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21.8
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,211
1,615
Wie einer ein Narꝛ waͤre/ welcher in einer groſſen Statt einen herꝛlichen Pallaſt hette/ vnd doch herauſſen auffm Landt in einem armſeligen ſtroͤhenen Haͤuſel wohnte/ alſo iſt der jenig ein groſſer Narꝛ/ der da begert in diſer armſeligen Welt zuwohnen/ vnnd derſelben eytelkeiten zu genieſſen an ſtatt der allerhoͤchſten vnnd herꝛlichſten wohnung deß Himmels.
Wie einer ein Narr wäre / welcher in einer großen Stadt einen herrlichen Palast hätte / und doch heraußen aufm Land in einem armseligen strohenen Häuschen wohnte / also ist der jenig ein großer Narr / der da begehrt in dieser armseligen Welt zuwohnen / und derselben Eitelkeiten zu genießen anstatt der allerhöchsten und herrlichsten Wohnung des Himmels.
de
de
de
1
4.8377
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,212
1,615
Der betrug vnd die armſeligkeiten diſer Welt ſeind kundt vnd wiſſentlich/ derwegen haſtu vrſach ſie zunerachten/ zumaln weil dein guͤtiger Herꝛ vnd Gott dich darzu ermahnet/ mit ſeiner heiligen lieb locket vnd dir die Thuͤr deß Himmels eroͤffnet.
Der betrug und die Armseligkeiten dieser Welt sind kund und wissentlich / derentwegen hast du Ursache sie zunerachten / zumal weil dein gütiger Herr und Gott dich dazu ermahnet / mit seiner heiligen lieb locket und dir die Tür des Himmels eröffnet.
de
de
de
1
5.4474
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,213
1,615
Reute auß dir alle eytele Begierd vnd Gedancken/ die der Teuffel vnd die Welt in deiner fantaſey gepflantzt hat: Bezwinge deinen Geiſt/ daß er diſen zergaͤnglichen Guͤtern vrlaub gebe vnd die ewige/ daꝛumb du erſchaffen worden/ liebe.
Reute aus dir alle Eitele Begierde und Gedanken / die der Teufel und die Welt in deiner Fantasy gepflanzt hat: Bezwinge deinen Geist / dass er diesen gänglichen Gütern Urlaub gebe und die ewige / darum du erschaffen worden / liebe.
de
de
de
1
6.1892
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,214
1,615
Capvt LIII.
Capvt LIII.
en
en
bg
0
9.1965
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,215
1,615
Was maſſen Guſman ein Bergknap in Tyrol vnd widerumb reich worden.
Was Maßen Gusman ein Bergknap in Tirol und wiederum reich worden.
de
de
de
1
8.5785
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,216
1,615
NAch dem ich obgehoͤꝛter maſſen auch den Standt der religioſen verſucht vnnd geſchaͤndt hatte/ doͤrffte ich mich ſchir nirgents mehꝛ ſehen noch blickẽ laſſen/ ſondern entſchloſſe mich/ daß ich mich vor den Menſchen verbergen vnnd vnder die Erden verkriechen wolte.
Nachdem ich gehörter Maßen auch den Stand der religiösen versucht und geschändet hatte / dürfte ich mich schier nirgends mehr sehen noch blicken lassen / sondern entschloss mich / dass ich mich vor den Menschen verbergen und unter die Erden verkriechen wollte.
de
de
de
1
4.8548
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,217
1,615
Zu ſolchen end begab ich mich in Tyrol/ in meinung ein Bergknap zuwerdẽ/ vnd mein narung vnder der Erden zuſuchen.
Zu solchen Ende begab ich mich in Tirol / in Meinung ein Bergknap zuwerden / und mein Nahrung unter der Erden zusuchen.
de
de
de
1
6.591
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,218
1,615
Als ich daſelbſt hin kam/ ward ich ein Herꝛen arbeiter/ hatte Wochentlich einen florin oder Gulden.
Als ich daselbst hinkam / wurde ich ein Herren Arbeiter / hatte Wöchentlich einen Florin oder Gulden.
de
de
de
1
6.2613
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,219
1,615
Folgents vber ein viertel Jahꝛ arbeitete ich nach Klafftern/ vnd hatte von einer jeden anfangs 12. vñ letztlichẽ 20. fl. konte aber nichts darbey erſparen/ dann ich war vnfleiſſig vnd faul/ vnd mochte zu der nacht nit arbeiten.
Folgend über ein viertel Jahr arbeitete ich nach Klaftern / und hatte von einer jeden anfangs 12. und letztlichen 20. fl. konnte aber nichts dabei ersparen / dann ich war unfleißig und faul / und mochte zu der Nacht nicht arbeiten.
de
de
de
1
5.2417
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,220
1,615
Nach ſolchem ward ich ein frey Gruͤbler/ arbeitete auff zween koſten/ traffe gute Kluͤfft vnnd gangbare Ertz an/ verdiente vnnd vberkame vil Gelts darbey.
Nach solchem wurde ich ein frei Grübler / arbeitete auf zweien kosten / traf gute Klüfte und gangbare Erz an / verdiente und überkam viel Geld dabei.
de
de
de
1
6.3672
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,221
1,615
Letztlichen vnderſtund ich mich einen erfundenen guten gang vnnd Ertz zuuerſetzen vnnd verzimmeren/ in meinung/ ſie inn kuͤnfftiger zeit zubawen vnd meinen eygnen nutz vnnd gewinn darbey zuſuchen/ woferꝛn mans aber erfahren vnd jnnen worden hette/ ſo wuͤrde man mich fein ſauber auffgeknuͤpfft vnnd zwiſchen Himmel vnd Erden arꝛeſtirt haben/ jnmaſſen dergleichen vngetrewen aꝛbeitern zubeſchehen pflegt.
Letztlich unterstand ich mich einen erfundenen guten Gang und Erz zuversetzen und verzimmere / in Meinung / sie in künftiger Zeit zubauen und meinen eigenen Nutz und Gewinn dabei zusuchen / wofern man es aber erfahren und innen worden hätte / so würde man mich fein sauber aufgeknüpft und zwischen Himmel und Erden arrestirt haben / in Maßen dergleichen ungetreuen Arbeitern zubeschehen pflegt.
de
de
de
1
6.3508
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,222
1,615
Weil dann ich die groſſe gefahꝛ vermerckte/ ſo verkauffte ich einem andern Knappen oder Freygruͤbler den erfundenen guten gang vnd Ertz/ verließ das Bergwerck/ vnd ſuchte mein heyl vnd gluͤck weiter.
Weil dann ich die große Gefahr vermerkte / so verkaufte ich einem anderen Knappen oder Freigrübler den erfundenen guten Gang und Erz / verließ das Bergwerk / und suchte mein Heil und Glück weiter.
de
de
de
1
5.2868
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,223
1,615
Capvt LIV.
Capvt LIV.
en
en
bg
0
9.2462
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,224
1,615
Guſman wirdt auß einem Bergknappen ein Comediant/ vnnd erzehlt etliche artliche boſſen die er geriſſen.
Gusman wird aus einem Bergknappen ein Comediant / und erzählt etliche artliche bösen die er gerissen.
de
de
de
1
7.4157
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,225
1,615
ALs ich widerumb reich worden/ kleidete ich mich ſtattlich/ beſahe die weitberuͤmbte Statt Jnſpruck/ vnd fand daſelbſt neun Comedianten/ die waren von allen nationen zuſammen kommen/ vnnd theils Frantzoſen/ theils Engellaͤnder/ theils Niderlaͤnder/ theils Jtaliener/ jhꝛe Muſic vnd Comedien gefielen mir außbuͤndig vnnd dermaſſen wol/ daß ich (ſimilis ſimili gaudet, gleich vnnd gleich geſeller ſich gern) mich zu jhnen verfuͤgte vnnd mit jhnen accordirte, daß ſie mich in jhre Geſellſchafft auffnamen/ dann ich kondte gut Jtalieniſch/ Spanniſch/ Lateiniſch vnnd halb gebrochenes Teuſch reden/ benebens ſchlug ich trefflich wol auff der Lauten/ vnd vertrate einen luſtigen Spanniſchen Schalcksnarꝛen mit ſeiner Kitarꝛen/ vnd kondte artlich drein ſingen/ tantzen vnnd ſpringen.
