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21.8
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,704
1,615
Wir ſollen gedencken vnnd wiſſen/ daß GOtt alle vnſere Werck ſehe/ vnnd eygentlich auffmercke/ wie wir vns in ſeiner Lieb verhalten:
Wir sollen gedenken und wissen / dass Gott alle unsere Werk sehe / und eigentlich aufmerke / wie wir uns in seiner Liebe verhalten:
de
de
de
1
4.9133
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,705
1,615
Ipſe ſtat poſt parietem. proſpiciens per feneſtram, per cancellos; CHriſtus ſtehet heimblich vnnd verborgen hinder der Wandt/ ſchawet durch das Fenſter vnnd Gaͤtterl/ vnnd er ſpehet vnſere Seel auß/ was ſie mache/ gedencke vnnd verlange: auris zeli audit omnia: finxit ſe longius ire, er ſtellet ſich/ als verꝛeiſe vnd gehe er weit von vns/ aber niemaln weichet er auß vnſern Hertzen/ ego ſto ad oſtium & pulſo, vnuerſehens laͤſt er ſich ſehen/ ſicut fur in nocte veniet, wie ein Dieb wird er in der Nacht kommen.
Ipse statt post parietem . prospiciens per fenestram, per cancellos; Christus steht heimlich und verborgen hinter der Wandte / schauet durch das Fenster und Gätterl / und er spähet unsere Seele aus / was sie mache / gedenke und verlange: auris zeli audit omnia: finxit se longius ihre, er stellet sich / als verreise und gehe er weit von uns / aber niemals weichet er aus unsern Herzen / ego sto ad ostium & pulso, unversehens lässt er sich sehen / sicut für in nocte veniet, wie ein Dieb wird er in der Nacht kommen.
de
de
de
1
5.4597
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,706
1,615
Wann er aber erzuͤrnet wirdt/ ſo verzeyhet er nicht/ furor viri non parcet, nec acquieſcet cuiuſque precibus, nec accipit pro redemptione dona plurima: dermaſſen liebet Chꝛiſtus vnſere Seelen/ dz er ſie zu einer Braut erwehlt hat/ wann derwegen ſie ſich mit dem Teuffel/ mit dem Fleiſch vnd mit der Welt vereiniget/ als dann erzuͤrnet er ſich/ vnd rechet ſich wie ein Eyferer.
Wann er aber erzürnet wird / so verzeihet er nicht / furor viri non parcet, nec acquiescet cuiusque precibus, nec accipit pro redemptione dona plurima: dermaßen liebet Christus unsere Seelen / dass er sie zu einer Braut erwählt hat / wann derentwegen sie sich mit dem Teufel / mit dem Fleisch und mit der Welt vereiniget / als dann erzürnet er sich / und rechet sich wie ein Eiferer.
de
de
de
1
4.6822
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,707
1,615
Diſes betrachtete Auguſtinus vnnd ſprach:
Dieses betrachtete Augustinus und sprach:
de
de
ga
0.667
6.5311
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,708
1,615
Huͤte dich/ O Braut Chriſti/ vnnd ſchaw/ daß dein Braͤutigam ſich nicht von dir abwende/ er iſt nit weit hinweg gangen/ vnd ob ſchon du jhne nit ſiheſt/ ſo ſihet er doch dich mit den voͤlligen Augen hinden vnd vorn.
Hüte dich / O Braut Christi / und Schaf / dass dein Bräutigam sich nicht von dir abwende / er ist nicht weit hinweggegangen / und ob schon du ihn nicht siehst / so sieht er doch dich mit den völligen Augen hinten und vorn.
de
de
de
1
4.6034
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,709
1,615
Niemaln vnnd nirgends kanſtu dich vor jhm verbergen/ dann er hat bey dir ſeine Geiſtliche Botten/ fleiſſige Speconen vnnd Kundtſchaffter/ welche fleiſſig aufſchawen/ wie du in deines Braͤutigams abweſenheit dich verheltſt/ damit ſie dich vor jm verklagen/ woferꝛn ſie ein zeichen der liderlichheit vnd geylheit an dir verſpuͤren.
Niemals und nirgends kannst du dich vor ihm verbergen / dann er hat bei dir seine Geistliche Botten / fleißige Speconen und Kundschafter / welche fleißig aufschauen / wie du in deines Bräutigams Abwesenheit dich verhältst / damit sie dich vor ihm verklagen / wofern sie ein Zeichen der liderlichheit und Geilheit an dir verspüren.
de
de
de
1
5.1145
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,710
1,615
Ein Eyferer iſt diſer dein Braͤutigam/ vnd wofern du einen andern Liebhaber erwoͤhleſt/ vnd andern begereſt zu gefallen/ ſo weichet er als bald von dir/ vnd hengt ſich an andere Maͤgdlein:
Ein Eiferer ist dieser dein Bräutigam / und sofern du einen anderen Liebhaber erwählest / und anderen begehrest zu gefallen / so weichet er als bald von dir / und hängt sich an andere Mägdlein:
de
de
de
1
4.7728
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,711
1,615
Sehr zart iſt diſer dein edler vnnd allerſchoͤnſter Braͤutigam/ derwegen liebet er nur edle/ zarte vnnd ſchoͤne Seelen/ woferꝛn er einen mackel oder Runtzel an dir ſihet/ ſo wendet er alsbaldt ſeine Augen von dir/ dann er mag kein vnlauterkeit leyden/ derwegen ſey keuſch/ zuͤchtig/ geſchaͤmig vnnd demuͤtig/ damit du wuͤrdig werdeſt von deinem Braͤutigam offtermals heimgeſucht zu werden.
Sehr zart ist dieser dein edler und allerschönster Bräutigam / derentwegen liebet er nur edle / zarte und schöne Seelen / wofern er einen Makel oder Runzel an dir sieht / so wendet er alsbald seine Augen von dir / dann er mag kein Unlauterkeit leiden / derentwegen sei keusch / züchtig / geschämig und demütig / damit du würdig werdest von deinem Bräutigam öftermals heimgesucht zu werden.
de
de
de
1
4.588
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,712
1,615
Auß diſem Eyfer der frommen vnd gerechten entſpringt ein ſo groſſer Eyfer der Lieb Gottes/ daß ſie nit leyden moͤgen/ daß GOtt von den Suͤndern erzuͤrnet werde/ dannenhero haben ſie die Waffen wider die Abgoͤtterer/ Ketzer vnnd Gottslaͤſterer gefuͤhrt/ nach dem Exempel CHriſti/ welcher die Kaͤuffer vnnd Verkaͤuffer auß dem Tempel vertrib: Deßgleichen hat Phinees auß diſem guten vnnd gerechten Eyfer ſein Schwerdt in jenen Hebreiſchen verachter deß Geſetzes geſtochen:
Aus diesem Eifer der frommen und gerechten entspringt ein so großer Eifer der Liebe Gottes / dass sie nicht leiden mögen / dass Gott von den Sündern erzürnet werde / dannenher haben sie die Waffen wider die Abgötter / Ketzer und Gottslästerer geführt / nach dem Exempel Christi / welcher die Käufer und Verkäufer aus dem Tempel vertrieb: Desgleichen hat Phinees aus diesem guten und gerechten Eifer sein Schwert in jenen Hebreischen Verachter des Gesetzes gestochen:
de
de
de
1
4.7237
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,713
1,615
vñ hierunder ſeines eygnen Bluts vnd Freundtſchafft nicht verſchont.
und hierunter seines eigenen Bluts und Freundschaft nicht verschont.
de
de
de
1
6.0188
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,714
1,615
Diſer heilige Eyfer verurſachet drey ſtarcke vnd groſſe bewegnuſſen im Menſchen/ die erſte iſt der Zorn/ welcher ſich erꝛegt wann der Menſch ſihet/ daß Gott belaidigt wirdt/ vnd diſe bewegnuß oder Zorn iſt GOtt dem HErꝛn der maſſen angenemb/ daß ſein gefaßter zorn vnd Straff dardurch gelindert/ ja gar auffgehebt wirdt/ vermuͤg der Wort:
Dieser heilige Eifer verursachet drei starke und große bewegnussen im Menschen / die erste ist der Zorn / welcher sich erregt wann der Mensch sieht / dass Gott beleidigt wird / und diese bewegnuß oder Zorn ist Gott dem Herrn der Maßen angenehm / dass sein gefasster Zorn und Strafe dadurch gelindert / ja gar aufgehoben wird / vermög der Wort:
de
de
lb
0.667
5.4099
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,715
1,615
Phinees filius Eleazari auertit iram meam à filiis Iſrael, quia zelo meo cõmotus eſt contra illos.
