscheulich und stinkend / als käme einer in einen Säwstall: | de | de | de | 1 | 5.6592 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,204 | 1,615 | Die meiſte arme Leuth lagen auff faulenden ſtinckenden Strohſaͤcken/ waren bedeckt mit rauchen Kotzen/ die verfaulten vnder jhnen/ lagen ſich auf/ vñ verdarben voꝛ der zeit/ dann niemandt war verhanden/ der ſie in oder auſſer Zim̃ers ein wenig auf vñ abfuͤhꝛte/ oder im Seſſel vmbtruͤge vnd erfriſchte. | Die meiste arme Leute lagen auf faulenden stinkenden Strohsäcken / waren bedeckt mit rauchen Kotzen / die verfaulten unter ihnen / lagen sich auf / und verdarben vor der Zeit / dann niemand war vorhanden / der sie in oder außer Zimmers ein wenig auf und abführte / oder im Sessel umtrüge und erfrischte. | de | de | de | 1 | 5.212 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,205 | 1,615 | Die Kranckenwarter waren vnachtſamb/ vnfleiſſig/ verdroſſen/ grob vnnd eygennuͤtzig gegen den armen Krancken. | Die Krankenwarter waren unachtsam / unfleißig / verdrossen / grob und eigennützig gegen den armen Kranken. | de | de | de | 1 | 4.9042 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,206 | 1,615 | Zum fuͤnfften war der Spitelmeiſter ſelbſt nichts werth/ verwendete das einkommen deß Spitals zu ſeinem eygnen nutz/ entzohe den Armen das jhrige/ ſchmaͤlerte jhnen jhre Spendt/ wucherte mit den Spital Guͤtern/ verſpielte verfraß vnd verſchwendete das einkom̃en mit ſeinem Geſind vñ heiloſen burſch: vnnd nit deſto weniger war er bey den Herꝛen deß Raths wol dran/ dann er lud ſie offtermals zu Gaſt/ vnnd tractirte ſie ſtattlich/ das muſten die Armen gedulden/ zu ſehen/ den rucken ducken/ die Achſſeln in einander ziehen/ ſtillſchweigen vnnd darfuͤr halten/ daß es alſo ſein muſte. | Zum fünften war der Spitälmeister selbst nichts wert / verwendete das Einkommen des Spitals zu seinem eigenen Nutz / entzohe den Armen das ihrige / schmälerte ihnen ihre Spendet / wucherte mit den Spital Gütern / verspielte verfraß und verschwendete das Einkommen mit seinem Gesinde und heillosen Bursch: und nicht desto weniger war er bei den Herren des Rats wohl dran / dann er lud sie öftermals zu Gast / und traktierte sie stattlich / das mussten die Armen gedulden / zu sehen / den rucken ducken / die Achseln ineinander ziehen / stillschweigen und dafür halten / dass es also sein musste. | de | de | de | 1 | 5.2231 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,207 | 1,615 | Die Oberpfleger oder obriſte Spitalherꝛen gaben auch kein gebuͤrende acht auff den vnder Spitelmeiſter/ hielten keine fleiſſige Jahr Rechnungen mit jhme/ trugen ein vil groͤſſere affection, naigung vnnd eyfer zu jhm/ weder zu den Armen CHriſti/ derwegen muſten dieſelbigen vilmals lab: | Die Oberpfleger oder oberste Spitalherren gaben auch kein gebührende acht auf den unter Spitälmeister / hielten keine fleißige Jahr Rechnungen mit ihm / trugen ein viel größere Affektion, Neigung und Eifer zu ihm / weder zu den Armen Christi / derentwegen mussten dieselbigen vielmals lab: | de | de | de | 1 | 6.3186 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,208 | 1,615 | vnnd troſtloß ſterben vnnd verderben/ der Spitalmeiſter aber ward jmmerdar je lenger je reicher. | und trostlos sterben und verderben / der Spitalmeister aber wurde immerdar je länger je reicher. | de | de | lb | 0.667 | 5.4815 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,209 | 1,615 | Was mein Perſon belangt/ ging man mit mir nit beſſer vmb/ als mit andern/ ſonder als der Domine Doctor meine ſchoͤne Kranckheit an mir wahr genommen/ verordnete er mir anſangs etliche Roßartzneyen/ vnnd ſo gar vberauß ſtarcke purgiertruͤnck/ dz ich ſchir alles mein Jngewaid verdiſtilliret/ vnnd die Seel gar auff geben heite/ folgendts vberantwortete er mich den Haͤnden eines ſehꝛ groben vnbarmhertzigen Balbirers/ der legte mich in ein ſchoͤnes holdſeliges finſters Badtſtuͤbel/ da lehrte er mich ſchwitzen/ faſten vnd duͤrſten/ da gedachte ich offtermals an die arme Seelen/ welche im Fegfewr ligen/ dann weil dem patienten ein ſolche zeitliche vnd Menſchliliche Cur vnnd purgierung deß Leibs ſo gar hart ſchmertzlich vnd vnley denlich ankompt/ wie wirdt es dann den armen Seelen im hoͤlliſchen Fegfewr ergehen? | Was mein Person belangt / ging man mit mir nicht besser um / als mit anderen / sonder als der Domine Doktor meine schöne Krankheit an mir wahr genommen / verordnete er mir anfangs etliche Rossarzneien / und so gar überaus starke Purgiertrünke / dass ich schier alles mein Jngewaid destillieret / und die Seele gar aufgeben heite / folgend überantwortete er mich den Händen eines sehr groben unbarmherzigen Balbierers / der legte mich in ein schönes holdseliges finsteres Badtstübel / da lehrte er mich schwitzen / fasten und dürsten / da gedachte ich öftermals an die arme Seelen / welche im Fegfewr liegen / dann weil dem Patienten ein solche zeitliche und Menschliliche Kur und Purgierung des Leibs so gar hart schmerzlich und vnley denlich ankommt / wie wird es dann den armen Seelen im höllischen Fegfewr ergehen? | de | de | de | 1 | 5.1186 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,210 | 1,615 | Weil ſo vil medicamina, mittel vnnd ſachen zur wider reinigung deß Leibs gehoͤren/ was wirdt dann erfordert zur reinigung der Seelen? | Weil so viel medicamina, Mittel und Sachen zur wieder Reinigung des Leibs gehören / was wird dann erfordert zur Reinigung der Seelen? | de | de | de | 1 | 6.212 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,211 | 1,615 | Nun wolan/ ich vberſtundt/ Gott lob/ diſe Chur/ vñ ward widerumb friſch vnd geſund nam vrlaub von den Artzten vnd dem Spitelmeiſter/ der hette gern geſehen/ daß ich jhm ein Verehrung gegeben hette/ Aber ich war nicht luſtig darzu/ vnangeſehen ich noch vil gute Ducaten beyſammen/ vnnd dieſelbigen meinen diſcipulis heimblich abgezwackt hatte. | Nun wohlan / ich überstundet / Gott Lob / diese Kür / und wurde wiederum frisch und gesund nahm Urlaub von den Ärzten und dem Spitälmeister / der hätte gern gesehen / dass ich ihm ein Verehrung gegeben hätte / Aber ich war nicht lustig dazu / unangesehen ich noch viel gute Dukaten beisammen / und dieselbigen meinen discipulis heimlich abgezwackt hatte. | de | de | de | 1 | 5.8799 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,212 | 1,615 | Capvt XXXI. | Capvt XXXI. | de | en | hu | 0.333 | 6.9669 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,213 | 1,615 | Guſman kompt gen Bononia in deß Cardinals daſelbſt Dienſt. | Gusman kommt gen Bononia in des Kardinals daselbst Dienst. | en | de | fr | 0.333 | 6.9858 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,215 | 1,615 | Zu meiner dorthinkunfft ließ ſich alles gluͤcklich vnnd wol an/ dann ich