Als ich wiederum reich worden / kleidete ich mich stattlich / besah die weitberühmte Stadt Innsbruck / und fand daselbst neun Comedianten / die waren von allen Nationen zusammen kommen / und teils Franzosen / teils Engländer / teils Niederländer / teils Italiener / ihre Musik und Comedian gefielen mir ausbündig und dermaßen wohl / dass ich (similis simili gaudet, gleich und gleich Geseller sich gern) mich zu ihnen verfügte und mit ihnen akkordierte, dass sie mich in ihre Gesellschaft aufnahmen / dann ich konnte gut Italienisch / Spanisch / Lateinisch und halb gebrochenes Täusch reden / benebens schlug ich trefflich wohl auf der Lauten / und vertrat einen lustigen Spanischen Schalksnarren mit seiner Kitharen / und konnte artlich drein singen / tanzen und springen.
de
de
de
1
5.189
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,226
1,615
Die Comedien ſeind ein repræſentirung viler alten vnnd newen Geſchichten vnd Hiſtorien/ der Gottſeligen/ frommen/ erbarn/ zuͤchtigen vñ keuſchen Perſonen/ welche im heiligen Chꝛiſtlichen wandel vnd Tugendt der gantzen Welt vorgeſchmen/ vnnd dern Leben vnnd Thaten man gleichſamb lebendig in offendlichen Schawſpil/ allermennigklichen zeiget vnd fuͤrhelt/ darauß dann nit allein ein erluſtigung deß Gemuͤts erfolget/ ſonder auch die Zuſeher vnnd Zuhoͤrer zum Chriſtlichen wandel bewegt vnd auffgemuntert werden.
Die Comedian sind ein Repräsentierung vieler alten und neuen Geschichten und Historien / der Gottseligen / frommen / Ehrbaren / züchtigen und keuschen Personen / welche im heiligen christlichen Wandel und Tugend der ganzen Welt vorgeschmen / und deren Leben und Taten man gleichsam lebendig in öffentlichen Schauspiel / menniglichen zeiget und vorhält / daraus dann nicht allein ein erlustigung des Gemüts erfolget / sonder auch die Zuseher und Zuhörer zum christlichen Wandel bewegt und aufgemuntert werden.
de
de
de
1
5.0998
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,227
1,615
Es wirdt auch mancher Gottloſer vnd verfuͤhrter Menſch durch dergleichen Schawſpil (darinn entweder die belohnung der frommen/ vnnd die erſchroͤckliche ſtraff der Gottloſen voꝛ Augen geſtellt wirdt) bewegt ſich zubekehꝛen vnd ein Gottſeligers Leben an ſich zunemmen.
Es wird auch mancher Gottloser und verführter Mensch durch dergleichen Schauspiel (darin entweder die Belohnung der frommen / und die erschröckliche Strafe der Gottlosen vor Augen gestellt wird) bewegt sich zubekehren und ein Gottseliger Leben an sich zunehmen.
de
de
de
1
4.7156
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,228
1,615
Hergegen find man andere Comedianten/ welche ſonſten gute Hiſtorien agiren, vnd benebens laͤcherliche boſſen vñ Gauckelſpil verrichten/ boſſirliche ſchnacken reiſſen/ vnd vom einen oꝛt zum andern vm̃ziehen:
Hergegen finde man andere Comedianten / welche sonsten gute Historien agieren, und benebens lächerliche bösen und Gaukelspiel verrichten / possierliche schnacken reißen / und vom einen Ort zum anderen umziehen:
de
de
de
1
6.2624
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,229
1,615
Eben dergleichen Comedianten waren diſe/ mit denſelbigẽ zohe ich durch gantz Teutſchlandt vñ Niderland/ befand mich tꝛeflich wol bey jnẽ/ vñ waꝛd wegen meiner artlichen boſſirlichkeit ſehꝛ geliebt/ dañ bißweiln repręſentirte vñ vertrate ich auch einẽ Diener eines altẽ verliebtẽ Herꝛn der hieß Pantaleon vnd ich hieß Guſmaͤndl.
Eben dergleichen Comedianten waren diese / mit denselbigen zog ich durch ganz Deutschland und Niederland / befand mich trefflich wohl bei innen / und wart wegen meiner artlichen bossirlichkeit sehr geliebt / dann bisweilen repräsentierte und vertrat ich auch einen Diener eines alten verliebten Herrn der hieß Pantaleon und ich hieß Gusmändl.
de
de
de
1
5.8104
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,230
1,615
Einsmals fragte ich im Comediſpil diſen meinen Herꝛn/ was doch der allerlieblichſt vñ nutzlichſt Wolluſt auff Erden were?
Einsmals fragte ich im Comedispil diesen meinen Herrn / was doch der allerlieblichst und nützlichst Wollust auf Erden wäre?
de
de
de
1
6.7108
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,231
1,615
Mein verbulter alter Herꝛ Pantaleon antwortet:
Mein verbuhlter alter Herr Pantaleon antwortet:
fr
de
de
0.667
5.985
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,232
1,615
Wann einer ſeiner hertz allerliebſten beywohnẽ vñ genieſſen koͤnte.
Wann einer seiner Herz allerliebsten beiwohnen und genießen könnte.
de
de
de
1
6.5418
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,233
1,615
Da lachte ich vberlaut/ verſpottete jn/ vnd bewiſe mit vilen exempeln/ daß die Buler gemeingklich nur Bettler werden vñ Schlier vnd Kolben heimbringen.
Da lachte ich überlaut / verspottete ihn / und bewiese mit vielen Exempeln / dass die Buhler gemeiniglich nur Bettler werden und Schlier und Kolben heimbringen.
de
de
de
1
5.1849
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,234
1,615
Mein Herꝛ rieth noch ferꝛner vnnd ſagte/ daß nichts wolluſtigers were/ als wann einer bey luſtiger Geſellſchafft zu Tiſch ſitzet/ vnd den vberfluß an guten Bißlen vnnd herlichem Wein hat.
Mein Herr riet noch ferner und sagte / dass nichts Wollüstigeres wäre / als wann einer bei lustiger Gesellschaft zu Tisch sitzet / und den Überfluss an guten Bißlen und herrlichem Wein hat.
de
de
de
1
5.0211
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,235
1,615
Darauff lachte ich jhne abermals auß/ vnnd fragte jhne/ ob er nicht letztlichen von dem vilen freſſen vnnd ſauffen voll vnnd doll wie auch kranck werde?
Darauf lachte ich ihn abermals aus / und fragte ihn / ob er nicht letztlichen von dem vielen fressen und saufen voll und doll wie auch krank werde?
de
de
de
1
5.014
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,236
1,615
Er rieth noch ferꝛner vnd ſagte daß etliche Saͤck voll Ducaten das allerlieblichiſte vnnd nutzlichiſte auff Erden weren? Aber ich verſpottete jhne vnnd ſagte/ daß nur die Narꝛen jhren luſt mit dem Gelt vnnd wenig nutz daruon haben/ ſich auch bißweilen etliche von deß Gelts wegen hencken:
Er riet noch ferner und sagte dass etliche Säcke voll Dukaten das allerlieblichiste und nutzlichiste auf Erden wären? Aber ich verspottete ihn und sagte / dass nur die Narren ihren Lust mit dem Geld und wenig Nutz davon haben / sich auch bisweilen etliche von des Geldes wegen henken:
de
de
de
1
6.0569
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,237
1,615
Wann du aber zuwiſſen begereſt/ was der aller beſt luſt vnnd lieblichkeit auff Erden ſeye/ ſo will ich dirs ſagen: nemblich wann einer zur zeit der hochtringenden vnnd ein zeitlang verhaltener noth die Hoſen auffneſtelt/ das priuat erwiſchet/ vnnd den Bauch außlaͤret/ dann durch diſes mittel wirſtu nicht allein der ſorg in die Hoſen zuhofiren befreyt/ ſonder es wirdt auch die Natur am meiſten erquickt.
Wann du aber zuwissen begehrest / was der aller best Lust und Lieblichkeit auf Erden sei / so will ich dir es sagen: nämlich wann einer zur Zeit der hochdringenden und ein Zeitlang verhaltener Not die Hosen aufnestelt / das privat erwischet / und den Bauch außläret / dann durch dieses Mittel wirst du nicht allein der sorge in die Hosen zuhofieren befreit / sonder es wird auch die Natur am meisten erquickt.
de
de
de
1
5.877
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,238
1,615
Woferꝛn aber du es nicht wilſt glauben/ ſo verſuche es/ verhalte den Stulgang ein zeitlang/ hupffe/ lauffe vnd wehre dich mit Haͤnd vnd Fuͤſſen/ vnd halte veſt biß zur euſſerſten noth/ ſo wirſtu letztlichen ein vberauß groſſe linderung vnnd lieblichheit empfinden.