Phinees filius Eleazari auertit iram meam à filiis Israel, quia zelo meo comotus est contra illos.
fr
la
la
0
6.5686
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,716
1,615
Die andere Bewegnuß iſt der Schmertzen/ welchen man ob der belaidigung GOttes empfindet/ vnnd derſelb iſt der maſſen groß/ daß man jhne bißweilen euſſerlich erzeiget/ vermittelſt der zerreiſſung der Kleider/ vnd dergleichen zeichen/ jnmaſſen Dauid gethan vnd geſagt:
Die andere Bewegnuss ist der Schmerzen / welchen man ob der Beleidigung Gottes empfindet / und derselbe ist der Maßen groß / dass man ihn bisweilen äußerlich erzeiget / vermittels der Zerreißung der Kleider / und dergleichen Zeichen / in Maßen David getan und gesagt:
de
de
de
1
5.6782
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,717
1,615
& ſuper inimicos tuos cõtabeſcebã.
& super inimicos tuos cotabesceba.
fi
la
es
0
7.3029
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,718
1,615
Die dritte iſt der haß vnd feindſchafft/ von dern jetztbemelter Dauid ſagt: Perfecto odio oderã illos.
Die dritte ist der Hass und Feindschaft / von deren jetztbemelter David sagt: Perfecto odio odera illos.
de
de
de
1
6.8597
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,719
1,615
Ein vollkom̃ner haß iſts/ wañ man den Menſchen gleichwol liebet/ aber ſein Laſter haſſet/ vñ diſer zelus oder Eyfer iſt ein beſchuͤtzer vñ erhalter der Ehꝛ vnd Glori Gottes:
Ein vollkommener Hass ist es / wann man den Menschen gleichwohl liebet / aber sein Laster hasset / und dieser zelus oder Eifer ist ein Beschützer und Erhalter der Ehre und Glorie Gottes:
de
de
de
1
5.4437
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,720
1,615
Er iſt der Beſem/ welcher den Tempel deß HErꝛn rein helt/ jnmaſſen Matathias gethan vnd von jm geſagt woꝛden: aſcendamus mundare caſtra:
Er ist der Besem / welcher den Tempel des Herrn rein hält / in Maßen Matathias getan und von ihm gesagt worden: ascendamus mundare castra:
de
la
lb
0.333
5.7364
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,721
1,615
& demoliti ſunt altare, eo quod prophanatum eſt à gentibus, & obtinuerunt legem de manibus gentiũ.
& demoliti sunt altare, eo quod prophanatum est à gentibus, & obtinuerunt legem de manibus gentiu.
fr
lb
la
0
5.5968
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,722
1,615
Selig vnd loͤblich ſeind alle die jenigen vorſteher vñ Obrigkeiten/ welche einen ſolchen Goͤttlichen eyfer erzeigen/ die Kirchen vnd gemeinden mit dem Beſem deß jnbruͤnſtigen eyfers kehꝛen/ vñ die cõcubinarios, Simoniſten/ Ehebrecher vñ anders dergleichen vnziffer/ ohne allẽ reſpect drauß treiben/ vnd vertilgen ſollen/ dann wañ ſie diſen heiligen Eyfer gegen der Goͤttlichen glori/ iuſtici vnd tugenden nit haben/ ſo folgt drauß/ dz die ehꝛ vnd der dienſt Gottes vnd der gemeine nutz vnderlaſſen vñ verhindert wird/ daß die ſuͤnd vnd laſter vngeſtrafft bleiben/ die gute diſciplin, die iuſtici vnd gute ſitten nit gebuͤrlich vnderhalten werden.
Selig und löblich sind alle diejenigen Vorsteher und Obrigkeiten / welche einen solchen göttlichen Eifer erzeigen / die Kirchen und gemeinden mit dem Besem des inbrünstigen Eifers kehren / und die cocubinarios, Simonisten / Ehebrecher und anders dergleichen vnziffer / ohne allen Respekt daraus treiben / und vertilgen sollen / dann wann sie diesen heiligen Eifer gegen der Göttlichen Glorie / iustici und Tugenden nicht haben / so folgt daraus / dass die ehr und der Dienst Gottes und der gemeine Nutz unterlassen und verhindert wird / dass die Sünde und Laster ungestrafft bleiben / die gute Disziplin, die iustici und gute Sitten nicht gebührlich unterhalten werden.
de
de
de
1
4.8792
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,723
1,615
Ein andere art deß Eyfers iſt verhanden/ welche gleichfals gut iſt/ vnd welchen die Eheleuth gegen einander tragen/ vnnd ſich billich beſorgen vnd es empfinden/ daß ein andeter jhrer genieſſe/ ſeytemal ſolche genieſſung nicht allein nit ohne groſſe vnehꝛ vnd ſchaden ſolcher Eheleuth beſchthen kan/ ſonder auch nit ohne groͤſſe verachtung vnd verunehrung GOttes/ deſſen Geſetz vnd verbuͤndnuß dardurch violirt geſchendt vñgeſchwecht wirdt.
Ein andere Art des Eifers ist vorhanden / welche gleichfalls gut ist / und welchen die Eheleut gegen einander tragen / und sich billig besorgen und es empfinden / dass ein andeter ihrer genieße / sintemal solche Genießung nicht allein nicht ohne große Unehre und schaden solcher Eheleut beschthen kann / sonder auch nicht ohne Größe Verachtung und verunehrung Gottes / dessen Gesetz und Bündnis dadurch violirt geschändet vndgeschwecht wird.
de
de
de
1
5.8621
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,724
1,615
Weil auch die Lieb/ welche zwiſchen den Eheleuthen ſein ſoll/ ſie verobligiret vnnd verbindet/ jhꝛer beyder Ehꝛ vnnd nutz zu befuͤrderen/ vnd allen Spott vnnd Schaden zu verhuͤten/ ſo eyferen ſie billich vnnd ſeind vbel zu friden mit denen Perſonen/ ſo jhnen dergleichen ſchandtfleck koͤnnen anhencken:
Weil auch die Liebe / welche zwischen den Eheleuten sein soll / sie verobligieret und verbindet / ihrer beider Ehre und Nutz zu befördern / und allen Spott und Schaden zu verhüten / so eifere sie billig und sind übel zu Frieden mit denen Personen / so ihnen dergleichen Schandfleck können anhängen:
de
de
de
1
5.4611
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,725
1,615
So gar die vnuernuͤnfftige Thier empfindens/ wañ man jhnen zu nahe gehet vnnd einen eintrag thut/ als jener Hirt Crates ſich in ein Gaiß verliebte/ fing der Bock an zu eyfern/ vnd ſtieß jhne ſchlaffend mit den Hoͤrnern zu Todt.
So gar die unvernünftige Tier Empfindens / wann man ihnen zu nahe geht und einen Eintrag tut / als jener Hirte Crates sich in ein Geiß verliebte / fing der Bock an zu eifern / und stieß ihn schlaffend mit den Hörnern zu Tod.
de
de
de
1
5.5407
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,726
1,615
Ein weiſer Mann/ der da begert fridlich vnd ehrlich zu hauſen/ ſoll ſein Weib offtermals ermahnen/ ſelten ſtraffen vñ noch ſeltener ſchlagen/ ſonder in gebuͤrlichem gehorſamb erhalten/ auch jhr im wenigſten kein vrſach zum eyfern geben/ dann man findt etliche naͤrꝛiſche Maͤnner/ welche nit vnderlaſſen/ mit andern vnnd frembden Weibern verdaͤchtigklich zu conuerſiren. vnnd nit deſto weniger woͤllen ſie/ daß jhre Weiber es nicht andten/ ſonder diſſimuliren, vnnd jhnens alles gut heiſſen ſollen:
Ein weiser Mann / der da begehrt friedlich und ehrlich zu hausen / soll sein Weib öftermals ermahnen / selten strafen und noch seltener schlagen / sonder in gebührlichem Gehorsam erhalten / auch ihr im wenigsten kein Ursache zum Eifern geben / dann man findet etliche närrische Männer / welche nicht unterlassen / mit anderen und fremden Weibern verdächtigelich zu conuersiren . und nicht desto weniger wollen sie / dass ihre Weiber es nicht ahnten / sonder dissimulieren, und ihnen alles gutheißen sollen:
de
de
de
1
5.4659
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,727
1,615
Jm wenigſten betrachten ſolche Narren/ daß ſie dardurch jhren Weibern vrſach geben/ entweder dergleichen zuthun/ oder doch billich mit jhnen zu eyfern.
