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21.8
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,806
1,615
Ob ſchon die jenigen/ ſo ſich im Gebett im leſen der heiligen Buͤcher/ vnd im ſingen deß Ambts in der Kirchen vben/ mit dẽ Leib ſtill ſitzen/ ſo ſol man doch nit gedencken/ daß ſie muͤſſig ſeyen/ dann wie kan der jenige muͤſſig ſeyn/ welcher ſich jm̃erdar mit GOtt bemuͤhet vnd negociret vnd niemalen aufhoͤret zu meritiren vnd zuuerdienen? vm̃ wie vil mehꝛ ein Geiſtlicher alleinig iſt/ vmb ſouil deſto mehꝛ iſt er begleit:
Ob schon diejenigen / so sich im Gebet im Lesen der heiligen Bücher / und im Singen des Amts in der Kirchen üben / mit den Leib still sitzen / so soll man doch nicht Gedenken / dass sie müßig seien / dann wie kann derjenige müßig sein / welcher sich immerdar mit Gott bemühet und negociret und niemals aufhöret zu meritieren und zuverdienen? vmm wie viel mehr ein Geistlicher alleinig ist / um souil desto mehr ist er Begleit:
de
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de
1
5.6266
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,807
1,615
Vnd wann er am aller muͤſſigſten iſt/ als dann iſt er am aller beſten vñ mehꝛerſtẽ geſchaͤfftig/ dañ ob ſchon Maria muͤſſig war/ ſo war ſie doch beſſer geſchaͤfftig/ weder Martha/ dann ſie verwendete jhꝛen verſtandt in der contemplation vnnd betrachtung der Himmliſchen ding/ vnnd jhr Hertz war entzuͤndt in der Lieb der ewigen Guͤter.
Und wann er am aller müßigsten ist / als dann ist er am aller besten und Mehresten geschäftig / dann ob schon Maria müßig war / so war sie doch besser geschäftig / weder Martha / dann sie verwendete ihren verstand in der Kontemplation und Betrachtung der himmlischen Ding / und ihr Herz war entzündet in der Liebe der ewigen Güter.
de
de
lb
0.667
5.1497
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,808
1,615
Gut war die bemuͤhung Marthæ/ aber beſſer war die bemuͤhung Mariæ.
Gut war die Bemühung Marthae / aber besser war die Bemühung Marias.
de
de
de
1
4.4023
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,810
1,615
Diſe alle beyde ding kan man zugleich vnd zu einerley zeit verꝛichten/ die eine verhindert die andere nit/ woferꝛn die leibliche vbung nit vbermaͤſſig iſt.
Diese alle beide Ding kann man zugleich und zu einerlei Zeit verrichten / die eine verhindert die andere nicht / wofern die leibliche Übung nicht übermäßig ist.
de
de
de
1
5.3146
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,811
1,615
Die contemplatio fauoriſiret der ehꝛlichen vbung deß wirckenden Lebens/ welches ſehꝛ duͤrꝛ vnnd verdrießlich iſt/ woferꝛn es mit der oratione mentali nicht vermiſcht wirdt.
Die contemplatio favorisieret der ehrlichen Übung des wirkenden Lebens / welches sehr dürr und verdrießlich ist / wofern es mit der oratione mentale nicht vermischt wird.
de
de
de
1
5.3503
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,812
1,615
Keiner kan ein contemplatiuus geneñt werden/ der ſeinem naͤchſten nicht hilfft in der angſt vnnd noth:
Keiner kann ein contemplatiuus genannt werden / der seinem nächsten nicht hilft in der Angst und Not:
de
de
de
1
5.8396
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,813
1,615
So gar iſt das wirckliche Leben bißweilen vil verdienſtlicher/ weder das beſchawliche/ dann weil der verdienſt geſchetzt vnd gemeſſen wirdt mit der Lieb/ mit dern ein werck geuͤbt wirdt/ vnd einer ein wirckliches Werck mit einer vil groͤſſern Lieb wircken kan/ weder einer/ der ſchlechtlich bettet vnnd contempliret, ſo folgt/ daß das wirckende Leben vil verdienſtlicher iſt/ weder das beſchawliche/ derwegen ſagte Paulus/ dz er ein groſſes verlangen hatte von der ſuͤſſigkeit der contemplation abgeſondert zu werden/ wegen deß Heyls ſeiner Bruͤder.
So gar ist das wirkliche Leben bisweilen viel verdienstlicher / weder das beschauliche / dann weil der verdienst geschätzt und gemessen wird mit der Liebe / mit deren ein Werk geübt wird / und einer ein wirkliches Werk mit einer viel größeren Liebe wirken kann / weder einer / der schlachtlich bettet und kontemplieret, so folgt / dass das wirkende Leben viel verdienstlicher ist / weder das beschauliche / derentwegen sagte Paulus / dass er ein großes verlangen hatte von der Süßigkeit der Kontemplation abgesondert zu werden / wegen des Heils seiner Brüder.
de
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de
1
4.8146
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,814
1,615
Das beſchawliche vñ wirckende leben ſeind die zween Fluͤgel/ welche geben wurden jenem Weib/ von dern der heilig Joannes ſagt/ daß ſie in die Wuͤſte/ das iſt/ gen Himmel/ geflogen/ vnd jene heilige Thier/ welche Ezechiel ſahe/ hatten nicht allein Fluͤgel/ mit denen ſie ſehꝛ hoch flogen/ ſonder es waꝛ auch vnder den Fluͤgeln ein Hand wie eines Menſchen/ dardurch wirdt bedeut/ daß das wirckende vnd dz beſchawliche Leben einander nit zu gegen/ ſonder vereinigte Schweſtern ſeyen/ wie Martha vnd Maria.
Das beschauliche und wirkende leben sind die zweien Flügel / welche geben wurden jenem Weib / von deren der heilig Joannes sagt / dass sie in die Wüste / das ist / gen Himmel / geflogen / und jene heilige Tier / welche Ezechiel sah / hatten nicht allein Flügel / mit denen sie sehr hoch flogen / sonder es war auch unter den Flügeln ein Hand wie eines Menschen / dadurch wird bedeute / dass das wirkende und das beschauliche Leben einander nicht zu gegen / sonder vereinigte Schwestern seien / wie Martha und Maria.
de
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1
5.2109
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,815
1,615
Daß aber die Handt vnder den Fluͤgeln ſtundt/ bedeut/ daß das wirckende Leben dem fliegen deß beſchawlichen helffe:
Dass aber die Hand unter den Flügeln stand / bedeute / dass das wirkende Leben dem Fliegen des beschaulichen helfe:
de
de
de
1
6.7869
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,816
1,615
Nicht gnug iſts/ daß man in den Einoͤden nur allein bette vñ contemplire/ ſonder man muß auch den trawrigen troſtloſen vnd duͤrfftigen fauoriſiren vnd helffen/ jnmaſſen Chriſtus gethan/ welcher nit allein gantze Nachtlang auff den Bergen bettete/ ſonder ſich auch in heilung der Krancken vnnd Preſthafften vbte/ vnd die Ignoranten vnderwile.
Nicht genug ist es / dass man in den Einöden nur allein bette und kontempliere / sonder man muss auch den traurigen trostlosen und dürftigen favorisieren und helfen / in Maßen Christus getan / welcher nicht allein ganze Nachtlang auf den Bergen betete / sonder sich auch in Heilung der Kranken und Bresthaften vbte / und die Ignoranten vnderwile.
de
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de
1
5.3662
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,817
1,615
Derwegẽ ſollen vns die herlige vbungen deß wirckenden Lebens nit ſchwer oder verdrießlich ſeyn/ dañ ſie werden ſich terminiren/ endigen oder verkehꝛt werdẽ in die contẽplation der goͤttlichẽ eſſentz vnd genieſſung der ewigen ſeligkeit.