Wofern aber du es nicht willst glauben / so versuche es / verhalte den Stuhlgang ein Zeitlang / hupfe / laufe und wehre dich mit Hände und Füßen / und halte fest bis zur äußersten Not / so wirst du letztlichen ein überaus große Linderung und lieblichheit empfinden.
de
de
de
1
5.1496
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,239
1,615
Pantaleon mein Herꝛ ließ ſich vberꝛeden/ verhielt einsmals den Stulgang ſehꝛ mañlich vnd ritterlich etliche Stundtlang/ vñ beklagte ſich gleich wol/ daß er jhne in die leng nicht wuͤrde auffhalten koͤnden:
Pantaleon mein Herr ließ sich überreden / verhielt einsmals den Stuhlgang sehr mannlich und ritterlich etliche Stuntlang / und beklagte sich gleich wohl / dass er ihn in die läng nicht würde aufhalten könnten:
de
de
de
1
6.1851
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,240
1,615
Jch aber ſprach jhm ſtarck zu/ daß er ſich dapffer wehren/ zaplen vnd herumb lauffen ſolte.
Ich aber sprach ihm stark zu / dass er sich tapfer wehren / zaplen und herumlaufen sollte.
de
de
de
1
5.8016
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,241
1,615
Er hebte ſeine Haͤnd hinden zum Geſaͤß/ vnnd truckte ſtarck zu/ lieff auff dem theatro oder Binen hin vñ wider mit groſſer angſthafftigkeit/ zohe den Athem mit gewalt an ſich/ verwendete die Augen im Kopff/ reckte die Zung einen Fingerlang herauß.
Er hob seine Hände hinten zum Gesäß / und druckte stark zu / lief auf dem theatro oder binnen hin und wieder mit großer Angsthaftigkeit / zog den Atem mit Gewalt an sich / verwendete die Augen im Kopf / reckte die Zunge einen Fingerlang heraus.
de
de
de
1
5.4718
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,242
1,615
Jch aber wolte noch nit bewilligen/ daß er ſeinen gefangnen herauß ſolte laſſen/ weil aber jnmittelſt ſein Liebhaberin darzu kam/ ſo erſchꝛack er dermaſſen/ daß er die gantze Bruͤh mit groſſem getuͤm̃el in die Hoſen gehen ließ.
Ich aber wollte noch nicht bewilligen / dass er seinen gefangenen heraus sollte lassen / weil aber inmittelst sein Liebhaberin dazukam / so erschrak er dermaßen / dass er die ganze Brühe mit großem Getümmel in die Hosen gehen ließ.
de
de
de
1
5.1564
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,243
1,615
Das war nun ein leckerlicher Poß vnd machte ein herꝛliches gelaͤchter fuͤr die ſpectatores vnnd Zuſeher: Jhme dem Pantaleon gereichte es zu einer ſo groſſen lieblichheit vnnd wolluſt/ daß/ als er gefragt ward/ wie es vmb ſeine Hoſen ſtuͤnde?
Das war nun ein Leckerliger Poß und machte ein herrliches Gelächter für die spectatores und Zuseher: Ihm dem Pantaleon gereichte es zu einer so großen lieblichheit und Wollust / dass / als er gefragt wurde / wie es um seine Hosen stünde?
de
de
de
1
5.3764
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,244
1,615
er zur antwort gab:
er zur Antwort gab:
de
de
de
1
5.7059
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,245
1,615
Was frag ich nach denen Hoſen/ wegen einer ſolchen lieblichheit ſoll einer ſeiner Hoſen nit verſchonen/ vnangeſehen ſie von lauter guldinen vnd ſilbernen ſtucken gemacht waͤren.
Was frag ich nach denen Hosen / wegen einer solchen lieblichheit soll einer seiner Hosen nicht verschonen / unangesehen sie von lauter goldenen und silbernen stucken gemacht wären.
de
de
de
1
6.6901
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,246
1,615
Einsmals zohen wir beyde in wehꝛender Comedi in Krieg in vnſern Ruͤſtungen/ vnnd es entran jhm vnuerſehens ein ſo ſtarcker vnd vberauß lauter Leibsdampff/ daß ich nider zu bodem fiel/ vnd vermeinte/ daß ich von einem groben Geſchuͤtz getroffen war.
Einsmals zogen wir beide in wehrender Comedi in Krieg in unsern Rüstungen / und es entrann ihm unversehens ein so starker und überaus lauter Leibsdampf / dass ich nieder zu bodem fiel / und vermeinte / dass ich von einem groben Geschütz getroffen war.
de
de
de
1
5.2849
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,247
1,615
Als ich nun alſo gleichſamb todt lag/ kehrte mir mein alter Herꝛ Pantaleon ſein Geſaͤß zu meinen Ohren/ vnnd ließ abermals einen ſo ſtarcken ſtreich gehen/ daß er mich mit ſchrecken widerumb vom Todt aufferweckte.
Als ich nun also gleichsam tot lag / kehrte mir mein alter Herr Pantaleon sein Gesäß zu meinen Ohren / und ließ abermals einen so starken Streiche gehen / dass er mich mit Schrecken wiederum vom Tod auferweckte.
de
de
de
1
4.9058
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,248
1,615
Einsmals hatte ich ein gar gute Bottſchafft von meines Herꝛen deß Pantaleonis Liebhaberin bey jhm zuuerꝛichten/ die ſparte ich aber biß er in der Comedi vber Tiſch ſaß/ vnd ich wartete biß man jhm ein außbuͤndige gute Turten fuͤrgeſetzt hatte/ als nun mich bedunckte daß es zeit war jhne vom Tiſch zu jagen/ brachte ich jhm die obgedeute gute zeitung/ gleichſamb hette ichs allbereit vergeſſen/ vnd ich ſagte jhm daß er geſchwindt vnnd vnuerzogentlich zu ſeiner Liebhaberin kom̃en ſolte.
Einsmals hatte ich ein gar gute Botschaft von meines Herren des Pantalones Liebhaberin bei ihm zuverrichten / die sparte ich aber bis er in der Comedi über Tisch saß / und ich wartete bis man ihm ein ausbündige gute Torten vorgesetzt hatte / als nun mich bedünkte dass es Zeit war ihn vom Tisch zu jagen / brachte ich ihm die Gedeute gute Zeitung / gleichsam hätte ich es allbereits vergessen / und ich sagte ihm dass er geschwind und vnuerzogentlich zu seiner Liebhaberin kommen sollte.
de
de
de
1
5.59
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,249
1,615
Da lief er alsbaldt vom Tiſch zu ſeiner Hertzallerliebſten/ dann dieſelbe war jhm vil lieber/ dann 100. Turten/ Jch aber erwuͤſchte die Turten vnnd verſchluckte ſie in wenig biſſen.
Da lief er alsbald vom Tisch zu seiner Herzallerliebsten / dann dieselbe war ihm viel lieber / dann 100. Torten / Ich aber erwischte die Torten und verschluckte sie in wenig bissen.
de
de
de
1
5.1139
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,250
1,615
Diſer mein Herꝛ fing einsmals an ſich zubeklagen/ daß jhm das eſſen nimmer recht ſchmecken wolte/ vnnd beſorgte derwegen ſich vorm vnuerſehenen Todt/ da gab ich jhm den rath/ daß/ weil der Menſch je nicht weiſt/ welche Mahlzeit ſein letzte ſein werde/ ſo ſolle er bey jeder Mahlzeit gedencken/ ein jede ſeye die letzte/ vnd ſolle derwegen bey einer jeden Malzeit ein valete mahl halten/ vnd ſich ſticken vñ wicken voll freſſen vnnd ſauffen/ damit er ein gute kraͤfftige labung hette wann der Todt mit jhm kaͤmpffen wuͤrde.
Dieser mein Herr fing einsmals an sich zubeklagen / dass ihm das Essen nimmer recht schmecken wollte / und besorgte derentwegen sich vorm unversehenen Tod / da gab ich ihm den Rat / dass / weil der Mensch je nicht weist / welche Mahlzeit sein letzte sein werde / so solle er bei jeder Mahlzeit Gedenken / ein jede sei die letzte / und solle derentwegen bei einer jeden Mahlzeit ein valete Mal halten / und sich sticken und Wicken voll fressen und saufen / damit er ein gute kräftige Labung hätte wann der Tod mit ihm kämpfen würde.
de
de
de
1
5.1402
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,251
1,615
Jn einer andern Comedi befalch mir mein Herꝛ Pantaleon/ dz ich ſeiner Liebhaberin ein herꝛliche vnnd wolgeſchmackige Paſteten bachen laſſen vnd heimbringen ſolte:
In einer anderen Comedi befahl mir mein Herr Pantaleon / dass ich seiner Liebhaberin ein herrliche und wohlgeschmackige Pasteten backen lassen und heimbringen sollte:
de
de
de
1
5.799
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,252
1,615
Weil aber ſie ſehꝛ vnflaͤtig war/ ſo kauffte ich zwey Haſelhuͤner/ ging zum Paſteten Koch vnnd beſtelte/ daß er ſie in einem guten bruͤhlein kochen ſolte/ darneben aber gab ich jhm ein Geſtup/ welches den Leib vber alle maſſen pflegt zu reinigen vnd weidlich zu operiren, vñ zuwuͤrcken:
Weil aber sie sehr unflätig war / so kaufte ich zwei Haselhüne / ging zum Pasteten Koch und bestellte / dass er sie in einem guten Brühlein kochen sollte / daneben aber gab ich ihm ein Gestup / welches den Leib über alle Maßen pflegt zu reinigen und weidlich zu operieren, und zuwirken:
de
de
de
1
5.6219
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,253
1,615
Diſe Paſteten brachte ich der Liebin/ die aß ſie mit luſt gar auf vñ ließ nichts daruon vber.