Im wenigsten betrachten solche Narren / dass sie dadurch ihren Weibern Ursache geben / entweder dergleichen zutun / oder doch billig mit ihnen zu eifern.
de
de
de
1
5.5478
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,728
1,615
Es ſeye ein Fraw ſo fromb vnd guͤtig wie ſie jm̃er woͤlle/ ſo mag ſie doch nit leiden/ daß ein andere jres Manns zu theil werde.
Es sei ein Frau so fromm und gütig wie sie immer wolle / so mag sie doch nicht leiden / dass ein andere ihres Manns zuteilwerde.
de
de
de
1
5.1418
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,729
1,615
Werden ſie nit druͤber trawrig vnnd betruͤbt/ ſo werden ſie doch wuͤtig vnnd tobendt/ kein gehetzter Eber/ kein hungeriger Loͤw/ vnnd kein Tigerthier/ deme man ſeine jungen geſtohlen/ noch kein Otter/ deme man auffn ſchwantz getretten/ kan ſo gar erſchrecklich ſeyn/ als ein erzuͤrnete vnnd beleidigte Fraw: Nichts machet ſie wuͤtiger vnnd tobender/ als eben die Eyferſucht/ wañ ſie nemblich ſihet/ daß jhr Mann ſich an die Schnur hengt:
Werden sie nicht drüber traurig und betrübt / so werden sie doch wütig und tobend / kein gehetzter Eber / kein hungriger Löwe / und kein Tigertier / dem man seine jungen gestohlen / noch kein Otter / dem man auf den Schwanz getreten / kann so gar erschrecklich sein / als ein erzürnte und beleidigte Frau: Nichts macht sie wütiger und tobender / als eben die Eifersucht / wann sie nämlich sieht / dass ihr Mann sich an die Schnur hängt:
de
de
de
1
4.2487
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,730
1,615
Jene Ariadna vergrub den Keyſer Zenonem Iſauricum jhren Mann lebendig/ damit ſie ſich vber jhme moͤchte rechen:
Jene Ariadne vergrub den Kaiser Zenonem Isauricum ihren Mann lebendig / damit sie sich über ihm möchte rechen:
de
de
de
1
6.9166
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,731
1,615
Das Weibliche Geſchlecht iſt fuͤr ſich ſelbſt ſchwach/ argwoͤniſch vnd rachgierig/ derwegen haben die Maͤnner deſto mehrere vrſach/ weißlich vnd fuͤrſichtiglich mit jhꝛen Frawen vmbzugehen:
Das weibliche Geschlecht ist für sich selbst schwach / argwöhnisch und rachgierig / derentwegen haben die Männer desto mehrere Ursache / weißlich und vorsichtig mit ihren Frauen umzugehen:
de
de
de
1
4.8475
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,732
1,615
Naͤrꝛiſch handlen die jenigen Maͤnner/ welche an frembden Weibern haͤtigen/ jhꝛen eygnen Frawen feindt werden/ vnd ſie benebens ſchlagen oder iniuriren, ſchenden vnd ſchmaͤhen:
Närrisch handeln diejenigen Männer / welche an fremden Weibern hätigen / ihren eigenen Frauen Feind werden / und sie benebens schlagen oder iniuriren, schänden und schmähen:
de
de
de
1
5.6882
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,733
1,615
Clytemneſtra ward von jrem Mann Agamemnon iniurirt, derwegen beging ſie den Ehebruch/ vnnd bewilligte in ſeinen Todt.
Clytemnestra wurde von ihrem Mann Agamemnon iniurirt, derentwegen beging sie den Ehebruch / und bewilligte in seinen Tod.
de
de
de
1
5.0942
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,734
1,615
Jener Rechtsgelehrter ſagt/ daß die Ehefrawen erleucht vnd geziert ſollen werden durch die Stralen jhꝛer Maͤnner/ daß auch der Mann der jenig ſein ſoll/ der andern Maͤnnern ein Exempel gebe/ wie ſie jre Frauwen ehren ſollen.
Jener Rechtsgelehrter sagt / dass die Ehefrauen erleuchte und geziert sollen werden durch die Strahlen ihrer Männer / dass auch der Mann der jenig sein soll / der anderen Männern ein Exempel gebe / wie sie ihre Frauen ehren sollen.
de
de
de
1
4.6428
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,735
1,615
Thut ers/ ſo bewegt er ſie dardurch/ jhne zu ehꝛen/ thut ers nicht/ vnnd gibt er jhꝛ vrſach zu eyfern/ ſo gewinnt ſie daher ein vrſach jhne zu verhaſſen vnnd gleichfals wider ſein Ehꝛ zu handlen/ jnmaſſen ſolches die taͤgliche Exempel bezeugen vnnd zuerkennen geben.
Tut er es / so bewegt er sie dadurch / ihn zu ehren / tut er es nicht / und gibt er ihr Ursache zu eifern / so gewinnt sie daher ein Ursache ihn zu verhassen und gleichfalls wider sein Ehre zu handeln / in Maßen solches die tägliche Exempel bezeugen und zuerkennen geben.
de
de
de
1
5.235
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,736
1,615
Nicht allein ſoll der Mann ſeinem Weib durch ſein vnzimblichs verhalten nicht vꝛſach zum eyfern geben/ ſonder er ſelbſt ſoll auch nicht vnzeitig eyfern/ zumaln wann ſie fromm/ keuſch vnnd haͤußlich iſt/ dann vil Weiber werden zu Huren/ jhꝛen Maͤnnern zu trutz/ ſeytemal ſie ſehen/ daß jhꝛe Maͤnner jhnen nicht trawen.
Nicht allein soll der Mann seinem Weib durch sein vnzimblichs verhalten nicht Ursache zum Eifern geben / sonder er selbst soll auch nicht unzeitig eifern / zumal wann sie fromm / keusch und häuslich ist / dann viel Weiber werden zu Huren / ihren Männern zu Trutz / sintemal sie sehen / dass ihre Männer ihnen nicht trauen.
de
de
de
1
5.3808
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,737
1,615
Jſt ein Fraw von Natur fromm/ keuſch vnnd haͤußlich/ ſo ſoll jhꝛ der Mann kecklich trawen/ vnnd auff ſie bawen:
Ist ein Frau von Natur fromm / keusch und häuslich / so soll ihr der Mann kecklich trauen / und auf sie bauen:
de
de
de
1
4.4771
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,738
1,615
Jſt ſie aber etlicher maſſen frech/ geſellig vnnd laͤppiſch/ ſo hat er vrſach jhr auff die Eyſen zuſehen/ vnd ſie muͤglichs fleiſſes vorm Fall zu verhuͤten.
Ist sie aber etlicher maßen frech / gesellig und läppisch / so hat er Ursache ihr auf die Eisen zusehen / und sie müglichs Fleißes vorm Fall zu verhüten.
de
de
de
1
5.4149
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,739
1,615
Begibts ſichs aber/ daß er jhrenthalben inn ſorgen ſtehen muß/ ſo ſoll er dannoch ſehꝛ fuͤr ſichtiglich procediren: dergleichen paſſiones ſeind incommunicabiles: ſo wol die bitterkeiten/ als die ſuͤſſigkeiten deß Eheſtandts ſollen durch die Eheleuth in geheimb gehalten werden/ die Narꝛen aber ſchwaͤtzen auß dem Beth:
Begibt sich es aber / dass er ihrethalben in Sorgen stehen muss / so soll er dennoch sehr für sichtig prozedieren: dergleichen passiones sind incommunicabiles: so wohl die Bitterkeiten / als die Süßigkeiten des Ehestandts sollen durch die Eheleut in geheim gehalten werden / die Narren aber schwätzen aus dem Bett:
de
de
de
1
5.5469
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,740
1,615
Mancher entdecket ſein Laidt/ Noth vnnd Anligen einem guten Freund/ derſelb aber lachet ſeiner/ vnd gewiñt dardurch vrſach ſein Heylgleichfals an ſeines Freundts Weib zu verſuchen/ vnnd jhme die Hoͤrner ſelbſt auffzuſetzen: dardurch wirdt er alsdann ein doppelter cornuto oder Hanrey.