Derentwegen sollen uns die herlege Übungen des wirkenden Lebens nicht schwer oder verdrießlich sein / dann sie werden sich terminieren / endigen oder verkehrt werden in die contenplation der göttlichen Essenz und Genießung der ewigen Seligkeit.
de
de
de
1
5.6419
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,818
1,615
Endlichen vnnd beſchließlichen leſen wir vom heiligen Alberto/ daß er ſambt vnd neben ſeinem beſchawlichen Leben auch ſich in nachfolgenden zehen wercken deß wirckenden Lebens geuͤbt/ erſtlich in einer groſſen Demut/ nach dem Exempel Abrahams/ welcher zum Herꝛn ſagte: ſoll ich dann mit meinem HErꝛn reden/ der ich nun ſtaub vnd aſchen bin?
Endlichen und beschließlichen lesen wir vom heiligen Alberto / dass er samt und neben seinem beschaulichen Leben auch sich in nachfolgenden zehn Werken des wirkenden Lebens geübt / erstlich in einer großen Demut / nach dem Exempel Abrahams / welcher zum Herrn sagte: soll ich dann mit meinem Herrn reden / der ich nun staub und Aschen bin?
de
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de
1
5.4776
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,819
1,615
Am aͤndern in groſſer armut/ nach dem Exempel deß H. Tauffers Ioannis/ welcher von Jugend auf/ ſein vaͤtterliches Erbgut verließ/ vñ in der Wuͤſte armſeliglich gelebt.
Am Ändern in großer Armut / nach dem Exempel des H. Taufers Ioannis / welcher von Jugend auf / sein väterliches Erbgut verließ / und in der Wüste armselig gelebt.
de
de
de
1
5.6396
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,820
1,615
Drittens in groſſer Danckbarkeit vnnd ſtetter erjnnerung dern von GOtt empfangenen Gnaden vnd Gutthaten/ nach dem Exempel deß Patriarchen Jacobs/ welcher zur Danckſagung einen Altar zu Betel auff gericht/ vñ dardurch wuͤrdig woꝛden in derſelben Nacht him̃liſche viſiones zuſehen.
Drittens in großer Dankbarkeit und steter Erinnerung deren von Gott empfangenen Gnaden und Guttaten / nach dem Exempel des Patriarchen Jacobs / welcher zur Danksagung einen Altar zu Betel auf Gericht / und dadurch würdig worden in derselben Nacht himmlische visiones zusehen.
de
de
de
1
5.6195
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,821
1,615
Viertens in der meſſigkeit der affecten, vñ ſonderlich der Lieb/ nach dem exempel Chꝛiſti/ welcher auf die Goͤttliche impreſen ſehendt ſich ſtellte/ als kennte er ſein Mutter nicht/ vnnd ſprach: quæ eſt mater mea, & qui ſunt fratres mei?
Viertens in der Mäßigkeit der Affekten, und sonderlich der Liebe / nach dem Exempel Christi / welcher auf die Göttliche Impressen sehend sich stellte / als kennte er sein Mutter nicht / und sprach: quae est mater mea, & qui sunt fratres mei?
de
de
de
1
5.0765
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,822
1,615
Zum fuͤnfften in der Reinigkeit deß Gemuͤts vnnd keuſchheit deß Leibs/ nach dẽ exempel deß Patriarchen Joſephs/ welcher den ſchnoͤdẽ gunſt ſeiner ehebrecheriſchen Frawen entflohen.
Zum fünften in der Reinheit des Gemüts und Keuschheit des Leibs / nach den Exempel des Patriarchen Josephs / welcher den schnöden Gunst seiner ehebrecherischen Frauen entflohen.
de
de
de
1
4.836
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,823
1,615
Sechſtens im andaͤchtigen leſen vñ vbung in H. Schꝛifft/ nach dem Exempel deß H. Petri.
Sechstens im andächtigen Lesen und Übung in H. Schrift / nach dem Exempel des H. Petri.
de
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lb
0.667
5.957
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,824
1,615
Zum ſibenden in der abſtinentz vnd maͤſſigkeit/ nach dem Exempel deß H. Daniels/ der ſich der Koͤniglichen ſpeiſen enthielt/ vñ wuͤrdig woꝛdẽ/ Goͤttliche geheimnuſſen zuerklaͤrẽ.
Zum siebenden in der Abstinenz und Mäßigkeit / nach dem Exempel des H. Daniels / der sich der Königlichen speisen enthielt / und würdig worden / Göttliche Geheimnissen zuerklären.
de
de
de
1
5.6894
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,825
1,615
Zum achten/ in rauhen vnd groben Kleidern/ jnmaſſen Elias gethan vnd wuͤrdig worden/ in einem fewrigen Wagen verzuckt zu werden.
Zum achten / in rauen und groben Kleidern / in Maßen Elias getan und würdig worden / in einem feurigen Wagen verzuckt zu werden.
de
de
de
1
5.44
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,826
1,615
Neundtens in dem ſilentio vnd ſtillſchweigen nach dem Exempel Jeremiæ/ welcher geſagt: ſedebit ſolitarius & tacebit, vnd dardurch einen ſehꝛ hohen vnd erleuchten verſtandt vberkommen.
Neuntens in dem silentio und stillschweigen nach dem Exempel Jeremiae / welcher gesagt: sedebit solitarius & tacebit, und dadurch einen sehr hohen und erleuchten verstand überkommen.
de
de
de
1
6.1837
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,827
1,615
Beſchließlichen in dem willigen gehoꝛſamb/ nach dem Exempel Mariæ/ welche geſagt:
Beschließlichen in dem willigen Gehorsam / nach dem Exempel Marias / welche gesagt:
de
de
de
1
5.9378
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,828
1,615
Ecce ancilla Domini, vnd dardurch wuͤrdig worden ein Mutter Gottes zu werden.
Ecce ancilla Domini, und dadurch würdig worden ein Mutter Gottes zu werden.
de
de
de
1
5.2466
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,829
1,615
Capvt XLIII.
Capvt XLIII.
en
en
sr
0
9.7185
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,830
1,615
Diſcurs durch was Mittel der Himmel erlangt werde.
Diskurs durch was Mittel der Himmel erlangt werde.
de
de
de
1
7.5914
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,831
1,615
DEr zwoͤlfft Gaſt redete von den mitteln den Himmel zu erlangen/ vnnd ſprach:
Der zwölft Gast redete von den mitteln den Himmel zu erlangen / und sprach:
de
de
de
1
6.6529
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,832
1,615
Das aller fuͤrnembſte zweck/ darnach wir zihlen ſollen/ iſt die Himmliſche Glori vnd Seligkeit/ die mittel aber dahin zu gelangen/ ſeind die gute Werck/ wer mit Chꝛiſto im Himmel begehꝛt zu regieren/ der muß allhie Chꝛiſtliche Werck thun/ derwegen waren jene fuͤnff Jungkfrawen naͤrꝛiſch/ welche kein Oel der guten werck/ noch kein Fewer der Lieb hatten/ vñ doch an der Thuͤr deß Him̃els anklopfften/ vnnd in die Glori gehen wolten:
Das aller fürnehmste Zweck / danach wir Zielen sollen / ist die Himmlische Glorie und Seligkeit / die Mittel aber dahin zu gelangen / sind die gute Werk / wer mit Christo im Himmel begehrt zu regieren / der muss allhier christliche Werk tun / derentwegen waren jene fünf Jungfrauen närrisch / welche kein Öl der guten Werk / noch kein Feuer der Liebe hatten / und doch an der Tür des Himmels anklopften / und in die Glorie gehen wollten:
de
de
de
1
5.0456
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,833
1,615
Wie die fluͤgel den vogel in die hoͤhe erheben/ alſo ſeind die guten Werck Fluͤgel/ mit denen man gen Himmel fliegen muß/ vnd diſe Fluͤgel muͤſſen wir beraiten/ ehe vnnd beuor man in die Glori gehet.