Diese Pasteten brachte ich der Lieben / die aß sie mit Lust gar auf und ließ nichts davon über.
de
de
de
1
6.513
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2,254
1,615
Vngefaͤhrlich vber ein halbe ſtund hernacher ſuchte ich ein gelegenheit dz ich ſie herfuͤr auff die Binen brachte/ auff vnd nider mit jhꝛ ſpacieren ging vnd mit einander conuerſirten.
Ungefährlich über ein halbe stand hernach suchte ich ein Gelegenheit dass ich sie herfür auf die binnen brachte / auf und nieder mit ihr spazieren ging und miteinander conuersirten.
de
de
de
1
6.46
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2,255
1,615
Jn wehꝛender ſolcher vnſer conuerſation wuͤrckte das geſtuͤpl der Paſtetẽ dermaſſẽ in vñ bey jhr/ daß ſie anfing jhren Bauch zuklagen vnd ſich zuſtellen/ als ob ſie ſich wolte retiniren vñ abwegs hinweg gehen wolte:
In wehrender solcher unser Konversation würgte das gestüpl der Pasteten dermaßen in und bei ihr / dass sie anfing ihren Bauch zuklagen und sich zustellen / als ob sie sich wollte ratinieren und Abwegs hinweggehen wollte:
de
de
de
1
6.4606
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2,256
1,615
Jch aber erwiſchte ſie hinderwerts/ hebte jhr den Rock auff/ vnnd hielte ſie ſo lang/ biß letztlichen ſie anfing vnden vnnd oben außzuwerffen/ vnnd den Zuſehern einen ſehꝛ lieblichen Biſem vnd geruch zumachen.
Ich aber erwischte sie Hinderwerts / hob ihr den Rock auf / und hielte sie so lang / bis letztlichen sie anfing unten und oben auszuwerfen / und den Zusehern einen sehr lieblichen Bisem und Geruch zumachen.
de
de
de
1
5.5933
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,257
1,615
Das gelaͤchter war groß/ aber der danck war klein/ dann mein Herꝛ gab mir Bruͤgelſuppen zu freſſen.
Das Gelächter war groß / aber der Dank war klein / dann mein Herr gab mir Prügelsuppen zu fressen.
de
de
de
1
4.8126
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,258
1,615
Capvt LV.
Capvt LV.
en
en
ko
0
8.0009
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,259
1,615
Guſman erzehlt/ was er fuͤr ſeltzame Wirth vnnd Wirthshaͤuſer in Teutſchlandt angetroffen.
Gusman erzählt / was er für seltsame Wirt und Wirtshäuser in Deutschland angetroffen.
de
de
de
1
6.1159
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,260
1,615
JN deme ich nun ſambt meiner Comediantiſchen geſellſchaft alſo hin vñ wider in Teutſchlandt vmbzohen/ traffen wir bißweilen wunderbarliche vnd ſeltzame Wirt vnd Wirthshaͤuſer an.
Indem ich nun samt meiner Komödiantischen Gesellschaft also hin und wieder in Deutschland vmbzohen / trafen wir bisweilen wunderbarliche und seltsame Wirt und Wirtshäuser an.
de
de
de
1
6.7472
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,261
1,615
Anfangs verwunderte ich mich zum hoͤchſten/ als ich in den groſſen vnd kleinen Staͤtten/ Maͤrckten vnd Doͤrffern ſo vil Wirthshaͤuſer/ vnd ſchier in allen denſelbigen nichts anders ſahe/ als freſſen/ ſauffen/ geigen/ ſingen/ tantzen vnnd ſpringen/ juchtzen vnnd ſchreyen/ dergleichen ich weder in Hiſpania noch Jtalia nirgendts geſehen/ da gedachte ich an jenen Tuͤrckiſchen Abgeſandten/ welcher/ als er in der Faßnacht in Oeſterꝛeich gen Wien kam/ vnnd ſahe den guten muth/ welchen man mit mummereyen vnnd andern eytelkeiten vnnd liderlichheiten trib/ verwunderte er ſich zum hoͤchſten/ vñ als er widerumb gen Conſtantinopil kam/ vnnd ſein Herꝛ der Tuͤrckiſch Keyſer jhne fragte/ was er in Teutſchlandt guts geſehen hette? antwortet er vnnd ſprach:
Anfangs verwunderte ich mich zum höchsten / als ich in den großen und kleinen Stätten / Märkten und Dörfern so viel Wirtshäuser / und schier in allen denselbigen nichts anders sah / als fressen / saufen / geigen / singen / tanzen und springen / juchzen und schreien / dergleichen ich weder in Hispania noch Italien nirgends gesehen / da gedachte ich an jenen türkischen Abgesandten / welcher / als er in der Fassnacht in Österreich gen Wien kam / und sah den guten Mut / welchen man mit Mummereien und anderen Eitelkeiten und liderlichheiten trieb / verwunderte er sich zum höchsten / und als er wiederum gen Constantinopil kam / und sein Herr der türkisch Kaiser ihn fragte / was er in Deutschland Gutes gesehen hätte? antwortet er und sprach:
de
de
de
1
4.5435
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,262
1,615
Nichts anders hab ich in Teutſchlandt geſehen/ als lauter Narren.
Nichts anders habe ich in Deutschland gesehen / als lauter Narren.
de
de
nl
0.667
5.9925
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,263
1,615
Eben diſes fiel mir auch ein/ vnnd als derwegen meiner mitgeſellen einer/ der ein Engellaͤnder war/ mich fragte/ wie mir Teutſchlandt gefiel? antwortet ich:
Eben dieses fiel mir auch ein / und als derentwegen meiner mitgesellen einer / der ein Engländer war / mich fragte / wie mir Deutschland gefiel? antwortet ich:
de
de
de
1
5.2992
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,264
1,615
Es gefaͤlt mir diſes Freß: vnnd Schlauraffenlandt außbuͤndig wol/ dann man thut darin nichts als freſſen/ ſauffen/ ſingen vnd klingen.
Es gefällt mir dieses Fresse: und Schlauraffenlandt ausbündig wohl / dann man tut darin nichts als fressen / saufen / singen und klingen.
de
de
de
1
7.0321
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,265
1,615
Je lenger vnnd weiter ich durchs Landt reiſete/ je mehrere vnnd groͤſſere vnordnungen ſahe ich an vilen orten mit den Wirthen/ vnd in jhren Haͤuſern.
Je länger und weiter ich durchs Land reiste / je mehrere und größere Unordnung sah ich an vielen Orten mit den Wirten / und in ihren Häusern.
de
de
de
1
4.984
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,266
1,615
Dann erſtlich ſahe ich/ daß die Wirth gemeingklich die aller fuͤrnembſten in den Staͤtten vnd Maͤrckten/ ja die Obrigkeit ſelbſt waren/ vnnd an ſtatt daß ſie jhr Hauß nicht einem jeglichen Landtſtoͤrtzer offen vnd frey ſtehen/ ſonder nur ehrliche/ zuͤchtige Gaͤſt beherbergen/ vnd einlaſſen/ vnd im wenigſten nicht leyden ſolten/ daß wider zuche vnd erbarkeit gehandlet werde/ ſo lieſſen ſie allerhand Geſindel ein/ vnnd verwilligten/ ja halffen darzu/ daß ſich jhre Gaͤſt wie die wilde vnnd vngehewre beſtien/ doll vnnd voll anſauffen/ ſpilen/ rauffen/ balgen/ beſchaͤdigen/ roͤdten/ oder die Stiegen einfallen vnnd vmbkommen:
Dann erstlich sah ich / dass die Wirt gemeiniglich die aller fürnehmsten in den Stätten und Märkten / ja die Obrigkeit selbst waren / und anstatt dass sie ihr Haus nicht einem jeglichen Landstörzer offen und frei stehen / sonder nur ehrliche / züchtige Gäste beherbergen / und einlassen / und im wenigsten nicht leiden sollten / dass wider Zuge und Ehrbarkeit gehandelt werde / so ließen sie allerhand Gesindel ein / und bewilligten / ja halfen dazu / dass sich ihre Gäste wie die wilde und ungeheure Bestien / doll und voll ansaufen / spielen / raufen / balgen / beschädigen / röten / oder die Stiegen einfallen und umkommen:
de
de
de
1
5.122
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,267
1,615
Weil dann der Burgermeiſter/ der Cam̃erer/ der Rathsherꝛ ſelbſt/ als ein Wirth/ ſolches thut oder zuſihet vnnd verwilliget/ ſo iſt leichtlich zuerachten/ wie es ſonſten bey der Burgerſchafft an ſolchen orten ſo richtig zugehen muͤſſe.
