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JWT_2019100176_20200420L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019100176.L00
Ra 2019/10/0176
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019100176_20200420L00/JWT_2019100176_20200420L00.html
1,587,340,800,000
1,524
Spruch Die Revision wird zurückgewiesen. Begründung 1 Mit Spruchpunkt I.2. des Bescheides der Amtsrevisionswerberin (in der Folge: Landesregierung) vom 24. August 2018 wurde dem Mitbeteiligten gemäß § 35 Abs. 2 iVm § 20 Abs. 4 und 5 NÖ Naturschutzgesetz 2000, LGBl. 5500 (NÖ NSchG 2000) zur Sicherung des auf dem Grundstück Nr. 363, KG S, nachgewiesenen Lebensraumes des Raubwürgers die Umsetzung folgender Ausgleichsmaßnahmen aufgetragen: "Erweiterung des bestehenden Gehölzstreifens auf Grundstück Nr. 374 bzw eine Anlage eines Gehölzbereiches im Norden von Grundstück Nr. 322." 2 Begründend führte die Landesregierung aus, der Naturschutzbehörde sei im Wege der NÖ Umweltanwaltschaft bekannt geworden, dass auf dem Grundstück Nr. 363, KG S, ein für den artenschutzrechtlich besonders geschützten Raubwürger bedeutendes Feldgehölz entfernt worden sei. Laut Gutachten des Amtssachverständigen handle es sich bei der betroffenen Gehölzformation um einen geeigneten Brutplatz, der den Anforderungen der genannten Vogelart entspreche. Die Rodung der Gehölzformation sei als Beeinträchtigung und Störung des Bestandes des Raubwürgers anzusehen. Eine Rodungsbewilligung der Bezirkshauptmannschaft liege vor. Am 10. Jänner 2018 sei von der Landesregierung zum Zweck der Erhebung, ob bzw. welche Ausgleichsmaßnahmen zur Sicherung des Lebensraumes des Raubwürgers im gegenständlichen Bereich vorzusehen seien, eine Verhandlung vor Ort durchgeführt worden. Dabei sei vom Mitbeteiligten (als Grundstückseigentümer) u.a. eine Erweiterung des bestehenden Gehölzstreifens auf Grundstück Nr. 374 bzw. die Anlage eines Gehölzbereichs auf Grundstück Nr. 322 angegeben worden. Der Amtssachverständige für Naturschutz habe die Durchführung dieser Maßnahmen für den Lebensraum und den Bestand des Raubwürgers als positiv erachtet. Da in weiterer Folge der Mitbeteiligte - trotz mehrfacher Aufforderung durch die Landesregierung - die konkrete Beschreibung und Darstellung der zugesagten Maßnahmen nicht übermittelt habe, seien die im Spruch genannten Vorkehrungen bescheidmäßig vorzuschreiben gewesen. 3 Dagegen erhob der Mitbeteiligte Beschwerde. 4 Mit dem angefochtenen Erkenntnis gab das Landesverwaltungsgericht Niederösterreich (LVwG) der Beschwerde Folge und hob Spruchpunkt I.2. des angefochtenen Bescheides gemäß § 28 Abs. 1 VwGVG auf. Weiters sprach das LVwG aus, dass die Revision an den Verwaltungsgerichtshof gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zulässig sei. 5 Begründend führte das LVwG aus, dass für die Vorschreibung der genannten Kompensationsmaßnahmen gemäß § 24 Abs. 1 iVm § 35 Abs. 2 NÖ NSchG 2000 die Bezirkshauptmannschaft zuständig sei. 6 Für die Erteilung einer Ausnahmegenehmigung nach § 20 Abs. 4 und 5 NÖ NSchG 2000 wäre die Landesregierung zuständig gewesen; mit dem angefochtenen Bescheid sei jedoch keine Ausnahmebewilligung erteilt sondern seien lediglich Ausgleichsmaßnahmen nach § 35 Abs. 2 leg. cit. vorgeschrieben worden. 7 Die gegenständlichen Grundstücke würden auch weder in einem Naturschutzgebiet noch in einem Nationalpark liegen, weshalb sich die Zuständigkeit der Landesregierung auch nicht aus § 24 Abs. 1 zweiter Satz NÖ NSchG 2000 ergebe. 8 Die Unzuständigkeit der Landesregierung sei im Beschwerdeverfahren vom LVwG von Amts wegen wahrzunehmen gewesen, weshalb der Bescheid im angefochtenen Umfang aufzuheben gewesen sei. 9 Nach Art. 133 Abs. 4 B-VG ist gegen ein Erkenntnis des Verwaltungsgerichtes die Revision zulässig, wenn sie von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, insbesondere weil das Erkenntnis von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abweicht, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes nicht einheitlich beantwortet wird. 10 Nach § 34 Abs. 1 VwGG sind Revisionen, die sich wegen Nichtvorliegens der Voraussetzungen des Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zur Behandlung eignen, ohne weiteres Verfahren in nichtöffentlicher Sitzung mit Beschluss zurückzuweisen. 11 Nach § 34 Abs. 1a VwGG ist der Verwaltungsgerichtshof bei der Beurteilung der Zulässigkeit der Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG an den Ausspruch des Verwaltungsgerichtes gemäß § 25a Abs. 1 VwGG nicht gebunden. Die Zulässigkeit einer außerordentlichen Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG hat der Verwaltungsgerichtshof im Rahmen der dafür in der Revision vorgebrachten Gründe (§ 28 Abs. 3 VwGG) zu überprüfen. 12 Die Landesregierung bringt in der Zulässigkeitsbegründung der vorliegenden Amtsrevision vor, nach der ständigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes werde mit der Einsetzung einer Behörde für die Erteilung von Bewilligungen im Sinne einer Annexzuständigkeit auch die Zuständigkeit zur Erlassung der entsprechenden verwaltungspolizeilichen Aufträge erteilt. Von dieser - näher zitierten, zum Wasserrechtsgesetz (WRG 1959) ergangenen - Rechtsprechung sei das LVwG abgewichen. Im Revisionsfall ergebe sich als Annex aus der Zuständigkeit der Landesregierung zur Führung von Bewilligungsverfahren gemäß § 20 Abs. 4 NÖ NSchG 2000 auch deren Zuständigkeit zur Erteilung naturschutzpolizeilicher Aufträge nach § 35 NÖ NSchG 2000. Es fehle Rechtsprechung zur "Frage der Annexzuständigkeit im Rahmen von Aufträgen aufgrund von Zuwiderhandlungen gegen das Gesetz im Zusammenhang mit Naturschutzverfahren". 13 In dem vom Verwaltungsgerichtshof durchgeführten Vorverfahren erstattete der Mitbeteiligte keine Revisionsbeantwortung. 14 Die Revision ist unzulässig. 15 Die maßgeblichen Bestimmungen des NÖ NSchG 2000 lauten (auszugsweise): "Abschnitt III Besondere Schutzbestimmungen ... § 18 Artenschutz 1. (1)Die Vorschriften zum Artenschutz dienen dem Schutz und der Pflege der wildlebenden Tier- und Pflanzenarten in ihrer natürlichen und historisch gewachsenen Vielfalt. Der Artenschutz umfasst 1. den Schutz der Tiere und Pflanzen und ihrer Lebensgemeinschaften vor Beeinträchtigungen durch den Menschen, insbesondere durch den menschlichen Zugriff, 2. den Schutz, die Pflege, die Entwicklung und die Wiederherstellung der Lebensräume wildlebender Tier- und Pflanzenarten sowie die Gewährleistung ihrer sonstigen Lebensbedingungen und 3. die Ansiedlung von Tieren und Pflanzen verdrängter wildlebender Arten in geeigneten Biotopen innerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebietes. 1. (2)... ... § 20 Ausnahmebewilligungen ... 1. (4)Durch Bescheid kann die Landesregierung Ausnahmen von den Vorschriften nach § 18 gestatten, sofern es keine anderweitige zufrieden stellende Lösung gibt und unter der Bedingung, dass die Populationen der betroffenen Art in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet trotz der Ausnahmegenehmigung ohne Beeinträchtigung in einem günstigen Erhaltungszustand verweilen. In der Bewilligung ist festzulegen, 1. 1. für welche Arten die Ausnahme gilt, 2. 2. die zugelassenen Fang- oder Tötungsmittel, -einrichtungen und -methoden und 3. welche Kontrollen vorzunehmen sind. 2. (5)Eine Bewilligung gemäß Abs. 4 darf nur erteilt werden, 1. zum Schutz der wildlebenden Tiere und Pflanzen und zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume; 2. zur Verhütung ernster Schäden insbesondere an Kulturen und in der Tierhaltung sowie an Wäldern, Fischgründen und Gewässern sowie an sonstigen Formen von Eigentum; 3. im Interesse der Volksgesundheit und der öffentlichen Sicherheit oder aus anderen zwingenden Gründen des öffentlichen Interesses, ... 4. zu Zwecken der Forschung und des Unterrichts, der Bestandsauffüllung und Wiederansiedlung ... 5. um unter strenger Kontrolle, selektiv und in beschränktem Ausmaß die Entnahme oder Haltung einer begrenzten Anzahl von Exemplaren bestimmter Tier- und Pflanzenarten zu erlauben. ... Abschnitt V Organisation § 24 Behörden 1. (1)Naturschutzbehörde ist, soweit nicht die Zuständigkeit der Landesregierung oder der Gemeinde gegeben ist, die örtlich zuständige Bezirksverwaltungsbehörde. Für Vorhaben, die ganz oder teilweise in Naturschutzgebieten (§ 11) oder in Nationalparks gemäß § 3 Abs. 2 des NÖ Nationalparkgesetzes, LGBl. 5505, liegen, ist die Landesregierung auch bei Verfahren gemäß den §§ 7, 8, 10, 12 Abs. 4 und 35 zuständig. ... Abschnitt VII Besondere Maßnahmen und Strafbestimmungen § 35 Besondere Maßnahmen 1. (1)... 2. (2)Unabhängig von einer Bestrafung nach § 36 sind Personen, die den Bestimmungen dieses Gesetzes oder aufgrund dieses Gesetzes erlassenen Verordnungen oder Entscheidungen zuwidergehandelt haben, von der Behörde zu verpflichten, den früheren Zustand wieder herzustellen oder, wenn dies nicht möglich ist, den geschaffenen Zustand den Interessen des Naturschutzes bestentsprechend abzuändern. Zu diesem Zweck kann die Behörde auch die Setzung angemessener Kompensationsmaßnahmen oder die Verpflichtung zur Erstellung eines Sanierungsplanes vorschreiben; dieser Plan ist der Behörde zur Bewilligung vorzulegen. ..." 16 Die von der Revision zitierte Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes bezieht sich auf Entscheidungen, wonach die Zuständigkeit zur Erlassung wasserpolizeilicher Aufträge ein Annex zur Bewilligungszuständigkeit und die Bewilligungsbehörde auch zur Erlassung wasserpolizeilicher Aufträge zuständig ist (vgl. VwGH 10.8.2000, 2000/07/0031, mit Hinweis auf VwGH 14.5.1997, 96/07/0216). Dieser Rechtsauffassung liegt jedoch zu Grunde, dass es für wasserpolizeiliche Aufträge an einer ausdrücklichen gesetzlichen Zuständigkeitsvorschrift mangelt (vgl. das - ebenfalls von der Revision zitierte - Erkenntnis VwGH 18.2.1999, 99/07/0007, mwN). Im - weiters erwähnten - Erkenntnis VwGH 13.10.2011, 2009/07/0035, wurde darauf hingewiesen, dass die Zuständigkeit des Landeshauptmannes in den in § 99 Abs. 1 WRG 1959 aufgezählten Angelegenheiten umfassend und nicht auf Bewilligungen beschränkt sei; sie umfasse insbesondere auch die Annex- und Folgeverfahren, wie z.B. ein Verfahren zur Feststellung des Erlöschens eines Wasserbenutzungsrechtes nach §§ 27 und 29 WRG 1959. 17 Entgegen dem Zulässigkeitsvorbringen in der Revision liegt ein Abweichen von dieser Rechtsprechung gegenständlich nicht vor, weil diese Rechtsprechung auf die im Revisionsfall maßgebliche Rechtslage nach dem NÖ NSchG 2000 nicht übertragbar ist. 18 In § 24 Abs. 1 erster Satz NÖ NSchG 2000 ist die sachliche Zuständigkeit der (örtlich zuständigen) Bezirksverwaltungsbehörde - im Sinne einer Generalklausel - für alle Angelegenheiten festgelegt, für die nicht (ausdrücklich) die Zuständigkeit der Landesregierung oder der Gemeinde gegeben ist. Weitere Ausnahmen zugunsten der Zuständigkeit der Landesregierung sind im zweiten Satz leg. cit. normiert. 19 Gemäß § 20 Abs. 4 (iVm § 24 Abs. 1 erster Satz) NÖ NSchG 200 0 ist die Landesregierung zur Erteilung von Ausnahmebewilligungen in den in Abs. 5 taxativ aufgezählten Fällen zuständig. 20 Die Zuständigkeit der Bezirksverwaltungsbehörde zur Vorschreibung der im Revisionsfall in Rede stehenden Kompensationsmaßnahmen ergibt sich hingegen aus § 35 Abs. 2 (zweiter Satz) iVm § 24 Abs. 1 erster Satz NÖ NSchG 2000. Die Zuständigkeit der Landesregierung zur Erlassung von Bescheiden nach § 35 NÖ NSchG 2000 - und sohin auch zur Vorschreibung von Kompensationsmaßnahmen - ist gemäß § 24 Abs. 1 zweiter Satz NÖ NSchG 2000 auf in Naturschutzgebieten und Nationalparks gelegene Vorhaben beschränkt. 21 Die dargestellte Rechtslage nach dem NÖ NSchG 2000 unterscheidet sich demnach grundlegend von jener nach dem WRG 1959: Weder mangelt es an ausdrücklichen Zuständigkeitsvorschriften (für die Erlassung der in § 35 normierten Maßnahmen), noch ist die Zuständigkeit der Landesregierung eine "umfassende". 22 Die im NÖ NSchG 2000 grundgelegte Zuständigkeitsverteilung steht somit der von der Revision behaupteten "Annexzuständigkeit" der Landesregierung entgegen. Zuständig zur Erteilung von Kompensationsaufträgen gemäß § 35 Abs. 2 (außerhalb von Naturschutzgebieten und Nationalparks) ist nach den klaren Bestimmungen des NÖ NSchG 2000 vielmehr die Bezirksverwaltungsbehörde (und zwar unabhängig davon, ob bei der Landesregierung ein Bewilligungsverfahren nach § 20 Abs. 4 stattgefunden hat oder ein solches - wie im Revisionsfall - gar nicht geführt wurde). 23 Diese Auffassung steht schließlich auch im Einklang mit der bisherigen - zur Rechtslage vor Inkrafttreten der Verwaltungsgerichtsbarkeits-Novelle 2012 ergangenen - Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes zu § 35 Abs. 2 NÖ NSchG 2000, welcher die Annahme der Zuständigkeit der Landesregierung als Berufungsbehörde in den dort geregelten Angelegenheiten zu Grunde lag (vgl. VwGH 27.11.2012, 2009/10/0259; 17.12.2014, 2013/10/0279, 0280). 24 Da die Rechtslage nach den in Betracht kommenden Normen klar und eindeutig ist, wirft die Revision keine Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung iSd Art. 133 Abs. 4 B-VG auf (vgl. etwa VwGH 20.12.2019, Ra 2019/10/0124, mwN). 25 Die Revision war daher zurückzuweisen. Wien, am 20. April 2020
JWT_2019100180_20200330L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019100180.L00
Ra 2019/10/0180
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019100180_20200330L00/JWT_2019100180_20200330L00.html
1,585,526,400,000
974
Spruch Die Revisionen werden zurückgewiesen. Das Land Tirol hat der mitbeteiligten Partei Aufwendungen in der Höhe von jeweils EUR 1.106,40 binnen zwei Wochen bei sonstiger Exekution zu ersetzen. Begründung 1 Mit den angefochtenen Erkenntnissen des Landesverwaltungsgerichtes Tirol wurden dem Mitbeteiligten - in (teilweiser) Abänderung von Bescheiden der Bezirkshauptmannschaft Reutte (der nunmehrigen Amtsrevisionswerberin) - für näher genannte Zeiträume zwischen März 2016 und Dezember 2018 Mindestsicherungsleistungen in näher genannter Höhe zuerkannt. Weiters wurde gemäß § 25a Abs. 1 VwGG ausgesprochen, dass die Revision an den Verwaltungsgerichtshof nach Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zulässig sei. 2 Gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG ist gegen ein Erkenntnis des Verwaltungsgerichtes die Revision zulässig, wenn sie von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, insbesondere weil das Erkenntnis von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abweicht, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes nicht einheitlich beantwortet wird. 3 Nach § 34 Abs. 1 VwGG sind Revisionen, die sich wegen Nichtvorliegens der Voraussetzungen des Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zur Behandlung eignen, ohne weiteres Verfahren in nichtöffentlicher Sitzung mit Beschluss zurückzuweisen. 4 Nach § 34 Abs. 1a VwGG ist der Verwaltungsgerichtshof bei der Beurteilung der Zulässigkeit der Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG an den Ausspruch des Verwaltungsgerichtes gemäß § 25a Abs. 1 VwGG nicht gebunden. Die Zulässigkeit einer außerordentlichen Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG hat der Verwaltungsgerichtshof im Rahmen der dafür in der Revision vorgebrachten Gründe (§ 28 Abs. 3 VwGG) zu überprüfen. 5 Nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes muss sich die Rechtsfrage grundsätzlicher Bedeutung, die nach Ansicht des Revisionswerbers die Zulässigkeit der Revision begründet, aus der gesonderten Darstellung der Zulässigkeitsgründe ergeben. Der Verwaltungsgerichtshof überprüft die Zulässigkeit einer außerordentlichen Revision iSd Art. 133 Abs. 4 B-VG sohin (nur) im Rahmen der dafür in der Revision gesondert vorgebrachten Gründe (vgl. VwGH 26.9.2019, Ra 2018/10/0074, mwN). Der Verwaltungsgerichtshof ist weder verpflichtet, Gründe für die Zulässigkeit einer Revision anhand der übrigen Revisionsausführungen gleichsam zu suchen, noch berechtigt, von Amts wegen erkannte Gründe, die zur Zulässigkeit der Revision hätten führen können, aufzugreifen (vgl. VwGH 21.11.2019, Ro 2018/10/0022, mwN). 6 In den vorliegenden, zu Ra 2019/10/0180 bis 0182 protokollierten außerordentlichen Revisionen wird in der Zulässigkeitsbegründung Folgendes geltend gemacht: "Der Verwaltungsgerichtshof hat in dieser Angelegenheit bereits in seiner Entscheidung vom 08. August 2018, Zl. Ra 2017/10/0202-8 die außerordentliche Revision zugelassen. Sowohl inhaltlich als auch rechtlich handelt es sich um dieselben abzuklärenden Fragestellungen, für die es keine gesicherte Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes gibt. In der für die Bestimmung des Ausmaßes der Mindestsicherung entscheidungswesentlichen Fragestellung der Anrechnung von Pflegegeld hat das Verwaltungsgericht nach wie vor unrichtig entschieden bzw. deren exakte Bemessung ohne ausreichende Begründung unterlassen. Zudem trifft das Verwaltungsgericht in seiner Entscheidung sowohl eine unrichtige Feststellung über die Anrechnung der erhöhten Familienbeihilfe als auch über die Höhe des Existenzminimums. Durch diese falsche Anwendung kommt es zu einer gänzlich unrichtigen Bestimmung des Ausmaßes der Mindestsicherung." 7 In der zu Ra 2019/10/0187 protokollierten Revision wird ein gleichlautendes Zulässigkeitsvorbringen erstattet, wobei dort der letzte Absatz der wiedergegebenen Passage wie folgt lautet: "Zudem trifft das Verwaltungsgericht in seiner Entscheidung sowohl eine unrichtige Feststellung über die Höhe des tatsächlich zur Verfügung stehenden Einkommens der Eltern des Beschwerdeführers (gemeint: Mitbeteiligten) als auch über die Höhe des Existenzminimums. Durch diese falschen Feststellungen kommt es zu einer gänzlich unrichtigen Bestimmung des Ausmaßes der Mindestsicherung." 8 Mit diesem Vorbringen wird allerdings weder aufgezeigt, dass und aus welchen Gründen nach Ansicht der Amtsrevisionswerberin das Verwaltungsgericht von der im hg. Erkenntnis Ra 2017/10/0202 dargelegten (und in jenem Verfahren, das mit dem zu Ra 2019/10/182 angefochtenen Erkenntnis des Verwaltungsgerichtes entschieden wurde, im Grunde des § 63 Abs. 1 VwGG überbundenen) Rechtsanschauung des Verwaltungsgerichtshofes abgewichen ist, noch wird dargelegt, welche Rechtsfrage der Verwaltungsgerichtshof in den vorliegenden Revisionsfällen erstmals zu lösen hätte. Mit dem bloßen Verweis darauf, es handle sich "um dieselben abzuklärenden Fragestellungen, für die es keine gesicherte Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes" gebe, wird jedenfalls nicht aufgezeigt, welche für das Schicksal der Revision maßgebliche Rechtsfrage vom Verwaltungsgerichtshof nunmehr zu lösen wäre. 9 Soweit mit dem wiedergegebenen Zulässigkeitsvorbringen unrichtige Feststellungen des Verwaltungsgerichtes bzw. eine mangelhafte Begründung gerügt werden, kann damit schon mangels jeglicher näherer diesbezüglicher Darlegungen eine grundsätzliche Rechtsfrage nicht aufgezeigt werden. Nach ständiger Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes setzt die Zulässigkeit der Revision neben einem eine grundsätzliche Rechtsfrage im Sinne des Art. 133 Abs. 4 B-VG aufwerfenden Verfahrensmangel zudem voraus, dass die Revision von der Lösung dieser geltend gemachten Rechtsfrage abhängt. Davon kann im Zusammenhang mit einem Verfahrensmangel aber nur dann ausgegangen werden, wenn auch die Relevanz des Mangels für den Verfahrensausgang dargetan wird, das heißt, dass dieser abstrakt geeignet sein muss, im Falle eines mangelfreien Verfahrens zu einer anderen Sachverhaltsgrundlage zu führen (vgl. VwGH 28.5.2019, Ro 2019/10/0002, mwN). Mit dem wiedergegebenen Zulässigkeitsvorbringen wird Derartiges allerdings nicht aufgezeigt. 10 In der Zulässigkeitsbegründung der zu Ra 2019/10/0180 protokollierten Revision wird im Weiteren Folgendes geltend gemacht: "Eine wesentliche Fehlentscheidung, die der ständigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes zu Entscheidungen der Mindestsicherung widerspricht, trifft das Verwaltungsgericht in dem es Leistungen der Mindestsicherung ohne explizite Antragstellung zuspricht bzw. in dem es Leistungen der Mindestsicherung rückwirkend gewährt." 11 Zu diesem Vorbringen ist darauf hinzuweisen, dass eine wesentliche Rechtsfrage gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG nur dann vorliegt, wenn die Beurteilung der Entscheidung des Verwaltungsgerichtes von der Lösung dieser Rechtsfrage "abhängt". Dies ist dann der Fall, wenn das rechtliche Schicksal der Revision von der behaupteten Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung abhängt. In der Revision muss daher gemäß § 28 Abs. 3 VwGG konkret dargetan werden, warum das rechtliche Schicksal der Revision von der behaupteten Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung abhängt (vgl. VwGH 22.10.2019, Ra 2018/10/0166, mwN). 12 Mit dem wiedergegebenen Zulässigkeitsvorbringen wird Derartiges aber schon deshalb nicht aufgezeigt, weil das Verwaltungsgericht seine Entscheidung ausdrücklich darauf stützt, dass die nunmehrige Amtsrevisionswerberin als belangte Behörde im Verfahren vor dem Verwaltungsgericht aus näher dargelegten Gründen "verhalten gewesen wäre, iSd § 1 Abs. 3 TMSG von Amts wegen über den ... Zeitraum 1.2.2017 bis 31.10.2017 abzusprechen". Da das Verwaltungsgericht demnach von einer aufgrund des Bekanntwerdens von Umständen, die eine Hilfeleistung erfordern, von Amts wegen zu gewährenden Mindestsicherungsleistung im Sinne des § 1 Abs. 3 zweiter Fall Tiroler Mindestsicherungsgesetz ausgeht - zu der das Zulässigkeitsvorbringen der vorliegenden Revision keinerlei Ausführungen enthält -, wird nicht dargelegt, warum das Schicksal der Revision von den mit dem oben wiedergegebenen Vorbringen angesprochenen Fragen abhängen sollte. 13 In den Revisionen werden somit keine Rechtsfragen aufgeworfen, denen im Sinne des Art. 133 Abs. 4 B-VG grundsätzliche Bedeutung zukäme. Die Revisionen waren daher zurückzuweisen. Wien, am 30. März 2020
JWT_2019100183_20200615L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019100183.L00
Ra 2019/10/0183
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019100183_20200615L00/JWT_2019100183_20200615L00.html
1,592,179,200,000
2,045
Spruch Das angefochtene Erkenntnis wird wegen Rechtswidrigkeit des Inhaltes aufgehoben. Die Wirtschaftsuniversität Wien hat dem Revisionswerber Aufwendungen in der Höhe von € 1.346,40 binnen zwei Wochen bei sonstiger Exekution zu ersetzen. Begründung I. 1 1. Mit als „Bescheid“ bezeichneter Erledigung vom 10. Oktober 2018 wurde der Antrag des Revisionswerbers vom 10. Juli 2018 auf Zulassung zum Doktoratsstudium Wirtschaftsrecht gemäß § 13 Abs. 3 AVG zurückgewiesen. 2 Diese Erledigung lautete auszugsweise: „BESCHEID Das Rektorat der Wirtschaftsuniversität Wien hat am 10. Oktober 2018 über Ihren Antrag auf Zulassung zum Doktoratsstudium Wirtschaftsrecht an der Wirtschaftsuniversität Wien vom 10. Juli 2018 entschieden: SPRUCH Gemäß § 13 Abs. 3 AVG wird Ihr Antrag zurückgewiesen. BEGRÜNDUNG [...] Trotz ausdrücklicher Aufforderung, die Betreuungszusage [Anm.: der Hauptbetreuerin oder des Hauptbetreuers für die Dissertation] vorzulegen, ist bis dato die geforderte Zusage nicht bei der Wirtschaftsuniversität Wien eingelangt. Sie sind dem Verbesserungsauftrag daher nicht nachgekommen. Gemäß § 13 Abs. 3 AVG ist ein Antrag nach fruchtlosem Ablauf der von der Behörde zur Behebung des Mangels gesetzten Frist zurückzuweisen. Da die oben genannte Frist ungenützt verstrichen ist, war spruchgemäß zu entscheiden. Die Vizerektorin für Lehre und Studierende [...]“ 3 2. Mit dem angefochtenen Erkenntnis vom 23. September 2019 wies das Verwaltungsgericht die dagegen erhobene Beschwerde des Revisionswerbers als unbegründet ab. Die Revision ließ das Verwaltungsgericht unter Hinweis auf die verba legalia des Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zu. 4 Begründend führte das Verwaltungsgericht im Kern aus, für den Antrag über die Zulassung zum Studium sei gemäß § 60 Abs. 1 iVm § 22 Abs. 1 Z 8 Universitätsgesetz 2002 - UG das Rektorat zuständig. Diese gesetzlich normierte Zuständigkeit lasse sich nicht durch Verordnung abändern, nur die interne Aufgabenverteilung und Vertretungsbefugnis ließen sich durch Verordnung im Sinne des § 22 Abs. 6 UG aufteilen. 5 Gemäß § 8 Abs. 1 Z 2 der Geschäftsordnung des Rektorats der Wirtschaftsuniversität Wien (im Folgenden: Geschäftsordnung) sei die Vizerektorin für Lehre und Studierende für die Aufnahme der Studierenden zuständig und habe dies gemäß Abs. 3 leg. cit. durch die Fertigungsklausel im Bescheid auch kenntlich gemacht. An der gesetzlichen Zuständigkeit des Rektorats ändere sich dadurch nichts. Der Beschwerdevorwurf der Unzuständigkeit (des Rektorats) gehe somit ins Leere. 6 Die Satzung der Wirtschaftsuniversität Wien (im Folgenden: Satzung) normiere in § 34 Abs. 1 (gemeint: § 34 Abs. 2), dass zum Zeitpunkt der Zulassung eine Betreuungszusage vorzuliegen habe. In Hinblick auf § 19 Abs. 1 UG bestünden für das Verwaltungsgericht keinerlei Zweifel, dass der Senat der Wirtschaftsuniversität berechtigt sei, eine solche „Ordnungsvorschrift“ zu erlassen (Hinweis auf VwGH 27.3.2019, Ro 2017/10/0004). Eine Betreuungszusage sei im hier relevanten Zeitpunkt nicht vorgelegen, weshalb zu Recht ein Verbesserungsauftrag erteilt und der Antrag des Revisionswerbers nach fruchtlosem Verstreichen der Mängelbehebungsfrist zurückgewiesen worden sei. 7 3. Gegen dieses Erkenntnis erhob der Revisionswerber Beschwerde an den Verfassungsgerichtshof, der deren Behandlung mit Beschluss vom 11. Dezember 2019, E 4079/2019-5, ablehnte und (soweit für den Revisionsfall relevant) ausführte, dass - soweit die Beschwerde insofern verfassungsrechtliche Fragen berühre, als die Rechtswidrigkeit der die angefochtene Entscheidung tragenden Rechtsvorschriften behauptet werde - ihr Vorbringen vor dem Hintergrund des § 19 Abs. 1 (Hinweis auf VwGH Ro 2017/10/0004) und Abs. 2 Z 4 UG die behauptete Rechtsverletzung, die Verletzung in einem anderen verfassungsgesetzlich gewährleisteten Recht oder die Verletzung in einem sonstigen Recht wegen Anwendung einer gesetzeswidrigen Verordnung als so wenig wahrscheinlich erkennen lasse, dass die Beschwerde keine hinreichende Aussicht auf Erfolg habe. 8 4. Parallel dazu erhob der Revisionswerber die vorliegende außerordentliche Revision, die das Verwaltungsgericht samt den Akten des Verfahrens vorgelegt hat. 9 Die belangte Behörde brachte eine Revisionsbeantwortung ein. II. Der Verwaltungsgerichtshof hat erwogen: 10 1.1. Die maßgeblichen Bestimmungen des Universitätsgesetzes 2002 - UG, BGBl. I Nr. 120/2002 in der hier in den Blick zu nehmenden Fassung BGBl. I Nr. 56/2018, lauten: „Satzung § 19. (1) Jede Universität erlässt durch Verordnung (Satzung) die erforderlichen Ordnungsvorschriften im Rahmen der Gesetze und Verordnungen selbst. Die Satzung ist vom Senat auf Vorschlag des Rektorats mit einfacher Mehrheit zu beschließen und zu ändern. (2) In der Satzung sind insbesondere folgende Angelegenheiten zu regeln: [...] 4. studienrechtliche Bestimmungen nach Maßgabe des II. Teils dieses Bundesgesetzes; [...] Rektorat § 22. (1) Das Rektorat leitet die Universität und vertritt diese nach außen. Es hat alle Aufgaben wahrzunehmen, die durch dieses Bundesgesetz nicht einem anderen Organ zugewiesen sind. Zu seinen Aufgaben zählen insbesondere: [...] 8. Aufnahme der Studierenden; [...] (6) Das Rektorat hat eine Geschäftsordnung zu erlassen, die der Genehmigung des Universitätsrats bedarf und im Mitteilungsblatt zu verlautbaren ist. In der Geschäftsordnung ist festzulegen, welche Agenden gemäß Abs. 1 den einzelnen Mitgliedern des Rektorats allein zukommen, welche Agenden von zwei Mitgliedern des Rektorats und welche von allen Mitgliedern gemeinsam wahrzunehmen sind. Entscheidungen in wirtschaftlichen Angelegenheiten sind jedenfalls von mindestens zwei Mitgliedern des Rektorats zu treffen. In der Geschäftsordnung ist auch die Vertretungsbefugnis festzulegen. [...] Zulassung zum Studium § 60. (1) Das Rektorat hat Personen, welche die Zulassungsvoraussetzungen erfüllen, auf Grund ihres Antrages mit Bescheid zum jeweiligen Studium zuzulassen. [...]“ 11 1.2. Die Geschäftsordnung des Rektorats der Wirtschaftsuniversität Wien - GeschäftsordnungidF Mitteilungsblatt 43. Stück, Nr. 221, vom 19. Juli 2017 lautet auszugsweise: „Rektorat § 3 (1) Folgende Angelegenheiten entscheiden alle Mitglieder des Rektorats gemeinsam: 1. Aufgaben gemäß § 22 Abs 1 UG sowie alle sonstigen im UG ausdrücklich dem Rektorat zugewiesenen Aufgaben (siehe Anhang), soweit sie nicht durch diese Geschäftsordnung direkt einem Mitglied des Rektorats zugeordnet werden [...] Vizerektorin/Vizerektor für Lehre und Studierende § 8 Der Vizerektorin/dem Vizerektor für Lehre und Studierende kommen folgende Angelegenheiten allein zu: (1) ressortspezifische Angelegenheiten: [...] 2. Aufnahme der Studierenden gemäß § 22 Abs. 1 Z 8 UG [...] (3) Die Fertigung bei Bescheiderlassung in Angelegenheiten gemäß Abs 1 und Abs 2 erfolgt mit „Die Vizerektorin/Der Vizerektor für Lehre und Studierende“ oder „Für die Vizerektorin/den Vizerektor für Lehre und Studierende“. 12 1.3. § 34 der Satzung der Wirtschaftsuniversität Wien - Satzung idF Mitteilungsblatt 10. Stück, Nr. 45, vom 6. Dezember 2017 bestimmt auszugsweise: „Dissertationen § 34. [...] (2) Die oder der Studierende wird bei der Dissertation von einem von der Vizerektorin oder dem Vizerektor für Lehre bestellten Team, bestehend aus mindestens drei Personen mit Lehrbefugnis, begleitet (Betreuungsteam). Die Studierenden sind berechtigt, ihre Hauptbetreuerin oder ihren Hauptbetreuer nach Maßgabe der Möglichkeiten auszuwählen. Zur Sicherung der Qualität der an der Wirtschaftsuniversität Wien angebotenen Doktoratsstudien hat zum Zeitpunkt der Zulassung zum Doktoratsstudium eine vorläufige Betreuungszusage der Hauptbetreuerin oder des Hauptbetreuers für die Dissertation vorzuliegen. Zwischen der oder dem Studierenden und der Hauptbetreuerin oder dem Hauptbetreuer ist eine Dissertationsvereinbarung samt Zeit- und Arbeitsplan abzuschließen. Bis zur Einreichung der Dissertation ist ein Wechsel im Betreuungsteam sowie eine Themenänderung zulässig. Die oder der Studierende hat innerhalb des ersten Jahres nach der Zulassung ein Exposé (zB Research Proposal) einzureichen, das vom Betreuungsteam zu beurteilen ist. Das Dissertationsvorhaben ist öffentlich in einer (Lehr)Veranstaltung zu präsentieren. [...] (10) Die Absätze 1 bis 9 gehen den Regelungen in den Curricula vor.“ 13 1.4. §§ 13 Abs. 3 und 18 Abs. 4 AVG haben auszugsweise folgenden Wortlaut: „Anbringen § 13. [...] (3) Mängel schriftlicher Anbringen ermächtigen die Behörde nicht zur Zurückweisung. Die Behörde hat vielmehr von Amts wegen unverzüglich deren Behebung zu veranlassen und kann dem Einschreiter die Behebung des Mangels innerhalb einer angemessenen Frist mit der Wirkung auftragen, dass das Anbringen nach fruchtlosem Ablauf dieser Frist zurückgewiesen wird. Wird der Mangel rechtzeitig behoben, so gilt das Anbringen als ursprünglich richtig eingebracht. [...] Erledigungen § 18. [...] (4) Jede schriftliche Ausfertigung hat die Bezeichnung der Behörde, das Datum der Genehmigung und den Namen des Genehmigenden zu enthalten. Ausfertigungen in Form von elektronischen Dokumenten müssen mit einer Amtssignatur (§ 19 E-GovG) versehen sein; Ausfertigungen in Form von Ausdrucken von mit einer Amtssignatur versehenen elektronischen Dokumenten oder von Kopien solcher Ausdrucke brauchen keine weiteren Voraussetzungen zu erfüllen. Sonstige Ausfertigungen haben die Unterschrift des Genehmigenden zu enthalten [...].“ 14 2.1. In den Zulässigkeitsausführungen bringt der Revisionswerber vor, die „Aufnahme der Studierenden gemäß § 22 Abs. 1 Z 8 UG“ sei ausdrücklich der Vizerektorin für Lehre und Studierende „allein“ zugewiesen (Hinweis auf VwGH 9.12.2013, 2011/10/0179, 0180, VwSlg. 18.745 A). Über den verfahrenseinleitenden Zulassungsantrag habe aber nicht die zuständige Vizerektorin für Lehre und Studierende, sondern das nicht zuständige Rektorat entschieden. 15 Zudem sei nicht objektiv erkennbar, ob die Erledigung vom 10. Oktober 2018 vom Rektorat der Wirtschaftsuniversität oder von der Vizerektorin für Lehre und Studierende stamme, weil die Einleitung des Spruches auf das Rektorat verweise, während die Fertigung durch die Vizerektorin für Lehre und Studierende erfolgt sei. Das Fehlen der Erkennbarkeit der Behörde führe zur absoluten Nichtigkeit der Erledigung. 16 Schließlich bemängelt der Revisionswerber, das angefochtene Erkenntnis weiche von näher genannter hg. Rechtsprechung zu § 13 Abs. 3 AVG ab. 17 2.2. Die Revision ist mit Blick auf ihre Ausführungen zu § 13 Abs. 3 AVG zulässig. Sie ist auch begründet. 18 3. Zur Behauptung der Unzuständigkeit des Rektorats sowie einer mangelnden Bescheidqualität der Erledigung vom 10. Oktober 2018: 19 3.1. Ob eine Erledigung einer bestimmten Behörde bzw. welcher Behörde sie zuzurechnen ist, ist anhand des äußeren Erscheinungsbildes, also insbesondere anhand des Kopfes, des Spruches, der Begründung, der Fertigungsklausel und der Rechtsmittelbelehrung, also nach objektiven Gesichtspunkten zu beurteilen. Die Behörde, der die Erledigung zuzurechnen ist, muss aus der Erledigung selbst hervorgehen (vgl. etwa VwGH 12.12.2017, Ra 2016/05/0065, mwN). 20 Wenn ein möglicher „Widerspruch“ aus dem äußeren Erscheinungsbild der Erledigung selbst ohne Weiteres hinreichend erkennbar ist, kann er in gesetzeskonformer Auslegung aufgelöst werden, indem z.B. aufgrund der in Betracht kommenden Verwaltungsvorschriften eine der angeführten Stellen als Hilfsapparat der gleichfalls in der Erledigung angeführten Behörde gedeutet wird (vgl. etwa VwGH 18.10.2000, 95/12/0367, mwN). 21 3.2. Im vorliegenden Fall deutet der Kopf der Erledigung vom 10. Oktober 2018 auf eine Entscheidung des Rektorats der Wirtschaftsuniversität Wien hin, während die Fertigung durch die Vizerektorin für Lehre und Studierende erfolgt ist. 22 Gemäß § 8 Abs. 1 Z 2 der Geschäftsordnung kommt der Vizerektorin/dem Vizerektor für Lehre und Studierende die Entscheidung in Angelegenheiten der Aufnahme der Studierenden gemäß § 22 Abs. 1 Z 8 UG allein zu. Gemäß § 8 Abs. 3 der Geschäftsordnung erfolgt die Fertigung bei Bescheiderlassung u.a. in Angelegenheiten gemäß Abs. 1 leg. cit. mit „Die Vizerektorin/Der Vizerektor für Lehre und Studierende“ oder „Für die Vizerektorin/den Vizerektor für Lehre und Studierende“. 23 Bei der Entscheidung über die Zulassung des Revisionswerbers zum Doktoratsstudium Wirtschaftsrecht handelt es sich demnach um eine durch die Vizerektorin für Lehre und Studierende allein zu erledigende Angelegenheit (vgl. dazu auch VwGH 2011/10/0179, 0180, zu einer vergleichbaren Geschäftsordnung des Rektorates der Universität Wien). Die Erledigung vom 10. Oktober 2018 wurde dementsprechend auch durch die Vizerektorin für Lehre und Studierende mit der in der Geschäftsordnung dafür vorgesehenen Fertigungsklausel gefertigt. Vor diesem Hintergrund ist der in Rede stehenden Entscheidung die erlassende Behörde - nämlich die für die konkrete Angelegenheit zuständige Vizerektorin für Lehre und Studierende - jedenfalls hinreichend deutlich zu entnehmen. 24 Bei der genannten Erledigung handelt es sich daher - entgegen der in der Revision vertretenen Ansicht- um einen Bescheid der für die Aufnahme der Studierenden und damit für die gegenständliche Angelegenheit zuständigen Vizerektorin für Lehre und Studierende. 25 4. Zum Vorliegen eines Mangels nach § 13 Abs. 3 AVG: 26 4.1. Eine auf § 13 Abs. 3 AVG gestützte Zurückweisung kommt nur bei solchen schriftlichen Anbringen in Frage, die mit Mängeln behaftet sind, also von für die Partei erkennbaren Anforderungen des Materiengesetzes oder des AVG an ein vollständiges, fehlerfreies Anbringen abweichen. Ein solcher Mangel kann auch im Fehlen von Unterlagen gelegen sein, deren Anschluss an eine Eingabe das Gesetz ausdrücklich vorschreibt (vgl. etwa VwGH 25.5.2016, Ro 2016/10/0011, mwN). Dabei spielt es keine Rolle, ob der Anschluss dieser Unterlagen vom Gesetz oder durch eine Verordnung, die in Ausübung einer vom Gesetz eingeräumten Ermächtigung ergangen ist, angeordnet wird (vgl. VwGH 29.4.2010, 2008/21/0302). 27 Existiert eine derartige Anordnung nicht, dann kann die unterlassene Beibringung von Unterlagen, derer die Behörde bedarf und die sie sich nicht selbst beschaffen kann, allenfalls im Rahmen der freien Beweiswürdigung bei der Sachentscheidung Berücksichtigung finden. In einem solchen Fall liegt jedoch kein „Mangel“ im Sinne des § 13 Abs. 3 AVG vor, weshalb weder die Erteilung eines Verbesserungsauftrags noch - nach fruchtlosem Verstreichen der zu Unrecht gesetzten Frist - die Zurückweisung des Anbringens in Frage kommt (vgl. etwa VwGH 23.5.2017, Ra 2017/10/0043, mwN). 28 4.2. Gemäß der hier in den Blick zu nehmenden materiell-rechtlichen Verwaltungsvorschrift des § 34 Abs. 2 dritter Satz der Satzung hat zur Sicherung der Qualität der an der Wirtschaftsuniversität Wien angebotenen Doktoratsstudien zum Zeitpunkt der Zulassung zum Doktoratsstudium eine vorläufige Betreuungszusage der Hauptbetreuerin oder des Hauptbetreuers für die Dissertation vorzuliegen. 29 Schon der Wortlaut dieser Bestimmung lässt eindeutig erkennen, dass es sich bei der in § 34 Abs. 2 der Satzung angesprochenen Betreuungszusage nicht um eine bereits dem Antrag auf Zulassung zum Doktoratsstudium anzuschließende Unterlage handelt. Zum Einen wird darin weder ein Anschluss der Betreuungszusage (bereits) an den verfahrenseinleitenden Antrag auf Zulassung zum Doktoratsstudium normiert noch - auf andere Weise - ein erkennbarer Zusammenhang dieser Zusage mit dem verfahrenseinleitenden Anbringen hergestellt. Zum Anderen ergibt sich dies auch aus der Formulierung, wonach eine Betreuungszusage (erst) „zum Zeitpunkt der Zulassung zum Doktoratsstudium“ vorzuliegen hat. 30 Nach dem Gesagten ging das Verwaltungsgericht somit zu Unrecht von einer Mangelhaftigkeit des Antrags des Revisionswerbers vom 10. Juli 2018 aus. Im Hinblick darauf erweist sich das angefochtene Erkenntnis daher als inhaltlich rechtswidrig. 31 5. Hinsichtlich der Anregung des Revisionswerbers, der Verwaltungsgerichtshof möge beim Verfassungsgerichtshof einen Verordnungsprüfungsantrag gemäß Art. 139 Abs. 1 Z 1 B-VG betreffend § 34 Abs. 2 dritter Satz der Satzung stellen, sei auf den bereits erwähnten Ablehnungsbeschluss des Verfassungsgerichthofes vom 11. Dezember 2019 verwiesen (vgl. dessen Wiedergabe oben unter Rz 7). 32 6. Das angefochtene Erkenntnis war aus den dargelegten Gründen gemäß § 42 Abs. 2 Z 1 VwGG aufzuheben. 33 Von der in der Revision beantragten Verhandlung konnte gemäß § 39 Abs. 2 Z 4 VwGG abgesehen werden. 34 Die Kostenentscheidung stützt sich auf §§ 47 ff VwGG iVm der VwGH-Aufwandersatzverordnung2014. Wien, am 15. Juni 2020
JWT_2019100188_20200609L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019100188.L00
Ra 2019/10/0188
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019100188_20200609L00/JWT_2019100188_20200609L00.html
1,591,660,800,000
1,928
Spruch zu Recht erkannt: Das angefochtene Erkenntnis wird im Umfang der Zuerkennung von Geldleistungen an den Erstmitbeteiligten für den Zeitraum 1. April 2019 bis 12. Mai 2019 wegen Rechtswidrigkeit des Inhaltes aufgehoben. 1. den Beschluss gefasst: Im Übrigen wird die Revision zurückgewiesen. Begründung 1 Mit Bescheid vom 19. November 2018 wurden dem Erstmitbeteiligten und seiner minderjährigen Tochter, der Zweitmitbeteiligten, Leistungen der Bedarfsorientierten Mindestsicherung bis zum 31. März 2019 gewährt. 2 Am 12. Februar 2019 stellte der Mitbeteiligte für sich und seine minderjährige Tochter einen Folgeantrag auf Weitergewährung der Bedarfsorientierten Mindestsicherung nach dem Niederösterreichischen Mindestsicherungsgesetz (NÖ MSG) ab 1. April 2019. 3 Mit Bescheid vom 15. Mai 2019 gab die belangte Behörde dem Antrag des Erstmitbeteiligten teilweise statt. Für den Zeitraum vom 1. April 2019 bis 12. Mai 2019 wies sie den Antrag ab. Für den Zeitraum 13. Mai 2019 bis 31. Mai 2019 gewährte die belangte Behörde aliquot EUR 337,86, für den Zeitraum 1. Juni 2019 bis längstens 31. März 2020 monatliche Geldleistungen in Höhe von EUR 563,11. Der Zweitmitbeteiligten gewährte die belangte Behörde für den Zeitraum vom 1. April 2019 bis längstens 31. März 2020 monatliche Geldleistungen in der Höhe von EUR 172,69. Weiters wurden den Mitgliedern der Bedarfsgemeinschaft Leistungen bei Krankheit zuerkannt. 4 Die Abweisung des Antrags des Erstmitbeteiligten im Zeitraum 1. April 2019 bis 12. Mai 2019 begründete die belangte Behörde damit, dass in diesem Zeitraum dessen Vormerkung vom Arbeitsmarktservice nach § 10 AlVG aufgrund des Nichtantritts einer Beschäftigung am 1. April 2019 abgemeldet worden sei und der Erstmitbeteiligte dem Arbeitsmarkt daher für diesen Zeitraum nicht zur Verfügung gestanden sei. 5 Gegen diesen Bescheid erhob der Erstmitbeteiligte mit Schriftsatz vom 14. Juni 2019 Beschwerde. Seiner Tochter und ihm sei zu wenig Mindestsicherung gewährt worden, weil der Richtsatz für seine Tochter und ihn „bei EUR 800,--“ liege. Außerdem sei er dem Arbeitsmarktservice zur Arbeit zur Verfügung gestanden. Sollte es zu Missverständnissen gekommen sein, könne jemandem, der nicht bereit sei, seine Arbeitskraft zur Verfügung zu stellen, die Mindestsicherung zunächst nur um bis zu 50 % gekürzt werden. 6 Mit dem angefochtenen Erkenntnis vom 1. Oktober 2019 gab das Landesverwaltungsgericht Niederösterreich (im Folgenden: Verwaltungsgericht) dieser Beschwerde in Bezug auf den Erstmitbeteiligten dahingehend Folge, dass es ihm zur Deckung des notwendigen Lebensunterhaltes und Wohnbedarfes folgende Geldleistungen zuerkannte (Spruchpunkt 1.I.): 1. von 1. April 2019 bis 30. April 2019: EUR 363,84, 2. von 1. Mai 2019 bis 12. Mai 2019: EUR 145,54, 3. von 13. Mai 2019 bis 31. Mai 2019: EUR 367,73, 4. von 1. Juni 2019 bis 30. Juni 2019: EUR 224,64, 5. für die Monate Juli und August 2019: keine Geldleistungen und 6. vom 1. September 2019 bis längstens 31. März 2020: monatliche Geldleistungen in der Höhe von jeweils EUR 885,47. 7 Der Zweitmitbeteiligten gewährte das Verwaltungsgericht für den Zeitraum 1. April 2019 bis 30. Juni 2019 eine monatliche Geldleistung in der Höhe von EUR 183,88, für die Monate Juli und August 2019 keine Geldleistungen und für den Zeitraum 1. September 2019 bis längstens 31. März 2020 eine monatliche Geldleistung in der Höhe von EUR 203,66 (Spruchpunkt 1.II.). Weiters sprach das Verwaltungsgericht aus, dass die Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zulässig sei (Spruchpunkt 2.). 8 Begründend führte das Verwaltungsgericht im Wesentlichen aus, der Erstmitbeteiligte sei staatenlos, gemäß § 3 Asylgesetz 2005 asylberechtigt und alleinerziehend. Er habe weder Vermögen, noch beziehe er Leistungen Dritter. Zum Zeitpunkt der Antragstellung bis zum 31. März 2019 sei der Erstmitbeteiligte beim Arbeitsmarktservice arbeitslos gemeldet gewesen. Im Zeitraum von 1. April 2019 bis 12. Mai 2019 sei er als arbeitsuchend gemeldet und gleichzeitig für diesen Zeitraum seitens des Arbeitsmarktservice wegen Nichtantritts einer Arbeitsstelle gesperrt gewesen. Seine minderjährige Tochter sei Schülerin. Der Erstmitbeteiligte habe, abgesehen von der Zeit zwischen 19. Juni 2019 und 31. August 2019, in welcher er als Arbeitnehmer beschäftigt gewesen sei, kein Einkommen bezogen. Bis 30. Juni 2019 hätten der Erstmitbeteiligte und seine Tochter ein Zimmer im vermieteten Obergeschoß eines Hauses bewohnt, wofür er eine monatliche Miete von EUR 150,-- zu bezahlen gehabt habe. Seine Schwester und ihr Mann hätten das übrige Obergeschoß bewohnt, wobei WC, Bad, Dusche und Küche von allen benutzt worden seien. Nach dem Auszug seiner Schwester und seines Schwagers hätten der Erstmitbeteiligte und seine Tochter das Obergeschoß alleine bewohnt und dafür ab Juli 2019 EUR 300,-- gezahlt. 9 Aufgrund der geänderten Wohnverhältnisse, der Sperre durch das Arbeitsmarktservice und des zwischenzeitlich erworbenen Einkommens hätten sich die im Spruch festgestellten Zeiträume und Beträge ergeben. Aufgrund der von 1. April 2019 bis 31. Mai 2019 bestehenden Haushaltsgemeinschaft mit der Schwester und dem Schwager des Erstmitbeteiligten sei für diesen die Anspruchsberechnung gemäß § 11 Abs. 1 Z 2 NÖ MSG iVm § 1 Abs. 1 Z 2a und Abs. 2 Z 2a der Niederösterreichischen Mindestsicherungsverordnung (NÖ MSV) erfolgt, für die Zweitmitbeteiligte auf der Grundlage von § 11 Abs. 1 Z 4 NÖ MSG iVm §1 Abs. 1 Z 3 NÖ MSV. Dabei sei zu berücksichtigen gewesen, dass im Zeitraum von 1. April 2019 bis 12. Mai 2019 aufgrund der festgestellten Maßnahme des Arbeitsmarktservice die Leistungen für den Erstmitbeteiligten - jedoch ohne Beeinträchtigung seines Wohnbedarfes - um 50 % zu kürzen gewesen seien. 10 Gegen dieses Erkenntnis richtet sich die vorliegende außerordentliche Amtsrevision der Niederösterreichischen Landesregierung, in welcher die Aufhebung des gesamten Erkenntnisses wegen Rechtswidrigkeit seines Inhaltes beantragt wird. Die Mitbeteiligten erstatteten keine Revisionsbeantwortung. Der Verwaltungsgerichtshof hat - nach Durchführung des Vorverfahrens - erwogen: 11 In der Revision wird zur Zulässigkeit vorgebracht, das angefochtene Erkenntnis weiche von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes zur Frage des Vorliegens der Voraussetzungen zur Kürzung der Leistung der Bedarfsorientierten Mindestsicherung ab. Das Verwaltungsgericht weiche vom eindeutigen Gesetzeswortlaut des § 7 Abs. 7 NÖ MSG ab, wonach nur einer Hilfe suchenden Person, die nach Gewährung einer Leistung ihre Arbeitskraft nicht in zumutbarer Weise einsetze, die Leistungen der Bedarfsorientierten Mindestsicherung um 50 % zu kürzen seien. Eine Kürzung der Leistung setze somit einen aufrechten Bezug von Leistungen nach dem NÖ MSG voraus. Voraussetzung für die Leistungsgewährung sei bei einem Neu- bzw. Folgeantrag, dass arbeitsfähige Personen gemäß § 7 Abs. 1 NÖ MSG bereit sein müssten, ihre Arbeitskraft für eine zumutbare Beschäftigung einzusetzen. Ein Antrag auf Gewährung von Leistungen müsse abgewiesen werden, wenn diese Voraussetzung nicht vorliege. Im konkreten Fall greife die Kürzungsbestimmung des § 7 Abs. 7 NÖ MSG daher nicht, weil ab dem 1. April 2019 bis zum 12. Mai 2019 keine Leistungen bezogen worden seien und damit in diesem Zeitraum kein Tatbestand für eine Kürzung der Leistung vorgelegen sei. Das Verwaltungsgericht habe entgegen dem eindeutigen Wortlaut die Kürzungsbestimmung herangezogen. Zur Gewährung von Mindestsicherung an den Erstmitbeteiligten für den Leistungszeitraum von 13. Mai 2019 bis 31. März 2020 enthält die Revision keine Ausführungen; gleiches gilt für die Zuerkennung von Mindestsicherung an die Zweitmitbeteiligte. 12 Die Revision erweist sich hinsichtlich der geltend gemachten Frage zu den Voraussetzungen einer Leistungskürzung nach § 7 Abs. 7 NÖ MSG im Umfang der für den Leistungszeitraum 1. April bis 12. Mai 2019 dem Erstmitbeteiligten zuerkannten - gekürzten - Leistung als zulässig. 13 Die maßgeblichen Bestimmungen des NÖ MSG, LGBl. 9205-3 idF LGBl. Nr. 23/2018, lauten auszugsweise wie folgt: „§ 2 Leistungsgrundsätze (1) Bedarfsorientierte Mindestsicherung ist Hilfe suchenden Personen nur soweit zu gewähren, als Bereitschaft zum Einsatz der eigenen Arbeitskraft besteht, die Hilfe suchende Person darüber hinaus bereit ist alle zumutbaren Maßnahmen zu ergreifen, die geeignet sind die Notlage zu verbessern oder zu beenden und der jeweilige Bedarf nicht durch eigene Mittel oder durch Leistungen Dritter tatsächlich gedeckt wird (Subsidiaritätsprinzip). [...] § 7 Einsatz der Arbeitskraft (1) Arbeitsfähige Personen, die zur Aufnahme und Ausübung einer Beschäftigung berechtigt sind, müssen bereit sein, ihre Arbeitskraft für eine zumutbare Beschäftigung einzusetzen. Dabei ist hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit sowie der Zumutbarkeit einer Beschäftigung grundsätzlich von denselben Kriterien wie bei der Notstandshilfe (bzw. bei Bezug von Arbeitslosengeld von den bei diesem vorgesehenen Kriterien) auszugehen. [...] (4) Als nicht bereit ihre Arbeitskraft in zumutbarer Weise einzusetzen gelten jedenfalls Personen, 1. deren Dienstverhältnis in Folge eigenen Verschuldens beendet worden ist oder die ihr Dienstverhältnis freiwillig gelöst haben jeweils für die ersten vier Wochen nach Beendigung des Dienstverhältnisses, 2. deren Anspruch auf Leistungen des Arbeitsmarktservice insbesondere nach § 10 AlVG gekürzt oder (vorübergehend) eingestellt wurde, für die Dauer der durch das AMS verfügten Kürzung oder Einstellung. [...] (7) Hilfe suchenden Personen, die nach Gewährung einer Leistung ihre Arbeitskraft nicht in zumutbarer Weise einsetzen, sind die Leistungen der Bedarfsorientierten Mindestsicherung um 50% zu kürzen. Die Kürzung erfolgt jedenfalls auf die Dauer von vier Wochen. Soweit das Arbeitsmarktservice eine Maßnahme nach § 10 AlVG verhängt hat, ist die Kürzung für den Zeitraum zu verfügen, der der Gesamtdauer der Maßnahme des Arbeitsmarktservice entspricht. Eine weitergehende Kürzung oder gänzliche Einstellung von Leistungen ist ausnahmsweise und in besonderen Fällen, insbesondere bei wiederholter Verweigerung des Einsatzes der Arbeitskraft zulässig. (8) Durch Kürzungen oder Einstellungen von Leistungen der Bedarfsorientieren Mindestsicherung wegen mangelndem Einsatz der eigenen Arbeitskraft nach Abs. 7 darf der Wohnbedarf der Hilfe suchenden Person sowie der Lebensunterhalt und der Wohnbedarf der im gemeinsamen Haushalt lebenden, der Hilfe suchenden Person gegenüber unterhaltsberechtigten oder mit ihr in Lebensgemeinschaft lebenden Personen nicht beeinträchtigt werden. (9) Unabhängig von einer Kürzung oder Einstellung von Leistungen der Bedarfsorientierten Mindestsicherung sind bei Personen, deren Anspruch auf Leistungen des Arbeitsmarktservice, insbesondere nach § 10 AlVG, vorübergehend eingestellt oder sonst gekürzt oder eingestellt wurde und bei denen auch keine Umstände nach Abs. 6 vorliegen, die Leistungen der Bedarfsorientierten Mindestsicherung für die Dauer der Einstellung oder der Kürzung der Leistungen des Arbeitsmarktservice nur in jenem Ausmaß zu erbringen, das ohne die Einstellung oder die Kürzung gebühren würde.“ 14 Der Wortlaut der einschlägigen Kürzungsbestimmung des § 7 Abs. 7 NÖ MSG, wonach Hilfe suchenden Personen, die nach Gewährung einer Leistung ihre Arbeitskraft nicht in zumutbarer Weise einsetzen, die Leistungen der Bedarfsorientierten Mindestsicherung zu kürzen sind, legt aufgrund der Verknüpfung von Leistungsgewährung und Arbeitskrafteinsatz zunächst nahe, dass eine Kürzung nur dann vorzunehmen ist, wenn eine Mindestsicherungsleistung bereits gewährt worden ist, im Leistungszeitraum jedoch die Arbeitskraft nicht zumutbar eingesetzt wurde. Demnach setzt eine Kürzung von Mindestsicherungsleistungen nach § 7 Abs. 7 NÖ MSG voraus, dass die fehlende Bereitschaft zum Einsatz der Arbeitskraft einen Zeitraum betrifft, für den bereits eine Mindestsicherungsleistung zugesprochen wurde (vgl. demgegenüber die Rechtslage nach § 15 Wiener Mindestsicherungsgesetz; VwGH 25.5.2016, Ra 2015/10/0115). 15 Diese Auslegung entspricht auch dem dem Mindestsicherungsrecht innewohnenden Subsidiaritätsprinzip. Dieser in § 2 Abs. 1 NÖ MSG verankerte Grundsatz normiert, dass Bedarfsorientierte Mindestsicherung Hilfe suchenden Personen nur soweit zu gewähren ist, als Bereitschaft zum Einsatz der eigenen Arbeitskraft besteht, die Hilfe suchende Person darüber hinaus bereit ist, alle zumutbaren Maßnahmen zu ergreifen, die geeignet sind, die Notlage zu verbessern oder zu beenden, und der jeweilige Bedarf nicht durch eigene Mittel oder durch Leistungen Dritter tatsächlich gedeckt wird. Bereits aus den Gesetzesmaterialien ergibt sich, dass sich die Bedarfsorientierte Mindestsicherung elementar von einem bedingungslosen Grundeinkommen unterscheidet. Sie wird daher nur geleistet, wenn die Bereitschaft zum Einsatz der eigenen Arbeitskraft besteht (vgl. Ltg.-515/A-1/32-2010, 9). 16 Im Zusammenhang mit § 7 NÖ MSG hat der Verwaltungsgerichtshof bereits darauf hingewiesen, dass sich die Verpflichtung, der Geschäftsstelle des Arbeitsmarktservice zur Arbeitsvermittlung zur Verfügung zu stehen, als Voraussetzung für die Gewährung von Mindestsicherung bereits unmittelbar aus dem Gesetz ergibt (vgl. VwGH 27.4.2016, Ra 2016/10/0024). Ist eine Hilfe suchende Person nicht zum Einsatz der eigenen Arbeitskraft bereit, besteht kein Anspruch auf Bedarfsorientierte Mindestsicherung. 17 Wurde jedoch wegen Erfüllung aller Zuerkennungsvoraussetzungen das Bestehen eines Anspruchs auf Bedarfsorientierte Mindestsicherung bejaht und diese zuerkannt, fällt aber die Arbeitsbereitschaft während des Zuerkennungszeitraums weg, so kann der nachträgliche Wegfall dieser Zuerkennungsvoraussetzung im Wege der Kürzungsbestimmung des § 7 Abs. 7 NÖ MSG sanktioniert werden. Diese Möglichkeit dient der Umsetzung des Prinzips der Abhängigkeit der Mindestsicherungsleistung vom Einsatz der Arbeitskraft zu einem nach Zuerkennung einer Mindestsicherungsleistung liegenden Zeitpunkt. 18 Die in § 7 Abs. 7 NÖ MSG festgelegte Verknüpfung zwischen Leistungsgewährung und Arbeitskrafteinsatz liegt im gegenständlichen Fall jedoch nicht vor: Der Erstmitbeteiligte war nach den Feststellungen des Verwaltungsgerichtes in der Zeit vom 1. April 2019 bis 12. Mai 2019 vom Arbeitsmarktservice wegen des Nichtantrittes einer Arbeitsstelle gesperrt, sodass er in diesem Zeitraum gemäß § 7 Abs. 4 Z 2 NÖ MSG aufgrund dieser Maßnahme nach § 10 AlVG als nicht bereit galt, seine Arbeitskraft in zumutbarer Weise einzusetzen. Für diesen Zeitraum lag aber keine Zuerkennung von Mindestsicherungsleistungen vor, ist doch der verfahrenseinleitende Mindestsicherungsantrag auf Leistungen ab 1. April 2019 gerichtet; Leistungen der Bedarfsorientierten Mindestsicherung waren aufgrund einer früheren Antragstellung nur bis 31. März 2019 zuerkannt. 19 Das Verwaltungsgericht hätte daher in Ermangelung einer bestehenden Leistungszuerkennung für den fraglichen Zeitraum nicht mit einer Leistungskürzung vorgehen dürfen, sondern die fehlende Bereitschaft zum Arbeitseinsatz im Zuge der Prüfung der Anspruchsvoraussetzungen für die Gewährung Bedarfsorientierter Mindestsicherung ab 1. April 2019 zu berücksichtigen gehabt. 20 Insoweit das Verwaltungsgericht im konkreten Fall die Kürzungsbestimmung des § 7 Abs. 7 NÖ MSG heranzog, obwohl dem Erstmitbeteiligten für den betreffenden Zeitraum 1. April bis 12. Mai 2019 noch keine Leistungen der Bedarfsorientierten Mindestsicherung gewährt worden waren, belastete es das Erkenntnis mit Rechtswidrigkeit seines Inhalts. Das angefochtene Erkenntnis war daher insoweit gemäß § 42 Abs. 2 Z 1 VwGG aufzuheben. 21 Hinsichtlich der weiteren - trennbaren - Leistungszeiträume den Erstmitbeteiligten betreffend und des die Zweitmitbeteiligte betreffenden Spruchpunktes 1.II. wirft die Revision, die sich gegen das angefochtene Erkenntnis „zur Gänze“ richtet, keine Rechtsfragen im Sinne des Art. 133 Abs. 4 B-VG auf. Die Revision war daher insoweit nach § 34 Abs. 1 VwGG zurückzuweisen. Wien, am 9. Juni 2020
JWT_2019100193_20200512L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019100193.L00
Ra 2019/10/0193
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019100193_20200512L00/JWT_2019100193_20200512L00.html
1,589,241,600,000
1,139
Spruch Die angefochtenen Erkenntnisse werden wegen Rechtswidrigkeit des Inhaltes aufgehoben. Der Bund hat den Revisionswerbern jeweils Aufwendungen in der Höhe von EUR 1.346,40 binnen zwei Wochen bei sonstiger Exekution zu ersetzen. Begründung I. 1 1. Mit den beiden - nach Durchführung einer gemeinsamen Verhandlung lediglich schriftlich ergangenen - angefochtenen Erkenntnissen vom 30. Oktober 2019 bestätigte das Verwaltungsgericht zwei Straferkenntnisse der belangten Behörde, mit denen den Revisionswerbern jeweils eine Übertretung des § 16 Abs. 1 iVm § 174 Abs. 1 lit. a Z 3 Forstgesetz 1975 - ForstG angelastet worden war, weil diese auf bestimmten Waldgrundstücken Baggerarbeiten durchführen hätten lassen, durch welche die Produktionskraft des Waldbodens wesentlich geschwächt worden und so eine Waldverwüstung erfolgt sei. 2 Das Verwaltungsgericht legte seiner Entscheidung zugrunde, durch die im Auftrag der Revisionswerber bei den Baggerarbeiten erfolgte Planierung des Oberbodens auf einer Fläche von 0,5 ha sei eine relativ ebene, geneigte Fläche geschaffen worden, bei der das Bodenmaterial nunmehr eine Mischung der Humusschicht und des Waldbodens darstelle. 3 Beweiswürdigend stützte sich das Verwaltungsgericht auf den Inhalt des Aktes der belangten Behörde, die Angaben der Revisionswerber, die Aussagen von Zeugen sowie insbesondere auf die vom forstfachlichen Amtssachverständigen im Rahmen der Verhandlung getätigten "zweifelsfreien und schlüssigen" Ausführungen. 4 Aufgrund letzterer könne es als erwiesen angesehen werden, dass es durch die gesetzten Maßnahmen zu unerwünschten Effekten wie der Vernichtung des Bodens, einer Reduktion der Speicherfähigkeit von Wasser oder Nährstoffen, einer Störung der Gründigkeit des durchwurzelbaren Raumes bzw. zur Störung eines über Jahre aufgebauten Verjüngungspotentials (Samen, Sämlinge) gekommen sei. Diese Maßnahmen führten zu einer wesentlichen Verschlechterung der Bodeneigenschaften und stellten eine wesentliche Schwächung der Produktionskraft des Waldbodens dar. Es liege somit eine Waldverwüstung im Sinne des § 16 Abs. 2 lit. a ForstG vor. 5 Zu den in der Verhandlung gestellten Beweisanträgen der Revisionswerber führte das Verwaltungsgericht aus, die "Durchführung eines Lokalaugenscheins und Vornahme einer Bodenprobe zum Beweis dafür, dass die (Revisionswerber) im überwiegenden Teilbereich den ehemals bestandenen Humus wieder aufgebracht haben und andererseits auf einem Großteil der Fläche die Humuslage derart schlecht war und ist, dass eine Aufbringung einer Humusschicht nicht möglich war", entfielen, weil dies einerseits einen "Erkundungsbeweis" darstelle und im Übrigen die gesetzten Maßnahmen "zweifelsfrei aus der Aktenlage (Lichtbilder) und Beschreibungen (Zeugen, (Revisionswerberin))" ersichtlich seien. Weiters sei aufgrund des Gutachtens des forstfachlichen Amtssachverständigen erwiesen, dass diese Maßnahmen zu einer wesentlichen Schwächung der Produktionskraft des Waldbodens geführt hätten. 6 Die Revisionen gegen diese Erkenntnisse wurden jeweils unter Hinweis auf die verba legalia des Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zugelassen. 7 2. Dagegen richten sich die beiden vorliegenden außerordentlichen Revisionen, die das Verwaltungsgericht samt den Akten des Verfahrens vorgelegt hat. 8 Die belangte Behörde brachte jeweils eine Revisionsbeantwortung ein, wobei sie die Zurückweisung, in eventu die Abweisung der Revisionen beantragte. II. Der Verwaltungsgerichtshof hat über die - wegen ihres rechtlichen und sachlichen Zusammenhangs zur gemeinsamen Beratung und Entscheidung verbundenen - Revisionen erwogen: 9 1.1. Die hier maßgeblichen Bestimmungen des Forstgesetzes 1975 - ForstG, BGBl. Nr. 440/1975 idF BGBl. I Nr. 56/2016, lauten: "Waldverwüstung § 16. (1) Jede Waldverwüstung ist verboten. Dieses Verbot richtet sich gegen jedermann. 1. (2)Eine Waldverwüstung liegt vor, wenn durch Handlungen oder Unterlassungen a) die Produktionskraft des Waldbodens wesentlich geschwächt oder gänzlich vernichtet, (...) wird. (...) Strafbestimmungen § 174. (1) Wer a) (...) 3. das Waldverwüstungsverbot des § 16 Abs. 1 nicht befolgt; (...) begeht - sofern die Tat nicht den Tatbestand einer in die Zuständigkeit der Gerichte fallenden strafbaren Handlung bildet oder nach anderen Verwaltungsstrafbestimmungen mit strengerer Strafe bedroht ist - eine Verwaltungsübertretung. Diese Übertretungen sind in Fällen 1. der lit. a mit einer Geldstrafe bis zu 7 270 Euro oder mit Freiheitsstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu vier Wochen, (...) zu ahnden. (...)" 10 1.2. § 47 VwGVG, BGBl. I Nr. 33/2013 idF BGBl. I Nr. 57/2018, lautet auszugsweise: "Schluss der Verhandlung § 47. (1) Das Verfahren ist möglichst in einer Verhandlung abzuschließen. (...) 1. (2)Wenn die Rechtssache reif zur Entscheidung ist, dann ist die Beweisaufnahme zu schließen. 2. (3)Nach dem Schluss der Beweisaufnahme ist den Parteien Gelegenheit zu ihren Schlussausführungen zu geben. Dem Beschuldigten steht das Recht zu, sich als letzter zu äußern. 3. (4)Hierauf ist die Verhandlung zu schließen. Im Verfahren vor dem Senat zieht sich dieser zur Beratung und Abstimmung zurück. Der Spruch des Erkenntnisses und seine wesentliche Begründung sind nach Möglichkeit sofort zu beschließen und zu verkünden." 11 2. In den Zulässigkeitsgründen der Revisionen wird im Wesentlichen geltend gemacht, das Verwaltungsgericht habe entgegen der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes (Hinweis auf VwGH 24.2.2012, 2009/02/0205, und 11.9.2019, Ra 2019/02/0110) die angefochtenen Erkenntnisse nicht nach dem Schluss der mündlichen Verhandlung verkündet. Nach dem Schluss der mündlichen Verhandlung seien keine weiteren reiflichen Überlegungen anzustellen gewesen, zumal gemäß der wörtlichen Formulierung in den angefochtenen Entscheidungen die Verwaltungsübertretung bereits nach der mündlichen Verhandlung festgestanden sei. 12 3. Die Revisionen sind zulässig. Sie sind auch begründet. 13 3.1. Gemäß § 47 Abs. 4 letzter Satz VwGVG sind nach dem Schluss der Verhandlung der Spruch des Erkenntnisses und seine wesentliche Begründung "nach Möglichkeit sofort (...) zu verkünden". 14 Die Verkündung der Entscheidung direkt nach der Verhandlung stellt den gesetzlichen, wenn auch in der Praxis nicht immer umsetzbaren, Regelfall dar. Ist eine anschließende Verkündung nicht möglich, etwa wegen der Komplexität der Sach- oder Rechtslage, hat die Entscheidung schriftlich zu ergehen (vgl. etwa VwGH Ra 2019/02/0110, mwN). 15 Bedarf die Fällung des Erkenntnisses (etwa die Beweiswürdigung ) reiflicher Überlegung, so kann das Verwaltungsgericht von der sofortigen Verkündung Abstand nehmen, andernfalls belastet die rechtswidrige Unterlassung der Verkündung durch das Verwaltungsgericht das Erkenntnis mit inhaltlicher Rechtswidrigkeit (vgl. erneut VwGH Ra 2019/02/0110 unter Hinweis auf die zu § 51h VStG ergangene hg. Entscheidung VwGH 2009/02/0205). 16 3.2. Im Revisionsfall ist nicht ersichtlich, welche Überlegungen das Verwaltungsgericht nach dem Schluss der mündlichen Verhandlung noch anzustellen gehabt hätte: 17 So war die Durchführung von Baggerarbeiten im Auftrag der Revisionswerber im Verfahren nicht strittig und nach der - in den angefochtenen Erkenntnissen deutlich zum Ausdruck gebrachten - Ansicht des Verwaltungsgerichtes bereits aufgrund der Ausführungen des forstfachlichen Amtssachverständigen in der Verhandlung von einer - von den Revisionswerbern zu verantwortenden - Waldverwüstung auszugehen. Auch den in der Verhandlung von den Revisionswerbern gestellten Beweisanträgen auf Durchführung eines Lokalaugenscheins und Entnahme einer Bodenprobe hielt das Verwaltungsgericht lediglich das Amtssachverständigengutachten sowie die "zweifelsfrei" von den Revisionswerbern gesetzten Maßnahmen entgegen. 18 Diffizile beweiswürdigende oder rechtliche Fragestellungen, welche eine reifliche Überlegung vor der Fällung der angefochtenen Erkenntnisse erfordert hätten, sind diesen somit nicht zu entnehmen. 19 3.3. Die Unterlassung der Verkündung durch das Verwaltungsgericht belastet die (bloß) schriftlich erlassenen angefochtenen Erkenntnisse daher mit inhaltlicher Rechtswidrigkeit. 20 4. Diese waren somit gemäß § 42 Abs. 2 Z 1 VwGG aufzuheben, ohne dass auf das weitere Revisionsvorbringen eingegangen werden muss. 21 Die Entscheidung über den Aufwandersatz gründet sich auf die §§ 47 ff VwGG iVm der VwGH-Aufwandersatzverordnung 2014. 22 5. Für das fortzusetzende Verfahren ist festzuhalten, dass sich das Verwaltungsgericht mit den von den Revisionswerbern gestellten und näher begründeten Beweisanträgen eingehender als bisher auseinanderzusetzen haben wird. Der bloße Verweis des Verwaltungsgerichtes auf das Amtssachverständigengutachten und die sich aus der Aktenlage ergebenden (von den Revisionswerbern vorgenommenen) Maßnahmen (vgl. die Wiedergabe oben unter Rz 5) reicht vor dem Hintergrund der Aussage des forstfachlichen Amtssachverständigen in der Verhandlung, wonach aufgrund der im Akt befindlichen Lichtbilder keine fachlich fundierte Aussage hinsichtlich der Bodenbeschaffenheit getroffen werden könne, nämlich (noch) nicht aus, um von der Aufnahme der beantragten Beweise abzusehen. Wien, am 12. Mai 2020
JWT_2019100195_20200609L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019100195.L00
Ra 2019/10/0195
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019100195_20200609L00/JWT_2019100195_20200609L00.html
1,591,660,800,000
1,149
Spruch Das angefochtene Erkenntnis wird wegen Rechtswidrigkeit infolge Verletzung von Verfahrensvorschriften aufgehoben. Der Antrag des Revisionswerbers auf Aufwandersatz wird abgewiesen. Begründung 1 Mit Bescheid vom 2. August 2019 wies die belangte Behörde den Antrag des Revisionswerbers auf Gewährung von Mindestsicherungsleistungen nach demTiroler Mindestsicherungsgesetz (TMSG) ab. 2 Begründend führte die Behörde aus, der Revisionswerber habe seinen Anspruch auf Notstandshilfe selbstverschuldet aufgrund Terminversäumnis verloren. Gemäß § 18 Abs. 4 TMSG sei der Verlust von Arbeitslosengeld oder Notstandshilfe bei der Berechnung des mindestsicherungsrechtlichen Bedarfs außer Acht zu lassen, weshalb gegenständlich das Vorliegen einer Notlage des Revisionswerbers zu verneinen sei. 3 Gegen diesen Bescheid erhob der Revisionswerber Beschwerde, in der er vorbrachte, dass er bis 28. März 2019 Notstandshilfe bezogen habe. Er habe danach seine Ansprüche beim AMS nicht weiter verfolgt, weil er aufgrund seines Wohnungsverlustes in eine Depression gestürzt und unfähig gewesen sei, sich um seine Angelegenheiten zu kümmern. Er sei seit 1. August 2019 wieder beim AMS zur Arbeitssuche vorgemerkt. Der angefochtene Bescheid sei „nicht richtig“, weil er seine Ansprüche auf Notstandshilfe nicht (ganz oder teilweise) verloren habe; vielmehr habe er seine Ansprüche nicht geltend gemacht. 4 Mit dem angefochtenen Erkenntnis vom 15. Oktober 2019 wies das Landesverwaltungsgericht Tirol (Verwaltungsgericht) - ohne Durchführung einer mündlichen Verhandlung - die Beschwerde als unbegründet ab und erklärte die Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG für nicht zulässig. 5 Begründend führte das Verwaltungsgericht aus, in § 18 Abs. 4 TMSG sei nicht ausdrücklich geregelt, wie der dort normierte Verlust von Leistungen nach dem Arbeitslosenversicherungsgesetz 1977 eintrete. Es sei allerdings klar erkennbar, dass ein „Verlieren“ des Anspruchs neben der beispielsweisen Verletzung von Meldepflichten auch durch eine mangelnde Geltendmachung des Anspruchs eintreten könne. An dieser Rechtslage ändere auch die vorgebrachte Erkrankung des Revisionswerbers, die ihn an der Geltendmachung seines Anspruchs gehindert habe, nichts; diese Erkrankung wäre allenfalls in einem Wiedereinsetzungsverfahren nach dem Arbeitslosenversicherungsgesetz zu relevieren gewesen. 6 Gegen dieses Erkenntnis richtet sich die vorliegende Revision, die zu ihrer Zulässigkeit vorbringt, es sei die Rechtsfrage zu lösen, ob die unterlassene Geltendmachung eines Anspruchs nach dem Arbeitslosenversicherungsgesetz dem Verlust eines solchen Anspruchs im Sinne des § 18 Abs. 4 TMSG gleichzusetzen sei. Das Verwaltungsgericht sei von näher genannter Rechtsprechung abgewichen, weil es die Ermittlung des maßgeblichen Sachverhalts in unvertretbarer Weise unterlassen habe: Die arbeitslosenversicherungsrechtlichen Bestimmungen enthielten Ausnahmeregelungen für Personen in besonders berücksichtigungswürdigen Situationen (Hinweis auf § 10 Abs. 3, 49 Abs. 2, ua. AlVG); es sei sohin zu prüfen, aus welchen Gründen die hilfesuchende Person „bestimmten Anforderungen nachgekommen ist oder eben auch nicht.“ 7 In dem vom Verwaltungsgerichtshof durchgeführten Vorverfahren erstattete die belangte Behörde eine Revisionsbeantwortung, in der sie die kostenpflichtige Zurück- bzw. Abweisung der Revision beantragte. 8 Der Verwaltungsgerichtshof hat erwogen: 9 Die maßgeblichen Bestimmungen des Tiroler Mindestsicherungsgesetzes, LGBl. Nr. 99/2010 idF LGBl. Nr. 15/2019 (TMSG), lauten auszugsweise: „§ 1 Ziel, Grundsätze (1) ... (2) Mindestsicherung ist Personen zu gewähren, a) die sich in einer Notlage befinden, ... (4) Leistungen der Mindestsicherung sind so weit zu gewähren, als der jeweilige Bedarf nicht durch den Einsatz eigener Mittel und Kräfte sowie durch Leistungen Dritter gedeckt werden kann. Dabei sind auch Hilfeleistungen, die nach anderen landesrechtlichen oder nach bundesrechtlichen oder ausländischen Vorschriften in Anspruch genommen werden können, zu berücksichtigen. § 2 Begriffsbestimmungen (1) In einer Notlage befindet sich, wer a) seinen Lebensunterhalt, seinen Wohnbedarf oder ... (Grundbedürfnisse) nicht oder nicht in ausreichendem Ausmaß aus eigenen Kräften und Mitteln oder mit Hilfe Dritter decken kann. ... § 17 Verfolgung von Ansprüchen gegenüber Dritten (1) Vor der Gewährung von Mindestsicherung hat der Hilfesuchende öffentlich-rechtliche oder privatrechtliche Ansprüche auf bedarfsdeckende oder bedarfsmindernde Leistungen gegen Dritte zu verfolgen, soweit dies nicht offensichtlich aussichtslos oder unzumutbar ist. (2) Mindestsicherung ist unbeschadet der Verpflichtung nach Abs. 1 als Vorausleistung zu gewähren, wenn der Hilfesuchende bis zur tatsächlichen Durchsetzung seiner Ansprüche anspruchsberechtigt im Sinn dieses Gesetzes ist. Die unmittelbar erforderliche Bedarfsdeckung ist jedenfalls zu gewährleisten. § 18 Ausmaß der Mindestsicherung (1) Das Ausmaß der Leistungen der Mindestsicherung ist im Einzelfall unter Berücksichtigung des Einsatzes der eigenen Mittel und der Bereitschaft des Hilfesuchenden zum Einsatz seiner Arbeitskraft sowie der bedarfsdeckenden oder bedarfsmindernden Leistungen Dritter zu bestimmen. ... (4) Verliert ein Hilfesuchender, der nach dem Arbeitslosenversicherungsgesetz 1977 Arbeitslosengeld oder Notstandshilfe bezieht, diesen Anspruch ganz oder teilweise, so sind die Leistungen der Mindestsicherung für die Dauer dieses Anspruchsverlustes nur in jenem Ausmaß zu gewähren, in dem sie ihm unter Einbeziehung des Arbeitslosengeldes bzw. der Notstandshilfe in jeweils voller Höhe gebührt hätten.“ 10 Die Revision ist zulässig; sie ist auch berechtigt. 11 Vorauszuschicken ist, dass das Verwaltungsgericht (wie bereits die belangte Behörde) den geltend gemachten Mindestsicherungsanspruch des Revisionswerbers ausschließlich im Grunde des (mit der Novelle LGBl. Nr. 52/2017 eingeführten) § 18 Abs. 4 TMSG geprüft und verneint hat. 12 Dem angefochtenen Erkenntnis liegt die Auffassung zu Grunde, dass der Revisionswerber seinen Anspruch auf Notstandshilfe ab dem 29. März 2019 verloren habe und deshalb - unter Berücksichtigung der Höhe der Notstandshilfe - fallbezogen gemäß § 18 Abs. 4 TMSG kein Anspruch auf Gewährung der Mindestsicherung bestehe. 13 Tatbestandsmäßige Voraussetzung für die in § 18 Abs. 4 TMSG normierte(fiktive) Anrechnung von Arbeitslosengeld oder Notstandshilfe auf die Mindestsicherung ist der gänzliche oder teilweise „Verlust“ des Anspruchs auf diese Leistungen nach den einschlägigen Bestimmungen des Arbeitslosenversicherungsgesetzes 1977 (AlVG). 14 In diesem Sinne führen auch die Gesetzesmaterialien (RV 155/2017, S. 16) zu § 18 Abs. 4 TMSG aus: „Verliert ein Hilfesuchender seinen Anspruch auf Arbeitslosengeld oder Notstandhilfe nach den arbeitslosenversicherungsrechtlichen Bestimmungen ganz oder teilweise, so sollen die Leistungen der Mindestsicherung für die Dauer des Anspruchsverlustes nur mehr in einem um diesen Anspruch verminderten Ausmaß gewährt werden; d.h., der nach den arbeitslosenversicherungsrechtlichen Bestimmungen gekürzte Betrag wird nicht aus Mitteln der Mindestsicherung ersetzt.“ 15 Die Mindestsicherungsbehörde bzw. das Verwaltungsgericht hat demnach im Anwendungsbereich des § 18 Abs. 4 TMSG die Frage des eingetretenen Verlusts des Anspruchs auf Arbeitslosengeld bzw. Notstandshilfe nach dem AlVG als Vorfrage zu beurteilen. Nur im Fall der Bejahung dieser Frage kommt die Anwendung des § 18 Abs. 4 TMSG in Betracht. 16 Dazu finden sich aber weder im Bescheid der belangten Behörde noch im angefochtenen Erkenntnis tragfähige Feststellungen bzw. Erwägungen. Das Verwaltungsgericht geht vielmehr - ohne nähere Begründung - von der Annahme aus, dass jegliches Unterlassen der Geltendmachung von Ansprüchen nach dem AlVG auch den Verlust dieser Ansprüche bewirke. 17 Fallbezogen wäre eine nähere Auseinandersetzung mit der genannten Frage schon deshalb geboten gewesen, weil der Revisionswerber in der Beschwerde die (ebenfalls nicht näher begründete) Annahme im verwaltungsbehördlichen Bescheid, er habe den Anspruch auf Notstandshilfe „selbstverschuldet“ aufgrund Terminversäumnis „verloren“, bestritten bzw. vorgebracht hat, es sei - infolge seiner Unfähigkeit zur Geltendmachung der Ansprüche aufgrund eingetretener Depression - kein Anspruchsverlust eingetreten. 18 Die Revision weist dazu in den Zulässigkeitsausführungen auf „Ausnahmeregelungen“ im AlVG hin, mit denen sich das Verwaltungsgericht nicht auseinandergesetzt hat, und zeigtbereits damit die Relevanz der dem angefochtenen Erkenntnis anhaftenden Begründungsmängel auf. 19 Für den Fall, dass der Anspruch auf Notstandshilfe nicht verloren wurde, sondern eine Nachzahlung erwirkt werden könnte, wäre § 17 Abs. 2 TMSG zu beachten. 20 Das Verwaltungsgericht hat das angefochtene Erkenntnis sohin mit wesentlichen Verfahrensmängeln behaftet, weshalb es gemäß § 42 Abs. 2 Z 3 lit. b und c VwGG aufzuheben war. 21 Der Revisionsantrag, die „Stadt Innsbruck als Rechtsträger der belangten Behörde“ zum Kostenersatz zu verpflichten, war abzuweisen, weil gemäß § 47 Abs. 5 erster Satz VwGG der dem Revisionswerber zustehende Aufwandersatz von jenem Rechtsträger zu leisten ist, in dessen Namen die Behörde in dem dem Verfahren vor dem VwG vorangegangenen Verwaltungsverfahren gehandelt hat. Dies ist im vorliegenden Fall gemäß § 21 Abs. 3 TMSG nicht die Stadt Innsbruck, sondern das Land Tirol als Träger der Kosten der Mindestsicherung. Wien, am 9. Juni 2020
JWT_2019100196_20201109L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019100196.L00
Ra 2019/10/0196
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019100196_20201109L00/JWT_2019100196_20201109L00.html
1,604,880,000,000
1,379
Spruch Das angefochtene Erkenntnis wird im Umfang seiner Anfechtung, somit hinsichtlich der Vorschreibung von Nebenbestimmungen (Bedingung und Auflage), wegen Rechtswidrigkeit seines Inhaltes aufgehoben. Der Bund hat der revisionswerbenden Partei Aufwendungen in der Höhe von EUR 1.346,40 binnen zwei Wochen bei sonstiger Exekution zu ersetzen. Begründung 1 Mit Bescheid vom 18. März 2019 erteilte die belangte Behörde dem Revisionswerber die Bewilligung gemäß §§ 29 Abs. 1 und 53 Apothekengesetz (im Folgenden: ApG) zur Haltung einer ärztlichen Hausapotheke in E. 2 Mit dem angefochtenen Erkenntnis vom 16. Oktober 2019 gab das Landesverwaltungsverwaltungsgericht Oberösterreich (im Folgenden: Verwaltungsgericht) der von der mitbeteiligten Partei erhobenen Beschwerde insoweit statt, als dem Revisionswerber die Bewilligung zur Haltung einer ärztlichen Hausapotheke in E unter der Bedingung erteilt wurde, dass die Anzahl der an diesem Berufssitz vorgenommenen Behandlungen gegenüber der Anzahl der in seiner Zweitordination in R vorgenommenen Behandlungen ein Verhältnis von 3:2 nicht unterschreite, wobei der Revisionswerber dieses Faktum durch die monatlich aufeinanderfolgende Übermittlung einer nach Ordinationsstandorten getrennten Übersicht über die dort jeweils bei Inanspruchnahme von Leistungen aus der Sozialversicherung vorgenommenen Auslesevorgänge (e-card-Abbuchungen) an die belangte Behörde zu belegen habe. Der mitbeteiligten Partei sei jeweils Akteneinsicht zu gewähren. Im Übrigen werde die Beschwerde als unbegründet abgewiesen (Spruchpunkt I.) und ausgesprochen, dass die ordentliche Revision an den Verwaltungsgerichtshof gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zulässig sei (Spruchpunkt II.). 3 Begründend führte das Verwaltungsgericht zur Vorschreibung der Nebenbestimmungen aus, es sei zu berücksichtigen, dass der Revisionswerber das für die Annahme eines Berufssitzes iSd § 29 Abs. 1 Z 3 ApG erforderliche Kriterium eines Verhältnisses von 3:2 in Bezug auf das Schwergewicht seiner Tätigkeit in der Ordination in E nur äußerst knapp erreiche. Nicht nur aus der „präsentischen“ Formulierung des Gesetzestextes, sondern auch daraus, dass in § 29 ApG zahlreiche Gründe für die Entziehung bzw. das Erlöschen der Hausapothekenbewilligung statuiert seien, resultiere eine in rechtssystematischer Hinsicht insgesamt nur vergleichsweise schwache Bestandskraft solcher Berechtigungen. Nicht nur der Normtext, sondern auch dieses systematische Argument verhalte die Vollziehung zu gewährleisten, dass die in § 29 Abs. 1 ApG festgelegten Parameter nicht bloß im Zeitpunkt der Bewilligungserteilung, sondern vielmehr jederzeit, also gleichsam dauerhaft, erfüllt seien, wobei der zur Führung einer öffentlichen Apotheke berechtigten Person zugleich ein Rechtsanspruch darauf „korreliere“, dass die Behörde das permanente Bestehen dieser Voraussetzungen periodisch überprüfe. 4 Gegen dieses Erkenntnis richtet sich im Umfang der Vorschreibung der Nebenbestimmungen die vorliegende außerordentliche Revision. 5 Die belangte Behörde und die mitbeteiligte Partei erstatteten jeweils eine Revisionsbeantwortung. Der Verwaltungsgerichtshof hat erwogen: 6 Zur Zulässigkeit der Revision wird vorgebracht, das Verwaltungsgericht weiche im Hinblick auf die mit der Bewilligung verbundenen Nebenbestimmungen (Bedingung und Auflage) von den gesetzlichen Bestimmungen ab und es gebe diesbezüglich keine Judikatur des Verwaltungsgerichtshofes. § 29 Abs. 1 ApG sehe bei Erfüllung der Voraussetzungen einen Rechtsanspruch auf Erteilung der Bewilligung vor. Das Gesetz biete keine Grundlage, Bedingungen oder Auflagen vorzuschreiben. 7 Diesbezüglich erweist sich die Revision als zulässig. Sie ist auch berechtigt: 8 § 29 ApG, RGBl. Nr. 5/1907 idF BGBl. I Nr. 30/2016, lautet inklusive Überschrift: „Bewilligung zur Haltung einer ärztlichen Hausapotheke § 29. (1) Die Bewilligung zur Haltung einer ärztlichen Hausapotheke ist einem Arzt für Allgemeinmedizin auf Antrag zu erteilen, wenn 1. dieser in einem dem § 342 Abs. 1 entsprechenden Vertragsverhältnis steht, oder als Arzt für Allgemeinmedizin an einer Gruppenpraxis, die in einem Vertragsverhältnis nach § 342 Abs. 1 ASVG steht, beteiligt ist, 2. sich in der Gemeinde, in welcher der Arzt seinen Berufssitz hat, keine öffentliche Apotheke befindet, und 3. der Berufssitz des Arztes von der Betriebsstätte der öffentlichen Apotheke mehr als sechs Straßenkilometer entfernt ist. In einem Zeitraum, während dessen ein Gesamtvertrag gemäß § 341 ASVG nicht besteht, findet Z 1 keine Anwendung. (1a) Die Bewilligung zur Haltung einer ärztlichen Hausapotheke ist auf Antrag dem Nachfolger eines Arztes für Allgemeinmedizin mit Hausapothekenbewilligung abweichend von Abs. 1 Z 2 oder 3 zu erteilen, wenn der Nachfolger in einem Vertragsverhältnis zu einem Träger der Krankenversicherung nach Abs. 1 Z 1 steht und die Entfernung zwischen dem Berufssitz des hausapothekenführenden Arztes und der Betriebsstätte der nächstgelegenen öffentlichen Apotheke mehr als vier Straßenkilometer beträgt. (1b) Entfällt die Entfernungsvoraussetzung gemäß § 28 Abs. 3 oder gemäß Abs. 1a auf Grund der Verlegung des Berufssitzes des hausapothekenführenden Arztes, so hat die Behörde die Bewilligung zur Haltung einer ärztlichen Hausapotheke von Amts wegen oder auf Antrag des betroffenen Konzessionsinhabers zurückzunehmen. (2) Verlegt ein Arzt für Allgemeinmedizin seinen Berufssitz in eine andere Gemeinde, so erlischt die für den vorherigen Berufssitz erteilte Bewilligung zur Haltung einer ärztlichen Hausapotheke. (3) Die Bewilligung zur Haltung einer ärztlichen Hausapotheke ist nach Maßgabe des Abs. 4 bei Neuerrichtung einer öffentlichen Apotheke zurückzunehmen, wenn 1. die Wegstrecke zwischen dem Berufssitz des Arztes und der Betriebsstätte der neu errichteten öffentlichen Apotheke vier Straßenkilometer nicht überschreitet, und 2. sich die ärztliche Hausapotheke weder in einer Gemeinde gemäß § 10 Abs. 2 Z 1 noch in einer Gemeinde gemäß § 10 Abs. 3 befindet. (4) Der Inhaber der neu errichteten öffentlichen Apotheke ist verpflichtet, den Zeitpunkt der Inbetriebnahme der Apotheke der Behörde mitzuteilen. Die Behörde hat die Zurücknahme der Hausapothekenbewilligung auf Antrag des Inhabers der öffentlichen Apotheke mit Bescheid so rechtzeitig auszusprechen, dass die Einstellung des Hausapothekenbetriebes drei Jahre nach Rechtskraft des Bescheides erfolgt, mit dem die Konzession für die öffentliche Apotheke erteilt wurde. Wird die öffentliche Apotheke nach diesem Zeitpunkt in Betrieb genommen, ist die Hausapothekenbewilligung so zurückzunehmen, dass die Inbetriebnahme der öffentlichen Apotheke und die Einstellung des Hausapothekenbetriebes zum selben Zeitpunkt erfolgen. (5) Der Inhaber der neu errichteten öffentlichen Apotheke ist bei Einstellung des Hausapothekenbetriebes gemäß Abs. 4 verpflichtet, die nach den jeweils geltenden arzneimittelrechtlichen Vorschriften verwendungsfähigen Vorräte der Hausapotheke auf Begehren des Arztes gemäß § 57 abzulösen. (6) Die Verpflichtung zur Ablösung erstreckt sich nur auf solche Mittel, welche der Apotheker zufolge behördlicher Verfügung (§ 7) vorrätig halten muss, und nur auf solche Mengen, welche dem voraussichtlichen Betriebsumfang der neu errichteten Apotheke entsprechen. (7) Wird zwischen den Beteiligten über den Übernahmspreis keine Einigung erzielt, so ist dieser Preis im Wege einer Schätzung unter behördlicher Leitung zu ermitteln. Wenn über den Umfang der Ablösung oder deren Bedingungen Streit besteht, so ist der Anspruch im ordentlichen Rechtsweg geltend zu machen. (8) Durch die Eröffnung einer Filialapotheke werden Hausapothekenbewilligungen nicht berührt.“ 9 Die Beisetzung von Nebenbestimmungen, wie Bedingungen, Auflagen oder Befristungen eines Verwaltungsaktes, ist nur zulässig, wenn dies das Gesetz bestimmt (vgl. VwGH 27.2.2020, Ra 2019/10/0032, mwN). Der Verwaltungsgerichtshof hat die Auffassung vertreten, dass schon im Hinblick auf das Legalitätsgebot des Art. 18 Abs. 1 B-VG eine Nebenbestimmung nur dann zulässig ist, wenn sie im Gesetz vorgesehen ist; auch wenn sie nicht ausdrücklich vorgesehen ist, wurde eine Nebenbestimmung in manchen Fällen für zulässig erachtet, wenn sie mit dem Sinn der zu treffenden Hauptentscheidung in untrennbarer Weise verbunden ist oder dem Antrag der Partei entspricht (vgl. etwa VwGH 18.10.2012, 2010/06/0060, und erneut VwGH 27.2.2020, Ra 2019/10/0032). 10 § 29 ApG stellt keine Grundlage für die fallbezogen angeordnete auflösende Bedingung bei Unterschreiten eines bestimmten Verhältnisses zwischen der Anzahl der Behandlungen in den beiden Ordinationen des Revisionswerbers und für die Auflage des monatlichen Nachweises dieser Voraussetzung dar. 11 Es kann dahinstehen, ob die Hausapothekenbewilligung zu entziehen ist, wenn der Arzt an dem Berufssitz, für den die Bewilligung erteilt wurde, nicht mehr das Schwergewicht seiner beruflichen Tätigkeit hat. Eine Bewilligung unter der auflösenden Bedingung, dass diese Voraussetzung weiter besteht und unter Vorschreibung der Auflage, das Bestehen monatlich nachzuweisen, kennt das Gesetz jedenfalls nicht. Auch die im Gesetz ausdrücklich normierten Entziehungsgründe, wie etwa der Wegfall der „Entfernungsvoraussetzung“ (§ 29 Abs. 1b ApG), berechtigen die Behörde nicht, eine Bewilligung unter der auflösenden Bedingung zu erteilen, dass diese Voraussetzung gegeben ist und dem Arzt diesbezüglich als Auflage eine regelmäßige Nachweispflicht aufzutragen. Vielmehr ist die Bewilligung bei Wegfall dieser Voraussetzung mit einem gesonderten Bescheidzurückzunehmen. 12 Da der Hauptinhalt des Spruchs ohne die gesetzwidrig angeordneten Nebenbestimmungen selbständig weiterbestehen kann (vgl. VwGH 3.7.1986, 81/08/0153; 23.12.1993, 92/17/0056; sowie die bei Hengstschläger/Leeb, AVG § 59 Rz 22 zitierte Judikatur) ist eine getrennte Anfechtbarkeit und Aufhebung dieser Nebenbestimmungen möglich. 13 Das Verwaltungsgericht ging davon aus, dass die Voraussetzungen des § 29 Abs. 1 ApG im Genehmigungszeitpunkt erfüllt waren. Der Verwaltungsgerichtshof hat bereits ausgesprochen, dass bei Erfüllung der Voraussetzungen des § 29 Abs. 1 ApG ein Rechtsanspruch auf Erteilung der Bewilligung zur Haltung einer ärztlichen Hausapotheke besteht (vgl. ebenfalls zu einem Fall des Vorliegens zweier Berufssitze VwGH 28.1.2008, 2006/10/0152). Das Verwaltungsgericht hätte daher dem Revisionswerber die Bewilligung uneingeschränkt erteilen müssen. 14 Da das Verwaltungsgericht die Rechtslage insofern verkannt hat, als es die Vorschreibung der verfahrensgegenständlichen Nebenbestimmungen für zulässig erachtet hat, hat es das angefochtene Erkenntnis im Umfang der vorgeschriebenen Nebenbestimmungen mit Rechtswidrigkeit seines Inhaltes belastet. Es war daher insoweit gemäß § 42 Abs. 2 Z 1 VwGG aufzuheben. 15 Der Ausspruch über den Aufwandersatz stützt sich auf die §§ 47 ff VwGG iVm der VwGH-Aufwandersatzverordnung 2014. 16 Von der beantragten mündlichen Verhandlung vor dem Verwaltungsgerichtshof konnte gemäß § 39 Abs. 2 Z 6 VwGG abgesehen werden, zumal das Verwaltungsgericht - ein Tribunal im Sinne des Art. 6 EMRK und ein Gericht im Sinne des Art. 47 GRC - eine mündliche Verhandlung durchgeführt hat (vgl. VwGH 1.9.2017, Ra 2017/03/0007, 0035, mwN). Wien, am 9. November 2020
JWT_2019100197_20200320L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019100197.L00
Ra 2019/10/0197
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019100197_20200320L00/JWT_2019100197_20200320L00.html
1,584,662,400,000
1,060
Spruch Die Revision wird zurückgewiesen. Begründung 1 Mit dem angefochtenen Erkenntnis wurde - in Stattgebung einer Beschwerde des Tiroler Landesumweltanwaltes - nach Durchführung einer mündlichen Verhandlung der Revisionswerberin die beantragte naturschutzrechtliche Bewilligung zur Errichtung einer Skipiste ("Gornerpiste") und Verlegung einer Beschneiungsleitung samt Energie- und Steuerkabel gemäß § 29 Abs. 8 Tiroler Naturschutzgesetz 2005, LGBl. Nr. 26/2005 idF LGBl. Nr. 32/2017 (TNSchG 2005), in Verbindung mit Art. 14 Abs. 1 des Protokolls zur Durchführung der Alpenkonvention von 1991 im Bereich Bodenschutz BGBl. III Nr. 235/2002 idF BGBl. III Nr. 111/2005 (Protokoll "Bodenschutz"), versagt. 2 Begründend führte das Verwaltungsgericht, gestützt auf das Gutachten des geologischen und hydrologischen Amtssachverständigen, aus, dass sich die geplante Schipiste gänzlich innerhalb eines mächtigen Talzuschubs mit klar erkennbarem Abrissbereich am Grat des Gornerberges befinde. Infolge klimatischer Einflüsse bzw. ausgelöst durch entsprechend hohe Niederschlagsmengen und/oder Schmelzwasser könne eine Beschleunigung der tiefgreifenden Rutschmasse oder Teilen davon bzw. eine Zunahme der Bewegungsraten nicht ausgeschlossen werden. Die Schipiste sei aufgrund ihrer Positionierung auf einer tiefgreifenden Massenbewegung möglicherweise nicht auf die gesamte Konzessionsdauer bestandsicher und könnten örtliche Schäden durch Hangbewegungen nicht ausgeschlossen werden. Es könne zum spontanen Abbruch von Pistenteilen ohne sichtbare Vorankündigungen an der Geländeoberfläche kommen und könne trotz entsprechender Maßnahmen (keine Versickerung von Pistenwässern im umgebenden Gelände, Ableitung der Pistenwässer durch Kontrollen und Wartungen) eine Reaktivierung/Beschleunigung des Talzuschubes Gornerberg nicht ausgeschlossen werden. 3 Art. 14 Abs.1 dritter Teilstrich Bodenschutzprotokoll beinhalte - so das Verwaltungsgericht weiter - ein Verbot der Genehmigung von Skipisten in labilen Gebieten, das durch die Vorschreibung von Auflagen nicht außer Kraft gesetzt werden könne. 4 Nach der "Checkliste labile Gebiete" liege ein labiles Gebiet dann vor, wenn eine nachhaltige Verschlechterung des Ist-Zustandes im Hinblick auf Hang(in)stabilität (Erosion, Wasserhaushalt, usw) gegeben sei, oder/und wenn gravierende negative Folgen des Pistenbaus sich fachlich nicht abschätzen ließen, wobei alle Phasen des Projekts unter Beachtung der möglichen Naturprozesse in die Betrachtung miteinzubeziehen seien (Errichtung, Betrieb, Störfall, Nachsorge). 5 Demnach sei im vorliegenden Fall von einem "labilen Gebiet" im Sinne des Bodenschutzprotokolls der Alpenkonvention auszugehen, sodass schon aus diesem Grund die beantragte naturschutzrechtliche Bewilligung zwingend zu versagen sei. 6 Aber auch eine nach dem TNSchG 2005 durchzuführende Interessenabwägung könnte zu keiner Erteilung der naturschutzrechtlichen Bewilligung für die beantragte Gornerpiste führen. Den Ausführungen des naturkundefachlichen Amtssachverständigen zufolge bestehe ein langfristiges öffentliches Interesse an der Erhaltung der Schutzfunktion des betroffenen, großflächig zu rodenden, Bergwaldes, welches die touristischen Interessen an der Errichtung der Skipiste - einer ca. 850 m langen "schwarzen Piste", durch welche vor allem für geübte Wintersportler der Wechsel zwischen den Schigebieten Kals und Matrei attraktiviert werde - deutlich überwögen. 7 Nach Art. 133 Abs. 4 B-VG ist gegen ein Erkenntnis des Verwaltungsgerichtes die Revision zulässig, wenn sie von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, insbesondere weil das Erkenntnis von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abweicht, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes nicht einheitlich beantwortet wird. 8 Nach § 34 Abs. 1 VwGG sind Revisionen, die sich wegen Nichtvorliegens der Voraussetzungen des Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zur Behandlung eignen, ohne weiteres Verfahren in nichtöffentlicher Sitzung mit Beschluss zurückzuweisen. 9 Nach § 34 Abs. 1a VwGG ist der Verwaltungsgerichtshof bei der Beurteilung der Zulässigkeit der Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG an den Ausspruch des Verwaltungsgerichtes gemäß § 25a Abs. 1 VwGG nicht gebunden. Die Zulässigkeit einer außerordentlichen Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG hat der Verwaltungsgerichtshof im Rahmen der dafür in der Revision vorgebrachten Gründe (§ 28 Abs. 3 VwGG) zu überprüfen. 10 Die Revision bringt zu ihrer Zulässigkeit vor, es liege keine einschlägige Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes, insbesondere zur Definition des "labilen Gebietes" und der zu dessen Beurteilung heranzuziehenden Kritierien, vor. Der vorliegende Revisionsfall unterscheide sich von dem dem Erkenntnis des Verwaltungsgerichtshofes vom 8. Juni 2005, 2004/03/0116, zu Grunde liegenden Sachverhalt. Die vom Verwaltungsgericht vorgenommene Interessenabwägung beruhe auf einer gravierenden Verletzung von Verfahrensvorschriften, wodurch von näher genannter Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abgewichen worden sei. 11 Gemäß § 29 Abs. 8 TNSchG 2005 ist eine beantragte naturschutzrechtliche Bewilligung zu versagen, wenn eine Voraussetzung für ihre Erteilung nicht vorliegt. 12 Gemäß Art. 14 Abs. 1 dritter Teilstrich des Protokolls "Bodenschutz" wirken die Vertragsparteien in geeigneter Weise darauf hin, dass Genehmigungen für den Bau und die Planierung von Skipisten in Wäldern mit Schutzfunktionen nur in Ausnahmefällen und bei Durchführung von Ausgleichsmaßnahmen erteilt und in labilen Gebieten nicht erteilt werden. 13 Der Verwaltungsgerichtshof hat im erwähnten Erkenntnis 2004/03/0116 (Pkt. II.2.3.) zunächst ausgesprochen, dass Art. 14 Abs. 1 dritter Teilstrich des Protokolls "Bodenschutz" unmittelbar anwendbar und bei der Beurteilung der (naturschutzrechtlichen) Genehmigungsvoraussetzungen zu prüfen ist. 14 In der Sache hat der Verwaltungsgerichtshof dieser Entscheidung die Auffassung zu Grunde gelegt, dass "die Bezeichnung ,labiles Gebiet' für ein Gelände zutreffe, in dem für abschätzbare Zukunft nicht sicher gestellt sei, dass Gleichgewicht bestehe oder auf Grund anthropogener Einwirkungen bestehen bleibe. Von einem derartigen Gleichgewicht kann aber im Fall aktiver Hangbewegungen, wie sie im vorliegenden Fall unstrittig in einem (großen) Teil des Projektsgebietes festgestellt wurden, nicht gesprochen werden, sodass ... die von der belangten Behörde getroffene Beurteilung, dass die zu errichtenden Skipisten in derartigen labilen Gebieten zu liegen kämen, nicht als unzutreffend erkannt werden kann." (Pkt. II.2.6.) 15 Zusammenfassend kommt in diesem Erkenntnis die Auffassung des Verwaltungsgerichtshofes zum Ausdruck, dass die inhaltliche Bedeutung des Begriffs "labiles Gebiet" auch mit "Rutschhang" bzw. "Rutschterrain" umschrieben werden kann und die naturschutzrechtliche Genehmigung zu versagen ist, wenn ein wesentlicher Teil des Projektsgebietes in geologisch ungünstigem, von Hangbewegungen betroffenen Gelände gelegen ist (Pkte. II.2.5. und 2.8.). 16 Nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes kann einer Rechtsfrage nur dann grundsätzliche Bedeutung zukommen, wenn sie über den konkreten Einzelfall hinaus Bedeutung hat. Der Verwaltungsgerichtshof ist nach dem Revisionsmodell nicht dazu berufen, die Einzelfallgerechtigkeit in jedem Fall zu sichern - diese Aufgabe obliegt den Verwaltungsgerichten (vgl. etwa VwGH 27.2.2019, Ra 2019/10/0010, und 21.11.2019, Ra 2019/10/0177, jeweils mwN). 17 Ausgehend von der obzitierten Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes im Erkenntnis 2004/03/0116 hat im vorliegenden Revisionsfall das Verwaltungsgericht - gestützt auf die Feststellungen, dass bei Errichtung der projektierten Piste Hangbewegungen bzw. eine Beschleunigung der tiefgreifenden Rutschmasse nicht ausgeschlossen seien und es zum spontanen Abbruch von Pistenteilen ohne sichtbare Vorankündigung bzw. zu einer Reaktivierung/Beschleunigung des Talzuschubs Gornerberg kommen könne - das Vorliegen eines "labilen Gebietes" im Sinne des Protokolls "Bodenschutz" in nicht zu beanstandender Weise angenommen. Ein Abweichen von der genannten Rechtsprechung liegt nicht vor. 18 Mit dem erwähnten Zulässigkeitsvorbringen werden weder über den Einzelfall hinausreichende Fragen aufgeworfen noch bietet der vorliegende Fall Anhaltspunkte dafür, dass das Verwaltungsgericht den ihm zustehenden Anwendungsspielraum überschritten oder gar eine krasse oder unvertretbare Fehlbeurteilung des Einzelfalls vorgenommen hätte (vgl. VwGH 30.1.2019, Ra 2018/10/0198, mwN). 19 Da somit bereits die Annahme des Vorliegens eines "labilen Gebiets" die Versagung der naturschutzrechtlichen Bewilligung trägt, kommt es auf die vom Verwaltungsgericht zudem - lediglich hilfsweise - vorgenommene Interessenabwägung bzw. das diesbezügliche Zulässigkeitsvorbringen nicht an. 20 In der Revision werden somit keine Rechtsfragen aufgeworfen, denen im Sinne des Art. 133 Abs. 4 B-VG grundsätzliche Bedeutung zukäme. Die Revision war daher zurückzuweisen. Wien, am 20. März 2020
JWT_2019100199_20201105L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019100199.L00
Ra 2019/10/0199
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019100199_20201105L00/JWT_2019100199_20201105L00.html
1,604,534,400,000
912
Spruch Die Revision wird zurückgewiesen. Begründung 1 Mit Bescheid der belangten Behörde vom 2. Mai 2019 wurde dem Antrag der Revisionswerberin auf Zuerkennung einer Leistung nach § 17 Salzburger Sozialhilfegesetz (S.SHG) für die Tragung der Aufenthaltskosten in der Seniorenresidenz S für den Zeitraum 1. Dezember 2018 bis 30. Juni 2020 stattgegeben. Betraglich festgehalten wurden im Spruch die Aufenthaltskosten, die Eigenleistung, welche direkt an die Einrichtung zu zahlen sei, sowie die Eigenleistung, die dem Sozialhilfeträger überwiesen werde. 2 Die Revisionswerberin erhob gegen diesen Bescheid Beschwerde, in der sie im Wesentlichen vorbrachte, dass die Zahlungen aus einer privaten Pensionsversicherung zu Unrecht zur Gänze als Einkommen gewertet worden seien, da es sich beim überwiegenden Teil des Auszahlungsbetrages der privaten Pensionsversicherungsanstalt um Vermögensrückzahlungen handle. 3 Mit dem angefochtenen Erkenntnis vom 15. Oktober 2019 wies das Landesverwaltungsgericht Salzburg (im Folgenden: Verwaltungsgericht) diese Beschwerde als unbegründet ab und sprach aus, dass die ordentliche Revision an den Verwaltungsgerichtshof nicht zulässig sei. 4 Begründend führte das Verwaltungsgericht aus, die Revisionswerberin beziehe aus der Zusatzpension bei der R AG monatliche Zahlungen in der Höhe von € 513,52. Seitens der Pensionsversicherungsanstalt werde eine monatliche Leistung in der Höhe von € 557,27 zuzüglich € 290,-- an Pflegegeld Stufe 2 abzüglich € 28,42 Krankenversicherungsbeitrag angewiesen. Die belangte Behörde habe die Pension der Pensionsversicherungsanstalt wie auch jene der R AG insofern übergeleitet, als 80 % der Rente unmittelbar an den Kostenträger überwiesen würden. 5 Rechtlich führte das Verwaltungsgericht aus, die Revisionswerberin beziehe aus dem Pensionsversicherungsvertrag mit der R AG eine Zusatzpension in der Höhe von € 513,52, welche ihr monatlich zufließe. Das Vorbringen, wonach Grundlage dieser Versicherung eine Einmalzahlung der Revisionswerberin in der Höhe von € 55.764,65 sei und es sich daher um eine Zahlung aus dem Vermögensstamm handle, widerspreche der Judikatur des Verwaltungsgerichtshofes zum umfassenden Einkommensbegriff in der Sozialhilfe, wonach die Herkunft der regelmäßigen Leistungen zweitrangig sei und es darum gehe, dass die Zahlungen der Revisionswerberin monatlich zuflössen und zur Verfügung stünden. Die Zusatzpension sei daher als Einkommen gemäß § 8 S.SHG zu werten und könne nicht dem Vermögensstamm zugerechnet werden, welcher seit 1. Jänner 2018 aufgrund der Abschaffung des Pflegeregresses nicht mehr zur Begleichung der Heimkosten herangezogen werden dürfe. 6 Gegen dieses Erkenntnis richtet sich die vorliegende außerordentliche Revision. 7 Nach Art. 133 Abs. 4 B-VG ist gegen ein Erkenntnis des Verwaltungsgerichtes die Revision zulässig, wenn sie von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, insbesondere weil das Erkenntnis von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abweicht, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes nicht einheitlich beantwortet wird. 8 Nach § 34 Abs. 1 VwGG sind Revisionen, die sich wegen Nichtvorliegens der Voraussetzungen des Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zur Behandlung eignen, ohne weiteres Verfahren in nichtöffentlicher Sitzung mit Beschluss zurückzuweisen. 9 Nach § 34 Abs. 1a VwGG ist der Verwaltungsgerichtshof bei der Beurteilung der Zulässigkeit der Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG an den Ausspruch des Verwaltungsgerichtes gemäß § 25a Abs. 1 VwGG nicht gebunden. Die Zulässigkeit einer außerordentlichen Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG hat der Verwaltungsgerichtshof im Rahmen der dafür in der Revision vorgebrachten Gründe (§ 28 Abs. 3 VwGG) zu überprüfen. 10 In der Revision wird zur Zulässigkeit vorgebracht, es fehle Rechtsprechung zur Frage, ob wiederkehrende Zahlungen aus privaten Lebensversicherungsverträgen aus einer Kapitaleinzahlung, welche weit vor Inanspruchnahme der Sozialhilfe liege, dem Einkommen oder dem Vermögen zuzurechnen seien. Die monatlichen Zahlungen aus der Pensionsversicherung, welche sich als Zurückzahlung des hingegebenen Kapitals (der Einmalprämie) darstellten, seien schon vorhandenes Vermögen und nicht vergleichbar mit einem laufenden Bezug. 11 Gemäß § 330a ASVG (Verfassungsbestimmung) ist ein Zugriff auf das Vermögen von in stationären Pflegeeinrichtungen aufgenommenen Personen, deren Angehörigen, Erben/Erbinnen und Geschenknehmer/inne/n im Rahmen der Sozialhilfe zur Abdeckung der Pflegekosten unzulässig. 12 Der Verwaltungsgerichtshof hat bereits vor Einführung des § 330a ASVG im Zusammenhang mit der Gewährung von Sozialhilfe darauf hingewiesen, dass der Einsatz eigener Mittel (nämlich des Einkommens und des verwertbaren Vermögens) unabhängig davon vorzunehmen ist, von wem und aus welchem Rechtsgrund bzw. Titel der Hilfesuchende dieses Einkommen und/oder Vermögen erhält bzw. erhalten hat. Der wesentliche Unterschied zwischen diesen beiden Arten eigener Mittel ist, dass es sich beim Einkommen um laufende, aber nicht unbedingt regelmäßige Einnahmen in Geld handelt, beim Vermögen hingegen um (im jeweiligen Zeitraum) bereits vorhandene Werte, mögen sie auch aus dem Überschuss nicht verbrauchten Einkommens entstanden sein (vgl. VwGH 30.9.1994, 93/08/0001 und 94/08/0144; 28.2.2018, Ra 2016/10/0055; 26.9.2019, Ra 2018/10/0199, mwN). Die Abgrenzung der Begriffe „Einkommen“ und „Vermögen“ ist in Zweifelsfällen anhand einer „Zuflussbetrachtung“ durchzuführen. Danach ist für die Frage, ob Geld und Geldeswert dem Einkommen oder dem Vermögen zuzurechnen sind, der Zeitpunkt des Zuflusses an den Empfänger entscheidend. Erfolgt der Zufluss im Bedarfszeitraum, so handelt es sich um Einkommen. Der nach Ablauf eines Bedarfsabschnitts nicht verbrauchte Teil der Einkünfte wächst dem Vermögen zu (vgl. VwGH 25.5.2018, Ra 2017/10/0135). So hat der Verwaltungsgerichtshof beispielsweise im Zusammenhang mit der Auszahlung einer Abfertigung ausgeführt, dass der zugeflossene Abfertigungsbetrag im Bedarfsmonat als Einkommen bei der Gewährung der Mindestsicherung zu berücksichtigen ist (vgl. neuerlich VwGH 26.9.2019, Ra 2018/10/0199). 13 Der Verfassungsgerichtshof hat bereits ausgesprochen, dass eine Differenzierung zwischen hilfebedürftigen Personen, die ihr Vermögen behalten, und hilfebedürftigen Personen, die dieses in Einkommen umgewandelt haben, in der Verfassungsbestimmung des § 330a ASVG Deckung findet (vgl. VfGH 24.9.2018, E 2914/2018-7). 14 Im konkreten Fall fließen der Revisionswerberin monatliche Geldleistungen zu. Nicht relevant ist, von wem und aus welchem Rechtsgrund bzw. Titel die Revisionswerberin dieses Einkommen erhält. Dass die Revisionswerberin das ursprünglich vorhandene Vermögen in eine private Pensionsversicherung eingezahlt hat, ändert nichts an der Qualifikation der monatlichen Zahlungen als Einkommen. 15 Entgegen der Ansicht der Revisionswerberin fehlt es insoweit weder an einer Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes noch ist das Verwaltungsgericht mit seiner Beurteilung, die monatlichen Zahlungen aus einer privaten Pensionsversicherung seien bei der Gewährung von Sozialhilfe als Einkommen zu berücksichtigen, von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abgewichen. 16 In der Revision werden somit keine Rechtsfragen aufgeworfen, denen im Sinne des Art. 133 Abs. 4 B-VG grundsätzliche Bedeutung zukäme. Die Revision war daher ohne weitere Verfahren mit Beschluss gemäß § 34 Abs. 1 VwGG zurückzuweisen. Wien, am 5. November 2020
JWT_2019100200_20200504L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019100200.L00
Ra 2019/10/0200
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019100200_20200504L00/JWT_2019100200_20200504L00.html
1,588,550,400,000
645
Spruch Die Revision wird zurückgewiesen. Begründung 1 Mit dem angefochtenen Erkenntnis vom 14. Oktober 2019 wurde die Revisionswerberin - durch Bestätigung des Straferkenntnisses nach Adaptierung des Spruches - der Übertretung des § 90 Abs. 3 Lebensmittelsicherheits- und Verbraucherschutzgesetzes (LMSVG) iVm Art. 13 Abs. 1 iVm Art. 9 Abs. 1 lit. b Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 betreffend die Information der Verbraucher über Lebensmittel (LMIV) schuldig erkannt, wobei das Verwaltungsgericht Wien - in diesbezüglicher Stattgabe der Beschwerde - die verhängte Geldstrafe auf EUR 300,-- und die Ersatzfreiheitsstrafe auf 18 Stunden herabsetzte. Die ordentliche Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG erklärte das Verwaltungsgericht für nicht zulässig. 2 Gegen dieses Erkenntnis richtet sich die vorliegende außerordentliche Revision. 3 Nach Art. 133 Abs. 4 B-VG ist gegen ein Erkenntnis des Verwaltungsgerichtes die Revision zulässig, wenn sie von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, insbesondere weil das Erkenntnis von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abweicht, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes nicht einheitlich beantwortet wird. 4 Nach § 34 Abs. 1 VwGG sind Revisionen, die sich wegen Nichtvorliegens der Voraussetzungen des Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zur Behandlung eignen, ohne weiteres Verfahren in nichtöffentlicher Sitzung mit Beschluss zurückzuweisen. 5 Nach § 34 Abs. 1a VwGG ist der Verwaltungsgerichtshof bei der Beurteilung der Zulässigkeit der Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG an den Ausspruch des Verwaltungsgerichtes gemäß § 25a Abs. 1 VwGG nicht gebunden. Die Zulässigkeit einer außerordentlichen Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG hat der Verwaltungsgerichtshof im Rahmen der dafür in der Revision vorgebrachten Gründe (§ 28 Abs. 3 VwGG) zu überprüfen. 6 Nach ständiger hg. Judikatur hat der Verwaltungsgerichtshof die Zulässigkeit einer außerordentlichen Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG nur im Rahmen der dafür in der Revision vorgebrachten Gründe (§ 28 Abs. 3 VwGG) zu überprüfen. Der Verwaltungsgerichtshof ist weder verpflichtet, Gründe für die Zulässigkeit einer Revision anhand der übrigen Revisionsausführungen gleichsam zu suchen, noch berechtigt, von Amts wegen erkannte Gründe, die zur Zulässigkeit einer Revision hätten führen können, aufzugreifen (vgl. etwa VwGH 29.1.2020, Ra 2019/05/0311; 21.11.2019, Ro 2018/10/0022 bis 0027). 7 Die Revisionswerberin bringt zur Zulässigkeit der Revision vor, es gebe keine Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes "zu den hier gegenständlichen Normen der Art 9 und 13 LMIV (sowie des von der Revisionswerberin ins Treffen geführten Art 18 LMIV), sodass bereits aufgrund dieses Fehlens eine Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung vorliegt, welche die außerordentliche Revision rechtfertigt". 8 Diesbezüglich ist die Revisionswerberin darauf hinzuweisen, dass Voraussetzung für die Zulässigkeit der Revision im Sinn des Art. 133 Abs. 4 erster Satz zweite Variante B-VG ("weil ... eine solche Rechtsprechung fehlt") das Fehlen von Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes zu einer konkreten Rechtsfrage ist. Nach der ständigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes wird mit dem bloßen Verweis auf fehlende Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes zu einer näher bezeichneten Verwaltungsvorschrift nicht dargelegt, dass eine Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung im Rahmen der Entscheidung über die Revision zu lösen wäre (vgl. zB VwGH 27.2.2019, Ro 2019/10/0006; 21.12.2016, Ro 2014/10/0111). 9 Darüber hinaus bringt die Revisionswerberin in der Zulässigkeitsbegründung vor, das Verwaltungsgericht weiche "im Hinblick auf die Frage des Tatorts von der gefestigten höchstgerichtlichen Rechtsprechung des VwGH ab (insbesondere VwGH 27.3.2019, Ra 2017/10/0147 und VwGH 24.10.2018, Ra 2017/10/0169; siehe dazu im Detail unten Punkt 4.1)". 10 Ein Revisionswerber, der eine Abweichung von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes behauptet, hat konkret darzulegen, dass der der gegenständlich angefochtenen Entscheidung zu Grunde liegende Sachverhalt einer der von ihm ins Treffen geführten hg. Entscheidungen gleicht, das Verwaltungsgericht im gegenständlichen Fall dennoch anders entschieden hat und es damit von der ständigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abgewichen ist, wobei die bloße Wiedergabe von Rechtssätzen zu verschiedenen hg. Erkenntnissen nicht ausreicht. Ebenso reicht auch die bloße Nennung von hg. Entscheidungen nach Datum und Geschäftszahl, ohne auf konkrete Unterschiede in dieser Rechtsprechung hinzuweisen, nicht aus (vgl. zB VwGH 22.3.2019, Ra 2017/04/0104; 28.6.2017, Ra 2017/02/0038). 11 Soweit im Rahmen der Zulässigkeitsbegründung auf die Ausführungen in den Revisionsgründen (Punkt 4.1) verwiesen wird, wird die Revision dem Erfordernis des § 28 Abs. 3 VwGG, wonach die Revision auch gesonderte Gründe zu enthalten hat, aus denen entgegen dem Ausspruch des Verwaltungsgerichts die Revision für zulässig erachtet wird, nicht gerecht (vgl. VwGH 22.3.2018, Ra 2016/15/0011; 15.5.2015, Ra 2015/03/0030). 12 In der Revision werden somit keine Rechtsfragen aufgeworfen, denen im Sinne des Art. 133 Abs. 4 B-VG grundsätzliche Bedeutung zukäme. Die Revision war daher zurückzuweisen. Wien, am 4. Mai 2020
JWT_2019110013_20201027L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019110013.L00
Ra 2019/11/0013
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019110013_20201027L00/JWT_2019110013_20201027L00.html
1,603,756,800,000
281
Spruch Das Verfahren wird eingestellt. Begründung 1 Mit Erkenntnis des Landesverwaltungsgerichtes Burgenland vom 19. Oktober 2018 wurde die Beschwerde des Revisionswerbers gegen einen Bescheid der belangten Behörde abgewiesen, mit welchem dem Revisionswerber die von ihm beantragte Eintragung in die Ärzteliste der Österreichischen Ärztekammer versagt worden war. 2 Am 10. Dezember 2018 langte beim Landesverwaltungsgericht Burgenland ein Schreiben des Revisionswerbers ein, mit welchem dieser - unter anderem - mitteilte, Revision gegen das Erkenntnis des Landesverwaltungsgerichts Burgenland vom 19. Oktober 2018 erheben zu wollen. Dieses Schreiben wurde dem Verwaltungsgerichtshof am 24. Jänner 2019 vorgelegt, wobei an dieser Stelle anzumerken ist, dass ein zu diesem Zeitpunkt beim Verwaltungsgerichtshof eingelangter Verfahrenshilfeantrag jedenfalls als verspätet eingebracht anzusehen gewesen wäre. 3 Am 29. Jänner 2019 erging an den Revisionswerber ein umfassender Auftrag zur Mängelbehebung dieses Revisionsschriftsatzes, wobei insbesondere auf die im Revisionsverfahren bestehende Anwaltspflicht und die Möglichkeit zur Beantragung der Verfahrenshilfe hingewiesen wurde. In diesem Zusammenhang wurde dem Revisionswerber auch die hierzu notwendige Vorlage eines nicht mehr als vier Wochen alten Vermögensverzeichnisses zur Bewilligung der Verfahrenshilfe zur Kenntnis gebracht. 4 Der Revisionswerber ist der am 29. Jänner 2019 ergangenen Aufforderung, die Mängel der gegen das vorbezeichnete Erkenntnis eingebrachten Revision zu beheben, nicht fristgerecht nachgekommen. Insbesondere stellt das - in Reaktion auf die hg. Aufforderung vom 29. Jänner 2019 ergangene - Schreiben vom 26. Februar 2019 nicht, wie erforderlich, einen Anwaltsschriftsatz dar (der Revisionswerber hat, anders als in diesem letztgenannten Schreiben ausgeführt, beim Verwaltungsgerichtshof auch nicht rechtswirksam Verfahrenshilfe für die gegenständliche Revision beantragt). 5 Nach der ständigen Rechtsprechung ist auch ein nur mangelhaft erfüllter Mängelbehebungsauftrag der völligen Unterlassung der Behebung von Mängeln gleichzusetzen. Somit schließt die teilweise Erfüllung des Auftrags zur Behebung der Mängel einer beim Verwaltungsgerichtshof eingebrachten Revision den Eintritt der in § 34 Abs. 2 VwGG aufgestellten Fiktion der Zurückziehung der Revision nicht aus (vgl. VwGH 6.3.2018, Ra 2018/18/0006, mwN). 6 Das Verfahren war daher gemäß §§ 34 Abs. 2 und 33 Abs. 1 VwGG einzustellen. Wien, am 27. Oktober 2020
JWT_2019110022_20201027L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019110022.L00
Ra 2019/11/0022
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019110022_20201027L00/JWT_2019110022_20201027L00.html
1,603,756,800,000
730
Spruch Die Revision wird zurückgewiesen. Begründung 1 Mit dem angefochtenen Erkenntnis wies das Bundesverwaltungsgericht, den Bescheid der belangten Behörde vom 26. November 2015 bestätigend, den Antrag des Revisionswerbers auf Pauschalentschädigung für Schmerzengeld, auf Ersatz des Verdienstentganges und auf orthopädische Versorgung nach dem Verbrechensopfergesetz - VOG, BGBl. Nr. 288/1972, ab. 2 Das Verwaltungsgericht stellte fest, der Revisionswerber sei am 6. Februar 2012 unbekleidet und mit einer blutenden Wunde am Hinterkopf sowie einem starken Brillenhämatom im Stiegenhaus vor seiner Wohnungstür aufgefunden worden. Er habe sich schwere, näher beschriebene Kopfverletzungen zugezogen. Der genaue Verletzungshergang könne nicht festgestellt werden. 3 Beweiswürdigend setzte sich das Verwaltungsgericht mit mehreren Sachverständigengutachten auseinander, von denen eines vom Revisionswerber vorgelegt und eines vom Verwaltungsgericht in Auftrag gegeben worden war. Es gelangte zum Ergebnis, Fremdverschulden sei nicht die einzige Möglichkeit für das Entstehen der Verletzungen gewesen. Vielmehr sei es unter Berücksichtigung der Vorgeschichte des Revisionswerbers auch möglich, dass sich dieser in berauschtem Zustand selbst verletzt habe. Auch die Aussagen des Revisionswerbers und seiner Ehefrau führten zu keinem anderen Ergebnis. 4 Rechtlich folgerte das Verwaltungsgericht, da nicht wesentlich mehr für ein Fremdverschulden als dagegen spreche, sei nicht mit Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die Verletzungen des Revisionswerbers durch eine mit mehr als sechsmonatiger Freiheitsstrafe bedrohte rechtswidrige und vorsätzliche Handlung verursacht worden seien. Die Anspruchsvoraussetzungen nach § 1 Abs. 1 VOG lägen daher nicht vor. 5 Gegen dieses Erkenntnis richtet sich die vorliegende (außerordentliche) Revision. 6 Nach Art. 133 Abs. 4 B-VG ist gegen ein Erkenntnis des Verwaltungsgerichtes die Revision zulässig, wenn sie von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, insbesondere weil das Erkenntnis von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abweicht, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes nicht einheitlich beantwortet wird. 7 Nach § 34 Abs. 1 VwGG sind Revisionen, die sich wegen Nichtvorliegens der Voraussetzungen des Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zur Behandlung eignen, ohne weiteres Verfahren in nichtöffentlicher Sitzung mit Beschluss zurückzuweisen. 8 Nach § 34 Abs. 1a VwGG ist der Verwaltungsgerichtshof bei der Beurteilung der Zulässigkeit der Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG an den Ausspruch des Verwaltungsgerichtes gemäß § 25a Abs. 1 VwGG nicht gebunden. Die Zulässigkeit einer außerordentlichen Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG hat der Verwaltungsgerichtshof im Rahmen der dafür in der Revision gesondert vorgebrachten Gründe (§ 28 Abs. 3 VwGG) zu überprüfen. 9 Die Revision bringt zu ihrer Zulässigkeit zunächst vor, das Verwaltungsgericht habe die entscheidende Feststellung, wonach der Verletzungshergang nicht festgestellt werden könne, auf den Inhalt eines „Fremdaktes“, nämlich eines in dieser Sache geführten Strafverfahrens, gestützt, und dadurch gegen seine Begründungspflicht verstoßen und aktenwidrige Feststellungen getroffen. 10 Dem ist entgegen zu halten, dass das Verwaltungsgericht die Feststellung, wonach der Verletzungshergang nicht genau festgestellt werden könne, tragend auf eine Auseinandersetzung mit den vorliegenden Sachverständigengutachten gestützt und in seine Beurteilung nur ergänzend die sich aus dem genannten „Fremdakt“ ergebenden Aussagen des Revisionswerbers und seiner Ehefrau einbezogen hat. 11 Die Revision macht zu ihrer Zulässigkeit auch geltend, das Verwaltungsgericht hätte seine Feststellungen zu Unrecht auf das von ihm beauftragte Sachverständigengutachten gestützt. Einzig das vom Revisionswerber vorgelegte Sachverständigengutachten beruhe auf einer persönlichen Untersuchung des Revisionswerbers und habe „die gesamte Umgebung - Tatumfeld, Strafakt - in die Beurteilung mit einbezogen“, sodass diesem Gutachten der Vorzug zu geben gewesen wäre. 12 Damit wendet sich die Revision gegen die Beweiswürdigung. Eine Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung läge nur dann vor, wenn das Verwaltungsgericht die Beweiswürdigung in einer die Rechtssicherheit beeinträchtigenden, unvertretbaren Weise vorgenommen hätte (vgl. VwGH 8.2.2018, Ra 2017/11/0292, mwN). 13 Liegen einander widersprechende Gutachten vor, ist es dem Verwaltungsgericht gestattet, sich dem einen oder dem anderen Gutachten anzuschließen, es hat diesfalls jedoch - im Rahmen seiner Beweiswürdigung - seine Gedankengänge darzulegen, die es veranlasst haben, von den an sich gleichwertigen Beweismitteln dem einen einen höheren Beweiswert zuzubilligen als dem anderen. Im Fall des Vorliegens mehrerer Gutachten, die voneinander abweichende Schlussfolgerungen enthalten, ist das Verwaltungsgericht somit gehalten, sich mit den unterschiedlichen Ergebnissen der Gutachten der beteiligten Ärzte beweiswürdigend auseinanderzusetzen. Dabei ist die Schlüssigkeit eines Gutachtens zu prüfen und einer sorgfältigen Beweiswürdigung zu unterziehen (vgl. VwGH 17.8.2020, Ra 2019/12/0084, mwN). 14 Das Verwaltungsgericht hat mit ausführlicher Begründung dargelegt, warum es die Schlussfolgerung des vom Revisionswerber vorgelegten Gutachtens, dass mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ein Fremdverschulden anzunehmen sei, nicht für nachvollziehbar halte und sich vielmehr dem von ihm beauftragten Gutachten anschließe, wonach nicht erheblich mehr für ein Fremdverschulden an den Verletzungen spreche als dagegen. Die Revision legt mit ihrem bloß allgemein gehaltenen Vorbringen nicht konkret dar, dass jenes Gutachten, welches das Verwaltungsgericht seiner Entscheidung zu Grunde gelegt hat, unvollständig oder unschlüssig oder die diesbezügliche Beweiswürdigung des Verwaltungsgerichtes unvertretbar wäre. 15 In der Revision werden sohin keine Rechtsfragen aufgeworfen, denen im Sinne des Art. 133 Abs. 4 B-VG grundsätzliche Bedeutung zukäme. Die Revision war daher zurückzuweisen. Wien, am 27. Oktober 2020
JWT_2019110043_20200911L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019110043.L00
Ra 2019/11/0043
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019110043_20200911L00/JWT_2019110043_20200911L00.html
1,599,782,400,000
457
Spruch Das angefochtene Erkenntnis wird wegen Rechtswidrigkeit seines Inhaltes aufgehoben. Der Bund hat der Revisionswerberin Aufwendungen in der Höhe von EUR 1.106,40 binnen zwei Wochen bei sonstiger Exekution zu ersetzen. Das Mehrbegehren wird abgewiesen. Begründung 1 Mit Bescheid vom 11. September 2017 wies die belangte Behörde den Antrag der Revisionswerberin auf Ausstellung eines Behindertenpasses ab, da der Grad der Behinderung lediglich 30 % betrage. 2 Mit dem angefochtenen Erkenntnis wies das Bundesverwaltungsgericht - ohne Durchführung einer mündlichen Verhandlung - die dagegen erhobene Beschwerde der Revisionswerberin als unbegründet ab und sprach aus, dass die Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zulässig sei. 3 Gegen dieses Erkenntnis richtet sich die vom Verwaltungsgericht mit den Akten des Verfahrens vorgelegte (außerordentliche) Revision. 4 Die belangte Behörde erstattete keine Revisionsbeantwortung. 5 Der Verwaltungsgerichtshof hat über die Revision in dem gemäß § 12 Abs. 1 Z 2 VwGG gebildeten Senat erwogen: 6 Die Revision ist zulässig, weil sie zutreffend vorbringt, das Verwaltungsgericht habe entgegen der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes von einer mündlichen Verhandlung abgesehen. Die Revision ist auch begründet. 7 Das Verwaltungsgericht begründet sein Erkenntnis im Wesentlichen damit, die Feststellung des Grades der Behinderung folge der Einschätzung der vom Verwaltungsgericht eingeholten Gutachten einer Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie (Dr. C-K) und eines Arztes für Allgemeinmedizin (Dr. K) in Verbindung mit den von der belangten Behörde eingeholten Gutachten einer Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie (Dr. C-K) und einer Fachärztin für Augenheilkunde (Dr. S). 8 In derartigen Fällen fehlt es regelmäßig schon an der ersten Voraussetzung für den Entfall einer mündlichen Verhandlung nach § 24 Abs. 4 VwGVG, dass nämlich die „mündliche Verhandlung eine weitere Klärung der Rechtssache nicht erwarten lässt“, ermöglicht doch die Durchführung einer mündlichen Verhandlung, ergänzende Fragen an den Antragsteller und den (die) beigezogenen Sachverständigen zu stellen und auch den für die Entscheidungsfindung wesentlichen persönlichen Eindruck vom Betroffenen zu gewinnen (vgl. VwGH 15.7.2019, Ra 2017/11/0254, mwN). Die im Beschwerdeverfahren eingeräumte Möglichkeit, zu den Sachverständigengutachten schriftlich Stellung zu nehmen, kann die Durchführung eine Verhandlung in einem Fall wie dem vorliegenden nicht ersetzen (vgl. VwGH 7.4.2020, Ra 2018/11/0166, mwN). 9 Schon alleine der Umstand, dass das Verwaltungsgericht selbst eine Ergänzung des Ermittlungsverfahrens als geboten ansah und die Einholung weiterer Gutachten veranlasste, zeigt, dass der entscheidungserhebliche Sachverhalt nicht geklärt war und keineswegs feststand, dass eine mündliche Erörterung eine weitere Klärung der Rechtssache nicht erwarten ließ. Die Voraussetzungen für das Absehen von der Durchführung der beantragten Verhandlung nach § 24 Abs. 4 VwGVG lagen somit nicht vor (vgl. etwa VwGH 19.9.2018, Ra 2018/11/0145). 10 Das angefochtene Erkenntnis, mit dem das Verwaltungsgericht die Rechtslage in Bezug auf die Erfordernisse der Durchführung einer mündlichen Verhandlung verkannt hat, war daher schon aus diesem Grund gemäß § 42 Abs. 2 Z 1 VwGG wegen Rechtswidrigkeit seines Inhaltes aufzuheben. 11 Der Ausspruch über den Aufwandersatz gründet sich auf die §§ 47 ff VwGG iVm VwGH-Aufwandersatzverordnung 2014. Das Mehrbegehren war abzuweisen, weil ein weiterer Aufwandersatz unter dem Titel eines ERV-Zuschlags und der Umsatzsteuer nicht vorgesehen ist (vgl. VwGH 26.5.2020, Ra 2018/11/0230). 12 Von der beantragten Verhandlung vor dem Verwaltungsgerichtshof konnte gemäß § 39 Abs. 2 Z 4 VwGG abgesehen werden. Wien, am 11. September 2020