Wie die flügel den Vogel in die Höhe erheben / also sind die guten Werk Flügel / mit denen man gen Himmel fliegen muss / und diese Flügel müssen wir bereiten / ehe und bevor man in die Glorie geht.
de
de
de
1
4.8286
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,834
1,615
Vil Leuth contentiren vñ beſchlagen ſich mit dem bloſſen Glauben/ aber ſie gedencken nit/ daß der bloſſen Glaub/ ohne die Lieb/ todt iſt/ vnd ohne die gute werck wenig hilfft.
Viel Leute kontentieren und beschlagen sich mit dem bloßen Glauben / aber sie Gedenken nicht / dass der bloßen Glaube / ohne die Liebe / tot ist / und ohne die gute Werk wenig hilft.
de
de
de
1
5.7676
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,835
1,615
Was hilffts/ daß du den Schluͤſſel im Sack haſt/ wann du mit jhm nit kanſt auffſperꝛen?
Was hilft es / dass du den Schlüssel im Sack hast / wann du mit ihm nicht kannst aufsperren?
de
de
de
1
5.083
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,836
1,615
Das endt deß Glaubens iſt/ daß er vnſer Leben regulire, damit wir zu der beſitzung der Glori gelangen moͤgen/ vnnd er zeigt vns etlicher maſſen den weg darzu/ aber die gute Werck fuͤhren vns hinein.
Das Ende des Glaubens ist / dass er unser Leben reguliere, damit wir zu der Besitzung der Glorie gelangen mögen / und er zeigt uns etlicher maßen den weg dazu / aber die gute Werk führen uns hinein.
de
de
de
1
5.2305
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,837
1,615
Ein groß gefallen hat GOtt am Glauben/ wann er begleit wirdt mit guten Wercken.
Ein groß gefallen hat Gott am Glauben / wann er Begleit wird mit guten Werken.
de
de
de
1
7.2964
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,838
1,615
Nicht allein iſt der Glaub zur Seligkeit nit gnugſam̃/ ſonder er iſt vns auch villeicht ſchaͤdlich/ woferꝛn er nit mantenirt vnd vnderhalten wirdt mit guten Wercken.
Nicht allein ist der Glaube zur Seligkeit nicht genugsam / sonder er ist uns auch vielleicht schädlich / wofern er nicht mantenirt und unterhalten wird mit guten Werken.
de
de
de
1
5.4951
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,839
1,615
Ob wol Hymenæus vnnd Alexander den Glauben hatten/ jedoch weil ſie das gute Gewiſſen von ſich trieben/ ſo haben ſie jm Glauben den Schiffbruch gelitten.
Ob wohl Hymenaeus und Alexander den Glauben hatten / jedoch weil sie das gute Gewissen von sich trieben / so haben sie ihm Glauben den Schiffbruch gelitten.
de
de
de
1
5.4034
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,840
1,615
Zu gleicher weiß wie einer/ der in einen tieffen Bach fellt/ erſauffen muß/ wofern er ſich mit den Haͤnden vnnd Fuͤſſen nit wehret/ ſchwimmet vnd ſich bemuͤhet/ alſo muß der jenig im tieffen Meer der Hoͤllen erſauffen/ welcher ſich auff den bloſſen todien Glauben ohne Lieb verlaͤſt.
Zu gleicher weiß wie einer / der in einen tiefen Bach fehlt / ersaufen muss / sofern er sich mit den Händen und Füßen nicht wehret / schwimmet und sich bemühet / also muss der jenig im tiefen Meer der Höllen ersaufen / welcher sich auf den bloßen todien Glauben ohne Liebe verlässt.
de
de
de
1
5.3369
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,841
1,615
Die Lieb iſt das Leben deß Glaubens/ ohne dieſelbe iſt er todt/ aber die gute Werck ſeind ein zeichen/ das die Lieb verhanden iſt/ vnnd daß inwendig in der Seelen ein leben diger Glaub ſtecket.
Die Liebe ist das Leben des Glaubens / ohne dieselbe ist er tot / aber die gute Werk sind ein Zeichen / das die Liebe vorhanden ist / und dass inwendig in der Seelen ein Leben diger Glaube stecket.
de
de
de
1
5.1944
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,842
1,615
Der H. Koͤnig Dauid fragte ſich ſelbſt vnnd ſprach:
Der H. König David fragte sich selbst und sprach:
de
de
gd
0.667
5.4676
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,843
1,615
Wer wirdt ſteigen auff den Berg deß HErꝛn?
Wer wird steigen auf den Berg des Herrn?
de
de
de
1
3.6883
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,844
1,615
Antwort: Der vnſchuldige Haͤnd hat/ vnd eines reinen Hertzens iſt:
Antwort: Der unschuldige Hände hat / und eines reinen Herzens ist:
de
de
de
1
5.5333
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,845
1,615
Als wolte er ſagen: Vermittelſt der guten Werck vnd reinen gewiſſens wirdt erlangt die Himmliſche Glori:
Als wollte er sagen: Vermittels der guten Werk und reinen Gewissens wird erlangt die Himmlische Glorie:
de
de
de
1
5.2813
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,846
1,615
Die Werck muͤſſen ſich vergleichen mit vnſer gethanen Chriſtlichen profeſſion.
Die Werk müssen sich vergleichen mit unser getanen Christlichen profession.
de
de
de
1
7.947
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,847
1,615
Als Iehu Koͤnig in Jſrael dem Ionadab einem Soldaten begegnete/ fragte er jhne vnd ſprach:
Als Iehu König in Israel dem Ionadab einem Soldaten begegnete / fragte er ihn und sprach:
de
de
de
1
6.0953
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,848
1,615
iſt dein Hertz richtig mit meinem Hertzen?
ist dein Herz richtig mit meinem Herzen?
de
de
de
1
5.3939
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1,849
1,615
Ionadab antwortet/ ja:
Ionadab antwortet / ja:
en
de
et
0.333
9.1892
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1,850
1,615
Da ſprach der Koͤnig:
Da sprach der König:
de
de
de
1
3.6505
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,851
1,615
Jſts alſo/ ſo gib mir dein Handt/ vnd er gab jhm ſein Hand/ vnnd er ließ jhne zu jhm auff denn Wagen ſitzen:
Ist es also / so gib mir dein Hand / und er gab ihm sein Hand / und er ließ ihn zu ihm auf denn Wagen sitzen:
de
de
de
1
4.7899
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,852
1,615
Eben auff diſen ſchlag fragt auch GOtt dich/ ob du an jhn glaubeſt/ vnnd dein vertrawen auff jhne geſetzt haſt?