Mancher entdecket sein Leid / Not und Anliegen einem guten Freund / derselbe aber lachet seiner / und gewinnt dadurch Ursache sein Heylgleichfals an seines Freunds Weib zu versuchen / und ihm die Hörner selbst aufzusetzen: dadurch wird er alsdann ein doppelter cornuto oder Hahnrei.
de
de
de
1
6.1089
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,741
1,615
Die vnuerſchambtheit der Weiber wirdt bißweilen durch den vnzeitigen Eyfer vnd vnbeſonnenes procediren der Maͤñer vermehꝛt vnd befuͤrdert.
Die vnuerschambtheit der Weiber wird bisweilen durch den unzeitigen Eifer und unbesonnenes prozedieren der Männer vermehrt und befördert.
de
de
de
1
5.8494
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,742
1,615
Sehꝛ ingeniosê vnd ſuhtiler muß man mit dergleichen ſchwachen vnnd vnnothfeſten Frawen vmbgehen:
Sehr ingeniose und suhtiler muss man mit dergleichen schwachen und vnnothfesten Frauen umgehen:
de
de
de
1
7.2849
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,743
1,615
Jſt ſie von Natur geyl vnnd vnkeuſch/ ſo hilfft kein eyferen/ jhre Liſt vnnd verſchlagenheiten ſeind vnendtlich vnnd vneiforſchlich:
Ist sie von Natur geil und unkeusch / so hilft kein eifere / ihre List und Verschlagenheiten sind unendlich und vneiforschlich:
de
de
de
1
6.4061
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,744
1,615
Pone ſeram, cohibe: ſed quis cuſtodiet ipſos Cuſtodes? cauta eſt & ab illis incipit vxor.
Pone seram, cohibe: sed quis custodiet ipsos Custodes? cauta est & ab illis incipit vxor.
en
la
fr
0
6.2214
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,745
1,615
Vil leichter iſt ein Wanne voller Floͤh zu huͤten/ denn ein liderliches Eheweib.
Viel leichter ist ein Wann voller Flöhe zu hüten / denn ein liederliches Eheweib.
de
de
de
1
5.5963
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,746
1,615
Die raach welche bißweilen darwider fuͤr genom̃en wird/ heylet vnſere Kinder nit allein nit/ ſonder verwundet ſie vilmehr/ nichts iſt den Eheleuten notwendiger/ als eben ein beſcheidene Gedult/ nicht allzeit iſts mit der Raach vnnd geſtrengheit außgericht/ mancher vermeint er woͤlle ſich vber ſein meineydiges Weib rechen vñ ſie zu ſchanden machen/ aber ſich ſelbſt trift er vilmehꝛ/ denn ſie: ob ſchon einer ein heimlicher cornuto oder Horntrager iſt/ ſo iſt er doch darumb nit deſto ſchlimmer/ dañ in ſolchen faͤllen wirdt ein ehꝛlicher Mann mehꝛers beklagt/ als veracht.
Die raach welche bisweilen dawider für genommen wird / heilet unsere Kinder nicht allein nicht / sonder verwundet sie vielmehr / nichts ist den Eheleuten notwendiger / als eben ein bescheidene Geduld / nicht allzeit ist es mit der Raach und Gestrengheit ausgerecht / mancher vermeint er wolle sich über sein meineidiges Weib rechen und sie zu Schanden machen / aber sich selbst trifft er vielmehr / denn sie: ob schon einer ein heimlicher cornuto oder Horntrager ist / so ist er doch darum nicht desto schlimmer / dann in solchen Fällen wird ein ehrlicher Mann Mehrers beklagt / als verachte.
de
de
de
1
5.6094
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,747
1,615
Woferꝛn alle die jenige Maͤnner veracht/ vnnd gleichſamb fuͤr vnduͤchtig gehalten ſolten werden/ welche Hoͤrner tragen/ oder dern Weiber Huren ſeind/ ſo wuͤrden bißweilen vil Rathsherꝛen auß dem Rath muͤſſen.
Wofern alle diejenige Männer verachte / und gleichsam für untüchtig gehalten sollten werden / welche Hörner tragen / oder deren Weiber Huren sind / so würden bisweilen viel Ratsherren aus dem Rat müssen.
de
de
de
1
5.7796
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,748
1,615
Der Character der Horntragerey iſt vnaußloͤſchlich vnd mißlich/ vnd ſetzet ſich eben ſo baldt vnnd leichtlich an die Stirn eines groſſen Herꝛn/ als eines guten ſchlechten Burgers.
Der Charakter der Horntragerei ist unauslöschlich und misslich / und setzet sich eben so bald und leichtlich an die Stirn eines großen Herrn / als eines guten schlechten Burgers.
de
de
de
1
5.0995
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,749
1,615
Lucullus, Cæſar, Pompeius, Antonius, Cato, Marcus Aurelius, vnnd vilandere Keyſer vnnd Herꝛen/ waren Hoꝛntrager/ diſſimulirten aber/ vnd machten nit vil weſens drauß:
Lucullus, Cäsar, Pompeius, Antonius, Cato, Marcus Aurelius, und vielandere Kaiser und Herren / waren Horntrager / dissimulierten aber / und machten nicht viel Wesens daraus:
de
la
de
0.667
4.7779
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,750
1,615
Allein Lepidus war der jenig Narꝛ/ der ſich deßwegen zu todt kummerte.
Allein Lepidus war der jenig Narr / der sich deswegen zu tot kümmerte.
de
de
de
1
6.399
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,751
1,615
Es hatten die Roͤmer im gebrauch/ daß/ wann ſie von einer Reiß widerumb heimb kamen/ jemande voran ſchickten/ der jhꝛen Weibern die Zeitung brachte/ damit dieſelbige nit etwann vnuerſehens bey andern Maͤnnern erwiſcht ſolten werden.
Es hatten die Römer im Gebrauch / dass / wann sie von einer Reise wiederum heim kamen / jemand voranschickten / der ihren Weibern die Zeitung brachte / damit dieselbige nicht etwan unversehens bei anderen Männern erwischt sollten werden.
de
de
de
1
5.7254
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,752
1,615
So gar zu diſen zeiten regiert die eyferſucht nit ſo ſehꝛ/ dann man findt Maͤnner/ die haltens gleichſamb fuͤr ein Ehr/ wann jhre Frawen durch andere cortiſirt vnnd hofirt werden:
So gar zu diesen Zeiten regiert die Eifersucht nicht so sehr / dann man findet Männer / die halten es gleichsam für ein Ehre / wann ihre Frauen durch andere cortisirt und hofiert werden:
de
de
de
1
5.6421
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,753
1,615
Etliche halten jhren Frawen ſonderbare Galanen, die jhnen auff warten vnnd dienen muͤſſen: die frequentia diſer accidentiæ lindert numehꝛ etlichen Eheleuthen den Schmertzen/ vnnd es will auß der cornuterey ſchir ein gewonheit werden.
Etliche halten ihren Frauen sonderbare Galanen, die ihnen aufwarten und dienen müssen: Die frequentia dieser accidentiae lindert Nummer etlichen Eheleuten den Schmerzen / und es will aus der cornuterey schier ein Gewohnheit werden.
de
de
de
1
6.5334
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,754
1,615
Ferꝛner veraͤndert vnnd verkehꝛet ſich der zelus oder der Eyfer bißweilen inn ein inuidiam vnnd Neydt/ welcher hernacher einen vnwillen/ vnd ſehꝛ vil boͤſe conſequentzen nach ſich zeucht:
Ferner verändert und verkehret sich der zelus oder der Eifer bisweilen in ein inuidiam und Neid / welcher hernach einen Unwillen / und sehr viel böse Konsequenzen nach sich zieht:
de
de
de
1
6.01
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,755
1,615
Ein ſolcher boͤſer eyfer regieret fuͤrnemblich vnder den Hofleuthen/ ja Fuͤrſten vnnd Herꝛen ſelbſt/ welche mit einander/ wegen der zu vilen Ehren oder macht competiren, vnnd jmmerdar mit einander æmuliren vnnd auff einander ſtechen.