JWT_2019110045_20200427L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019110045.L00
Ra 2019/11/0045
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019110045_20200427L00/JWT_2019110045_20200427L00.html
1,587,945,600,000
523
Spruch Die Revision wird zurückgewiesen. Begründung 1 Mit Erkenntnis vom 14. Februar 2019 hob das Landesverwaltungsgericht Niederösterreich das Straferkenntnis der belangten Behörde vom 18. Oktober 2018, mit dem der Mitbeteiligte wegen des Lenkens eines Kraftfahrzeuges am 15. Juni 2018 in einem durch Alkohol beeinträchtigten Zustand gemäß § 5 Abs. 1 iVm. § 99 Abs. 1b StVO 1960 bestraft worden war, auf und stellte das Strafverfahren gemäß § 45 Abs. 1 Z 1 VStG ein. 2 Mit dem angefochtenen Erkenntnis vom 6. März 2019 hob das Verwaltungsgericht den Bescheid der belangten Behörde vom 4. September 2018, mit welchem dem Mitbeteiligten die Lenkberechtigung unter gleichzeitiger Anordnung einer begleitenden Maßnahme entzogen worden war, weil er am 15. Juni 2018 ein Kraftfahrzeug in einem durch Alkohol beeinträchtigten Zustand gelenkt und dabei einen Verkehrsunfall mit Sachschaden verursacht habe, auf. Das Verwaltungsgericht sprach gemäß § 25a Abs. 1 VwGG aus, dass die Revision an den Verwaltungsgerichtshof nicht zulässig sei. 3 Begründend führte das Verwaltungsgericht aus, mit dem erwähnten Erkenntnis des Verwaltungsgerichts vom 14. Februar 2019 sei die Vorfrage des Lenkens eines Kraftfahrzeugs in einem durch Alkohol beeinträchtigten Zustand rechtskräftig entschieden worden. In Bindung an diese Entscheidung sei das Vorliegen einer bestimmten Tatsache im Sinne von § 7 Abs. 3 Z 1 FSG zu verneinen gewesen. 4 Mit Erkenntnis vom 27. September 2019, Ra 2019/02/0059, hob der Verwaltungsgerichtshof das Erkenntnis des Verwaltungsgerichts vom 14. Februar 2019 wegen Rechtswidrigkeit infolge Verletzung von Verfahrensvorschriften auf, weil die Beweiswürdigung des Verwaltungsgerichts bei der Beurteilung der Nachtrunkbehauptungen des Mitbeteiligten fehlerhaft war. 5 Nach Art. 133 Abs. 4 B-VG ist gegen ein Erkenntnis des Verwaltungsgerichtes die Revision zulässig, wenn sie von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, insbesondere weil das Erkenntnis von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abweicht, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes nicht einheitlich beantwortet wird. 6 Nach § 34 Abs. 1 VwGG sind Revisionen, die sich wegen Nichtvorliegens der Voraussetzungen des Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zur Behandlung eignen, ohne weiteres Verfahren in nichtöffentlicher Sitzung mit Beschluss zurückzuweisen. 7 Nach § 34 Abs. 1a VwGG ist der Verwaltungsgerichtshof bei der Beurteilung der Zulässigkeit der Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG an den Ausspruch des Verwaltungsgerichtes gemäß § 25a Abs. 1 VwGG nicht gebunden. Die Zulässigkeit einer außerordentlichen Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG hat der Verwaltungsgerichtshof ausschließlich im Rahmen der dafür in der Revision gesondert vorgebrachten Gründe (§ 28 Abs. 3 VwGG) zu überprüfen. 8 Die Revision bringt zu ihrer Zulässigkeit vor, der Rechtsfrage, ob "davon auszugehen ist, dass sich der Lenker eines Kraftfahrzeuges bei nächstbietender Gelegenheit zu einem allfälligen Nachtrunk zu äußern und konkrete und nachprüfbare Angaben betreffend konsumierte Mengen an Alkohol zu leisten hat", komme grundsätzliche Bedeutung zu. In diesem Zusammenhang sei das Verwaltungsgericht von näher genannter Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes zur Beurteilung von Nachtrunkbehauptungen abgewichen. 9 Dieses Vorbringen bezieht sich ausschließlich auf die Beweiswürdigung in Bezug auf das Vorliegen einer Übertretung des § 5 Abs. 1 iVm. § 99 Abs. 1b StVO 1960 (ein nahezu wortgleiches Zulässigkeitsvorbringen wurde schon im hg. Verfahren Ra 2019/02/0059 erhoben). Eine solche Beweiswürdigung hat das Verwaltungsgericht im angefochtenen Erkenntnis aber gar nicht vorgenommen, sondern vielmehr auf die Bindungswirkung des erwähnten Erkenntnisses vom 14. Februar 2019 abgestellt. Von der allein geltend gemachten Rechtsfrage, ob die Beweiswürdigung des Verwaltungsgerichts zur Nachtrunkbehauptung der hg. Rechtsprechung zuwiderläuft, hängt die Entscheidung über die vorliegende Revision daher nicht ab. 10 In der Revision werden sohin keine Rechtsfragen aufgeworfen, denen im Sinne des Art. 133 Abs. 4 B-VG grundsätzliche Bedeutung zukäme. Die Revision war daher zurückzuweisen. Wien, am 27. April 2020
JWT_2019110046_20200131L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019110046.L00
Ra 2019/11/0046
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019110046_20200131L00/JWT_2019110046_20200131L00.html
1,580,428,800,000
1,026
Spruch Die Revision wird zurückgewiesen. Begründung 1 Mit Erkenntnis vom 5. Juli 2018 wies das Landesverwaltungsgericht Steiermark, den Bescheid der belangten Behörde vom 8. Mai 2018 bestätigend, den Antrag des Revisionswerbers auf "Umschreibung" seines ausländischen (afghanischen) Führerscheins gemäß § 23 Abs. 3 des Führerscheingesetzes - FSG ab. 2 Mit Erkenntnis vom 14. November 2018, Ra 2018/11/0198, hob der Verwaltungsgerichtshof dieses Erkenntnis wegen Rechtswidrigkeit seines Inhaltes auf. Begründend führte der Verwaltungsgerichtshof aus: "3.2.1. Richtig ist zunächst, dass gemäß 23 Abs. 3 erster Halbsatz FSG die Erteilung einer (österreichischen) Lenkberechtigung den Besitz einer in einem Nicht-EWR-Staat erteilten Lenkberechtigung voraussetzt. Nur wenn das Ermittlungsverfahren ergibt, dass der Antragsteller Besitzer einer solchen Lenkberechtigung ist, kann ihm nach der letztzitierten Bestimmung die Lenkberechtigung erteilt werden. Daraus folgt, dass die Führerscheinbehörde in ihrer Beweiswürdigung nachvollziehbar darzulegen hat, ob sie auf Grund der Ergebnisse des Ermittlungsverfahrens davon ausgeht, der Antragsteller sei im Besitz der genannten ausländischen Lenkberechtigung oder ob dies ihrer Meinung nach nicht der Fall sei. Zu letztgenanntem Ergebnis kann die belangte Behörde in einem Fall, in dem ihr ein ausländischer Führerschein vorgelegt wird, insbesondere dann gelangen, wenn triftige Gründe gegen die Echtheit dieses Dokumentes sprechen. Nach der Judikatur des Verwaltungsgerichtshofes ist wichtigstes Beweismittel zwar regelmäßig der Führerschein, also die über die Berechtigung von der ausländischen Kraftfahrbehörde ausgestellte Urkunde. Der Beweis für das Bestehen einer ausländischen Lenkberechtigung kann aber auch auf jede andere Weise erbracht werden, die geeignet ist, die Überzeugung vom Besitz der genannten Lenkberechtigung zu verschaffen. Wenn die Behörde - wie im vorliegenden Fall auf Grund des Ergebnisses einer kriminaltechnischen Untersuchung des Führerscheines - davon ausgehen muss, dass es sich bei dem ihr vorgelegten Führerschein um eine Fälschung handelt, hat sie dies dem Antragsteller bekannt zu geben und ihn aufzufordern, andere geeignete Unterlagen vorzulegen, insbesondere solche betreffend die von ihm absolvierte Ausbildung und die von ihm erfolgreich abgelegte Prüfung. Insoweit trifft die Partei im Erteilungsverfahren eine spezifische Mitwirkungsobliegenheit, deren Verletzung zur Versagung der beantragten Lenkberechtigung führen kann (vgl. zum Ganzen VwGH 24.5.2011, 2011/11/0045 mwN; 24.7.2013, 2013/11/0089; 15.6.2018, Ra 2018/11/0059). 3.2.2. Die Begründung des angefochtenen Erkenntnisses lässt erkennen, dass das Verwaltungsgericht entgegen der dargelegten Judikatur des Verwaltungsgerichtshofes die Rechtsauffassung vertritt, schon der Umstand, dass der vorgelegte Führerschein nicht echt sei, schließe die beantragte 'Umschreibung', also die Erteilung einer österreichischen Lenkberechtigung, aus. Ausgehend von dieser verfehlten Rechtsansicht hat das Verwaltungsgericht jegliches Eingehen auf die vom Revisionswerber im Verfahren vorgelegte Bestätigung der afghanischen Botschaft in Wien vom 25. Oktober 2017 unterlassen. In dieser Bestätigung ist, vom Verwaltungsgericht nicht einmal wiedergegeben, davon die Rede, dass der vom Revisionswerber vorgelegte Führerschein eine 'Verlängerung' eines früheren Führerscheins aus dem Jahr 2011 darstellt. Das Verwaltungsgericht hat insbesondere nicht festgestellt, dass diese Bestätigung, die eine Aussage nicht über die Echtheit des Führerscheindokuments, sondern über die 'Verlängerung' einer früher bestehenden Lenkberechtigung trifft, ihrerseits eine Fälschung wäre. Ausgehend von der wiedergegebenen Judikatur des Verwaltungsgerichtshofes wäre das Verwaltungsgericht verhalten gewesen, den im Verfahren unvertretenen Revisionswerber aufzufordern, allfällige weitere Unterlagen vorzulegen, die für das Bestehen einer aufrechten ausländischen Lenkberechtigung sprechen." 3 Im fortgesetzten Verfahren wies das Landesverwaltungsgericht Steiermark die Beschwerde des Revisionswerbers mit dem angefochtenen Erkenntnis nach Durchführung einer mündlichen Verhandlung (erneut) ab, legte diesem die Kosten der beigezogenen Dolmetscherin in noch zu bestimmender Höhe auf und sprach aus, dass die Revision an den Verwaltungsgerichtshof nicht zulässig sei. 4 Gegen dieses Erkenntnis richtet sich die vorliegende (außerordentliche) Revision. 5 Nach Art. 133 Abs. 4 B-VG ist gegen ein Erkenntnis des Verwaltungsgerichtes die Revision zulässig, wenn sie von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, insbesondere weil das Erkenntnis von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abweicht, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes nicht einheitlich beantwortet wird. 6 Nach § 34 Abs. 1 VwGG sind Revisionen, die sich wegen Nichtvorliegens der Voraussetzungen des Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zur Behandlung eignen, ohne weiteres Verfahren in nichtöffentlicher Sitzung mit Beschluss zurückzuweisen. 7 Nach § 34 Abs. 1a VwGG ist der Verwaltungsgerichtshof bei der Beurteilung der Zulässigkeit der Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG an den Ausspruch des Verwaltungsgerichtes gemäß § 25a Abs. 1 VwGG nicht gebunden. Die Zulässigkeit einer außerordentlichen Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG hat der Verwaltungsgerichtshof im Rahmen der dafür in der Revision vorgebrachten Gründe (§ 28 Abs. 3 VwGG) zu überprüfen. 8 Die Revision bringt zu ihrer Zulässigkeit vor, das Verwaltungsgericht habe in Abweichung von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes (erneut) auf die Echtheit des ausländischen Führerscheins und nicht auf das Bestehen einer ausländischen Lenkberechtigung abgestellt und dadurch das Beweisthema im Verfahren nach § 23 Abs. 3 FSG verkannt. Insbesondere habe das Verwaltungsgericht neuerlich eine Auseinandersetzung mit dem Bestätigungsschreiben der afghanischen Botschaft vom 25. Oktober 2017 unterlassen. Dadurch habe sich das Verwaltungsgericht auch über die Bindungswirkung des § 63 Abs. 1 VwGG hinweggesetzt. 9 Insoweit die Revision vorbringt, das Verwaltungsgericht habe sich über die im hg. Erkenntnis vom 14. November 2018, Ra 2018/11/0198, geäußerte Rechtsanschauung hinweggesetzt, ist ihr zu entgegnen, dass das Verwaltungsgericht im Rahmen einer am 24. Jänner 2019 durchgeführten mündlichen Verhandlung den Revisionswerber - in Entsprechung der Rechtsanschauung im genannten hg. Erkenntnis - aufgefordert hat, allfällige andere geeignete Unterlagen als den (eine Totalfälschung darstellenden) afghanischen Führerschein vom 25. November 2015 vorzulegen, insbesondere betreffend die von ihm absolvierte Ausbildung und Führerscheinprüfung. Der Revisionswerber hat sich nach dieser Aufforderung allerdings ausschließlich auf die bereits im ersten Verfahrensgang vor dem Verwaltungsgericht vorgelegte Bestätigung der afghanischen Botschaft vom 25. Oktober 2017 berufen. 10 Das Verwaltungsgericht hat seiner Entscheidung zu Grunde gelegt, der Revisionswerber sei im Zeitpunkt der Antragstellung nicht im Besitz einer gültigen Lenkberechtigung gewesen, da ein früherer Führerschein zu diesem Zeitpunkt bereits seine Gültigkeit verloren habe und die vom Revisionswerber vorgelegte Verlängerung dieses Führerscheins eine Totalfälschung sei. Beweiswürdigend hat das Verwaltungsgericht auch das Schreiben der afghanischen Botschaft vom 25. Oktober 2017 betreffend die Echtheit und den Inhalt (Verlängerung des früheren Führerscheins) des Führerscheins vom 25. November 2015, aber auch eine rechtskräftige strafgerichtliche Verurteilung des Revisionswerbers wegen des Vergehens der Urkundenfälschung durch den Gebrauch dieses Führerscheins berücksichtigt. Andere geeignete Dokumente, die für das Bestehen einer aufrechten ausländischen Lenkberechtigung sprechen würden, hat der Revisionswerber trotz Aufforderung durch das Verwaltungsgericht nicht vorgelegt. 11 Vor diesem Hintergrund zeigt die Revision nicht auf, dass das Verwaltungsgericht das Beweisthema im Verfahren nach § 23 Abs. 3 FSG verkannt hätte oder dass die seiner Annahme, der Revisionswerber habe im Antragszeitpunkt nicht über eine ausländische Lenkberechtigung verfügt, zu Grunde liegende Beweiswürdigung fallbezogen in einer die Rechtssicherheit beeinträchtigenden, unvertretbaren Weise erfolgt wäre (vgl. dazu etwa VwGH 11.6.2018, Ra 2018/11/0103, mwN ). 12 In der Revision werden keine Rechtsfragen aufgeworfen, denen im Sinne des Art. 133 Abs. 4 B-VG grundsätzliche Bedeutung zukäme. Die Revision war daher zurückzuweisen. Wien, am 31. Jänner 2020
JWT_2019110047_20200629L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019110047.L00
Ra 2019/11/0047
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019110047_20200629L00/JWT_2019110047_20200629L00.html
1,593,388,800,000
783
Spruch gefasst: Die Revision wird als gegenstandslos geworden erklärt und das Verfahren eingestellt. Ein Zuspruch von Aufwandersatz findet nicht statt. Begründung 1 1. Mit (Vorstellungs-)Bescheid der belangten Behörde vom 18. Jänner 2019 wurde dem Revisionswerber die Lenkberechtigung für die Klassen AM und B für die Dauer von einem Monat, gerechnet ab dem 21. Dezember 2018 (Datum der Abnahme des Führerscheins), entzogen und ausgesprochen, dass er einen näher bestimmten Mopedausweis bei der belangten Behörde abzuliefern habe. Weiters wurde angeordnet, dass der Revisionswerber ein Verkehrscoaching zu absolvieren habe. Schließlich wurde der Revisionswerber aufgefordert, vor Wiederausfolgung des Führerscheines seine gesundheitliche Eignung zum Lenken von Kraftfahrzeugen der Klassen AM und B durch ein amtsärztliches Gutachten nachzuweisen, und ausgesprochen, dass die Frist für die Entziehung der Lenkberechtigung nicht vor Befolgung dieser Anordnung ende. Unter einem schloss die belangte Behörde gemäß § 13 Abs. 2 VwGVG die aufschiebende Wirkung einer Beschwerde aus. 2 Gegen diesen Bescheid (mit Ausnahme des Ausspruches über die Entziehung der Lenkberechtigung für die Dauer eines Monats und die Anordnung eines Verkehrscoachings) erhob der Revisionswerber mit Schriftsatz vom 21. Jänner 2019 eine Beschwerde, die mit dem Antrag verbunden war, die belangte Behörde bzw. das Verwaltungsgericht möge der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zuerkennen. 3 Mit dem in Revision gezogenen Beschluss vom 29. Jänner 2019 gab das Landesverwaltungsgericht Oberösterreich diesem Antrag nicht statt, erkannte der Beschwerde keine aufschiebende Wirkung zu und sprach aus, dass gegen diesen Beschluss eine Revision nicht zulässig sei. 4 Mit Bescheid vom 13. Februar 2019 hob die belangte Behörde ihren Bescheid vom 18. Jänner 2019 gemäß § 68 Abs. 2 AVG von Amts wegen auf. 5 Mit Beschluss vom 6. März 2019 erklärte das Verwaltungsgericht die Beschwerde des Revisionswerbers gegen den Bescheid der belangten Behörde vom 18. Jänner 2019 als gegenstandslos und stellte das Beschwerdeverfahren ein. 6 Über Vorhalt des Verwaltungsgerichtshofes teilte der Revisionswerber mit Stellungnahme vom 7. Mai 2020 mit, nach wie vor ein rechtliches Interesse an einer Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofes über die vorliegende Revision gegen den Beschluss des Verwaltungsgerichts vom 29. Jänner 2019 zu haben. Begründend führte er zum einen aus, dass ein Rechtsmittel gegen den Bescheid der belangten Behörde vom 18. Jänner 2019, mit welchem dem Revisionswerber die Lenkberechtigung entzogen und begleitende Maßnahmen angeordnet worden seien, nur dann iSd Art. 13 EMRK und des Art. 47 GRC effektiv sei, wenn diesem aufschiebende Wirkung zukäme und der Verwaltungsgerichtshof „in der Sache“ über die gegenständliche Revision entscheide. Eine Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofes sei zum anderen zur Klärung der Frage geboten, ob das Lenken eines Kraftfahrzeugs durch den Revisionswerber zwischen der Zustellung des Entziehungsbescheides der belangten Behörde vom 18. Jänner 2019 und der Zustellung des diesen Bescheid aufhebenden Bescheides vom 13. Februar 2019 rechtmäßig gewesen sei. Das Lenken eines Kraftfahrzeuges innerhalb dieses Zeitraumes stelle nämlich eine Verwaltungsübertretung nach § 37 Abs. 4 Z 1 FSG und eine bestimmte Tatsache iSd § 7 Abs. 3 Z 6 lit. a FSG dar, welche nach § 25 Abs. 3 FSG einen mindestens dreimonatigen Entzug der Lenkberechtigung zur Folge habe. 7 2.1. Gemäß § 33 Abs. 1 erster Satz VwGG ist die Revision mit Beschluss als gegenstandslos geworden zu erklären und das Verfahren einzustellen, wenn in irgendeiner Lage des Verfahrens offenbar wird, dass der Revisionswerber klaglos gestellt wurde. 8 § 33 Abs. 1 VwGG ist nicht nur auf die Fälle der formellen Klaglosstellung beschränkt. Ein Einstellungsfall wegen Gegenstandslosigkeit liegt insbesondere auch dann vor, wenn der Revisionswerber kein rechtliches Interesse mehr an einer Sachentscheidung des Gerichtshofes hat (vgl. etwa VwGH 29.1.2020, Ra 2019/11/0166, mwN). 9 2.2. Ein solcher Fall liegt hier vor: 10 Der Verwaltungsgerichtshof hat in seiner Rechtsprechung bereits wiederholt festgehalten, dass das Rechtsschutzinteresse eines Revisionswerbers, dessen Revision sich gegen eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts betreffend die aufschiebende Wirkung seiner Beschwerde richtet, nicht mehr gegeben ist, sobald das Verwaltungsgericht über die Beschwerde selbst erkannt hat (vgl. etwa VwGH 10.10.2018, Ra 2018/11/0189, mwN). 11 Nichts anderes kann in einem Fall wie dem vorliegenden gelten, in dem die belangte Behörde den beim Verwaltungsgericht mit Beschwerde bekämpften Bescheid während des Beschwerdeverfahrens gemäß § 68 Abs. 2 AVG aufgehoben und das Verwaltungsgericht das Beschwerdeverfahren mit Beschluss eingestellt hat, weil auch durch eine Einstellung nach § 28 Abs. 1 VwGVG die Beschwerde erledigt wird (vgl. Leeb in Hengstschläger/Leeb, AVG ErgBd [2017] § 28 VwGVG Rz 6). 12 Auch mit seinem Vorbringen hinsichtlich der Rechtmäßigkeit des Lenkens eines Kraftfahrzeugs durch den Revisionswerber im Zeitraum zwischen der Zustellung des Bescheides der belangten Behörde vom 18. Jänner 2019 und der Zustellung des diesen Bescheid aufhebenden Bescheides der belangten Behörde vom 13. Februar 2019 kann der Revisionswerber ein weiterbestehendes rechtliches Interesse an einer Entscheidung über die Nichtzuerkennung der aufschiebenden Wirkung nicht darlegen. Durch die Aufhebung des angefochtenen Beschlusses käme nämlich seiner Beschwerde, der die aufschiebende Wirkung im Bescheid der belangten Behörde vom 18. Jänner 2019 aberkannt wurde, weder nach § 13 Abs. 1 VwGVG noch nach § 22 Abs. 3 VwGVG die aufschiebende Wirkung zu, sodass sich seine Rechtsstellung nicht verbessern würde. 13 2.3. Die Revision war somit in sinngemäßer Anwendung des § 33 Abs. 1 VwGG für gegenstandslos geworden zu erklären und das Revisionsverfahren einzustellen. 14 2.4. Mangels einer formellen Klaglosstellung liegt im vorliegenden Fall die Voraussetzung für einen Kostenzuspruch an den Revisionswerber gemäß § 55 VwGG nicht vor. In Hinblick darauf, dass die Entscheidung über die Kosten einen unverhältnismäßigen Aufwand erfordern würde, hat der Verwaltungsgerichtshof gemäß § 58 Abs. 2 VwGG nach freier Überzeugung entschieden, dass kein Aufwandersatz zugesprochen wird (vgl. neuerlich VwGH 29.1.2020, Ra 2019/11/0166, mwN). Wien, am 29. Juni 2020
JWT_2019110058_20200629L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019110058.L00
Ra 2019/11/0058
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019110058_20200629L00/JWT_2019110058_20200629L00.html
1,593,388,800,000
1,058
Spruch Die Revision wird zurückgewiesen. Begründung 1 Mit dem angefochtenen Erkenntnis wurde, in Bestätigung des Bescheides der belangten Behörde vom 3. Jänner 2019, der Antrag der Revisionswerberin auf Gewährung von Hilfeleistung nach dem Verbrechensopfergesetz (VOG) abgewiesen. Gleichzeitig wurde gemäß § 25a VwGG ausgesprochen, dass eine ordentliche Revision an den Verwaltungsgerichtshof nach Art. 133 Abs. 4 B-VG unzulässig sei. 2 In der Begründung verwies das Verwaltungsgericht zunächst auf den Antrag der Revisionswerberin vom 1. Oktober 2018 betreffend Gewährung von Heilfürsorge (v.a. psychotherapeutische Krankenbehandlung) und den Ersatz eines Sachschadens (Brille), den sie mit dem Vorfall vom 8. August 2018 begründet habe. 3 Nach den Feststellungen sei die Revisionswerberin an diesem Tag auf einer Treppe Richtung Stadtplatz der Gemeinde M. unterwegs gewesen, als ihr von einem unbekannten Mann mit ausgebreiteten Armen und mit den Worten „Geldtasche her“ der Weg versperrt worden sei. Die Revisionswerberin habe daraufhin zu schreien begonnen, sich umgedreht und sei die letzten fünf Stufen der Treppe hinunter gesprungen, wobei sie zu Sturz gekommen sei (und sich dabei verletzt habe bzw. ihre Brille gebrochen sei). Der unbekannte Mann habe ohne Beute die Flucht ergriffen, zu einer körperlichen Berührung zwischen ihm und der Revisionswerberin sei es nicht gekommen. 4 In der rechtlichen Beurteilung verneinte das Verwaltungsgericht die Anspruchsvoraussetzung des von ihm zitierten § 1 Abs. 1 Z 1 VOG, der die Wahrscheinlichkeit der Herbeiführung der Gesundheitsschädigung durch eine zum Entscheidungszeitpunkt mit einer mehr als sechsmonatigen Freiheitsstrafe bedrohte rechtswidrige und vorsätzliche Handlung verlange. Die Revisionswerberin sei nämlich aus folgendem Grund „kein Opfer einer mit mehr als sechsmonatigen Freiheitsstrafe bedrohten rechtswidrigen und vorsätzlichen Handlung“: 5 Wie bereits die belangte Behörde zutreffend ausgeführt habe, handle es sich gegenständlich nicht um einen Raub(versuch) gemäß § 142 StGB, weil dieser nach der Rechtsprechung als Tatmittel Gewalt gegen eine Person oder eine qualifizierte Drohung, die mit „gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben“ verbunden sei, voraussetze, was bei einem „bedrohlichen Hinstellen“ zur „Einschüchterung“ des Tatopfers nicht gegeben sei (Hinweis auf OGH 10.10.2006, 14 Os 103/06p). Eine gegen das Rechtsgut der Freiheit gerichtete Androhung der Entführung reiche nicht aus (Hinweis auf OGH 9.10.2012, 11 Os 110/12d). 6 Da gegenständlich angesichts des Bereicherungsvorsatzes (und näher zitierter Literatur) auch nicht von einer Nötigung auszugehen sei und der fallbezogen verbleibende Diebstahl (§ 127 StGB) wegen seiner Strafdrohung für die Hilfeleistung gemäß § 1 Abs. 1 Z 1 VOG nicht ausreiche, sei der Antrag abzuweisen gewesen. 7 Nach Art. 133 Abs. 4 B-VG ist gegen ein Erkenntnis des Verwaltungsgerichtes die Revision zulässig, wenn sie von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, insbesondere weil das Erkenntnis von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abweicht, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes nicht einheitlich beantwortet wird. 8 Nach § 34 Abs. 1 VwGG sind Revisionen, die sich wegen Nichtvorliegens der Voraussetzungen des Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zur Behandlung eignen, ohne weiteres Verfahren in nichtöffentlicher Sitzung mit Beschluss zurückzuweisen. 9 Nach § 34 Abs. 1a VwGG ist der Verwaltungsgerichtshof bei der Beurteilung der Zulässigkeit der Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG an den Ausspruch des Verwaltungsgerichtes gemäß § 25a Abs. 1 VwGG nicht gebunden. Die Zulässigkeit einer außerordentlichen Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG hat der Verwaltungsgerichtshof im Rahmen der dafür in der Revision gesondert vorgebrachten Gründe (§ 28 Abs. 3 VwGG) zu überprüfen. Diesem Erfordernis wird insbesondere nicht schon durch nähere Ausführungen zur behaupteten Rechtswidrigkeit der bekämpften Entscheidung (§ 28 Abs. 1 Z 5 VwGG) oder zu den Rechten, in denen sich der Revisionswerber verletzt erachtet (§ 28 Abs. 1 Z 4 VwGG), Genüge getan (vgl. aus vielen die Beschlüsse VwGH 23.3.2017, Ra 2017/11/0014, und VwGH 1.9.2017, Ra 2017/11/0225, jeweils mwN). 10 Der Verwaltungsgerichtshof ist weder verpflichtet, Gründe für die Zulässigkeit einer Revision anhand der übrigen Revisionsausführungen gleichsam zu suchen, noch berechtigt, von Amts wegen erkannte Gründe, die zur Zulässigkeit einer Revision hätten führen können, aufzugreifen (vgl. VwGH 14.10.2019, Ra 2019/11/0157, mwN). 11 Das Verbrechensopfergesetz, BGBl. Nr. 288/1972 idF BGBl. I Nr. 100/2018 (VOG), lautet auszugsweise: „§ 1. (1) Anspruch auf Hilfe haben österreichische Staatsbürger, wenn mit Wahrscheinlichkeit anzunehmen ist, dass sie 1. durch eine zum Entscheidungszeitpunkt mit einer mehr als sechsmonatigen Freiheitsstrafe bedrohte rechtswidrige und vorsätzliche Handlung eine Körperverletzung oder eine Gesundheitsschädigung erlitten haben oder ... und ihnen dadurch Heilungskosten erwachsen sind oder ihre Erwerbsfähigkeit gemindert ist ....“ 12 § 142 Strafgesetzbuch lautet: „Raub § 142. (1) Wer mit Gewalt gegen eine Person oder durch Drohung mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben (§ 89) einem anderen eine fremde bewegliche Sache mit dem Vorsatz wegnimmt oder abnötigt, durch deren Zueignung sich oder einen Dritten unrechtmäßig zu bereichern, ist mit Freiheitsstrafe von einem bis zu zehn Jahren zu bestrafen.“ 13 Die Revision führt zu ihrer Zulässigkeit aus, das Verwaltungsgericht habe das Urteil des OGH vom 25. Juni 1994, 5 Ob 527/94 ignoriert, wonach für den Anspruch auf eine Leistung nach dem VOG bereits die „Wahrscheinlichkeit“ der Gesundheitsschädigung durch eine Straftat iSd § 1 Abs. 1 Z 1 VOG ausreiche. Angesichts der bedrohlichen Geste des Täters habe sie „mit einer bevorstehenden Gewaltanwendung“ rechnen müssen; es sei für sie in keiner Weise erkennbar gewesen, dass es der Täter bloß auf eine Freiheitseinschränkung oder einen „einfachen Diebstahl“ angelegt habe. 14 Dem ist zu entgegnen, dass das Verwaltungsgericht - wie dargelegt - sehr wohl davon ausgegangen ist, es genüge für die Hilfeleistung gemäß § 1 Abs. 1 Z 1 VOG, dass eine rechtswidrige und vorsätzliche Handlung im Sinne dieser Bestimmung mit Wahrscheinlichkeit Ursache für die Gesundheitsschädigung der Revisionswerberin gewesen sei (vgl. in diesem Sinne auch VwGH 21.11.2013, 2011/11/0205 mwN). Hinsichtlich des Tatgeschehens ist das Verwaltungsgericht den Angaben der Revisionswerberin ohnedies gefolgt. 15 Das Verwaltungsgericht hat aber (aus rechtlicher Sicht) ausgeschlossen, dass die Revisionswerberin Opfer einer rechtswidrigen und vorsätzlichen Handlung iSd § 1 Abs. 1 Z 1 VOG geworden sei, weil das von ihr angegebene und vom Verwaltungsgericht festgestellte Täterverhalten die in der Beschwerde (und nunmehr auch in der Revision) behauptete Qualifikation als Raub (der die nach der letztgenannten Bestimmung erforderliche Strafdrohung von mehr als sechs Monaten aufweist) nicht zulasse. 16 Diese fallbezogene Beurteilung des Verwaltungsgerichts stellt vor dem Hintergrund der im angefochtenen Erkenntnis zitierten Rechtsprechung des Obersten Gerichtshofs (vgl. das erwähnte Urteil 14 Os 103/06p), nach welcher der Raub gemäß § 142 StGB Gewalt gegen eine Person oder eine qualifizierte Drohung, die mit „gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben“ verbunden ist, und nicht (bloß) das „bedrohliche Hinstellen zur Einschüchterung“ des Opfers voraussetzt, eine jedenfalls vertretbare Rechtsansicht dar, hat doch nach den Feststellungen der Täter mit ausgebreiteten Armen der Revisionswerberin (ohne diese zu berühren) lediglich den Weg versperrt. 17 Wenn die Revisionswerberin dazu in der Zulässigkeitsbegründung weiter geltend macht, sie habe dennoch mit einer bevorstehenden Gewaltanwendung rechnen müssen, so ist ihr zu entgegnen, dass diese Frage nach einem objektiv-individuellen Maßstab zu beurteilen ist (OGH 27.6.2016, 15 Os 52/16k). Das Verwaltungsgericht, das mangels objektiver Anhaltspunkte eine Drohung - mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben - verneint hat, bewegt sich somit innerhalb der aufgezeigten Judikaturlinie. 18 In der Zulässigkeitsbegründung werden daher keine Rechtsfragen aufgeworfen, denen im Sinne des Art. 133 Abs. 4 B-VG grundsätzliche Bedeutung zukäme. Die Revision war daher zurückzuweisen. Wien, am 29. Juni 2020
JWT_2019110063_20200930L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019110063.L00
Ra 2019/11/0063
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019110063_20200930L00/JWT_2019110063_20200930L00.html
1,601,424,000,000
1,479
Spruch Das angefochtene Erkenntnis wird wegen Rechtswidrigkeit seines Inhaltes aufgehoben. Der Bund hat dem Revisionswerber Aufwendungen in der Höhe von EUR 1.106,40 binnen zwei Wochen bei sonstiger Exekution zu ersetzen. Das Mehrbegehren wird abgewiesen. Begründung 1 1.1. Der Revisionswerber stellte einen mit 15. September 2017 datierten Antrag auf Ausstellung eines Behindertenpasses und auf Vornahme der Zusatzeintragung „Unzumutbarkeit der Benützung öffentlicher Verkehrsmittel“ in den Behindertenpass. 2 Die belangte Behörde holte ein Gutachten bei einem allgemeinmedizinischen Sachverständigen ein. Im Gutachten vom 13. November 2017 kommt der Sachverständige zum Ergebnis, beim Revisionswerber bestünden infolge eines Motorradunfalls zwei Funktionsbeeinträchtigungen, denen jeweils ein spezifischer Grad der Behinderung zugeordnet wird (Zustand nach mehrfacher Wirbelkörperfraktur, Plexusschädigung linker Arm, Pos.Nr. 02.01.03: 60%; Einschränkung Kniegelenk, Pos.Nr. 02.05.18: 20%). Als Gesamtgrad der Behinderung wird im Gutachten 60% angegeben. 3 Mit Schreiben vom 6. Dezember 2017 teilte die belangte Behörde dem Revisionswerber mit, es sei auf Grund des medizinischen Ermittlungsverfahrens ein Grad der Behinderung von 60% festgestellt worden. Ein Behindertenpass werde ihm übermittelt werden. 4 Mit Bescheid vom 12. Dezember 2017 wies die belangte Behörde den Antrag des Revisionswerbers auf die genannte Zusatzeintragung unter Verweis auf das Sachverständigengutachten ab. 5 Der Revisionswerber erhob eine Beschwerde sowohl gegen den Behindertenpass als auch gegen die Abweisung des Antrages auf Vornahme der genannten Zusatzeintragung und beantragte eine mündliche Verhandlung. 6 Die belangte Behörde holte im verwaltungsgerichtlichen Vorverfahren ein Gutachten eines chirurgischen Sachverständigen ein. Im Gutachten vom 13. März 2018 kommt der Sachverständige zum Ergebnis, beim Revisionswerber bestünden drei Funktionsbeeinträchtigungen, denen jeweils ein spezifischer Grad der Behinderung zugeordnet wird (Zustand nach Fraktur des 3.-5. Brustwirbels, Pos.Nr. 02.01.03: 50%; Spinale Lähmung - Querschnittssyndrom, Plexusläsionen linker Oberarm, Inkomplette Querschnittssymptomatik linke untere Extremität, PosNr. 04.03.02: 50%; Schließmuskelschwäche geringen Grades, Pos.Nr. 07.04.15: 10%). Als Gesamtgrad der Behinderung wird im Gutachten 70% angegeben. 7 Betreffend die Zumutbarkeit der Benützung öffentlicher Verkehrsmittel wird im Gutachten Folgendes ausgeführt: „Der Antragsteller [ist] in seiner Gehleistung nicht höhergradig eingeschränkt. Es ist ihm möglich, eine Wegstrecke über 400 m aus eigener Kraft und ohne fremde Hilfe, ohne Gehhilfe zurückzulegen. Die subjektiven Auslassphänomene des linken Beines sind weder heute auffällig noch sind sie in den zahlreichen ambulanten und stationären Berichten beschrieben worden. Er benötigt keinen Gehbehelf und ist auch nicht auffällig sturzgefährdet. Es ist ihm möglich, auch höhere Niveauunterschiede (bis 30 cm) zum Ein- und Aussteigen in ein öffentliches Verkehrsmittel zu überwinden, insbesondere durch Anhalten mit der rechten, gesunden Hand. Es konnte auch keine Einschränkung der Standhaftigkeit erhoben werden. Diese insbesondere in Bezug auf das sichere Stehen, die Sitzplatzsuche oder bei einer notwendig werdenden Fortbewegung im öffentlichen Verkehrsmittel während der Fahrt. Weiters ist die Benützung von Haltegriffen und -stangen mit der rechten Hand ausreichend kräftig möglich. Es konnte[n] überdies keine weiteren erheblichen Einschränkungen festgestellt werden, die die Unzumutbarkeit der Benützung öffentlicher Verkehrsmittel rechtfertigen würden, die berichtete Stuhlinkontinenz ist als solche nicht feststellbar und wurde auch nirgendwo beschrieben, durch ausreichende Stuhlentleerung frühmorgens und eventuelle (empfohlene) Verwendung von Einlagen ist diese Situation kontrollierbar.“ 8 Mit Schreiben vom 9. April 2018 erstattete der Revisionswerber eine Stellungnahme zum Gutachten vom 13. März 2018 und beantragte zur Gutachtenserörterung und -ergänzung eine mündliche Verhandlung. In der Stellungnahme brachte der Revisionswerber vor, er leide auf Grund seiner Rückenmarksverletzung am sog. „Horner-Syndrom“, sodass es zu dauerhaften Schmerzen im Rücken und in der linken Hand komme. Überdies bestehe eine nachhaltige Schädigung der inneren Organe durch die dauerhafte Einnahme von starken schmerzlindernden Medikamenten. Diese beiden Leiden seien im Sachverständigengutachten weder erwähnt noch entsprechend der Einschätzungsverordnung erörtert worden. Der im Gutachten vom 13. November 2017 mit einem Grad der Behinderung von 60% eingeschätzte Zustand nach Wirbelkörperfraktur sei im Gutachten vom 13. März 2018 ohne Begründung nur mit einem Grad der Behinderung von 50% eingeschätzt worden. Die im Vorgutachten mit einem Grad der Behinderung von 20% eingeschätzte Einschränkung des Kniegelenks fehle im Gutachten vom 13. März 2018 ohne Begründung. 9 Mit Schriftsatz vom 23. April 2018 legte die belangte Behörde die Beschwerde dem Bundesverwaltungsgericht vor. 10 1.2. Mit Verfügung vom 9. Oktober 2018 ersuchte das Verwaltungsgericht den chirurgischen Sachverständigen unter Hinweis auf das Vorbringen des Revisionswerbers in dessen Beschwerde und dessen Stellungnahme zum Gutachten um Gutachtensergänzung zur Frage, ob das vom Revisionswerber behauptete „Horner-Syndrom“ einen Einfluss auf die Einschätzung des Grades der Behinderung habe. 11 Mit Schreiben vom 20. Jänner 2019 erstattete der chirurgische Sachverständige eine Stellungnahme, in der er ausführte, das „Horner-Syndrom“ sei in der Diagnoseliste und in einem näher genannten Rehabilitationsbericht nicht berücksichtigt worden. Es sei „offensichtlich laut Beschwerde fälschlicherweise angegeben“ worden. Im Rahmen der klinischen Untersuchung sei es nicht auffällig gewesen. Falls es jemals vorhanden gewesen sei, bestehe kein Einfluss auf die Einschätzung des Grades der Behinderung. Zudem sei das „Horner-Syndrom“ mit ganz anderen Symptomen vergesellschaftet als die „in den beschriebenen Diagnosen“. 12 1.3. Mit dem angefochtenen Erkenntnis gab das Verwaltungsgericht - ohne Durchführung einer mündlichen Verhandlung - der Beschwerde des Revisionswerbers hinsichtlich der Festsetzung des Grades der Behinderung im Behindertenpass statt und stellte fest, dass der Gesamtgrad der Behinderung 70% betrage. Hinsichtlich der Vornahme der Zusatzeintragung „Unzumutbarkeit der Benützung öffentlicher Verkehrsmittel“ wies das Verwaltungsgericht die Beschwerde hingegen als unbegründet ab und stellte fest, dass die Voraussetzungen für diese Zusatzeintragung nicht vorlägen. Unter einem sprach das Verwaltungsgericht aus, dass die Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zulässig sei. 13 Begründend legte das Verwaltungsgericht, nach Darstellung des Verfahrensgangs, seiner Entscheidung das unfallchirurgische Sachverständigengutachten vom 13. März 2018 samt „Gutachtensergänzung“ vom 20. Jänner 2019 zu Grunde. Das Gutachten sei schlüssig, nachvollziehbar und widerspruchsfrei. Der Revisionswerber sei diesem nicht auf gleicher fachlicher Ebene entgegen getreten. Das vom Revisionswerber vorgebrachte „Horner-Syndrom“ sei vom Sachverständigen dahingehend gewürdigt worden, dass es mangels Feststellbarkeit oder Auffälligkeit bei der Untersuchung sowie mangels Berücksichtigung „im Rehabericht“ keinen Einfluss auf die getroffene Einschätzung habe. Der Zustand nach Wirbelfraktur sei im Gutachten vom 13. März 2018 separat von der Querschnittssymptomatik und Plexusläsion beurteilt und für beide Funktionseinschränkungen jeweils ein Grad der Behinderung von 50% angenommen worden, während im Gutachten vom 13. November 2017 eine gemeinsame Einschätzung dieser Leiden (mit einem Grad der Behinderung von 60%) erfolgt sei. Die Einschränkung des Kniegelenks, die im Gutachten vom 13. November 2017 mit einem Grad der Behinderung von 20% eingeschätzt worden sei, sei im Gutachten vom 13. März 2018 als Funktionsbeeinträchtigung weggefallen, weil eine freie Beweglichkeit bestehe und keine subjektiven Beschwerden dargelegt worden seien. 14 Gegen dieses Erkenntnis richtet sich die vorliegende (außerordentliche) Revision, die das Verwaltungsgericht unter Anschluss der Akten vorgelegt hat. Die belangte Behörde erstattete eine Revisionsbeantwortung. 15 2. Der Verwaltungsgerichtshof hat in einem gemäß § 12 Abs. 1 Z 2 VwGG gebildeten Senat erwogen: 16 2.1. Die Revision bringt zu ihrer Zulässigkeit vor, das Verwaltungsgericht habe dem Revisionswerber das „Ergänzungsgutachten“ des chirurgischen Sachverständigen nicht übermittelt, wodurch sein Parteiengehör verletzt worden sei. Auch habe das Verwaltungsgericht zu Unrecht von der Durchführung der beantragten mündlichen Verhandlung abgesehen. 17 Die Revision ist im Sinne dieses Vorbringen zulässig. Sie ist auch begründet. 18 2.2. Eingangs ist darauf hinzuweisen, dass das angefochtene Erkenntnis den Anforderungen an eine ordnungsgemäße Begründung (§ 17 VwGVG iVm §§ 58 und 60 AVG) nicht gerecht wird, fehlen darin doch schon die in einem ersten Schritt (im Indikativ) zu treffenden eindeutigen, eine Rechtsverfolgung durch die Partei und eine nachprüfende Kontrolle durch die Gerichtshöfe des öffentlichen Rechts ermöglichenden konkreten Feststellungen über die - vom Verwaltungsgericht als erwiesen angenommene - konkrete Art und den Umfang der Leidenszustände des Revisionswerbers. Die bloße Zitierung von Beweisergebnissen ist, wie der Verwaltungsgerichtshof schon wiederholt betont hat, nicht hinreichend (VwGH 6.5.2020, Ra 2018/11/0219, mwN). Das Verwaltungsgericht hat im gegenständlichen Fall unter der Überschrift „Feststellungen (Sachverhalt)“ den Verfahrensgang dargestellt und die Sachverständigengutachten (teilweise) wiedergegeben, jedoch keine Feststellungen zu dem Leidenszustand des Revisionswerbers getroffen. 19 2.3.1. Nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes ist sowohl bei der Einschätzung des Grades der Behinderung als auch bei der Beurteilung, ob die gesundheitlichen Einschränkungen des Betroffenen die Benützung öffentlicher Verkehrsmittel unzumutbar erscheinen lassen, wegen des für die Entscheidungsfindung wesentlichen persönlichen Eindrucks von der Person des Antragstellers grundsätzlich eine mündliche Verhandlung geboten (vgl. VwGH 21.6.2017, Ra 2017/11/0040, mwN). 20 2.3.2. Gemäß § 45 Abs. 3 AVG, der gemäß § 17 VwGVG in Verfahren vor Verwaltungsgerichten anzuwenden ist, ist den Parteien Gelegenheit zu geben, vom Ergebnis der Beweisaufnahme Kenntnis und dazu Stellung zu nehmen. Dazu gehört auch die Möglichkeit, der Ergänzung eines Sachverständigengutachtens auf gleicher fachlicher Ebene entgegenzutreten, sofern das Verwaltungsgericht entscheidungswesentliche Feststellungen maßgeblich auf dieses Beweismittel stützt (vgl. VwGH 17.2.2019, Ro 2018/04/0012, mwN). 21 2.3.3. Das Verwaltungsgericht hat sich in seiner Beweiswürdigung betreffend den Grad der Behinderung maßgeblich auf die Stellungnahme des Sachverständigen vom 20. Jänner 2019, die der Sache nach eine Ergänzung seines Gutachtens vom 13. März 2018 darstellt, gestützt. Diese Gutachtensergänzung stellt ein Beweismittel dar, das gemäß § 45 Abs. 3 AVG iVm. § 17 VwGVG dem Parteiengehör zu unterziehen gewesen wäre. 22 Indem das Verwaltungsgericht dem Revisionswerber dazu kein Parteiengehör gewährt hat, hat es ihm die Möglichkeit zur Stellungnahme genommen und seine Entscheidung mit Rechtswidrigkeit infolge Verletzung von Verfahrensvorschriften belastet. 23 2.3.4. Vor diesem Hintergrund ist es evident, dass die Durchführung der ausdrücklich zum Zweck der Gutachtenserörterung beantragten mündlichen Verhandlung in Anwesenheit des chirurgischen Sachverständigen iSd § 24 Abs. 4 VwGVG eine weitere Klärung der Rechtssache hätte erwarten lassen und - sowohl hinsichtlich des Grades der Behinderung als auch hinsichtlich der beantragten Zusatzeintragung - zu einem für den Revisionswerber allenfalls günstigeren Ergebnis hätte führen können. 24 2.4. Das angefochtene Erkenntnis, mit dem das Verwaltungsgericht die Rechtslage in Bezug auf die Erfordernisse der Durchführung einer mündlichen Verhandlung verkannt hat, war daher gemäß § 42 Abs. 2 Z 1 VwGG wegen vorrangig wahrzunehmender Rechtswidrigkeit seines Inhaltes aufzuheben. 25 2.5. Die Entscheidung über den Aufwandersatz gründet sich auf die §§ 47 ff VwGG iVm der VwGH-Aufwandersatzverordnung 2014. Das Mehrbegehren war abzuweisen, da die Revision gemäß § 51 BBG von der Eingabengebühr nach § 24a VwGG befreit war. Wien, am 30. September 2020
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ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019110066.L00
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Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019110066_20200930L00/JWT_2019110066_20200930L00.html
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Spruch Das angefochtene Erkenntnis wird wegen Rechtswidrigkeit seines Inhaltes aufgehoben. Begründung 1 Die Revisionswerberin verfügte über einen bis zum 31. Dezember 2018 befristeten Behindertenpass mit einem festgestellten Grad der Behinderung von 100%. Grundlage dafür war ein medizinisches Sachverständigengutachten vom 20. November 2013, welches als Diagnose ein anaplastisches Ependymom sowie Strahlen- und Chemotherapie anführt, wobei eine Nachuntersuchung im Dezember 2018 empfohlen wurde. 2 Sie beantragte am 21. August 2018 bzw. am 5. September 2018 die Verlängerung des Behindertenpasses samt Vornahme der Zusatzeintragung „Die Inhaberin des Passes bedarf einer Begleitperson“. 3 In einem von der belangten Behörde eingeholten Gutachten vom 17. Dezember 2018 gelangte die allgemeinmedizinische Sachverständige zu folgendem Ergebnis der Begutachtung: +-----------------+-----------------+-----------------+-----------------+ | „Lfd.Nr. | Bezeichnung der | Pos.Nr. | Gdb % | | | körperlichen, | | | | | geistigen oder | | | | | sinnesbedingten | | | | | Funktions | | | | | einschänkungen, | | | | | welche | | | | | voraussichtlich | | | | | länger als | | | | | sechs Monate | | | | | andauern | | | | | werden: | | | | | | | | | | Begründung der | | | | | Positionsnummer | | | | | und des | | | | | Rahmensatzes: | | | +-----------------+-----------------+-----------------+-----------------+ | 1 | Zustand nach | 04.01.01 | 30 | | | Anaplastischem | | | | | Ependymom | | | | | 11-2012 sowie | | | | | nach Strahlen- | | | | | und | | | | | Chemotherapie | | | | | | | | | | 2 Stufen über | | | | | dem unteren | | | | | Rahmensatz, da | | | | | nur | | | | | geringgradige | | | | | Hemiparese | | | | | rechte untere | | | | | Extremität. Die | | | | | Teilleistungs | | | | | schwierigkeiten | | | | | sind in dieser | | | | | Position mit | | | | | berücksichtigt. | | | +-----------------+-----------------+-----------------+-----------------+ | 2 | Epilepsie | 04.10.01 | 20 | | | | | | | | unterer | | | | | Rahmensatz im | | | | | 3. Jahr unter | | | | | Medikation | | | | | anfallsfrei | | | +-----------------+-----------------+-----------------+-----------------+ | | | | | +-----------------+-----------------+-----------------+-----------------+ Gesamtgrad der Behinderung 30 v.H.“ 4 Begründend wird im Gutachten für den Gesamtgrad der Behinderung ausgeführt, die führende Gesundheitsbeeinträchtigung unter der Position 1 werde durch das Leiden unter der Position 2 nicht erhöht, da keine ungünstige wechselseitige Leidensbeeinflussung vorliege. Zu den gesundheitlichen Änderungen im Vergleich zum Vorgutachten wird im Gutachten ausgeführt, das führende Leiden habe sich nach Ablauf der Heilungsbewährung gebessert, zu einem Rezidivgeschehen sei es nicht gekommen. Das Leiden unter Position 2 sei hinzugekommen. 5 Im Rahmen des Parteiengehörs zu diesem Gutachten legte die Revisionswerberin einen Arztbrief der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde der Medizinischen Universität Wien vom 9. Jänner 2019 vor, wonach sie infolge ihrer Erkrankung und der damit verbundenen Behandlung mit körperlichen und vor allem auch psychosozialen Spätfolgen zu kämpfen habe. Die Revisionswerberin habe wiederkehrende Schmerzen in den Beinen sowie Kopfschmerzen und psychische Probleme. Sie könne sich schwer motivieren, aus dem Bett aufzustehen und benötige bei vielen Tätigkeiten wie Körperpflege und Essenszubereitung die Unterstützung ihrer Mutter. Zusätzlich bestünden neuropsychologische Beeinträchtigungen, die in Zusammenhang mit der onkologischen Erkrankung stünden, und zwar Schwierigkeiten beim Lernen und Merken, bei der Aufmerksamkeit und Konzentration sowie der Verarbeitungsgeschwindigkeit. 6 Zu diesem Schreiben erstattete die medizinische Sachverständige am 17. Jänner 2019 eine Stellungnahme. Darin führte sie aus, da nach Ablauf der fünfjährigen Heilungsbewährung kein Rezidivgeschehen dokumentiert sei, habe der Grad der Behinderung abgesenkt werden müssen, wobei auch die Folgebeschwerden miterfasst seien. Es ergäben sich daher keine neuen Aspekte hinsichtlich noch nicht berücksichtigter Leidenszustände, sodass an der Beurteilung festgehalten werde. 7 Mit Bescheid vom 17. Jänner 2019 wies die belangte Behörde den Antrag auf Ausstellung des Behindertenpasses ab, da der Grad der Behinderung, der in der ärztlichen Begutachtung festgestellt worden sei, lediglich 30% betrage. 8 Gegen diesen Bescheid erhob die Revisionswerberin Beschwerde und beantragte die Durchführung einer mündlichen Verhandlung. Begründend brachte sie vor, dem Sachverständigengutachten sei nicht schlüssig zu entnehmen, wie es zu der Verbesserung des Gesundheitszustandes gekommen sei. Aus dem angefochtenen Bescheid gehe auch nicht hervor, in welcher Art und Weise das Schreiben der Universitätsklinik vom 9. Jänner 2019 berücksichtigt worden sei. Aus einem mit der Beschwerde vorgelegten Schreiben einer Psychotherapeutin vom 19. Februar 2019 ergebe sich nach wie vor eine chronische und massive Beeinträchtigung ihres Gesundheitszustandes. In diesem Schreiben führt die Psychotherapeutin aus, die Revisionswerberin nehme Medikamente gegen Epilepsie und stehe seit April 2017 in psychotherapeutischer Behandlung. „Erst kürzlich“ habe sie einen epileptischen Anfall erlitten. Die Revisionswerberin könne sich derzeit höchstens zwei Stunden lang gut konzentrieren und benötige regelmäßige Pausen. 9 Mit dem angefochtenen Erkenntnis wies das Bundesverwaltungsgericht - ohne Durchführung einer mündlichen Verhandlung - die Beschwerde der Revisionswerberin ab und sprach aus, dass die Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zulässig sei. 10 Das Verwaltungsgericht stellte, nach Wiedergabe des Verfahrensgangs, einschließlich des Sachverständigengutachtens vom 17. Dezember 2018 und der Stellungnahme der Sachverständigen vom 9. Jänner 2019, fest, bei der Revisionswerberin bestünden aktuell die beiden im Gutachten genannten Funktionseinschränkungen, wobei gegenüber dem Vorgutachten eine Verbesserung eingetreten sei. Die Revisionswerberin sei seit der Totalresektion des Tumors im November 2012 rezidivfrei. Das zweite Leiden (Epilepsie) sei gegenüber dem Vorgutachten hinzugetreten, wobei eine wechselseitige Leidensbeeinflussung der beiden festgestellten Funktionseinschränkungen nicht bestehe. Es ergebe sich insgesamt eine Herabsetzung des Grades der Behinderung von 100% auf 30%. 11 Beweiswürdigend stützte sich das Verwaltungsgericht auf das Sachverständigengutachten vom 17. Dezember 2018, welches vollständig, nachvollziehbar und widerspruchsfrei sei. Die Reduzierung des Grades der Behinderung sei im Gutachten nachvollziehbar und schlüssig mit dem Ablauf der Heilungsbewährung (fünf Jahre) ohne Rezidivgeschehen begründet. Das Schreiben der Universitätsklinik vom 9. Jänner 2019 habe im Gutachten bei der Bewertung der aktuellen Funktionseinschränkungen bereits Berücksichtigung gefunden. Die neu hinzugetretene Funktionseinschränkung „Epilepsie“ habe die Sachverständige der Position 04.10.01 der Anlage zur Einschätzungsverordnung zugeordnet und den unteren Rahmensatz gewählt, da die Revisionswerberin im dritten Jahr unter Medikation anfallsfrei sei. Dies habe die Revisionswerberin in der klinischen Untersuchung am 17. Dezember 2018 angegeben. Das mit der Beschwerde vorgelegte Schreiben der Psychotherapeutin zeige keine neuen Einschränkungen auf, welche nicht bereits im ärztlichen Sachverständigengutachten berücksichtigt seien. Die Revisionswerberin sei dem ärztlichen Sachverständigengutachten nicht auf gleicher fachlicher Ebene entgegengetreten. 12 Gegen dieses Erkenntnis richtet sich die vorliegende (außerordentliche) Revision. 13 Das Verwaltungsgericht hat die Verfahrensakten vorgelegt. Eine Revisionsbeantwortung wurde nicht erstattet. 14 Der Verwaltungsgerichtshof hat in dem gemäß § 12 Abs. 1 Z 2 VwGG gebildeten Senat erwogen: 15 Die Revision ist zulässig, weil sie zutreffend vorbringt, das Verwaltungsgericht habe entgegen der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes von einer mündlichen Verhandlung abgesehen. Die Revision ist auch begründet. 16 Nach der ständigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes fehlt es in Fällen wie dem vorliegenden regelmäßig schon an der ersten Voraussetzung für den Entfall einer mündlichen Verhandlung nach § 24 Abs. 4 VwGVG, dass nämlich die „mündliche Verhandlung eine weitere Klärung der Rechtssache nicht erwarten lässt“, ermöglicht doch die Durchführung einer mündlichen Verhandlung, ergänzende Fragen an den Antragsteller und den (die) beigezogenen Sachverständigen zu stellen und auch den für die Entscheidungsfindung wesentlichen persönlichen Eindruck vom Betroffenen zu gewinnen (vgl. VwGH 15.7.2019, Ra 2017/11/0254, mwN). 17 So hat die Revisionswerberin mit ihrer Beschwerde das Schreiben einer Psychotherapeutin vorgelegt, wonach diese „kürzlich“ einen epileptischen Anfall erlitten habe, was für die Einstufung der festgestellten Funktionseinschränkung „Epilepsie“ nicht von vornherein unmaßgeblich war (vgl. Position 04.10. der Einschätzungsverordnung). Demgegenüber beruht das vom Verwaltungsgericht zugrunde gelegte ärztliche Gutachten noch darauf, dass die Revisionswerberin im dritten Jahr „anfallsfrei“ sei. Es stand daher keineswegs fest, dass eine mündliche Erörterung eine weitere Klärung der Rechtssache nicht erwarten ließ, sodass die Voraussetzungen für das Absehen von der mündlichen Verhandlung gemäß § 24 Abs. 4 VwGVG nicht vorlagen. 18 Auch bringt die Revision zu Recht vor, dass sich das Verwaltungsgericht nicht nachvollziehbar mit den im Arztbrief vom 9. Jänner 2019 genannten psychischen Problemen und neuropsychologischen Beeinträchtigungen befasst hat, zu denen die ärztliche Sachverständige in ihrer Stellungnahme vom 17. Jänner 2019 nur ausgeführt hat, dass die „Folgebeschwerden“ von der von ihr getroffenen Einschätzung „miterfasst“ seien. Auch unter diesem Gesichtspunkt hätte das Verwaltungsgericht nicht von einem geklärten Sachverhalt ausgehen dürfen. 19 Da das Verwaltungsgericht die Rechtslage in Bezug auf die Erfordernisse der Durchführung einer mündlichen Verhandlung verkannt hat, war das angefochtene Erkenntnis schon aus diesem Grund gemäß § 42 Abs. 2 Z 1 VwGG wegen Rechtswidrigkeit seines Inhaltes aufzuheben. 20 Ein Aufwandersatz kommt schon mangels Antrags nicht in Betracht (vgl. § 59 Abs. 1 VwGG). Wien, am 30. September 2020
JWT_2019110067_20201209L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019110067.L00
Ra 2019/11/0067
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019110067_20201209L00/JWT_2019110067_20201209L00.html
1,607,472,000,000
297
Spruch Die Revision wird als gegenstandslos geworden erklärt und das Verfahren eingestellt. Das Land Wien hat der Revisionswerberin Aufwendungen in der Höhe von EUR 829,80 binnen zwei Wochen bei sonstiger Exekution zu ersetzen. Begründung 1 Mit dem angefochtenen Erkenntnis gewährte das Verwaltungsgericht Wien der Revisionswerberin gemäß §§ 20 bis 25 Wiener Wohnbauförderungs- und Wohnhaussanierungsgesetz und der Verordnung der Wiener Landesregierung über die Gewährung von Wohnbeihilfe ab 1. Jänner bis 31. Dezember 2018 eine Wohnbeihilfe in der Höhe von monatlich EUR 37,23. Unter einem sprach das Verwaltungsgericht aus, dass gegen dieses Erkenntnis eine Revision an den Verwaltungsgerichtshof gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zulässig sei. 2 Gegen dieses Erkenntnis richtet sich die vorliegende (außerordentliche) Revision, die vom Verwaltungsgericht unter Anschluss der Verfahrensakten vorgelegt wurde. 3 Mit Erkenntnis vom 27. November 2019, E 1599/2019-19, hob der Verfassungsgerichtshof über Beschwerde gemäß Art. 144 B-VG das angefochtene Erkenntnis wegen Verletzung im verfassungsgesetzlich gewährleisteten Recht auf Gleichheit aller Staatsbürger vor dem Gesetz auf. 4 Gemäß § 33 Abs. 1 erster Satz VwGG ist, wenn in irgendeiner Lage des Verfahrens offenbar wird, dass der Revisionswerber klaglos gestellt wurde, nach seiner Anhörung die Revision in nichtöffentlicher Sitzung mit Beschluss als gegenstandslos geworden zu erklären und das Verfahren einzustellen. 5 Ein solcher Fall der formellen Klaglosstellung liegt u.a. dann vor, wenn die angefochtene Entscheidung - wie hier - durch den Verfassungsgerichtshof aus dem Rechtsbestand beseitigt wurde (vgl. zB VwGH 27.5.2020, Ro 2019/19/0013 und 0014, mwN). 6 Die Revisionswerberin erklärte nach Anhörung, durch das Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofes im Verfahren vor dem Verwaltungsgerichtshof klaglos gestellt zu sein. 7 Die Revision waren daher gemäß § 33 Abs. 1 erster Satz VwGG als gegenstandslos geworden zu erklären und das Verfahren einzustellen. 8 Im gegenständlichen Fall wurden die revisionswerbenden Parteien schon vor Einleitung des hg. Vorverfahrens klaglos gestellt. Dies ist dem in § 55 VwGG geregelten Fall (Klaglosstellung innerhalb der vom Verwaltungsgerichtshof gemäß § 36 Abs. 1 VwGG gesetzten Frist) gleichzuhalten (vgl. VwGH 11.2.2016, Ra 2015/20/0212, mwN). 9 Der Aufwandersatz war daher nach dem analog anzuwendenden zweiten Satz des § 55 VwGG in Verbindung mit der VwGH-Aufwandersatzverordnung 2014 nur im Ausmaß der reduzierten Pauschalsumme zuzuerkennen. Wien, am 9. Dezember 2020
JWT_2019110071_20200520L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019110071.L00
Ra 2019/11/0071
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019110071_20200520L00/JWT_2019110071_20200520L00.html
1,589,932,800,000
724
Spruch Die Revision wird zurückgewiesen. Begründung 1 Mit aktenkundigem Bescheid der belangten Behörde vom 10. November 2016 wurde der Antrag des Revisionswerbers auf Neufestsetzung des Grades seiner Behinderung gemäß §§ 41, 42 und 45 Bundesbehindertengesetz - BBG abgewiesen und ausgesprochen, dass der Grad seiner Behinderung weiterhin 60 v.H. betrage. Nach der Aktenlage beantragte der Revisionswerber mit am 9. April 2018 bei der belangten Behörde eingelangtem Formular (abermals) die Neufestsetzung des Grades seiner Behinderung im Behindertenpass. 2 Mit dem angefochtenen Erkenntnis wurde, in Bestätigung eines entsprechenden dem Revisionswerber ausgestellten Behindertenpasses vom 15. November 2018 (der gemäß § 45 Abs. 2 Bundesbehindertengeset z - BBG als Bescheid gilt), der Grad der Behinderung (GdB) des Revisionswerbers mit 50 v.H. festgesetzt. Gleichzeitig wurde gemäß § 25a VwGG ausgesprochen, dass eine ordentliche Revision an den Verwaltungsgerichtshof nach Art. 133 Abs. 4 B-VG unzulässig sei. 3 Begründend legte das Verwaltungsgericht seiner Entscheidung das aktenkundige Gutachten des medizinischen Amtssachverständigen, basierend auf der Untersuchung des Revisionswerbers am 12. Juni 2018, zugrunde. Nach diesem Gutachten bewirke der führende Leidenszustand (Zust. n. Bandscheibenoperation) einen GdB von 40 v.H., und werde durch einen zweiten Leidenszustand (koronare Herzkrankheit, Zust. n. Stent) um 10 v.H. erhöht. Die weiteren Leidenszustände (darunter Bluthochdruck, der medikamentös gut behandelbar sei) bewirkten keine Steigerung des GdB. 4 Nach Art. 133 Abs. 4 B-VG ist gegen ein Erkenntnis des Verwaltungsgerichtes die Revision zulässig, wenn sie von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, insbesondere weil das Erkenntnis von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abweicht, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes nicht einheitlich beantwortet wird. Auf Beschlüsse der Verwaltungsgerichte ist Art. 133 Abs. 4 B-VG sinngemäß anzuwenden (Art. 133 Abs. 9 B-VG). 5 Nach § 34 Abs. 1 VwGG sind Revisionen, die sich wegen Nichtvorliegens der Voraussetzungen des Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zur Behandlung eignen, ohne weiteres Verfahren in nichtöffentlicher Sitzung mit Beschluss zurückzuweisen. 6 Nach § 34 Abs. 1a VwGG ist der Verwaltungsgerichtshof bei der Beurteilung der Zulässigkeit der Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG an den Ausspruch des Verwaltungsgerichtes gemäß § 25a Abs. 1 VwGG nicht gebunden. Die Zulässigkeit einer außerordentlichen Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG hat der Verwaltungsgerichtshof im Rahmen der dafür in der Revision gesondert vorgebrachten Gründe (§ 28 Abs. 3 VwGG) zu überprüfen. Diesem Erfordernis wird insbesondere nicht schon durch nähere Ausführungen zur behaupteten Rechtswidrigkeit der bekämpften Entscheidung (§ 28 Abs. 1 Z 5 VwGG) oder zu den Rechten, in denen sich der Revisionswerber verletzt erachtet (§ 28 Abs. 1 Z 4 VwGG), Genüge getan (vgl. aus vielen die Beschlüsse VwGH 23.3.2017, Ra 2017/11/0014, und VwGH 1.9.2017, Ra 2017/11/0225, jeweils mwN). 7 Der Verwaltungsgerichtshof ist weder verpflichtet, Gründe für die Zulässigkeit einer Revision anhand der übrigen Revisionsausführungen gleichsam zu suchen, noch berechtigt, von Amts wegen erkannte Gründe, die zur Zulässigkeit einer Revision hätten führen können, aufzugreifen (vgl. VwGH 14.10.2019, Ra 2019/11/0157, mwN). 8 Die Revision bringt zu ihrer Zulässigkeit ausschließlich vor, das Verwaltungsgericht sei von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes (Hinweis auf das Erkenntnis vom 23. November 1978, 0705/77) abgewichen, nach welchem eine Partei ein Sachverständigengutachten nur dann erfolgreich bekämpfen könne, wenn sie unter präziser Darstellung der gegen die Gutachten gerichteten sachlichen Einwände ausdrücklich erklärt, dass sie die Einholung eines weiteren Gutachtens bestimmter Fachrichtung zur vollständigen Ermittlung des Sachverhaltes für erforderlich halte. Der Revisionswerber habe in seiner Beschwerde unter gleichzeitiger Beantragung eines weiteren Gutachtens vorgebracht, es sei im vom Verwaltungsgericht zugrunde gelegten medizinischen Gutachten nicht berücksichtigt worden, "dass die medikamentöse Behandlung von meinen erheblichen Problemen mit meinem Bluthochdruck nur selten tatsächlich greift". 9 Damit wird jedoch nicht dargetan, dass das Verwaltungsgericht von der hg. Rechtsprechung abgewichen wäre. Das angefochtene Erkenntnis beruht nämlich auf der mit Judikatur des Verwaltungsgerichtshofes belegten (Erkenntnis vom 20. Oktober 2005, 2005/07/0108) Rechtsansicht, dass es bei Bedenken gegen ein (ärztliches) Gutachten an der Partei liegt, diesem - auf gleichem fachlichen Niveau - entgegenzutreten, es sei denn, das Gutachten sei mit Widersprüchen bzw. Ungereimtheiten behaftet oder unvollständig, was beim gegenständlichen ärztlichen Gutachten nicht der Fall sei. 10 Mit der genannten Rechtsansicht befindet sich das Verwaltungsgericht im Einklang mit der hg. Rechtsprechung (vgl. aus vielen etwa auch VwGH 24.10.2017, Ro 2014/06/0017, Rn 34). 11 Im Zulässigkeitsvorbringen werden konkrete Widersprüche, Ungereimtheiten oder Unvollständigkeiten im Gutachten des Amtssachverständigen, die der Revisionswerber im Beschwerdeverfahren aufgezeigt hätte, nicht angeführt (auch die vom Sachverständigen laut aktenkundigem Befund gemessenen Blutdruckwerte des Revisionswerbers wurden nicht als übermäßig hoch eingestuft und sprechen daher nicht gegen, sondern für die im Gutachten angenommene gute medikamentöse Behandelbarkeit derselben). Dass der Revisionswerber von der somit verbleibenden Möglichkeit, dem Gutachten des ärztlichen Sachverständigen mit einem Gegengutachten (bezüglich der von ihm behaupteten instabilen Blutdruckwerte) zu begegnen, Gebrauch gemacht hätte, wird nicht behauptet. 12 In der (nach dem Gesagten für die Zulässigkeit der Revision allein maßgebenden) Zulässigkeitsbegründung werden daher keine Rechtsfragen aufgeworfen, denen im Sinne des Art. 133 Abs. 4 B-VG grundsätzliche Bedeutung zukäme: 13 Die Revision war daher zurückzuweisen. Wien, am 20. Mai 2020
JWT_2019110073_20200421L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019110073.L00
Ra 2019/11/0073
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019110073_20200421L00/JWT_2019110073_20200421L00.html
1,587,427,200,000
5,021
Spruch Das angefochtene Erkenntnis wird wegen Rechtswidrigkeit seines Inhaltes aufgehoben. Begründung 1 Mit Straferkenntnis der belangten Behörde (Erstrevisionswerberin) vom 4. Dezember 2018 wurde die Mitbeteiligte als verantwortliche Beauftragte (§ 9 Abs. 2 VStG) der T. GmbH schuldig erkannt, dass diese Gesellschaft als Arbeitgeberin eines namentlich genannten Lenkers eines Sattelzugfahrzeugs in insgesamt sechs Punkten gegen näher bezeichnete Bestimmungen des § 28 Arbeitszeitgesetz (AZG) iVm. der Verordnung (EG) 561/2006 bzw. der Verordnung (EU) 165/2014 verstoßen habe (die Verstöße betreffen die Nichteinhaltung von Ruhezeiten und fehlende Eintragungen im Schaublatt des Lenkers sowie die vorschriftswidrige Benutzung des Schaublatts und des Kontrollgerätes des gelenkten Fahrzeuges; Tatzeitpunkte im Mai und Juni 2018). Über die Mitbeteiligte wurden gemäß § 28 Abs. 6 Z 3 AZG sechs Geldstrafen samt Ersatzfreiheitsstrafen verhängt, und es wurde ihr ein Kostenbeitrag zum Strafverfahren vorgeschrieben. 2 Mit dem angefochtenen Erkenntnis gab das Verwaltungsgericht der Beschwerde der Mitbeteiligten Folge, hob das Straferkenntnis auf und stellte das Verwaltungsstrafverfahren (in sämtlichen sechs Punkten) gemäß § 45 Abs. 1 Z 2 VStG ein. Gleichzeitig wurde gemäß § 25a VwGG ausgesprochen, dass eine ordentliche Revision an den Verwaltungsgerichtshof nach Art. 133 Abs. 4 B-VG unzulässig sei. 3 In der Begründung wurde festgestellt, mit Schreiben der T. GmbH vom 2. Juli 2012 sei die Mitbeteiligte zur verantwortlichen Beauftragten gemäß § 9 VStG für den sachlichen Verantwortungsbereich "Einhaltung folgender Arbeitnehmerschutzvorschriften: Lenkzeiten, Arbeitszeiten, Arbeitsruhegesetz, Verordnung 561/2006" und räumlich für den "Unternehmensbereich Güterbeförderung an der Standortadresse" bestellt worden. Diese Bestellungsurkunde sei dem Arbeitsinspektorat mit Schreiben vom 23. Juli 2012 gemäß § 23 Abs. 1 ArbIG übermittelt worden. 4 Rechtlich vertrat das Verwaltungsgericht die Rechtsansicht, dass eine Verantwortlichkeit der Mitbeteiligten für die gegenständlichen Übertretungen aus zwei unterschiedlichen Gründen nicht gegeben sei: Einerseits stehe ihrer strafrechtlichen Verantwortlichkeit im vorliegenden Fall die "Verordnung (EG) Nr. 1071/2009 zur Festlegung gemeinsamer Regeln für die Zulassung zum Beruf des Kraftverkehrsunternehmers" (im Folgenden auch kurz: EG-Verordnung) entgegen, andererseits sei die Bestellung zur verantwortlichen Beauftragten nicht rechtswirksam erfolgt, weil der Mitbeteiligten die erforderliche Anordnungsbefugnis iSd § 9 Abs. 4 VStG fehle. 5 Nach Zitat der EG-Verordnung (in voller Länge) führte das Verwaltungsgericht aus, dass die T. GmbH, die das Gewerbe des grenzüberschreitenden Güterverkehrs ausübe, gemäß Art. 1 in den Anwendungsbereich dieser Verordnung, welche die Zulassung zum Beruf des Kraftverkehrsunternehmers regle, falle. In Art. 2 Z 5 und Art. 4 Abs. 1 der EG-Verordnung sei ein für das Kraftverkehrsunternehmen zu benennender "Verkehrsleiter" vorgesehen, der die Verkehrstätigkeiten des Unternehmens tatsächlich und dauerhaft leitet. Art. 6 der EG-Verordnung regle im Rahmen der Bestellungsvoraussetzung der Zuverlässigkeit des Verkehrsleiters, dass gegen diesen keine Sanktion u.a. wegen einer schwerwiegenden Straftat im Bereich "Lenk- und Ruhezeiten der Fahrer, Arbeitszeit sowie Einbau und Nutzung der Kontrollgeräte" (Abs. 1 lit. b Ziffer I leg. cit.) verhängt worden sei. 6 Das Verwaltungsgericht "übersieht nicht, dass die Verordnung als Regelung über eine Berufszulassung keine materiellen Strafnormen zu den verfahrensgegenständlichen Übertretungen enthält. Ebenso wenig enthält die Verordnung eine ausdrückliche Bestimmung über die strafrechtliche Verantwortlichkeit konkret bezeichneter Funktionäre in einer von inländischen Verwaltungsvorschriften gewohnten Deutlichkeit". Allerdings knüpfe die EG-Verordnung bei der erwähnten Beurteilung der Zuverlässigkeit an solche Delikte, wie sie auch dem gegenständlichen Straferkenntnis zugrunde liegen, an. 7 Falle daher (so die weiteren Ausführungen des Verwaltungsgerichts bei verständiger Lesart) nach der EG-Verordnung dem Verkehrsleiter oder dessen rechtlichem Vertreter (Hinweis auf die in Art. 6 Abs. 1 der EG-Verordnung genannten anderen Personen und auf den korrespondierenden § 24a Abs. 3 Z 3 Güterbeförderungsgesetz 1995 - GütbefG) die tatsächliche und dauerhafte Leitung der Verkehrstätigkeiten des Unternehmens zu, so scheide schon aufgrund einer "verordnungskonformen Interpretation" eine verwaltungsstrafrechtliche Verantwortlichkeit gemäß § 9 Abs. 1 und 2 VStG aus. Dies gelte auch wegen der in § 9 VStG vorgesehenen Subsidiarität der dort normierten verwaltungsstrafrechtlichen Verantwortlichkeit (Hinweis auf § 23 Abs. 7 GütbefG, der gleichfalls dem § 9 VStG vorgehe). 8 Für den vorliegenden Fall bedeute dies nach Rechtsansicht des Verwaltungsgerichts, dass der gemäß § 5a GütbefG zum Verkehrsleiter bestellte Geschäftsführer der T. GmbH hinsichtlich seiner Verantwortlichkeit der bloß subsidiären Verantwortlichkeit der Mitbeteiligten vorgehe. 9 Selbst wenn man den genannten Überlegungen des Verwaltungsgerichts nicht folge, stehe das "Postulat der Verordnung, dass der Verkehrsleiter das Verkehrswesen im Betrieb tatsächlich und dauerhaft leitet", einer wirksamen Anordnungsbefugnis iSd § 9 Abs. 4 VStG einer anderen Person entgegen: Eine solche, neben der Leitungsaufgabe des Verkehrsleiters bestehende Anordnungsbefugnis einer anderen Person betreffend die Einhaltung von Arbeitnehmerschutzbestimmungen führe nämlich zu einer Überlappung gleichartiger Verantwortungsbereiche, die nach der Judikatur wegen der damit verbundenen Unklarheit des jeweiligen Verantwortungsbereiches die Rechtsunwirksamkeit der Bestellung des verantwortlichen Beauftragten nach sich ziehe (Hinweis auf VwGH 28.11.2008, 2008/02/0300). 10 Aber selbst wenn man auch die letztgenannte Ansicht des Verwaltungsgerichts nicht teile, sei die Bestellung der Mitbeteiligten zur verantwortlichen Beauftragten nicht zuletzt deshalb rechtsunwirksam, weil dieser nach Ansicht des Verwaltungsgerichts eine Anordnungsbefugnis iSd § 9 Abs. 4 VStG gar nicht eingeräumt worden sei. Die Mitbeteiligte habe nämlich die Schaublätter des gegenständlichen Lenkers zu keinem Zeitpunkt kontrolliert (diese Annahme wird durch nähere Feststellungen belegt). Nach Meinung des Verwaltungsgerichts könne dieses gänzliche Unterbleiben jeder Kontrolle und der Umstand, dass davon auch die Geschäftsführung der T. GmbH Kenntnis gehabt habe, rechtlich nur dahin gedeutet werden, dass eine wirksame Anordnungsbefugnis der Mitbeteiligten iSd. § 9 Abs. 4 VStG nicht vorgelegen sei. 11 Schließlich habe auch der "genaue Inhalt der schriftlichen Anordnungsbefugnis" infolge unterlassener Urkundenvorlage seitens der Mitbeteiligten trotz erfolgter Aufforderung nicht festgestellt werden können. Da das Verwaltungsgericht somit erst Ermittlungen zum Inhalt der Bestellung habe anstellen müssen, könne nicht von der Rechtswirksamkeit der Bestellung ausgegangen werden. 12 Gegen dieses Erkenntnis richten sich die beiden (außerordentlichen) Amtsrevisionen der Erstrevisionswerberin gemäß Art. 133 Abs. 6 Z 2 B-VG und der Zweitrevisionswerberin gemäß Art. 133 Abs. 8 B-VG iVm. § 13 iVm § 11 ArbIG, die der Verwaltungsgerichtshof wegen ihres rechtlichen, sachlichen und persönlichen Zusammenhangs zur gemeinsamen Beratung und Beschlussfassung verbunden hat. Eine Revisionsbeantwortung wurde nicht erstattet. 13 Der Verwaltungsgerichtshof hat in einem gemäß § 12 Abs. 2 VwGG gebildeten Senat erwogen: 14 Die Revisionen sind zulässig, weil sie zutreffend vorbringen, dass (einerseits) zur Frage, ob mit der Bestellung des Verkehrsleiters iSd EG-Verordnung Nr. 1071/2009 (vgl. zum Bestellungsvorgang § 5a GütbefG) zwingend dessen verwaltungsstrafrechtliche Verantwortlichkeit und damit die Unwirksamkeit der Bestellung eines Dritten zum verantwortlichen Beauftragten gemäß § 9 Abs. 2 VStG verbunden ist, Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes fehlt, und dass (andererseits) die Alternativbegründung des angefochtenen Erkenntnisses (Nichterfüllung der Anforderungen des § 9 VStG, insbesondere hinsichtlich der Anordnungsbefugnis, durch die gegenständliche Bestellungsurkunde) von näher zitierter Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abweicht. 15 § 28 Arbeitszeitgesetz - AZG, BGBl. Nr. 461/1969 idF BGBl. I Nr. 126/2017, lautet (auszugsweise): "Strafbestimmungen § 28. (1) ... 1. (5)Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, die ... 3. die tägliche Ruhezeit gemäß Art. 8 Abs. 2, 4 oder 5 oder Art. 9 der Verordnung (EG) Nr. 561/2006 nicht gewähren; ... 6. nicht gemäß Art. 10 Abs. 2 der Verordnung (EG) Nr. 561/2006 dafür gesorgt haben, dass die Lenkerinnen und Lenker ihre Verpflichtungen gemäß der Verordnung (EU) Nr. 165/2014 sowie des Kapitels II der Verordnung (EG) Nr. 561/2006 einhalten; ... sind, sofern die Tat nicht nach anderen Vorschriften einer strengeren Strafe unterliegt, von der Bezirksverwaltungsbehörde mit einer Geldstrafe gemäß Abs. 6 zu bestrafen. 1. (6)Sind Übertretungen gemäß Abs. 5 nach Anhang III der Richtlinie 2006/22/EG als ... 3. sehr schwerwiegende Übertretungen eingestuft, sind die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber mit einer Geldstrafe von 300 Euro bis 2 180 Euro, im Wiederholungsfall von 350 Euro bis 3 600 Euro, ... zu bestrafen." 16 § 5a Güterbeförderungsgesetz 1995 - GütbefG, BGBl. Nr. 593/1995 idF BGBl. I Nr. 61/2018, lautet: "Verkehrsleiter § 5a. (1) Für jedes Unternehmen ist ein Verkehrsleiter gegenüber der konzessionserteilenden Behörde zu benennen. Erfüllt die genannte Person die Voraussetzungen gemäß Artikel 4 der Verordnung (EG) Nr. 1071/09, ist die Benennung mit Bescheid durch die konzessionserteilende Behörde zu genehmigen. Sofern nicht eine andere Person als Verkehrsleiter benannt wird, gilt eine natürliche Person, der eine Konzession gemäß § 5 erteilt wurde, als Verkehrsleiter; ist in einem Unternehmen die Bestellung eines gewerberechtlichen Geschäftsführers gemäß § 39 GewO 1994 von der Behörde bescheidmäßig genehmigt worden, so gilt jedenfalls dieser als Verkehrsleiter; eine bescheidmäßige Genehmigung ist in diesen Fällen nicht erforderlich. Die Aufnahme der Gewerbeausübung ohne Verkehrsleiter ist unzulässig. 1. (2)Wird festgestellt, dass bei einem Unternehmer oder einem Geschäftsführer, der auch Verkehrsleiter ist, die Zuverlässigkeit nicht mehr vorliegt, ist jedenfalls gemäß Artikel 14 der Verordnung (EG) Nr. 1071/09 mit Bescheid auszusprechen, dass diese Person ungeeignet ist, die Verkehrstätigkeiten eines Unternehmens zu leiten. 2. (3)Verkehrsleiter sind von der konzessionserteilenden Behörde in das Verkehrsunternehmensregister gemäß § 24a Abs. 3 Z 3 einzutragen. 3. (4)Die Bestimmungen des Artikel 13 Abs. 1 lit. a Verordnung (EG) Nr. 1071/09 gelten unbeschadet der Bestimmungen der §§ 41 bis 45 GewO 1994 über die Fortbetriebsrechte." 17 § 47 Kraftfahrliniengesetz, BGBl. I Nr. 203/1999 idF BGBl. I Nr. 79/2016, lautet auszugsweise: "Strafbestimmungen § 47. 1. (1)Wer als Berechtigungsinhaber gegen die Bestimmungen des § 20 Abs. 1 und als Verkehrsleiter gegen die Bestimmungen des § 20 Abs. 1a verstößt, begeht eine Verwaltungsübertretung und ist von der Bezirksverwaltungsbehörde mit einer Geldstrafe von 726 Euro bis zu 7 267 Euro zu bestrafen. ...." 18 § 9 VStG lautet auszugsweise: "Besondere Fälle der Verantwortlichkeit § 9. (1) Für die Einhaltung der Verwaltungsvorschriften durch juristische Personen oder eingetragene Personengesellschaften ist, sofern die Verwaltungsvorschriften nicht anderes bestimmen und soweit nicht verantwortliche Beauftragte (Abs. 2) bestellt sind, strafrechtlich verantwortlich, wer zur Vertretung nach außen berufen ist. 1. (2)Die zur Vertretung nach außen Berufenen sind berechtigt und, soweit es sich zur Sicherstellung der strafrechtlichen Verantwortlichkeit als erforderlich erweist, auf Verlangen der Behörde verpflichtet, aus ihrem Kreis eine oder mehrere Personen als verantwortliche Beauftragte zu bestellen, denen für das ganze Unternehmen oder für bestimmte räumlich oder sachlich abgegrenzte Bereiche des Unternehmens die Verantwortung für die Einhaltung der Verwaltungsvorschriften obliegt. Für bestimmte räumlich oder sachlich abgegrenzte Bereiche des Unternehmens können aber auch andere Personen zu verantwortlichen Beauftragten bestellt werden. 2. (3)... 3. (4)Verantwortlicher Beauftragter kann nur eine Person mit Hauptwohnsitz im Inland sein, die strafrechtlich verfolgt werden kann, ihrer Bestellung nachweislich zugestimmt hat und der für den ihrer Verantwortung unterliegenden klar abzugrenzenden Bereich eine entsprechende Anordnungsbefugnis zugewiesen ist. Das Erfordernis des Hauptwohnsitzes im Inland gilt nicht für Staatsangehörige von EWR-Vertragsstaaten, falls Zustellungen im Verwaltungsstrafverfahren durch Staatsverträge mit dem Vertragsstaat des Wohnsitzes des verantwortlichen Beauftragten oder auf andere Weise sichergestellt sind. ..." 19 Die Verordnung (EG) Nr. 1071/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 21. Oktober 2009 zur Festlegung gemeinsamer Regeln für die Zulassung zum Beruf des Kraftverkehrsunternehmers und zur Aufhebung der Richtlinie 96/26/EG des Rates lautet auszugsweise: "Artikel 1 Gegenstand und Anwendungsbereich 1. (1)Diese Verordnung regelt den Zugang zum Beruf des Kraftverkehrsunternehmers und dessen Ausübung. ... Artikel 2 Begriffsbestimmungen Im Sinne dieser Verordnung bezeichnet der Ausdruck ... 2. ‚Beruf des Kraftverkehrsunternehmers' den Beruf des Personen- oder Güterverkehrsunternehmers; ... 4. ‚Unternehmen' entweder jede natürliche Person, jede juristische Person mit oder ohne Erwerbszweck, jede Vereinigung oder jeder Zusammenschluss von Personen ohne Rechtspersönlichkeit und mit oder ohne Erwerbszweck sowie jede amtliche Stelle - unabhängig davon, ob diese über eine eigene Rechtspersönlichkeit verfügt oder von einer Behörde mit Rechtspersönlichkeit abhängt -, die bzw. der die Beförderung von Personen durchführt, oder jede natürliche oder juristische Person, die die Beförderung von Gütern zu gewerblichen Zwecken durchführt; 5. ‚Verkehrsleiter' eine von einem Unternehmen beschäftigte natürliche Person oder, falls es sich bei diesem Unternehmen um eine natürliche Person handelt, diese Person selbst oder gegebenenfalls eine von diesem Unternehmen vertraglich beauftragte andere natürliche Person, die tatsächlich und dauerhaft die Verkehrstätigkeiten dieses Unternehmens leitet; ... Artikel 3 Anforderungen für die Ausübung des Berufs des Kraftverkehrsunternehmers 1. (1)Unternehmen, die den Beruf des Kraftverkehrsunternehmers ausüben, müssen: 1. a) ... 2. b) zuverlässig sein; 3. c) ... 4. d) die geforderte fachliche Eignung besitzen. 2. (2)... Artikel 4 Verkehrsleiter 1. (1)Ein Unternehmen, das den Beruf des Kraftverkehrsunternehmers ausübt, benennt mindestens eine natürliche Person, den Verkehrsleiter, die die Anforderungen nach Artikel 3 Absatz 1 Buchstaben b und d erfüllt und die: a) die Verkehrstätigkeiten des Unternehmens tatsächlich und dauerhaft leitet, b) in einer echten Beziehung zu dem Unternehmen steht, beispielsweise als Angestellter, Direktor, Eigentümer oder Anteilseigner, oder die Verwaltungsgeschäfte des Unternehmens führt oder, wenn das Unternehmen eine natürliche Person ist, selbst diese Person ist und c) ihren ständigen Aufenthalt in der Gemeinschaft hat. 1. (2)Falls ein Unternehmen die Anforderung der fachlichen Eignung nach Artikel 3 Absatz 1 Buchstabe d nicht erfüllt, kann die zuständige Behörde ihm die Zulassung zum Beruf des Kraftverkehrsunternehmers ohne Benennung eines Verkehrleiters nach Absatz 1 des vorliegenden Artikels unter folgenden Bedingungen erteilen: a) Das Unternehmen benennt eine natürliche Person mit ständigem Aufenthalt in der Gemeinschaft, die die Anforderungen nach Artikel 3 Absatz 1 Buchstaben b und d erfüllt und vertraglich beauftragt ist, Aufgaben als Verkehrsleiter für das Unternehmen auszuführen; b) im Vertrag zwischen dem Unternehmen und der unter Buchstabe a genannten Person sind die von diesem tatsächlich und dauerhaft durchzuführenden Aufgaben sowie ihre Verantwortlichkeiten als Verkehrsleiter genau zu regeln. Zu den zu regelnden Aufgaben zählen insbesondere das Instandhaltungsmanagement für die Fahrzeuge, die Prüfung der Beförderungsverträge und -dokumente, die grundlegende Rechnungsführung, die Zuweisung der Ladung oder die Fahrdienste an die Fahrer und Fahrzeuge sowie die Prüfung der Sicherheitsverfahren; c) in ihrer Eigenschaft als Verkehrsleiter darf die unter Buchstabe a genannte Person die Verkehrstätigkeiten von höchstens vier Unternehmen mit einer Flotte von zusammengenommen höchstens 50 Fahrzeugen leiten. Die Mitgliedstaaten können beschließen, die Zahl von Unternehmen und/oder die Gesamtgröße der Fahrzeugflotte, die diese Person leiten darf, zu verringern und d) die unter Buchstabe a genannte Person erfüllt die festgelegten Aufgaben ausschließlich im Interesse des Unternehmens, und ihre Verantwortlichkeiten werden unabhängig von anderen Unternehmen wahrgenommen, für die das Unternehmen Beförderungen durchführt. 1. (3)Die Mitgliedstaaten können entscheiden, dass ein nach Absatz 1 benannter Verkehrsleiter keine zusätzliche Zulassung im Sinne von Absatz 2 oder lediglich eine Zulassung für eine geringere Zahl von Unternehmen oder für eine kleinere Fahrzeugflotte als gemäß Absatz 2 Buchstabe c erhalten darf. 2. (4)Das Unternehmen meldet der zuständigen Behörde die Person(en), die als Verkehrsleiter benannt wurde(n). ... Artikel 6 Voraussetzungen bezüglich der Anforderung der Zuverlässigkeit 1. (1)Vorbehaltlich Absatz 2 des vorliegenden Artikels legen die Mitgliedstaaten fest, welche Voraussetzungen ein Unternehmen und ein Verkehrsleiter erfüllen müssen, damit die Anforderung der Zuverlässigkeit nach Artikel 3 Absatz 1 Buchstabe b erfüllt ist. Bei der Entscheidung darüber, ob ein Unternehmen diese Anforderung erfüllt hat, berücksichtigen die Mitgliedstaaten das Verhalten des Unternehmens, seiner Verkehrsleiter und gegebenenfalls anderer vom jeweiligen Mitgliedstaat bestimmter maßgeblicher Personen. Jede Bezugnahme in diesem Artikel auf verhängte Urteile und Sanktionen oder begangene Verstöße schließt die gegen das Unternehmen selbst, seine Verkehrsleiter und gegebenenfalls andere vom jeweiligen Mitgliedstaat bestimmte maßgebliche Personen verhängten Urteile und Sanktionen bzw. die von diesen begangenen Verstöße ein. Die in Unterabsatz 1 genannten Voraussetzungen umfassen mindestens Folgendes: a) Die Zuverlässigkeit des Verkehrsleiters oder des Verkehrsunternehmens darf nicht zwingend in Frage gestellt sein, etwa durch Verurteilungen oder Sanktionen aufgrund eines schwerwiegenden Verstoßes gegen geltende einzelstaatliche Vorschriften in folgenden Bereichen: i) Handelsrecht, ii) Insolvenzrecht, iii) Entgelt- und Arbeitsbedingungen der Branche, iv) Straßenverkehr, v) Berufshaftpflicht, vi) Menschen- oder Drogenhandel, und b) gegen den Verkehrsleiter oder das Verkehrsunternehmen darf in keinem Mitgliedstaat ein Urteil wegen einer schwerwiegenden Straftat oder eine Sanktion verhängt worden sein wegen eines schwerwiegenden Verstoßes gegen Gemeinschaftsvorschriften, insbesondere in folgenden Bereichen: i) Lenk- und Ruhezeiten der Fahrer, Arbeitszeit sowie Einbau und Nutzung der Kontrollgeräte, ii) höchstzulässiges Gewicht und Abmessungen der Nutzfahrzeuge im grenzüberschreitenden Verkehr, iii) Grundqualifikation und Weiterbildung der Fahrer, iv) Verkehrstüchtigkeit der Nutzfahrzeuge einschließlich der vorgeschriebenen technischen Überwachung der Kraftfahrzeuge, v) Zugang zum Markt des grenzüberschreitenden Güterkraftverkehrs oder gegebenenfalls Zugang zum Markt des grenzüberschreitenden Personenkraftverkehrs, vi) Sicherheit beim Transport gefährlicher Güter auf der Straße, vii) Einbau und Benutzung von Geschwindigkeitsbegrenzern in bestimmten Fahrzeugklassen, viii) Führerscheine, ix) Zugang zum Beruf, x) Tiertransporte. 1. (2)Für die Zwecke von Absatz 1 Unterabsatz 3 Buchstabe b gilt Folgendes: a) Wurde gegen den Verkehrsleiter oder das Verkehrsunternehmen in einem oder mehreren Mitgliedstaaten ein Urteil wegen einer schwerwiegenden Straftat oder eine Sanktion wegen schwerster Verstöße gegen Gemeinschaftsvorschriften gemäß Anhang IV verhängt, so führt die zuständige Behörde des Niederlassungsmitgliedstaats rechtzeitig auf geeignete Art und Weise ein ordnungsgemäß abgeschlossenes Verwaltungsverfahren, gegebenenfalls einschließlich einer Prüfung in den Räumlichkeiten des betreffenden Unternehmens, durch. .... Stellt die Aberkennung der Zuverlässigkeit nach Auffassung der zuständigen Behörde keine unverhältnismäßige Reaktion dar, so führt die Verurteilung oder Sanktion zur Aberkennung der Zuverlässigkeit. ... Artikel 8 Voraussetzungen bezüglich der Anforderung der fachlichen Eignung 1. (1)Um die Anforderung nach Artikel 3 Absatz 1 Buchstabe d zu erfüllen, müssen die betreffenden Personen in den in Anhang I Teil I aufgeführten Sachgebieten Kenntnisse besitzen, die dem dort vorgesehenen Niveau entsprechen. Diese Kenntnisse werden durch eine obligatorische schriftliche Prüfung und - falls ein Mitgliedstaat dies verfügt - gegebenenfalls durch eine ergänzende mündliche Prüfung nachgewiesen. Diese Prüfungen werden gemäß Anhang I Teil II abgenommen. Zu diesem Zweck können die Mitgliedstaaten beschließen, dass die Prüfung von der Teilnahme an einer Ausbildung abhängig gemacht wird. ... 1. (8)Als Nachweis der fachlichen Eignung wird eine Bescheinigung vorgelegt, die von der in Absatz 3 genannten Behörde oder Stelle ausgestellt worden ist. Diese Bescheinigung darf auf keine andere Person übertragbar sein. Die Bescheinigung wird nach den Sicherheitsmerkmalen und dem Muster der Anhänge II und III erstellt und trägt Dienstsiegel und Unterschrift der bevollmächtigten Behörde oder Stelle, die sie ausgestellt hat. ... Artikel 10 Zuständige Behörden 1. (1)Jeder Mitgliedstaat benennt eine oder mehrere Behörden, welche für die ordnungsgemäße Durchführung dieser Verordnung zuständig sind. Die zuständigen Behörden sind befugt, .... c) eine natürliche Person für ungeeignet zu erklären, als Verkehrsleiter die Verkehrstätigkeit eines Unternehmens zu leiten, ... Artikel 13 Verfahren für Aussetzung und Entzug von Zulassungen 1. (1)Wenn eine zuständige Behörde feststellt, dass das Unternehmen möglicherweise die Anforderungen nach Artikel 3 nicht mehr erfüllt, teilt sie dies dem Unternehmen mit. Stellt eine zuständige Behörde fest, dass eine oder mehrere dieser Anforderungen nicht mehr erfüllt sind, so kann sie dem Unternehmen eine Frist folgender Dauer zur Behebung des vorschriftswidrigen Zustands einräumen: a) höchstens sechs Monate für die Einstellung eines Nachfolgers des Verkehrsleiters, falls der Verkehrsleiter die Anforderungen der Zuverlässigkeit oder der fachlichen Eignung nicht mehr erfüllt, verlängerbar um drei Monate im Fall des Todes oder des gesundheitlich bedingten Ausfalls des Verkehrsleiters; ... 1. (2)Die zuständige Behörde kann Unternehmen, deren Zulassung ausgesetzt oder entzogen wurde, auferlegen, dass ihre Verkehrsleiter die in Artikel 8 Absatz 1 genannte Prüfung bestanden haben müssen, bevor eine Rehabilitierungsmaßnahme erfolgt. 2. (3)Stellt die zuständige Behörde fest, dass das Unternehmen eine oder mehrere Anforderungen nach Artikel 3 nicht mehr erfüllt, so setzt sie die Zulassung zum Beruf des Kraftverkehrsunternehmers aus oder entzieht sie, und zwar innerhalb der in Absatz 1 genannten Fristen. Artikel 14 Erklärung der Nichteignung des Verkehrsleiters 1. (1)Wird einem Verkehrsleiter die Zuverlässigkeit nach Artikel 6 aberkannt, so erklärt die zuständige Behörde diesen Verkehrsleiter für ungeeignet, die Verkehrstätigkeiten eines Unternehmens zu leiten. 1. (2)Sofern und solange keine Rehabilitierungsmaßnahme nach Maßgabe der einschlägigen einzelstaatlichen Vorschriften erfolgt ist, ist die in Artikel 8 Absatz 8 genannte Bescheinigung der fachlichen Eignung des Verkehrsleiters, der für ungeeignet erklärt wurde, in keinem Mitgliedstaat mehr gültig. ... Artikel 22 Sanktionen 1. (1)Die Mitgliedstaaten legen die Regeln für Sanktionen bei Verstößen gegen die Bestimmungen dieser Verordnung fest und treffen alle erforderlichen Maßnahmen für deren Anwendung. Die vorgesehenen Sanktionen müssen wirksam, verhältnismäßig und abschreckend sein. Die Mitgliedstaaten teilen der Kommission diese Vorschriften spätestens 4. Dezember 2011 mit und unterrichten sie unverzüglich über alle sie betreffenden späteren Änderungen. Die Mitgliedstaaten gewährleisten, dass alle diese Maßnahmen ohne Diskriminierung aufgrund der Staatsangehörigkeit oder des Ortes der Niederlassung des Unternehmens angewandt werden. 2. (2)Die in Absatz 1 genannten Sanktionen umfassen insbesondere die Aussetzung der Zulassung zum Beruf des Kraftverkehrsunternehmers, den Entzug dieser Zulassung und eine Erklärung der Nichteignung des Verkehrsleiters." 20 Der "Gemeinsame Standpunkt (EG) Nr. 5/2009, vom Rat festgelegt am 9. Januar 2009 im Hinblick auf den Erlass der Verordnung (EG) Nr..../2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom ... zur Festlegung gemeinsamer Regeln für die Zulassung zum Beruf des Kraftverkehrsunternehmers und zur Aufhebung der Richtlinie 96/26/EG des Rates" (ABl. C 62E vom 17.3.2009) betrifft als (so seine Überschrift) "Vorbereitende Rechtsakte" seinem Inhalt nach den Regelungsinhalt der (danach beschlossenen) Verordnung (EG) Nr. 1071/2009 und lautet in seiner Begründung auszugsweise wie folgt: "BEGRÜNDUNG DES RATES I. EINLEITUNG Die Kommission hat den Vorschlag für eine Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates zur Festlegung gemeinsamer Regeln für die Zulassung zum Beruf des Kraftverkehrsunternehmers am 25. Mai 2007 als einen der drei Vorschläge des so genannten ‚Kraftverkehrspakets' (1) vorgelegt. Das Europäische Parlament hat seine Stellungnahme in erster Lesung am 21. Mai 2008 abgegeben. Der Rat hat seinen Gemeinsamen Standpunkt gemäß Artikel 251 des Vertrags am 9. Januar 2009 festgelegt. .... II. ANALYSE DES GEMEINSAMEN STANDPUNKTS ... ii) Verkehrsleiter In dem Kommissionsvorschlag ist festgelegt, welche Beziehung zwischen der Person, die über die erforderliche fachliche Eignung verfügt (‚Verkehrsleiter'), und dem Unternehmen, dessen Verkehrstätigkeit sie leitet, bestehen muss. Diese Person muss vom Unternehmen angestellt sein und von diesem eine Vergütung erhalten. Da diese Person die Verkehrstätigkeit des Unternehmens tatsächlich und dauerhaft leiten soll, hat sie die Konsequenzen ihrer Entscheidungen zu tragen und folglich etwaige Verstöße, die im Rahmen der von ihr geleiteten Tätigkeiten begangen werden, zu verantworten. Diese Verantwortung versteht sich als Verantwortung im Rahmen dieser Verordnung, was jedoch eine strafrechtliche oder finanzielle Verantwortung nach den einzelstaatlichen Rechtsvorschriften eines jeden Mitgliedstaats nicht ausschließt. ...." 21 In den Revisionsgründen wird (hier auf das Wesentliche zusammengefasst) vorgebracht, dass - für arbeitszeitrechtliche Verstöße wie die verfahrensgegenständlichen - weder nationale Vorschriften noch die EG-Verordnung Nr. 1071/2009 eine strafrechtliche Verantwortlichkeit des Verkehrsleiters normieren und das Verwaltungsgericht daher, soweit es von einer Verdrängung der Verantwortlichkeit gemäß § 9 VStG (wegen deren Subsidiarität bzw. wegen der "Überlappung" von Anordnungsbefugnissen) ausgehe, die Rechtslage verkenne. 22 Daran ändere nach Meinung der Zweitrevisionswerberin der Umstand, dass der Verkehrsleiter gemäß Art. 4 Abs. 1 lit. a EG-Verordnung Nr. 1071/2009 "die Verkehrstätigkeiten des Unternehmens dauerhaft und tatsächlich leitet", nichts, weil dies die Einräumung einer Anordnungsbefugnis gemäß § 9 Abs. 4 VStG nicht ausschließe. So stehe auch die Leitungs- und Anordnungsbefugnis des gemäß § 9 Abs. 1 VStG zur Vertretung nach außen Befugten (vergleichbar mit jener des Verkehrsleiters) nicht der Anordnungsbefugnis eines verantwortlichen Beauftragten entgegen (bei gegenteiliger Ansicht wäre die Bestellung eines verantwortlichen Beauftragten niemals möglich). 23 Vor allem aber ergebe sich aus dem "Gemeinsamen Standpunkt (EG) Nr. 5/2009 des Rates vom 9. Jänner 2009", dass die verwaltungsstrafrechtliche Verantwortlichkeit des Verkehrsleiters noch nicht durch die EG-Verordnung Nr. 1071/2009, sondern allenfalls erst durch entsprechende Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten begründet werde. Der österreichische Gesetzgeber habe für Verstöße gegen Arbeitszeitvorschriften wie die verfahrensgegenständlichen (anders als etwa für bestimmte Verstöße gegen das Kraftfahrliniengesetz; § 47 leg. cit.) eine verwaltungsstrafrechtliche Verantwortlichkeit des Verkehrsleiters nicht vorgesehen. 24 Soweit das Verwaltungsgericht in seiner Hilfsbegründung aber meine, dass die Bestellung der Mitbeteiligten zur verantwortlichen Beauftragten nicht den Anforderungen des § 9 VStG entspreche, so verkenne es nach Auffassung der Revisionen die zu § 9 VStG ergangene Rechtsprechung, die auf einen klaren Verantwortlichkeitsbereich des verantwortlichen Beauftragten abstelle (Hinweis auf VwGH 23.4.2013, 2013/09/0026). Diese Voraussetzung sei gegenständlich erfüllt, weil in der Bestellungsurkunde der Mitbeteiligten zur verantwortlichen Beauftragten der (auch im angefochtenen Erkenntnis festgestellte) Zuständigkeitsbereich sowohl in sachlicher als auch in räumlicher Hinsicht klar abgegrenzt worden sei, und sich die Anordnungsbefugnis der Mitbeteiligten aus ihrer (auch in der Bestellungsurkunde genannten) Funktion innerhalb der T. GmbH ("Leiterin Personalverrechnung, Kontrolle und Abrechnung der Lenkeinsätze, Unterweisung und Sensibilisierung der Fahrerschaft") ergebe. 25 Die Revisionen sind, wie sich aus den nachstehenden Ausführungen ergibt, begründet: 26 Das angefochtene Erkenntnis beruht auf der Rechtsansicht, dass die Bestellung der Mitbeteiligten zur verantwortlichen Beauftragten rechtsunwirksam war, wobei für diese Auffassung zwei (voneinander unabhängige) Begründungen ins Treffen geführt werden: einerseits die durch die EG-Verordnung Nr. 1071/2009 vorgesehene Bestellung eines Verkehrsleiters, dem die strafrechtliche Verantwortlichkeit für das Kraftverkehrsunternehmen zukomme und der als solcher einen (gemäß § 9 VStG subsidiären) verantwortlichen Beauftragten verdränge, und andererseits das Nichterfüllen der Bestellungsvoraussetzungen des § 9 VStG. 27 Zutreffend ist, dass sich nach der ständigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes aus dem klaren Wortlaut des § 9 Abs. 1 VStG ergibt, dass die darin getroffene Regelung subsidiär ist, d.h. nur dann zur Anwendung zu kommen hat, wenn in den im Einzelfall zur Anwendung kommenden besonderen Verwaltungsvorschriften nicht eine selbständige Regelung der Verantwortlichkeit nach außen getroffen ist. Ist einer bestimmten Person die Verantwortlichkeit in besonderen Verwaltungsvorschriften zugeordnet, so kann sie sich ihrer so festgelegten Verantwortung nicht durch Bestellung eines verantwortlichen Beauftragten iSd § 9 Abs. 2 VStG entziehen, § 9 Abs. 2 VStG ist in einem solchen Fall also nicht anwendbar (vgl. etwa VwGH 30.9.2010, 2010/03/0119). 28 Damit stellt sich im Revisionsfall, in welchem die Übertretung arbeitszeitrechtlicher Vorschriften seitens der T. GmbH angenommen wurde, zunächst die Frage, ob Rechtsvorschriften abseits des § 9 VStG einen für die gegenständlichen Übertretungen (primär) strafrechtlich Verantwortlichen vorsehen. 29 1) Zur EG-Verordnung Nr. 1071/2009: Wie dargestellt leitet das Verwaltungsgericht aus den Bestimmungen der EG-Verordnung betreffend den vom Kraftverkehrsunternehmen zu bestellenden "Verkehrsleiter", insbesondere aus den an diesen gestellten Anforderungen gemäß Art. 4 Abs. 1 lit. a ("die Verkehrstätigkeiten des Unternehmens tatsächlich und dauerhaft leitet") und Art. 6 Abs. 1 lit. b leg. cit. (keine schwerwiegende Straftat u.a. wegen Lenk- und Ruhezeiten der Fahrer, Arbeitszeit sowie Einbau und Nutzung der Kontrollgeräte) ab, dass den Verkehrsleiters damit die verwaltungsstrafrechtliche Verantwortlichkeit im Kraftverkehrsunternehmen zugewiesen sei (obwohl das Verwaltungsgericht gleichzeitig zugesteht, dass die in Rede stehende EG-Verordnung die strafrechtliche Verantwortlichkeit des Verkehrsleiters nicht in der "gewohnten Deutlichkeit" anordnet). Damit verkennt es die Rechtslage. 30 Die EG-Verordnung Nr. 1071/2009 regelt entsprechend ihrem Anwendungsbereich (Art. 1) den Zugang zum Beruf des Kraftverkehrsunternehmers (der gemäß Art. 2 Z 2 Personen- oder Güterkraftverkehrsunternehmer ist). Dieser hat gemäß Art. 4 Abs. 1 der EG-Verordnung mindestens eine natürliche Person zum "Verkehrsleiter" (der nach der Legaldefinition des Art. 2 Z 5 die Verkehrstätigkeiten dieses Unternehmens "tatsächlich und dauerhaft leitet") zu bestellen, der bestimmte Anforderungen zu erfüllen hat (vgl. Art. 4 Abs. 1 betreffend die Beziehung zum Unternehmen und betreffend den ständigen Aufenthalt, Art. 6 betreffend die Zuverlässigkeit, Art. 8 betreffend die fachliche Eignung) und gegebenenfalls von der zuständigen Behörde für ungeeignet zu erklären ist (Art. 10 Abs. 1 lit. c, Art. 14 Abs. 1). 31 Eine Norm, die im Falle von Verstößen seitens des Kraftverkehrsunternehmers (insbesondere gegen Bestimmungen betreffend die Arbeitszeiten von Lenkern des Kraftverkehrsunternehmers) eine strafrechtliche Verantwortlichkeit des Verkehrsleiters explizit vorsieht, enthält die EG-Verordnung Nr. 1071/2009 nicht. 32 Vielmehr wurde in der Begründung des Gemeinsamen Standpunktes (EG) Nr. 5/2009 des Rates in Vorbereitung der EG-Verordnung Nr. 1071/2009 hinsichtlich des Verkehrsleiters festgehalten, dass diese Person die Verkehrstätigkeit des Unternehmens tatsächlich und dauerhaft leiten soll und daher "die Konsequenzen ihrer Entscheidungen zu tragen und folglich etwaige Verstöße, die im Rahmen der von ihr geleiteten Tätigkeiten begangen werden, zu verantworten (hat). Diese Verantwortung versteht sich als Verantwortung im Rahmen dieser Verordnung, was jedoch eine strafrechtliche oder finanzielle Verantwortung nach den einzelstaatlichen Rechtsvorschriften eines jeden Mitgliedstaats nicht ausschließt." 33 Damit ist unmissverständlich zum Ausdruck gebracht, dass der Verkehrsleiter nach der EG-Verordnung Nr. 1071/2009 zwar für rechtswidriges Handeln "die Verantwortung im Rahmen dieser Verordnung" (vgl. insbesondere die erwähnten Art. 10 Abs. 1 lit. c und Art. 14 Abs. 1 iVm Art. 6 Abs. 2 der EG-Verordnung Nr. 1071/2009), nicht jedoch automatisch die strafrechtliche Verantwortlichkeit für jegliche Verstöße trägt, die im Zusammenhang mit dem Betrieb des Kraftverkehrsunternehmens erfolgen (wobei die Begründung der strafrechtlichen Verantwortlichkeit des Verkehrsleiters durch innerstaatliche Rechtsvorschriften zulässig ist). 34 2) Strafrechtliche Verantwortlichkeit des Verkehrsleiters nach anderen Rechtsvorschriften: Die vom Verwaltungsgericht angenommene primäre verwaltungsstrafrechtliche Verantwortlichkeit des Verkehrsleiters (bei gleichzeitigem Auschluss der subsidiären Verantwortlichkeit eines gemäß § 9 Abs. 2 VStG bestellten verantwortlichen Beauftragten) für arbeitszeitrechtliche Verstöße wäre daher nur dann zu bejahen, wenn die diesbezüglichen Rechtsvorschriften eine solche Verantwortlichkeit des Verkehrsleiters ausdrücklich anordneten (wie dies hinsichtlich bestimmter Verpflichtungen des Verkehrsleiters in § 47 Abs. 1 Kraftfahrliniengesetz normiert ist). Dies ist - jedenfalls was die im vorliegenden Strafverfahren maßgebenden Rechtsvorschriften betreffend die Einhaltung von Arbeitszeiten betrifft - zu verneinen. Denn die nach dem Straferkenntnis als übertreten bezeichnete Verordnung (EG) 561/2006 bzw. die Verordnung (EU) 165/2014 überlassen, was diesbezügliche Sanktionen betrifft, in den Art. 18 ff. bzw. 41 die nähere Festlegung den Mitgliedstaaten, und der österreichische Gesetzgeber hat in § 28 AZG für derartige Übertretungen ausdrücklich die strafrechtliche Verantwortlichkeit des Arbeitgebers (nicht des Verkehrsleiters) vorgesehen. 35 3) Verantwortlichkeit gemäß § 9 VStG: Ist daher, wie im vorliegenden Fall, Arbeitgeber iSd § 28 AZG eine juristische Person, so bestimmt sich dessen strafrechtliche Verantwortlichkeit nach § 9 VStG. Nach den Feststellungen im angefochtenen Erkenntnis hat die T. GmbH die Mitbeteiligte mit Bestellungsurkunde vom 2. Juli 2012 zur verantwortlichen Beauftragten gemäß § 9 Abs. 2 VStG bestellt. In der Alternativbegründung des angefochtenen Erkenntnisses wird diese Bestellung als nicht rechtswirksam angesehen, weil der Mitbeteiligten die erforderliche Anordnungsbefugnis (§ 9 Abs. 4 VStG) fehle. 36 Soweit dies vom Verwaltungsgericht damit begründet wird, dass der für die T. GmbH. (gemäß § 5a GütbefG) zu bestellende Verkehrsleiter angesichts der ihm zukommenden "tatsächlichen und dauerhaften" Leitungsbefugnis im Unternehmen über eine umfassende Anordnungsbefugnis verfüge, die mit der Anordnungsbefugnis der Mitbeteiligten kollidiere und daher deren Bestellung zur verantwortlichen Beauftragten rechtsunwirksam mache (Hinweis auf VwGH 28.11.2008, 2008/02/0300), wird vom Verwaltungsgericht die Rechtslage verkannt. 37 Im letztzitierten Erkenntnis hat der Verwaltungsgerichtshof ausgeführt: "Der Verwaltungsgerichtshof hat in seinem Erkenntnis vom 7. April 1995, Zl. 94/02/0470, unter Bezugnahme auf seine bisherige Rechtsprechung zu § 9 Abs. 4 VStG ausgeführt, dass eine eindeutige und zu keinen Zweifeln Anlass gebende Umschreibung des Verantwortungsbereiches nur dann vorliege, wenn für die in räumlicher, sachlicher und allenfalls auch zeitlicher Hinsicht abgegrenzte, verwaltungsstrafrechtliche Verantwortlichkeit ‚immer nur eine von vornherein feststehende Person' in Betracht komme. Die unterscheidungslose Übertragung der Verantwortlichkeit für die Einhaltung sämtlicher Arbeitnehmerschutzbestimmungen auf verschiedene Arbeitnehmer für denselben Verantwortungsbereich sei daher nicht rechtswirksam. Vom Beschwerdeführer wird mit dem dargestellten Vorbringen nicht bestritten, dass betreffend die Einhaltung von Arbeitnehmerschutzbestimmungen für denselben Verantwortungsbereich eine mehrfache Betrauung von Arbeitnehmern der Gesellschaft als verantwortliche Beauftragte stattgefunden habe. Gemäß § 9 Abs. 4 VStG kann ein verantwortlicher Beauftragter nur eine Person sein, der u.a. für den ihrer Verantwortung unterliegenden klar abzugrenzenden Bereich eine entsprechende Anordnungsbefugnis zugewiesen ist. Daraus ist zu schließen, dass der räumliche oder sachliche Bereich des Unternehmens, für den ein verantwortlicher Beauftragter mit dessen Zustimmung bestellt wird, ‚klar abzugrenzen' ist. Erfolgt eine solche klare Abgrenzung nicht, so liegt keine wirksame Bestellung eines verantwortlichen Beauftragten vor. Die Verwaltungsstrafbehörden sollen nicht in die Lage versetzt werden, Ermittlungen über den jeweiligen Betrieb und seine Gliederung in räumlicher und sachlicher Hinsicht anstellen zu müssen. Sie sollen auch der Aufgabe enthoben sein, die Bestellung (ihren Nachweis) einer nur unter Zuhilfenahme weiterer Beweise möglichen Interpretation unterziehen zu müssen, um zu klären, welcher Inhalt einer diesbezüglich nicht eindeutigen Erklärung beizumessen ist. Jedenfalls soll vermieden werden, dass Zweifel am Umfang des Verantwortlichkeitsbereiches entstehen und als deren Folge die Begehung von Verwaltungsübertretungen allenfalls überhaupt ungesühnt bleibt (vgl. das hg. Erkenntnis vom 14. Dezember 2007, Zl. 2007/02/0277). ...." 38 Entscheidend für die rechtswirksame Bestellung zum verantwortlichen Beauftragten ist demnach sein klar abgegrenzter, zu keinen Zweifeln Anlass gebender Verantwortungsbereich, der dann fehlt, wenn die Verantwortlichkeit unterscheidungslos auf mehrere Personen übertragen werden soll. Davon bzw. von der im angefochtenen Erkenntnis ins Treffen geführten "Überlappung gleichartiger Verantwortungsbereiche" kann aber im vorliegenden Revisionsfall keine Rede sein, weil hier, wie bereits dargelegt wurde, die strafrechtliche Verantwortlichkeit des Verkehrsleiters fehlt, sodass eine diesbezügliche Kollision mit der Verantwortlichkeit der Mitbeteiligten von vornherein ausscheidet. 39 Die Rechtsunwirksamkeit der Bestellung der Mitbeteiligten zur verantwortlichen Beauftragten begründet das Verwaltungsgericht weiters damit, dass es den "genauen Inhalt der schriftlichen Anordnungsbefugnis" nicht habe feststellen können, weil die Mitbeteiligte eine "allfällig dazu ausgestellte Urkunde" trotz Aufforderung nicht vorgelegt habe. 40 Dem ist entgegen zu halten, dass die Anordnungsbefugnis der Mitbeteiligten ohnehin bereits aus der aktenkundigen Bestellungsurkunde vom 2. Juli 2012 hervorgeht. Dort ist, wie die Revisionen zutreffend geltend machen, in der Rubrik "Stellung im Betrieb/Unternehmen, Führungsaufgaben, Befugnisse" festgehalten, dass die Mitbeteiligte innerhalb der T. GmbH die Funktion der "Leiterin Personalverrechnung" einnimmt und ihr dabei die Aufgabe und Befugnis zur "Kontrolle und Abrechnung der Lenkeinsätze, Unterweisung und Sensibilisierung der Fahrerschaft" zukommt. Wenn daher das Verwaltungsgericht eine noch weiter gehende Präzisierung der Anordnungsbefugnis für erforderlich hält, so widerspricht dies der hg. Rechtsprechung, nach der es bei einer Bestellung zum verantwortlichen Beauftragten im Sinne des § 9 Abs 2 letzter Satz VStG für bestimmte räumliche oder sachlich abgegrenzte Bereiche des Unternehmens nicht erforderlich ist, jede einzelne Anordnungsbefugnis anzuführen (vgl. etwa VwGH 28.5.2008, 2008/03/0015, mwN). 41 Nicht nachvollziehbar und daher ebenfalls nicht tragfähig ist schließlich das Argument des Verwaltungsgerichts, vom Fehlen der Anordnungsbefugnis der Mitbeteiligten (und damit von der Unwirksamkeit ihrer Bestellung gemäß § 9 Abs. 2 VStG) sei auch deshalb auszugehen, weil sie mit Wissen der Geschäftsführung Kontrollen des Fahrers hinsichtlich der Einhaltung der arbeitszeitrechtlichen Bestimmungen gänzlich unterlassen habe. Dieses Argument liefe, wie die Revisionen zutreffend geltend machen, darauf hinaus, dass verantwortliche Beauftragte, die ihren Kontrollpflichten nicht entsprechen, prinzipiell nicht zur Verantwortung gezogen werden könnten, was dem Zweck des § 9 Abs. 2 VStG widerspräche. 42 Nach dem Gesagten war das angefochtene Erkenntnis wegen Rechtswidrigkeit seines Inhaltes gemäß § 42 Abs. 2 Z 1 VwGG aufzuheben. Wien, am 21. April 2020
JWT_2019110077_20200427L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019110077.L00
Ra 2019/11/0077
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019110077_20200427L00/JWT_2019110077_20200427L00.html
1,587,945,600,000
1,092
Spruch I. den Beschluss gefasst: Die Revision wird, soweit sie sich gegen den Schuldspruch des angefochtenen Erkenntnisses richtet, zurückgewiesen. II. zu Recht erkannt: Das angefochtene Erkenntnis wird im Umfang seines Strafausspruches, des Ausspruches über den Beitrag zu den Verfahrenskosten und des Ausspruches über die Erstattung der Barauslagen wegen Rechtswidrigkeit seines Inhaltes aufgehoben. Der Bund hat dem Revisionswerber Aufwendungen in der Höhe von insgesamt EUR 1.346,40 binnen zwei Wochen bei sonstiger Exekution zu ersetzen. Begründung 1 Mit dem angefochtenen Erkenntnis wurde zum einen, durch Bestätigung des Straferkenntnisses der belangten Behörde vom 23. Juni 2017, der Revisionswerber schuldig erkannt, er habe es als der gemäß § 9 VStG zur Vertretung nach außen Berufene einer Gesellschaft mit Sitz in Slowenien zu verantworten, dass diese als Arbeitgeberin hinsichtlich von neun namentlich genannten Arbeitnehmern während deren Entsendung näher genannte Lohnunterlagen zur Überprüfung des den Arbeitskräften für die Dauer der Beschäftigung nach den österreichischen Rechtsvorschriften gebührenden Entgelts in deutscher Sprache am Arbeitsort nicht bereitgehalten habe. 2 Der Revisionswerber habe dadurch § 7d Abs. 1 Arbeitsvertragsrechts-Anpassungsgesetz - AVRAG, BGBl. Nr. 459/1993 (in der zum Tatzeitpunkt geltenden Fassung vor der Novelle BGBl. Nr. 44/2016) verletzt, weswegen über ihn gemäß § 7i Abs. 4 Z 1 AVRAG jeweils eine Geldstrafe von EUR 2.000,-- (Ersatzfreiheitsstrafe jeweils ein Tag und acht Stunden) verhängt werde. Weiters werde dem Revisionswerber ein Kostenbeitrag für das behördliche Strafverfahren von EUR 1.800,-- (10% der Geldstrafen gemäß § 64 Abs. 2 VStG) und ein Kostenbeitrag für das Beschwerdeverfahren von EUR 3.600,-- (20% der Geldstrafen gemäß § 52 Abs. 2 VwGVG) vorgeschrieben. 3 Zum anderen wurde der Revisionswerber mit dem angefochtenen Erkenntnis, durch Bestätigung des Straferkenntnisses der belangten Behörde vom 22. Juni 2017, schuldig erkannt, er habe es als der gemäß § 9 VStG zur Vertretung nach außen Berufene der zuvor genannten Gesellschaft zu verantworten, dass diese als Arbeitgeberin hinsichtlich von fünf namentlich genannten Arbeitnehmern keine Unterlagen über die Anmeldung zur Sozialversicherung im Inland bereitgehalten oder den Organen der Abgabenbehörde unmittelbar vor Ort in elektronischer Form zugänglich gemacht habe, obwohl für die entsandten Arbeitnehmer keine Sozialversicherungspflicht in Österreich bestanden habe. 4 Der Revisionswerber habe dadurch § 7b Abs. 5 AVRAG (in der zum Tatzeitpunkt geltenden Fassung vor der Novelle BGBl. Nr. 44/2016) verletzt, weswegen über ihn gemäß § 7b Abs. 8 Z 3 AVRAG jeweils eine Geldstrafe von EUR 500,-- (Ersatzfreiheitsstrafe jeweils ein Tag und acht Stunden) verhängt werde. Weiters werde dem Revisionswerber ein Kostenbeitrag von EUR 250,-- zum behördlichen Strafverfahren (10% der Geldstrafen gemäß § 64 Abs. 2 VStG) und ein Kostenbeitrag von EUR 500,-- zum Beschwerdeverfahren (20% der Geldstrafen gemäß § 52 Abs. 2 VwGVG) vorgeschrieben. 5 Schließlich wurde im angefochtenen Erkenntnis ausgesprochen, der Revisionswerber habe gemäß § 52 Abs. 1 und 3 VwGVG die in den Beschwerdeverfahren angelaufenen Barauslagen (Kosten des nichtamtlichen Dolmetschers) in Höhe von insgesamt EUR 411,54 innerhalb von zwei Wochen bei sonstiger Exekution zu erstatten. 6 Gemäß § 25a VwGG wurde ausgesprochen, dass die ordentliche Revision an den Verwaltungsgerichtshof gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zulässig sei. 7 In der Begründung stellte das Verwaltungsgericht als entscheidungswesentlichen Sachverhalt fest, dass für die genannten, nach Österreich entsandten neun Arbeitnehmer ein Arbeitsvertrag oder Dienstzettel, Lohnzettel, Lohnzahlungsnachweise oder Banküberweisungsbelege, Lohnaufzeichnungen, Arbeitszeitaufzeichnungen und Unterlagen betreffend die Lohneinstufung nicht bereitgehalten worden seien. Für fünf dieser Arbeitnehmer seien keine Unterlagen über die Anmeldung zur Sozialversicherung (Sozialversicherungsdokument A1) bereitgehalten bzw. unmittelbar vor Ort in elektronischer Form zugänglich gemacht worden. 8 Zur Strafbemessung führte das Verwaltungsgericht aus, über den Revisionswerber sei zu allen Tatvorwürfen jeweils die gesetzliche Mindeststrafe verhängt worden. 9 Mit Beschluss vom 25. Februar 2019, E 2157/2018-5, lehnte der Verfassungsgerichtshof die Behandlung der gegen diese Erkenntnisse erhobenen Beschwerde ab und trat die Beschwerde mit Beschluss vom 20. März 2019, E 2157/2018-7, dem Verwaltungsgerichtshof zur Entscheidung ab. 10 Gegen dieses Erkenntnis richtet sich die vorliegende (außerordentliche) Revision. Eine Revisionsbeantwortung wurde nicht erstattet. 11 Der Verwaltungsgerichtshof hat erwogen: Zum Schuldspruch des angefochtenen Erkentnnisses: 12 Nach Art. 133 Abs. 4 B-VG ist gegen ein Erkenntnis des Verwaltungsgerichtes die Revision zulässig, wenn sie von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, insbesondere weil das Erkenntnis von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abweicht, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes nicht einheitlich beantwortet wird. 13 Nach § 34 Abs. 1 VwGG sind Revisionen, die sich wegen Nichtvorliegens der Voraussetzungen des Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zur Behandlung eignen, ohne weiteres Verfahren in nichtöffentlicher Sitzung mit Beschluss zurückzuweisen. 14 Nach § 34 Abs. 1a VwGG ist der Verwaltungsgerichtshof bei der Beurteilung der Zulässigkeit der Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG an den Ausspruch des Verwaltungsgerichtes gemäß § 25a Abs. 1 VwGG nicht gebunden. Die Zulässigkeit einer außerordentlichen Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG hat der Verwaltungsgerichtshof im Rahmen der dafür in der Revision gesondert vorgebrachten Gründe (§ 28 Abs. 3 VwGG) zu überprüfen. 15 Insoweit die Revision zu ihrer Zulässigkeit lediglich allgemein vorbringt, das Verwaltungsgericht hätte "bei bestehenden Unklarheiten hinsichtlich des Sachverhalts wie im vorliegenden Fall ergänzende Feststellungen" treffen müssen, legt sie eine Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung im Sinne des Art. 133 Abs. 4 B-VG ebenso wenig dar wie mit dem nicht näher konkretisierten Zulässigkeitsvorbringen, der Tatvorwurf hinsichtlich der fehlenden Lohnunterlagen beruhe auf einer "unschlüssigen ... Beweiswürdigung" und sei "erst nach Ablauf der Verjährungsfrist konkretisiert" worden. 16 In der Revision werden daher, was den Schuldspruch des angefochtenen Erkenntnisses betrifft, keine Rechtsfragen aufgeworfen, denen im Sinne des Art. 133 Abs. 4 B-VG grundsätzliche Bedeutung zukäme, sodass die Revision insoweit gemäß § 34 Abs. 1 und 3 VwGG zurückzuweisen war. Zu den verhängten Strafen, zur Vorschreibung eines Kostenbeitrages und zur Erstattung der Barauslagen: 17 Das Verwaltungsgericht ist bei seiner Entscheidung über das Strafausmaß für die Nichtbereithaltung von Lohnunterlagen von der in § 7i Abs. 4 AVRAG vorgesehenen gesetzlichen Mindeststrafe sowie vom dort normierten Gebot der Verhängung einer Geldstrafe pro betroffenem Arbeitnehmer ausgegangen und hat überdies für die Übertretung der in Rede stehenden Bereithaltepflicht für jede Geldstrafe eine Ersatzfreiheitsstrafe (§ 16 VStG) verhängt. 18 Der Revisionsfall gleicht daher, was den Strafausspruch und die Vorschreibung des Kostenbeitrages in Zusammenhang mit der Nichtbereithaltung von Lohnunterlagen betrifft, jenem, der dem hg. Erkenntnis vom 15. Oktober 2019, Ra 2019/11/0033 bis 0034, zu Grunde lag. Auf die Entscheidungsgründe dieses Erkenntnisses wird gemäß § 43 Abs. 2 VwGG verwiesen. 19 Das im Erkenntnis Ra 2019/11/0033 bis 0034 Ausgeführte gilt in gleicher Weise insoweit, als das Verwaltungsgericht von der - im Wesentlichen gleichartigen - in § 7b Abs. 8 Z 3 AVRAG vorgesehenen gesetzlichen Mindeststrafe für die Nichtbereithaltung bzw. Nichtzugänglichmachung der Sozialversicherungsunterlagen sowie vom dort normierten Gebot der Verhängung einer Geldstrafe pro betroffenem Arbeitnehmer ausgegangen und für die Übertretung dieser Bereithaltepflicht für jede Geldstrafe eine Ersatzfreiheitsstrafe (§ 16 VStG) verhängt und einen Kostenbeitrag vorgeschrieben hat (vgl. VfGH 27.11.2019, E 2047/2019 ua, zur Nachfolgeregelung des § 26 Abs. 1 Z 3 LSD-BG). 20 Da die Vorschreibung von Barauslagen gemäß § 52 Abs. 3 VwGVG die Bestrafung des Beschuldigten voraussetzt, ist mit der Aufhebung des Strafausspruches des angefochtenen Erkenntnisses gemäß § 42 Abs. 3 VwGG die Rechtsgrundlage für den Ausspruch über die Erstattung von Barauslagen weggefallen (vgl. VwGH 26.2.2007, 2005/10/0011). 21 Das angefochtene Erkenntnis war somit hinsichtlich der verhängten Strafen, der daran anknüpfenden Kostenbeiträge sowie der Erstattung der Barauslagen gemäß § 42 Abs. 2 Z 1 VwGG wegen Rechtswidrigkeit seines Inhaltes aufzuheben. 22 Die Kostenentscheidung gründet sich auf die §§ 47 ff VwGG iVm der VwGH-Aufwandersatzverordnung 2014. Wien, am 27. April 2020
JWT_2019110082_20201214L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019110082.L00
Ra 2019/11/0082
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019110082_20201214L00/JWT_2019110082_20201214L00.html
1,607,904,000,000
645
Spruch Die Revision wird zurückgewiesen. Begründung 1 Mit Bescheid der belangten Behörde vom 7. Dezember 2018 wurde dem Revisionswerber gemäß § 24 Abs. 1 Z 1 iVm. § 25 Abs. 3 Führerscheingesetz (FSG) die für die Klassen AM und B erteilte Lenkberechtigung für die Dauer von zwei Jahren, gerechnet ab Zustellung des Bescheides, somit ab 3. Jänner 2019, ohne Einrechnung von Haftzeiten, entzogen. Weiters wurde gemäß § 24 Abs. 3 FSG angeordnet, dass bis zum Ablauf der Entziehungszeit ein amtsärztliches Gutachten über die gesundheitliche Eignung vorzulegen sei. Einer allfälligen Beschwerde wurde die aufschiebende Wirkung aberkannt. 2 In seiner dagegen erhobenen Beschwerde wandte sich der Revisionswerber nicht gegen die von der belangten Behörde getroffene Anordnung, ein amtsärztliches Gutachten vorzulegen, sondern begehrte lediglich die Verkürzung der Entziehungszeit von zwei Jahren. 3 Mit dem angefochtenen Erkenntnis wies das Verwaltungsgericht die Beschwerde des Revisionswerbers ab und sprach gemäß § 25a VwGG aus, dass eine ordentliche Revision unzulässig sei. 4 Dagegen richtet sich die vorliegende außerordentliche Revision, zu der das Verwaltungsgericht die Verfahrensakten vorgelegt hat. Eine Revisionsbeantwortung wurde nicht erstattet. 5 Nach Art. 133 Abs. 4 B-VG ist gegen ein Erkenntnis des Verwaltungsgerichtes die Revision zulässig, wenn sie von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, insbesondere weil das Erkenntnis von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abweicht, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes nicht einheitlich beantwortet wird. 6 Nach § 34 Abs. 1 VwGG sind Revisionen, die sich wegen Nichtvorliegens der Voraussetzungen des Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zur Behandlung eignen, ohne weiteres Verfahren in nichtöffentlicher Sitzung mit Beschluss zurückzuweisen. 7 Nach § 34 Abs. 1a VwGG ist der Verwaltungsgerichtshof bei der Beurteilung der Zulässigkeit der Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG an den Ausspruch des Verwaltungsgerichtes gemäß § 25a Abs. 1 VwGG nicht gebunden. Die Zulässigkeit einer außerordentlichen Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG hat der Verwaltungsgerichtshof im Rahmen der dafür in der Revision gesondert vorgebrachten Gründe (§ 28 Abs. 3 VwGG) zu überprüfen. Dem Erfordernis einer (gesonderten) Zulässigkeitsbegründung wird insbesondere nicht schon durch nähere Ausführungen zur behaupteten Rechtswidrigkeit der bekämpften Entscheidung (§ 28 Abs. 1 Z 5 VwGG) oder zu den Rechten, in denen sich der Revisionswerber verletzt erachtet (§ 28 Abs. 1 Z 4 VwGG), Genüge getan (vgl. etwa die Beschlüsse VwGH 23.3.2017, Ra 2017/11/0014, und VwGH 1.9.2017, Ra 2017/11/0225, jeweils mwN). 8 In den gemäß § 28 Abs. 3 VwGG gesondert vorzubringenden Gründen ist konkret auf die vorliegende Rechtssache bezogen aufzuzeigen, welche Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung der Verwaltungsgerichtshof in einer Entscheidung über die Revision zu lösen hätte und in welchen Punkten die angefochtene Entscheidung von welcher Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abweicht bzw. konkret welche Rechtsfrage dieser uneinheitlich oder noch nicht beantwortet hat. Dabei hat der Revisionswerber konkret darzulegen, dass der der gegenständlich angefochtenen Entscheidung zugrunde liegende Sachverhalt einer der von ihm ins Treffen geführten hg. Entscheidungen gleicht, das Verwaltungsgericht im gegenständlichen Fall dennoch anders entschieden hat und es damit von der ständigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abgewichen ist, wobei die bloße Wiedergabe von Rechtssätzen zu verschiedenen hg. Entscheidungen nicht ausreicht. Ebenso reicht auch die bloße Nennung von hg. Entscheidungen nach Datum und Geschäftszahl, ohne auf konkrete Unterschiede in dieser Rechtsprechung hinzuweisen, nicht aus (vgl. zum Ganzen den Beschluss VwGH 23.4.2018, Ra 2018/11/0066, mwN). 9 Mit der Behauptung eines Verfahrensfehlers (als Abweichung von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes) kann nur dann eine Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung iSd Art. 133 Abs. 4 B-VG aufgeworfen werden, wenn im Rahmen des Vorbringens zur Zulässigkeit der Revision auch die Relevanz dieses Verfahrensfehlers aufgezeigt wird (vgl. etwa den Beschluss VwGH 23.1.2017, Ra 2017/11/0001, mwN). 10 Diesen Anforderungen entspricht die Zulässigkeitsbegründung der Revision nicht: Zunächst werden zahlreiche Rechtssätze aus der hg. Rechtsprechung ohne Bezugnahme zum Revisionsfall wiedergegeben. Anschließend wird vorgebracht, im angefochtenen Erkenntnis werde die gewählte Entziehungsdauer bloß mit der Tatsache der strafgerichtlichen Verurteilung begründet. Entgegen der (zitierten) Judikatur werde keine Gesamtabwägung aller Faktoren vorgenommen. In der persönlichen Sphäre des Revisionswerbers liegende und die Prognose seiner Verkehrsunzuverlässigkeit begründende Umstände würden nicht erwogen. Um welche Faktoren und persönlichen Umstände es sich dabei handle und inwiefern deren Gesamtabwägung ein für den Revisionswerber günstigeres Ergebnis herbeizuführen geeignet sei, werde nicht dargetan, sodass es an der gebotenen Relevanzdarstellung fehle. 11 In der Revision werden somit keine Rechtsfragen aufgeworfen, denen im Sinne des Art. 133 Abs. 4 B-VG grundsätzliche Bedeutung zukäme. Die Revision war daher zurückzuweisen. Wien, am 14. Dezember 2020
JWT_2019110088_20200602L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019110088.L00
Ra 2019/11/0088
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019110088_20200602L00/JWT_2019110088_20200602L00.html
1,591,056,000,000
4,261