Weil dann der Burgermeister / der Cammeer / der Ratsherr selbst / als ein Wirt / solches tut oder zusehet und bewilligt / so ist leichtlich zuerachten / wie es sonsten bei der Bürgerschaft an solchen Orten so richtig zugehen müsse.
de
de
de
1
5.5531
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,268
1,615
Ferꝛner ſahe vnd erfuhꝛ ich wie erbaͤrmlich etliche Wirth jhre Gaͤſt vbernamen/ ſchindeten vnnd ſchabten/ jhrer etliche waren dermaſſen grob vnnd vnuerſchambt/ daß ſie denen Gaͤſten/ welche jhre Zech oder Mahl alsgleich nit zuzahlen hatten/ entweder nach Notturfft abſchmirten/ oder jhnen jhre Maͤntel oder Wammes abzohen vnnd behielten.
Ferner sah und erfuhr ich wie erbärmlich etliche Wirt ihre Gäste Übernahmen / schindeten und schabten / ihrer etliche waren dermaßen grob und unverschämt / dass sie denen Gästen / welche ihre Zech oder Mahl alsgleich nicht zuzahlen hatten / entweder nach Notdurft abschmierten / oder ihnen ihre Mäntel oder Wams abzohen und behielten.
de
de
de
1
5.3736
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,269
1,615
Deßgleichen vermerckte ich bißweilen ein ſehꝛ groſſe ſtoltzheit/ hoffart/ grobitet vnd vnbeſcheidenheit an den Wirthen/ dann nit allein empfingen ſie die Gaͤſt nicht freundtlich/ ſondern ſchawten ſie tuͤckiſch/ trutzig vnd ſtoltz an/ als wolten ſie es durchfreſſen:
Desgleichen vermerkte ich bisweilen ein sehr große Stolzheit / Hoffart / grobitet und Unbescheidenheit an den Wirten / dann nicht allein empfingen sie die Gäste nicht freundlich / sondern schafften sie tückisch / trutzig und stolz an / als wollten sie es durchfressen:
de
de
de
1
5.2568
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,270
1,615
Am Tiſch ſetzten ſie ſich zum Gaſt nider/ vnnd halffen jhm ſein Speiß vnd Wein verzehꝛen: an ſtatt daß der Gaſt mit einer halben maß Weins oder Bier ſich benuͤgẽ ließ/ muß er ein oder zwo Maß bringen laſſen/ nur damit der Wirth ſein Gurgel ſchmiren vnnd ſeinen Wanſt deſto beſſer fuͤllen moͤge:
Am Tisch setzten sie sich zum Gast nieder / und halfen ihm sein Speise und Wein verzehren: anstatt dass der Gast mit einer halben Maß Weins oder Bier sich benügen ließ / muss er ein oder zwei Maß bringen lassen / nur damit der Wirt sein Gurgel schmieren und seinen Wanst desto besser füllen möge:
de
de
de
1
5.0823
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,271
1,615
Durch diſes mittel wirt der Gaſt in einen Wirth/ vnd der Wirth in einen Gaſt verkehꝛt/ vñ nit der Wirth/ ſonder der Gaſt gibt dem Wirth/ bißweilen auch der Wirthin/ zueſſen.
Durch dieses Mittel wird der Gast in einen Wirt / und der Wirt in einen Gast verkehrt / und nicht der Wirt / sonder der Gast gibt dem Wirt / bisweilen auch der Wirtin / zuessen.
de
de
de
1
4.1837
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,272
1,615
Ferꝛner ſahe ich/ daß der jenig/ welcher nicht ordenliche Malzeiten oder ſonſten wacker vnd liderlich zehret/ vnangeſehen es jhne nit geluſtet oder im Beutel nit vermag/ kein Ligerſtatt haben kan/ ſonder auff der Banck oder beym Viech im Stall fuͤr gut nemmen muß.
Ferner sah ich / dass der jenig / welcher nicht ordentliche Mahlzeiten oder sonsten wacker und liederlich zehret / unangesehen es ihn nicht gelüstet oder im Beutel nicht vermag / kein Liegestatt haben kann / sonder auf der Bank oder beim Viech im Stall für gut nehmen muss.
de
de
de
1
5.6985
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,273
1,615
Nit weniger merckte ich ein jaͤmmerliche vnnd erſchroͤckliche verfaͤlſchung deß liebſeligen Getrancks vnnd ſonderlich deß Weins/ vnd einmiſchung der vnnatuͤrlichen dingen/ als Milch/ Brandtwein/ Kalch/ Schwefel/ Alaun vnd dergleichen.
Nicht weniger merkte ich ein jämmerliche und erschröckliche Verfälschung des liebseligen Getrancks und sonderlich des Weins / und Einmischung der unnatürlichen Dingen / als Milch / Branntwein / Kalch / Schwefel / Alaun und dergleichen.
de
de
de
1
4.9831
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,274
1,615
Jtem/ einen groſſen Betrug mit zwey oder dreyfachen Kreiden an die Wandt ſchreiben/ vnnd was geſtallt alles auff rauben vnd ſtehlen gericht war.
Item / einen großen Betrug mit zwei oder dreifachen Kreiden an die Wandte schreiben / und was Gestalt alles auf rauben und stehlen Gericht war.
de
de
de
1
7.068
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,275
1,615
Daran aber iſt nichts anders ſchuldig/ als das/ wie ich an etlichen orten wargenommen/ mehꝛ Wirth vnd Tafernirer/ als Gaͤſt verhanden/ vnd daß nur heiloſe Leuth/ welche keinen luſt zu ehꝛlichen Handthierungen/ oder das jhrig allbereit verſchwendt haben/ vnnd verdorbene loſe junge Buben ſeind/ zu Wirth vnd Tafernirer werden/ vnnd ſich nur auffs Menſchen ſchinden vnd Beutelzauſen legen vnnd begeben:
Daran aber ist nichts anders schuldig / als das / wie ich an etlichen Orten wahrgenommen / mehr Wirt und Tafernirer / als Gäste vorhanden / und dass nur heillose Leute / welche keinen Lust zu ehrlichen Hantierungen / oder das ihrige allbereits verschwendet haben / und verdorbene lose junge Buben sind / zu Wirt und Tafernirer werden / und sich nur aufs Menschen schinden und Beutelzausen legen und begeben:
de
de
de
1
5.3051
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,276
1,615
wie auch den Freſſern vnnd Sauffbruͤdern alles aufftragen vnd fuͤrſetzen was vnnd wie lang ſie woͤllen/ dann ſie fragen nur dem Seckel vnnd Gelt nach/ ſuchen vnnd verurſachen nur das allgemeine verderben.
wie auch den Fressern und Saufbrüdern alles auftragen und vorsetzen was und wie lang sie wollen / dann sie fragen nur dem Säckel und Geld nach / suchen und verursachen nur das allgemeine verderben.
de
de
de
1
5.281
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,277
1,615
Jch ſahe auch/ daß die Wirth nit allein an den meiſten orten im Rath vnnd Rohr ſitzen vnd die Pfeiſſen nach jhrem gefallen ſchneiden/ ſondern auch daß ſie bißweilen auff dem Landt darneben Richter waren/ was aber durch ſolche Geltdurſtige vnnd ſelbſt reudige vnnd inficirte Richter vnnd Wirth guts gewirckt vnnd verurſacht werden koͤnne/ das laſſe ich andere erkennen.