Ein solcher böser Eifer regieret vornehmlich unter den Hofleuten / ja Fürsten und Herren selbst / welche miteinander / wegen der zu vielen Ehren oder macht kompetieren, und immerdar miteinander aemuliren und aufeinander stechen.
de
de
de
1
5.8412
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,756
1,615
Vier ding verderbẽ einen Menſchẽ/ nem̃lich nichts haben/ wenig gewinnen/ nichts ſparen vnnd vil verthun/ aber das fuͤnffte verderbt die welt vnnd den Standt der Chriſtenheit/ nemblich die æmulatio Magnatum:
Vier Ding verderben einen Menschen / nämlich nichts haben / wenig gewinnen / nichts sparen und viel vertun / aber das fünfte verderbt die Welt und den Stand der Christenheit / nämlich die aemulatio Magnatum:
de
de
de
1
5.4994
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,757
1,615
Der Menſchliche reſpect vnnd il ragion di ſtato iſt das einige monſtrum vnnd vngehewer ſchaͤdliche Meerwunder/ welches vns den meiſten ſchaden zugefuͤget/ dann es ſeyen die Koͤnige ſo fromb/ guͤtig/ Gottsfoͤrchtig/ andaͤchtig/ vnnd freundtlich gegen einander/ wie ſie jmmer woͤllen/ ſo eyferen ſie doch mit einander wegen der Ehꝛ vnd macht/ vnd ein jeder beſoꝛget ſich/ es werde der ander vil zu herꝛlich vnd maͤchtig/ wo derwegen ſie einander verhindern koͤnnen/ ſo thun ſie es/ wo nit offentlich/ doch heimblich/ alles vnder dem ſchein deß ragion diſtato, welcher es alſo gleichſamb erfordert: Interim aber vnd inmittelſt bleibt der wahre Eyfer/ die Glori/ Religion vnnd Ehꝛ GOttes dahinden/ vnd entgeliens bißweilen die Vnderthanen.
Der menschliche Respekt und il ragion di stato ist das einige monstrum und Ungeheuer schädliche Meerwunder / welches uns den meisten Schaden zugefügt / dann es seien die Könige so fromm / gütig / Gottesfürchtig / andächtig / und freundlich gegen einander / wie sie immer wollen / so eifere sie doch miteinander wegen der Ehre und macht / und ein jeder besorget sich / es werde der ander viel zu herrlich und mächtig / wo derentwegen sie einander verhindern können / so tun sie es / wo nicht öffentlich / doch heimlich / alles unter dem Schein des Ragione distato, welcher es also gleichsam erfordert: Interim aber und inmittelst bleibt der wahre Eifer / die Glorie / Religion und Ehre Gottes dahinten / und entgeliens bisweilen die Untertanen.
de
de
de
1
5.3874
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,758
1,615
Noch einen andern Eyfer findt ich/ welchen die Frommen brauchen im dienſt Gottes/ vnd von welchem geſchriben ſtehet: cum ſpiritu feruente ſeruite Domino, als wolte der Apoſtel ſagen:
Noch einen anderen Eifer findet ich / welchen die Frommen brauchen im Dienst Gottes / und von welchem geschrieben steht: cum spiritu feruente seruite Domino, als wollte der Apostel sagen:
de
de
de
1
5.2568
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,759
1,615
Weil der HErꝛ euch mit einem ſo groſſen eyfer vnnd inbruͤnſtigkeit geſucht vnd fuͤr euch gelitten hat/ ſo iſt billich/ dz jhꝛ jm mit einem groſſen eyfer vnd inbruͤnſtigkeit dienet/ dann die Lawen ſpeiſet er auß ſeinem Munde.
Weil der Herr euch mit einem so großen Eifer und Inbrünstigkeit gesucht und für euch gelitten hat / so ist billig / dass ihr ihm mit einem großen Eifer und Inbrünstigkeit dient / dann die Lauen speist er aus seinem Munde.
de
de
de
1
3.9984
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,760
1,615
Diſer Eyfer aber muß begleitet werden mit der ſo ſchoͤnen tugend der diſcretion vñ beſcheidenheit/ welche vns vor dẽ Stricken/ ſo zur rechten vnnd lincken Seyten ligen/ bewahꝛen/ vnd vns den rechten weg der vollkommenheit zeigen:
Dieser Eifer aber muss begleitet werden mit der so schönen Tugend der Diskretion und Bescheidenheit / welche uns vor den Stricken / so zur rechten und linken Seiten liegen / bewahren / und uns den rechten weg der Vollkommenheit zeigen:
de
de
de
1
4.8487
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,761
1,615
Vil Leuth haben einen guten Eyfer/ vnnd vnderfahen ſich hoher vnd ſchwerer ding mit einer groſſen Lieb/ aber es mengelt jhnen an der diſcretion.
Viel Leute haben einen guten Eifer / und unterfachen sich hoher und schwerer Ding mit einer großen Liebe / aber es mangelt ihnen an der Diskretion.
de
de
de
1
4.9652
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,762
1,615
GOtt verhaſſet die Narꝛen/ aber iſt ein gꝛoſſer freund der Weiſen/ ſo jhm weißlich vnnd ordentlich dienen/ das Lob beſtehet nit im werck/ ſonder in dem modo, geſtallt vnnd manter/ die man im wircken helt.
Gott verhasset die Narren / aber ist ein großer Freund der Weisen / so ihm weißlich und ordentlich dienen / das Lob bestehet nicht im Werk / sonder in dem modo, Gestalt und mannte / die man im Wirken hält.
de
de
de
1
5.8836
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,763
1,615
Jm Hauſe deß Gerechten (ſpricht der weiſe Mann) iſt ein edler Schatz vnd Oel/ aber ein Narꝛ verzehret es:
Im Hause des Gerechten (spricht der weise Mann) ist ein edler Schatz und Öl / aber ein Narr verzehret es:
de
de
de
1
4.4044
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,764
1,615
Derwegen muß man den Weg deß HErꝛn fuͤrſichtigklich vnnd mit groſſer diſcretion wanderen/ den ſinnlichheiten nit ſtatt thun/ vnd dem Leib nit zu vil aufladen/ damit man nit falle/ ſambt der Buͤrd/ dann GOtt will nicht/ daß man den Leib verderbe/ ſonder die Laſter zerſtoͤre.
Derentwegen muss man den Weg des Herrn fürsichtigklich und mit großer Diskretion wandern / den sinnlichheiten nicht statt tun / und dem Leib nicht zu viel aufladen / damit man nicht falle / samt der Bürde / dann Gott will nicht / dass man den Leib verderbe / sonder die Laster zerstöre.
de
de
de
1
4.8748
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,765
1,615
Ein Laſter vnd ſchand iſts/ wann man Gott remiſsè vnd mit einer Kaltſinnigkeit/ wie auch vnbeſcheidenlich dienet/ aber ein diſcretion iſts/ wann der Menſch ſich dermaſſenin den dienſt GOttes ſchicket/ daß durch ſeine werck GOtt geehrt/ er ſelbſt dardurch belohnt/ vnnd der nechſt aufferbawet werde.
Ein Laster und Schande ist es / wann man Gott remisse und mit einer Kaltsinnigkeit / wie auch unbescheiden dient / aber ein Diskretion ist es / wann der Mensch sich dermassenin den Dienst Gottes schicket / dass durch seine Werk Gott geehrt / er selbst dadurch belohnt / und der nächst auferbauet werde.
de
de
de
1
5.4042
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,766
1,615
Wer in ſeinen Geiſtlichen vbungen begert zu proficiren vnnd zu beharꝛen/ der muß nit allein ſehen auff den anfang/ ſonder auch aufs Endt/ dann vilmals ſeindt die anfaͤng ſtreng vnnd ſcharpff/ aber die endigen ſich in der relaxation vnd kaltſinnigkeit.
Wer in seinen geistlichen Übungen begehrt zu proficiren und zu beharren / der muss nicht allein sehen auf den Anfang / sonder auch aufs Ende / dann vielmals sind die Anfänge streng und scharf / aber die endigen sich in der Relaxation und Kaltsinnigkeit.
de
de
de
1
5.3581
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,767
1,615
Wer heut ſo ſtarck lauffet/ daß er morgen niderligt/ vnnd auß muͤdigkeit nit fort kan/ der fruchtet nichts im dienſt GOttes/ ſonder confundiret ſich ſelbſt/ vnnd verhindert den verdienſt.