kleidete mich luſtig vnd auff Edelmaͤñiſch/ vnd ward durch huͤlff eines Spaniſchen Edelknabens/ in ſeines Herꝛn deß Cardinals vnnd Baͤpſtlichen Statthalters daſelbſt dieriſt befuͤrdert vñ aufgenommen/ der gewañ mich als bald anfangs lieb/ dann er ſahe merne gute qualiteten vnd eygenſchafften/ woferꝛn ich ſie recht vnd wol brauchen vnd anlegen hette woͤllen. | Zu meiner Torthinkunft ließ sich alles glücklich und wohl an / dann ich kleidete mich lustig und auf Edelmännisch / und wurde durch Hilfe eines Spanischen Edelknabens / in seines Herrn des Kardinals und päpstlichen Statthalters daselbst dierist befördert und aufgenommen / der gewann mich als bald anfangs lieb / dann er sah merne gute Qualitäten und Eigenschaften / wofern ich sie recht und wohl brauchen und anlegen hätte wollen. | de | de | de | 1 | 5.9306 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,216 | 1,615 | Nuapflegte er jm̃erdar freye Tafel zu halten/ vnd in wehren der Malzeit von allerhand materien vñ ſachen art mit ſeinẽ Tiſchgenoſſen zu diſcurꝛiren. | Nuapflegte er immerdar freie Tafel zu halten / und in Wehren der Mahlzeit von allerhand Materien und Sachen Art mit seinen Tischgenossen zu diskurrieren. | de | de | de | 1 | 6.7397 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,217 | 1,615 | Einsmals hielt er ein ſtattlichs Bancket/ darauff waren vil anſehenliche vnd gelehrte Herꝛen vnd Frawen. | Einsmals hielt er ein stattliches Bankett / darauf waren viel ansehenliche und gelehrte Herren und Frauen. | de | de | de | 1 | 5.4336 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,218 | 1,615 | Nach der Mahlzeit ließ mein Herꝛ anfahen zu diſcurꝛiren/ vnd der erſt Tiſchgenoß diſcurꝛirte vnd redete von der Lugen/ was geſtalt nem̃lich alle Menſchen Luͤgner waͤren/ vnd ſprach. | Nach der Mahlzeit ließ mein Herr anfangen zu diskurrieren / und der erst Tischgenoß diskurrierte und redete von der Lügen / was Gestalt nämlich alle Menschen Lügner wären / und sprach. | de | de | de | 1 | 6.3664 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,219 | 1,615 | Capvt XXXII. | Capvt XXXII. | fr | en | hu | 0 | 7.3064 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,220 | 1,615 | Diſcurs von der Lugen. | Diskurs von der Lügen. | de | de | de | 1 | 7.3607 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,221 | 1,615 | WEder in den weltlichen noch Goͤttlichen Schrifften findt ich keinen einigen Spruch/ durch welchen der betrug deß menſchlichen Lebens beſſer erklaͤrt vnnd verſtanden werden kan/ als eben durch die Wort deß Koͤnigklichen Propheten Dauids/ da er ſpricht: ego dixi in exceſſu meo, omnis homo mendax, als wolte er ſagen: | Weder in den weltlichen noch göttlichen Schriften findet ich keinen einigen Spruch / durch welchen der betrug des menschlichen Lebens besser erklärt und verstanden werden kann / als eben durch die Wort des königlichen Propheten Davids / da er spricht: ego dixi in excessu meo, omnis homo mendax, als wollte er sagen: | de | de | de | 1 | 5.0564 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,222 | 1,615 | Jn meiner verzuckung hab ich geſagt/ daß alle Menſchen Lugner ſeind. | In meiner Verzuckung habe ich gesagt / dass alle Menschen Lügner sind. | de | de | de | 1 | 4.5173 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,223 | 1,615 | Diſes ſeind gleichwol ſtarcke vnnd ehrenruͤhrige Wort/ dann wañ alle Menſchen Lugner weren vnd nichts thaͤten/ als liegen/ ſo wurden alle jhre gute Lehr vnnd vnderweiſungen verdaͤchtig ſein/ deßgleichen muſten die fauoriten vnd freunde GOttes vnwarhafftig ſein: | Dieses sind gleichwohl starke und ehrenrührige Wort / dann wann alle Menschen Lügner wären und nichts täten / als liegen / so wurden alle ihre gute Lehre und Unterweisungen verdächtig sein / desgleichen mussten die Favoriten und Freunde Gottes unwahrhaftig sein: | de | de | de | 1 | 5.6462 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,224 | 1,615 | Aber die heilige Vaͤtter vnnd Kirchenlehrer erklaͤren diſe deß heiligen Dauids Wort der geſtallt/ daß alle Menſchen Lugner ſeyen/ allermaſſen die jenige Jahr/ welche ſich anfangs gluͤcklich vnnd wol anlaſſen/ vnnd deren Fruͤling luſtig/ vnnd dern Aprill ſchoͤn/ aber dern Auguſtus vnfruchtbar iſt: | Aber die heilige Väter und Kirchenlehrer erklären diese des heiligen Davids Wort der Gestalt / dass alle Menschen Lügner seien / allermaßen diejenige Jahr / welche sich anfangs glücklich und wohl anlassen / und deren Frühling lustig / und deren April schön / aber deren Augustus unfruchtbar ist: | de | de | de | 1 | 6.1807 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,225 | 1,615 | Wie nun dergleichen Jahren vil verheiſſen/ aber wenig halten oder laiſten/ alſo ſehen wir/ daß ein Juͤngling im Fruͤling ſeiner Schoͤnheit/ Adels/ Reichthumb/ Hoͤflichkeit/ herꝛlichen ingenii vnd verſtandts/ ein hoffnung gibt/ daß einsmals ein herꝛlicher/ fuͤrtreflicher vñ nutzlicher Mann auß jhm wirdt werden/ aber vnnerſehens wirt er von etwan einem widerwertigen Windt vnd vngeſundem Lufft darnider geworffen/ oder durch ein einiges ſchnoͤdes Weib verfuͤhrt vnd in grundt verderbt. | Wie nun dergleichen Jahren viel verheißen / aber wenig halten oder leisten / also sehen wir / dass ein Jüngling im Frühling seiner Schönheit / Adels / Reichtum / Höflichkeit / herrlichen ingenii und Verstands / ein Hoffnung gibt / dass einsmals ein herrlicher / fürtrefflicher und nützlicher Mann aus ihm wird werden / aber vnnersehens wird er von etwan einem widerwärtigen Wind und ungesundem Luft danieder geworfen / oder durch ein einiges schnödes Weib verführt und in Grund verderbt. | de | de | de | 1 | 5.4743 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,226 | 1,615 | Sonſten aber kan mit warheit geſagt werden/ daß omnis homo mendax, oder mendacium, das Leben deß Menſchen ein pur lauters Lugenwerck ſeye/ dann veritas ſibi eſt concors die Warheit iſt jhr ſelbſt allzeit gleichfoͤrmig/ vñ wird nackent/ ohne alle maſcara noch diſſimulation gemahlt/ aber homo in perpetua mutatione voluitur, der Menſch verkehret vnd veraͤndert ſich jmmerdar/ niemaln iſt vnnd verbleibt er in einerley weſen/ er hat mehr Gruben/ denn das Meer/ er verkehret ſich in mehr Farben/ denn der Chameleon, vnd verendert ſich in mehr figuren/ denn Protheus: | Sonsten aber kann mit Wahrheit gesagt werden / dass omnis homo mendax, oder mendacium, das Leben des Menschen ein pur lauteres Lugenwerck sei / dann veritas sibi est concors die Wahrheit ist ihr selbst allzeit gleichförmig / und wird nackend / ohne alle Mascara noch Dissimulation gemalt / aber homo in perpetua mutatione voluitur, der Mensch verkehret und verändert sich immerdar / niemals ist und verbleibt er in einerlei Wesen / er hat mehr Gruben / denn das Meer / er verkehret