Eben auf diesen Schlag fragt auch Gott dich / ob du an ihn glaubest / und dein Vertrauen auf ihn gesetzt hast?
de
de
lb
0.667
4.4256
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,853
1,615
Vnnd wann du/ wie ein Chriſt/ antworteſt: ja:
Und wann du / wie ein Christ / antwortest: ja:
de
de
de
1
5.5167
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,854
1,615
Als dann ſpricht er geſchwindt:
Als dann spricht er geschwind:
de
de
lb
0.667
5.76
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1,855
1,615
Jſts alſo/ ſo gib mir dein Handt/ vnnd laß ſehen/ ob deine Werck gleichfoͤrmig ſeyen deiner Chriſtlichen profeſſion:
Ist es also / so gib mir dein Hand / und lass sehen / ob deine Werk gleichförmig seien deiner Christlichen profession:
de
de
az
0.667
6.0596
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,856
1,615
Wie nun der Koͤnig Iehu den Ionadab mit der Handt auffm Wagen zohe/ alſo wirdt der Him̃liſch Koͤnig dich mit deinen begangenen guten wercken auf den triumph wagen ſeiner Gloꝛi ſetzen/ vnd dieſelbige werden dich erheben vnnd gen Himmel fuͤhren.
Wie nun der König Iehu den Ionadab mit der Hand aufm Wagen zog / also wird der himmlisch König dich mit deinen begangenen guten Werken auf den Triumph wagen seiner Glorie setzen / und dieselbige werden dich erheben und gen Himmel führen.
de
de
de
1
5.5969
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,857
1,615
Obſchon aber die Gloꝛi ertheilt wirdt durch die prædeſtination/ ſo werden doch die prædeſtinirten ſie nit erlangen ohne jhꝛe gute werck.
Obschon aber die Glorie erteilt wird durch die Prädestination / so werden doch die prädestinierten sie nicht erlangen ohne ihre gute Werk.
de
de
de
1
4.9355
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,858
1,615
Es wirdt gleichwol der Herꝛ am juͤngſten Tag zu den Gerechten ſpꝛechen:
Es wird gleichwohl der Herr am jüngsten Tag zu den Gerechten sprechen:
de
de
de
1
4.5958
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,859
1,615
Kommet jhꝛ Gebenedeyten/ vnnd beſitzet das Reich/ welches euch fuͤrbereit iſt von Ewigkeit hero:
Kommt ihr Gebenedeiten / und besitzet das Reich / welches euch vorbereit ist von Ewigkeit her:
de
de
de
1
5.3412
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,860
1,615
Damit aber man wiſſen ſolle/ daß die Glori nit erlangt werde ohne gute Werck/ ſo ſetzet er alsbaldt hinzu diſe Wort:
Damit aber man wissen solle / dass die Glorie nicht erlangt werde ohne gute Werk / so setzet er alsbald hinzu diese Wort:
de
de
de
1
5.9536
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,861
1,615
Jch bin hungerig geweſt/ vnnd jhr habt mich geſpeiſet/ ꝛc.
Ich bin hungrig gewesen / und ihr habt mich gespeist / etc.
de
lb
lb
0.333
4.5966
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1,862
1,615
Zu einem andern ſagte der HErꝛ: wilſt du eingehen ins ewige Leben/ ſo halte meine Gebott Gott will dir die Glori nicht geben ohne dich/ vnnd du kanſt ſie nit erlangen ohne jhne.
Zu einem anderen sagte der Herr: willst du eingehen ins ewige Leben / so halte meine Gebot Gott will dir die Glorie nicht geben ohne dich / und du kannst sie nicht erlangen ohne ihn.
de
de
de
1
4.7098
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,863
1,615
Er will/ daß wir vnſers theils das jenig darbey thun ſollen/ was wir koͤnnen?
Er will / dass wir unseres teils das jenig dabei tun sollen / was wir können?
de
de
de
1
5.8698
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,864
1,615
Er wills nit alles allein thun/ ſonder du ſolleſt auch etwas thun/ darmit du den Himmel verdieneſt.
Er will es nicht alles allein tun / sonder du sollest auch etwas tun / damit du den Himmel verdienest.
de
en
de
0.667
4.411
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,866
1,615
Wie das Epheu gleichwol ein veraͤchtlichs Kraut iſt/ aber wann es an einem ſtarcken Baum anleinet/ biß in alle hoͤhe waͤchſt/ alſo ſeind vnſere Werck von Natur ſchwach vnd veraͤchtlich/ aber wann ſie an dem HErꝛn Chriſto lainen/ vnnd ſich mit ſeinen verdienſten vereinigen/ alsdann ſeind ſie ſehꝛ werth vnd koͤſtlich.
Wie das Efeu gleichwohl ein verächtliches Kraut ist / aber wann es an einem starken Baum anleinet / bis in alle Höhe wächst / also sind unsere Werk von Natur schwach und verächtlich / aber wann sie an dem Herrn Christo Leinen / und sich mit seinen Verdiensten vereinigen / alsdann sind sie sehr wert und köstlich.
de
de
de
1
4.9409
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,867
1,615
Die Gnad Chriſti iſts/ welche vnſere Werck verdienſtlich machet/ aber diſe Gnad gibt GOtt nit einem jeglichen/ ſonder nur denen/ ſo ſich darzu diſponiren, bequemen vnnd ſein empfangene Gnad wol brauchen.
Die Gnade Christi ist es / welche unsere Werk verdienstlich macht / aber diese Gnade gibt Gott nicht einem jeglichen / sonder nur denen / so sich dazu disponieren, bequemen und sein empfangene Gnade wohl brauchen.
de
de
de
1
5.552
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,868
1,615
Alles wirdt mehꝛers der Gnad zugeſchriben/ als den wercken/ aber die Gnad gibt den verdienſt nit ohne vnſere Werck: Applicire du deinen willen/ vnnd gebrauche deinen freyen Willen recht vnd wol/ ſo wirſtu den Himmel verdienen mit deinen guten Wercken.
Alles wird Mehrers der Gnade zugeschrieben / als den Werken / aber die Gnade gibt den verdienst nicht ohne unsere Werk: Appliziere du deinen Willen / und gebrauche deinen freien Willen recht und wohl / so wirst du den Himmel verdienen mit deinen guten Werken.
de
de
de
1
5.0656
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,869
1,615
Zu gleicher weiß wie es in einem Schiff/ welches mit gutem Windt ſegelt/ das anſehen hat/ als thu der hinden beym Ruder ſitzender Pilot nichts darzu/ aber ob ſchon er ſich wenig bemuͤhet/ ſo thut er doch vil/ in deme er das Sail deß Segels helt/ dann wann er daſſelbe loß lieſſe ſo wuͤrde alles zu grundt gehen.