Wer heute so stark lauft / dass er morgen niederlegt / und aus Müdigkeit nicht fort kann / der fruchtet nichts im Dienst Gottes / sonder konfundieret sich selbst / und verhindert den verdienst.
de
de
de
1
5.1288
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,768
1,615
Heut nichts haben/ aber morgen den vberfluß beſitzen/ heiſt nit die Armut lieben/ ſonder die begierlichheiten zieglen:
Heute nichts haben / aber morgen den Überfluss besitzen / heißt nicht die Armut lieben / sonder die begierlichheiten Ziegeln:
de
de
de
1
6.4396
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,769
1,615
Heut die notturfft verwaigeren/ morgen aber ſingularia vnnd ſonderbare ding vnd Speiſen begeren/ iſt ſolches kein abſtinentz, ſonder ein reitzung deß fraſſes:
Heute die Notdurft wacheren / morgen aber singularia und sonderbare Ding und Speisen Begehren / ist solches kein Abstinenz, sonder ein Reizung des Frasses:
de
de
de
1
6.4678
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,770
1,615
Heut ſo vil leſen vnnd ſchreiben/ daß der Kopffwehthumb drauß erfolget/ heiſt ſolches die Seel nit ſpeiſen/ ſonder zu andern wercken vntauglich vñ vnluſtig machen:
Heute so viel lesen und schreiben / dass der Kopfwehtumb daraus erfolget / heißt solches die Seele nicht speisen / sonder zu anderen Werken untauglich und unlustig machen:
de
de
de
1
5.7394
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,771
1,615
Heut nichts reden/ morgen aber vil vbriges ſchwetzen/ iſt ſolches kein Eyfer/ ſondern ein aͤrgernuß in der Religion:
Heute nichts reden / morgen aber viel übriges schwätzen / ist solches kein Eifer / sondern ein Ärgernis in der Religion:
de
de
de
1
5.3808
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,772
1,615
Es vermeinen etliche Geiſtliche/ daß ſie/ wann ſie jhren Leib mit Faſten/ haͤrinen Kleydern/ wachen vnnd geißlen vbermeſſigklich kaſteyen/ GOtt dem HErꝛn dardurch ein angenemmes Werck erweiſen/ aber ſie jrꝛen ſich/ dann ſolches iſt kein feruor vnd Eyfer deß Geiſtes/ ſonder ein vnbeſcheidener furor vnd vnſinnigkeit/ dann dardurch werden ſie in kurtzer zeit dermaſſen ſchwach/ daß ſie weder jhnen ſelbſt/ noch andern nutz ſeind.
Es vermeinen etliche Geistliche / dass sie / wann sie ihren Leib mit Fasten / härenen Kleidern / wachen und geißeln vbermessigklich kasteien / Gott dem Herrn dadurch ein angenehmes Werk erweisen / aber sie irren sich / dann solches ist kein feruor und Eifer des Geistes / sonder ein unbescheidener furor und Unsinnigkeit / dann dadurch werden sie in kurzer Zeit dermaßen schwach / dass sie weder ihnen selbst / noch anderen Nutz sind.
de
de
de
1
5.3661
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,773
1,615
Etliche kaſteyen den Leib vnmeſſiglich/ vnnd geben doch kein achtung auff die Laſter der Seelen/ das iſt aber ein zeichen der Hoffart vnd eygnen willens.
Etliche kasteien den Leib unmäßig / und geben doch kein Achtung auf die Laster der Seelen / das ist aber ein Zeichen der Hoffart und eigenen Willens.
de
de
de
1
5.5892
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,774
1,615
Was hilffts aber einen Menſchen/ daß er das haͤrine Kleydt auff ſeinem Leib traͤgt/ woferꝛn er in ſeiner Seelen behelt den eygnen Willen/ vnnd vnordentlichen affect?
Was hilft es aber einen Menschen / dass er das härene Kleid auf seinem Leib trägt / wofern er in seiner Seelen behält den eigenen Willen / und unordentlichen Affekt?
de
de
de
1
5.1946
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,776
1,615
Nicht entſchuldige dich mit deiner hierunder habender guten intention, dann vil Leuth haben in der eyferigen mortificirung jhres Leibs ein gutes intentt, aber nicht allein verdienen ſie dardurch die Glori nicht/ ſonder fahren auch zur Hoͤllen/ derwegen ſchaw/ daß dein intention gut/ vnnd das Werck fuͤr ſich ſelbſt nit boͤß ſeye/ dann wann das Werck den Gebotten Gottes nicht zu wider iſt/ vnd allein von GOTTES wegen beſchicht/ ſo wirdt er dardurch bedient/ vnd der Menſch verdienet durch ſolchen ſeinen guten Eyfer den Himmel.
Nicht entschuldige dich mit deiner hierunter habender guten Intention, dann viel Leute haben in der eifrigen Mortifizierung ihres Leibs ein gutes Intent, aber nicht allein verdienen sie dadurch die Glorie nicht / sonder fahren auch zur Höllen / derentwegen Schaf / dass dein Intention gut / und das Werk für sich selbst nicht böse sei / dann wann das Werk den geboten Gottes nicht zu wider ist / und allein von GOTTES wegen beschichte / so wird er dadurch bedient / und der Mensch verdienet durch solchen seinen guten Eifer den Himmel.
de
de
de
1
5.593
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,777
1,615
Beſchließlichen/ wie aller vnbeſcheidener Eyfer ſchaͤdlich iſt/ alſo iſt auch alle Lawigkeit vnnd kaltſinnigkeit im Dienſt GOTtes ſehr ſchaͤdlich/ dann wer jhm in der lawigkeit vnnd hinlaͤſſigkeit dienet/ der iſt gleich an deme/ daß er ſich allerdings von jhm abſondert durch die ſuͤnd.
Beschließlichen / wie aller unbescheidener Eifer schädlich ist / also ist auch alle Lauigkeit und Kaltsinnigkeit im Dienst Gottes sehr schädlich / dann wer ihm in der Lauigkeit und Hinlässigkeit dient / der ist gleich an dem / dass er sich allerdings von ihm absondert durch die Sünde.
de
de
de
1
5.3468
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,778
1,615
Keiner ſoll vermeinen/ dz/ weil er Gott dem HErꝛn vil Jahꝛlang auff etwañ einem Stifft oder in einer Religion gedient hat/ er billich andern juͤngern voꝛgezogen ſolle werden/ aber er gedencket nit/ daß etliche/ ſo erſt geſtern angefangen/ jhne in dem jnbruͤnſtigen Eyſer vbertreffen:
Keiner soll vermeinen / dass / weil er Gott dem Herrn viel Jahrlang auf etwan einem Stift oder in einer Religion gedient hat / er billig anderen jüngern vorgezogen solle werden / aber er gedenkt nicht / dass etliche / so erst gestern angefangen / ihn in dem inbrünstigen Eiser übertreffen:
de
de
de
1
5.7074
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,779
1,615
Vil beſſer iſt ein einiger Tag deß eyfrigen vnnd jnbruͤnſtigen dienſts/ weder hundert deß lawen vnd hinlaͤſſigen.