Spruch Die Revision wird zurückgewiesen. Begründung 1 Mit an die Österreichische Ärztekammer adressiertem Schriftsatz vom 2. Mai 2014 erstattete der Revisionswerber (ein österreichischer Staatsbürger mit Sitz in Deutschland) die Meldung, dass er die bislang im Rahmen des freien Dienstleistungsverkehrs gemäß § 37 Abs. 1 ÄrzteG 1998 vorübergehend und gelegentlich in Österreich ausgeübte ärztliche Tätigkeit im Rahmen organisierter Notarztdienste nunmehr über das in der bezeichneten Gesetzesstelle zulässige Ausmaß hinaus auszudehnen beabsichtige. Gleichzeitig stellte der Revisionswerber den Antrag auf „Eintragung als approbierter Arzt mit Notarztdiplom“ in die Ärzteliste der österreichischen Ärztekammer gemäß § 27 Abs. 2 ÄrzteG 1998. 2 Begründend wurde im genannten Schriftsatz ausgeführt, dass dem Revisionswerber am 29. Juli 2011 vom Thüringer Landesverwaltungsamt eine „Approbation als Arzt“ verliehen worden sei, die ihn zur Ausübung des ärztlichen Berufes in Deutschland ermächtige. Darüber hinaus habe er nach erfolgreicher Absolvierung einer Zusatzweiterbildung am 24. Jänner 2012 von der Ärztekammer Thüringen die „Anerkennung der Zusatzbezeichnung als Notfallmediziner“ erhalten, welche ihn in Deutschland zur Ausübung des Berufes als Notarzt ermächtige. Er sei daher in Deutschland sowohl als approbierter Arzt als auch nebenberuflich als selbständiger Notarzt tätig. 3 Seit Ende 2012 übe der Revisionswerber, wie erwähnt, auch in Österreich die Tätigkeit des Notarztes im Rahmen des freien Dienstleistungsverkehrs vorübergehend und gelegentlich gemäß § 37 ÄrzteG 1998 aus. Dazu sei ihm mit Schreiben der Österreichischen Ärztekammer vom 20. September 2012 bestätigt worden, dass er sowohl die grundsätzlichen Voraussetzungen gemäß § 37 Abs. 5 ÄrzteG 1998 als auch die ausbildungsrechtlichen Voraussetzungen für eine ärztliche Tätigkeit im Rahmen organisierter Notarztdienste gemäß § 40 Abs. 1 und 2 ÄrzteG 1998 erfülle. 4 Aufgrund der bereits erwähnten Absicht, die notärztliche Tätigkeit in Österreich künftig über das gemäß § 37 Abs. 1 ÄrzteG 1998 zulässige Ausmaß auszudehnen, stelle er den genannten Antrag auf Eintragung in die österreichische Ärzteliste. 5 Dieser Antrag wurde mit Bescheid der belangten Behörde vom 12. August 2014 gemäß § 27 Abs. 10 ÄrzteG 1998 abgewiesen. 6 Begründend wurde zusammengefasst ausgeführt, der Revisionswerber erfülle, auch unter Berücksichtigung der in Deutschland erfolgten Approbation als Arzt, weder die für die Eintragung als approbierter Arzt erforderlichen Voraussetzungen für die automatische Anerkennung von EWR-Berufsqualifikationen gemäß § 5 ÄrzteG 1998 iVm der Richtlinie 2005/36/EG vom 7. September 2005 über die Anerkennung von Berufsqualifikationen noch die Voraussetzungen des § 5a ÄrzteG 1998 (betreffend die nicht-automatische Anerkennung). 7 Dem Revisionswerber sei am 28. Februar 2007 von einer österreichischen Universität das Doktorat der gesamten Heilkunde (Dr. med. univ.) verliehen worden, was ihn aber nach den österreichischen Vorschriften noch nicht zur selbstständigen Berufsausübung als Arzt ermächtige. Auf die in Deutschland erfolgte Approbation dieser österreichischen Ausbildung könne sich der Revisionswerber in Österreich nicht berufen. Dies ergebe sich aus Erwägungsgrund 12 der Richtlinie 2005/36/EG. Demnach gilt diese Richtlinie „nicht für die Anerkennung von aufgrund dieser Richtlinie gefassten Anerkennungsbeschlüssen anderer Mitgliedstaaten. Eine Person, deren Berufsqualifikationen aufgrund dieser Richtlinie anerkannt worden sind, kann sich somit nicht auf diese Anerkennung berufen, um in ihrem Herkunftsmitgliedstaat Rechte in Anspruch zu nehmen, die sich nicht aus der in diesem Mitgliedstaat erworbenen Berufsqualifikation ableiten, es sei denn sie weist nach, dass sie zusätzliche Berufsqualifikationen im Aufnahmemitgliedstaat erworben hat.“ 8 Wenngleich der Revisionswerber daher durch die Approbation des österreichischen Studienabschlusses in Deutschland zur dortigen Ausübung ärztlicher Tätigkeiten berechtigt sei, so berechtige diese Approbation in Deutschland „nicht ... zu einer rückwirkenden Anerkennung als approbierter Arzt im Heimatstaat“. 9 Im Übrigen könne entgegen dem Hinweis des Revisionswerbers auf § 37 Abs. 10 ÄrzteG 1998 allein aus der Berechtigung zur Erbringung grenzüberschreitender Dienstleistungen kein Recht auf Niederlassung in Österreich abgeleitet werden; vielmehr komme es, wie bei jedem anderen Antragsteller, auf die Erfüllung der Voraussetzungen des § 27 Abs. 2 ff. ÄrzteG 1998 an. 10 Die dagegen vom Revisionswerber erhobene Beschwerde wurde mit Beschwerdevorentscheidung vom 11. November 2014 abgewiesen. Begründend wurde darauf hingewiesen, dass die vom Revisionswerber in Deutschland abgeschlossene Zusatzausbildung der Notfallmedizin nicht von den §§ 5 und 5a ÄrzteG 1998 bzw. der Berufsqualifikationsrichtlinie 2005/36/EG erfasst sei, weil es sich weder um einen Ausbildungsnachweis über die Grundausbildung eines Arztes oder die Ausbildung eines Facharztes noch über die besondere Ausbildung in der Allgemeinmedizin handle. Darüber hinaus wurde mit näherer Begründung ausgeführt, warum auch die vom Revisionswerber geltend gemachte Berufserfahrung in Deutschland nach den in Betracht kommenden Art. 23, 27 und 30 der Richtlinie 2005/36/EG nicht zu der angestrebten Eintragung in die österreichische Ärzteliste führen könne. Die belangte Behörde wiederholte ihre Rechtsansicht, dass allein aus der Berechtigung zur Erbringung grenzüberschreitender Dienstleistungen nach § 37 ÄrzteG 1998 kein Recht auf Niederlassung in Österreich abgeleitet werden könne. 11 Nach einem Vorlageantrag des Revisionswerbers führte das Verwaltungsgericht Wien zur genannten Beschwerde des Revisionswerbers am 29. März 2017 eine mündliche Verhandlung durch, in welcher der Revisionswerber vorbrachte, dass er zwischenzeitig als Facharzt für Unfallchirurgie mit Niederlassung in Österreich zur Ausübung notärztlicher Tätigkeiten berechtigt sei. Daher werde „das Antragsvorbringen auf den Teilaspekt der Eintragung in die Ärzteliste als approbierter Arzt aufrechterhalten“, wohingegen das Beschwerdevorbringen hinsichtlich der notärztlichen Tätigkeit „insoweit aufrecht erhalten [wird], als der [Revisionswerber] aufgrund der verweigerten Eintragung in die Ärzteliste finanzielle Einbußen durch Verdienstentgang zu verzeichnen hatte“. 12 Mit dem angefochtenen Erkenntnis vom 19. Juni 2017 wies das Verwaltungsgericht Wien die Beschwerde gemäß § 28 Abs. 1 und 2 VwGVG ab. Gleichzeitig wurde gemäß § 25a VwGG ausgesprochen, dass eine ordentliche Revision an den Verwaltungsgerichtshof nach Art. 133 Abs. 4 B-VG unzulässig sei. 13 In der Begründung stellte das Verwaltungsgericht fest, dass dem Revisionswerber, einem österreichischen Staatsbürger, von einer österreichischen Universität nach Absolvierung des Medizinstudiums am 28. Februar 2007 das Doktorat der gesamten Heilkunde verliehen worden sei. Er habe in Österreich den Turnus für die Berufsberechtigung zum Arzt für Allgemeinmedizin begonnen, aber nach kurzer Zeit nicht mehr fortgesetzt und in Deutschland die Facharztausbildung für Unfallchirurgie absolviert. 14 In Deutschland sei dem Revisionswerber mit Urkunde des Thüringer Landesverwaltungsamtes vom 29. Juli 2011 die „Approbation als Arzt“ verliehen worden. Zudem habe der Revisionswerber - nach einer Absolvierung einer entsprechenden Ausbildung und Ablegung einer Prüfung - mit Urkunde der Landesärztekammer Thüringen vom 24. Jänner 2012 die „Anerkennung der Zusatzbezeichnung Notfallmedizin“ erhalten. 15 Seit November 2014 sei der Revisionswerber auch in die österreichische Ärzteliste eingetragen, und zwar als Facharzt für Unfallchirurgie und als Facharzt für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie sowie als Notarzt. 16 Der Revisionswerber verfüge über Berufserfahrung im Bereich der Orthopädie und der Unfallchirurgie sowie als Notarzt (und zwar auch grenzüberschreitend bei Flugrettungen in Salzburg und Niederösterreich), nicht aber in der Allgemeinmedizin. 17 In der rechtlichen Beurteilung verwies das Verwaltungsgericht zunächst, was die hier anzuwendende Rechtslage betrifft, auf die Übergangsbestimmungen des § 235 Abs. 1, 2 und 12 ÄrzteG 1998 idF BGBl. I Nr. 82/2014, wonach ein Antrag auf Eintragung in die Ärzteliste als approbierter Arzt nach dem 1. Jänner 2015 nicht mehr zulässig sei, jedoch Verfahren, die - wie das gegenständliche - bis zum 31. Dezember 2014 begonnen hätten, nach den Bestimmungen des ÄrzteG 1998 idF BGBl. I Nr. 46/2014 durchzuführen und abzuschließen seien. 18 Hinsichtlich der für die Eintragung als approbierter Arzt (gemäß § 4 Abs. 1 iVm Abs. 3 Z 3 ÄrzteG 1998 zusätzlich zur Grundausbildung) vorausgesetzten Berufsqualifikation prüfte das Verwaltungsgericht sodann, inwieweit die vom Revisionswerber in Deutschland erworbene Berufsqualifikation gemäß § 5 ÄrzteG 1998 (automatisch) oder gemäß § 5a ÄrzteG 1998 (mit allfälliger zusätzlicher Eignungsprüfung) anzuerkennen sei. 19 Was zunächst die automatische Anerkennung gemäß § 5 ÄrzteG 1998 betrifft, so verfüge der Revisionswerber jedenfalls mit der österreichischen Grundausbildung (Doktorat einer österreichischen Universität; vgl. § 4 Abs. 3 ÄrzteG 1998) unstrittig nicht über einen anerkennungsfähigen Ausbildungsnachweis für die Grundausbildung „eines anderen Mitgliedstaates“ iSd § 5 Z 1 lit. a ÄrzteG 1998 iVm Art. 21 Abs. 1 und Anhang V. Nummer 5.1.1. Berufsqualifikationsrichtlinie 2005/36/EG. Aber auch bei den vom Revisionswerber vorgelegten - deutschen - Urkunden handle es sich nicht um das nach Anhang V. Nummer 5.1.1. dieser Richtlinie für Deutschland erforderliche „Zeugnis über die ärztliche Prüfung“. Somit komme, wie auch bereits die belangte Behörde ausgeführt habe, eine automatische Anerkennung der „im Wesentlichen in Deutschland anerkannten österreichischen Berufsqualifikation“ bzw. der nachfolgend erworbenen notärztlichen Berufsqualifikation für eine Tätigkeit als approbierter Arzt nicht in Betracht (Hinweis auf VwGH 14.4.2016, Ro 2016/11/0011). 20 § 5a ÄrzteG 1998 betreffend die (von einer allfälligen Eignungsprüfung abhängenden) Anerkennung sei gegenständlich jedenfalls hinsichtlich Abs. 1 Z 1 leg. cit. nicht erfüllt, weil der für den Revisionswerber einzig in Betracht kommende Fall, dass er die Anforderungen an die Grundausbildung gemäß Art. 24 der Richtlinie 2005/36/EG nicht zur Gänze erfüllt habe, fallbezogen nicht zutreffe. 21 Der Revisionswerber stütze sich vielmehr auf § 5a Abs. 1 Z 2 ÄrzteG 1998 iVm Art. 10 Abs. 1 lit. d und Art. 24 der Richtlinie 2005/36/EG. Demnach können „Spezialisierungen“ anerkannt werden, die nach der ärztlichen Grundausbildung erworben worden seien. Nach Ansicht des Verwaltungsgerichtes (unter Hinweis auf Zaglmayer, Anerkennung von Gesundheitsberufen in Europa [2016], Rz. 11.16 f) sei jedoch die gesamte Berufsqualifikation - und nicht nur der zuletzt absolvierte Ausbildungsschritt - einer Anerkennung zu unterziehen. Schon weil, wie ausgeführt, die österreichische Grundausbildung des Revisionswerbers nicht Gegenstand einer nationalen Anerkennung sein könne, komme auch eine Anerkennung einer darauf aufbauenden Spezialisierung nicht in Betracht. 22 Da somit gegenständlich die für die begehrte Eintragung in die Ärzteliste erforderliche Anerkennung der Berufsqualifikation nach den Bestimmungen des ÄrzteG 1998 iVm Richtlinie 2005/36/EG ausscheide, bleibe eine Anerkennung im Rahmen der primärrechtlichen Grundfreiheiten zu prüfen (Hinweis auf das Urteil des EuGH vom 22.1.2002, C-31/00, Dreessen). Entscheidend sei, inwieweit die durch die vorgelegten Ausbildungsnachweise bescheinigten Kenntnisse und Fähigkeiten des Revisionswerbers den österreichischen Anforderungen entsprechen, wobei zwischenzeitige Aneignung bzw. die allfällige Vorschreibung des Erwerbs weiterer Kenntnisse und Fähigkeiten zu berücksichtigen seien (Hinweis auf das Urteil des EuGH vom 7.5.1991, C-340/89, Vlassopoulou). Eine solche Anerkennung infolge vergleichbarer Kenntnisse und Fähigkeiten komme beim Revisionswerber nicht in Betracht, weil sich dessen bisherige Tätigkeit als Facharzt und Notarzt substanziell von der Ausrichtung und der Patientenbetreuung des approbierten Arztes bzw. des Arztes für Allgemeinmedizin unterscheide. 23 Mit Beschluss des Verfassungsgerichtshofes vom 13. März 2019, E 2658/2017-14, wurde die Behandlung der dagegen erhobenen Beschwerde abgelehnt und mit Beschluss vom 2. April 2019, E 2658/2017-16, dem Verwaltungsgerichtshof zur Entscheidung abgetreten. 24 Gegen dieses Erkenntnis richtet sich die vorliegende außerordentliche Revision, zu der die belangte Behörde eine Revisionsbeantwortung und der Revisionswerber eine Replik erstattet haben. 25 Nach Art. 133 Abs. 4 B-VG ist gegen ein Erkenntnis des Verwaltungsgerichtes die Revision zulässig, wenn sie von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, insbesondere weil das Erkenntnis von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abweicht, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes nicht einheitlich beantwortet wird. 26 Nach § 34 Abs. 1 VwGG sind Revisionen, die sich wegen Nichtvorliegens der Voraussetzungen des Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zur Behandlung eignen, ohne weiteres Verfahren in nichtöffentlicher Sitzung mit Beschluss zurückzuweisen. Gemäß § 34 Abs. 3 VwGG ist ein Beschluss nach Abs. 1 in jeder Lage des Verfahrens zu fassen. 27 Nach § 34 Abs. 1a VwGG ist der Verwaltungsgerichtshof bei der Beurteilung der Zulässigkeit der Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG an den Ausspruch des Verwaltungsgerichtes gemäß § 25a Abs. 1 VwGG nicht gebunden. Die Zulässigkeit einer außerordentlichen Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG hat der Verwaltungsgerichtshof im Rahmen der dafür in der Revision gesondert vorgebrachten Gründe (§ 28 Abs. 3 VwGG) zu überprüfen. Diesem Erfordernis wird insbesondere nicht schon durch nähere Ausführungen zur behaupteten Rechtswidrigkeit der bekämpften Entscheidung (§ 28 Abs. 1 Z 5 VwGG) oder zu den Rechten, in denen sich der Revisionswerber verletzt erachtet (§ 28 Abs. 1 Z 4 VwGG), Genüge getan (vgl. aus vielen VwGH 23.3.2017, Ra 2017/11/0014, und VwGH 1.9.2017, Ra 2017/11/0225, jeweils mwN). Der Verwaltungsgerichtshof ist weder verpflichtet, Gründe für die Zulässigkeit einer Revision anhand der übrigen Revisionsausführungen gleichsam zu suchen, noch berechtigt, von Amts wegen erkannte Gründe, die zur Zulässigkeit einer Revision hätten führen können, aufzugreifen (vgl. VwGH 14.10.2019, Ra 2019/11/0157, mwN). 28 1) Zum Begriff des „approbierten Arztes“: 29 Der Revisionswerber begehrte mit seinem Antrag vom 2. Mai 2014 die Eintragung als approbierter Arzt mit Notarztdiplom in die Ärzteliste der österreichischen Ärztekammer gemäß § 27 Abs. 2 ÄrzteG 1998. 30 Zu den Besonderheiten des approbierten Arzt führen bereits die zur Novelle des ÄrzteG 1984, BGBl. Nr. 100/1994, ergangenen Erläuterungen (1361 BlgNR 18. GP, 30 und S. 34) wie folgt aus: „Im Hinblick darauf, daß das EWR-Recht Österreich zur Berufszulassung von Ärzten verpflichten wird, die zwar über einen im EWR-Ausland erworbenen Nachweis über die Absolvierung einer ärztlichen Mindest(grund)ausbildung verfügen, die jedoch keine spezifische Ausbildung in der Allgemeinmedizin oder in einem Sonderfach der Heilkunde absolviert haben, wird für diese in Österreich neue Ärztegruppe die Bezeichnung ‚approbierter Arzt‘ eingeführt. Damit soll im Interesse der Patienten und Patientinnen die entsprechende Markttransparenz sichergestellt werden. ... Staatsangehörige der EWR-Mitgliedstaaten, die durch einen entsprechenden Befähigungsnachweis eine solche ärztliche Mindest(grund)ausbildung nachweisen (siehe Anlage 1 zu § 3 a) und die allgemeinen Erfordernisse der Eigenberechtigung, Vertrauenswürdigkeit, gesundheitlichen Eignung sowie ausreichender Kenntnisse der deutschen Sprache erfüllen, sind daher in die Ärztelisten einzutragen und damit zur selbständigen Ausübung des ärztlichen Berufes zuzulassen. Diese Ärzte und Ärztinnen, die nicht über eine spezifische Ausbildung in der Allgemeinmedizin oder in einem Sonderfach der Heilkunde verfügen und deren Tätigkeitsbereich sich mit jenem der Ärzte für Allgemeinmedizin überschneidet (siehe die Erl. zu § 12), sollen aus Gründen der Markttransparenz eine Berufsbezeichnung führen, die sie von den Ärzten und Ärztinnen mit einer allgemeinärztlichen oder fachärztlichen Ausbildung unterscheidet. Sie werden daher als ‚approbierte Ärzte‘ bezeichnet. Weiters führt ein von einem Staatsangehörigen eines EWR-Mitgliedstaates in einem solchen Staat erworbener Befähigungsnachweis über eine spezifische Ausbildung in der Allgemeinmedizin bei Vorliegen der übrigen Voraussetzungen zur selbständigen Berufsberechtigung als Arzt für Allgemeinmedizin. ...“ 31 § 235 ÄrzteG 1998 (Übergangsbestimmung zur ÄrzteG-Novelle BGBl. I Nr. 82/2014) lautet auszugsweise: „§ 235. (1) Dieses Bundesgesetz tritt, sofern sich aus den folgenden Bestimmungen nicht anderes ergibt, mit 1. Jänner 2015 in Kraft. (2) Für Personen, die die Berechtigung zur selbständigen Ausübung des ärztlichen Berufes als approbierter Arzt in Österreich anstreben, ist ein Antrag zur Eintragung in die Ärzteliste als approbierter Arzt ab 1. Jänner 2015 nicht mehr zulässig. (3) Personen, die bis längstens 31. Mai 2015 eine Ausbildung zum Arzt für Allgemeinmedizin, Facharzt oder in einem Additivfach begonnen haben und in die Ärzteliste eingetragen worden sind, sind berechtigt, diese begonnene Ausbildung gemäß den Bestimmungen des Ärztegesetzes 1998 in der Fassung BGBl. I Nr. 46/2014 abzuschließen. Dies gilt auch für Ausbildungen gemäß § 8 Abs. 5 in Verbindung mit § 10 Abs. 12 und 11 Abs. 9 Ärztegesetz 1998 in der Fassung BGBl I Nr. 46/2014. ... (12) Verfahren, die bis zum 31. Dezember 2014 [gemäß BGBl. I Nr. 25/2017: 31. Mai 2015] begonnen worden sind, sind nach den Bestimmungen des Ärztegesetzes 1998 in der Fassung BGBl. I Nr. 46/2014 durchzuführen und abzuschließen. ...“ 32 Die Materialien zur ÄrzteG-Novelle BGBl. I Nr. 82/2014 (ErläutRV 268 BlgNR 25. GP 3) führen dazu aus: „Gemäß § 235 Abs. 2 in der Fassung des Entwurfs ist ab 1. Jänner 2015 ein Antrag zur Eintragung in die Ärzteliste als approbierter Arzt nicht mehr zulässig. Es können somit nur mehr jene Personen als approbierte Ärzte/Ärztinnen eingetragen werden, die bis längstens 31. Dezember 2014 einen Antrag gestellt haben. Hintergrund dieser Überlegungen ist der Umstand, dass in Österreich die ärztliche Berufsausbildung mit dem Abschluss zum Arzt/zur Ärztin für Allgemeinmedizin bzw. zum Facharzt/zur Fachärztin endet. Erst ab diesem Zeitpunkt erlangen Ärzte/Ärztinnen die selbstständige Berufsberechtigung. Im Rahmen des Beitritts Österreichs zur Europäischen Union bzw. dem Europäischen Wirtschaftsraum wurde allerdings der approbierte Arzt/die approbierte Ärztin im Ärztegesetz 1998 eingeführt. Den Status ‚approbierter Arzt‘/‚approbierte Ärztin‘ können seither Ärzte/Ärztinnen erlangen, die einen entsprechenden Studienabschluss in einem Mitgliedstaat der EU erworben und mit diesem Abschluss der Grundausbildung im Mitgliedstaat bereits die Berechtigung zur selbstständigen Berufsausübung erhalten haben und sich in Österreich niederlassen. Allerdings ist diesen approbierten Ärzten/Ärztinnen ein Tätigkeitwerden im Rahmen des Sozialversicherungssystems nicht erlaubt. Nach einem Umdenken in der Europäischen Kommission sowie neuester Interpretation der europäischen Berufsqualifikationsrichtlinie 2005/36/EG durch die Europäische Kommission verschafft nunmehr ein Ausbildungsnachweis über die Grundausbildung nur jene Rechte, die im Aufnahmemitgliedstaat für den korrespondierenden Ausbildungsnachweis gemäß Anhang 5.1.1 der Richtlinie vorgesehen sind. Jeder Mitgliedstaat kann diese Rechte selbst bestimmen. Da ab 1. Jänner 2015 die Erlangung der Berufsberechtigung als approbierter Arzt in Österreich nicht mehr möglich ist, hat § 5 Z 1 lit. b ÄrzteG 1998 zu entfallen. ...“ 33 2) Maßgebende Rechtslage: 34 Die für den Revisionsfall gemäß § 235 Abs. 12 ÄrzteG 1998 maßgebenden Bestimmungen des ÄrzteG 1998, BGBl. I Nr. 169/1998 idF BGBl. I Nr. 46/2014 lauten (auszugsweise): „Erfordernisse zur Berufsausübung § 4. (1) Zur selbständigen Ausübung des ärztlichen Berufes als approbierter Arzt, als Arzt für Allgemeinmedizin oder als Facharzt bedarf es, unbeschadet der §§ 32 bis 35, 36, 36a und 37, des Nachweises der Erfüllung der nachfolgend angeführten allgemeinen und besonderen Erfordernisse sowie der Eintragung in die Ärzteliste. (2) ... (3) Besondere Erfordernisse im Sinne des Abs. 1 sind 1. hinsichtlich der Grundausbildung: a) ein an einer Universität in der Republik Österreich erworbenes Doktorat der gesamten Heilkunde oder ein gleichwertiger, im Ausland erworbener und in Österreich als Doktorat der gesamten Heilkunde nostrifizierter akademischer Grad oder b) ... 2. hinsichtlich der Ausbildung zum Arzt für Allgemeinmedizin oder zum Facharzt: a) ein von der Österreichischen Ärztekammer gemäß § 15 Abs. 1 ausgestelltes Diplom über die besondere Ausbildung in der Allgemeinmedizin oder Facharztdiplom, wobei im Fall einer angestrebten Berufsberechtigung als Facharzt für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie das Erfordernis gemäß Z 1 lit. b längstens zum Zeitpunkt des Antritts zur Facharztprüfung erfüllt sein muss, oder b) eine gemäß § 14 als gleichwertig anerkannte entsprechende praktische Ausbildung zum Arzt für Allgemeinmedizin oder Facharzt und eine gemäß § 14 als gleichwertig anerkannte oder zusätzlich absolvierte Prüfung zum Arzt für Allgemeinmedizin oder Facharztprüfung; 3. anstelle der entsprechenden Nachweise gemäß Z 1 und 2 eine entsprechende Berufsqualifikation gemäß § 5 oder § 5a. (4) ... Automatische Anerkennung von EWR-Berufsqualifikationen § 5. Folgende Berufsqualifikationen, die einem Staatsangehörigen eines EWR-Vertragsstaates oder der Schweizerischen Eidgenossenschaft sowie Personen gemäß § 5b ausgestellt worden sind, sind als ärztliche Berufsqualifikationen nach den Bestimmungen der Richtlinie 2005/36/EG automatisch anzuerkennen: 1. Für die Erlangung der Berufsberechtigung als approbierter Arzt oder als Turnusarzt: a) ein ärztlicher Ausbildungsnachweis für die ärztliche Grundausbildung gemäß Anhang V Nummer 5.1.1. der Richtlinie 2005/36/EG oder b) ein ärztlicher Ausbildungsnachweis einschließlich einer im Hinblick auf die angestrebte Berufsberechtigung als approbierter Arzt entsprechenden Bescheinigung gemäß Artikel 23 der Richtlinie 2005/36/EG. 2. ... Nicht automatische Anerkennung von EWR-Berufsqualifikationen und Drittlanddiplomen § 5a. (1) Nachfolgende Berufsqualifikationen, die einem Staatsangehörigen eines EWR-Vertragsstaates oder der Schweizerischen Eidgenossenschaft sowie Personen gemäß § 5b ausgestellt und erforderlichenfalls durch den Nachweis der erfolgreich absolvierten Eignungsprüfung gemäß Abs. 2 ergänzt worden sind, sind nach den Bestimmungen der Richtlinie 2005/36/EG als ärztliche Berufsqualifikationen für die Erlangung der Berufsberechtigung als approbierter Arzt, Arzt für Allgemeinmedizin, Facharzt oder Turnusarzt anzuerkennen: 1. ... 2. ein in einem EWR-Vertragsstaat oder der Schweizerischen Eidgenossenschaft erworbener ärztlicher Ausbildungsnachweis für eine Spezialisierung, der nach der ärztlichen Grundausbildung zum Erwerb einer der im Anhang V Nummer 5.1.1. angeführten Bezeichnungen erworben worden ist und unter der Voraussetzung, dass eine Anerkennung für ein in Österreich bestehendes Sonderfach der Medizin angestrebt wird (Artikel 10 lit. d der Richtlinie 2005/36/EG), und 3. erforderlichenfalls unter den Voraussetzungen des Abs. 2 zusätzlich zum Ausbildungsnachweis gemäß Z 1 oder 2 als Ausgleichsmaßnahme der Nachweis der erfolgreich absolvierten Eignungsprüfung. (2) ... Ärzteliste und Eintragungsverfahren § 27. (1) Die Österreichische Ärztekammer hat in Zusammenarbeit mit den Ärztekammern in den Bundesländern die Anmeldungen für die Ausübung des ärztlichen Berufes entgegenzunehmen und eine Liste der zur Berufsausübung berechtigten Ärzte und Gruppenpraxen (Ärzteliste) jedenfalls mit folgenden Daten zu führen: 1. ... 10. Berufsbezeichnungen samt allfälligen amtlich verliehenen Titeln und Zusätzen gemäß § 43 Abs. 4, 11. ... (2) Personen, die den ärztlichen Beruf als Arzt für Allgemeinmedizin, approbierter Arzt, Facharzt oder Turnusarzt auszuüben beabsichtigen, haben sich vor Aufnahme ihrer ärztlichen Tätigkeit bei der Österreichischen Ärztekammer im Wege der Ärztekammern in den Bundesländern zur Eintragung in die Ärzteliste anzumelden und die erforderlichen Unterlagen (Personal- und Ausbildungsnachweise sowie sonstige Urkunden) zum Nachweis der entsprechenden allgemeinen und besonderen Erfordernisse für die selbständige oder unselbständige Ausübung des ärztlichen Berufes gemäß § 4 vorzulegen. Erforderlichenfalls haben Personen auf Verlangen der Österreichischen Ärztekammer den Ausbildungsnachweisen eine Bescheinigung der zuständigen Behörde des Herkunftsstaates vorzulegen, aus der hervorgeht, dass die vorgelegten Ausbildungsnachweise den in der Richtlinie 2005/36/EG vorgeschriebenen Nachweisen entsprechen. Die für die Eintragung in die Ärzteliste erforderlichen Unterlagen sind im Original oder in beglaubigter Abschrift und fremdsprachige Urkunden erforderlichenfalls in beglaubigter Übersetzung vorzulegen. Im Übrigen ist die Anmeldung zur Eintragung in die Ärzteliste in deutscher Sprache einzubringen. Vor Aufnahme einer unselbständigen Ausübung des ärztlichen Berufes ist vom Dienstgeber auf dieses Erfordernis hinzuweisen. (3) ... (9) Erfüllt der Eintragungswerber die für die Art der Berufsausübung vorgeschriebenen Erfordernisse, so hat ihn die Österreichische Ärztekammer in die Ärzteliste einzutragen und ihm einen mit seinem Lichtbild versehenen Ausweis (Ärzteausweis) auszustellen. ... (10) Erfüllt der Eintragungswerber die Erfordernisse nicht, so hat der Präsident der Österreichischen Ärztekammer die Eintragung in die Ärzteliste mit Bescheid zu versagen. (11) ... Selbständige Berufsausübung § 31. (1) Ärzte, die die Erfordernisse für die Ausübung des ärztlichen Berufes als Arzt für Allgemeinmedizin oder als approbierter Arzt erfüllt haben, sind zur selbständigen Ausübung einer allgemeinärztlichen Berufstätigkeit als Arzt für Allgemeinmedizin oder als approbierter Arzt berechtigt, gleichgültig, ob diese Berufstätigkeit freiberuflich oder im Rahmen eines Dienstverhältnisses ausgeübt wird. (2) Ärzte, die die Erfordernisse für die Ausübung des ärztlichen Berufes als Facharzt für ein Sonderfach der Heilkunde erfüllt haben, sind zur selbständigen Ausübung des ärztlichen Berufes als Facharzt auf diesem Teilgebiet der Heilkunde als Sonderfach berechtigt, gleichgültig, ob diese Berufstätigkeit freiberuflich oder im Rahmen eines Dienstverhältnisses ausgeübt wird. (3) Fachärzte haben ihre fachärztliche Berufstätigkeit auf ihr Sonderfach zu beschränken. Dies gilt nicht für 1. ... 2. Fachärzte, die unter den Voraussetzungen des § 40 in organisierten Notarztdiensten (Notarztwagen bzw. Notarzthubschrauber) fächerüberschreitend tätig werden, 3. Fachärzte für Anästhesiologie und Intensivmedizin, Chirurgie, Innere Medizin und Unfallchirurgie, sofern diese auf Grund krankenanstaltenrechtlicher Organisationsvorschriften im Rahmen sofortiger notfallmedizinischer Versorgung tätig werden und eine Fortbildung gemäß § 40 absolviert haben sowie für 4. ... Freier Dienstleistungsverkehr § 37. (1) Staatsangehörige eines EWR-Vertragsstaates oder der Schweizerischen Eidgenossenschaft, die den ärztlichen Beruf in einem der übrigen EWR-Vertragsstaaten oder der Schweizerischen Eidgenossenschaft rechtmäßig ausüben, dürfen von ihrem ausländischen Berufssitz oder Dienstort aus im Rahmen des Dienstleistungsverkehrs in Österreich unter der entsprechenden Berufsbezeichnung gemäß § 43 Abs. 2 ärztlich tätig werden. Die Erbringung einer Dienstleistung im Sinne der folgenden Absätze liegt vor, wenn die ärztliche Tätigkeit vorübergehend und gelegentlich erfolgt, was im Einzelfall, insbesondere anhand der Dauer, der Häufigkeit, der regelmäßigen Wiederkehr und der Kontinuität der Tätigkeit, zu beurteilen ist. ... Notarzt § 40. (1) Approbierte Ärzte, Ärzte für Allgemeinmedizin und Fachärzte, die beabsichtigen, eine ärztliche Tätigkeit im Rahmen organisierter Notarztdienste (Notarztwagen bzw. Notarzthubschrauber) auszuüben, haben einen Lehrgang gemäß Abs. 2 im Gesamtausmaß von zumindest 60 Stunden zu besuchen, der mit einer theoretischen und praktischen Prüfung abzuschließen ist. ... Eigener Wirkungsbereich § 117b. (1) Die Österreichische Ärztekammer ist berufen, im eigenen Wirkungsbereich insbesondere folgende Aufgaben wahrzunehmen: ... 18. Durchführung von Verfahren zur Eintragung in die Ärzteliste und Austragung aus der Ärzteliste, ... ...“ 35 3) Revisionspunkt und Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung: 36 Der Revisionswerber führt unter der Überschrift „Revisionsgründe“ (gemeint: Revisionspunkt) aus, er sei durch das angefochtene Erkenntnis „in seinem Recht auf Eintragung in die Ärzteliste als approbierter Arzt mit Notarztdiplom (approbierter Arzt; Zusatzgebiet: Notarzt) verletzt“. Auch wenn er bereits seit Ende November 2014 als Facharzt für Unfallchirurgie, als Facharzt für Orthopädie und orthopädische Chirurgie sowie als Notarzt in die österreichische Ärzteliste eingetragen sei, sei er weiterhin durch das angefochtene Erkenntnis beschwert, weil er als Facharzt auf seine Sonderfächer beschränkt sei und als eingetragener Notarzt fächerüberschreitend nur im Rahmen „organisierter“ Notarztdienste tätig werden dürfe (§ 31 Abs. 3 Z 2 ÄrzteG 1998). Demgegenüber wäre er seines Erachtens im Falle der von ihm angestrebten Eintragung als approbierter Arzt mit Zusatzgebiet Notarzt (entsprechend seiner diesbezüglichen Berufsberechtigung in Deutschland) zur Ausübung der notärztlichen Tätigkeit auch „außerhalb organisierter Notarztdienste“, etwa als Betriebsarzt oder bei Großveranstaltungen, berechtigt. 37 Dazu ist festzuhalten, dass der Revisionswerber durch das angefochtene Erkenntnis in dem von ihm bezeichneten Recht nur durch die Nichteintragung in die Ärzteliste als approbierter Arzt verletzt sein kann, nicht aber durch die Versagung der beantragten Ergänzung „mit Notarztdiplom“. Denn der Revisionswerber hat, wie sich aus der eingangs erwähnten aktenkundigen Niederschrift der Beschwerdeverhandlung vom 29. März 2017 ergibt, sein ursprüngliches Antragsbegehren („Eintragung als approbierter Arzt mit Notarztdiplom“) betreffend „den Teilaspekt der Eintragung in die Ärzteliste als approbierter Arzt aufrechterhalten“, jedoch hinsichtlich der notärztlichen Tätigkeit nur „insoweit aufrecht erhalten, als [er] aufgrund der verweigerten Eintragung in die Ärzteliste finanzielle Einbußen durch Verdienstentgang zu verzeichnen hatte“. Da der Verdienstentgang jedenfalls nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens war, bleibt seit dieser Antragseinschränkung vom ursprünglichen Antragsbegehren hinsichtlich der (zusätzlichen) Eintragung des Notarztdiploms nichts übrig. 38 Sache des Beschwerdeverfahrens war seit der genannten Antragseinschränkung somit ausschließlich der Antrag des Revisionswerbers, als approbierter Arzt in die österreichische Ärzteliste eingetragen zu werden. Eine Verletzung in Rechten käme folglich von vornherein nur im Recht auf Eintragung als approbierter Arzt in Betracht. 39 Wenn daher die Revision zu ihrer Zulässigkeit verschiedene Rechtsfragen im Zusammenhang mit der Eintragung des Notarztdiploms des Revisionswerbers aufwirft, die durch die Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes (bzw. laut Revision teilweise auch durch die Rechtsprechung des EuGH) nicht geklärt seien (insbesondere ob auch für die Eintragung des Notarztdiploms § 235 ÄrzteG 1998 gelte; ob § 5a Abs. 1 Z 2 ÄrzteG 1998 iVm Art. 10 Abs. 1 lit. d der Richtlinie 2005/36/EG auch solche Aus- und Weiterbildungen erfasse, die in Österreich keine Sonderfächer darstellen bzw. ob nach dem ÄrzteG 1998 die Eintragung als approbierter Arzt auch mit Zusatzgebiet [Notarzt] möglich sei bzw. es sich bei der Notfallmedizin um eine Spezialisierung iSd Art. 10 Abs. 1 lit. d der Richtlinie 2005/36/EG handle und ob bejahendenfalls - auch unter dem Gesichtspunkt der letztgenannten Bestimmung der Richtlinie 2005/36/EG - die Grundausbildung und die Spezialisierung gesondert anerkennungsfähig sein müssen), so handelt es sich dabei schon deshalb nicht um Rechtsfragen von grundsätzlicher Bedeutung iSd Art. 133 Abs. 4 B-VG, weil sie nicht (mehr) die Sache des Verfahrens betreffen und daher der Erfolg der Revision nicht von der Lösung dieser Rechtsfragen abhängt. 40 Eine Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung meint die Revision weiters zu erkennen, dass das Verwaltungsgericht von der erforderlichen Gleichsetzung der Fähigkeiten und Kenntnisse des approbierten Arztes mit jenen des Arztes für Allgemeinmedizin ausgegangen sei und damit von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes (VwGH 14.12.2007, 2004/10/0100) abgewichen sei. 41 Dazu ist nochmals vorauszuschicken, dass nach der besagten Antragseinschränkung (ausschließlich) die Eintragung des Revisionswerbers „als approbierter Arzt“ in die Ärzteliste beantragt war. 42 Die Abweisung des diesbezüglichen Begehrens haben sowohl die belangte Behörde als auch das Verwaltungsgericht im Kern damit begründet, dass der Revisionswerber die für den approbierten Arzt (gemäß § 5 Z 1 lit. a oder § 5a Abs. 1 Z 1 ÄrzteG 1998 iVm den dort genannten Richtlinienbestimmungen) notwendige Berufsqualifikation der Grundausbildung nicht in einem anderen EWR-Mitgliedstaat erworben hat, sondern vielmehr in seinem Heimatstaat Österreich durch die Verleihung des Doktorates der Medizin einer österreichischen Universität. (Dem entsprechend führten daher nach den Feststellungen des Verwaltungsgerichts die vom Revisionswerber - in anderen EWR-Mitgliedstaaten - erworbenen fachärztlichen und notfallmedizinischenBerufsqualifikationen sehr wohl zur Eintragung in die österreichische Ärzteliste als Facharzt bzw. Notarzt). 43 Mit dieser das angefochtene Erkenntnis tragenden Begründung findet sich das Verwaltungsgericht im Einklang sowohl mit der hg. Rechtsprechung (vgl. zu einem ähnlichen Fall den bereits zitierten Beschluss VwGH 14.4.2016, Ro 2016/11/0011) als auch mit dem Unionsrecht. Die Richtlinie 2005/36/EG über die Anerkennung von Berufsqualifikationen, auf welche sich die Revision beruft, gilt nämlich nach ihrem Anwendungsbereich (Art. 2 Abs. 1) unmissverständlich für alle Staatsangehörige eines Mitgliedstaates, die einen reglementierten Beruf „in einem anderen Mitgliedstaat als dem, in dem sie ihre Berufsqualifikationen erworben haben, ausüben wollen.“ Dies trifft auf den Revisionswerber, der sich (was die Eintragung als approbierter Arzt betrifft) nicht auf eine in einem anderen EWR-Mitgliedstaat, sondern auf die in Österreich erworbene Grundausbildung (die in Deutschland bloß approbiert wurde), beruft, eindeutig nicht zu. 44 Dieses Ergebnis bestätigt auch der folgend zitierte Erwägungsgrund 12 der Richtlinie 2005/36/EG (Hervorhebung nicht im Original): „Diese Richtlinie regelt die Anerkennung von in anderen Mitgliedstaaten erworbenen Berufsqualifikationen durch die Mitgliedstaaten. Sie gilt jedoch nicht für die Anerkennung von aufgrund dieser Richtlinie gefassten Anerkennungsbeschlüssen anderer Mitgliedstaaten durch die Mitgliedstaaten. Eine Person, deren Berufsqualifikationen aufgrund dieser Richtlinie anerkannt worden sind, kann sich somit nicht auf diese Anerkennung berufen, um in ihrem Herkunftsmitgliedstaat Rechte in Anspruch zu nehmen, die sich nicht aus der in diesem Mitgliedstaat erworbenen Berufsqualifikation ableiten, es sei denn, sie weist nach, dass sie zusätzliche Berufsqualifikationen im Aufnahmemitgliedstaat erworben hat.“ 45 Nach dem Gesagten war die Revision mangels Vorliegens einer Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung iSd Art. 133 Abs. 4 B-VG ohne weiteres Verfahren in nichtöffentlicher Sitzung gemäß § 34 Abs. 1 iVm Abs. 3 VwGG zurückzuweisen. Wien, am 2. Juni 2020
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ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019110090.L00
Ra 2019/11/0090
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019110090_20200130L00/JWT_2019110090_20200130L00.html
1,580,342,400,000
1,136
Spruch Das angefochtene Erkenntnis wird wegen Rechtswidrigkeit seines Inhaltes aufgehoben. Begründung 1 Mit Bescheid vom 19. Jänner 2018, der mitbeteiligten Partei zugestellt am 22. Jänner 2018, entzog die belangte Behörde (nunmehrige Revisionswerberin) dem Mitbeteiligten die Lenkberechtigung für die Klassen AM und B für die Dauer von 15 Monaten und zwei Wochen, gerechnet ab Zustellung des Bescheides (somit bis zum 6. Mai 2019), wobei sie sich u.a. auf § 25 Abs. 1 und 3 FSG stützte. Unter einem ordnete die belangte Behörde eine Nachschulung innerhalb der Entziehungszeit an und schloss die aufschiebende Wirkung einer Beschwerde gegen diesen Bescheid aus. 2 Die belangte Behörde stützte sich auf eine rechtskräftige Bestrafung des Mitbeteiligten nach § 99 Abs. 2e StVO wegen einer qualifizierten Überschreitung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit außerhalb des Ortsgebietes am 6. September 2017 und darauf, dass der Mitbeteiligte am 16. Oktober 2017 ein Kraftfahrzeug in einem durch Alkohol beeinträchtigten Zustand gelenkt habe. 3 Gegen diesen Bescheid erhob der Mitbeteiligte mit Schriftsatz vom 13. Februar 2018 eine Beschwerde. 4 Mit Straferkenntnissen der Landespolizeidirektion Wien vom 20. Juni 2018 bzw. vom 21. September 2018 wurde der Mitbeteiligte jeweils (u.a.) wegen Lenkens eines Kraftfahrzeuges trotz entzogener Lenkberechtigung am 29. April 2018 bzw. am 8. Mai 2018 rechtskräftig bestraft. 5 Nachdem ihm das Landesverwaltungsgericht Niederösterreich diese beiden Bestrafungen im anhängigen Beschwerdeverfahren gegen den Bescheid der belangten Behörde vom 19. Jänner 2018 im Rahmen des Parteiengehörs zur Kenntnis gebracht hatte, zog der Mitbeteiligte die Beschwerde gegen diesen Bescheid mit Schriftsatz vom 26. November 2018 zurück. Mit Beschluss vom 28. November 2018 stellte das Verwaltungsgericht dieses Beschwerdeverfahren infolge Zurückziehung der Beschwerde ein. 6 Mit Bescheid vom 8. Jänner 2019 "stellte" die belangte Behörde auf Grund von "neuerlichen Anlassfällen fest", dass die Verkehrszuverlässigkeit der mitbeteiligten Partei für die Dauer von weiteren acht Monaten, sohin bis einschließlich 6. Jänner 2020, nicht gegeben sei und jedenfalls bis zu diesem Zeitpunkt keine Wiedererteilung der Lenkberechtigung erfolgen dürfe, wobei sie sich u.a. auf § 25 Abs. 1 und 3 FSG stützte. Unter einem wurden eine Nachschulung und die Beibringung eines von einem Amtsarzt erstellten Gutachtens über die gesundheitliche Eignung zum Lenken von Kraftfahrzeugen innerhalb der Entziehungszeit angeordnet. Die aufschiebende Wirkung einer Beschwerde gegen diesen Bescheid wurde ausgeschlossen. 7 Die belangte Behörde stützte sich darauf, dass der Mitbeteiligte am 29. April 2018 und am 8. Mai 2018 jeweils ein Kraftfahrzeug trotz entzogener Lenkberechtigung gelenkt habe, weshalb die Lenkberechtigung des Revisionswerbers "auf die im Spruch genannte Dauer entzogen werden" müsse. 8 Mit dem angefochtenen Erkenntnis gab das Landesverwaltungsgericht Niederösterreich der dagegen erhobenen Beschwerde des Mitbeteiligten Folge, behob den angefochtenen Bescheid wegen Unzuständigkeit der belangten Behörde und sprach aus, dass eine Revision an den Verwaltungsgerichtshof nicht zulässig sei. 9 Begründend führte das Verwaltungsgericht aus, die Vorfälle vom 29. April 2018 und vom 8. Mai 2018 seien vom Verwaltungsgericht im Rahmen der Beurteilung der Verkehrszuverlässigkeit des Mitbeteiligten im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren gegen den Bescheid der belangten Behörde vom 19. Jänner 2018, welches jedoch infolge Zurückziehung der Beschwerde eingestellt worden sei, zu berücksichtigen gewesen. Die belangte Behörde sei daher zur Erlassung des angefochtenen Bescheides vom 8. Jänner 2019 unzuständig gewesen. 10 Gegen dieses Erkenntnis richtet sich die vorliegende (außerordentliche) Revision. Eine Revisionsbeantwortung wurde nicht erstattet. 11 Der Verwaltungsgerichtshof hat erwogen: 12 Das FSG lautet (auszugsweise): "Entziehung, Einschränkung und Erlöschen der Lenkberechtigung Allgemeines § 24. (1) Besitzern einer Lenkberechtigung, bei denen die Voraussetzungen für die Erteilung der Lenkberechtigung (§ 3 Abs. 1 Z 2 bis 4) nicht mehr gegeben sind, ist von der Behörde entsprechend den Erfordernissen der Verkehrssicherheit 1. 1. die Lenkberechtigung zu entziehen oder 2. 2. die Gültigkeit der Lenkberechtigung durch Auflagen, Befristungen oder zeitliche, örtliche oder sachliche Beschränkungen einzuschränken. ... ... Dauer der Entziehung § 25. (1) Bei der Entziehung ist auch auszusprechen, für welchen Zeitraum die Lenkberechtigung entzogen wird. Dieser ist auf Grund der Ergebnisse des Ermittlungsverfahrens festzusetzen. ... ... 1. (3)Bei einer Entziehung wegen mangelnder Verkehrszuverlässigkeit (§ 7) ist eine Entziehungsdauer von mindestens 3 Monaten festzusetzen. ..." 13 Die Revision ist zulässig, weil sie zutreffend vorbringt, dass Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes zur Frage fehlt, ob Vorfälle, die sich während eines anhängigen Beschwerdeverfahrens gegen einen Bescheid, mit dem die Lenkberechtigung wegen Verkehrsunzuverlässigkeit entzogen wurde, ereignen, über die aber wegen der Zurückziehung der Beschwerde nicht inhaltlich abgesprochen werden konnte, eine weitere Entziehung der Lenkberechtigung wegen Verkehrsunzuverlässigkeit ermöglichen. Sie ist auch begründet. 14 Im vorliegenden Verfahren ist unstrittig, dass die Lenkberechtigung des Mitbeteiligten mit Bescheid der belangten Behörde vom 19. Jänner 2018 wegen zwei vor Erlassung dieses Bescheides verwirklichter bestimmter Tatsachen wegen Verkehrsunzuverlässigkeit entzogen wurde. 15 Umstritten ist die Frage, ob die Vorfälle vom 29. April 2018 und vom 8. Mai 2018 - diese haben sich nach Erlassung des Bescheides vom 19. Jänner 2018, aber vor Zurückziehung der Beschwerde gegen diesen Bescheid ereignet - eine weitere Entziehung der Lenkberechtigung des Mitbeteiligten (als solche ist die "Feststellung" im angefochtenen Erkenntnis, dass die Verkehrszuverlässigkeit des Mitbeteiligten bis zum 6. Jänner 2020 nicht gegeben sei und somit bis zu diesem Zeitpunkt keine Wiedererteilung der Lenkberechtigung erfolgen dürfe, zu deuten) wegen Verkehrsunzuverlässigkeit ermöglichen oder ob der weiteren Entziehung, wie das Verwaltungsgericht meint, der Grundsatz der Einheitlichkeit des Entziehungsverfahrens entgegen steht. 16 Das Verfahren zur Entziehung der Lenkberechtigung ist nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes insofern ein einheitliches, als die Behörde bei der Entziehung der Lenkberechtigung sämtliche Erteilungsvoraussetzungen zu beurteilen und in diesem Zusammenhang alle bis zur Bescheiderlassung verwirklichten Umstände zu berücksichtigen hat (VwGH 23.10.2001, 2001/11/0185; 29.4.2003, 2001/11/0064; vgl. auch VwGH 22.3.2002, 2001/11/0342, mwN). 17 Nach der ständigen Judikatur des Verwaltungsgerichtshofes hatten auch die Berufungsbehörden bei der Beurteilung der Verkehrszuverlässigkeit alle relevanten Vorfälle, und zwar auch die im Zuge eines Entziehungsverfahrens verwirklichten, zu berücksichtigen (VwGH 18.11.1997, 97/11/0309, mwN). Dies gilt auch im Entziehungsverfahren nach dem FSG für die Rechtslage nach der Verwaltungsgerichtsbarkeits-Novelle 2012. Die Verwaltungsgerichte haben daher nach dem Grundsatz der Einheitlichkeit des Entziehungsverfahrens während eines anhängigen Beschwerdeverfahrens verwirklichte Umstände bereits in ihrer Entscheidung über eine Beschwerde gegen eine Entziehung der Lenkberechtigung wegen Verkehrsunzuverlässigkeit zu berücksichtigen. 18 Im Revisionsfall konnte die belangte Behörde bei Erlassung des Bescheides vom 19. Jänner 2018 die Vorfälle vom 29. April 2018 und vom 21. September 2018 zwangsläufig noch nicht berücksichtigen. 19 Das Verwaltungsgericht hat das diesen Bescheid betreffende Beschwerdeverfahren infolge Zurückziehung der Beschwerde mit Beschluss vom 28. November 2018 gemäß § 28 Abs. 1 VwGVG eingestellt. Eine solche Einstellung ist keine Entscheidung über die Beschwerde in der Sache selbst (vgl. VwGH 9.9.2016, Ra 2016/02/0137). 20 Das Verwaltungsgericht hat demnach mit der Einstellung des Beschwerdeverfahrens keine Entscheidung über die Beschwerde betreffend die Entziehung der Lenkberechtigung des Mitbeteiligten getroffen, bei der es entsprechend dem Grundsatz der Einheitlichkeit des Entziehungsverfahrens auch die Vorfälle vom 29. April 2018 und vom 21. September 2018 zu berücksichtigen gehabt hätte bzw. diese Vorfälle berücksichtigt hat. 21 Die mit Bescheid der belangten Behörde vom 19. Jänner 2018 erfolgte Entziehung der Lenkberechtigung des Mitbeteiligten ist durch die Zurückziehung der dagegen erhobenen Beschwerde rechtskräftig geworden (vgl. VwGH 29.4.2015, Fr 2014/20/0047). Da sich die Vorfälle vom 29. April 2018 und vom 21. September 2018 erst nach Erlassung dieses Entziehungsbescheides ereigneten, konnten diese daher die Grundlage für eine weitere Entziehung der Lenkberechtigung des Mitbeteiligten wegen Verkehrsunzuverlässigkeit bilden, ohne dass dies im Widerspruch zum Grundsatz der Einheitlichkeit des Entziehungsverfahren stünde. 22 Das Verwaltungsgericht ist daher zu Unrecht davon ausgegangen, dass die belangte Behörde zur Erlassung des Bescheides vom 8. Jänner 2019, mit dem die Lenkberechtigung des Mitbeteiligten auf Grund der Vorfälle vom 29. April 2018 und vom 21. September 2018 wegen Verkehrsunzuverlässigkeit entzogen wurde, nicht zuständig war. 23 Das angefochtene Erkenntnis war daher gemäß § 42 Abs. 2 Z 1 VwGG wegen Rechtswidrigkeit seines Inhaltes aufzuheben. Wien, am 30. Jänner 2020
JWT_2019110097_20201008L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019110097.L00
Ra 2019/11/0097
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019110097_20201008L00/JWT_2019110097_20201008L00.html
1,602,115,200,000
209
Spruch Die Revision wird als gegenstandslos geworden erklärt und das Verfahren eingestellt. Ein Ersatz von Aufwendungen findet nicht statt. Begründung 1 Mit Bescheid der belangten Behörde wurde der Antrag des Revisionswerbers auf Vornahme einer Zusatzeintragung in den Behindertenpass („Unzumutbarkeit der Benützung öffentlicher Verkehrsmittel wegen dauerhafter Mobilitätseinschränkung aufgrund einer Behinderung“) abgewiesen. Mit dem angefochtenen Erkenntnis wurde die Beschwerde gegen diesen Bescheid abgewiesen und gemäß § 25a VwGG ausgesprochen, dass die ordentliche Revision nicht zulässig sei. 2 Nach Einleitung des Vorverfahrens über die gegen dieses Erkenntnis erhobene (außerordentliche) Revision teilte der Vertreter des Revisionswerbers mit Eingabe vom 21. September 2020 mit, dass der Revisionswerber zwischenzeitig verstorben sei. 3 Bei dem Recht auf Zusatzeintragung in den Behindertenpass, das vom Gesundheitszustand des Passinhabers abhängt, handelt es sich um ein höchstpersönliches Recht, in welches im Fall des Todes des Berechtigten eine Rechtsnachfolge nicht stattfindet. Die Fortsetzung des Verfahrens über dieses Recht durch die Verlassenschaft oder die Erben des Verstorbenen kommt somit nicht in Betracht (vgl. etwa VwGH 26.9.2013, 2012/11/0165; 26.9.2019, Ra 2018/10/0127; jeweils mwN). 4 Zufolge des Wegfalls des rechtlichen Interesses des Revisionswerbers an einer Sachentscheidung des Verwaltungsgerichtshofes war die vorliegende Revision daher - in sinngemäßer Anwendung des § 33 Abs. 1 VwGG - als gegenstandlos geworden zu erklären und das Verfahren einzustellen, wobei ein Zuspruch von Aufwandersatz gemäß § 58 VwGG zu entfallen hatte (vgl. die bereits zitierten hg. Beschlüsse mwN). Wien, am 8. Oktober 2020
JWT_2019110100_20200911L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019110100.L00
Ra 2019/11/0100
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019110100_20200911L00/JWT_2019110100_20200911L00.html
1,599,782,400,000
851
Spruch Die Revision wird zurückgewiesen. Begründung 1 Mit Bescheid vom 18. April 2018 wies das Sozialministeriumservice (im dritten Rechtsgang) den Antrag der Revisionswerberin auf Ausstellung eines Behindertenpasses ab, weil der Grad der Behinderung lediglich 30% betrage. 2 Mit dem angefochtenen Erkenntnis wies das Bundesverwaltungsgericht die dagegen erhobene Beschwerde der Revisionswerberin als unbegründet ab und stellte fest, dass der Grad der Behinderung 30% betrage. Unter einem sprach das Verwaltungsgericht aus, dass die Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zulässig sei. 3 Begründend führte das Verwaltungsgericht auf das Wesentliche zusammengefasst aus, es lege seiner Entscheidung das von der belangten Behörde eingeholte neurologische Sachverständigengutachten vom 25. September 2017 zu Grunde, in welchem das Leiden der Revisionswerberin (Polyneuropathie; HMSN - hereditäre motorisch und sensible Neuropathie) unter Zugrundelegung der von dieser vorgelegten medizinischen Unterlagen sowie der eigenen Untersuchung durch die Sachverständige unter Pos. Nr. 04.06.01 der Einschätzungsverordnung und mit einem (Gesamt-)Grad der Behinderung von 30%, somit zwei Stufen über dem unteren Rahmensatz, eingestuft worden sei. Diese Einstufung habe die Sachverständige in zwei Stellungnahmen vom 6. März 2018 und vom 16. April 2018 nachvollziehbar und schlüssig begründet. Zu dem von der Revisionswerberin behaupteten Zustand der Erschöpfung und Resignation seien keine rezenten psychiatrischen Befunde vorgebracht worden. Die von der Revisionswerberin behauptete vorzeitige Ermüdbarkeit mit Gefühlsstörung in den Armen sei in der Begutachtung nicht angegeben worden, eine neurologische Kraftminderung der Arme im Rahmen der neurologischen Untersuchung habe nicht objektiviert werden könne. Die geltend gemachte Unsicherheit beim Stehen und Gehen sei bei der Beurteilung im Gutachten bereits berücksichtigt worden. Beim Verwaltungsgericht bestünden keine Zweifel an der Richtigkeit, Vollständigkeit und Schlüssigkeit des eingeholten Sachverständigengutachtens. Die Revisionswerberin sei diesem Gutachten nicht auf gleicher fachlicher Ebene entgegengetreten. 4 Gegen dieses Erkenntnis richtet sich die vorliegende (außerordentliche) Revision. 5 Nach Art. 133 Abs. 4 B-VG ist gegen ein Erkenntnis des Verwaltungsgerichtes die Revision zulässig, wenn sie von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, insbesondere weil das Erkenntnis von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abweicht, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes nicht einheitlich beantwortet wird. 6 Nach § 34 Abs. 1 VwGG sind Revisionen, die sich wegen Nichtvorliegens der Voraussetzungen des Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zur Behandlung eignen, ohne weiteres Verfahren in nichtöffentlicher Sitzung mit Beschluss zurückzuweisen. 7 Nach § 34 Abs. 1a VwGG ist der Verwaltungsgerichtshof bei der Beurteilung der Zulässigkeit der Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG an den Ausspruch des Verwaltungsgerichtes gemäß § 25a Abs. 1 VwGG nicht gebunden. Die Zulässigkeit einer außerordentlichen Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG hat der Verwaltungsgerichtshof ausschließlich im Rahmen der dafür in der Revision gesondert vorgebrachten Gründe (§ 28 Abs. 3 VwGG) zu überprüfen. 8 Der Verwaltungsgerichtshof ist weder verpflichtet, Gründe für die Zulässigkeit einer Revision anhand der übrigen Revisionsausführungen gleichsam zu suchen, noch berechtigt, von Amts wegen erkannte Gründe, die zur Zulässigkeit einer Revision hätten führen können, aufzugreifen (vgl. VwGH 29.6.2020, Ra 2019/11/0058, mwN). 9 Die Revision bringt zu ihrer Zulässigkeit zunächst vor, es sei „unklar“, inwieweit das Verwaltungsgericht verpflichtet gewesen wäre, das neurologische Gutachten samt den ergänzenden Stellungnahmen der Sachverständigen auf Plausibilität und Vollständigkeit zu prüfen und „in Anbetracht offensichtlicher Mängel bei einem anderen Mediziner ein Gutachten zur Klärung aller offenen Fragen“ zum Gesundheitszustand und zum Grad der Behinderung der Revisionswerberin in Auftrag geben hätte müssen. 10 Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes zu diesen Fragestellungen besteht jedoch bereits: 11 Nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes trifft ein Verwaltungsgericht die Verpflichtung, im Rahmen der Begründung seiner Entscheidung ein Gutachten eines Sachverständigen auf seine Richtigkeit, Vollständigkeit und Schlüssigkeit hin zu prüfen, weshalb es gehalten ist, sich im Rahmen der Begründung seiner Entscheidung mit dem Gutachten auseinander zu setzen und dieses entsprechend zu würdigen (vgl. etwa VwGH 8.4.2019, Ra 2018/03/0136, mwN). 12 Lediglich im Falle eines unschlüssigen Gutachtens ist vom Verwaltungsgericht ein anderer Sachverständiger heranzuziehen. Will eine Partei des verwaltungsgerichtlichen Verfahrens aber in dem Fall, dass sich das Verwaltungsgericht auf ein schlüssiges und nachvollziehbares Amtssachverständigengutachten stützt, noch ein weiteres Gutachten einbezogen wissen, liegt es an ihn, selbst ein Gutachten zu beschaffen und dieses dem Verwaltungsgericht vorzulegen (vgl. VwGH 23.1.2020, Ra 2019/07/0093, mwN). 13 Die Revision zeigt weder auf, dass sich das Verwaltungsgericht nicht beweiswürdigend mit dem neurologischen Sachverständigengutachten auseinandergesetzt hätte, noch legt sie dar, dass dieses Gutachten, welches eine Begründung für die Einstufung enthält und auf die von der Revision ins Treffen geführten Gutachten eingegangen ist, mangelhaft oder unvollständig wäre. Ebenso wenig zeigt die Revision auf, dass das Verwaltungsgericht den Grad der Behinderung der Revisionswerberin, gestützt auf dieses Gutachten, dem die Revisionswerberin nicht auf gleicher fachlicher Ebene entgegengetreten ist, unvertretbar eingeschätzt hätte (vgl. zur Einzelfallbezogenheit dieser Beurteilung VwGH 11.12.2017, Ra 2015/11/0102). 14 Schließlich bringt die Revision zu ihrer Zulässigkeit vor, es sei „unklar“, ob das Verwaltungsgericht verpflichtet gewesen sei, die Revisionswerberin „anzuleiten, ein stärker substantiiertes Vorbringen zu erstatten“. So habe das Verwaltungsgericht die im Verfahren unvertretene Revisionswerberin nicht dahin angeleitet, dem Gutachten der Sachverständigen „in substantiierter Weise“ entgegen zu treten. 15 Auch damit zeigt die Revision keine Rechtsfrage iSd Art. 133 Abs. 4 B-VG auf: Nach ständiger Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes geht die Manuduktionspflicht des § 13a AVG (iVm. § 17 VwGVG) nicht so weit, dass eine Pflicht dazu bestünde, Unterweisungen zu erteilen, wie ein Vorbringen zu gestalten ist, damit einem Antrag allenfalls stattgegeben werden kann, oder dass die Partei auf das Erfordernis der Widerlegung eines Sachverständigengutachtens auf gleicher fachlicher Ebene hingewiesen werden müsste (vgl. VwGH 25.11.2015, Ra 2015/09/0042; 29.1.2016, Ra 2015/06/0124; jeweils mwN). 16 In der Revision werden sohin keine Rechtsfragen aufgeworfen, denen im Sinne des Art. 133 Abs. 4 B-VG grundsätzliche Bedeutung zukäme. Die Revision war daher gemäß § 34 Abs. 1 und 3 VwGG zurückzuweisen. Wien, am 11. September 2020
JWT_2019110102_20200227L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019110102.L00
Ra 2019/11/0102
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019110102_20200227L00/JWT_2019110102_20200227L00.html
1,582,761,600,000
688
Spruch Die Revision wird zurückgewiesen. Begründung 1 Mit dem angefochtenen Beschluss wies das Verwaltungsgericht die Beschwerde des Revisionswerbers gegen das Straferkenntnis der belangten Behörde vom 21. November 2018 wegen Übertretungen des LSD-BG als verspätet zurück und sprach gemäß § 25a Abs. 1 VwGG aus, dass die Revision nicht zulässig sei. 2 Begründend führte das Verwaltungsgericht aus, der durch einen Rechtsanwalt vertretene Revisionswerber, dem das Straferkenntnis am 29. November 2018 zugestellt worden sei, habe am 27. Dezember 2018 eine Beschwerde eingebracht, in der das Straferkenntnis in seinem gesamten Umfang bekämpft und als Beschwerdegründe Mangelhaftigkeit des Verfahrens, unrichtige Sachverhaltsfeststellungen, unrichtige Beweiswürdigung und unrichtige rechtliche Beurteilung geltend gemacht worden seien. Weiters sei in der Beschwerde Folgendes vorgebracht worden: "Zur Information benötigen die Vertreter noch eine Rücksprache mit dem Beschwerdeführer und die Übermittlung der Unterlagen. Die Beschwerde wird sodann inhaltlich innerhalb der nächsten 14 Tage, längstens bis 10.01.2019 ausgeführt." 3 Rechtlich folgerte das Verwaltungsgericht, der Revisionswerber habe zwar mit Schriftsatz vom 27. Dezember 2018 innerhalb der Beschwerdefrist bekannt gegeben, dass er das Straferkenntnis in seinem gesamten Umfang bekämpfe, er sei jedoch die gesetzlich geforderte Begründung innerhalb der Beschwerdefrist schuldig geblieben und habe die Beschwerdebegründung erst mit Schriftsatz vom 5. März 2019 übermittelt. Der kurz vor Ablauf der Beschwerdefrist am 27. Februar 2019 eingebrachte Schriftsatz habe sich in einer "bloßen Anmeldung eines Rechtsmittels gegen späteres Nachbringen der Begründung" erschöpft. Für die Erteilung eines Verbesserungsauftrages bestehe daher kein Raum, sondern sei die bewusst und rechtsmissbräuchlich mangelhaft gestaltete Beschwerde sofort "als verspätet" zurückzuweisen. 4 Gegen dieses Erkenntnis richtet sich die vorliegende (außerordentliche) Revision. 5 Nach Art. 133 Abs. 4 B-VG ist gegen ein Erkenntnis des Verwaltungsgerichtes die Revision zulässig, wenn sie von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, insbesondere weil das Erkenntnis von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abweicht, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes nicht einheitlich beantwortet wird. Auf Beschlüsse der Verwaltungsgerichte ist Art. 133 Abs. 4 B-VG sinngemäß anzuwenden (Art. 133 Abs. 9 B-VG). 6 Nach § 34 Abs. 1 VwGG sind Revisionen, die sich wegen Nichtvorliegens der Voraussetzungen des Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zur Behandlung eignen, ohne weiteres Verfahren in nichtöffentlicher Sitzung mit Beschluss zurückzuweisen. 7 Nach § 34 Abs. 1a VwGG ist der Verwaltungsgerichtshof bei der Beurteilung der Zulässigkeit der Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG an den Ausspruch des Verwaltungsgerichtes gemäß § 25a Abs. 1 VwGG nicht gebunden. Die Zulässigkeit einer außerordentlichen Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG hat der Verwaltungsgerichtshof im Rahmen der dafür in der Revision vorgebrachten Gründe (§ 28 Abs. 3 VwGG) zu überprüfen. 8 Die Revision bringt zu ihrer Zulässigkeit vor, das Verwaltungsgericht habe entgegen der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes die rechtsmissbräuchliche Absicht, welche die sofortige Zurückweisung rechtfertigen würde, nicht dargestellt und zu Unrecht von der Beweisaufnahme und einer beantragten mündlichen Verhandlung abgesehen. 9 Mangelt es der Beschwerde an den in § 9 Abs. 1 VwGVG genannten Inhaltserfordernissen (hier: Beschwerdegründe), sind diese Mängel gemäß der - gemäß § 17 VwGVG auch im verwaltungsgerichtlichen Verfahren anzuwendenden - Bestimmung des § 13 Abs. 3 AVG grundsätzlich einer Verbesserung zuzuführen. 10 Nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofs dient § 13 Abs. 3 AVG dem Schutz der Parteien vor Rechtsnachteilen, die ihnen aus Anbringen entstehen können, die aus Unkenntnis der Rechtslage oder infolge eines Versehens mangelhaft sind. Hat hingegen die Partei den Mangel erkennbar bewusst herbeigeführt, um zum Beispiel auf dem Umweg eines Verbesserungsverfahrens eine Verlängerung der Rechtsmittelfrist zu erlangen, ist für die Erteilung eines Verbesserungsauftrages kein Raum und das bewusst und rechtsmissbräuchlich mangelhaft gestaltete Anbringen sofort zurückzuweisen (vgl. VwGH 3.9.2019, Ra 2019/08/0123, mwN, zu einer "leeren Beschwerde"). Um im Sinn der Rechtsprechung ein derartiges Anbringen sofort zurückweisen zu können, ist die rechtsmissbräuchliche Absicht in der Zurückweisungsentscheidung nachvollziehbar darzustellen (vgl. VwGH 29.5.2018, Ra 2018/20/0059, mwN). 11 Die Revision legt nicht dar, weshalb die in der Begründung des angefochtenen Beschlusses nachvollziehbar ausgeführte Beurteilung des Verwaltungsgerichts, die knapp vor Ablauf der Beschwerdefrist ohne Begründung und mit der bloßen Ankündigung einer späteren Ausführung - von einem Rechtsanwalt - eingebrachte Beschwerde sei bewusst mangelhaft gestaltet und rechtsmissbräuchlich gewesen, unvertretbar wäre. Vor diesem Hintergrund zeigt die Revision nicht auf, dass das Verwaltungsgericht durch die Zurückweisung der Beschwerde von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abgewichen wäre. 12 Da nach der in Rn. 10 zitierten Rechtsprechung die Beschwerde sofort zurückzuweisen war, wird mit dem weiteren Zulassungsvorbringen betreffend die unterbliebene Beweisaufnahme und mündliche Verhandlung eine Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung nicht aufgezeigt. 13 In der Revision werden somit keine Rechtsfragen aufgeworfen, denen im Sinne des Art. 133 Abs. 4 B-VG grundsätzliche Bedeutung zukäme. Die Revision war daher zurückzuweisen. Wien, am 27. Februar 2020
JWT_2019110107_20201126L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019110107.L00
Ra 2019/11/0107
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019110107_20201126L00/JWT_2019110107_20201126L00.html
1,606,348,800,000
1,954
Spruch Der angefochtene Beschluss und das angefochtene Erkenntnis werden wegen Rechtswidrigkeit des Inhaltes aufgehoben. Begründung 1 Mit „Einzelgenehmigungsbescheid“ des Revisionswerbers vom 23. Juni 2016 wurde ein näher spezifiziertes Kraftfahrzeug der Marke C auf der Rechtsgrundlage näher genannter Bestimmungen des KFG 1967 kraftfahrbehördlich genehmigt. Als Adressat des Bescheides wurde A. (mit Zustelladresse in der Steiermark) angeführt. 2 Mit (an die mitbeteiligte Partei als nunmehrige Zulassungsbesitzerin gerichtetem) Bescheid vom 11. Dezember 2018 nahm der Revisionswerber das Verfahren gemäß § 31 Abs. 2 KFG 1967 zur Erlangung der genannten Einzelgenehmigung gemäß § 69 Abs. 1 Z 1 AVG von Amts wegen wieder auf (Spruchpunkt 1.) und wies gleichzeitig den Antrag auf Einzelgenehmigung zurück (Spruchpunkt 2.). 3 In der Begründung führte er zusammengefasst aus, der in der Einzelgenehmigung angeführte Antragsteller (A.) habe, wie sich aus dessen Zeugenaussage ergebe, den Kauf und den rechtmäßigen Besitz des Kraftfahrzeuges vorgetäuscht, um im Hinblick auf den in der Steiermark gelegenen Wohnsitz des Antragstellers die örtliche Zuständigkeit des Revisionswerbers für die Erteilung der genannten Einzelgenehmigung zu begründen. Der gegenständliche Bescheid vom 11. Dezember 2018 habe aber gegenüber der mitbeteiligten Partei zu ergehen, weil diese als nunmehrige Zulassungsbesitzerin Inhaberin der in Rede stehenden Einzelgenehmigung geworden sei. In einem abschließenden Hinweis wurde in diesem Bescheid auf die Rechtsfolge (Erlöschen der Einzelgenehmigung vom 23. Juni 2016) hingewiesen. 4 Dagegen erhob die mitbeteiligte Partei Beschwerde und führte aus, dass sie keinen der Wiederaufnahmegründe des § 69 Abs. 1 Z 1 AVG verwirklicht habe. 5 Mit dem angefochtenen Beschluss wies das Landesverwaltungsgericht Steiermark (im Folgenden kurz Verwaltungsgericht) die Beschwerde, soweit sie sich gegen die mit Bescheid vom 11. Dezember 2018 verfügte Wiederaufnahme richtete, als unzulässig zurück und gab der Beschwerde unter einem mit dem angefochtenen Erkenntnis insoweit statt, als Spruchteil 2. des genannten Bescheides (Zurückweisung des Antrages auf Einzelgenehmigung) ersatzlos behoben wurde. Gleichzeitig wurde gemäß § 25a Abs. 1 VwGG ausgesprochen, dass eine ordentliche Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zulässig sei. 6 In der Begründung ging das Verwaltungsgericht von der Annahme aus, der Einzelgenehmigungsbescheid vom 23. Juni 2016 sei gegenüber A. G. erlassen worden, dieser sei im abgeschlossenen Verfahren einzige Verfahrenspartei gewesen. Es könne daher keine Wiederaufnahme des Verfahrens gegenüber der mitbeteiligten Partei erfolgen, weil diese nicht Partei des wiederaufgenommenen Verfahrens (betreffend die Einzelgenehmigung) gewesen sei (Hinweis auf VwGH 20.3.1968, 0010/68). 7 Daher sei Spruchpunkt 1. des Bescheides vom 11. Dezember 2018 (Verfügung der Wiederaufnahme) nach Meinung des Verwaltungsgerichts „nicht rechtswirksam erlassen“ worden, somit „kein tauglicher Anfechtungsgegenstand“ für eine Beschwerde und diese daher (insoweit) mit Beschluss als unzulässig zurückzuweisen gewesen. 8 Mangels rechtswirksamer Wiederaufnahme des Verfahrens stelle Spruchpunkt 2. des Bescheides vom 11. Dezember 2018 eine in rechtswidriger Weise ergangene neuerliche Entscheidung des (mit Bescheid vom 23. Juni 2016) bereits rechtskräftig entschiedenen Antrags auf Einzelgenehmigung dar. Daher sei der besagte Spruchpunkt 2. mit Erkenntnis ersatzlos zu beheben gewesen. 9 Sowohl gegen den angefochtenen Beschluss als auch gegen das angefochtene Erkenntnis richtet sich die vorliegende Amtsrevision. 10 Die mitbeteiligte Partei erstattete eine Revisionsbeantwortung mit dem Antrag auf Zurückweisung, in eventu Abweisung der Revision, in der sie u.a. ausführt, sie sei im ursprünglichen Verfahren niemals Partei gewesen, sodass die Wiederaufnahme gegenüber dem (ursprünglichen) Genehmigungsinhaber A. erfolgen hätte müssen; erst im wiederaufgenommen Verfahren wäre ein Parteiwechsel möglich gewesen. Der Revisionswerber argumentiere widersprüchlich, wenn er hinsichtlich des Kraftfahrzeuges nunmehr die „Eigentümerstellung“ der mitbeteiligten Partei annehme, weil er diese im behördlichen Verfahren verneint habe. 11 Der Verwaltungsgerichtshof hat erwogen: 12 Die Revision ist zulässig, weil sie zutreffend vorbringt, es fehle Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes zur Frage, ob der Einzelgenehmigung gemäß § 31 Abs. 2 KFG 1967 insbesondere aufgrund § 28 Abs. 2 leg. cit. dingliche Wirkung zukommt, die (nach näher zitierter Rechtsprechung) dazu führe, dass bezüglich der mitbeteiligten Partei als Besitzerin der Sache (Kraftfahrzeug) im Entscheidungszeitpunkt die Parteistellung im Wiederaufnahmeverfahren nicht habe verneint werden dürfen. 13 Die Revision ist auch begründet. 14 Das KFG 1967, BGBl. Nr. 267/1967 in der hier maßgebenden Fassung BGBl. I Nr. 19/2019, lautet (auszugsweise): „Typengenehmigung und Einzelgenehmigung von Kraftfahrzeugen und Anhängern und ihrer Teile und Ausrüstungsgegenstände § 28. Allgemeines (1) Typen von Kraftfahrzeugen oder Anhängern oder von Fahrgestellen solcher Fahrzeuge und einzelne Kraftfahrzeuge oder Anhänger oder Fahrgestelle solcher Fahrzeuge sind auf Antrag behördlich zu genehmigen, wenn sie den Bestimmungen dieses Bundesgesetzes und der auf Grund dieses Bundesgesetzes erlassenen Verordnungen entsprechen. (2) Die Genehmigung einer Type oder eines einzelnen Fahrzeuges oder Fahrgestelles gilt ohne Rücksicht darauf, wer der Erzeuger der Type oder, bei ausländischen Erzeugern, ihr Bevollmächtigter in Österreich oder wer der Besitzer des Fahrzeuges ist. (3) ... § 29. Typengenehmigung ... (2) Über einen Antrag auf Genehmigung einer Type (§ 28 Abs. 1) hat der Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie zu entscheiden. ... (3) Der Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie hat vor der Entscheidung über den Antrag auf Typengenehmigung ein Gutachten eines oder mehrerer gemäß § 124 bestellter Sachverständiger darüber einzuholen, ob die Type den Erfordernissen der Verkehrs- und Betriebssicherheit entspricht, mit der Type nicht übermäßig Lärm, Rauch, übler Geruch oder schädliche Luftverunreinigungen verursacht werden, und – soweit dies dem oder den Sachverständigen erkennbar ist – die Type der Typenbeschreibung entspricht und das Fahrzeug den Bestimmungen dieses Bundesgesetzes und den aufgrund dieses Bundesgesetzes erlassenen Verordnungen entspricht. Einzelgenehmigung § 31. (1) Die Genehmigung eines einzelnen Kraftfahrzeuges oder Anhängers oder eines Fahrgestelles solcher Fahrzeuge darf nur erteilt werden, wenn das Fahrzeug oder Fahrgestell 1. keiner genehmigten Type angehört, ... (2) Über die Genehmigung eines einzelnen Kraftfahrzeuges oder Anhängers oder eines Fahrgestelles solcher Fahrzeuge hat auf Antrag des Erzeugers, bei ausländischen Erzeugern des gemäß § 29 Abs. 2 Bevollmächtigten oder des rechtmäßigen Besitzers des Fahrzeuges, unbeschadet der Bestimmungen des Abs. 6 der Landeshauptmann zu entscheiden, in dessen örtlichem Wirkungsbereich der rechtmäßige Besitzer seinen Hauptwohnsitz hat oder der Erzeuger oder sein inländischer Bevollmächtigter den Hauptwohnsitz oder eine feste Betriebsstätte oder, sofern sich das Fahrzeug dort befindet, ein Auslieferungslager haben. Der Landeshauptmann hat vor der Entscheidung über den Antrag auf Einzelgenehmigung ein Gutachten eines oder mehrerer gemäß § 125 bestellter Sachverständiger darüber einzuholen, ob das Fahrzeug den Erfordernissen der Verkehrs- und Betriebssicherheit und, soweit dies durch den Sachverständigen zumutbar erkennbar ist, den Vorschriften dieses Bundesgesetzes und der auf Grund dieses Bundesgesetzes erlassenen Verordnungen entspricht. ... § 37. Zulassung (1) Kraftfahrzeuge und Anhänger sind auf Antrag und, soweit dies erforderlich ist, unter Vorschreibung entsprechender Auflagen zum Verkehr zuzulassen, wenn die im Abs. 2 angeführten Voraussetzungen erfüllt sind. ... (2) Kraftfahrzeuge und Anhänger dürfen nur zugelassen werden, wenn der Antragsteller glaubhaft macht, dass er der rechtmäßige Besitzer des Fahrzeuges ist oder das Fahrzeug auf Grund eines Abzahlungsgeschäftes im Namen des rechtmäßigen Besitzers innehat, wenn ...“ 15 Wie erwähnt wird in der Begründung des angefochtenen Beschlusses, mit dem die Beschwerde der Mitbeteiligten gegen die mit Bescheid vom 11. Dezember 2018 verfügte Wiederaufnahme des Verfahrens zurückgewiesen wurde, ausgeführt, dass diese Verfügung nicht rechtswirksam erlassen worden bzw. „kein tauglicher Anfechtungsgegenstand“ sei, weil die Mitbeteiligte nicht Partei des wiederaufgenommenen Verfahrens gewesen sei. 16 Der Tragfähigkeit des erstgenannten Begründungsarguments (keine rechtswirksame Erlassung eines Bescheides) steht die Aktenlage entgegen, nach welcher der Bescheid vom 11. Dezember 2018 an die Mitbeteiligte adressiert und ihr am 17. Dezember 2018 zugestellt wurde. Es besteht auch kein Grund für Zweifel an der Bescheidqualität der von der belangten Behörde verfügten Wiederaufnahme des Einzelgenehmigungsverfahrens. 17 Soweit die Begründung des angefochtenen Beschlusses in ihrer Gesamtheit aber dahin zu verstehen ist, der Bescheid vom 11. Dezember 018 könne die Mitbeteiligte, weil diese nicht Partei des wiederaufgenommenen Verfahrens gewesen sei, nicht in Rechten verletzen und bilde insoweit für sie keinen „tauglichen Anfechtungsgegenstand“, so erweist sich auch diese Rechtsmeinung als unzutreffend. 18 Lehre und Rechtsprechung verstehen unter der (in den Verwaltungsvorschriften normierten oder sich aus der Rechtsnatur ergebenden) „dinglichen Wirkung“ bestimmter Bescheide, dass infolge ihrer Objektbezogenheitdie Rechtswirkungen (die durch den Bescheid begründeten Rechte und Pflichten) an der Sache haften und den jeweiligen Inhaber des entsprechenden Rechts an einer Sache (so etwa den jeweiligen Eigentümer) treffen und durch einen Wechsel in der Person des Inhabers des Rechts nicht berührt werden. Kommt es zu einem Wechsel des Berechtigten an der Sache, so tritt dieser auch in die Parteistellung des Rechtsvorgängers mit den gleichen Rechten und Pflichten ein, muss sich also alle Verfahrenshandlungen und -unterlassungen seines Rechtsvorgängers zurechnen lassen. Ein dinglicher Bescheid hat gegenüber demjenigen zu ergehen, der im Zeitpunkt seiner Erlassung Inhaber des Rechts ist (vgl. zum Ganzen die hg. Judikatur referiert bei Hengstschläger/Leeb, AVG [2009] § 8 Rn 25f.). 19 Dingliche Wirkung eines Bescheides bedeutet daher regelmäßig die Erstreckung der Bescheidwirkungen auf die Rechtsnachfolger der Partei in dem zur Erlassung des betreffenden Bescheides führenden Verwaltungsverfahren (vgl. VwGH 10.10.2007, 2006/03/0151, mwN). 20 Gemäß § 28 Abs. 2 KFG 1967 gilt die Genehmigung eines einzelnen Fahrzeuges ohne Rücksicht darauf, wer der Besitzer des Fahrzeuges ist. 21 Schon der Wortlaut dieser Bestimmung spricht somit klar dafür, dass der Einzelgenehmigung iSd § 31 KFG 1967 dingliche Wirkung zukommt. In diesem Sinn führen auch die Gesetzesmaterialien (RV 186 BlgNR 11. GP, 83) zu § 28 Abs. 2 KFG 1967 aus, dass die Genehmigung als „objektiver Feststellungsbescheid“ ohne Rücksicht darauf gelten soll, wer der Erzeuger der Type, der Bevollmächtigte in Österreich oder der Besitzer des Fahrzeuges ist. 22 Abgesehen davon spricht für die dingliche Wirkung insbesondere die Objektbezogenheit der Einzelgenehmigung, ist doch für deren Erteilung gemäß § 31 Abs. 1 und 2 zweiter Satz KFG 1967 (ebenso wie für die Erteilung der Typengenehmigung gemäß § 29 Abs. 3 leg. cit.), ausschließlich die Erfüllung fahrzeugspezifischer (und nicht persönlicher) Kriterien maßgebend (was zur genannten Rechtsfolge der Gültigkeit der Genehmigung unabhängig davon, wer Fahrzeugbesitzer ist, führt). 23 Damit in Übereinstimmung findet sich die Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes, nach welcher der Zweck des Genehmigungsverfahrens gemäß §§ 28 ff KFG 1967 darin liegt, die Vorschriftsmäßigkeit und Betriebstauglichkeit des Fahrzeuges zu prüfen, die wieder die Voraussetzung dafür bietet, dass es zum Verkehr zugelassen wird (vgl. VwGH 16.6.2003, 2002/02/0312). 24 Im Revisionsfall ist somit von der dinglichen Wirkung der mit Bescheid vom 23. Juni 2016 dem A. erteilten Einzelgenehmigung auszugehen, die gemäß § 31 Abs. 2 erster Satz KFG 1967 (u.a.) einen Antrag des rechtmäßigen Besitzers voraussetzte. Mit dem Übergang des (rechtmäßigen) Besitzes am Kraftfahrzeug auf eine andere Person gingen daher auch die Rechte und Pflichten aus dieser Einzelgenehmigung über, und zwar (entgegen der in der Revisionsbeantwortung vertretenen Auffassung) ohne gesondertes Zutun des A. Dies ergibt sich aus § 28 Abs. 2 KFG 1967. 25 Entscheidend dafür, ob ein Wiederaufnahmebescheid der mitbeteiligten Partei gegenüber ergehen durfte und ihr gegenüber Rechtswirkungen entfaltete, ist somit, ob die mitbeteiligte Partei im Zeitpunkt der Verfügung der Wiederaufnahme im (rechtmäßigen) Besitz des gegenständlichen Kraftfahrzeuges war. 26 Zu dieser Frage hat das Verwaltungsgericht, offenbar ausgehend von einer unzutreffenden Rechtsansicht, keine Feststellungen getroffen. Auch die Revisionsbeantwortung lässt die Frage des (rechtmäßigen) Besitzes der mitbeteiligten Partei am gegenständlichen Kraftfahrzeug offen (laut aktenkundigem Schreiben des Revisionswerbers an die mitbeteiligte Partei vom 23. August 2018 scheint diese zum letztgenannten Zeitpunkt bereits Zulassungsbesitzerin, somit gemäß § 37 Abs. 2 KFG 1967 rechtmäßige Besitzerin des Kraftfahrzeuges gewesen zu sein; die mitbeteiligte Partei dürfte aufgrund ihres aktenkundigen Schreibens vom 5. September 2018 das Kraftfahrzeug im „Frühsommer 2016“ gekauft haben). 27 Wäre die mitbeteiligte Partei als (rechtmäßige) Besitzerin des in Rede stehenden Kraftfahrzeuges (insbesondere als Rechtsnachfolgerin des A. als seinerzeitigen Inhabers der Einzelgenehmigung) anzusehen, so träfen sie nach dem Gesagten die Rechte und Pflichten aus der genannten Einzelgenehmigungen und ihr gegenüber wäre eine amtswegige Wiederaufnahme zu verfügen (vgl. VwGH 30.6.1998, 98/05/0033, VwGH 22.2.2005, 2003/06/0034, sowie Hengstschläger/Leeb, AVG [2009] § 69 Rn 49; nicht vergleichbar hingegen, weil keine Rechtsnachfolge betreffend, das im angefochtenen Erkenntnis zitierte Erkenntnis VwGH 20.3.1968, 0010/68). 28 Dem kann im Übrigen nicht entgegen gehalten werden, dass es sich bei den Verfahren betreffend einerseits die Erteilung der gegenständlichen Einzelgenehmigung und andererseits die diesbezügliche Wiederaufnahme um verschiedene Verwaltungsverfahren handle (vgl. VwGH 21.11.2002, 2001/07/0027, zum Wiederaufnahmeverfahren als Teil jenes abgeschlossenen Verfahrens, das durch die Wiederaufnahme wieder eröffnet werden soll). 29 Das Verwaltungsgericht hat daher die Frage, ob die mitbeteiligte Partei bei Verfügung der Wiederaufnahme (rechtmäßige) Besitzerin des gegenständlichen Kraftfahrzeuges war, offenbar aufgrund einer unzutreffenden Rechtsansicht nicht geklärt und damit den angefochtenen Beschluss mit inhaltlicher Rechtswidrigkeit behaftet. 30 Dies führt auch zur Rechtswidrigkeit des angefochtenen Erkenntnisses, weil im Fall der rechtswirksamen Verfügung der Wiederaufnahme des Verfahrens gegenüber dem (rechtmäßigen) Besitzer des gegenständlichen Kraftfahrzeuges, der das wiederaufgenommene Verfahren abschließende Bescheid außer Kraft tritt (vgl. auch dazu VwGH 21.11.2002, 2001/07/0027, sowie die bei Hengstschläger/Leeb, AVG [2009] § 70 Rn 6, referierte hg. Judikatur). 31 Ob daher, wie das Verwaltungsgericht meint, dem Spruchpunkt 2. des Bescheides vom 11. Dezember 2018 (Zurückweisung des seinerzeitigen Antrages auf Einzelgenehmigung) die Rechtskraft des Einzelgenehmigungsbescheides vom 23. Juni 2016 entgegensteht, lässt sich erst dann beurteilen, wenn über die Wiederaufnahme des Verfahrens rechtens entschieden wurde. Im vorliegenden Fall führt daher die Aufhebung des angefochtenen Beschlusses auch zur Aufhebung des darauf aufbauenden angefochtenen Erkenntnisses (vgl. abermals Hengstschläger/Leeb, aaO, § 70, Rn 21). 32 Nach dem Gesagten waren daher sowohl der angefochtene Beschluss als auch das angefochtene Erkenntnis wegen Rechtswidrigkeit des Inhaltes gemäß § 42 Abs. 2 Z 1 VwGG aufzuheben. Wien, am 26. November 2020
JWT_2019110114_20200129L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019110114.L00
Ra 2019/11/0114
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019110114_20200129L00/JWT_2019110114_20200129L00.html
1,580,256,000,000
173
Spruch Die Revision wird zurückgewiesen. Begründung 1 Mit Beschluss des Verwaltungsgerichtshofes vom 16. Oktober 2019, Ra 2019/11/0114-6, wurde das hg. Verfahren betreffend die selbstverfasste Revision des Revisionswerbers vom 21. Juni 2019 gegen das obgenannte Erkenntnis eingestellt, weil dem hg. Mängelbehebungsauftrag vom 12. Juli 2019 nicht entsprochen worden war. 2 Mit dem beim Verwaltungsgericht Niederösterreich am 2. Jänner 2020 eingelangten (und von diesem dem Verwaltungsgerichtshof vorgelegten) selbstverfassten Schriftsatz erhebt der Revisionswerber neuerlich "Revision, und Schreiben des VWGH vom 12.7.2019 ...". Darin wendet er sich in der Sache gegen das im Kopf genannte Erkenntnis vom 8. Mai 2019. 3 Der letztgenannte Revisionsschriftsatz war zurückzuweisen, weil der Revisionswerber sein Revisionsrecht gegen das Erkenntnis des Landesverwaltungsgerichts Niederösterreich vom 8. Mai 2019 bereits verbraucht hat. Sollte sich "die Revision" jedoch auch gegen den erwähnten Mängelbehebungsauftrag vom 12. Juli 2019 richten, so war sie zurückzuweisen, weil es sich bei diesem Auftrag um keine mit Revision bekämpfbare Entscheidung eines Verwaltungsgerichtes handelt. 4 Abschließend wird der Revisionswerber darauf hingewiesen, dass in Hinkunft allfällige vergleichbare Eingaben als rechtsmissbräuchlich eingebracht qualifiziert und ohne weitere Bearbeitung und ohne seine weitere Verständigung zu den Akten genommen werden. Wien, am 29. Jänner 2020
JWT_2019110119_20201021L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019110119.L00
Ra 2019/11/0119
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019110119_20201021L00/JWT_2019110119_20201021L00.html
1,603,238,400,000
735
Spruch Die Revision wird zurückgewiesen. Begründung 1 1. Aus dem Akteninhalt ergibt sich folgender Verfahrensverlauf: 2 Am 31. Oktober 2018 schlossen namentlich genannte Personen einen Liegenschaftskaufvertrag betreffend näher bezeichnete Grundstücke. In der Folge wurde die Erteilung der grundverkehrsbehördlichen Genehmigung dieses Rechtsgeschäfts beantragt. 3 Die Mitbeteiligte gab in dem Bezug habenden grundverkehrsbehördlichen Genehmigungsverfahren eine Interessentenerklärung ab. 4 2. Mit Bescheid vom 9. Jänner 2019 wies die belangte Behörde die Interessentenerklärung der Mitbeteiligten als unzulässig zurück. Begründet wurde die Entscheidung im Wesentlichen damit, dass eine juristische Person zwar einen landwirtschaftlichen Betrieb führen könne, aber nicht als Landwirtin im Sinne des § 6 Abs. 2 Z 1 NÖ Grundverkehrsgesetz 2007 angesehen werden könne. 5 3. Mit dem angefochtenen Erkenntnis gab das Landesverwaltungsgericht Niederösterreich (Verwaltungsgericht) der gegen diesen Bescheid von der Mitbeteiligten erhobenen Beschwerde statt und hob den bekämpften Bescheid ersatzlos auf. Gleichzeitig sprach es gemäß § 25a VwGG aus, dass eine ordentliche Revision an den Verwaltungsgerichtshof unzulässig sei. 6 Begründend führte das Verwaltungsgericht - soweit für das Revisionsverfahren von Interesse - aus, Gegenstand des Verfahrens sei die Zurückweisung der Interessentenerklärung durch die belangte Behörde, weshalb die Frage zu klären sei, ob eine solche Zurückweisung vor dem Hintergrund der Bestimmungen des NÖ Grundverkehrsgesetzes 2007 rechtmäßig sei. Zur Erlangung der Parteistellung in dem Genehmigungsverfahren genüge die Glaubhaftmachung der Landwirteeigenschaft im Sinne der einschlägigen Bestimmungen. Eine Entscheidung über die Frage des rechtmäßigen Bestehens einer Interessentenstellung habe erst in der den Verfahrensgegenstand abschließenden Erledigung zu erfolgen. Die Zurückweisung einer Interessentenerklärung, die zu einem Verlust der Parteistellung in dem grundverkehrsbehördlichen Genehmigungsverfahren führe, sei gesetzlich nicht vorgesehen. Zudem sei es gesicherte Rechtsprechung, dass ein Abspruch über die Interessentenstellung nicht einmal im grundverkehrsbehördlichen Bescheid selbst gesondert zu erfolgen habe. Umso weniger könne von der Zulässigkeit eines eigenen „Zwischenbescheids“ ausgegangen werden. Eine Interessentenerklärung stelle keinen Antrag an die Behörde dar, sondern vielmehr eine Erklärung, die zudem zivilrechtliche Folgen - nämlich das Vorliegen eines rechtsverbindlichen Anbots an die Verkäufer - nach sich ziehe. Ein gesonderter Abspruch über die Interessentenstellung erweise sich daher als unzulässig, weshalb der bekämpfte Bescheid ersatzlos zu beheben sei. 7 4. Gegen dieses Erkenntnis richtet sich die vorliegende außerordentliche Revision. 8 Zur Zulässigkeit derselben wird vorgebracht, die Rechtsansicht des Verwaltungsgerichts, dass ein Absprechen über die mangelnde Parteistellung, welche sich für die Grundverkehrsbehörde aus der fehlenden Landwirteigenschaft des Mitbeteiligten ergeben habe, unzulässig sei, sei verfehlt. Grundlegende Voraussetzung für die Interessentenstellung und die Eigenschaft als Landwirt im Sinne des § 3 Z 2 NÖ GVG 2007 sei die Bestreitung des eigenen Lebensunterhalts aus dem land- und forstwirtschaftlichen Betrieb zu einem erheblichen Teil, weshalb das Landesverwaltungsgericht Niederösterreich die Landwirteeigenschaft der Mitbeteiligten - einer juristischen Person - zu Unrecht bejaht habe. Die strittige Vorfrage der Parteistellung einer bestimmten, vom jeweiligen Antragsteller verschiedenen Person in einem konkreten, anhängigen Verfahren könne in einem Zwischenverfahren geklärt werden. 9 5. Nach Art. 133 Abs. 4 B-VG ist gegen ein Erkenntnis des Verwaltungsgerichtes die Revision zulässig, wenn sie von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, insbesondere weil das Erkenntnis von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abweicht, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes nicht einheitlich beantwortet wird. 10 Nach § 34 Abs. 1 VwGG sind Revisionen, die sich wegen Nichtvorliegens der Voraussetzungen des Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zur Behandlung eignen, ohne weiteres Verfahren in nichtöffentlicher Sitzung mit Beschluss zurückzuweisen. 11 Nach § 34 Abs. 1a VwGG ist der Verwaltungsgerichtshof bei der Beurteilung der Zulässigkeit der Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG an den Ausspruch des Verwaltungsgerichtes gemäß § 25a Abs. 1 VwGG nicht gebunden. Die Zulässigkeit einer außerordentlichen Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG hat der Verwaltungsgerichtshof im Rahmen der dafür in der Revision gesondert vorgebrachten Gründe (§ 28 Abs. 3 VwGG) zu überprüfen. 12 5.1 Gegenstand des Revisionsverfahrens ist die Frage der Zulässigkeit der Zurückweisung der Erklärung der Interessentenstellung im grundverkehrsbehördlichen Verfahren durch gesonderten Bescheid. Der Verwaltungsgerichtshof hat in seinem Erkenntnis vom 16. September 2020, Ra 2018/11/0100-0101, bereits ausgesprochen, dass die Erlassung eines Feststellungsbescheides und damit ein separater Abspruch über die Parteistellung eines Interessenten unzulässig ist, weshalb auf die dortigen Entscheidungsgründe gemäß § 43 Abs. 2 VwGG verwiesen werden kann. Die von der Revision in der Zulässigkeitsbegründung aufgeworfene Rechtsfrage ist daher als geklärt anzusehen. 13 5.2 Insofern sich das Zulässigkeitsvorbringen der Revision darauf bezieht, dass das Verwaltungsgericht die Landwirteeigenschaft der Mitbeteiligten zu Unrecht angenommen habe und aus diesem Grund der bekämpfte Bescheid nicht aufzuheben gewesen wäre, spricht diese keine Rechtsfrage an, von deren Lösung die Entscheidung im vorliegenden Revisionsverfahren, das alleine die Frage der Zulässigkeit der selbständigen Entscheidung über die Parteistellung eines Interessenten umfasst, abhinge. Nach der ständigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofs ist dieser nicht zur Beantwortung von abstrakten Rechtsfragen berufen (vgl. etwa VwGH 22.11.2018, Ra 2018/17/0184, mwN). 14 5.3 In der Revision werden somit keine Rechtsfragen aufgeworfen, denen im Sinne des Art. 133 Abs. 4 B-VG grundsätzliche Bedeutung zukäme. Die Revision war daher gemäß § 34 Abs. 1 VwGG ohne weiteres Verfahren zurückzuweisen. Wien, am 21. Oktober 2020
JWT_2019110123_20200528L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019110123.L00
Ra 2019/11/0123
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019110123_20200528L00/JWT_2019110123_20200528L00.html
1,590,624,000,000
609
Spruch Die Revision wird zurückgewiesen. Begründung 1 Mit dem angefochtenen Erkenntnis wurde der Revisionswerber - im Wesentlichen in Bestätigung des Straferkenntnisses der belangten Behörde vom 22. Jänner 2018 - schuldig erkannt, er habe es als zur Vertretung nach außen Berufener des Vereins A K in W (im Folgenden: Verein) zu verantworten, dass dieser Verein als Inhaber eines unbefugten Gastgewerbes in der Betriebsart Kaffeehaus an einem näher bezeichneten Ort zu einer näher bezeichneten Zeit gegen § 13c Tabak- und Nichtraucherinnen- bzw. Nichtraucherschutzgesetz - TNRSG, BGBl. Nr. 431/1995, in der Fassung BGBl. I Nr. 22/2016, verstoßen habe, indem er nicht dafür Sorge getragen habe, dass der Kennzeichnungspflicht gemäß der Nichtraucherschutz-Kennzeichnungsverordnung - NKV entsprochen worden sei, weil sich beim Eingang zum Lokal kein Hinweis befunden habe, ob geraucht werden dürfe oder nicht, und weil in den vom Rauchverbot umfassten Räumlichkeiten keine Kennzeichnungen des Rauchverbotes im Sinn der NKV angebracht gewesen seien. 2 Dadurch habe der Revisionswerber gegen § 13a Abs. 1 Z 1, § 13c Abs. 1, § 13c Abs. 2 Z 7 und § 13b Abs. 5 TNRSG iVm näher genannten Bestimmungen der NKV verstoßen, weswegen über ihn gemäß § 14 Abs. 4 erster Strafsatz TNRSG eine Geldstrafe verhängt sowie ein Beitrag zu den Kosten des Verwaltungsverfahrens festgesetzt wurden. Unter einem sprach das Verwaltungsgericht aus, dass der Verein für die verhängte Geldstrafe und die Verfahrenskosten zur ungeteilten Hand hafte. Die Revision sei gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zulässig. 3 Das Verwaltungsgericht stützte sich - soweit hier maßgeblich - darauf, dass der Verein nach den Feststellungen des Erkenntnisses des Verwaltungsgerichts vom 25. April 2019 in einem Verfahren wegen Übertretung des § 366 Abs. 1 Z 1 GewO 1994 in dem Vereinslokal, das über einen einzigen, etwa 75 m2 großen Gastraum mit 46 Verabreichungsplätzen verfügt habe, das Gastgewerbe in der Betriebsart eines Kaffeehauses ausgeübt habe. Daher habe in diesem Gastraum das Rauchverbot gemäß § 13a Abs. 1 TNRSG gegolten. 4 Nach Art. 133 Abs. 4 B-VG ist gegen ein Erkenntnis des Verwaltungsgerichtes die Revision zulässig, wenn sie von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, insbesondere weil das Erkenntnis von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abweicht, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes nicht einheitlich beantwortet wird. 5 Nach § 34 Abs. 1 VwGG sind Revisionen, die sich wegen Nichtvorliegens der Voraussetzungen des Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zur Behandlung eignen, ohne weiteres Verfahren in nichtöffentlicher Sitzung mit Beschluss zurückzuweisen. 6 Nach § 34 Abs. 1a VwGG ist der Verwaltungsgerichtshof bei der Beurteilung der Zulässigkeit der Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG an den Ausspruch des Verwaltungsgerichtes gemäß § 25a Abs. 1 VwGG nicht gebunden. Die Zulässigkeit einer außerordentlichen Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG hat der Verwaltungsgerichtshof im Rahmen der dafür in der Revision vorgebrachten Gründe (§ 28 Abs. 3 VwGG) zu überprüfen. 7 Die Revision bringt zu ihrer Zulässigkeit vor, die Feststellungen des Erkenntnisses des Verwaltungsgerichts vom 25. April 2019 betreffend die gewerberechtliche Übertretung bildeten einen „Bestandteil“ der Feststellungen des angefochtenen Erkenntnisses. Das Verwaltungsgericht habe im gewerberechtlichen „Parallelverfahren“ eine Beweislastumkehr zu Lasten des Revisionswerbers vorgenommen, den Sachverhalt mangelhaft festgestellt, keine Feststellungen zur Ertragserzielungsabsicht des Vereins getroffen und sein Erkenntnis nicht schlüssig begründet. Unter Berücksichtigung sämtlicher Vereinsräumlichkeiten hätte das Verwaltungsgericht zum Ergebnis kommen müssen, dass das äußere Erscheinungsbild eines Gastgewerbebetriebes nicht vorliege, weshalb auch das Rauchverbot des § 13a Abs. 1 TNRSG nicht gegolten habe. Auch fehle Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes zur Frage, ob bei einem Gastraum, in dem kein Bedienungspersonal tätig sei, das äußere Erscheinungsbild eines Gastgewerbebetriebes vorliege. 8 Dieses Vorbringen richtet sich ausschließlich gegen die Annahme des Verwaltungsgerichts, der Verein habe in dem gegenständlichen Raum iSd § 13a Abs. 1 Z 1 TNRSG das Gastgewerbe gemäß § 111 Abs. 1 Z 2 GewO 1994 betrieben. Angesichts der rechtskräftigen Verurteilung des Revisionswerbers wegen der unbefugten Ausübung dieses Gewerbes durch das Erkenntnis des Verwaltungsgerichts vom 25. April 2019 hatte das Verwaltungsgericht im Strafverfahren nach dem TNRSG davon auszugehen, dass der Betrieb eines Gastgewerbes iSd § 13a Abs. 1 Z 1 TNRSG vorlag (vgl. RV 610 BlgNR 23. GP, 6, wonach für diesen Begriff tatbestandsmäßig an die GewO 1994 angeknüpft wird). 9 In der Revision werden somit keine Rechtsfragen aufgeworfen, denen im Sinne des Art. 133 Abs. 4 B-VG grundsätzliche Bedeutung zukäme. Die Revision war daher zurückzuweisen. Wien, am 28. Mai 2020
JWT_2019110135_20200528L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019110135.L00
Ra 2019/11/0135
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019110135_20200528L00/JWT_2019110135_20200528L00.html
1,590,624,000,000
1,399
Spruch Die Revision wird zurückgewiesen. Begründung 1 Mit am 7. Februar 2019 verkündetem Bescheid der belangten Behörde wurde die Lenkberechtigung der Revisionswerberin gemäß § 24 Abs. 1 Z 2 FSG durch eine Befristung bis 29. Jänner 2020 und durch die Auflage, alle drei Monate für die Dauer eines Jahres eine Harnprobe unter näher bezeichneten Bedingungen abzugeben und sich nach Ablauf des Jahres einer Nachuntersuchung durch den Amtsarzt zu unterziehen, eingeschränkt. 2 Zur Begründung wurde im Wesentlichen auf ein entsprechendes amtsärztliches Gutachten vom 29. Jänner 2019 verwiesen und ausgeführt, die Revisionswerberin habe bei der Untersuchung „mehrjährigen Cannabiskonsum zur Therapie einer Essstörung zugegeben, Letztkonsum 10/2018.“ 3 In der Beschwerde vom 28. Februar 2019 führte die Revisionswerberin aus, dass sie „seit Oktober 2018 ...völlig clean“ sei und davor „nur gelegentlich“ Cannabis konsumiert habe. Eine Abhängigkeit oder ein gehäufter Missbrauch habe nicht bestanden. Die Essstörungen bestünden nun nicht mehr und es gehe ihr ohne Cannabis gut. 4 Mit dem angefochtenen Beschluss hob das Verwaltungsgericht den Bescheid vom 7. Februar 2019 auf und verwies die Angelegenheit zur Erlassung eines neuen Bescheides gemäß § 28 Abs. 3 zweiter Satz VwGVG an die belangte Behörde zurück. Gleichzeitig wurde gemäß § 25a VwGG ausgesprochen, dass eine ordentliche Revision an den Verwaltungsgerichtshof nach Art. 133 Abs. 4 B-VG unzulässig sei. 5 In der Begründung stellte das Verwaltungsgericht, soweit hier relevant, fest, die Revisionswerberin habe im Rahmen der (insoweit aktenmäßig belegten) ärztlichen Untersuchung vom 15. Jänner 2019 angegeben, im Zeitraum November 2016 bis Oktober 2018 aufgrund einer Essstörung ein bis zwei Mal pro Woche Cannabis konsumiert zu haben, sodass nicht von einem bloß gelegentlichen Cannabiskonsum in der Vergangenheit auszugehen sei. Seither habe kein Cannabiskonsum stattgefunden, eine Harnprobe aus dem Jänner 2019 sei negativ auf Cannabinoide gewesen. 6 Auf Basis dieser Feststellungen ging das Verwaltungsgericht in der rechtlichen Beurteilung davon aus, der Cannabiskonsum der Revisionswerberin in der Vergangenheit sei als gehäufter Suchtmittelmissbrauch einzustufen. In einem solchen Fall verlange § 14 Abs. 5 FSG-GV jedenfalls die Einholung einer fachärztlichen (psychiatrischen) Stellungnahme zur Abklärung der gesundheitlichen Eignung zum Lenken von Kraftfahrzeugen. Die belangte Behörde habe die zwingend vorgesehene fachärztliche Stellungnahme nicht eingeholt, sodass dem amtsärztlichen Gutachten diesbezüglich die Grundlage fehle und dieses der Entscheidung nicht zugrunde gelegt werden könne. 7 In einem Fall wie dem vorliegenden, in welchem die belangte Behörde völlig ungeeignete Ermittlungsschritte gesetzt und das vermutlich wichtigste Beweismittel gar nicht erhoben habe, sei die Zurückverweisung der Sache an die belangte Behörde nach näher zitierter Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes zulässig. 8 Dagegen richtet sich die vorliegende außerordentliche Revision. 9 Nach Art. 133 Abs. 4 B-VG ist gegen ein Erkenntnis des Verwaltungsgerichtes die Revision zulässig, wenn sie von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, insbesondere weil das Erkenntnis von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abweicht, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes nicht einheitlich beantwortet wird. Auf Beschlüsse der Verwaltungsgerichte ist Art. 133 Abs. 4 B-VG sinngemäß anzuwenden (Art. 133 Abs. 9 B-VG). 10 Nach § 34 Abs. 1 VwGG sind Revisionen, die sich wegen Nichtvorliegens der Voraussetzungen des Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zur Behandlung eignen, ohne weiteres Verfahren in nichtöffentlicher Sitzung mit Beschluss zurückzuweisen. 11 Nach § 34 Abs. 1a VwGG ist der Verwaltungsgerichtshof bei der Beurteilung der Zulässigkeit der Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG an den Ausspruch des Verwaltungsgerichtes gemäß § 25a Abs. 1 VwGG nicht gebunden. Die Zulässigkeit einer außerordentlichen Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG hat der Verwaltungsgerichtshof im Rahmen der dafür in der Revision gesondert vorgebrachten Gründe (§ 28 Abs. 3 VwGG) zu überprüfen. Diesem Erfordernis wird insbesondere nicht schon durch nähere Ausführungen zur behaupteten Rechtswidrigkeit der bekämpften Entscheidung (§ 28 Abs. 1 Z 5 VwGG) oder zu den Rechten, in denen sich der Revisionswerber verletzt erachtet (§ 28 Abs. 1 Z 4 VwGG), Genüge getan (vgl. aus vielen die Beschlüsse VwGH 23.3.2017, Ra 2017/11/0014, und VwGH 1.9.2017, Ra 2017/11/0225, jeweils mwN). 12 Das Führerscheingesetz (FSG) lautet auszugsweise: „§ 24. (1) Besitzern einer Lenkberechtigung, bei denen die Voraussetzungen für die Erteilung der Lenkberechtigung (§ 3 Abs. 1 Z 2 bis 4) nicht mehr gegeben sind, ist von der Behörde entsprechend den Erfordernissen der Verkehrssicherheit 1. die Lenkberechtigung zu entziehen oder 2. die Gültigkeit der Lenkberechtigung durch Auflagen, Befristungen oder zeitliche, örtliche oder sachliche Beschränkungen einzuschränken. ....“ 13 § 14 der Führerscheingesetz-Gesundheitsverordnung (FSG-GV) lautet auszugsweise: „Alkohol, Sucht- und Arzneimittel § 14. ... (5) Personen, die alkohol-, suchtmittel- oder arzneimittelabhängig waren oder damit gehäuften Mißbrauch begangen haben, ist nach einer befürwortenden fachärztlichen Stellungnahme und unter der Auflage ärztlicher Kontrolluntersuchungen eine Lenkberechtigung der Gruppe 1 zu erteilen oder wiederzuerteilen.“ 14 § 14 Abs. 5 FSG-GV gilt nach der hg. Rechtsprechung nicht nur für die (Wieder-)Erteilung der Lenkberechtigung, sondern auch für den Fall einer bereits bestehenden Lenkberechtigung hinsichtlich ihrer Einschränkung (vgl. das hg. Erkenntnis vom 30. Juni 2016, Ra 2016/11/0088). Ist daher ein gehäufter Suchtmittelmissbrauch in der rezenten Vergangenheit zu bejahen (vgl. etwa den hg. Beschluss vom 11. Oktober 2016, Ra 2016/11/0109 [mit Verweis auf das letztzitierte Erkenntnis] zum Cannabiskonsum bis 9 Monate vor der Entscheidung über die Einschränkung der Lenkberechtigung), so ist die Belassung der Lenkberechtigung unter der Auflage (näher zu präzisierender) ärztlicher Kontrolluntersuchungen (sowie gemäß § 2 Abs. 1 letzter Satz iVm der Befristung der Lenkberechtigung und einer amtsärztlichen Nachuntersuchung) nur nach einer befürwortenden fachärztlichen Stellungnahme zulässig. 15 Fallbezogen ist das Verwaltungsgericht in Übereinstimmung mit der Aktenlage davon ausgegangen, die Revisionswerberin habe im Rahmen der amtsärztlichen Untersuchung angegeben, dass sie im Zeitraum November 2016 bis Oktober 2018 - somit über fast zwei Jahre - Cannabis zur Therapie einer Essstörung konsumiert hat. Dies wird in der Revision nicht bestritten. Eine im Wesentlichen gleichlautende Feststellung findet sich schon im Bescheid vom 7. Februar 2019. Auch in der Beschwerde wurde der Cannabiskonsum bis Oktober 2018 bestätigt, in diesem Zusammenhang wurden auch die Essstörungen der Revisionswerberin erwähnt. 16 Das genannte, auf den Angaben der Revisionswerberin beruhende Konsumverhalten konnte das Verwaltungsgericht daher (entgegen dem Zulässigkeitsvorbringen der Revision) ohne Durchführung einer mündlichen Verhandlung zugrunde legen. Mit der bloß allgemein gehaltenen Behauptung der Beschwerde, der Cannabiskonsum habe „nur gelegentlich“ stattgefunden, wurde nämlich der zugestandene fast zwei Jahre dauernde Konsum zur Therapie einer Essstörung nicht konkret in Frage gestellt. 17 Ebenso wenig kann die auf der Grundlage der Angaben der Revisionswerberin getroffene Feststellung einen Verstoß gegen das im Zulässigkeitsvorbringen ins Treffen geführte Überraschungsverbot darstellen. 18 Auch die - rechtliche Beurteilung - dieses Konsumverhaltens als gehäufter Missbrauch iSd § 14 Abs. 5 FSG-GV bedurfte, anders als die Revision vorbringt, nicht der vorherigen Durchführung einer Verhandlung oder der Einräumung von Parteiengehör (vgl. etwa VwGH 2.5.2016, Ra 2016/11/0043, mwN). 19 Das behauptete Abgehen von der hg. Rechtsprechung liegt demnach nicht vor. 20 Konnte das Verwaltungsgericht aber nach dem Gesagten vom Vorliegen der Tatbestandsvoraussetzung des gehäuften Suchtmittelmissbrauchs iSd § 14 Abs. 5 FSG-GV ausgehen, so bedurfte es nach dieser Bestimmung - zwingend - der Einholung einer fachärztlichen Stellungnahme (des entsprechenden Sonderfaches; § 1 Z 2 FSG-GV), um die Lenkberechtigung der Revisionswerberin zwar zu belassen, aber gleichzeitig durch näher zu bestimmende Auflagen und eine näher zu bestimmende Befristung einzuschränken. Angesichts dieser klaren Rechtslage bedurfte es keiner zusätzlichen Begründung für die Notwendigkeit der fachärztlichen Stellungnahme, die sich nach dem Verordnungswortlaut auch nicht durch das Vorhandensein der in der Revision angesprochenen Harnproben der Revisionswerberin erübrigte. Die behauptete Abweichung von der hg. Rechtsprechung zur Begründungspflicht des Verwaltungsgerichts liegt somit ebenfalls nicht vor. 21 Die Revision behauptet in den Zulässigkeitsausführungen schließlich die Abweichung von näher zitierter hg. Rechtsprechung (u.a. VwGH 14.4.2016, Ra 2015/06/0096) betreffend die Voraussetzungen der Zurückverweisung der Sache an die belangte Behörde, die nach der Judikatur nur bei Unterlassung jeglicher Ermittlungstätigkeit oder völlig ungeeigneten Ermittlungsschritten der belangten Behörde rechtens sei. 22 Zwar stellt die nach § 28 Abs. 3 zweiter Satz VwGVG bestehende Zurückverweisungsmöglichkeit nach ständiger hg. Rechtsprechung (vgl. dazu etwa VwGH 15.12.2017, Ra 2016/11/0132, mit Verweis auf VwGH 30.6.2015, Ra 2014/03/0054) eine Ausnahme von der grundsätzlichen meritorischen Entscheidungszuständigkeit der Verwaltungsgerichte dar. Nach dem damit gebotenen Verständnis steht diese Möglichkeit bezüglich ihrer Voraussetzungen nicht auf derselben Stufe wie die im ersten Satz des § 28 Abs. 3 VwGVG verankerte grundsätzliche meritorische Entscheidungskompetenz der Verwaltungsgerichte. Vielmehr verlangt das im § 28 VwGVG insgesamt normierte System, in dem insbesondere die normative Zielsetzung der Verfahrensbeschleunigung bzw. der Berücksichtigung einer angemessenen Verfahrensdauer ihren Ausdruck findet, dass von der Möglichkeit der Zurückverweisung nur bei krassen bzw. besonders gravierenden Ermittlungslücken Gebrauch gemacht wird. Eine Zurückverweisung der Sache an die Verwaltungsbehörde zur Durchführung notwendiger Ermittlungen wird daher insbesondere dann in Betracht kommen, wenn die Verwaltungsbehörde jegliche erforderliche Ermittlungstätigkeit unterlassen hat, wenn sie zur Ermittlung des maßgebenden Sachverhalts (vgl. § 37 AVG) lediglich völlig ungeeignete Ermittlungsschritte gesetzt oder bloß ansatzweise ermittelt hat. Gleiches gilt, wenn konkrete Anhaltspunkte annehmen lassen, dass die Verwaltungsbehörde (etwa schwierige) Ermittlungen unterließ, damit diese dann durch das Verwaltungsgericht vorgenommen werden. 23 Im vorliegenden Fall ist das Verwaltungsgericht nicht von dieser Rechtsprechung abgewichen, weil es vertretbar davon ausgehen konnte, dass aufgrund des Fehlens der fachärztlichen Stellungnahme, die gemäß § 14 Abs. 5 FSG-GV die zentrale Entscheidungsgrundlage bzw. erst die Basis für das amtsärztliche Gutachten (§ 8 Abs. 2 FSG) betreffend (zunächst) die Frage der Belassung der Lenkberechtigung und (bejahendenfalls) betreffend die Modalitäten ihrer Einschränkung (durch konkrete Auflagen und einen konkreten Befristungszeitraum) darstellt, bestenfalls von bloß ansatzweise vorhandenen Ermittlungsergebnissen gesprochen werden kann und deshalb nach Lage des Falles die Voraussetzungen für die Zurückverweisung der Sache an die belangte Behörde gemäß § 28 Abs. 3 zweiter Satz VwGVG erfüllt sind. 24 Die im Zulässigkeitsvorbringen der Revision angeführte Behauptung, das angefochtene Erkenntnis weiche von zitierter Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes zu den genannten Fragen ab, trifft somit insgesamt nicht zu. 25 Die Revision war daher zurückzuweisen. Wien, am 28. Mai 2020
JWT_2019110137_20201216L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019110137.L00
Ra 2019/11/0137
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019110137_20201216L00/JWT_2019110137_20201216L00.html
1,608,076,800,000
2,035
Spruch Das angefochtene Erkenntnis wird wegen Rechtswidrigkeit seines Inhaltes aufgehoben. Der Bund hat der Revisionswerberin Aufwendungen in der Höhe von € 1.106,40 binnen zwei Wochen bei sonstiger Exekution zu ersetzen. Begründung 1 Mit dem angefochtenen Erkenntnis wurde, durch Abweisung einer Beschwerde der Revisionswerberin gegen den Vorstellungsbescheid der belangten Behörde vom 20. Juli 2015, die Revisionswerberin zur Entrichtung einer Ausgleichstaxe in Höhe von € 17.860,-- für das Kalenderjahr 2014 gemäß § 9 Behinderteneinstellungsgesetz (BEinstG) verpflichtet. Gleichzeitig wurde gemäß § 25a Abs. 1 VwGG ausgesprochen, dass eine ordentliche Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG unzulässig sei. 2 Das Verwaltungsgericht stellte als maßgebenden Sachverhalt fest, unstrittig sei Mag. E, die dem Kreis der begünstigten Behinderten iSd. § 2 BEinstG angehöre, Dienstnehmerin der Revisionswerberin und habe sich im Zeitraum vom 1. Jänner bis 31. Juli 2014 in einer zwischen ihr und der Revisionswerberin vereinbarten Bildungskarenz gemäß § 11 Arbeitsvertragsrechts-Anpassungsgesetz (AVRAG) befunden und in dieser Zeit Weiterbildungsgeld vom Arbeitsmarktservice bezogen. 3 Die Revisionswerberin habe im Kalenderjahr 2014 die Beschäftigungspflicht gemäß § 1 BEinstG nicht (zur Gänze) erfüllt, sodass für die Festsetzung der Ausgleichstaxe die strittige Frage zu klären sei, ob Mag. E auf die Pflichtzahl gemäß § 5 Abs. 1 BEinstG anzurechnen sei. 4 In den rechtlichen Erwägungen ging das Verwaltungsgericht davon aus, Voraussetzung für die Anrechenbarkeit auf die Pflichtzahl sei gemäß § 5 Abs. 1 BEinstG, dass die begünstigte Behinderte beim Dienstgeber beschäftigt sei und „nach § 7 BEinstG entlohnt“ werde. 5 Diese Kriterien seien gegenständlich nicht erfüllt, da sich die Revisionswerberin als Dienstgeberin und Mag. E als Dienstnehmerin einvernehmlich für die Dauer der Bildungskarenz von den wechselseitigen Verpflichtungen aus dem Dienstvertrag entbunden hätten. 6 Die Erbringung von Dienstleistungen durch Mag. E sei auch nicht durch in ihrer Sphäre gelegene Gründe verhindert worden, vielmehr beruhe die Inanspruchnahme der Bildungskarenz gemäß § 11 AVRAG auf einer Vereinbarung zwischen dem Arbeitgeber und dem Arbeitnehmer. Daher unterscheide sich der vorliegende Fall von jenem einer Erkrankung des Dienstnehmers oder einer Karenz nach dem Mutterschutzgesetz (Hinweis auf VwGH 18.10.1990, 90/09/0075; 24.5.2011, 2008/11/0012; 28.6.2011, 2009/11/0223). 7 Wenn die Revisionswerberin in diesem Zusammenhang vorgebracht habe, die Bildungskarenz von Mag. E sei auf deren Eigeninitiative gewährt worden, so ändere dies nichts am Umstand, dass die Revisionswerberin der Bildungskarenz in Kenntnis ihrer Folgen zugestimmt habe. 8 Auch dem Vorbringen der Revisionswerberin, die Nichtanrechenbarkeit auf die Pflichtzahl in einem Fall wie dem vorliegenden würde zu einer Diskriminierung von Menschen mit Behinderung bei der Inanspruchnahme einer Bildungskarenz führen, könne nicht gefolgt werden. Denn es bleibe der Revisionswerberin unbenommen, während der Bildungskarenz eine andere Person, welche dem Personenkreis der begünstigten Behinderten angehöre, allenfalls befristet zu beschäftigen (und so die Vorschreibung einer Ausgleichstaxe durch Erfüllung der den Bestimmungen des BEinstG entsprechenden Beschäftigungspflicht hintanzuhalten). 9 Da gegenständlich nur die Beurteilung einer Rechtsfrage strittig gewesen sei, habe die Durchführung einer Verhandlung unterbleiben können. 10 Gegen dieses Erkenntnis richtet sich die vorliegende außerordentliche Revision, zu der eine Revisionsbeantwortung nicht erstattet wurde. Der Verwaltungsgerichtshof hat erwogen: 11 Das Behinderteneinstellungsgesetz, BGBl. Nr. 22/1970 in der für den gegenständlichen Abrechnungszeitraum (Kalenderjahr 2014) maßgebenden Fassung BGBl. I Nr. 138/2013 (BEinstG), lautet auszugsweise: „Beschäftigungspflicht § 1. (1) Alle Dienstgeber, die im Bundesgebiet 25 oder mehr Dienstnehmer (§ 4 Abs. 1) beschäftigen, sind verpflichtet, auf je 25 Dienstnehmer mindestens einen begünstigten Behinderten (§ 2) einzustellen. ... Begünstigte Behinderte § 2. (1) Begünstigte Behinderte im Sinne dieses Bundesgesetzes sind österreichische Staatsbürger mit einem Grad der Behinderung von mindestens 50 vH. ... ... Berechnung der Pflichtzahl § 4. (1) Dienstnehmer im Sinne der Berechnung der Pflichtzahl sind: ... Erfüllung der Beschäftigungspflicht § 5. (1) Auf die Pflichtzahl sind die beschäftigten und nach § 7 entlohnten begünstigten Behinderten, begünstigte Personen nach § 2 Abs. 3 und Dienstgeber anzurechnen, bei denen die Voraussetzungen des § 2 Abs. 1 zutreffen. ... Entgelt § 7. Das Entgelt, das den im Sinne dieses Bundesgesetzes beschäftigten begünstigten Behinderten gebührt, darf aus dem Grunde der Behinderung nicht gemindert werden. ... Schutz vor Diskriminierung in der Arbeitswelt - Geltungsbereich § 7a. (1) Die Bestimmungen der §§ 7b bis 7q gelten für den Bereich der Arbeitswelt; dazu zählen 1. Dienstverhältnisse aller Art, die auf privatrechtlichem Vertrag beruhen, ... Diskriminierungsverbot § 7b. (1) Auf Grund einer Behinderung darf im Zusammenhang mit einem Dienstverhältnis gemäß § 7a Abs. 1 Z 1 [....] niemand unmittelbar oder mittelbar diskriminiert werden, insbesondere nicht ... 4. bei Maßnahmen der Aus- und Weiterbildung und Umschulung, ... Diskriminierung § 7c. (1) Eine unmittelbare Diskriminierung liegt vor, wenn eine Person auf Grund einer Behinderung in einer vergleichbaren Situation eine weniger günstige Behandlung erfährt, als eine andere Person erfährt, erfahren hat oder erfahren würde. (2) Eine mittelbare Diskriminierung liegt vor, wenn dem Anschein nach neutrale Vorschriften, Kriterien oder Verfahren sowie Merkmale gestalteter Lebensbereiche Menschen mit Behinderungen gegenüber anderen Personen in besonderer Weise benachteiligen können, es sei denn, die betreffenden Vorschriften, Kriterien oder Verfahren sowie Merkmale gestalteter Lebensbereiche sind durch ein rechtmäßiges Ziel sachlich gerechtfertigt, und die Mittel sind zur Erreichung dieses Zieles angemessen und erforderlich. ... (4) Eine mittelbare Diskriminierung im Sinne von Abs. 2 liegt nicht vor, wenn die Beseitigung von Bedingungen, die eine Benachteiligung begründen, insbesondere von Barrieren, rechtswidrig oder wegen unverhältnismäßiger Belastungen unzumutbar wäre. (5) Bei der Prüfung, ob Belastungen unverhältnismäßig sind, sind insbesondere zu berücksichtigen: 1. der mit der Beseitigung der die Benachteiligung begründenden Bedingungen verbundene Aufwand, 2. die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Dienstgebers oder ... ... Ausgleichstaxe § 9. (1) Vom Bundesamt für Soziales und Behindertenwesen ist die Entrichtung einer Ausgleichstaxe alljährlich für das jeweils abgelaufene Kalenderjahr mittels Bescheides vorzuschreiben, wenn die Beschäftigungspflicht nicht erfüllt ist. ...“ 12 Das Arbeitsvertragsrechts-Anpassungsgesetz, BGBl. Nr. 459/1993 idF BGBl. I Nr. 138/2013 (AVRAG), lautet auszugsweise: „Bildungskarenz § 11. (1) Arbeitnehmer und Arbeitgeber können eine Bildungskarenz gegen Entfall des Arbeitsentgeltes für die Dauer von mindestens zwei Monaten bis zu einem Jahr vereinbaren, sofern das Arbeitsverhältnis ununterbrochen sechs Monate gedauert hat. Eine neuerliche Bildungskarenz kann frühestens nach dem Ablauf von vier Jahren ab dem Antritt der letzten Bildungskarenz (Rahmenfrist) vereinbart werden. Die Bildungskarenz kann auch in Teilen vereinbart werden, wobei die Dauer eines Teils mindestens zwei Monate zu betragen hat und die Gesamtdauer der einzelnen Teile innerhalb der Rahmenfrist, die mit Antritt des ersten Teils der Bildungskarenz zu laufen beginnt, ein Jahr nicht überschreiten darf. Bei der Vereinbarung über die Bildungskarenz ist auf die Interessen des Arbeitnehmers und auf die Erfordernisse des Betriebes Rücksicht zu nehmen. In Betrieben, in denen ein für den Arbeitnehmer zuständiger Betriebsrat errichtet ist, ist dieser auf Verlangen des Arbeitnehmers den Verhandlungen beizuziehen. ...“ 13 Die Revision ist zulässig, weil sie zutreffend vorbringt, es fehle Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes zur Frage, ob begünstigte Behinderte, die eine Bildungskarenz in Anspruch nehmen, auf die Pflichtzahl gemäß § 5 Abs. 1 BEinstG anzurechnen sind. 14 Im Revisionsfall geht es somit nicht um die Frage, wie viele begünstigte Behinderte die Revisionswerberin „einzustellen“ hatte, um ihrer Beschäftigungspflicht iSd § 1 Abs. 1 BEinstG zu entsprechen (vgl. dazu auch § 4 BEinstG betreffend die Pflichtzahl). 15 Strittig ist vielmehr, ob Mag. E. als begünstigte Behinderte und Dienstnehmerin der Revisionswerberin auch für jenen Zeitraum (1. Jänner 2014 bis 31. Juli 2014), in welchem sie sich in Bildungskarenz befand, auf die Erfüllung der Beschäftigungspflicht der Revisionswerberin betreffend das Jahr 2014 gemäß § 5 Abs. 1 BEinstG anzurechnen war (diesfalls wäre die Ausgleichstaxe für Mag. E nicht zu entrichten. 16 Gemäß § 5 Abs. 1 BEinstG sind (soweit fallbezogen von Bedeutung) auf die Pflichtzahl die „beschäftigten und nach § 7 entlohnten begünstigten Behinderten“ anzurechnen. 17 Zunächst wurde im angefochtenen Erkenntnis zutreffend erkannt, dass - wie nachstehend erläutert wird - der Verwaltungsgerichtshof in seiner bisherigen Rechtsprechung hinsichtlich der Frage der Anrechnung von begünstigten Behinderten auf die Beschäftigungspflicht Fallkonstellationen vor dem Hintergrund einer im Wesentlichen gleichlautenden Rechtslage zu beurteilen hatte, in welchen die betreffende Person entweder im Krankenstand, in Karenz gemäß Mutterschutzgesetz oder wegen des Bezugs einer befristeten Berufsunfähigkeitspension im Einvernehmen mit dem Dienstgeber karenziert war. 18 Im Erkenntnis VwGH 18.10.1990, 90/09/0075, bejahte der Verwaltungsgerichtshof die Anrechnung einer begünstigten Behinderten auf die Pflichtzahl für jenen Zeitraum, in dem diese wegen Erkrankung Leistungen aus der Sozialversicherung (Krankengeld) und nicht ein vom Dienstgeber unmittelbar auszuzahlendes Entgelt bezog. Entscheidend ist demnach gemäß § 5 Abs. 1 BEinstG einerseits die Beschäftigung des begünstigten Behinderten beim Dienstgeber, also ein aufrechter Arbeitsvertrag, und andererseits, dass der begünstigte Behinderte „nach § 7 BEinstG entlohnt“ wird. Die zweitgenannte Voraussetzung ist nach dem zitierten Erkenntnis angesichts § 7 leg. cit. bereits dann erfüllt, wenn dem Behinderten im Arbeitsvertrag „der gleiche Entgeltanspruch gesichert“ wird wie einem nicht behinderten Arbeitnehmer (vgl. ebenso VwGH 22.11.1990, 90/09/0090, VwGH 22.11.1990, 90/09/0096, und VwGH 17.1.1991, 90/09/0164). 19 Daran anknüpfend wurde im hg. Erkenntnis vom 28. Juni 2011, 2009/11/0223, entschieden, dass eine begünstigte Behinderte auch in jenen Zeiten im Sinne des § 5 Abs. 1 BEinstG auf die Pflichtzahl anzurechnen ist, in denen sie sich in Karenz nach dem Mutterschutzgesetz befindet und Leistungen aus dem Familienlastenausgleichsfonds (Kinderbetreuungsgeld) bezieht. In den Entscheidungsgründen dieses Erkenntnisses heißt es: „Im vorliegenden Fall ist unstrittig, dass der Arbeitsvertrag der begünstigten Behinderten N. im hier maßgebenden Kalenderjahr 2007 aufrecht war (der Umstand, dass N. während der Karenz keine tatsächlichen Arbeitsleistungen erbracht hat, ist nach der zitierten Judikatur unerheblich) und dass ihr unbeschadet ihrer Karenz im Arbeitsvertrag ein Entgeltanspruch in jener Höhe ‚gesichert‘ war, wie er auch einem nicht behinderten Arbeitnehmer zusteht. Außerdem wurde die Erbringung der Dienstleistungen aus in der Sphäre der begünstigten Behinderten N. gelegenen Gründen verhindert. Wie im Erkenntnis Zl. 90/09/0075 ist daher auch hier davon auszugehen, dass der Wegfall der Entgeltszahlungen des Dienstgebers an die begünstigte Behinderte für die Zeit des Kindergeldbezuges die Anrechenbarkeit dieser Behinderten auf die Pflichtzahl unberührt ließ. Auf das Argument der belangten Behörde, der Krankheitsfall sei weniger leicht vorhersehbar als die Zeit der Karenz nach dem Mutterschutzgesetz, kommt es nach dem Gesagten nicht an.“ 20 Gleichzeitig erfolgte im letztzitierten hg. Erkenntnis 2009/11/0223 folgende Abgrenzung von einer Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofes, die gleichfalls einen karenzierten begünstigten Behinderten betraf: „Im Erkenntnis vom 24. Mai 2011, Zl. 2008/11/0012, hatte der Verwaltungsgerichtshof zu beurteilen, ob ein begünstigter Behinderter, der im Einvernehmen mit dem Dienstgeber wegen des Bezuges einer befristeten Berufungsunfähigkeitspension karenziert worden war, auf die Pflichtzahl gemäß § 5 Abs. 1 BEinstG anzurechnen sei. Der Verwaltungsgerichtshof hat dies, unter Bezugnahme auf das zitierte Erkenntnis, Zl. 90/09/0075, im konkreten Fall verneint, weil der begünstigte Behinderte - im Einvernehmen mit dem Dienstgeber - von den wechselseitigen Verpflichtungen aus dem Dienstvertrag entbunden wurde und weil daher die Erbringung der Dienstleistungen dieses begünstigten Behinderten nicht aus in der Sphäre des Dienstnehmers gelegenen Gründen verhindert wurde. Im vorliegenden Beschwerdefall geht es um die Frage, ob eine begünstigte Behinderte, die sich im fraglichen Zeitraum nach dem Mutterschutzgesetz in Karenz befand, auf die Pflichtzahl anzurechnen ist. Der vorliegende Fall unterscheidet sich daher im entscheidenden Punkt von jenem Sachverhalt, der dem zitierten hg. Erkenntnis, Zl. 2008/11/0012, zu Grunde lag, weil gegenständlich die Erbringung der Dienstleistungen durch die begünstigte Behinderte aus in ihrer Sphäre gelegenen Gründen verhindert wurde.“ 21 Im nunmehr angefochtenen Erkenntnis vertritt das Verwaltungsgericht erkennbar die Rechtsansicht, der vorliegende Fall gleiche jenem dem erwähnten Erkenntnis 2008/11/0012 zugrunde liegenden Fall, weil die Revisionswerberin als Dienstgeberin und Mag. E als Dienstnehmerin einander - einvernehmlich - von den wechselseitigen Verpflichtungen aus dem Dienstvertrag entbunden hätten. 22 Dem tritt die Revision mit der Begründung entgegen, kennzeichnend für das Erkenntnis VwGH 2008/11/0012 sei gewesen, dass angesichts Bezuges einer Berufsunfähigkeitspension nicht abzusehen gewesen sei, ob der begünstigte Behinderte jemals wieder beim Dienstgeber beschäftigt werden könne, wohingegen im vorliegenden Fall klar sei, dass Mag. E nach Ablauf der Bildungskarenz wieder bei der Revisionswerberin tätig sein werde und sohin eine Fortdauer der Beschäftigung gegeben sei. 23 Abgesehen davon handle es sich bei der Bildungskarenz um eine überwiegend der Sphäre der Dienstnehmerin zuzurechnende Verhinderung. Die gegenständliche Bildungskarenz sei auf ausdrückliche Eigeninitiative von Mag. E vereinbart worden, dabei sei der Revisionswerberin (anders als in VwGH 2008/11/0012) keine Entscheidungsfreiheit bei der Gewährung der Karenz zugekommen, weil die Ablehnung der Bildungskarenz von der begünstigten Behinderten als Diskriminierung geltend gemacht werden könne. 24 Die Revision ist aus folgenden Überlegungen begründet: Im vorliegenden Fall ist unstrittig, dass der Arbeitsvertrag der begünstigten Behinderten Mag. E im hier maßgebenden Kalenderjahr 2014 aufrecht war und dass ihr unbeschadet ihrer Bildungskarenz im Arbeitsvertrag ein Entgeltanspruch in jener Höhe ‚gesichert‘ war, wie er auch einem nicht behinderten Arbeitnehmer zusteht (insoweit ist der Revisionsfall vergleichbar mit jenem die Karenz nach dem Mutterschutzgesetz betreffenden Fall des zitierten hg. Erkenntnisses 2009/11/0223). 25 Anders als im Fall des hg. Erkenntnisses 2008/11/0012, in welchem der begünstigte Behinderte ab dem Bezug der Berufsunfähigkeitspension („seither“) karenziert war, nicht mehr beschäftigt und nicht mehr entlohnt wurde und daher, so die Ausführungen des Verwaltungsgerichtshofes, die Erfordernisse des § 5 Abs. 1 BEinstG - Beschäftigung und Entlohnung gemäß § 7 leg. cit. - nicht mehr gegeben waren, lässt die Bildungskarenz gemäß § 11 AVRAG (nicht zuletzt im Hinblick auf deren gesetzliche Befristung) den Fortbestand des Beschäftigungsverhältnisses unberührt (vgl. dazu auch Binder/Mair in Binder/Burger/Mair, AVRAG3 [2016] § 11 Rz 6f). 26 Bei der Bildungskarenz handelt es sich außerdem schon nach ihrem Zweck um eine der Sphäre des Dienstnehmers zuzurechnende Dienstverhinderung (ebenso wie die Karenz nach dem Mutterschutzgesetz in VwGH 2009/11/0223 und die Erkrankung in VwGH 90/09/0075), ohne dass es darauf ankäme, aus welchen Gründen der Dienstgeber dieser Karenzierung zugestimmt hat. 27 Da das angefochtene Erkenntnis somit auf einer unzutreffenden Rechtsansicht beruht, war es gemäß § 42 Abs. 2 Z 1 VwGG wegen Rechtswidrigkeit seines Inhaltes aufzuheben. 28 Von der beantragten mündlichen Verhandlung wurde gemäß § 39 Abs. 2 Z 5 VwGG abgesehen. 29 Die Kostenentscheidung gründet sich auf §§ 47 ff VwGG iVm. § 23 BEinstG und der VwGH-Aufwandersatzverordnung 2014. Wien, am 16. Dezember 2020