Ich sah auch / dass die Wirt nicht allein an den meisten Orten im Rat und Rohr sitzen und die Pfeissen nach ihrem gefallen schneiden / sondern auch dass sie bisweilen auf dem Land daneben Richter waren / was aber durch solche Geltdurstige und selbst räudige und infizierte Richter und Wirt Gutes gewirkt und verursacht werden könne / das lasse ich andere erkennen.
de
de
de
1
6.0691
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,278
1,615
Dann an ſtatt daß ſie die Bawren vnd Vnderthanen auff den rechten Weeg richten/ beſchuͤtzen/ befuͤrdern vnd vorm verderben verhuͤten ſolten/ ſo tragen ſie den Bauren/ vnnd ſonderlich den vnuermuͤglichen/ den Wein vnnd Bier nach der pauß auff/ beyten vnd borgen jhnen/ vnnd ſchreiben ſo lang mit zwyfacher Kreiden/ biß der Bawr durch den Wirth vberheut/ jhm ſeine Guͤter eingetzogen/ vnd ſambt Weib vnnd Kindt an den Bettelſtab getriben wirdt.
Dann anstatt dass sie die Bauern und Untertanen auf den rechten Weg richten / beschützen / befördern und vorm Verderben verhüten sollten / so tragen sie den Bauern / und sonderlich den vnuermüglichen / den Wein und Bier nach der paus auf / beiden und borgen ihnen / und schreiben so lang mit zwiefacher Kreiden / bis der Bauer durch den Wirt überhaut / ihm seine Güter eingezogen / und samt Weib und Kind an den Bettelstab getrieben wird.
de
de
de
1
5.4287
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,279
1,615
Beſchließlichen ſahe ich/ daß gemeinglich die Teutſche Wirthshaͤuſer ſchier nichts anders waren/ als ſauff vñ freßhaͤuſer/ ſchind vñ ſcherhaͤuſer/ darin nit allein die haaꝛ vñ Woll/ ſondern auch haut vnnd fleiſch vbers Gebein vnd das jñerliche marck/ ſo gar auch die Seel auß dem Leib geſogen wirdt.
Beschließlichen sah ich / dass gemeiniglich die Deutsche Wirtshäuser schier nichts anders waren / als sauf und Fresshäuser / schinde und Scherhäuser / darin nicht allein die haar und Wohl / sondern auch haut und Fleisch übers Gebein und das innerliche Mark / so gar auch die Seele aus dem Leib gesogen wird.
de
de
de
1
5.6915
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,280
1,615
Darneben ſeindt ſie gleich ſam̃ Teufelshaͤuſer/ Raub vñ Morthaͤuſer.
Daneben sind sie gleich Sam Teufelshäuser / Raub und Morthäuser.
de
de
ku
0.667
8.079
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,281
1,615
Dañ wer luſt hat zuſehen/ was geſtallt man einander raufet/ balget/ ſchlaͤgt/ Glaͤſer/ Kandel/ Schuͤſſel/ Teller vnnd Meſſer zum Grindt wirfft vnd einander mutwilliglich erſticht vnnd ermoͤrdet: wer zuſehen begert/ wie man dem Teuffel diene vnnd Gott ſchende vnd verſchwoͤre/ vnd wie man die Seelen dem Teuffel ſchencke/ verkauffe vnd verwuͤnſche/ wer ein ort zuſehen begert/ da trew vnd ehr ein end hat/ vnd alle Laſter/ Vnzucht vnd Gottloſigkeit einen anfang haben/ da Leib/ ehꝛ vnd geſundtheit verlohꝛen wirdt/ da die Metamorphoſes oder abenthewriſche verwandlungen der Menſchen in vernuͤnfftige beſtien beſchehe/ der gehe in ein Teutſches vnordenliches Wirthshauß/ daſelbſt ſihet man auch wie geſchleckig vnd verſchwendtlich bißweiln die patricij oder Geſchlechter/ wie auch die ſchlimme vnnd gemeine Burger ſeyen/ in dem ſie kein Hochzeit halten/ noch einige janheimiſche Ladſchafft halten/ es ſey dann daß ſie etliche Richt mit Wildtpraͤt vnnd zarten Fiſchen ſpeiſen/ vnnd die gute Wein ſchaͤndtlich verderben/ auch nicht von einander ſcheiden/ biß ſie ſtickendt vnnd wickendt voll ſeind/ vnnd auff den Gaſſen hin vnnd wider ſtorcklen/ oder vnder den Armben heimbgefuͤhrt werden muͤſſen:
Dann wer Lust hat zusehen / was Gestalt man einander raufet / balget / schlägt / Gläser / Kandel / Schüssel / Teller und Messer zum Grind wirft und einander mutwillig ersticht und ermordet: Wer zusehen begehrt / wie man dem Teufel diene und Gott schände und verschwöre / und wie man die Seelen dem Teufel schenke / verkaufe und verwünsche / wer ein Ort zusehen begehrt / da treu und Ehre ein Ende hat / und alle Laster / Unzucht und Gottlosigkeit einen Anfang haben / da Leib / ehr und Gesundheit verloren wird / da die Metamorphoses oder abenthewrische Wandlungen der Menschen in vernünftige Bestien geschehe / der gehe in ein Deutsches vnordenliches Wirtshaus / daselbst sieht man auch wie geschleckig und verschwendtlich bisweilen die patricij oder Geschlechter / wie auch die schlimme und gemeine Burger seien / in dem sie kein Hochzeit halten / noch einige janheimische Ladschaft halten / es sei dann dass sie etliche Richtet mit Wildbret und zarten Fischen speisen / und die gute Wein schändlich verderben / auch nicht voneinander scheiden / bis sie stickend und weckend voll sind / und auf den Gassen hin und wieder storcklen / oder unter den Armen heimgeführt werden müssen:
de
de
de
1
5.3935
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,282
1,615
Vnnd das aller aͤrgiſt iſt/ daß die jenigen/ ſo es andern verbieten/ vnd ſie darumb ſtraffen/ vnd jhnen ein gutes Exempel geben ſollen/ ſelbſt die fuͤrnembſten ſeindt.
Und das aller ergießt ist / dass diejenigen / so es anderen verbieten / und sie darum strafen / und ihnen ein gutes Exempel geben sollen / selbst die fürnehmsten sind.
de
de
de
1
4.8395
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,283
1,615
Noch eins hette ich ſchier vergeſſen/ nemblich das erſchꝛoͤckliche lange tiſchen oder lange ſitzen vber Tiſch/ welches ich inn Teutſchlandt geſehen:
Noch eins hätte ich schier vergessen / nämlich das erschröckliche lange tischen oder lange sitzen über Tisch / welches ich in Deutschland gesehen:
de
de
de
1
6.109
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,284
1,615
Dann an ſtatt/ daß in Jtalia vnd Hiſpania man an der Fuͤrſten vnd Herꝛn Taflen auffs laͤngſt nur zwo Stundt lang tiſchet/ ſo ſchoppen vnd moͤſten die Teutſchen jhꝛe Wampen vnnd Kothbaͤuch 6. 7. oder 8. ſtundt lang vnder Tags.
Dann anstatt / dass in Italien und Hispania man an der Fürsten und Herrn Tafeln aufs längst nur zwei Stand lang tischet / so schoppen und mösten die Deutschen ihre Wampen und Kothbäuch 6. 7. oder 8. stand lang unter Tags.
de
de
lb
0.667
6.7215
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,285
1,615
Jſts aber ein Nachtmahl/ ſo wehꝛets biß in 1. 2. oder dritte ſtundt/ vnd biß weiln an liechten tag.
Ist es aber ein Nachtmahl / so wehret bis in 1. 2. oder dritte stand / und bis weil anliegen tag.
de
de
de
1
6.5664
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,286
1,615
Nach dem man auch letztlichen lang genug geſeſſen/ gefreſſen vnd geſoffen hat/ vnnd man auffgeſtanden iſt/ alsdann fahet man erſt an ſtaͤndtlichs zuſauffen/ vnd einander dermaſſen zuzudecken/ vnnd abzufertigen/ daß ſie letztlichen in die Glaͤſer ſpeyen/ vnd vnden vnd oben/ hinden vnd vornen rinnent werden:
Nach dem man auch letztlichen lang genug gesessen / gefressen und gesoffen hat / und man aufgestanden ist / alsdann fanget man erst an ständliches zusaufen / und einander dermaßen zuzudecken / und abzufertigen / dass sie letztlichen in die Gläser speien / und unten und oben / hinten und vorne rinnend werden:
de
de
de
1
4.7777
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,287
1,615
Vnd eben diſes iſt der edlen Teutſchen beſte hoͤflichkeit vnnd trewhertzige tractirung/ vnd ſie vermeinen/ daß ſie niemand zu Gaſt laden/ oder jhrem Freundt ein ehꝛ anthun koͤnnen/ es ſey dann/ daß ſie durch dz vollſauffen/ auß dem Menſchen ein Viech/ einen Vnflat/ einen Narꝛen ſimulachra gentium, vnd Sawgoͤtzen der Heyden machen.