Viel besser ist ein einiger Tag des eifrigen und inbrünstigen Diensts / weder hundert des lauen und hinlässigen.
de
de
de
1
5.4806
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,780
1,615
Zu gleicher weiß wie die Kinder Jſraels/ ob ſchon ſie 38 Jahrlang in der Wuͤſte vmbzohen/ vnd veꝛmeinten nah beym verſpꝛochenen Land zu ſeyn/ doch letztlichen ſich noch ſehꝛ weit daruon befanden/ alſo vermeinen etliche/ daß/ weil ſie vor vilen Jahren auß der Egyptiſchen Finſternuß/ das iſt/ auß der welt geſchiden/ vnd ſie verlaſſen haben/ ſie darduꝛch deſto nahen der zu Gott vnd ſeiner Gori/ vnd dem verheiſſenen Landt deß Paradeyſes gelanget ſeyen/ aber ſie ſeindt je noch weit daruon/ ſeytemal ſie diſer Reiß mit keinem gebuͤrlichen Eyfer/ ſonder mit einem vnluſt vnnd hinlaͤſſigkeit (jnmaſſen die Jſraeliter in der Wuͤſte gethan) verꝛicht:
Zu gleicher weiß wie die Kinder Israels / ob schon sie 38 Jahrlang in der Wüste vmbzohen / und vermeinten nah beim versprochenen Land zu sein / doch letztlichen sich noch sehr weit davon befanden / also vermeinen etliche / dass / weil sie vor vielen Jahren aus der ägyptischen Finsternis / das ist / aus der Welt geschieden / und sie verlassen haben / sie dadurch desto nahen der zu Gott und seiner Gori / und dem verheißenen Land des Paradieses gelangt seien / aber sie sind je noch weit davon / sintemal sie dieser Reise mit keinem gebührlichen Eifer / sonder mit einem Unlust und Hinlässigkeit (in Maßen die Israelit in der Wüste getan) verrichtet:
de
de
de
1
5.3434
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,781
1,615
Derwegen ſey eyferig im dienſt deß HErꝛen/ vertreib von dir alle faulkeit vnnd kaltſinnigkeit/ dann durch die eyferige jnbruͤnſtigkeit vnnd bemuͤhung wirdt erlangt die Ehr vnnd Goͤttliche frewd:
Derentwegen sei eifrig im Dienst des Herren / vertreib von dir alle faulkeit und Kaltsinnigkeit / dann durch die eifrige Inbrünstigkeit und Bemühung wird erlangt die Ehre und göttliche Freude:
de
de
de
1
5.5027
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,782
1,615
GOtt iſt ein belohner aller eyferigen guten bemuͤhungen/ arbeit vnd ſchmertzen/ vnnd ein Cron der Heiligen.
Gott ist ein Belohner aller eifrigen guten Bemühungen / Arbeit und Schmerzen / und ein Krone der Heiligen.
de
de
de
1
5.4819
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1,783
1,615
Capvt XLII.
Capvt XLII.
en
en
hu
0
9.4723
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,784
1,615
Diſcurs von Muͤſſiggehern vnnd Arbeitern/ wie auch von dem heiligen Muͤſſiggang.
Diskurs von Müssiggehern und Arbeitern / wie auch von dem heiligen Müßiggang.
de
de
de
1
5.9767
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,785
1,615
DER Eylffte Gaſt redete alſo von vnderſchidlichen Muͤſſiggaͤngern:
Der elfte Gast redete also von unterschiedlichen Müßiggängern:
de
de
de
1
6.095
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,786
1,615
Wie der Vogel zum fliegen erſchaffen/ alſo wirdt der Menſch geboren zur arbeit:
Wie der Vogel zum Fliegen erschaffen / also wird der Mensch geboren zur Arbeit:
de
de
de
1
5.5894
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,787
1,615
Die gantze vollkommenheit deß menſchlichen Lebens/ vnd der Schluͤſſel vnſers nutzes oder ſchadens beſtehet in deme/ daß wir vnſere zeit wol/ weißlich vnd Chriſtlich anlegen/ darzu er mahnet vns der Apoſtel/ ſprechendt: redimentes tempus quia dies mali ſunt.
Die ganze Vollkommenheit des menschlichen Lebens / und der Schlüssel unseres Nutzes oder Schadens bestehet in dem / dass wir unsere Zeit wohl / weißlich und christlich anlegen / dazu er mahnet uns der Apostel / sprechend: redimentes tempus quia dies mali sunt.
de
de
de
1
5.412
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,788
1,615
Darwider aber iſt der leidig Muͤſſiggang/ welcher ein ſeminarium aller Laſter vnnd Boßheiten iſt/ dann er machet den Verſtandt grob/ verderbt das Gemuͤth/ ſchwaͤchet deß Menſchen fuͤrtreflichheit/ machet jhne zu einem Sclauen der geylheit vnd wolluͤſt/ iſt ein begꝛaͤbnuß deß lebendigen Menſchen/ vnd ein puluinar Sathanæ, ein Ohꝛkuͤß deß Teufels.
Dawider aber ist der leidig Müßiggang / welcher ein seminarium aller Laster und Bosheiten ist / dann er macht den verstand grob / verderbt das Gemüt / schwächet des Menschen fürtreflichheit / macht ihn zu einem Sklaven der Geilheit und Wollüste / ist ein Begräbnis des lebendigen Menschen / und ein puluinar Satane, ein Ohrküß des Teufels.
de
de
de
1
5.4868
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1,789
1,615
Vnderſchidliche Muͤſſiggaͤnger findt man auff Erden:
Unterschiedliche Müßiggänger findet man auf Erden:
de
de
de
1
4.4274
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1,790
1,615
Die erſten ſeindt die Faullentzer/ Stationirer vnnd Landtſtoͤrtzer/ welche im muͤſſiggang vnnd bettel vmbziehen/ vnnd den wahren Armen das Brot vorm Maul hinweg ſchneiden/ vnnd auff ſolche Muͤſſiggaͤnger gehoͤrt ein ernſtlichs einſehen vnnd exemplariſche ſtraff.
Die ersten sind die Faulenzer / Stationierer und Landstörzer / welche im Müßiggang und bettel umziehen / und den wahren Armen das Brot vorm Maul hinweg schneiden / und auf solche Müßiggänger gehört ein ernstliches Einsehen und exemplarische Strafe.
de
de
de
1
5.4622
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1,792
1,615
Als Keyſer Galba erjnnert ward/ daß er doch ſein zeit nit alſo im Muͤſſiggang vnnd vergeblich verzehꝛen ſolte/ antwoꝛtet er vnnd ſprach:
Als Kaiser Galba erinnert wurde / dass er doch sein Zeit nicht also im Müßiggang und vergeblich verzehren sollte / antwortet er und sprach:
de
de
de
1
5.7468
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1,793
1,615
Ein jegklicher ſoll rechenſchafft geben wegen ſeiner Werck/ aber nicht wegen ſeiner kurtzweil.
Ein jeglicher soll Rechenschaft geben wegen seiner Werk / aber nicht wegen seiner kurzweil.
de
de
de
1
6.3954
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,794
1,615
Er jrꝛte ſich aber dißfals/ dann die Iuſtici mercket auch auff die wolluſtige Faulentzer/ welche die Ordnung deß Lebens confundiren, verwirꝛen vnnd alles boͤſes ſtifften vnnd verurſachen/ letztlichen aber in Armut gerathen:
Er irrte sich aber diesfalls / dann die Justiz merkt auch auf die wollüstige Faulenzer / welche die Ordnung des Lebens konfundieren, verwirren und alles böses stiften und verursachen / letztlichen aber in Armut geraten:
de
de
de
1
5.5244
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1,795
1,615
Dann der Muͤſſiggang tanquam mater nugarum & nouerca virtutum machet/ daß ein muſſiger ſein Seel zu vnreinen Gedancken neꝛget/ auß vnreinen Gedancken felt er in die erluſtigung/ auß der erluſtigung in die Verwilligung/ auß der Verwilligung in die Wuckung/ auß der Wirckung in die gewonheit/ auß der gewonheit inn den habitum: auß dem habitu inn die Armut/ die Armut aber machet verzweiflung:
Dann der Müßiggang tanquam mater nugarum & nouerca virtutum macht / dass ein müßiger sein Seele zu unreinen Gedanken nerget / aus unreinen Gedanken fehlt er in die erlustigung / aus der erlustigung in die Bewilligung / aus der Bewilligung in die Wuckung / aus der Wirkung in die Gewohnheit / aus der Gewohnheit in den habitum: aus dem habitu in die Armut / die Armut aber macht Verzweiflung:
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4.8344
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,796
1,615
Die verzweiflung machet ein Kuͤnheit vnnd vermeſſenheit/ die vermeſſenheit aber betruͤbet vñ zerſtoͤret die Gemeinden/ dannenhero vnnd weil ſo vil boͤſes auß diſem Muͤſſiggang entſtehet/ ſo koͤnte meines erachtens/ je kein nutzlichers Geſetz erdacht werden/ als eben ein ſolches/ dardurch der ſchaͤndtlich Muͤſſiggang bezwungen vnd vertilgt/ die edle Muͤſſiggaͤnger vnd Faulentzer jhres Adels vnd edlen freyheiten priuirt vnd ergetzt/ hergegen die vnedle fleiſſige vnnd embſige Leuth geadelt/ geehrt vnd befuͤrdert wuͤrden.