Zu gleicher weiß wie es in einem Schiff / welches mit gutem Wind segelt / das Ansehen hat / als tue der hinten beim Ruder sitzender Pilot nichts dazu / aber ob schon er sich wenig bemühet / so tut er doch viel / in dem er das Seil des Segels hält / dann wann er dasselbe losließe so würde alles zu Grund gehen.
de
de
de
1
5.0264
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,870
1,615
Eben ein ſolche meinung hats mit dem Menſchen/ welcher vom heiligen Geiſt/ vnd von der Gnad Gotles regiert wirdt/ dann obs ſchon das anſehen hat/ als thu er nichts/ ſo thut er doch vil/ in deme er ſeinen freyen Willen zu der Goͤttlichen Gnad hergibt/ vnnd das Segel deß guten Willens nach dem Windt deß heiligen Geiſtes ſchwinget:
Eben ein solche Meinung hat es mit dem Menschen / welcher vom Heiligen Geist / und von der Gnade Gotles regiert wird / dann obs schon das Ansehen hat / als tue er nichts / so tut er doch viel / in dem er seinen freien Willen zu der göttlichen Gnade hergibt / und das Segel des guten Willens nach dem Wind des Heiligen Geistes schwinget:
de
de
de
1
4.4468
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,871
1,615
Alſo/ daß der freye Will ſampt der Gnad wircket:
Also / dass der freie Will samt der Gnade wirket:
de
de
de
1
7.0046
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,872
1,615
Vnnd wann derwegen GOtt hilfft/ vnnd wir ſelbſt vns bemuͤhen/ ſo gelangen wir zum Port deß Himmels mit den verdienſten vnſerer guten werck.
Und wann derentwegen Gott hilft / und wir selbst uns bemühen / so gelangen wir zum Port des Himmels mit den Verdiensten unserer guten Werk.
de
de
lb
0.667
5.468
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,873
1,615
Regnum cœlorum vim patitur, vnd nur die jenigen eroberen den Himmel/ welche ſich ſelbſt vberwinden vnnd bemuͤhen: ohne muͤh gelanget man nicht zu der verlangten Seligkeit.
Regnum coelorum vim patitur, und nur diejenigen erobere den Himmel / welche sich selbst überwinden und bemühen: ohne Mühe gelangt man nicht zu der verlangten Seligkeit.
de
de
de
1
5.6166
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,874
1,615
Ob ſchon aber wir vns etwas bemuͤhen/ ſo werden wir doch finden einen groſſen Troſt/ dann was iſt alle bemuͤhung diſes Lebens/ wann ſie gehalten vñ verglichen wird gegen der Ruh der ewigen Frewd?
Ob schon aber wir uns etwas bemühen / so werden wir doch finden einen großen Trost / dann was ist alle Bemühung dieses Lebens / wann sie gehalten und verglichen wird gegen der Ruhe der ewigen Freude?
de
de
de
1
5.7348
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,875
1,615
Wann ein Herꝛ einen Diener hette/ der jhm ein groſſe reuerentz vnd vil beſo las manos machte/ vnnd jhne ſehr lobte/ aber ſeinem Befelch im wenigſten nicht nachkaͤme/ ſo wuͤrde er jhne/ ohne zweyfel/ auß dem Hauſe jagen:
Wann ein Herr einen Diener hätte / der ihm ein große reuerentz und viel beso las manos machte / und ihn sehr lobte / aber seinem Befehl im wenigsten nicht nachkäme / so würde er ihn / ohne Zweifel / aus dem Hause jagen:
de
de
de
1
5.3279
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,876
1,615
Aber wir Menſchen woͤllen/ daß GOTT vns vbertrage/ gedulde/ vnnd nicht auß ſeiner Glori jage/ vnangeſehen wir nur einen todten Glauben haben/ vnnd nur laͤre Wort im Mundt fuͤhren/ auch nichts thun/ was er vns befilcht: GOTT erfordert die werck von dem jenigen/ der jhm dienet:
Aber wir Menschen wollen / dass GOTT uns übertrage / gedulde / und nicht aus seiner Glorie jage / unangesehen wir nur einen toten Glauben haben / und nur Lehre Wort im Mund führen / auch nichts tun / was er uns befilcht: GOTT erfordert die Werk von demjenigen / der ihm dient:
de
de
de
1
4.9502
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,877
1,615
Wann vnſere Haͤnd vnſchuldig vnnd vnſere Werck gut ſein werden/ alsdann werden ſie vns auff den hohen Berg deß HERREN fuͤhꝛen/ daſelbſt werden wir jhne transfigurirt vnnd verklaͤrt ſehen/ vnnd ſeiner ſambt den Apoſteln genieſſen ewigklich.
Wann unsere Hände unschuldig und unsere Werk gut sein werden / alsdann werden sie uns auf den hohen Berg des HERREN führen / daselbst werden wir ihn transfiguriert und verklärt sehen / und seiner samt den Aposteln genießen ewiglich.
de
de
de
1
4.99
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,878
1,615
Beſchließlichen gehoͤrt zu erlangung der Glory die perſeuerantz, dann es ſtehet geſchriben: Niemandt/ der ſein Handt am Pflug ſchlegt vnnd zu ruck ſihet/ iſt geſchickt zum Reich Gottes:
Beschließlichen gehört zu Erlangung der Glory die perseuerantz, dann es steht geschrieben: Niemand / der sein Hand am Pflug schlägt und zu Ruck sieht / ist geschickt zum Reich Gottes:
de
de
de
1
6.2879
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,879
1,615
Dann die Gerechten begehren jmmerdar zu proficiren, vnnd ſie bemuͤhen ſich fort zu gehen.
Dann die Gerechten begehren immerdar zu proficiren, und sie bemühen sich fortzugehen.
de
de
lb
0.667
5.6695
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,880
1,615
Nicht ſagt der HErꝛ/ daß er dir Roſen vnnd Blumen in die Handt gibt/ ſondern den Pflug/ dann das Leben eines Chriſten ſeind nicht frewd/ kurtzweil vnd wolluͤſt/ ſonder muͤhe/ ſchweiß vnd arbeit/ derwegen ſolleſtu nit zu ruck ſehen/ vñ dich bemuͤhen fort zugehen/ biß du den verlangten Port erꝛeicheſt.
Nicht sagt der Herr / dass er dir Rosen und Blumen in die Hand gibt / sondern den Pflug / dann das Leben eines Christen sind nicht Freude / kurzweil und Wollüste / sonder Mühe / schweiß und Arbeit / derentwegen sollest nicht zu Ruck sehen / und dich bemühen fort zugehen / bis du den verlangten Port erreichest.
de
de
de
1
5.5749
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,881
1,615
Zu gleicher weiß wie jene Kuͤh/ welche die Arch deß Herꝛn zogen/ nit ſtill ſtunden/ vnnd weder zur lincken noch zur rechten Hand von der Straß wichen/ ſonder jmmerdar fort gen Bethſames gingen/ vnangeſehen jhꝛe junge Kaͤlber jhnen ſtarck nachſchryen/ alſo weil wir mit dem joch deß Herꝛn vereinigt ſeind/ vnnd ſeine heilige Geſetz auff vnſern Achßeln tragen/ auch den rechten weg der Tugenden wandern/ ſo muͤſſen wir allzeit fortgehen:
Zu gleicher weiß wie jene Kühe / welche die Arche des Herrn zogen / nicht still standen / und weder zur Linken noch zur rechten Hand von der Strass wichen / sonder immerdar fort gen Bethsames gingen / unangesehen ihre junge Kälber ihnen stark nachschrien / also weil wir mit dem Joch des Herrn vereinigt sind / und seine heilige Gesetz auf unsern Achseln tragen / auch den rechten weg der Tugenden wandern / so müssen wir allzeit fortgehen:
de
de
de
1
5.5665
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,882
1,615
Ob ſchon deine ſuͤndliche appetiten, wie deine natuͤrliche Kinder dir nachſchreyen vnd dich bitten/ daß du widerumb in die Welt kehꝛen ſolleſt/ ſo ſoll doch die Tugent die natuͤrliche Lieb vber winden/ vnnd du/ wie ein tauber vnd ſtummer ſchweig ſtill/ beharꝛe deinen angefangenen weg/ vnnd gib der Welt vñ dem Fleiſch kein antwort/ biß du gen Bethſames ins Hauß der Sonnen gelangeſt/ allda du ſehen wuͤrdeſt das ewige Liecht/ vnd die vnendliche Klarheit Gott ſelbſt.