Und eben dieses ist der edlen Deutschen beste Höflichkeit und treuherzige Traktierung / und sie vermeinen / dass sie niemand zu Gast laden / oder ihrem Freund ein ehr antun können / es sei dann / dass sie durch das vollsaufen / aus dem Menschen ein Viech / einen Unflat / einen Narren simulachra gentium, und Saugötzen der Heiden machen.
de
de
de
1
5.6061
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2,288
1,615
Capvt LVI.
Capvt LVI.
en
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fa
0
8.6853
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2,289
1,615
Guſman erzehlt noch eygentlicher/ was er an vnderſchidlichen orthen Teutſchlandts geſehen.
Gusman erzählt noch eigentlicher / was er an unterschiedlichen Orten Deutschlands gesehen.
de
de
de
1
6.7076
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2,290
1,615
TEutſchlandt iſt vberauß groß/ vnd hat vnderſchidliche anſehenliche Prouinzen/ nemblich die Oeſterꝛeichiſche Landen/ folgendts Bayrn/ Schwaben/ Francken/ Sachſen/ Weſtphalen.
Deutschland ist überaus groß / und hat unterschiedliche ansehenliche Provinzen / nämlich die österreichische Landen / folgend Bayern / Schwaben / Franken / Sachsen / Westfalen.
de
de
de
1
6.0347
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2,291
1,615
Die Oeſterreicher grainitzen jenſens mit Vngern/ vnnd dißſeits mit Boͤhem vnd Bayrn/ der Tuͤrck iſt jhr vnfreundtlicher Nachbar/ vnnd viſitirt ſie bißweiln/ derwegen were zu wuͤnſchen/ daß alle Tuͤrcken halb in Bayrn/ vnd halb in Oeſterꝛeich weren/ das iſt/ daß ein jeder Tuͤrck mitten von einander geſaͤblet/ vnnd der halb Leib hieroben in Bayrn/ vnnd der ander inn Oeſterꝛeich were ſo wurden ſie ob Gott will/ guten friden vor jhm haben/ dann ſie ſeindt dem Tuͤrcken ſo feindt/ daß ſie jhne nicht anſchawen moͤgen.
Die Österreicher grainitzen jensens mit ungern / und diesseits mit Böhem und Bayern / der Türk ist ihr unfreundlicher Nachbar / und visitiert sie bisweilen / derentwegen wäre zu wünschen / dass alle Türken halb in Bayern / und halb in Österreich wären / das ist / dass ein jeder Türk mitten voneinander gesäbelt / und der halb Leib hierob in Bayern / und der ander in Österreich wäre so wurden sie ob Gott will / guten Frieden vor ihm haben / dann sie sind dem Türken so Feind / dass sie ihn nicht anschauen mögen.
de
de
de
1
5.5594
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,292
1,615
Was aber Bayrn belangt/ gedunckte mich daß es das gelobte heilige Land war/ wegen der ſo groſſen andacht/ die ich aller orten in den Kirchen vnd Kloͤſtern verſpuͤrte/ Jtem wegen der groſſen barmhertzigkeit/ welche gegen den Armen begangen ward/ mit huͤlff vñ darꝛeichung deß H. Allmuſens.
Was aber Bayern belangt / gedunkte mich dass es das gelobte heilige Land war / wegen der so großen Andacht / die ich aller Orten in den Kirchen und Klöstern verspürte / Item wegen der großen Barmherzigkeit / welche gegen den Armen begangen wurde / mit Hilfe und Darreichung des H. Allmusens.
de
de
de
1
5.0892
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,293
1,615
Jtem wegen der ſo gar guten Iuſtici, welche aldort meniglichen/ dem armen ſo wol als dem reichen/ ohne allen reſpect adminiſtrirt vnd ertheilt wirdt.
Item wegen der so gar guten Justiz, welche aldort menniglichen / dem armen so wohl als dem reichen / ohne allen Respekt administriert und erteilt wird.
de
de
de
1
6.581
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,294
1,615
Auß Bayꝛn kamen wir in Schwaben/ vnd Francken landt/ vñ ich verwunderte mich vber die groſſe freyheit vñ macht der darin verhandenen Reichs ſtaͤtt/ deß Adels/ der Ritter/ Grafen vnd Herꝛen ſtandts/ welche vm̃ keinen Fuͤrſten nichts geben/ vnd mit jhren Keyſerlichen priuilegijs vnd Freyheiten brauiren.
Aus Bayern kamen wir in Schwaben / und Franken Land / und ich verwunderte mich über die große Freiheit und macht der darin vorhandenen Reichs stet / des Adels / der Ritter / Grafen und Herren Stands / welche vmm keinen Fürsten nichts geben / und mit ihren Kaiserlichen priuilegijs und Freiheiten brauiren.
de
de
de
1
5.6494
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,295
1,615
Sachſen iſt gleichfals ein herꝛliches vnnd fruchtbares Landt/ im ſelben vnnd ſchier aller anderer orten in Teutſchlandt gefiel es mir außbuͤndig wol/ vnnd hette je nicht gemeint/ daß es ſolche anſehenliche Prouintzen weren.
Sachsen ist gleichfalls ein herrliches und fruchtbares Land / im selben und schier aller anderer Orten in Deutschland gefiel es mir ausbündig wohl / und hätte je nicht gemeint / dass es solche ansehenliche Provinzen wären.
de
de
de
1
5.9554
albertinus_landtstoertzer01_1615
2,296
1,615
Nur ein ding aber mißfiel mir/ nemlich jhr erſchroͤckliches ſauffen vnnd voͤllerey/ welches gleich wol kein wunder/ dann weil die Teutſchen/ vnd ſonderlich die Sachſen/ von Natur vil kuͤler vñ feuchter ſeind/ weder wir Spanier oder die Welſchen/ ſo trincken ſie von natur gern veꝛmengte getraͤnck/ nemblich Wein/ Bier vnnd Moͤth/ vnnd diſes Getranck pflegen ſie theils zu trincken/ theils aber zu ſauffen/ vnd einander gleichſamb hinein zunottigen/ vermittelſt deß zubꝛingens/ vndeꝛm ſchein der Lieb vnnd Freundtſchafft/ dardurch aber werden ſie in ein Viech vnnd vngeheure beſtien verwandelt/ vnnd kommen daruͤber vmb Leib/ Ehꝛ vñ Gut/ vnd bißweiln vmb die Seel.
Nur ein Ding aber missfiel mir / nämlich ihr erschröckliches saufen und Völlerei / welches gleich wohl kein Wunder / dann weil die Deutschen / und sonderlich die Sachsen / von Natur viel Kühler und feuchter sind / weder wir Spanier oder die Welschen / so trinken sie von Natur gern vermengte Getränk / nämlich Wein / Bier und Möth / und dieses Getränk pflegen sie teils zu trinken / teils aber zu saufen / und einander gleichsam hinein zunottigen / vermittels des Zubringens / unterm Schein der Liebe und Freundschaft / dadurch aber werden sie in ein Viech und ungeheure Bestien verwandelt / und kommen darüber um Leib / Ehre und Gut / und bisweilen um die Seele.
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5.067
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2,297
1,615
Dann ſchir in allen groſſen Herꝛn Hoͤf vnd Tafeln/ vnd in allen Hochzeiten/ Gaſtereyen vñ zuſam̃enkuͤnfften thut man einander mit groſſen Geſchirꝛen empfahen vnnd willkomb heiſſen/ mit groſſen Geſchirꝛen ehꝛet vñ tractiert man einander/ vnnd mit groſſen Glaͤſern dancken ſie einander ab.
Dann schier in allen großen Herrn Höfe und Tafeln / und in allen Hochzeiten / Gastereien und Zusammenkünften tut man einander mit großen Geschirren empfangen und willkommen heißen / mit großen Geschirren ehret und traktiert man einander / und mit großen Gläsern danken sie einander ab.
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4.9983
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2,298
1,615
Jn den ſchlampodien/ ſchlemmereyen/ collationen/ beylagern vnnd ſchlaftruͤncken verbringen ſie ein jaͤmmerliches fretten/ ſupen/ ſchlemmen vnd demmen/ koͤchlen vnnd groͤltzen einander zu ehꝛen vñ zugefallen trincken ſie vber macht/ damit ſie Gott erzuͤrnen/ vnd jhꝛe ſelbſt eygne Leibsgeſundtheit/ Sinn/ Witz vñ Verſtandt verlieren.
In den Schlammpodien / Schlemmereien / Kollationen / Beilagern und Schlaftrünken verbringen sie ein jämmerliches fretten / supen / schlemmen und dämmen / köchle und grölzen einander zu ehren und zugefallen trinken sie übermacht / damit sie Gott erzürnen / und ihre selbst eigene Leibsgesundheit / Sinn / Witz und verstand verlieren.