sich in mehr Farben / denn der Chamäleon, und verändert sich in mehr Figuren / denn Proteus: | de | de | de | 1 | 5.2858 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,227 | 1,615 | vñ eben diſer vrſachen halben hat jener Philoſophus die Natur beſchuldigt/ daß ſie kein Fenſter in der Bruſt deß Menſchen geſetzt hatte/ damit man ſchen hette moͤgen was inwendig im Hertzen fuͤrginge. | und eben dieser Ursachen halben hat jener Philosophus die Natur beschuldigt / dass sie kein Fenster in der Brust des Menschen gesetzt hatte / damit man schen hätte mögen was inwendig im Herzen fürginge. | de | de | de | 1 | 6.3449 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,228 | 1,615 | Ein Lugen iſt das Leben deß Menſchen/ dann was iſt die waꝛheit anderſt/ als (wie Ambroſius ſpricht) ein wahres Leben? | Ein Lügen ist das Leben des Menschen / dann was ist die Wahrheit anders / als (wie Ambrosius spricht) ein wahres Leben? | de | de | de | 1 | 4.8986 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,229 | 1,615 | Der heilig Joannes hat das Leben neben der warheit geſetzt/ oder/ daß ich recht ſage/ er hat die warheit geſetzt mitten zwiſchen den weg vnd dem Leben/ ſprechend: Ego ſum via, veritas & vita: | Der heilig Joannes hat das Leben neben der Wahrheit gesetzt / oder / dass ich recht sage / er hat die Wahrheit gesetzt mitten zwischen den weg und dem Leben / sprechend: Ego sum via, veritas & vita: | de | de | de | 1 | 5.4354 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,230 | 1,615 | Dann die Warheit iſt das mittel/ durch welches man zum Leben gehet/ vnd kein anderer weg noch mittel dahin zu gelangen iſt verhanden/ aber/ leider/ nos in vitium credula turba ſumus: vnſere weg ſchmecken vnd zielen nach Laſtern: zu demſelbigen eylen wir/ vnd zu demſelbigen ſeind wir geneigt. | Dann die Wahrheit ist das Mittel / durch welches man zum Leben geht / und kein anderer weg noch Mittel dahin zu gelangen ist vorhanden / aber / leider / nos in vitium credula turba sumus: unsere weg schmecken und zielen nach Lastern: zu demselbigen eilen wir / und zu demselbigen sind wir geneigt. | de | de | de | 1 | 5.1931 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,231 | 1,615 | Die Warheit iſt ein fundament der Hoffnungen/ deſſen vollziehung gewiß vnnd vnfehlbarlich iſt/ vermuͤg der Wort: Labium veritatis firmum erit in perpetuum: | Die Wahrheit ist ein Fundament der Hoffnungen / dessen Vollziehung gewiss und unfehlbar ist / vermög der Wort: Labium veritatis firmum erit in perpetuum: | de | de | de | 1 | 5.593 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,232 | 1,615 | Die verheiſſungen der warheit ſeind ſtarck/ gewiß vnd vnfehlbar/ aber der Menſch nec certa res nec tuta eſt, iſt ein vngewiſſes vnnd vnſicheres ding: Vngewiß ſeind ſeine verheiſſungen/ derwegen iſt er ein fundament der naͤrꝛiſchen hoffnungen/ dann ſein anfang iſt ein Lugen/ ſein Muttermilch iſt ein Lugen/ ſein gantze zucht iſt ein Lugen/ vnnd zur zeit deß eumplirens vnnd haltens entdecken ſich ſeine falſchheiten vnd Lugen. | Die Verheißungen der Wahrheit sind stark / gewiss und unfehlbar / aber der Mensch nec certa res nec tuta est, ist ein ungewisses und unsicheres Ding: Ungewiss sind seine Verheißungen / derentwegen ist er ein Fundament der närrischen Hoffnungen / dann sein Anfang ist ein Lügen / sein Muttermilch ist ein Lügen / sein ganze Zucht ist ein Lügen / und zur Zeit des eumplirens und halten es entdecken sich seine Falschheiten und Lügen. | de | de | de | 1 | 4.7002 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,233 | 1,615 | Ein Lugen iſt das menſchliche Leben/ dann die Warheit iſt (wie Hypocrates ſagt) klar/ glantzent vñ ſchoͤn/ vñ hat an ſtatt der Augen/ zwo brinnende Fackeln/ welche wie die Sonn glantzen/ aber das Leben deß Menſchen iſt wie ein armſeliger/ betruͤglicher vnnd vnbeſtaͤndiger Schatten/ vermuͤg der wort: dies noſtri ſicut vmbra ſuper terram: | Ein Lügen ist das menschliche Leben / dann die Wahrheit ist (wie Hypokrattes sagt) klar / glantzent und schön / und hat anstatt der Augen / zwei brennende Fackeln / welche wie die Sonne glantzen / aber das Leben des Menschen ist wie ein armseliger / betrüglicher und unbeständiger Schatten / vermög der Wort: dies nostri sicut vmbra super terram: | de | de | de | 1 | 5.0905 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,234 | 1,615 | So gar iſt der Menſch/ (wie Ariſtoteles bezeugt) inconſtantiæ imago, ein Ebenbildt der vnbeſtaͤndigkeit ſelbſt: dermaſſen vnbeſtaͤndig vnnd wanckelmuͤtig iſt der Menſch/ daß er nichts enders repræſentiret vnnd erzeiget/ als ein lautere vnbeſtaͤndigkeit/ vnnd ein vnergruͤndelichen betrug vnd falſchheit. | So gar ist der Mensch / (wie Aristoteles bezeugt) inconstantiae imago, ein Ebenbild der Unbeständigkeit selbst: dermaßen unbeständig und wankelmütig ist der Mensch / dass er nichts Enders repräsentieret und erzeiget / als ein lautere Unbeständigkeit / und ein unergründlichen betrug und Falschheit. | de | de | de | 1 | 4.8366 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,235 | 1,615 | Vnder andern vnuernuͤnfftigen Thieren/ hat Gott auch die Camaleones auff ſeinen Tiſch zu ſetzen verbotten/ dann er iſt ſehr vnbeſtaͤndig vnd wanckelmuͤtig/ vnnd verkehret ſein Farb/ nach beſchaffenheit deß Windts/ der da wehet. | Unter anderen unvernünftigen Tieren / hat Gott auch die Camaleones auf seinen Tisch zu setzen verboten / dann er ist sehr unbeständig und wankelmütig / und verkehret sein Farbe / nach Beschaffenheit des Winds / der da wehet. | de | de | de | 1 | 4.9403 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,236 | 1,615 | Alciatus ſagt/ daß er die Wind trincke/ vnnd ſich darmit erhalte/ auch ſeine Farben nach beſchaffenheit deß Windts/ verkehre. | Alciatus sagt / dass er die Wind trinke / und sich damit erhalte / auch seine Farben nach Beschaffenheit des Winds / verkehre. | de | de | de | 1 | 5.6898 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,237 | 1,615 | Durch die Chameleones werden verſtandẽ die ſchmaichler/ derẽ alter gebrauch iſt/ daß ſie ſich nach den zeiten vnnd Perſonen mit denen ſie tractiren vnd vmbgehen/ veraͤnderen/ den ſtich vnd kein beſtaͤndige Farb halten/ ſonder dieſelbe gleichſamb augenblicklich verkehren/ derwegen ſpricht Hieron. adulator eſt amicus in obſequio, hoſtis in animo. | Durch die Chamäleons werden verstanden die Schmeichler / deren alter Gebrauch ist / dass sie sich nach den Zeiten und Personen mit denen sie traktieren und umgehen / verändere / den Stich und kein beständige Farbe halten / sonder dieselbe gleichsam augenblicklich verkehren / derentwegen spricht Hieron. adulator est amicus in obsequio, hostis in animo. | de | de | de | 1 | 5.8553 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,238 | 1,615 | Ein ſchmeichler hat zweyerley Angeſicht/ ein jnnerliches vñ euſſerliches: | Ein Schmeichler hat zweierlei Angesicht / ein innerliches und äußerliches: | de | de | de | 1 | 5.5309 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,239 | 1,615 | Mit dem euſſerlichen lachet er vns an/ mit dem jñerlichen aber kratzet er: | Mit dem äußerlichen lachet er uns an / mit dem innerlichen aber kratzet er: | de | de | de | 1 | 5.0169 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,240 | 1,615 | Ein Freund iſt er feines Herꝛn/ deſſen Brot er jſſet/ deſſen Liedlein ſingt er/ accommodiret vnd ſchicket ſich nach allen deſſen humorn, Sinn/ willen vnnd gefallen. | Ein Freund ist er feines Herrn / dessen Brot er isst / dessen Liedlein singt er / akkommodieret und schicket sich nach allen dessen humorn, Sinn / Willen und gefallen. | de | de | de | 1 | 5.8513 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,241 | 1,615 | Diſes hat wol verſtanden der jenig/ welcher geſagt hat: | Dieses hat wohl verstanden der jenig / welcher gesagt hat: | de | de | de | 1 | 6.3648 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,242 | 1,615 | Corripiet me iuſtus in miſericordia & increpauit me, oleum autem peccatoris non impinguet caput meum: | Corripiet me iustus in misericordia & increpauit me, oleum autem peccatoris non impinguet caput meum: | it | la | la | 0 | 5.0389 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,243 | 1,615 | Das iſt: | Das ist: | de | qu | la | 0.333 | 5.5793 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,244 | 1,615 | Der gerechte wirdt mich in der Barmhertzigkeit vnnd wolmeinendtlich ſtraffen/ aber das Oel deß ſuͤnders wird mein Haupt nit beruͤhren: | Der gerechte wird mich in der Barmherzigkeit und wohlmeinendetlich strafen / aber das Öl des Sünders wird mein Haupt nicht berühren: | de | de | de | 1 | 5.0013 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,245 | 1,615 | als wolte er noch eygentlicher ſprechen: Woferꝛn du/ O Herꝛ/ mich wegen meiner ſchweren ſuͤnden ſtraffen wilſt/ ſo bitte ich/ daß es geſchehe durch die Hand der gerechten/ dann vil lieber vnnd angenemmer ſeind mir jhre zu meinem heyl gemeinte ſtraffen/ weder das mir zum verderben reichende Lob meiner Feinden. | als wollte er noch eigentlicher sprechen: Wofern du / O Herr / mich wegen meiner schweren Sünden strafen willst / so bitte ich / dass es geschehe durch die Hand der gerechten / dann viel lieber und angenehmer sind mir ihre zu meinem Heil gemeinte strafen / weder das mir zum Verderben reichende Lob meiner Feinden. | de | de | de | 1 | 5.3144 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,246 | 1,615 | Nit ohne vrſach nennet der Prophet die Schmeichlerey ein Oel/ dann wie das Oel/ wann es ins Fewꝛ gewoꝛffen wirdt/ pflegt das Fewꝛ nit allein nit zu loͤſchen/ ſonder vilmehꝛ anzuzuͤnden/ alſo entzuͤnden die Schmaichler die Suͤndt/ qui enim (ſpꝛicht Cyprianus) peccantẽ blandimentis adulantib. palpat, peccandi fomitem ſubminiſtrat, nec cõprimit ille peccatũ ſed nutrit. | Nicht ohne Ursache nennt der Prophet die Schmeichlerei ein Öl / dann wie das Öl / wann es ins Feuer geworfen wird / pflegt das Feuer nicht allein nicht zu löschen / sonder vielmehr anzuzünden / also entzünden die Schmeichler die Sühnt / qui enim (spricht Cyprianus) peccanten blandimentis adulantib . palpat, peccandi fomitem subministrat, nec coprimit ille peccatu sed nutrit. | de | de | de | 1 | 5.3673 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,247 | 1,615 | Ferꝛner/ wie das Oel die aller groͤbſte vnnd haͤrteſte ding lindert vnd erweichet/ alſo pflegẽ die ſchmaichler die aller groͤbſte vnd haͤrteſte Hertzen zu erweichen: noſtras mentes velut olei pinguedo libenter ingrediẽs vigorẽ veritatis emollit: ob ſchon die warheit dermaſſẽ ſtarck/ vñ wie ein diamãt hart iſt/ daß ſie niemaln bricht: (veritas enim laborat quidem, ſed extinguitur nunquam) nicht deſto weniger iſt das Oel der Schmaichlerey dermaſſen ſtarck/ daß es das Hertz/ welches es beſeſſen/ lind/ zart vnnd weich machet. | Ferner / wie das Öl die aller gröbste und härteste Ding lindert und erweichet / also pflegen die Schmeichler die aller gröbste und härteste Herzen zu erweichen: nostras mentes velut olei pinguedo libenter ingrediens vigoren veritatis emollit: ob schon die Wahrheit dermaßen stark / und wie ein diamat hart ist / dass sie niemals bricht: (veritas enim laborat quidem, sed extinguitur nunquam) nicht desto weniger ist das Öl der Schmeichlerei dermaßen stark / dass es das Herz / welches es besessen / lind / zart und weich macht. | de | de | de | 1 | 4.9641 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,248 | 1,615 | Nit einſehlechtes Oel aber iſts/ welches ſo gar ſtarck iſt/ ſonder es iſt oleum peccatoris, ein Oel deß Suͤnders/ vnd es reiret vnnd bewegt den Menſchen zu allen vnd jeden ſuͤnden/ dannenhero hat jener Keyſer Septimius alle die jenigen/ ſo mit diſem Laſter der ſchmeichlerey behafft waren/ von ſeinem Hof vertriben/ ſeytemal nullum animantium genus aſſentatoribus eſt pernicioſius’, kein einige vergiffte Schlang ſo ſchaͤdlich ſein kan/ als eben die Schmaichler. | Nicht Einsehleges Öl aber ist es / welches so gar stark ist / sonder es ist oleum peccatoris, ein Öl des Sünders / und es reiret und bewegt den Menschen zu allen und jeden Sünden / dannenher hat jener Kaiser Septimius alle diejenigen / so mit diesem Laster der Schmeichlerei behafte waren / von seinem Hof vertrieben / sintemal nullum animantium Genus assentatoribus est perniciosius', kein einige vergifte Schlange so schädlich sein kann / als eben die Schmeichler. | de | de | de | 1 | 5.7676 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,249 | 1,615 | O wie hoch zu wuͤnſchen waͤre es/ daß die Fuͤrſten diſes betrachteten/ jhꝛe Augen aufftheten vnd ſehen/ in was fuͤr groſſer gefahr ſie ſtecken/ dann jhꝛe Hofſchmaichler ſetzen jhnen ſtarck zu/ geben jhnen vergulte Pillulen ein/ vnnd ſalben jhre Haͤupter mit dem Oel der vergifften Schlangen: | O wie hoch zu wünschen wäre es / dass die Fürsten dieses betrachteten / ihre Augen auftäten und sehen / in was für großer Gefahr sie stecken / dann ihre Hofschmeichler setzen ihnen stark zu / geben ihnen vergölte Pillulen ein / und salben ihre Häupter mit dem Öl der vergiften Schlangen: | de | de | de | 1 | 4.988 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,250 | 1,615 | O der ſie vberꝛeden koͤndie/ daß die ſchmaichleriſche wort vnd Schrifften nur Sirentſche geſang/ ein lauters Gifft/ betrug vnd falſchheit ſeye. | O der sie überreden köndie / dass die schmeichlerische Wort und Schriften nur Sirentsche Gesang / ein lauteres Gift / betrug und Falschheit sei. | de | de | de | 1 | 6.8438 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,251 | 1,615 | Zu wuͤnſchen waͤre es/ daß ſie die Wort deß Eſatæ betrachteten/ der da ſpricht: | Zu wünschen wäre es / dass sie die Wort des Esatae betrachteten / der da spricht: | de | de | de | 1 | 5.7371 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,252 | 1,615 | Popule meus, qui te beatum dicunt, ipſi te decipiunt, & viam greſſuum tuorum diſſipant. | Popule meus, qui te beatum dicunt, ipsi te decipiunt, & viam gressuum tuorum dissipant. | la | la | la | 0 | 4.9297 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,253 | 1,615 | Es pflegen etliche Fuͤrſten dermaſſen in den tugendten fort zuſchreiten/ daß ſie leichtlichen den hoͤchſten Staffel biß in Himmel koͤndten erꝛeichen/ aber ein liſtiger vnnd verſchlagner Schmaichler vnnd falſcher Freundt ſchleichet herein/ fahet an/ dem Fuͤrſten zuſchmaichlen/ vnd ſeine Werck vnd thaten der maſſen zu loben/ daß in deſſelben Hertzen der Wurm der vanæ gloriæ vñ eyteln ehꝛ waͤchſt/ vnd alle Tugenden in jhm zernichtet werden. | Es pflegen etliche Fürsten dermaßen in den Tugenden fort zuschreiten / dass sie leichtlichen den höchsten Staffel bis in Himmel könnten erreichen / aber ein listiger und verschlagener Schmeichler und falscher Freund schleichet herein / fanget an / dem Fürsten zuschmeichle / und seine Werk und taten der Maßen zu loben / dass in desselben Herzen der Wurm der vanae gloriae und eyteln ehr wächst / und alle Tugenden in ihm zernichtet werden. | de | de | de | 1 | 5.3999 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,254 | 1,615 | Nit alſo hat der Fuͤrſt vnd Koͤnig Dauid gethan/ ſonder geſagt hat er: | Nicht also hat der Fürst und König David getan / sonder gesagt hat er: | de | de | is | 0.667 | 7.0696 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,255 | 1,615 | Oleum peccatoris non impinguet caput meum: | Oleum peccatoris non impinguet caput meum: | it | la | la | 0 | 4.8866 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,256 | 1,615 | Das Oel der Schmaichlern vnnd Fuchsſchwaͤntzlern ſoll mein Haupt nit ſalben) ob ſchon ſie noch ſo vil Oels der Schmaichlereyen auff mich gieſſen/ ob ſchon ſie noch ſo rethoricê ſchreiben/ ob ſchon ſie alle vnnd jede alte vnd newe Juriſten zu meinem vortel/ befelch vñ intent alle giren/ ſo ſoll doch mein Haupt vnd muth im wenigſten nit dardurch wachſen/ noch mein Hertz von dem rechten vnnd geraden weg der iuſtici abwendig gemacht werden/ vil weniger ſollen ſich meine imaginationes weiter erſtrecken/ deñ mein vermuͤgen vermag. | Das Öl der Schmeichlern und Fuchsschwänzlern soll mein Haupt nicht salben) ob schon sie noch so viel Öls der Schmeichlereien auf mich gießen / ob schon sie noch so rethorice schreiben / ob schon sie alle und jede alte und neue Juristen zu meinem vortel / Befehl und Intent alle gieren / so soll doch mein Haupt und Mut im wenigsten nicht dadurch wachsen / noch mein Herz von dem rechten und geraden weg der iustici abwendig gemacht werden / viel weniger sollen sich meine imaginationes weiter erstrecken / denn mein Vermögen vermag. | de | de | de | 1 | 5.4192 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,257 | 1,615 | Nit allein wirdt die Lugen/ falſchheit vnd ſchmaichlerey vilmals obbemelter geſtallt geliebt/ geziegelt vnd befuͤrdert/ ſonder wann vnd ſchon das gluͤck die poſſeſſion einer warheit beſcheret/ ſo corrumpiren wir doch bißweilen die eſſentz derſelben. | Nicht allein wird die Lügen / Falschheit und Schmeichlerei vielmals bemehlter Gestalt geliebt / geziegelt und befördert / sonder wann und schon das Glück die Possession einer Wahrheit beschert / so korrumpieren wir doch bisweilen die Essenz derselben. | de | de | de | 1 | 5.9186 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,258 | 1,615 | Vnſere ſitten werden fuͤrnemblich corrumpirt durch die banniſirung der warheit/ dann vnſere jetzige warheit beſtehet nit in deme/ was ſie iſt/ ſonder in deme/ wie wir ſie einander perſuadiren vnd einbilden/ aller maſſen wir nit allein das jenig fuͤr ein Muͤntz halten/ was falſch vnd Kupffer iſt/ ſonder was gerecht Silber vnd Goldt iſt. | Unsere Sitten werden vornehmlich korrumpiert durch die bannisirung der Wahrheit / dann unsere jetzige Wahrheit bestehet nicht in dem / was sie ist / sonder in dem / wie wir sie einander persuadieren und einbilden / aller maßen wir nicht allein das jenig für ein Münze halten / was falsch und Kupfer ist / sonder was gerecht Silber und Gold ist. | de | de | de | 1 | 5.2457 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,259 | 1,615 | Das liegen iſt etlichen Nationen gantz gemein/ dann Biſchoff Saluianus Marſilienfis ſchreibt/ daß vor zeiten das liegen vnnd falſch ſchweren bey den Frantzoſen kein Laſter/ ſonder nur ein formb vnnd gebrauch alſo zu reden geweſt: | Das Liegen ist etlichen Nationen ganz gemein / dann Bischof Saluianus Marsilienfis schreibt / dass vor Zeiten das liegen und falsch schweren bei den Franzosen kein Laster / sonder nur ein Form und Gebrauch also zu reden gewesen: | de | de | de | 1 | 7.5352 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,260 | 1,615 | Aber meines erachtens/ iſts an jetzo ſchier ein tugendt/ aller maſſen den Teutſchen das vollſauffen. | Aber meines Erachtens / ist es an jetzt schier ein Tugend / aller maßen den Deutschen das vollsaufen. | de | de | de | 1 | 6.3532 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,261 | 1,615 | An jetzo formiren vnnd fatzoniret man die Lugen/ ſamb waͤre ſie ein exercitium vnd vbung der Ehren/ dann die diſſimulation iſt zu diſen zeiten die beſte vnnd notwendigſte qualitet: | An jetzt formieren und fatzoniret man die Lügen / samt wäre sie ein exercitium und Übung der Ehren / dann die Dissimulation ist zu diesen Zeiten die beste und notwendigste Qualität: | de | de | de | 1 | 6.1896 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,262 | 1,615 | Offt vnnd vilmals hab ich bey mir ſelbſt betracht/ was doch die vrſach ſein mag/ daß wir vns vber diſen Laſter der Lugen (welches vns doch ſo gar gemein iſt) vil hefftiger erzuͤrnen/ denn vber kein anders/ daß auch wirs fuͤr ein hoͤchſte iniuri vnnd ſchmach halten/ wann man vns liegen heiſt/ oder der Lugen bezeyheit: | oft und vielmals habe ich bei mir selbst Betracht / was doch die Ursache sein mag / dass wir uns über diesen Laster der Lügen (welches uns doch so gar gemein ist) viel heftiger erzürnen / denn über kein anders / dass auch wir es für ein höchste iniuri und Schmach halten / wann man uns liegen heißt / oder der Lügen bezeyheit: | de | de | de | 1 | 5.4452 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,263 | 1,615 | Jch befinde aber/ daß es ſchier ein natuͤrlichs weſen iſt/ dann wir empfinden gleich wol die accuſation vnd bezeyhung/ aber die ſchuld legen wir nicht von vns: Den