Ob schon deine sündliche Appetiten, wie deine natürliche Kinder dir nachschreien und dich bitten / dass du wiederum in die Welt kehren sollest / so soll doch die Tugend die natürliche Liebe überwinden / und du / wie ein tauber und stummer schweige still / beharre deinen angefangenen weg / und gib der Welt und dem Fleisch kein Antwort / bis du gen Bethsames ins Haus der Sonnen gelangest / allda du sehen würdest das ewige Licht / und die unendliche Klarheit Gott selbst.
de
de
de
1
5.0751
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,883
1,615
Capvt XLIV.
Capvt XLIV.
en
en
ca
0
9.685
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,884
1,615
Guſman ſelbſt vnnd fuͤr ſich ſelbſt diſcurriret von dem nutz vnnd nothwendigkeit der edlen Thorheit.
Gusman selbst und für sich selbst diskurrieret von dem Nutz und Notwendigkeit der edlen Torheit.
de
de
de
1
6.1672
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,885
1,615
JCH Guſman war der dreyzehendt Tiſchgenoß/ aber doch nur ein Auffwarter:
Ich Gusman war der dreizehnte Tischgenoß / aber doch nur ein Aufwarter:
de
de
de
1
6.0205
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,886
1,615
Als ſie alleſambt auß diſcurriret vnd mit jhꝛer Red hin vnd wider geloffen waren/ winckte mir mein Herꝛ Cardinal mit den Augen/ vnd ſprach:
Als sie allesamt aus diskurrieret und mit ihrer Rede hin und wider gelaufen waren / winkte mir mein Herr Kardinal mit den Augen / und sprach:
de
de
de
1
5.8125
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,887
1,615
Guſman/ ich weiß/ daß du vil hin vnd wider gewandert/ wol ſtudiert/ vnd nicht wenig geſehen/ gehoͤrt vnd erfahꝛen haſt/ derwegen ſage vns auch etwas:
Gusman / ich weiß / dass du viel hin und wider gewandert / wohl studiert / und nicht wenig gesehen / gehört und erfahren hast / derentwegen sage uns auch etwas:
de
de
de
1
5.5294
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,888
1,615
Jch antwoꝛtet vnd ſprach:
Ich antwortet und sprach:
de
de
de
1
7.0758
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,889
1,615
Gnedigſter Herꝛ/ ich bin ſeicht gelehꝛt/ vñ kan von hohen wichtigen vnd weiſen ſachen/ wie diſe Herꝛn Tiſchgenoſſen/ gethan/ nit vil reden/ derwegen wil ich E. G. zu vnderthenigem gehoꝛſamb etwz diſcurriren vnd von der edlen Thorheit vnd Narꝛheit reden/ wie ein Thor vnd Narꝛ/ vnd wie ein Blinder von den Farben:
Gnädigster Herr / ich bin seicht gelehrt / und kann von hohen wichtigen und weisen Sachen / wie diese Herrn Tischgenossen / getan / nicht viel reden / derentwegen will ich E. G. zu untertänigem Gehorsam etwas diskurrieren und von der edlen Torheit und Narrheit reden / wie ein Tor und Narr / und wie ein Blinder von den Farben:
de
de
de
1
5.0434
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,890
1,615
Werde ich aber etwann jemande treffen/ ſo hab er mirs nicht fuͤr vbei.
Werde ich aber etwan jemand treffen / so habe er mir es nicht für vbei.
de
de
de
1
5.7844
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,891
1,615
Mein Herꝛ vertroͤſtete mich/ dz man mir im wenigſten nichts fuͤr vbel auffnemmen wuͤrde/ vnnd ſagte/ daß ich nur kecklich reden vnnd nichts verſchonen ſolte.
Mein Herr vertröstete mich / dass man mir im wenigsten nichts für übel aufnehmen würde / und sagte / dass ich nur kecklich reden und nichts verschonen sollte.
de
de
de
1
4.8463
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,892
1,615
Deſſen lachte ich/ erwiſchte aber zuuor ein gutes Glaͤſel mit Wein/ trancks mit luſt auß/ fing an zu reden vnnd ſprach:
Dessen lachte ich / erwischte aber zuvor ein gutes Gläsel mit Wein / Tranks mit Lust aus / fing an zu reden und sprach:
de
de
de
1
5.2237
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,893
1,615
Die Poeten (denen billich geglaubt wirdt/ dann ſie haben mit der torheit jedes mal vil zuſchaffen gehabt) bezeugen/ daß Pluto ein GOtt der reichthumben/ ein Vatter vnd die Iuuentus der Jugend/ ein Mutter der Thoꝛheit geweſt/ welche in den Inſulis fortunatis, allda kein Kranckheit noch Alter regirt/ ſonder man allzeit friſch vnnd geſundt lebt/ geboren worden/ vnnd baldt nach jhrer Geburt angefangen zu lachen/ vnnd ſich mit der Fraw Venus vnnd dem Baccho erluſtiget.
Die Poeten (denen billig geglaubt wird / dann sie haben mit der Torheit jedes Mal viel zuschaffen gehabt) bezeugen / dass Pluto ein Gott der reichtumben / ein Vater und die Iuuentus der Jugend / ein Mutter der Torheit gewesen / welche in den Insulis fortunatis, allda kein Krankheit noch Alter regiert / sonder man allzeit frisch und gesund lebt / geboren worden / und bald nach ihrer Geburt angefangen zu lachen / und sich mit der Frau Venus und dem Baccho erlustiget.
de
de
de
1
5.2288
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,894
1,615
O gluͤckſelige vnnd notwendige Geburt: die weiſe vnnd gelehꝛte Maͤnner moͤgen gleichwol von jr ſagen was ſie woͤllen/ ſo iſt doch gewiß/ daß woferꝛn anderſt ſie begeren Vaͤtter zuwerden vnd das Gebott Gottes: creſcite & multiplicamini: zu voll ziehen/ ſie jhꝛe grauitet, ſtudia vnd weiß heit hin dan ſetzẽ/ die toꝛheit vmbfahen vñ mit den weibern ſchertzẽ muͤſſen/ dañ ſie iſt der brunquel/ auß welchem die weiſe Philoſophi, die ernſthafftige Juriſten/ die andaͤchtige religioſen, die ehꝛwuͤrdige Prælaten/ die großmaͤchtige Herꝛen/ Fuͤrſtẽ/ Koͤnig/ Keyſer/ vnd aller heiligſte Baͤpſt entſpringen/ dañ woferꝛn die torheit vñ der will deß Menſchen nit zuſamen ſtim̃eten vñ eins waͤren/ ſo wuͤrden wenig Menſchẽ erzeugt vñ geboꝛen werdẽ.