JWT_2019110139_20200528L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019110139.L00
Ra 2019/11/0139
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019110139_20200528L00/JWT_2019110139_20200528L00.html
1,590,624,000,000
1,116
Spruch Die Revision wird zurückgewiesen. Begründung 1 Mit (nach der Aktenlage rechtskräftigem) Mandatsbescheid vom 19. Oktober 2018 wurde der Revisionswerber gemäß § 24 Abs. 4 FSG zur amtsärztlichen Untersuchung aufgefordert, weil er im August 2018 mit Marihuana und einer „Grasmühle“ angetroffen worden sei und im Zuge der anschließenden Vernehmung angegeben habe, seit etwa einem Jahr regelmäßig Joints zu konsumieren. 2 Laut Aktenvermerk des Amtsarztes vom 11. Dezember 2018 habe der Revisionswerber im Zuge der amtsärztlichen Untersuchung am 5. Dezember 2018 zwar angegeben, „zuletzt 7/2018 verbotene Substanzen konsumiert zu haben“, doch habe er gleichzeitig im Zuge der Untersuchung „probeweise und freiwillig einen auf THC positiven Harn abgegeben“ (Laborbefund Canna-Messwert > 125 ng/ml bei einem Referenzbereich bis 50 ng/ml), sodass er zu einer zweiten Probe vorgeladen werden müsse. 3 Nach einem aktenkundigen weiteren Laborbefund war der Canna-Messwert des Revisionswerbers am 18. Jänner 2019 neuerlich > 125 ng/ml. 4 Mit Vorstellungsbescheid der belangten Behörde vom 27. März 2019 wurde die Lenkberechtigung des Revisionswerbers gemäß § 25 Abs. 1 und 2 FSG mangels gesundheitlicher Eignung (nach dem damit „vollinhaltlich“ bestätigten Mandatsbescheid: für die Dauer der gesundheitlichen Nichteignung) entzogen und der Ausschluss der aufschiebenden Wirkung einer allfälligen Beschwerde verfügt. In der Begründung wurde auf das „hoch positive Ergebnis“ der beiden Harnproben des Revisionswerbers auf Cannabinoide verwiesen, welche das Fehlen seiner gesundheitlichen Eignung zum Lenken von Kraftfahrzeugen bedinge. Die Wiedererlangung der gesundheitlichen Eignung könne der Revisionswerber durch Drogenabstinenz nachweisen, wobei er dazu, wie vom Amtsarzt verlangt, eine „negative Haarprobe“ beizubringen habe. 5 In der Beschwerde bestritt der Revisionswerber eine Suchtmittelabhängigkeit und einen gehäuften Missbrauch von Suchtmitteln, bekämpfte die als notwendig erachtete „Haarprobe“, weil seines Erachtens zum Nachweis der gesundheitlichen Eignung als gelinderes Mittel eine „Harnanalyse“ reiche und beantragte, das Verwaltungsgericht möge die Sache an die belangte Behörde zur neuerlichen Entscheidung zurückverweisen oder den Vorstellungsbescheid dahin abändern, dass anstelle der Entziehung der Lenkberechtigung die Einschränkung derselben „durch engmaschige Harnproben ... zum Beleg der Suchtmittelabstinenz“ ausgesprochen werde. 6 Mit dem angefochtenen Beschluss gab das Verwaltungsgericht der Beschwerde des Revisionswerbers Folge, behob den genannten Vorstellungsbescheid und verwies die Angelegenheit zur Erlassung eines neuen Bescheides an die belangte Behörde zurück. Gleichzeitig wurde gemäß § 25a VwGG ausgesprochen, dass eine ordentliche Revision an den Verwaltungsgerichtshof nach Art. 133 Abs. 4 B-VG unzulässig sei. 7 In der Begründung legte das Verwaltungsgericht sachverhaltsmäßig die beiden „stark positiven“ Harnproben des Revisionswerbers betreffend Cannabinoide zugrunde, die seiner Behauptung über den zuletzt im Juli 2018 erfolgten Konsum verbotener Substanzen entgegen stünden. Diese beiden Harnproben (sowie eine weitere im Beschwerdeverfahren am 26. April 2019 vorgelegte positive Harnanalyse) „legen nahe“, dass der Revisionswerber „in dieser Zeit regelmäßig und in nicht bloß ganz geringen Mengen Cannabis konsumiert hat“, wobei nicht von einem gelegentlichen Konsum, sondern von einem gehäuften Suchtmittelmissbrauch ausgegangen werden müsse. 8 Daher, so die auf das Wesentliche zusammengefasste rechtliche Beurteilung des Verwaltungsgerichts, sei gegenständlich gemäß § 14 Abs. 1 und 5 FSG-GV die Einholung einer fachärztlichen (psychiatrischen) Stellungnahme zwingend erforderlich und stelle das wichtigste Beweismittel dar, ohne welches die Beurteilung der gesundheitlichen Eignung des Revisionswerbers durch den Amtsarzt unvollständig und unschlüssig sei. 9 In einem Fall wie dem vorliegenden, in welchem die belangte Behörde lediglich ungeeignete Ermittlungsschritte gesetzt oder bloß ansatzweise ermittelt habe, sei ausnahmsweise die Zurückverweisung der Angelegenheit an die belangte Behörde gemäß § 28 Abs. 3 zweiter Satz VwGVG zulässig (Hinweis u.a. auf VwGH 26.6.2014, Ro 2014/03/0063). 10 Gegen diesen Beschluss richtet sich die vorliegende außerordentliche Revision. 11 Nach Art. 133 Abs. 4 B-VG ist gegen ein Erkenntnis des Verwaltungsgerichtes die Revision zulässig, wenn sie von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, insbesondere weil das Erkenntnis von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abweicht, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes nicht einheitlich beantwortet wird. Auf Beschlüsse der Verwaltungsgerichte ist Art. 133 Abs. 4 B-VG sinngemäß anzuwenden (Art. 133 Abs. 9 B-VG). 12 Nach § 34 Abs. 1 VwGG sind Revisionen, die sich wegen Nichtvorliegens der Voraussetzungen des Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zur Behandlung eignen, ohne weiteres Verfahren in nichtöffentlicher Sitzung mit Beschluss zurückzuweisen. 13 Nach § 34 Abs. 1a VwGG ist der Verwaltungsgerichtshof bei der Beurteilung der Zulässigkeit der Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG an den Ausspruch des Verwaltungsgerichtes gemäß § 25a Abs. 1 VwGG nicht gebunden. Die Zulässigkeit einer außerordentlichen Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG hat der Verwaltungsgerichtshof im Rahmen der dafür in der Revision gesondert vorgebrachten Gründe (§ 28 Abs. 3 VwGG) zu überprüfen. Diesem Erfordernis wird insbesondere nicht schon durch nähere Ausführungen zur behaupteten Rechtswidrigkeit der bekämpften Entscheidung (§ 28 Abs. 1 Z 5 VwGG) oder zu den Rechten, in denen sich der Revisionswerber verletzt erachtet (§ 28 Abs. 1 Z 4 VwGG), Genüge getan (vgl. aus vielen die Beschlüsse VwGH 23.3.2017, Ra 2017/11/0014, und VwGH 1.9.2017, Ra 2017/11/0225, jeweils mwN). 14 Das Führerscheingesetz (FSG) lautet auszugsweise: „§ 24. (1) Besitzern einer Lenkberechtigung, bei denen die Voraussetzungen für die Erteilung der Lenkberechtigung (§ 3 Abs. 1 Z 2 bis 4) nicht mehr gegeben sind, ist von der Behörde entsprechend den Erfordernissen der Verkehrssicherheit 1. die Lenkberechtigung zu entziehen oder 2. die Gültigkeit der Lenkberechtigung durch Auflagen, Befristungen oder zeitliche, örtliche oder sachliche Beschränkungen einzuschränken. ....“ 15 § 14 der Führerscheingesetz-Gesundheitsverordnung (FSG-GV) lautet auszugsweise: „Alkohol, Sucht- und Arzneimittel § 14. (1) Personen, die von Alkohol, einem Sucht- oder Arzneimittel abhängig sind oder den Konsum dieser Mittel nicht so weit einschränken können, daß sie beim Lenken eines Kraftfahrzeuges nicht beeinträchtigt sind, darf, soweit nicht Abs. 4 anzuwenden ist, eine Lenkberechtigung weder erteilt noch belassen werden. Personen, bei denen der Verdacht einer Alkohol-, Suchtmittel- oder Arzneimittelabhängigkeit besteht, haben eine fachärztliche psychiatrische Stellungnahme beizubringen. ... (5) Personen, die alkohol-, suchtmittel- oder arzneimittelabhängig waren oder damit gehäuften Mißbrauch begangen haben, ist nach einer befürwortenden fachärztlichen Stellungnahme und unter der Auflage ärztlicher Kontrolluntersuchungen eine Lenkberechtigung der Gruppe 1 zu erteilen oder wiederzuerteilen.“ 16 § 14 Abs. 5 FSG-GV gilt nach der hg. Rechtsprechung nicht nur für die (Wieder-)Erteilung der Lenkberechtigung, sondern auch für den Fall einer bereits bestehenden Lenkberechtigung hinsichtlich ihrer Einschränkung (vgl. das hg. Erkenntnis vom 30. Juni 2016, Ra 2016/11/0088). Ist daher ein gehäufter Suchtmittelmissbrauch in der rezenten Vergangenheit zu bejahen (vgl. etwa den hg. Beschluss vom 11. Oktober 2016, Ra 2016/11/0109 [mit Verweis auf das letztzitierte Erkenntnis] zum Cannabiskonsum bis 9 Monate vor der Entscheidung über die Einschränkung der Lenkberechtigung), so ist die Belassung der Lenkberechtigung unter der Auflage (näher zu präzisierender) ärztlicher Kontrolluntersuchungen (sowie gemäß § 2 Abs. 1 letzter Satz iVm der Befristung der Lenkberechtigung und einer amtsärztlichen Nachuntersuchung) nur nach einer befürwortenden fachärztlichen Stellungnahme zulässig. 17 Der angefochtene Beschluss beruht zusammengefasst auf der Ansicht, im gegenständlichen Verfahren zur Entziehung der Lenkberechtigung müsse, nicht zuletzt als Grundlage für das amtsärztliche Gutachten betreffend die gesundheitliche Eignung des Revisionswerbers zum Lenken von Kraftfahrzeugen, gemäß § 14 Abs. 1 bzw. 5 FSG-GV zwingend eine fachärztliche (psychiatrische) Stellungnahme eingeholt werden, ohne die der Sachverhalt lediglich ansatzweise ermittelt sei, was zur Zurückverweisung der Sache an die belangte Behörde berechtige. 18 Der Revisionsfall gleicht, sowohl was die zwingend erforderliche Einholung einer fachärztlichen (psychiatrischen) Stellungnahme gemäß § 14 FSG-GV betrifft (das Verwaltungsgericht leitet aus den vom Revisionswerber selbst vorgelegten Harnbefunden mit überhöhten Cannabinoidwerten, zuletzt auch jenen im Beschwerdeverfahren vorgelegten, vertretbar einen zumindest - nahe liegenden - gehäuften Suchtmittelmissbrauch, also jedenfalls den Verdacht iSd § 14 Abs. 1 zweiter Satz FSG-GV ab) als auch was die Erfüllung der Voraussetzungen des § 28 Abs. 3 zweiter Satz VwGVG anlangt, dem hg. Beschluss vom 28. Mai 2020, Ra 2019/11/0135, auf dessen Begründung gemäß § 43 Abs. 2 und 9 VwGG verwiesen wird. 19 In der Revision werden somit keine Rechtsfragen aufgeworfen, denen im Sinne des Art. 133 Abs. 4 B-VG grundsätzliche Bedeutung zukäme. Die Revision war daher zurückzuweisen. Wien, am 28. Mai 2020
JWT_2019110141_20200924L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019110141.L00
Ra 2019/11/0141
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019110141_20200924L00/JWT_2019110141_20200924L00.html
1,600,905,600,000
1,799
Spruch Die Revision wird zurückgewiesen. Begründung 1 Mit dem angefochtenen Erkenntnis wurde, in Abänderung des Bescheides der belangten Behörde vom 11. Oktober 2018, die nachträgliche Zustimmung für die seitens der mitbeteiligten Partei bereits ausgesprochene Kündigung des Dienstverhältnisses der Revisionswerberin im Grunde des § 8 Abs. 2 Behinderteneinstellungsgesetzes (BEinstG) erteilt. Gleichzeitig wurde gemäß § 25a VwGG ausgesprochen, dass eine ordentliche Revision an den Verwaltungsgerichtshof nach Art. 133 Abs. 4 B-VG unzulässig sei. 2 In der Begründung wurde festgestellt, die mitbeteiligte Partei betreibe ein Dialyseinstitut, in welchem die Revisionswerberin seit 2009 als Diplomkrankenschwester beschäftigt gewesen sei. Seit 12. Dezember 2016 sei die Revisionswerberin durchgehend im Krankenstand gewesen, für den Zeitraum April 2018 bis September 2019 sei ihr eine Berufsunfähigkeitspension zuerkannt worden. 3 Die mitbeteiligte Partei habe am 13. Juni 2017 die Kündigung des Dienstverhältnisses der Revisionswerberin (per 30. September 2017) ausgesprochen. 4 Aufgrund kurz davor gestellten Antrages der Revisionswerberin vom 9. Juni 2017 sei mit Bescheid des Sozialministeriumservice vom 5. September 2017 ihre (mit Antragstellung beginnende) Zugehörigkeit zum Kreis der begünstigten Behinderten festgestellt worden. 5 Dem Antrag der mitbeteiligten Partei auf Zustimmung zur künftigen Kündigung der Revisionswerberin habe die belangte Behörde mit dem genannten Bescheid vom 11. Oktober 2018 stattgegeben, hingegen die nachträgliche Zustimmung zur am 13. Juni 2017 ausgesprochenen Kündigung versagt. 6 Lediglich gegen die Versagung der nachträglichen Zustimmung sei Beschwerde erhoben worden, sodass das Verwaltungsgericht ausschließlich hierüber auf der Grundlage des § 8 Abs. 2 BEinstG zu entscheiden habe. Nach der letztgenannten Bestimmung sei eine Kündigung ohne vorherige Zustimmung des Behindertenausschusses rechtsunwirksam, wenn nicht in Ausnahmefällen nachträglich die Zustimmung erteilt werde. Gemäß § 8 Abs. 2 (vierter Satz) BEinstG sei ein Ausnahmefall, der die Zustimmung zu einer bereits ausgesprochenen Kündigung rechtfertigt, dann gegeben, wenn dem Dienstgeber zum Zeitpunkt des Ausspruches der Kündigung nicht bekannt war und auch nicht bekannt sein musste, dass der Dienstnehmer dem Personenkreis der begünstigten Behinderten im Sinne des § 2 angehört. 7 Die mitbeteiligte Partei habe im Zeitpunkt des Ausspruches der Kündigung (13. Juni 2017) nicht einmal vom Antrag auf Feststellung der Zugehörigkeit der Revisionswerberin zum Kreis der begünstigten Behinderten gewusst (von diesem habe sie erst aufgrund der Email der Revisionswerberin vom 12. Juli 2017 erfahren), sodass sie auch nicht vorsorglich (für den Fall der späteren Feststellung der genannten Zugehörigkeit) einen Antrag auf Zustimmung zu einer beabsichtigten Kündigung habe stellen können. 8 Die mitbeteiligte Partei habe im Zeitpunkt des Ausspruches der Kündigung von einem anhängigen Verfahren betreffend Feststellung der genannten Zugehörigkeit auch nicht wissen müssen, weil auch ein langer Krankenstand nicht zwingend auf ein solches Verfahren schließen lasse. Die Voraussetzungen des § 8 Abs. 2 letzter Satz BEinStG lägen daher vor. 9 Dagegen richtet sich die vorliegende außerordentliche Revision. 10 Nach Art. 133 Abs. 4 B-VG ist gegen ein Erkenntnis des Verwaltungsgerichtes die Revision zulässig, wenn sie von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, insbesondere weil das Erkenntnis von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abweicht, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes nicht einheitlich beantwortet wird. 11 Nach § 34 Abs. 1 VwGG sind Revisionen, die sich wegen Nichtvorliegens der Voraussetzungen des Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zur Behandlung eignen, ohne weiteres Verfahren in nichtöffentlicher Sitzung mit Beschluss zurückzuweisen. 12 Nach § 34 Abs. 1a VwGG ist der Verwaltungsgerichtshof bei der Beurteilung der Zulässigkeit der Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG an den Ausspruch des Verwaltungsgerichtes gemäß § 25a Abs. 1 VwGG nicht gebunden. Die Zulässigkeit einer außerordentlichen Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG hat der Verwaltungsgerichtshof im Rahmen der dafür in der Revision gesondert vorgebrachten Gründe (§ 28 Abs. 3 VwGG) zu überprüfen. 13 Diesem Erfordernis wird insbesondere nicht schon durch nähere Ausführungen zur behaupteten Rechtswidrigkeit der bekämpften Entscheidung (§ 28 Abs. 1 Z 5 VwGG) oder zu den Rechten, in denen sich der Revisionswerber verletzt erachtet (§ 28 Abs. 1 Z 4 VwGG), Genüge getan (vgl. aus vielen die Beschlüsse VwGH 23.3.2017, Ra 2017/11/0014, und VwGH 1.9.2017, Ra 2017/11/0225, jeweils mwN). 14 Der Verwaltungsgerichtshof ist weder verpflichtet, Gründe für die Zulässigkeit einer Revision anhand der übrigen Revisionsausführungen gleichsam zu suchen, noch berechtigt, von Amts wegen erkannte Gründe, die zur Zulässigkeit einer Revision hätten führen können, aufzugreifen (vgl. VwGH 14.10.2019, Ra 2019/11/0157, mwN). 15 § 8 BEinstG, BGBl. Nr. 22/1970 idF BGBl. I Nr. 111/2010, lautet auszugsweise: „(2) Die Kündigung eines begünstigten Behinderten (§ 2) darf von einem Dienstgeber erst dann ausgesprochen werden, wenn der Behindertenausschuss (§ 12) nach Anhörung des Betriebsrates, der Behindertenvertrauensperson (Stellvertreter) oder der Personalvertretung im Sinne des Bundes-Personalvertretungsgesetzes bzw. der entsprechenden landesgesetzlichen Vorschriften zugestimmt hat; dem Dienstnehmer kommt in diesem Verfahren Parteistellung zu. Eine Kündigung ohne vorherige Zustimmung des Behindertenausschusses ist rechtsunwirksam, wenn nicht in Ausnahmefällen nachträglich die Zustimmung erteilt wird. Diese Zustimmung ist nicht zu erteilen, wenn die Zugehörigkeit zum Personenkreis der begünstigten Behinderten die Folge eines Arbeitsunfalles gemäß § 175f des Allgemeinen Sozialversicherungsgesetzes (ASVG), BGBl. Nr. 189/1955 ist. Ein Ausnahmefall, der die Zustimmung zu einer bereits ausgesprochenen Kündigung rechtfertigt, ist dann gegeben, wenn dem Dienstgeber zum Zeitpunkt des Ausspruches der Kündigung nicht bekannt war und auch nicht bekannt sein musste, dass der Dienstnehmer dem Personenkreis der begünstigten Behinderten im Sinne des § 2 angehört. Abs. 4 und 4a sind anzuwenden. (3) Der Behindertenausschuß hat bei seiner Entscheidung über die Zustimmung zur Kündigung eines begünstigten Behinderten die besondere Schutzbedürftigkeit des Dienstnehmers zu berücksichtigen und unter Beachtung des § 6 zu prüfen, ob dem Dienstnehmer der Verlust seines Arbeitsplatzes zugemutet werden kann. (4) Die Fortsetzung des Dienstverhältnisses wird dem Dienstgeber insbesondere dann nicht zugemutet werden können, wenn a) der Tätigkeitsbereich des begünstigten Behinderten entfällt und der Dienstgeber nachweist, daß der begünstigte Behinderte trotz seiner Zustimmung an einem anderen geeigneten Arbeitsplatz ohne erheblichen Schaden nicht weiterbeschäftigt werden kann, b) der begünstigte Behinderte unfähig wird, die im Dienstvertrag vereinbarte Arbeit zu leisten, sofern in absehbarer Zeit eine Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit nicht zu erwarten ist und der Dienstgeber nachweist, daß der begünstigte Behinderte trotz seiner Zustimmung an einem anderen geeigneten Arbeitsplatz ohne erheblichen Schaden nicht weiterbeschäftigt werden kann; ...“ 16 Der Verwaltungsgerichtshof hat im Erkenntnis vom 16. Dezember 2013, 2013/11/0111, betreffend die Zustimmung zur Kündigung gemäß § 8 BEinstG wie folgt ausgeführt [fallbezogen relevante Hervorhebung nicht im Original]: „2.2. Nach der ständigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofs zu § 8 BEinstG liegt die Entscheidung darüber, ob die Zustimmung zur Kündigung eines Behinderten erteilt werden soll, im freien Ermessen der Behörde. Bei dieser Ermessensentscheidung ist es Aufgabe der Behörde, das berechtigte Interesse des Dienstgebers an der Beendigung des Dienstverhältnisses und die besondere soziale Schutzbedürftigkeit des Dienstnehmers im Einzelfall gegeneinander abzuwägen und unter sorgfältiger Würdigung aller Umstände zu prüfen, ob dem Dienstgeber die Fortsetzung des Dienstverhältnisses oder dem Dienstnehmer der Verlust seines Arbeitsplatzes eher zugemutet werden kann. Der Verwaltungsgerichtshof hat diese Ermessensentscheidung entsprechend Art. 130 Abs. 2 B-VG ausschließlich daraufhin zu prüfen, ob die belangte Behörde von dem ihr eingeräumten Ermessen im Sinne des Gesetzes Gebrauch gemacht hat oder ob dies nicht der Fall gewesen ist. Eine solche Prüfung setzt freilich voraus, dass alle für die Entscheidung wesentlichen tatsächlichen Umstände unter Einhaltung der maßgebenden Verfahrensvorschriften ermittelt und in der Bescheidbegründung festgestellt wurden. Es unterliegt der vollen verwaltungsgerichtlichen Kontrolle, ob alle für die Ermessensübung maßgebenden Umstände in die Abwägung einbezogen wurden, sowie ferner, ob die Behörde Umstände in die Erwägungen einbezogen hat, die bei richtiger rechtlicher Beurteilung dabei nicht berücksichtigt werden dürften (vgl. etwa die hg. Erkenntnisse vom 26. Februar 2008, Zl. 2006/11/0018, und vom 27. Februar 2004, Zl. 2002/11/0056, jeweils mwN). Über die bei jeder Entscheidung über einen Antrag auf Zustimmung zur Kündigung eines begünstigten Behinderten im Rahmen der Ermessensentscheidung vorzunehmende Interessenabwägung hinaus ist bei der Entscheidung über einen Antrag auf nachträgliche Zustimmung zur Kündigung noch zu prüfen, ob ein besonderer Ausnahmefall im Sinne des § 8 Abs. 2 zweiter Satz BEinstG vorliegt, in dem dem Dienstgeber die vorherige Einholung der Zustimmung nicht zugemutet werden kann. Die besonderen Ausnahmegründe haben in diesem Fall ergänzend zu den für die grundlegende Interessenabwägung maßgebenden Gründen zu treten (vgl. das zitierte hg. Erkenntnis Zl. 2002/11/0056, sowie das hg. Erkenntnis vom 21. Oktober 2004, Zl. 2003/11/0251, mwN). 2.3. An diesen Grundsätzen hat die Novelle BGBl. I Nr. 111/2010 nichts Entscheidendes geändert. Mit der genannten Novelle wurde - wie dargestellt - dem § 8 Abs. 2 BEinstG die Bestimmung angefügt, dass ein die Zustimmung zu einer bereits ausgesprochenen Kündigung rechtfertigender Ausnahmefall gegeben ist, ‚wenn dem Dienstgeber zum Zeitpunkt des Ausspruches der Kündigung nicht bekannt war und auch nicht bekannt sein musste, dass der Dienstnehmer den Personenkreis der begünstigten Behinderten im Sinne des § 2 angehört‘. Ein solcher Umstand (fehlende Kenntnis der Eigenschaft als begünstigter Behinderter) ist in der Judikatur des Verwaltungsgerichtshofs schon bisher als für die Entscheidung über einen Antrag auf nachträgliche Zustimmung wesentlicher Gesichtspunkt beurteilt worden (vgl. etwa die hg. Erkenntnisse vom 21. Oktober 2004, Zl. 2003/11/0251, vom 21. September 1999, Zl. 95/08/0210, vom 25. Juni 1992, Zl. 92/09/0026, und vom 28. November 1983, Zl. 83/01/0382).“ 17 In der Revision wird zu ihrer Zulässigkeit vorgebracht, das Verwaltungsgericht sei von der soeben zitierten Rechtsprechung abgewichen, weil es sich auf die Frage beschränkt habe, ob die mitbeteiligte Partei vom Antrag auf Feststellung der Zugehörigkeit gewusst habe oder wissen habe müssen, ohne dabei jedoch die grundlegende Interessenabwägung vorzunehmen, ob dem Dienstgeber die Fortsetzung des Dienstverhältnisses oder dem Dienstnehmer der Verlust seines Arbeitsplatzes eher zugemutet werden könne. 18 Mit diesem Vorbringen übersieht die Revisionswerberin, dass in der vorliegenden Fallkonstellation die genannte Interessenabwägung bereits durch die mit Bescheid der belangten Behörde vom 11. Oktober 2018 ausgesprochene Zustimmung zur künftigen Kündigung - rechtskräftig - entschieden wurde (auch die Revisionswerberin behauptet nicht, dagegen Beschwerde erhoben zu haben). Da es somit im Verfahren vor dem Verwaltungsgericht nur mehr um die Frage der nachträglichen Zustimmung zur bereits ausgesprochenen Kündigung ging, war vom Verwaltungsgericht nur mehr - ergänzend (vgl. das zitierte hg. Erkenntnis 2013/11/0111) - das Vorliegen eines Ausnahmefalls zu prüfen. Das Verwaltungsgericht ist somit bei seiner Entscheidung über die nachträgliche Zustimmung zur bereits ausgesprochenen Kündigung nicht von der hg. Judikatur abgewichen, wenn es gegenständlich (nur noch) geprüft hat, ob die mitbeteiligte Partei bei Ausspruch der Kündigung am 13. Juni 2017 von der Zugehörigkeit der Revisionswerberin zum Kreis der begünstigten Behinderten Kenntnis hatte oder haben musste. Dies durfte das Verwaltungsgericht fallbezogen schon deshalb verneinen, weil darüber nach den unstrittigen Feststellungen erst mit Bescheid vom 5. September 2017 abgesprochen wurde (an dieser Unkenntnis vermag es nichts zu ändern, dass die bescheidmäßige Feststellung der genannten Zugehörigkeit gemäß § 14 Abs. 2 BEinstG auf den Zeitpunkt der Antragstellung zurück wirkte). Auf den Umstand, ob die mitbeteiligte Partei von einem anhängigen Verfahren betreffend die Feststellung der Zugehörigkeit zum genannten Personenkreis Kenntnis hatte bzw. haben musste, kommt es nach dem Gesetzeswortlaut aber nicht an. 19 Die Revisionswerberin führt zur Zulässigkeit der Revision unter Hinweis auf hg. Judikatur weiter aus, das Verwaltungsgericht habe ihr zu Unrecht vorgeworfen, die mitbeteiligte Partei als Dienstgeberin nicht sofort über den Antrag auf Feststellung der Zugehörigkeit zum Kreis der begünstigten Behinderten in Kenntnis gesetzt zu haben. Damit wird eine Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung im Sinne des Art. 133 Abs. 4 B-VG schon deshalb nicht aufgeworfen, weil die Entscheidung über die Revision davon nicht abhängt. Abgesehen davon, dass schon für die erwähnte Interessenabwägung der belangten Behörde (Zustimmung zur künftigen Kündigung) angesichts der Dauer der Krankenstände der Revisionswerberin ausschließlich die Arbeitsfähigkeit der Revisionswerberin (§ 8 Abs. 4 lit. b BEinstG) maßgebend war, stützte auch das Verwaltungsgericht die Beurteilung des Vorliegens eines Ausnahmefalles iSd § 8 Abs. 2 BEinstG (zu Recht) nicht auf den Umstand, dass die mitbeteiligte Partei von der Revisionswerberin nicht zeitnah über das genannte Feststellungsverfahren informiert wurde. 20 Soweit die Revision zu ihrer Zulässigkeit schließlich vorbringt, es fehle Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes, „wann ein Ausnahmefall [gemäß § 8 Abs. 2 BEinstG] vorliegt“, so wird damit eine für den vorliegenden Revisionsfall maßgebende Rechtsfrage nicht formuliert (vgl. zum bloßen Hinweis des Fehlens von Rechtsprechung zu einer bestimmten Rechtsvorschrift etwa VwGH 10.5.2017, Ra 2017/11/0035, 0036). Im Übrigen ist, wie soeben aufgezeigt wurde, gerade durch den Revisionsfall ein solcher Ausnahmefall belegt. 21 In der Revision werden somit keine Rechtsfragen aufgeworfen, denen im Sinne des Art. 133 Abs. 4 B-VG grundsätzliche Bedeutung zukäme. Die Revision war daher zurückzuweisen. Wien, am 24. September 2020
JWT_2019110142_20200916L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019110142.L00
Ra 2019/11/0142
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019110142_20200916L00/JWT_2019110142_20200916L00.html
1,600,214,400,000
1,554
Spruch Die Revision wird als unbegründet abgewiesen. Begründung 1 Mit Mandatsbescheid der belangten Behörde vom 28. März 2019 wurde u.a. die Lenkberechtigung des Revisionswerbers für mehrere Klassen für die Dauer von sechs Monaten, gerechnet ab der vorläufigen Abnahme seines Führerscheins am 10. März 2019, entzogen (Spruchpunkte 1. und 2.) und, soweit hier von Bedeutung, gemäß § 24 Abs. 3 iVm § 14 Abs. 3 FSG-GV angeordnet, der Revisionswerber habe vor Ablauf der Entziehungsdauer eine fachärztliche psychiatrische Stellungnahme und die Stellungnahme einer verkehrspsychologischen Untersuchungsstelle beizubringen, wobei die Entziehung der Lenkberechtigung nicht vor der Befolgung dieser Anordnung ende (Spruchpunkt 4.). 2 In der Begründung ging die belangte Behörde davon aus, der Revisionswerber habe eine Übertretung des § 99 Abs. 1 lit. c StVO 1960 begangen. Dieser habe nämlich am 10. März 2019 an einen näher bezeichneten Ort ein Kraftfahrzeug gelenkt und sich, nachdem bei ihm aufgrund einer amtsärztlichen Untersuchung ein durch Suchtgift beeinträchtigter Zustand vermutet worden sei, geweigert, Blut abnehmen zu lassen. 3 Der vom Revisionswerber erhobenen Vorstellung, die sich ausschließlich gegen die in Spruchpunkt 4. angeordnete Beibringung einer psychiatrischen Stellungnahme richtete, gab die belangte Behörde mit Vorstellungsbescheid vom 27. Mai 2019 keine Folge (gleichzeitig wurde einer allenfalls dagegen erhobenen Beschwerde die aufschiebende Wirkung aberkannt). 4 Mit dem angefochtenen Erkenntnis wurde die Beschwerde gegen den genannten Vorstellungsbescheid abgewiesen und gemäß § 25a VwGG ausgesprochen, dass eine ordentliche Revision an den Verwaltungsgerichtshof nach Art. 133 Abs. 4 B-VG unzulässig sei. 5 In der Begründung stellte das Verwaltungsgericht fest, der Revisionswerber sei am 10. März 2019 als Lenker eines Kraftfahrzeuges aufgrund seiner auffälligen Fahrweise von Polizeibediensteten angehalten worden, die den Revisionswerber aufgrund vorhandener Suchtgiftsymptome zunächst zum Harn- und Speicheltest aufgefordert hätten und, nachdem der Revisionswerber dies verweigert habe, der Amtsärztin vorgeführt hätten. Die Amtsärztin habe nach einer klinischen Untersuchung des Revisionswerbers und der dabei festgestellten Symptome (z.B. stark erweiterte Pupillen und fehlende Lichtreaktion, zitternde Augenlider, trockene Schleimhäute) im Gutachten eine Beeinträchtigung des Revisionswerbers durch Suchtgift und seine fehlende Fahrfähigkeit festgehalten. Die Blutabnahme habe der Revisionswerber verweigert. Das Verwaltungsgericht stellte abschließend fest, dass der Revisionswerber das Kraftfahrzeug in einem durch Suchtgift beeinträchtigten Zustand gelenkt habe. 6 In der rechtlichen Beurteilung gelangte das Verwaltungsgericht zusammengefasst zur Ansicht, § 24 Abs. 3 vierter Satz FSG biete die Rechtsgrundlage dafür, im Zusammenhang mit der (hier bereits rechtskräftig ausgesprochenen) Entziehung der Lenkberechtigung die Beibringung einer fachärztlichen (fallbezogen: psychiatrischen) Stellungnahme aufzutragen. Gegenständlich sei die Beibringung der fachärztlichen Stellungnahme gemäß § 14 Abs. 3 FSG-GV zwingend, weil der Revisionswerber (entgegen § 5 Abs. 1 StVO 1960) ein Kraftfahrzeug in einem durch Suchtmittel beeinträchtigten Zustand gelenkt habe. 7 Dass die Beeinträchtigung des Revisionswerbers durch Suchtmittel hervorgerufen worden sei, ergebe sich aus dem nach einer klinischen Untersuchung erstatteten ärztlichen Gutachten, welches nach der Judikatur das dafür maßgebliche Beweismittel darstelle (Hinweis auf VwGH 24.10.2016, Ra 2016/02/0133). Nach dem letztgenannten Erkenntnis diene die Blutanalyse, also die toxikologische Untersuchung des Blutes lediglich („allenfalls“) zur Bestätigung der klinischen Untersuchung. Im vorliegenden Fall hindere daher das Fehlen der Blutanalyse nicht die Annahme, dass die Beeinträchtigung des Revisionswerbers durch Suchtmittel hervorgerufen wurde. 8 Dem Antrag des Revisionswerbers auf Einholung eines toxikologischen Gutachtens sei nicht stattgegeben worden, weil es mangels von ihm entnommener Körperflüssigkeiten nicht mehr zur Wahrheitsfindung beitragen könne. 9 Gegen dieses Erkenntnis richtet sich die vorliegende außerordentliche Revision, über die der Verwaltungsgerichtshof erwogen hat: 10 Die Bestimmungen der Straßenverkehrsordnung 1960, BGBl. Nr. 159/1960 idF BGBl. I Nr. 6/2017 (StVO 1960), lauten auszugsweise: „§ 5. Besondere Sicherungsmaßnahmen gegen Beeinträchtigung durch Alkohol. (1) Wer sich in einem durch Alkohol oder Suchtgift beeinträchtigten Zustand befindet, darf ein Fahrzeug weder lenken noch in Betrieb nehmen. ... ... (5) Die Organe der Straßenaufsicht sind weiters berechtigt, Personen, von denen vermutet werden kann, dass sie sich in einem durch Alkohol beeinträchtigten Zustand befinden, zum Zweck der Feststellung des Grades der Beeinträchtigung durch Alkohol zu einem im öffentlichen Sanitätsdienst stehenden, bei einer Landespolizeidirektion tätigen, bei einer öffentlichen Krankenanstalt diensthabenden oder im Sinne des § 5a Abs. 4 ausgebildeten und von der Landesregierung hierzu ermächtigten Arzt zu bringen, sofern ... ... (9) Die Bestimmungen des Abs. 5 gelten auch für Personen, von denen vermutet werden kann, daß sie sich in einem durch Suchtgift beeinträchtigten Zustand befinden; wer zum Arzt gebracht wird, hat sich der Untersuchung zu unterziehen. Die in Abs. 5 genannten Ärzte sind verpflichtet, die Untersuchung durchzuführen. (9a) Organe des amtsärztlichen Dienstes oder besonders geschulte und von der Behörde hiezu ermächtigte Organe der Straßenaufsicht sind berechtigt, den Speichel von in Abs. 2 und 2b genannten Personen auf das Vorliegen von Suchtgiftspuren zu überprüfen, sofern zwar keine Vermutung im Sinne des Abs. 9 vorliegt, aber vermutet werden kann, dass sie sich nicht in einer solchen körperlichen und geistigen Verfassung befinden oder zum Zeitpunkt des Lenkens befunden haben, in der sie ein Fahrzeug zu beherrschen und die beim Lenken eines Fahrzeuges zu beachtenden Rechtsvorschriften zu befolgen vermögen. Die Überprüfung des Speichels ist mit Speichelvortestgeräten oder - streifen, die das Vorliegen von Suchtgiftspuren im Speichel anzeigen, vorzunehmen. Ergibt die Überprüfung des Speichels das Vorliegen von Suchtgiftspuren oder wird die Überprüfung verweigert, so gilt dies als Vermutung der Beeinträchtigung durch Suchtgift. Diesfalls haben die genannten Organe gemäß Abs. 9 vorzugehen; andernfalls hat ein Vorgehen gemäß Abs. 9 zu unterbleiben. (10) (Verfassungsbestimmung) An Personen, die gemäß Abs. 9 zu einem Arzt gebracht werden, ist nach Feststellung einer Beeinträchtigung, die auf eine Suchtgifteinnahme schließen lässt, eine Blutabnahme vorzunehmen. Die Betroffenen haben die Blutabnahme vornehmen zu lassen. ... § 99. Strafbestimmungen. (1) Eine Verwaltungsübertretung begeht ... ... c) (Verfassungsbestimmung) wer sich bei Vorliegen der im § 5 bezeichneten Voraussetzungen weigert, sich Blut abnehmen zu lassen. ...“ 11 § 24 FSG, BGBl. I Nr. 120/1997 in der hier maßgebenden Fassung BGBl. I Nr. 74/2015, lautet auszugsweise: „Entziehung, Einschränkung und Erlöschen der Lenkberechtigung Allgemeines § 24. ... (3) Bei der Entziehung oder Einschränkung der Lenkberechtigung kann die Behörde begleitende Maßnahmen (Nachschulung und dgl.) oder die Beibringung eines amtsärztlichen Gutachtens über die gesundheitliche Eignung anordnen. [...] Im Rahmen des amtsärztlichen Gutachtens kann die Beibringung der erforderlichen fachärztlichen oder einer verkehrspsychologischen Stellungnahme aufgetragen werden. ...“ 12 § 14 der Führerscheingesetz-Gesundheitsverordnung, BGBl. II Nr. 322/1997 idF BGBl. II Nr. 427/2002 (FSG-GV), lautet auszugsweise: „Alkohol, Sucht- und Arzneimittel § 14. ... (3) Personen, die ohne abhängig zu sein, in einem durch Sucht- oder Arzneimittel beeinträchtigten Zustand ein Kraftfahrzeug gelenkt haben, darf eine Lenkberechtigung weder erteilt noch belassen werden, es sei denn, sie haben ihre Eignung zum Lenken von Kraftfahrzeugen durch eine verkehrspsychologische und eine fachärztliche Stellungnahme nachgewiesen. ...“ 13 Das angefochtene Erkenntnis beruht auf der Ansicht, die Beeinträchtigung des Revisionswerbers betreffend das Lenken von Kraftfahrzeugen am 10. März 2019 sei - wie sich schon aus der klinischen Untersuchung des Revisionswerbers ergebe - durch Suchtmittel verursacht gewesen, sodass gemäß § 14 Abs. 3 FSG-GV zwingend die Beibringung einer fachärztlichen (psychiatrischen) Stellungnahme anzuordnen gewesen sei. 14 Die Revision ist zulässig, weil sie unter Hinweis auf hg. Judikatur (VwGH 24.7.2019, Ra 2019/02/0105) zutreffend hinweist, es fehle eine Klarstellung durch den Verwaltungsgerichtshof, worauf es bei der Feststellung der Beeinträchtigung durch Suchtgift in einem Fall wie dem vorliegenden ankomme. Die Revision ist jedoch aus nachstehenden Überlegungen nicht begründet. Der Verwaltungsgerichtshof hat im Erkenntnis vom 11. November 2019, Ra 2019/02/0167, Rz 8, wie folgt ausgeführt: „Wie der Verwaltungsgerichtshof bereits ausgesprochen hat (vgl. VwGH 24.7.2019, Ra 2019/02/0105) übersieht dieses Vorbringen, dass durch die klinische Untersuchung zwar die Beeinträchtigung, die auf eine Suchtgifteinnahme schließen lässt, festgestellt werden kann. Nach einer solchen Feststellung ist jedoch zwingend eine Blutabnahme vorzunehmen. Erst die Blutabnahme bringt demnach Gewissheit, ob der durch die klinische Untersuchung gewonnene Verdacht, die Beeinträchtigung sei auf eine Suchtgifteinnahme zurückzuführen, zutrifft.“ 15 Das führt die Revision aber nicht zum Erfolg, weil das Verwaltungsgericht im vorliegenden Fall auch zu berücksichtigen hatte, dass der Revisionswerber nach den unstrittigen Feststellungen (die auch im Einklang mit dem aktenkundigen amtsärztlichen Gutachten stehen) die von der Amtsärztin nach der klinischen Untersuchung gemäß § 5 Abs. 10 StVO 1960 verlangte Blutabnahme verweigert (und damit die Blutuntersuchung verunmöglicht) hat. 16 Bereits im zitierten Beschluss VwGH 24.7.2019, Ra 2019/02/0105 (Rz8), wurde nämlich ausgeführt, dass die Frage, ob „die Beeinträchtigung des Lenkers auf Alkohol oder Suchtgift zurückzuführen ist (spezifische Fahruntüchtigkeit gemäß § 5 Abs. 1 StVO) oder eine sonstige Fahruntüchtigkeit gemäß § 58 Abs. 1 StVO vorliegt (etwa wegen starker Übermüdung), - abgesehen von den Fällen der Verweigerung - anhand der Blutuntersuchung festzustellen“ ist (ebenso VwGH 6.5.2020, Ra 2019/02/0104). Nichts anderes kann für die Beeinträchtigung durch Suchtmittel iSd § 14 Abs. 3 FSG-GV gelten. 17 Es ist dem Verwaltungsgericht daher nicht entgegenzutreten, wenn es angesichts der Verweigerung der Blutabnahme durch den Revisionswerber die Frage, ob seine Beeinträchtigung auf den Konsum von Suchtgift zurückzuführen ist, (ausschließlich) auf der Grundlage des amtsärztlichen Gutachtens, dem eine klinische Untersuchung des Revisionswerbers vorausging, geklärt hat. 18 Die vom Revisionswerber vertretene Rechtsauffassung liefe darauf hinaus, dass ein des Lenkens in einem durch Suchtmittel beeinträchtigten Zustand Verdächtiger die (der Überprüfung der gesundheitlichen Eignung dienende) Anordnung der Beibringung einer fachärztlichen Stellungnahme durch die Verweigerung der Blutabnahme unterlaufen könnte. 19 Die Revision bringt weiters als Verfahrensmangel vor, das Verwaltungsgericht habe zu Unrecht auf die beantragte Einholung eines toxikologischen Gutachtens und dessen Erörterung in einer Verhandlung verzichtet. In der Verhandlung wäre der Zweck des Gutachtens zu erörtern gewesen, das nicht zur Widerlegung des amtsärztlichen Gutachtens beantragt worden sei, sondern vielmehr zur Klärung der Frage, aus welchen konkreten Symptomen auf welche bestimmten psychotropen Substanzen geschlossen werden könne. 20 In diesem Zusammenhang bringt die Revision vor, das Verwaltungsgericht habe zu Unrecht nur die Beeinträchtigung des Revisionswerbers durch „Suchtmittel“, aber nicht die Beeinträchtigung durch eine konkrete psychotrope Substanz festgestellt und das angefochtene Erkenntnis damit nicht nachprüfbar begründet. 21 Der Revisionswerber verkennt, dass § 14 Abs. 3 FSG-GV nach dem klaren Wortlaut dieser Bestimmung eine bestehende Beeinträchtigung, hervorgerufen durch Sucht- oder Arzneimittel schlechthin verlangt, aber nicht, dass die Beeinträchtigung durch eine bestimmte Substanz verursacht wurde. Da das Verwaltungsgericht festgestellt hat, dass der Revisionswerber das Kraftfahrzeug in einem durch Suchtmittel beeinträchtigten Zustand gelenkt hat, erübrigte sich das zu den Symptomen der Einnahme bestimmter psychotroper Substanzen beantragte Gutachten und die zur Erörterung dieses Gutachtenszwecks beantragte mündliche Verhandlung. 22 Da somit bereits das Revisionsvorbringen erkennen lässt, dass dem angefochtenen Erkenntnis die behauptete Rechtwidrigkeit nicht anhaftet, war die Revision gemäß § 35 Abs. 1 VwGG ohne weiteres Verfahren als unbegründet abzuweisen. Wien, am 16. September 2020
JWT_2019110148_20200421L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019110148.L00
Ra 2019/11/0148
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019110148_20200421L00/JWT_2019110148_20200421L00.html
1,587,427,200,000
429
Spruch Die Revision wird zurückgewiesen. Begründung 1 Mit Maßnahmenbeschwerde vom 31. Oktober 2018 beantragte der Revisionswerber, das Verwaltungsgericht möge die näher umschriebene Ausübung verwaltungsbehördlicher Befehls- und Zwangsgewalt am 23. September 2018 durch Polizeibeamte (eigenmächtiges Besteigen und Durchsuchen des vom Revisionswerber gelenkten Kraftfahrzeuges, Anweisung des Herauszwickens von nach Meinung der Beamten unzulässigen Bauteilen iSd § 98a Abs. 1 KFG 1967 (Radar- oder Laserblocker) und Beschlagnahme eines Schalters) für rechtswidrig erklären. 2 Mit dem angefochtenen Erkenntnis (dem Revisionswerber zugestellt am 19. Juli 2019) wurde die Maßnahmenbeschwerde als unbegründet abgewiesen, die durchgeführte Amtshandlung als rechtskonform bezeichnet und dem Revisionswerber Verfahrenskosten auferlegt. Gleichzeitig wurde gemäß § 25a VwGG ausgesprochen, dass eine ordentliche Revision an den Verwaltungsgerichtshof nach Art. 133 Abs. 4 B-VG unzulässig sei. 3 Mit Verfügung des Verwaltungsgerichtshofes vom 18. Oktober 2019, Ra 2019/11/0148-4, wurde der Antrag des Revisionswerbers auf Gewährung von Verfahrenshilfe zur Erhebung einer außerordentlichen Revision gegen das Erkenntnis vom 16. Juli 2019 zurückgewiesen, weil der Revisionswerber der hg. verfahrensleitenden Anordnung vom 5. September 2019 betreffend Vorlage eines Vermögensbekenntnisses innerhalb gesetzter zweiwöchiger Frist nicht Folge geleistet hatte. 4 Mit Schriftsatz vom 29. November 2019 erhob der Revisionswerber die vorliegende außerordentliche Revision. Zur Rechtzeitigkeit bestätigt er zwar den genannten Zustellzeitpunkt des angefochtenen Erkenntnisses, vertritt aber die Ansicht, dass durch den genannten hg. Beschluss vom 18. Oktober 2019 die Revisionsfrist neu zu laufen begonnen habe. 5 § 26 VwGG lautet auszugsweise: "§ 26. (1) Die Frist zur Erhebung einer Revision gegen ein Erkenntnis eines Verwaltungsgerichtes (Revisionsfrist) beträgt sechs Wochen. Sie beginnt 1. in den Fällen des Art. 133 Abs. 6 Z 1 B-VG dann, wenn das Erkenntnis dem Revisionswerber zugestellt wurde, mit dem Tag der Zustellung, wenn das Erkenntnis dem Revisionswerber nur mündlich verkündet wurde, jedoch mit dem Tag der Verkündung; ... 1. (3)Hat die Partei innerhalb der Revisionsfrist die Bewilligung der Verfahrenshilfe beantragt (§ 61), so beginnt für sie die Revisionsfrist mit der Zustellung des Bescheides über die Bestellung des Rechtsanwaltes an diesen. Wird der rechtzeitig gestellte Antrag auf Bewilligung der Verfahrenshilfe abgewiesen, so beginnt die Revisionsfrist mit der Zustellung des abweisenden Beschlusses an die Partei." 6 Der Revisionswerber irrt, wenn er meint, die Revisionsfrist habe gegenständlich mit der Zustellung des hg. Beschlusses vom 18. Oktober 2019, mit dem der Verfahrenshilfeantrag des Revisionswerber mangels Entsprechung des Auftrages zur Vorlage des Vermögensbekenntnisses zurückgewiesen wurde, neu zu laufen begonnen, weil § 26 Abs. 3 VwGG nur für den Fall der Abweisung eines Verfahrenshilfeantrages gilt und ein solcher Fall hier nicht vorliegt (vgl. zum Ganzen den hg. Beschluss vom 13. Februar 2017, Ro 2016/11/0030, auf dessen Begründung gemäß § 43 Abs. 2 und 9 VwGG verwiesen wird). 7 Die sechswöchige Revisionsfrist hat daher mit der Zustellung des angefochtenen Erkenntnisses am 19. Juli 2019 zu laufen begonnen, sodass der mit 29. November 2019 datierte Revisionsschriftsatz verspätet ist. 8 Die Revision war gemäß § 34 Abs. 1 VwGG ohne weiteres Verfahren in nichtöffentlicher Sitzung zurückzuweisen. Wien, am 21. April 2020
JWT_2019110148_20200624L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019110148.L02
Ra 2019/11/0148
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019110148_20200624L00/JWT_2019110148_20200624L00.html
1,592,956,800,000
795
Spruch Der Antrag wird abgewiesen. Begründung 1 Mit Erkenntnis des Landesverwaltungsgerichts Niederösterreich vom 16. Juli 2019 (dem Revisionswerber zugestellt am 19. Juli 2019) wurde eine Maßnahmenbeschwerde des Revisionswerbers vom 31. Oktober 2018 als unbegründet abgewiesen, die durchgeführte Amtshandlung als rechtskonform bezeichnet und dem Revisionswerber Verfahrenskosten auferlegt. Gleichzeitig wurde gemäß § 25a VwGG ausgesprochen, dass eine ordentliche Revision an den Verwaltungsgerichtshof nach Art. 133 Abs. 4 B-VG unzulässig sei. 2 In seinem Schreiben vom 29. August 2019 (der am Titelblatt als „Antrag auf Bewilligung der Verfahrenshilfe“ bezeichnet ist) führte der zu diesem Zeitpunkt anwaltlich nicht vertretene Revisionswerber nach seinen Überlegungen zur Rechtswidrigkeit des genannten Erkenntnisses Folgendes aus: „Da ich leider bereits durch das Maßnahmenbeschwerdeverfahren mit erheblichen Kosten belastet bin, bin ich nicht in der Lage, auch die weiteren Kosten für eine a.o. Revision an den Verwaltungsgerichtshof aufzubringen, weshalb ich höflich den Antrag stelle, mir zur Erhebung einer außerordentlichen Revision an den VwGH die Verfahrenshilfe in vollem Umfang zu bewilligen.“ 3 Mit Beschluss des Verwaltungsgerichtshofes vom 18. Oktober 2019, Ra 2019/11/0148-4, wurde der Antrag des Revisionswerbers auf Gewährung von Verfahrenshilfe zur Erhebung einer außerordentlichen Revision gegen das Erkenntnis vom 16. Juli 2019 zurückgewiesen, weil der Revisionswerber der hg. verfahrensleitenden Anordnung vom 5. September 2019 betreffend Vorlage eines Vermögensbekenntnisses innerhalb gesetzter zweiwöchiger Frist nicht Folge geleistet hatte. 4 Mit Anwaltsschriftsatz vom 29. November 2019 erhob der Revisionswerber außerordentliche Revision, die mit hg. Beschluss vom 21. April 2020, Ra 2019/11/0148-7, als verspätet zurückgewiesen wurde. 5 Mit Schriftsatz vom 27. Mai 2020 stellte der Revisionswerber den vorliegenden „Antrag auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gem. § 46 VwGG“ gegen die Versäumung der Revisionsfrist betreffend das eingangs genannte Erkenntnis des Verwaltungsgerichts. Hinsichtlich der Rechtzeitigkeit dieses Antrages wurde auf die Zustellung des hg. Zurückweisungsbeschlusses am 13. Mai 2020 hingewiesen und zur versäumten, mit dem Wiedereinsetzungsantrag nachzuholenden Handlung auf den bereits eingebrachten Revisionsschriftsatz vom 29. November 2019 verwiesen. 6 Nach Ansicht des Revisionswerbers stelle dieser Revisionsschriftsatz allerdings nur die Verbesserung der bereits im Schriftsatz vom 29. August 2019 erhobenen Revision dar. Im letztgenannten Schriftsatz sei nämlich bereits die Rechtswidrigkeit des Erkenntnisses des Verwaltungsgerichts unter verschiedenen Gesichtspunkten dargelegt worden, sodass bereits dieser Schriftsatz, unbeschadet seiner Bezeichnung als „Antrag auf Bewilligung der Verfahrenshilfe“, als eine der Verbesserung zugängliche Revision anzusehen sei (Hinweis u.a. auf VwGH 30.3.2017, Ra 2015/07/0121, wonach für die Beurteilung des Charakters einer Eingabe ihr wesentlicher Inhalt maßgebend sei). Dieser als Revision zu wertende „Schriftsatz“ vom 29. August 2019 sei innerhalb offener sechswöchiger Revisionsfrist eingebracht worden und daher nicht verspätet, sodass die mit hg. Beschluss vom 21. April 2020, Ra 2019/11/0148-7, ausgesprochene Zurückweisung der Revision „nicht nachvollziehbar“ sei. 7 Das unabwendbare bzw. unvorhergesehene Ereignis iSd § 46 Abs. 1 VwGG liege daher in der vorliegenden Abweichung des Verwaltungsgerichtshofes von der gängigen Rechtsprechung, einen Schriftsatz ungeachtet seiner Bezeichnung bzw. Überschrift nach inhaltlichen Gesichtspunkten als Revision zu werten. Da der Revisionswerber nicht damit habe rechnen müssen, dass sein selbst verfasster Schriftsatz vom 29. August 2019 nicht als verbesserungsfähige Revision gewertet werde und dass ein Auftrag des Verwaltungsgerichtshofes zur Verbesserung dieser Revision unterbleiben werde, treffe ihn auch kein wie immer geartetes Verschulden iSd § 46 VwGG. 8 Gemäß § 46 Abs. 1 VwGG ist der Partei auf Antrag die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand zu bewilligen, wenn sie durch ein unvorhergesehenes oder unabwendbares Ereignis eine Frist versäumt und dadurch einen Rechtsnachteil erleidet. Dass der Partei ein Verschulden an der Versäumung zur Last liegt, hindert die Bewilligung der Wiedereinsetzung nicht, wenn es sich nur um einen minderen Grad des Versehens handelt. 9 Im gegenständlichen Fall geht der Revisionswerber vom Vorliegen eines unvorhergesehenen oder unabwendbaren Ereignisses aus, weil der Verwaltungsgerichtshof entgegen eigener Rechtsprechung den Schriftsatz des Revisionswerbers vom 29. August 2019 nicht als Revision qualifiziert habe. Dieser Ansicht ist nicht beizupflichten. 10 Nach der ständigen hg. Rechtsprechung zum Schutz rechtsunkundiger Parteien im Verwaltungsverfahren schadet die falsche Bezeichnung eines Schriftsatzes nicht und ist für die Beurteilung des Charakters einer Eingabe ihr wesentlicher Inhalt, der sich aus dem gestellten Antrag erkennen lässt, und die Art des in diesem gestellten Begehrens maßgebend (vgl. den - vom Revisionswerber im vorliegenden Wiedereinsetzungsantrag zitierten - hg. Beschluss vom 30. März 2017, Ra 2015/07/0121, Rn 23, mit Verweis auf die hg. Vorjudikatur). 11 Nach der zitierten Judikatur kommt es somit für die Qualifikation einer Eingabe auf ihren wesentlichen Inhalt, insbesondere auf den gestellten Antrag und die Art des in diesem gestellten Begehrens an. 12 Abgesehen davon, dass der Revisionswerber seinen Schriftsatz vom 29. August 2019 am Titelblatt als „Antrag auf Bewilligung der Verfahrenshilfe“ bezeichnet hat, war dieser Schriftsatz deshalb nicht als Revision einzustufen, weil das darin enthaltene (oben wiedergegebene) Begehren ausdrücklich auf Bewilligung der Verfahrenshilfe „zur Erhebung einer außerordentlichen Revision“ lautete und im Schriftsatz überdies unterstrichen wurde, dass dem Revisionswerber die Erhebung einer Revision angesichts der damit verbundenen Kosten erst durch die Bewilligung der Verfahrenshilfe (also erst nach positiver Erledigung des im Schriftsatz vom 29. August 2019 gestellten Begehrens) möglich sein werde. Bestärkt wird dies durch die Ausführungen zur (vermeintlichen) Rechtzeitigkeit in der Revision vom 29. November 2019, wonach die Frist „zur Einbringung“ der Revision offen sei. 13 Die behauptete Abweichung von der Rechtsprechung, die nach Ansicht des Revisionswerbers ein unvorhergesehenes oder unabwendbares Ereignis iSd § 46 Abs. 1 VwGG darstelle, liegt daher nicht vor. 14 Mangels Erfüllung der Voraussetzungen der letztgenannten Bestimmung war der Antrag (ohne den Zeitpunkt des Wegfalls des Hindernisses iSd § 46 Abs. 3 VwGG zu klären) daher abzuweisen. Wien, am 24. Juni 2020
JWT_2019110151_20201123L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019110151.L00
Ra 2019/11/0151
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019110151_20201123L00/JWT_2019110151_20201123L00.html
1,606,089,600,000
534
Spruch Die Revision wird zurückgewiesen. Begründung 1 Zur Vorgeschichte wird auf das hg. Erkenntnis vom 15. Juni 2018, Ro 2017/11/0006 ua., verwiesen. 2 Mit Bescheid vom 22. Juni 2011 erteilte die belangte Behörde der Rechtsvorgängerin der Revisionswerberin die Bewilligung für die Errichtung eines selbständigen Ambulatoriums für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde sowie Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie in Wien (im Folgenden: Errichtungsbewilligung). 3 Mit Bescheid vom 27. August 2014 stellte die belangte Behörde fest, der mitbeteiligten Partei komme im Errichtungsbewilligungsverfahren keine Parteistellung zu (Spruchpunkt I.) und wies den Antrag der mitbeteiligten Partei auf Zustellung der Errichtungsbewilligung zurück (Spruchpunkt II.). Mit dem angefochtenen Erkenntnis stellte das Verwaltungsgericht Wien - gemäß § 63 Abs. 1 VwGG in Bindung an das Erkenntnis VwGH Ro 2017/11/0006 ua. - fest, dass der mitbeteiligten Partei im Errichtungsbewilligungsverfahren hinsichtlich des Bedarfs Parteistellung zukomme, und behob Spruchpunkt II. des Bescheides vom 27. August 2014 (betreffend die Zurückweisung des Antrags auf Zustellung der Errichtungsbewilligung). Unter einem sprach das Verwaltungsgericht aus, dass eine Revision an den Verwaltungsgerichtshof gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zulässig sei. 4 In der dagegen erhobenen (außerordentlichen) Revision erachtet sich die Revisionswerberin (unter der Überschrift „Revisionspunkte“) in ihrem Recht auf „angemessene Verfahrensdauer“ und auf „Durchführung eines mängelfreien Ermittlungsverfahrens“ verletzt. 5 Gemäß § 28 Abs. 1 Z 4 VwGG hat die Revision (u.a.) die Bezeichnung der Rechte, in denen der Revisionswerber verletzt zu sein behauptet, zu enthalten. Durch die vom Revisionswerber vorgenommene Bezeichnung der Revisionspunkte wird der Prozessgegenstand des verwaltungsgerichtlichen Verfahrens festgelegt und der Rahmen abgesteckt, an den der Verwaltungsgerichtshof bei der Prüfung des angefochtenen Erkenntnisses oder des angefochtenen Beschlusses gemäß § 41 VwGG gebunden ist. Danach hat der Verwaltungsgerichtshof nicht zu prüfen, ob irgendein subjektives Recht des Revisionswerbers verletzt wurde, sondern nur, ob jenes verletzt wurde, dessen Verletzung dieser behauptet. Der in § 28 Abs. 1 Z 4 VwGG geforderten Angabe der Revisionspunkte kommt für den Prozessgegenstand des verwaltungsgerichtlichen Verfahrens insoweit entscheidende Bedeutung zu, als der Revisionswerber jenes subjektive Recht herauszuheben hat, dessen behauptete Verletzung die Legitimation zur Revisionserhebung erst begründet. Wird der Revisionspunkt - wie im gegenständlichen Fall - unmissverständlich ausgeführt, so ist er auch einer Auslegung aus dem Gesamtzusammenhang der Revision nicht mehr zugänglich (vgl. VwGH 28.5.2020, Ra 2020/11/0056, mwN). 6 Das von der Revisionswerberin angeführte Recht auf angemessene Verfahrensdauer bezeichnet kein subjektives Recht im Sinne des § 28 Abs. 1 Z 4 VwGG. Zur Prüfung einer behaupteten Verletzung dieses Rechtes ist der Verwaltungsgerichtshof gemäß Art. 133 Abs. 5 B-VG nicht berufen, weil es sich beim Recht auf Entscheidung innerhalb einer angemessenen Frist um ein verfassungsgesetzlich gewährleistetes Recht handelt (vgl. VwGH 28.8.2019, Ra 2019/11/0111, 0112, mwN). Soweit die Revisionswerberin behauptet, sie sei in ihrem Recht auf Durchführung eines mängelfreien Ermittlungsverfahrens verletzt, macht sie eine Verletzung von Verfahrensvorschriften geltend, die aber keinen tauglichen Revisionspunkt darstellt, sondern zu den Revisionsgründen zählt (vgl. nochmals VwGH Ra 2019/11/0111; vgl. etwa auch VwGH 11.6.2018, Ra 2018/11/0102; 16.12.2016, Ra 2016/11/0171; jeweils mwN). Eine Rechtsverletzung wäre ausschließlich im Recht, dass dem Genehmigungsverfahren nur Personen als Parteien beigezogen werden, die an der Sache vermöge eines Rechtsanspruches oder eines rechtlichen Interesses beteiligt sind oder denen durch Gesetz Parteistellung eingeräumt wird, denkbar. 7 Da die Revisionswerberin somit in den als Revisionspunkten geltend gemachten Rechten nicht verletzt werden konnte, erweist sich die Revision schon aus diesem Grund als nicht zulässig. 8 Im Übrigen wird auf das hg. Erkenntnis vom heutigen Tag, Ro 2020/11/0020, hingewiesen, mit dem der Verwaltungsgerichtshof die Errichtungsbewilligung wegen Rechtswidrigkeit ihres Inhaltes aufgehoben hat, weil die belangte Behörde im Verfahren zur Erteilung dieser Bewilligung zu Unrecht davon ausgegangen ist, dass die Bewilligungsvoraussetzung des Bedarfs nicht anzuwenden gewesen sei. 9 Die Revision war daher zurückzuweisen. Wien, am 23. November 2020
JWT_2019110155_20200727L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019110155.L00
Ra 2019/11/0155
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019110155_20200727L00/JWT_2019110155_20200727L00.html
1,595,808,000,000
195
Spruch Die Revision wird zurückgewiesen. Begründung 1 Mit dem angefochtenen Erkenntnis wies das Verwaltungsgericht die Beschwerde des Revisionswerbers gegen ein Straferkenntnis der belangten Behörde ab, mit dem über ihn wegen Übertretung des Lohn- und Sozialdumping-Bekämpfungsgesetzes (LSD-BG) mehrere Geld- bzw. Ersatzfreiheitsstrafen verhängt worden waren. Gleichzeitig sprach es gemäß § 25a VwGG aus, dass eine ordentliche Revision unzulässig sei. 2 Dieses Erkenntnis wurde dem Revisionswerber nachweislich am 24. Mai 2019 - nach Zustellversuch an einer von ihm in der mündlichen Verhandlung angegebenen Adresse in Vorarlberg - durch Hinterlegung zugestellt. Mit am 23. Juli 2019 zur Post gegebenem Schreiben brachte der Revisionswerber „i.V.“ der B Ltd. eine mit einem Verfahrenshilfeantrag verbundene selbst verfasste Revision ein. 3 Mit hg. verfahrensleitender Anordnung vom 17. September 2019 wurde dem Revisionswerber u.a. aufgetragen, sich binnen zwei Wochen dazu zu äußern, dass, ausgehend von der Zustellung des angefochtenen Erkenntnisses am 24. Mai 2019, der Verfahrenshilfeantrag samt Revision als verspätet eingebracht erscheine. In seiner dazu rechtzeitig vorgelegten Äußerung wurde die Verspätung nicht bestritten. 4 Die sechswöchige Revisionsfrist des § 26 Abs. 1 VwGG war zum Zeitpunkt der Einbringung der Revision bereits verstrichen. Die Revision war daher - ungeachtet der Frage, ob sie dem Revisionswerber persönlich oder der B Ltd. zuzurechnen war - gemäß § 34 Abs. 1 VwGG wegen der (nicht strittigen) Versäumung der Einbringungsfrist ohne weiteres Verfahren in nichtöffentlicher Sitzung mit Beschluss zurückzuweisen. Wien, am 27. Juli 2020
JWT_2019110162_20201209L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019110162.L00
Ra 2019/11/0162
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019110162_20201209L00/JWT_2019110162_20201209L00.html
1,607,472,000,000
1,563
Spruch Die Revision wird zurückgewiesen. Begründung 1 1.1. Mit Bescheid vom 9. April 2019 entzog die belangte Behörde dem Revisionswerber gemäß § 24 Abs. 1 Z 1 iVm. § 7 Abs. 1 Z 1 und Abs. 3 Z 3 und § 26 Abs. 2a Führerscheingesetz - FSG die Lenkberechtigung für die Klassen AM, A, B, BE und F für die Dauer von sechs Monaten, gerechnet ab Zustellung des Bescheides. Weiters forderte die belangte Behörde, gestützt auf § 24 Abs. 3 erster Satz und Abs. 4 FSG, den Revisionswerber auf, ein von einem Amtsarzt erstelltes Gutachten hinsichtlich seiner gesundheitlichen Eignung zum Lenken von Kraftfahrzeugen „innerhalb offener Entziehungsdauer“ beizubringen, und sprach aus, dass die Dauer der Entziehung der Lenkberechtigung nicht vor Befolgung dieser Anordnung ende. 2 Dieser Bescheid wurde dem Revisionswerber nach der im Verwaltungsakt enthaltenen Übernahmebestätigung am 18. April 2019 zugestellt. 3 1.2. Gegen diesen Bescheid erhob der Revisionswerber Beschwerde. Mit Schriftsatz vom 20. August 2019 zog der Revisionswerber seine Beschwerde gegen die Entziehung der Lenkberechtigung zurück, hielt diese aber aufrecht, soweit sie sich gegen die Anordnung der Beibringung eines amtsärztlichen Gutachtens sowie den Ausspruch, dass die Dauer der Entziehung der Lenkberechtigung nicht vor Befolgung dieser Anordnung ende, richte. 4 1.3. Das Verwaltungsgericht Oberösterreich stellte das Verfahren hinsichtlich der Entziehung der Lenkberechtigung auf Grund der Zurückziehung der Beschwerde mit Beschluss vom 26. August 2019 ein. Mit dem unter einem ergangenen, angefochtenen Erkenntnis wies das Verwaltungsgericht nach Durchführung einer mündlichen Verhandlung die Beschwerde betreffend die Aufforderung, ein von einem Amtsarzt erstelltes Gutachten hinsichtlich der gesundheitlichen Eignung zum Lenken von Kraftfahrzeugen beizubringen, mit der Maßgabe ab, dass die Zitierung des § 24 Abs. 4 FSG und der Ausspruch, dass die Dauer der Entziehung der Lenkberechtigung nicht vor Befolgung der Anordnung ende, zu entfallen habe. Unter einem sprach das Verwaltungsgericht aus, dass eine Revision nach Art. 133 Abs. 4 B-VG unzulässig sei. 5 Dieses Erkenntnis wurde dem Revisionswerber zu Handen seines Rechtsanwaltes nach der im Verfahrensakt enthaltenen Übernahmebestätigung am 2. September 2019 zugestellt. 6 Das Verwaltungsgericht stellte fest, dass der Revisionswerber bei der Auffahrt T auf die Richtungsfahrbahn W der Autobahn A1 aufgefahren sei, dann aber nach links eingebogen und trotz massiven Verkehrsaufkommens entlang des Mittelstreifens entgegen der Fahrtrichtung etwa acht Kilometer gefahren sei, bis ihm ein LKW durch Anhaltung des übrigen Verkehrs das Wenden und Verlassen der Autobahn ermöglicht habe. 7 Rechtlich führte das Verwaltungsgericht aus, dem Revisionswerber sei mit dem (durch die Zurückziehung der Beschwerde) in Rechtskraft erwachsenen Spruchpunkt des Bescheides der belangten Behörde die Lenkberechtigung wegen mangelnder Verkehrszuverlässigkeit entzogen worden, weshalb § 24 Abs. 3 erster Satz FSG hinsichtlich der Prüfung der gesundheitlichen Eignung zum Lenken von Kraftfahrzeugen zur Anwendung gelange und nicht Abs. 4 leg. cit. Die Rechtsfolge, dass die Entziehungszeit im Fall der Nichtbefolgung der Anordnung zur Beibringung eines amtsärztlichen Gutachtens nicht vor deren Befolgung ende, ergebe sich unmittelbar aus § 24 Abs. 3 sechster Satz FSG, weswegen der diesbezügliche Ausspruch im Bescheid aufzuheben gewesen sei. 8 Nach § 24 Abs. 3 erster Satz FSG könne die Behörde bei einer Entziehung der Lenkberechtigung die Beibringung eines amtsärztlichen Gutachtens über die gesundheitliche Eignung im Rahmen einer Ermessensübung anordnen, wenn Anhaltspunkte für eine nicht uneingeschränkte gesundheitliche Eignung bestünden (Hinweis auf VwGH 25.1.2019, Ra 2018/11/0233). Der Revisionswerber habe bei der polizeilichen Einvernahme angegeben, ihm sei beim Einbiegen bei der Einmündung der Auffahrt in die Autobahn noch gar nicht bewusst gewesen, dass er sich auf einer Autobahn befinde. Es sei nicht nachvollziehbar, aus welchen Gründen der Revisionswerber nicht in der Lage gewesen sei, zu realisieren, dass er sich auf einer in die Autobahn mündende Autobahnauffahrt bzw. auf der Autobahn befinde. Die Sichtbedingungen seien uneingeschränkt gewesen; beim Revisionswerber hätten keine Anhaltspunkte für eine alkohol- oder drogenbedingte Fahruntauglichkeit bestanden. Ein bloßer Irrtum über das Befahren einer Autobahn sei nach der allgemeinen Lebenserfahrung auf Grund der speziellen Verkehrszeichen und Bodenmarkierungen und vor allem der baulichen Gestaltung der A1, Richtungsfahrbahn W, im dortigen Bereich objektiv auszuschließen. Dafür bleibe nur die Erklärung, der Revisionswerber sei durch eine baustellenbedingte Umleitung so verwirrt bzw. verunsichert gewesen, dass er danach nicht mehr in der Lage gewesen sei, sich zu orientieren und die Umgebung richtig zuzuordnen. Es bestünden deshalb Bedenken hinsichtlich der gesundheitlichen Eignung zum Lenken von Kraftfahrzeugen, nämlich der kraftfahrspezifischen Leistungsfähigkeit. Der Revisionswerber habe sich zwar bisher im Straßenverkehr völlig einwandfrei verhalten. Allerdings würden sich die Bedenken hinsichtlich der gesundheitlichen Eignung auf die Gegenwart und die Zukunft beziehen. 9 1.4. Gegen dieses Erkenntnis richtet sich die vorliegende (außerordentliche) Revision. 10 2. Nach Art. 133 Abs. 4 B-VG ist gegen ein Erkenntnis des Verwaltungsgerichtes die Revision zulässig, wenn sie von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, insbesondere weil das Erkenntnis von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abweicht, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes nicht einheitlich beantwortet wird. 11 Nach § 34 Abs. 1 VwGG sind Revisionen, die sich wegen Nichtvorliegens der Voraussetzungen des Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zur Behandlung eignen, ohne weiteres Verfahren in nichtöffentlicher Sitzung mit Beschluss zurückzuweisen. 12 Nach § 34 Abs. 1a VwGG ist der Verwaltungsgerichtshof bei der Beurteilung der Zulässigkeit der Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG an den Ausspruch des Verwaltungsgerichtes gemäß § 25a Abs. 1 VwGG nicht gebunden. Die Zulässigkeit einer außerordentlichen Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG hat der Verwaltungsgerichtshof ausschließlich im Rahmen der dafür in der Revision gesondert vorgebrachten Gründe (§ 28 Abs. 3 VwGG) zu überprüfen. 13 3.1. Die Revision bringt zu ihrer Zulässigkeit zunächst vor, das Verwaltungsgericht habe gegen die Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes verstoßen, weil es nicht festgestellt habe, dass Anhaltspunkte für eine nicht eingeschränkte gesundheitliche Eignung bestünden (Verweis auf VwGH 25.1.2019, Ra 2018/11/0233). Der Revisionswerber habe auf Grund der erteilten Lenkberechtigung schon ein halbes Jahrhundert lang unbeanstandet aktiv am Straßenverkehr teilgenommen und sei strafgerichtlich unbescholten. Das Führerscheinregister weise keine Eintragungen auf. Die Anordnung der Beibringung eines amtsärztlichen Gutachtens neben der Entziehung der Lenkberechtigung sei daher keine nachvollziehbar und entsprechend begründete Ermessensentscheidung. 14 § 24 Abs. 3 erster Satz FSG sieht vor, dass bei einer Entziehung oder nachträglichen Einschränkung einer Lenkberechtigung die Behörde begleitende Maßnahmen (wie eine Nachschulung) oder die Beibringung eines amtsärztlichen Gutachtens über die gesundheitliche Eignung des Betreffenden im Rahmen einer Ermessensübung anordnen kann, letzteres freilich nur dann, wenn Anhaltspunkte für eine nicht uneingeschränkte gesundheitliche Eignung bestehen. Für bestimmte Konstellationen (Begehung einer Übertretung gemäß § 99 Abs. 1 StVO 1960) gibt § 24 Abs. 3 fünfter Satz FSG zwingend vor, dass die Beibringung eines amtsärztlichen Gutachtens anzuordnen ist (vgl. VwGH 25.1.2019, Ra 2018/11/0233). 15 Der Revision ist zwar darin zuzustimmen, dass das Fahren gegen die Fahrtrichtung auf Autobahnen (vgl. § 7 Abs. 3 Z 3 FSG) nicht zu jenen Konstellationen zählt, für welche § 24 Abs. 3 FSG zwingend vorsieht, dass die Beibringung eines amtsärztlichen Gutachtens anzuordnen ist. Das Verwaltungsgericht hat diese Anordnung aber auch nicht bloß auf den Umstand gestützt, dass der Revisionswerber (acht Kilometer) gegen die Fahrtrichtung auf der Autobahn gefahren sei. Es hat vielmehr Anhaltspunkte für eine nicht uneingeschränkte gesundheitliche Eignung des Revisionswerbers darin gesehen, dass der Revisionswerber nicht erkannt habe, sich auf einer Autobahn(-auffahrt) zu befinden und deshalb entgegen der Fahrtrichtung in die Autobahn eingebogen sei. Die Revision legt fallbezogen nicht dar, dass das Verwaltungsgericht mit dieser Begründung von den Leitlinien der oben zitierten Rechtsprechung abgewichen wäre oder von dem ihm eingeräumten Ermessen nicht im Sinne des Gesetzes Gebrauch gemacht hätte. 16 3.2. Die Revision bringt zu ihrer Zulässigkeit weiter vor, das Verwaltungsgericht habe zur Beibringung des amtsärztlichen Gutachtens keine angemessene Frist gesetzt. Die Notwendigkeit einer solchen Frist ergebe sich schon aus § 24 Abs. 3 sechster Satz FSG, wonach die Entziehungsdauer, wenn diese Anordnung nicht innerhalb der festgesetzten Frist befolgt werde, nicht vor deren Befolgung ende. Die fehlende Festsetzung einer Frist stehe auch im Widerspruch zur Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes, wonach eine „angemessene Leistungsfrist“ einzuräumen sei (Verweis auf VwGH 26.2.2002, 2001/11/0281). Der von der belangten Behörde festgesetzte Zeitraum, der mit 18. Oktober 2019 ende, sei für die Beibringung des amtsärztlichen Gutachtens „nicht ausreichend“. Überdies sei, da die belangte Behörde die aufschiebende Wirkung einer Beschwerde nicht ausgeschlossen habe, die Verpflichtung zur Beibringung eines amtsärztlichen Gutachtens nicht vollstreckbar gewesen. Auch aus diesem Grund hätte das Verwaltungsgericht eine angemessene Frist für die Beibringung setzen müssen. Mit diesem Vorbringen zeigt die Revision nicht auf, dass ihre Behandlung von der Beantwortung einer Rechtsfrage iSd Art. 133 Abs. 4 B-VG abhinge. 17 Infolge der Zurückziehung der Beschwerde gegen die Entziehung der Lenkberechtigung durch den Revisionswerber mit Schriftsatz vom 20. August 2019 ist dieser Spruchpunkt des Bescheides der belangten Behörde rechtskräftig geworden. Damit kam auch dem Umstand, dass die Beschwerde gegen diesen Spruchpunkt aufschiebende Wirkung hatte, für das weitere Beschwerdeverfahren gegen die Anordnung zur Beibringung eines amtsärztlichen Gutachtens keine weitere Bedeutung zu. Die im Bescheid der belangten Behörde ausgesprochene Entziehung der Lenkberechtigung für die Dauer von sechs Monaten, gerechnet ab der - am 18. April 2019 erfolgten - Zustellung des Bescheides, endete am 18. Oktober 2019. Mit dem angefochtenen Erkenntnis wurde der Revisionswerber aufgefordert, innerhalb offener Entziehungsdauer ein amtsärztliches Gutachten beizubringen. Dafür stand dem Revisionswerber somit im Zeitpunkt der Zustellung und Erlassung des angefochtenen Erkenntnisses am 2. September 2019 noch ein Zeitraum von über sechs Wochen zur Verfügung. 18 Nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes liegt eine Befolgung der Anordnung, ein amtsärztliches Gutachten über die gesundheitliche Eignung beizubringen, schon dann vor, wenn sich der Betreffende der amtsärztlichen Untersuchung unterzogen und an ihr mitgewirkt hat (vgl. VwGH 8.9.2016, Ra 2014/11/0087). Die Revision legt nicht näher dar, dass und warum der dem Revisionswerber durch die Bestätigung des behördlichen Bescheides verbliebene Zeitraum zur Befolgung dieser Anordnung fallbezogen nicht angemessen gewesen wäre. 19 Es geht folglich auch das Zulässigkeitsvorbringen ins Leere, das Verwaltungsgericht habe gegen die (näher genannte) Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes zu § 59 Abs. 2 AVG verstoßen, indem es nicht eine (neue) Leistungsfrist für die Beibringung des amtsärztlichen Gutachtens gesetzt habe, weil eine solche Frist ohnedies bestand. 20 Auch mit dem Hinweis auf das hg. Erkenntnis vom 26. Februar 2002, 2001/11/0281, zeigt die Revision keine Rechtsfrage iSd. Art. 133 Abs. 4 B-VG auf, weil dieses Erkenntnis die Verhängung einer Zwangsstrafe zur Vollstreckung der Verpflichtung zur Ablieferung des Führerscheins nach § 29 Abs. 3 FSG, also eine gänzlich andere Konstellation als jene des Revisionsfalls, betraf. 21 4. In der Revision werden daher keine Rechtsfragen aufgeworfen, denen im Sinne des Art. 133 Abs. 4 B-VG grundsätzliche Bedeutung zukäme. Die Revision war daher gemäß § 34 Abs. 1 und 3 VwGG zurückzuweisen. Wien, am 9. Dezember 2020
JWT_2019110166_20200129L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019110166.L00
Ra 2019/11/0166
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019110166_20200129L00/JWT_2019110166_20200129L00.html
1,580,256,000,000
493
Spruch Die Revision wird als gegenstandslos geworden erklärt und das Verfahren eingestellt. Ein Zuspruch von Aufwandersatz findet nicht statt. Begründung 1 1. Mit Bescheid der belangten Behörde vom 15. April 2019 wurde der Revisionswerber gemäß § 24 Abs. 4 FSG aufgefordert, sich innerhalb von einem Monat, gerechnet ab Rechtskraft dieses Bescheides, zum Zwecke der Überprüfung, ob die Voraussetzungen der gesundheitlichen Eignung zum Lenken von Kraftfahrzeugen noch gegeben sind, amtsärztlich untersuchen zu lassen. 2 Mit dem angefochtenen Erkenntnis gab das Landesverwaltungsgericht Vorarlberg der dagegen erhobene Beschwerde des Revisionswerbers keine Folge und bestätigte den angefochtenen Bescheid. Unter einem sprach es aus, dass die Revision an den Verwaltungsgerichtshof nicht zulässig sei. 3 Gegen dieses Erkenntnis richtet sich die vorliegende (außerordentliche) Revision. 4 Die belangte Behörde erstattete eine Revisionsbeantwortung, in der sie vorbrachte, der Revisionswerber sei am 15. Oktober 2019 der Aufforderung zur amtsärztlichen Untersuchung nachgekommen. Mit amtsärztlichem Gutachten vom 18. Oktober 2019 sei der Revisionswerber als zum Lenken eines Kraftfahrzeuges der Klassen AM, A und B gesundheitlich geeignet beurteilt worden. Das "gegenständliche" Verfahren sei daher am 22. Oktober 2019 eingestellt worden. Die belangte Behörde beantrage die Zuerkennung von Schriftsatzaufwand. 5 Über Vorhalt, dass der Revisionswerber der Aufforderung zur amtsärztlichen Untersuchung nachgekommen sei, führte dieser mit Stellungnahme vom 13. Dezember 2019 aus, er habe nach wie vor ein rechtliches Interesse an einer Entscheidung über die vorliegende Revision, da "eine allfällige Amtshaftung zu prüfen sein" werde. 6 2.1. Gemäß § 33 Abs. 1 erster Satz VwGG ist die Revision mit Beschluss als gegenstandslos geworden zu erklären und das Verfahren einzustellen, wenn in irgendeiner Lage des Verfahrens offenbar wird, dass der Revisionswerber klaglos gestellt wurde. 7 § 33 Abs. 1 VwGG ist nicht nur auf die Fälle der formellen Klaglosstellung beschränkt. Ein Einstellungsfall wegen Gegenstandslosigkeit liegt insbesondere auch dann vor, wenn der Revisionswerber kein rechtliches Interesse mehr an einer Sachentscheidung des Gerichtshofes hat (vgl. etwa VwGH 21.6.2017, Ra 2016/17/0259). 8 2.2. Ein solcher Fall liegt hier vor: 9 Der Revisionswerber hat dem angefochtenen Erkenntnis, mit dem der Aufforderungsbescheid der belangten Behörde bestätigt wurde, Folge geleistet, indem er sich am 15. Oktober 2019 amtsärztlich untersuchen ließ. Eine "Formalentziehung" seiner Lenkberechtigung gemäß § 24 Abs. 4 letzter Satz FSG ist damit ausgeschlossen. 10 Entgegen der Auffassung des Revisionswerbers ist eine mögliche Verbesserung seiner Rechtsstellung durch Aufhebung des angefochtenen Erkenntnisses ausgeschlosssen (vgl. zu Aufforderungsbescheiden nach § 24 Abs. 4 FSG zB VwGH 23.4.2018, Ra 2018/11/0029, mwN). Im Revisionsverfahren über das angefochtene Erkenntnis wäre nur zu prüfen gewesen, ob die Voraussetzungen für die Erlassung bzw. Bestätigung des Aufforderungsbescheids vorgelegen sind, nicht hingegen, ob Umstände vorlagen, die allenfalls künftig eine nachträgliche Einschränkung der Lenkberechtigung des Revisionswerbers rechtfertigten. 11 Ein rechtliches Interesse an einer inhaltlichen Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofes über die Revision wird auch nicht durch die mögliche Geltendmachung von Amtshaftungsansprüchen begründet (vgl. VwGH 10.9.2018, Ra 2018/11/0109, mwN). 12 2.3. Die Revision war somit in sinngemäßer Anwendung des § 33 Abs. 1 VwGG für gegenstandslos geworden zu erklären und das Revisionsverfahren einzustellen. 13 2.4. Mangels einer formellen Klaglosstellung liegt im vorliegenden Fall die Voraussetzung für einen Kostenzuspruch an den Revisionswerber gemäß § 55 VwGG nicht vor. In Hinblick darauf, dass die Entscheidung über die Kosten einen unverhältnismäßigen Aufwand erfordern würde, hat der Verwaltungsgerichtshof gemäß § 58 Abs. 2 VwGG nach freier Überzeugung entschieden, dass kein Aufwandersatz zugesprochen wird (vgl. VwGH 11.6.2018, Ra 2018/11/0036). Wien, am 29. Jänner 2020
JWT_2019110171_20200427L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019110171.L00
Ra 2019/11/0171
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019110171_20200427L00/JWT_2019110171_20200427L00.html
1,587,945,600,000
1,112
Spruch I. den Beschluss gefasst: Die Revision wird, soweit sie sich gegen den Schuldausspruch des angefochtenen Erkenntnisses richtet, zurückgewiesen. II. zu Recht erkannt: Das angefochtene Erkenntnis wird im Umfang seines Strafausspruches und des Ausspruches über den Beitrag zu den Verfahrenskosten wegen Rechtswidrigkeit seines Inhaltes aufgehoben. Der Bund hat dem Revisionswerber Aufwendungen in der Höhe von insgesamt EUR 1.346,40 binnen zwei Wochen bei sonstiger Exekution zu ersetzen. Begründung 1 Mit dem angefochtenen Erkenntnis wurde, im Wesentlichen durch Bestätigung des Straferkenntnisses der belangten Behörde vom 20. November 2017 (mit der Maßgabe einer teilweisen Herabsetzung der Geld- und der Ersatzfreiheitsstrafen), der Revisionswerber schuldig erkannt, er habe es als der gemäß § 9 VStG zur Vertretung nach außen Berufene einer Gesellschaft mit Sitz in Slowenien zu verantworten, dass diese als Arbeitgeberin 1) hinsichtlich von acht namentlich genannten Arbeitnehmern die Lohnunterlagen nur teilweise bereitgehalten, 2) hinsichtlich derselben Arbeitnehmer die Lohnunterlagen trotz Aufforderung durch die Finanzpolizei bis zum Ablauf des der Aufforderung zweitfolgenden Werktages nur teilweise übermittelt und 3) die Entsendung von fünf namentlich genannten Arbeitnehmern nicht vor deren Arbeitsaufnahme der Zentralen Koordinationsstelle gemeldet habe. 2 Der Revisionswerber habe dadurch zu 1) § 22 Abs. 1 Lohn- und Sozialdumping-Bekämpfungsgesetz - LSD-BG, BGBl. Nr. 44/2016, übertreten, weswegen über ihn gemäß § 28 Z 1 LSD-BG Geldstrafen von jeweils EUR 2.000,-- (Ersatzfreiheitsstrafen jeweils 34 Stunden) verhängt wurden, zu 2) § 12 Abs. 1 Z 3 LSD-BG übertreten, weswegen über ihn gemäß § 27 Abs. 1 LSD-BG Geldstrafen von jeweils EUR 500,-- (Ersatzfreiheitsstrafen jeweils 12 Stunden) verhängt wurden, und zu 3) § 19 Abs. 1 LSD-BG übertreten, weswegen über ihn gemäß § 26 Abs. 1 Z 1 LSD-BG Geldstrafen von jeweils EUR 500,-- (Ersatzfreiheitsstrafen jeweils 12 Stunden) verhängt wurden. 3 Weiters wurde dem Revisionswerber mit dem angefochtenen Erkenntnis ein Kostenbeitrag für das behördliche Strafverfahren von EUR 2.250,-- (10% der Geldstrafen gemäß § 64 Abs. 2 VStG) und ein Kostenbeitrag für das Beschwerdeverfahren von EUR 3.200,-- (20% der Geldstrafen gemäß § 52 Abs. 2 VStG) vorgeschrieben. 4 Schließlich wurde im angefochtenen Erkenntnis gemäß § 25a VwGG ausgesprochen, dass die Revision an den Verwaltungsgerichtshof gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zulässig sei. 5 In der Begründung stellte das Verwaltungsgericht als entscheidungswesentlichen Sachverhalt fest, dass für die acht genannten Arbeitnehmer die Lohnunterlagen in deutscher Sprache nicht vorgelegen und auch vor Ort nicht elektronisch zugänglich gemacht und trotz Aufforderung durch die Finanzpolizei nicht innerhalb der Zweitagesfrist nachgereicht worden seien, und dass für die fünf genannten Arbeitnehmer von der vom Revisionswerber nach außen vertretenen slowenischen Gesellschaft keine ZKO-Meldung an die Zentrale Koordinationsstelle erstattet worden sei. 6 Zur Strafbemessung führte das Verwaltungsgericht aus, über den Revisionswerber sei hinsichtlich der mangelnden Bereithaltung und Nachreichung der Lohnunterlagen jeweils die gesetzliche Mindeststrafe verhängt worden. Hinsichtlich der fehlenden ZKO-Meldung hätten beim Revisionswerber die Milderungsgründe überwogen, sodass die Mindeststrafen unterschritten worden seien. 7 Mit Beschluss vom 9. Oktober 2018, E 1071/2018-6, lehnte der Verfassungsgerichtshof die Behandlung der gegen diese Erkenntnisse erhobenen Beschwerde ab und trat die Beschwerde mit Beschluss vom 18. September 2019, E 1071/2018-9, dem Verwaltungsgerichtshof zur Entscheidung ab. 8 Gegen dieses Erkenntnis richtet sich die vorliegende (außerordentliche) Revision. Die belangte Behörde hat eine Revisionsbeantwortung erstattet. 9 Der Verwaltungsgerichtshof hat über die Revision erwogen: 10 Die Revision bringt zu ihrer Zulässigkeit vor, die "Sanktionsbestimmungen" des LSD-BG seien im Hinblick auf das Urteil des EuGH vom 12. September 2019, Maksimovic ua, C-64/18 ua, nicht mit dem Unionsrecht vereinbar. Zum Schuldspruch des angefochtenen Erkentnnisses: 11 Nach Art. 133 Abs. 4 B-VG ist gegen ein Erkenntnis des Verwaltungsgerichtes die Revision zulässig, wenn sie von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, insbesondere weil das Erkenntnis von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abweicht, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes nicht einheitlich beantwortet wird. 12 Nach § 34 Abs. 1 VwGG sind Revisionen, die sich wegen Nichtvorliegens der Voraussetzungen des Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zur Behandlung eignen, ohne weiteres Verfahren in nichtöffentlicher Sitzung mit Beschluss zurückzuweisen. 13 Nach § 34 Abs. 1a VwGG ist der Verwaltungsgerichtshof bei der Beurteilung der Zulässigkeit der Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG an den Ausspruch des Verwaltungsgerichtes gemäß § 25a Abs. 1 VwGG nicht gebunden. Die Zulässigkeit einer außerordentlichen Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG hat der Verwaltungsgerichtshof im Rahmen der dafür in der Revision gesondert vorgebrachten Gründe (§ 28 Abs. 3 VwGG) zu überprüfen. 14 Der Verwaltungsgerichtshof hat im - u.a. Bestrafungen wegen Übertretungen der Pflichten zur Bereithaltung der Lohnunterlagen betreffenden - Erkenntnis vom 18. Februar 2020, Ra 2019/11/0195, 0196, unter Hinweis auf sein Erkenntnis vom 15. Oktober 2019, Ra 2019/11/0033 bis 0034, dargelegt, dass durch das Urteil des EuGH vom 12. September 2019, Maksimovic ua, C- 64/18 ua, nur die Strafnormen betreffend Verstöße gegen die Bereithaltepflichten von Lohnunterlagen nach dem LSD-BG - in Teilbereichen - unionsrechtlich verdrängt werden. Demgegenüber werden die in Rede stehenden Gebotsnormen (Bereithaltepflichten betreffend entsprechende Unterlagen für entsandte Arbeitnehmer) durch das zitierte Urteil des EuGH nicht unionsrechtlich verdrängt, sodass die Erfüllung des objektiven und subjektiven Tatbestandes weiterhin möglich ist (vgl. auch die Rn. 40 f. dieses Urteils, wiedergegeben im Erkenntnis Ra 2019/11/0033 bis 0034). 15 Diese Ausführungen gelten in gleicher Weise für die Verpflichtung zur Übermittlung der zur Lohnkontrolle erforderlichen Lohnunterlagen gemäß § 12 Abs. 1 Z 3 iVm § 27 Abs. 1 LSD-BG und die Verpflichtung zur Meldung der Entsendung an die Zentrale Koordinationsstelle vor Arbeitsaufnahme gemäß § 19 Abs. 1 iVm § 26 Abs. 1 Z 1 LSD-BG. 16 Insoweit sich die Revision also auch gegen den Schuldspruch des angefochtenen Erkenntnisses richtet, werden in ihr keine Rechtsfragen aufgeworfen, denen im Sinne des Art. 133 Abs. 4 B-VG grundsätzliche Bedeutung zukäme, sodass die Revision insoweit gemäß § 34 Abs. 1 und 3 VwGG zurückzuweisen war. Zu den verhängten Strafen und zur Vorschreibung eines Kostenbeitrages: 17 Das Verwaltungsgericht ist bei seiner Entscheidung über das Strafausmaß von den in § 28 Z 1 LSD-BG für die Nichtbereithaltung von Lohnunterlagen, in § 27 Abs. 1 LSD-BG für die Nichtübermittlung solcher Unterlagen und in § 26 Abs. 1 Z 1 LSD-BG für die mangelnde Meldung bei Entsendung vorgesehenen gesetzlichen Mindeststrafen sowie von den dort normierten Geboten der Verhängung einer Geldstrafe pro betroffenem Arbeitnehmer ausgegangen und hat überdies für die Übertretung der in Rede stehenden Bereithalte- und Meldepflichten für jede Geldstrafe eine Ersatzfreiheitsstrafe (§ 16 VStG) verhängt. 18 Der Revisionsfall gleicht daher, was den Strafausspruch und die Vorschreibung des Kostenbeitrages in Zusammenhang mit der Nichtbereithaltung von Lohnunterlagen betrifft, jenem, der dem - zu den entsprechenden Vorgängerregelungen im AVRAG ergangenen - Erkenntnis VwGH 15.10.2019, Ra 2019/11/0033 bis 0034, zu Grunde lag. Auf die Entscheidungsgründe dieses Erkenntnisses wird gemäß § 43 Abs. 2 VwGG verwiesen. 19 Das im Erkenntnis Ra 2019/11/0033 bis 0034 Ausgeführte gilt in gleicher Weise insoweit, als das Verwaltungsgericht von der - im Wesentlichen gleichartigen - in § 27 Abs. 1 LSD-BG vorgesehenen gesetzlichen Mindeststrafe für die Nichtübermittlung von Lohnunterlagen und der in § 26 Abs. 1 Z 1 LSD-BG für die mangelnde Meldung bei Entsendung sowie von den dort normierten Geboten der Verhängung einer Geldstrafe pro betroffenem Arbeitnehmer ausgegangen ist und für die Übertretung dieser Meldepflichten für jede Geldstrafe eine Ersatzfreiheitsstrafe (§ 16 VStG) verhängt und einen Kostenbeitrag vorgeschrieben hat (vgl. EuGH 19.12.2019, NE, C-645/18; VwGH 25.2.2020, Ra 2018/11/0110; VfGH 27.11.2019, E 2047/2019 ua; 27.11.2019, E 2893/2019 ua). 20 Das angefochtene Erkenntnis war somit hinsichtlich der verhängten Strafen und der daran anknüpfenden Kostenbeiträge gemäß § 42 Abs. 2 Z 1 VwGG wegen Rechtswidrigkeit seines Inhaltes aufzuheben. 21 Die Kostenentscheidung gründet sich auf die §§ 47 ff VwGG iVm der VwGH-Aufwandersatzverordnung 2014. Wien, am 27. April 2020
JWT_2019110183_20200123L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019110183.L00
Ra 2019/11/0183
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019110183_20200123L00/JWT_2019110183_20200123L00.html
1,579,737,600,000
1,314
Spruch Das angefochtene Erkenntnis wird wegen Rechtswidrigkeit des Inhaltes aufgehoben. Der Bund hat dem Revisionswerber Aufwendungen in Höhe von EUR 1.346,40 binnen zwei Wochen bei sonstiger Exekution zu ersetzen. Begründung 1 Mit dem angefochtenen Erkenntnis wurde (durch Bestätigung und teilweise Abänderung des Straferkenntnisses der belangten Behörde vom 24. Juli 2018) der Revisionswerber als verwaltungsstrafrechtlich Verantwortlicher der A. s.r.o. (mit Sitz in der Slowakischen Republik) der Übertretung des § 7i Abs. 5 Arbeitsvertragsrechts-Anpassungsgesetz, BGBl. Nr. 459/1993 in der Fassung vor der Novelle BGBl. I Nr. 44/2016 (AVRAG), schuldig erkannt, weil diese Gesellschaft als Arbeitgeberin im Juli und August 2016 fünf namentlich genannte Arbeitnehmer auf einer in Österreich gelegenen Baustelle als "Monteur" bzw. "Bauhilfsarbeiter" (bzw. in einem Fall als "Leiter/Führer") beschäftigt habe, ohne diesen den nach dem Kollektivvertrag für das Bauhilfsgewerbe 2016 für "angelernte Arbeiter" (Tatvorwürfe 1. und 2.) bzw. "für Hilfsarbeiter" (Tatvorwürfe 3. bis 5.) zustehenden Bruttostundenlohn zu bezahlen. Der Revisionswerber habe daher, ausgehend von den jeweils genannten tatsächlich geleisteten Bruttostundenlöhnen, Unterentlohnungen der jeweiligen Arbeitnehmer im Ausmaß zwischen 7,34 % und 9,78 % zu verantworten. Gemäß § 7i Abs. 5 AVRAG wurden über den Revisionswerber fünf Geldstrafen von jeweils EUR 2.000,-- (Ersatzfreiheitsstrafen jeweils 36 Stunden) verhängt; weiters wurde ihm ein Kostenbeitrag zum Strafverfahren (10 % der Geldstrafen gemäß § 64 VStG) vorgeschrieben. Gemäß § 25a VwGG wurde ausgesprochen, dass eine ordentliche Revision gegen diese Entscheidung nach Art. 133 Abs. 4 B-VG unzulässig sei. 2 In der Begründung wurde die als erwiesen angesehene Unterentlohnung zusammengefasst damit begründet, der Revisionswerber habe den genannten Arbeitnehmern für die Monate Juli und August 2016 das zum Bruttostundenlohn (der nach dem genannten Kollektivvertrag für angelernte Arbeiter EUR 11,63 und für Hilfsarbeiter EUR 10,45 betrage und - nach dem Spruch insoweit - geleistet wurde) hinzukommende "anteilige Weihnachtsgeld" nicht bezahlt. 3 In der Beweiswürdigung verwies das Verwaltungsgericht auf die am 28. August 2019 durchgeführte Verhandlung, zu welcher sowohl der Revisionswerber als auch dessen als Zeugen geladene Arbeitnehmer nicht erschienen seien. Der Revisionswerber habe sein Nichterscheinen zur Verhandlung (mit Schreiben vom 12. August 2019) mit seiner Arbeitsunfähigkeit entschuldigt und dazu eine ärztliche Bestätigung vorgelegt, die eine Arbeitsunfähigkeit aufgrund der Diagnose "A41" bescheinige, welche "einer Infektion gleichkommt". Damit habe er die Verhandlungsunfähigkeit nicht nachgewiesen, sodass die Verhandlung in seiner Abwesenheit habe stattfinden können. Nach dem Grundsatz "in dubio pro reo" habe das Verwaltungsgericht dem Vorbringen des Revisionswerbers aber "vollinhaltlich Glauben geschenkt". 4 Dem Einwand des Revisionswerbers, er habe den Arbeitnehmern im Oktober 2016 eine Prämie für die in Österreich durchgeführten Arbeiten ausbezahlt, entgegnete das Verwaltungsgericht, dass diese Prämie dem Vorwurf der Unterentlohnung nicht entgegen stehe, weil sie, wie die Angaben des Revisionswerbers zeigten, einer Belohnung für außergewöhnliche Leistungen entspreche und keine Nachzahlung des in Österreich verpflichtend auszuzahlenden Weihnachtsentgelts darstelle. 5 Angesichts des Vorliegens einer bloß geringen Unterentlohnung der fünf Arbeitnehmer habe mit der in § 7i Abs. 5 AVRAG vorgesehenen Mindeststrafe das Auslangen gefunden werden können. 6 Gegen dieses Erkenntnis richtet sich die vorliegende außerordentliche Revision, eine Revisionsbeantwortung wurde nicht erstattet. 7 Der Verwaltungsgerichtshof hat erwogen: Die Revision ist zulässig, weil sie zutreffend vorbringt, das Verwaltungsgericht habe gegen das Recht auf Parteiengehör bzw. die Verhandlungspflicht verstoßen, zumal trotz ordnungsgemäßer Entschuldigung des Revisionswerbers von der anberaumten Verhandlung und seines Ersuchens um Terminverlegung dessen Vernehmung unterblieben sei. In der Verhandlung hätte der Revisionswerber darlegen können, dass keine Unterentlohnung, sondern vielmehr eine Überzahlung der Arbeitnehmer erfolgt sei und dass die Einstufung als "angelernte Arbeiter" anstelle von "Hilfsarbeitern" (und damit die Annahme des entsprechenden Mindest-Bruttolohnes) zu Unrecht erfolgt sei. 8 Die in Bezug auf den Tatzeitraum maßgebenden Bestimmungen des AVRAG lauten auszugsweise: "Strafbestimmungen § 7i. ... 1. (5)Wer als Arbeitgeber/in einen/e Arbeitnehmer/in beschäftigt oder beschäftigt hat, ohne ihm/ihr zumindest das nach Gesetz, Verordnung oder Kollektivvertrag zustehende Entgelt unter Beachtung der jeweiligen Einstufungskriterien, ausgenommen die in § 49 Abs. 3 ASVG angeführten Entgeltbestandteile, zu leisten, begeht eine Verwaltungsübertretung und ist von der Bezirksverwaltungsbehörde mit einer Geldstrafe zu bestrafen. Bei Unterentlohnungen, die durchgehend mehrere Lohnzahlungszeiträume umfassen, liegt eine einzige Verwaltungsübertretung vor. Auf Betriebsvereinbarung oder Arbeitsvertrag beruhende Überzahlungen bei den nach Gesetz, Verordnung oder Kollektivvertrag gebührenden Entgeltbestandteilen sind auf allfällige Unterentlohnungen im jeweiligen Lohnzahlungszeitraum anzurechnen. Hinsichtlich von Sonderzahlungen für die in § 7g Abs. 1 Z 1 und 2 genannten Arbeitnehmer/innen liegt eine Verwaltungsübertretung nach dem ersten Satz nur dann vor, wenn der/die Arbeitgeber/in die Sonderzahlungen nicht oder nicht vollständig bis spätestens 31. Dezember des jeweiligen Kalenderjahres leistet. Sind von der Unterentlohnung höchstens drei Arbeitnehmer/innen betroffen, beträgt die Geldstrafe für jede/n Arbeitnehmer/in 1 000 Euro bis 10 000 Euro, im Wiederholungsfall 2 000 Euro bis 20 000 Euro, sind mehr als drei Arbeitnehmer/innen betroffen, für jede/n Arbeitnehmer/in 2 000 Euro bis 20 000 Euro, im Wiederholungsfall 4 000 Euro bis 50 000 Euro. ... 1. (6)Stellt die Bezirksverwaltungsbehörde fest, dass 1. der/die Arbeitgeber/in dem/der Arbeitnehmer/in die Differenz zwischen dem tatsächlich geleisteten und dem dem/der Arbeitnehmer/in nach den österreichischen Rechtsvorschriften gebührenden Entgelt binnen einer von der Behörde festzusetzenden Frist nachweislich leistet, und 2. die Unterschreitung des nach Abs. 5 Z 1 maßgeblichen Entgelts unter Beachtung der jeweiligen Einstufungskriterien gering ist oder 3. das Verschulden des/der Arbeitgebers/in oder des/der zur Vertretung nach außen Berufenen (§ 9 Abs. 1 VStG) oder des/der verantwortlichen Beauftragten (§ 9 Abs. 2 oder 3 VStG) leichte Fahrlässigkeit nicht übersteigt, hat sie von der Verhängung einer Strafe abzusehen. Ebenso ist von der Verhängung einer Strafe abzusehen, wenn der/die Arbeitgeber/in dem/der Arbeitnehmer/in die Differenz zwischen dem tatsächlich geleisteten und dem dem/der Arbeitnehmer/in nach den österreichischen Rechtsvorschriften gebührende Entgelt vor der Aufforderung durch die Bezirksverwaltungsbehörde nachweislich leistet und die übrigen Voraussetzungen nach dem ersten Satz vorliegen. In Verwaltungsstrafverfahren nach Abs. 5 ist § 45 Abs. 1 Z 4 und letzter Satz VStG nicht anzuwenden. Weist der/die Arbeitgeber/in der Bezirksverwaltungsbehörde nach, dass er/sie die Differenz zwischen dem tatsächlich geleisteten und dem dem/der Arbeitnehmer/in nach den österreichischen Rechtsvorschriften gebührenden Entgelt geleistet hat, ist dies bei der Strafbemessung strafmildernd zu berücksichtigen." 9 Das Verwaltungsgericht hat die Verhandlung vom 28. August 2019 in Abwesenheit des Revisionswerbers durchgeführt (im Verhandlungsprotokoll wird dazu auf § 45 Abs. 2 VwGVG verwiesen). 10 Gemäß § 45 Abs. 2 VwGVG hindert der Umstand, dass eine Partei trotz ordnungsgemäßer Ladung nicht erschienen ist, weder die Durchführung der Verhandlung noch die Fällung des Erkenntnisses. 11 Nach dem gemäß § 38 VwGVG 2014 iVm § 24 VStG auch im Verwaltungsstrafverfahren anzuwendenden § 19 Abs. 3 AVG hat, wer nicht durch Krankheit, Gebrechlichkeit oder sonstige begründete Hindernisse vom Erscheinen abgehalten ist, die Verpflichtung, der Ladung Folge zu leisten, und kann zur Erfüllung dieser Pflicht durch Zwangsstrafen verhalten oder vorgeführt werden. Das Vorliegen eines der in § 19 Abs. 3 AVG genannten Gründe rechtfertigt das Nichterscheinen des Geladenen. Liegt ein solcher Rechtfertigungsgrund vor, kann nicht von einer "ordnungsgemäßen Ladung", die zur Durchführung der Verhandlung auch in Abwesenheit der Partei berechtigt, gesprochen werden (vgl. etwa VwGH vom 19.4.2018, Ra 2018/08/0007, mwN). 12 Im gegenständlichen Fall hat das Verwaltungsgericht angenommen, dass der Revisionswerber nicht durch einen gerechtfertigten Grund vom Erscheinen in der Verhandlung abgehalten gewesen sei, weil in der von ihm vorgelegten ärztlichen Bestätigung (bloß) die Diagnose "A41" genannt sei, die das Verwaltungsgericht (ohne weitere Begründung) gleichbedeutend mit "Infektion" ansah. Die Revision hält dem entgegen, dass die genannte Diagnose eine "Sepsis", also eine lebensbedrohende Krankheit, bezeichne, was sich unschwer durch entsprechende Übersetzungen im Internet bestätigen lasse. 13 Das Verwaltungsgericht hat somit das Vorliegen eines Rechtfertigungsgrundes für das Nichterscheinen des Revisionswerbers zur Verhandlung verneint, ohne dies schlüssig zu begründen, sodass nach dem Gesagten die ordnungsgemäße Ladung zur Verhandlung nicht angenommen werden kann. 14 Auf die genannten Ausführungen der Revision zur Relevanz dieses Verfahrensmangels war nicht weiter einzugehen, weil eine grundsätzlich die Verpflichtung zur Verhandlung (unter Teilnahme des Beschuldigten) begründende "strafrechtliche Anklage" im Sinn des Art. 6 EMRK vorlag (vgl. etwa VwGH 23.03.2015, Ra 2014/08/0066, sowie das bereits zitierte Erkenntnis Ra 2018/08/0007, mwN). 15 Auch das erwähnte Zusatzargument des Verwaltungsgerichts, dem Vorbringen des Revisionswerbers sei "vollinhaltlich Glauben geschenkt" worden, trifft nicht zu und kann das Unterbleiben der Verhandlung in Anwesenheit des Revisionswerbers nicht rechtfertigen. Denn dem Vorbringen der Beschwerde, sämtliche Arbeitnehmer seien keine angelernten Arbeiter, sondern Hilfskräfte gewesen und daher als solche zu entlohnen, wurde nicht vollinhaltlich gefolgt (so wird schon im Spruch des angefochtenen Erkenntnisses auch auf den Bruttolohn für angelernte Arbeiter abgestellt). Überdies finden sich zur konkreten Tätigkeit der Arbeitnehmer des Revisionswerbers keinerlei Feststellungen, welche deren Einstufung nach ihrer Qualifikation nachvollziehbar machen. 16 Im fortzusetzenden Verfahren wird schließlich eine nachvollziehbare Auseinandersetzung mit dem Einwand des Revisionswerbers, eine Unterentlohnung liege infolge der freiwillig an die Arbeitnehmer geleisteten Prämien nicht vor, unter dem Gesichtspunkt des § 7i Abs. 5 dritter Satz AVRAG zu erfolgen haben. 17 Das angefochtene Erkenntnis war somit wegen (vorrangiger) inhaltlicher Rechtswidrigkeit gemäß § 42 Abs. 2 Z 1 VwGG aufzuheben. 18 Die Kostenentscheidung gründet sich auf die §§ 47 ff VwGG iVm der VwGH-Aufwandersatzverordnung 2014. Wien, am 23. Jänner 2020
JWT_2019110186_20200129L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019110186.L00
Ra 2019/11/0186
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019110186_20200129L00/JWT_2019110186_20200129L00.html
1,580,256,000,000
268
Spruch Die Revision wird als gegenstandslos geworden erklärt und das Verfahren eingestellt. Ein Zuspruch von Aufwandersatz findet nicht statt. Begründung 1 Mit dem angefochtenen Erkenntnis wies das Bundesverwaltungsgericht, den Bescheid der belangten Behörde vom 15. Mai 2019 bestätigend, den Antrag des Revisionswerbers auf Befreiung von der Verpflichtung zur Leistung des ordentlichen Zivildienstes gemäß § 13 Abs. 1 Z 2 Zivildienstgesetz 1986 (ZDG) ab. Unter einem sprach das Verwaltungsgericht gemäß § 25a VwGG aus, dass die Revision an den Verwaltungsgerichtshof nicht zulässig sei. 2 Dagegen richtet sich die vorliegende (außerordentliche) Revision. 3 Mit Note vom 4. Dezember 2019 übermittelte das Bundesverwaltungsgericht den Widerruf der Zivildiensterklärung durch den Revisionswerber vom 25. November 2019. Über Vorhalt teilte der Revisionswerber mit Schreiben vom 18. Dezember 2019 mit, auf Grund des Widerrufs seiner Zivildiensterklärung kein rechtliches Interesse mehr an einer Entscheidung über die vorliegende Revision zu haben. 4 Gemäß § 33 Abs. 1 erster Satz VwGG ist die Revision mit Beschluss als gegenstandslos geworden zu erklären und das Verfahren einzustellen, wenn in irgendeiner Lage des Verfahrens offenbar wird, dass der Revisionswerber klaglos gestellt wurde. 5 § 33 Abs. 1 VwGG ist nicht nur auf die Fälle der formellen Klaglosstellung beschränkt. Ein Einstellungsfall wegen Gegenstandslosigkeit liegt insbesondere auch dann vor, wenn der Revisionswerber kein rechtliches Interesse mehr an einer Sachentscheidung des Gerichtshofes hat (vgl. etwa VwGH 23.4.2018, Ra 2018/11/0029). 6 Ein solcher Fall liegt hier vor: Gemäß § 6 Abs. 2 ZDG erlischt mit Einbringung einer Widerrufserklärung die Zivildienstpflicht. 7 Die Revision war somit in sinngemäßer Anwendung des § 33 Abs. 1 VwGG für gegenstandslos geworden zu erklären und das Revisionsverfahren einzustellen. 8 In Hinblick darauf, dass die Entscheidung über die Kosten einen unverhältnismäßigen Aufwand erfordern würde, hat der Verwaltungsgerichtshof gemäß § 58 Abs. 2 zweiter Satz VwGG nach freier Überzeugung entschieden, dass kein Aufwandersatz zugesprochen wird. Wien, am 29. Jänner 2020
JWT_2019110191_20201008L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019110191.L00
Ra 2019/11/0191
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019110191_20201008L00/JWT_2019110191_20201008L00.html
1,602,115,200,000
1,475
Spruch Das angefochtene Erkenntnis wird wegen Rechtswidrigkeit des Inhaltes aufgehoben. Der Bund hat dem Revisionswerber Aufwendungen in der Höhe von € 1.346,40 binnen zwei Wochen bei sonstiger Exekution zu ersetzen. Begründung 1 Mit Beschluss des Oberlandesgerichtes Wien vom 24. Juni 2014 wurde das Verfahren über die Berufung des Revisionswerbers wegen Sonderruhegeld bis zur rechtskräftigen Entscheidung im Verwaltungsverfahren (einschließlich eines allfälligen Verfahrens vor dem Verwaltungsgerichtshof), ob die Tätigkeit des Revisionswerbers bei der B. GmbH im Zeitraum vom 1. April 1997 bis 31. Dezember 2000 dem Art. VII Abs. 2 Z 4 (nach der Begründung: Abs. 4) Nachtschwerarbeitsgesetz (NSchG) unterlag, unterbrochen. 2 Mit dem angefochtenen Erkenntnis wurde, in Bestätigung eines Bescheides der belangten Behörde vom 16. September 2015, nach durchgeführter mündlicher Verhandlung festgestellt, dass die Tätigkeit des Revisionswerbers für die B. GmbH im genannten Zeitraum keine Nachtschwerarbeit im Sinne des Art. VII Abs. 4 NSchG gewesen sei. Gleichzeitig wurde gemäß § 25a VwGG ausgesprochen, dass eine ordentliche Revision an den Verwaltungsgerichtshof nach Art. 133 Abs. 4 B-VG unzulässig sei. 3 In der Begründung stellte das Verwaltungsgericht im Wesentlichen fest, der Revisionswerber sei seit 1994 bei der B. GmbH als Portier tätig und ab Jänner 1997 zur Betriebsfeuerwehr übernommen und formal (organisatorisch) in diese eingegliedert worden. Im fraglichen Zeitraum 1. April 1997 bis 31. Dezember 2000 sei er aber „weiterhin hauptberuflich als Portier tätig gewesen“ und habe im Schichtbetrieb gearbeitet. Er habe pro Kalendermonat mindestens sechs Nachtschichten im Ausmaß von sechs Stunden zwischen 22:00 Uhr und 6:00 Uhr erbracht. 4 Dabei habe er am Beginn seines Schichteinsatzes von 18:00 bis 22:00 Uhr in der Portiersloge gearbeitet und sei danach, als die Portiersloge nicht mehr geöffnet gewesen sei, in die „Feuerwache der Betriebsfeuerwehr“ der B. GmbH gewechselt, wo er „diverse andere Tätigkeiten“, nämlich primär Instandhaltungsarbeiten und Kontrolltätigkeiten, verrichtet habe. Dort habe er auch an „Einsätzen teilgenommen, allerdings nicht in einem überwiegenden Ausmaß, sondern hilfsweise, wenn die Feuerwehr zu unterstützen war“. Im fraglichen Zeitraum habe er so laut den entsprechenden Einsatzberichten an fünf Einsätzen als Einsatzleiter teilgenommen. Von den in diesem Zeitraum während der Anwesenheit des Revisionswerbers im Tag- oder Nachtdienst angefallenen 204 Feuerwehreinsätzen habe der Revisionswerber an 82 Einsätzen „teilgenommen bzw. mitgearbeitet“. Eine „überwiegende Tätigkeit [des Revisionswerbers] als Feuerwehrmann im Sinne einer permanenten Alarmbereitschaft und Arbeitsbereitschaft für Feuerwehreinsätze“ habe nicht festgestellt werden können. 5 In rechtlicher Hinsicht führte das Verwaltungsgericht aus, dass Arbeitnehmer der Feuerwehr gemäß Art. VII Abs. 4 NSchG dann Nachtschwerarbeit leisten, wenn sie (einerseits) in der Zeit zwischen 22:00 Uhr und 6:00 Uhr mindestens sechs Stunden Einsätze oder Arbeitsbereitschaft für Einsätze im Schichtdienst leisten und wenn es sich dabei (andererseits) um die „Haupttätigkeit“ der Arbeitnehmer handelt. 6 Nicht erfasst seien „Arbeitnehmer, die nur im Einzelfall Feuerwehrtätigkeiten, im Übrigen aber sonstige Arbeiten ausüben“ (Hinweis auf die Erläuterungen zur letztgenannten Bestimmung; nach diesen sei die Bereitschaft in Form von Rufbereitschaft nicht ausreichend). 7 Gegenständlich sei die Arbeit des Revisionswerbers daher nicht als Nachtschwerarbeit anzusehen, denn dieser sei „die ganze Zeit während seiner Nachtschicht mit Arbeiten beschäftigt [gewesen] und hatte keinen Bereitschaftsdienst“. Da er nur „fallweise Feuerwehrtätigkeiten ausübte“, sei seine Tätigkeit nicht als Feuerwehrtätigkeit iSd Art. VII Abs. 4 NSchG zu werten gewesen. 8 Gegen dieses Erkenntnis richtet sich die vorliegende außerordentliche Revision, zu der die belangte Behörde eine Revisionsbeantwortung erstattet hat. 9 Der Verwaltungsgerichtshof hat erwogen: 10 Das Nachtschwerarbeitsgesetz, BGBl. Nr. 354/1981 in der hier maßgebenden Fassung BGBl. I Nr. 30/2018 (NSchG), lautet auszugsweise: „Artikel VII Nachtarbeit und Nachtschwerarbeit (1) Nachtarbeit im Sinne dieses Bundesgesetzes leistet ein Arbeitnehmer, der in der Zeit zwischen 22 Uhr und 6 Uhr mindestens sechs Stunden arbeitet, sofern nicht in die Arbeitszeit regelmäßig und in erheblichem Umfang Arbeitsbereitschaft fällt. (2) Nachtschwerarbeit leistet ein Arbeitnehmer im Sinne des Abs. 1, der unter einer der folgenden Bedingungen arbeitet: ... (4) Nachtschwerarbeit leisten auch Arbeitnehmer/innen der Feuerwehr, die in der Zeit zwischen 22 Uhr und 6 Uhr mindestens sechs Stunden Einsätze oder Arbeitsbereitschaft für Einsätze im Schichtdienst leisten, wenn es sich dabei um die Haupttätigkeit der Arbeitnehmer/innen handelt. Dies gilt abweichend von Abs. 1 auch dann, wenn in die Arbeitszeit regelmäßig und in erheblichem Umfang Arbeitsbereitschaft fällt. (5) Die zuständigen Krankenversicherungsträger haben auf Antrag des Arbeitgebers, des Arbeitnehmers oder des zuständigen Organs der Arbeitnehmerschaft durch Bescheid im Einzelfall die erschwerenden Arbeitsbedingungen im Sinne des Abs. 2 oder 4, einer Verordnung nach Abs. 3 oder eines Kollektivvertrages gemäß Abs. 6 festzustellen. An einem solchen Verfahren hat der Krankenversicherungsträger das zuständige Arbeitsinspektorat zu beteiligen. ...“ 11 Die Erläuterungen (RV 2000 BlgNR. XXIV. GP, Seite 30) zur NSchG-Novelle BGBl. I Nr. 3/2013, auf welche die gegenständliche Regelung des Artikel VII Abs. 4 NSchG zurückgeht, lauten auszugsweise: „Mit Art. VII Abs. 4 werden bestimmte Arbeitnehmer/innen der Feuerwehr in den Geltungsbereich des Nachtschwerarbeitsgesetzes aufgenommen. Voraussetzung dafür ist wie nach Abs. 1, dass in der Zeit zwischen 22 Uhr und 6 Uhr mindestens sechs Stunden gearbeitet wird und dass es sich bei den Einsätzen und der Einsatzbereitschaft um die Haupttätigkeit handelt. Bereitschaft in Form von Rufbereitschaft ist jedoch nicht ausreichend. Anders als nach Abs. 1 wird für diese Gruppe von Arbeitnehmer/innen das Bestehen von Arbeitsbereitschaft, die ein zentrales Wesensmerkmal der Tätigkeit von Arbeitnehmer/innen der Feuerwehr ist, nicht als Hinderungsgrund für die Anerkennung als Nachtschwerarbeiter/innen normiert. Zu den besonderen Belastungen dieser Arbeitnehmer/innen zählen Lebensgefahr, Arbeiten unter starker Hitze oder Kälte, gesundheitliche Gefährdung durch Rauch und Chemikalien, Einsatzfahrten mit hoher Geschwindigkeit, sofortige Einsatzbereitschaft auch unmittelbar nach einer Schlafphase mit entsprechender Belastung des Kreislaufs etc. sowie die Tatsache, dass in der Regel die Risiken des Einsatzes im Vorhinein nicht oder nur schwer abschätzbar sind. Insgesamt erscheinen diese Belastungen auch bei Anfall von Arbeitsbereitschaft zumindest für Schichtarbeit so hoch, dass eine Einbeziehung in das NSchG gerechtfertigt ist. Nicht erfasst werden jedoch jene Arbeitnehmer/innen, die nur im Einsatzfall Feuerwehrtätigkeiten, im Übrigen aber sonstige Arbeiten ausüben.“ 12 Die Revision bringt zu ihrer Zulässigkeit zusammengefasst vor, es fehle Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes zur Frage, ob die Tatbestandsvoraussetzung „Haupttätigkeit“ in Art. VII Abs. 4 NSchG bei mehreren ausgeübten Tätigkeiten, wie vom Verwaltungsgericht angenommen, anhand einer Gesamtbetrachtung und Bewertung aller Tätigkeiten eines Arbeitnehmers zu beurteilen sei (diesfalls würde Nachtschwerarbeit nach Ansicht des Revisionswerbers überhaupt nur „hauptberuflich“ tätigen Feuerwehrmännern zuteil) oder ob dabei „jeder belastende Beruf für sich zu prüfen“ sei, gegenständlich also die Tätigkeit des Revisionswerbers tagsüber als Portier und jene in der Nachtzeit als Feuerwehrmann getrennt zu beurteilen seien. Im letztgenannten Fall läge hinsichtlich der Feuerwehrtätigkeit des Revisionswerbers in der Nacht jedenfalls Nachtschwerarbeit vor. 13 In den Revisionsgründen wird (u.a.) vorgebracht, es sei völlig unerfindlich, wie das Verwaltungsgericht habe zu dem Ergebnis gelangen können, dass der Revisionswerber während der Nachtschicht keinen Bereitschaftsdienst in der Feuerwehr gehabt habe, wo er doch laut Schichtplan und Zeugenaussagen nach 22:00 Uhr Dienst in der Alarmzentrale versehen habe bzw. (nach den Feststellungen) als Portier nach dem Schließen der Portiersloge um 22:00 Uhr in die Feuerwache gewechselt sei. 14 Die Revision ist aus dem von ihr genannten Grund zulässig, sie ist auch begründet: 15 Im vorliegenden Fall geht es ausschließlich um die Frage, ob die Beschäftigung des Revisionswerbers im genannten Zeitraum bei der B. GmbH gemäß Art. VII Abs. 4 NSchG als Nachtschwerarbeit einzustufen ist. 16 Gemäß Art. VII Abs. 4 NSchG und den zitierten diesbezüglichen Materialien sind von dieser Regelung (bestimmte) „Arbeitnehmer/innen der Feuerwehr“ erfasst. Da der Revisionswerber nach den Feststellungen im fraglichen Zeitraum ausschließlich bei der B. GmbH beschäftigt war (auch die Revision behauptet nichts Gegenteiliges), wo er - unter anderem - Tätigkeiten eines Arbeitnehmers der Feuerwehr zu verrichten hatte, ist die Frage, ob es sich dabei um seine Haupttätigkeit handelte, jedenfalls in einem solchen Fall (eines einzigen Arbeitsverhältnisses) danach zu beurteilen, in welchem Verhältnis die Tätigkeiten für die Feuerwehr zu den anderen Tätigkeiten im Rahmen dieser Beschäftigung standen. Insoweit ist dem Verwaltungsgericht daher nicht entgegen zu treten. 17 In den Revisionsgründen wird allerdings zu Recht ins Treffen geführt, das Verwaltungsgericht habe bei der Beurteilung, ob gegenständlich die Tatbestandsvoraussetzungen des Art. VII Abs. 4 NSchG erfüllt sind, die Frage des Bereitschaftsdienstes des Revisionswerbers außer Acht gelassen bzw. unzutreffend beurteilt. 18 Gemäß Art. VII Abs. 4 NSchG (insbesondere dessen zweiten Satz) sind nämlich auch Zeiten der Arbeitsbereitschaft sowohl für die Berechnung der sechsstündigen Tätigkeit zwischen 22 Uhr und 6 Uhr als auch für die Frage, ob die Tätigkeit im Rahmen der Feuerwehr als Haupttätigkeit anzusehen ist, zu berücksichtigen. 19 Dabei ist dem Verwaltungsgericht zwar zuzugestehen, dass die (bloße) Rufbereitschaft (also die Bereitschaft außerhalb der Arbeitszeit bzw. außerhalb der im Dienstplan vorgesehenen Dienststunden; vgl. dazu § 20a AZG; ebenso § 50 Abs. 3 BDG und § 17b Abs. 3 GehG) nach den Materialien außer Betracht zu bleiben hat. 20 Das Verwaltungsgericht ist jedoch in seinen Feststellungen davon ausgegangen, dass der Revisionswerber nach der Beendigung seiner Tätigkeit als Portier um 22:00 Uhr, aber innerhalb seines (nach dem Dienstplan vorgesehenen) Schichtdienstes an zumindest 82 Einsätzen der Feuerwehr, fallweise sogar als Einsatzleiter, teilgenommen hat. Nicht nachvollziehbar erweist sich daher (mangels getroffener Feststellungen, an welchen Einsätzen der Revisionswerber entsprechend den Anordnungen seines Arbeitgebers teilzunehmen hatte), wenn das Verwaltungsgericht gegenständlich die „permanente Alarmbereitschaft“ des Revisionswerbers für Feuerwehreinsätze verneint hat. 21 Entscheidend ist nach dem Gesagten auch nicht, ob die Arbeitsbereitschaft des Revisionswerbers (Alarmbereitschaft) „permanent“ gegeben war, sondern in welchem Ausmaß diese Arbeitsbereitschaft im Rahmen der Feuerwehr (fallbezogen also nach 22:00 Uhr) bestand. Dazu hat das Verwaltungsgericht in offensichtlich unrichtiger Beurteilung der Rechtslage keine Feststellungen getroffen und im Rahmen der rechtlichen Beurteilung der Haupttätigkeit des Revisionswerbers lediglich die - tatsächlichen - Feuerwehreinsätze, an denen dieser teilgenommen hat, der Tätigkeit als Portier gegenüber gestellt. 22 Da das Verwaltungsgericht somit die Voraussetzungen des Art. VII Abs. 4 NSchG (insbesondere dessen zweiten Satz) verkannt hat, erweist sich das angefochtene Erkenntnis als inhaltlich rechtswidrig. 23 Das angefochtene Erkenntnis war daher gemäß § 42 Abs. 2 Z 1 VwGG aufzuheben. 24 Die Kostenentscheidung beruht auf den §§ 47ff VwGG iVm der VwGH-Aufwandersatzverordnung 2014. Wien, am 8. Oktober 2020
JWT_2019110195_20200218L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019110195.L00
Ra 2019/11/0195
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019110195_20200218L00/JWT_2019110195_20200218L00.html
1,581,984,000,000
553
Spruch Das angefochtene Erkenntnis wird wegen Rechtswidrigkeit des Inhaltes aufgehoben. Begründung 1 Mit Straferkenntnissen der Zweitrevisionswerberin (der belangten Behörde) vom 20. und 21. Mai 2019 wurde der Mitbeteiligte in seiner Funktion als Geschäftsführer der E. S.R.L. (einer Gesellschaft mit Sitz in Rumänien) schuldig erkannt, dass diese Gesellschaft als Arbeitgeberin von fünf näher genannten, auf eine Baustelle in Österreich zur Arbeitsleistung entsandten Arbeitnehmern am 6. Dezember 2018 gegen die (in näher zitierten Bestimmungen des Lohn- und Sozialdumping-Bekämpfungsgesetzes [LSD-BG] normierten) Pflichten betreffend die Bereithaltung 1. der sog. ZKO3-Meldung hinsichtlich der grenzüberschreitenden Entsendung von Arbeitskräften, 2. der Sozialversicherungsunterlagen und 3. der Lohnunterlagen verstoßen habe. Über den Revisionswerber wurden in Anwendung der Strafnormen des § 26 Abs. 1 und des § 28 LSD-BG insgesamt 15 Geldstrafen zu € 1.000,-- bzw. 2.000,-- (je eine Strafe pro betroffenem Arbeitnehmer und pro Deliktsart) sowie pro Geldstrafe eine Ersatzfreiheitsstrafe verhängt und ein Beitrag zu den Kosten des Strafverfahrens vorgeschrieben. 2 Der dagegen erhobenen Beschwerde gab das Verwaltungsgericht mit dem angefochtenen Erkenntnis Folge, behob die genannten Straferkenntnisse und stellte die Verwaltungsstrafverfahren gemäß § 45 Abs. 1 Z 1 VStG ein. Gleichzeitig wurde gemäß § 25a VwGG ausgesprochen, dass eine ordentliche Revision an den Verwaltungsgerichtshof nach Art. 133 Abs. 4 B-VG unzulässig sei. 3 In der Begründung stellte das Verwaltungsgericht die Nichtbereithaltung der genannten Unterlagen fest und führte in der rechtlichen Beurteilung unter Hinweis auf das Urteil des EuGH vom 12. September 2019, Maksimovic, C-64/18, C-140/18, C-146/18 und C-148/18, aus, Art. 56 AEUV stehe den in den Straferkenntnissen herangezogenen Bestimmungen des § 26 Abs. 1 und § 28 LSD-BG entgegen, sodass diese Normen „unangewendet“ zu bleiben hätten. Da somit das festgestellte Verhalten des Mitbeteiligten „mangels Strafnorm nicht strafbar“ sei, seien unter Beachtung des Rechtsgrundsatzes nulla poena sine lege die gegen den Mitbeteiligten erlassenen Straferkenntnisse zu beheben und die diesbezüglichen Verwaltungsstrafverfahren einzustellen gewesen. 4 Gegen dieses Erkenntnis richten sich die beiden außerordentlichen (Amts-)Revisionen, der Mitbeteiligte hat eine Revisionsbeantwortung erstattet. 5 Der Verwaltungsgerichtshof hat erwogen: 6 Die Revisionen sind zulässig, weil sie zutreffend vorbringen, das angefochtene Erkenntnis weiche von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes ab, wonach die Verdrängung von nationalem Recht durch vorrangiges Unionsrecht nur in jenem Ausmaß erfolge, das ausreiche, um einen unionsrechtskonformen Zustand herbeizuführen (Hinweis auf die Erkenntnisse vom 25. Oktober 2011, 2011/15/0070, bzw. vom 15. Oktober 2019, Ra 2019/11/0033, 0034). 7 Die Revisionen sind auch begründet, weil das Verwaltungsgericht zu Unrecht die Rechtsauffassung vertreten hat, das Urteil des EuGH vom 12. September 2019, Maksimovic, C-64/18, C-140/18, C-146/18 und C-148/18, habe zwingend zur Folge, dass die in Rede stehenden Strafnormen - zur Gänze - unangewendet zu bleiben hätten. 8 Der Verwaltungsgerichtshof hat nämlich im zitierten Erkenntnis vom 15. Oktober 2019, Ra 2019/11/0033, 0034, dargelegt, durch das zitierte Urteil des EuGH vom 12. September 2019, Maksimovic, würden die Strafnormen betreffend Verstöße gegen die Bereithaltepflicht von Lohnunterlagen nach dem AVRAG nur - in Teilbereichen - unionsrechtlich verdrängt. Gemäß § 43 Abs. 2 VwGG wird auf die Entscheidungsgründe im letztzitierten Erkenntnis verwiesen. 9 Demgegenüber werden die in Rede stehenden Gebotsnormen (Bereithaltepflichten betreffend entsprechende Unterlagen für entsandte Arbeitnehmer) durch das zitierte Urteil des EuGH nicht unionsrechtlich verdrängt, sodass die Erfüllung des objektiven und subjektiven Tatbestandes weiterhin möglich ist (vgl. auch die Rn 40 f. dieses Urteils, wiedergegeben im Erkenntnis Ra 2019/11/0033, 0034). 10 Diese Ausführungen gelten in gleicher Weise für die Bereithaltepflichten von entsprechenden Unterlagen nach den Bestimmungen des LSD-BG, bei denen es sich um Nachfolgebestimmungen der zuvor im AVRAG geregelten Pflichten handelt (vgl. zur Bereithalte- und Meldepflicht nach dem LSD-BG auch den Beschluss des EuGH vom 19. Dezember 2019, NE gegen Bezirkshauptmannschaft Hartberg, C-645/18, sowie VfGH 27.11.2019, E 2893-2896/2019). 11 Da das angefochtene Erkenntnis somit auf der unzutreffenden Rechtsansicht beruht, das dem Mitbeteiligten angelastete Verhalten sei überhaupt nicht strafbar, war es wegen Rechtswidrigkeit des Inhaltes gemäß § 42 Abs. 2 Z 1 VwGG aufzuheben. Wien, am 18. Februar 2020
JWT_2019110199_20200407L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019110199.L00
Ra 2019/11/0199
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019110199_20200407L00/JWT_2019110199_20200407L00.html
1,586,217,600,000
704
Spruch Das angefochtene Erkenntnis wird wegen Rechtswidrigkeit des Inhaltes aufgehoben. Der Antrag auf Zuerkennung von Aufwandersatz wird abgewiesen. Begründung 1 1.1. Mit Straferkenntnis der belangten Behörde vom 17. Jänner 2019 wurde der Mitbeteiligte als zur Vertretung nach außen berufenes Organ der S GmbH mit Sitz in Deutschland der Unterentlohnung betreffend fünf näher genannte Arbeitnehmer im Zeitraum von 5. April 2018 bis 30. April 2018 schuldig erkannt und über ihn gemäß § 29 LSD-BG eine Geldstrafe bzw. eine Ersatzfreiheitsstrafe verhängt. 2 1.2. Der gegen dieses Straferkenntnis vom Mitbeteiligten erhobenen Beschwerde gab das Landesverwaltungsgericht Oberösterreich (in Folge: Verwaltungsgericht) mit dem angefochtenen Erkenntnis - nach Durchführung einer mündlichen Verhandlung am 15. Mai 2019 - Folge und hob das genannte Straferkenntnis auf. Eine Revision an den Verwaltungsgerichtshof erklärte das Verwaltungsgericht gemäß § 25a VwGG für nicht zulässig. 3 Begründend führte das Verwaltungsgericht zusammengefasst aus, der Vorwurf der Unterentlohnung erfolge im gegenständlichen Fall lediglich pauschal und unter Wiedergabe der gesetzlichen Bestimmungen. Im Spruch des angefochtenen Straferkenntnisses sei weder der Anspruchslohn, der tatsächlich ausbezahlte Lohn, die prozentuelle Höhe der Unterentlohnung, noch die Nennung des entsprechenden Kollektivvertrages oder die Einstufung angeführt. Den Konkretisierungsanforderungen des § 44a VStG sei somit nicht entsprochen. Der Beschuldigte sei in seinen Verteidigungsrechten eingeschränkt, wenn ihm nicht konkret vorgehalten werde, welcher Kollektivvertrag anzuwenden und wie die betroffenen Arbeitnehmer einzustufen gewesen wären. Das Straferkenntnis sei daher aufzuheben gewesen. 4 1.3. Dagegen richtet sich die vorliegende außerordentliche Revision, die zu ihrer Zulässigkeit insbesondere vorbringt, das angefochtene Erkenntnis weiche von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes zu der im vorliegenden Fall anzuwendenden Bestimmung des § 50 VwGVG ab. Das Verwaltungsgericht habe übersehen, dass die Möglichkeit einer ersatzlosen Behebung ebenso wie die einer Aufhebung des Erkenntnisses und Zurückverweisung der Sache an die Behörde gesetzlich nicht gegeben sei. Die Rechtsansicht des Verwaltungsgerichtes, das Straferkenntnis sei ersatzlos aufzuheben, widerspreche dem Gesetzeswortlaut und der ständigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes. 5 Der Mitbeteiligte erstattete eine Revisionsbeantwortung, in der er zusammengefasst vorbringt, das Verwaltungsgericht habe das angefochtene Straferkenntnis zu Recht aufgehoben, da den Konkretisierungsanforderungen des § 44a VStG nicht entsprochen worden sei, wodurch der Mitbeteiligte in seinen Verteidigungsrechten eingeschränkt worden sei. 6 2. Der Verwaltungsgerichtshof hat erwogen: 7 2.1. Die Revision ist zulässig, weil sie zutreffend eine Abweichung des angefochtenen Erkenntnisses von (näher zitierter) hg. Rechtsprechung betreffend die meritorische Entscheidungspflicht des Verwaltungsgerichtes in Verwaltungsstrafsachen geltend macht. 2.2. § 29 Lohn- und Sozialdumping-Bekämpfungsgesetz, BGBl. I Nr. 44/2016 (LSD-BG), lautet auszugsweise: "Unterentlohnung § 29. (1) Wer als Arbeitgeber einen Arbeitnehmer beschäftigt oder beschäftigt hat, ohne ihm zumindest das nach Gesetz, Verordnung oder Kollektivvertrag gebührende Entgelt unter Beachtung der jeweiligen Einstufungskriterien, ausgenommen die in § 49 Abs. 3 ASVG angeführten Entgeltbestandteile, zu leisten, begeht eine Verwaltungsübertretung und ist von der Bezirksverwaltungsbehörde mit einer Geldstrafe zu bestrafen. Bei Unterentlohnungen, die durchgehend mehrere Lohnzahlungszeiträume umfassen, liegt eine einzige Verwaltungsübertretung vor. Entgeltzahlungen, die das nach Gesetz, Verordnung oder Kollektivvertrag gebührende Entgelt übersteigen, sind auf allfällige Unterentlohnungen im jeweiligen Lohnzahlungszeitraum anzurechnen. Hinsichtlich von Sonderzahlungen für dem ASVG unterliegende Arbeitnehmer liegt eine Verwaltungsübertretung nach dem ersten Satz nur dann vor, wenn der Arbeitgeber die Sonderzahlungen nicht oder nicht vollständig bis spätestens 31. Dezember des jeweiligen Kalenderjahres leistet. Sind von der Unterentlohnung höchstens drei Arbeitnehmer betroffen, beträgt die Geldstrafe für jeden Arbeitnehmer 1 000 Euro bis 10 000 Euro, im Wiederholungsfall.2 000 Euro bis 20 000 Euro, sind mehr als drei Arbeitnehmer betroffen, für jeden Arbeitnehmer 2 000 Euro bis 20 000 Euro, im Wiederholungsfall 4 000 Euro bis 50 000 Euro. Ebenso ist zu bestrafen, wer als Auftraggeber im Sinne des § 14 Abs. 1 Z 3 einen Heimarbeiter beschäftigt oder beschäftigt hat, ohne ihm zumindest, das nach Gesetz oder Verordnung gebührende Entgelt unter Beachtung der jeweiligen Einstufungskriterien, ausgenommen die in § 49 Abs. 3 ASVG angeführten Entgeltbestandteile, zu leisten. (...)" 8 2.3.1. Der vorliegende Revisionsfall gleicht in den entscheidungswesentlichen Punkten jenem, der dem (zur gleichlautenden Vorgängerbestimmung des § 7i Abs. 5 AVRAG ergangenen) hg. Erkenntnis vom 6. September 2019, Ra 2019/11/0053, zugrunde lag. Aus den dort dargelegten Entscheidungsgründen, auf die gemäß § 43 Abs. 2 VwGG verwiesen werden kann, befindet sich das Verwaltungsgericht gegenständlich im Irrtum, wenn es meint, dass bereits im Spruch des Straferkenntnisses das dem Arbeitnehmer tatsächlich ausbezahlte Entgelt hätte angeführt werden müssen. 9 2.3.2. Ungeachtet dessen hat das Verwaltungsgericht aber auch verkannt, dass es in einem Fall wie dem vorliegenden nicht zur (bloßen) Aufhebung des Straferkenntnisses berechtigt ist (vgl. auch dazu das zitierte Erkenntnis Ra 2019/11/0053 und die dort wiedergegebene Rechtsprechung zu § 50 VwGVG). 10 2.4. Das angefochtene Erkenntnis war vor diesem Hintergrund wegen Rechtswidrigkeit seines Inhaltes gemäß § 42 Abs. 2 Z 1 VwGG aufzuheben. 11 Die Abweisung des Antrages auf Aufwandersatz beruht auf § 47 Abs. 4 VwGG (vgl. z.B. VwGH 5.9.2018, Ra 2018/11/0144). Wien, am 7. April 2020
JWT_2019110201_20201214L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019110201.L00
Ra 2019/11/0201
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019110201_20201214L00/JWT_2019110201_20201214L00.html
1,607,904,000,000
499