effect der Lugen behalten wir/ vnd verdammen ſie doch nur in apparentia vnd zum ſchein. | Ich befinde aber / dass es schier ein natürliches Wesen ist / dann wir empfinden gleich wohl die accusation und Bezeihung / aber die schuld legen wir nicht von uns: Den Effekt der Lügen behalten wir / und verdammen sie doch nur in apparentia und zum Schein. | de | de | de | 1 | 5.2295 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,264 | 1,615 | Kein Laſter iſt ſchaͤndtlicher/ als eben das liegen/ dann ein Lugner redet wider ſein eignes Gewiſſen/ vnd ſein liegen iſt ein zeichen/ daß er Gott den Herꝛn verachte/ vñ die Menſchen foͤrchte: | Kein Laster ist schändlicher / als eben das Liegen / dann ein Lügner redet wider sein eigenes Gewissen / und sein Liegen ist ein Zeichen / dass er Gott den Herrn verachte / und die Menschen fürchte: | de | de | de | 1 | 5.0906 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,265 | 1,615 | Was kan aber ſchaͤndlicher ſein/ als daß man ſich verzagt ſtellt gegen den Menſchen/ aber keck vnd vermeſſen gegen GOtte Das reden vnd ſchreiben iſt das einige mittel/ dardurch wir einander vnſern willen/ gemuͤt vnd gedancken communiciren, es iſt auch ein Dolmetſcher vnſerer Seelen: Woferꝛn nun es fehlt/ ſo fehlt vnſer gantzes Menſchliches comertium vnd gemeinſchafft/ vnd vnſer Polliceyweſen wirdt dardurch corrumpiert vnd zerloͤſcht. | Was kann aber schändlicher sein / als dass man sich verzagt stellt gegen den Menschen / aber keck und vermessen gegen Gotte das Reden und schreiben ist das einige Mittel / dadurch wir einander unsern Willen / Gemüt und Gedanken kommunizieren, es ist auch ein Dolmetscher unserer Seelen: Wofern nun es fehlt / so fehlt unser ganzes Menschliches comertium und Gemeinschaft / und unser Polliceywesen wird dadurch korrumpiert und löscht. | de | de | de | 1 | 5.6228 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,266 | 1,615 | Etliche Jndianer opfferen jhꝛen Goͤttern nur Menſchliches Blut/ welches ſie auß jhren Zungen vnd Ohren ziehen/ zur verſoͤhnung der Suͤnd der Lugen/ die ſie entweder angehoͤrt oder geredt haben/ Aber leyder/ wie die Kinder einander betriegen vnnd narꝛen mit den Ochſen Beinlein/ alſo narꝛen vnnd betriegen wir einander mit worten. | Etliche Indianer opfern ihren Göttern nur Menschliches Blut / welches sie aus ihren Zungen und Ohren ziehen / zur Versöhnung der Sünde der Lügen / die sie entweder angehört oder geredet haben / Aber leider / wie die Kinder einander betrügen und narren mit den Ochsen Beinlein / also narren und betrügen wir einander mit Worten. | de | de | de | 1 | 5.308 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,267 | 1,615 | Es ſagt gleichwol der weiſe Mann: Ne accipias faciem aduerſus faciem tuam, nec aduerſus animam tuam mendaciũ: | Es sagt gleichwohl der weise Mann: Eine accipias faciem aduersus faciem tuam, nec aduersus animam tuam mendaciu: | es | oc | pt | 0 | 5.8183 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,268 | 1,615 | Als wolte er ſagen: Du ſolleſt kein anders vnnatuͤrliches Angeſicht an dich nemen/ noch auch die Warheit (welche GOtt gleich iſt) auß deinem Hertzen treiben/ vnnd hergegen die Lugen (welche dem Teuffel gleich iſt) darin wurtzlen vnnd regieren laſſen/ dann das thun nur die doppelte vnd falſche Menſchen/ ſo da euſſerlich etwas erzeigen/ welches aber in jhrem Hertzen vil anderſt iſt: | Als wollte er sagen: Du sollest kein anders unnatürliches Angesicht an dich nehmen / noch auch die Wahrheit (welche Gott gleich ist) aus deinem Herzen treiben / und hingegen die Lügen (welche dem Teufel gleich ist) darin wurzle und regieren lassen / dann das tun nur die doppelte und falsche Menschen / so da äußerlich etwas erzeigen / welches aber in ihrem Herzen viel anders ist: | de | de | de | 1 | 5.1594 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,269 | 1,615 | Dergleichen doppelte vnd falſche Geſellen aber ſeind Kinder deß Teuffels in der nachfolgung/ vermuͤg der Wort Chriſti: | Dergleichen doppelte und falsche Gesellen aber sind Kinder des Teufels in der Nachfolgung / vermög der Wort Christi: | de | de | de | 1 | 6.7996 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,270 | 1,615 | Jhr habt den Teuffel fuͤr einen Vatter/ vnnd jhr begeret die verlangen ewers Vatters zu vollziehen: | Ihr habt den Teufel für einen Vater / und ihr begehret die verlangen eures Vaters zu vollziehen: | de | de | de | 1 | 5.3433 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,271 | 1,615 | Vil aͤrger ſeind die Lugner/ denn der Teuffel ſelbſt/ dann als er die Lugen in die Welt brachte vnnd vnſere Mutter Euam betrug/ hat er mit einer maſcara oder vermumten Angeſicht gelogen/ vnd die geſtalt einer Schlangen an ſich genom̃en/ dann er war nit ſo keck/ daß er ſich mit offnem Angeſicht ſehen hette laſſen/ Aber vil Menſchen liegen dermaſſen vnuerſchambt/ daß ſie/ wie der Teuffel/ jhren nechſten offentlich vnd ohne einige vermummung vorliegen vnd betriegen: | Viel ärger sind die Lügner / denn der Teufel selbst / dann als er die Lügen in die Welt brachte und unsere Mutter Euam betrug / hat er mit einer Mascara oder vermummten Angesicht gelogen / und die Gestalt einer Schlangen an sich genommen / dann er war nicht so keck / dass er sich mit offenem Angesicht sehen hätte lassen / Aber viel Menschen liegen dermaßen unverschämt / dass sie / wie der Teufel / ihren nächsten öffentlich und ohne einige Vermummung vorliegen und betrügen: | de | de | de | 1 | 5.0028 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,272 | 1,615 | Welchen du fuͤr deinen freund heltſt/ der iſt der jenig/ der dich verkauffet: Welchen du vermeineſt/ daß er die warheit auffrecht vñ redlich mit dir rede vnnd handle/ der iſt der jenig/ der dich verꝛahtet vnnd betrieget: | Welchen du für deinen Freund hältst / der ist der jenig / der dich verkaufet: Welchen du vermeinest / dass er die Wahrheit aufrecht und redlich mit dir rede und handle / der ist der jenig / der dich verratet und betrüget: | de | de | de | 1 | 4.6215 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,273 | 1,615 | Welchen du vermeineſt/ daß er dir langes Leben wuͤnſche/ der iſt der jenig/ der dir dẽ Tode proturiret: wer dir die Haͤnd thut kuſſen/ der wolte ſie dir vil lieber abhacken: | Welchen du vermeinest / dass er dir langes Leben wünsche / der ist der jenig / der dir den Tode proturiret: Wer dir die Hände tut küssen / der wollte sie dir viel lieber abhacken: | de | de | de | 1 | 5.3022 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,274 | 1,615 | Wer dich thut freundlich anlaͤchlẽ/ der wolte dir vil lieber die Augen außkratzen: non enim eſt veritas, & non eſt miſericordia, & non eſt ſcientia Dei in terra. | Wer dich tut freundlich anlächlen / der wollte dir viel lieber