O glückselige und notwendige Geburt: die weise und gelehrte Männer mögen gleichwohl von ihr sagen was sie wollen / so ist doch gewiss / dass wofern anders sie Begehren Väter zuwerden und das Gebot Gottes: crescite & multiplicamini: zu voll ziehen / sie ihre grauitet, studia und weiß heit hin dann setzen / die Torheit umsahen und mit den Weibern Scherzen müssen / dann sie ist der brunquel / aus welchem die weise Philosophie, die ernsthafftige Juristen / die andächtige religiösen, die ehrwürdige Prälaten / die großmächtige Herren / Fürsten / König / Kaiser / und aller heiligste Päpste entspringen / dann wofern die Torheit und der will des Menschen nicht zusamen stimmten und eins wären / so würden wenig Menschen erzeugt und geboren werden.
de
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1
5.481
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,895
1,615
Die weiber/ welche den groſſen ſchmertzẽ/ muͤhſeligkeit vnd die gefahr deß gebehꝛens einmal verſucht haben/ wurden ſich gewißlich nicht widerum̃ zu den Maͤnnern legen/ woferꝛn ſie nicht bißweilen naͤrꝛiſch vnd ſchier wuͤtig waͤren.
Die Weiber / welche den großen Schmerzen / Mühseligkeit und die Gefahr des Gebarens einmal versucht haben / wurden sich gewisslich nicht wiederum zu den Männern legen / wofern sie nicht bisweilen närrisch und schier wütig wären.
de
de
de
1
5.0181
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,897
1,615
Auff diſe Kindtheit folgt die bluͤhende jugendt der adoleſcentiæ, welche der Fruͤling vnſers Lebens iſt/ vnnd von der Thoꝛheit ſehꝛ fauoriſirt wirdt/ dann man helt darfuͤr/ daß der Menſch einmal in ſeinem Lebẽ muͤſſe naͤrriſch ſein/ entweder in der Jugent oder im Alter:
Auf diese Kindheit folgt die blühende Jugend der adolescentiae, welche der Frühling unseres Lebens ist / und von der Torheit sehr favorisiert wird / dann man hält dafür / dass der Mensch einmal in seinem Leben müsse närrisch sein / entweder in der Jugent oder im Alter:
de
de
de
1
4.9347
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1,898
1,615
Wer es derwegen in der Jugendt nit verrichtet/ oder ſich naͤrꝛiſch ſtellt/ dolliſiret vnnd raſet/ der muß es in ſeinem Alter verꝛichten/ vnd eben diſes iſt ein vrſach/ daß die Hollaͤnder jhꝛe Toͤchter keinem jungen Geſellen geben/ der nit allbereit in ſeiner Jugend außgenarꝛet/ dolliſirt oder geraſet hat.
Wer es derentwegen in der Jugend nicht verrichtet / oder sich närrisch stellt / dollisiret und raset / der muss es in seinem Alter verrichten / und eben dieses ist ein Ursache / dass die Holländer ihre Töchter keinem jungen Gesellen geben / der nicht allbereits in seiner Jugend außgenarret / dollisirt oder gerast hat.
de
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de
1
4.6893
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1,899
1,615
Dann ſie vermeinen/ daß/ woferꝛn einer in der Jugendt nit außgenarꝛet hat/ er erſt im Alter die Narꝛenſchuch anlegen vnd dolliſiren muͤſſe.
Dann sie vermeinen / dass / wofern einer in der Jugend nicht außgenarret hat / er erst im Alter die Narrenschuch anlegen und dollisiren müsse.
de
de
de
1
6.0034
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,900
1,615
Nit allein die Kindtheit vnd die Jugendt wirdt von der Thorheit fauoriſirt, ſonder auch das Alter/ dann ſie machet die Alten widerumb jung/ vnd verkehꝛet ſie gleichſamb in Kinder/ in deme nemblich ſie jhꝛe Kuͤnſt/ ſcientzen, ſchwere vnnd wichtige geſchaͤfft hindan ſetzen/ ſich zu der Lieb vnnd Bulerey begeben/ jhꝛe Haar faͤrben/ voꝛn an der Stirn hohe Zoͤpff tragen/ damit ſie nit fuͤr Kaalkoͤpff gehalten werden/ taͤglich jhꝛe Baͤrth rodiren, jhꝛe Kleydeꝛ parfumiren vnnd mit Biſem vnd Amber beſtreichen/ Kupler beſtellen/ Buelbrieffel dichten/ ſchꝛeiben vnnd außſchicken/ ſich mit ſehꝛ jungen armen/ aber ſchoͤnen vnd holdſeligen Maͤgdlein verheureten/ mit denſelbigen jhꝛ Gut mit ſpielen vnd ſchertzen verzehꝛen/ jmmerdar von der Lieb vnnd naͤrꝛiſchen dingen reden/ vnnd ſich dermaſſen naͤrꝛiſch ſtellen/ als kaͤmen ſie erſt in die Welt/ oder als waͤren ſie niemaln inn der Welt geweſt:
Nicht allein die Kindheit und die Jugend wird von der Torheit favorisiert, sonder auch das Alter / dann sie macht die Alten wiederum jung / und verkehret sie gleichsam in Kinder / in dem nämlich sie ihre Künste / scientzen, schwere und wichtige Geschäft hintan setzen / sich zu der Liebe und Buhlerei begeben / ihre Haar färben / vorn an der Stirn hohe Zöpfe tragen / damit sie nicht für Kaalköpff gehalten werden / täglich ihre Bert rotieren, ihre Kleider parfümieren und mit Bisem und Amber bestreichen / Kuppler bestellen / Buelbrieffel dichten / schreiben und ausschicken / sich mit sehr jungen armen / aber schönen und holdseligen Mägdlein verheuerten / mit denselbigen ihr Gut mit spielen und Scherzen verzehren / immerdar von der Liebe und närrischen Dingen reden / und sich dermaßen närrisch stellen / als kämen sie erst in die Welt / oder als wären sie niemals in der Welt gewesen:
de
de
de
1
4.8872
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,901
1,615
Vnnd auß diſer gleichheit der Natur erfolgt/ daß die Alten die Kinder ſo ſehꝛ lieben/ vnd ſambi jhnen auff Stecken reiten/ oder mit jhnen ſpilen/ hergegen daß die Kinder ſich ſo ſehꝛ mit den Alten frewen/ vnd gern bey jhnen ſeindt.
Und aus dieser Gleichheit der Natur erfolgt / dass die Alten die Kinder so sehr lieben / und sambi ihnen auf Stecken reiten / oder mit ihnen spielen / hingegen dass die Kinder sich so sehr mit den Alten freuen / und gern bei ihnen sind.
de
de
de
1
4.622
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,902
1,615
Ferꝛner erſcheint die nutzbarkeit der Thoꝛheit auß deme/ daß/ woferꝛn die Menſchen die weißheit allerdings fahren lieſſen/ vnnd ſich nur der Thorheit befliſſen/ ſie gewißlich kein einige Kummernuß noch Muͤhſeligkeit empfinden/ ſonder allzeit ruͤhwig vnnd gluͤckſeligklich leben wuͤrden/ dann die taͤgliche Erfahrung gibt zu erkennen/ daß die weiſe hochgelehrte/ grauitetiſche/ ernſthafftige Maͤnner/ welche nichts anders thun/ als ſtudiren/ jhꝛen ſcientiis obligen/ vnd Landt vnd Leuth regiren/ gemeinglich bleich/ mager vnd kranck ſeind/ vnd gar bald alt werden/ dann ſie haben weder Tag noch Nacht kein ruhe/ ſonder muͤſſen arbeiten mit dem Leib vñ mit dem Gemuͤth vnd Geiſt/ der wirdt dardurch geſchwaͤcht vnd das Leben verkuͤrtzt/ im gegenſinn aber ſehen wir/ daß die Jdioten/ vngelehꝛten vnd vnuerſtaͤndige gꝛobe vnd vngeſchickte Toͤlpel vñ Knoͤpff/ welche ſich nur auff jhꝛen Landtguͤtern oder anheimbs finden laſſen/ vñ ſich vmb nichts annem̃en noch vmb das heyl deß Vatterlandts kummern/ gemeinlich faiſt/ ſchoͤn/ roth/ ſtarck vnd geſundt ſeyen vnd lang leben.