Spruch Die Revision wird zurückgewiesen. Begründung 1 1.1. Mit dem angefochtenen Erkenntnis wies das Verwaltungsgericht Wien die Beschwerde des Revisionswerbers gegen das Straferkenntnis der belangten Behörde, mit welchem dieser schuldig erkannt wurde, es als Obmann und somit als gemäß § 9 Abs. 1 VStG zur Vertretung nach außen berufenes Organ eines bestimmt bezeichneten Vereins zu verantworten, dass am 17. November 2017 um 21.15 Uhr in dem Vereinslokal insofern gegen die Bestimmungen des § 13a Tabak- und Nichtraucherinnen- bzw. Nichtraucherschutzgesetzes (TNRSG) verstoßen worden sei, als zum Überprüfungszeitpunkt der einzige Gastraum (ca 90 m²), der der Verabreichung von Speisen und Getränken diene und in dem das Rauchen erlaubt sei, räumlich nicht abgeteilt gewesen sei, wobei einige Gäste geraucht hätten und Aschenbecher platziert gewesen seien, weshalb über den Revisionswerber eine Geldstrafe in Höhe von € 350,-- (Ersatzfreiheitsstrafe 21 Stunden) verhängt worden sei, ab. 2 Ferner verpflichtete das Verwaltungsgericht den Revisionswerber zur Leistung eines Beitrags zu den Verfahrenskosten. Die ordentliche Revision erklärte das Verwaltungsgericht für unzulässig. 3 1.2. In seiner Begründung führte das Verwaltungsgericht zusammengefasst aus, der betreffende Verein verfüge über eine Gewerbeberechtigung für das Gastgewerbe in der Betriebsart „Bar“, wobei das Vereinslokal aus einem einzigen Gastraum mit ca 38 Verabreichungsplätzen bestehe, der für jedermann frei zugänglich sei. Der Betrieb werde als Raucherlokal geführt. Zum Kontrollzeitpunkt seien mehrere Personen anwesend gewesen, weitere hätten das Lokal ohne weitere Kontrollmaßnahmen betreten. Es seien Getränke und kleine Speisen entgeltlich angeboten worden. Das Lokal habe täglich von 10 bis 23 Uhr geöffnet. 4 In rechtlicher Hinsicht sei zu folgern, dass der verfahrensgegenständliche Betrieb das Erscheinungsbild eines einschlägigen Gewerbebetriebes aufweise und die Preise deutlich über dem Selbstkostenpreis liegen würden, sodass die Tatbestandsvoraussetzungen des § 1 Abs. 6 GewO 1994 vorlägen. Die Vermutung des Vorliegens der Ertragsabsicht habe vom Revisionswerber nicht entkräftet werden können. Die Gewerbeinhaberin habe es unterlassen, das gebotene Rauchverbot für den einzigen Gastraum, der keine räumliche Trennung aufweise, umzusetzen. 5 2. Gegen dieses Erkenntnis richtet sich die außerordentliche Revision. 6 3.1. Nach Art. 133 Abs. 4 B-VG ist gegen ein Erkenntnis des Verwaltungsgerichtes die Revision zulässig, wenn sie von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, insbesondere weil das Erkenntnis von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abweicht, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes nicht einheitlich beantwortet wird. 7 Nach § 34 Abs. 1 VwGG sind Revisionen, die sich wegen Nichtvorliegen der Voraussetzungen des Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zur Behandlung eignen, ohne weiteres Verfahren in nichtöffentlicher Sitzung mit Beschluss zurückzuweisen. 8 Nach § 34 Abs. 1a VwGG ist der Verwaltungsgerichtshof bei der Beurteilung der Zulässigkeit der Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG an den Ausspruch des Verwaltungsgerichtes gemäß § 25a Abs. 1 VwGG nicht gebunden. Die Zulässigkeit einer außerordentlichen Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG hat der Verwaltungsgerichtshof ausschließlich im Rahmen der dafür in der Revision gesondert vorgebrachten Gründe (§ 28 Abs. 3 VwGG) zu überprüfen. 9 3.2. Die Revision bringt zur Begründung der Zulässigkeit - ohne näheren Hinweis auf eine Norm oder Rechtsprechung - ausschließlich vor, in dem der Urteilsfällung zugrunde liegenden Verfahren sei „eine erhebliche Rechtsfrage des materiellen Rechts unrichtig gelöst“ worden. Mit diesem Vorbringen wird keine Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung im Sinne des Art. 133 Abs. 4 B-VG formuliert. Damit ist dem Erfordernis des § 28 Abs. 3 VwGG nicht entsprochen, weshalb die Revision gemäß § 34 Abs. 1 VwGG zurückzuweisen ist (vgl etwa VwGH 20.12.2016, Ra 2014/15/0016, oder VwGH 19.7.2017, Ra 2017/01/0182;). Wien, am 14. Dezember 2020
JWT_2019110206_20200220L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019110206.L00
Ra 2019/11/0206
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019110206_20200220L00/JWT_2019110206_20200220L00.html
1,582,156,800,000
230
Spruch Gemäß § 30 Abs. 2 VwGG wird dem Antrag nicht stattgegeben. Begründung 1 Gemäß § 30 Abs. 2 VwGG hat der Verwaltungsgerichtshof einer an ihn gerichteten Revision auf Antrag des Revisionswerbers die aufschiebende Wirkung zuzuerkennen, wenn dem nicht zwingende öffentliche Interessen entgegenstehen und nach Abwägung aller berührten Interessen mit dem Vollzug des angefochtenen Erkenntnisses oder mit der Ausübung der mit dem angefochtenen Erkenntnis eingeräumten Berechtigung für den Revisionswerber ein unverhältnismäßiger Nachteil verbunden wäre. 2 Der Ausspruch, mit dem ein Antrag auf Befreiung von der Verpflichtung zur Leistung des ordentlichen Präsenzdienstes abgewiesen wird, ist einem Vollzug iSd § 30 Abs. 2 VwGG nicht zugänglich. Andere Folgen der Rechtskraft des angefochtenen Erkenntnisses aber, die nicht in Vollziehung des Spruchinhaltes ergehen (im vorliegenden Fall die Durchsetzung eines allfälligen Einberufungsbefehles), können die Zulässigkeit der Zuerkennung der aufschiebenden Wirkung nicht zur Folge haben. Außerdem kommt in der gegenständlichen Angelegenheit die Zuerkennung der aufschiebenden Wirkung als dem Wesen dieser Einrichtung widersprechend auch deswegen nicht in Betracht, weil dem Antragsteller damit eine Rechtsstellung eingeräumt würde, die er vor der Erlassung des angefochtenen Erkenntnisses nicht besessen hat und folglich auch bei dessen Aufhebung nicht besitzen würde. Der bloße Antrag auf Befreiung von der Verpflichtung zur Leistung des ordentlichen Präsenzdienstes hindert nämlich nicht die Erlassung eines Einberufungsbefehles (vgl. die Beschlüsse VwGH 8.10.2009, AW 2009/11/0042; 18.7.2003, AW 2003/11/0036, jeweils mwN). 3 Da die Voraussetzungen für die Zuerkennung der aufschiebenden Wirkung gemäß § 30 Abs. 2 VwGG nicht vorliegen, war der Antrag abzuweisen. Wien, am 20. Februar 2020
JWT_2019110208_20200421L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019110208.L00
Ra 2019/11/0208
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019110208_20200421L00/JWT_2019110208_20200421L00.html
1,587,427,200,000
863
Spruch Die Revision wird zurückgewiesen. Begründung 1 1.1. Mit Straferkenntnis der belangten Behörde vom 5. September 2019 wurden über den Revisionswerber wegen mehrfacher Übertretungen des Lohn- und Sozialdumping - Bekämpfungsgesetzes (LSD-BG) Geldstrafen verhängt. 2 In der Rechtsmittelbelehrung wird auf die Möglichkeit der Erhebung einer Beschwerde und die Notwendigkeit, in dieser "die Gründe, auf die sich die Behauptung der Rechtswidrigkeit stützt", anzuführen, hingewiesen. 3 1.2. Mit dem angefochtenen Beschluss wies das Landesverwaltungsgericht Oberösterreich (Verwaltungsgericht) die gegen dieses Straferkenntnis erhobene Beschwerde als unzulässig zurück. Die Revision an den Verwaltungsgerichtshof erklärte das Verwaltungsgericht gemäß § 25a VwGG für unzulässig. 4 1.2.1. In der Begründung wurde festgestellt, dass der vom anwaltlichen Vertreter des Revisionswerbers in dessen Namen eingebrachte Beschwerdeschriftsatz lediglich die Bekanntgabe der Vertretungsbefugnis des einschreitenden Anwalts und der Erhebung der Beschwerde als solche enthalten habe. Darüber hinaus sei ein Antrag auf Akteneinsicht gestellt worden. Eine Begründung der Beschwerde sei nicht erfolgt. 5 1.2.2. In der rechtlichen Beurteilung wird unter Hinweis auf § 9 Abs. 1 Z 3 VwGVG ausgeführt, die Beschwerde habe die Gründe, auf die sich die Behauptung der Rechtswidrigkeit stützt, zu enthalten. Mangle es der Beschwerde an diesem Erfordernis, so sei sie grundsätzlich einer Verbesserung gemäß § 13 Abs. 3 AVG zuzuführen. Diese Bestimmung diene dem Schutz der Parteien vor Rechtsnachteilen, die ihnen aus Anbringen entstehen können, die aus Unkenntnis der Rechtslage oder infolge eines Versehens mangelhaft seien. Habe die Partei den Mangel aber erkennbar bewusst herbeigeführt, insbesondere um auf diesem Umweg eines Verbesserungsverfahrens eine Verlängerung der Rechtsmittelfrist zu erlangen, so sei nach der Judikatur für die Erteilung eines Verbesserungsauftrages gemäß § 13 Abs. 3 AVG ausnahmsweise kein Raum und das Anbringen sofort zurückzuweisen (Hinweis auf VwGH 17.2.2015, Ro 2014/01/0036). 6 Im vorliegenden Fall habe sich der Revisionswerber bei Erhebung der Beschwerde eines berufsmäßigen Parteienvertreters bedient, weshalb weder von einer Unkenntnis der Rechtslage noch von einem Versehen ausgegangen werden könne, weshalb die Beschwerde ohne weiteres Verfahren zurückzuweisen sei. 7 2. Gegen diesen Beschluss richtet sich die (als "Beschwerde" bezeichnete) (außerordentliche) Revision. 8 3.1. Nach Art. 133 Abs. 4 B-VG ist gegen ein Erkenntnis des Verwaltungsgerichtes die Revision zulässig, wenn sie von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, insbesondere weil das Erkenntnis von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abweicht, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes nicht einheitlich beantwortet wird. Auf Beschlüsse der Verwaltungsgerichte ist Art. 133 Abs. 4 B-VG sinngemäß anzuwenden (Art. 133 Abs. 9 B-VG). 9 Nach § 34 Abs. 1 VwGG sind Revisionen, die sich wegen Nichtvorliegens der Voraussetzungen des Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zur Behandlung eignen, ohne weiteres Verfahren in nichtöffentlicher Sitzung mit Beschluss zurückzuweisen. 10 Nach § 34 Abs. 1a VwGG ist der Verwaltungsgerichtshof bei der Beurteilung der Zulässigkeit der Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG an den Ausspruch des Verwaltungsgerichtes gemäß § 25a Abs. 1 VwGG nicht gebunden. Die Zulässigkeit einer außerordentlichen Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG hat der Verwaltungsgerichtshof im Rahmen der dafür in der Revision gesondert vorgebrachten Gründe (§ 28 Abs. 3 VwGG) zu überprüfen. Diesem Erfordernis wird insbesondere nicht schon durch nähere Ausführungen zur behaupteten Rechtswidrigkeit der bekämpften Entscheidung (§ 28 Abs. 1 Z 5 VwGG) oder zu den Rechten, in denen sich der Revisionswerber verletzt erachtet (§ 28 Abs. 1 Z 4 VwGG), Genüge getan (vgl. VwGH 25.3.2014, Ra 2014/04/0001 und 18.2.2015, Ra 2015/08/0008). 11 3.2. In den gemäß § 28 Abs. 3 VwGG gesondert vorzubringenden Gründen ist konkret auf die vorliegende Rechtssache bezogen aufzuzeigen, welche Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung der Verwaltungsgerichtshof in einer Entscheidung über die Revision zu lösen hätte und in welchen Punkten die angefochtene Entscheidung von welcher Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abweicht bzw. konkret welche Rechtsfrage dieser uneinheitlich oder noch nicht beantwortet hat. Dabei hat der Revisionswerber konkret darzulegen, dass der der gegenständlich angefochtenen Entscheidung zugrunde liegende Sachverhalt einer der von ihm ins Treffen geführten hg. Entscheidungen gleicht, das Verwaltungsgericht im gegenständlichen Fall dennoch anders entschieden hat und es damit von der ständigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abgewichen ist, wobei die bloße Wiedergabe von Rechtssätzen zu verschiedenen hg. Entscheidungen nicht ausreicht. Ebenso reicht auch die bloße Nennung von hg. Entscheidungen nach Datum und Geschäftszahl, ohne auf konkrete Unterschiede in dieser Rechtsprechung hinzuweisen, nicht aus (vgl. zum Ganzen etwa den Beschluss VwGH 20.9.2018, Ra 2018/11/0118, mit Verweis auf die bisherige Judikatur). 12 Die Beurteilung der Zulässigkeit der Revision durch den Verwaltungsgerichtshof erfolgt ausschließlich anhand des Vorbringens in der Zulassungsbegründung. Der Verwaltungsgerichtshof ist weder verpflichtet, Gründe für die Zulässigkeit einer Revision anhand der übrigen Revisionsausführungen gleichsam zu suchen, noch berechtigt, von Amts wegen erkannte Gründe, die zur Zulässigkeit der Revision hätten führen können, aufzugreifen (vgl. aus vielen VwGH 20.2.2018, Ra 2018/11/0010 bis 0011, und die dort zitierte Vorjudikatur, sowie daran anknüpfend VwGH 1.10.2018, Ra 2017/11/0251). 13 3.3. In der vorliegenden Revision werden keine Rechtsfragen aufgeworfen, denen im Sinne des Art. 133 Abs. 4 B-VG grundsätzliche Bedeutung zukäme: Es kann dahingestellt bleiben, ob die gegenständliche (außerordentliche) Revision der genannten Voraussetzung, ihre Zulässigkeit gesondert von den Revisionsgründen darzulegen, entspricht. Jedenfalls beinhaltet diese weder konkrete Ausführungen, in welchen Punkten der angefochtene Beschluss von nach Datum und Geschäftszahl präzisierter Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abgewichen sei und inwieweit der vorliegende Sachverhalt vergleichbar mit jenen der bezeichneten Rechtsprechung zugrunde liegenden Fälle seien noch einen konkreten Hinweis darauf, welche Rechtsfrage der Verwaltungsgerichtshof uneinheitlich oder noch gar nicht beantwortet habe. 14 3.4. Die Revision war daher schon aus diesem Grund, ohne dass es eines Auftrages zur Namhaftmachung eines in die Liste der Rechtsanwälte einer österreichischen Rechtsanwaltskammer eingetragenen Rechtsanwalts (Einvernehmensrechtsanwalt) im Sinne des § 5 EIRAG bedurfte (vgl. den Beschluss VwGH 19.9.2018, Ra 2018/11/0146, mwN), gemäß § 34 Abs. 1 VwGG ohne weiteres Verfahren in nichtöffentlicher Sitzung zurückzuweisen (vgl. VwGH 12.11.2018, Ra 2018/11/0134). Wien, am 21. April 2020
JWT_2019110209_20200623L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019110209.L00
Ra 2019/11/0209
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019110209_20200623L00/JWT_2019110209_20200623L00.html
1,592,870,400,000
1,117
Spruch Der angefochtene Beschluss wird wegen Rechtswidrigkeit des Inhaltes aufgehoben. Der Bund hat dem Revisionswerber Aufwendungen in der Höhe von € 1.346,40 binnen zwei Wochen bei sonstiger Exekution zu ersetzen. Begründung 1 Unstrittig war die Lenkberechtigung des Revisionswerbers mit rechtskräftigem Mandatsbescheid vom 2. Jänner 2019 für die Dauer von sechs Monaten entzogen worden, weil er am 15. Dezember 2018 ein Kraftfahrzeug mit einem Alkoholgehalt der Atemluft von 0,92 mg/l in Betrieb genommen hatte. 2 Mit Bescheid der belangten Behörde vom 17. Juni 2019 wurde dem Revisionswerber die Lenkberechtigung - befristet bis 27. Mai 2021 und unter der Auflage der Vorlage von Befunden betreffend den „Abstinenznachweis“ (Haaranalysen auf Ethylglucuronid) in Abständen von jeweils 3 Monaten - gemäß § 24 Abs. 1 Z 2 FSG „erteilt“. Nach der Begründung sei die genannte Lenkberechtigung infolge des amtsärztlichen Gutachtens vom 27. Mai 2019 „einzuschränken“ gewesen, weil beim Revisionswerber von einer sog. Toleranzentwicklung und damit von einer verminderten Kontrollfähigkeit bezüglich des Konsums von Alkohol, mithin von einem „schädlichen Gebrauch von Alkohol“ auszugehen sei, was sich daraus ergebe, dass er trotz des genannten Alkoholisierungsgrades fähig gewesen sei, ein Kraftfahrzeug in Betrieb zu nehmen. 3 In der Beschwerde bekämpfte der Revisionswerber die Annahme einer Toleranzentwicklung, eine solche könne nicht mit dem Vorfall vom 15. Dezember 2018 begründet werden. An diesem Tag habe er nämlich, wie sich aus einem entsprechenden rechtskräftigen Straferkenntnis ergebe, das Kraftfahrzeug durch Starten (bloß) in Betrieb genommen, nicht aber gelenkt. Konkret habe er sich nach übermäßigem Alkoholgenuss bei einer Weihnachtsfeier in das Kraftfahrzeug gesetzt und dieses zum Beheizen des Fahrgastinnenraumes gestartet. Die Fähigkeit zum (bloßen) Starten eines Kraftfahrzeuges in alkoholisiertem Zustand (0,92 mg/l) lasse jedenfalls nicht den Schluss auf eine Toleranzentwicklung zu. 4 Aufgrund der Beschwerde des Revisionswerbers wurde dieser Bescheid mit dem angefochtenen Beschluss aufgehoben und die Angelegenheit zur Erlassung eines neuen Bescheides an die belangte Behörde zurückverwiesen. Gleichzeitig wurde gemäß § 25a VwGG ausgesprochen, dass eine ordentliche Revision an den Verwaltungsgerichtshof nach Art. 133 Abs. 4 B-VG unzulässig sei. 5 In der Begründung ging das Verwaltungsgericht von der erwähnten Entziehung der Lenkberechtigung des Revisionswerbers für die Dauer von sechs Monaten mittels Mandatsbescheides vom 2. Jänner 2019 wegen der am 15. Dezember 2018 erfolgten Inbetriebnahme eines Kraftfahrzeuges mit einem Alkoholgehalt der Atemluft von 0,92 mg/l aus. Der beim Verwaltungsgericht angefochtene Bescheid vom 17. Juni 2019 sei erlassen worden, nachdem dem Revisionswerber der Führerschein infolge Ablaufs der sechsmonatigen Entziehungsdauer ausgefolgt worden sei. Mit dem letztgenannten Bescheid sei daher eine (nachträgliche) Einschränkung der bestehenden Lenkberechtigung des Revisionswerbers gemäß § 24 Abs. 1 Z 2 FSG erfolgt. 6 Im davor liegenden Zeitraum Jänner bis Mai 2019 habe der Revisionswerber der Behörde vier „unauffällige Blutbefunde“ („CDTect-Werte“) und eine verkehrspsychologische Stellungnahme vorgelegt. Im amtsärztlichen Gutachten vom 27. Mai 2019 sei die befristete Eignung des Revisionswerbers zum Lenken von Kraftfahrzeugen festgestellt und vierteljährliche Haaranalysen empfohlen worden, weil aufgrund des Umstands, dass der Revisionswerber am 15. Dezember 2018 trotz des festgestellten hohen Alkoholisierungsgrades ein Fahrzeug in Betrieb habe nehmen können, von einer „Toleranzentwicklung“ ausgegangen werden müsse. 7 Dieser „von der Amtsärztin festgestellte schädliche Gebrauch von Alkohol“, so das Verwaltungsgericht weiter, entspreche dem „gehäuften Missbrauch“ von Alkohol iSd § 14 Abs. 5 FSG-GV, sodass nach der letztgenannten Bestimmung die Einholung einer fachärztlichen (psychiatrischen) Stellungnahme zur Abklärung der gesundheitlichen Eignung erforderlich sei. 8 Da die gemäß § 14 Abs. 5 FSG-GV erforderliche fachärztliche Stellungnahme das für die Beurteilung der Einschränkung der Lenkberechtigung entscheidende („vermutlich wichtigste“) Beweismittel darstelle, ohne welches die amtsärztlich vorgeschlagenen Einschränkungen nicht schlüssig seien, sei von erst ansatzweise vorliegenden Ermittlungsergebnissen auszugehen. Dies rechtfertige die Zurückverweisung der Sache an die belangte Behörde gemäß § 28 Abs. 3 zweiter Satz VwGVG. Auch das Gebot der Raschheit des Verfahrens spreche für die Zurückverweisung der Sache, weil die Amtsärztin, die im Anschluss an die ausstehende fachärztliche Stellungnahme ein neues Gutachten verfassen müsse, der belangten Behörde beigeordnet sei. 9 Die Durchführung einer Verhandlung habe „gemäß § 44 Abs. 2 VwGVG“ unterbleiben können, weil „bereits aufgrund der Aktenlage feststeht“, dass der angefochtene Bescheid aufzuheben sei. 10 Gegen diesen Beschluss richtet sich die vorliegende außerordentliche Revision. Die belangte Behörde erstattete eine Revisionsbeantwortung (in der sie die Aufhebung ihres Bescheides und die Zurückverweisung der Angelegenheit verteidigt), der Revisionswerber gab dazu eine Äußerung ab. 11 Der Verwaltungsgerichtshof hat in einem gemäß § 12 Abs. 1 Z 2 VwGG gebildeten Senat erwogen: 12 Die Revision ist zulässig, weil sie zutreffend vorbringt, das Verwaltungsgericht sei, hinsichtlich seiner Verpflichtung zur Durchführung einer Verhandlung von näher zitierter Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abgewichen. 13 Die Revision führt in den Revisionsgründen u.a. aus, das Verwaltungsgericht sei in seiner Entscheidung rechtswidrig ohne Verhandlung der Annahme der Amtsärztin hinsichtlich des schädlichen Gebrauchs von Alkohol durch den Revisionswerber und dadurch hervorgerufener Toleranzentwicklung gefolgt und habe deshalb zu Unrecht einen gehäuften Alkoholmissbrauch (§ 14 Abs. 5 FSG-GV) des Revisionswerbers zugrunde gelegt (an diese Annahme sei die belangte Behörde gemäß § 28 Abs. 3 VwGVG gebunden), obwohl der Revisionswerber bereits in der Beschwerde die Toleranzentwicklung bestritten habe. 14 Das Führerscheingesetz (FSG) lautet auszugsweise: „§ 24. (1) Besitzern einer Lenkberechtigung, bei denen die Voraussetzungen für die Erteilung der Lenkberechtigung (§ 3 Abs. 1 Z 2 bis 4) nicht mehr gegeben sind, ist von der Behörde entsprechend den Erfordernissen der Verkehrssicherheit 1. die Lenkberechtigung zu entziehen oder 2. die Gültigkeit der Lenkberechtigung durch Auflagen, Befristungen oder zeitliche, örtliche oder sachliche Beschränkungen einzuschränken. ...“ 15 § 14 der Führerscheingesetz-Gesundheitsverordnung (FSG-GV) lautet auszugsweise: „Alkohol, Sucht- und Arzneimittel § 14. ... (5) Personen, die alkohol-, suchtmittel- oder arzneimittelabhängig waren oder damit gehäuften Mißbrauch begangen haben, ist nach einer befürwortenden fachärztlichen Stellungnahme und unter der Auflage ärztlicher Kontrolluntersuchungen eine Lenkberechtigung der Gruppe 1 zu erteilen oder wiederzuerteilen.“ § 14 Abs. 5 FSG-GV gilt nach der hg. Rechtsprechung nicht nur für die (Wieder-)Erteilung der Lenkberechtigung, sondern auch für den Fall einer bereits bestehenden Lenkberechtigung hinsichtlich ihrer Einschränkung (vgl. das hg. Erkenntnis vom 30. Juni 2016, Ra 2016/11/0088). 16 Wenn das Verwaltungsgericht im vorliegenden Fall die Zurückverweisung der Sache an die belangte Behörde damit begründet, es fehle für die Einschränkung der Lenkberechtigung die unbedingt erforderliche fachärztliche Stellungnahme gemäß § 14 Abs. 5 FSG-GV und damit das entscheidende Beweisergebnis des Verfahrens, so legt es damit - trotz Bestreitung durch den Revisionswerber - zugrunde, dass bei diesem die Tatbestandsvoraussetzungen der letztgenannten Bestimmung (fallbezogen: gehäufter Missbrauch von Alkohol in der Vergangenheit) erfüllt seien, weil andernfalls die Einholung der fachärztlichen Stellungnahme nicht zwingend wäre, und überbindet diese Ansicht gleichzeitig der belangten Behörde (§ 28 Abs. 3 letzter Satz VwGVG). 17 Das Verwaltungsgericht irrt daher, wenn es meint, es stünde schon „aufgrund der Aktenlage fest“, dass der Bescheid vom 17. Juni 2019 zum Zwecke der Einholung einer fachärztlichen Stellungnahme aufgehoben werden müsse, sodass die Durchführung einer Verhandlung gemäß § 44 Abs. 2 VwGVG (gemeint: § 24 Abs. 2 Z 1 VwGVG) habe entfallen können. Angesichts der Bestreitung des Revisionswerbers (bzw. der festgestellten „unauffälligen Blutbefunde“) konnte nicht bereits „aufgrund der Aktenlage“ von einem vergangenen Alkoholmissbrauch seitens des Revisionswerbers ausgegangen werden, vielmehr mussten die Sachverhaltsvoraussetzungen für die Anwendbarkeit des § 14 Abs. 5 FSG-GV vom Verwaltungsgericht erst im Rahmen einer Verhandlung geklärt werden (anders daher die den hg. Beschlüssen jeweils vom 28. Mai 2020, Ra 2019/11/0135 und Ra 2019/11/0139, zugrunde liegenden Fallkonstellationen, in welchen schon aufgrund des eigenen Vorbringens des Revisionswerbers bzw. aufgrund von ihm selbst vorgelegter Befunde von einem gehäuften Missbrauch auszugehen war). Die Durchführung einer mündlichen Verhandlung schließt es auch nicht von vornherein aus, danach die Angelegenheit zur Erlassung eines neuen Bescheides zurückzuverweisen (vgl. VwGH 27.1.2016, Ra 2015/08/0171). 18 Die Verkennung der Verhandlungspflicht behaftet den angefochtenen Beschluss mit Rechtswidrigkeit des Inhaltes, sodass dieser gemäß § 42 Abs. 2 Z 1 VwGG aufzuheben war. 19 Die Entscheidung über den Aufwandersatz beruht auf den §§ 47 ff VwGG iVm der VwGH-Aufwandersatzverordnung 2014. Wien, am 23. Juni 2020
JWT_2019110214_20200708L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019110214.L00
Ra 2019/11/0214
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019110214_20200708L00/JWT_2019110214_20200708L00.html
1,594,166,400,000
1,912
Spruch Die Revision wird zurückgewiesen. Begründung 1 Mit dem angefochtenen Erkenntnis wurde (in teilweiser Bestätigung und teilweiser Abänderung des Bescheides der belangten Behörde vom 17. April 2019) der Antrag des Revisionswerbers vom 29. Jänner 2019, ihm Parteistellung in zwei grundverkehrsbehördlichen Verfahren gemäß § 29 Salzburger Grundverkehrsgesetz 2001 - GVG 2001 einzuräumen (die Verfahren betrafen einen zwischen der erst- und zweitmitbeteiligten Partei abgeschlossenen Kaufvertrag betreffend land- und forstwirtschaftliche Grundstücke in und nahe B und einen anschließenden Kaufvertrag über den Weiterverkauf dieser Grundstücke an die drittmitbeteiligte Partei), als unzulässig zurückgewiesen. Gleichzeitig wurde gemäß § 25a VwGG ausgesprochen, dass eine ordentliche Revision an den Verwaltungsgerichtshof nach Art. 133 Abs. 4 B-VG unzulässig sei. 2 In der Begründung stellte das Verwaltungsgericht als entscheidungswesentlichen Sachverhalt fest, dass zunächst der Revisionswerber mit Kaufvertrag vom 23. August 2017 die genannten Grundstücke vom Erstmitbeteiligten erworben habe, wobei aber im Vertrag das Vorkaufsrecht der H. GmbH und Co KG festgehalten worden sei. Diesem Kaufvertrag sei mit Bescheid der belangten Behörde vom 29. Jänner 2018 („Stempelbescheid“ auf der Vertragsurkunde) die grundverkehrsbehördliche Zustimmung erteilt worden. 3 Der zum Masseverwalter der H. GmbH und Co KG bestellte Zweitmitbeteiligte habe in Ausübung des genannten Vorkaufsrechts die besagten Grundstücke mit Kaufvertrag („vom 13.09.2017/11.06.2018“) erworben und dieselben mit weiterem Kaufvertrag („vom 31.08.2018/03.09.2018“) an die Drittmitbeteiligte weiterveräußert. Beiden Kaufverträgen sei mit Bescheiden der belangten Behörde jeweils vom 28. Jänner 2019 die grundverkehrsbehördliche Zustimmung erteilt worden. 4 Der Antrag des Revisionswerbers, ihm in den beiden letztgenannten Verfahren gemäß § 29 GVG 2001 die Parteistellung zuzuerkennen, habe die belangte Behörde mit dem eingangs erwähnten Bescheid vom 17. April 2019 abgewiesen und damit begründet, dass gemäß § 29 Abs. 2 leg. cit. Parteistellung im grundverkehrsbehördlichen Zustimmungsverfahren nur den Vertragsparteien zukäme. (In der Begründung dieses Bescheides wird weiters festgehalten, dass in den mit Bescheiden vom 28. Jänner 2019 abgeschlossenen grundverkehrsbehördlichen Zustimmungsverfahren eine Kundmachung des Rechtsgeschäftes gemäß § 29 GVG 2001 erfolgt und der Revisionswerber zwei Mal zur Erklärung aufgefordert worden sei, ob sein mit 10. Oktober 2018 datiertes Schreiben „als Eintritt ... in das kundgemachte Rechtsgeschäft zu werten sei“, und dass er diesfalls seine Landwirteeigenschaft noch einmal nachweisen müsse. Da der Revisionswerber weder den Eintritt in das Rechtsgeschäft bestätigt habe, noch Unterlagen für seine Landwirteeigenschaft vorgelegt habe, sei anzunehmen gewesen, dass niemand in das Rechtsgeschäft eingetreten sei.) 5 In der Beschwerde habe der Revisionswerber zugestanden, dass gemäß § 29 Abs. 2 GVG 2001 die Parteistellung im Verfahren (bei rechtsgeschäftlichem Erwerb von Grundstücken) expressis verbis nur den Vertragsparteien zustehe. Der Revisionswerber vertrete aber die Ansicht, dass ihm Parteistellung gemäß § 8 AVG zukomme, weil er ein rechtliches Interesse daran habe, dass sein Kaufvertrag vom 23. August 2017, dem die grundverkehrsbehördliche Zustimmung bereits erteilt gewesen sei, nicht durch ein, aufgrund des Vorkaufsrechts zivilrechtlich vorrangiges, Rechtsgeschäft gefährdet werde. 6 In der rechtlichen Beurteilung führte das Verwaltungsgericht zusammengefasst aus, es sei zwar richtig, dass der Kreis der Parteien des grundverkehrsrechtlichen Verfahrens in § 29 Abs. 2 GVG 2001 nicht abschließend geregelt sei, sodass zu prüfen sei, ob dem Revisionswerber ein subjektiv-öffentlich rechtliches Interesse an der Nichterteilung der grundverkehrsrechtlichen Zustimmung zu den beiden in Rede stehenden Kaufverträgen zukomme. Dies wäre dann der Fall, wenn der Veräußerer - ohne dazu zivilrechtlich verfügungsbefugt zu sein - die Grundstücke ein zweites Mal verkauft hätte, weil ein solches Rechtsgeschäft nach Meinung des Verwaltungsgerichts nicht rechtswirksam zustande gekommen wäre und damit nicht Gegenstand der grundverkehrsrechtlichen Zustimmung hätte sein können (Hinweis auf VfGH 27.2.2007, B 509/06, und VfGH 12.12.2012, B 884/12). Im vorliegenden Fall sei der Erstmitbeteiligte als Verkäufer aber aufgrund des bestehenden Vorkaufsrechtes zum Abschluss des Kaufvertrages mit dem Zweitmitbeteiligten berechtigt gewesen, sodass ein rechtswirksam abgeschlossenes Rechtsgeschäft vorliege; dies gelte umso mehr für den Weiterverkauf der Grundstücke an den Drittmitbeteiligten. 7 Soweit der Revisionswerber die Parteistellung damit begründe, dass die mit Bescheid vom 28. Jänner 2019 erteilte Zustimmung zu den beiden genannten Kaufverträgen (inhaltlich) rechtswidrig sei, sei er auf die Judikatur des Verwaltungsgerichtshofes zu verweisen, der zufolge der Schutz der in den Grundverkehrsgesetzen verankerten öffentlichen Interessen allein der Grundverkehrsbehörde überantwortet sei (Hinweis auf VwGH 29.5.2019, Ra 2017/11/0314). 8 Gegen dieses Erkenntnis erhob der Revisionswerber zunächst Beschwerde an den Verfassungsgerichtshof. Dieser lehnte deren Behandlung ab und trat sie dem Verwaltungsgerichtshof zur Entscheidung ab (Beschluss vom 3. Oktober 2019, E 3281/2019-5). 9 Nach Art. 133 Abs. 4 B-VG ist gegen ein Erkenntnis des Verwaltungsgerichtes die Revision zulässig, wenn sie von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, insbesondere weil das Erkenntnis von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abweicht, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes nicht einheitlich beantwortet wird. 10 Nach § 34 Abs. 1 VwGG sind Revisionen, die sich wegen Nichtvorliegens der Voraussetzungen des Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zur Behandlung eignen, ohne weiteres Verfahren in nichtöffentlicher Sitzung mit Beschluss zurückzuweisen. Gemäß § 34 Abs. 3 VwGG ist ein Beschluss nach Abs. 1 in jeder Lage des Verfahrens zu fassen. 11 Nach § 34 Abs. 1a VwGG ist der Verwaltungsgerichtshof bei der Beurteilung der Zulässigkeit der Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG an den Ausspruch des Verwaltungsgerichtes gemäß § 25a Abs. 1 VwGG nicht gebunden. Die Zulässigkeit einer außerordentlichen Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG hat der Verwaltungsgerichtshof im Rahmen der dafür in der Revision gesondert vorgebrachten Gründe (§ 28 Abs. 3 VwGG) zu überprüfen. Diesem Erfordernis wird insbesondere nicht schon durch nähere Ausführungen zur behaupteten Rechtswidrigkeit der bekämpften Entscheidung (§ 28 Abs. 1 Z 5 VwGG) oder zu den Rechten, in denen sich der Revisionswerber verletzt erachtet (§ 28 Abs. 1 Z 4 VwGG), Genüge getan (vgl. aus vielen die Beschlüsse VwGH 23.3.2017, Ra 2017/11/0014, und VwGH 1.9.2017, Ra 2017/11/0225, jeweils mwN). 12 Die maßgebenden Bestimmungen des Salzburger Grundverkehrsgesetzes 2001 - GVG 2001 lauten: „1. Abschnitt Beschränkungen des rechtsgeschäftlichen Verkehrs mit land- und forstwirtschaftlichen Grundstücken Anwendungsbereich, Zielsetzung § 1 (1) Der rechtsgeschäftliche Erwerb von Rechten an land- oder forstwirtschaftlichen Grundstücken unterliegt den Bestimmungen dieses Abschnitts. (2) Ziel der Bestimmungen dieses Abschnitts ist die Sicherung einer leistungsfähigen bäuerlichen Land- oder Forstwirtschaft entsprechend den natürlichen und strukturellen Gegebenheiten des Landes. ... Zustimmungsbedürftige Rechtsgeschäfte § 3 (1) Unter Lebenden abgeschlossene Rechtsgeschäfte, die ein land- oder forstwirtschaftliches Grundstück betreffen, bedürfen zu ihrer vollen Wirksamkeit der Zustimmung der Grundverkehrsbehörde, wenn sie zum Gegenstand haben: a) die Übertragung des Eigentums; b) ... Allgemeine Voraussetzungen für die Zustimmung § 4 (1) Die nach § 3 erforderliche Zustimmung darf nur erteilt werden, wenn das Rechtsgeschäft dem allgemeinen Interesse der Erhaltung, Stärkung und Schaffung eines leistungsfähigen Bauernstandes, und zwar auch in der Form wirtschaftlich gesunder, mittlerer oder kleiner land- oder forstwirtschaftlicher Betriebe, nicht widerspricht. (2) ... (3) Ein Rechtsgeschäft widerspricht in folgenden Fällen jedenfalls dem im Abs. 1 beschriebenen Interesse: 1. ... 2. Bei folgenden Rechtsgeschäften, nämlich - bei ungeteilter Veräußerung, Verpachtung udgl eines land- oder forstwirtschaftlichen Betriebes oder - bei Veräußerung, Verpachtung udgl eines land- oder forstwirtschaftlichen Grundstückes oder Teilen davon mit einer Fläche von 0,2 ha oder mehr, wenn a) der Rechtserwerber kein Landwirt ist, b) das Interesse an der Stärkung oder Schaffung eines oder mehrerer bäuerlicher Betriebe unter Berücksichtigung von öffentlichen Planungsfestlegungen das Interesse an der Nutzung auf Grund des vorliegenden Rechtsgeschäftes und allenfalls dafür notwendiger unmittelbar folgender Rechtsgeschäfte überwiegt, und c) wenigstens ein Landwirt bereit und im Stande ist, das Recht zum ortsüblichen Preis, der dazu unter Berücksichtigung der zukünftigen landwirtschaftlichen Nutzung zu ermitteln ist, und ansonsten zu den gleichen Bedingungen wie im vorliegenden Rechtsgeschäft zu erwerben. Diese Bereitschaft ist in annahmefähiger Form zu bekunden und hat gegenüber dem Veräußerer, Verpächter udgl bis zum Ablauf einer einmonatigen Frist nach Erlassung der wegen ihres Vorliegens die Zustimmung versagenden Entscheidung der Grundverkehrsbehörde die Wirkung eines verbindlichen Angebotes. Sind im vorliegenden Rechtsgeschäft enthaltene Nebenbedingungen nur vom Rechtserwerber persönlich oder in wirtschaftlicher Weise zu erbringen, ist die Bereitschaft, zu gleichen Bedingungen das Recht zu erwerben, auch dann als gegeben anzusehen, wenn diese Nebenbedingungen im Angebot bezeichnet sind, dafür die Leistung eines angemessenen Geldausgleiches angeboten wird und dessen Annahme für den Veräußerer, Verpächter udgl zumutbar ist. Das Angebot ist der Grundverkehrsbehörde zur Kenntnis zu bringen. (4) ... Verfahrensvorschriften § 29 (1) ... (2) Parteien im Verfahren sind die im Vertrag genannten Parteien bzw der Rechtserwerber bei Rechtserwerb im Weg der Versteigerung, von Todes wegen, Ersitzung oder durch Bauen auf fremdem Grund. (3) ... (4) Die Grundverkehrskommission hat in Fällen, in denen eine Ausübung der Einbietemöglichkeit gemäß § 4 Abs 3 Z 2 in Betracht kommt, vor Erteilung der Zustimmung das Rechtsgeschäft unter kurzer Angabe des Veräußerers, des Gegenstandes und der Gegenleistung der nach Lage des Gegenstandes zuständigen Gemeinde zur Kundmachung durch vierwöchigen Anschlag an deren Amtstafel sowie der Kammer für Land- und Forstwirtschaft in Salzburg bekannt zu geben. Ab Beginn der Kundmachung kann allgemein in die Unterlagen über das Rechtsgeschäft bei der Grundverkehrskommission während der Amtsstunden (§ 13 Abs 5 AVG) Einsicht genommen werden. Auf diese Möglichkeit ist in der Kundmachung hinzuweisen. ...“ 13 Die Revision führt zur Zulässigkeit im Wesentlichen aus, einerseits fehle Rechtsprechung, ob einem Landwirt (ein solcher behauptet der Revisionswerber zu sein), dem die grundverkehrsbehördliche Genehmigung für den Erwerb bestimmter Grundstücke erteilt wurde, Parteistellung in jenem grundverkehrsbehördlichen Zustimmungsverfahren, das den Erwerb (derselben Grundstücke) durch einen Vorkaufsberechtigten betrifft, auch ohne neuerliche „Einbietung“ iSd § 4 Abs. 3 Z 2 lit. c GVG 2001 zukommt. Andererseits sei das Verwaltungsgericht, indem es die Parteistellung des Revisionswerbers verneint habe, von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abgewichen, nach der ein Landwirt, der bereit und in der Lage sei, anstelle des Rechtserwerbers ein gleichartiges Rechtsgeschäft unter Lebenden unter Bezahlung des ortsüblichen Verkehrswertes abzuschließen, ein subjektives Rechts darauf habe, dass die Genehmigung eines Rechtserwerbs durch einen Nicht-Landwirt unterbleibe (Verweis auf VwGH 29.5.2019, Ra 2017/11/0314). 14 Die wiedergegebene Rechtslage zeigt, dass § 29 Abs. 2 GVG 2001 die Parteistellung im grundverkehrsbehördlichen Verfahren explizit dahin regelt, dass diese im Falle des rechtsgeschäftlichen Erwerbs von Grundstücken den Vertragsparteien zukommt. Der Verwaltungsgerichtshof hat in seiner Rechtsprechung zu den Grundverkehrsgesetzen bereits ausgesprochen, dass die Normierung des Umfanges der Parteistellung im Grundverkehrsgesetz, somit die Festlegung, wem der Materiengesetzgeber einen Rechtsanspruch bzw. ein rechtliches Interesse einräumt, den davon nicht erfassten Personen nicht die Möglichkeit eröffnet, die Parteistellung alleine aus § 8 AVG abzuleiten (vgl. VwGH 26.7.2018, Ra 2017/11/0280, Rn 12ff, zum Stmk. GVG). Daraus folgt, dass den am Rechtsgeschäft nicht teilnehmenden Personen Parteistellung in diesem Verfahren grundsätzlich nicht zukommt (vgl. erneut Ra 2017/11/0280, Rn 15, samt Verweis auf die Vorjudikatur). 15 Allerdings ergibt sich aus § 4 Abs. 3 Z 2 GVG 2001, dass ein (nicht am Rechtsgeschäft teilnehmender) Landwirt die Bereitschaft zum Erwerb der Grundstücke - in annahmefähiger Form - bekunden kann (sog. Einbietemöglichkeit; vgl. § 29 Abs. 4 GVG 2001). Diese Regelung entspricht der Interessentenregelung des § 8a Stmk. GVG, zu welcher der Verwaltungsgerichtshof im zitierten Erkenntnis Ra 2017/11/0280 (Rn 17 mit Verweis auf die Judikatur des VfGH) bereits ausgesprochen hat, dass auch die entsprechende Meldung eines Interessenten ein materiell subjektives Recht dahin begründet, dass einem Rechtsgeschäft, durch welches land- und forstwirtschaftliche Grundstücke der agrarischen Nutzung entzogen wurden, keine Zustimmung erteilt wird. 16 Aus dem Gesagten ergibt sich zum Einen, dass entgegen dem Revisionsvorbringen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes besteht, unter welchen Voraussetzungen Personen, die nicht am Rechtsgeschäft teilnehmen, also nicht Vertragspartei des zu genehmigenden Vertrages sind, Parteistellung im grundverkehrsbehördlichen Verfahren zukommt (Bekundung des Interesses am konkreten Rechtsgeschäft), und zum Anderen, dass das Verwaltungsgericht von dieser Rechtsprechung (jedenfalls im Ergebnis) nicht abgewichen ist, wenn es die Parteistellung des Revisionswerbers verneint hat: Denn der Revisionswerber, der unstrittig nicht Vertragspartei hinsichtlich der beiden (zwischen den Mitbeteiligten abgeschlossenen) Kaufverträge vom 13.09.2017/11.06.2018 und vom 31.08.2018/03.09.2018 war, erlangte auf der Grundlage der Sachverhaltsfeststellungen des Verwaltungsgerichts im vorliegenden Fall auch nicht im Wege der sog. Einbietemöglichkeit (Interessensbekundung) Parteistellung, weil er (wie sich aus seinem eigenen Revisionsvorbringen ebenso wie aus seinen aktenkundigen Schreiben vom 23. Oktober 2018 und 12. Dezember 2018 ergibt) in jenem - diese Kaufverträge betreffenden - grundverkehrsbehördlichen Zustimmungsverfahren sein Erwerbsinteresse nicht in annahmefähiger Form bekundet hat. Nach dem Gesagten ändert daran nichts, dass er in einem anderen Zustimmungsverfahren (betreffend ein Rechtsgeschäft zwischen anderen Vertragsparteien) Parteistellung hatte. 17 Auch die von der Revision behauptete Abweichung des angefochtenen Erkenntnisses von dem (zum NÖ GVG ergangenen) hg. Erkenntnis Ra 2017/11/0314 liegt nicht vor: Denn auch nach diesem Erkenntnis (vgl. Rn 25f.) hat neben der Vertragspartei nur jener Landwirt, der sein Interesse am Erwerb schriftlich angemeldet hat (vgl. § 3 Z 4 iVm § 11 Abs. 5 NÖ GVG), also der sog. Interessent, ein subjektiv-öffentliches Recht und damit Parteistellung. 18 Soweit der Revisionswerber zur Zulässigkeit der Revision ausführt, das Verwaltungsgericht habe in Abweichung von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes von der Durchführung einer Verhandlung abgesehen, ist zu entgegnen, dass die Klärung der Rechtsfrage, ob dem Revisionswerber Parteistellung zukam, nach der hg. Judikatur auch unter Berücksichtigung des Art. 6 EMRK keine Verhandlung erforderte (vgl. abermals VwGH 26.7.2018, Ra 2017/11/0280, mwN). 19 Die Revision war somit gemäß § 34 Abs. 1 VwGG zurückzuweisen. Wien, am 8. Juli 2020
JWT_2019110218_20201214L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019110218.L00
Ra 2019/11/0218
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019110218_20201214L00/JWT_2019110218_20201214L00.html
1,607,904,000,000
526
Spruch Die Revision wird zurückgewiesen. Begründung 1 1. Mit - hier nicht verfahrensgegenständlichem - Straferkenntnis vom 11. April 2019 legte die belangte Behörde dem Revisionswerber zur Last, er habe am 3. Juni 2018 mit einem dem Kennzeichen nach näher bestimmten Motorrad in der Gemeinde I die im Ortsgebiet zulässige Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h um 48 km/h überschritten, wobei die in Betracht kommende Messtoleranz bereits zu seinen Gunsten abgezogen worden sei. Der Revisionswerber habe dadurch § 20 Abs. 2 StVO 1960 verletzt, weshalb über ihn gemäß § 99 Abs. 2e StVO 1960 eine Geldstrafe (samt Ersatzfreiheitsstrafe) verhängt wurde. Das Landesverwaltungsgericht Tirol setzte die verhängte Geldstrafe herab und setzte den Beitrag zu den Kosten des Verfahrens der belangten Behörde neu fest, bestätigte jedoch den Schuldspruch. Die gegen dieses verwaltungsgerichtliche Erkenntnis erhobene Revision wurde mit Beschluss des Verwaltungsgerichtshofs vom 12. Februar 2020, Ra 2019/02/0259, zurückgewiesen. 2 2.1. Mit dem verfahrensgegenständlichem Bescheid vom 11. April 2019 entzog die belangte Behörde dem Revisionswerber die Lenkberechtigung für alle Klassen auf die Dauer von zwei Wochen, gerechnet ab dessen Rechtskraft. Begründend führte die belangte Behörde aus, der Revisionswerber sei wegen einer Geschwindigkeitsüberschreitung im Ortsgebiet um mehr als 40 km/h mittels Straferkenntnis vom selben Tag belangt worden. Da diese Überschreitung mit einem technischen Hilfsmittel festgestellt worden sei, sei eine Verkehrsunzuverlässigkeit gemäß § 7 Abs. 3 Z 4 FSG begründet und daher gemäß § 26 Abs. 3 Z 1 FSG im Falle der - wie fallgegenständlich - erstmaligen Begehung eine fixe Entziehungsdauer von zwei Wochen auszusprechen. 3 2.2. Mit dem angefochtenen Erkenntnis wies das Landesverwaltungsgericht Tirol die Beschwerde des Revisionswerbers als unbegründet ab. Die ordentliche Revision erklärte es für nicht zulässig. 4 Aufgrund der Bindungswirkung von rechtskräftigen Straferkenntnissen sei davon auszugehen, dass der Revisionswerber die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h in einem bestimmt bezeichneten Ortsgebiet um 48 km/h überschritten habe, weshalb eine bestimmte Tatsache im Sinne des § 7 Abs. 3 Z 4 FSG verwirklicht worden sei. Daraus leite sich die fixe Entziehungsdauer von zwei Wochen ab. 5 3. Gegen dieses Erkenntnis richtet sich die vorliegende außerordentliche Revision. 6 4. Nach Art. 133 Abs. 4 B-VG ist gegen ein Erkenntnis des Verwaltungsgerichtes die Revision zulässig, wenn sie von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, insbesondere weil das Erkenntnis von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abweicht, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes nicht einheitlich beantwortet wird. 7 Nach § 34 Abs. 1 VwGG sind Revisionen, die sich wegen Nichtvorliegens der Voraussetzungen des Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zur Behandlung eignen, ohne weiteres Verfahren in nichtöffentlicher Sitzung mit Beschluss zurückzuweisen. 8 Nach § 34 Abs. 1a VwGG ist der Verwaltungsgerichtshof bei der Beurteilung der Zulässigkeit der Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG an den Ausspruch des Verwaltungsgerichtes gemäß § 25a Abs. 1 VwGG nicht gebunden. Die Zulässigkeit einer außerordentlichen Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG hat der Verwaltungsgerichtshof im Rahmen der dafür in der Revision vorgebrachten Gründe (§ 28 Abs. 3 VwGG) zu überprüfen. Diesem Erfordernis wird insbesondere nicht schon durch nähere Ausführungen zur behaupteten Rechtswidrigkeit der bekämpften Entscheidung (§ 28 Abs. 1 Z 5 VwGG) oder zu den Rechten, in denen sich der Revisionswerber verletzt erachtet (§ 28 Abs. 1 Z 4 VwGG), Genüge getan (vgl. VwGH 25.3.2014, Ra 2014/04/0001 und 18.2.2015, Ra 2015/08/0008). 9 Die Revision richtet sich mit ihrem Zulässigkeitsvorbringen ausschließlich gegen die hier nicht verfahrensgegenständliche Beurteilung des der Entziehung zugrunde liegenden Straferkenntnisses betreffend die vorgeworfene Geschwindigkeitsübertretung. Ein darüber hinausgehendes Vorbringen betreffend die Entziehung der Lenkberechtigung wird nicht erstattet. 10 In der Revision werden somit keine Rechtsfragen aufgeworfen, denen im Sinne des Art. 133 Abs. 4 B-VG grundsätzliche Bedeutung zukäme. Die Revision war daher zurückzuweisen. Wien, am 14. Dezember 2020
JWT_2019120001_20200518L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019120001.L00
Ra 2019/12/0001
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019120001_20200518L00/JWT_2019120001_20200518L00.html
1,589,760,000,000
1,217
Spruch Die Revision wird zurückgewiesen. Begründung 1 Mit Bescheid der Landespolizeidirektion Wien vom 25. August 2017 wurde das Besoldungsdienstalter des Revisionswerbers mit drei Jahren, sechs Monaten und einem Tag festgesetzt. 2 In der dagegen erhobenen Beschwerde führte der Revisionswerber aus, er erhebe insoweit Beschwerde gegen den Bescheid, als eine Anrechnung von Vordienstzeiten über drei Jahre, sechs Monate und einem Tag hinaus nicht stattgefunden habe. Die erfolgte Anrechnung von drei Jahren, sechs Monaten und einem Tag bekämpfe er nicht. Der Revisionswerber nannte bestimmte Zeiten (Tätigkeit beim Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss, sowie beim Call Center im Nothilfe- und im Informationsservice des ÖAMTC), die seiner Ansicht nach über die bisher berücksichtigten Zeiten hinaus, anzurechnen seien. Er beantragte, den angefochtenen Bescheid dahin abzuändern, dass damit Vordienstzeiten über das bereits angerechnete Ausmaß hinaus angerechnet würden; in eventu beantragte er den angefochtenen Bescheid im angefochtenen Umfang aufzuheben und zur neuerlichen Entscheidung an die belangte Behörde zurückzuverweisen. 3 Das Bundesverwaltungsgericht führte am 9. November 2018 eine mündliche Verhandlung durch, in der die rechtsfreundliche Vertreterin des Revisionswerbers vorbrachte, sie bleibe bei dem Standpunkt, nur einzelne nicht angerechnete Zeiten des Bescheides zu bekämpfen und den Rest unbeanstandet zu lassen. Es handle sich um einen teilbaren Anspruch. Die nicht bekämpften Teile des Bescheids (bereits angerechneten Zeiten) seien bereits in Rechtskraft erwachsen. Die Judikatur des Verwaltungsgerichtshofs zum Vorrückungsstichtag sei gegenständlich nicht anwendbar. Der Vorrückungsstichtag sei ein Stichtag gewesen, das Besoldungsdienstalter sei hingegen dynamisch und ändere sich ständig. Der angerechnete Zeitraum sei in Rechtskraft erwachsen. Die in der Beschwerde geltend gemachten Zeiten seien hinzuzurechnen. Die bereits angerechneten Zeiten sollen jedenfalls unangetastet bleiben. 4 Mit dem angefochtenen Beschluss wies das Bundesverwaltungsgericht die Beschwerde des Revisionswerbers zurück und sprach aus, die Revision sei gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zulässig. 5 Das Bundesverwaltungsgericht stützte die Unteilbarkeit der angerechneten Zeiten unter Hinweis auf die Erkenntnisse vom 29. Jänner 2014, 2012/12/0047, und vom 9. September 2016, Ro 2015/12/0019, auf die Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes zum Vorrückungsstichtag. Daraus ergebe sich, dass es sich bei der Prüfung, welche Zeiten in welchem Ausmaß dem Zeitpunkt des Beginns des öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnisses voranzustellen seien, um bei der Festsetzung des Vorrückungsstichtags vorweg zu beurteilende Fragen handle, welche insofern Begründungselemente eines den Vorrückungsstichtag festsetzenden Bescheides bildeten. Solche Begründungselemente seien aber für sich genommen nicht rechtskraftfähig. Daraus folge, dass die im Bescheid vorweg beurteilten Fragen, welche Zeiten in welchem Umfang anzurechnen gewesen seien, von vornherein nicht in Rechtskraft erwachsen seien und daher auch nicht „teilrechtskräftig“ hätten geblieben sein können. 6 Diese Judikatur hinsichtlich der Unteilbarkeit des Spruchs über den Vorrückungsstichtag sei auf das Besoldungsdienstalter zu übertragen, da hier genauso das begehrte Teilen nur hinsichtlich einzelner Begründungselemente möglich sei, der angerechnete Zeitraum werde im Spruch jedoch wie ein Datum ungeteilt genannt. Ob es sich dabei um ein Datum oder um einen Zeitraum handle, mache hinsichtlich der Unteilbarkeit des Spruches keinen Unterschied. Zudem existiere im Beschwerdeverfahren - abgesehen von verwaltungsstrafrechtlichen Ausnahmen - kein Verschlechterungsverbot. Einer derartigen Gefahr der Verschlechterung habe sich der Revisionswerber durch seine Beschwerde ausdrücklich nicht aussetzen wollen. Dies sei von ihm und seiner rechtsfreundlichen Vertreterin in der mündlichen Verhandlung insoweit verdeutlicht worden, als bestätigt worden sei, dass die angerechneten Zeiten jedenfalls unangetastet bleiben sollten und der Rechtskraft zuzuführen seien. Damit begehre der Revisionswerber etwas Unzulässiges. Anträge, die lediglich auf Verbesserung der besoldungsrechtlichen Stellung oder auf Aufwertung oder Verbesserung der angerechneten Zeiten abzielten, seien zurückzuweisen. Um einen derartigen Antrag handle es sich bei der vorliegenden Beschwerde. Diese sei daher auf Grund der vom Revisionswerber beabsichtigten bloßen Verbesserung des Besoldungsdienstalters als unzulässig zurückzuweisen. 7 Die Unzulässigkeit der Revision begründete das Bundesverwaltungsgericht damit, dass auf die Rechtsprechung zum Vorrückungsstichtag verwiesen werden könne. Die gegenständliche Rechtsfrage des Verfahrensrechts könnte nur dann von grundsätzlicher Bedeutung sein, wenn tragende Grundsätze des Verfahrensrechts auf dem Spiel stünden. Dem anwaltlich vertretenen Revisionswerber sei im Zuge der mündlichen Verhandlung die Unmöglichkeit der Teilung des gegenständlichen Spruchs und die verfahrensrechtlichen Folgen erklärt worden. Es sei ihm eine Beratung mit seiner Vertreterin ermöglicht worden. Eine Antragsmodifikation sei dennoch nicht erfolgt. 8 In der vorliegenden Revision wurde beantragt, das angefochtene Erkenntnis dahin abzuändern, dass der Beschwerde des Revisionswerbers Folge gegeben werde; in eventu, das angefochtene Erkenntnis wegen Rechtswidrigkeit des Inhaltes aufzuheben. 9 In der Zulässigkeitsbegründung der Revision wird im Wesentlichen ausgeführt, der Revisionswerber habe den Bescheid der belangten Behörde nur insoweit bekämpft, als über die erfolgte Anrechnung von Vordienstzeiten hinaus nicht weitere Vordienstzeiten angerechnet worden seien. Den behördlich angerechneten Zeitraum habe er nicht bekämpft. Die Rechtsansicht des Bundesverwaltungsgerichts, dass die Judikatur des Verwaltungsgerichtshofes zum Vorrückungsstichtag auf das Besoldungsdienstalter zu übertragen sei, sei verfehlt. Es handle sich um eine Rechtsfrage grundsätzlicher Bedeutung, weil eine Vielzahl von Verfahren über die Feststellung des Besoldungsdienstalters anhängig sei. Eine aktuelle Judikatur des Verwaltungsgerichtshofs zur Teilbarkeit des Anspruchs (Besoldungsdienstalter) gebe es bisher nicht. Der Gesetzgeber habe mit der Einführung des Besoldungsdienstalters dahin ein völlig neues System implementiert, dass nunmehr anstatt eines „starren“ Stichtages ein dynamischer - sich ständig ändernder, quantitativ teilbarer - Zeitraum für die besoldungsrechtliche Stellung ausschlaggebend sei. Ein Stichtag im Sinne eines Zeitpunktes sei hingegen nicht teilbar gewesen. Deshalb komme eine Übertragbarkeit der Judikatur zum Vorrückungsstichtag, insbesondere die Aussage, dass Begründungselemente nicht rechtskraftfähig seien, nicht in Betracht. Die Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofs sei somit wegen des Fehlens der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofs zur Wahrung der Rechtseinheit und Rechtssicherheit geboten. 10 Mit diesem Vorbringen wird die Zulässigkeit der Revision nicht aufgezeigt. 11 Nach Art. 133 Abs. 4 B-VG ist gegen ein Erkenntnis des Verwaltungsgerichts die Revision zulässig, wenn sie von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, insbesondere weil das Erkenntnis von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abweicht, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes nicht einheitlich beantwortet wird. 12 Nach § 34 Abs. 1 VwGG sind Revisionen, die sich wegen Nichtvorliegen der Voraussetzungen des Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zur Behandlung eignen, ohne weiteres Verfahren in nichtöffentlicher Sitzung mit Beschluss zurückzuweisen. 13 Nach § 34 Abs. 1a VwGG ist der Verwaltungsgerichtshof bei der Beurteilung der Zulässigkeit der Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG an den Ausspruch des Verwaltungsgerichts gemäß § 25a Abs. 1 VwGG nicht gebunden. Die Zulässigkeit einer außerordentlichen Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG hat der Verwaltungsgerichtshof im Rahmen der dafür in der Revision vorgebrachten Gründe (§ 28 Abs. 3 VwGG) zu prüfen. 14 Die Frage, ob die Voraussetzung des Art. 133 Abs. 4 B-VG - also eine Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung - vorliegt, ist im Zeitpunkt der Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofes zu beurteilen. Wurde die zu lösende Rechtsfrage in der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes - auch nach Einbringung der Revision - bereits geklärt, liegt daher keine Rechtsfrage (mehr) vor, der im Sinne des Art. 133 Abs. 4 B-VG grundsätzliche Bedeutung zukäme (vgl. z.B. VwGH 12.9.2016, Ro 2015/12/0021). 15 Die in der Zulässigkeitsbegründung der Revision aufgeworfene Rechtsfrage wurde vom Verwaltungsgerichtshof bereits mit Erkenntnis vom 6. November 2019, Ra 2019/12/0045, auf dessen Begründung gemäß § 43 Abs. 2 VwGG verwiesen wird, geklärt. In dem genannten Erkenntnis wurde klargestellt, dass der Ausspruch der Behörde über das Besoldungsdienstalter, nämlich betreffend das Ausmaß der gemäß § 12 GehG anzurechnenden Vordienstzeiten, als solcher nicht teilbar ist und als notwendige Einheit nicht hinsichtlich eines damit erworbenen Anspruchs auf Beibehaltung zumindest der darin ausgesprochenen besoldungsrechtlichen Stellung in Rechtskraft erwachsen kann. Trotz des „eingeschränkt“ formulierten Anfechtungsgegenstandes erwüchsen die von der Behörde dem Besoldungsdienstalter vorangestellten Zeiten nicht in Teilrechtskraft, es gelange in diesem Zusammenhang auch nicht das Verbot der „reformatio in peius“ zur Anwendung. 16 Im Übrigen wird mit dem Hinweis auf eine Vielzahl Betroffener keine auf den konkreten Fall bezogene grundsätzliche Rechtsfrage dargestellt, bewirkt doch der Umstand, dass die zu lösende Rechtsfrage in einer Vielzahl von Fällen auftreten könne, für sich allein noch nicht ihre Erheblichkeit im Sinn des Art. 133 Abs. 4 B-VG (z.B. VwGH 9.3.2020, Ra 2020/12/0001). 17 Eine Rechtsfrage grundsätzlicher Bedeutung im Sinne des Art. 133 Abs. 4 B-VG wurde somit in der Zulässigkeitsbegründung der Revision nicht aufgezeigt, sodass die Revision gemäß § 34 Abs. 1 VwGG zurückzuweisen war. Wien, am 18. Mai 2020
JWT_2019120005_20200309L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019120005.L00
Ra 2019/12/0005
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019120005_20200309L00/JWT_2019120005_20200309L00.html
1,583,712,000,000
2,699
Spruch Die Revision wird zurückgewiesen. Begründung 1 Der Revisionswerber steht als Exekutivbeamter in einem öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis zum Bund. Seine Dienststelle ist das Bezirkspolizeikommando K. 2 Der Revisionswerber beantragte am 7. März 2016 die bescheidmäßige Feststellung seiner Schwerarbeitsmonate gemäß § 15b Beamten-Dienstrechtsgesetz 1979 (BDG 1979). Mit Bescheid vom 24. August 2016 stellte die Landespolizeidirektion Tirol gemäß § 15b Abs. 1 bis 3 BDG 1979 fest, dass der Revisionswerber zum 31. März 2016 keine Schwerarbeitsmonate aufweise. 3 Die dagegen vom Revisionswerber erhobene Beschwerde wies das Bundesverwaltungsgericht mit Erkenntnis vom 27. März 2017, GZ W106 2138477-1/10E, ab. Es traf Feststellungen zu den in der Arbeitsplatzbeschreibung des Revisionswerbers in der Funktion "Leiter des Kriminalreferates und ernannter zweiter Stellvertreter des Bezirkspolizeikommandanten" vom 19. April 2016 in der Rubrik "sicherheitspolizeilicher Exekutivdienst/wachespezifischer Außendienst" angeführten Tätigkeitsbereichen mit einem Anteil von 50 % des Gesamtbeschäftigungsausmaßes. Weiters führte es in dem mit "Feststellungen (Sachverhalt)" überschriebenen Abschnitt aus, die unter Punkt 7 der Arbeitsplatzbeschreibung angeführte ständige Kontaktpflege mit Behörden, Ämtern, Organisationen udgl. sowie die angeführten Präventions- und Beratungstätigkeiten vor Ort seien überwiegend nicht als wachespezifischer Außendienst zu qualifizieren, weil mit diesen Tätigkeiten keine wachespezifischen Belastungen einhergingen, selbst wenn der Revisionswerber auch bei solchen Tätigkeiten die Dienstwaffe mit sich führe. Von den in der Arbeitsplatzbeschreibung angegebenen 50 % wachespezifischer Außendienst sei dieser Tätigkeitsbereich mit ca. 10 % zu bemessen. Auch im Zeitraum vom 1. Februar 1999 bis 31. Juli 2002 seien keine Schwerarbeitszeiten angefallen, weil die Tätigkeiten des Revisionswerbers in dieser Zeit als Sachbereichsleiter im Grenzreferat sowie als Lehrer im SchA X im Wesentlichen Innendiensttätigkeiten darstellten, wofür auch die gewährte Gefahrenzulage von 7,30 % des Referenzbetrages ein Indiz darstelle. Es könne insgesamt nicht festgestellt werden, dass der Revisionswerber in den letzten zwanzig Jahren vor dem 31. März 2016 mehr als die Hälfte seiner Dienstzeit wachespezifischen Außendienst geleistet habe. 4 In rechtlicher Hinsicht führte das Bundesverwaltungsgericht aus, die Verordnung der Bundesregierung über besonders belastende Berufstätigkeiten (BGBl. II Nr. 105/2006) stelle - ähnlich wie die Voraussetzungen für eine Vergütung für eine besondere Gefährdung - grundsätzlich auf die Gefährdung ab. Zusätzlich jedoch fordere diese Verordnung eine weitere unabdingbare "ausschließliche" Tatbestandsvoraussetzung, nämlich dass "zumindest die Hälfte der monatlichen Dienstzeit als wachespezifischer Außendienst" geleistet werde (Hinweis auf § 1 Z 4 lit. a der genannten Verordnung). Es liege auf der Hand, dass es sich beim "Außendienst" um eine Dienstverrichtung außerhalb des Amtsgebäudes handeln müsse. Das Bundesverwaltungsgericht schließe sich der Rechtsansicht der belangten Behörde an, dass nicht jeder Außendienst eines Exekutivbeamten gleichzeitig auch als ein wachespezifischer Außendienst im Verständnis der Schwerarbeitsverordnung BGBl. II Nr. 105/2006 zu werten sei. 5 Das ergänzende Beweisverfahren habe ergeben, dass der Revisionswerber mit den unter Punkt 7 der Arbeitsplatzbeschreibung angeführten Tätigkeitsbereichen "Sensor des LV für Tirol und Beauftragter für Integrationsprojekt der LPD, Wahrnehmungen und Kontakte vor Ort zu politischen und religiösen Gruppierungen aller Art (Radikalismus, Extremismus und Terrorismus) etc." und "polizeilicher Campleiter im Rahmen der BAO für alle Notunterkünfte im Bezirk" erst im Zuge des großen Flüchtlingszustromes, jedenfalls aber erst nach 2012 betraut worden sei. Diese angeführten Tätigkeitsbereiche erfüllten schon daher nicht das Erfordernis der Ausübung über mindestens 120 Monate innerhalb der letzten 20 Jahre gemäß § 15b BDG 1979. 6 Die unter Punkt 7 der Arbeitsplatzbeschreibung angeführten Tätigkeiten der ständigen Kontaktpflege mit Behörden, Ämtern, Organisationen und dergleichen sowie die angeführten Präventions- und Beratungstätigkeiten vor Ort seien nicht als wachespezifischer Außendienst zu qualifizieren, weil diese Tätigkeiten überwiegend keine wachespezifischen Belastungen beinhalteten. Der mit ca. 10 % zu bemessende Anteil dieser Beratungstätigkeiten und der Kontaktpflege sei daher von den in der Arbeitsplatzbeschreibung angeführten 50 % des wachespezifischen Außendienstes in Abschlag zu bringen, womit schon dadurch das Mindestausmaß von 50 % der monatlichen Dienstzeit nicht mehr erreicht werde. Der Umstand, dass der Revisionswerber auch bei diesen Tätigkeiten die Dienstwaffe mit sich geführt habe, habe für die Qualifikation als wachespezifische Tätigkeit keine Relevanz. 7 Zusammenfassend sei daher festzustellen, dass der Revisionswerber im Zeitraum vom 1. Februar 1999 bis zum 31. März 2016 die Anspruchsvoraussetzungen des § 15b BDG 1979 in Verbindung mit § 1 Z 1 lit. a der Verordnung BGBl. II Nr. 2015/2006 nicht erfüllt habe, weshalb die Beschwerde als unbegründet abzuweisen gewesen sei. 8 Mit Beschluss vom 27. November 2018, E 4507/2018-5, lehnte der Verfassungsgerichtshof die gegen dieses Erkenntnis erhobene Beschwerde ab und trat diese dem Verwaltungsgerichtshof zur Entscheidung ab. Eine Revision an den Verwaltungsgerichtshof wurde nicht erhoben. 9 Mit Antrag vom 21. März 2018 begehrte der Revisionswerber die Wiederaufnahme des vor dem Bundesverwaltungsgericht betreffend die Feststellung von Schwerarbeitsmonaten gemäß § 15b BDG 1979 geführten Verfahrens. Er führte aus, gemäß § 32 Abs. 1 Z 2 VwGVG sei dem Antrag einer Partei auf Wiederaufnahme eines durch Erkenntnis des Verwaltungsgerichts abgeschlossenen Verfahrens stattzugeben, wenn neue Tatsachen oder Beweismittel hervorkämen, die im Verfahren ohne Verschulden der Partei nicht hätten geltend gemacht werden können und allein oder in Verbindung mit dem sonstigen Ergebnis des Verfahrens voraussichtlich ein im Hauptinhalt des Spruchs anders lautendes Erkenntnis herbeigeführt hätten. Eine Legaldefinition, was unter "wachespezifischem Außendienst" zu verstehen sei, existiere nicht. Auf Tatsachenebene lägen dem Verfahren erster und zweiter Instanz keine Fakten zugrunde, weshalb ein exekutiver Außendienst eines Kriminalbeamten (§§ 3 und 5 SPG) mit der Waffe nicht eo ipso mit typischen wachespezifischen Belastungen verbunden sei oder sein könne. In dem im Erkenntnis vom 27. März 2017 zitierten Erkenntnis des Bundesverwaltungsgerichts vom 13. Mai 2015, GZ W213 2100518-1/6E, werde auf die Verordnung der Bundesregierung über besonders belastende Berufstätigkeiten, BGBl. II Nr. 105/2006 - ähnlich wie die Voraussetzungen für eine Vergütung für eine besondere Gefährdung - und darauf verwiesen, dass sowohl die Verordnung als auch das Gehaltsgesetz grundsätzlich auf die Gefährdung abstellten. Ein objektivierbares Unterscheidungsmerkmal zwischen exekutivem Außendienst und wachespezifischem Außendienst in seiner Auswirkung auf Sachverhalte nach § 15b BDG 1979 sei dem erwähnten Erkenntnis des Bundesverwaltungsgerichts auf Tatsachenebene nicht zu entnehmen. Aus dem Befund des diesem Antrag angeschlossenen Sachverständigengutachtens vom 16. März 2018 ergebe sich die Tatsachenfeststellung, dass zwischen exekutivem Außendienst und wachespezifischem Außendienst kein gefährdungsrelevanter Unterschied bestehe. Den Feststellungen des Sachverständigen im Befund sei aber auch zu entnehmen, dass grundsätzlich jedem Außendienst eines Kriminalbeamten eine Gefahrenneigung zukomme und dass die dem wiederaufzunehmenden Verfahren zugrunde gelegten Feststellungen bzw. die Beweiswürdigung auf Tatsachenebene unhaltbar seien. Dies gelte insbesondere für die Subtraktion inkohärenter Einheiten, nämlich den Abzug von 10 % für angeblich nicht im wachespezifischen Außendienst verbrachter Tätigkeiten zur ständigen Kontaktpflege mit Behörden, Ämtern, Organisationen udgl. sowie die angeführten Präventions- und Beratungstätigkeiten vor Ort. Dem angeschlossenen Sachverständigengutachten seien detaillierte Feststellungen der vom Revisionswerber zu erbringenden und erbrachten Tätigkeiten und deren realistische Gefahrenneigung zu entnehmen. Aus den Befundfeststellungen des Sachverständigen ergebe sich auch, dass der Abzug einer vermeintlichen Gefahrenneigung von 10 % auf Tatsachenebene unzulässig und unrichtig sei. Aus den Feststellungen des Sachverständigen gehe überdies - im Einklang damit, dass eine Arbeitsplatzbeschreibung zwar die Gefahrenneigung der aufgelisteten Tätigkeiten im angegebenen Umfang indiziere, aber nicht beweise - hervor, dass die tatsächliche Gefahrenneigung der vom Revisionswerber ausgeübten Tätigkeiten die erforderlichen 50 % übersteige und zumindest 56 % betrage. 10 Das angeschlossene Gutachten, insbesondere dessen Befundfeststellungen, ergäben daher die für einen Wiederaufnahmeantrag nach § 32 Abs. 1 Z 2 VwGVG erforderlichen Voraussetzungen, nämlich neu hervorgekommene Tatsachen und Beweismittel zu einem vom Antragsteller nicht verschuldeten Tatsachenirrtum des Bundesverwaltungsgerichts. Sämtliche vom Sachverständigen festgestellten Tatsachen hätten bereits vor Abschluss des Verfahrens bestanden. Das angeschlossene Gutachten weise auch die Eignung auf, eine im Hauptinhalt des Spruchs anders lautende Entscheidung herbeizuführen. Das Gutachten besitze zudem die abstrakte Eignung, jene Tatsachen in Zweifel zu ziehen, auf welche das Bundesverwaltungsgericht die den Gegenstand des Wiederaufnahmeverfahrens bildende Entscheidung, nämlich dass keine Schwerarbeitsmonate feststellbar seien und die zum Ergebnis dieser Entscheidung führende Beweiswürdigung, insbesondere dass ein Abzug von 10 % für angeblich nicht im wachespezifischen Außendienst verbrachte Tätigkeiten zur ständigen Kontaktpflege mit Behörden, Ämtern, Organisationen udgl. sowie die angeführten Präventions- und Beratungstätigkeiten vor Ort vorzunehmen sei, tragend gestützt habe. 11 Mit dem angefochtenen Beschluss wies das Bundesverwaltungsgericht den Wiederaufnahmeantrag ab und sprach aus, dass die Revision nicht zulässig sei. Das Bundesverwaltungsgericht führte aus, dass die Wiederaufnahmegründe des § 32 Abs. 2 VwGVG denjenigen des § 69 Abs. 1 AVG nachgebildet seien und daher auf das bisherige Verständnis dieser Wiederaufnahmegründe zurückgegriffen werden könne (Hinweis auf VwGH 28.6.2016, Ra 2015/10/0136). Gegenständlich sei zur Begründung des Wiederaufnahmeantrages ein Gutachten eines Sachverständigen für Polizeieinsatztaktik und Polizeitaktik mit Waffen- und Einsatzmitteln vom 16. März 2018 vorgelegt worden, aus dessen Befund sich ergeben solle, dass zwischen exekutivem Außendienst und wachespezifischem Außendienst kein gefährdungsrelevanter Unterschied bestehe und dass grundsätzlich jedem Außendienst eines Kriminalbeamten eine Gefahrenneigung zukomme, weshalb die dem abgeschlossenen Verfahren vor dem Verwaltungsgericht zugrunde gelegten Feststellungen bzw. die Beweiswürdigung unrichtig seien. 12 Der Antrag auf Wiederaufnahme sei gemäß § 32 Abs. 2 VwGVG binnen zwei Wochen ab dem Zeitpunkt, in dem der Antragsteller vom Wiederaufnahmegrund Kenntnis erlangt habe, wenn dies jedoch nach der Verkündung des mündlichen Erkenntnisses und vor der Zustellung der schriftlichen Ausfertigung geschehen sei, erst ab diesem Zeitpunkt schriftlich beim Verwaltungsgericht einzubringen. Der Antragsteller habe seinen Antrag auf Wiederaufnahme am 21. März 2018 und somit innerhalb der zweiwöchigen Frist nach Erstellung des Sachverständigengutachtens vom 16. März 2018 gestellt. 13 Laut ständiger Judikatur des Verwaltungsgerichtshofes könne der Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens nach § 69 Abs. 1 Z 2 AVG nur auf solche Tatsachen, das heiße Geschehnisse im Seinsbereich oder Beweismittel, das heiße Mittel zur Herbeiführung eines Urteils über Tatsachen gestützt werden, die erst nach Abschluss eines Verfahrens hervorgekommen seien und deshalb von der Partei ohne ihr Verschulden nicht hätten geltend gemacht werden können. Es müsse sich also um Tatsachen und Beweismittel handeln, die beim Abschluss des wiederaufzunehmenden Verfahrens schon vorhanden gewesen seien, deren Verwertung der Partei aber ohne ihr Verschulden erst nachträglich möglich geworden sei ("nova reperta"), nicht aber um erst nach Abschluss des seinerzeitigen Verfahrens neu entstandene Tatsachen und Beweismittel ("nova producta" bzw. "nova causa superveniens"). 14 Das vorgelegte Gutachten stamme vom 16. März 2018 und sei als neues Beweismittel erst rund 12 Monate nachdem das Erkenntnis des wiederaufzunehmenden Verfahrens ergangen sei, entstanden, weshalb es sich bei dem vorgelegten Gutachten um kein Beweismittel handle, welches beim Abschluss des wiederaufzunehmenden Verfahrens schon vorhanden gewesen sei. Vielmehr handle es sich um ein erst nach Abschluss des seinerzeitigen Verfahrens neu entstandenes Beweismittel. Der Revisionswerber könne sich daher zur Begründung seines Wiederaufnahmeantrages nicht auf dieses Beweismittel stützen. 15 Der Wiederaufnahmeantrag erweise sich aber auch deshalb als nicht begründet, weil es der ständigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes entspreche, dass das nachträgliche Erkennen, dass im abgeschlossenen Verfahren Verfahrensmängel oder eine unrichtige rechtliche Beurteilung seitens der Behörde vorgelegen seien, ebenso wenig einen Grund zur Wiederaufnahme des Verfahrens nach § 69 Abs. 1 Z 2 AVG bildeten wie etwa das nachträgliche Bekanntwerden von Entscheidungen des Verfassungsgerichtshofes oder des Verwaltungsgerichtshofes, aus denen sich ergebe, dass die von der Behörde im abgeschlossenen Verfahren vertretene Rechtsauffassung verfassungs- oder gesetzwidrig gewesen sei. 16 Anders als vom Revisionswerber in seinem Wiederaufnahmeantrag behauptet, mache er durch die Vorlage des Sachverständigengutachtens keineswegs die Unrichtigkeit der Feststellungen bzw. der Beweiswürdigung im Erkenntnis des wiederaufzunehmenden Verfahrens geltend, sondern vielmehr insofern eine unrichtige rechtliche Beurteilung, als er vorgebracht habe, aus dem Befund des Sachverständigengutachtens vom 16. März 2018 ergebe sich, dass zwischen exekutivem Außendienst und wachespezifischem Außendienst kein gefährdungsrelevanter Unterschied bestehe und dass grundsätzlich jedem Außendienst eines Kriminalbeamten eine Gefahrenneigung zukomme. Dies stelle jedoch nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes keinen Grund für eine Wiederaufnahme dar. 17 Gegen diesen Beschluss richtet sich die vorliegende außerordentliche Revision mit dem Antrag, den angefochtenen Beschluss des Bundesverwaltungsgerichts wegen Rechtswidrigkeit seines Inhalts und Verletzung von Verfahrensvorschriften aufzuheben; in eventu möge der Verwaltungsgerichtshof in der Sache selbst erkennen und feststellen, dass der Revisionswerber in den letzten 20 Jahren vor dem 31. März 2016 jedenfalls 120 Schwerarbeitsmonate geleistet habe. 18 In der Zulässigkeitsbegründung der Revision wird vorgebracht, das Bundesverwaltungsgericht weiche von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes ab, die zu lösende Rechtsfrage werde in der Judikatur nicht einheitlich beantwortet. Ein Beweismittel stelle im Sinne der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes (Hinweis auf Ra 2017/02/0046 und Ra 2016/18/0197) dann einen tauglichen Wiederaufnahmegrund dar, wenn es nach seinem objektiven Inhalt und unvorgreiflich der Bewertung seiner Glaubwürdigkeit die abstrakte Eignung besitze, jene Tatsachen in Zweifel zu ziehen, auf welche das Bundesverwaltungsgericht entweder die den Gegenstand des Wiederaufnahmeverfahrens bildende Entscheidung oder zumindest die zum Ergebnis dieser Entscheidung führende Beweiswürdigung tragend gestützt habe. Dies treffe auf das Erkenntnis des Bundesverwaltungsgerichts im wiederaufzunehmenden Verfahren in Verbindung mit dem vorgelegten Sachverständigengutachten vom 16. März 2018 zu. Das genannte Gutachten enthalte im Sinne der Judikatur des Verwaltungsgerichtshofes neue Befundergebnisse, welche einen tauglichen Wiederaufnahmegrund darstellten. Der Sachverständige habe keine neuen Schlussfolgerungen getroffen, sondern im Befund neue Tatsachen festgestellt, womit der Wiederaufnahmetatbestand des § 32 Abs. 1 Z 2 VwGVG erfüllt sei. Das Verfahren wäre daher unter Bedachtnahme auf die dazu vorhandene, der Rechtsmeinung des Bundesverwaltungsgerichts widersprechenden Judikatur des Verwaltungsgerichtshofes wiederaufzunehmen gewesen. Die neu hervorgekommenen Befundtatsachen hätten allein, aber auch in Verbindung mit dem sonstigen Ergebnis des wiederaufzunehmenden Verfahrens, ein im Hauptinhalt des Spruchs anders lautendes Erkenntnis herbeigeführt. 19 Das Bundesverwaltungsgericht weiche nicht nur von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes ab, die angefochtene Entscheidung betreffe auch die Lösung einer Rechtsfrage, der hinsichtlich der neu hervorgekommenen Befundtatsachen betreffend die Gefahrenneigung des exekutiven Außendienstes gerade im Zusammenhang mit Beurteilungen nach § 15b BDG 1979 grundsätzliche Bedeutung zukomme. Eine Legaldefinition, was unter "wachespezifischem Außendienst" zu verstehen sei, existiere nicht. Auf Tatsachenebene lägen dem Verfahren erster und zweiter Instanz keine Fakten zugrunde, weshalb ein exekutiver Außendienst eines Kriminalbeamten (§§ 3 und 5 SPG) mit der Waffe nicht eo ipso mit typischen wachespezifischen Belastungen verbunden sei oder verbunden sein könne. 20 Mit diesem Vorbringen wird die Zulässigkeit der Revision im Sinne des Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht aufgezeigt. 21 Es trifft zwar zu, dass nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes zu § 32 Abs. 1 Z 2 VwGVG neu hervorgekommene Tatsachen und Beweismittel (also solche, die bereits zur Zeit des früheren Verfahrens bestanden haben, aber erst später bekannt wurden) - bei Vorliegen der übrigen Voraussetzungen - eine Wiederaufnahme des Verfahrens rechtfertigen, wenn sie die Richtigkeit des angenommenen Sachverhalts in einem wesentlichen Punkt als zweifelhaft erscheinen lassen; Gleiches gilt nach der Judikatur des Verwaltungsgerichtshofes für neu entstandene Beweismittel, sofern sie sich auf "alte" - das heißt nicht erst nach Abschluss des wiederaufzunehmenden Verfahrens entstandene - Tatsachen beziehen (vgl. VwGH 18.1.2017, Ra 2016/18/0197, mwN). Erst nach Abschluss des wiederaufzunehmenden Verfahrens erstellte Sachverständigengutachten, also "neu entstandene" Gutachten können dann, wenn ein Sachverständiger Tatsachen, die zur Zeit der Sachverhaltsverwirklichung bereits bestanden haben, erst nach Abschluss des wiederaufzunehmenden Verfahrens "feststellt", einen Grund für eine Wiederaufnahme des Verfahrens bilden. Diese Tatsachen bzw. die daraus resultierenden neuen Befundergebnisse, die sich auf die zuvor bestandenen Tatsachen beziehen, können bei Vorliegen der sonstigen Voraussetzungen als neu hervorgekommene Tatsachen einen Grund für eine Wiederaufnahme darstellen (vgl. VwGH 20.3.2019, Ra 2019/20/0096). Dies trifft jedoch im Revisionsfall nicht zu, wie im Weiteren aufgezeigt werden wird. 22 Im wiederaufzunehmenden Verfahren verneinte das Bundesverwaltungsgericht das Vorliegen von Schwerarbeitsmonaten iSd. § 15b BDG 1979 iVm. § 1 Z 4 lit. a der Verordnung der Bundesregierung über besonders belastende Berufstätigkeiten, BGBl. II Nr. 105/2006, weil der vom Revisionswerber zu leistende wachespezifische Außendienst nicht zumindest die Hälfte seiner Gesamttätigkeit ausgemacht habe. Dabei hat das Bundesverwaltungsgericht seiner rechtlichen Beurteilung durch Auslegung Tatsachen, nämlich in der Arbeitsplatzbeschreibung genannte Tätigkeitsbereiche, zu Grunde gelegt und Teile dieser Tätigkeitsbereiche als nicht mit wachespezifischen Belastungen verbunden beurteilt und daher als nicht dem Begriff des wachespezifischen Außendienstes subsumierbar erkannt. Im Rahmen dieser rechtlichen Beurteilung hat das Bundesverwaltungsgericht den Begriff des wachespezifischen Außendienstes dahin ausgelegt, dass ein solcher nur vorliegt, wenn er mit den typischen wachespezifischen Belastungen verbunden ist, wobei der Begriff der wachespezifischen Belastungen seinerseits einer Auslegung durch das Bundesverwaltungsgericht unterzogen wurde. 23 Mit dem Sachverständigengutachten, auf das der Revisionswerber seinen Wiederaufnahmeantrag gemäß § 32 Abs. 1 Z 2 VwGVG stützt, beabsichtigt der Revisionswerber unter Zugrundelegung derselben Tatsachen, von denen auch das Bundesverwaltungsgericht ausging (Tätigkeitsbereiche der Arbeitsplatzbeschreibung) nachzuweisen, dass der Anteil an wachespezifischem Außendienst wegen seiner Gefahrenneigung 56,25 % seiner Gesamttätigkeit ausgemacht habe. Geltend gemacht wird somit, dass das Bundesverwaltungsgericht in unrichtiger Auslegung Teile der unstrittigen Tätigkeiten des Revisionswerbers unrichtigerweise als nicht mit wachespezifischen Belastungen verbunden bzw. in den Worten des Revisionswerbers als nicht ausreichend gefahrengeneigt beurteilt habe und folglich unrichtigerweise nicht unter den Begriff des (seines Erachtens mit dem "exekutiven Außendienst" begriffsidentischem) "wachespezifischen Außendiensts" subsumiert habe. Es wird somit im Wiederaufnahmeantrag eine, im wiederaufzunehmenden Verfahren nach Ansicht des Revisionswerbers erfolgte unrichtige rechtliche Beurteilung durch das Bundesverwaltungsgericht behauptet. Daran ändert auch der Umstand nichts, dass das Bundesverwaltungsgericht im Erkenntnis des wiederaufzunehmenden Verfahrens nicht nur im Rahmen der rechtlichen Beurteilung, sondern disloziert auch im mit "Feststellungen (Sachverhalt)" überschriebenen Abschnitt die entsprechende Auslegung vornahm. 24 Selbst wenn eine unrichtige rechtliche Beurteilung durch das Bundesverwaltungsgericht erfolgt sein sollte, bildet dies keinen Wiederaufnahmegrund nach § 32 Abs. 1 Z 2 VwGVG (vgl. z.B. VwGH 30.4.2019, Ra 2018/10/0064, oder 27.9.2012, 2009/16/0005, jeweils mwN). 25 In diesem Zusammenhang ist festzuhalten, dass Sachverständige grundsätzlich den Behörden bzw. Verwaltungsgerichten bei der Ermittlung von für die rechtliche Beurteilung einschlägigen Tatsachen behilflich sein sollen. Ob allerdings bestimmte Tatsachen gesetzlichen Bestimmungen zu subsumieren sind, haben die Behörden bzw. Verwaltungsgerichte im Rahmen der rechtlichen Beurteilung auszusprechen. 26 Das vorgelegte Sachverständigengutachten vom 16. März 2018, das unter Zugrundelegung der auch vom Bundesverwaltungsgericht seiner Beurteilung zugrunde gelegten Tätigkeitsbereiche des Revisionswerbers zu dem Ergebnis gelangte, dass mehr als 50 % der Gesamttätigkeit des Revisionswerbers dem wachespezifischen Außendienst zuzuordnen seien, hat daher nicht im Rahmen seines Befundes neue Tatsachen ermittelt, sondern eine rechtliche Beurteilung dahin vorgenommen, welche (unstrittigen) Tätigkeiten des Revisionswerbers dem wachespezifischen Außendienst zu subsumieren seien. Es wurde somit kein Beweismittel vorgelegt, das gemäß § 32 Abs. 1 Z 2 VwGVG zur Wiederaufnahme des Verfahrens führen könnte. 27 Bei diesem Ergebnis ist auf die Frage der Schlüssigkeit des vorgelegten Sachverständigengutachtens nicht einzugehen. 28 Mit dem Zulässigkeitsvorbringen wurde somit keine im vorliegenden Wiederaufnahmeverfahren entscheidungswesentliche Rechtsfrage im Sinne des Art. 133 Abs. 4 B-VG aufgezeigt. Die Revision war daher zurückzuweisen. Wien, am 9. März 2020
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ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019120011.L00
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Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019120011_20200114L00/JWT_2019120011_20200114L00.html
1,578,960,000,000
1,229
Spruch Die Revision wird zurückgewiesen. Begründung 1 Der am 29. Dezember 1955 geborene Revisionswerber brachte in seiner Eingabe vom 19. Mai 2015 gegenüber der Dienstbehörde vor, er erkläre und beantrage gemäß § 15 Beamten-Dienstrechtsgesetz 1979 (BDG 1979) die Versetzung in den Ruhestand mit Ablauf seines 60. Lebensjahres und einer beitragsgedeckten Gesamtdienstzeit von über 40 Jahren mit ungemindertem Ruhebezug. 2 Mit Bescheid der Dienstbehörde vom 1. Juli 2015 wurde der Antrag des Revisionswerbers vom 19. Mai 2015 auf Versetzung in den Ruhestand gemäß § 15 BDG 1979 mit ungemindertem Ruhebezug und einer beitragsgedeckten Gesamtdienstzeit von über 40 Jahren abgewiesen. Die Dienstbehörde führte aus, gemäß § 15 BDG 1979 in Verbindung mit § 236d BDG 1979 könne der nach 1953 geborene Beamte durch schriftliche Erklärung aus dem Dienststand ausscheiden zu wollen, seine Versetzung in den Ruhestand frühestens mit Ablauf des Monats bewirken, in dem er sein 62. Lebensjahr vollendet, wenn er zum Zeitpunkt der Wirksamkeit der Versetzung in den Ruhestand eine beitragsgedeckte Gesamtdienstzeit von 42 Jahren aufweise. Nachdem der Revisionswerber einen ungeminderten Ruhebezug erhalten wolle und er zum jetzigen Zeitpunkt obige Voraussetzungen nicht erfülle, sei spruchgemäß zu entscheiden. 3 In der dagegen erhobenen Beschwerde machte der Revisionswerber eine Diskriminierung nach dem Alter geltend und führte aus, im abweisenden Bescheid sei nicht erkennbar, weshalb eine Ungleichbehandlung wegen des Alters zwischen den Geburtsjahrgängen 1953 und 1955 erforderlich wäre. 4 Mit Beschluss vom 1. Dezember 2016 hob das Bundesverwaltungsgericht den bekämpften Bescheid auf und verwies die Angelegenheit zur Erlassung eines neuen Bescheides an die Dienstbehörde zurück. Begründend wurde ausgeführt, dass die Behörde Rechtfertigungsgründe für die Ungleichbehandlung zu erheben und darauf basierend die allfällige Erforderlichkeit und Angemessenheit der Ungleichbehandlung zu beurteilen habe. 5 Aufgrund einer vom Revisionswerber erhobenen Säumnisbeschwerde erließ die Dienstbehörde den Bescheid vom 8. September 2017, mit dem die Erklärung/der Antrag des Revisionswerbers vom 19. Mai 2015 auf Versetzung in den Ruhestand gemäß § 15 BDG 1979 mit ungemindertem Ruhebezug und Ablauf des 60. Lebensjahres sowie einer beitragsgedeckten Gesamtdienstzeit von über 40 Jahren zurückgewiesen wurde. Begründet wurde dies damit, dass § 15 BDG 1979 nicht mehr dem Rechtsbestand angehöre und der Revisionswerber sein 60. Lebensjahr auch bereits überschritten habe bzw. eine rückwirkende Ruhestandsversetzung nicht möglich sei. 6 Mit handschriftlicher Eingabe vom 27. September 2017 beantragte der Revisionswerber gemäß § 14 BDG 1979 seine Versetzung in den Ruhestand wegen Dienstunfähigkeit. 7 In der gegen den Zurückweisungsbescheid vom 8. September 2017 gerichteten Beschwerde berief sich der Revisionswerber auf § 236b BDG 1979 und modifizierte seinen Antrag auf Versetzung in den Ruhestand dahin, dass beantragt werde, seine abschlagsfreie Ruhestandsversetzung mit Ablauf jenes Monatsletzten, welcher frühestmöglich mit Rücksicht auf den Zeitpunkt der Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts in Frage komme, durchgeführt werde. 8 In der am 15. März 2018 vor dem Bundesverwaltungsgericht durchgeführten mündlichen Verhandlung erklärte der Revisionswerber, er wolle so schnell wie möglich, soweit es ohne Abschläge gehe, in den Ruhestand versetzt werden und stützte sich dabei auf § 236b BDG 1979 in der Fassung vom 31. Dezember 2015. Die Beschränkung auf den Jahrgang 1953 habe nicht zu gelten, weil durch den Vorrang des unionsrechtlichen Diskriminierungsverbotes eine Beschränkung auf den Geburtsjahrgang 1953 unzulässig und unwirksam sei. 9 Mit Bescheid vom 16. März 2018 wurde der Revisionswerber aufgrund seines Antrages vom 27. September 2017 gemäß § 14 Abs. 1, 2 und 4 BDG 1979 mit Ablauf des Monats in den Ruhestand versetzt, in dem dieser Bescheid rechtskräftig werde. Eine Begründung entfalle gemäß § 58 Abs. 2 AVG, da dem Antrag des Revisionswerbers voll entsprochen worden sei. 10 Gegen den Bescheid auf Versetzung in den Ruhestand gemäß § 14 Abs. 1, 2 und 4 BDG 1979 erhob der Revisionswerber die mit 22. März 2017 (richtig wohl: 2018) datierte Beschwerde, weil über einen bereits am 19. Mai 2015 gestellten Antrag hinweggesehen und eine Ruhestandsversetzung auf einer anderen Rechtsgrundlage durchgeführt worden sei, die außerdem zum Ergebnis habe, dass dadurch Abschläge erlitten würden. 11 Am 24. Oktober 2018 langte beim Bundesverwaltungsgericht ein Schreiben des Revisionswerbers vom 19. Oktober 2018 ein, mit welchem er den Antrag auf Ruhestandsversetzung gemäß § 14 BDG 1979 zurückzog. 12 Mit dem angefochtenen Beschluss wies das Bundesverwaltungsgericht die Beschwerde zurück. Es sprach aus, dass die Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zulässig sei. 13 Begründend führte das Bundesverwaltungsgericht unter Berufung auf Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes aus, die Zulässigkeit eines Rechtsmittels setze voraus, dass der Rechtsmittelwerber einen Grund dafür habe, die angefochtene Entscheidung zu bekämpfen. Dies sei dann nicht der Fall, wenn bei antragsbedürftigen Verwaltungsakten dem Parteiantrag ohnehin vollinhaltlich entsprochen worden sei. Der Verwaltungsgerichtshof habe auch bereits in einer Angelegenheit betreffend einer antragsgemäßen Ruhestandsversetzung festgehalten, dass ein Revisionswerber seinen Antrag auf Versetzung in den Ruhestand nach § 1 Abs. 1 DVG iVm § 13 Abs. 7 AVG bis zur Erlassung eines Bescheides zurückziehen könne (Hinweis auf VwGH 15.11.2007, 2006/12/0193). Weiters wurde angemerkt, dass die unzulässige Beschwerde nicht den Eintritt der Rechtskraft des gegenständlichen Bescheides behindere. 14 In der gegen diesen Beschluss gerichteten außerordentlichen Revision beantragt der Revisionswerber, den angefochtenen Bescheid wegen Rechtswidrigkeit des Inhaltes und Rechtswidrigkeit infolge Verletzung von Verfahrensvorschriften aufzuheben. 15 In der Zulässigkeitsbegründung der Revision wird ausführlich dargestellt, weshalb nach Ansicht des Revisionswerbers seinem "Antrag auf Ruhestandsversetzung nach § 236b BDG 1979 in unionsrechtlich korrigierter Fassung" der Vorrang einzuräumen und darüber vor einer Entscheidung über den später gestellten Antrag auf Ruhestandsversetzung wegen Dienstunfähigkeit gemäß § 14 BDG 1979 zu entscheiden gewesen wäre. Weiters wird der Standpunkt vertreten, dass die Erklärung seines rechtsfreundlichen Vertreters in der mündlichen Verhandlung vom 15. März 2018, wonach er die schnellstmögliche Ruhestandsversetzung ohne Abschläge anstrebe, dazu hätte führen müssen, dass die Behörden nicht mehr hätten annehmen können, sein Antrag auf Ruhestandsversetzung gemäß § 14 BDG 1979 sei noch aufrecht. Eventualiter hätte die Behörde jedenfalls nicht von einer eindeutigen Aufrechterhaltung des Antrages gemäß § 14 BDG 1979 ausgehen dürfen, woraus ihr die Verpflichtung erwachsen sei, eine klarstellende Erörterung mit dem Revisionswerber vorzunehmen. Hätte eine Erörterung stattgefunden, so hätte er selbstverständlich deponiert, dass er den Antrag auf Ruhestandsversetzung nach § 14 BDG 1979 nicht aufrecht erhalte - und zwar zumindest nicht als gleichwertige Alternative zum Antrag im Sinne des § 236b BDG 1979 -, sondern höchstens für den Fall, dass diese günstigere Pensionierung für ihn absolut unerreichbar werden sollte. 16 Die Revision ist unzulässig. 17 Soweit in der Zulässigkeitsbegründung der Revision der Standpunkt vertreten wird, es hätte zunächst über den "Antrag des Revisionswerbers gemäß § 236b BDG 1979" entschieden werden müssen, wurde der Revisionswerber nicht in Rechten verletzt. Wie der Verwaltungsgerichtshof mit Beschluss vom heutigen Tag zu Ra 2018/12/0064 ausgesprochen hat, führt eine schriftliche Erklärung im Sinne des § 236b BDG 1979 bei Vorliegen der Voraussetzungen kraft Gesetzes zum Eintritt des Ruhestandes. Für die Frage, ob eine derartige Erklärung des Revisionswerbers seine Versetzung in den Ruhestand herbeigeführt hat oder nicht, ist ausschließlich die Sach- und Rechtslage im Zeitpunkt des in der Erklärung genannten Ruhestandsversetzungstermines maßgeblich. Eines konstitutiven Bescheides der Dienstbehörde bedurfte es für den Eintritt dieser Rechtsfolge nicht. Sollte der Revisionswerber bereits vor der gemäß § 14 BDG 1979 erfolgten Versetzung in den Ruhestand durch Erklärung in den Ruhestand getreten gewesen sein, so wäre der Bescheid auf Ruhestandsversetzung gemäß § 14 BDG 1979 ins Leere gegangen (vgl. den bereits zitierten Beschluss vom heutigen Tag, mwN). 18 Soweit in der Zulässigkeitsbegründung vorgebracht wird, der Antrag auf Versetzung in den Ruhestand gemäß § 14 BDG 1979 sei im Zeitpunkt der Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichtes aufgrund der Erklärung des rechtsfreundlichen Vertreters des Revisionswerbers in der vor dem Bundesverwaltungsgericht am 15. März 2018 durchgeführten Verhandlung nicht mehr aufrecht gewesen, verstößt dieses Vorbringen gegen das Neuerungsverbot, sodass schon deshalb damit eine Rechtsfrage im Sinne des Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht aufgezeigt wird. Im Übrigen wird festgehalten, dass das dortige Vorbringen nach seinem objektiven Erklärungswert nicht als (eindeutige) Antragszurückziehung auszulegen ist. 19 Soweit eine Erörterungspflicht der Dienstbehörde vor Entscheidung über den Antrag auf Ruhestandsversetzung gemäß § 14 BDG 1979 geltend gemacht wird, wurde in der Zulässigkeitsbegründung ausgeführt, dass dieser Antrag höchstens für den Fall, dass diese günstigere Pensionierung für den Revisionswerber absolut unerreichbar werden sollte, aufrechterhalten worden wäre. Dem ist aber - wie bereits oben ausgeführt - bereits durch die Rechtslage entsprochen, wonach eine wirksam abgegebene Erklärung auf Ruhestandsversetzung gemäß § 236b BDG 1979 bei Vorliegen der Voraussetzungen kraft Gesetzes zum Eintritt des Ruhestandes geführt hätte. 20 Da somit die Voraussetzungen nach Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht vorliegen, war die Revision gemäß § 34 Abs. 1 VwGG zurückzuweisen. Wien, am 14. Jänner 2020
JWT_2019120012_20200219L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019120012.L00
Ra 2019/12/0012
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019120012_20200219L00/JWT_2019120012_20200219L00.html
1,582,070,400,000
3,968
Spruch Das angefochtene Erkenntnis wird wegen Rechtswidrigkeit seines Inhaltes aufgehoben. Die Landeshauptstadt Salzburg hat der Revisionswerberin Aufwendungen in der Höhe von EUR 1.346,40 binnen zwei Wochen bei sonstiger Exekution zu ersetzen. Begründung 1 Die Revisionswerberin steht in einem öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis zur Landeshauptstadt Salzburg. Mit Wirksamkeit vom 1. Dezember 2011 wurde sie auf eine Planstelle der Verwendungsgruppe A, Dienstklasse VII, im "BeauftragtenCenter" der Magistratsdirektion mit der Planstellenbezeichnung "Beauftragte" und der Aufgabenbezeichnung "Integrationsbeauftragte" ernannt. 2 Am 27. Jänner 2016 erteilte der Magistratsdirektor der Landeshauptstadt Salzburg der Revisionswerberin erstmals mündlich die Weisung, dass sie ab 1. März 2016 das Personalamt der Magistratsdirektion im Zusammenhang mit der befristeten Beschäftigung von Asylwerbern zum Zweck der Verrichtung gemeinnütziger Arbeiten dahingehend zu unterstützen habe, dass sie künftig die Funktion der Anlaufstelle für die betreffenden Asylwerber übernehmen solle. Diese mündliche Weisung wurde in der Folge durch den Magistratsdirektor mit E-Mail vom 1. Februar 2016 schriftlich wiederholt. 3 Mit Schreiben vom 25. Februar 2016 verwies die Revisionswerberin im Wege ihrer anwaltlichen Vertretung darauf, dass die in Rede stehende Weisung eine formal unzureichend durchgeführte und inhaltlich unzulässige Verwendungsänderung darstelle, zu welcher sie ihre Zustimmung nicht erteile. Der der Revisionswerberin erteilte Auftrag, der von ihr persönlich erfüllt werden solle, sei mit ihrer bisherigen Tätigkeit als "inhaltlich weisungsfreie" Integrationsbeauftragte nicht vereinbar. Die Revisionswerberin richtete an die Dienstbehörde die Aufforderung, den Vorgang gesetzeskonform durchzuführen. 4 Mit Schreiben vom 29. Februar 2016 wiederholte der Magistratsdirektor erneut die der Revisionswerberin erteilte Weisung. 5 Per E-Mail vom 14. März 2016 übermittelte die Revisionswerberin eine weitere Eingabe, in der sie die bescheidmäßige Feststellung beantragte, dass die betreffende Personalmaßnahme ohne Einhaltung der gesetzlichen Formerfordernisse unzulässig sei. 6 Mit Bescheid vom 7. Juli 2016 wies der Bürgermeister der Landeshauptstadt Salzburg den Feststellungsantrag der Revisionswerberin als unzulässig zurück. 7 Gegen diesen Bescheid erhob die Revisionswerberin Beschwerde. 8 Diese wurde mit Erkenntnis des Landesverwaltungsgerichts Salzburg vom 6. März 2017 gemäß § 28 VwGVG in Verbindung mit §§ 41, 43 und 47 MagBeG als unbegründet abgewiesen. 9 Zur näheren Vorgeschichte wird zur Vermeidung von Wiederholungen auf das hg. Erkenntnis vom 6. Juni 2018, Ra 2017/12/0052, verwiesen. Mit diesem Erkenntnis wurde die Entscheidung des Landesverwaltungsgerichts Salzburg vom 6. März 2017 gemäß § 42 Abs. 4 VwGG dahin abgeändert, dass der Beschwerde der Revisionswerberin gegen den Bescheid des Bürgermeisters der Landeshauptstadt Salzburg vom 7. Juli 2016 Folge gegeben und der zuletzt genannte Bescheid gemäß § 28 Abs. 1 und 2 VwGVG ersatzlos aufgehoben wurde. 10 Der Verwaltungsgerichtshof führte begründend auszugsweise Folgendes aus: "Das Landesverwaltungsgericht Salzburg vertritt die Auffassung, es liege fallbezogen keine Verwendungsänderung vor, weil durch die zu beurteilende Personalmaßnahme lediglich eine Zuweisung von Aufgaben im Rahmen der bereits bestehenden Verwendung der Revisionswerberin als Integrationsbeauftragte erfolgt sei. Aus den im Nachstehenden dargelegten Gründen sind jedoch die im angefochtenen Erkenntnis getroffenen Feststellungen nicht geeignet, diese rechtliche Beurteilung des Verwaltungsgerichts zu tragen: Die der Revisionswerberin mit der in Rede stehenden Weisung nicht nur vorübergehend (eine klare Befristung der Wirksamkeit der Weisung erfolgte nicht) übertragenen Aufgaben umfassten, selbst wenn sie die Arbeitskraft der Revisionswerberin voraussichtlich nur für einen Arbeitstag pro Woche beanspruchten, mehr als 5 % ihrer Arbeitsaufgaben. Es erfolgte somit im vorliegenden Fall quantitativ betrachtet keine bloß geringfügige Umgestaltung der Arbeitsplatzaufgaben (vgl. VwGH 10.9.2004, 2004/12/0036). Folglich stünde die Ansicht, wonach - bei inhaltlicher Betrachtung der der Revisionswerberin zugewiesenen Aufgaben - keine Verwendungsänderung vorliege, mit den maßgeblichen gesetzlichen Bestimmungen (vgl. § 39 Abs. 1 in Verbindung mit § 43 Abs. 1 und Abs. 2 MagBeG) nur dann im Einklang, wenn die mit Weisung neu übertragenen Aufgaben nicht nur abstrakt dem allgemein umschriebenen Tätigkeitsbereich der Revisionswerberin (beispielsweise im Rahmen des im angefochtenen Erkenntnis angesprochenen Aufgabengebietes 'Initiierung, Planung und Durchführung von Projekten und Aktionen zur Förderung der Teilhabechancen von Migranten') zuzuordnen waren, sondern auch tatsächlich von einer Gleichwertigkeit, d.h. fallbezogen einer A-Wertigkeit, der der Revisionswerberin mit der in Rede stehenden Weisung übertragenen Aufgaben mit den ihr bisher an ihrem Arbeitsplatz zugewiesenen Tätigkeiten auszugehen wäre. Entgegen der Ansicht des Landeverwaltungsgerichts Salzburg ist das Vorliegen einer Verwendungsänderung ungeachtet der konkreten Wertigkeit der der Revisionswerberin mit Weisung zugeordneten Aufgaben nicht schon deshalb auszuschließen, weil die neu zugewiesenen Aufgaben dem Tätigkeitsfeld zugeordnet werden können, in dem die Revisionswerberin bereits vor Erteilung der Weisung tätig war. In diesem Zusammenhang übersieht das Verwaltungsgericht nämlich, dass ein abstrakt umschriebenes Aufgabengebiet in der Regel diverse 'Untergruppen' nicht notwendigerweise gleichartiger Aufgabenstellungen umfasst, die nach ihrem maßgebenden Gesamtbild Tätigkeiten unterschiedlicher Wertigkeiten erfordern können und unter der zuletzt genannten Voraussetzung nicht alle einer bereits bestehenden - hier: Awertigen - Verwendung eines Bediensteten zuzuordnen wären. Vor diesem Hintergrund ist aber die Zuweisung eines solchen Aufgabengebietes, wie sie vor der hier strittigen Personalmaßnahme erfolgt war, gesetzeskonform dahin zu deuten, dass sie sich nur auf A-wertige Aufgaben der umschriebenen Art bezogen hat. § 43 Abs. 2 MagBeG in der im vorliegenden Fall maßgeblichen Fassung LGBl. Nr. 116/2015 sieht vor, dass eine einer Versetzung gleichzuhaltende Verwendungsänderung infolge Gleichwertigkeit der neuen Verwendung dann nicht vorliegt, wenn die neue Verwendung 'zu keiner besoldungsrechtlichen Laufbahnverschlechterung' führt. Das in § 43 Abs. 2 Z 1 MagBeG (Stammfassung) für das Vorliegen einer qualifizierten Verwendungsänderung angeführte Kriterium, welches auf eine durch die neue Verwendung zu erwartende - ohne weitere Einschränkungen umschriebene - Laufbahnverschlechterung Bezug nahm, wurde in § 43 Abs. 2 MagBeG in der Fassung LGBl. Nr. 116/2015 nicht übernommen. Unter Berücksichtigung der oben wiedergegebenen Materialien ist jedoch davon auszugehen, dass im Anwendungsbereich des § 43 Abs. 2 MagBeG in der Fassung LGBl. Nr. 116/2015 hinsichtlich des 'laufbahnbezogenen', für das Vorliegen einer qualifizierten Verwendungsänderung maßgeblichen Kriteriums im Vergleich zu der nach § 43 Abs. 2 (Z 1) MagBeG (Stammfassung) bestimmten Rechtslage nur insofern eine Änderung erfolgte, als die Gefahr einer dienstrechtlichen (nicht aber einer gehaltsrechtlichen) Verschlechterung der Laufbahn als Kriterium für das Vorliegen einer qualifizierten Verwendungsänderung entfiel. Somit bleibt auch im Anwendungsbereich des § 43 Abs. 2 MagBeG in der Fassung LGBl. Nr. 116/2015 die Zuweisung - in gehaltsrechtlicher Hinsicht - nicht zumindest gleichwertiger Aufgaben für die Beurteilung der Frage, ob vom Vorliegen einer bloß schlichten Verwendungsänderung auszugehen ist, relevant (vgl. dazu auch § 39 Abs. 1 erster Satz MagBeG). Feststellungen, die eine Beurteilung der Frage ermöglichten, ob von einer A-Wertigkeit der mit der vorliegenden Weisung der Revisionswerberin neu zugeordneten Aufgaben auszugehen war, lässt das angefochtene Erkenntnis jedoch vermissen. Darüber hinaus bleibt festzuhalten, dass entgegen der dem angefochtenen Erkenntnis zugrundeliegenden Rechtsansicht die Zulässigkeit des vorliegenden Feststellungsantrages das Vorliegen einer Verwendungsänderung nicht voraussetzt, sondern vielmehr selbst für den Fall, dass eine Verwendungsänderung nicht erfolgt sein sollte, eine inhaltliche Erledigung des verfahrenseinleitenden Antrags vorzunehmen wäre. Unter 'Personalmaßnahme' im Verständnis des verfahrenseinleitenden Antrages kann nämlich durchaus auch eine (noch keine Verwendungsänderung darstellende) arbeitsplatzbezogene Weisung verstanden werden. Im Zweifel dürfte ein Antrag zudem nicht in einer gegen seine Zulässigkeit sprechenden Weise ausgelegt werden. Eine Zurückweisung des in Rede stehenden Feststellungsantrages kam somit nicht in Betracht und erweist sich die mit dem angefochtenen Erkenntnis erfolgte Bestätigung des den Feststellungsantrag der Revisionswerberin zurückweisenden Bescheides der Dienstbehörde als verfehlt. Vor diesem Hintergrund wäre das Landesverwaltungsgericht Salzburg gehalten gewesen, den - in Ermangelung sonstiger Zurückweisungsgründe - rechtswidrigen Zurückweisungsbescheid der Dienstbehörde gemäß § 28 Abs. 1 und Abs. 2 VwGVG mit der Begründung ersatzlos aufzuheben, dass über den Feststellungsantrag inhaltlich zu entscheiden gewesen wäre. Eine solche Aufhebung verpflichtet die Dienstbehörde zu einer meritorischen Entscheidung über den verfahrenseinleitenden Antrag, welche dem Verwaltungsgericht im Rahmen eines Beschwerdeverfahrens gegen den zurückweisenden Bescheid der Dienstbehörde verwehrt ist (VwGH 9.9.2016, Ro 2016/12/0002)." 11 Über den verfahrenseinleitenden Antrag vom 14. März 2016 erging nach der Aktenlage bislang keine (neuerliche) Entscheidung. Entsprechend den Ausführungen in der Revisionsbeantwortung ist dieses Verfahren bei der Dienstbehörde anhängig. 12 In dem hier gegenständlichen Verfahren beantragte die Revisionswerberin mit Schreiben vom 19. Dezember 2016 die Erlassung eines Feststellungsbescheides dahin, dass die ihr am 27. Jänner 2016 mündlich und sodann am 1. Februar 2016 und am 29. Februar 2016 schriftlich erteilte Weisung rechtsunwirksam sei, die Befolgung dieser Weisung nicht zu ihren Dienstpflichten zähle und sie nicht verpflichtet sei, dieser Weisung Folge zu leisten. Zur Begründung ihres Antrages führte die Revisionswerberin aus, die in Rede stehende Weisung sei als qualifiziert fehlerhaft und willkürlich zu beurteilen. 13 Mit Bescheid vom 31. Mai 2017 wies der Bürgermeister der Landeshauptstadt Salzburg diesen Antrag als unbegründet ab. 14 Die Revisionswerberin erhob Beschwerde. Sie berief sich u. a. darauf, dass sie durch die betreffende Weisung zu einer administrativen Hilfskraft des Personalamts degradiert worden sei. Dies entspreche nicht ihrer Ernennung auf eine Planstelle der Verwendungsgruppe A. Die nunmehrige Tätigkeit sei bestenfalls als solche der Verwendungsgruppe B anzusehen. 15 Mit dem angefochtenen Erkenntnis wies das Landesverwaltungsgericht Salzburg die Beschwerde gemäß § 28 VwGVG in Verbindung mit §§ 39, 47 und 48 MagBeG mit der Maßgabe als unbegründet ab, dass die in Rede stehende Weisung zu den Dienstpflichten der Revisionswerberin zähle und dieser Weisung Folge zu leisten sei. 16 Das Verwaltungsgericht traf Feststellungen zu den der Revisionswerberin als Integrationsbeauftragte zugewiesenen Arbeitsplatzaufgaben, zu den der Weisung vom 27. Jänner 2016 vorangegangenen Ereignissen und es hielt fest, dass die zunächst im Personalamt mit der Vermittlung von Asylwerbern betraute Mitarbeiterin der Verwendungsgruppe B über keinerlei facheinschlägige Ausbildung im Umgang mit asylwerbenden Interessenten verfügt habe und sie insgesamt "mit den Flüchtlingen als Bedürfnisgruppe" überfordert gewesen sei. Dieser Umstand sei sowohl der Revisionswerberin als auch ihren Vorgesetzten bekannt gewesen. Der Leiter des Personalamts sei um eine Lösung des Problems bemüht gewesen und habe daher beabsichtigt, einen Teil der Aufgaben, insbesondere jenen, der den direkten Kontakt mit Asylwerbern betroffen habe, der Revisionswerberin in ihrer Funktion als Integrationsbeauftragte zu übertragen. Somit hätten die Kontakte zu den Asylwerbern im "BeauftragtenCenter" stattfinden können, welches räumlich für Kundenkontakte bestens ausgestattet sei. Der Revisionswerberin sei als Initiatorin das Projekt ohnehin bekannt gewesen. Es habe daher eine aufwändige Einschulung entfallen können. Sie sei zudem im Umgang mit Asylwerbern und "Migranten" geschult und erfahren gewesen. Der Magistratsdirektor habe den Bürgermeister und die Vizebürgermeisterin als politisch Verantwortliche für das Personalamt einerseits und das "BeauftragtenCenter" andererseits vorab über die beabsichtigte Aufgabenübertragung an die Revisionswerberin informiert. Diese hätten die geplanten Änderungen zustimmend zur Kenntnis genommen. Es könne nicht festgestellt werden, dass die in Rede stehende Personalmaßnahme von der Vizebürgermeisterin initiiert worden sei, sie den Magistratsdirektor in diese Richtung angewiesen oder auf die Entscheidungsfindung in dieser Sache in direkter oder indirekter Form Einfluss genommen habe. Die vom Magistratsdirektor beabsichtigte Aufgabenübertragung sei jedoch auch von der Vizebürgermeisterin als naheliegend betrachtet worden. Sie habe lediglich darum ersucht, dass beim bevorstehenden Gespräch des Magistratsdirektors mit der Revisionswerberin und der Leiterin des "BeauftragtenCenters" auch ein Mitarbeiter ihres Büros teilnehme. 17 Im Zuge dieses Gesprächs habe der Magistratsdirektor der Revisionswerberin die in Rede stehende Weisung erteilt. Demnach habe sie ab 1. März 2016 das Personalamt der Magistratsdirektion im Zusammenhang mit der befristeten Beschäftigung von Asylwerbern zum Zweck der Verrichtung gemeinnütziger Arbeiten dahingehend unterstützen sollen, dass sie künftig die Funktion der Anlaufstelle für die betreffenden Asylwerber habe übernehmen sollen. Dieser Auftrag habe sich insbesondere auf die Ausgabe und Annahme der Bewerbungsformulare, die Unterstützung der Asylwerber beim Ausfüllen und bei der Weiterleitung der Bewerbungsformulare an das Personalamt, auf die Vorbereitung der Vereinbarungen, auf die Weiterleitung der unterfertigten Vereinbarungen an das Personalamt und gegebenenfalls auch auf die Information der Interessenten betreffend negative Entscheidungen sowie auf die Ausgabe der Bestätigungen an die Asylwerber für geleistete Tätigkeiten bezogen. Die näheren Details der Zusammenarbeit (auch hinsichtlich Akten- und Listenführung) sollten laut Weisung unter Einbeziehung der Leiterin der Dienststelle der Revisionswerberin und dem Leiter des Personalamtes rechtzeitig, längstens jedoch bis zum 26. Februar 2016, getroffen und schriftlich festgehalten werden. Dieses Schriftstück sei dem Magistratsdirektor nachweislich schriftlich zur Kenntnis zu bringen gewesen. Eine Evaluierung der Zusammenarbeit habe weisungsgemäß voraussichtlich nach drei Monaten stattfinden sollen. Dass die Revisionswerberin durch Übernahme dieser Aufgaben in erheblichem Ausmaß zu B- oder Cwertigen Tätigkeiten habe herangezogen werden sollen, habe nicht festgestellt werden können. 18 Im Sinne der Weisung habe die Revisionswerberin am 9. Februar 2016 ein Gespräch mit dem Leiter des Personalamts geführt. Zu einer konkreten Vereinbarung und Verschriftlichung der näheren Modalitäten der zukünftigen Zusammenarbeit sei es jedoch nicht gekommen, weil sich die Revisionswerberin ab dem 24. Februar 2016 für längere Zeit mit der Diagnose F43.21 (längere depressive Reaktion) im Krankenstand befunden habe. Als sie Ende Oktober 2017 aus dem Krankenstand zurückgekommen sei, sei die gemeinnützige Beschäftigung von Asylwerbern ausgesetzt gewesen. 19 Zum Zeitpunkt der Weisungserteilung sei für die Vorsprache und Betreuung der Asylwerber ein fixer Tag pro Woche, nämlich der Dienstag, im Personalamt vorgesehen gewesen. Immer wieder seien jedoch Asylwerber auch außerhalb des fix vorgegebenen Vorsprachetages im Personalamt vorstellig geworden, um sich über die Möglichkeit der gemeinnützigen Beschäftigung zu informieren. Aufgrund des Krankenstandes der Revisionswerberin seien zwischen März und Herbst 2016 keine neuen Vereinbarungen mit Asylwerbern über die Erbringung gemeinnütziger Arbeiten abgeschlossen worden, ehe im Herbst 2016 eine Juristin der Sozialabteilung des Magistrats die mit Weisung des Magistratsdirektors an die Revisionswerberin übertragenen Aufgaben übernommen habe. Diese Mitarbeiterin der Sozialabteilung habe für diese Tätigkeiten zwei halbe Tage pro Woche aufgewandt, insbesondere auch um den im Zeitraum seit März 2016 entstandenen Rückstand abzuarbeiten. 20 Es könne nicht festgestellt werden, dass die Revisionswerberin alle ihr weisungsgemäß übertragenen Arbeiten im Zusammenhang mit der gemeinnützigen Beschäftigung von Asylwerbern höchstpersönlich und ohne jeglichen Rückgriff auf die Assistenzressourcen des "BeauftragtenCenters" habe durchführen sollen. Zudem hätte es weisungsgemäß zu einer Aufgabenteilung zwischen der Revisionswerberin und der bisher dafür zuständigen Mitarbeiterin im Personalamt kommen sollen. Die Mitarbeiterin des Personalamts hätte diverse (vorwiegend administrative) Arbeiten im Zusammenhang mit der gemeinnützigen Beschäftigung von Asylwerbern weiterhin verrichtet, wohingegen die Revisionswerberin primär den unmittelbaren Kontakt mit Asylwerbern habe übernehmen sollen. 21 Zum Zeitpunkt der Weisungserteilung seien mehrere Einzelprojekte der Revisionswerberin in Bearbeitung gewesen, und zwar teilweise in Kooperation mit anderen Magistratsdienststellen und "Externen". Bei einigen dieser Projekte hätten die Veranstaltungen bereits vor Weisungserteilung stattgefunden, sodass nur noch Nachfolgearbeiten (z.B. Presseaussendungen und Ähnliches) zu erledigen gewesen seien. Für Mitte Februar 2016 seien noch ein "Antidiskriminierungsworkshop", eine Veranstaltung in der Tribüne L. am 5. Februar 2016 sowie ein Spaziergang zum Thema "Religiöse Vielfalt" am 2. Februar 2016 anberaumt gewesen. Die Revisionswerberin habe auch Subventions- und Jahresberichte erstellen und laufend Anfragen beantworten müssen. Mit der Übernahme der weisungsgemäßen Tätigkeiten hätte sie allenfalls einzelne Projekte und Aufgaben verschieben oder reduzieren müssen. 22 In rechtlicher Hinsicht führte das Gericht aus, die Revisionswerberin habe mit dem verfahrenseinleitenden Antrag die Feststellung der Rechtsunwirksamkeit der in Rede stehenden Weisung wegen Willkür beantragt. Dieser Antrag sei auch zulässig. Zur Frage der Willkür und Befolgungspflicht sei nach der Rechtsprechung lediglich eine Grobprüfung im Sinne von grober Rechtswidrigkeit der Weisung vorzunehmen. 23 Eine derart grobe Rechtswidrigkeit der vom Magistratsdirektor erteilten Weisung sei nicht ersichtlich. Diese sei wohlüberlegt gewesen und sie sei ausschließlich aus sachlichen Motiven erteilt worden. Es sei auch "logisch" und nachvollziehbar, dass anstelle der überforderten, weil nicht fachkundigen Mitarbeiterin im Personalamt die im Umgang mit Flüchtlingen und "Migranten" geschulte und erfahrene Revisionswerberin mit den in Rede stehenden Aufgaben betraut worden sei. Zudem obliege der Revisionswerberin als Integrationsbeauftragte nicht nur die Initiierung und Planung, sondern auch die Durchführung und somit die Umsetzung von kommunalen Projekten und Aktionen zur Förderung der Teilhabechancen der "Migranten", des Zusammenlebens und der Menschenrechte. 24 Der Inhalt der in Rede stehenden Weisung sei auch nicht grob rechtswidrig. Gemäß § 47 Abs. 1 MagBeG habe die Revisionswerberin ihre Vorgesetzten zu unterstützen und diese hätten gemäß § 48 MagBeG die Verwendung der Revisionswerberin so zu lenken, dass sie ihren Fähigkeiten weitgehend entspreche. Zudem sei die Revisionswerberin, wenn es im Interesse des Dienstes notwendig sei, gemäß § 39 Abs. 3 MagBeG verpflichtet, vorübergehend Aufgaben zu besorgen, die nicht zu den Dienstverrichtungen der sie betreffenden Einstufung und Verwendung zählten. 25 Da sohin entgegen der Ansicht der Revisionswerberin die Weisung nicht willkürlich erteilt worden sei, sei ihre Beschwerde mit der Maßgabe abzuweisen gewesen, dass der Feststellungsantrag nicht bloß abgewiesen werde, sondern festzustellen sei, dass die Befolgung der gegenständlichen Weisung zu den Dienstpflichten der Revisionswerberin zähle und sie verpflichtet sei, der Weisung Folge zu leisten. 26 Gegen dieses Erkenntnis richtet sich die vorliegende außerordentliche Revision, in der inhaltliche Rechtswidrigkeit sowie Rechtswidrigkeit infolge Verletzung von Verfahrensvorschriften verbunden mit dem Antrag geltend gemacht werden, der Verwaltungsgerichtshof möge aus diesen Gründen in der Sache selbst entscheiden, hilfsweise das angefochtene Erkenntnis aufheben. 27 Die vor dem Verwaltungsgericht belangte Behörde erstattete eine Revisionsbeantwortung, in der sie die Zurückweisung, hilfsweise die Abweisung der Revision beantragte. Ferner legte sie mit zwei weiteren Schriftsätzen das Urteil des Oberlandesgerichts Linz vom 15. Mai 2019 sowie den Beschluss des Obersten Gerichtshofs vom 29. August 2019, 1 Ob 114/19z, in Angelegenheit eines (im Zusammenhang mit der in Rede stehenden Weisung) von der Revisionswerberin gegen die Landeshauptstadt Salzburg angestrengten Amtshaftungsverfahrens vor. 28 Zur Begründung ihrer Zulässigkeit führt die Revision u. a. aus, betreffend die in Rede stehende Weisung bestehe keine Befolgungspflicht. Nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes wäre die Zuweisung der ihr mit Weisung übertragenen Aufgaben nur zulässig gewesen, wenn diese Tätigkeiten A-wertig wären. Dies sei jedoch nicht der Fall. Der Verwaltungsgerichtshof hat erwogen: 29 Die maßgeblichen Bestimmungen des Gesetzes vom 23. Mai 2012 über das Dienstrecht der Bediensteten der Landeshauptstadt Salzburg (Magistrats-Bedienstetengesetz-MagBeG), LGBl. Nr. 51/2012 (§§ 41 und 43 in der Fassung LGBl. Nr. 116/2015; § 47 in der Stammfassung), lauten: "Versetzung § 41 ... 1. (2)Für Beamtinnen und Beamten gelten folgende Bestimmungen: ... 5. Die Versetzung ist mit Bescheid zu verfügen. Eine Beschwerde gegen diesen Bescheid hat keine aufschiebende Wirkung. ... Verwendungsänderung § 43 1. (1)Wird die Beamtin oder der Beamte von ihrer bzw seiner bisherigen Verwendung abberufen, ist ihr bzw ihm gleichzeitig oder, wenn dies jedoch aus Rücksichten des Dienstes nicht möglich ist, spätestens zwei Monate nach der Abberufung eine neue Verwendung in ihrer oder seiner Abteilung zuzuweisen. § 127 wird dadurch nicht berührt. 2. (2)Die Abberufung der Beamtin oder des Beamten von ihrer oder seiner bisherigen Verwendung unter Zuweisung einer neuen Verwendung ist einer Versetzung gleichzuhalten, wenn die neue Verwendung der bisherigen nicht mindestens gleichwertig ist. Als gleichwertig gilt jede Verwendung, die zu keiner besoldungsrechtlichen Laufbahnverschlechterung führt. 3. (3)Einer Versetzung ist ferner die Abberufung der Beamtin oder des Beamten von ihrer bzw seiner bisherigen Verwendung ohne gleichzeitige Zuweisung einer neuen Verwendung gleichzuhalten. 4. (4)Abs 2 ist in folgenden Fällen nicht anzuwenden: 1. wenn die Zuweisung einer vorübergehenden Verwendung die Dauer von drei Monaten nicht übersteigt; 2. wenn die vorläufige Ausübung einer höheren Verwendung zur Vertretung einer oder eines an der Dienstausübung verhinderten Bediensteten oder zur provisorischen Führung der Funktion an Stelle der oder des aus dieser Funktion ausgeschiedenen Bediensteten beendet wird. ... Dienstpflichten gegenüber Vorgesetzten § 47 1. (1)Die Bediensteten haben ihre Vorgesetzten zu unterstützen und deren Weisungen, soweit im Folgenden oder verfassungsgesetzlich nicht anderes bestimmt ist, zu befolgen. Vorgesetzte oder Vorgesetzter ist jede Organwalterin bzw jeder Organwalter, die bzw der mit der Dienst- oder Fachaufsicht über die oder den Bediensteten betraut ist. 2. (2)Die Bediensteten haben die Befolgung einer Weisung abzulehnen, wenn die Weisung entweder von einem unzuständigen Organ erteilt worden ist oder die Befolgung gegen strafgesetzliche Vorschriften verstoßen würde. 3. (3)Hält die oder der Bedienstete eine Weisung der oder des Vorgesetzten aus einem anderen Grund für rechtswidrig, hat sie bzw er, wenn es sich nicht wegen Gefahr im Verzug um eine unaufschiebbare Maßnahme handelt, vor Befolgung der Weisung ihre bzw seine Bedenken der bzw dem Vorgesetzten mitzuteilen. Die bzw der Vorgesetzte hat eine solche Weisung schriftlich zu erteilen, anderenfalls gilt sie als zurückgezogen." 30 Die Revision erweist sich im Hinblick auf die von der Zulässigkeitsbegründung bestrittene Rechtswirksamkeit der Weisung, welche nach dem Vorbringen der Revisionswerberin auf die Übertragung von nicht A-wertigen Arbeitsplatzaufgaben gerichtet gewesen sei, als zulässig und begründet. 31 In dem vorliegenden verfahrenseinleitenden Antrag begehrte die Revisionswerberin die Feststellung, dass die in Rede stehende Weisung rechtsunwirksam sei, die Befolgung dieser Weisung nicht zu ihren Dienstpflichten zähle und sie nicht verpflichtet sei, dieser Weisung Folge zu leisten. 32 Fallbezogen handelt es sich um eine arbeitsplatzbezogene Weisung, mit der die bisherigen Arbeitsplatzaufgaben der Revisionswerberin nicht nur geringfügig umgestaltet und dieser neue Aufgaben dauerhaft übertragen werden sollten, wobei die Frage der Gleichwertigkeit (A-Wertigkeit) der ihr neu zugeordneten Tätigkeiten - auch im vorliegenden Verfahren - strittig war (vgl. zu der hier gegenständlichen Anordnung des Magistratsdirektors der Landeshauptstadt Salzburg und dem Feststellungsantrag der Revisionswerberin vom 14. März 2016 VwGH 6.6.2018, Ra 2017/12/0052). 33 Sofern die in Prüfung stehende Weisung - wie von der Revisionswerberin vorgebracht - nicht zur Übertragung einer zumindest gleichwertigen Verwendung führte, wäre die Personalmaßnahme aufgrund der damit für die Revisionswerberin verbundenen negativen gehaltsrechtlichen Auswirkungen als qualifizierte Verwendungsänderung zu beurteilen (vgl. zu § 43 Abs. 2 MagBeG VwGH 6.6.2018, Ra 2017/12/0052). 34 Diesfalls wäre die betreffende Anordnung rechtsrichtig mit Bescheid zu verfügen gewesen (vgl. § 41 Abs. 2 Z 5 MagBeG) und es erwiese sich - infolge Vorliegen einer qualifizierten Verwendungsänderung - die in Rede stehende als arbeitsplatzbezogene Weisung verfügte Personalmaßnahme als unwirksam, sodass für die Revisionswerberin diesbezüglich keine Befolgungspflicht bestünde (zur Rechtsunwirksamkeit von - fälschlicherweise - in Weisungsform angeordneten qualifizierten Verwendungsänderungen z.B. VwGH 28.7.2016, Ra 2015/12/0083; 15.12.2010, 2006/12/0023). 35 Nun ist dem Verwaltungsgericht zwar insofern beizupflichten, als der Antrag der Revisionswerberin betreffend Feststellung der Unzulässigkeit der in Weisungsform verfügten Personalmaßnahme vom 14. März 2016 einerseits sowie der hier gegenständliche (allgemein formulierte) Antrag auf Feststellung der Rechtsunwirksamkeit der Weisung sowie der diesbezüglich fehlenden Befolgungspflicht andererseits im Lichte der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes den Gegenstand zweier, voneinander getrennt zu behandelnder Feststellungsverfahren bestimmten. 36 Es bestand auch infolge der Aufhebung des zurückweisenden Bescheides des Bürgermeisters der Landeshauptstadt Salzburg vom 7. Juli 2016 durch das hg. Erkenntnis vom 6. Juni 2018, Ra 2017/12/0052, im vorliegenden Verfahren keine Bindung hinsichtlich der Beurteilung der Rechtsrichtigkeit der für die Personalmaßnahme gewählten Anordnungsform (Weisung). 37 Folglich war in Anbetracht der strittigen A-Wertigkeit der neu zugeordneten Arbeitsplatzaufgaben auch in dem vorliegenden Feststellungsverfahren betreffend die Rechtswirksamkeit und Befolgungspflicht (neben anderen Gesichtspunkten, wie beispielsweise Willkür, die zur Rechtsunwirksamkeit der Weisung führen könnten) die Frage der Rechtsrichtigkeit der Form der mittels Weisung angeordneten Personalmaßnahme zu prüfen. 38 Dabei war die Beurteilung des zuletzt genannten Aspekts nicht auf eine Grobprüfung hinsichtlich qualifizierter Rechtswidrigkeit beziehungsweise "objektiver" oder "subjektiver" Willkür zu beschränken. Es hätte nämlich nicht nur die grobe Rechtsunrichtigkeit der für die Anordnung der Personalmaßnahme gewählten Form, sondern bereits eine im Rahmen einer "Feinprüfung" - hinsichtlich der Wahl der Anordnungsform - als "schlicht" rechtswidrig zu beurteilende (nämlich unzutreffend in Weisungsstatt in Bescheidform verfügte) Verwendungsänderung die Rechtsunwirksamkeit der Weisung sowie den Wegfall der diesbezüglichen Befolgungspflicht zur Folge. 39 Insofern unterliegt daher im gegebenen Zusammenhang (Feststellungsverfahren in Angelegenheit Befolgungspflicht beziehungsweise Rechtswirksamkeit der hier in Weisungsform verfügten Personalmaßnahme) die Frage der "Formrichtigkeit" der Anordnung - im Gegensatz zu sonstigen betreffend die Rechtswirksamkeit einer Weisung lediglich unter dem Blickwinkel von "Willkür" und qualifizierter Rechtswidrigkeit zu prüfenden Aspekten - demselben "Feinprüfungskalkül" wie die Frage der Zuständigkeit des weisungserteilenden Organs sowie die Frage nach einem allfälligen Verstoß gegen strafgesetzliche Vorschriften. 40 Dies verkennend unterließ es das Verwaltungsgericht allerdings, sich mit der Frage der A-Wertigkeit der der Revisionswerberin mit Weisung übertragenen Arbeitsplatzaufgaben in konkreter und nachvollziehbarer Weise auseinanderzusetzen. Vielmehr beschränkte das Gericht seine rechtlichen Überlegungen - fallbezogen unzutreffend - auf eine Grobprüfung der in Rede stehenden Weisung auf Willkür. 41 Unter Bezugnahme auf die Wertigkeit der hier zu beurteilenden, neu zugewiesenen Arbeitsaufgaben führte das Landesverwaltungsgericht Salzburg lediglich aus, es habe nicht festgestellt werden können, dass die Revisionswerberin durch Übernahme dieser Aufgaben in erheblichem Ausmaß zu B- oder Cwertigen Tätigkeiten habe herangezogen werden sollen. In seiner rechtlichen Beurteilung kam das Verwaltungsgericht auf die Frage der A-Wertigkeit der Tätigkeiten nicht mehr zurück. 42 Es ist dem angefochtenen Erkenntnis insbesondere nicht zu entnehmen, welche A-wertigen Tätigkeiten der Revisionswerberin mit der in Rede stehenden Weisung konkret zugeordnet worden seien. Die der Revisionswerberin neu übertragene, das Personalamt unterstützende Funktion als "Anlaufstelle für Asylwerber" war nach den Feststellungen des Landesverwaltungsgerichts mit folgenden Aufgaben verbunden: Die Ausgabe und Annahme der Bewerbungsformulare, die Unterstützung der Asylwerber beim Ausfüllen und bei der Weiterleitung der Bewerbungsformulare an das Personalamt, die Vorbereitung der Vereinbarungen, die Weiterleitung der unterfertigten Vereinbarungen an das Personalamt und gegebenenfalls auch die Information der Interessenten betreffend negative Entscheidungen sowie die Ausgabe der Bestätigungen an die Asylwerber für geleistete Tätigkeiten. 43 Das Landesverwaltungsgericht hielt ferner fest, die Revisionswerberin habe vorwiegend den unmittelbaren Kontakt mit den Asylwerbern übernehmen sollen. Sie habe Assistenzkräfte für administrative Aufgaben und Hilfstätigkeiten heranziehen dürfen. Gleichzeitig sei es aber nicht gewünscht gewesen, dass sie bloß beratend und konzeptiv tätig sei und sie sämtliche, ihr mit Weisung übertragenen Aufgaben an die Assistenzkräfte delegiere. 44 In Anbetracht der soeben genannten Aufgabenstellungen (siehe Rn 42) ist zum Einen das Gesamtbild eines durch "konzeptive" und beratende Tätigkeiten in erheblichem Ausmaß bestimmten Arbeitsplatzes zumindest nicht unmittelbar naheliegend. Zum Anderen bleibt die Frage einer A-Wertigkeit der in Betracht kommenden beratenden und konzeptiven Tätigkeiten im angefochtenen Erkenntnis völlig offen. Darüber hinaus erwähnt das Gericht nur noch administrative Aufgaben und Hilfstätigkeiten, die die Revisionswerberin zu einem gewissen Teil an Assistenzkräfte habe auslagern dürfen, zu dem verbleibenden Teil aber - da sie nicht bloß beratend und konzeptiv habe tätig sein sollen - habe selber erledigen müssen. 45 Da es das Landesverwaltungsgericht Salzburg vor diesem Hintergrund verabsäumte, die hier strittige Frage der Rechtswirksamkeit der Weisung und der aus ihr resultierenden Befolgungspflicht auch im Hinblick auf die Rechtsrichtigkeit der für die Erteilung der Anordnung gewählten Form (Weisung) sowie hinsichtlich der Frage der A-Wertigkeit der der Revisionswerberin neu zugewiesenen Aufgaben zu prüfen, belastete es das angefochtene Erkenntnis mit inhaltlicher Rechtswidrigkeit. Dieses war daher gemäß § 42 Abs. 2 Z 1 VwGG aufzuheben. 46 Die Kostenentscheidung gründet sich auf die §§ 47 ff VwGG in Verbindung mit der VwGH-Aufwandersatzverordnung 2014. Wien, am 19. Februar 2020