die Augen außkratzen: non enim est veritas, & non est misericordia, & non est scientia Dei in terra. | de | de | de | 1 | 4.9816 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,275 | 1,615 | O wie vil Lugen vñ falſchheitẽ ſindt man in den Weltmenſchen: | O wie viel Lügen und Falschheiten sind man in den Weltmenschen: | de | de | lb | 0.667 | 5.9346 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,276 | 1,615 | Menkom̃t bißweilen in ein luſtiges gehuͤltz) deſſen gruͤne baͤum vñ geſtreuß vnſere Augen erluſtigen/ vñ vns reitzen vñ locken vnder jrem ſchattẽ zu ruhen/ woferꝛn aber ſchlangen/ woͤlff vnd Baͤren darinn verhanden ſeind/ ſo begert keiner (der anderſt einen Verſtandt hat) im ſchatten ſolcher baͤum zu ſchlaͤffen: | Menkommt bisweilen in ein lustiges Gehölz) dessen grüne bäum und gestreuß unsere Augen erlustigen / und uns reizen und locken unter ihrem schatten zu ruhen / wofern aber schlangen / wölf und Bären darin vorhanden sind / so begehrt keiner (der anders einen verstand hat) im Schatten solcher bäum zu Schläfen: | de | de | de | 1 | 5.8645 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,277 | 1,615 | Diſe Welt/ die wir ſo ſehꝛ lieben/ iſt dz gehuͤltz oder wald/ ſie ſcheinet/ dem euſſerlichen weſen nach/ friſch vnd luſtig zu ſeyn/ aber inwendig iſt ſie erfuͤllt mit vilen vergifften Thieren/ die vns vmbbringen/ die Menſchen ſchmatchlen vns vor/ geben vns zucker: vnnd hoͤnigſuͤſſe wort/ ſie verſprechen vnd verheiſſen vns vil/ aber es ſeind nichts anders/ als complimenten vnd laͤre Woꝛt/ dann im fall der Noth/ vnd wann man jhrer bedarf/ befindt ſich das gerade widerſpil. | Diese Welt / die wir so sehr lieben / ist das Gehölz oder Wald / sie scheinet / dem äußerlichen Wesen nach / frisch und lustig zu sein / aber inwendig ist sie erfüllt mit vielen vergiften Tieren / die uns umbringen / die Menschen schmatchlen uns vor / geben uns Zucker: und hönigsüsse Wort / sie versprechen und verheißen uns viel / aber es sind nichts anders / als Komplimenten und Lehre Wort / dann im Fall der Not / und wann man ihrer bedarf / befind sich das gerade Widerspiel. | de | de | de | 1 | 5.1928 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,278 | 1,615 | Die Weiſſagung deß Apoſtels/ daß zu den letzten zeiten die ohren der Menſchen dermaſſen kranck vnd zart ſein werden/ daß ſie nichts heylſames/ ſonder nur lautere liehliche vñ angeneme ding hoͤꝛen werden moͤgen: | Die Weissagung des Apostels / dass zu den letzten Zeiten die Ohren der Menschen dermaßen krank und zart sein werden / dass sie nichts Heilsames / sonder nur lautere liehliche und angenehme Ding hören werden mögen: | de | de | de | 1 | 5.3969 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,279 | 1,615 | iſt numehr erfuͤlt: | ist nunmehr erfüllt: | de | de | la | 0.667 | 8.4823 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,280 | 1,615 | Nirgents aber iſt die warheit verhaſtes vñ verdꝛießlicher/ als eben an etlichẽ Hoͤfen der Potentaten: An jrer ſtatt wirdt die Lugen vnd ſchmaichlerey geliebt. | nirgends aber ist die Wahrheit verhasstes und verdrießlicher / als eben an etlichen Höfen der Potentaten: An ihrer statt wird die Lügen und Schmeichlerei geliebt. | de | de | de | 1 | 5.2169 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,281 | 1,615 | Die jenigen/ ſo die warheit predigen/ vñ die Laſter ruͤhꝛen vñ ſtraffen/ werden vertriben/ die warheit wird wie ein Vbelthaͤterin befengnuſt/ vnd ob ſchon jedeꝛman ſie lobt/ ſo wil doch niemandt ſie hoͤren: | Diejenigen / so die Wahrheit predigen / und die Laster rühren und strafen / werden vertrieben / die Wahrheit wird wie ein Übeltäterin befengnust / und ob schon jedermann sie lobt / so will doch niemand sie hören: | de | de | de | 1 | 4.9156 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,282 | 1,615 | weil die welt der warheit ſo gar feind iſt/ ſo muͤſſen die Diener Gottes per circũlocutiones reden/ vnd ſie verdeckt fuͤrbꝛingen/ damit ſie angenom̃en werde/ jnmaſſen der Pꝛophet Natan dem Koͤnig Dauid gethan. | weil die Welt der Wahrheit so gar Feind ist / so müssen die Diener Gottes per circulocutiones reden / und sie verdeckt vorbringen / damit sie angenommen werde / in Maßen der Prophet Natan dem König David getan. | de | de | de | 1 | 5.3524 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,283 | 1,615 | Wann einer vber die Gaſſen mit vmbgewendtem Mantel gehet/ vnd ein anderer jhms ſagt/ als dañ dancket er jhm drumb/ aber zu erbarmen iſts/ daß/ wañ ein Prediger vns ſagt/ daß wir ein verkehꝛtes boͤſes Leben fuͤhren/ wir vns als dañ erzuͤrnen/ kummern vnd es nit hoͤren moͤgen/ dann diſes laſter der Lugen verfinſtert vnd verſtellt jhren verſtandt dermaſſen/ daß ſie nur die falſchheit vnd ſchmaichelwoꝛt gern hoͤren/ vnd der warheit feind ſeindt/ die frommen aber verhaſſen die Lugen/ vnd lieben die warheit/ welche da iſt Chriſtus Jeſus. | Wann einer über die Gassen mit umgewendetem Mantel geht / und ein anderer ihms sagt / als dann danket er ihm darum / aber zu erbarmen ist es / dass / wann ein Prediger uns sagt / dass wir ein verkehrtes böses Leben führen / wir uns als dann erzürnen / kümmern und es nicht hören mögen / dann dieses Laster der Lügen verfinstert und verstellt ihren verstand dermaßen / dass sie nur die Falschheit und Schmeichelwort gern hören / und der Wahrheit Feind sind / die frommen aber verhassen die Lügen / und lieben die Wahrheit / welche da ist Christus Jesus. | de | de | de | 1 | 4.666 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,284 | 1,615 | Capvt XXXIII. | Capvt XXXIII. | fr | en | pl | 0 | 7.3571 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,285 | 1,615 | Diſcurs von der vbermaͤſſigen ſorgfaͤltigkeit wegen der zeitlichen Guͤter/ Kleider vnnd Reichthumben. | Diskurs von der übermäßigen Sorgfältigkeit wegen der zeitlichen Güter / Kleider und Reichtümer. | de | de | de | 1 | 5.75 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,286 | 1,615 | DEr ander Tiſchgenoß fing an von der vbermeſſigen menſchlichen ſorgfaͤltigkeit zu reden/ vnd ſprach: | Der ander Tischgenoß fing an von der übermäßigen menschlichen Sorgfältigkeit zu reden / und sprach: | de | de | de | 1 | 5.6732 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,287 | 1,615 | Von der materi der vbrigen ſorgfaͤltigkeit redet der Herꝛ vnd ſpricht: Ne ſolliciti ſitis animæ veſtræ quid manducetis, neque corpori veſtro, quid induamini: als wolte er ſagen: | Von der materi der übrigen sorgfältigkeit redet der Herr und spricht: Eine solliciti sitis animae vestrae quid manducetis, neque corpori vestro, quid induamini: als wollte er sagen: | de | la | de | 0.667 | 5.4951 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,288 | 1,615 | Sorget nit ſuͤr ewre Seelen/ was jhr eſſen