Die Verzweiflung macht ein Kühnheit und Vermessenheit / die Vermessenheit aber betrübet und zerstöret die Gemeinden / dannenher und weil so viel Böses aus diesem Müßiggang entstehet / so könnte meines Erachtens / je kein nützlicheres Gesetz erdacht werden / als eben ein solches / dadurch der schändlich Müßiggang bezwungen und vertilgt / die edle Müßiggänger und Faulenzer ihres Adels und edlen Freiheiten priuirt und ergötzt / hingegen die unedle fleißige und emsige Leute geadelt / geehrt und befördert würden.
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4.6201
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1,797
1,615
Noch ein andere art der Muͤſſiggaͤnger iſt verhanden/ welche nemblich die ſtudia vnd vbungen der Tugenden verachten/ das Heyl jhrer Seelen in Windt ſchlagen/ allen jhren ſinn vnd gedancken nur auff die jrꝛdiſche Guͤter ſetzen/ die wahre vnnd vnſterbliche Reichthumb verachten/ in dem Muͤſſiggang vnnd wolluſten vergraben ligen/ vnuerſehens aber drin ſterben vnd verderben/ im wenigſten betrachtend/ daß die Heiligen die Glori/ die ſie im Himmel beſitzen/ nit erlangt haben durch Muͤſſiggang/ ſonder mit groſſer muͤh vnd arbeit/ daß auch das gantze Leben Chriſti nichts anders geweſt iſt/ als arbeit vnd muͤhſeligkeit/ allein von vnſers Heyls vnd Seligkeit wegen: aber wir armſelige mit ſo vilen Schlangen/ fewrigen Pfeilen vnnd Feinden vmb gebene Menſchen/ in vtramque aurem dormimus, ſchlafen ſicherlich/ verfaulen im Muͤſſiggang/ erluſtigen vns in eytelkeiten/ vñ ſeind dermaſſen faul vnnd hinlaͤſſig in Geiſtlichen vbungen/ als waͤre es nunmehꝛ alles frid vnd ſicherheit/ vnd als waͤre das Leben deß Menſchen auff Erden kein militia.
Noch ein andere Art der Müßiggänger ist vorhanden / welche nämlich die studia und Übungen der Tugenden verachten / das Heil ihrer Seelen in Wind schlagen / allen ihren Sinn und Gedanken nur auf die irdische Güter setzen / die wahre und unsterbliche Reichtum verachten / in dem Müßiggang und Wollüsten vergraben liegen / unversehens aber drin sterben und verderben / im wenigsten betrachtend / dass die Heiligen die Glorie / die sie im Himmel besitzen / nicht erlangt haben durch Müßiggang / sonder mit großer Mühe und Arbeit / dass auch das ganze Leben Christi nichts anders gewesen ist / als Arbeit und Mühseligkeit / allein von unseres Heils und Seligkeit wegen: aber wir armselige mit so vielen Schlangen / feurigen Pfeilen und Feinden um geben Menschen / in vtramque aurem dormimus, schlafen sicherlich / verfaulen im Müßiggang / erlustigen uns in Eitelkeiten / und sind dermaßen faul und hinlässig in geistlichen Übungen / als wäre es nunmehr alles Frieden und Sicherheit / und als wäre das Leben des Menschen auf Erden kein militia.
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4.7403
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1,798
1,615
Ein Narꝛ iſt der jenig/ der ein Ruhe ſuchet allhie auf Erden/ dann er wirdt ſie nit finden.
Ein Narr ist der jenig / der ein Ruhe suchet allhier auf Erden / dann er wird sie nicht finden.
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4.7831
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1,799
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Der Muͤſſiggang vnd die ruh iſt ein Kraut oder frucht/ ſo allhie auff Erden waͤchſt/ aber im Himmel hat GOtt die Ruh fuͤrbereit/ denen/ welche in ſeinem Weingarten arbeiten/ vnnd der Haußmeiſter CHriſti wirdt jhnen geben den Groſchen der Glori:
Der Müßiggang und die Ruhe ist ein Kraut oder Frucht / so allhier auf Erden wächst / aber im Himmel hat Gott die Ruhe vorbereit / denen / welche in seinem Weingarten arbeiten / und der Hausmeister Christi wird ihnen geben den Groschen der Glorie:
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5.2183
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1,800
1,615
Wie jener wilder vnnd vnfruchtbarer Feygenbaum abgehawen vnd ins Fewr geworffen ward/ alſo wirdt den vnnutzen Faulentzern das Leben abgeſchnitten vnnd dem Hoͤlliſchen Fewer zu theil werden.
Wie jener wilder und unfruchtbarer Feigenbaum abgehauen und ins Feuer geworfen wurde / also wird den unnützen Faulenzern das Leben abgeschnitten und dem Höllischen Feuer zuteilwerden.
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4.4931
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1,801
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Ob ſchon vnſere bemuͤhungen nicht wuͤrdig ſeindt das ewige Leben zu verdienen/ ſo koͤnnen wirs doch nicht erlangen/ woferꝛn wir vns nicht drumb bemuͤhen vnnd bearbeiten.
Ob schon unsere Bemühungen nicht würdig sind das ewige Leben zu verdienen / so können wir es doch nicht erlangen / wofern wir uns nicht darum bemühen und bearbeiten.
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4.8182
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1,802
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Vnangeſehen wir eygentlich wuͤſten/ daß vns GOtt die Glory beſcheren wuͤrde/ ſo muͤſſen wir/ als getrewe Knechte CHriſti/ vns doch drumb bemuͤhen/ vnd alles das jenig thun/ was wir ſchuldig ſeind/ vnnd was wir thun koͤnnen/ damit wir ſie nit verlieren/ dann ſeind wir forchtſamb vnnd muͤſſig/ ſo werden wir vertriben auß dem Reich CHriſti/ jnmaſſen jenen forchtſamen vnnd faulen Soldaten beſchehen/ ſo mit dem Gedeon in Krieg zohen.
Unangesehen wir eigentlich wüsten / dass uns Gott die Glory bescheren würde / so müssen wir / als getreue Knechte Christi / uns doch darum bemühen / und alles das jenig tun / was wir schuldig sind / und was wir tun können / damit wir sie nicht verlieren / dann sind wir furchtsam und müßig / so werden wir vertrieben aus dem Reich Christi / in Maßen jenen furchtsamen und faulen Soldaten geschehen / so mit dem Gedeon in Krieg zogen.
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4.2087
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1,803
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Nun moͤchte aber einer ſprechen:
Nun möchte aber einer sprechen:
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5.9527
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1,804
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Weil du ſagſt/ daß die bemuͤhungen vnnd wirckliche Arbeit vnnd Werck ſo ſehr nothwendig ſeind zu erlangung der Glori deß Himmels/ wie kombts dann/ daß Chꝛiſtus zu der fleiſſigen/ muͤhſamen vnnd arbeitenden Martha geſagt hat/ daß Maria/ welche nur ſtill vnnd muͤſſig ſaß/ den beſten theil erwoͤhlt hatte? hierauff aber gibe ich zur antwort/ daß gleichwol vil Weitliche/ die Religioſen vnnd Einſidler fuͤr muͤſſige Faulentzer vnnd vnnuͤtze Leuth halten/ junmaſſen Martha die Mariam darfuͤr hielt/ vnd vermeinte/ daß jhre Vnruhe vnnd bemuͤhung beſſer waͤre/ weder die heilig Geiſtliche vbung Mariæ:
Weil du sagst / dass die Bemühungen und wirkliche Arbeit und Werk so sehr notwendig sind zu Erlangung der Glorie des Himmels / wie kommt dann / dass Christus zu der fleißigen / mühsamen und arbeitenden Martha gesagt hat / dass Maria / welche nur still und müßig saß / den besten Teil erwählt hatte? hierauf aber gib ich zur Antwort / dass gleichwohl viel Weitliche / die Religiösen und Einsiedler für müßige Faulenzer und unnütze Leute halten / junmassen Martha die Mariam dafür hielt / und vermeinte / dass ihre Unruhe und Bemühung besser wäre / weder die heilig geistliche Übung Marias:
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5.2212
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1,805
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Aber die Goͤttliche Gerechtigkeit erkennte dißfals fuͤr die Mariam/ vnnd zohe jhren Muͤſſiggang der Muͤhe vnnd Arbeit Marthæ vor:
Aber die göttliche Gerechtigkeit erkennte diesfalls für die Mariam / und zog ihren Müßiggang der Mühe und Arbeit Marthae vor:
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6.0999