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ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019120015.L00
Ra 2019/12/0015
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019120015_20200309L00/JWT_2019120015_20200309L00.html
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Spruch Die Revision wird zurückgewiesen. Begründung 1 Der am 10. März 1954 geborene Revisionswerber stand als Fachoberlehrer an einer Tourismusschule in einem öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis zum Bund. Mit inhaltlich auf § 236d Beamten-Dienstrechtsgesetz 1979 (BDG 1979) gestützter Erklärung vom 7. März 2016 bewirkte er seine Versetzung in den Ruhestand mit Ablauf des 31. Mai 2016. Dass sich diese Erklärung nach ihrem Inhalt auf § 236d BDG 1979 stützte, ergibt sich schon aus den darin enthaltenen Ausführungen, wonach für den Fall, dass nachträglich der Rechtsanspruch des Revisionswerbers auf abschlagsfreie Ruhestandsversetzung rechtskräftig bejaht werden sollte (welche Bedingung nicht eingetreten ist), die zunächst erfolgte Ruhestandsversetzung gemäß einleitend gestelltem Antrag (mit Abschlägen) in eine abschlagsfreie Ruhestandsversetzung iSd § 236b BDG 1979 umgewandelt werden möge. 2 Zur Vorgeschichte wird auf das hg. Erkenntnis vom 25. März 2015, Ro 2014/12/0045, und den Beschluss vom 25. Oktober 2016, Ro 2016/12/0026, verwiesen. Aus der zuletzt genannten Entscheidung, die auf den Beschluss des Verwaltungsgerichtshofs vom 25. Oktober 2016, Ro 2016/12/0023, verweist, ergibt sich, dass der Revisionswerber nicht bereits aufgrund seiner Erklärung vom 15. März 2013 zum Ablauf des 31. März 2014 gemäß § 236b BDG 1979 in den Ruhestand getreten ist. 3 Mit Antrag vom 6. Februar 2017 begehrte der Revisionswerber, dass im Rahmen der Bemessung des Ruhegenusses als Pensionsgrundlage § 236b BDG 1979 (in unionsrechtlich korrekter Weise auf den Geburtsjahrgang 1954 ausgedehnt) zu gelten habe und daher der Ruhebezug unter Ausschluss jeder prozentuellen Abschlagsberechnung zu bemessen sei. 4 Mit Bescheid vom 17. August 2017 bemaß die Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter den Ruhegenuss des Revisionswerbers. Dabei ging sie davon aus, dass § 236b BDG 1979 nicht dem Unionsrecht widerspreche, sohin auf den Revisionswerber nicht anwendbar sei, und daher bei Bemessung des Ruhebezuges § 236d BDG 1979 heranzuziehen sei. 5 In der dagegen erhobenen Beschwerde stellte der Revisionswerber einen Beschwerdeantrag im Sinne des bereits am 6. Februar 2017 gestellten Antrages. 6 Mit dem über Fristsetzungsantrag des Revisionswerbers ergangenen angefochtenen Erkenntnis wies das Bundesverwaltungsgericht die Beschwerde ab und sprach aus, dass die Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 BVG nicht zulässig sei. Auch das Bundesverwaltungsgericht gelangte zu dem Ergebnis, dass die Ungleichbehandlung der Geburtsjahrgänge 1953 und 1954 im vorliegenden Fall objektiv und angemessen sei, sowie im Rahmen des nationalen Rechts durch ein legitimes Ziel, nämlich Ziele aus dem Bereich der Beschäftigungspolitik und des Arbeitsmarktes gerechtfertigt sei, und die Mittel zur Erreichung dieser Ziele angemessen und erforderlich seien. Der Ruhegenuss sei daher unter Zugrundelegen von § 236d BDG 1979 zu bemessen. 7 Dagegen richtet sich die vorliegende außerordentliche Revision mit dem Antrag, das angefochtene Erkenntnis wegen Rechtswidrigkeit seines Inhaltes und Rechtswidrigkeit infolge Verletzung von Verfahrensvorschriften aufzuheben. 8 Die belangte Behörde erstattete keine Revisionsbeantwortung. 9 In der Zulässigkeitsbegründung der Revision wird ausgeführt, verfahrensgegenständlich sei die Frage, ob die Pensionsbemessung ausgehend von einer Ruhestandsversetzung im Sinne des § 236b BDG 1979 in unionsrechtlich korrigierter Fassung zu erfolgen habe. Der Revisionswerber sei Geburtsjahrgang 1954 und nach dem Gesetzeswortlaut sei die (gegenüber § 236d BDG 1979) günstigere Pensionierungsvariante nach § 236b leg. cit. nur für Beamte einschließlich des Geburtsjahres 1953 vorgesehen. Der Revisionswerber stehe auf dem Standpunkt, dass dies eine unionsrechtlich unzulässige altersbezogene Diskriminierung darstelle und eine dahin unionsrechtlich korrigierte Gesetzesfassung zugrunde zu legen sei, dass § 236b BDG 1979 auch für seinen Geburtsjahrgang gelte. Er berief sich dabei auf den Beschluss des Verwaltungsgerichtshofes vom 25. Oktober 2016, Ro 2016/12/0026 und das Erkenntnis vom 19. Oktober 2016, Ro 2016/12/0014, zu denen das angefochtene Erkenntnis im Widerspruch stehe. 10 Mit diesem Vorbringen wird die Zulässigkeit der Revision nicht aufgezeigt. 11 § 5 Abs. 2b Pensionsgesetz 1965 (PG 1965) in der Fassung BGBl. I Nr. 2010/2013 lautet: „(2b) Abs. 2 ist im Falle einer Versetzung in den Ruhestand nach § 15 oder § 15a BDG 1979, jeweils in Verbindung mit § 236b BDG 1979, nicht anzuwenden, wenn die Voraussetzungen für die Versetzung in den Ruhestand nach diesen Bestimmungen vor dem 1. Jänner 2014 erfüllt werden.“ 12 Nach dem klaren Wortlaut des § 5 Abs. 2b PG 1965 in der hier anzuwendenden Fassung erfordert die Abstandnahme von der Kürzung nicht nur, dass die Voraussetzungen für die Versetzung in den Ruhestand nach §§ 15, 15a iVm § 236b BDG 1979 am 1. Jänner 2014 vorliegen, sondern - lege non distinguente - dass, darüber hinaus eine „Versetzung in den Ruhestand nach §§ 15, 15a iVm § 236b BDG 1979“ erfolgte. Dies ist hier jedoch aus folgenden Erwägungen nicht der Fall: 13 Eine schriftliche Erklärung im Sinne des § 236d BDG 1979 führt bei Vorliegen der Voraussetzungen kraft Gesetzes zum Eintritt des Ruhestandes, ohne dass dazu eines (konstitutiven) Bescheides der Dienstbehörde bedürfte. Für die Frage, ob eine derartige Erklärung des Revisionswerbers seine Versetzung in den Ruhestand herbeigeführt hat oder nicht, ist ausschließlich die Sach- und Rechtslage im Zeitpunkt des in der Erklärung genannten Ruhestandsversetzungstermines - hier mit Ablauf des 31. Mai 2016 - maßgeblich (vgl. VwGH 14.1.2020, Ra 2018/12/0064; sowie 25.10.2016, Ro 2016/12/0023). 14 Da der Revisionswerber seine Erklärung auf Ruhestandsversetzung vom 7. März 2016 mit Ablauf des 31. Mai 2016 inhaltlich auf § 236d BDG 1979 stützte, wurde die Ruhestandsversetzung im Sinne der zitierten Rechtsprechung auf Grundlage dieser gesetzlichen Bestimmung zum genannten Termin herbeigeführt. Eine nachträgliche Änderung der gesetzlichen Grundlage der Versetzung in den Ruhestand ist im Gesetz nicht vorgesehen (vgl. dazu den zuletzt zitierten Beschluss des Verwaltungsgerichtshofes vom 25. Oktober 2016). 15 Die im Zulässigkeitsvorbringen aufgeworfene Rechtsfrage ist daher für die Entscheidung des Revisionsfalles nicht wesentlich, sodass die Revision zurückzuweisen war. Wien, am 9. März 2020
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ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019120021.L00
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Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
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1,986
Spruch Die Revision wird zurückgewiesen. Begründung 1 Die am 14. Mai 1954 geborene Mitbeteiligte befindet sich seit 1. Juli 1987 als Lehrerin in einem öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis zum Bund. Davor war sie Lehrerin beim Land Niederösterreich. 2 Mit Bescheid vom 31. August 1988 rechnete der Landesschulrat für Niederösterreich folgende Zeiten, die zwischen der Vollendung ihres 18. Lebensjahres und dem Tag des Beginnes ihrer ruhegenussfähigen öffentlichen Dienstzeit (beim Bund), dem 1. Juli 1987, liegen, gemäß § 53 Abs. 2 Pensionsgesetz 1965 (PG 1965) unbedingt als Ruhegenussvordienstzeiten (letzte Spalte: Jahre/Monate/Tage) an: -------------------------- ----------------------- -------- --- ---- ---- "1) Mus-päd. BRG Krems 14.5.1972 - 31.5.1972 53(2)h - - 17 2) PÄDAK 11.9.1972 - 11.6.1974 53(2)h 1 9 1 3) LSR f. NÖ, pragm.HL 1.9.1974 - 30.9.1977 53(2)b 3 1 - 4) UNI Wien 1.10.1977 - 30.9.1982 53(2)i 5 - - 5) LSR f. NÖ, pragm.HL 1.10.1982 - 24.8.1986 53(2)b 3 10 24 6) LSR f. NÖ, Vertragsl. 25.8.1986 - 30.6.1987 53(2)b - 10 6" -------------------------- ----------------------- -------- --- ---- ---- 3 Mit Bescheid vom 12. Juli 2018 stellte der Landesschulrat für Niederösterreich fest, dass der Mitbeteiligen gemäß § 66 Abs. 1 und 2 PG 1965 für die Zeit vom 1. September 1974 bis 30. September 1977 und vom 1. Oktober 1982 bis 24. August 1986 eine Gutschrift von 2.302,35 Nebengebührenwerten gebühre. Begründend wurde ausgeführt, gemäß § 66 Abs. 2 PG 1965 seien Nebengebühren und Gutschriften von Nebengebührenwerten aus einem früheren Dienstverhältnis gemäß § 66 Abs. 1 PG 1965 nur dann zu berücksichtigen, wenn sie auf Zeiten entfielen, die im bestehenden Dienstverhältnis ruhegenussfähig seien. Laut Nebengebührenwerte-Mitteilung des Landesschulrates für Niederösterreich habe die Revisionswerberin als Hauptschullehrerin in den im Spruch genannten Zeiträumen Nebengebührenwerte in der Höhe von 2.302,35 erworben. 4 In der dagegen erhobenen Beschwerde führte die Mitbeteiligte aus, im bekämpften Bescheid sei nicht berücksichtigt worden, dass das Studium an der Universität Wien (1. Oktober 1977 bis 30. September 1982) berufsbegleitend absolviert worden sei. Für die gesamte Dienstzeit als Landeslehrerin (144 Monate) vom 1. September 1974 bis 24. August 1986 sei ein Überweisungsbetrag von ATS 176.994,72 gemäß § 311 Abs. 2 ASVG errechnet und die Überweisung an das Bundesrechnungsamt veranlasst worden. Dies sei aus dem beiliegenden Bescheid des Landesschulrates für Niederösterreich vom 25. August 1988 ersichtlich. Das Bundesrechnungsamt habe den Erhalt mit dem ebenfalls angeschlossenen Schreiben vom 11. November 1988 bestätigt. Die Mitbeteiligte beantragte die Aufhebung des bekämpften Bescheides und die Erlassung eines neuen Bescheides, mit dem die lückenlose beitragsgedeckte Gesamtdienstzeit vom 1. September 1974 bis 24. August 1986 berücksichtigt werde und somit auch der Anspruch auf Gutschrift von erworbenen Nebengebühren im Zeitraum vom 1. Oktober 1977 bis 30. September 1982 gewährleistet sei. 5 Mit Beschwerdevorentscheidung vom 18. September 2018 änderte der Landesschulrat für Wien den Bescheid vom 12. Juli 2018 dahin ab, dass festgestellt wurde, dass der Mitbeteiligten gemäß § 66 Abs. 1 und 2 PG 1965 für die Zeit vom 1. September 1974 bis 30. September 1977 und vom 1. Oktober 1982 bis 24. August 1986 eine Gutschrift von 1.503,27 Nebengebührenwerten gebühre. Begründend wurde ausgeführt, aus dem Pensionsgesetz 1965, Abschnitt IX - Nebengebührenzulage ergebe sich, dass Nebengebührenwerte nur für Zeiten eines Dienstverhältnisses zum Bund oder einer sonstigen Gebietskörperschaft berücksichtigt bzw. gutgeschrieben werden könnten. Dies erfordere jedoch, dass die betreffende Zeit als Ruhegenussvordienstzeit gemäß § 53 Abs. 2 lit. a oder lit. b PG 1965 angerechnet worden sei. Als Folge des Ausscheidens als Niederösterreichische Landeslehrerin mit 30. Juni 1987 bzw. der Ernennung auf die Planstelle einer Professorin (Verwendungsgruppe L1) sei eine Anrechnung der Ruhegenussvordienstzeiten der Revisionswerberin als Bundesbeamtin erfolgt. Mit Bescheid des Landesschulrats für Niederösterreich vom 31. August 1988 sei die Zeit vom 1. Oktober 1977 bis 30. September 1982 als Studienzeit an der Universität Wien gemäß § 53 Abs. 2 lit. i PG 1965 rechtskräftig angerechnet worden. Eine durchgehende Berücksichtigung bzw. lückenlose Summierung der Nebengebührenwerte von 1. September 1974 bis 24. August 1986 (Karenzurlaub als Landeslehrerin ohne Bezüge vom 25. August 1986 bis 30. Juni 1987) sei auf Grund des in Rechtskraft erwachsenen Ruhegenussvordienstzeitenbescheides nicht möglich, sei doch die Zeit vom 1. Oktober 1977 bis 30. September 1982 gemäß § 53 Abs. 2 lit. i PG 1965 angerechnet worden. Da der zuletzt genannte Zeitraum eben nicht gemäß § 53 Abs. 2 lit. a bzw. lit. b PG 1965 angerechnet worden sei, könnten Nebengebührenwerte aus dieser Zeit auch nicht gutgeschrieben werden. Somit könnten diese Nebengebührenwerte im Fall der Mitbeteiligten auch nicht in die Gesamtsumme der erworbenen Nebengebührenwerte bis zum Ausscheiden als Niederösterreichische Landeslehrerin inkludiert werden. 6 Aus den beiliegenden Mitteilungen über die Summe der Nebengebührenwerte ergebe sich, dass in der Zeit vom 1. Oktober 1977 bis 30. September 1982 799,08 Nebengebührenwerte erworben worden seien. Diese Werte seien aus den dargelegten Gründen von der Gesamtsumme in der Höhe von 2.302,35 abzuziehen. 7 Die Mitbeteiligte erstattete den Vorlageantrag vom 1. Oktober 2018, in dem sie ergänzend vorbrachte, die im Zeitraum vom 1. Oktober 1977 bis 30. September 1982 (Studium an der Universität Wien berufsbegleitend) im guten Glauben erworbenen Nebengebührenwerte in der Höhe von 799,08 kämen ihr nicht zu Gute, sondern würden von der Gesamtsumme in Höhe von 2.302,35 abgezogen, sodass nur mehr 1.503,27 Nebengebührenwerte verblieben. Die Nichtanwendung des Günstigkeitsprinzips (Höherwertigkeit der Arbeitszeit vom 1. September 1974 bis 24. August 1986 mit erfolgter Leistung des Überweisungsbetrags gemäß § 311 Abs. 2 AVG = 144 Monate = ATS 176.994,72) erscheine ungerecht und gleichheitswidrig. 8 Mit dem angefochtenen Erkenntnis des Bundesverwaltungsgerichts vom 25. Februar 2019 in der mit Beschluss vom 14. März 2019 berichtigten Fassung änderte das Bundesverwaltungsgericht den bekämpften Bescheid betreffend den zu berücksichtigenden Zeitraum und die Beschwerdevorentscheidung in Ansehung des zu berücksichtigenden Zeitraums und der Höhe der zu berücksichtigenden Nebengebührenwerte (vgl. dazu VwGH 17.12.2015, Ro 2015/08/0026) dahin ab, dass es feststellte, der Revisionswerberin gebühre für die Zeit vom 1. September 1974 bis 24. August 1986 eine Gutschrift an Nebengebührenwerten von 2.302,35. 9 Begründend wurde ausgeführt, die Mitbeteiligte sei in der strittigen Zeit vom 1. Oktober 1977 bis 30. September 1982 neben dem Studium an der Universität Wien auch als (Landes-)Lehrerin erwerbstätig gewesen. Das werde seitens der belangten Behörde nicht bestritten. Der mit Beschwerde bekämpfte Bescheid habe zwar in der Begründung die strittige Zeit von der Berücksichtigung bei der Nebengebührengutschrift ausgeklammert, diese Zeit in der Berechnung aber berücksichtigt. Dieser strittige Zeitraum sei wegen des - neben dem Studium - bestandenen Dienstverhältnisses zum Land ruhegenussfähig und damit seien die in dieser Zeit erworbenen Nebengebühren zu berücksichtigen. 10 Die belangte Behörde habe keine schlüssige Begründung angeführt, warum sie in der Beschwerdevorentscheidung von dem gesamten Nebengebührenwert, der sich aus dem Akt der Behörde ergebe, die Nebengebühren für die Zeit vom 1. Oktober 1977 bis 30. September 1982, in der die Mitbeteiligte auch studiert habe, in Abzug bringe. Zur Betonung sei nochmals erwähnt, dass die Mitbeteiligte in dieser Zeit auch als Lehrerin gearbeitet habe. Die Argumentation, dass die Ruhegenussvordienstzeiten nach § 53 Abs. 2 lit. i PG 1965 angerechnet worden seien, und nicht nach § 53 Abs. 2 lit. a oder b PG 1965 sei nicht überzeugend. Der Gesetzestext des § 66 Abs. 2 PG 1965 schränke die Anrechnung nicht auf eine bestimmte litera des § 53 Abs. 2 PG 1965 ein. Für die Bestimmung der Nebengebührenwerte sei entscheidend, dass die Voraussetzungen für eine Anrechnung nach § 53 Abs. 1 lit. a PG 1965 erfüllt seien. Es sei daher der Beschwerde hinsichtlich der Begründung zu folgen und der Spruch der Beschwerdevorentscheidung abzuändern gewesen. Es gelte auch ein unsachliches und damit gleichheitswidriges Interpretationsergebnis zu vermeiden. 11 Dass der geänderte Spruch im vorliegenden Erkenntnis die gleiche Summe an Nebengebühren enthalte wie der Erstbescheid der belangten Behörde liege daran, dass nur in der Begründung des Bescheides ein Dissens zwischen belangter Behörde und der Mitbeteiligten bestanden habe, nicht aber im Ergebnis. Die belangte Behörde habe diese Einschätzung gegenüber dem Gericht bestätigt. 12 Zur Begründung der Unzulässigkeit der Revision führte das Bundesverwaltungsgericht aus, auch wenn keine Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofs zu konkreten Fragen bestehe, so sei doch der Gesetzestext in seinem Wortlaut eindeutig. 13 Gegen dieses Erkenntnis in der berichtigten Fassung richtet sich die vorliegende außerordentliche Amtsrevision mit dem Antrag, der Verwaltungsgerichtshof möge das angefochtene Erkenntnis wegen Rechtswidrigkeit seines Inhalts aufheben und die Beschwerdesache an das Bundesverwaltungsgericht zurückverweisen; in eventu wird begehrt, in der Sache dahin zu entscheiden, dass der Spruch des Ausgangsbescheides wiederhergestellt werde. 14 Die Mitbeteiligte erstattete eine Revisionsbeantwortung. 15 In der Zulässigkeitsbegründung der Revision wird ausgeführt, bei der Anwendung des § 66 Abs. 2 PG 1965 sei auf Zeiten in einem früheren Dienstverhältnis zu einer inländischen Gebietskörperschaft abzustellen, die (im bestehenden Dienstverhältnis) ruhegenussfähig seien. Die Qualifikation einer (vor dem Beginn des aktuellen öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnisses liegenden) Zeit als "ruhegenussfähig" erfolge verbindlich durch den Bescheid über die Anrechnung von Ruhegenussvordienstzeiten. An die im rechtskräftigen Bescheid über die Anrechnung von Vordienstzeiten erfolgte Qualifikation sei die Behörde und damit auch das Verwaltungsgericht (Hinweis auf nach Meinung der Amtspartei ähnliche Konstellationen etwa in VwGH 22.6.2016, 2013/12/0250, sowie 28.1.2004, 2003/12/0141 und VfSlg. 9402/1982) bei der Feststellung der Nebengebührenwerte gebunden. Zur Frage, ob die im (rechtskräftigen) Bescheid über die Anrechnung von Ruhegenussvordienstzeiten erfolgte Qualifikation des hier relevanten Zeitraums als (beitragsfrei angerechnete) Studienzeit einer Berücksichtigung von Nebengebührenwerten gemäß § 66 Abs. 2 PG 1965 entgegen stehe, bestehe keine Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes bzw. habe nach Auffassung der Amtspartei eine anderslautende Entscheidung zu erfolgen, als sie vom Bundesverwaltungsgericht getroffen worden sei. 16 Mit diesem Vorbringen wird die Zulässigkeit der Revision nicht aufgezeigt. 17 § 66 Pensionsgesetz 1965 (PG 1965), BGBl. Nr. 340, in der Fassung BGBl. I Nr. 119/2002 lautet auszugsweise: "Berücksichtigung von Nebengebühren aus einem früheren Dienstverhältnis zu einer inländischen Gebietskörperschaft § 66. (1) Hat ein Beamter in einem früheren Dienstverhältnis zu einer inländischen Gebietskörperschaft 1. 1. anspruchsbegründende Nebengebühren oder 2. 2. diesen entsprechende Nebengebühren in einem privatrechtlichen Dienstverhältnis bezogen, so sind diese bei der Feststellung des Anspruches auf eine Nebengebührenzulage zum Ruhegenuss in gleicher Weise zu berücksichtigen wie Nebengebühren der Beamten. Das Gleiche gilt für eine in einem solchen früheren Dienstverhältnis festgestellte Gutschrift von Nebengebührenwerten. 1. (2)Nebengebühren und Gutschriften von Nebengebührenwerten aus einem früheren Dienstverhältnis nach Abs. 1 sind nur dann zu berücksichtigen, wenn sie auf Zeiten entfallen, die im bestehenden Dienstverhältnis ruhegenussfähig sind. ..." 18 Gemäß § 66 Abs. 2 PG 1965 sind Nebengebühren und Gutschriften von Nebengebührenwerten aus einem früheren Dienstverhältnis nur dann zu berücksichtigen, wenn sie auf Zeiten entfallen, die im bestehenden Dienstverhältnis ruhegenussfähig sind. Unbestritten ist, dass der Zeitraum vom 1. Oktober 1977 bis 30. September 1982 eine ruhegenussfähige Vordienstzeit der Mitbeteiligten bildet und dass sie in diesem Zeitraum, in dem sie studierte und als Landeslehrerin unterrichtete, Nebengebührenwerte in der Höhe von 799,08 erworben hat, wie sich auch aus den Mitteilungen des Landesschulrats für Niederösterreich betreffend die erworbenen Nebengebührenwerte ergibt. 19 Gemäß dem eindeutigen Wortlaut des § 66 Abs. 2 PG 1965 kommt es aber betreffend die Berücksichtigung von Nebengebührenwerten nur darauf an, dass die zu berücksichtigenden Nebengebührenwerte auf Zeiten entfallen, die im bestehenden Dienstverhältnis ruhegenussfähig sind. In dieser Bestimmung wird nicht darauf abgestellt, auf Grundlage welcher litera des § 53 Abs. 2 PG 1965 Zeiten mit Bescheid als Ruhegenussvordienstzeiten angerechnet wurden. Dem Bundesverwaltungsgericht ist auch dahin zuzustimmen, dass die - weiterhin in der Amtsrevision vertretene - Rechtsansicht, es komme auf den zuletzt genannten Umstand an, dazu führen würde, dass vom Zufall abhängende Umstände, nämlich je nachdem welchen Tatbestand des § 53 Abs. 2 PG 1965 die Dienstbehörde bei Feststellung der Ruhegenussvordienstzeiten herangezogen hat, entscheidungswesentlich wären und somit unsachliche Ergebnisse erzielt würden. 20 Das Bundesverwaltungsgericht hat sohin zu Recht den bekämpften Bescheid und die Beschwerdevorentscheidung dahin abgeändert, dass Nebengebührenwerte in Höhe von 2.302,35 unter Einbeziehung des Zeitraums vom 1. Oktober 1977 bis 30. September 1982, also insgesamt für den Zeitraum von 1. September 1974 bis 24. August 1986 als gebührlich festgestellt wurden. 21 Soweit sich die Amtspartei im Zulässigkeitsvorbringen auf das Erkenntnis des Verwaltungsgerichtshofs vom 22. Juni 2016, 2013/12/0250, berief, geht es in diesem um die nicht vergleichbare Frage, ob Zeiten zur beitragsgedeckten Gesamtdienstzeit gemäß § 236d BDG 1979 zählen (wofür insbesondere auch die Frage, ob ein Überweisungsbetrag an den Bund zu leisten war, ausschlaggebend ist), deren Bedeutung sich ausschließlich darin erschöpft, den frühestmöglichen Zeitpunkt für eine vorzeitige Versetzung in den Ruhestand im Zusammenhang mit dieser Bestimmung zu ermitteln. Auch die Rechtslage ist nicht vergleichbar. 22 Das weiters zitierte Erkenntnis des Verwaltungsgerichtshofs vom 28. Jänner 2004, 2003/12/0141, ist ebenso wenig einschlägig, betrifft es doch einen Fall, in dem Nebengebührenwerte gemäß § 16a Abs. 5 Nebengebührenzulagengesetz nicht gebührten, auf Grund eines rechtskräftigen Bescheides über deren Gebührlichkeit aber dennoch zustanden. 23 Das Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofs vom 12. Juni 1982, B 267/79 = VfSlg. 9402, sprach im Wesentlichen aus, dass die bescheidmäßige Feststellung der Nebengebührenwerte die bindende Grundlage für die darauf aufbauende Bemessung der Höhe der Nebengebührenzulage bilde. Für das vorliegende Verfahren entscheidungswesentliche Aussagen, die die Rechtsansicht der revisionswerbenden Amtspartei stützten, finden sich dort nicht. 24 Da sich das Bundesverwaltungsgericht auf einen klaren und eindeutigen Gesetzeswortlaut gestützt hat, bildet die vorliegende Auslegungsfrage keine Rechtsfrage im Sinne des Art. 133 Abs. 4 B-VG (vgl. z.B. VwGH 20.12.2017, Ra 2017/12/0124). Die Revision war daher zurückzuweisen. Wien, am 9. März 2020
JWT_2019120022_20200219L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019120022.L00
Ra 2019/12/0022
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019120022_20200219L00/JWT_2019120022_20200219L00.html
1,582,070,400,000
2,236
Spruch Die Revision wird zurückgewiesen. Begründung 1 Der am 15. Juni 1960 geborene Revisionswerber steht seit 1. Juli 1989 in einem öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis zum Bund. Seine Dienststelle ist das Finanzamt Salzburg-Stadt. 2 Mit Bescheid der Finanzlandesdirektion für Salzburg vom 2. Oktober 1989 wurden ihm nach dem 18. Lebensjahr gelegene Schul- und Studienzeiten im Ausmaß von 5 Jahren und 13 Tagen gemäß § 53 Abs. 2 lit. h und lit. i Pensionsgesetz 1965 (PG 1965), BGBl. Nr. 340, als unbedingte Ruhegenussvordienstzeiten angerechnet. 3 Mit Schreiben vom 16. Februar 1996 informierte die Finanzlandesdirektion für Salzburg den Revisionswerber dahin, dass er im Hinblick darauf, dass er die betroffenen Schul- und Studienzeiten nicht gemäß § 54 Abs. 3 PG 1965 von der Anrechnung als Ruhegenussvordienstzeiten ausgeschlossen habe, gemäß § 56 PG 1965 in der Fassung nach der Novelle BGBl. Nr. 288/1988 einen besonderen Pensionsbeitrag in der Höhe von ATS 108.649,50 zu entrichten habe. Durch die Entrichtung dieses Betrages werde der für Schul- und Studienzeiten angerechnete Zeitraum bei Versetzung in den Ruhestand der ruhegenussfähigen Gesamtdienstzeit zugerechnet. Wenn der Revisionswerber in Kenntnis der dargestellten Rechtslage bei Eintritt in das Dienstverhältnis anlässlich des Ausfüllens des Fragebogens bestimmte Zeiten gemäß § 54 Abs. 3 PG 1965 von der Anrechnung ausgeschlossen hätte, werde ihm die Möglichkeit eingeräumt, die Abänderung des Bescheides über die Anrechnung von Ruhegenussvordienstzeiten im Sinne des § 68 Abs. 2 AVG anzuregen. In diesem Fall werde der Revisionswerber ersucht, binnen 14 Tagen nach Erhalt des Schreibens detailliert anzuführen, welche Zeiten er bei Kenntnis der Rechtslage bzw. bei entsprechender Anleitung beim Ausfüllen des Fragebogens gemäß § 54 Abs. 3 PG 1965 von der Anrechnung ausgeschlossen hätte. 4 Mit Bescheid vom 26. August 1996 stellte die Finanzlandesdirektion für Salzburg fest, dass der Revisionswerber in Anbetracht der mit Bescheid vom 2. Oktober 1989 angerechneten Ruhegenussvordienstzeiten gemäß § 56 Abs. 1 bis 3 PG 1965 einen besonderen Pensionsbeitrag in der Höhe von ATS 108.649,50 zu leisten habe. Der besondere Pensionsbeitrag werde gemäß § 56 Abs. 4 PG 1965 nach dem Eintritt der Rechtskraft des Bescheides ab Oktober 1996 in 29 Monatsraten zu je ATS 3.700,-- und einer verbleibenden Rate in der Höhe von ATS 1.349,50 von den Monatsbezügen des Revisionswerbers hereingebracht werden. 5 Dieser Bescheid wurde infolge einer dagegen vom Revisionswerber erhobenen Berufung mit Bescheid des Bundesministers für Finanzen vom 20. Jänner 2006 dahin abgeändert, dass der Revisionswerber einen besonderen Pensionsbeitrag in der Höhe von EUR 7.254,40 (ATS 99.822,06) zu leisten habe. Die Behörde verwies darauf, dass dieser Berechnung bereits im erstinstanzlichen Bescheid zutreffend Zeiten im Umfang von 58 Monaten zugrunde gelegt worden seien. Allerdings sei bei Ermittlung des besonderen Pensionsbeitrages das der (zum 1. Juli 1989 bestehenden) Einstufung "A/IV/6" entsprechende (und nicht das der Einstufung "A/IV/7" zuzuordnende) Gehalt zu berücksichtigen. 6 Mit Schreiben vom 23. Februar 2015 beantragte der Revisionswerber die bescheidmäßige Feststellung seiner beitragsgedeckten Gesamtdienstzeit gemäß § 236d Beamten-Dienstrechtsgesetz 1979 (BDG 1979), BGBl. Nr. 333. 7 Mit Bescheid des Finanzamts Salzburg-Stadt vom 7. April 2015 wurde gemäß § 236d Abs. 1, 2 und 4 BDG 1979 festgestellt, dass der Revisionswerber zum 28. Februar 2015 eine beitragsgedeckte Gesamtdienstzeit im Ausmaß von 28 Jahren, 1 Monat und 21 Tage aufweise. 8 Der Revisionswerber erhob Beschwerde und wandte sich dagegen, dass bei der Feststellung der beitragsgedeckten Gesamtdienstzeit nicht alle Zeiten berücksichtigt worden seien, für die er einen besonderen Pensionsbeitrag geleistet habe. Dies betreffe insbesondere Schul- und Studienzeiten. 9 Mit dem angefochtenen Erkenntnis wies das Bundesverwaltungsgericht die Beschwerde ab und sprach aus, dass die Revision nach Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zulässig sei. 10 Begründend führte das Gericht aus, es seien dem Revisionswerber Schul- und Studienzeiten mit Bescheid vom 2. Oktober 1989 als Ruhegenussvordienstzeiten angerechnet worden. Diese Ruhegenussvordienstzeiten hätten gemäß § 7 PG 1965 Einfluss auf die Höhe des Ruhebezugs. Die in Rede stehenden beitragsgedeckten Gesamtdienstzeiten bestimmten hingegen die Möglichkeit einer abschlagbegünstigten, vorzeitigen Ruhestandsversetzung. Gemäß § 236d Abs. 2 Z 6 BDG 1979 seien Schul- und Studienzeiten von der Anrechnung als beitragsgedeckte Gesamtdienstzeit ausgeschlossen. Sofern der Revisionswerber die Nichtberücksichtigung von Schul- und Studienzeiten im Ausmaß von 4 Jahren 10 Monaten und 13 Tagen bei Ermittlung der beitragsgedeckten Gesamtdienstzeit als verfassungswidrig erachte, sei ihm zu entgegnen, dass sich Schul- und Studienzeiten durch eine Vielzahl unterschiedlicher Tatsachen von den übrigen in § 236d Abs. 2 BDG 1979 genannten Zeiten (Erwerbstätigkeit, Bundesdienstzeit, Wochengeld, ...) unterschieden. 11 Gegen dieses Erkenntnis erhob der Revisionswerber Beschwerde an den Verfassungsgerichtshof, der mit Beschluss vom 26. Februar 2019, E 4658/2018-14, die Behandlung der Beschwerde gemäß Art. 144 Abs. 2 B-VG ablehnte und diese über nachträglichen Antrag des Revisionswerbers mit Beschluss vom 14. März 2019, E 4658/2018-18, gemäß Art. 144 Abs. 3 B-VG dem Verwaltungsgerichtshof zur Entscheidung abtrat. 12 In der vorliegenden außerordentlichen Revision wird Rechtswidrigkeit des Inhaltes verbunden mit dem Antrag geltend gemacht, das angefochtene Erkenntnis aus diesem Grund aufzuheben. 13 Die vor dem Verwaltungsgericht belangte Behörde erstattete keine Revisionsbeantwortung. 14 Zur Begründung ihrer Zulässigkeit führt die Revision aus, es liege fallbezogen eine unionsrechtswidrige mittelbare Diskriminierung aufgrund des Alters vor, weil die bei Feststellung der beitragsgedeckten Gesamtdienstzeit nicht berücksichtigten Schul- und Studienzeiten, für die der Revisionswerber einen besonderen Pensionsbeitrag geleistet habe und die daher als beitragsgedeckt anzusehen seien, typischerweise in einem relativ frühen Lebensalter anfielen. Mit diesem Vorbringen wird die Zulässigkeit der Revision nicht dargetan: 15 Nach Art. 133 Abs. 4 B-VG ist gegen ein Erkenntnis des Verwaltungsgerichts die Revision zulässig, wenn sie von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, insbesondere weil das Erkenntnis von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofs abweicht, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung nicht einheitlich beantwortet wird. 16 Gemäß § 34 Abs. 1 VwGG sind Revisionen, die sich wegen Nichtvorliegen der Voraussetzungen des Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zur Behandlung eignen, ohne weiteres Verfahren in nichtöffentlicher Sitzung mit Beschluss zurückzuweisen. 17 Gemäß § 34 Abs. 1a VwGG ist die Zulässigkeit einer außerordentlichen Revision nach Art. 133 Abs. 4 B-VG im Rahmen der dafür in der Revision vorgebrachten Gründe (§ 28 Abs. 3 VwGG) zu überprüfen. 18 § 236d Beamten-Dienstrechtsgesetz 1979 (BDG 1979), BGBl. Nr. 333 in der Fassung BGBl. I Nr. 60/2018, lautet auszugsweise: "Versetzung in den Ruhestand von nach 1953 geborenen Beamtinnen und Beamten mit langer beitragsgedeckter Gesamtdienstzeit § 236d. (1) Nach dem 31. Dezember 1953 geborene Beamtinnen und Beamte können durch schriftliche Erklärung, aus dem Dienststand ausscheiden zu wollen, ihre Versetzung in den Ruhestand frühestens mit Ablauf des Monats bewirken, in dem sie das 62. Lebensjahr vollenden, wenn sie zum Zeitpunkt der Wirksamkeit der Versetzung in den Ruhestand eine beitragsgedeckte Gesamtdienstzeit von 42 Jahren aufweisen. § 15b Abs. 4 bis 6 ist sinngemäß mit der Maßgabe anzuwenden, dass die Versetzung in den Ruhestand bereits mit Ablauf des Monats, der der Abgabe der Erklärung folgt, wirksam wird. 1. (2)Zur beitragsgedeckten Gesamtdienstzeit im Sinne des Abs. 1 zählen 1. die ruhegenussfähige Bundesdienstzeit gemäß § 6 Abs. 2 des Pensionsgesetzes 1965, wobei Teilbeschäftigungszeiten immer voll zu zählen sind, 2. bedingt oder unbedingt als Ruhegenussvordienstzeiten angerechnete Zeiten einer Erwerbstätigkeit, für die ein Überweisungsbetrag nach § 308 des Allgemeinen Sozialversicherungsge setzes (ASVG), BGBl. Nr. 189/1955, nach § 172 des Gewerblichen Sozialversicherungsgesetzes (GSVG), BGBl. Nr. 560/1978, oder nach § 164 des Bauern-Sozialversicherungsgesetzes (BSVG), BGBl. Nr. 559/1978, in Höhe von 7% der Berechnungsgrundlage nach § 308 Abs. 6 ASVG, § 172 Abs. 6 GSVG oder § 164 Abs. 6 BSVG zu leisten war oder ist oder für die die Beamtin oder der Beamte einen besonderen Pensionsbeitrag geleistet oder noch zu leisten hat, 2a. bei Beamtinnen und Beamten, auf die § 1 Abs. 14 PG 1965 anzuwenden ist: Zeiten einer Erwerbstätigkeit, für die ein Überweisungsbetrag nach § 308 ASVG, nach § 172 GSVG oder nach § 164 BSVG in Höhe von 7% der Berechnungsgrundlage nach § 308 Abs. 6 ASVG, § 172 Abs. 6 GSVG oder § 164 Abs. 6 BSVG zu leisten war oder ist, oder für die die Beamtin oder der Beamte einen besonderen Pensionsbeitrag geleistet oder noch zu leisten hat, 1. 3. Zeiten des Präsenz- oder Zivildienstes, 2. 4. Zeiten der Kindererziehung im Sinne der §§ 8 Abs. 1 Z 2 lit. g bzw. 227a ASVG, soweit sich diese Zeiten nicht mit Zeiten nach Z 1 bis 3 und 5 decken, bis zum Höchstausmaß von 60 Monaten; dieses Höchstausmaß verkürzt sich um beitragsfrei zur ruhegenussfähigen Bundesdienstzeit zählende Zeiten einer Karenz nach dem MSchG oder dem VKG oder entsprechenden Bestimmungen, 5. Zeiten mit Anspruch auf Wochengeld (§ 227 Abs. 1 Z 3 ASVG) sowie 6. nach Abs. 3 oder nach § 104 Abs. 1 in der am 30. Dezember 2010 geltenden Fassung des Pensionsgesetzes 1965 nachgekaufte Zeiten (ausgenommen Schul- und Studienzeiten sowie Zeiten vor der Vollendung des 18. Lebensjahres). Eine doppelte Zählung ein und desselben Zeitraumes ist unzulässig. 1. (3)Auf Antrag der Beamtin oder des Beamten des Dienststandes ist für nach den jeweils anzuwendenden sozialversicherungsrechtlich en Bestimmungen erstattete Zeiten, die sich zeitlich mit beitragsfrei angerechneten Ruhegenussvordienstzeiten nach § 53 Abs. 2 lit. h oder i des Pensionsgesetzes 1965 decken, der seinerzeit empfangene Erstattungsbetrag als besonderer Pensionsbeitrag an den Bund zu leisten. Für Resttage ist ein Dreißigstel des auf einen Monat entfallenden Erstattungsbetrages zu entrichten. Der Erstattungsbetrag ist mit jenem auf drei Kommastellen gerundeten Faktor zu vervielfachen, um den sich das Gehalt der Gehaltsstufe 2 der Dienstklasse V eines Beamten der Allgemeinen Verwaltung einschließlich einer allfälligen Teuerungszulage bzw. der Referenzbetrag gemäß § 3 Abs. 4 GehG seit dem Monat der Auszahlung des Erstattungsbetrages an die Beamtin oder den Beamten bis zum Datum des Antrages auf nachträgliche Entrichtung eines besonderen Pensionsbeitrages oder Erstattungsbetrages erhöht hat. Der Nachweis über die Anzahl der entfertigten Monate ist von der Beamtin oder vom Beamten zu erbringen und der Monat der Auszahlung des Erstattungsbetrages von ihr oder ihm glaubhaft zu machen. Als beitragsgedeckt werden dabei jene entfertigten Zeiten berücksichtigt, die als Ruhegenussvordienstzeit anzurechnen gewesen wären. ..." 19 Eingangs ist festzuhalten, dass sich die Bedeutung eines Bescheides über die beitragsgedeckte Gesamtdienstzeit im Sinn des § 236d BDG 1979 ausschließlich darin erschöpft, den frühestmöglichen Zeitpunkt für eine vorzeitige Ruhestandsversetzung nach § 236d BDG 1979 zu klären (VwGH 22.6.2016, 2013/12/0250). 20 Fallbezogen wurden die betreffenden Schul- und Studienzeiten mit Bescheid vom 2. Oktober 1989 als Ruhegenussvordienstzeiten angerechnet. In diesem Zusammenhang wurde der Revisionswerber zur Leistung eines besonderen Pensionsbeitrags gemäß § 56 PG 1965 verpflichtet, was nach dem eindeutigen Wortlaut des § 236d BDG 1979 jedoch nichts daran ändert, dass Schul- und Studienzeiten nicht zur beitragsgedeckten Gesamtdienstzeit zählen (vgl. VwGH 28.2.2019, Ra 2018/12/0013). 21 Da es sich bei den in Rede stehenden Zeiten zudem der Art nach nicht um Zeiten im Sinn von § 236d Abs. 2 Z 6 BDG 1979 handelt, stellen sich im Hinblick auf den in § 236d Abs. 2 Z 6 BDG 1979 ausdrücklich normierten Ausschluss von Schul- und Studienzeiten bereits aus diesem Grund keine Rechtsfragen im Sinn von Art. 133 Abs. 4 B-VG. 22 Im Revisionsfall beruht die vom Bundesverwaltungsgericht im Ergebnis zutreffend verneinte Anrechenbarkeit der vom Revisionswerber ins Treffen geführten Schul- und Studienzeiten als beitragsgedeckte Gesamtdienstzeit vielmehr darauf, dass diese Zeiten - wie schon angesprochen - in der taxativen Aufzählung des § 236d Abs. 2 BDG 1979 nicht genannt werden. 23 Soweit der Revisionswerber nun - ausschließlich innerhalb jener Personengruppen, die dem Anwendungsbereich des § 236d BDG 1979 zufolge ihres Geburtsjahrganges grundsätzlich unterliegen - eine unionsrechtswidrige mittelbare Diskriminierung aufgrund des Alters darin erblickt, dass Schul- und Studienzeiten nicht zu jenen Zeiten zählen, die gemäß § 236d BDG 1979 der Ermittlung der beitragsgedeckten Gesamtdienstzeit zugrunde zu legen sind, ist ihm Folgendes zu erwidern: 24 Fallbezogen handelt es sich um Zeiten eines Studiums an einer Schule bzw. an einer Universität, das Voraussetzung für die Ernennung des Revisionswerbers als Beamter des Höheren Dienstes war (vgl. Anlage 1/01 zum BDG 1979; siehe auch § 53 Abs. 2 lit. i PG 1965, wonach für die dem Revisionswerber als Ruhegenussvordienstzeiten angerechneten Studienzeiten nur Zeiten eines solchen abgeschlossenen Studiums an einer Universität zu berücksichtigen waren, das für den Beamten Anstellungs- oder Definitivstellungserfordernis war). Die gerügte Nichtanrechnung von die Ernennungsvoraussetzungen herstellenden Schul- und Studienzeiten bei Ermittlung der beitragsgedeckten Gesamtdienstzeit im Sinn von § 236d BDG 1979 hatte zudem unabhängig davon zu erfolgen, in welchem Lebensalter diese Zeiten zurückgelegt wurden. Die im Ergebnis erfolgte Nichtanrechnung dieser Zeiten konnte somit nur eine Ungleichbehandlung von Zeiten nach ihrer Art bilden. 25 Wenn der Revisionswerber die Rechtsauffassung vertritt, es liege eine mittelbare Diskriminierung vor, weil derartige Zeiten üblicherweise in jüngeren Jahren absolviert würden, verkennt er, dass alle Beamten des Höheren Dienstes - unabhängig vom Alter ihrer Ernennung und unabhängig vom Alter bei Absolvierung der erforderlichen Ausbildungszeiten - diese gemäß § 236d BDG 1979 bei der Feststellung der beitragsgedeckten Gesamtdienstzeit ihrer Art nach nicht zu berücksichtigenden Zeiten (da sie der Herstellung der Erfüllung der Voraussetzungen für die Ernennung dienten) aufzuweisen haben (siehe zu vergleichbaren Konstellationen VwGH 2.7.2018, Ra 2017/12/0137; 27.6.2017, Ra 2017/12/0042; 1.7.2015, Ro 2014/12/0055). 26 Vor diesem Hintergrund erweist sich die gerügte Nichtanrechnung von die Ernennungsvoraussetzungen erfüllenden Schul- und Studienzeiten als ungeeignet, eine Diskriminierung innerhalb der Gruppe der Beamten des Höheren Dienstes nach dem verpönten Kriterium des Alters zu begründen. Dass bei typisierender Betrachtungsweise Beamte, die nicht dem Höheren Dienst angehören, Schul- und Studienzeiten in geringerem Umfang, hingegen gemäß § 236b BDG 1979 anrechenbare Zeiten in höherem Umfang als die Vergleichsgruppe der Beamten des Höheren Dienstes aufweisen mögen, stellt keine Diskriminierung aufgrund des Alters dar. 27 Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass der Gerichtshof der Europäischen Union (EuGH) - betreffend die Anrechnung und den Ausschluss von Ruhegenussvordienstzeiten gemäß § 54 Abs. 2 lit. a PG 1965 - in seinem Urteil vom 21. Jänner 2015, Georg Felber gegen Bundesministerin für Unterricht, Kunst und Kultur, Rs C-529/13, selbst die (als unmittelbare Ungleichbehandlung aufgrund des Alters zu beurteilende) Nichtberücksichtigung von vor Vollendung des 18. Lebensjahrs zurückgelegten Schulzeiten nicht für unionsrechtswidrig erachtete. Dabei betonte der EuGH aus Anlass der Prüfung, ob die dem Ausgangsverfahren zugrundeliegende unmittelbare Ungleichbehandlung aufgrund des Alters als angemessenes und erforderliches Mittel zur Zielerreichung qualifiziert werden könne, dass nicht die Anrechenbarkeit von Beschäftigungszeiten, sondern lediglich die Anrechnung von Zeiten eines Studiums an einer mittleren oder höheren Schule in Rede gestanden sei (siehe dazu auch VwGH 13.9.2017, Ra 2017/12/0033; 25.3.2015, 2015/12/0002). 28 Auch unter diesem Blickwinkel kann festgehalten werden, dass im Revisionsfall lediglich Schul- und Studienzeiten betroffen sind, während die in § 236d Abs. 2 BDG 1979 genannten, für die beitragsgedeckte Gesamtdienstzeit heranzuziehenden Zeiten in unmittelbarem Zusammenhang mit einer - allenfalls aus bestimmten Gründen nicht durchgehend ausgeübten (vgl. § 236d Abs. 2 Z 4 und Z 5 BDG 1979) - Beschäftigung stehen. 29 Die Bestimmung des § 236d BDG 1979 ("LangzeitBeamtInnenregel ung") stellt bei Eröffnung der Möglichkeit einer Ruhestandsversetzung vor Erreichen des Regelpensionsalters und bei Normierung der diesbezüglichen Voraussetzungen offenkundig auf eine langjährige Teilnahme am Erwerbsleben (sowie auf die damit einhergehende langjährige Inanspruchnahme der Arbeitskraft des Beamten) und auf das Erreichen entsprechender Beitragszeiten ab. Vor dem Hintergrund des Regelungszusammenhangs des § 236d BDG 1979 legt die Revision nicht dar, dass die in § 236d Abs. 2 BDG 1979 genannten Zeiten ihrem Wesen nach bei einer Gegenüberstellung mit den hier angesprochenen Schul- und Studienzeiten losgelöst von altersbezogenen Gesichtspunkten als gleichartig und - ungeachtet der Frage, ob sie beitragsgedeckt sind - für die Zwecke einer der Gesetzesteleologie Rechnung tragenden Vergleichsbetrachtung als in allen maßgeblichen Aspekten gleichwertig zu betrachten wären. 30 Aus den dargelegten Erwägungen liegen die Voraussetzungen nach Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht vor. Die Revision war daher gemäß § 34 Abs. 1 und 3 VwGG zurückzuweisen. Wien, am 19. Februar 2020
JWT_2019120025_20200309L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019120025.L00
Ra 2019/12/0025
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019120025_20200309L00/JWT_2019120025_20200309L00.html
1,583,712,000,000
1,308
Spruch Das angefochtene Erkenntnis wird wegen Rechtswidrigkeit des Inhaltes aufgehoben. Der Bund hat dem Revisionswerber Aufwendungen in Höhe von EUR 1.346,40 binnen zwei Wochen bei sonstiger Exekution zu ersetzen. Begründung 1 Der Revisionswerber steht in einem öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis zum Bund. Seine Dienststelle war bis zum 1. Mai 2018 das Landeskriminalamt Wien. Mit 1. Juni 2014 wurde an dieser Dienststelle des Revisionswerbers eine temporäre Ermittlungseinheit eingerichtet, mit deren Leitung der Revisionswerber beauftragt wurde. Am 18. Dezember 2014 stellte der Revisionswerber einen Antrag auf Zuerkennung einer Ergänzungszulage bzw. einer Funktionsabgeltung nach dem Gehaltsgesetz 1956, BGBl. Nr. 54 (GehG). 2 Mit Bescheid der Landespolizeidirektion (LPD) Wien vom 11. März 2015 wurde dieses Verfahren gemäß § 38 AVG ausgesetzt. Aus der Begründung dieses Bescheids geht hervor, dass die Aussetzung bis zur Entscheidung des Bundeskanzlers in einem Verfahren gemäß § 143 BDG 1979 über die Bewertung des Arbeitsplatzes der temporär eingerichteten Ermittlungseinheit im Landeskriminalamt intendiert war. 3 Dieser Bescheid erwuchs in Rechtskraft. 4 Mit Schreiben vom 19. März 2018 ersuchte der Revisionswerber, "die Angelegenheit einer vordringlichen Behandlung zuzuführen" beziehungsweise ihm mitzuteilen, welche Hinderungsgründe einer solchen "vordringlichen Behandlung" entgegenstünden. Aus "rechtlicher Vorsicht" wurde weiters der ausdrückliche Antrag gestellt, den Arbeitsplatz einer Prüfung zu unterziehen und "die Wertigkeit des Arbeitsplatzes bescheidmäßig festzustellen". 5 Mit Bescheid der LPD Wien vom 7. Juni 2018 wurde "der Antrag vom 19. März 2018", mit dem der Revisionswerber "die bescheidmäßige Feststellung der Wertigkeit (seines) Arbeitsplatzes ('temporär eingerichtete Ermittlungseinheit' im LKA)" begehrte, gemäß §§ 8 und 73 AVG zurückgewiesen. In der Begründung wurde ausgeführt, das Antragsbegehren könne nur als "Fortführungsantrag des bereits anhängigen Verfahrens" verstanden werden, weil dieses Verfahren und der dazu ergangene Aussetzungsbescheid dem Revisionswerber bekannt seien. Es erwachse einer Partei aus dem Aussetzungsbescheid kein Recht auf Fortführung des Verfahrens; dieses werde vielmehr gehemmt, bis die Entscheidung über die Vorfrage ergangen sei. Dies sei jedoch nicht der Fall. 6 Die dagegen vom Revisionswerber erhobene Beschwerde wies das Bundesverwaltungsgericht (BVwG) mit dem nunmehr mit Revision bekämpften Erkenntnis als unbegründet ab. Das BVwG führte zur Begründung aus, dass eine Behörde, die das Verfahren gemäß § 38 AVG ausgesetzt habe, nicht gegen die Bestimmungen über die Entscheidungspflicht verstoße, solange die Aussetzung berechtigt andauere. Im vorliegenden Fall sei Grund für die Aussetzung das Arbeitsplatzbewertungsverfahren gewesen. Dieser Aussetzungsgrund sei noch nicht weggefallen. Soweit gerügt werde, dass keine Gründe für eine Aussetzung vorlägen, sei auszuführen, dass der Aussetzungsbescheid in Rechtskraft erwachsen sei. Die Beurteilung der Rechtmäßigkeit der Aussetzung stelle keine Frage im Verfahren über den Fortsetzungsantrag dar, sodass dieser zurückzuweisen gewesen sei. Die Revision wurde für nicht zulässig erklärt. 7 Gegen dieses Erkenntnis richtet sich die vorliegende außerordentliche Revision, die zu ihrer Zulässigkeit vorbringt, dass es sich bei dem Schreiben vom 19. März 2018 um zwei unterschiedliche Anträge gehandelt habe, woran auch die Tatsache nichts ändere, dass die Bewertung des Arbeitsplatzes für die Frage der Gebührlichkeit einer Verwendungsabgeltung/Ergänzungszulage bzw. Funktionsabgeltung relevant sein möge. Der Revisionswerber habe den zu bewertenden Arbeitsplatz bis zu seiner Versetzung ans Bundeskriminalamt mit 1. Mai 2018 innegehabt, weshalb er ein Recht auf Sachentscheidung über den zulässigen Antrag habe. Unter Hinweis auf Rechtsprechung bringt der Revisionswerber weiters vor, die Entscheidung sei auch deshalb verfehlt, weil sich die Aussetzung nur so auswirken könne, dass es ihm unter Umständen verwehrt sein könne, von der Behörde vor Entscheidung der Vorfrage bzw. ohne entsprechende Änderung des Sachverhaltes eine Fortführung des Verfahrens zu verlangen. Es sei zwar richtig, dass der Aussetzungsbescheid nicht bekämpft worden sei; der Revisionswerber sei davon ausgegangen, dass ein Arbeitsplatzbewertungsverfahren eingeleitet und in angemessener Frist zum Abschluss gebracht werde. Über drei Jahre später sei ihm mitgeteilt worden, dass kein Antrag auf Bewertung eingegangen sei. Deshalb falle seine Zustimmung zur Aussetzung im Sinne der Nichtbekämpfung des Aussetzungsbescheides weg, worin er eine wesentliche Änderung des Sachverhaltes erblicke. Überdies seien die Voraussetzungen für eine Aussetzung des Verfahrens mehrfach nicht erfüllt gewesen; vielmehr müsse seine Dienstbehörde selbst über die Vorfrage entscheiden; der (damals) zuständige Bundeskanzler habe nur eine Primärbewertungs- und Mitwirkungskompetenz gehabt. Der Bescheid sei daher nie wirksam geworden bzw. habe seine Wirksamkeit verloren. 8 Die vor dem Verwaltungsgericht belangte Behörde hat eine Revisionsbeantwortung erstattet, in der sie die Zurückweisung, in eventu die Abweisung der Revision beantragt. Sie hält dem Revisionsvorbringen u.a. entgegen, dass bereits der "Erstantrag" des Revisionswerbers (vom 18. Dezember 2014) "die Feststellung der Bewertung des Arbeitsplatzes" beinhaltet habe, was die "Voraussetzung der Feststellung der Höhe der gebührenden Zulagen" darstelle. 9 Der Verwaltungsgerichtshof hat erwogen: 10 Die Revision beruft sich zu ihrer Zulässigkeit auf die Unanwendbarkeit der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes zur Behandlung von Fortsetzungsanträgen sowie den Umstand, dass mit dem Schreiben vom 19. März 2018 zwei Anträge gestellt wurden und dass über den Antrag auf Arbeitsplatzbewertung inhaltlich zu entscheiden gewesen wäre. Die Revision ist zulässig und berechtigt. 11 Sowohl die Revisionsbeantwortung als auch der Bescheid vom 7. Juni 2018 beruhen auf der Auffassung, dass der Antrag vom 19. März 2018 insgesamt bloß als Antrag auf Fortsetzung eines bereits anhängigen Verfahrens zu deuten und daher zurückzuweisen gewesen sei. 12 Auch das Verwaltungsgericht schloss sich dieser Auffassung an. In seiner Schilderung des Verfahrensgangs gibt es den Inhalt des Antrags vom 19. März 2018 dahingehend (zutreffend) wieder, dass der Revisionswerber die bescheidmäßige Erledigung seines Antrags urgiert und darüber hinaus beantragt habe, die Wertigkeit des Arbeitsplatzes bescheidmäßig festzustellen. Zwar führt das Verwaltungsgericht in seinen Feststellungen aus, dass mit dem Bescheid vom 7. Juni 2018 der Antrag des Revisionswerbers auf Fortsetzung des ausgesetzten Verfahrens gemäß §§ 8 und 73 AVG zurückgewiesen worden sei. Eine Deutung in dem Sinn, dass das Verwaltungsgericht davon ausgegangen wäre, dass nur der Fortsetzungsantrag zurückgewiesen worden, der Antrag auf bescheidmäßige Feststellung der Arbeitsplatzwertigkeit hingegen noch unerledigt sei, kann dem verwaltungsgerichtlichen Erkenntnis aber nicht unterstellt werden, zumal dies mit dem Wortlaut des Spruchs des Bescheides vom 7. Juni 2018 in Widerspruch stünde. Die Abweisung der Beschwerde ist jedenfalls dahingehend zu verstehen, dass das Verwaltungsgericht den Spruch des angefochtenen Bescheides übernimmt (VwGH 25.1.2017, Ra 2016/12/0119). Damit hat das Verwaltungsgericht die mit dem Bescheid vom 7. Juni 2018 ausgesprochene Zurückweisung des Antrags des Revisionswerbers "vom 19.03.2018" auf "bescheidmäßige Feststellung der Wertigkeit (seines) Arbeitsplatzes" bestätigt. 13 Sowohl der beim Verwaltungsgericht angefochtene Bescheid als auch das verwaltungsgerichtliche Erkenntnis begründen die Zurückweisung des Antrags damit, dass das Gesetz einen gesonderten Antrag auf Fortsetzung des Verwaltungsverfahrens nicht kenne und das als Fortsetzungsantrag zu deutende Begehren daher zurückzuweisen sei. 14 Es trifft zwar zu, dass ein gesondertes Antragsrecht auf Fortsetzung eines anhängigen Verwaltungsverfahrens nicht besteht und - angesichts der Möglichkeit der Säumnisbeschwerde - auch aus Rechtsschutzgründen nicht geboten ist (vgl. VwGH 18.12.2014, Ra 2014/07/0083; 12.9.2018, Ro 2016/13/0023; 26.3.2019, Ra 2018/19/0303), sodass weitere - wiederholte - Anträge im Rahmen eines bereits anhängigen Verfahrens keine gesonderte Entscheidungspflicht der Behörde auslösen (vgl. VwGH 26.6.1996, 96/12/0155; 21.11.2002, 2000/06/0201; 23.5.2002, 2001/05/0920; 17.5.2011, 2011/01/0026). 15 Dies gilt jedoch nur für den Fall, dass bereits ein die Entscheidungspflicht auslösender Antrag gestellt wurde. 16 Im vorliegenden Fall lag ein auf die bescheidmäßige Feststellung der Arbeitsplatzwertigkeit gerichteter Antrag des Revisionswerbers erst in Form des Anbringens vom 19. März 2018 vor. 17 Entgegen der in der Revisionsbeantwortung vertretenen Auffassung handelte es sich bei diesem Antrag somit nicht ausschließlich um ein Begehren auf Fortsetzung eines bereits auf Antrag eingeleiteten Verfahrens. Das ursprünglich verfahrenseinleitende Anbringen des Revisionswerbers (vom 18. Dezember 2014) enthielt nur einen Antrag auf Zuerkennung einer Ergänzungszulage bzw. einer Funktionsabgeltung nach dem GehG, nicht aber auch einen Antrag auf Feststellung der Bewertung seines Arbeitsplatzes. Auch wenn - wie die Revisionsbeantwortung behauptet - die Bewertung des Arbeitsplatzes eine Voraussetzung (Vorfrage) für die Entscheidung über die beantragten besoldungsrechtlichen Leistungen bilden mag, lässt sich daraus nicht die Schlussfolgerung ziehen, dass mit dem Antrag auf Zuerkennung (Bemessung) dieser Geldleistungen gleichzeitig ein Antrag auf bescheidmäßige Feststellung der Arbeitsplatzbewertung gestellt würde. 18 Die mit Bescheid der vor dem Verwaltungsgericht belangten Behörde vom 11. März 2015 verfügte Aussetzung bewirkte zudem nur die Suspendierung des auf Antrag geführten Verfahrens über besoldungsrechtliche Ansprüche, nicht aber eines zu diesem Zeitpunkt gar nicht anhängigen Verfahrens über einen Antrag auf bescheidförmige Feststellung der Arbeitsplatzwertigkeit. Letzteres ist wiederum vom (verwaltungsinternen) Verfahren zur Arbeitsplatzbewertung durch das in § 143 Abs. 1 BDG 1979 genannte Organ zu unterscheiden, welches offenbar Anlass für den Aussetzungsbescheid vom 11. März 2015 war. 19 Indem das Verwaltungsgericht den bei ihm angefochtenen Bescheid betreffend die Zurückweisung des Antrags auf bescheidförmige Feststellung der Arbeitsplatzwertigkeit begründungslos bestätigte, belastete es sein Erkenntnis mit Rechtswidrigkeit des Inhalts. 20 Die Kostenentscheidung gründet sich auf die §§ 47 ff VwGG in Verbindung mit der VwGH-Aufwandersatzverordnung 2014. Wien, am 9. März 2020
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ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019120026.L00
Ra 2019/12/0026
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019120026_20200219L00/JWT_2019120026_20200219L00.html
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Spruch Die Revision wird zurückgewiesen. Begründung 1 Mit dem angefochtenen Beschluss wies das Bundesverwaltungsgericht die Beschwerde des Revisionswerbers als unzulässig zurück und sprach aus, dass die Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zulässig sei. 2 Das Bundesverwaltungsgericht führte Folgendes aus: "Mit Schreiben der belangten Behörde vom 23.01.2019 wurde dem Beschwerdeführer mitgeteilt, er werde aufgrund gröbster Mängel in der Wahrnehmung seiner dienstlichen Aufgaben als Abteilungsvorstand an der X Höhere technische Bundeslehr- und Versuchsanstalt F gemäß § 207i Beamten-Dienstrechtsgesetz 1979 (BDG 1979) mit Wirksamkeit vom 18.02.2019 von der Funktion als Abteilungsvorstand - Abteilung für Fertigungstechnik abberufen. Er wurde überdies darüber in Kenntnis gesetzt, dass er gemäß § 207i Abs. 2 BDG 1979 im Dienststand bleibe und kraft Gesetzes auf jene Planstelle übergeleitet werde, die er zuletzt vor der Ernennung auf seine Planstelle innegehabt habe. Gegen dieses Schreiben, welches der Beschwerdeführer als Bescheid bezeichnet, erhob der Beschwerdeführer Beschwerde und führt begründend aus, dass das Schreiben der belangten Behörde vom 23.01.2019 zwar nicht als Bescheid bezeichnet sei, jedoch darin unzweifelhaft ein normativer Wille der belangten Behörde zum Ausdruck gebracht werde, sodass ein Bescheid vorliege, gegen den (vorsichtshalber) Beschwerde erhoben, werde. Die Vorgehensweise der Behörde verstoße gegen die gesetzlichen Bestimmungen über die Abberufung von einer Leitungsfunktion, da seine Abberufung nur wegen einer von ihm gegen seinen Arbeitgeber eingebrachten Klage verfügt worden sei. Auch sei keine Mitteilung gemäß § 207h Abs. 3 BDG 1979 ergangen, weshalb seine Abberufung auch aus diesem Grund rechtswidrig erfolgt. Die gegenständliche Beschwerde und die Bezug habenden Verwaltungsakten wurden von der belangten Behörde vorgelegt und sind am 11.03.2019 beim Bundesverwaltungsgericht eingelangt. Ergänzend führte die belangte Behörde aus, dass es sich beim Beschwerdeführer um einen Vertragslehrer handle, weshalb eine Bescheidbeschwerde unzulässig erscheine." 3 In rechtlicher Hinsicht führte das Bundesverwaltungsgericht aus, es sei festzuhalten, dass die belangte Behörde erkennbar keinen Bescheid habe erlassen wollen. Weder sei das Schreiben als Bescheid bezeichnet noch enthalte es einen Spruch oder eine Rechtsmittelbelehrung. Auch finde sich keine Unterschrift oder Beglaubigung. Der Verwaltungsgerichtshof habe in seinem Erkenntnis vom 16. Oktober 2006, 2005/10/0043, ausgeführt, dass allein der Umstand, dass einer nicht als Bescheid bezeichneten Erledigung zwar zweifellos der Wille zum Ausdruck komme, eine rechtsverbindliche Entscheidung zu treffen, nicht dazu führe, dass die Erledigung zwingend als Bescheid zu deuten sei, wenn nach den jeweils als Beurteilungsmaßstab in Betracht kommenden Rechtsvorschriften diese Rechtsfolge durch einen Rechtsakt herbeizuführen sei, der nach der Rechtsordnung kein Bescheid sei. Im Lichte dieser Rechtsprechung gelte es festzuhalten, dass es sich beim Revisionswerber um keinen Beamten, sondern um einen Vertragslehrer handle, der gemäß § 1 Vertragsbedienstetengesetz 194 8 (VBG) in einem privatrechtlichen Dienstverhältnis zum Bund stehe. Daraus folge, dass eine allfällige Abberufung nicht als hoheitlicher behördlicher Akt, sondern als Akt der Privatwirtschaftsverwaltung zu qualifizieren sei. Die Bestimmung des § 207i BDG 1979 sei allein über die Verweisnorm des § 90a VBG anwendbar, was jedoch nicht bedeute, dass gegenüber Vertragslehrern ein Bescheid zu erlassen wäre. Die Mitteilung über die Abberufung sei daher nicht im Rahmen der Hoheitsverwaltung getroffen worden. 4 Dem Schreiben der belangten Behörde vom 23. Jänner 2019 komme somit kein Bescheidcharakter zu, weshalb die Beschwerde als unzulässig zurückzuweisen sei. 5 Gegen diesen Beschluss des Bundesverwaltungsgerichts richtet sich die vorliegende Revision mit dem Antrag, ihn dahin abzuändern, dass der Beschwerde Folge gegeben werde; in eventu möge der angefochtene Beschluss wegen Rechtswidrigkeit seines Inhalts aufgehoben werden. 6 Zur Zulässigkeit der Revision wird vorgebracht, unstrittig sei, dass der Revisionswerber als Vertragslehrer in einem privatrechtlichen Dienstverhältnis zum Bund stehe und kein Beamter sei. Ungeklärt sei hingegen, ob seine Abberufung von der Leitungsfunktion als Abteilungsvorstand gemäß § 207i BDG 1979 einen Bescheid darstelle oder nicht. Das Bundesverwaltungsgericht verneine dies im Ergebnis mit Verweis darauf, dass der Revisionswerber Vertragslehrer sei und somit seine Abberufung nicht als hoheitlicher behördlicher Akt, sondern als Akt der Privatwirtschaftsverwaltung zu qualifizieren sei. Für die Qualifizierung des Schreibens (als Bescheid oder nicht) sei die Art seines Dienstverhältnisses jedoch irrelevant, zumal auch Vertragsbediensteten gegenüber Bescheide erlassen werden könnten. Die Beurteilung habe daher losgelöst von der Art seines Anstellungsverhältnisses zu erfolgen. Es komme allein auf die rechtliche Qualität des Schreibens an sich an. 7 Für das Vorliegen eines Bescheides spreche auch, dass seine Abberufung nur durch einen contrarius actus zu seiner mit Bescheid der damaligen Bundesministerin vom 1. Juli 2015 verfügten Bestellung/Ernennung auf die Planstelle eines Abteilungsvorstandes in der Verwendungsgruppe L1 erfolgen könne. 8 Zwar sei die angefochtene Erledigung nicht als "Bescheid" bezeichnet, jedoch lasse die gewählte Formulierung entgegen der Ansicht des Bundesverwaltungsgerichts auf einen Bescheid schließen, zumal darin deutlich ein behördlicher Wille, eine rechtsverbindliche (rechtsgestaltende) Entscheidung zu treffen, zum Ausdruck gelange. Die Behörde stütze die Abberufung auch ausschließlich auf § 207i Abs. 2 BDG 1979 ohne Anführung der Verweisungsnorm des § 90a VBG. Auch das Fehlen einer Rechtsmittelbelehrung vermöge nichts an der Einordnung des Schreibens als Bescheid zu verändern. 9 Es gebe umfangreiche höchstgerichtliche Judikatur zu den Abgrenzungskriterien eines Bescheides, jedoch überblicksmäßig keine zur Frage, ob die Eigenschaft als Vertragslehrer/Vertragsbedi ensteter automatisch dazu führe, dass ein Schreiben der gegenständlichen Art nicht als Bescheid gewertet werden könne. Ebenso fehle es an Rechtsprechung zur Frage, ob eine mit Bescheid verfügte Ernennung bzw. Bestellung auf eine Leitungsfunktion im Sinne eines contrarius actus nur mittels Bescheides beendet werden könne oder beispielsweise eine bloße Mitteilung über die Abberufung genüge. 10 Mit diesem Vorbringen wird die Zulässigkeit der Revision nicht aufgezeigt: 11 Beruht ein angefochtenes Erkenntnis bzw. ein angefochtener Beschluss auf einer tragfähigen Alternativbegründung und wird im Zusammenhang damit keine Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung im Sinne des Art. 133 Abs. 4 B-VG aufgezeigt, so ist die Revision insoweit unzulässig (vgl. VwGH 5.9.2018, Ra 2018/12/0030, mwN). 12 Das Bundesverwaltungsgericht hat das Nichtvorliegen eines Bescheides auch damit begründet, dass sich keine Unterschrift oder Beglaubigung auf dem Schriftstück befinde. Gemäß § 1 Abs. 1 Dienstrechtsverfahrensgesetz 1984 (DVG) iVm § 18 Abs. 3 AVG muss jede schriftliche Erledigung durch die Unterschrift (bzw. bei - hier nicht vorliegenden - elektronisch erstellten Erledigungen durch ein Verfahren zum Nachweis der Identität) genehmigt und einem bestimmten Organwalter zurechenbar sein. Andernfalls kommt eine Erledigung selbst dann nicht zustande, wenn ihre Ausfertigung allen Anforderungen des § 18 Abs. 4 AVG genügt hätte (vgl. VwGH 24.10.2017, Ra 2016/10/0070, und 14.10.2013, 2013/12/0079, sowie 29.11.2011, 2010/10/0252). Schon auf Basis der eingangs wiedergegebenen, weder in der Zulässigkeitsbegründung noch sonst in der Revision bestrittenen Annahme liegt im vorliegenden Revisionsfall kein Bescheid vor. 13 Die Revision hängt daher nicht von den in der Zulässigkeitsbegründung aufgeworfenen Fragen ab, sodass sie sich als unzulässig erweist und zurückzuweisen war. Wien, am 19. Februar 2020
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Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
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Spruch Das angefochtene Erkenntnis wird im angefochtenen Umfang (das heißt, soweit das Verwaltungsgericht den Spruchpunkt II. des Bescheids des Magistrats der Stadt Wien vom 8. Mai 2015, Zl. P 25649, abänderte) wegen Rechtswidrigkeit seines Inhaltes aufgehoben. Begründung 1 Der Mitbeteiligte steht in einem öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis zur Stadt Wien und ist der Wiener Linien GmbH & Co KG als Revisor am Funkwagen zum Dienst zugewiesen. 2 Mit Antrag vom 10. November 2014 begehrte der Mitbeteiligte (unter anderem) die Nachzahlung einer offenen Differenz an Betriebslenkungszulage und die Zuerkennung einer Sonderzahlung im Sinne des § 3 Abs. 3 der Besoldungsordnung 1994 (BO 1994) für die Betriebslenkungszulage gemäß dem Nebengebührenkatalog der Stadt Wien Beilage H-II/IV/WL Punkt 22 für die Jahre 2013 und 2014. Im Umfang der beantragten Zuerkennung einer Sonderzahlung wies die vor dem Verwaltungsgericht belangte Behörde diesen Antrag mit Spruchpunkt II. des Bescheides vom 8. Mai 2015 ab. 3 Der dagegen erhobenen Beschwerde des Mitbeteiligten gab das Verwaltungsgericht Wien mit dem angefochtenen Erkenntnis Folge und erkannte dem Mitbeteiligten für die Jahre 2013 und 2014 "eine Sonderzahlung im Sinne des § 3 Abs. 3 BO 1994 für die Betriebslenkungszulage gemäß Punkt 22.) lit. a) und lit. b) Beilage H-II/IV/WL des jeweils in Geltung stehenden Nebengebührenkataloges für den Magistrat der Stadt Wien" zu. 4 Zur Begründung führte das Verwaltungsgericht Folgendes aus: Gemäß § 3 Abs. 1 BO 1994 gebührten dem Beamten Monatsbezüge. Der Monatsbezug bestehe gemäß § 3 Abs. 2 BO 1994 aus dem Gehalt, den ruhegenussfähigen Zulagen, der Kinderzulage und der Teuerungszulage. Gemäß § 3 Abs. 3 BO 1994 gebühre dem Beamten neben den Monatsbezügen für jedes Kalenderjahr eine Sonderzahlung in der Höhe des Monatsbezuges, auf den er für den Monat der Fälligkeit der Sonderzahlung Anspruch habe. Artikel III des Nebengebührenkatalogs für den Magistrat der Stadt Wien erkläre die in den Beilagen A, C und E bis K zum Nebengebührenkatalog angeführten Nebengebühren gemäß § 2 Abs. 1 RVZG 1995, soweit sie nicht als Schmutzzulage, Aufwandentschädigung, Tagesgeld oder Auslagenersatz gewährt werden, für die Ruhegenusszulage anrechenbar. Da die in den Beilagen A, C und E bis K zum Nebengebührenkatalog angeführten Nebengebühren als "ruhegenussfähige Zulagen gekennzeichnet" seien und die Betriebslenkungszulage, welche in Beilage H geregelt sei, unzweifelhaft darunter falle, handle es sich bei der Betriebslenkungszulage um eine ruhegenussfähige Zulage im Sinne des § 3 Abs. 2 BO 1994. Die vom Mitbeteiligten beantragte Sonderzahlung gebühre gemäß § 3 Abs. 3 BO 1994 für den Monatsbezug und somit auch für die ruhegenussfähigen Zulagen. 5 Die Revision nach Art. 133 Abs. 4 B-VG erklärte das Verwaltungsgericht für nicht zulässig. 6 Gegen dieses Erkenntnis richtet sich die außerordentliche Revision der vor dem Verwaltungsgericht belangten Behörde, deren Anfechtungsumfang sich auf die Abänderung des Spruchpunkts II. des Bescheides des Magistrat der Stadt Wien vom 8. Mai 2015, Zl. P 25649, beschränkt. Zur Begründung ihrer Zulässigkeit macht die Revision geltend, das Verwaltungsgericht sei von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes zur Frage abgewichen, ob Nebengebühren als Teil des Monatsbezugs gemäß § 3 Abs. 2 BO 1994 zu qualifizieren seien (Hinweis auf VwGH 8.11.1995, 92/12/0250). Eine Revisionsbeantwortung wurde nicht erstattet. Der Verwaltungsgerichtshof hat erwogen: 7 Die Revision ist zulässig und berechtigt. 8 § 3 Besoldungsordnung 1994, LGBl. Nr. 55 (BO 1994), lautet in der hier maßgeblichen Fassung LGBl. Nr. 34/1999 auszugsweise: "Bezüge § 3. (1) Dem Beamten gebühren Monatsbezüge. 1. (2)Der Monatsbezug besteht aus dem Gehalt, den ruhegenußfähigen Zulagen, der Kinderzulage und der Teuerungszulage. 2. (3)Neben den Monatsbezügen gebührt dem Beamten für jedes Kalenderhalbjahr eine Sonderzahlung in der Höhe des Monatsbezuges, auf den er für den Monat der Fälligkeit der Sonderzahlung Anspruch hat. ..." 9 § 7 Abs. 1 BO 1994 lautet in der hier maßgeblichen Fassung LGBl. Nr. 44/2004 auszugsweise: "Pensionsbeitrag § 7. (1) Der Beamte hat einen monatlichen Pensionsbeitrag zu entrichten. Der monatliche Pensionsbeitrag beträgt für den Beamten, der vor dem 1. Dezember 1959 geboren worden ist und für den § 73 Abs. 2 der Pensionsordnung 1995 gilt, 12,55 % der Bemessungsgrundlage, sonst 11,05 % der Bemessungsgrundlage. Diese besteht aus 1. 1. dem Gehalt und 2. 2. den ruhegenußfähigen Zulagen, die der besoldungsrechtlichen Stellung des Beamten entsprechen. (...)" 10 § 33 BO 1994 lautet in der für den im verfahrenseinleitenden Antrag genannten Zeitraum maßgeblichen Fassung LGBl. Nr. 20/2009: "3. Abschnitt Nebengebühren § 33. (1) Neben den Monatsbezügen (§ 3) und den Naturalbezügen (§ 12) können dem Beamten Nebengebühren und einmalige Belohnungen (§ 39) gewährt werden. (2) Nebengebühren sind: 1. Gebühren aus Anlaß von Dienstverrichtungen außerhalb der Dienststelle, Dienstzuteilungen und Versetzungen (§ 34); 2. Entschädigungen für einen sonstigen in Ausübung des Dienstes erwachsenden Mehraufwand (Aufwandentschädigung) (§ 35); 1. 3. Mehrdienstleistungsvergütungen (§ 36); 2. 4. Sonderzulagen (§ 37); 3. 5. Leistungszulagen (§ 37a). 1. (3)Die Nebengebühren und die einmaligen Belohnungen gemäß § 39 Abs. 2 werden vom Stadtsenat auf Antrag der gemeinderätlichen Personalkommission festgesetzt." 11 §§ 3 und 4 Abs. 1 Z 1 der Pensionsordnung 1995, LGBl. Nr. 67/1995, lauten in der hier maßgeblichen Fassung LGBl. Nr. 44/2004 samt Überschrift: "Ruhebezug Anspruch auf Ruhegenuß § 3. (1) Dem Beamten des Ruhestandes gebührt ein monatlicher Ruhegenuß, wenn seine ruhegenußfähige Gesamtdienstzeit mindestens 15 Jahre beträgt. 1. (2)Der Ruhegenuß, der Kinderzurechnungsbetrag und die nach diesem Gesetz und dem Ruhe- und Versorgungsgenußzulagegesetz 1995 gebührenden Zulagen bilden zusammen den Ruhebezug des Beamten. ... Ruhegenußberechnungsgrundlage § 4. (1) Die Ruhegenussberechungsgrundlage ist wie folgt zu ermitteln: 1. Für jeden nach dem 31. Dezember 1979 liegenden Kalendermonat der ruhegenussfähigen Dienstzeit zur Stadt Wien, für den ein Pensionsbeitrag geleistet wurde (Beitragsmonat), ist die Bemessungsgrundlage für den Pensionsbeitrag (Beitragsgrundlage) nach § 7 der Besoldungsordnung 1994 - BO 1994, LGBl. Für Wien Nr. 55, zu ermitteln. Sonderzahlungen bleiben dabei außer Betracht." 12 Das Gesetz über die Ruhe- und Versorgungsgenusszulage der Beamten der Bundeshauptstadt Wien, ihrer Hinterbliebenen und Angehörigen (Ruhe- und Versorgungsgenusszulagegesetz 1995 - RVZG 1995) lautet - soweit hier relevante Teile wiedergegeben werden, sind diese in der Stammfassung LGBl. Nr. 72/1995 maßgeblich - auszugsweise: "1. ABSCHNITT Anwendungsbereich § 1. (1) Dieses Gesetz regelt die Ansprüche auf die Ruhe- und Versorgungsgenusszulage der Beamten der Bundeshauptstadt Wien, ihrer Hinterbliebenen und Angehörigen. ... Für die Ruhegenusszulage anrechenbare Nebengebühren § 2. (1) Eine Nebengebühr ist für die Ruhegenusszulage durch Verordnung des Stadtsenates anrechenbar zu erklären, wenn 1. es sich bei dieser Nebengebühr vergleichsweise um Entgelt im Sinn des § 49 Abs. 1 ASVG, BGBl. Nr. 189/1955, im Zusammenhalt mit § 49 Abs. 3 ASVG handelt, und 2. die Tätigkeit, für die die Nebengebühr gewährt wird, in unmittelbarem Zusammenhang mit der dienstlichen Verwendung des Beamten steht. ..." 13 Die auf § 33 Abs. 3 BO 1994 gestützte Verordnung über die Nebengebühren (einschließlich der Betriebslenkungszulage) war ab dem 1. Februar 2012 durch Beschluss des Stadtsenates vom 24. April 2012, Pr.Z. 00995-2012/001-GIF, mit dem die Nebengebühren der Bediensteten der Gemeinde Wien für das Jahr 2012 festgesetzt werden, geregelt (Amtsblatt der Stadt Wien Nr. 19 vom 10. Mai 2012, S. 12), die in weiterer Folge mehrmals geändert wurde (Amtsblatt der Stadt Wien Nr. 25 vom 21. Juni 2012, S. 5, Nr. 50 vom 13. Dezember 2012, S. 9, Nr. 12 vom 21. März 2013, S. 16-19, Nr. 27 vom 27. Juni 2013, S. 10-12, Nr. 40 vom 3. Oktober 2013, S. 7, Nr. 51 vom 19. Dezember 2013, S. 7-9, Nr. 10 vom 6. März 2014, S. 9). Für die Zeit ab dem 1. März 2014 war eine neue, als Nebengebührenkatalog 2014 bezeichnete Fassung dieser Verordnung maßgeblich (Beschluss des Stadtsenates vom 3. Juni 2014, Pr.Z. 01519-2014/0001-GIF, Amtsblatt der Stadt Wien Nr. 25 vom 19. Juni 2014, S. 11-15). 14 Abschnitt II der zitierten Verordnung lautete in der Fassung des Beschlusses des Stadtsenates vom 24. April 2012 (Amtsblatt der Stadt Wien Nr. 19 vom 10. Mai 2012, S. 12): "Die in den Beilagen A, C und E bis K angeführten Nebengebühren werden gemäß § 2 Abs. 1 des Ruhe- und Versorgungsgenusszulagegesetzes 1995, LGBl. für Wien Nr. 72, soweit sie nicht als Fehlgeldentschädigung bis 14,53 Euro monatlich, Schmutzzulage, Aufwandentschädigung, Tagesgeld oder Auslagenersatz gewährt werden, für die Ruhegenusszulage anrechenbar erklärt." 15 Mit Ausnahme der Änderung der Überschrift in "Artikel II" blieb der Wortlaut dieser Bestimmung in der nachfolgend geltenden Verordnung (Nebengebührenkatalog 2014, Amtsblatt der Stadt Wien Nr. 25 vom 19. Juni 2014, S. 11 ff) gleichlautend. 16 Die vom Mitbeteiligten bezogene Betriebslenkungszulage ist in der Beilage H zum Nebengebührenkatalog festgelegt. 17 Die Revision nimmt in ihren Revisionsgründen auf das Erkenntnis des Verwaltungsgerichtshofes vom 8. November 1995, 92/12/0250 (= VwSlg. 14.358 A/1995), Bezug, worauf sie weiters auch in der Zulässigkeitsbegründung verweist, und macht zu Recht geltend, dass § 33 Abs. 1 BO 1994 (ebenso wie die dem zitierten Erkenntnis zugrundeliegende Bestimmung) die Monatsbezüge und die Nebengebühren nebeneinander anführt, was überflüssig wäre, wenn die Nebengebühren ein Teil der Bezüge wären. 18 Die Betriebslenkungszulage hat daher - wie § 33 Abs. 1 BO 1994 erkennen lässt - nicht die Eigenschaft als "Monatsbezug" im Sinn von § 3 Abs. 1 und 2 BO 1994 und kann sich als solche auch nicht auf die Berechnung der Höhe der Sonderzahlungen gemäß § 3 Abs. 2 und 3 BO 1994 auswirken. 19 Entgegen der Auffassung des Verwaltungsgerichts kommt auch eine Qualifikation der Betriebslenkungszulage als "ruhegenussfähige Zulage" im Sinn des § 3 Abs. 2 BO 1994 nicht in Betracht. Soweit das Verwaltungsgericht dieses Ergebnis aus dem Nebengebührenkatalog in Verbindung mit § 2 Abs. 1 RVZG 1995 abzuleiten versucht, übersieht es, dass die genannte gesetzliche Grundlage nicht dazu ermächtigt, Zulagen zu ruhegenussfähigen Zulagen zu erklären, sondern die Möglichkeit der Erklärung von Zulagen als "für die Ruhegenusszulage ... anrechenbar" vorsieht. Der Nebengebührenkatalog machte von dieser Möglichkeit Gebrauch, indem bestimmte in seinen Beilagen genannte Nebengebühren als "für die Ruhegenusszulage anrechenbar" erklärt (nicht aber - wie im angefochtenen Erkenntnis behauptet - "als ruhegenussfähige Zulagen gekennzeichnet") wurden. Eine Grundlage dafür, die Betriebslenkungszulage als ruhegenussfähige Zulage - also als eine besoldungsrechtliche Zulage, die sich auf die Berechnung des Ruhegenusses und nicht auf jene der Ruhegenusszulage auswirkt - zu qualifizieren, ist auch sonst nicht ersichtlich. 20 Das angefochtene Erkenntnis war daher wegen Rechtswidrigkeit des Inhaltes gemäß § 42 Abs. 2 Z 1 VwGG aufzuheben. Wien, am 19. Februar 2020
JWT_2019120031_20200417L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019120031.L00
Ra 2019/12/0031
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019120031_20200417L00/JWT_2019120031_20200417L00.html
1,587,081,600,000
2,484
Spruch Die Revision wird zurückgewiesen. Begründung 1 Der Revisionswerber steht in einem öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis zum Land Niederösterreich. 2 Der Revisionswerber legte eine ärztliche Bescheinigung seiner Hausärztin vor, wonach ihm Arbeitsunfähigkeit ab 13. November 2017 auf unbestimmte Dauer attestiert wurde. 3 Am 21. November 2017 wurde beim Revisionswerber einer amtsärztlichen Untersuchung durchgeführt, die zu dem Ergebnis gelangte, dass er dienstfähig und ihm die Wegstrecke zum Arbeitsplatz zumutbar sei. Dieses Ergebnis wurde dem Revisionswerber vom Amtsarzt am Ende der Untersuchung mündlich mitgeteilt. Weiters hielt der Amtsarzt fest, dass der Revisionswerber vom 4. bis 15. Dezember 2017 wegen seiner Kreuzschmerzen Behandlungen im N Center durchführen lassen wolle, was prinzipiell als medizinisch sinnvoll eingestuft werde. 4 Mit Bescheid vom 11. Jänner 2018 stellte die Niederösterreichische Landesregierung gemäß § 31 der Dienstpragmatik der Landesbeamten 1972 (DPL 1972) fest, dass der Revisionswerber im Zeitraum vom 21. November bis 19. Dezember 2017 den Anspruch auf Bezüge und Nebengebühren verloren habe, da er in diesem Zeitraum ungerechtfertigt vom Dienst abwesend gewesen sei. 5 Es führte aus, der Revisionswerber sei im Zeitraum vom 7. August bis 19. Dezember 2017 durchgehend vom Dienst abwesend gewesen. Ab 21. November 2017 sei ihm erkennbar gewesen, dass er auf die ärztliche Bescheinigung seiner Hausärztin vom 13. November 2017 nicht vertrauen dürfe und dass Dienstfähigkeit bestanden habe. Im Zeitraum vom 4. bis 15. Dezember 2017 habe sich der Revisionswerber in medizinischer Behandlung im N Center befunden. Am 20. Dezember 2017 habe der Revisionswerber den Dienst an seiner Dienststelle wieder angetreten. 6 In rechtlicher Hinsicht führte die Dienstbehörde aus, der Revisionswerber sei im Zeitraum von 21. November bis 19. Dezember 2017 ungerechtfertigt vom Dienst abwesend gewesen, da seine Dienstfähigkeit zumindest während dieses Zeitraumes gegeben gewesen sei und auch sonstige Rechtfertigungsgründe für das Fernbleiben des Revisionswerbers nicht bestanden hätten. Zwar habe der Revisionswerber seiner Dienstpflicht zur Vorlage eines ärztlichen Attestes entsprochen, er habe aber auf dieses nicht vertrauen dürfen. Der Verwaltungsgerichtshof erkenne in ständiger Rechtsprechung, dass solange ein Beamter seiner Mitwirkungspflicht zur Vorlage einer ärztlichen Bescheinigung nachkomme, er auf diese vertrauen und von einer gerechtfertigten Dienstverhinderung ausgehen könne, bis ihm die Dienstbehörde Entgegenstehendes nachweislich mitteile. Unter besonderen Umständen sei es vorstellbar, dass der Beamte keinesfalls mehr auf die Richtigkeit der ärztlichen Bescheinigung vertrauen dürfe. Solche besonderen Umstände lägen im gegenständlichen Fall vor. Bereits ab Zugang der Weisung vom 8. November 2017, den Dienst anzutreten, habe dem Revisionswerber bewusst sein müssen, dass seine Dienstfähigkeit vorgelegen sei. Es werde ihm jedoch zugestanden, dass hinsichtlich der Frage der Dienstfähigkeit bezogen auf seinen orthopädischen Status unter Einbeziehung der zurückzulegenden Fahrtstrecken noch nicht das vom Verwaltungsgerichtshof geforderte zweifelsfreie Wissen über seine Dienstfähigkeit vorgelegen sei. Spätestens jedoch ab der Untersuchung vom 21. November 2017 beim Amtsarzt und dessen Mitteilung, dass der Revisionswerber auch unter Beachtung der Wegstrecke zu und von seinem Arbeitsplatz in der Lage sei, zum Dienst zu erscheinen, habe er nunmehr unzweifelhaft von seiner vollen Dienstfähigkeit ausgehen müssen. Ab diesem Tag hätte er daher unverzüglich seinen Dienst an der Dienststelle wieder antreten müssen. 7 Der Zeitraum während dem der Revisionswerber sich beim N Center in medizinischer Behandlung befunden habe, sei ebenfalls als ungerechtfertigtes Fernbleiben vom Dienst zu beurteilen. Im Schreiben der Dienstbehörde vom 6. Dezember 2017 sei der Revisionswerber in Entsprechung der Manuduktionspflicht darüber informiert worden, dass für die Gewährung eines Sonderurlaubes zur Absolvierung von Therapiebehandlungen ein entsprechender Antrag zu stellen sei. Ein solcher Antrag liege nicht vor. Aufgrund des eindeutigen Gesetzestextes bestehe für die Gewährung von Sonderurlaub - unabhängig von dessen Qualifikation als "Kur" oder "sonstiger Sonderurlaub" - kein Rechtsanspruch (Hinweis auf §§ 43, 44 DPL 1972, wonach eine solche Gewährung grundsätzlich nur möglich sei, sofern dienstliche Interessen dem nicht entgegenstünden). Aufgrund der insofern eindeutigen Rechtslage erübrigten sich weitere Feststellungen zu diesem Sachverhalt, insbesondere sei es unwesentlich, ob eine mögliche medizinische Indikation zur Durchführung dieser Therapiebehandlungen vorgelegen sei. Nachdem auch in diesem Zeitraum von der Dienstfähigkeit des Revisionswerbers auszugehen sei und ein Rechtsfertigungsgrund für die Abwesenheit nicht erblickt werden könne, sei auch für diesen Zeitraum keine andere rechtliche Würdigung geboten gewesen. 8 Gemäß § 31 Abs. 4 DPL 1972 verliere der Beamte, wenn eine ungerechtfertigte Abwesenheit vom Dienst länger als einen Tag gedauert habe, für diese Zeit den Anspruch auf seine Bezüge und Nebengebühren. Es sei daher spruchgemäß zu entscheiden gewesen. 9 Mit dem angefochtenen Erkenntnis wies das Landesverwaltungsgericht Niederösterreich die vom Revisionswerber gegen den genannten Bescheid erhobene Beschwerde als unbegründet ab und sprach aus, dass eine ordentliche Revision nicht zulässig sei. Es führte aus, der Revisionswerber sei im bekämpften Einstellungszeitraum gesundheitlich im Stande gewesen, seinen Dienst zu verrichten und die An- und Abreise zwischen Wohn- und Dienstort zu bewältigen. Der Revisionswerber sei ab 21. November 2017 in Kenntnis dieser amtsärztlichen Beurteilung vom selben Tag gewesen. Er habe im Zeitraum zwischen 4. und 15. Dezember 2017 im Ambulatorium N - wie in den letzten ca. 20 Jahren ein bis drei Mal jährlich - diverse therapeutische Behandlungen konsumiert. Die BVA habe mit Entscheidung vom 20. November 2017 die Übernahme der Kosten für eine beschränkte Anzahl der Behandlungen zugesichert, nicht jedoch die Übernahme allfälliger Kosten für Unterkunft und Verpflegung. Diese seien auch nicht angefallen, da der Revisionswerber die Behandlungen ambulant konsumiert habe. Die nicht von der BVA bezahlte Therapie sowie die Garderobenmiete habe der Revisionswerber selbst bezahlt. Den ersten Kostenvoranschlag über diese voraussichtlichen Kosten habe der Revisionswerber mit Schreiben des Ambulatoriums N vom 30. Oktober 2017 erhalten. 10 In rechtlicher Hinsicht führte das Landesverwaltungsgericht aus, der Revisionswerber habe sich in der Rechtsrüge der Beschwerde bezüglich der Rechtfertigung seiner Abwesenheit alternativ auf jeden einzelnen der Abs. 1 bis 3 des § 31 DPL 1972 gestützt, wozu im Einzelnen Folgendes auszuführen sei: 11 Zum behaupteten Vorliegen einer anderen Verhinderung am Dienst als Krankheit (§ 31 Abs. 1 DPL 1972): 12 Betroffen sei innerhalb des angefochtenen Einstellungszeitraums nur die Zeit der ambulanten Therapien zwischen 4. und 15. Dezember 2017. Dabei habe es sich um routinemäßig geplante ambulante ärztliche Behandlungen gehandelt. Demnach seien diese Behandlungen nicht akut notwendig, sondern planbar gewesen. Insbesondere habe es sich weder um einen vom Sozialversicherungsträger bewilligten Kuraufenthalt noch um einen solchen Rehabilitationsaufenthalt oder um ein "ambulantes Rehabilitationsprogramm der Phase 3" im Sinne der Bestimmungen der BVA gehandelt. Als nicht akut notwendige Krankenbehandlung habe diese ambulante Kur somit keine Dienstverhinderung des § 31 Abs. 1 DPL 1972 dargestellt. Auch könne der ambulante Besuch des Ambulatoriums N nur deshalb, weil dessen geographische Lage eine Dienstverrichtung am selben Tag rein verkehrstechnisch nicht ermöglicht habe, rechtlich keine Dienstverhinderung bewirken. Dass der Revisionswerber daher verpflichtet gewesen wäre, solche ambulanten Behandlungen so zu gestalten, dass diese (inklusive Anfahrt bzw. Rückfahrt) außerhalb der Dienstzeit stattfänden, habe der Verwaltungsgerichtshof in seiner den Revisionswerber betreffenden Entscheidung vom 13. September 2017, Ra 2017/12/0003, bereits klargestellt. § 31 Abs. 1 DPL 1972 scheide daher als Rechtsgrundlage zur Rechtfertigung der Dienstabwesenheit während der festgestellten ambulanten Therapien aus. 13 Zum Verlust des Vertrauens auf die ärztliche Berufsunfähigkeitsbescheinigung (§ 31 Abs. 2 DPL 1972): 14 Soweit der Revisionswerber den Standpunkt vertrete, dass die Kenntnis der medizinischen Beurteilung der Frage der Dienstunfähigkeit ohne zusätzliche Kenntnis der rechtlichen Würdigung durch die Dienstbehörde nicht ausreiche, um sein Vertrauen in die Beurteilung der behandelnden Ärztin zu erschüttern, sei ihm entgegenzuhalten, dass bei der hier entscheidungsrelevanten Kenntnis die medizinische Beurteilung gemeint sei (Hinweis auf VwGH 19.10.2017, Ra 2017/09/0039 betreffend Wertung einer "ambulanten Kur" trotz festgestellter Dienstfähigkeit als eine nicht durch Krankheit verursachte Abwesenheit vom Dienst). Demgegenüber habe der Revisionswerber nicht nachvollziehbar erklären können, auf welcher Grundlage er ab Kenntnis vom Ergebnis des Gutachtens vom 21. November 2017 bis zum Schluss des Bezugseinstellungszeitraums weiterhin auf die Krankschreibung seiner Hausärztin vertraut habe. Das bedeute, dass bereits in Kenntnis des Umstandes, dass die amtsärztliche Untersuchung seine Dienstfähigkeit ergeben habe, der Beschwerdeführer nicht mehr ohne weiteres auf das Zutreffen der Diagnose seines Arztes habe vertrauen und daher von einem "fortgesetzten" Krankenstand habe ausgehen dürfen. Die ärztliche Dienstunfähigkeitsbescheinigung sei daher bereits ab Beginn des angefochtenen Einstellungszeitraumes nicht geeignet gewesen, Bedenken gegen die auf einem umfassenden Befund beruhenden Feststellungen des Amtsarztes hervorzurufen, zumal der Revisionswerber die Richtigkeit des vom Amtsarzt erhobenen Befunds nicht in Zweifel ziehe. § 31 Abs. 2 DPL 1972 scheide daher als Grundlage zur Rechtfertigung der Dienstabwesenheit für den gesamten angefochtenen Einstellungszeitraum aus. 15 Zum behaupteten Vorliegen "anderer zwingender Umstände" (§ 31 Abs. 3 DPL 1972): 16 Andere zwingende Umstände im Sinne der genannten Bestimmung als jene, die vorstehend bereits verneint worden seien, seien im gesamten Verfahren nicht hervorgekommen. § 31 Abs. 3 DPL 1972 scheide daher als Rechtsgrundlage zur Rechtfertigung der Dienstabwesenheit für den gesamten angefochtenen Einstellungszeitraum aus. 17 Der Revisionswerber sei daher im bekämpften Bezugseinstellungszeitraum ungerechtfertigt vom Dienst abwesend gewesen. 18 Gegen dieses Erkenntnis richtet sich die vorliegende außerordentliche Revision mit dem Antrag, dieses wegen Rechtswidrigkeit des Inhaltes und Rechtswidrigkeit infolge Verletzung von Verfahrensvorschriften aufzuheben. 19 Zur Zulässigkeit der Revision wird ausgeführt, der Revisionswerber habe die ambulanten Behandlungen im N Center nicht in Verbindung mit seiner Dienstverrichtung durchführen können. Er habe dementsprechend allein schon wegen dieser Therapie zugrunde gelegt, dass er durch sie an der Dienstverrichtung verhindert sei und dies seitens des Dienstgebers auch akzeptiert werde. Letzteres ergebe sich daraus, dass er diese Therapie schon oftmals in gleicher Weise absolviert habe und dies früher ausnahmslos als die dienstliche Abwesenheit rechtfertigend gewertet worden sei. Insbesondere zwei Fragen bedürften der grundsätzlichen Klärung durch den Verwaltungsgerichtshof. Die eine bestehe darin, ob ausgehend von einem subjektiven Gefühl der mangelnden Dienstfähigkeit und der Bestätigung dieser Dienstunfähigkeit durch einen behandelnden Arzt eine Verpflichtung zur Dienstverrichtung dennoch schon deshalb eintrete, weil anlässlich einer Untersuchung durch einen Vertrauensarzt des Dienstgebers dieser eine Bemerkung dahin mache, dass die Dienstfähigkeit seiner Meinung nach gegeben sei, oder ob die Verpflichtung zur Dienstverrichtung vielmehr erst eintrete, wenn dem Dienstnehmer das volle Gutachten des Vertrauensarztes des Dienstgebers zur Verfügung gestellt worden sei, sodass er objektiv in der Lage sei, im Detail und aufgrund konkreter Überlegungen nachzuvollziehen, weshalb seine Dienstunfähigkeit von dieser Seite bejaht werde. Die zweite Frage laute, ob es im rechtlichen Sinn als zumutbar anzusehen sei, dass ein Beamter eine Therapie im Rahmen langjähriger Erkrankung nicht mehr von dem Therapeuten seines Vertrauens durchführen lasse, sondern von irgendeinem ihm nicht näher bekannten Therapeuten, den er nur deshalb wählen soll, weil dieser an einer Örtlichkeit tätig sei, welche die Therapiedurchführung parallel zur Dienstverrichtung möglich mache. 20 Mit diesem Vorbringen wird die Zulässigkeit der Revision nicht aufgezeigt. 21 § 31 Dienstpragmatik der Landesbeamten 1972 (DPL 1972) in der Fassung der 63. Novelle 2200-70, lautet auszugsweise: "§ 31 Abwesenheit vom Dienst 1. (1)Ist der Beamte am Dienst verhindert, so hat er dies dem Dienststellenleiter sobald als möglich unter Angabe des Grundes anzuzeigen. 2. (2)Ist die Dienstverhinderung durch Krankheit verursacht, so hat der Beamte dies durch ein ärztliches Zeugnis nachzuweisen, wenn es die Dienstbehörde verlangt oder wenn die Dienstverhinderung länger als drei Tage dauert. Der Beamte hat dafür vorzusorgen, daß seine Dienstverhinderung überprüft werden kann. Kommt der Beamte diesen Verpflichtungen nicht nach, entzieht er sich einer zumutbaren Krankenbehandlung oder verweigert er die zumutbare Mitwirkung an einer ärztlichen Untersuchung, so gilt die Abwesenheit vom Dienst nicht als gerechtfertigt. 3. (3)Wenn die Abwesenheit vom Dienst weder durch Krankheit oder andere zwingende Umstände gerechtfertigt, noch als Erholungsurlaub gemäß § 41 oder Sonderurlaub gemäß § 44 bewilligt ist, aber noch nicht länger als einen Tag gedauert hat, hat der Beamte die versäumte Dienstleistung - unvorgreiflich der disziplinären Ahndung - nach Weisung seines Vorgesetzten binnen einer Woche nachzuholen. 4. (4)Hat eine ungerechtfertigte Abwesenheit vom Dienst länger als einen Tag gedauert oder war der Beamte durch Haft, ausgenommen Untersuchungshaft, an der Dienstleistung verhindert, so verliert er für diese Zeit den Anspruch auf seine Bezüge und Nebengebühren. Der Dienststellenleiter kann an Stelle des Geldleistungsentfalles die Anrechnung der versäumten Diensttage auf den noch nicht verbrauchten Erholungsurlaub bewilligen, wenn dies aus sozialen Gründen geboten erscheint. Den schuldlosen Angehörigen eines in Haft befindlichen Beamten gebührt ab dem auf den Geldleistungsentfall folgenden Monatsersten ein Versorgungsgeld sinngemäß nach § 89 Abs. 2 und 11. ..." 22 Gemäß § 31 Abs. 4 erster Satz DPL 1972 verliert der Beamte bei einer länger als einen Tag andauernden ungerechtfertigten Abwesenheit vom Dienst für diese Zeit den Anspruch auf seine Bezüge und Nebengebühren. Der Verwaltungsgerichtshof hat zu dieser Bestimmung bereits in einem den Revisionswerber betreffenden Erkenntnis ausgesprochen, dass das Vorliegen einer ärztlichen Bestätigung allein noch nicht die Abwesenheit vom Dienst rechtfertigt, weil die Beurteilung der Frage der Dienstfähigkeit eine Rechtsfrage darstellt, deren Lösung der Dienstbehörde zusteht (VwGH 30.1.2019, Ra 2018/12/0037). 23 Die Vorlage einer ärztlichen Bestätigung oder Bescheinigung über eine Krankheit oder die Arbeitsunfähigkeit rechtfertigt an sich noch nicht die Abwesenheit vom Dienst. Es führt nämlich nicht jede von einem behandelnden Arzt bescheinigte "Krankheit" bzw. bloß die Vorlage ärztlicher Bescheinigungen dazu, dass deshalb eine gerechtfertigte Abwesenheit des Beamten zum Dienst vorgelegen ist. Es entspricht zudem der ständigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes zum Dienstrecht der Bundesbeamten, dass ein Beamter grundsätzlich solange auf die vorgelegte ärztliche Bescheinigung vertrauen und von einer gerechtfertigten Dienstverhinderung - durch Krankheit, Unfall oder Gebrechen - ausgehen darf, bis ihm die Dienstbehörde Entgegenstehendes nachweislich mitteilt. Unter "Entgegenstehendes" ist in diesem Zusammenhang eine medizinische Beurteilung gemeint, die jener des privat beigezogenen Arztes entgegensteht. Das Vertrauen auf die ärztliche Bescheinigung und damit auf eine Rechtfertigung der Dienstverhinderung ist dann nicht geeignet, einen ausreichenden Entschuldigungsgrund herzustellen, wenn der Beamte aufgrund besonderer Umstände keinesfalls mehr auf die Richtigkeit der ärztlichen Bescheinigung und somit auch auf das Vorliegen einer Rechtfertigung für die Dienstverhinderung vertrauen durfte (vgl. VwGH 30.1.2019, Ra 2018/12/0007). Auch bei Übertragung dieser Rechtsprechung auf § 31 Abs. 4 DPL 1972 (vgl. dazu VwGH 30.1.2019, Ra 2018/12/0037) wäre für den Revisionswerber nichts gewonnen: 24 Entsprechend dieser Rechtsprechung kommt es nur auf die Kenntnis einer medizinischen Beurteilung an, die jener des privat beigezogenen Arztes entgegensteht. Eine derartige Kenntnis hatte der Revisionswerber aber unzweifelhaft durch die Mitteilung des Amtsarztes am 21. November 2017, dass er von seiner Dienstfähigkeit und der Zumutbarkeit der Wegstrecke zum und vom Arbeitsplatz ausgehe. Seit dieser Mitteilung durfte der Revisionswerber auf die ärztliche Bescheinigung seiner Hausärztin nicht mehr vertrauen, auch wenn er zu diesem Zeitpunkt das schriftliche Gutachten des Amtsarztes noch nicht in Händen hatte. Dass die medizinische Beurteilung durch den Amtsarzt unrichtig gewesen wäre, behauptet der Revisionswerber nicht. 25 Was die vom Revisionswerber im N Center absolvierten Therapien anlangt, ist festzuhalten, dass dem Revisionswerber am 20. Juni 2016 unter anderem folgende Weisung erteilt wurde: "Sie haben Ihre physikalischen Therapien zeitlich so zu gestalten, dass diese (inklusive Anfahrt bzw. Rückfahrt) außerhalb der Dienstzeit stattfinden." 26 Der Revisionswerber hat mit Schreiben vom 30. Juni 2016 beantragt, bescheidmäßig darüber abzusprechen, inwieweit die Weisung vom 20. Juni 2016 eine Befolgungspflicht ausgelöst habe und inwieweit sie rechtskonform oder rechtswidrig sei. Mit Bescheid der Niederösterreichischen Landesregierung vom 26. August 2016 wurde festgestellt, dass die Befolgung der genannten Weisung zu den Dienstpflichten des Revisionswerbers zähle. Dieser Bescheid wurde mit Erkenntnis des Landesverwaltungsgerichts Niederösterreich vom 21. November 2016 bestätigt. Die dagegen erhobene Revision wurde, soweit die Befolgungspflicht der genannten Weisung betroffen war, mit Beschluss des Verwaltungsgerichtshofes vom 13. September 2017, Ra 2017/12/0003 zurückgewiesen. Diese Entscheidung wurde dem Revisionswerbervertreter am 28. September 2017 zugestellt. 27 Der Revisionswerber musste seit Zugang der Weisung vom 20. Juni 2016 Zweifel haben, dass die Absolvierung der Therapien im N Center eine Abwesenheit vom Dienst rechtfertigen würde. Spätestens aber seit der Zustellung der hg. Entscheidung vom 13. September 2017, Ra 2017/12/0003, am 28. September 2017 musste ihm bewusst sein, dass er diese Weisung befolgen muss und dass somit die zwischen 4. und 15. Dezember 2017 weisungswidrig während der Dienstzeit durchgeführten Therapien im N Center eine Abwesenheit vom Dienst nicht rechtfertigen (vgl. im Übrigen zur Verneinung einer Verletzung von Rechten des Revisionswerbers durch diese Weisung VwGH 30.1.2019, Ra 2018/12/0038). Dass in früheren Jahren Therapien im N Center als die Abwesenheit vom Dienst rechtfertigend angesehen wurden, ist daher im Revisionsfall nicht ausschlaggebend, weil bereits rechtlich bindend feststand, dass der Revisionswerber die unbestritten planbaren Therapien derart absolvieren muss, dass diese inklusive An- und Abfahrt außerhalb der Dienstzeit stattfinden. 28 In der Revision werden somit keine Rechtsfragen aufgeworfen, denen im Sinn des Art. 133 Abs. 4 B-VG grundsätzliche Bedeutung zukäme. Die Revision war daher ohne weiteres Verfahren zurückzuweisen. Wien, am 17. April 2020
JWT_2019120033_20200922L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019120033.L00
Ra 2019/12/0033
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019120033_20200922L00/JWT_2019120033_20200922L00.html
1,600,732,800,000
3,301
Spruch I. Der Beschluss, mit dem die Beschwerde „wegen Verletzung der Entscheidungspflicht mangels Abspruch über den Antrag vom 03.02.2017“ zurückgewiesen wurde (Spruchpunkt I. A. der angefochtenen Entscheidung), wird wegen Rechtswidrigkeit seines Inhalts aufgehoben. II. Das Erkenntnis, mit dem die „Beschwerde gegen den Bescheid des Amtes der Buchhaltungsagentur vom 07.06.2017“ als unbegründet abgewiesen wurde (Spruchpunkt II. A. der angefochtenen Entscheidung), wird wegen Rechtswidrigkeit infolge Unzuständigkeit des Verwaltungsgerichts aufgehoben. III. Der Bund hat dem Revisionswerber Aufwendungen in der Höhe von € 2.692,80 binnen zwei Wochen bei sonstiger Exekution zu ersetzen. Begründung 1 Der Revisionswerber steht in einem öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis zum Bund und ist in der Buchhaltungsagentur des Bundes tätig. 2 Mit Spruchpunkt 2) des Bescheides vom 9. April 2015 stellte das Amt der Buchhaltungsagentur (im Folgenden: vor dem Verwaltungsgericht belangte Behörde) fest, „dass [dem Revisionswerber] keine Leistungsabgeltung für den Zeitraum Oktober 2013 bis September 2014 gewährt werde, da [seine] Vorgesetzten im Beurteilungszeitraum die geltenden Kriterien beurteilt haben und der ermittelte Prozentsatz zu dem Ergebnis geführt hat, dass [dem Revisionsweber] nach den geltenden Regelungen keine Leistungsabgeltung für den genannten Zeitraum ausgezahlt werden konnte“. 3 Mit Schreiben vom 1. Februar 2017 stellte der Revisionswerber einen Antrag auf Auszahlung einer „Leistungsabgeltung“ für den Zeitraum von Oktober 2013 bis September 2015; in eventu auf bescheidmäßige Feststellung, „ob die Nichtauszahlung der Leistungsabgeltung für den Zeitraum von Oktober 2013 bis September 2015 rechtmäßig ist oder nicht“. 4 Dieses Schreiben beantwortete die vor dem Verwaltungsgericht belangte Behörde mit einer mit 7. Juni 2017 datierten Erledigung folgenden Inhalts: „[Briefkopf lautend auf ‚Amt der Buchhaltungsagentur des Bundes‘, Adressfeld und Datum] Betreff: Leistungsabgeltung Ihr Zeichen: [...] Sehr geehrter Herr Amtsdirektor! Über Ihren Antrag auf Gewährung der Leistungsabgeltung für den Zeitraum Oktober 2013 bis September 2014 wurde bereits mit Erledigung vom 9. April 2015 (GZ: [...]) befunden. Zum Betrachtungszeitraum 1. Oktober 2014 bis 30. September 2015 ist [F]olgendes auszuführen: Wie in den internen Richtlinien der BHAG zur Leistungsabgeltung dargelegt, können grundsätzlich alle Mitarbeiter in den Genuss einer Leistungsabgeltung kommen, sofern kein Ausschließungsgrund zutrifft (Karenzen oä). Der/Die jeweilige Vorgesetzte beurteilt anhand der Kriterien - Arbeitsqualität/Professionalität/Fachwissen - Dienstleitungsorientierung/Kundenorientierung - Einsatzbereitschaft/Flexibilität - Persönlichkeit/Kommunikationsverhalten - die Leistung des jeweiligen Mitarbeiters im betreffenden Zeitraum. Eine diesbezügliche Auszahlung erfolgt ab 50,0 % Bewertungserfolg. Im gegenständlichen Zeitraum erhielten Sie durch Ihren Abteilungsleiter eine Gesamtbewertung iHv 45 %, wonach es zu keiner Auszahlung kommen kann. Da Ihre Beurteilung im darauffolgenden Zeitraum 52,5 % betrug, erhielten Sie eine Zuwendung von EUR 765,66. Nach ständiger Rechtsprechung des [Verwaltungsgerichtshofes] ist die Erlassung eines Feststellungsbescheides nur dann zulässig, wenn sie entweder im Gesetz ausdrücklich vorgesehen ist, die Erlassung eines solchen Bescheides aber im öffentlichen Interesse liegt oder sie im Interesse einer Partei liegt, als sie für diese Partei ein notwendiges Mittel zur zweckentsprechenden Rechtsverfolgung darstellt. Dieses rechtliche Interesse ist nur dann gegeben, wenn dem Feststellungsbescheid im konkreten Fall die Eignung zukommt, ein Recht oder Rechtsverhältnis für die Zukunft klarzustellen und dadurch eine Rechtsgefährdung des Antragstellers zu beseitigen. Ein wirtschaftliches, politisches oder wissenschaftliches Interesse rechtfertigt nicht die Erlassung eines Feststellungsbescheides. Ein Feststellungsbescheid kommt somit nicht in Betracht, da gegenständlich das wirtschaftliche Interesse überwiegt. Mit freundlichen Grüßen [Stempel lautend auf ‚Buchhaltungsagentur des Bundes, Abteilung Personal‘, Unterschrift, Name und Funktion (‚Amtsleiter‘) des Genehmigenden]“. 5 Mit Eingabe vom 21. Juni 2017 teilte der Revisionswerber daraufhin mit, dass er seinen Standpunkt aufrecht erhalte und geltend mache, dass er „insbesondere aufgrund des Gleichbehandlungsgrundsatzes [s]einen Kollegen gegenüber“ Anspruch auf einen Feststellungsbescheid habe und nicht nur „wirtschaftliche Interessen“ bestünden. Des Weiteren sei mit dem Schreiben vom 9. April 2015 nur „eine Begründung mitgeteilt“, nicht aber über die „Rechtmäßigkeit der Vorgehensweise abgesprochen“ worden. Er halte daher seinen Antrag aufrecht und modifiziere diesen dahingehend, dass er nunmehr beantrage, „die Leistungsabgeltung von Oktober 2013 bis September 2015 auszubezahlen, in eventu bescheidmäßig (feststellend) darüber abzusprechen, ob die Nichtgewährung der Leistungsabgeltung für den Zeitraum von Oktober 2013 bis September 2015 rechtmäßig war oder nicht“. 6 Mit Eingabe vom 19. Juli 2018 erhob der Revisionswerber Säumnisbeschwerde und machte geltend, die belangte Behörde habe seinen Antrag vom 1. Februar 2017 unerledigt gelassen und dadurch ihre Entscheidungspflicht verletzt. 7 Die vor dem Verwaltungsgericht belangte Behörde legte diese Säumnisbeschwerde dem Bundesverwaltungsgericht mit folgendem Schreiben vom 30. Juli 2018 zur Entscheidung vor: „[Briefkopf, Adressfelder, Datum und Geschäftszahl] Übermittlung der Säumnisbeschwerde vom 19. Juli 2018 ADir [...] gegen das Amt der Buchhaltungsagentur des Bundes Sehr geehrte Damen und Herren! In der Anlage übermittelt das Amt der Buchhaltungsagentur des Bundes (BHAG) die Säumnisbeschwerde von Herrn ADir [...]zur Entscheidung. Die Chronologie des bisherigen Verfahrens war wie folgt: 1. Bescheid der BHAG vom 9. April 2015 (aufgrund des Antrags vom 15. Jänner 2015), in dem in Punkt 2 über die Nichtgewährung der Leistungsabgeltung für den Zeitraum Oktober 2013 bis September 2014 abgesprochen wurde - in Rechtskraft erwachsen (Anlage 1). 2. Antrag ADir [...] vom 1. Februar 2017 auf Auszahlung bzw bescheidmäßige Absprache betreffend Auszahlung der Leistungsabgeltung für den Zeitraum Oktober 2013 bis September 2015 (Anlage 2) 3. Ablehnende Erledigung der BHAG vom 7. Juni 2017 (Anlage 3) 4. Stellungnahme ADir [...] vom 21. Juni 2017 (Anlage 4) 5. Säumnisbeschwerde ADir [...] vom 19. Juli 2018 (Anlage 5) 6. Schreiben des Geschäftsführers/Amtsleiters der Jahre 2014 und 2015 zur Leistungsabgeltung mit Widerrufs- und Vorbehaltsklausel (Anlagen 6 u. 7). Wie in den internen Richtlinien der Buchhaltungsagentur (nicht kundgemacht im BGBl) zur Leistungsabgeltung dargelegt, können grundsätzlich alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Buchhaltungsagentur in den Genuss einer Leistungsabgeltung kommen, sofern kein Ausschließungsgrund zutrifft (Karenzen oä). Der/Die jeweilige Vorgesetzte beurteilt anhand der Kriterien - Arbeitsqualität/Professionalität/Fachwissen - Dienstleitungsorientierung/Kundenorientierung - Einsatzbereitschaft/Flexibilität - Persönlichkeit/Kommunikationsverhalten die Leistung des jeweiligen Mitarbeiters im betreffenden Zeitraum. Eine diesbezügliche Auszahlung erfolgt ab 50 % Bewertungserfolg. Ein Anspruch auf Gewährung einer Leistungsabgeltung besteht nicht, vgl Belohnung § 19 GehG. Mit freundlichen Grüßen [...]“ 8 Mit (dem in Beschlussform gekleideten) Spruchpunkt I. A) der angefochtenen Entscheidung wies das Bundesverwaltungsgericht die Beschwerde des Revisionswerbers „wegen Verletzung der Entscheidungspflicht mangels Abspruch über den Antrag vom 03.02.2017 [gemeint: vom 1. Februar 2017]“zurück und begründete dies zusammengefasst damit, dass die Säumnisbeschwerde unzulässig sei, weil die vor dem Verwaltungsgericht belangte Behörde über den Antrag vom 3. (gemeint: 1.) Februar 2017 bereits mit Bescheid vom 7. Juni 2017 abgesprochen habe, sodass keine Säumnis der Behörde vorliege. Mit dem weiteren (in Erkenntnisform ergangenen) Spruchpunkt II. A) wies das Bundesverwaltungsgericht „die Beschwerde [des Revisionswerbers] ... gegen den Bescheid des Amtes der Buchhaltungsagentur vom 07.06.2017“ mit näherer Begründung ab. Die Revision erklärte das Bundesverwaltungsgericht gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG jeweils für unzulässig. 9 Die diesen Spruchpunkten zugrunde liegende Auffassung, dass die Erledigung der vor dem Verwaltungsgericht belangten Behörde vom 7. Juni 2017 als Bescheid zu qualifizieren sei, begründete das Bundesverwaltungsgericht mit folgenden Überlegungen: 10 Für die Qualifikation einer Erledigung als Bescheid seien nicht primär formelle, sondern inhaltliche Kriterien maßgeblich. Daher könne auch (relativ) formlos ergangenen Erledigungen Bescheidcharakter zukommen, sofern ihre Bescheidqualität noch erkennbar sei. Nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes seien wesentliche Merkmale eines Bescheides „die Bezeichnung der Behörde, der normative Spruch, der Name des Genehmigenden, die Unterschrift des Genehmigenden, die Ermächtigung der genehmigenden Person sowie die Bezeichnung des Adressaten“. Dabei handle es sich um konstitutive Bescheidmerkmale, ohne deren Vorliegen von absoluter Nichtigkeit auszugehen sei. Gemäß § 58 Abs. 1 AVG habe jeder Bescheid den Spruch zu enthalten, welcher den zentralen Teil des Bescheides darstelle, in dem die normative Erledigung getroffen werde. Dieses Erfordernis sei nicht streng formal auszulegen; vielmehr sei der normative Abspruch auch aus der Formulierung erschließbar, doch müsse sich der Wille der Behörde, in einer Verwaltungssache hoheitlich abzusprechen, eindeutig aus der Erledigung ergeben. Aus der Erledigung müsse der objektiv erkennbare Wille der Behörde hervorgehen, gegenüber einer individuell bestimmten Person die normative Regelung einer konkreten Verwaltungsangelegenheit zu treffen. Auch formlose Schreiben könnten Bescheide sein. 11 Der normative Charakter einer Erledigung setze nicht voraus, dass sie von der Behörde selbst als rechtsverbindlicher Abspruch gedeutet werde bzw. nach ihrem Willen vom Adressaten oder den Gerichtshöfen öffentlichen Rechts als solcher zu deuten sei, vielmehr genüge es, dass der Erledigung insgesamt bei objektiver Betrachtung ein normativer Wille entnommen werden könne, sie also auf eine Rechtsgestaltung oder -feststellung gerichtet sei. Enthalte eine Erledigung eindeutig einen normativen Abspruch, so sei das Fehlen einer Rechtsmittelbelehrung sowie der Gliederung der Erledigung nach Spruch und Begründung für deren Bescheidcharakter nicht entscheidend. 12 Im vorliegenden Fall habe der Revisionswerber am 3. (gemeint: 1.) Februar 2017 einen Antrag auf Auszahlung einer Leistungsabgeltung von Oktober 2013 bis September 2015, in eventu die bescheidmäßige Feststellung, ob die Nichtauszahlung der Leistungsabgeltung für den Zeitraum von Oktober 2013 bis September 2015 rechtmäßig sei oder nicht, beantragt. Sowohl der erste Satz der Begründung der Erledigung vom 7. Juni 2017, wonach „über [den] Antrag auf Gewährung der Leistungsabgeltung für den Zeitraum Oktober 2013 bis September 2014 bereits mit Erledigung vom 09.04.2015 (GZ: ...) befunden“ worden sei, als auch die folgenden Ausführungen zur Nichtauszahlung der Leistungsabgeltung für den Zeitraum Oktober 2014 bis September 2015, wonach es in diesem Zeitraum „zu keiner Auszahlung kommen“ könne, deuteten auf beabsichtigte normative Aussagen hin. Die „beiden Spruchpunkte“ seien „insofern normativ“, als die vor dem Verwaltungsgericht belangte Behörde „einerseits den Antrag des [Revisionswerbers] zurückgewiesen“ habe und andererseits „rechtsgestaltend“ ausgeführt habe, dass eine Auszahlung der Leistungsabgeltung für den Zeitraum Oktober 2014 bis September 2015 nicht erfolgen könne. 13 Die vor dem Verwaltungsgericht belangte Behörde habe zwar in ihrer Erledigung vom 7. Juni 2017 festgehalten, keinen Feststellungsbescheid erlassen zu wollen, weil die Erlassung eines Feststellungsbescheides im Interesse der Partei als notwendiges Mittel zur zweckentsprechenden Rechtsverfolgung nur dann zu erfolgen habe, wenn ein Recht oder Rechtsverhältnis für die Zukunft klarzustellen und dadurch eine Rechtsgefährdung des Antragstellers zu beseitigen sei, während im vorliegenden Fall das wirtschaftliche Interesse überwiege. Diesen Ausführungen sei jedoch entgegenzuhalten, dass auch die Verneinung des Bescheidwillens durch die Behörde in einer Erledigung dieser die Bescheidqualität dann nicht nehme, wenn sie „nach ihrem (sonstigen) Inhalt in gesetzeskonformer Interpretation“ eindeutig „als verbindliche Entscheidung (insbesondere als abschließende Erledigung eines Antrags) zu werten“ sei (Hinweis auf VwGH 16.5.2001, 2001/08/0046), der mangelnde Bescheidwille also nur „vorgeschützt“ werde (Hinweise auf VfSlg. 5178/1965 und 4981/1965). 14 Das Schreiben der vor dem Verwaltungsgericht belangten Behörde könne nicht anders verstanden werden, als dass damit dem Antrag des Revisionswerbers vom 3. (gemeint: 1.) Februar 2017 auf Auszahlung einer Leistungsabgeltung von Oktober 2013 bis September 2015 keine Folge gegeben werde. Dass die belangte Behörde mit der Erledigung einen individuellen Akt der Hoheitsverwaltung gesetzt und eine Angelegenheit des Verwaltungsrechts normativ entschieden habe, zeige überdies deren „Schriftsatz vom 30.07.2018“ (gemeint: das Schreiben, mit dem dem Bundesverwaltungsgericht die Säumnisbeschwerde vorgelegt wurde), in dem dessen Anlage 3 (Erledigung vom 7. Juni 2017) als „ablehnende Erledigung der BHAG“ bezeichnet sei. In der Erledigung vom 7. Juni 2017 könne daher der Wille der Behörde erblickt werden, gegenüber einer individuell bestimmten Person die normative Regelung einer konkreten Verwaltungsangelegenheit zu treffen. Vor diesem Hintergrund schade es daher weder, dass die Erledigung nicht ausdrücklich als Bescheid bezeichnet worden sei, noch, dass Rechtsmittelbelehrung sowie Gliederung in Spruch und Begründung fehlten, zumal festzuhalten sei, dass die Erledigung sehr wohl eine Begründung enthalte. 15 Da auch die anderen „notwendigen Bescheidmerkmale“ wie die Bezeichnung der Behörde, der Name und die Unterschrift des Genehmigenden und somit alle konstitutiven Bescheidmerkmale vorlägen, komme der Erledigung vom 7. Juni 2017 Bescheidcharakter zu. 16 Gegen den Beschluss und das Erkenntnis des Bundesverwaltungsgerichts richtet sich die vorliegende Revision, die ihre Zulässigkeit damit begründet, dass das Bundesverwaltungsgericht von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes zu den Kriterien der Bescheidqualität behördlicher Erledigungen abgewichen sei (Hinweise auf VwGH 21.12.2012, 2012/17/0473, und 25.2.2016, Ra 2016/19/0007). 17 Die vor dem Verwaltungsgericht belangte Behörde erstattete eine Revisionsbeantwortung, in der sie die Rechtmäßigkeit der angefochtenen Entscheidung mit näheren Ausführungen verteidigt. Der Verwaltungsgerichtshof hat über die außerordentliche Revision in einem gemäß § 12 Abs. 1 Z 2 VwGG gebildeten Senat erwogen: Die Revision ist zulässig und berechtigt. 18 Die Frage, ob eine nicht als Bescheid bezeichnete Erledigung auf Grund ihres konkreten Erscheinungsbildes, insbesondere ihres konkreten Aufbaues und ihrer konkreten sprachlichen Fassung als Bescheid zu beurteilen ist, stellt eine einzelfallbezogene Auslegungsfrage dar und ist daher im Regelfall nicht revisibel (vgl. VwGH 1.9.2015, Ra 2015/03/0060; 7.10.2016, Ra 2016/08/0147; 21.12.2016, Ra 2016/12/0103, 0111, 0113; 13.9.2017, Ra 2017/12/0062; 30.1.2019; Ra 2019/12/0003-0004). Anderes gilt nach dieser Rechtsprechung aber dann, wenn das vom Verwaltungsgericht erzielte Auslegungsergebnis vor dem Hintergrund der Judikatur des Verwaltungsgerichtshofes unvertretbar ist. Dies ist hier aus folgenden Erwägungen der Fall: 19 Die Auffassung, der Erledigung vom 7. Juni 2017 komme Bescheidqualität zu, stützte das Bundesverwaltungsgericht auf Literaturstellen zur Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes, wonach das Fehlen einer Rechtsmittelbelehrung für den Bescheidcharakter einer behördlichen Erledigung ebenso wenig entscheidend sei wie eine mangelnde Gliederung dieser Erledigung nach Spruch und Begründung. 20 Das Bundesverwaltungsgericht wich dabei jedoch von den Leitlinien der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes ab, weil es unbeachtet ließ, dass nach dieser Rechtsprechung die ausdrückliche Bezeichnung als Bescheid ... für das Vorliegen eines Bescheides „nur dann“ nicht wesentlich ist, „wenn der Inhalt einer behördlichen Erledigung, also ihr Wortlaut und ihre sprachliche Gestaltung, keinen Zweifel darüber aufkommen lassen, dass die Behörde die Rechtsform des Bescheides gewählt hat“ (VwGH 21.11.2013, 2011/11/0185; 5.9.2008, 2007/12/0161; 25.2.2016, Ra 2016/19/0007, jeweils mwN), wenn sich also „aus der Erledigung eindeutig ergibt, dass die Behörde einen individuellen Akt der Hoheitsverwaltung gesetzt und normativ, also entweder rechtsgestaltend oder rechtsfeststellend, eine Angelegenheit des Verwaltungsrechts entschieden hat“ (vgl. VwGH 26.6.2019, Ro 2018/03/0009, mwN). 21 Das Erfordernis, dass ein Bescheid einen Spruch enthalten muss, ist nicht streng formal auszulegen; vielmehr ist der normative Abspruch auch aus der Formulierung erschließbar, doch muss sich der Wille der Behörde, in einer Verwaltungssache hoheitlich abzusprechen, eindeutig aus der Erledigung ergeben. Aus der Erledigung muss der objektiv erkennbare Wille der Behörde hervorgehen, gegenüber einer individuell bestimmten Person die normative Regelung einer konkreten Verwaltungsangelegenheit zu treffen. Auch formlose Schreiben können Bescheide sein (vgl. VwGH 31.1.2000, 99/10/0202; 26.6.2019, Ro 2018/03/0009). 22 Zur Frage des Bescheidcharakters einer nicht als Bescheid bezeichneten Erledigung hat ein verstärkter Senat des Verwaltungsgerichtshofes mit Beschluss vom 15. Dezember 1977, Zlen. 934 und 1223/73, VwSlg. 9458/A, ausgeführt (vgl. in diesem Sinn zB auch VwGH 28.04.2008, 2007/12/0029; 10.11.2010, 2010/12/0042; 17.4.2013, 2012/12/0166; 11.4.2018, Ra 2015/08/0033, 0047, 0048): „Enthält eine an eine bestimmte Person gerichtete Erledigung die Bezeichnung der Behörde, den Spruch und die (Anmerkung: sofern dies auf Grund der späteren Änderung der Rechtslage noch vorgesehen ist) Unterschrift oder auch die Beglaubigung, dann ist das Fehlen der ausdrücklichen Bezeichnung als Bescheid für den Bescheidcharakter der Erledigung unerheblich. Auf die ausdrückliche Bezeichnung als Bescheid kann aber nur dann verzichtet werden, wenn sich aus dem Spruch eindeutig ergibt, dass die Behörde nicht nur einen individuellen Akt der Hoheitsverwaltung gesetzt hat, sondern auch, dass sie normativ, also entweder rechtsgestaltend oder rechtsfeststellend, eine Angelegenheit des Verwaltungsrechtes entschieden hat. Der normative Inhalt muss sich aus der Formulierung der behördlichen Erledigung, also in diesem Sinn auch aus der Form der Erledigung, ergeben. Die Wiedergabe einer Rechtsansicht, von Tatsachen, der Hinweis auf Vorgänge des Verfahrens, Rechtsbelehrungen u.dgl. können nicht als verbindliche Erledigung, also nicht als Spruch im Sinne des § 58 Abs. 1 AVG, gewertet werden. Der Verwaltungsgerichtshof hat schon in seiner bisherigen Judikatur den rechtsverbindlichen Inhalt einer behördlichen Erledigung als für die Bescheidqualität der Erledigung wesentlich gewertet und unter dieser Voraussetzung die ausdrückliche Bezeichnung als Bescheid nicht als wesentlich angesehen. Ergibt sich aus dem Wortlaut der behördlichen Erledigung, insbesondere aus der Verwendung der Verfahrensgesetze und der Verwaltungsvorschriften für jedermann eindeutig, dass ein rechtsverbindlicher Abspruch vorliegt, dann ist ungeachtet des Fehlens der ausdrücklichen Bezeichnung als Bescheid ein solcher als gegeben anzunehmen. Der mit der Bestimmung des § 58 Abs. 1 AVG angestrebte Zweck, nämlich durch die ausdrückliche Bezeichnung als Bescheid für den Betroffenen Klarheit und damit Rechtssicherheit zu schaffen, ist erreicht, wenn die Bestimmung über den Spruch des Bescheides in eindeutiger Form eingehalten und verwirklicht ist. Die ausdrückliche Bezeichnung als Bescheid ist jedoch nicht in jedem Fall entbehrlich. Verwaltungsbehörden (im organisatorischen Sinn) können auch rechtsgeschäftliche Erklärungen abgeben, wobei aus dem Inhalt der Erklärung noch nicht eindeutig geschlossen werden kann, ob es sich um rechtsgeschäftliche Erklärungen oder um rechtsverbindliche Anordnungen im Bereich des öffentlichen Rechtes handelt. Ferner sind behördliche Erledigungen nicht nur in Bescheidform zu erlassen (vgl. Verfahrensanordnungen, Dienstaufträge oder organisatorische Maßnahmen). Insbesondere in jenem Fall, in dem der Inhalt einer Erledigung oder einer behördlichen Erledigung Zweifel über den Bescheidcharakter entstehen lässt, ist die ausdrückliche Bezeichnung für den Bescheidcharakter der Erledigung essentiell. Nur dann, wenn der Inhalt einer behördlichen Erledigung, also ihr Wortlaut und ihre sprachliche Gestaltung, keinen Zweifel darüber aufkommen lassen, dass die Behörde die Rechtsform des Bescheides gewählt hat, ist die ausdrückliche Bezeichnung als Bescheid nach der für sich allein gesehen unabdingbaren Norm des § 58 Abs. 1 AVG für das Vorliegen eines Bescheides nicht wesentlich.“ 23 An eine behördliche Erledigung, die nicht ausdrücklich als Bescheid bezeichnet ist, muss hinsichtlich der Wertung als Bescheid nach ihrem Inhalt ein strenger Maßstab angelegt werden (vgl. VwGH 17.12.2007, 2007/12/0200; 10.11.2010, 2010/12/0042). 24 Die Erledigung vom 7. Juni 2017 ist nicht als Bescheid bezeichnet und nicht in Spruch, Begründung und Rechtsmittelbelehrung gegliedert. Inwiefern das Bundesverwaltungsgericht darin „Spruchpunkte“ erblicken will, ist nicht nachvollziehbar und es ist nicht ersichtlich, dass nach dem strengen Maßstab im Sinne der angeführten Rechtsprechung der Wortlaut der Erledigung und ihre sprachliche Gestaltung, „keinen Zweifel darüber aufkommen lassen“, dass darin der objektiv erkennbare Wille zum Ausdruck kommt, gegenüber dem Revisionsweber eine normative Regelung seiner Verwaltungsangelegenheit zu treffen. 25 Zweifel an seiner Normativität ergeben sich schon aus dem Umstand, dass das Schreiben hinsichtlich des Zeitraums Oktober 2013 bis September 2014 lediglich das Vorhandensein einer bereits erfolgten Erledigung vom 9. April 2015 erwähnt, ohne daraus Konsequenzen für die Behandlung des nunmehr vorliegenden Antrags zu ziehen (wie etwa dessen Unzulässigkeit oder die Unmöglichkeit, darüber einen inhaltlichen Bescheid zu erlassen). Schon mangels darin zum Ausdruck kommender Weigerung, hinsichtlich dieses Zeitraums (neuerlich) einen Bescheid zu erlassen, trifft es daher nicht zu, dass die Behörde - wie es das Verwaltungsgericht unter Bezugnahme auf VfSlg. 5178/1965 und 4981/1965 formuliert - „ihren mangelnden Bescheidwillen nur vorgeschützt“ hätte. Entgegen der Auffassung des Bundesverwaltungsgerichts lässt sich für seine Auffassung auch aus der Formulierung des Schreibens zur Vorlage der Säumnisbeschwerde nichts ableiten, weil die Beurteilung der Bescheidqualität einer behördlichen Erledigung aus dieser selbst und nicht aus späteren Ereignissen zu gewinnen ist (vgl. VwGH 16.10.1989, 89/12/0094). 26 Im Unterschied zum Schreiben vom 7. Juni 2017 handelte es sich bei der darin erwähnten Erledigung vom 9. April 2015 um einen ausdrücklich als Bescheid bezeichneten und nach Spruch, Begründung und Rechtsmittelbelehrung gegliederten Rechtsakt. Auch dass die Behörde für das vorliegende Schreiben eine Form wählte, die sich von dem Rechtsakt, auf den sie Bezug nimmt, derart unterscheidet, spricht gegen ihren objektiv erkennbaren Willen, das vorliegende Schreiben in die gleiche Rechtsform zu kleiden. 27 Auf seinen bloß informativen Charakter deutet auch, dass das Schreiben den Umstand erwähnt, dass der Revisionswerber für den Zeitraum nach September 2015 („im darauffolgenden Zeitraum“) eine „Zuwendung von EUR 765,66“ erhalten habe, zumal dieser Umstand für eine normative Erledigung des Antrags, auf den es sich bezieht, keine Bedeutung hat, weil dieser auf den Zeitraum von Oktober 2013 bis September 2015 beschränkt war. Auch die Höflichkeitsfloskeln in der Anrede („Sehr geehrter Herr [...]“) und in der Grußformel („Mit freundlichen Grüßen“) sprechen gegen den eindeutig normativen Charakter der Erledigung (vgl. VwGH 11.10.2006, 2006/12/0055; 11.4.2018, Ra 2015/08/0033, 0047, 0048). 28 Vor dem Hintergrund, dass die Erledigung vom 7. Juni 2017 insofern eine einheitliche Gestalt aufweist, als sie in ihrer Erledigungsart nicht nach Zeiträumen unterscheidet, sondern sich gesamthaft auf den Antrag vom 1. Februar 2017 bezieht, deutet das Vorgesagte insgesamt - sohin auch im Hinblick auf das Antragsbegehren für den (nicht Gegenstand des Bescheides vom 9. April 2015 bildenden) Zeitraum von Oktober 2014 bis September 2015 - darauf, dass nicht (eindeutig) von einem normativen, nicht bloß informativen Charakter des Schreibens auszugehen ist. Für eine bloße Mitteilung spricht auch die Formulierung, wonach es zu keiner Auszahlung kommen „kann“. 29 Dazu kommt Folgendes: Obwohl das Schreiben vom 7. Juni 2017 im Briefkopf den Schriftzug „Amt der Buchhaltungsagentur“ aufweist, schließt es - wenn auch unter Anführung von Name und Funktion des Genehmigenden - mit der Fertigungsklausel „Buchhaltungsagentur des Bundes, Abteilung Personal“. Auch wenn dieser Mangel für sich betrachtet (angesichts der Formulierung „Amt der Buchhaltungsagentur“ im Briefkopf) einer berichtigenden Auslegung einer - in sonstiger Hinsicht zweifelsfrei einer Behörde zuordenbaren und als Bescheid qualifizierbaren - Erledigung nicht entgegenstünde (vgl. zu derartigen Konstellationen VwGH 25.3.2015, Ra 2014/12/0020; 19.5.2020, Ra 2019/14/0317, mwN), deutet dieser bei einer Gesamtschau unter Berücksichtigung auch der bereits erwähnten Punkte gegen einen eindeutig als normativen behördlichen Abspruch erkennbaren Erledigungsinhalt. 30 Aus den gewählten Formulierungen ist daher ein normativer Wille der vor dem Verwaltungsgericht belangten Behörde im Schreiben vom 7. Juni 2017 nicht eindeutig erkennbar. Seine Bezeichnung als Bescheid erfolgte nicht. Ihm kommt folglich keine Bescheidqualität zu. 31 Die - auf die gegenteilige Prämisse des Bundesverwaltungsgerichts gestützte - Zurückweisung der Säumnisbeschwerde ist daher mit Rechtswidrigkeit des Inhalts belastet (siehe Spruchpunkt I.). Das Bundesverwaltungsgericht wird im fortgesetzten Verfahren unter Abstandnahme vom gebrauchten Zurückweisungsgrund über die Säumnisbeschwerde des Revisionswerbers abzusprechen haben. 32 Festzuhalten ist, dass sich die auf das Schreiben vom 7. Juni 2017 replizierende Stellungnahme des Revisionswerbers nicht als Beschwerde deuten lässt und den vorgelegten Verwaltungs- und Gerichtsakten auch nicht zu entnehmen ist, dass dem Bundesverwaltungsgericht eine Beschwerde im Sinne von Art. 133 Abs. 1 Z 1 B-VG - sei es durch die vor dem Verwaltungsgericht belangte Behörde oder durch jemand anderen (vgl. dazu VwGH 22.11.2017, Ra 2017/19/0421) - vorgelegt worden ist. 33 Soweit das Bundesverwaltungsgericht die „Beschwerde gegen den Bescheid des Amtes der Buchhaltungsagentur vom 07.06.2017“ als unbegründet abwies, belastete es somit seine Entscheidung mit Rechtswidrigkeit infolge Unzuständigkeit iSd. § 42 Abs. 2 Z 2 VwGG (siehe Spruchpunkt II.). 34 Die angefochtene Entscheidung war daher im Umfang ihres Spruchpunktes I. A). wegen Rechtswidrigkeit des Inhaltes und im Umfang ihres Spruchpunktes II. A) wegen Rechtswidrigkeit infolge Unzuständigkeit des Verwaltungsgerichtes aufzuheben. 35 Die Kostenentscheidung gründet sich auf die §§ 47 ff VwGG, insbesondere auf § 52 Abs. 1 VwGG in Verbindung mit der VwGH-Aufwandersatzverordnung 2014. Wien, am 22. September 2020