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6.041
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2,299
1,615
Einem vngehewren Menſchen erfuͤllen ſie ſeine begeren vnd willen/ vnnd laſſen das Gebott vnd Willen deß allerhoͤchſten Gottes im Himmel fahren.
Einem ungeheuren Menschen erfüllen sie seine Begehren und Willen / und lassen das Gebot und Willen des allerhöchsten Gottes im Himmel fahren.
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4.806
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2,300
1,615
Nicht allein ſauffen ſie auß den großmaͤchtigen/ ſeltzamen vnnd vngeheuren Bechern vnd Glaͤſern/ ſondern auch/ wann die Narren voll vnnd doll worden/ auß jhren Schuhen/ Filtzhuͤten/ Struͤmpffen/ Stifeln/ ja Bruntz- vnd Seichkacheln/ wie die Saͤw vñ Schwein/ ſauffen ſich in einem einigen Tag oder nacht vol vnd widerum̃ nuͤchtern vñ widerumb voll/ hofiren vnd ſpeyen darneben wie die Gerberhuͤnd.
Nicht allein saufen sie aus den großmächtigen / seltsamen und ungeheuren Bechern und Gläsern / sondern auch / wann die Narren voll und doll worden / aus ihren Schuhen / Filzhüten / Strümpfen / stiefeln / ja Bruntz- und Seichkacheln / wie die Säw und Schwein / saufen sich in einem einigen Tag oder Nacht voll und wiederum nüchtern und wiederum voll / hofieren und speien daneben wie die Gerberhünd.
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5.138
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2,301
1,615
Nichts iſt mir auch naͤrꝛiſcher fuͤrkom̃en/ als eben daß ſie einander wegen deſſen oder jenens geſundtheit/ voll vnd Kranck ſauffen/ vnangeſehen es dem andern/ von deſſen wegen ſolche Ruͤndt Truͤnck beſchehen/ im wenigſten nichts hilfft.
Nichts ist mir auch närrischer vorkommen / als eben dass sie einander wegen dessen oder jenes Gesundheit / voll und krank saufen / unangesehen es dem anderen / von dessen wegen solche Ründet Trünke geschehen / im wenigsten nichts hilft.
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6.6131
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2,302
1,615
Ohne zweifel haben ſie vom Teuffel/ ſolche geſundt- oder Sauff kunſt/ geklaubt/ vnd iſt ein Teuffeliſches/ Viehiſches/ vnnatuͤrliches weſen vnd allergroͤſte thoꝛheit.
Ohne Zweifel haben sie vom Teufel / solche gesundt- oder Sauf Kunst / geklaubt / und ist ein Teuflisches / Viehisches / unnatürliches Wesen und allergrößte Torheit.
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5.6425
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2,303
1,615
Daß man auff Hochzeiten oder Cõmiſſionen der Fuͤrſten vnnd Herꝛen (vmb welcher willen ſolche Commiſſiones oder Tagſatzungen angeſehen ſeind) mit etwan einem kleinen Glaͤßl mit Wein im beſten gedencket vñ einen Rundtrunck thut/ das ging dannocht hin/ aber von jhrer geſundt wegen ſo vil vnnd lang ſauffen/ daß man vber Tiſch den angſtſchweiß ſchwitzet/ erſchwartzet vnd zerſchnellet/ das hilfft nicht allein den Fuͤrſten nichts/ ſonder ſie verſpottens/ vnd ſehens vnd habens vngern/ wann ſolche jhre Diener oder Landtſeſſen ſich ſelbſt alſo ſchaͤndt- vnd vnnuͤtzlicher weiß verderben vnd den Halß abſauffen/ von jhrentwegen/ dann fuͤrwar/ die affection vnnd trew gegen den Fuͤrſten vnd Herꝛen beſteht vnd hafftet nicht im ſauffen noch in der fuͤllerey/ ſonder in der nuͤchtbarkeit/ verſtandt vnd vernunfft.
Dass man auf Hochzeiten oder Kommissionen der Fürsten und Herren (um welcher Willen solche Commissiones oder Tagsatzungen angesehen sind) mit etwan einem kleinen Gläßl mit Wein im besten gedenkt und einen Rundtrunk tut / das ging dennoch hin / aber von ihrer gesund wegen so viel und lang saufen / dass man über Tisch den Angstschweiß schwitzet / erschwartzet und schnellet / das hilft nicht allein den Fürsten nichts / sonder sie Verspottens / und sehen es und habens ungern / wann solche ihre Diener oder Landsessen sich selbst also schändt- und unnützlicher weiß verderben und den Hals absaufen / von ihretwegen / dann fürwahr / die Affektion und treu gegen den Fürsten und Herren besteht und haftet nicht im Saufen noch in der Füllerei / sonder in der nüchtbarkeit / verstand und Vernunft.
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5.9006
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2,304
1,615
Noch eins iſt auch laͤcherlich/ daß ſie/ wañ ſie dz gantze jaꝛlang vnmaͤſſiglich gnug gelebt/ vñ alles hinein geſoffen vñ gefreſſen habẽ/ vermeinen/ daß/ wañ ſie zur Ader laſſen/ aller ſolcher vnrath als gleich durch das kleine Loͤchlein der troͤffneten Ader alsbald geſchwindt vnnd im huy/ vnangeſehen ſie lang daran geſamblet haben/ widerumb hinauß rinnen werde.
Noch eins ist auch lächerlich / dass sie / wann sie das ganze jarlang unmäßig genug gelebt / und alles hinein gesoffen und gefressen haben / vermeinen / dass / wann sie zur Ader lassen / aller solcher Unrat als gleich durch das kleine Löchlein der tröffneten Ader alsbald geschwind und im huy / unangesehen sie lang daran gesamblet haben / wiederum hinaus rinnen werde.
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5.8864
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2,305
1,615
Capvt LVII.
Capvt LVII.
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7.4946
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2,306
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Guſman erzehlt/ was er an den Teutſchen Weibern vnd Jungkfrawen geſehen.
Gusman erzählt / was er an den Deutschen Weibern und Jungfrauen gesehen.
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0.333
5.4528
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2,307
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DAs Leben der Maͤnner iſt ein Exemplar jhrer Weiber/ iſts derwegen gut/ ſo ſchlagẽ jnen die Weiber nach:
Das Leben der Männer ist ein Exemplar ihrer Weiber / ist es derentwegen gut / so schlagen ihnen die Weiber nach:
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5.8335
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2,308
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Jſts aber boͤß/ ſo ſeindt ſie gleichfals boͤß:
Ist es aber böse / so sind sie gleichfalls böse:
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5.5951
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2,309
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Wie derwegen die Teutſche Maͤnner/ obverſtandener maſſen/ gemeingklich durſtige Seelen haben vnnd derwegen dieſelbigen in den Wirthshaͤuſern vñ Schlampodien laben vnd erkuͤlen/ alſo thuns auch an vilen orten jre Weiber/ ſauffen ſich nebẽ jren Maͤñern in offentlichen Wirtshaͤuſern auff den Hochzeiten vñ Gaſtereyen ſticken vñ wicken voñ/ vnd haben nit allein das erſte geſchwetz vnd geſchrey/ ſonder ſeind auch die erſten in allen Schuͤßln/ Kanten vnd Glaͤſern/ doll vñ voll/ ehe vnd beuoꝛ die Maͤñer recht anfahẽ zutrincken/ ſingen grobe noten/ oder machen ein ſaubers waſſerbaͤchl vndern Tiſch: ſo gar nemen ſie jre Kinder/ Soͤhn vñ Toͤchter gemeinglich mit ſich:
Wie derentwegen die Deutsche Männer / verstandener Maßen / gemeiniglich durstige Seelen haben und derentwegen dieselbigen in den Wirtshäusern und Schlammpodien laben und erkülen / also Tuns auch an vielen Orten ihre Weiber / saufen sich neben ihren Männern in öffentlichen Wirtshäusern auf den Hochzeiten und Gastereien sticken und Wicken von / und haben nicht allein das erste Geschwätz und Geschrei / sonder sind auch die ersten in allen Schüsseln / Kanten und Gläsern / doll und voll / ehe und bevor die Männer recht ansahen zutrinken / singen grobe Noten / oder machen ein sauberes wasserbächl unteren Tisch: so gar nehmen sie ihre Kinder / Söhn und Töchter gemeiniglich mit sich:
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5.4856
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Weil derwegen die Weiber ohne das von natur ſchwach vnnd bawfaͤllig ſeindt/ ſo werden jhre Leiber durch ſolche voͤllerey deſto leichter fail vnnd frey:
Weil derentwegen die Weiber ohne das von Natur schwach und baufällig sind / so werden ihre Leiber durch solche Völlerei desto leichter feil und frei:
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