werdet/ auch nit fur ewren Leib/ was jhr anziehen werdet/ das fuͤrnemſte/ darumb wir Menſchen ſorgen/ iſt die Speiß/ die Kleidung vnd die Reichthumb. | Sorget nicht sür eure Seelen / was ihr essen werdet / auch nicht für euren Leib / was ihr anziehen werdet / das fürnehmste / darum wir Menschen sorgen / ist die Speise / die Kleidung und die Reichtum. | de | de | de | 1 | 4.9657 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,289 | 1,615 | Was die Speiß vnnd Leibsnarung belangt/ iſt nicht gnugſamb zu verwundern/ was geſtalt ſie ſich deßwegen bemuͤhen/ dann etliche pfluͤgen den Acker/ andere pflantzen Baͤum/ andere legen ſich auff den Viechziegel/ andere treiben ein Handtwerck/ ander begeben ſich auffs ſtudiren/ vnd andere auffs kriegen/ alles zu dem endt/ damit ſie jhre zeitliche Nahrung gehaben/ daran aber thun ſie nit ſo gar vnrecht/ wofern ſie es mit Gott angreiffen/ jhne darneben allzeit vor Augen haben/ vnd ſich vom Geitz nit vbergehen laſſen. | Was die Speise und Leibsnahrung belangt / ist nicht genugsam zu verwundern / was Gestalt sie sich deswegen bemühen / dann etliche pflügen den Acker / andere Pflanzen Bäume / andere legen sich auf den Viechziegel / andere treiben ein Handwerk / ander begeben sich aufs Studieren / und andere aufs Kriegen / alles zu dem Ende / damit sie ihre zeitliche Nahrung gehaben / daran aber tun sie nicht so gar Unrecht / sofern sie es mit Gott angreifen / ihn daneben allzeit vor Augen haben / und sich vom Geiz nicht übergehen lassen. | de | de | de | 1 | 5.5707 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,290 | 1,615 | Andere findt man/ welche die ehrliche arbeit fliehen/ ſich nur auff die Maulnahꝛung oder Wirthſchafft/ Jtem auff die Kauffmanſchafft vnd Wucher legen/ vnd durchauß kein Gewiſſen haben/ ſonder Tag vnd Nacht nur dahin dichten/ trachten vnd aꝛbeiten/ dz ſie mit vñ ohne recht/ vil Gelt vnd Guts zuſammen ſcharꝛen moͤgen. | Andere findet man / welche die ehrliche Arbeit fliehen / sich nur auf die Maulnahrung oder Wirtschaft / Item auf die Kaufmannschaft und Wucher legen / und durchaus kein Gewissen haben / sonder Tag und Nacht nur dahin dichten / trachten und arbeiten / dass sie mit und ohne recht / viel Geld und Gutes zusammen scharren mögen. | de | de | de | 1 | 5.4723 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,291 | 1,615 | Andere ſeind verhanden vnd ſonderlich die Weiber/ welche jhꝛ Haußhaben vermeinen zu verbeſſern oder reich zu werden/ vermittelſt jhrer Kargheit vnnd geſpaͤrigkeit/ auß allen vñ jeden dingen woͤllen ſie einen gewinn ſuchen/ vnd auß jhren Haͤnden kein notturfft laſſen: | Andere sind vorhanden und sonderlich die Weiber / welche ihr Haushaben vermeinen zu verbessern oder reich zu werden / vermittels ihrer Kargheit und gespärigkeit / aus allen und jeden Dingen wollen sie einen Gewinn suchen / und aus ihren Händen kein Notdurft lassen: | de | de | de | 1 | 5.5493 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,292 | 1,615 | Alles will jhnen zerꝛinnen/ vnnd nichts will jhnen gnug ſein. | Alles will ihnen zerrinnen / und nichts will ihnen genug sein. | de | de | de | 1 | 4.3365 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,293 | 1,615 | Die abgeſtutzte naͤgel klauben ſie widerum̃ von deꝛ Erden auf/ vnd behaltens/ obs jhnen villeicht einmals zu nutz werden moͤchte: | Die abgestutzte Nägel klauben sie wiederum von der Erden auf / und Behaltens / obs ihnen vielleicht einmals zu Nutz werden möchte: | de | de | de | 1 | 7.033 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,294 | 1,615 | Auß lauter geitz doͤrffen ſie jr Gelt nit angreiffen/ verbergen jrẽ Treid/ vnd woͤllen jhne ehender nit verkauffen biß er gar thewr worden. | Aus lauter geiz dürfen sie ihr Geld nicht angreifen / verbergen Iren Trait / und wollen ihn eher nicht verkaufen bis er gar teuer worden. | da | de | de | 0.667 | 6.2174 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,295 | 1,615 | Von ſolchen Leuthen aber ſtehet geſchriben. | Von solchen Leuten aber steht geschrieben. | hu | de | de | 0.667 | 6.5543 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,296 | 1,615 | Qui abſcondit frumenta, maledicetur in populis: als wolte der weiſe Mann ſagen: | Qui abscondit frumenta, maledicetur in populis: als wollte der weise Mann sagen: | de | en | de | 0.667 | 5.3651 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,298 | 1,615 | Dañ es ſieht geſchriben: | Dann es sieht geschrieben: | de | de | lv | 0.667 | 7.5794 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,299 | 1,615 | Qui cõfidit in diuitijs ſuis corruet, iuſti autem quaſi virens folium germinabunt. | Qui cofidit in diuitijs suis corruet, iusti autem quasi virens folium germinabunt. | la | la | la | 0 | 5.8605 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,300 | 1,615 | Nun ſpricht aber einer: die taͤgliche erfahrung vnd Exempel geben ein anders zuerkennen/ dann wir ſehen/ daß vil Leuth durch jhre groſſe ſorgfaͤltigkeit bemuͤhung/ vortheiligkeit vnnd Wucher/ Reich/ vermuͤglich groß vnd anſehenlich werden/ hergegen daß die jenigen/ welche ſich der eigennuͤtzigen vnnd falſchen ſtuͤckel nit achten noch gebrauchen/ ſonder das ſtudium iuſtitiæ oder der Gerechtigkeit omnib. vitæ commodis vorziehen/ arm vnd duͤrfftig ſeind vnd bleiben: | Nun spricht aber einer: Die tägliche Erfahrung und Exempel geben ein anders zuerkennen / dann wir sehen / dass viel Leute durch ihre große Sorgfältigkeit Bemühung / Fortheiligkeit und Wucher / Reich / vermöglich groß und ansehenlich werden / hingegen dass diejenigen / welche sich der eigennützigen und falschen stückel nicht achten noch gebrauchen / sonder das studium iustitiae oder der Gerechtigkeit omnib. vitae commodis vorziehen / arm und dürftig sind und bleiben: | de | de | de | 1 | 5.7645 |
albertinus_landtstoertzer01_1615 | 1,301 | 1,615 | Hierauff aber antwortet der weiſe Mann vnnd ſpricht: multi cibi in noualib. patrum ſibi pauperum, dann die erſaͤttigung beſtehet nicht in den Schewren vnd Kaͤſten/ ſo mit Traidt erfuͤlt ſeind/ ſonder in einem maͤſſigen vnd tugentſamen Gemuͤth/ dann wie die Tugendt mit jhr ſelbſt zu friden iſt/ alſo ſetzet ſie der btgierligkeit reich zuwerden ein ſolches maß vñ ziel daß ſie mehr nit/ als eben die notturfft begehꝛet: | Hierauf aber antwortet der weise Mann und spricht: multi cibi in noualib . patrum sibi pauperum, dann die Ersättigung bestehet nicht in den Scheure und Kästen / so mit Trait erfüllt sind / sonder in einem mäßigen und tugendsamen Gemüt / dann wie die Tugend mit ihr selbst zu Frieden ist / also setzet sie der btgierligkeit reich zuwerden ein solches Maß und Ziel dass sie mehr nicht / als eben die Notdurft begehret: | de | de | de | 1 | 5.6636 |
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