JWT_2019120034_20200427L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019120034.L00
Ra 2019/12/0034
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019120034_20200427L00/JWT_2019120034_20200427L00.html
1,587,945,600,000
3,184
Spruch Die Revision wird zurückgewiesen. Begründung 1 Mit Bescheid des Streitkräfteführungskommandos vom 6. Oktober 2015 wurde der Revisionswerber gemäß § 14 Abs. 1, 2 und 4 des Beamten-Dienstrechtsgesetzes 1979 (BDG 1979), von Amts wegen in den Ruhestand versetzt. 2 Begründend wurde ausgeführt, das ärztliche Sachverständigengutachten habe folgende Diagnose ergeben: 1. 1. Chronische Rhinosinusitis und Sinubronchiales Syndrom, 2. 2. Funktionelle Stimmstörung, 3. Moderates persistierendes nichtallergisches Asthma bronchiale, 4. Zustand nach Rauchgasvergiftung 2009 mit konsekutivem RADS (Anerkennung als Berufskrankheit mit einer Minderung der Erwerbsfähigkeit von 20%). Im Vordergrund der Leistungseinschränkung stünde beim Revisionswerber eine chronisch rezidivierende Rhinosinusitis, die zu einer chronischen Veränderung der Stimmbänder geführt habe. Daher sei die Stimme rau, leise und heiser. Ein Sprechberuf, der zu mehr als 50% auf Kommunikation basiere (Telefon, Vorträge, Unterricht uäm.) könne nicht weiter ausgeübt werden. Die weitere berufliche Tätigkeit als Presseoffizier und Pressesprecher des Militärkommandos Niederösterreich könne nicht ausgeübt werden. Es liege ein Dauerzustand vor. 3 Es liege daher dauernde Dienstunfähigkeit gemäß § 14 Abs. 1 und 2 BDG 1979 vor. Betreffend den Unfall vom 15. Juni 1983 (offener Trümmerbruch der Nase auf einer Hindernisbahn) liege eine Anerkennung als Dienstunfall im Personalakt nicht auf. Die Feststellung, ob die Dienstunfähigkeit auf einen oder mehrere Dienstunfälle bzw. auf eine Berufskrankheit zurückzuführen sei, obliege dem Pensionsservice der Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter. 4 Mit Bescheid vom 3. Juni 2016 stellte die Versicherungsanstalt öffentlich Bedienester (BVA) fest, dass dem Revisionswerber vom 1. Dezember 2015 an eine Gesamtpension von monatlich brutto EUR 2.534,49 gebühre. Diese bestehe aus einem Ruhegenuss von monatlich brutto EUR 1.987,76, einer Nebengebührenzulage von monatlich brutto EUR 182,80 und einer Pension nach dem Allgemeinen Pensionsgesetz (APG) von monatlich brutto EUR 363,93. Dieser Ruhegenussbemessung wurde eine gemäß § 5 Abs. 2 des Pensionsgesetzes 1965 (PG 1965) gekürzte Ruhegenussbemessungsgrundlage (62% der Ruhegenussberechnungsgrundla ge) zugrunde gelegt. Weiters wurde eine entsprechende Kürzung der Nebengebührenzulage vorgenommen. 5 In der dagegen erhobenen Beschwerde brachte der Revisionswerber vor, dass er am 6. April 2009 eine Rauchgasvergiftung erlitten habe. Dieser Vorfall sei als Dienstunfall anerkannt, dem Revisionswerber sei aufgrund der Folgen dieses Dienstunfalles mit Bescheid der BVA eine Versehrtenrente zuerkannt worden. Es hätte daher gemäß § 5 Abs. 4 PG 1965 eine Kürzung der Ruhegenussberechnungsgrundlage nicht erfolgen dürfen. 6 Mit Beschwerdevorentscheidung der BVA vom 23. August 2016 wurde der Bescheid der BVA vom 3. Juni 2016 gemäß § 14 VwGVG aufgehoben. Begründend wurde zusammengefasst ausgeführt, nach dem bisherigen Verfahrensstand sei nicht davon auszugehen gewesen, dass der Dienstunfall (Rauchgasvergiftung im Jahr 2009) in einem kausalen Zusammenhang mit der Ruhestandsversetzung stehe. Im Hinblick auf das Vorbringen des Revisionswerbers in der Beschwerde und im weiteren Verfahren seien weitere gutachterliche Erhebungen zur Feststellung der Kausalität durchzuführen. Daher sei der erstinstanzliche Bescheid aufzuheben und das Ermittlungsverfahren wieder aufzunehmen. 7 Nach Einholung weiterer (Ergänzungs)Gutachten und Stellungnahmen des Revisionswerbers gelangte die BVA mit Bescheid vom 13. März 2018 neuerlich zu dem Ergebnis, dass dem Revisionswerber unter Kürzung der Ruhegenussberechnungsgrundlage gemäß § 5 Abs. 2 PG 1965 eine Gesamtpension von monatlich brutto EUR 2.534,49 gebühre. Begründend wurde unter Wiedergabe der eingeholten (Ergänzungs)Gutachten ausgeführt, nach § 5 Abs. 4 Z 2 PG 1965 sei die Ruhegenussbemessungsgrundlage nicht zu kürzen, wenn die Ruhestandsversetzung wegen Dienstunfähigkeit überwiegend auf einen Dienstunfall oder mehrere Dienstunfälle (§§ 90 und 91 des Beamten-Kranken- und Unfallversicherungsgesetzes - B-KUVG) oder eine Berufskrankheit zurückzuführen sei und der Beamtin oder dem Beamten aufgrund dieses Dienstunfalles oder dieser Dienstunfälle oder dieser Berufskrankheit vom zuständigen Unfallversicherungsträger rechtskräftig eine Versehrtenrente oder die Anhebung einer bereits bestehenden Versehrtenrente nach dem B-KUVG zugesprochen worden sei. Der rechtskräftig festgestellte Anspruch auf Versehrtenrente müsse - allenfalls auch aufgrund rückwirkender Zuerkennung - zum Zeitpunkt des Anfalles des Ruhebezuges bestehen. 8 Mit Bescheid der BVA vom 11. Dezember 2012 sei der Unfall, den der Revisionswerber am 6. April 2009 erlitten habe, als Dienstunfall anerkannt worden. Es sei festgestellt worden, dass ihm ab 23. November 2011 eine Versehrtenrente als Dauerrente im Ausmaß von 20 v.H. der Vollrente gebühre. Der Revisionswerber habe bei dem Dienstunfall eine chronisch obstruktive Atemwegserkrankung nach einem Inhalationstrauma durch Rauchgas erlitten. Als Folgen bestünden eine Lungenfunktionseinschränkung sowie glaubhafte subjektive Beschwerden. Aus den im Ruhestandversetzungsverfahren erstellten Sachverständigengutachten gehe zusammenfassend hervor, dass das einmalige Ereignis einer Rauchgasvergiftung 4/2009 mit der Entwicklung einer Stimmbandstörung in keinem ursächlichen Zusammenhang stehe und darüber hinaus ein chronischer Reizhusten und Heiserkeit keine nachvollziehbaren Folgen einer Rauchgasvergiftung seien. Es bestehe daher kein Kausalzusammenhang zwischen dem Dienstunfall des Revisionswerbers vom 6. April 2009 und seiner Ruhestandsversetzung. 9 In der dagegen erhobenen Beschwerde vertrat der Revisionswerber den Standpunkt, die Rhinosinusitis und das sinubronchiale Syndrom seien nicht der Grund für seine Dienstunfähigkeit gewesen, sondern lediglich Umstände, die die Symptome der Rauchgasvergiftung aus dem Jahr 2009 verstärkt hätten. Ausgelöst seien sie entgegen der Meinung der von der belangten Behörde beigezogenen Gutachter sehr wohl durch den im Jahr 1983 in Ausübung des Dienstes erlittenen schweren Unfalls, der einen Nasenbeinbruch mit Verschiebung der Nasenscheidewand zur Folge gehabt habe. Bestätigt werde diese Tatsache von den langzeitbehandelnden Fachärzten und dem Hausarzt des Revisionswerbers. Die Rhinosinusitis und das sinubronchiale Syndrom würden ihrerseits aber durch die im Jahr 2009 erlittene Rauchgasvergiftung erheblich verstärkt. Dies wiederum führe zum Reizhusten mit dadurch ausgelösten Panikattacken, Heiserkeit und schließlich zur Dienstunfähigkeit infolge Stimmbandveränderung. Selbst wenn also die Rauchgasvergiftung entgegen dem Standpunkt des Revisionswerbers für sich alleine tatsächlich nur eine Minderung der Erwerbsfähigkeit von 20% verursacht haben sollte, so sei die Rauchgasvergiftung doch jedenfalls die ausschlaggebende und damit wesentliche Ursache für die eingetretene Dienstunfähigkeit. Weiters wurde umfangreiches Vorbringen gegen Ausführungen in den zahlreichen, bereits eingeholten Sachverständigengutachten erstattet. Da dem Revisionswerber aufgrund des Dienstunfalles vom 6. April 2009 eine Versehrtenrente zuerkannt worden sei, hätte eine Kürzung gemäß § 5 Abs. 4 PG 1965 nicht stattzufinden gehabt. 10 Mit dem angefochtenen Erkenntnis wies das Bundesverwaltungsgericht die Beschwerde des Revisionswerbers als unbegründet ab und erklärte die Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG für nicht zulässig. Nach Einholung eines Gutachtens eines Sachverständigen aus dem Fachgebiet der Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde und Logopädie sowie eines Sachverständigengutachtens aus dem Fachgebiet der Lungenkrankheiten traf das Bundesverwaltungsgericht unter anderem folgende Feststellungen: "Der BF erlitt am 15.06.1983 einen Unfall, der einen offenen Trümmerbruch der Nase bewirkte und in dessen Folge der offene Nasenbeinbruch eingerichtet wurde. Dieser Unfall wurde nicht als Dienstunfall anerkannt. Der BF bezieht keine Versehrtenrente wegen dieses Unfalles. Der BF erlitt am 6.04.2009 einen Unfall. Dieser Unfall wurde mit Bescheid der BVA, Unfallversicherung, vom 11.12.2012, Zl. 4078 210161-003, als Dienstunfall anerkannt. Es wurde festgestellt, dass dem BF ab 23.11.2011 eine Versehrtenrente als Dauerrente im Ausmaß von 20% der Vollrente gebührt. Begründend wurde ausgeführt, dass der BF bei seinem Dienstunfall am 06.04.2009 eine chronisch obstruktive Atemwegserkrankung nach einem Inhalationstrauma durch Rauchgas erlitten hat und als Folge eine Lungenfunktionseinschränkung sowie glaubhafte subjektive Schmerzen bestehen. ... Gegen den Bescheid der BVA vom 13.08.2018, Zl. 4078- 210161/24, brachte der BF am 16.04.2018 zusätzlich zu der an das Bundesverwaltungsgericht gerichteten Beschwerde Klage beim Landesgericht Krems ein. Diese Klage des BF vom 16.04.2018 wurde mit Beschluss des Landesgericht Krems vom 07.05.2018, Zl. 7 Cgs 86/18g, wegen Unzulässigkeit des Rechtsweges zurückgewiesen. Die Ruhestandsversetzung des BF wegen Dienstunfähigkeit ist nicht überwiegend auf den Unfall vom 15.06.1983 zurückzuführen. Die Ruhestandsversetzung des BF wegen Dienstunfähigkeit ist nicht überwiegend auf den Dienstunfall vom 06.04.2009 zurückzuführen. Die Ruhestandsversetzung des BF wegen Dienstunfähigkeit ist nicht überwiegend auf eine Zusammenwirkung des Unfalles vom 15.06.1983 und des Dienstunfalles vom 06.04.2009 zurückzuführen." 11 Das Bundesverwaltungsgericht nahm eine umfangreiche Beweiswürdigung unter Eingehen auf die von ihm und dem Verwaltungsbehörden eingeholten Sachverständigengutachten vor. In rechtlicher Hinsicht führte es aus, Gegenstand des vorliegenden Verfahrens sei die nach § 5 Abs. 4 Z 2 PG 1965 maßgebliche Frage der Rückführbarkeit der Dienstunfähigkeit des Revisionswerbers auf den Dienstunfall vom 06.04.2009 und/oder den Unfall vom 15.06.1983 und/oder eine Zusammenwirkung dieser beiden Unfälle. Dabei sei zu beachten, dass dem Revisionswerber aufgrund seines Dienstunfalles vom 06.04.2009 zum Zeitpunkt der Ruhestandsversetzung eine Versehrtenrente in Höhe von 20% gewährt worden sei. Die Ruhestandsversetzung wegen dauernder Dienstunfähigkeit müsse nicht ausschließlich, sondern nur überwiegend auf einen Dienstunfall bzw. mehrere Dienstunfälle oder auf eine Berufskrankheit zurückzuführen sein. Diese Klarstellung entspreche der bis zum Pensionsreformgesetz 2000 geübten Vollziehungspraxis. Die Frage des Überwiegens sei im Zweifelsfall anhand eines medizinischen Gutachtens zu beurteilen (Hinweis auf Fellner, BDG 1979 § 5 PG 1965). 12 Gegenständlich sei festgestellt worden, dass die Ruhestandsversetzung des Revisionswerbers wegen Dienstunfähigkeit nicht überwiegend auf einen Dienstunfall bzw. mehrere Dienstunfälle zurückzuführen sei. Diese Frage sei - wie in der Beweiswürdigung ausgeführt - von drei Gutachtern unabhängig voneinander klar, schlüssig und nachvollziehbar beantwortet worden. 13 Vollständigkeitshalber werde noch einmal darauf hingewiesen, dass der Unfall vom 15.06.1983 ohnehin nicht als Dienstunfall anerkannt worden und dem Revisionswerber diesbezüglich keine Versehrtenrente gewährt worden sei. Folge man dem Vorbringen des Revisionswerbers, wären durch diesen Unfall vom 15.06.1983 die Rhinosinusitis und das sinubronchiale Syndrom ausgelöst worden und diese Erkrankungen würden die maßgeblichste Erkrankung/Grund für die Dienstunfähigkeit darstellen. Mangels Anerkennung als Dienstunfall und mangels Gewährung einer diesbezüglichen Versehrtenrente würde selbst die Feststellung, dass die Rhinosinusitis und das sinubronchiale Syndrom für die Dienstunfähigkeit des Revisionswerbers überwiegend kausal gewesen wären, nichts am Ergebnis ändern, da diese mangels Gewährung einer Versehrtenrente irrelevant wären. 14 Aus den Gutachten ergebe sich jedoch ohnedies, dass die Ruhestandsversetzung - selbst unter Berücksichtigung des Unfalls vom 15.06.1983 - nicht überwiegend auf diesem und/oder eine Zusammenwirkung der beiden Unfälle vom 15. Juni 1983 und 6. April 2009 zurückzuführen sei. 15 Die Berechnung des Ruhegenusses durch die BVA sei daher zurecht in Anwendung des § 5 PG 1965 unter Zugrundelegung einer Kürzung der Ruhegenussbemessungsgrundlage von 80% auf 62% erfolgt, da die Voraussetzungen für einen Entfall der Kürzung nach § 5 Abs. 4 Z 2 PG 1965 nicht vorlägen. 16 Gegen dieses Erkenntnis richtet sich die vorliegende Revision mit dem Antrag, eine mündliche Verhandlung vor dem Verwaltungsgerichtshof durchzuführen und in der Sache selbst zu entscheiden und das angefochtene Erkenntnis dahin abzuändern, dass dem Antrag des Revisionswerbers stattgegeben werde und ihm die volle Ruhegenussbemessungsgrundlage gemäß § 5 Abs. 1 PG 1965 in Höhe von 80% der Ruhegenussberechnungsgrundlage zuerkannt und keine Kürzung vorgenommen werde; in eventu wird beantragt, das angefochtene Erkenntnis wegen Rechtswidrigkeit des Inhaltes, in eventu wegen Rechtswidrigkeit infolge Verletzung von Verfahrensvorschriften aufzuheben. 17 Eine Revisionsbeantwortung wurde nicht erstattet. 18 Zur Zulässigkeit der Revision wird u.a. eine unrichtige Auslegung des § 5 Abs. 4 Z 2 PG 1965 geltend gemacht. Es liege eine Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung im Sinne des § 133 Abs. 4 B-VG vor, weil die Auslegung des § 5 Abs. 4 Z 2 PG durch das Verwaltungsgericht fehlerhaft erfolgt sei und zu einem die Rechtssicherheit beeinträchtigenden unvertretbaren Ergebnis führe. Das Verwaltungsgericht vertrete nämlich die Ansicht, dass jedes Ereignis, das zu einer Dienstunfähigkeit führe, eine Zuerkennung einer Versehrtenrente bedürfe, um nicht zur Anwendung der Kürzungsbestimmung zu führen. Entscheidend für die Beurteilung der gegenständlichen Rechtssache sei, dass die Ausnahme von der Kürzungsbestimmung des § 5 PG 1965 auch dann vorliege, wenn die Ruhestandsversetzung wegen einer Berufskrankheit, aufgrund derer eine rechtskräftige Zuerkennung einer Versehrtenrente erfolgt sei, auch mit Umständen begründet worden sei, die durch einen der Berufskrankheit vorangegangen Dienstunfall ausgelöst worden seien, für welchen zwar für sich alleine - aus welchem Grunde auch immer - keine Versehrtenrente zugesprochen worden sei, die aber zusammen betrachtet einen überwiegenden Grund für die Versetzung in den Ruhestand darstellten. Dass der Nasentrümmerbruch nicht als Dienstunfall anerkannt und dafür eine Versehrtenrente nicht zugesprochen worden sei, sei nicht das Versäumnis des Revisionswerbers, sondern des Dienstgebers. Der Wortlaut des § 5 Abs. 4 Z 2 PG 1965 lasse jedenfalls den Schluss zu, dass es durchaus genügend sei, wenn aufgrund einer Berufskrankheit oder eines Dienstunfalles eine Versehrtenrente zugesprochen worden sei, wenngleich die Beeinträchtigung teilweise durch einen vorangegangen Unfall im Dienst verursacht worden sei, für den offenbar versehentlich nicht ebenfalls bereits eine Versehrtenrente zugesprochen worden sei. Erfolge die Ruhestandsversetzung überwiegend - also nicht auch aus schwerwiegenderen anderen Gründen - nur wegen einer einzigen Berufskrankheit, schade es der Anwendung der Ausnahmebestimmung nicht, wenn auch noch weitere Dienstunfälle oder eine weitere Berufskrankheit die Versetzung in den dauernden Ruhestand ebenfalls rechtfertigten. Als andere Gründe seien solche zu verstehen, die eben nicht in einer Berufskrankheit oder einem Unfall im Dienst ("Dienstunfall") bestünden. Unter Hinweis auf die hg. Erkenntnisse vom 30. Mai 2011, 2007/12/0074, und vom 13. September 2007, 2006/12/0191, vertrat der Revisionswerber den Standpunkt, der Verwaltungsgerichtshof habe über diese spezielle Frage bisher noch nicht, jedenfalls nicht eindeutig entschieden. Die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichtes stehe aber im Widerspruch zum zuletzt zitierten Erkenntnis. Jedenfalls fehle es aber an einer Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes zu diesem Thema, das für eine große Zahl anderer Rechtsfälle von Bedeutung sein könne, zumal es häufig vorkomme, dass ein und derselben Person neben Berufskrankheiten bzw. Diensterkrankungen auch Dienstunfälle zustießen. 19 Mit diesem Vorbringen wird die Zulässigkeit der Revision nicht aufgezeigt. 20 Nach Art. 133 Abs. 4 B-VG ist gegen ein Erkenntnis des Verwaltungsgerichtes die Revision zulässig, wenn sie von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, insbesondere weil das Erkenntnis von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abweicht, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes nicht einheitlich beantwortet wird. 21 Nach § 34 Abs. 1 VwGG sind Revisionen, die sich wegen Nichtvorliegen der Voraussetzungen des Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zur Behandlung eignen, ohne weiteres Verfahren in nichtöffentlicher Sitzung mit Beschluss zurückzuweisen. 22 Nach § 34 Abs. 1a VwGG ist der Verwaltungsgerichtshof bei der Beurteilung der Zulässigkeit der Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG an den Ausspruch des Verwaltungsgerichtes gemäß § 25a Abs. 1 VwGG nicht gebunden. Die Zulässigkeit einer außerordentlichen Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG hat der Verwaltungsgerichtshof im Rahmen der dafür in der Revision vorgebrachten Gründe (§ 28 Abs. 3 VwGG) zu überprüfen. 23 Der Verwaltungsgerichtshof hat zu § 5 Abs. 4 Z 2 PG 1965 bereits ausgesprochen, wie sich aus dem klaren Wortlaut des ersten Satzes dieser Bestimmung ergebe, seien die Voraussetzungen für die Abstandnahme von der Kürzung nicht schon dann erfüllt, wenn die Ruhestandsversetzung wegen Dienstunfähigkeit überwiegend auf Dienstunfälle oder Berufskrankheiten zurückzuführen sei, für die eine Versehrtenrente gebührt; vielmehr ist es erforderlich, dass für diese Unfälle/Berufskrankheiten eine Versehrtenrente oder eine Anhebung einer bereits bestehenden Versehrtenrente nach dem B-KUVG vom zuständigen Unfallversicherungsträger rechtskräftig zugesprochen wurde. Wie sich weiters aus dem zweiten Satz der genannten Gesetzesbestimmung ergibt, muss der rechtskräftig festgestellte Anspruch auf Versehrtenrente - allenfalls auch aufgrund rückwirkender Zuerkennung - zum Zeitpunkt des Anfalls des Ruhebezuges bestehen (VwGH 17.10.2008, 2008/12/0166). 24 Aus diesen Ausführungen ergibt sich einerseits, dass die Kürzung gemäß § 5 Abs. 4 Z 2 PG 1965 nur dann zu entfallen hat, wenn die Ruhestandsversetzung wegen Dienstunfähigkeit überwiegend auf berentete Dienstunfälle oder berentete Berufskrankheiten zurückzuführen ist, und andererseits, dass zum Zeitpunkt des Anfalls des Ruhebezuges bereits ein Anspruch auf Versehrtenrente bezüglich jedes dieser Dienstunfälle oder Berufskrankheiten rechtskräftig festgestellt sein muss. 25 Im Revisionsfall steht aber unbestritten fest, dass lediglich der Unfall vom 6. April 2009 als Dienstunfall anerkannt und diesbezüglich zum Zeitpunkt des Anfalls des Ruhebezuges ein Anspruch auf Versehrtenrente festgestellt worden war. Da die Ruhestandsversetzung des Revisionswerbers aber ausgehend vom im angefochtenen Erkenntnis festgestellten Sachverhalt nicht überwiegend auf diesen Dienstunfall zurückzuführen ist, scheidet ein Entfall der Kürzung gemäß § 5 Abs. 4 Z 2 PG 1965 aus. 26 Auch in dem vom Revisionswerber zitierten Erkenntnis vom 30. Mai 2011, 2007/12/0074, wurde ausgesprochen, dass die Anwendbarkeit des § 5 Abs. 4 Z 2 PG 1965 nur dann gegeben ist, wenn zwei Voraussetzungen erfüllt sind: 1. Die überwiegende Rückführbarkeit der für die Ruhestandsversetzung des Beamten maßgebenden Dienstunfähigkeit auf einem Dienstunfall oder eine Berufskrankheit und 2. dass dem Beamten aufgrund dieses Dienstunfalles oder dieser Dienstunfälle oder dieser Berufskrankheit vom zuständigen Unfallversicherungsträger rechtskräftig eine Versehrtenrente oder die Anhebung einer bereits bestehenden Versehrtenrente nach dem B-KUVG zugesprochen wurde. Der rechtskräftig festgestellte Anspruch auf Versehrtenrente muss zum Zeitpunkt des Anfalles des Ruhebezuges bestehen. 27 Auch mit diesem Erkenntnis wurde somit eindeutig ausgesprochen, dass lediglich zum Zeitpunkt des Anfalles des Ruhebezuges berentete Dienstunfälle oder Berufskrankheiten den Entfall der Kürzung bewirken. 28 Diesem Ergebnis steht auch nicht das Erkenntnis des Verwaltungsgerichtshofs vom 13. September 2007, 2006/12/0191, entgegen, wurde dort doch nur ausgesprochen, dass eine Kürzung gemäß § 5 Abs. 4 Z 2 PG 1965 dann nicht zu entfallen habe, wenn sich der berentete Dienstunfall erst nach Eintritt der dauernden Dienstunfähigkeit des Beamten ereignete. Für den vorliegenden Revisionsfall ist aus diesem Erkenntnis nichts zu gewinnen. 29 Eine Rechtsfrage im Sinne des Art. 133 Abs. 4 B-VG wurde daher im Zusammenhang mit der Auslegung des § 5 Abs. 4 Z 2 PG 1965 in der Zulässigkeitsbegründung der Revision nicht aufgezeigt. 30 Weiters wird in der Zulässigkeitsbegründung der Revision als Verfahrensmangel das Unterlassen der beantragten Einvernahme des Zeugen Dr. med. K. gerügt. Das Verwaltungsgericht habe die Nichtanwendung der Kürzungsbefreiung des § 5 Abs. 4 Z 2 PG 1965 damit begründet, dass die Ruhestandsversetzung des Revisionswerbers überwiegend weder auf den Unfall vom 15. Juni 1983 noch auf den Dienstunfall vom 16. April 2009 oder eine Zusammenwirkung der vorgenannten beiden Unfälle zurückzuführen sei. Es habe seine Tatsachenfeststellungen auf die Gutachten Dris. H., Dris. P. und Dris. Z. und das Obergutachten, welches ebenfalls von Dr. Z. stamme, gegründet, wobei Dr. Z das Obergutachten erstattet habe, ohne den Revisionswerber persönlich untersucht zu haben. Auch die Sachverständigen Dr. H. und Dr. P. hätten den Revisionswerber nur ein einziges Mal persönlich untersucht. Dr. H. habe ausgeführt, dass der Revisionswerber schon vor seinem im Dienst erlittenen Unfall vom 15. Juni 1983 an einer anlagebedingten Verengung der Zugangswege zu den Nasennebenhöhlen gelitten habe, welche weit überwiegend zu den chronischen Entzündungen in der Nase geführt hätten. Von einer unfallkausalen chronischen Rhinosinusitis könne nicht gesprochen werden, weil keine sinusspezifischen Veränderungen in den Nasenhöhlen vorhanden gewesen seien. Ursachen für die Beschwerden seien weit überwiegend anatomisch bedingte Veränderungen gewesen und nicht der Nasenbeinbruch im Jahr 1983. Mit der Nasenscheidewandoperation sei der belüftungsrelevante Anteil der Veränderung korrigiert und somit auch der unfallkausale Anteil zur Gänze behoben worden. Die beantragte Einvernahme des HNO-Facharztes Dr. K. hätte ergeben, dass der Revisionswerber vor dem Unfall im Jahr 1983 beschwerdefrei gewesen sei und als Leistungssportler (militärischer Fünfkampf, Leichtathletik, Fußball, Handball, Tennis, Tischtennis) ohne krankheitsrelevante Veränderungen im HNO-Bereich tätig gewesen sei, und dass seine Beschwerden erstmals und durch den Unfall im Jahr 1983 aufgetreten seien und diese trotz der Operation im Jahr 2008 im Zusammenhang mit dem Rauchgasunfall im Jahr 2009 jedenfalls zur Dienstunfähigkeit geführt hätten. Die Beschwerden seien entgegen den Ausführungen des Sachverständigen Dr. S. nicht sofort aufgetreten, sondern erst nach dem Unfall. Überdies sei die Einholung des Obergutachtens durch den Sachverständigen Dr. Z., der selbst das erste Gutachten erstellt habe, in Wahrheit kein Obergutachten, sondern lediglich eine Selbstbestätigung des eigenen Gutachtens des Sachverständigen. Dieses Gutachten habe der Sachverständige Dr. H. seinem Gutachten zugrunde gelegt. 31 Die Zulässigkeit einer Revision setzt neben einem eine grundsätzliche Rechtsfrage im Sinne des Art. 133 Abs. 4 B-VG aufwerfenden Verfahrensmangel voraus, dass die Revision von der Lösung dieser geltend gemachten Rechtsfrage abhängt. Davon kann im Zusammenhang mit einem Verfahrensmangel aber nur dann ausgegangen werden, wenn auch die Relevanz des Mangels für den Verfahrensausgang dargetan wird (z.B. VwGH 19.4.2016, Ra 2016/12/0029). Dass der Unfall im Jahr 1983 bei der Beurteilung der Anwendbarkeit des § 5 Abs. 4 Z 2 PG 1965 nicht zu berücksichtigen war, ergibt sich jedoch schon aus den obigen Ausführungen, weil es sich nicht um einen anerkannten Dienstunfall handelt, für den eine Versehrtenrente zuerkannt worden war. 32 Auch im vorliegenden Zusammenhang wurde daher eine Rechtsfrage im Sinne des Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht aufgeworfen. 33 Als weiteren Verfahrensmangel macht die Zulässigkeitsbegründung der Revision die unterlassene Einvernahme eines fachkundigen Fachoffiziers für Personalwesen zur Einstufung des Klägers in einen Sprechberuf geltend. Wäre dieser einvernommen worden, hätte sich herausgestellt, dass die Tätigkeit bzw. die Berufsanforderung an den Revisionswerber unter Level II (Berufssprecher wie Lehrer, Dozenten, Telefonisten etc.) zu subsumieren sei und daher eine Berufsausübung für ihn nicht in Frage kommen könne. 34 Auch mit diesem Vorbringen wird die Relevanz des behaupteten Verfahrensmangels schon deshalb nicht dargetan, weil ausgehend von den vorliegenden Sachverständigengutachten und den Ausführungen im angefochtenen Erkenntnis die funktionelle Stimmstörung und die weiteren für das Sprechen relevanten Gesundheitsbeeinträchtigungen des Revisionswerbers, die zur Ruhestandsversetzung wegen dauernder Dienstunfähigkeit geführt hatten, jedenfalls nicht überwiegend Folgen des berenteten Dienstunfalls des Revisionswerbers im Jahr 2009 waren. Eine Rechtsfrage im Sinne des Art. 133 Abs. 4 B-VG wurde daher auch diesbezüglich nicht aufgeworfen. 35 Weiters rügt der Revisionswerber in der Zulässigkeitsbegründung die Nichtdurchführung einer mündlichen Verhandlung. Die Rüge eines Verfahrensmangels als Zulässigkeitsgrund versagt allerdings immer dann, wenn dieser Verfahrensmangel in der Revisionsbegründung nicht mehr ausgeführt wird, was auch betreffend die Rüge des Unterbleibens einer mündlichen Verhandlung vom Verwaltungsgerichtshof bereits ausgesprochen wurde (vgl. z.B. VwGH 27.4.2017, Ra 2017/12/0030). Da in der vorliegenden Revision das Unterbleiben einer mündlichen Verhandlung in der Revisionsbegründung nicht ausgeführt wurde, versagt die Rüge des Unterbleibens einer mündlichen Verhandlung als Zulässigkeitsgrund. 36 Von der beantragten mündlichen Verhandlung vor dem Verwaltungsgerichtshof konnte gemäß § 39 Abs. 2 Z 1 VwGG abgesehen werden. 37 Die vorliegende Revision war daher gemäß § 34 Abs. 1 VwGG wegen Nichtvorliegen der Voraussetzungen des Art. 133 Abs. 4 B-VG mit Beschluss zurückzuweisen. Wien, am 27. April 2020
JWT_2019120035_20201013L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019120035.L00
Ra 2019/12/0035
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019120035_20201013L00/JWT_2019120035_20201013L00.html
1,602,547,200,000
1,473
Spruch Die Revision wird zurückgewiesen. Begründung 1 Die Revisionswerberin steht als Fachoberlehrerin in einem öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis zum Bund und beantragte mit Eingabe vom 30. April 2010 die Neufestsetzung ihres Vorrückungsstichtages und ihrer daraus resultierenden besoldungsrechtlichen Stellung sowie allenfalls die Nachzahlung von Bezügen, wobei sie darauf hinwies, dass die nach Beendigung der Schulpflicht vor ihrem 18. Geburtstag gelegenen Zeiten als Lehrerin, Erzieherin sowie Studentin für die Ermittlung des Vorrückungsstichtages im Hinblick auf die unionsrechtlichen Erfordernisse der Richtlinie 2000/78/EG des Rates zu berücksichtigen seien. 2 Hinsichtlich der Neufestsetzung des Vorrückungsstichtages wurde dieser Antrag rechtskräftig mit Bescheid der Bundesministerin für Unterricht Kunst und Kultur vom 28. Oktober 2013 dahingehend erledigt, dass der 1. Juli 1973 als Vorrückungsstichtag der Revisionswerberin festgesetzt wurde. Hinsichtlich der besoldungsrechtlichen Stellung erledigte das im Säumnisweg angerufene Bundesverwaltungsgericht den Antrag mit Erkenntnis vom 18. Oktober 2016, in dem es aussprach, dass der Revisionswerberin zum 1. Jänner 2004 ein Gehalt der Verwendungsgruppe L2b1, Gehaltsstufe 16, mit nächster Vorrückung 1. Juli 2005 gebührte. Im Gefolge einer weiteren Eingabe (vom 27. Februar 2017) und Säumnisbeschwerde der Revisionswerberin erging am 3. Mai 2018 ein Erkenntnis des Bundesverwaltungsgerichtes, in dem dieses der bei ihm belangten Behörde gemäß § 28 Abs. 7 VwGVG in Überbindung der darin geäußerten Rechtsanschauung die Bescheidnachholung auftrug. Diesem Auftrag kam die Behörde mit Bescheid vom 28. Juni 2018 dahingehend nach, dass sie den Antrag für die Zeit vom 1. Jänner 2004 bis 31. Juli 2005 wegen entschiedener Sache zurückwies (Spruchpunkt 1.a.), die der Revisionswerberin für den Zeitraum August 2005 bis Juni 2016 gebührenden Bezüge in näher aufgeschlüsselter Form der Höhe nach feststellte (Spruchpunkte 1.b und 2.) und in Spruchpunkt 3. des Bescheides die folgende Feststellung traf: „Ansprüche, die sich aus Differenzen zwischen den gemäß Spruchpunkt 1 b) gebührlichen Monatsbezügen und den tatsächlich ausbezahlten Monatsbezügen ergeben, sind hinsichtlich der vor dem 1. Juli 2006 liegenden Zeiträumen [sic] verjährt (§ 13b GehG in Verbindung mit § 113 Abs. 13 GehG; die zuletzt genannte Bestimmung in der Fassung des Bundesgesetzes BGBl. I Nr. 82/2010 in Verbindung mit Art. 2 Abs. 1 und 2, Art. 6 Abs. 1, Art. 9 und 16 der Richtlinie 2000/78/EG des Rates vom 27. November 2000)“. 3 Mit dem angefochtenen Erkenntnis hob das Bundesverwaltungsgericht den Spruchpunkt 1.a) dieses Bescheides ersatzlos auf und wies die Beschwerde im Umfang der Anfechtung des Spruchpunktes 3. des Bescheides ab. 4 Zur Begründung des beschwerdeabweisenden Teils seines Erkenntnisses führte das Bundesverwaltungsgericht nach Wiedergabe des Wortlautes des § 13b GehG Folgendes aus: 5 Die Revisionswerberin wende gegen den Eintritt der Verjährung ein, dass ihre Bezugsansprüche für den Zeitraum vom 1. Jänner 2004 bis 1. Juli 2006 nicht verjährt seien, da für diesen Zeitraum von einer Hemmung der Verjährung auszugehen sei. Darüber hinaus sei es unmöglich, dass ein Anspruch schon verjähre, bevor er in einem gesetzlich wirksamen Sinne überhaupt entstanden sei. Nach dem Beschwerdevorbringen der Revisionswerberin komme der Entscheidung Hütter des Gerichtshofes der Europäischen Union (EuGH) im Verein mit der Gesetzesnovellierung eine konstitutive, „rechtschaffende Bedeutung“ zu, sodass es gemäß dem Wesen der Verjährung nicht in Frage komme, dass diese als schon vorher eingetreten angenommen werde. 6 Dieser Argumentation hielt das Bundesverwaltungsgericht entgegen, dass keine Rede davon sein könne, dass durch die Entscheidung des EuGH in der Rechtssache Hütter (C-88/08) eine neue Rechtslage geschaffen worden sei. Vielmehr sei festgestellt worden, dass die Art. 1, 2 und 6 der Richtlinie 2000/78/EG des Rates vom 27. November 2000 zur Festlegung eines allgemeinen Rahmens für die Verwirklichung der Gleichbehandlung in Beschäftigung und Beruf dahin auszulegen seien, dass sie einer nationalen Regelung entgegenstünden, die, um die allgemeine Bildung nicht gegenüber der beruflichen Bildung zu benachteiligen und die Eingliederung jugendlicher Lehrlinge in den Arbeitsmarkt zu fördern, bei der Festlegung der Dienstaltersstufe von Vertragsbediensteten des öffentlichen Dienstes eines Mitgliedstaats die Berücksichtigung von vor Vollendung des 18. Lebensjahrs liegenden Dienstzeiten ausschließe. 7 Bei unmittelbar auf Gesetz beruhenden Ansprüchen (hier: Anspruch auf Gehalt) beginne die Verjährungsfrist des § 13b Abs. 1 GehG mit dem Tag der Entstehung des Anspruches. Die anspruchsbegründende Leistung sei als im Sinne des § 13b Abs. 1 GehG erbracht anzusehen, sobald durch sie der Tatbestand für das Entstehen des Gehaltsanspruches verwirklicht werde. Für die in Ansehung des Zeitraums vom 1. Jänner 2004 bis 1. Juli 2006 gebührenden Monatsbezüge liege die „anspruchsbegründende Leistung“ im Sinne des § 13b Abs. 1 GehG somit schon im aufrechten Bestand des Aktivdienstverhältnisses der Revisionswerberin in diesem Zeitraum. Damit sei der Anspruch auf Monatsbezug für den Zeitraum vom 1. Jänner 2004 bis 1. Juli 2006 entstanden, und zwar unabhängig davon, ob sich in der Folge die für die Bemessung des Gehalts maßgeblichen Verhältnisse geändert hätten oder nicht. 8 Die Verjährungsbestimmung des § 13b Abs. 1 GehG sei auch dann anzuwenden, wenn ein Antrag nach § 113 Abs. 10 GehG in der Fassung BGBl. I Nr. 82/2010 auf Neufestsetzung der besoldungsrechtlichen Stellung und Nachzahlung der sich daraus ergebenden Bezüge gestellt werde: Wenn § 113 Abs. 13 GehG in der Fassung BGBl. I Nr. 82/2010 ausdrücklich anordne, dass für besoldungs- und pensionsrechtliche Ansprüche, die sich aus einer Neufestsetzung des Vorrückungsstichtages ergeben, der Zeitraum vom 18. Juni 2009 bis zum Tag der Kundmachung des Bundesgesetzes BGBl. I Nr. 82/2010 (30. August 2010) nicht auf die dreijährige Verjährungsfrist gemäß § 13b GehG anzurechnen sei, komme darin unmissverständlich zum Ausdruck, dass die Verjährungsbestimmung des § 13b GehG auch für diese Ansprüche gelten soll. § 113 Abs. 13 GehG in der Fassung BGBl. I Nr. 82/2010 sehe nur insofern eine Abweichung von der allgemeinen Verjährungsregelung vor, als die Zeit zwischen dem Bekanntwerden des Urteils des EuGH in der Rechtssache C-88/08 (Hütter) und dem Tag der Kundmachung des Bundesgesetzes BGBl. I Nr. 82/2010 (30. August 2010) in die Verjährungszeit nicht einzurechnen sei und diese daher hemme (Hinweis auf VwGH 30.6.2010, 2010/12/0082). 9 Im vorliegenden Fall habe die Revisionsweberin mit Schreiben vom 30. April 2010, verbessert mit Formularantrag vom 14. Dezember 2010, die Neufestsetzung der besoldungsrechtlichen Stellung und die sich daraus ergebende Nachzahlung von Bezügen beantragt. Es sei daher davon auszugehen, dass mit diesem Schreiben eine Geltendmachung der Ansprüche im Sinne des § 13b Abs. 4 GehG erfolgt sei. Gemäß § 113 Abs. 13 GehG in der Fassung BGBl. I Nr. 82/2010 sei der Zeitraum vom 18. Juni 2009 bis 30. August 2010 nicht in die Verjährungsfrist des § 13b Abs. 1 leg. cit. einzurechnen. Die belangte Behörde sei daher zu Recht davon ausgegangen, dass alle Bezugsansprüche der Beschwerdeführerin vor dem 1. Juli 2006 verjährt seien. 10 Die Revision erklärte das Bundesverwaltungsgericht gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG für unzulässig. 11 Gegen dieses Erkenntnis richtet sich die vorliegende außerordentliche Revision. Zur Begründung der Revisionszulässigkeit führt die Revisionswerberin ins Treffen, sie stimme zwar dem Standpunkt zu, dass ihr Antrag vom 30. April 2010 die Verjährung unterbrochen habe, jedoch habe die Verjährung erst mit Kundmachung der Dienstrechtsnovelle (BGBl. I Nr. 82/2010) begonnen. Erst durch diese sei eine „eigene österreichisch-gesetzliche“ Rechtsgrundlage für die Anrechnung der zusätzlichen (vor Vollendung des 18. Lebensjahres gelegenen) Vordienstzeiten geschaffen worden, mit der Maßgabe, dass durch sie dem § 175 GehG ein Absatz 66 des Inhalts angefügt worden sei, dass die neue Vordienstzeitenregelung rückwirkend mit 1. Jänner 2004 in Kraft getreten sei. Es sei klar, dass eine solche Rückwirkung nicht gleichzeitig auch einen rückwirkenden Verjährungsbeginn herbeiführen könne, sondern der Lauf der Verjährungszeit erst mit Kundmachung der Novelle einsetze. Damit sei dem Formularantrag der Revisionswerberin Unterbrechungswirkung bis zum Erkenntnis des Bundesverwaltungsgerichts vom 28. Juni 2016 zugekommen. Auch ausgehend davon, dass dadurch eine neuerliche Verjährungsfrist von drei Jahren in Gang gesetzt worden sei, sei die Verjährung im Hinblick auf den Antrag vom 27. Februar 2017 bis dato nicht eingetreten. Die Revision sei gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG zulässig, weil es zu dieser Frage keine Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes gebe. 12 Nach Art. 133 Abs. 4 B-VG ist gegen ein Erkenntnis des Verwaltungsgerichtes die Revision zulässig, wenn sie von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, insbesondere weil das Erkenntnis von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abweicht, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes nicht einheitlich beantwortet wird. 13 Nach § 34 Abs. 1 VwGG sind Revisionen, die sich wegen Nichtvorliegen der Voraussetzungen des Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zur Behandlung eignen, ohne weiteres Verfahren in nichtöffentlicher Sitzung mit Beschluss zurückzuweisen. Ein solcher Beschluss ist gemäß § 34 Abs. 3 VwGG in jeder Lage des Verfahrens zu fassen. 14 Nach § 34 Abs. 1a VwGG ist der Verwaltungsgerichtshof bei der Beurteilung der Zulässigkeit der Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG an den Ausspruch des Verwaltungsgerichtes gemäß § 25a Abs. 1 VwGG nicht gebunden. Die Zulässigkeit einer außerordentlichen Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG hat der Verwaltungsgerichtshof im Rahmen der dafür in der Revision vorgebrachten Gründe (§ 28 Abs. 3 VwGG) zu überprüfen. 15 Die Voraussetzungen für die Zulässigkeit der Revision nach Art. 133 Abs. 4 B-VG müssen im Zeitpunkt der Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofes vorliegen (vgl. etwa VwGH 12.9.2016, Ro 2015/12/0021). 16 Das angefochtene Erkenntnis beruht auf der Rechtsauffassung, dass die Geltendmachung der Ansprüche im Fall der Revisionswerberin mit Antrag vom 30. April 2010 erfolgt sei, gemäß § 113 Abs. 13 GehG in der Fassung BGBl. I Nr. 82/2010 der Zeitraum vom 18. Juni 2009 bis 30. August 2010 nicht in die Verjährungsfrist des § 13b Abs. 1 GehG einzurechnen sei und die beim Verwaltungsgericht belangte Behörde daher zu Recht davon ausgegangen sei, dass gemäß § 13b GehG die Ansprüche der Revisionswerberin vor dem 1. Juli 2006 verjährt seien. 17 Dem darauf bezogenen Zulässigkeitsvorbringen der Revision ist zu erwidern, dass der Verwaltungsgerichtshof im Erkenntnis vom 6. Oktober 2020, Ra 2020/12/0039, festgehalten hat, dass keine Rechtsgrundlage für die Ansicht bestehe, wonach im Hinblick auf die durch das Bundesgesetz BGBl. I Nr. 82/2010 rückwirkend mit 1. Jänner 2004 getroffenen Bestimmungen die (im genannten Revisionsfall maßgebliche) Verjährungsfrist ausgehend vom 1. Jänner 2004 zu berechnen wäre. Der Verwaltungsgerichtshof hat dies näher damit begründet, dass der innerstaatliche Gesetzgeber der Novelle BGBl. I Nr. 82/2010 rückwirkend (zum 1. Jänner 2004) Ansprüche eingeräumt habe, auf diese jedoch grundsätzlich § 13b GehG angewendet wissen wollte, wie sich schon aus dem „Verjährungsverzicht“ des § 113 Abs. 13 GehG in der Fassung der zuletzt zitierten Novelle ergebe, welcher auf Basis der gegenteiligen Rechtsauffassung des Revisionswerbers (im angeführten Revisionsverfahren) überflüssig gewesen wäre. 18 Da die Revision im Hinblick darauf nicht aufzeigt, dass zu der in ihr formulierten Rechtsfrage keine Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes besteht oder das Bundesverwaltungsgericht von dieser abgewichen wäre, wird in ihr keine Rechtsfrage aufgeworfen, der im Sinne des Art. 133 Abs. 4 B-VG grundsätzliche Bedeutung zukäme. Die Revision war daher gemäß § 34 Abs. 1 und 3 VwGG zurückzuweisen. Wien, am 13. Oktober 2020
JWT_2019120036_20201022L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019120036.L00
Ra 2019/12/0036
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019120036_20201022L00/JWT_2019120036_20201022L00.html
1,603,324,800,000
871
Spruch Die Revision wird zurückgewiesen. Begründung 1 Der Revisionswerber stand bis zu seiner Versetzung in den Ruhestand am 30. Juni 2012 in einem öffentlich-rechtlichen Aktivdienstverhältnis zur Stadt Wien. 2 Mit Antrag vom 6. November 2012 beantragte der Revisionswerber die Feststellung der Gebührlichkeit und die Auszahlung einer Urlaubsersatzleistung für den zum Zeitpunkt seiner Ruhestandsversetzung noch bestehenden Urlaubsanspruch. Diesen Antrag wies der Magistrat der Stadt Wien mit Bescheid vom 4. März 2013 und (nach Behebung durch Bescheid des Dienstrechtssenats der Stadt Wien vom 5. Dezember 2013) in einem neuerlichen Rechtsgang mit Bescheid vom 1. Juli 2014 ab und stellte fest, dass dem Revisionswerber keine Urlaubsersatzleistung zustehe. Im Verfahren über die Beschwerde gegen den letztgenannten Bescheid ersuchte das Verwaltungsgericht Wien den Gerichtshof der Europäischen Union (EuGH) um Vorabentscheidung (unter anderem) zu Fragen der Auslegung des Art. 7 der Richtlinie 2003/88/EG und hob diesen Bescheid nach Ergehen der Entscheidung des EuGH (Urteil vom 20. Juli 2016, Rs. C-341/15, Maschek) mit Beschluss vom 16. Jänner 2017 auf und verwies die Angelegenheit an den Magistrat der Stadt Wien zur neuerlichen Entscheidung zurück. 3 Der Magistrat der Stadt Wien holte in weiterer Folge zur Frage, ob der Revisionswerber - wie von ihm behauptet - durch Krankheit am Konsum des Erholungsurlaubs vor der Ruhestandversetzung gehindert war, medizinische Sachverständigengutachten ein und wies den Antrag, gestützt auf die mit den Schlussfolgerungen dieser Gutachten begründete Feststellung, dass der Revisionswerber in der Zeit zwischen 1. Juli 2011 und 30. Juni 2012 dienstfähig gewesen sei, mit Bescheid vom 4. Juni 2018 mit der Begründung ab, dass der Revisionswerber im genannten Zeitraum seinen Erholungsurlaub konsumieren hätte können. 4 Gegen diesen Bescheid erhob der Revisionswerber Beschwerde an das Verwaltungsgericht Wien, das die Beschwerde nach Durchführung einer mündlichen Verhandlung, in der unter anderem eine Erörterung der Gutachten durch die Sachverständigen und die Einvernahme einer sachverständigen Zeugin stattfanden, als unbegründet abwies. Die Revision erklärte das Verwaltungsgericht gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG für unzulässig. 5 Gegen dieses Erkenntnis richtet sich die vorliegende außerordentliche Revision. 6 Nach Art. 133 Abs. 4 B-VG ist gegen ein Erkenntnis des Verwaltungsgerichtes die Revision zulässig, wenn sie von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, insbesondere weil das Erkenntnis von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abweicht, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes nicht einheitlich beantwortet wird. 7 Nach § 34 Abs. 1 VwGG sind Revisionen, die sich wegen Nichtvorliegen der Voraussetzungen des Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zur Behandlung eignen, ohne weiteres Verfahren in nichtöffentlicher Sitzung mit Beschluss zurückzuweisen. 8 Nach § 34 Abs. 1a VwGG ist der Verwaltungsgerichtshof bei der Beurteilung der Zulässigkeit der Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG an den Ausspruch des Verwaltungsgerichtes gemäß § 25a Abs. 1 VwGG nicht gebunden. Die Zulässigkeit einer außerordentlichen Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG hat der Verwaltungsgerichtshof im Rahmen der dafür in der Revision gesondert vorgebrachten Gründe (§ 28 Abs. 3 VwGG) zu überprüfen. Der Verwaltungsgerichtshof ist weder verpflichtet, Zulässigkeitsgründe anhand der übrigen Revisionsausführungen gleichsam zu suchen, noch berechtigt, von Amts wegen erkannte Gründe, die zur Zulässigkeit der Revision hätten führen können, aufzugreifen (vgl. etwa VwGH 5.7.2017, Ra 2015/12/0050, mwN). 9 In ihrer gesonderten Zulässigkeitsbegründung führt die Revision aus, das Verwaltungsgericht sei bei der Beantwortung der Frage, ob im relevanten Zeitraum eine Dienstunfähigkeit des Revisionswerbers bestanden habe, von der ständigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abgewichen, weil es die Beantwortung dieser Frage dem Sachverständigen überlassen habe, obwohl dies eine Rechtsfrage darstelle und dazu insbesondere auch die konkreten Arbeitsplatzanforderungen des Revisionswerbers zu erheben und „in Verhältnis zu setzen“ gewesen wären (Hinweis auf VwGH 21.2.2001, 2000/12/0216). 10 Das Verwaltungsgericht hat die Feststellung getroffen, dass der Revisionswerber „jedenfalls im Zeitraum zwischen dem 1.10.2011 und dem 30.6.2012 dienstfähig gewesen“ sei und daher „jedenfalls in diesem Zeitraum in der Lage“ gewesen sei, den bis zum 30. Juni 2012 erworbenen und bis dahin nicht verbrauchten Urlaubsanspruch zu konsumieren. Dies schloss das Verwaltungsgericht mit näherer Begründung daraus, dass den herangezogenen Gutachten zu entnehmen sei, dass der Revisionswerber „jedenfalls ab dem 1.10.2011 nicht mehr dienstunfähig bzw. relevant erkrankt“ gewesen sei. 11 Die Zulässigkeitsbegründung der Revision begründet das Vorliegen einer Rechtsfrage grundsätzlicher Bedeutung ausschließlich mit der behaupteten Abweichung von einem Erkenntnis des Verwaltungsgerichtshofes, das zu den Bestimmungen der DO 1994 betreffend den Verlust des Anspruchs auf Diensteinkommen infolge eigenmächtigen und unentschuldigten Fernbleibens vom Dienst ergangen ist (§§ 31 und 32 DO 1994). Diese Rechtsprechung ist hier aber nicht einschlägig, hing die Gebührlichkeit der Urlaubsersatzleistung für den hier gegenständlichen Zeitraum, in dem auf die Dienstleistung des Revisionswerbers verzichtet wurde, gemäß Rn. 37 des zitierten Urteils des EuGH doch davon ab, ob ihn die Krankheit vom Urlaubsverbrauch gehindert hat. Wenn - wie hier - Verfahrensmängel als Zulassungsgründe ins Treffen geführt werden, muss auch schon in der abgesonderten Zulässigkeitsbegründung die Relevanz dieser Mängel, weshalb also bei Vermeidung des Verfahrensfehlers in der Sache ein anderes für den Revisionswerber günstigeres Ergebnis hätte erzielt werden können, durch ein konkretes tatsächliches Vorbringen dargetan werden. Dies setzt voraus, dass - auch in der gesonderten Begründung für die Zulässigkeit der Revision zumindest auf das Wesentliche zusammengefasst - jene Tatsachen dargestellt werden, die sich bei Vermeidung des Verfahrensfehlers als erwiesen ergeben hätten (vgl. VwGH 19.2.2020, Ra 2019/12/0039; 19.2.2020, Ra 2019/12/0050). Ein solches Vorbringen ist der Zulässigkeitsbegründung jedoch nicht zu entnehmen, zumal diese zwar geltend macht, dass das Verwaltungsgericht „insbesondere auch die konkreten Arbeitsplatzanforderungen des Revisionswerbers zu erheben“ gehabt hätte, dazu aber ein Vorbringen der bei Vermeidung des Verfahrensmangels festzustellenden Tatsachen nicht einmal auf das Wesentliche zusammengefasst erstattet. Welche Feststellungen das Verwaltungsgericht abweichend von den im Erkenntnis getätigten Annahmen zu treffen gehabt hätte, ist der Zulässigkeitsbegründung daher nicht zu entnehmen. 12 In der Revision werden keine Rechtsfragen aufgeworfen, denen im Sinne des Art. 133 Abs. 4 B-VG grundsätzliche Bedeutung zukäme. Die Revision war daher zurückzuweisen. Wien, am 22. Oktober 2020
JWT_2019120037_20200219L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019120037.L00
Ra 2019/12/0037
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019120037_20200219L00/JWT_2019120037_20200219L00.html
1,582,070,400,000
1,762
Spruch Der angefochtene Beschluss wird wegen Rechtswidrigkeit seines Inhaltes aufgehoben. Die Stadt Wien hat dem Revisionswerber Aufwendungen in der Höhe von € 1.346,40 binnen zwei Wochen bei sonstiger Exekution zu ersetzen. Begründung 1 Der Revisionswerber stand bis zu der hier gegenständlichen Kündigung in einem provisorischen öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis zur Stadt Wien. 2 Mit Bescheid des Magistrats der Stadt Wien vom 26. Juni 2017 wurde sein Dienstverhältnis gemäß § 72 Abs. 1 Dienstordnung 1994 (DO 1994), LGBl. Nr. 56, mit Ablauf von drei Monaten ab Zustellung dieses Bescheides gekündigt. 3 Die Behörde ordnete die Zustellung dieses Bescheides durch öffentliche Bekanntmachung gemäß § 25 Abs. 1 Zustellgesetz (ZustG), BGBl. Nr. 200/1982, an. Der Anschlag an der Amtstafel erfolgte am 3. Juli 2017. 4 Mit Schriftsatz vom 16. Oktober 2017 erhob der Revisionswerber Beschwerde gegen den Bescheid vom 26. Juni 2017, der ihm am 2. Oktober 2017 (durch Übermittlung zu Handen seines Rechtsvertreters) zugestellt worden sei. Der Revisionswerber trat der Auffassung der Behörde, wonach die Voraussetzungen für eine Zustellung gemäß § 25 ZustG vorgelegen seien, entgegen. Er verfüge - wie von ihm aus Anlass einer mit seinem Vorgesetzten am 1. Juni 2017 aufgenommenen Niederschrift angegeben - über eine Abgabestelle an einer näher genannten Anschrift in 1210 Wien. Es handle sich dabei um eine Eigentumswohnung, die er seit Ankauf derselben durchgehend bewohne. Er sei telefonisch ersucht worden, am 1. Juni 2017 zwecks Aufnahme einer Niederschrift an seiner Dienststelle zu erscheinen. Seine aktuellen Kontaktdaten seien der Behörde daher bekannt gewesen. 5 Mit dem angefochtenen Beschluss wies das Verwaltungsgericht Wien die Beschwerde gemäß § 7 Abs. 4 in Verbindung mit § 31 VwGVG als verspätet zurück. Die Revision nach Art. 133 Abs. 4 B-VG erklärte das Gericht für nicht zulässig. 6 Das Verwaltungsgericht stellte fest, der Revisionswerber sei im Zeitraum von 28. August 2013 bis 3. Juli 2015 an der in Rede stehenden Adresse in 1210 Wien gemeldet gewesen. Für darauffolgende Zeiträume schienen im Zentralen Melderegister jedoch keine Meldungen mehr auf. Der Revisionswerber habe sich im gesamten Kalenderjahr 2017 im Krankenstand befunden. Bereits in einem Mitarbeitergespräch am 13. November 2014 sei er auf die „Problematik der Meldung“ im Zusammenhang mit dem „Nichtmelden des aktuellen Hauptwohnsitzes mittels Meldezettels“ angesprochen worden. 7 Sodann gab das Gericht den Inhalt eines Schreibens der Dienststelle des Revisionswerbers an die Magistratsabteilung 2 wieder. Demnach seien dem Revisionswerber zugestellte Gehaltszettel mit dem postalischen Vermerk „verzogen“ retourniert worden. Zudem seien, so das Verwaltungsgericht Wien weiter, behördliche Schreiben der Dienststelle am 8. November 2016 mit dem Vermerk „unbekannt“ und am 30. Dezember 2016 mit dem Vermerk „nicht behoben“ retourniert worden. Eine Gehaltsinformation für April 2017 sei dem Revisionswerber an die in Rede stehende Adresse zugestellt worden. Dieses Schreiben sei am 27. März 2017 mit dem Vermerk „Abgabestelle unbenutzt“ retourniert worden. 8 Am 1. Juni 2017 habe ein Gespräch des Revisionswerbers mit seinem Vorgesetzten stattgefunden, in dem er auf die Frage nach seiner aktuellen Adresse angegeben habe, nach wie vor an der in Rede stehenden Anschrift zu wohnen. Trotz einer diesbezüglichen Ankündigung am 1. Juni 2017 habe der Revisionswerber keine amtliche Meldung seines Wohnsitzes und auch keine Meldung gegenüber seiner Dienstbehörde vorgenommen. 9 In rechtlicher Hinsicht führte das Verwaltungsgericht Wien aus, der Revisionswerber habe zwar am 1. Juni 2017 gegenüber seiner Dienststelle eine Adresse in 1210 Wien angegeben. Zu dieser Adresse sei aber keine Meldung im Zentralen Melderegister vorgelegen. Demgegenüber habe es „retour gekommene“ Briefsendungen gegeben, die an die in Rede stehende Adresse gerichtet gewesen, jedoch ungeöffnet „zurückgekommen“ seien. Gegenüber der Magistratsabteilung 2 habe der Revisionswerber angekündigt, er werde seine Adresse melden. Dies sei jedoch nicht geschehen. 10 Weiters sei in einem Aktenvermerk vom 22. Juni 2017 festgehalten worden, dass der Revisionswerber am 1. Juni 2017, als er vier Schreiben (u.a. betreffend das ihm im Kündigungsverfahren schriftlich eingeräumte Parteiengehör) abgeholt habe, angekündigt habe, eine Meldung seiner Wohnadresse vorzunehmen, und dass bis zum 22. Juni 2017 keine aktuelle Meldung im Zentralen Melderegister aufgeschienen sei. 11 Das Vorbringen des Revisionswerbers, er wisse nicht, weshalb keine Meldung im Zentralen Melderegister aufscheine, ändere nichts an der Tatsache, dass es keine aufrechte Meldung gegeben habe. Die Eigentumsverhältnisse spielten für eine Meldung im Zentralen Melderegister keine Rolle. Dem Revisionswerber habe es schon seit dem Jahr 2014, insbesondere aber seit 1. Juni 2017 bekannt sein müssen, dass es keine aufrechte Meldung gegeben habe bzw. dass es zu Zustellproblemen an der von ihm genannten Adresse gekommen sei. Im Übrigen sei der Dienstnehmer verpflichtet, seine aktuelle Meldeadresse der Behörde gegenüber bekannt zu geben. Werde dieser Verpflichtung nicht entsprochen, so sei es nicht, wie der Revisionswerber meine, Aufgabe der Behörde, eine Sendung per Boten zustellen zu lassen. 12 Die Zustellung gemäß § 25 ZustG sei daher rechtmäßig erfolgt. Ausgehend davon erweise sich die Beschwerde als verspätet. 13 Gegen diesen Beschluss richtet sich die vorliegende außerordentliche Revision, in der inhaltliche Rechtswidrigkeit sowie Rechtswidrigkeit infolge Verletzung von Verfahrensvorschriften verbunden mit dem Antrag geltend gemacht werden, den angefochtenen Beschluss aus diesen Gründen aufzuheben. 14 Die vor dem Verwaltungsgericht belangte Behörde erstattete eine Revisionsbeantwortung, in der sie die Zurückweisung, hilfsweise die Abweisung der Revision sowie Kostenersatz beantragte. 15 Zur Begründung ihrer Zulässigkeit führt die Revision aus, das Verwaltungsgericht Wien sei in Verkennung der Rechtslage von der Rechtswirksamkeit der nach § 25 ZustG vorgenommenen Zustellung ausgegangen. Der Verwaltungsgerichtshof hat erwogen: 16 Die Revision erweist sich als zulässig und berechtigt. 17 § 25 Zustellgesetz (ZustG), BGBl. Nr. 200/1982 in der Fassung BGBl. I Nr. 33/2013, lautet: „Zustellung durch öffentliche Bekanntmachung § 25. (1) Zustellungen an Personen, deren Abgabestelle unbekannt ist, oder an eine Mehrheit von Personen, die der Behörde nicht bekannt sind, können, wenn es sich nicht um ein Strafverfahren handelt, kein Zustellungsbevollmächtigter bestellt ist und nicht gemäß § 8 vorzugehen ist, durch Kundmachung an der Amtstafel, daß ein zuzustellendes Dokument bei der Behörde liegt, vorgenommen werden. Findet sich der Empfänger zur Empfangnahme des Dokuments (§ 24) nicht ein, so gilt, wenn gesetzlich nicht anderes bestimmt ist, die Zustellung als bewirkt, wenn seit der Kundmachung an der Amtstafel der Behörde zwei Wochen verstrichen sind. (2) Die Behörde kann die öffentliche Bekanntmachung in anderer geeigneter Weise ergänzen.“ 18 Vorauszuschicken ist, dass dem angefochtenen Beschluss schon nicht nachvollziehbar zu entnehmen ist, weshalb das Verwaltungsgericht davon ausging, es habe sich zum Zeitpunkt der von der Behörde gemäß § 25 ZustG verfügten Zustellung bei der in Rede stehenden Adresse in 1210 Wien trotz der expliziten Angaben des Revisionswerbers vom 1. Juni 2017 nicht um eine Abgabestelle im Sinn von § 2 Z 4 ZustG gehandelt. 19 Unter einer Wohnung im Sinn des § 2 Z 4 ZustG ist jede Räumlichkeit zu verstehen, die der Empfänger tatsächlich benützt, wo er also tatsächlich wohnt. Der dazu erforderliche regelmäßige Aufenthalt des Empfängers in seiner Wohnung ist dabei nach objektiven Gesichtspunkten ex post und ohne Rücksicht darauf zu beurteilen, wie sich die Verhältnisse dem Zustellorgan seinerzeit subjektiv geboten haben sowie ohne Rücksicht auf die Absichten des Empfängers. Die Eigenschaft eines Ortes als Abgabestelle geht (erst) verloren, wenn die Nahebeziehung des Empfängers zu ihm auf Dauer oder doch für einen so langen Zeitraum erlischt, dass nach den Gepflogenheiten des Lebens das Warten auf eine Rückkehr in angemessener Zeit nicht zumutbar ist (VwGH 13.11.2018, Ra 2018/21/0064). 20 Eine - im angefochtenen Beschluss mehrfach angesprochene - Meldung nach dem Meldegesetz 1991 (MeldeG), BGBl. Nr. 9/1992, ist jedenfalls für das Vorliegen einer Abgabestelle nicht ausschlaggebend (VwGH 15.9.1997, 97/10/0071). 21 Der angefochtene Beschluss lässt offen, wo der Revisionswerber tatsächlich seinen Aufenthalt genommen und ob er allenfalls über eine andere Abgabestelle verfügt habe. Dass sich der Revisionswerber nicht oder nicht mehr an der von ihm angegebenen Adresse in 1210 Wien regelmäßig aufgehalten habe, wurde vom Gericht auch nicht festgestellt. Angesichts des Umstandes, dass im April 2017 ein Schreiben an der in Rede stehenden Adresse nicht habe zugestellt werden können, lassen sich in der vorliegenden Konstellation mit Blick auf die ausdrücklichen Angaben des Revisionswerbers vom 1. Juni 2017 keine eindeutigen Rückschlüsse auf das Fehlen einer Abgabestelle ziehen. Dies gilt ebenso für die vom Verwaltungsgericht ins Treffen geführten Zustellvorgänge im Jahr 2016, wobei anzumerken ist, dass die Rücksendung eines Schriftstückes mit dem Vermerk „nicht behoben“ nicht die Annahme stützt, dass die in Rede stehende Adresse nicht als Abgabestelle im Sinn von § 4 ZustG zu beurteilen sei (vgl. § 17 ZustG). 22 Zustellvorgänge, die bezogen auf die am 26. Juni 2017 verfügte Zustellung ausreichend zeitnahe erkennen ließen, dass sich der Revisionswerber nicht regelmäßig an der von ihm am 1. Juni 2017 angeführten Anschrift aufgehalten habe, finden sich in der Begründung der verwaltungsgerichtlichen Entscheidung nicht. 23 Ferner hat der Verwaltungsgerichtshof in seiner Rechtsprechung klargestellt, dass eine Zustellung durch öffentliche Bekanntmachung voraussetzt, dass die Behörde alle ihr zu Gebote stehenden Mittel für die Ermittlung der Abgabestelle und die ihr nach den Umständen zumutbaren amtswegigen Ermittlungen zu deren Erforschung ausgeschöpft hat. Für die Erfüllung ihrer Verpflichtung, die Abgabestelle einer Person festzustellen, kommen für die Behörde einerseits eine Anfrage an die Meldebehörden, andererseits aber auch Auskünfte von Personen, von denen angenommen werden kann, dass sie die Abgabestelle des Empfängers kennen (etwa Angehörige, Nachbarn, etc.), in Betracht (zur Zustellung durch öffentliche Bekanntmachung als „ultima ratio“ siehe auch VwGH 28.10.2003, 2003/11/0056, mwN). 24 Folgte man daher der Prämisse, wonach die in Rede stehende Adresse nicht als Abgabestelle zu qualifizieren gewesen sei, so hat die Dienstbehörde jedenfalls die ihr fallbezogen zur Verfügung stehenden Mittel nicht ausgeschöpft, um eine Abgabestelle des Revisionswerbers zu ermitteln: 25 Der Dienstbehörde war die Telefonnummer des Revisionswerbers bekannt bzw. lag ihr eine Mitteilung des medizinischen Amtssachverständigen vor, aus der sich ergab, dass über die zuletzt genannte Stelle die Telefonnummer des Revisionswerbers ohne Schwierigkeiten in Erfahrung gebracht und auf diesem Weg gegebenenfalls versucht werden könne, eine Abgabestelle zu ermitteln (vgl. zu Ermittlungsschritten unter Zuhilfenahme einer der Behörde bekannten Telefonnummer VwGH 22.1.2014, 2013/22/0313). Darüber hinaus geht aus einem E-Mail vom 31. Mai 2017 hervor, dass die Dienstbehörde offensichtlich in Erwägung zog, der Revisionswerber halte sich an der der Behörde ebenfalls bekannten und in dem E-Mail angeführten Wohnadresse seiner Lebensgefährtin in 1210 Wien auf. Weitere Ermittlungsschritte in diese Richtung wurden nicht gesetzt. Die Wirksamkeit von Zustellungen an die im E-Mail vom 31. Mai 2017 angeführte Adresse wurde einem Aktenvermerk zufolge für ungewiss erachtet. Die vor diesem Hintergrund verfügte Zustellung des Kündigungsbescheides nach § 25 ZustG entsprach nicht dem Gesetz. 26 Überdies bestünde für den Fall, dass es sich (wofür die persönlichen Angaben des Revisionswerbers am 1. Juni 2017 Anhaltspunkte böten) bei der vom Revisionswerber angeführten Anschrift während des anhängigen Kündigungsverfahrens um eine Abgabestelle gehandelt haben sollte, und festzustellen wäre, dass diese Abgabestelle in weiterer Folge während des Verfahrens ohne entsprechende Mitteilung im Sinne des § 8 ZustG geändert bzw. aufgegeben wurde, kein Raum für eine Zustellung durch öffentliche Bekanntmachung nach § 25 ZustG (vgl. zu § 8 ZustG sowie zur Subsidiarität der Zustellung durch öffentliche Bekanntmachung VwGH 30.5.2007, 2006/19/0322). Vielmehr wäre der Bescheid in einer solchen Konstellation, falls auch eine (neue) Abgabestelle nicht ohne Schwierigkeiten festgestellt werden kann (vgl. erneut VwGH 22.1.2014, 2013/22/0313), durch Hinterlegung ohne vorausgehenden Zustellversuch nach § 8 Abs. 2 in Verbindung mit § 23 ZustG zuzustellen (VwGH 14.5.2003, 2002/08/0206; 24.11.2000, 2000/19/0115). 27 Unter dem Blickwinkel der §§ 8 und 23 ZustG kann im Revisionsfall mangels näherer Feststellungen im angefochtenen Beschluss eine abschließende rechtliche Beurteilung der von der Behörde vorgenommenen Zustellung nicht erfolgen. Es bleibt allerdings festzuhalten, dass sich die von der Behörde verfügte Zustellung aus den oben dargelegten Erwägungen nicht auf § 25 ZustG zu stützen vermochte. 28 Da das Verwaltungsgericht die Voraussetzungen nach § 25 ZustG verkannte und unzutreffender Weise von einer rechtswirksamen Zustellung des Bescheides vom 26. Juni 2017 ausging, belastete es den angefochtenen Beschluss, mit dem es die Beschwerde des Revisionswerbers als verspätet zurückwies, mit inhaltlicher Rechtswidrigkeit. Dieser war daher gemäß § 42 Abs. 2 Z 1 VwGG aufzuheben. 29 Die Kostenentscheidung stützt sich auf die §§ 47 ff VwGG in Verbindung mit der VwGH-Aufwandersatzverordnung 2014. Wien, am 19. Februar 2020
JWT_2019120038_20200219L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019120038.L00
Ra 2019/12/0038
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019120038_20200219L00/JWT_2019120038_20200219L00.html
1,582,070,400,000
4,891
Spruch Das angefochtene Erkenntnis wird, soweit damit die Beschwerde des Revisionswerbers gegen die unter Spruchpunkt II. des Bescheides vom 4. September 2018 erfolgte Abweisung seines Antrags vom 12. Juni 2018 betreffend Feststellung der Gebührlichkeit von Mehrleistungsvergütungen abgewiesen wurde, wegen Rechtswidrigkeit seines Inhaltes aufgehoben. II.) den Beschluss gefasst: Im Übrigen (soweit mit dem angefochtenen Erkenntnis die Beschwerde gegen die unter Spruchpunkt I. des Bescheides vom 4. September 2018 erfolgte Feststellung der Nebengebührenwerte sowie gegen die unter Spruchpunkt II. des Bescheides vom 4. September 2018 erfolgte Abweisung des Antrages vom 12. Juni 2018 betreffend Liquidierung von Mehrleistungsvergütungen und Korrektur beziehungsweise Gutschrift von Nebengebührenwerten abgewiesen wurde) wird die Revision zurückgewiesen. Die Landeshauptstadt Innsbruck hat dem Revisionswerber Aufwendungen in der Höhe von EUR 1.346,40 binnen zwei Wochen bei sonstiger Exekution zu ersetzen. Begründung 1 Der am 1. Jänner 1986 in ein provisorisches öffentlichrechtliches Dienstverhältnis aufgenommene Revisionswerber steht seit 1. Mai 2016 in einem öffentlich-rechtlichen Ruhestandsverhältnis zur Landeshauptstadt Innsbruck. 2 Mit Eingabe vom 28. Jänner 2016 beantragte er die Erlassung eines Feststellungsbescheides 1. betreffend die Höhe seiner monatlichen und jährlichen Nebengebührenwerte, 2. betreffend die Umrechnung seiner monatlichen Nebengebühren, insbesondere in jenen Monaten, in denen eine Einmalzahlung, ein Weihnachtsgeld (Lebenshaltungskostenausgleichszulage) ausbezahlt worden sei, sowie 3. betreffend den Charakter der "Westzulage (Allgemeine Zulage)" und betreffend deren Berücksichtigung bei der Umrechnung in Nebengebührenwerte. 3 Mit Bescheid vom 5. April 2016 setzte die Bürgermeisterin der Landeshauptstadt Innsbruck die Summe der Nebengebührenwerte des Revisionswerbers für das Jahr 2015 mit Null fest (Spruchpunkt I.), wies die Anträge betreffend Umrechnung der monatlichen Nebengebühren sowie den Charakter der "Westzulage/Allgemeine Zulage" als unbegründet ab (Spruchpunkt II.) und stellte aus Anlass des Ansuchens vom 28. Jänner 2016 fest, dass dem Revisionswerber ab 1. Mai 2016 zum Ruhegenuss eine Nebengebührenzulage in der Höhe von EUR 470,42 gebühre (Spruchpunkt III.). 4 Gegen diesen Bescheid erhob der Revisionswerber Beschwerde. 5 Mit Beschwerdevorentscheidung vom 21. Juni 2016 wies die Bürgermeisterin der Landeshauptstadt Innsbruck die Beschwerde als unbegründet ab. 6 Mit Beschluss vom 19. Juni 2017 hob das Landesverwaltungsgericht Tirol über Vorlageantrag die Beschwerdevorentscheidung vom 21. Juni 2016 auf und verwies die Angelegenheit gemäß § 28 Abs. 3 zweiter Satz VwGVG an die Bürgermeisterin der Landeshauptstadt Innsbruck zurück. 7 Dazu führte das Gericht begründend u.a. aus, dass (neben der Höhe) auch die die Frage der Umrechnung in Nebengebührenwerte einem Feststellungsverfahren zugänglich sei. Da die behördlichen Ermittlungen zu allen Spruchpunkten grob mangelhaft geblieben seien, sei von der Möglichkeit der Zurückverweisung Gebrauch zu machen gewesen. 8 Mit Bescheid vom 15. Dezember 2017 setzte die Bürgermeisterin der Landeshauptstadt Innsbruck das Verfahren über den Antrag des Revisionswerbers auf Feststellung der Höhe der monatlichen Nebengebührenwerte (Punkt 1. des Antrages vom 28. Jänner 2016) bis zur rechtskräftigen Entscheidung über den Charakter der "Westzulage/Allgemeine Zulage" (Punkt 3. des Antrages vom 28. Jänner 2016) aus. 9 Mit Bescheid vom 15. Dezember 2017 wies die Bürgermeisterin der Landeshauptstadt Innsbruck zu Punkt 2. der Eingabe vom 28. Jänner 2016 den Antrag auf Feststellung, ob Einmalzahlungen und Weihnachtsgeld eine Teuerungszulage darstellten, als unbegründet ab und stellte fest, dass die "Allgemeine Zulage" dem Charakter nach eine besondere Zulage nach § 55b Abs. 1 lit. a Innsbrucker Gemeindebeamtengesetz 1970 (IGBG), LGBl. Nr. 44, darstelle, die als ruhegenussfähige besondere Zulage zum Gehalt gewährt werde und bei der Umrechnung in Nebengebührenwerte nicht zu berücksichtigen sei. 10 Gegen diesen Bescheid erhob der Revisionswerber Beschwerde. 11 Mit Schreiben vom 12. Juni 2018 beantragte der Revisionswerber ferner, der Bürgermeister der Landeshauptstadt Innsbruck möge bescheidmäßig über die ihm gebührende Entschädigung für die von ihm im Zeitraum von 1. April 1993 bis 30. April 2013 erbrachten Mehrleistungen im Sinne von § 26 Innsbrucker Gemeindebeamtengesetz 1970 (IGBG), LGBl. Nr. 44, in Verbindung mit § 5 der Verordnung des Gemeinderates der Landeshauptstadt Innsbruck vom 18. Mai 1972 über die Nebengebühren der Beamten der Landeshauptstadt (NGV Innsbruck) absprechen sowie die Flüssigmachung beziehungsweise Liquidierung der ausstehenden Differenzbeträge veranlassen. Weiters begehrte er, die über Jahre durch das Verhalten der Dienstbehörde bei der Überstundenberechnung zu seinem Nachteil verkürzten Nebengebührenwerte zu korrigieren beziehungsweise die Nebengebührenwerte gutzuschreiben, die in der Folge die Voraussetzung und Grundlage für die richtige Ermittlung der Nebengebührenzulage darstellten. 12 Mit Erkenntnis vom 14. Juni 2018 wies das Landesverwaltungsgericht Tirol die Beschwerde gegen den oben zweitgenannten Bescheid vom 15. Dezember 2017 als unbegründet ab. 13 Die gegen dieses Erkenntnis erhobene Revision wies der Verwaltungsgerichtshof mit Beschluss vom 2. Juli 2019, Ra 2018/12/0044, zurück. Zwecks Vermeidung von Wiederholungen wird zur näheren Vorgeschichte auf den zuletzt genannten Beschluss verwiesen. 14 Mit Bescheid vom 4. September 2018 stellte der Bürgermeister der Landeshauptstadt Innsbruck unter Spruchpunkt I. betreffend Punkt 1. des Antrags vom 28. Jänner 2016 fest, dass nach § 51 Abs. 2 IGBG in Verbindung mit § 76 Tiroler Landesbeamtengesetz 1998 (LBG), LGBl. Nr. 65, die Summe der Nebengebührenwerte des Revisionswerbers bis zum 1. Jänner 2004 5.615,58 und für den Zeitraum von 1. Jänner 2004 bis 30. April 2016 4.173,19 (somit insgesamt 9.788,77) betragen würden. Unter Spruchpunkt II. wurde der Antrag vom 12. Juni 2018 abgewiesen. 15 Gegen diesen Bescheid erhob der Revisionswerber Beschwerde. 16 Diese wies das Landesverwaltungsgericht Tirol mit dem angefochtenen Erkenntnis als unbegründet ab. Die Revision nach Art. 133 Abs. 4 B-VG erklärte das Gericht für nicht zulässig. 17 Das Verwaltungsgericht stellte u.a. fest, dem Revisionswerber habe für seine Tätigkeit als Bereichsleiter der "Bereichsleitung Generaldirektion" beziehungsweise "Bereichsleitung Vorstandsdirektion" im Zeitraum von 1. Jänner 1989 bis einschließlich 31. Dezember 1996 eine zur Hälfte ruhegenussfähige Dienstzulage (Leiterzulage) in der Höhe von 17 % des Schemagehaltes zuzüglich der "Allgemeinen Zulage" gebührt. Die dem Revisionswerber gebührende Leiterzulage habe am 1. Jänner 1989 insgesamt ATS 4.240,-- betragen, wovon die Hälfte ruhegenussfähig gewesen sei. Die Leiterzulage habe sich jährlich erhöht und habe am 1. Jänner 1996 ATS 6.635,20 betragen. Von 1. Jänner 1997 bis 31. Dezember 2013 habe er jedes Jahr die ("eingefrorene") Leiterzulage in der Höhe von ATS 6.635,20 (beziehungsweise ab dem Jahr 2001 in der Höhe von EUR 482,20) erhalten. Für das Jahr 2014 habe er die zur Gänze ruhegenussfähige Leiterzulage in der Höhe von EUR 702,51 bezogen, die im Zeitpunkt seines Ausscheidens aus dem Dienststand mit Ablauf des 30. April 2016 EUR 738,87 betragen habe. 18 Dem Revisionswerber sei auf der Grundlage des § 5 NGV Innsbruck für seine regelmäßig erbrachten Mehrleistungen mit Wirksamkeit vom 1. Jänner 1989 eine dem Gegenwert von 15 Überstunden entsprechende pauschalierte Mehrleistungsvergütung ("Überstundenpauschale") in Höhe von damals ATS 3.243,80 brutto monatlich zuerkannt worden. Ab dem 1. Jänner 1993 sei ihm eine "Überstundenpauschale" in der Höhe von damals ATS 4.794,-- brutto monatlich zuerkannt worden. Diese dem Gegenwert von 15 Überstunden entsprechende Mehrleistungsvergütung habe er bis einschließlich April 2013 erhalten. Zuletzt habe diese EUR 960,75 betragen. Mit Ablauf des 30. April 2013 sei die Gewährung der "Überstundenpauschale" eingestellt worden. Im April 2016 sei dem Revisionswerber für geleistete Überstunden ein Betrag in der Höhe von EUR 174,57 zuerkannt worden. 19 Betreffend Nebengebührenwerte hielt das Landesverwaltungsgericht fest, der Revisionswerber sei im Jahr 1982 bei der Bundespolizei Innsbruck tätig gewesen. Die für dieses Jahr errechneten Nebengebührenwerte in der Höhe von ATS 959,63 habe er am 24. Mai 1983 anerkannt. Im Zeitraum von 1. Jänner 1983 bis 31. Dezember 1988 habe er - in nicht regelmäßigen Abständen - anspruchsbegründende Nebengebühren bezogen. Es habe sich dabei um Vergütungen für geleistete Überstunden gehandelt. Von 1. Jänner 1989 bis April 2013 sei ihm als anspruchsbegründende Nebengebühr eine Mehrleistungsvergütung im Gegenwert von 15 Überstunden ("Überstundenpauschale") zuerkannt und auch ausbezahlt worden. Eine Mehrleistungsvergütung für geleistete Überstunden habe der Revisionswerber zudem im April 2016 erhalten. 20 Im Rahmen seiner rechtlichen Beurteilung erläuterte das Landesverwaltungsgericht Tirol, aus welchen Gründen die Berechnung der Nebengebührenwerte durch die Behörde zutreffend erfolgt sei. Zu dem Vorbringen des Revisionswerbers, wonach die ihm zuerkannte Mehrleistungsvergütung ("Überstundenpauschale") nicht korrekt berechnet worden sei, weil die Bereichsleiterzulage zur Gänze zu berücksichtigen gewesen sei, hielt das Landesverwaltungsgericht Folgendes fest: 21 Für den Zeitraum von 1. Jänner 1989 bis 31. Dezember 1992 sei dem Revisionswerber eine pauschalierte Mehrleistungsvergütung in der Höhe von anfangs ATS 3.243,80 brutto monatlich zuerkannt worden. Es habe sich dabei um eine nach § 5 Abs. 3 NGV Innsbruck in der damals maßgeblichen Fassung zulässige Pauschalierung gehandelt. Dass der Festlegung dieser Pauschalvergütung eine unzutreffende Berechnung zugrunde gelegen sei, sei nicht zu erkennen. Es sei insbesondere nicht nachvollziehbar, weshalb die Bereichsleiterzulage bei der Bemessung der pauschalierten Mehrleistungsvergütung zu berücksichtigen gewesen sei. Gemäß § 5 Abs. 3 NGV Innsbruck sei eine Berücksichtigung dieser Zulage nicht vorgesehen gewesen. Die Grundlage für die Berechnung dieser Vergütung sei das Monatsgehalt gewesen. Die Bereichsleiterzulage sei auch nicht als Zulage im Sinn von § 3 Abs. 2 Gehaltsgesetz 1956 (GehG), BGBl. Nr. 54, zu qualifizieren. 22 Aufgrund des Gemeinderatsbeschlusses vom 14. Dezember 1992 sei eine ab 1. Jänner 1993 wirksame Änderung der Bestimmung des § 5 Abs. 3 NGV Innsbruck erfolgt. Demzufolge bestehe nach dem letzten Satz dieser Bestimmung die Bemessungsgrundlage der Mehrleistungsvergütung aus dem Monatsgehalt, den besonderen ruhegenussfähigen Zulagen nach § 55b Abs. 1 lit. a IGBG zuzüglich einer in § 3 Abs. 2 GehG angeführten allfälligen Zulage. Die Möglichkeit der Festsetzung einer Pauschalvergütung ("Überstundenpauschale") sei ersatzlos entfallen. 23 Eine auf § 55b Abs. 1 lit. a IGBG gestützte Regelung der Leiterzulagen sei erstmalig mit der Verordnung des Gemeinderates der Landeshauptstadt Innsbruck vom 23. März 1995 (Leiterzulagenverordnung 1995) erfolgt. Bis zum Inkrafttreten dieser Verordnung seien die Leiterzulagen lediglich vom Stadtsenat beschlossen worden. Einen dementsprechenden Hinweis enthalte der am 14. Jänner 1993 angefertigte, dem Landesverwaltungsgericht Tirol anlässlich der mündlichen Verhandlung am 28. März 2019 vorgelegte Aktenvermerk. 24 Gemäß Art. II der Leiterzulagenverordnung 1995 habe Bediensteten, denen am 31. Dezember 1994 ein Anspruch auf Leiterzulage zugekommen sei, unter näher genannten Voraussetzungen diese Leiterzulage mit dem am 31. Dezember 1994 gebührenden Schillingbetrag weiterhin gebührt. Eine Übergangsbestimmung ähnlichen Inhaltes habe für die der IKB zur Dienstleistung zugewiesenen Bediensteten erst ab 1. Jänner 1997 gegolten. Auf der Grundlage dieser Übergangsbestimmung habe der Revisionswerber ab dem 1. Jänner 1997 weiterhin die ("eingefrorene") Leiterzulage in der Höhe von EUR 6.635,20 beziehungsweise ab dem Jahr 2001 in der Höhe von EUR 482,20 erhalten. 25 Diese Situation habe sich auch nicht durch die am 1. März 2003 in Kraft getretene Verordnung des Gemeinderates der Landeshauptstadt Innsbruck vom 27. Februar 2003 über die Leiterzulagen für leitende Beamte der Landeshauptstadt sowie durch deren Novellierung mit Beschluss des Gemeinderates vom 18. Juli 2004 geändert. Entsprechend der Übergangsbestimmung des Art. II Abs. 2 der zuletzt genannten Verordnung vom 27. Februar 2003 sowie vom 18. Juli 2004 in Verbindung mit Art. II Abs. 1 der Leiterzulagenverordnung 1995 in der Fassung vom 1. Jänner 1997 habe der Revisionswerber weiterhin, und zwar bis zum 31. Dezember 2013, eine - allerdings nur zur Hälfte ruhegenussfähige - Leiterzulage in der Höhe von EUR 482,20 bezogen. 26 Gemäß Art. II Abs. 5 der Leiterzulagenverordnung 1995 in der Fassung des Gemeinderatsbeschlusses vom 27. Februar 1997 seien für die der IKB zugewiesenen Bediensteten lediglich die Übergangsbestimmungen der Abs. 1 bis 4 des Art. II anzuwenden gewesen. Dass die Leiterzulagenverordnung 1995 in ihrem gesamten Umfang auch für die der "IKB AG" zugewiesenen leitenden Bediensteten anwendbar sei, habe erst § 3 der am 1. März 2003 in Kraft getretenen Verordnung des Gemeinderates der Landeshauptstadt Innsbruck vom 27. Februar 2003 über die Leiterzulagen für leitende Bedienstete der Landeshauptstadt vorgesehen. 27 Ausgehend von dem am 1. März 2003 in Kraft getretenen § 3 der zuletzt genannten Verordnung und der Bestimmung des § 5 Abs. 3 NGV Innsbruck sei die Bemessungsgrundlage für die Berechnung der Überstundenpauschale des Revisionswerbers (Mehrleistungsvergütung im Gegenwert von 15 Überstunden) sein Monatsgehalt einschließlich der Leiterzulage gewesen, soweit diese ruhegenussfähig gewesen sei. Entgegen dem Vorbringen des Revisionswerbers sei bei der Berechnung der "Überstundenpauschale" vom 1. Jänner 1989 bis einschließlich Dezember 1992 sowie für die Berechnung der Mehrleistungsvergütung ab dem 1. Jänner 1993 die Bereichsleiterzulage zunächst überhaupt nicht und ab dem 1. Jänner 1989 bis einschließlich Dezember 1992 sowie für die Berechnung der Mehrleistungsvergütung ab dem 1. März 2003 nur zur Hälfte zu berücksichtigen gewesen. 28 Eine unzutreffende Berechnung der Leiterzulage liege somit nicht vor. Der Revisionswerber habe selbst eingeräumt, dass ab 1. März 2003 bei der Berechnung der Mehrleistungsvergütung die Hälfte der ihm gebührenden Leiterzulage berücksichtigt worden sei. 29 Darüber hinaus sei auf den auf städtische Beamte anzuwendenden § 13b Abs. 1 GehG zu verweisen. Selbst wenn die vom Revisionswerber behauptete Forderung zu Recht bestünde, sei eine solche Forderung nach dem eindeutigen Wortlaut des § 13b Abs. 1 GehG verjährt. Da gemäß § 76 Abs. 4 LBG die anspruchsbegründenden Nebengebühren anlässlich der Auszahlung der Bezüge laufend in Nebengebührenwerten festzuhalten seien, verbiete sich im Fall der Verjährung derartiger Ansprüche eine nachträgliche, von den tatsächlich bezahlten Nebengebühren losgelöste Berechnung von Nebengebührenwerten. 30 Die Behörde habe ausgehend von den dem Revisionswerber tatsächlich ausbezahlten anspruchsbegründenden Nebengebühren die Nebengebührenwerte korrekt ermittelt. Bei der "Allgemeinen Zulage/Westzulage", dem Weihnachtsgeld und diversen Einmalzahlungen handle es sich jedenfalls nicht um anspruchsbegründende Nebengebühren. Die Behörde habe diese Zahlungen zu Recht nicht in die Berechnung der Nebengebührenwerte miteinbezogen. 31 Zusammenfassend führte das Verwaltungsgericht aus, es treffe nicht zu, dass die Mehrleistungsvergütung falsch berechnet worden sei. Selbst wenn jedoch das diesbezügliche Vorbringen des Revisionswerbers zuträfe und ein höherer Betrag auszuzahlen gewesen wäre, sei dieser Anspruch bereits verjährt. Verjährte Ansprüche kämen als Grundlage für die Berechnung von Nebengebührenwerten nicht in Betracht. 32 Die Behörde habe somit die Nebengebührenwerte korrekt berechnet und deren Gesamtsumme entsprechend unter Spruchpunkt I. des Bescheides vom 4. September 2018 festgestellt. 33 Entgegen dem Vorbringen des Revisionswerbers sei der ihm im Zeitraum von 1. Jänner 1989 bis einschließlich April 2013 zuerkannten Mehrleistungsvergütung keine falsche Berechnung zugrunde gelegen. Seinen Antrag vom 12. Juni 2018 auf nachträgliche Auszahlung der Differenz zwischen der tatsächlich ausbezahlten, aber falsch berechneten Überstundenpauschale und der ihm zustehenden Mehrleistungsvergütung sowie auf eine dementsprechende Korrektur der Nebengebührenwerte habe die Behörde zu Recht unter Spruchpunkt II. des Bescheides vom 4. September 2018 als unbegründet abgewiesen. 34 Gegen dieses Erkenntnis richtet sich die vorliegende außerordentliche Revision, in der inhaltliche Rechtswidrigkeit sowie Rechtswidrigkeit infolge Verletzung von Verfahrensvorschriften verbunden mit dem Antrag geltend gemacht werden, das angefochtene Erkenntnis aus diesen Gründen aufzuheben beziehungsweise abzuändern. 35 Die vor dem Verwaltungsgericht belangte Behörde erstattete eine Revisionsbeantwortung, in der die Zurückweisung, hilfsweise die Abweisung der Revision beantragt wurde. 36 Zur Begründung ihrer Zulässigkeit führt die Revision u. a. aus, das Landesverwaltungsgericht Tirol habe dem Antrag des Revisionswerbers auf bescheidmäßige Absprache über die Gebührlichkeit von Mehrleistungsvergütungen zu Unrecht die Verjährungsbestimmungen des GehG entgegengehalten. Selbst im Fall der Verjährung bestehe eine Naturalobligation, deren Höhe aufgrund des Antrages vom 12. Juni 2018 festzustellen gewesen sei. Der Verwaltungsgerichtshof hat erwogen: Zur Abweisung des Antrags des Revisionswerbers vom 12. Juni 2018 betreffend Feststellung der Gebührlichkeit von Mehrleistungsvergütungen: 37 Im Hinblick auf die oben wiedergegebenen Ausführungen der Zulässigkeitsbegründung erweist sich die Revision insoweit, als mit dem angefochtenen Erkenntnis die Abweisung des Antrags vom 12. Juni 2018 betreffend die Feststellung der Gebührlichkeit von Mehrleistungsvergütungen bestätigt wurde, als zulässig und berechtigt. 38 Die maßgeblichen Bestimmungen des Innsbrucker Gemeindebeamtengesetzes 1970 (IGBG), LGBl. Nr. 44 (§ 26 IGBG in der Stammfassung; § 51 IGBG in der Fassung LGBl. Nr. 84/2016; § 55 in der Fassung LGBl. Nr. 116/2013), lauten auszugsweise: "§ 26 Nebengebühren 1. (1)Nebengebühren sind: ... c) Mehrleistungsvergütungen, ... 1. (2)Die Regelung über die Voraussetzungen der Zuerkennung und über die Höhe der Nebengebühren hat der Gemeinderat durch Verordnung festzulegen. Hiebei ist auf die Grundsätze der Vorschriften für Landesbeamte Bedacht zu nehmen. ... VII. ABSCHNITT PENSIONSRECHTLICHE BESTIMMUNGEN § 51 Pensionsansprüche 1. (1)Pensionsansprüche sind alle Leistungen, auf die der Beamte und seine Hinterbliebenen und Angehörigen nach den Bestimmungen dieses Abschnittes Anspruch haben. 2. (2)Auf die Pensionsansprüche der Beamten und ihrer Hinterbliebenen und Angehörigen ist, soweit in diesem Gesetz nichts anderes bestimmt wird, der 3. Abschnitt des Landesbeamtengesetzes 1998 nach Maßgabe der Abs. 3 bis 9 sinngemäß anzuwenden. ... § 55 Allgemeine Bestimmungen Auf das Besoldungsrecht der Beamten der Landeshauptstadt Innsbruck finden folgende Vorschriften sinngemäß Anwendung, soweit in diesem Gesetz nichts anderes bestimmt ist: a) § 2 lit. c mit Ausnahme der Z. 1 sublit. bb und cc des Landesbeamtengesetzes 1998 mit folgenden Abweichungen: ..." 39 Gemäß § 2 lit. c Tiroler Landesbeamtengesetz 1998 (LBG), LGBl. Nr. 65, finden, "soweit in diesem Gesetz nichts anderes bestimmt ist", auf das Dienstverhältnis der Landesbeamten das Gehaltsgesetz 1956, BGBl. Nr. 54, in der Fassung des Gesetzes BGBl. Nr. 677/1978 mit Ausnahme der §§ 22 und 83 sowie mit näher genannten Abweichungen sinngemäß Anwendung. 40 Gemäß § 76 Abs. 3 LBG (vgl. zu dessen Anwendbarkeit § 51 IGBG in der Fassung LGBl. Nr. 84/2016 in Verbindung mit § 103 Abs. 1 IGBG) sind anspruchsbegründende Nebengebühren, die der Beamte bezieht, in Nebengebührenwerte umzurechnen, die auf höchstens zwei Dezimalstellen zu lauten haben. Ein Nebengebührenwert beträgt 1 v. H. des im Zeitpunkt des Entstehens des Anspruches auf Nebengebühr geltenden Gehaltes eines Beamten der allgemeinen Verwaltung der Gehaltsstufe 2 der Dienstklasse V zuzüglich einer allfälligen Teuerungszulage. 41 § 13b Gehaltsgesetz 1956 (GehG), BGBl. Nr. 54, lautet auszugsweise (Stammfassung): "Verjährung § 13b. (1) Der Anspruch auf Leistungen verjährt, wenn er nicht innerhalb von drei Jahren geltend gemacht wird, nachdem die anspruchsbegründende Leistung erbracht worden oder der anspruchsbegründende Aufwand entstanden ist." 42 § 5 Abs. 3 der (auf Grundlage der §§ 26 Abs. 2 und 26a IGBG mit Gemeinderatsbeschluss vom 18. Mai 1972 erlassenen) Verordnung über die Nebengebühren der Beamten der Landeshauptstadt Innsbruck trifft für die in einem öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis stehenden Bediensteten der Landeshauptstadt nähere Regelungen hinsichtlich der Berechnung von Mehrleistungsvergütungen sowie zur Ermittlung der dafür maßgeblichen Bemessungsgrundlage. 43 Der Verwaltungsgerichtshof geht unter Berücksichtigung der Begründung des Bescheides vom 4. September 2018 sowie der Ausführungen des angefochtenen Erkenntnisses davon aus, dass sowohl die Behörde als auch das Verwaltungsgericht über den Antrag des Revisionswerbers vom 12. Juni 2018 zur Gänze absprachen und nicht einzelne Antragspunkte der Eingabe vom 12. Juni 2018, und zwar auch insbesondere nicht der Antrag betreffend die Feststellung der Gebührlichkeit von Mehrleistungsvergütungen, unerledigt blieben. Es ist dem Bescheid vom 4. September 2018 (vgl. auch den dort einleitend im Spruch wiedergegebenen Antrag des Revisionswerbers betreffend Feststellung der ihm für den Zeitraum von 1. April 1993 bis 30. April 2013 gebührenden Mehrleistungsvergütungen) sowie dem angefochtenen Erkenntnis mit hinreichender Deutlichkeit zu entnehmen, dass über den Antrag betreffend die Feststellung der Gebührlichkeit von Mehrleistungsvergütungen entschieden wurde. 44 Dieser Antrag wurde deshalb als unbegründet abgewiesen, weil nach der von der Behörde und dem Gericht vorgenommenen Berechnung die dem Revisionswerber gebührenden Mehrleistungsvergütungen der Höhe nach den ihm mit dieser Widmung tatsächlich ausbezahlten Nebengebühren entsprachen, sodass dem Revisionswerber nach Ansicht der Behörde und des Gerichts keine weiteren beziehungsweise keine "höheren" Mehrleistungsvergütungen gebührten. Ferner wurden allfällige der Höhe nach über die tatsächlich ausbezahlten Nebengebühren hinausgehende Ansprüche als verjährt erachtet. Dazu ist Folgendes festzuhalten: 45 Einer vorangehenden bescheidmäßigen Entscheidung über einen Bezugsanspruch bedarf es dann, wenn sich (wie hier) die Rechtsfrage seiner Gebührlichkeit stellt, über welche im Streitfall mit Bescheid der zuständigen Dienstbehörde zu entscheiden ist (VwGH 21.12.2016, Ra 2016/12/0005). 46 Im vorliegenden Fall wollte der Revisionswerber mit seinem Antrag vom 12. Juni 2018 nach der eindeutigen Formulierung der Eingabe unzweifelhaft auch einen bescheidmäßigen Abspruch über eine ihm gebührende Vergütung für Mehrleistungen erreichen. Die Abweisung des diesbezüglichen Antrags erweist sich als verfehlt: 47 Wie soeben erwähnt, ist über die Gebührlichkeit eines strittigen Bezugsanspruchs (hier: die Höhe der dem Revisionswerber gebührenden Mehrleistungsvergütungen) durch die Dienstbehörde mit Bescheid zu entscheiden. Daran würde auch der im angefochtenen Erkenntnis ins Treffen geführte Eintritt der Verjährung nichts ändern. 48 Der Eintritt der Verjährung führt nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofs nicht zum Erlöschen eines Anspruchs, sondern bewirkt lediglich, dass sich dieser in eine Naturalobligation umwandelt (VwGH 25.10.2017, Ra 2016/12/0100). Die Gebührlichkeit eines Anspruchs (hier auf Vergütung von Mehrleistungen) darf daher nicht unter Hinweis auf den Eintritt der Verjährung verneint werden. Hingegen ist die Dienstbehörde nicht daran gehindert, neben der Feststellung der Gebührlichkeit eines Anspruchs auch festzustellen, dass in Ansehung desselben Verjährung eingetreten ist (vgl. VwGH 17.4.2013, 2012/12/0160). 49 Darüber hinaus bedürfte es aber auch vor der Feststellung der Verjährung eines Anspruchs des Ausspruchs, in welchem Umfang ein solcher Anspruch besteht. Nur in diesem Umfang kann nämlich Verjährung eintreten und der Anspruch als Naturalobligation fortbestehen. Sollte hingegen aus dem nach einem Ermittlungsverfahren festzustellenden Sachverhalt in rechtlicher Beurteilung abzuleiten sein, dass kein Anspruch besteht, hätte eine Feststellung der Verjährung zu unterbleiben. Ein nicht bestehender Anspruch kann nämlich nicht verjähren; andererseits führt der Eintritt von Verjährung - wie ausgeführt - nicht dazu, dass die Feststellung eines Anspruchs unterbleiben könnte (VwGH 25.10.2017, Ra 2016/12/0100). 50 Im vorliegenden Fall war die dem Revisionswerber gebührende Mehrleistungsvergütung der Höhe nach strittig. Sein Antrag betreffend die Feststellung der Gebührlichkeit dieser Vergütung durfte weder unter Hinweis auf die ohnehin bereits bei Auszahlung korrekt erfolgte Berechnung der Nebengebühr noch unter Berufung auf gehaltsrechtliche Verjährungsbestimmungen abgewiesen werden. Vielmehr war über diesen Antrag inhaltlich in dem Sinn abzusprechen, dass die dem Revisionswerber im maßgeblichen Zeitraum gebührende Mehrleistungsvergütung der Höhe nach im Spruch der Entscheidung (zeitraumbezogen) festzustellen war (siehe auch VwGH 13.9.2017, Ra 2017/12/0006). Sollte in Ansehung dieses Anspruchs (teilweise) Verjährung eingetreten sein, wäre auch zur Feststellung der verjährten Ansprüche die Erlassung eines entsprechenden Bescheides in Betracht gekommen. 51 Da das Landesverwaltungsgericht Tirol dies verkannte, belastete es, soweit es den Bescheid vom 4. September 2018 auch insofern bestätigte, als damit der Antrag des Revisionswerbers betreffend Feststellung der ihm gebührenden Mehrleistungsvergütungen abgewiesen wurde, das angefochtene Erkenntnis mit inhaltlicher Rechtswidrigkeit. Dieses war daher im genannten Umfang gemäß § 42 Abs. 2 Z 1 VwGG wegen inhaltlicher Rechtswidrigkeit aufzuheben. Zur Feststellung der Nebengebührenwerte sowie zur Abweisung des Antrags vom 12. Juni 2018 betreffend Liquidierung von Mehrleistungsvergütungen sowie "Korrektur" beziehungsweise "Gutschrift" von Nebengebührenwerten: 52 Neben dem oben behandelten Einwand gegen die Abweisung des auf Feststellung der Gebührlichkeit eines Bezugsanspruchs gerichteten Antrags führt die Revision zur Begründung ihrer Zulässigkeit des Weiteren die Verletzung verfahrensrechtlicher Vorschriften ins Treffen: 53 So habe das Gericht Fragen betreffend die Vollmacht und den Auftrag an einen zur Vertretung der Behörde im verwaltungsgerichtlichen Verfahren eingeschrittenen Rechtsanwalt sowie in diesem Zusammenhang zu klärende Aspekte des Verdachts der Verletzung der Amtsverschwiegenheit und der Missachtung von datenschutzrechtlichen Bestimmungen unrichtig beurteilt. 54 Zudem sei die Frage zu beantworten, ob im vorliegenden Fall das angefochtene Erkenntnis einen zweiteilig aufgebauten Spruch habe aufweisen müssen, weil zwei gesonderte Parteianträge vom 28. Jänner 2016 sowie vom 12. Juni 2018 vorlägen. Der Spruch des angefochtenen Erkenntnisses habe sich in seiner Einleitung lediglich auf die Feststellung der Nebengebührenwerte nach dem IGBG bezogen und enthalte keine konkrete Anführung der maßgeblichen Rechtsquellen. 55 Überdies sei ein vom Revisionswerber beantragter Zeuge durch das Landesverwaltungsgericht nicht vernommen worden. 56 In materiell-rechtlicher Hinsicht führt die Zulässigkeitsbegründung ferner aus, das angefochtene Erkenntnis weiche von der Rechtsprechung im Zusammenhang mit Leistungs- und Feststellungsbescheiden ab. Feststellungsbescheide seien jedenfalls dann unzulässig, wenn die strittige Frage in einem gehalts- beziehungsweise besoldungsrechtlichen Verfahren über die Gebührlichkeit entschieden werden könne. Dies gelte auch dann, wenn nur mehr Naturalobligationen "übrig" blieben. 57 Eine Abweichung von der Judikatur des Verwaltungsgerichtshofes liege zudem insofern vor, als die Ausführungen des hg. Erkenntnisses vom 20. Dezember 2006, 2006/12/0016, nicht berücksichtigt worden seien. Unter Zugrundelegung der Wesenskerntheorie gebühre eine Überstundenabgeltung bei tatsächlicher Erbringung der anspruchsbegründenden Leistung im gesetzlich vorgesehenen vollen Ausmaß. 58 Zudem stelle sich die Frage, ob ein Richterwechsel ohne Zustimmung des Geschäftsverteilungsausschusses zulässig sei. Im vorliegenden Fall sei nach einem aufhebenden und zurückverweisenden Beschluss im Sinn von § 28 Abs. 3 zweiter Satz VwGVG im fortgesetzten Verfahren die Sache einem anderen Richter übertragen worden. 59 Betreffend die Feststellung der Nebengebührenwerte beruft sich die Zulässigkeitsbegründung darauf, dass zunächst die Höhe der gebührenden monatlichen Überstundenvergütung festzustellen sei, was auch den auf die Naturalobligation entfallenden Anteil miteinschließe. Es stelle sich im Hinblick auf die Zeiten, während derer der Revisionswerber als Vertragsbediensteter tätig gewesen sei, die Frage, ob die in diesem Zeitraum angesammelten Nebengebührenwerte bescheidmäßig festzustellen seien und inwiefern solcherart nicht festgestellte Nebengebührenwerte in einem anderen Verfahren wie beispielsweise bei der Festlegung der Nebengebührenzulage zu berücksichtigen seien. Es fehle eine bescheidmäßige Feststellung der Nebengebührenwerte sowohl für die Zeiten des privaten Dienstverhältnisses des Revisionswerbers zur Landeshauptstadt Innsbruck als auch für dessen Bundesdienstzeiten. 60 Es sei die Frage zu beantworten, ob Nebengebührenwerte nur auf Grundlage der tatsächlich ausbezahlten Nebengebühren festzustellen seien. Es stelle sich die Frage, wofür die "Westzulage" gewährt worden sei und ob es der Behörde beziehungsweise dem Gericht frei stünde, materiell-rechtliche Ansprüche eines Beamten dadurch zu vereiteln, dass zielgerichtete Ermittlungen zu einer relevanten Frage unterlassen würden. 61 Die Ausführungen des Landesverwaltungsgerichts Tirol zur Nichtzulassung der Revision seien aktenwidrig, weil der Revisionswerber die "Umrechnungsformel" des § 76 Abs. 3 LBG - anders als durch das Gericht festgehalten - sehr wohl in Frage gestellt habe, weil die "Westzulage" bei der Berechnung von Nebengebührenwerten als Teuerungszulage zu berücksichtigen sei. Es stelle sich auch die Frage, welche Auswirkungen die geltend gemachte Verjährung auf die "Geldleistung" beziehungsweise auf die "Nebengebührenwerte" habe. Mit diesen Ausführungen wird die Zulässigkeit der Revision nicht dargetan: 62 Nach Art. 133 Abs. 4 B-VG ist gegen ein Erkenntnis des Verwaltungsgerichts die Revision zulässig, wenn sie von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, insbesondere weil das Erkenntnis von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofs abweicht, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofs nicht einheitlich beantwortet wird. 63 Gemäß § 34 Abs. 1 VwGG sind Revisionen, die sich wegen Nichtvorliegen der Voraussetzungen des Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zur Behandlung eignen, ohne weiteres Verfahren in nichtöffentlicher Sitzung mit Beschluss zurückzuweisen. 64 Gemäß § 34 Abs. 1a VwGG ist die Zulässigkeit einer außerordentlichen Revision nach Art. 133 Abs. 4 B-VG im Rahmen der dafür in der Revision vorgebrachten Gründe (§ 28 Abs. 3 VwGG) zu überprüfen. 65 Soweit die Revision Verfahrensmängel geltend macht, verabsäumt sie es bereits, die erforderliche Relevanz der behaupteten Mängel darzulegen. Schon in der abgesonderten Zulässigkeitsbegründung muss die Relevanz der Verfahrensmängel, weshalb also bei Vermeidung des Verfahrensmangels in der Sache ein anderes, für den Revisionswerber günstigeres Ergebnis hätte erzielt werden können, dargetan werden. Dies setzt voraus, dass - auch in der gesonderten Begründung für die Zulässigkeit der Revision zumindest auf das Wesentliche zusammengefasst - jene Tatsachen dargestellt werden, die sich bei Vermeidung des Verfahrensfehlers als erwiesen ergeben hätten (vgl. etwa VwGH 31.1.2019, Ra 2018/14/0300, mwN). 66 Darüber hinaus ist nicht zu erkennen, unter welchem Gesichtspunkt Fragen betreffend den Verdacht der Verletzung der Amtsverschwiegenheit sowie hinsichtlich der Missachtung datenschutzrechtlicher Vorschriften für die Lösung des vorliegenden Revisionsfalles Bedeutung hätten. 67 Es ist auch nicht ersichtlich, zu welchem für die vorliegende Rechtssache relevanten Beweisthema der in der Zulässigkeitsbegründung erwähnte Zeuge beantragt worden wäre (vgl. zum Erfordernis der Angabe eines konkreten Beweisthemas z. B. VwGH 25.11.2015, Ra 2015/09/0074). 68 Im Übrigen stand es der Behörde frei, sich im verwaltungsgerichtlichen Verfahren gemäß § 8 Abs. 1 RAO anwaltlich vertreten zu lassen. 69 Die von der Zulässigkeitsbegründung vermisste zweiteilige Untergliederung des Spruchs des angefochtenen Erkenntnisses wirft schon deshalb keine Rechtsfragen von grundsätzlicher Bedeutung auf, weil das Landesverwaltungsgericht die (ohnehin im Sinne der Zulässigkeitsbegründung gegliederten) Spruchpunkte I. und II. des Bescheides vom 4. September 2018 durch Abweisung der dagegen erhobenen Beschwerde bestätigte, und somit ein mit dem Inhalt des verwaltungsbehördlichen Bescheides übereinstimmendes Erkenntnis, welches zur Gänze an die Stelle des Bescheides trat, erließ (siehe VwGH 28.2.2019, Ra 2019/12/0010). 70 Das Unterbleiben der Anführung der materiellen Rechtsgrundlagen im Spruch des angefochtenen Erkenntnisses begründet in der vorliegenden Konstellation im Hinblick auf die Begründung der Entscheidung keine Rechtsfrage im Sinn von Art. 133 Abs. 4 B-VG (siehe zum Unterbleiben der Anführung von Gesetzesbestimmungen im Spruch der verwaltungsgerichtlichen Entscheidung z.B. VwGH 29.5.2018, Ra 2018/03/0018). 71 Welche Bestimmung der Geschäftsverteilung des Landesverwaltungsgerichts Tirol bei der Zuteilung der vorliegenden Rechtssache nicht eingehalten worden sei, ist der Zulässigkeitsbegründung nicht zu entnehmen. Dass die betreffende Rechtssache nicht entsprechend den Vorschriften der Geschäftsverteilung des Landesverwaltungsgerichts zugeteilt und erledigt worden wäre, wird somit in der Zulässigkeitsbegründung nicht aufgezeigt (vgl. im Übrigen das im verwaltungsgerichtlichen Verfahrensakt aufliegende "Zuweisungsblatt" vom 5. Dezember 2018, 2018/37/2608, wonach der Geschäftsfall der in der Geschäftsverteilung des Landesverwaltungsgerichts vorgesehenen Gruppe 21 zugeordnet und innerhalb dieser jenem Landesverwaltungsrichter zugewiesen wurde, der über die gegenständliche Beschwerde entschieden hat). 72 Eine Abweichung von der Rechtsprechung im Zusammenhang mit Leistungs- und Feststellungsbescheiden zeigt die Zulässigkeitsbegründung bezogen auf die vorliegende Rechtssache nicht auf. 73 Eine Abweichung von dem hg. Erkenntnis vom 20. Dezember 2006, 2006/12/0016, ist ebenso wenig ersichtlich, weil sich die zuletzt genannte Entscheidung nicht mit der Bemessungsgrundlage für Mehrleistungsvergütungen befasste. Es wurde vielmehr in dieser Entscheidung ausgeführt, dass den diesbezüglichen Regelungen des § 5 Abs. 3 NGV Innsbruck keine Bedeutung für die in dem zur Zahl 2006/12/0016 protokollierten Verfahren zu lösende (hingegen in der vorliegenden Rechtssache nicht maßgebliche) Frage der Bemessungsgrundlage für die Jubiläumsgabe zukommt. 74 Im Übrigen legt die Revision auch mit dem Hinweis auf die "Wesenskerntheorie" nicht nachvollziehbar dar, weshalb die Rechtsansicht des Verwaltungsgerichts betreffend die Berechnung der Mehrleistungsvergütung nicht im Einklang mit den hierfür maßgeblichen Rechtsvorschriften der Landeshauptstadt Innsbruck stünde. 75 Es ist aber insbesondere, da in Anbetracht des nicht der Aufhebung unterliegenden Umfangs des angefochtenen Erkenntnisses die Frage der Gebührlichkeit dieser Vergütung nicht in Rede steht, sondern (in Ansehung des verbleibenden Umfangs des angefochtenen Erkenntnisses) lediglich die Feststellung der Nebengebührenwerte (und die Abweisung des diesbezüglichen Antrags auf "Korrektur" beziehungsweise "Gutschrift") sowie die Abweisung eines Liquidierungsbegehrens zu prüfen sind, Folgendes festzuhalten: 76 Nach der ständigen zum Nebengebührenzulagengesetz, BGBl. Nr. 485/1971, und zu § 59 Abs. 3 erster Satz Pensionsgesetz 1965 (PG 1965), BGBl. Nr. 340, ergangenen und auf § 76 Abs. 3 LBG übertragbaren Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes ist Verfahrensgegenstand in einem Feststellungsverfahren betreffend Nebengebührenwerte nicht die Frage eines allenfalls höheren Anspruches auf eine Nebengebühr (ein solches Verfahren wäre im Rahmen der besoldungsrechtlichen Regelungen zu führen), sondern, ob die tatsächlich vom Beamten bezogenen anspruchsbegründenden Nebengebühren richtig in Nebengebührenwerte umgerechnet worden sind. Würde ein besoldungsrechtlicher Streit nachträglich zur Zuerkennung von weiteren anspruchsbegründenden Nebengebühren führen, so läge zweifellos ein geänderter Sachverhalt vor, der dann auch bei der Festsetzung der Nebengebührenwerte neu zu berücksichtigen wäre (siehe z.B. VwGH 14.10.2009, 2009/12/0005, mwN). 77 Demnach ist es betreffend die Berechnung der Nebengebührenwerte irrelevant, ob dem Revisionswerber höhere Nebengebühren (Mehrleistungsvergütungen) als jene, die ihm tatsächlich ausbezahlt wurden, gebührt hätten. Es bestand mangels eines entsprechenden tatsächlichen Bezugs von (höheren) Mehrleistungsvergütungen auch kein Anspruch auf das Festhalten von (höheren) Nebengebührenwerten. Vielmehr hätte der Revisionswerber zunächst die Liquidierung allenfalls gebührender (höherer) Nebengebühren erwirken müssen (vgl. dazu auch VwGH 30.4.2014, 2010/12/0175; unter Hinweis auf eine der Erzwingung der Liquidierung allenfalls entgegenstehende Anspruchsverjährung VwGH 14.10.2009, 2009/12/0005). 78 Dass die dem Revisionswerber tatsächlich ausbezahlten Nebengebühren nicht vorschriftsgemäß in Nebengebührenwerte umgerechnet worden wären, wird in der Revision nicht substantiiert behauptet. 79 Soweit die Zulässigkeitsbegründung vermeint, bei der "Westzulage" handle es sich um eine bei der Berechnung der Nebengebührenwerte gemäß § 76 Abs. 3 LBG zu berücksichtigende Teuerungszulage, ergibt sich aus bereits vorliegender Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes, dass dies nicht der Fall ist (vgl. erneut VwGH 2.7.2019, Ra 2018/12/0044). 80 Die Frage, ob weitere Feststellungsbescheide betreffend Nebengebührenwerte (hinsichtlich "weiterer" Dienstverhältnisse des Revisionswerbers) zu ergehen hätten, stellt sich nicht, weil dies nicht Gegenstand der hier vorliegenden Revisionssache ist. Dass der Revisionswerber sonstige anspruchsbegründende Nebengebühren bezogen hätte, die gemäß § 76 Abs. 3 LBG im gegenständlichen Verfahren anlässlich der Feststellung der Nebengebührenwerte zu berücksichtigen gewesen wären, zeigt die Revision nicht auf. 81 Betreffend die Abweisung des Liquidierungsbegehrens vom 12. Juni 2018, welches auf Flüssigmachung beziehungsweise Veranlassung der Liquidierung der ausstehenden Differenzbeträge gerichtet war, ist darauf hinzuweisen, dass über ein bloßes Liquidierungsbegehren kein Leistungsbescheid zu erlassen wäre, sondern in der vorliegenden Konstellation - wie schon oben ausgeführt - infolge Unklarheit beziehungsweise Strittigkeit der Gebührlichkeit des in Rede stehenden Bezugsbestandteils (hier: die Höhe der Mehrleistungsvergütung) die Erlassung eines Feststellungsbescheids betreffend die Frage seiner Gebührlichkeit zu erfolgen hatte (siehe dazu auch VwGH 8.3.2018, Ro 2017/12/0008). 82 Eine im Gesetz nicht vorgesehene bescheidförmige Absprache über ein reines Liquidierungsbegehren erwiese sich hingegen als unzulässig (vgl. beispielsweise VwGH 16.11.2015, Ra 2015/12/0029). Hiefür bestünde vielmehr die Zuständigkeit des Verfassungsgerichtshofes nach Art. 137 B-VG. 83 Hinsichtlich des zuletzt genannten Gesichtspunkts formuliert die Zulässigkeitsbegründung jedoch keine Rechtsfragen. Dem Inhalt der Revision ist zu entnehmen, dass der Revisionswerber auch in Ansehung des von ihm formulierten Antrags betreffend "Flüssigmachung beziehungsweise Veranlassung der Liquidierung der ausstehenden Differenzbeträge" eine stattgebende Entscheidung durch die Behörde beziehungsweise das Verwaltungsgericht begehrte. 84 Im Übrigen widerspricht die Revision auch nicht der Auffassung des Verwaltungsgerichts, wonach einer allfälligen Liquidierung von - nach Ansicht des Gerichts ohnedies nicht zustehenden - Mehrleistungsvergütungen Verjährung entgegenstünde. 85 Aufgrund der dargestellten Erwägungen liegen insoweit, als mit dem angefochtenen Erkenntnis die Beschwerde des Revisionswerbers gegen die Feststellung der Nebengebührenwerte (Spruchpunkt I. des Bescheides vom 4. September 2018) sowie gegen die (unter Spruchpunkt II. des Bescheides vom 4. September 2018 erfolgte) Abweisung des Antrags vom 12. Juni 2018 betreffend Liquidierung von Mehrleistungsvergütungen sowie "Korrektur" beziehungsweise "Gutschrift" von Nebengebührenwerten abgewiesen wurde, die Voraussetzungen nach Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht vor. In diesem Umfang war die Revision daher gemäß § 34 Abs. 1 und Abs. 3 VwGG in nichtöffentlicher Sitzung zurückzuweisen. 86 Die Kostenentscheidung gründet sich auf §§ 47 ff VwGG in Verbindung mit der VwGH-Aufwandersatzverordnung 2014. Wien, am 19. Februar 2020
JWT_2019120039_20200219L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019120039.L00
Ra 2019/12/0039
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019120039_20200219L00/JWT_2019120039_20200219L00.html
1,582,070,400,000
3,762
Spruch Die Revision wird zurückgewiesen. Begründung 1 Der Revisionswerber stand bis zum 30. November 2012 in einem öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis zum Bund und befindet sich seit Ablauf des 30. November 2012 im Ruhestand. Seine Dienststelle war der Rechnungshof. 2 Zur Vorgeschichte wird zur Vermeidung von Wiederholungen auf deren Darstellung in den hg. Erkenntnissen vom 10. Oktober 2012, 2010/12/0198, sowie vom 4. September 2014, 2013/12/0177, verwiesen. 3 Zusammengefasst ist festzuhalten, dass der Präsident des Rechnungshofes nach einer Teilaufhebung des Bescheides vom 4. August 2010 durch das oben genannte Erkenntnis des Verwaltungsgerichtshofes vom 10. Oktober 2012 mit Bescheid vom 19. August 2013 Folgendes aussprach: "Aufgrund des Antrages vom 4. Februar 2010 auf Ausbezahlung von insgesamt 20.000,00 EUR als Ersatz für einen Vermögensschaden (Rechtsanwaltskosten) in Höhe von 2.500,00 EUR und als Entschädigung für persönliche Beeinträchtigungen (17.500,00 EUR) aufgrund diskriminierenden Verhaltens wird hinsichtlich der mit Erkenntnis des VwGH vom 10. Oktober 2012, Z1. 2010/12/0198-6, aufgehobenen Teile des Bescheides des Präsidenten des Rechnungshofes (RH) vom 4. August 2010, Zl. 502.115/084-S5-2/10, soweit sie sich auf die unter den Punkten 15. und 16. angeführten Vorfälle beziehen, eine Entschädigung für die erlittene persönliche Beeinträchtigung in Höhe von insgesamt 500,00 EUR sowie ein Ersatz für einen Vermögensschaden (Rechtsanwaltskosten) in Höhe von 250,00 EUR zuerkannt; soweit der Antrag über die zuerkannten Beträge hinausgeht, wird er abgewiesen. 1. (2)In Bezug auf die mit 1., 2. und 6. bezeichneten Vorfälle wird der Antrag mangels Vorliegens einer Diskriminierung abgewiesen. 2. (3)In den bezeichneten Vorfällen wird das mit Schreiben vom 25. April 2013 gestellte Zinsenbegehren für die beantragten Geldbeträge ab 4. August 2010 mangels Anspruchsgrundlage gleichfalls abgewiesen. 3. (4)Betreffend den in Punkt 10. genannten Fall 2 - Antrag auf Sonderurlaub vom 30. April 2008, Erledigung vom 18. Dezember 2008 - werden die Anträge auf Schadenersatz sowie das gestellte Zinsenbegehren vom 25. April 2013, soweit sie sich auf den Diskriminierungsgrund des Alters beziehen wegen entschiedener Sache zurückgewiesen und soweit sie sich auf den Diskriminierungsgrund der Behinderung beziehen, mangels Vorliegens einer Diskriminierung abgewiesen. 1. (5)Auch hinsichtlich der übrigen in Punkt 10. genannten Fälle werden die Anträge auf Schadenersatz und das Zinsenbegehren mangels Vorliegens einer Diskriminierung abgewiesen." 4 Mit Erkenntnis vom 4. September 2014, 2013/12/0177, wurde dieser Bescheid in seinem Spruchpunkt 1., soweit er die Bemessung der Entschädigung für die erlittene persönliche Beeinträchtigung insgesamt betraf, und in seinem Spruchpunkt 2. wegen Rechtswidrigkeit infolge Verletzung von Verfahrensvorschriften aufgehoben. In seinem Spruchpunkt 4. sowie in seinem Spruchpunkt 5., soweit dieser zuletzt genannte Spruchpunkt den Antrag auf Schadenersatz infolge des in Punkt 10. des Antrages des Beschwerdeführers genannten Falles 1 betraf, wurde dieser Bescheid wegen Rechtswidrigkeit seines Inhaltes aufgehoben. Im Übrigen (soweit sie die im Spruchpunkt 1. erfolgte Bemessung eines Ersatzes für Vermögensschaden, den Spruchpunkt 3. und die im Spruchpunkt 5. erfolgte Entscheidung über den Schadenersatz auf Grund des in Punkt 10. des Antrages des Beschwerdeführers genannten Falles 3 sowie jene über das Zinsenbegehren betraf) wurde die Beschwerde als unbegründet abgewiesen. 5 Im fortgesetzten Verfahren sprach der Präsident des Rechnungshofes mit Bescheid vom 28. April 2015 Folgendes aus: "(1) Aufgrund Ihres Antrages vom 4. Februar 2010 auf Ausbezahlung von insgesamt 20.000 EUR als Ersatz für einen Vermögensschaden (Rechtsanwaltskosten) in Höhe von 2.500 EUR und als Entschädigung für persönliche Beeinträchtigungen (17.500 EUR) aufgrund diskriminierenden Verhaltens wird hinsichtlich der unter Punkt 15. und 16. angeführten Vorfälle eine Entschädigung für die erlittene persönliche Beeinträchtigung in Höhe von 500 EUR zuerkannt; soweit der Antrag über den zuerkannten Betrag hinausgeht, wird er abgewiesen. 1. (2)In Bezug auf die mit 1., 2., 6. und 10. (Fall 1) bezeichneten Vorfälle wird der Antrag mangels Vorliegens einer Diskriminierung abgewiesen. 2. (3)Betreffend den in Punkt 10. genannten Fall 2 - Antrag auf Sonderurlaub vom 30. April 2008, Erledigung vom 18. Dezember 2008 - wird der Antrag auf Schadenersatz, a) soweit er sich auf den Diskriminierungsgrund des Alters bezieht, wegen entschiedener Sache zurückgewiesen, b soweit er sich auf den Diskriminierungsgrund der Behinderung bezieht, mangels Vorliegens einer Diskriminierung abgewiesen." 6 Der Revisionswerber erhob Beschwerde. 7 Mit dem angefochtenen Erkenntnis wies das Bundesverwaltungsgericht - nach Durchführung von drei Verhandlungsterminen und der Vernehmung mehrerer Zeugen - die Beschwerde als unbegründet ab. Die Revision nach Art. 133 Abs. 4 B-VG erklärte das Gericht für nicht zulässig. 8 Das Bundesverwaltungsgericht hielt fest, dass im vorliegenden Rechtsgang von den im verfahrenseinleitenden Antrag des Revisionswerbers vom 4. Februar 2010 geltend gemachten Vorfällen noch die folgenden Punkte zu behandeln seien: 1. "1.) Diskriminierung durch den Urlaubswiderruf 2008 2. 2.) Diskriminierung durch den Urlaubswiderruf 2007 3. 6.) Ermahnung hinsichtlich drei Fakten Faktum 1: Ermahnung wegen Nichteinhaltung des Dienstweges im Zusammenhang mit der Teilnahme an einer parlamentarischen Enquete. Faktum 2: Ermahnung wegen Nichteinhaltung des Dienstweges in Zusammenhang mit der Abgabe des Entwurfes zum Tätigkeitsberichts 'Opferschutz'. Faktum 3: Ermahnung wegen Nichteinhaltung des Dienstweges in Zusammenhang mit der Anmeldung zu einem Seminar beim Österreichischen Gewerkschaftsbund 'Super! Wie du das immer rüberbringst - politischer Erfolg durch metaphorische Kommunikation'. 10.) Diskriminierung durch Unterlassung rechtzeitiger Erledigungen Fall 1: Antrag auf Gewährung von Sonderurlaub vom 29.08.2006 für den Besuch des Seminars des VÖGB vom 18. bis 20.09.2006. Fall 2: Antrag auf Sonderurlaub vom 30.04.2008 für ein Seminar vom 03. bis 04.06.2008 bei der VÖGB. 15 und 16.) Bemessung der Höhe des Entschädigungsbetrags wegen erfolgter Diskriminierungen." 9 Das Bundesverwaltungsgericht hielt weiters fest, dass eine organisierte bzw. systematische Diskriminierung von älteren oder behinderten Bediensteten am Rechnungshof nicht habe festgestellt werden können. Das Gericht stellte fest, dass die Wahrnehmung über die vom Revisionswerber erbrachte Leistung am Rechnungshof zum Teil erheblich von der Wahrnehmung seiner Vorgesetzten abweiche. Die vom Revisionswerber bearbeitete Gebarungsprüfung "Opferschutz" habe vor Veröffentlichung von einem Kollegen überarbeitet werden müssen. Bei der Wahl der Behindertenvertrauensperson am 1. Dezember 2004 sei der Revisionswerber nicht zur stellvertretenden Behindertenvertrauensperson gewählt worden. 10 Zu Punkt 1.) "Diskriminierung durch den Urlaubswiderruf 2008" führte das Verwaltungsgericht aus, es erfolgten im Rechnungshof die Urlaubsplanungen für den Erholungsurlaub jährlich bis Ende Februar. Die vom Rechnungshof zu veröffentlichenden Berichte unterlägen einer Jahresplanung, die von der Sektionsleitung vorgenommen werde. Die konkrete Veröffentlichung werde vom Präsidenten des Rechnungshofes bestimmt. Der Revisionswerber habe bis Ende Februar 2008 einen beabsichtigten Erholungsurlaub für die Zeiträume vom 23. Juni 2008 bis 22. Juli 2008 und vom 28. Juli 2008 bis 29. August 2008 bekanntgegeben. Nach seinem Wechsel in eine andere Abteilung sei als Zeitraum für den Erholungsurlaub die Zeit vom 2. Juli 2008 bis 22. Juli 2008 sowie vom 28. Juli 2008 bis 29. August 2008 vereinbart worden. Am 21. April 2008 habe der Revisionswerber eine Dienstbefreiung für einen Kuraufenthalt vom 7. September 2008 bis zum 28. September 2008 beantragt. Der Revisionswerber sei gemeinsam mit dem zuständigen Abteilungsleiter für die Renovierungsarbeiten sowie für die Finalisierung der geplanten "Rückübersiedlung" des Rechnungshofes in das Bundesamtsgebäude in 1030 Wien, Dampfschiffstraße 2, verantwortlich gewesen. Er habe insbesondere die Baudokumentation führen sollen. Der Rechnungshof sei Ende November 2007 in ein Ausweichquartier gezogen. Die "Rückübersiedlung" sei für das Frühjahr 2009 (April/Mai) geplant gewesen. Die Führung der Baudokumentation sei für die Renovierungsarbeiten bedeutsam gewesen. Da der Revisionswerber erst nach Beginn der Renovierungsarbeiten in die betreffende Abteilung gewechselt sei, habe ein erhöhter Bedarf an einem Einlesen in die Vorgeschichte bzw. in den bis dahin erzielten Baufortschritt bestanden. Die Länge des bewilligten Erholungsurlaubes im Sommer 2008 habe nicht den üblichen Gepflogenheiten in der Abteilung entsprochen. Nach Einholung von Buchungsbestätigungen sei der Erholungsurlaub vom 2. Juli 2008 bis 22. Juli 2008 sowie vom 25. August 2008 bis 29. August 2008 widerrufen worden. Gegen den Widerruf habe der Revisionswerber keine dienstrechtlichen Schritte unternommen. Der Widerruf sei durch die Personalknappheit sowie durch die lange urlaubsbedingte Absenz des Revisionswerbers bedingt gewesen, der in der einwöchigen Unterbrechung nur seine Post hätte aufarbeiten können und für eine inhaltliche Arbeit somit vom 2. Juli 2008 bis zum 29. August 2008 (für mehr als acht Wochen) nicht zur Verfügung gestanden wäre. Es sei zudem zu berücksichtigen, dass dem Revisionswerber vom 7. September 2008 bis 28. September 2008 ein Kuraufenthalt zu gewähren gewesen sei. Unter Berücksichtigung des Umstandes, dass der Revisionswerber in der Arbeitswoche vom 1. September 2008 bis 5. September 2008 ebenfalls nur in der Lage gewesen wäre, seine Post aufzuarbeiten, wäre der Revisionswerber somit zwölf Wochen nicht für inhaltliche Arbeiten zur Verfügung gestanden. Der Revisionswerber sei für die Führung der Baudokumentation für die damals laufenden Renovierungsarbeiten zuständig gewesen. Die ordnungsgemäße Führung dieser Baudokumentation, die nicht zuletzt der Einhaltung der veranschlagten Zeit für die "Rückübersiedlung" gedient habe, sei für das Projekt bedeutsam gewesen und habe ein wichtiges dienstliches Interesse dargestellt. Der Urlaubswiderruf sei nicht rechtswidrig erfolgt und es sei der Revisionswerber dadurch weder auf Grund seines Alters noch auf Grund seiner Behinderung diskriminiert worden. Die Gewährung bzw. der Widerruf des Erholungsurlaubes sei nicht davon abhängig gewesen, ob der Revisionswerber einen Antrag auf Versetzung in den Ruhestand gestellt habe oder nicht. 11 Am 25. Juli 2008 um 13:56 Uhr habe die Leiterin der Sektion I dem Revisionswerber ein E-Mail mit folgendem Inhalt geschickt: "Lieber M, MR X hat mir diese Woche Deinen Aktenvermerk über die gegenständliche Besprechung geschickt. Dazu teile ich Dir folgendes mit: Mein Auftrag, dass Du alle Bauakten nachlesen sollst und Dir so Wissen über das Bauprojekt aneignest und die Baudokumentation führen kannst war klar und deutlich. Dein Einwand, ein jüngerer Mitarbeiter solle dies machen, setzte meinen Auftrag nicht außer Kraft. Ich ersuche Dich daher mir am Montag, 28.07.2008 mitzuteilen, ob bzw. inwieweit du meinem Arbeitsauftrag nachgekommen bist. Immerhin ist seither über ein Monat vergangen. Als Termin für eine Besprechung sehe ich am 28.7. 10:00 Uhr in meinem Zimmer vor. Mit freundlichen Grüßen (...)" Der 25. Juli 2008 sei ein Freitag und der 28. Juli 2008 sei ein Montag gewesen. Am 28. Juli 2008 um 10 Uhr habe der in dem E-Mail genannte Termin nicht stattgefunden. Eine Diskriminierung des Revisionswerbers durch dieses E-Mail liege nicht vor. 12 Zu Punkt 6.) "Ermahnung aufgrund von drei Fakten" hielt das Gericht fest, dass der Revisionswerber am 9. Oktober 2007 von seinen Vorgesetzten unter Einbeziehung der Personalvertretung gemäß § 109 Abs. 2 Beamten-Dienstrechtsgesetz 1979 (BDG 1979), BGBl. Nr. 333, ermahnt worden sei, weil er zu drei näher genannten Fakten seine Dienstpflichten verletzt habe. Faktum 1 habe die Missachtung des Dienstweges bei der Genehmigung der Teilnahme an einer parlamentarischen Enquete unter gleichzeitiger Abmeldung von einer Fortbildungsveranstaltung betroffen. Der Revisionswerber habe sich im Mai 2007 zu einer Fortbildungsveranstaltung für das Kanzleiinformationssystem angemeldet. Diese Fortbildung sei mit dem Abteilungsleiter vereinbart worden, um vorhandene Wissenslücken zu schließen. Anfang Juni 2007 habe sich der Revisionswerber direkt an die Sektionsleiterin gewandt und um Genehmigung der Teilnahme an einer parlamentarischen Enquete sowie um Abmeldung von der Fortbildungsveranstaltung ersucht. Faktum 2 habe ebenfalls die Missachtung des Dienstweges bei der Abgabe eines Entwurfs zum Tätigkeitsbericht "Opferschutz" am 30. Juli 2007 betroffen. Der Revisionswerber habe diesen Entwurf direkt bei der Leiterin der Sektion abgegeben, ohne seinen direkten Vorgesetzten damit zu befassen. In beiden Fällen habe sich der Revisionswerber unter Umgehung des ihm direkt vorgesetzten Abteilungsleiters an die Sektionsleiterin gewandt. Unter Faktum 3 sei dem Revisionswerber vorgeworfen worden, dass er sich unter Missachtung von vorangegangenen Weisungen direkt beim Österreichischen Gewerkschaftsbund (ÖGB) zum Seminar "Super! Wie Du das immer rüberbringst - politischer Erfolg durch metaphorische Kommunikation" angemeldet habe. Er habe sich damit auch eine Funktion angemaßt, für die er nicht bestellt worden sei. Das Seminar beim ÖGB habe der Revisionswerber in der Folge aufgrund eines Krankenstandes nicht besucht. Sowohl nach dem Faktum 1 betreffenden Vorfall als auch nach dem Faktum 2 betreffenden Vorfall sei der Revisionswerber aufgefordert worden, künftig den Dienstweg einzuhalten. Da sowohl die An- und Abmeldung zu einer Fortbildungsveranstaltung als auch die Bekanntgabe der Wahrnehmung eines Termins außer Haus unmittelbar die Dienstverrichtung beträfen, stellten diese dienstliche Angelegenheiten dar, die auch im Dienstweg zu kommunizieren seien. Gleiches gelte für die Weitergabe eines im Zuge der dienstlichen Aufgaben erstellten Entwurfs aus der Abteilung an die Sektionsleitung. Die Ermahnung sei somit hinsichtlich der Fakten 1 und 2 zu Recht erfolgt, weil die Übergehung des verantwortlichen, unmittelbar vorgesetzten Abteilungsleiters dazu geeignet sei, das Vertrauensverhältnis zwischen dem Revisionswerber und seinem Vorgesetzten zu stören. Hinsichtlich Faktum 3 habe die Behörde jedoch "über das Ziel hinausgeschossen". Die Teilnahme an einem Seminar beim ÖGB sei eine dem Privatbereich des Beamten zuzurechnende Angelegenheit, für die kein Vorgesetzter zuständig sei. Die Ermahnung hinsichtlich Faktum 3 sei sohin nicht gerechtfertigt gewesen. Eine Diskriminierung aufgrund der verpönten Kriterien einer Behinderung oder des Alters liege dennoch nicht vor. Der Revisionswerber sei grundsätzlich ermahnt worden, den Dienstweg einzuhalten. Eine Diskriminierung aufgrund seiner Behinderung oder seines Alters sei nicht intendiert gewesen. 13 Nach ausführlicher Darlegung seiner beweiswürdigenden Überlegungen führte das Bundesverwaltungsgericht - soweit hier entscheidungswesentlich - in rechtlicher Hinsicht aus, dass es nicht als rechtswidrig zu erachten sei, wenn sich die Dienstbehörde betreffend den Urlaubswiderruf (im Zusammenhang mit Punkt 1. des verfahrenseinleitenden Antrages) darauf berufe, dass die persönliche Dienstleistung des Beamten in Anbetracht der zahlreichen Aufgaben seiner Abteilung, der Personalknappheit und seiner Verantwortlichkeit für bestimmte Aufgaben während eines Teils des ursprünglich als Zeiten des Erholungsurlaubes vorgesehenen Zeitraumes erforderlich gewesen sei. Der Annahme von relevanten "Dienstesrücksichten" stünde in diesem Fall auch nicht entgegen, wenn die Personalknappheit, wie vom Beamten behauptet, auf einem Organisationsverschulden der Dienstbehörde in der Vergangenheit zurückzuführen gewesen wäre. Insofern liege keine Diskriminierung vor. Zudem sei die Kürzung des Erholungsurlaubes im Jahr 2008 ausschließlich im Zusammenhang mit der Personalknappheit und der Verantwortlichkeit des Revisionswerbers für die Sanierung des Gebäudes der Behörde und der "Rückübersiedlung" gestanden. Die vom Revisionswerber behauptete Abhängigkeit einer Bewilligung seines Urlaubes von der Abgabe eines Pensionsgesuches habe nicht festgestellt werden können. 14 Es sei ferner betreffend das E-Mail vom 25. Juli 2008 davon auszugehen, dass dem Revisionswerber eine Weisung erteilt worden sei, am Montag, den 28. Juli 2008, darüber zu berichten, ob er einem Arbeitsauftrag nachgekommen sei. Die Weisung sei zu Recht ergangen und es könne alleine deshalb, weil ein Vorgesetzter einen Bericht über den Arbeitsfortschritt seines Mitarbeiters einfordere, keine Diskriminierung erblickt werden. Eine solche käme allenfalls aufgrund des Zeitpunktes in Betracht. Hier zeigten jedoch die Feststellungen, dass die weisungsbefugte Vorgesetzte einen Bericht nach dem Wochenende eingefordert und bei Erteilung der Weisung offensichtlich übersehen habe, dass sich der Revisionswerber zu diesem Zeitpunkt bereits auf Urlaub befunden habe. Da der Termin nicht stattgefunden habe und auch sonst keine weiteren Konsequenzen festzustellen gewesen seien, sei davon auszugehen, dass die Weisung zurückgezogen bzw. allenfalls modifiziert worden sei. In Bezug auf den Punkt 1.) des verfahrenseinleitenden Antrages betreffenden Vorfall sei der Antrag des Revisionswerbers somit zu Recht abgewiesen worden. 15 Zu Punkt 6.) des verfahrenseinleitenden Antrages ("Ermahnung aufgrund von drei Fakten") führte das Bundesverwaltungsgericht aus, dass die Teilnahme an dem in Rede stehenden Seminar des ÖGB eine dem Privatbereich des Beamten zuzurechnende Angelegenheit sei. Daher sei auch kein Vorgesetzter dafür zuständig, dieses (private) Verhalten eines Beamten mit dienstrechtlichen Weisungen zu regeln. Soweit dem Revisionswerber derartige Weisungen erteilt worden wären, hätten sie keine Befolgungspflicht ausgelöst. Das durch die Ermahnung zu Faktum 3 rechtswidrige Verhalten des Vorgesetzten könnte - im Zusammenhang mit anderen aufhebungsgegenständlichen Vorfällen - eine Diskriminierung aufgrund der verpönten Kriterien einer Behinderung und des Alters indizieren. Die diskriminierende Handlung läge diesfalls in der (nicht bescheidförmig erfolgten) Ermahnung. Der Revisionswerber habe durch die Fakten 1 und 2 berechtigten Anlass für zumindest eine Weisung, den Dienstweg einzuhalten, geboten. Die Einhaltung des Dienstweges stelle ein wichtiges Interesse des Vorgesetzten dar. In diesem Zusammenhang sei auch die in einem zeitlichen Zusammenhang mit den Fakten 1 und 2 rechtswidrig ergangene Weisung zu Faktum 3 zu sehen. Diesbezüglich seien die beteiligten Vorgesetzten einem Rechtsirrtum unterlegen. Auch wenn eine Diskriminierung des Revisionswerbers in diesem Zusammenhang nicht von der Hand zu weisen sei, könne ausgeschlossen werden, dass diese im Zusammenhang mit einem im B-GlBG oder BEinstG verpönten Motiv stehe und könne daher auch nicht im gegenständlichen Verfahren geltend gemacht werden. 16 Gegen dieses Erkenntnis richtet sich die vorliegende außerordentliche Revision, in der inhaltliche Rechtswidrigkeit sowie Rechtswidrigkeit infolge Verletzung von Verfahrensvorschriften verbunden mit dem Antrag geltend gemacht werden, das angefochtene Erkenntnis aus diesen Gründen abzuändern, hilfsweise aufzuheben. 17 Zur Begründung ihrer Zulässigkeit führt die Revision aus, die Beweiswürdigung des Bundesverwaltungsgerichts sei unschlüssig und unvollständig. Es fehle ihr jeglicher Beweiswert. Beispielhaft seien die Feststellungen betreffend den Urlaubswiderruf im Jahr 2007 anzuführen. Dabei sei das Gericht unreflektiert den Angaben der Zeugen gefolgt und es habe trotz gegenteiliger Aussagen - somit bei Vorliegen einander widersprechender Beweisergebnisse - es nicht für notwendig erachtet, weitere Ermittlungen anzustellen. 18 Es fehle zudem Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes zu der Frage, ob das dienstliche Interesse der Behörde an der Arbeitserledigung (dem Lesen von Bauakten) gegenüber dem Interesse eines begünstigten Behinderten am Verbrauch des noch aus dem Vorjahr bestehenden Resturlaubes überwiege. Aus dem Umstand, dass der Revisionswerber Bauakten gelesen habe, sei dem Dienstgeber kein erheblicher Vorteil erwachsen. 19 Ferner stelle sich die Frage, ob ein Berichtsentwurf eines Rechnungshofprüfers unter dem Begriff des Anbringens im Sinne des § 54 Abs. 1 BDG 1979 zu subsumieren sei, weil ein solcher Bericht nicht der Dienstbehörde "als Exekutive", sondern dem Vorgesetzten "im Rahmen der Tätigkeit als Hilfsorgan der Legislative" vorzulegen sei. Ein Berichtsentwurf sei rechtlich nicht als Anbringen im Sinne des § 54 BDG 1979 zu qualifizieren. 20 Betreffend die ausgesprochene Ermahnung werde im angefochtenen Erkenntnis ohne nähere Begründung ein Rechtsirrtum behauptet. In diesem Zusammenhang sei das Gericht auch ohne nähere Ausführungen zu dem Schluss gelangt, dass eine aus diesem Rechtsirrtum resultierende, nicht von der Hand zu weisende Diskriminierung nicht im Zusammenhang mit einem verpönten Motiv stehe. Es liege insofern ein Begründungsmangel vor. 21 Es liege schließlich ein schwerer Verfahrensmangel darin, dass die Eingaben des Revisionswerbers in Angelegenheit einer von ihm beantragten Berichtigung der Niederschrift über die mündliche Verhandlung keine Berücksichtigung gefunden hätten. 22 Bei richtiger rechtlicher Beurteilung sowie zutreffender Würdigung der Beweisergebnisse samt darauf aufbauender Begründung wäre das Bundesverwaltungsgericht zu einem positiven Ergebnis gelangt. 23 Mit diesem Vorbringen wird die Zulässigkeit der Revision nicht dargetan: Nach Art. 133 Abs. 4 B-VG ist gegen ein Erkenntnis des Verwaltungsgerichtes die Revision zulässig, wenn sie von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, insbesondere weil das Erkenntnis von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abweicht, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes nicht einheitlich beantwortet wird. Nach § 34 Abs. 1 VwGG sind Revisionen, die sich wegen Nichtvorliegen der Voraussetzungen des Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zur Behandlung eignen, ohne weiteres Verfahren in nichtöffentlicher Sitzung mit Beschluss zurückzuweisen. Hat das Verwaltungsgericht - wie im gegenständlichen Fall - im Erkenntnis ausgesprochen, dass die Revision nicht gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG zulässig ist, hat die Revision gemäß § 28 Abs. 3 VwGG auch gesondert die Gründe zu enthalten, aus denen entgegen dem Ausspruch des Verwaltungsgerichtes die Revision für zulässig erachtet wird. Nach § 34 Abs. 1a VwGG ist der Verwaltungsgerichtshof bei der Beurteilung der Zulässigkeit der Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG an den Ausspruch des Verwaltungsgerichtes gemäß § 25a Abs. 1 VwGG nicht gebunden. Die Zulässigkeit einer außerordentlichen Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG hat der Verwaltungsgerichtshof hingegen nur im Rahmen der dafür in der Revision vorgebrachten Gründe (§ 28 Abs. 3 VwGG) zu überprüfen. 24 Soweit die Zulässigkeitsbegründung Feststellungs- sowie Begründungsmängel geltend macht und die Beweiswürdigung des Bundesverwaltungsgerichts als unzureichend erachtet, ist festzuhalten, dass ein Verfahrensmangel nur dann zur Aufhebung des angefochtenen Erkenntnisses führt, wenn das Verwaltungsgericht bei Vermeidung des Mangels zu einem anderen, für den Revisionswerber günstigeren Ergebnis hätte gelangen können. Der Revisionswerber hat daher die Relevanz des Mangels durch ein konkretes tatsächliches Vorbringen aufzuzeigen (VwGH 21.6.2019, Ra 2019/02/0119). Dieser Anforderung entspricht die Zulässigkeitsbegründung mit dem pauschalen Hinweis, wonach bei Vermeidung der behaupteten Verfahrensmängel das Gericht zu einem positiven Ergebnis gelangt wäre, nicht. 25 Ungeachtet dessen lässt die Zulässigkeitsbegründung auch nicht erkennen, dass die ins Treffen geführten Verfahrensmängel vorlägen. Der schlüssigen und nachvollziehbaren Beweiswürdigung des Gerichts vermag die Revision nichts Stichhaltiges entgegenzusetzen. Ebenso wenig wird in der Zulässigkeitsbegründung eine Verletzung amtswegiger Ermittlungspflichten substantiiert dargelegt. Eine die Rechtssicherheit beeinträchtigende, tragende Grundsätze des Verfahrensrechts berührende Verkennung der Begründungspflicht ist im Revisionsfall nicht ersichtlich. Inwiefern die Niederschrift über die mündliche Verhandlung vor dem Bundesverwaltungsgericht korrekturbedürftig gewesen wäre und wie sich dies auf das Verfahrensergebnis ausgewirkt hätte, ist aufgrund der Zulässigkeitsbegründung nicht nachvollziehbar. 26 Der Verwaltungsgerichtshof hat zudem bereits bezogen auf das auch hier in Rede stehende Faktum 3, bezüglich dessen dem Revisionswerber eine nicht gerechtfertigte Ermahnung erteilt wurde (VwGH 10.10.2012, 2010/12/0198), ausgesprochen, dass dann, wenn eine unsachliche Ermahnung bezüglich eines Faktums vorliegt, grundsätzlich von einer Diskriminierung des Beamten auszugehen und sodann von Amts wegen zu ermitteln ist, ob diese Diskriminierung objektiv oder nach subjektiven Intentionen der Diskriminierenden durch die Behinderung bzw. durch das Alter des Beamten motiviert gewesen ist (vgl. VwGH 4.9.2014, 2013/12/0177). 27 Das Bundesverwaltungsgericht kam nach Durchführung eines ausführlichen Ermittlungsverfahrens sowie nach detaillierter Würdigung der ihm vorliegenden Beweisergebnisse zu dem Schluss, dass der Rechtsirrtum, der den Vorgesetzten bei Erteilung einer Ermahnung im Zusammenhang mit dem Faktum 3 unterlaufen sei, und eine insoweit nicht von der Hand zu weisende Diskriminierung des Revisionswerbers jedenfalls nicht auf den hier zu prüfenden verpönten Motiven des Alters bzw. der Behinderung beruhe. Betreffend diese Einschätzung wirft die Revision keine Rechtsfragen im Sinn von Art. 133 Abs. 4 B-VG auf. 28 Letzteres gilt auch für die Beurteilung des Bundesverwaltungsgerichts, wonach in der vorliegenden Konstellation ein wichtiges dienstliches Interesse an der Erledigung der dem Revisionswerber an seinem Arbeitsplatz übertragenen Aufgaben bestanden habe und bei Widerruf des Erholungsurlaubes im Jahr 2008 keine aus Gründen des Alters oder der Behinderung diskriminierenden Kriterien zum Tragen gekommen seien. 29 Es trifft zu, dass nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes eine ungerechtfertigte Ermahnung oder ein ungerechtfertigtes Begründungselement innerhalb einer Ermahnung eine Diskriminierung aufgrund einer Behinderung oder des Alters indizieren kann (VwGH 10.10.2012, 2010/12/0198). 30 Wenn die Zulässigkeitsbegründung aber in Zweifel zieht, dass der vom Revisionswerber direkt an die Sektionsleiterin übermittelte Entwurf eines Berichts als ein Anbringen im Sinn von § 54 Abs. 1 BDG 1979 zu qualifizieren sei, weil der Bericht dem Vorgesetzten "im Rahmen der Tätigkeit als Hilfsorgan der Legislative" vorzulegen gewesen sei, bestätigt dies zunächst die Auffassung des Gerichts, wonach es sich betreffend (das in der Ermahnung als solches bezeichnete) "Faktum 2" bzw. bei der Übermittlung des "Opferschutzberichtes" um eine dem dienstlichen Bereich zuzuordnende Aufgabe des Revisionswerbers gehandelt habe. 31 Ausgehend davon legt die Zulässigkeitsbegründung auch nicht dar, weshalb die in Konkretisierung arbeitsplatzbezogener Aufgaben ergangene Anordnung eines Vorgesetzten, einen dienstlichen Bericht unter Berücksichtigung der behördeninternen Organisationsstruktur zu übermitteln, als rechtswidrig bzw. eine aufgrund der Nichteinhaltung dieser Anordnung erfolgte Ermahnung als unsachlich zu beurteilen wären. 32 Ob sich eine Anordnung des Vorgesetzten betreffend Faktum 2 rechtlich auch auf § 54 Abs. 1 BDG 1979 zu stützen vermochte oder ob betreffend Faktum 2 (nur) in allgemeiner Weise Dienstpflichten betroffen waren, die durch die vorangegangene Weisung der Vorgesetzten konkretisiert worden waren, "den Dienstweg" einzuhalten bzw. den Bericht über den vorgesetzten Abteilungsleiter zu übermitteln, ist für die Überprüfung der Beurteilung des Verwaltungsgerichts, das bezüglich der dem Revisionswerber erteilten Ermahnung eine Diskriminierung aufgrund des Alters oder der Behinderung verneinte, im vorliegenden Revisionsverfahren nicht von maßgeblicher Bedeutung. 33 Dass der bei Ermahnung hinsichtlich Faktum 2 allenfalls nicht in jeder Hinsicht fehlerfrei vorgenommenen rechtlichen Subsumtion eine verpönte Motivationslage zugrunde gelegen wäre, wird in der Revision nicht substantiiert behauptet. Nähere Auslegungsfragen betreffend die Bestimmung des § 54 Abs. 1 BDG 1979 stellen sich daher im gegenständlichen Verfahren betreffend Schadenersatzansprüche nach dem Bundes-Gleichbehandlungsgesetz (B-GlBG), BGBl. Nr. 100/1993, und nach dem Behinderteneinstellungsgesetz (BEinstG), BGBl. Nr. 22/1970, nicht. 34 Überdies ist darauf hinzuweisen, dass der Revisionswerber in seinem verfahrenseinleitenden Antrag eine verpönt motivierte Diskriminierung darin erblickte, dass ihm betreffend Faktum 3 ungerechtfertigt eine Ermahnung erteilt worden sei. Dazu hat der Verwaltungsgerichtshof u.a. festgehalten, dass Letzteres jedenfalls nicht schon deshalb ausgeschlossen sei, weil er allenfalls zu Recht auch wegen zweier anderer Fakten ermahnt worden sei (vgl. VwGH 4.9.2014, 2013/12/0177). 35 In diesem Sinn ist auch festzuhalten, dass selbst in dem Fall, dass den Vorgesetzten des Revisionswerbers bei Erteilung einer Ermahnung betreffend Faktum 2 ein Subsumtionsirrtum unterlaufen wäre, dies nicht notwendiger Weise eine auf Gründen des Alters bzw. der Behinderung beruhende Diskriminierung betreffend die zu Faktum 3 ergangene Ermahnung indizieren würde. 36 Eine Diskriminierung aufgrund der Erteilung einer Ermahnung hinsichtlich Faktum 2 war überdies nicht Gegenstand des über Antrag des Revisionswerbers vom 27. Februar 2009 eingeleiteten Schlichtungsverfahrens, weshalb beruhend auf dem selbständigen Rechtsgrund einer wegen Faktum 2 ergangenen Ermahnung auch keine Ansprüche des Revisionswerbers gegründet werden können (vgl. dazu § 7l Abs. 1 erster Satz in Verbindung mit § 7o BEinstG sowie § 20 Abs. 7 B-GlBG; siehe auch VwGH 27.5.2019, Ra 2018/12/0052; 23.6.2014, 2013/12/0154; 10.10.2012, 2010/12/0198). 37 Vor diesem Hintergrund liegen die Voraussetzungen nach Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht vor. Die Revision war daher gemäß § 34 Abs. 1 VwGG ohne weiteres Verfahren in nicht-öffentlicher Sitzung zurückzuweisen. Wien, am 19. Februar 2020