Ferner erscheint die Nutzbarkeit der Torheit aus dem / dass / wofern die Menschen die Weisheit allerdings fahren ließen / und sich nur der Torheit beflissen / sie gewisslich kein einige Kümmernis noch Mühseligkeit empfinden / sonder allzeit rühwig und glückseligecklich leben würden / dann die tägliche Erfahrung gibt zu erkennen / dass die weise hochgelehrte / gravitätische / ernsthafftige Männer / welche nichts anders tun / als studieren / ihren scientiis obliegen / und Land und Leute regieren / gemeiniglich bleich / mager und krank sind / und gar bald alt werden / dann sie haben weder Tag noch Nacht kein Ruhe / sonder müssen arbeiten mit dem Leib und mit dem Gemüt und Geist / der wird dadurch geschwächt und das Leben verkürzt / im Gegensinn aber sehen wir / dass die Idioten / ungelehrten und unverständige grobe und ungeschickte Tölpel und Knöpf / welche sich nur auf ihren Landgütern oder anheim finden lassen / und sich um nichts annehmen noch um das Heil des Vaterlands kümmern / gemeinlich feist / schön / rot / stark und gesund seien und lang leben.
de
de
de
1
4.8091
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,903
1,615
Diſes haben etliche anſehenliche Staͤtt inn Jtalia vnnd anderſto wol gewuͤſt vnd betracht/ vnd derwegen durch ein offentliches decret oder mandat, etlich gelehꝛte vñ weiſe patritios, Geſchlechter oder Edelleut/ keiner andern vrſachen halben hinauß vnnd weg geſchafft/ als weil dieſelbigen wol ſtudirt hatten/ vnnd jhꝛen verſtandt in vilen dingen erzeigten/ jnmaſſen die Saneſer gethan/ vnnd derwegen fuͤr offentliche pur lautere Narꝛen gehalten werden.
Dieses haben etliche ansehenliche Stät in Italien und andersto wohl gewusst und Betracht / und derentwegen durch ein öffentliches Dekret oder mandat, etlich gelehrte und weise patritios, Geschlechter oder Edelleut / keiner anderen Ursachen halben hinaus und weggeschafft / als weil dieselbigen wohl studiert hatten / und ihren verstand in vielen Dingen erzeigten / in Maßen die Saneser getan / und derentwegen für öffentliche pur lautere Narren gehalten werden.
de
de
de
1
6.2385
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,904
1,615
Die Bologneſer werden gleichwol fuͤr weiſe/ gelehꝛte vnnd geſcheide Herꝛen gehalten/ aber alle jhre beſte vnnd gelehꝛteſte Buͤcher ſchmiden ſie auff jhrer Bibliothec an eyſenen Ketten/ hergegen laſſen ſie die Narꝛen vnnd jhre naͤrꝛiſche Geſchlechter vnnd Burgerskinder ledig/ vnnd wolluſtig vmbziehen/ vnnd in Rath ſitzen:
Die Bologneser werden gleichwohl für weise / gelehrte und gescheite Herren gehalten / aber alle ihre beste und gelehrteste Bücher schmieden sie auf ihrer Bibliothek an eysenen Ketten / hingegen lassen sie die Narren und ihre närrische Geschlechter und Burgerskinder ledig / und wollüstig umziehen / und in Rat sitzen:
de
de
de
1
5.3225
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,905
1,615
O wie vil Narꝛen vnnd Fantaſten findt man zu Florentz, Modina, Parma vnnd Meylandt/ vnder den Burgerskindern/ welche keiner andern vrſachen halben etwas rechtſinniges ſtudiren/ noch auch doctoriren/ als weil ſie ſich deß Doctorals/ aber nicht der Thorheit vnnd vnwiſſenheit ſchaͤmẽ/ vñ nit deſto weniger im Rath andern gelehꝛten vnnd weiſen Maͤnnern voꝛgezogen werden woͤllen:
O wie viel Narren und Fantasten findet man zu Florentz, Modina, Parma und Meylandt / unter den Burgerskindern / welche keiner anderen Ursachen halben etwas rechtsinniges studieren / noch auch doktorieren / als weil sie sich des Doctorals / aber nicht der Torheit und Unwissenheit schämen / und nicht desto weniger im Rat anderen gelehrten und weisen Männern vorgezogen werden wollen:
de
de
de
1
5.555
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,906
1,615
Vil andere Staͤtt vnd Voͤlcker koͤndte ich benennen/ welche die Thoꝛheit in jhꝛer protection, ſchutz vnnd ſchirm nemmen/ vnd ſie gleichſam̃ fuͤr ein grandeza vnd hochheit halten/ wegen der confluenz, zulauff vnnd menge deß Volcks/ ſo jhꝛ nachfolgen.
Viel andere Stät und Völker könnte ich benennen / welche die Torheit in ihrer Protektion, Schutz und Schirm nehmen / und sie gleichsam für ein grandeza und Hochheit halten / wegen der Konfluenz, Zulauf und Menge des Volks / so ihr nachfolgen.
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5.3115
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,907
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Weil auch die Goͤttliche fuͤrſehung ſahe/ daß der Menſch erſchaffen war darumb/ daß er die andere Thier beherꝛſchen vnnd den gantzen vniuerſum regiren ſolte/ vnd daß er zu ſolchem end ein groſſe weißheit haben vnd benebens vil ſorg vnd muͤhſeligkeiten außſtehen muͤſte/ ſo hat ſie jhne mit einer ewigen vnd vnzertrennlichen Geſellſchafft verſehen vnd jhm ein Weibsbildt zu ordnen woͤllen/ auff daß ſie jme ſeine ſchwere ſorgfaͤltigkeiten lindern/ vnd einen luſt vnnd frewd machen ſolte/ dann das Weib iſt ein ſolche naͤrꝛiſche vnnd werckliche Creatur/ daß Plato zweifelt/ ob ſie vnder den verſtaͤndlichen oder vnuerſtaͤndlichen Thieren gezehlt vnd gerechnet werden ſolle.
Weil auch die göttliche Vorsehung sah / dass der Mensch erschaffen war darum / dass er die andere Tier beherrschen und den ganzen Universum regieren sollte / und dass er zu solchem Ende ein große Weisheit haben und benebens viel sorge und Mühseligkeiten ausstehen müsste / so hat sie ihn mit einer ewigen und unzertrennlichen Gesellschaft versehen und ihm ein Weibsbild zu ordnen wollen / auf dass sie ihm seine schwere Sorgfältigkeiten lindern / und einen Lust und Freude machen sollte / dann das Weib ist ein solche närrische und werkliche Kreatur / dass Plato zweifelt / ob sie unter den verständlichen oder unverständlichen Tieren gezählt und gerechnet werden solle.
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4.601
albertinus_landtstoertzer01_1615
1,908
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Eben diſer meinung ſeind auch die Tuͤrcken/ welche nicht bewilligen/ daß die Weiber weder in burgerlichen noch malefitz Haͤndlen zeugnuß geben.
Eben dieser Meinung sind auch die Türken / welche nicht bewilligen / dass die Weiber weder in bürgerlichen noch Malefiz Händeln Zeugnis geben.
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