JWT_2019120042_20200518L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019120042.L00
Ra 2019/12/0042
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019120042_20200518L00/JWT_2019120042_20200518L00.html
1,589,760,000,000
7,319
Spruch 1. Die Revision der erstrevisionswerbenden Partei wird zurückgewiesen (Ra 2019/12/0042). Die erstrevisionswerbende Partei hat der Stadt Wels Aufwendungen in der Höhe von € 553,20 binnen zwei Wochen bei sonstiger Exekution zu ersetzen. 2. Die Revision der zweitrevisionswerbenden Amtspartei wird zurückgewiesen (Ra 2019/12/0043). Die Stadt Wels hat der erstrevisionswerbenden Partei Aufwendungen in der Höhe von € 1.106,40 binnen zwei Wochen bei sonstiger Exekution zu ersetzen. Begründung 1 Bezüglich des Verfahrensablaufes und der anzuwendenden Rechtslage wird auf das Erkenntnis des Verwaltungsgerichtshofes vom 2. Juli 2018, Ro 2017/12/0011, 0017 und 0018, verwiesen. 2 Die Erstrevisionswerberin wurde mit Wirkung vom 1. Mai 2012 zur definitiven Beamtin der Stadt W. ernannt. Mit Schreiben vom selben Tag wurde sie mit Wirkung vom 1. Mai 2012 befristet bis zum 30. April 2017 im Sinne des § 13 Abs. 4 iVm § 21 Oö. Objektivierungsgesetz 1994 zur Magistratsdirektorin bestellt. Zuvor befand sich die Erstrevisionswerberin weder in einem privat- noch in einem öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis zur Stadt W. 3 Mit Schreiben vom 14. März 2016, der Erstrevisionswerberin am selben Tag zugestellt, teilte der Bürgermeister der Stadt W. der Erstrevisionswerberin gemäß § 12 Abs. 2 Oö. Objektivierungsgesetz 1994 iVm § 37 Abs. 2 Statut für die Stadt W. 1992 (StW 1992) und § 21 Oö. Objektivierungsgesetz 1994 mit, dass ein Gutachten der Begutachtungskommission zur Frage der (Nicht)Weiterbestellung bzw. der vorzeitigen Abberufung von der befristeten Funktion als Magistratsdirektion eingeholt werde. 4 Mit Gutachten der Begutachtungskommission vom 11. Mai 2016 wurde empfohlen, die Erstrevisionswerberin 1. vorzeitig von der befristeten Funktion als Magistratsdirektion abzuberufen und 2. nach Ablauf der fünfjährigen Bestellungsdauer nicht mehr mit der Funktion als Magistratsdirektorin zu betrauen. 5 Mit Schreiben vom 12. Mai 2016, der Erstrevisionswerberin am 17. Mai 2016 zugestellt, teilte der Bürgermeister der Stadt W. der Erstrevisionswerberin gemäß § 12 Abs. 7 Z 2 Oö. Objektivierungsgesetz 1994 mit, dass sie mit Wirksamkeit ab 21. August 2016 vorzeitig von ihrer befristeten Funktion als Magistratsdirektorin abberufen werde und dass über diese Abberufung ein gesonderter Bescheid erlassen werde. Weiters wurde mitgeteilt, dass die Erstrevisionswerberin mit der Funktion als Magistratsdirektorin nach Ablauf der 5-jährigen Bestellungsdauer - das sei der 30. April 2017 - jedenfalls nicht weiter bestellt werde. 6 Mit Bescheid des Magistrats der Stadt W. vom 7. Juni 2016 wurde die Erstrevisionswerberin mit Wirkung des Ablaufes des 21. August 2016 von ihrer Funktion als Magistratsdirektorin der Stadt W. abberufen. Der Bescheid wurde auf die §§ 10, 12, 21 erster Satz Oö. Objektivierungsgesetz 1994 iVm § 37 Abs. 2 vierter Satz StW 1992 sowie die §§ 37 Abs. 2, 41 und 51 Abs. 2 StW 1992, § 41 Oö. Staturgemeinden-Bedienstetengesetz 2002 (StGBG 2002) und die §§ 7, 52 und 53 AVG gestützt. 7 Aufgrund eines Beschlusses des Stadtsenates W. vom 5. Juli 2016 wurde mit Bescheid des Stadtsenates der Stadt W. die Berufung der Erstrevisionswerberin gegen den erstinstanzlichen Abberufungsbescheid als unbegründet abgewiesen. Dieser Bescheid wurde auf dieselben gesetzlichen Bestimmungen wie der erstinstanzliche Bescheid unter Hinzufügen der Bestimmung des § 64 Abs. 1 StW 1992 gestützt. 8 Mit weiterem Bescheid des Magistrat der Stadt W. vom 7. Juni 2016 wurde die Erstrevisionswerberin 1. in die Funktionslaufbahn FL 11 Z 1 der Einreihungsverordnung eingereiht und 2. in die Abteilung BZ auf den Arbeitsplatz Dienstposten 003 Dienststelle Verwaltungspolizei versetzt. Gestützt wurde der Bescheid auf § 20 iVm § 22 StGBG 2002, die Einreihungsverordnung und § 51 Abs. 2 StW 1992. 9 Aufgrund des Beschlusses des Stadtsenates der Stadt W. vom 5. Juli 2016 wurde mit Bescheid des Stadtsenates der Stadt W. die gegen den zuletzt genannten Bescheid von der Erstrevisionswerberin erhobene Berufung abgewiesen. Dieser Bescheid wurde auf dieselben gesetzlichen Bestimmungen wie der erstinstanzliche Bescheid unter Hinzufügen der Bestimmung des § 64 Abs. 1 StW 1992 gestützt. 10 Mit Erkenntnis des Landesverwaltungsgerichts Oberösterreich vom 19. Dezember 2016 wurde der Bescheid des Stadtsenates der Stadt W. betreffend die Abberufung der Erstrevisionswerberin über deren Beschwerde ersatzlos aufgehoben und die Revision für zulässig erklärt. 11 Mit weiterem Erkenntnis des Landesverwaltungsgerichts Oberösterreich vom 31. Mai 2017 betreffend Neueinreihung und Versetzung wurde die Beschwerde der Erstrevisionswerberin als unbegründet abgewiesen und der Spruch des bekämpften Bescheides mit der Maßgabe bestätigt, dass der Spruchpunkt 1. betreffend die Einreihung dahin zu lauten habe, dass die Erstrevisionswerberin mit Wirkung vom 22. August 2016 in die Funktionslaufbahn FL 11 Z 1 der Einreihungsverordnung eingereiht werde. Gemäß § 20 Abs. 2 letzter Halbsatz Oö. StGBG 2002 gebühre ihr bisheriger Monatsbezug (FL 2 Gehaltsstufe 7) solange weiter, bis dieser durch den Monatsbezug, welcher ihr nach der neuen Funktionslaufbahn (FL 11) zustünde, erreicht werde. Die Revision an den Verwaltungsgerichtshof wurde für zulässig erklärt. 12 Über Revision der zweitrevisionswerbenden Partei gegen das Erkenntnis des Landesverwaltungsgerichts Oberösterreich vom 19. Dezember 2016 und Revisionen beider revisionswerbenden Parteien gegen das Erkenntnis des Landesverwaltungsgerichts Oberösterreich vom 31. Mai 2017 erging das bereits zitierte Erkenntnis des Verwaltungsgerichtshofes vom 2. Juli 2018, Ro 2017/12/0011, 0017 und 0018. Mit Spruchpunkt 1. dieses Erkenntnisses änderte der Verwaltungsgerichtshof gemäß § 42 Abs. 4 VwGG den Bescheid des Stadtsenates der Stadt W. vom 5. Juli 2016 gemäß § 28 Abs. 1 und 2 VwGVG dahin ab, dass der Bescheid des Magistrats der Stadt W. vom 7. Juni 2016, mit dem die Abberufung von der Funktion als Magistratsdirektorin erfolgte, ersatzlos aufgehoben wurde. Mit Spruchpunkt 2. wurde das Erkenntnis des Landesverwaltungsgerichts Oberösterreich vom 31. Mai 2017 aus Anlass der Revision der Erstrevisionswerberin wegen Rechtswidrigkeit infolge Unzuständigkeit des Verwaltungsgerichts aufgehoben und mit Spruchpunkt 3. die zweitrevisionswerbende Partei mit ihrer Revision auf Spruchpunkt 2. dieses Erkenntnisses verwiesen. 13 Betreffend die Abberufung der Erstrevisionswerberin führte der Verwaltungsgerichtshof aus, dass im Oö. Objektvierungsgesetz 1994 die Erlassung eines Bescheides über die Abberufung nicht vorgesehen sei. In diesem Zusammenhang sei zunächst festzuhalten, dass im Oö. Objektivierungsgesetz 1994 die Erlassung eines Bescheides betreffend die Abberufung von leitenden Organen nicht ausdrücklich vorgesehen sei. In § 21 iVm § 12 Abs. 7 Oö. Objektivierungsgesetz 1994 werde angeordnet, dass der Bürgermeister aus wichtigen dienstlichen Gründen der Magistratsdirektorin vor Ablauf der Bestellungsdauer mitteilen könne, dass ein Gutachten der Begutachtungskommission zur Frage der vorzeitigen Abberufung von der befristeten Funktion eingeholt werde. Dieses Gutachten habe gemäß Abs. 6 Z 3 leg. cit. die begründete Empfehlung zu enthalten, ob der Inhaber dieser Funktion vorzeitig von der befristeten Funktion abberufen werden solle. Gemäß Abs. 7 Z 2 leg. cit. habe der Bürgermeister dem Inhaber der Funktion spätestens drei Monate vor der beabsichtigten vorzeitigen Abberufung mitzuteilen, dass er vorzeitig von der befristeten Funktion abberufen werde. Beide oben genannten Mitteilungen seien mittels Schreiben des Bürgermeisters der Stadt W. an die Erstrevisionswerberin ergangen. Ebenso seien Gutachten der Begutachtungskommission eingeholt worden. 14 In § 12 Abs. 7 Z 2 Oö. Objektivierungsgesetz 1994 sei nach dem Gesetzeswortlaut lediglich eine Mitteilung über die vorzeitige Abberufung vorgesehen. Einer bloßen Mitteilung komme nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes keine rechtsgestaltende Qualität zu (Hinweis auf VwGH 21.1.2015, 2011/12/0073). Mit der gesetzlichen Anordnung, dem Funktionsinhaber etwas mitzuteilen, werde nicht angeordnet, einen Bescheid zu erlassen. Es liege auch keine Anordnung vor, dem Beamten eine Weisung zu erteilen, weil keine normative Anordnung eines Verhaltens des Beamten vorgesehen sei (Hinweis auf VwGH 14.10.2013, 2013/12/0042). Weitere Bestimmungen betreffend die Abberufung enthalte das Oö. Objektivierungsgesetz 1994 nicht. 15 In § 35 Abs. 1 Z 1 Oö. Objektivierungsgesetz 1994 werde zudem normiert, dass in Verfahren nach diesem Gesetz - auch über die Weiterbestellung - dem Bewerber und dem Funktionsinhaber keine Parteistellung zukomme. In dem mit „Weiterbestellung“ überschriebenen § 12 Oö. Objektivierungsgesetz 1994 werde auch die vorzeitige Abberufung von einer befristeten Funktion geregelt, sodass auch in diesem Verfahren eine Parteistellung des Funktionsinhabers nicht vorgesehen sei. Es korrespondiere daher die Anordnung in § 12 Abs. 7 Z 2 Oö. Objektivierungsgesetz 1994, dass lediglich eine formlose Mitteilung über die vorzeitige Abberufung vorgesehen sei, mit der mangelnden Parteistellung des Funktionsinhabers im Verfahren betreffend die vorzeitige Abberufung. 16 Mit der gesetzlichen Anordnung des § 12 Abs. 7 Z 2 Oö. Objektivierungsgesetz 1994, dem Funktionsinhaber mitzuteilen, dass er vorzeitig vor Ablauf der Bestellungsdauer von seiner Funktion abberufen werde, werde daher der Behörde keine Befugnis eingeräumt, rechtsgestaltend in Bescheidform zu entscheiden. Es gebe auch keine Bestimmung in diesem Gesetz, die eine derartige Befugnis einräumen würde. 17 Entgegen den Ausführungen in der Amtsrevision bestünden gegen das Ergebnis, dass über die Abberufung kein Bescheid zu erlassen sei, auch keine Bedenken unter dem Gesichtspunkt des der Erstrevisionswerberin zu gewährenden Rechtsschutzes. Gemäß § 22 Oö. StGBG 2002 sei im Falle der vorzeitigen Abberufung von der befristeten Funktion, bei Verbleiben der Beamtin im Dienststand, dieser unter Anwendung der §§ 19 bis 21 in einer mindestens gleichwertigen Verwendung einzusetzen wie der, welche sie vor ihrer Betrauung mit der leitenden Funktion innegehabt habe. Es sei daher gemäß § 22 Oö. StGBG 2002 im vorliegenden Fall mit Versetzung nach § 20 Oö. StGBG 2002 vorzugehen, die rechtens sowohl die Abziehung von der bisherigen Funktion als auch die Neuzuweisung der Beamtin zu umfassen habe (Hinweis auf VwGH 16.11.2015, Ra 2015/12/0044 und 13.11.2013, 2013/12/0004). In Versetzungsverfahren sei auch das für die vorzeitige Abziehung erforderliche wichtige dienstliche Interesse darzutun. Dabei dürften gemäß § 46 AVG die Verfahrensergebnisse des nach dem Oö. Objektivierungsgesetz 1994 der Mitteilung der Abberufung vorangegangenen Verfahrens verwertet werden (Gutachten der Begutachtungskommission, etc.). Gemäß § 20 Abs. 4 Oö. StGBG 2002 sei die Versetzung mit Bescheid zu verfügen, eine Berufung gegen diesen Bescheid habe aufschiebende Wirkung. Der Erstrevisionswerberin komme daher im Versetzungsverfahren umfassender Rechtsschutz zu. 18 Das Landesverwaltungsgericht Oberösterreich sei daher zu Recht davon ausgegangen, dass ein Bescheid über die Abberufung der Erstrevisionswerberin nicht zu erlassen gewesen wäre. 19 Das Landesverwaltungsgericht habe allerdings im Erkenntnis vom 19. Dezember 2016 den Bescheid des Stadtsenates der Stadt W. betreffend die Abberufung der Erstrevisionswerberin ersatzlos aufgehoben. Aufgrund dieser Entscheidung gehöre daher der erstinstanzliche Bescheid über deren Abberufung weiterhin dem Rechtsbestand an. Das Landesverwaltungsgericht hätte im Sinne seiner Rechtsausführungen allerdings über die Beschwerde der Erstrevisionswerberin den erstinstanzlichen Bescheid des Magistrates der Stadt W. betreffend die Abberufung der Erstrevisionswerberin ersatzlos zu beheben gehabt. Da die Sache entscheidungsreif sei, habe der Verwaltungsgerichtshof in Spruchpunkt 1. des vorliegenden Erkenntnisses gemäß § 42 Abs. 4 VwGG in der Sache selbst entschieden und den erstinstanzlichen Bescheid über die Abberufung der Magistratsdirektorin ersatzlos behoben. 20 Betreffend die Neueinreihung und Versetzung der Erstrevisionswerberin führte der Verwaltungsgerichtshof aus, wie bereits ausgesprochen, hätte die Versetzung nach § 22 iVm § 20 Oö. StGBG 2002 rechtens sowohl die Abziehung der Beamtin als auch die Neuzuweisung einer Verwendung zu umfassen gehabt. Zu beachten wäre vom Landesverwaltungsgericht gewesen, dass die Verwaltungsbehörden im erst- und zweitinstanzlichen Verfahren nicht in dieser Form, sondern mit gesondertem, auf das Oö. Objektivierungsgesetz 1994 gestütztem Bescheid und einer als „Versetzung“ bezeichneten, bloßen Zuweisung einer neuen Verwendung vorgegangen seien. Im Zeitpunkt der Entscheidung des Landesverwaltungsgerichts im hier vorliegenden Verfahren sei allerdings der Bescheid des Stadtsenates über die Abberufung der Drittrevisionswerberin bereits zuvor ersatzlos behoben worden. Dem Rechtsbestand habe somit im Zeitpunkt der Entscheidung des Landesverwaltungsgerichts nur noch der erstinstanzliche Bescheid über die Abberufung angehört. Dagegen habe die Erstrevisionswerberin Berufung erhoben gehabt, der gemäß § 64 AVG mangels gesetzlichen oder mittels Bescheides erfolgten Ausschlusses aufschiebende Wirkung zugekommen sei. Im Zeitpunkt der Entscheidung durch das Landesverwaltungsgericht im vorliegenden Verfahren sei daher - jedenfalls in Ermangelung eines Ausschlusses der aufschiebenden Wirkung - ein rechtswirksamer Bescheid über die Abberufung der Erstrevisionswerberin nicht vorgelegen. Eine Versetzung der Erstrevisionswerberin hätte daher jedenfalls nicht auf den - rechtswidrigerweise - unter Berufung auf das Oö. Objektivierungsgesetz 1994 erlassenen Abberufungsbescheid gestützt werden dürfen. 21 Das Landesverwaltungsgericht habe seine Entscheidung betreffend die Versetzung aber ohnehin nicht auf eine bereits erfolgte Abberufung der Erstrevisionswerberin gestützt. Es habe vielmehr in seinem Verfahren erstmals eine Abziehung der Erstrevisionswerberin wegen Vorliegen eines wichtigen dienstlichen Interesses an der Versetzung im Sinne des § 20 Abs. 2 Oö. StGBG 2002 vorgenommen. Diese Abziehung sei aber gerade nicht „Sache“ des vor dem Verwaltungsgericht bekämpften Berufungsbescheides gewesen, welcher ja - wie bereits ausgeführt - ausgehend vom Vorliegen einer bereits erfolgten Abberufung nach dem Oö. Objektivierungsgesetz 1994 lediglich eine Neuzuweisung einer Verwendung vorgenommen gehabt habe. „Sache“ des Beschwerdeverfahrens sei aber ausschließlich die von der Behörde im bekämpften Berufungsbescheid verfügte Personalmaßnahme (hier also die bloße Zuweisung einer neuen Verwendung; Hinweis auf VwGH 16.11.2015, Ra 2015/12/0044). Das Landesverwaltungsgericht habe daher, indem es eine in dem bei ihm bekämpften Bescheid nicht erfolgte Abziehung erstmals verfügt habe, die Sache des von ihm zu überprüfenden Verwaltungsverfahrens überschritten und eine Zuständigkeit in Anspruch genommen, die ihm nicht zugekommen sei. 22 Mit Wegfall der Entscheidung betreffend die Versetzung der Erstrevisionswerberin bestehe keine Grundlage mehr für eine Neueinreihung der Erstrevisionswerberin und eine Entscheidung gemäß § 20 Abs. 2 letzter Halbsatz Oö. StGBG 2002. Das Erkenntnis des Landesverwaltungsgerichts vom 31. Mai 2017 sei daher zur Gänze gemäß § 42 Abs. 2 Z 2 VwGG wegen Unzuständigkeit des Verwaltungsgerichts aufzuheben gewesen. Die Amtsrevision gegen dieses Erkenntnis wurde auf die Entscheidung über die Revision der Erstrevisionswerberin verwiesen. 23 Mit dem angefochtenen Erkenntnis änderte das Landesverwaltungsgericht Oberösterreich den Bescheid des Magistrats der Stadt W. vom 7. Juni 2016 betreffend Neueinreihung dahin ab, dass die Erstrevisionswerberin mit Wirkung vom 22. August 2016 in die Funktionslaufbahn FL 11 Z 1 der Einreihungsverordnung 2002 eingereiht wurde. Weiters wurde ausgesprochen, dass der Erstrevisionswerberin gemäß § 20 Abs. 2 letzter Halbsatz Oö. StGBG 2002 ihr bisheriger Monatsbezug (FL 02 Gehaltsstufe 7) solange weitergebühre bis dieser durch den Monatsbezug, welcher ihr nach der neuen Funktionslaufbahn (FL 11) zustünde, erreicht werde. Im Übrigen (hinsichtlich der Neuzuweisung einer Verwendung) wurde die Berufung als unbegründet abgewiesen. 24 Dabei stellt das Landesverwaltungsgericht u.a. folgenden Sachverhalt fest (Anonymisierung durch den Verwaltungsgerichtshof): „2.1. Die Bf hat das Diplom- und das Doktoratsstudium der Rechtswissenschaften sowie das Diplomstudium der Betriebswirtschaftslehre absolviert und befand sich vor dem 1. Mai 2012 weder in einem privatrechtlichem noch in einem öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis zur Stadt W. Mit Dekret des Bürgermeisters der Stadt W. vom 27. April 2012 wurde die Bf über Beschluss des Stadtsenates vom 27. April 2012 gemäß §§ 6 bis 9 Oö. Statutargemeinden-Bedienstetengesetz 2002 mit Wirkung vom 1. Mai 2012 unter Verleihung eines Dienstpostens der Funktionslaufbahn 2.1. zur definitiven Beamtin der Stadt W. ernannt. Eine Bedingung oder Befristung ist mit der Verleihung dieses Dienstpostens nicht verknüpft. Der Vorrückungsstichtag wurde mit 1. Jänner 2001 festgesetzt. Weiters wurde ausgesprochen, dass der Bf aufgrund dieser Ernennung und aufgrund ihres Vorrückungsstichtages ab 1. Mai 2012 das Gehalt der Gehaltsstufe 6 der Funktionslaufbahn 02 gebührt. Am 21. August 2016 bezog die Bf ein Gehalt der Gehaltsstufe 7 der Funktionslaufbahn 02. Eine Gehaltszulage kam ihr nicht zu, sodass der Gesamtbezug 8.875,20 Euro betrug. Mit Schreiben des Bürgermeisters der Stadt W. vom 27. April 2012 wurde die Bf mit Wirkung vom 1. Mai 2012 befristet bis zum 30. April 2017 iSd § 13 Abs. 4 iVm § 21 Oö. Objektivierungsgesetz 1994 zur Magistratsdirektorin bestellt. 2.2.1. Mit Schreiben vom 14. März 2016 hat der Bürgermeister unter Berufung auf § 12 Abs. 1 Oö. Objektivierungsgesetz 1994 der Bf mitgeteilt, dass ein Gutachten der Begutachtungskommission zur Frage der Weiter- bzw. der Nichtweiterbestellung als Magistratsdirektor eingeholt wird. An die Direktion, Dienststelle Personal, als Geschäftsstelle der Begutachtungskommission, wurde der Auftrag erteilt, die Begutachtungskommission mit der Erstellung eines Gutachtens (unter anderem) zur Frage der (Nicht-)Weiterbestellung zu befassen. 2.2.2. Am 11. Mai 2016 hat die Begutachtungskommission einstimmig ihr Gutachten beschlossen, in dem sie folgende Empfehlungen ausgesprochen hat: ‚Die Begutachtungskommission hat daher, nachdem die Erstrevisionswerberin am 8.4.2016 und 25.4.2016 eine Stellungnahme abgegeben, aber die Möglichkeit, von der Kommission am 12.4.2016 persönlich gehört zu werden, nicht wahrgenommen hat, in ihrer Sitzung am 11.5.2016 beschlossen, die Empfehlung auszusprechen, dass die Erstrevisionswerberin 1 vorzeitig von der befristeten Funktion als Magistratsdirektor abzuberufen ist und 2 nach Ablauf der 5-jährigen Bestellungsdauer nicht mehr mit der Funktion als Magistratsdirektor zu betrauen ist.‘ 2.2.3. Am 12. Mai 2016 erging an die Bf ein Schreiben des Bürgermeisters mit folgendem Inhalt: ‚Sehr geehrte Frau Erstrevisionswerberin! Nachdem ich Sie darüber informiert habe, dass ich ein Gutachten zur Frage der Nicht-Weiterbestellung einholen werde, liegt mir nun dieses Gutachten vor und teile ich Ihnen gemäß § 12 Abs. 7 Z 1 Oö. Objektivierungsgesetz 1994 mit, dass Sie mit der Funktion als Magistratsdirektor nach Ablauf der 5-jährigen Bestellungsdauer - das ist der 30.4.2017 - jedenfalls nicht weiterbestellt werden. [...]‘ Das (auch oben geschilderte) Verfahren betreffend die (Nicht-)Weiterbestellung der Bf als Magistratsdirektorin wurde von der belangten Behörde parallel zum Verfahren bezüglich der vorzeitigen Abberufung der Bf von der befristeten Funktion als Magistratsdirektorin geführt. ... 2.4. Die Bf verblieb trotz Nichtweiterbestellung als Magistratsdirektorin im Dienststand und ist als juristische Referentin in der Dienststelle Verwaltungspolizei tätig.“ 25 Im Folgenden stellte das Landesverwaltungsgericht den Inhalt einiger Postings der Erstrevisionswerberin im Rahmen ihres Social-Media-Auftritts fest. 26 Weiters wurden u.a. folgende Feststellungen getroffen: „2.5.8. Sämtliche hier verfahrensgegenständliche Postings wurden auf einem von der Bf angelegten und ihr zuordenbaren Account unter dem Namen der Erstrevisionswerberin veröffentlicht, bei dem die Bf als Magistratsdirektorin in Erscheinung getreten ist. Zusätzlich verfügte die Bf über einen Account, auf dem sie ausschließlich privat auftrat. Mittlerweile wurde der verfahrensgegenständliche Account gänzlich gelöscht. Der verfahrensgegenständliche Account hatte rund 400 bis 500 ‚Freunde‘. 2.5.9. Eine Mitteilung an den Dienstgeber oder den Bürgermeister, dass ihr Facebook-Account gehackt worden sei, hat die Bf nicht erstattet. 2.6.1. Ob im Auftrag der Stadt W. ein von der Bf in ihrer Stellungnahme vom 27. April 2017 vermutetes Gutachten von Univ.-Prof. Dr. J. erstellt worden ist, bedarf keiner Feststellung, weil für das Landesverwaltungsgericht Oberösterreich keine daraus resultierende Notwendigkeit zur weiteren Tatsachenfeststellung ersichtlich ist. 2.6.2. Auch der Inhalt des von Univ.-Prof. Dr. R. erstellten Gutachtens bedarf keiner Feststellung, weil für das Landesverwaltungsgericht Oberösterreich keine daraus resultierende Notwendigkeit zur weiteren Tatsachenfeststellung ersichtlich ist.“ 27 Das Landesverwaltungsgericht nahm insbesondere zu den Postings der Erstrevisionswerberin einschließlich deren Urheberschaft eine umfangreiche Beweiswürdigung vor (Seite 16 bis 25 des angefochtenen Erkenntnisses). 28 Im Rahmen der rechtlichen Beurteilung führte das Landesverwaltungsgericht zur Rechtmäßigkeit der Neuzuweisung einer Verwendung durch den bekämpften Bescheid aus, dass für den Fall des Endens des Zeitraums einer befristet zugeordneten leitenden Funktion im Sinne des § 21 iVm § 8 oder § 13 Oö. Objektivierungsgesetz 1994 ohne Weiterbestellung und des Verbleibens des Beamten im Dienststand, dieser gemäß § 22 Oö. StGBG 2002 unter Anwendung der §§ 19 bis 21 leg. cit. in einer mindestens gleichwertigen Verwendung einzusetzen sei, wie derjenigen, welche er vor seiner Betrauung mit der leitenden Funktion innegehabt habe. Wie sich aus dem festgestellten Sachverhalt entnehmen lasse, sei die Bf mit Schreiben des Bürgermeisters der Stadt W. vom 27. April 2012 iSd § 13 Abs. 4 iVm § 21 Oö. Objektivierungsgesetz 1994 mit Wirkung vom 1. Mai 2012 zur Magistratsdirektorin bestellt worden. Diese leitende Funktion sei bis zum 30. April 2017 befristet gewesen, nach Fristablauf sei keine Weiterbestellung der Erstrevisionswerberin als Magistratsdirektorin erfolgt. Sie befinde sich jedoch nach wie vor als juristische Referentin der Dienststelle Verwaltungspolizei im Dienststand. 29 Im Hinblick auf § 22 Oö. StGBG 2002 sei zunächst die Rechtskonformität des (Nicht-)Weiterbestellungsverfahrens nach § 12 Oö. Objektivierungsgesetz 1994 zu prüfen. Dass die Bestimmungen des Oö. Objektivierungsgesetzes 1994 aufgrund von § 37 Abs. 2 letzter Satz StW 1992 auch auf die (Weiter-)Bestellung eines Magistratsdirektors Anwendung fänden, sei bereits vom Verwaltungsgerichtshof in seinem im ersten Rechtsgang ergangenen Erkenntnis vom 2. Juli 2018 bestätigt worden. 30 In §§ 21 iVm12 Abs. 1 Z 2 Oö. Objektivierungsgesetz 1994 werde angeordnet, dass der Bürgermeisters spätestens ein Jahr vor Ablauf der Bestellungsdauer dem Inhaber der Funktion schriftlich mitzuteilen habe, dass ein Gutachten zur Frage der Weiterbestellung eingeholt werde. In diesem Fall habe der Bürgermeister gemäß Abs. 4 leg. cit. die Begutachtungskommission mit der Erstattung eines Gutachtens zur Frage der Weiterbestellung zu befassen. Schließlich habe der Bürgermeister nach Abs. 7 Z 1 leg. cit. dem Inhaber der Funktion spätestens sechs Monate vor Ablauf der Bestellungsdauer endgültig mitzuteilen, ob er mit Ablauf der Bestellungsdauer mit dieser Funktion für weitere fünf Jahre betraut werde oder nicht. 31 Aus den Feststellungen ergebe sich, dass sowohl die gemäß § 12 Abs. 1 Z 2 als auch nach Abs. 7 Z 1 Oö. Objektivierungsgesetz 1994 geforderten Mitteilungen mittels Schreiben des Bürgermeisters vom 14. Märzund 12. Mai 2016 an die Erstrevisionswerberin ergangen seien. Ebenso sei ein Gutachten der Begutachtungskommission zur Frage der (Nicht-)Weiterbestellung, dem ein einstimmiger Beschluss der Begutachtungskommission zugrunde liege, eingeholt worden. 32 Da somit die Vorgaben des § 12 Oö. Objektivierungsgesetz 1994 betreffend das (Nicht-)Weiterbestellungsverfahren von den im beschwerdegegenständlichen Verwaltungsverfahren tätigen Behörden eingehalten worden seien, bestehe beim erkennenden Gericht kein Zweifel am Vorliegen einer rechtswirksamen Nichtweiterbestellung der Erstrevisionswerberin als Magistratsdirektorin. 33 Im bereits zitierten im vorliegenden Verfahren ergangenen Erkenntnis des Verwaltungsgerichtshofes vom 2. Juli 2018 sei ausgesprochen worden, dass mit dem gegenständlich bekämpften Bescheid die bloße Zuweisung einer neuen Verwendung verfügt worden sei. Die belangte Behörde sei somit nach Nichtweiterbestellung der Revisionswerberin als Magistratsdirektorin und ihrem Verbleib im Dienststand entsprechend § 22 Oö. StGBG 2012 nach § 21 leg. cit. vorgegangen und habe ihr als neue Verwendung den Arbeitsplatz Dienstposten 003 Dienststelle Verwaltungspolizei in der Abteilung BZ zugewiesen. 34 Gemäß § 21 Abs. 1 Z 1 Oö. StGBG 2002 sei eine Verwendungsänderung jedoch einer Versetzung gleichzuhalten, wenn durch die neue Verwendung in der Laufbahn des Beamten eine Verschlechterung zu erwarten sei. Da die Erstrevisionswerberin vormals als Magistratsdirektorin und nunmehr als juristische Referentin tätig gewesen sei bzw. sei, sei eine Verschlechterung ihrer Laufbahn offenkundig, sodass die gegenständliche Neuzuweisung auch unter dem Blickwinkel des § 20 Abs. 2 leg. cit. zu beurteilen sei. 35 Eine Versetzung (von Amts wegen) sei nach § 20 Abs. 2 Oö. StGBG 2002 nur zulässig, wenn ein wichtiges dienstliches Interesse daran bestehe, wobei dadurch eine Minderung der Bezüge nicht eintreten dürfe. Im Hinblick auf die Rechtmäßigkeit der vorliegenden Neuzuweisung einer Verwendung sei daher insbesondere zu prüfen, ob ein wichtiges dienstliches Interesse an dieser Neuzuweisung der Revisionswerberin bestanden habe. 36 Laut angefochtenem Bescheid sei das die Neuzuweisung einer Verwendung rechtfertigende wichtige dienstliche Interesse aufgrund der Anordnung des § 22 Oö. StGBG 2002 in der Abberufung der Erstrevisionswerberin nach dem Oö. Objektivierungsgesetz 1994 gelegen. Mit dem Erkenntnis des Verwaltungsgerichtshofes vom 2. Juli 2018 sei jedoch der im Abberufungsverfahren ergangene erstinstanzliche Bescheid ersatzlos behoben worden, sodass die Abberufung der Erstrevisionswerberin von der Funktion als Magistratsdirektorin als wichtiges dienstliches Interesse nach § 20 Abs. 2 Oö. StGBG 2002 nicht (mehr) in Betracht komme. 37 Wenn jedoch auch der dem Abberufungsverfahren und somit dem gegenständlichen Beschwerdeverfahren zugrundeliegende Sachverhalt für sich genommen ein „wichtiges dienstliches Interesse“ an der konkret vorgenommenen Neuzuweisung einer Verwendung darstelle, komme die im bekämpften Bescheid verfügte Personalmaßnahme grundsätzlich nach wie vor in Betracht. 38 Ob ein wichtiges dienstliches Interesse iSd § 20 Abs. 2 Oö. StGBG 2002 vorliege, sei nach ständiger Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes ausschließlich nach objektiven Merkmalen und nicht danach zu beurteilen, inwieweit der Beamte diese Momente schuldhaft herbeigeführt habe. Insbesondere könne auch ein disziplinär nicht zu ahndendes Verhalten ein wichtiges dienstliches Interesse begründen. Wie der Verwaltungsgerichtshof ausgeführt habe, begründeten die aus dem Verhalten eines Vorgesetzten zu befürchtenden Beispielsfolgen bei Untergebenen ein wichtiges dienstliches Interesse. 39 Nach ständiger Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes begründe bereits ein schwerwiegendes Fehlverhalten des Beamten für sich allein das wichtige dienstliche Interesse an seiner Versetzung (bzw. hier Neuzuweisung), und zwar auch dann, wenn eine gesetzmäßige Besorgung der Aufgaben für die Zukunft zu erwarten sei. Ein wichtiges dienstliches Interesse liege demnach im Ansehen einer Behörde nach innen und nach außen. 40 Das Landesverwaltungsgericht führte unter Wiedergabe des Inhalts von Postings der Erstrevisionswerberin aus, diese habe in ihren Postings - nach außen hin erkennbar in ihrer Funktion als Leiterin des Inneren Dienstes des Magistrats der Stadt W. - für eine breite Öffentlichkeit wahrnehmbare schwere Anschuldigungen gegen Mitarbeiter der Stadt W. und deren Politiker erhoben. Sie habe Politiker, die einer bestimmten Partei angehörten, undifferenziert und in unsachlicher Weise eines verpönten, unehrlichen oder möglicherweise gar strafrechtlich relevanten Verhaltens beschuldigt. Es könne dahingestellt bleiben, ob die erhobenen Anschuldigungen zum Teil sachlich begründet seien mögen, habe sie doch in der Art und Weise, wie die Anschuldigungen erhoben worden seien - nämlich in einer sehr emotionsgeladenen „Tonlage“ und ohne sachliche Argumente - und sich undifferenziert gegen Angehörige einer bestimmten Partei richteten, jedenfalls das Ansehen der Stadt W. in der öffentlichen Meinung dadurch geschädigt, dass dadurch der Eindruck entstanden sei, eine ganze Partei bediene sich in der Stadt W. höchst fragwürdiger Methoden. Die Vorgangsweise der Erstrevisionswerberin sei daher geeignet gewesen, den Magistrat W. bzw. die politischen Gremien der Stadt W. in Misskredit zu bringen und daher das Vertrauen der Allgemeinheit in die sachliche Wahrnehmung deren Aufgaben zu beeinträchtigen. 41 Das Landesverwaltungsgericht analysierte weitere Postings der Revisionswerberin und führte in der Folge aus, nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofs sei sachliche Kritik des Beamten an der eigenen Behörde nicht nur durch das Grundrecht auf Meinungsfreiheit geschützt, sondern auch als notwendiges Mittel zur Optimierung der Verwaltung anzusehen, wobei solche Äußerungen dann unter den Schutz dieses Grundrechtes fielen, wenn sie das zulässige Maß an sachlicher Kritik nicht überschritten, was etwa dann der Fall wäre, wenn sie auf eine unangemessene, beleidigende und verletzende Weise getätigt worden wären (Hinweis auf VwGH 16.9.2009, 2008/09/0326, sowie 20.3.2014, 2013/12/0093). 42 Bei der von der Erstrevisionswerberin gewählten Diktion handle es sich jedenfalls nicht um Ausdrücke, derer sich ein Behördenverantwortlicher zur Beschreibung seiner Behörde bzw. zurechenbarer Betriebe bedienen würde, um sachliche Kritik zu üben. Vielmehr sei die Wortwahl unangemessen und bedenklich und die Kritik einer Beweisführung nicht zugänglich (Hinweis auf VwGH 3.9.2002, 99/09/0212). Der Einwand der Erstrevisionswerberin, sie habe sich an die Diktion der Richterin in den ersten Prozesstagen angelehnt, die von „purem Chaos in der Verwaltung“ gesprochen habe, vermöge die Äußerung der Revisionswerberin nicht einer anderen Beurteilung zuzuführen, zumal einerseits auch die Aneignung einer fremden Diktion die selbst getätigte Aussage nicht irrelevant werden lasse und andererseits die Bezeichnung einer Situation als Chaos - anders als die Bezeichnung als Saustall - weder als unangemessen oder beleidigend einzustufen sei und damit als sachliche Kritik verstanden werden könne. 43 Insgesamt gesehen sei festzuhalten, dass die Erstrevisionswerberin durch ihre Postings über einen längeren Zeitraum hinweg Verhaltensweisen gesetzt habe, die geeignet gewesen seien, den Magistrat W. samt seinen Betrieben und die Organe der Stadt W. in Misskredit zu bringen und damit das Vertrauen der Allgemeinheit in die sachliche Wahrnehmung deren dienstlicher Aufgaben zu beeinträchtigen. Zudem habe sie hochsensible, vertrauliche Daten für eine breite Öffentlichkeit zugänglich bekannt gemacht, die ihr ausschließlich aus ihrer dienstlichen Tätigkeit als Magistratsdirektorin bekannt und die allein für den Amtsbetrieb bestimmt gewesen seien. Insbesondere auch vor dem Hintergrund der vom Verwaltungsgerichtshof als „dienstliches Interesse“ iSd § 20 Abs. 2 Oö. StGBG 2002 anerkannten Gefahr von Beispielsfolgen des Verhaltens von Vorgesetzten sei der Social-Media-Auftritt der Erstrevisionswerberin in seiner Gesamtheit als kritisch zu beurteilen, da an die öffentliche Äußerung von Kritik durch Vorgesetzte und den Umgang mit sensiblen Daten in sozialen Medien ein besonders strenger Maßstab anzulegen sei. Angesichts der der Erstrevisionswerberin zur Last gelegten Verhaltensweisen sei daher davon auszugehen, dass hinsichtlich ihrer Person ein wichtiges dienstliches Interesse an der Zuweisung einer neuen Verwendung vorgelegen sei. 44 Ob die dargelegten Postings der Erstrevisionswerberin auch disziplinarrechtlich relevant seien/gewesen wären, könne nach der oben dargestellten Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofs dahingestellt bleiben. 45 Den Einwand der Erstrevisionswerberin, die Verwendungsänderung von der höchsten auf die unterste Hierarchiestufe sei unverhältnismäßig und komme einer schweren Strafe gleich, wies das Verwaltungsgericht zurück. Zum einen entspreche der nunmehr neu zugewiesene Dienstposten der formalen Qualifikation der Erstrevisionswerberin als Juristin und zum anderen könne es im Hinblick auf die die Nichtweiterbestellung bzw. Neuzuweisung der Erstrevisionswerberin tragenden Gründe nicht als rechtswidrig erachtet werden, ihr keine Position mit Führungsposition zuzuweisen, zumal von jedweden Führungskräften ein vorbildliches Verhalten im Umgang mit sozialen Netzwerken und vertraulichen Informationen erwartet werden können müsse. 46 Zudem könne eine den Bestimmungen des § 92 Abs. 3 Oö. Landesbeamtengesetz 1993 (Oö. LBG) vergleichbare Verhältnismäßigkeitsprüfung im Hinblick auf § 20 Abs. 2 zweiter Satz Oö. StGBG 2002 bei einer Personalmaßnahme nach §§ 20 iVm 21 leg. cit. unterbleiben. 47 Zum Verwendungsschutz nach § 22 Oö. StGBG 2002 führte das Landesverwaltungsgericht aus, im Zusammenhang mit der vorliegenden Neuzuweisung einer Verwendung sei weiters zu beachten, dass § 22 Oö. StGBG 2002 dem Betroffenen grundsätzlich eines höheres Schutzniveau zubillige als § 20 iVm § 21 leg. cit., weil der Beamte bzw. die Beamtin in den Fällen des § 22 leg. cit. „in einer mindestens gleichwertigen Verwendung einzusetzen [ist], wie der, welche er (sie) vor seiner (ihrer) Betrauung mit der leitenden Funktion innehatte“. 48 Wie auch die belangte Behörde im bekämpften Bescheid zutreffend ausgeführt habe, bedinge bereits der Wortlaut des § 22 Oö. StGBG 2002, dass für die Anwendbarkeit des „Verwendungsschutzes“ der von der Personalmaßnahme Betroffene vor seiner Betrauung mit der leitenden Funktion bei der Gebietskörperschaft „verwendet“ worden sein müsse. 49 Die Erstrevisionswerberin habe sich vor ihrer Bestellung zur Magistratsdirektorin in keinem (weder öffentlich-rechtlichen noch privatrechtlichen) Dienstverhältnis zur Stadt W. befunden und habe damit auch keine Verwendung im Sinne des § 22 Oö. StGBG 2002 innegehabt, die einen Anknüpfungspunkt für den Verwendungsschutz nach § 22 Oö. StGBG 2002 darstellen würde. 50 Ein Anknüpfen an die Tätigkeit als Kabinettsmitarbeiterin des Sozialministers, die die Erstrevisionswerberin vor ihrer Betrauung mit der Funktion als Magistratsdirektorin ausgeübt habe, komme demnach entgegen den Ausführungen der Erstrevisionswerberin nicht in Betracht. 51 Würde man der Argumentation der Erstrevisionswerberin folgen, sie sei immer als Magistratsdirektorin verwendet worden und dürfe daher nicht geringerwertig verwendet werden, hätte dies zur Folge, dass extern in leitende Funktionen Rekrutierte nie geringerwertig verwendet werden dürften, als in der Funktion, die sie ausgeübt hätten, sie also de facto nicht aus ihrer Funktion abberufen werden könnten bzw. immer mit einer gleichwertigen Position betraut werden müssten, auch wenn ein Objektivierungsverfahren ergeben haben sollte, dass sie für diese Position (doch) nicht geeignet seien. Dies würde ein sachlich nicht zu begründendes höheres Schutzniveau gegenüber solchen Bediensteten bedeuten, die sich innerhalb der Organisation „hinaufgearbeitet“ hätten. Zudem verbiete sich diese Auslegung bereits mit einem nochmaligen Hinweis auf den Wortlaut des § 22 Oö. StGBG 2002, der unmissverständlich daran anknüpfe, dass der Betreffende vor der Betrauung mit der leitenden Funktion eine bestimmte Verwendung bei derselben Gebietskörperschaft innegehabt habe. 52 Im Ergebnis komme daher im hier konkret vorliegenden verwaltungsgerichtlichen Verfahren mangels eines Anknüpfungspunktes ein Verwendungsschutz nach § 22 Oö. StGBG 2002 nicht in Betracht. 53 Der „Verwendungsschutz“ des § 22 Oö. StGBG 2002 beziehe sich auf den Einsatz in einer bestimmten Verwendungsgruppe, betreffe also hauptsächlich die dem jeweiligen Dienstposten zugeordneten Aufgaben (und in der Folge auch die entsprechende gehaltsrechtliche Einreihung). 54 Vom Verwendungsschutz gemäß § 22 Öö. StGBG 2002 sei der Bezugsschutz gemäß § 20 Abs. 2 Oö. StGBG 2002 zu unterscheiden. § 20 leg. cit. erlaube zwar eine verwendungsverschlechternde Versetzung bzw. (im vorliegenden Fall) Neuzuweisung, spreche jedoch für diesen Fall aus, dass eine Minderung der Bezüge dadurch nicht eintreten dürfe. Anknüpfungspunkt für diese Schutzbestimmung sei die besoldungsrechtliche Stellung und damit jene Bezugshöhe, die der von der Personalmaßnahme Betroffene zu deren Zeitpunkt innehabe. Im Hinblick auf die oben dargelegte und nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofs gebotene Neueinreihung in eine der Verwendung entsprechende Funktionslaufbahn, folge aus § 20 Abs. 2 letzter Halbsatz leg. cit., wonach eine Minderung der Bezüge nicht eintreten dürfe, dass dem von einer verschlechternden Versetzung bzw. Neuzuweisung Betroffenen sein letzter (höherer) Monatsbezug solange weitergebühre, bis er entsprechend seiner neuen Einreihung diesen Bezug infolge Vorrückungen erreicht habe („Aufsaugung“, Hinweis auf VwGH 13.3.2009, 2005/12/0175). Dieser Schutz vor einer durch Versetzung bzw. hier Neuzuweisung drohenden Bezugsminderung komme - anders als der Verwendungsschutz nach § 22 Oö. StGBG 2002 - bei jeglicher Versetzung bzw. Neuzuweisung, bei der aufgrund der Verwendung in einer schlechter eingereihten Funktionslaufbahn eine Bezugsminderung eintreten würde, zum Tragen. 55 Werde ein Funktionsinhaber nach den Bestimmungen der § 20 iVm § 21 iVm § 22 Oö. StGBG 2002 einer neuen Verwendung zugwiesen, komme ihm somit grundsätzlich sowohl der Verwendungsschutz des § 22 leg. cit. (sofern ein Anknüpfungspunkt vorhanden sei) als auch der Bezugsschutz des § 20 Abs. 2 leg. cit. zugute. Mangels eines Anknüpfungspunkts im hier gegenständlichen Fall komme zwar die Anwendung des Verwendungsschutzes nach § 22 Oö. StGBG 2002 nicht in Betracht, jedoch profitiere die Erstrevisionswerberin von der Schutzbestimmung der §§ 21 iVm § 20 Abs. 2 Oö. StGBG 2002: Im Neuzuweisungszeitpunkt (Ablauf des 21. August 2016) habe die Erstrevisionswerberin ein Gehalt der Funktionslaufbahn FL 02 Gehaltsstufe 7 in Höhe von 8.875,20 Euro bezogen. Eine Gehaltszulage habe sie nicht erhalten, sodass der Gesamtbezug den genannten Betrag ausmache - die Nebengebühren nicht mitberücksichtigt. Dieser ziffernmäßig festgelegte Betrag sei somit der Anknüpfungspunkt für den Bezugsschutz. Unabhängig davon sei die Erstrevisionswerberin jedoch ihrer neuen Verwendung entsprechend in die Funktionslaufbahn FL 11 Z 1 der Einreihungsverordnung 2002 einzureihen. Dies sei schon deshalb erforderlich, weil diese Einreihung dafür maßgeblich sei, welcher Bezug der Erstrevisionswerberin aufgrund der neuen Verwendung zustehe und somit als Maßstab dafür diene, wie lange der Erstrevisionswerberin der letzte Monatsbezug vor der Verwendungsänderung zustehe. Solange der Letztbezug in Höhe von 8.875,20 Euro über jenem Bezug liege, der ihr aufgrund der Neueinreihung zustehe, habe sie nach § 20 Abs. 2 letzter Halbsatz Oö. StGBG 2002 Anspruch auf dessen Auszahlung. Sobald diese beiden Beträge zusammenfielen, gebühre ihr der der neuen Verwendung entsprechende Bezug. Eine befristete Aufsaugung bzw. sofortige Reduktion der Bezüge komme aufgrund der unbedingten und unbefristeten Ernennung auf einen Dienstposten der Funktionslaufbahn 2.1. und der entsprechenden gehaltsrechtlichen Einreihung mit Dekret vom 27. April 2012 im Hinblick auf die Schutzbestimmung des § 20 Abs. 2 Oö. StGBG 2002 nicht in Frage. Dies umso mehr als die Ernennung auf diesen Dienstposten nicht mit der Funktion der Magistratsdirektorin verknüpft worden sei. 56 Gegen dieses Erkenntnis richtet sich die vorliegende Revision der Erstrevisionswerberin mit dem Antrag, dieses wegen Unzuständigkeit des Verwaltungsgerichts, Rechtswidrigkeit des Inhalts und Rechtswidrigkeit infolge Verletzung von Verfahrensvorschriften aufzuheben. Die zweitrevisionswerbende Partei erstattete eine Revisionsbeantwortung. Die Erstrevisionswerberin erstattete eine Replik dazu. 57 Gegen den Ausspruch des Erkenntnisses des Landesverwaltungsgerichts, dass der Erstrevisionswerberin gemäß § 20 Abs. 2 letzter Halbsatz Oö. StGBG 2002 ihr bisheriger Monatsbezug (FL 02 Gehaltsstufe 7) solange weitergebühre, bis dieser durch den Monatsbezug, welcher ihr nach der neuen Funktionslaufbahn (FL 11) zustünde, erreicht werde, richtet sich die Revision der zweitrevisionswerbenden Partei. Es wird beantragt, das angefochtene Erkenntnis wegen Rechtswidrigkeit aufzuheben. Die Erstrevisionswerberin erstattete eine Revisionsbeantwortung. Die zweitrevisionswerbende Partei erstattete eine Stellungnahme zur Revisionsbeantwortung. 58 Nach Art. 133 Abs. 4 B-VG ist gegen ein Erkenntnis des Verwaltungsgerichts die Revision zulässig, wenn sie von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, insbesondere weil das Erkenntnis von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abweicht, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes nicht einheitlich beantwortet wird. 59 Nach § 34 Abs. 1 VwGG sind Revisionen, die sich wegen Nichtvorliegen der Voraussetzungen des Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zur Behandlung eignen, ohne weiteres Verfahren in nichtöffentlicher Sitzung mit Beschluss zurückzuweisen. 60 Nach § 34 Abs. 1a VwGG ist der Verwaltungsgerichtshof bei der Beurteilung der Zulässigkeit der Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG an den Ausspruch des Verwaltungsgerichtes gemäß § 25a Abs. 1 VwGG nicht gebunden. Die Zulässigkeit einer außerordentlichen Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG hat der Verwaltungsgerichtshof im Rahmen der dafür in der Revision vorgebrachten Gründe (§ 28 Abs. 3 VwGG) zu überprüfen. 61 1. Zur Revision der Erstrevisionswerberin (Ra 2019/12/0042): In der Zulässigkeitsbegründung führt die Erstrevisionswerberin zunächst aus, das Landesverwaltungsgericht sei für die vorliegende Entscheidung nicht zuständig gewesen. Dies im Hinblick darauf, dass der Verfahrensgegenstand durch den erstinstanzlichen Bescheid festgelegt worden sei und darin bestanden habe, dass auf der Basis eines daneben existierenden Abberufungsbescheides nur mehr eine Entscheidung darüber zu fällen gewesen wäre, welcher neue Arbeitsplatz zugewiesen werden solle. Diese Entscheidungsbasis gebe es seit der ersatzlosen Aufhebung des Abberufungsbescheides nicht mehr. Verfahrensgegenstand habe nun eine Entscheidung zu sein, welche sowohl die Prüfung der Frage inkludiere, ob die Erstrevisionswerberin ihres bisherigen Arbeitsplatzes als Magistratsdirektorin rechtswirksam und rechtmäßig verlustig geworden sei und was auch ausgehend von einer bejahenden Beantwortung dieser Frage puncto Zuweisung eines neuen Arbeitsplatzes zu entscheiden sei. 62 Daran ändere sich auch dadurch nichts, dass inzwischen die Bestellungsdauer puncto Magistratsdirektorenfunktion abgelaufen sei. Darüber zu befinden, gehöre jedenfalls zum Verfahrensgegenstand einer Versetzungsentscheidung, wie sie behördlicherseits intendiert sei. Auch habe die Frage, ob die vorzeitige Abberufung überhaupt wirksam erfolgt sei und gesetzmäßig gewesen sei, weiterhin mindestens eine mittelbare Bedeutung, weil sie wesentliche Aspekte der weiteren Verwendbarkeit der Erstrevisionswerberin betreffe. Diese Bedeutung der Rechtskonformität der vorzeitigen Abberufung werde sogar durch das angefochtene Erkenntnis implizit dadurch anerkannt, dass sich das Landesverwaltungsgericht umfangreich mit der Frage beschäftigt habe, ob die Erstrevisionswerberin ein Verhalten an den Tag gelegt habe, welches die Abberufung rechtfertige. Gerade damit habe sich die erstinstanzliche Behörde im gegenständlichen Verfahren (beginnend mit dem Bescheid über eine neue Arbeitsplatzzuweisung) nie auseinandergesetzt und es sei in diesem Verfahren damit keine Auseinandersetzung mit Ermittlungen und Gewährung des Parteiengehöres erfolgt. 63 Richtigerweise hätte das Landesverwaltungsgericht daher in Konsequenz des Erkenntnisses des Verwaltungsgerichtshofs vom 2. Juli 2018, Ro 2017/12/0011, 0017 und 0018, dahin entscheiden müssen, dass in Abänderung des Berufungsbescheides vom 5. Juli 2016 der erstinstanzliche Arbeitsplatzzuweisungsbescheid vom 7. Juni 2016 aufgehoben werde - und zwar ersatzlos mit der Maßgabe, dass der erstinstanzlichen Behörde die Möglichkeit offenbleibe, nunmehr ein komplettes Versetzungsverfahren durchzuführen, welches sowohl die Frage des Verlustes des bisherigen Arbeitsplatzes als auch die Zuweisung eines neuen Arbeitsplatzes umfasse. Dies ergebe sich zwingend aus dem genannten Erkenntnis des Verwaltungsgerichtshofes, sodass die Revision aus Gründen der Rechtswahrung und Rechtssicherheit wegen dieses Verstoßes gegen die Verpflichtung zur Umsetzung des genannten Erkenntnisses des Verwaltungsgerichtshofs zulässig sei. In eventu sei die Zulässigkeit dadurch gegeben, dass es zu einer gleichen Konstellation auch keine Judikatur des Verwaltungsgerichtshofes gebe und einer Klärung grundsätzliche Bedeutung zukomme. 64 Mit diesem Vorbringen wird die Zulässigkeit der Revision nicht aufgezeigt. 65 Die Erstrevisionswerberin wurde mit Wirkung vom 1. Mai 2012 befristet zum 30. April 2017 zur Magistratsdirektorin bestellt. Im Zeitpunkt der Erlassung des angefochtenen Erkenntnisses des Landesverwaltungsgerichtes Oberösterreich war daher die Funktionsdauer als Magistratsdirektorin durch Zeitablauf, weil unbestrittenermaßen eine Weiterbestellung nicht erfolgte, bereits beendet (vgl. zur Beendigung des befristeten Dienstverhältnisses durch Zeitablauf VwGH 26.5.1999, 99/12/0082; und 2.7.2009, 2008/12/0081). Weder das Oö. Objektivierungsgesetz 1994 noch das Oö. StGBG 2002 sehen vor, dass bei Beendigung der befristeten Funktionsdauer durch Zeitablauf (bei nicht erfolgter Weiterbestellung) ein diese Rechtsgestaltungen bewirkender Bescheid zu erlassen wäre. Der Erstrevisionswerberin kommt im Verfahren auf (Nicht)Weiterbestellung gemäß § 35 Abs. 1 Oö. Objektivierungsgesetz 1994 auch keine Parteistellung zu. Sie hat auch kein Recht auf Weiterbestellung (vgl. betreffend ein Mitglied des Unabhängigen Verwaltungssenats Steiermark VwGH 26.5. 1999, 99/12/0082, betreffend die Leiterin des Inneren Dienstes des Landesschulrates für die Steiermark VwGH 16.3.2005, 2005/12/0031; betreffend die Funktion als Bezirkshauptmann im Burgenland 28.5.2014, Ro 2014/12/0034). 66 Anders als die Erstrevisionswerberin meint, kommt bei kraft Gesetzes eintretendem Verlust des Arbeitsplatzes (Funktion als Magistratsdirektorin) - z.B. wie hier durch Zeitablauf - eine Abziehung im Rahmen eines Versetzungsverfahrens nicht in Betracht. Durch diesen Zeitablauf war der Erstrevisionswerberin die Funktion als Magistratsdirektorin rechtswirksam entzogen, es hatte lediglich die Zuweisung einer neuen Verwendung zu erfolgen (vgl. VwGH 15.11.2006, 2006/12/0027, und 4.9.2014, 2010/12/0201, für das Recht der Bundesbeamten). Sowohl durch das Fehlen eines subjektiven Rechts auf Weiterbestellung als auch durch den infolge Zeitablaufes eintretenden Verlust des Arbeitsplatzes kraft Gesetzes unterscheidet sich die Rechtsstellung der Beamtin nach Ablauf der befristeten Ernennung von jener im Falle einer vorzeitigen Abberufung (vgl. zur letztgenannten Konstellation nochmals VwGH 2.7.2018, Ro 2017/12/0011, 0017 und 0018). Dennoch ist auch in der erstgenannten Konstellation gemäß § 22 Oö. StGBG 2002 eine „Versetzung“ im Verständnis des § 20 leg. cit. zulässig, welcher jedoch als Besonderheit lediglich die Zuweisung des neuen Arbeitsplatzes zu erfassen hat. Die Verwaltungsbehörden sind im erst- und zweitinstanzlichen Verfahren mit einer bloßen Zuweisung einer neuen Verwendung vorgegangen. Das Verwaltungsgericht hat daher in der „Sache“ des Berufungsbescheids entschieden. Dass die in Rede stehende Maßnahme zu einem unzutreffenden rückwirkenden Zeitpunkt verfügt worden wäre, wird in der Zulässigkeitsbegründung nicht geltend gemacht. 67 Das wichtige dienstliche Interesse im Sinne des § 20 Abs. 2 StGBG 2002 an dieser Zuweisung liegt im Revisionsfall schon darin, dass die Erstrevisionswerberin durch den Zeitablauf der befristeten Funktion als Magistratsdirektorin ihres Arbeitsplatzes verlustig gegangen, aber im Dienststand verblieben ist und mangels Zuweisung einer neuen Verwendung keinen Arbeitsplatz innehätte, also keinen Dienst zu versehen hätte, aber weiterhin ein Gehalt bezöge. 68 Das Landesverwaltungsgericht hat auch nicht gegen die Bindungswirkung des Vorerkenntnisses des Verwaltungsgerichtshofs vom 2. Juli 2018 verstoßen, weil aufgrund des mittlerweile eingetretenen Verlusts der Funktion als Magistratsdirektorin durch Zeitablauf eine maßgebliche Änderung der Sach- und Rechtslage vorlag. Es war daher weder unzuständig in Ansehung der vorliegenden Zuweisung einer Verwendung noch wurde allein durch Fällung dieser Entscheidung das angefochtene Erkenntnis mit Rechtswidrigkeit des Inhalts belastet. Entgegen der Ansicht der Erstrevisionswerberin war nämlich - wie bereits ausgeführt - aufgrund der Beendigung der der Funktion als Magistratsdirektorin durch Zeitablauf nicht im Rahmen eines Versetzungsverfahrens über eine Abziehung zu entscheiden. Ein Verfahrensmangel betreffend ein Abziehungsverfahren kann daher nicht vorliegen. 69 Vorsichtshalber macht die Erstrevisionswerberin weiters in der Zulässigkeitsbegründung die Verletzung wesentlicher Verfahrensgrundsätze geltend, und zwar in Bezug auf die Frage, ob die wahre Motivation für die Vorgangsweise ihr gegenüber ihrem Vorbringen gemäß in parteipolitischer Willkür gelegen sei, und in Bezug auf die Frage, weshalb gerade der gegenständliche und kein höherwertiger Arbeitsplatz zugewiesen worden sei. Die Mindestvoraussetzung für eine Entscheidung solcher Art unter solchen Umständen bestehe in der Erhebung der Anhaltspunkte für Willkür und in der Erhebung und Feststellung der vorhandenen Juristen-Arbeitsplätze sowie ihrer Verfügbarkeit. Dazu seien nur Behauptungen ohne eigenstände Ermittlungen (durch das Verwaltungsgericht und überhaupt) sowie ohne konkrete Beweisgrundlage aufgestellt worden. 70 Das Landesverwaltungsgericht hat die Zuweisung des neuen Arbeitsplatzes an die Erstrevisionswerberin schon deshalb für rechtmäßig erachtet, weil es für einen allfälligen Verwendungsschutz im Sinne des § 22 Oö. StGBG 2002 mangels vorhergehender Tätigkeit der Erstrevisionswerberin bei der Stadt W. keinen Anknüpfungspunkt gebe. Damit ist es im Ergebnis davon ausgegangen, dass im Revisionsfall lediglich ein Verwendungsschutz betreffend die Verwendungsgruppe der Erstrevisionswerberin bestehe. Dieser tragenden Rechtsansicht des Landesverwaltungsgerichts wird in der Zulässigkeitsbegründung nicht entgegengetreten, eine verpönte Motivation des Landesverwaltungsgerichts (vgl. hiezu VwGH 27.6.2017, Ra 2016/12/0001) wird nicht behauptet. 71 Das Landesverwaltungsgericht hat die Zuweisung des neuen Arbeitsplatzes auch deswegen als rechtmäßig erachtet, weil eine Zuweisung einer Position mit Führungsfunktion nicht in Betracht gekommen sei, zumal von jedweden Führungskräften ein vorbildliches Verhalten im Umgang mit sozialen Netzwerken und vertraulichen Informationen erwartet werden können müsse, was auf die Erstrevisionswerberin aufgrund ihrer Postings im Rahmen ihres Social-Media-Accounts nicht zutreffe. 72 Festzuhalten ist in diesem Zusammenhang, dass einzelfallbezogenen Fragen des Verfahrensrechts nur dann grundsätzliche Bedeutung zukommt, wenn tragende Grundsätze des Verfahrensrechts auf dem Spiel stehen (vgl. z.B. VwGH 14.1.2020, Ra 2018/12/0047, mwN). Einzelfallbezogen wird ein derartiger Verfahrensmangel grundsätzlicher Bedeutung in der Zulässigkeitsbegründung mit der unsubstantiierten Behauptung willkürlicher Vorgehensweise ohne Auseinandersetzung mit den vom Landesverwaltungsgericht vertretenen rechtlichen Argumenten nicht aufgezeigt. Weiters wurde die Relevanz der behaupteten Verfahrensmängelnicht dargelegt. 73 Eine Rechtsfrage im Sinne des Art. 133 Abs. 4 B-VG wurde somit in der Zulässigkeitsbegründung der Revision der Erstrevisionswerberin nicht aufgezeigt, sodass sie gemäß § 34 Abs. 1 VwGG zurückzuweisen war. 74 Die Entscheidung über den Aufwandersatz gründet auf den §§ 47 ff VwGG iVm der VwGH-Aufwandersatzverordnung 2014. 75 2. Zur Revision der zweitrevisionswerbenden Amtspartei (Ra 2019/12/0043): 76 In der Zulässigkeitsbegründung der Revision wird ausgeführt, das Landesverwaltungsgericht habe im angefochtenen Erkenntnis ein schwerwiegendes schuldhaftes Fehlverhalten der Erstrevisionswerberin festgestellt. Dieses Fehlverhalten sei der Grund für die gegenständliche Versetzung aus wichtigem dienstlichen Interesse. Das Landesverwaltungsgericht habe im angefochtenen Erkenntnis die Rechtsfrage zu klären gehabt, ob auch im Falle einer vom Beamten zu vertretenden, verschuldeten Versetzung der aus § 20 Abs. 2 letzter Halbsatz Oö. StGBG 2002 abgeleitete Bezugsschutz zur Anwendung kommen könne. Folgte man der Auffassung des Landesverwaltungsgerichts, so würde in jedem Fall der Versetzung wegen eines wichtigen dienstlichen Interesses ein Bezugsschutz bestehen. Damit käme auch jenen Gemeindebediensteten dieser Bezugsschutz zugute, denen schwerwiegende Verstöße gegen dienstliche Interessen zur Last zu legen seien. 77 Diese Auslegung des Landesverwaltungsgerichts sei einerseits auf einfachgesetzlicher Ebene zu hinterfragen: Denn sie stehe im Widerspruch zu § 188 Abs. 2 Oö. Gemeinde-Dienstrechts- und Gehaltsgesetz 2002 (Oö. GDG 2002), dessen subsidiäre Geltung § 138 Abs. 3 und § 86 Oö. StGBG 2002 anordneten. Gemäß § 188 Abs. 2 Oö. GDG 2002 gebührten nämlich (nur) Bediensteten, die die Gründe für die Änderung ihrer Verwendung nicht zu vertreten hätten, der Monatsbezug der bisherigen Gehaltsstufe ihrer Funktionslaufbahn solange weiter, bis dieser durch den Monatsbezug, der in der neuen Funktionslaufbahn zustehe, erreicht werde. § 188 Abs. 2 Oö. GDG 2002 stelle eine - gemäß § 138 Abs. 3 Oö. StGBG auch für Bedienstete von Statutarstädten maßgebliche - Spezialregelung für verschuldete Versetzungen dar. 78 Andererseits sei diese Auslegung des Landesverwaltungsgerichts verfassungsrechtlich problematisch: Die Auslegung, dass gemäß § 20 Abs. 2 Oö. StGBG keine Differenzierung zwischen verschuldeter Versetzung einerseits und nicht zu vertretender Versetzung andererseits vorzunehmen und in beiden Fällen Bezugsschutz zu gewähren wäre, würde nämlich Bedienstete von oberösterreichischen Statutargemeinden gegenüber anderen oberösterreichischen Landesbediensteten bezügerechtlich begünstigen und auch über das oberösterreichische Landesrecht hinaus einen Wertungswiderspruch zu dem sonstigen in Österreich geltenden Versetzungsrecht der Beamten darstellen. Für eine solche unterschiedliche Behandlung sei keine sachliche Rechtfertigung ersichtlich, sie widerspreche daher der Judikatur des Verfassungsgerichtshofs zur Pflicht des Gesetzgebers, innerhalb eines Ordnungssystems einzelne Tatbestände auf eine systemgerechte Art zu regeln und nur dann von einem einmal gewählten System abzuweichen, wenn dies durch Unterschiede im Tatsächlichen gerechtfertigt sei. 79 Diese Rechtsfrage sei von grundsätzlicher Bedeutung, weil sie bisher in der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes nicht beantwortet worden sei. Das Landesverwaltungsgericht Oberösterreich stütze sich zwar im angefochtenen Erkenntnis auf eine Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofes zum Oö. Gehaltsgesetz (VwGH 13.3.2009, 2005/12/0175), dieses Erkenntnis sei aber betreffend den Bezugsschutz gerade zu einem anderen Ergebnis gelangt. 80 Der bisher für das Oö. StGBG 2002 nicht beantworteten Rechtsfrage komme auch Bedeutung weit über den vorliegenden Einzelfall zu: Die Frage, ob der aus § 20 Abs. 2 letzter Halbsatz Oö. StGBG abgeleitete Bezugsschutz auch im Falle einer vom Beamten zu vertretenden, verschuldeten Versetzung zur Anwendung komme, stelle sich stets, wenn ein Beamter einer oberösterreichischen Stadt mit eigenem Statut wegen eines Fehlverhaltens versetzt werde. 81 Mit diesem Vorbringen wird die Zulässigkeit der Revision nicht aufgezeigt. 82 Zunächst ist noch einmal klarzustellen, dass hier keine eine Abziehung und Zuweisung umfassende Versetzung der Erstrevisionswerberin vorlag, vielmehr hatte aufgrund des Verlustes der befristeten Funktion als Magistratsdirektorin durch Zeitablauf lediglich die Zuweisung einer neuen Verwendung zu erfolgen. Das wichtige dienstliche Interesse betreffend diese Zuweisung liegt schon darin, dass ansonsten die Erstrevisionswerberin keiner Verwendung zugewiesen wäre, also keinen Dienst zu versehen hätte, obwohl ein Recht auf den Bezug eines Gehalts bestünde (vgl. die Ausführungen zur Revision der Erstrevisionswerberin). 83 Wie oben unter Rn 66 ausgeführt, ist auch für den Fall der nicht erfolgten Weiterbestellung nach dem Oö. Objektivierungsgesetz 1994 gemäß § 22 Oö. StGBG 2002 mit Versetzung nach § 20 Oö. StGBG 2002 mit den Rechtsfolgen des letzten Halbsatzes des Abs. 2 leg. cit. vorzugehen, dies allerdings mit der Besonderheit, dass eine Abziehung vom bisherigen Arbeitsplatz zu unterbleiben hat und lediglich eine Zuweisung vorzunehmen ist. 84 Fragen der Auslegung einer Gesetzesbestimmung, zu denen noch keine Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes vorliegt, begründen grundsätzlich die Zulässigkeit der Revision, außer das Verwaltungsgericht konnte sich auf einen klaren und eindeutigen Gesetzeswortlaut stützen (VwGH 20.12.2017, Ra 2017/12/0124; 25.1.2017, Ra 2016/12/0119). Gemäß § 20 Abs. 2 Oö. StGBG 2002 ist eine Versetzung von Amts wegen zulässig, wenn ein dienstliches Interesse daran besteht, doch darf dadurch eine Minderung der Bezüge nicht eintreten. Nach dem klaren und eindeutigen Gesetzeswortlaut dieser Bestimmung ist daher eine Minderung der Bezüge jedenfalls nicht vorgesehen, ganz unabhängig davon, ob ein Fehlverhalten des Beamten vorlag oder nicht. 85 Soweit vorgebracht wird, der Verwaltungsgerichtshof sei im Erkenntnis vom 13. März 2009, 2005/12/0175, zu einem gegenteiligen Ergebnis gelangt, ist festzuhalten, dass dieses einen Bezirkshauptmann betreffende Erkenntnis - wie die revisionswerbende Partei selbst ausführt - zum Oö. Gehaltsgesetz 2001 erging; gerade die hier anzuwendende Bestimmung des § 20 Abs. 2 Oö. StGBG 2002 gelangte dort nicht zur Anwendung. Auch der Umstand, dass die Bestimmung des § 20 Abs. 2 letzter Halbsatz Oö. StGBG 2002 für alle Beamten oberösterreichischer Städte mit eigenem Statut gilt, bewirkt für sich allein nicht die Zulässigkeit der Revision. 86 Im Hinblick auf die abweichende ausdrückliche Regelung des § 20 Abs. 2 letzter Halbsatz Oö. StGBG 2002 umfasst der Verweis des § 2 Abs. 2 leg. cit. in der durch § 138 Abs. 3 leg. cit. modifizierten Fassung den § 188 Abs. 2 Oö. GDG 2002 nicht. § 86 iVm § 2 Oö. StGBG 2002 (unmodifizierte Fassung) erfasst das Oö. GDG 2002 schon abstrakt nicht. 87 Im Übrigen kann die Zulässigkeit der Revision nicht mit der Behauptung der Verfassungswidrigkeit einer generellen Norm begründet werden (vgl. z.B. VwGH 27.6.2017, Ra 2017/12/0042, mwN). Dies gilt - entgegen der Ansicht der zweitrevisionswerbenden Partei - auch für die Revision einer Amtspartei, deren Beschwerde gemäß Art. 144 B-VG an den Verfassungsgerichtshof mangels Verletzung in einem subjektiven Recht unzulässig wäre. Ist die Amtspartei nicht legitimiert, die Verfassungswidrigkeit mittels Beschwerde beim Verfassungsgerichtshof geltend zu machen, bewirkt die Behauptung der Verfassungswidrigkeit umso weniger die Zulässigkeit der Revision vor dem Verwaltungsgerichtshof. Im Übrigen hat der Verwaltungsgerichtshof auch keine verfassungsrechtlichen Bedenken betreffend unterschiedliche Regelungen des Bezugsschutzes bei Versetzung zwischen Beamten von Städten mit eigenem Statut und anderen Gemeindebediensteten oder Landes- bzw. Bundesbeamten. Aus Art. 21 Abs. 1 zweiter Satz in Verbindung mit Abs. 4B-VG ergibt sich, dass das Bundesdienstrecht nicht Maßstab für das Dienstrecht der Länder schlechthin ist, sondern nur insoweit, als es die Freizügigkeit des Dienstwechsels betrifft. Damit ist es den Ländern verwehrt, solche dienstrechtlichen Regelungen zu schaffen, die einen Dienstwechsel zwischen den Gebietskörperschaften wesentlich erschweren. Um den Dienstwechsel tatsächlich auch in wirtschaftlicher Hinsicht zu ermöglichen, müssen die auf die Besoldung bezüglichen Regelungen der verschiedenen Gesetzgeber im Wesentlichen denselben Grundsätzen folgen. Andere Regelungsbereiche des Dienstrechts, wie z.B. über das Disziplinarrecht, die auf den Dienstwechsel keinen - wirtschaftlichen - Einfluss haben, sind von der Homogenität nicht erfasst (vgl. ausführlich VfGH25.9.1996, G149/96). Wie in dem genannten Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofs die „besoldungsrechtlichen Nebenwirkungen“ disziplinarrechtlicher Regelungen nicht vom Homogenitätsprinzip erfasst sind, ist auch eine besoldungsrechtliche Nebenwirkung des Versetzungsrechts nicht vom Homogenitätsprinzip erfasst. Aufgrund des bundesstaatlichen Prinzips und der unterschiedlichen Gesetzgeber kann das dienstrechtliche System in den Ländern unterschiedlich ausgestaltet sein (VfGH 14.6.2018, G57/2018 ua). Verfassungsrechtliche Beschränkungen allein wegen der Unterschiedlichkeit der Regelungen von nicht vom Homogenitätsprinzip erfassten Bereichen, auch je nach Zugehörigkeit der Beamten zu einer Stadt mit eigenem Statut oder einer sonstigen Gemeinde oder zu einem Land, wurden in der Zulässigkeitsbegründung nicht aufgezeigt und sind auch nicht ersichtlich. 88 Mangels Vorliegen einer Rechtsfrage im Sinne des Art. 133 Abs. 4 B-VG war die Revision daher zurückzuweisen. 89 Der Ausspruch über den Aufwandersatz gründet auf den §§ 47 ff VwGG iVm der VwGH-Aufwandersatzverordnung 2014. Wien, am 18. Mai 2020
JWT_2019120050_20200219L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019120050.L00
Ra 2019/12/0050
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019120050_20200219L00/JWT_2019120050_20200219L00.html
1,582,070,400,000
1,762
Spruch Die Revision wird zurückgewiesen. Begründung 1 Die Revisionswerberin steht in einem öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis zum Bund und ist gemäß § 17 PTSG der Österreichischen Post Aktiengesellschaft zur Dienstleistung zugewiesen. 2 Mit Weisung vom 16. März 2016 wurde sie mit Wirksamkeit vom 23. März 2016 einem näher genannten Bereich der Unternehmenszentrale, mit Dienstort Wien zur Dienstleistung zugewiesen. Zugleich wurde ihr mitgeteilt, dass ihre Versetzung an diese Dienststelle angedacht sei. 3 Mit Schreiben vom 16. Juni 2016 teilte die vor dem Verwaltungsgericht belangte Behörde der Revisionswerberin mit, dass die Weisung vom 16. März 2016 als zurückgezogen gelte, an der geplanten Versetzung aber festgehalten werde und die Revisionswerberin bis zur bescheidmäßigen Erledigung der Versetzung weiterhin ihren Dienst in Wien zu versehen habe. 4 Mit Schreiben vom 11. Juli 2016 wiederholte die vor dem Verwaltungsgericht belangte Behörde die Weisung im Hinblick auf die Dienstzuteilung zur Unternehmenszentrale in Wien. Mit Schreiben vom 2. August 2017 teilte sie erneut mit, dass sie weiterhin an der beabsichtigten Versetzung festhalte. 5 Mit Bescheid vom 22. November 2017 wurde die Revisionswerberin mit Wirksamkeit vom 1. Dezember 2017 in eine näher genannte Organisationseinheit der Unternehmenszentrale mit Dienstort Wien versetzt. Über Beschwerde der Revisionswerberin wurde dieser Bescheid vom Bundesverwaltungsgericht mit Erkenntnis vom 8. November 2018 aufgehoben. 6 Mit Bescheid vom 26. März 2019 wurde die Revisionswerberin mit Wirksamkeit vom 1. April 2019 erneut zur genannten Organisationseinheit der Unternehmenszentrale mit Dienstort Wien versetzt. Gegen diesen Bescheid erhob die Revisionswerberin neuerlich Beschwerde. 7 Der Revisionswerberin wurden Zuteilungsgebühren nach § 22 der Reisegebührenvorschrift 1995 (RGV) für den Zeitraum März bis September 2016 ausbezahlt. Mit Antrag vom 1. März 2018 begehrte sie die Zuerkennung von Zuteilungsgebühren "für den Zeitraum von März 2016 bis November 2017 über die 180 Tage hinaus (sohin über Oktober 2016 hinaus)". Diesen Antrag wies die vor dem Verwaltungsgericht belangte Behörde mit Bescheid vom 15. Oktober 2018 ab. Mit dem nunmehr in Revision gezogenen Erkenntnis wies das Bundesverwaltungsgericht die dagegen erhobene Beschwerde ab und erklärte die Revision nach Art. 133 Abs. 4 B-VG für unzulässig. 8 Zur Begründung führte das Verwaltungsgericht zusammengefasst aus, dass im vorliegenden Fall auf die Frage, ob eine "Dienstzuteilung" im Sinne des § 2 Abs. 3 RGV oder eine "Versetzung" iSd. § 2 Abs. 4 RGV vorliegt, nicht näher eingegangen werden müsse, weil ein Anspruch der Revisionswerberin auf Zuteilungsgebühren gemäß § 22 Abs. 2 RGV im Zeitraum der Überschreitung der 180 Tage "schon deshalb" nicht bestehe, weil der über 180 Tage hinausgehende Bezug der Zuteilungsgebühr gemäß § 22 Abs. 8 RGV nur in jenen Bereichen Anwendung finde, in denen eine Versetzung keinesfalls zweckmäßig sei (Hinweis auf VwGH 8.3.2018, Ra 2015/12/0015). Die Voraussetzungen für eine Anwendung des § 22 Abs. 8 RGV seien im vorliegenden Fall nicht erfüllt, weil die Dienstzuteilung nicht in einem Bereich erfolgt sei, in dem eine Versetzung von vornherein unzweckmäßig wäre. Derartiges sei von der Revisionswerberin auch nicht behauptet worden, zumal sie lediglich angegeben habe, dass sie ihren Dienst auch vom Ort ihrer angestammten Dienststelle aus ausüben könnte und aus sozialen und familiären Gründen an diesen Ort gebunden sei. Aus dem Bestehen eines systemisierten Arbeitsplatzes lasse sich geradezu ableiten, dass eine Versetzung in diesem Bereich grundsätzlich zweckmäßig wäre (Hinweis auf die Gesetzesmaterialien, RV 981 BlgNR 24. GP, 221). 9 Zur Zulässigkeit der gegen dieses Erkenntnis erhobenen Revision bringt die Revisionswerberin vor, entgegen der Ansicht des Bundesverwaltungsgerichts komme der Frage, ob eine Dienstzuteilung oder eine Versetzung vorliege, Bedeutung zu, weil nur im Fall der Dienstzuteilung die Vorschriften des Abschnitts V (§§ 22 ff) der RGV zur Anwendung kämen. Zwischen der vor dem Bundesverwaltungsgericht belangten Behörde und der Revisionswerberin sei unstrittig, dass sie für insgesamt 20 Monate dienstzugeteilt gewesen sei. Strittig sei lediglich der Anspruch auf Zuteilungsgebühren nach Ablauf von 180 Tagen. Gemäß § 39 BDG 1979 sei eine Dienstzuteilung nur aus dienstlichen Gründen zulässig und dürfe ohne schriftliche Zustimmung höchstens für die Dauer von 90 Tagen in einem Kalenderjahr ausgesprochen werden. Eine darüber hinaus gehende Dienstzuteilung sei nur dann zulässig, wenn der Dienstbetrieb auf andere Weise nicht aufrechterhalten könne oder sie zum Zweck einer Ausbildung erfolge. Da Letzteres nicht behauptet worden sei, sei die Dienstzuteilung der Revisionswerberin "offensichtlich" für die Aufrechterhaltung des Dienstbetriebes notwendig gewesen, woran auch der Umstand nichts ändern könne, dass von Beginn an beabsichtigt gewesen sei, die Revisionswerberin von Amts wegen an den (zur Neubesetzung ausgeschriebenen) Arbeitsplatz zu versetzen. Durch die Stellenausschreibung und die angedrohte Versetzung, wogegen sie sich mit allen rechtlichen Mitteln gewehrt habe, sei ihre Dienstzuteilung zeitlich begrenzt und ein Ende absehbar gewesen. 10 Die Revision zitiert das zur Auslegung des § 22 Abs. 8 RGV ergangene Erkenntnis vom 8. März 2018, Ra 2015/12/0015, wonach die Zuteilungsgebühr gemäß § 22 Abs. 8 RGV während der gesamten Dauer der Dienstzuteilung - und somit über 180 Tage hinaus - gebührt , wenn "im zu versehenden Dienst wurzelnde Umstände" vorliegen, "die es zweckmäßig erscheinen lassen, dass ein Wechsel der dienstzugeteilten Person unterbleibt, und die vielmehr dafür sprechen, dass dieselbe Person weiterhin Dienst versieht (z.B. weil das Einarbeiten eines neuen Beamten äußerst zeitaufwändig wäre)". Dass dies auf sie zutreffe, stützt die Revisionswerberin darauf, dass sie dienstzugeteilt gewesen sei ("die Rechtskonformität der Maßnahme vorausgesetzt") und leitet daraus ab, dass "mangels gegenteiliger Verfahrensergebnisse" in ihrer Person gelegene Gründe vorgelegen haben müssten, die den Austausch mit einer anderen Person unzweckmäßig hätten erscheinen lassen. 11 Nach Art. 133 Abs. 4 B-VG ist gegen ein Erkenntnis des Verwaltungsgerichtes die Revision zulässig, wenn sie von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, insbesondere weil das Erkenntnis von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abweicht, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes nicht einheitlich beantwortet wird. 12 Nach § 34 Abs. 1 VwGG sind Revisionen, die sich wegen Nichtvorliegen der Voraussetzungen des Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zur Behandlung eignen, ohne weiteres Verfahren in nichtöffentlicher Sitzung mit Beschluss zurückzuweisen. 13 Nach § 34 Abs. 1a VwGG ist der Verwaltungsgerichtshof bei der Beurteilung der Zulässigkeit der Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG an den Ausspruch des Verwaltungsgerichtes gemäß § 25a Abs. 1 VwGG nicht gebunden. Die Zulässigkeit einer außerordentlichen Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG hat der Verwaltungsgerichtshof im Rahmen der dafür in der Revision vorgebrachten Gründe (§ 28 Abs. 3 VwGG) zu überprüfen. 14 § 22 RGV, BGBl. Nr. 133/1955, in der Fassung BGBl. I Nr. 111/2010, lautet, soweit hier relevant: "ABSCHNITT V Dienstzuteilung § 22. (1) Bei einer Dienstzuteilung erhält der Beamte eine Zuteilungsgebühr; sie umfaßt die Tagesgebühr und die Nächtigungsgebühr. Der Anspruch auf die Zuteilungsgebühr beginnt mit der Ankunft im Zuteilungsort und endet mit der Abreise vom Zuteilungsort oder, wenn der Beamte in den Zuteilungsort versetzt wird, mit dem Ablauf des letzten Tages der Dienstzuteilung, spätestens aber nach Ablauf des 180. Tages der Dienstzuteilung. § 17 findet sinngemäß Anwendung. ... 1. (8)In Dienstbereichen, in denen es in der Natur des Dienstes liegt, dass die Dauer der vorübergehenden Dienstzuteilung 180 Tage überschreitet, gebührt der Beamtin oder dem Beamten die Zuteilungsgebühr gemäß Abs. 2 während der gesamten Dauer der Dienstzuteilung." 15 Der Verwaltungsgerichtshof hat sich mit § 22 Abs. 8 RGV im Erkenntnis vom 8. März 2018, Ra 2015/12/0015, näher auseinandergesetzt und dazu festgehalten, dass es nach den einschlägigen Gesetzesmaterialien (RV 981 BlgNR 24. GP 221) in bestimmten Bereichen der Bundesverwaltung in der Natur der Dienstleistung liegen könne, dass eine Zuweisung an einen bestimmten Ort einen vorübergehenden Bedarf über 180 Tage hinaus abdecke. Der über 180 Tage hinausgehende Bezug der Zuteilungsgebühr finde nur in jenen Bereichen Anwendung, in denen eine Versetzung keinesfalls zweckmäßig sei. Nach den Gesetzesmaterialien sei zu prüfen, ob die Dauer der konkret vorliegenden, vorübergehenden Dienstzuteilung, aus im betroffenen Dienstbereich in der Natur des Dienstes liegenden Gründen 180 Tage überschreite. Dies zeigten schon die dort genannten Beispiele des z. B. für die Cobra notwendigen Einschreitens bei erhöhten oder hohen Gefährdungslagen bzw. für Staatsanwältinnen und Staatsanwälte bzw. Exekutivbeamtinnen und Exekutivbeamte nicht generell, sondern in ausgesucht schwierigen Kriminalfällen bei Ermittlungsverfahren, die mehr als 180 Tage andauerten. Bei Vorliegen von im zu versehenden Dienst wurzelnden Umständen, die es zweckmäßig erscheinen ließen, dass ein Wechsel der dienstzugeteilten Person unterbleibe, und die vielmehr dafür sprächen, dass dieselbe Person weiterhin Dienst versehe (z.B. weil das Einarbeiten eines neuen Beamten äußerst zeitaufwändig wäre), sei im Verständnis der Gesetzesmaterialien, das im Gesetzeswortlaut gerade noch Deckung finde, davon auszugehen, dass gemäß § 22 Abs. 8 RGV die Zuteilungsgebühr während der gesamten Dauer der Dienstzuteilung - und somit über 180 Tage hinaus - gebühre. 16 Die Revision bestreitet nicht den - zum Teil disloziert - im angefochtenen Erkenntnis festgestellten Sachverhalt, dass von Beginn an die definitive Versetzung der Revisionswerberin auf den in Rede stehenden Arbeitsplatz beabsichtigt gewesen sei, die dann mit Bescheid vom 22. November 2017 verfügt worden sei. Sie bestreitet auch nicht das "Bestehen eines systemisierten Arbeitsplatzes", aus dem das Bundesverwaltungsgericht abgeleitet hat, dass eine Versetzung vorliegendenfalls grundsätzlich zweckmäßig gewesen wäre. 17 Soweit die Revision - sowohl in der Zulässigkeitsbegründung als auch in den Revisionsgründen - näher ausführt, dass es sich bei den die Revisionswerberin treffenden Maßnahmen um eine Dienstzuteilung gemäß § 2 Abs. 3 RGV gehandelt habe, ist damit für die Zulässigkeit der Revision nichts gewonnen, weil das angefochtene Erkenntnis das Vorliegen der in § 22 Abs. 8 RGV geregelten Voraussetzungen für eine über die Dauer von 180 Tagen hinaus gehende Zuteilungsgebühr nicht deswegen verneint hat, weil keine Dienstzuteilung vorgelegen sei, sondern - mit näherer Begründung - deshalb, weil es sich um keine Dienstzuteilung in einem Dienstbereich handelt, "in de(m) es in der Natur des Dienstes liegt, dass die Dauer der vorübergehenden Dienstzuteilung 180 Tage überschreitet". 18 Dass das Bundesverwaltungsgericht dabei von der im Erkenntnis vom 8. März 2018, Ra 2015/12/0015, getroffenen Auslegung abgewichen wäre, zeigt die Revision nicht auf. 19 Soweit die Revision aus dem Umstand allein, dass die Revisionswerberin bis zu ihrer (zunächst erfolgreich bekämpften) Versetzung "über einen langen Zeitraum" dienstzugeteilt war, abzuleiten versucht, dass "in ihrer Person gelegene" Umstände "vorgelegen haben müssen", die den Austausch mit einer anderen Person unzweckmäßig erscheinen ließen, ist ihr entgegenzuhalten, dass der bloße Umstand, dass eine Dienstzuteilung - sei es auch allenfalls rechtswidrig (faktisch) - über einen langen Zeitraum aufrechterhalten wird, nicht ausreicht, um die Anspruchsvoraussetzungen des § 22 Abs. 8 RGV zu erfüllen. Dass nicht bloß "in der Person der Revisionswerberin gelegene Gründe", sondern - wie es der Verwaltungsgerichtshof im Erkenntnis vom 8. März 2018, Ra 2015/12/0015, als Erfordernis formuliert hat - "im betroffenen Dienstbereich in der Natur des Dienstes liegende Gründe" gegeben waren, zeigt die Revision nicht auf. 20 Soweit dieses Vorbringen der Zulässigkeitsbegründung allerdings so zu verstehen sein sollte, dass damit ein Verfahrensmangel behauptet wird (dahin deuten die korrespondierenden Ausführungen in den Revisionsgründen, wonach das Bundesverwaltungsgericht verabsäumt habe, Gründe anzuführen, warum die Dienstzuteilung der Revisionswerberin "über einen derart langen Zeitraum aufrechterhalten wurde"), wird damit keine Rechtsfrage grundsätzlicher Bedeutung aufgezeigt. Wenn Verfahrensmängel als Zulassungsgründe ins Treffen geführt werden, muss auch schon in der abgesonderten Zulässigkeitsbegründung die Relevanz dieser Mängel, weshalb also bei Vermeidung des Verfahrensfehlers in der Sache ein anderes für den Revisionswerber günstigeres Ergebnis hätte erzielt werden können, dargetan werden. Dies setzt voraus, dass - auch in der gesonderten Begründung für die Zulässigkeit der Revision zumindest auf das Wesentliche zusammengefasst - jene Tatsachen dargestellt werden, die sich bei Vermeidung des Verfahrensfehlers als erwiesen ergeben hätten (VwGH 4.3.2019, Ra 2018/20/0540; siehe auch VwGH 27.3.2019, Ra 2019/12/0018). Welche - von den im angefochtenen Erkenntnis getroffenen Feststellungen abweichenden - Tatsachen das Bundesverwaltungsgericht hätte ermitteln und feststellen sollen, die eine Subsumtion unter § 22 Abs. 8 RGV erlaubt hätten, wird in der Revision nicht aufgezeigt. 21 In der Revision werden somit keine Rechtsfragen aufgeworfen, denen im Sinne des Art. 133 Abs. 4 B-VG grundsätzliche Bedeutung zukäme. Die Revision war daher zurückzuweisen. Wien, am 19. Februar 2020
JWT_2019120052_20201008L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019120052.L00
Ra 2019/12/0052
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019120052_20201008L00/JWT_2019120052_20201008L00.html
1,602,115,200,000
1,336
Spruch Das angefochtene Erkenntnis wird wegen Rechtswidrigkeit infolge Verletzung von Verfahrensvorschriften aufgehoben. Der Bund hat dem Revisionswerber Aufwendungen in der Höhe von € 1.346,40 binnen zwei Wochen bei sonstiger Exekution zu ersetzen. Begründung 1 Der Revisionswerber steht in einem öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis zum Bund und ist der Österreichischen Post AG zur Dienstleistung zugewiesen. Er war zuletzt als Beamter im Bereich Paketzustelldienst beschäftigt und befand sich seit 19. März 2014 im Krankenstand. Mit Schreiben vom 28. März 2014 wurde er vom Personalamt Wien der Österreichischen Post AG davon informiert, dass am 26. März 2014 von Amts wegen das Ruhestandsversetzungsverfahren gemäß § 14 BDG 1979 eingeleitet worden sei. Am 15. Mai 2014, 9. November 2015, 25. September 2017 und am 10. Oktober 2017 wurde er über Veranlassung des Personalamts durch ärztliche Sachverständige der Pensionsversicherungsanstalt (PVA) untersucht, deren Gutachten in Stellungnahmen des chefärztlichen Dienstes der PVA jeweils vom 11. Juni 2014, 12. Dezember 2015 und 18. Oktober 2017 zusammengefasst wurden. 2 Mit Bescheid des Personalamts vom 20. Juni 2018 wurde der Revisionswerber gemäß § 14 BDG 1979 von Amts wegen in den Ruhestand versetzt. Zur Begründung stützte sich das Personalamt darauf, dass der Revisionswerber auf Grund der Stellungnahme des chefärztlichen Dienstes der PVA vom 18. Oktober 2017 aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in der Lage sei, die mit dem zuletzt dienstrechtlich wirksam zugewiesenen Arbeitsplatz, Code 0805, Paketzustelldienst, verbundenen Aufgaben zu erfüllen, weil ihm Tätigkeiten mit schwerer körperlicher Beanspruchung, fallweise schweren Hebe- und Trageleistungen und Exposition von Nässe und Kälte nicht mehr möglich und zumutbar seien. Auch die Dienstleistung auf - im Bescheid näher angeführten - anderen Arbeitsplätzen sei dem Revisionswerber aufgrund des Gesamtrestleistungskalküls nicht mehr möglich bzw. zumutbar. Hinsichtlich des Arbeitsplatzes, Code 0835, Fachpostverteildienst, sei er zwar noch in der Lage, diesen aufgrund seines Gesamtrestleistungskalküls auszuüben, jedoch sei weder „derzeit“ noch in absehbarer Zeit ein entsprechender Arbeitsplatz frei bzw. werde kein entsprechender Arbeitsplatz frei. 3 Gegen diesen Bescheid erhob der Revisionswerber Beschwerde. Im Beschwerdeverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht beantragte er die Einholung eines berufskundlichen Sachverständigengutachtes zur Frage des Vorliegens von Verweisungsarbeitsplätzen. 4 Das Bundesverwaltungsgericht wies die Beschwerde mit Erkenntnis vom 27. Juni 2019 als unbegründet ab und erklärte die Revision unter Verweis auf die im Erkenntnis im Einzelnen zitierte Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes für nicht zulässig. Zur beantragten Einholung des Gutachtens eines berufskundlichen Sachverständigen führte das Bundesverwaltungsgericht aus, dass aus dem Vorbringen des Revisionswerbers keine „substantiellen Mängel erkennbar“ seien, die die Ermittlungsergebnisse des Personalamts „hinsichtlich de[r] Verweisungsarbeitsplätz[e] in Zweifel ziehen konnten“. Zudem bestehe nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes kein Erfordernis, für die Evaluierung von Verweisungsarbeitsplätzen einen berufskundlichen Sachverständigen beizuziehen. Es gehe vorliegendenfalls nämlich nicht um die Verwendbarkeit des Revisionswerbers auf Arbeitsplätzen, deren Anforderungsprofile der beim Verwaltungsgericht belangten Behörde nicht bekannt seien, sondern um die Verwendung des Revisionswerbers im Bereich der Dienstbehörde auf von ihr organisatorisch eingerichteten und ihr folglich von den Anforderungen her bekannten Arbeitsplätzen (Hinweise auf VwGH 23.6.2014, 2010/12/0209; 30.6.2010, 2006/12/0209; und 17.9.2008, 2007/12/0144). 5 Gegen dieses Erkenntnis richtet sich die vorliegende außerordentliche Revision, die zur Begründung ihrer Zulässigkeit dem Ausspruch des Bundesverwaltungsgerichts über die Unzulässigkeit der Revision entgegentritt und dazu unter anderem (unter Hinweis auf die Erkenntnisse vom 17. September 2008, 2007/12/0163, und vom 17. Dezember 2007, 2007/12/0058) vorbringt, dass die Versetzung in den Ruhestand wegen Dienstunfähigkeit von Amts wegen (ua.) voraussetze, dass „auf Dauer kein freier Verweisungsarbeitsplatz für den Beamten zur Verfügung stehe“. Im vorliegenden Fall sei die Rechtsfrage zu klären, ob es „in lang andauernden Ruhestandsversetzungsverfahren (gegenständlich mehr als vier Jahre)“ ausreiche, wenn die Dienstbehörde bloß in einem Zeitraum von drei Monaten überprüfe, „ob Verweisungsberufe möglich sind“. Zudem bestehe ein Verfahrensmangel darin, dass das Bundesverwaltungsgericht, obwohl der Revisionswerber dies beantragt habe, zur Beurteilung, ob Verweisungsberufe bestünden, die der Revisionswerber gemäß seinem Leistungskalkül noch hätte bekleiden können, keinen berufskundlichen Sachverständigen beigezogen habe. 6 Die vor dem Verwaltungsgericht belangte Behörde erstattete eine Revisionsbeantwortung, in der die Zurückweisung der Revision, hilfsweise deren Abweisung beantragt wird. 7 Der Verwaltungsgerichtshof hat erwogen: 8 Die Revision ist im Lichte ihrer Zulässigkeitsbegründung zulässig. Sie ist auch berechtigt. 9 Die Absätze Abs. 1 bis 3 des § 14 BDG 1979 lauten in der hier maßgeblichen Fassung BGBl. I Nr. 140/2011: „Versetzung in den Ruhestand wegen Dienstunfähigkeit § 14. (1) Die Beamtin oder der Beamte ist von Amts wegen oder auf ihren oder seinen Antrag in den Ruhestand zu versetzen, wenn sie oder er dauernd dienstunfähig ist. (2) Die Beamtin oder der Beamte ist dienstunfähig, wenn sie oder er infolge ihrer oder seiner gesundheitlichen Verfassung ihre oder seine dienstlichen Aufgaben nicht erfüllen und ihr oder ihm im Wirkungsbereich ihrer oder seiner Dienstbehörde kein mindestens gleichwertiger Arbeitsplatz zugewiesen werden kann, dessen Aufgaben sie oder er nach ihrer oder seiner gesundheitlichen Verfassung zu erfüllen imstande ist und der ihr oder ihm mit Rücksicht auf ihre oder seine persönlichen, familiären und sozialen Verhältnisse billigerweise zugemutet werden kann. (3) Soweit die Beurteilung eines Rechtsbegriffes im Abs. 1 oder 2 von der Beantwortung von Fragen abhängt, die in das Gebiet ärztlichen oder berufskundlichen Fachwissens fallen, ist von der Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter, Eisenbahnen und Bergbau - ausgenommen für die gemäß § 17 Abs. 1a des Poststrukturgesetzes (PTSG), BGBl. Nr. 201/1996, den dort angeführten Unternehmen zugewiesenen Beamtinnen und Beamten - Befund und Gutachten einzuholen. Für die gemäß § 17 Abs. 1a PTSG zugewiesenen Beamtinnen und Beamten ist dafür die Pensionsversicherungsanstalt zuständig.“ 10 Gemäß § 17 VwGVG sind auf das Verfahren über Beschwerden gemäß Art. 130 Abs. 1 B-VG (auch) „jene verfahrensrechtlichen Bestimmungen in Bundes- oder Landesgesetzen sinngemäß anzuwenden, die die Behörde in dem dem Verfahren vor dem Verwaltungsgericht vorangegangenen Verfahren angewendet hat oder anzuwenden gehabt hätte“. 11 Zu den tragenden Grundsätzen des Verfahrensrechts gehört die Pflicht des Verwaltungsgerichts, beantragte Beweise aufzunehmen. Das Verwaltungsgericht ist - im Hinblick auf die das verwaltungsgerichtliche Verfahren beherrschenden Grundsätze der Amtswegigkeit (§ 39 Abs. 2 AVG iVm. § 17 VwGVG) und der materiellen Wahrheit (§ 37 AVG) - verpflichtet, für die Durchführung aller zur Klarstellung des Sachverhalts erforderlichen Beweise zu sorgen und auf das Parteivorbringen, soweit es für die Feststellung des Sachverhalts von Bedeutung sein kann, einzugehen. Beweisanträge dürfen nur dann abgelehnt werden, wenn die Beweistatsachen als wahr unterstellt werden, es auf sie nicht ankommt oder das Beweismittel an sich nicht geeignet ist, über den Gegenstand der Beweisaufnahme einen Beweis zu liefern und damit zur Ermittlung des maßgebenden Sachverhalts beizutragen. Das Verwaltungsgericht ist verpflichtet, erforderliche Beweise aufzunehmen. Es darf sich nicht über erhebliche Behauptungen und Beweisanträge ohne Ermittlungen und ohne eine dem Gesetz entsprechende Begründung hinwegsetzen (VwGH 14.10.2016, Ra 2016/09/0052; 24.7.2017, Ro 2014/08/0043). 12 Gemäß § 14 Abs. 3 BDG 1979 sind im Ruhestandsversetzungsverfahren zu lösende Fragen, die in das Gebiet der Berufskunde fallen, von einem Sachverständigen (hier: der PVA) zu behandeln. Eine Ausnahme gilt nach den im angefochtenen Erkenntnis (und in der - diesem entgegentretenden - Zulässigkeitsbegründung) zitierten Erkenntnissen, in denen der Verwaltungsgerichtshof dem Vorbringen, die (damals) jeweils belangte Behörde hätte bei der Beurteilung verfügbarer Verweisarbeitsplätze das (damals) jeweils beantragte Gutachten eines berufskundlichen Sachverständigen einzuholen gehabt, mit folgender Begründung entgegentrat (Zitat aus dem Erkenntnis VwGH 17.9.2008, 2007/12/0144; in gleichem Sinn auch VwGH 17.12.2007, 2007/12/0058; 17.9.2008, 2007/12/0163; 30.6.2010, 2006/12/0209; 23.6.2014, 2010/12/0209): „[D]ie Dienstbehörde [war] nicht nach § 1 DVG in Verbindung mit § 52 AVG verpflichtet, einen berufskundlichen Sachverständigen zur näheren Ausleuchtung der auf den Verweisungsarbeitsplätzen zugewiesenen Aufgaben beizuziehen, geht es doch im vorliegenden Fall nicht um die Verwendbarkeit des Beschwerdeführers auf der belangten Behörde vom Anforderungsprofil her nicht bekannten Arbeitsplätzen, insbesondere auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt, sondern um seine Verwendung im Bereich der Dienstbehörde auf von ihr organisatorisch eingerichteten und ihr folglich von den Anforderungen her bekannten Arbeitsplätzen (vgl. das hg. Erkenntnis vom 17. Dezember 2007, Zl. 2007/12/0058), sodass von einem Mangel der erforderlichen Sachkunde im Sinn des § 52 AVG und damit von der Notwendigkeit der Beiziehung eines Sachverständigen nicht gesprochen werden kann“. 13 Diese Rechtsprechung, die sich auf das Verfahren vor jener Behörde bezieht, in deren Bereich die Arbeitsplätze eingerichtet sind, ist jedoch auf ein verwaltungsgerichtliches Verfahren, in dem im Bereich der beim Verwaltungsgericht belangten Behörde eingerichtete Verweisarbeitsplätze zu beurteilen sind, nicht übertragbar. 14 Eine Beurteilung durch das Verwaltungsgericht, die sich auf die - allein auf dem Amtswissen der beim Verwaltungsgericht belangten Behörde beruhenden- „Ermittlungsergebnisse“ des angefochtenen Bescheides stützt, vermag die beantragte Einholung des Gutachtens eines berufskundlichen Sachverständigen nicht zu substituieren (vgl. demgegenüber zur Zulässigkeit der Heranziehung behördlichen Sachverstands im - hier nicht gegebenen - Fall des Gutachtens eines Amtssachverständigen VfGH 7.10.2014, E 707/2014 [=VfSlg. 19.902/2014], sowie - dem folgend - zB VwGH 22.6.2016, Ra 2016/03/0027; 28.3.2017, Ro 2016/09/0009). 15 Das Bundesverwaltungsgericht hat sich somit über den Beweisantrag ohne eine dem Gesetz entsprechende Begründung hinweggesetzt. Es ist nicht ausgeschlossen, dass es bei Vermeidung dieses Mangels zu einem anderen Ergebnis gelangt wäre. 16 Das angefochtene Erkenntnis war daher wegen Rechtswidrigkeit infolge Verletzung von Verfahrensvorschriften gemäß § 42 Abs. 2 Z 3 lit. C VwGG aufzuheben. 17 Die Kostenentscheidung gründet sich auf die §§ 47 ff VwGG in Verbindung mit der VwGH-Aufwandersatzverordnung 2014. Wien, am 8. Oktober 2020
JWT_2019120055_20200527L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019120055.L00
Ra 2019/12/0055
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019120055_20200527L00/JWT_2019120055_20200527L00.html
1,590,537,600,000
1,492
Spruch Die Revision wird zurückgewiesen. Begründung 1 Der Revisionswerber steht in einem öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis zum Land Niederösterreich. 2 Mit Bescheid vom 22. November 2018 sprach die Niederösterreichische Landesregierung über Anträge des Revisionswerbers folgendermaßen ab: „I. Ihr Antrag ‚auf Vornahme der Beförderung auf Basis der rechtlichen Bestimmungen zumindest ab Juni 2013, insbesondere des § 17 DPL 1972 iVm den internen Beförderungsrichtlinien DP, unter Wahrung des arbeitsrechtlichen Gleichbehandlungsgrundsatzes, wobei unsachliche und damit willkürliche Erwägungen sowie diskriminierende Erwägungen außer Acht gelassen werden mögen‘, wird zurückgewiesen. Ihre Anträge auf II. ‚Neuberechnung sämtlicher Bezüge, inkl. Zulagen und Ausgleichszulage auf Grundlage einer rechtmäßig vorgenommenen Beförderung (ab Juni 2013)‘ sowie III. ‚Neuberechnung der Urlaubsansprüche‘ werden abgewiesen.“ 3 Begründend wurde im Wesentlichen ausgeführt, nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes bestehe weder auf Ernennungen zur Begründung eines öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnisses noch auf Ernennungen im Dienstverhältnis (Überstellungen, Beförderungen) ein Rechtsanspruch. Nachdem die Antragslegitimation nicht gegeben sei, sei der unter Spruchpunkt I. genannte Antrag zurückzuweisen. Mangels Änderung der dienst- und besoldungsrechtlichen Stellung seien die unter Spruchpunkten II. und III. genannten Anträge abzuweisen. 4 Mit dem angefochtenen Erkenntnis wies das Landesverwaltungsgericht Niederösterreich die dagegen vom Revisionswerber erhobene Beschwerde als unbegründet ab. Begründend wurde ausgeführt, der Revisionswerber behaupte ausschließlich die Diskriminierung durch Nichtvornahme der beantragten Beförderung und begehre die Feststellung von sich erst aus einer antragsgemäß erfolgten Beförderung ergebender Folgeansprüche. Der Verwaltungsgerichtshof habe in seiner Entscheidung vom 21. Februar 2017, Ro 2016/12/0019, zur vergleichbaren Rechtslage in Kärnten Folgendes ausgesprochen: „Beförderungsrichtlinien für Landesbeamte ändern nichts daran, dass § 181 Abs. 1 Kärntner Dienstrechtsgesetz 1994 die Entscheidung über eine Beförderung in das im Dienstrechtsverfahren grundsätzlich unüberprüfbare Ermessen der Dienstbehörde legt, welche dabei auch nicht an die, ihrem Wesen nach nur eine Richtschnur für die Beförderungspraxis darstellenden, ‚Beförderungsrichtlinien‘ gebunden ist.“ 5 In dieser Entscheidung, in der die vom Revisionswerber angezogene Richtlinie 2000/78/EG mitberücksichtigt worden sei, habe sich der Verwaltungsgerichtshof ausdrücklich auf seine Entscheidung vom 24. März 2004, 2003/12/0164, berufen, in der er Folgendes ausgesprochen habe: „Soweit die Beschwerdeführerin ihre günstigere Laufbahn aus ‚Beförderungsrichtlinien des Stadtsenates‘ ableite, ist dem entgegen zu halten, dass den von ihr ins Treffen geführten ‚Beförderungsrichtlinien‘, die ihrem Wesen nach nur eine Richtschnur für die Beförderungspraxis darstellen (vgl. etwa das hg. Erkenntnis vom 29. März 2000, Zl. 94/12/0210), für die vorliegende Frage eines subjektiven Rechtes der Beschwerdeführerin keine normative Bedeutung zukommt.“ 6 Schon vor diesem Hintergrund erweise sich die Rechtsrüge aufgrund der rechtskonform verneinten Parteistellung als unberechtigt. Hinsichtlich der unter dem angefochtenen Spruchpunkt II. (richtig wohl: „und III.“) abgewiesenen Anträge wäre die belangte Behörde zur Zurückweisung berechtigt gewesen (Hinweis auf VwGH 21.2.2017, Ro 2016/12/0019). Durch die Abweisung hätten jedoch die subjektiven Rechte des Revisionswerbers nicht verletzt werden können. 7 In der dagegen erhobenen Revision beantragt der Revisionswerber 1. eine mündliche Verhandlung anzuberaumen und 2. das angefochtene Erkenntnis wegen Rechtswidrigkeit seines Inhalts aufzuheben, in eventu 3. das angefochtene Erkenntnis wegen Rechtswidrigkeit infolge Verletzung von Verfahrensvorschriften gemäß § 42 Abs. 2 Z 3 VwGG aufzuheben, und zwar weil a) der Sachverhalt vom Landesverwaltungsgericht in einem wesentlichen Punkt aktenwidrig angenommen worden sei, b) der Sachverhalt in einem wesentlichen Punkt einer Ergänzung bedürfe und c) das Landesverwaltungsgericht Niederösterreich bei Einhaltung der verletzten Verfahrensvorschriften zu einem anderen, für den Beschwerdeführer günstigeren Erkenntnis hätte kommen können bzw. müssen. 8 Nach Art. 133 Abs. 4 B-VG ist gegen ein Erkenntnis des Verwaltungsgerichtes die Revision zulässig, wenn sie von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, insbesondere weil das Erkenntnis von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abweicht, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes nicht einheitlich beantwortet wird. 9 Nach § 34 Abs. 1 VwGG sind Revisionen, die sich wegen Nichtvorliegen der Voraussetzungen des Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zur Behandlung eignen, ohne weiteres Verfahren in nichtöffentlicher Sitzung mit Beschluss zurückzuweisen.Nach § 34 Abs. 1a VwGG ist der Verwaltungsgerichtshof bei der Beurteilung der Zulässigkeit der Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG an den Ausspruch des Verwaltungsgerichtes gemäß § 25a Abs. 1 VwGG nicht gebunden. Die Zulässigkeit einer außerordentlichen Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG hat der Verwaltungsgerichtshof im Rahmen der dafür in der Revision gesondert vorgebrachten Gründe (§ 28 Abs. 3 VwGG) zu überprüfen. 10 In der Zulässigkeitsbegründung führt der Revisionswerber aus, die außerordentliche Revision sei statthaft, weil bezüglich einer diskriminierenden Auslegung bzw. Anwendung von Beförderungsrichtlinien keine höchstgerichtliche Rechtsprechung bestehe. Der Verwaltungsgerichtshof habe sich zwar bereits in der Vergangenheit mit der Frage beschäftigt, welchen Rechtscharakter interne Beförderungsrichtlinien hätten. Er habe sich aber noch nie mit der Frage auseinandergesetzt, was rechtens sei, wenn diese internen Beförderungsrichtlinien diskriminierend bzw. gleichheitswidrig ausgelegt und angewendet würden, und dabei gegen geltendes Recht, in casu: gegen das NÖ Gleichbehandlungsgesetz (und damit auch die Richtlinie der Europäischen Union 2000/78/EG) verstoßen werde. Die genannte Richtlinie sei auf Landesebene mit dem NÖ Gleichbehandlungsgesetz umgesetzt worden, welches in § 3 festhalte, dass niemand unmittelbar oder mittelbar diskriminiert werden dürfe. Genau eine solche Diskriminierung liege im gegenständlichen Sachverhalt tatsächlich vor, sei vom Landesverwaltungsgericht Niederösterreich aber unter Missachtung der §§ 1 bis 3 NÖ Gleichbehandlungsgesetz nicht aufgegriffen worden. Der Revisionswerber behaupte allein wegen seiner Tätigkeit für eine Landesrätin einer anderen als der den Landeshauptmann stellenden, politischen Partei bei Beförderungen übergangen worden zu sein. Dies stelle eine klassische Diskriminierung dar, welche nach Meinung des Verwaltungsgerichts nur deshalb nicht tauglich bekämpft werden könne, weil die in einem solchen Fall herangezogenen, internen Beförderungsrichtlinien keinerlei grundrechtlicher Überprüfung zugänglich seien bzw. kein subjektives Recht ableitbar wäre. Dies stelle aber ein erhebliches Rechtsschutzdefizit für den Revisionswerber dar, es werde § 3 NÖ Gleichbehandlungsgesetz und damit auch die EMRK und die Grundrechtecharta verletzt. Dem Revisionswerber sei bewusst, dass er kein subjektives Recht auf eine Beförderung habe (dieses werde weder im NÖ Gleichbehandlungsgesetz noch in der Richtlinie 2000/78/EG vorausgesetzt), er stelle aber die ihm widerfahrene konkrete Diskriminierung dar und biete entsprechende Beweismittel an, die sein Vorbringen untermauerten (Einvernahme der Kollegen des Revisionswerbers sowie des zuständigen Personalreferenten). Durch die Unterlassung des Beweisverfahrens sowie die Nichtdurchführung einer mündlichen Verhandlung sei der Revisionswerber jedenfalls aber in seinen gesetzlichen Rechten auf ein faires Verfahren verletzt worden. Die außerordentliche Revision sei auch deshalb zulässig, weil interne Beförderungsrichtlinien nicht derart ausgelegt werden dürften, dass in Berufung auf diese ein diskriminierendes Verhalten der Behörde gerechtfertigt werde. 11 Mit diesem Zulässigkeitsvorbringen wird eine Rechtsfrage im Sinne des Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht aufgezeigt. 12 Gemäß § 17 Abs. 1 Dienstpragmatik der Landesbeamten 1972 (DPL 1972) kann der Beamte von der Landesregierung bei mindestens durchschnittlicher Beurteilung befördert werden: a) durch vorzeitige Einreihung in eine höhere Gehaltsstufe seiner Dienstklasse oder b) durch Ernennung auf einen Dienstposten der nächsthöheren Dienstklasse seiner Verwendungsgruppe. 13 Der Revisionswerber bestreitet nicht, dass Beförderungsrichtlinien nur eine Richtschnur für die Beförderungspraxis darstellen (vgl. dazu VwGH 21.2.2017, Ro 2016/12/0019, und 24. 3.2004, 2003/12/0164). § 17 DPL 1972 legt die Entscheidung über eine Beförderung in das im Dienstrechtsverfahren grundsätzlich unüberprüfbare Ermessen der Dienstbehörde (vgl. betreffend § 181 Abs. 1 Kärntner Dienstrechtsgesetz das bereits zitierte Erkenntnis vom 21. Februar 2017). 14 Nach der ständigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes besteht grundsätzlich weder auf Ernennungen zur Begründung eines öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnisses noch auf Ernennungen im Dienstverhältnis (Überstellungen, Beförderungen) ein Rechtsanspruch. Das Gesetz gibt niemandem einen subjektiven Anspruch auf die Ausübung des Ernennungsrechts durch die Dienstbehörde. Es besteht daher kein Recht auf Ernennung zur Begründung eines öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnisses und auch kein Recht auf Ernennung im Dienstverhältnis wie auf Überstellung oder Beförderung (vgl. z.B. VwGH 22.6.2005, 2005/12/0013; 24.2.2006, 2005/12/0145; 31.1.2006, 2005/12/0262). 15 In diesem Zusammenhang hat der Verwaltungsgerichtshof die Auffassung zum Ausdruck gebracht, dass dem in einem öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis befindlichen Beamten bei einer bestimmten „rechtlichen Verdichtung“ ein Rechtsanspruch auf Überprüfung eines Ernennungsaktes zukommt. Eine solche rechtliche Verdichtung ist aber nur dann gegeben, wenn die für die Entscheidung maßgebenden Aspekte normativ gefasst sind und es sich hierbei nicht bloß um Selbstbindungsnormen handelt und - andererseits - wenn ein Rechtsanspruch (rechtliches Interesse) nicht ausdrücklich gesetzlich ausgeschlossen wird (VwGH 4.12.2019, Ra 2019/12/0075; 30.1.2019, Ra 2019/12/0003; 10.11.2010, 2010/12/0144). 16 Abgesehen davon, dass in der Zulässigkeitsbegründung eine derartige „rechtliche Verdichtung“ im Sinn der Judikatur des Verwaltungsgerichtshofes gar nicht behauptet wird, ergibt sich eine solche jedenfalls aus den Beförderungsrichtlinien als Richtschnur für die Beförderungspraxis gerade nicht. Eine derartige rechtliche Verdichtung ist im Revisionsfall nicht ersichtlich. 17 Dem Revisionswerber kam im Beförderungsverfahren daher keine Parteistellung zu, es bestand nicht die Möglichkeit der Verletzung in einem subjektiven Recht (vgl. VwGH 27.5.2019, Ra 2019/12/0020; 10.11.2010, 2010/12/0144; 28.1.2010, 2009/12/0156, 29.11.2005, 2005/12/0155). Dies wurde vom Verwaltungsgerichtshof auch bereits betreffend § 17 Abs. 1 DPL 1972 ausgesprochen (VwGH 26.6.2002, 2000/12/0218). Mangels Parteistellung hat der Beamte (und somit auch der Revisionswerber) daher keine Möglichkeit eine allfällige Diskriminierung im angesprochenen Beförderungsverfahren einzuwenden. 18 § 5 Abs. 7 und 8 NÖ Gleichbehandlungsgesetz gewährt bei Unterbleiben des beruflichen Aufstiegs wegen einer Diskriminierung durch den Dienstgeber in Übereinstimmung mit Art. 17 der Richtlinie 2000/78/EG des Rates vom 27. November 2000 zur Festlegung eines allgemeinen Rahmens für die Verwirklichung der Gleichbehandlung in Beschäftigung und Beruf (RL) und der Rechtsprechung des Gerichtshofs der Europäischen Union (vgl. Urteil vom 11.10.2007, C-460/06, Paquay, Rn. 44 ff und vom 22.4.1997, C-180/95, Draehmpaehl, Rn. 24 und 25) lediglich einen hier nicht geltend gemachten Schadenersatzanspruch. Weder aus der RL noch aus dem NÖ Gleichbehandlungsgesetz ist sohin ein Recht auf Ernennung bzw. Beförderung abzuleiten. Eine Verletzung der EMRK oder der GRC mangels Durchführung eines fairen Verfahrens liegt daher wegen der mangelnden Parteistellung im Beförderungsverfahren nicht vor, weil insbesondere der Verletzung verfahrensrechtlicher Kautelen nur dort, wo ein subjektives öffentliches Recht besteht, Relevanz zukommen kann (vgl. VwGH 21.10.2005, 2002/12/0293). 19 Eine mündliche Verhandlung vor dem Verwaltungsgericht war daher weder gemäß Art. 6 EMRK noch gemäß Art. 47 Abs. 2 GRC geboten. Die hier getroffenen Absprüche betrafen ausschließlich Rechtsfragen, die in der Judikatur des Verwaltungsgerichtshofes bereits klargestellt sind. Der Revisionswerber hätte aber die Relevanz der behaupteten Verfahrensmängel aufzeigen müssen (vgl. zur mündlichen Verhandlung z.B. VwGH 25.9.2017, Ro 2016/12/0003). Dass im Zulässigkeitsvorbringen der Revision die Relevanz der behaupteten Verfahrensmängel (Nichtdurchführung eines Beweisverfahrens sowie einer mündlichen Verhandlung) nicht dargestellt wurde, ergibt sich aus dem oben Gesagten. 20 Die Revision war im Sinne obiger Ausführungen gemäß § 34 Abs. 1 VwGG zurückzuweisen. 21 Von der Durchführung einer mündlichen Verhandlung vor dem Verwaltungsgerichtshof konnte gemäß § 39 Abs. 2 Z 1 VwGG abgesehen werden. Wien, am 27. Mai 2020
JWT_2019120057_20200309L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019120057.L00
Ra 2019/12/0057
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019120057_20200309L00/JWT_2019120057_20200309L00.html
1,583,712,000,000
877
Spruch Die Revision wird zurückgewiesen. Begründung 1 Der Revisionswerber steht in einem öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis zum Bund und stellte einen Antrag auf Zuerkennung einer Verwendungsabgeltung bzw. -zulage und Ergänzungszulage. 2 Mit Bescheid vom 16. Juni 2015 setzte die vor dem Verwaltungsgericht belangte Behörde das Verfahren über den Antrag ("... auf Zuerkennung einer Verwendungsabgeltung/-zulage (§§ 75, 79 GehG) und Ergänzungszulage (§ 77a GehG)") gemäß § 38 AVG aus. Zur Begründung führte sie aus, dass für die Beurteilung des gestellten Antrags die Bewertung des Arbeitsplatzes von ausschlaggebender Bedeutung sei. Gemäß § 143 BDG 1979 seien die Arbeitsplätze der Beamten des Exekutivdienstes auf Antrag des zuständigen Bundesministers vom Bundeskanzler zu bewerten, einer Verwendungsgruppe und innerhalb dieser einer Funktionsgruppe zuzuordnen. Der Ausgang dieses Verfahrens, das die Behörde eingeleitet habe, stelle im vorliegenden Verfahren eine Vorfrage im Sinne des § 38 AVG dar. 3 Dieser Aussetzungsbescheid wurde rechtskräftig. 4 Mit Schreiben vom 5. Oktober 2017 beantragte der Revisionswerber "unter Bezugnahme auf (s)einen Antrag um Zuerkennung einer Verwendungsabgeltung/-Zulage und Ergänzungszulage und de(n) daraus folgenden Aussetzungsbescheid vom 16.06.2015 (...) die Weiterführung des Verfahrens" und begründete dies damit, dass er mit Schreiben der Landespolizeidirektion Wien vom 6. September 2017 mit der Funktion eines Gruppenführers im Landeskriminalamt, Ermittlungsdienst, EB LKA 04 (WI) - Wirtschaftskriminalität, E2a/6, mit Wirksamkeit vom 1. Jänner 2017 betraut worden sei, wodurch die erforderliche Bewertung des Arbeitsplatzes "erfüllt" worden sei. 5 Diesen "Weiterführungsantrag" wies die vor dem Verwaltungsgericht belangte Behörde mit Bescheid vom 8. November 2017 mit der Begründung zurück, dass der Aussetzungsbescheid noch immer wirksam sei, weil es noch immer keine Entscheidung über die Vorfrage der Arbeitsplatzbewertung gebe. 6 Mit Erkenntnis vom 18. Juli 2019 bestätigte das mit Beschwerde angerufene Verwaltungsgericht diese Zurückweisung - im Ergebnis - mit der Begründung, dass das AVG (im Unterschied zu § 271 Abs. 3 BAO) einen gesonderten Antrag auf Fortsetzung des Verfahrens durch die Partei des Verwaltungsverfahrens nicht kenne; vielmehr sei das Verfahren von Amts wegen fortzusetzen, wenn das Verfahren, in dem über die Vorfrage abzusprechen ist, rechtskräftig erledigt sei (Hinweis auf VwSlg. 14.159 A/1994). Gegen verwaltungsbehördliche Säumnis nach Wegfall des Aussetzungsgrundes stünde Rechtsschutz durch Erhebung einer Säumnisbeschwerde offen. Die Revision nach Art. 133 Abs. 4 B-VG erklärte das Verwaltungsgericht für unzulässig und begründete dies mit dem Fehlen einer grundsätzlichen Rechtsfrage. 7 Gegen dieses Erkenntnis richtet sich die vorliegende außerordentliche Revision, die zur Begründung ihrer Zulässigkeit ausführt, dass die Auffassung des Verwaltungsgerichts, wonach Anträge nur insoweit zulässig seien, als sie vom Gesetz ausdrücklich eingeräumt seien, "abwegig" sei. Es gehöre zum Wesen eines Rechtsstaates, dass jeder, der subjektive Rechte habe, auch verfahrensrechtliche Schritte zu deren Geltendmachung setzen könne. Es könne "keinen Zweifel" daran geben, dass die Verfahrenspartei ein subjektives Recht darauf habe, dass das Verfahren nach Wegfall des Aussetzungsgrundes "von der betreffenden Behörde selbst weitergeführt" werde. Die vom Verwaltungsgericht erwähnte Möglichkeit einer Säumnisbeschwerde könne das diesbezügliche Antragsrecht nicht ausschließen, weil die Erhebung einer Säumnisbeschwerde eine Aufgabe des "subjektiven Rechts auf behördliche Verfahrensweiterführung" bedeuten würde. Dass ein Antrag auf (behördliche) Verfahrensfortsetzung nicht gesetzlich geregelt sei, stehe der Annahme einer Antragsberechtigung nicht entgegen, weil sich diese schon aus dem allgemeinen Grundsatz ergebe, wonach eine Antragsberechtigung dann bestehe, wenn eine Behörde "im Sinne subjektiver Interessen zum Handeln verpflichtet" sei, dieser Verpflichtung aber nicht nachkomme. Daher sei auch die Bezugnahme des Verwaltungsgerichts auf die Bestimmung des § 271 Abs. 3 BAO, die eine entsprechende Antragstellung unabhängig vom Wegfall des Aussetzungsgrundes vorsehe, nicht tragfähig. 8 Nach Art. 133 Abs. 4 B-VG ist gegen ein Erkenntnis des Verwaltungsgerichtes die Revision zulässig, wenn sie von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, insbesondere weil das Erkenntnis von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abweicht, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes nicht einheitlich beantwortet wird. 9 Nach § 34 Abs. 1 VwGG sind Revisionen, die sich wegen Nichtvorliegen der Voraussetzungen des Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zur Behandlung eignen, ohne weiteres Verfahren in nichtöffentlicher Sitzung mit Beschluss zurückzuweisen. 10 Nach § 34 Abs. 1a VwGG ist der Verwaltungsgerichtshof bei der Beurteilung der Zulässigkeit der Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG an den Ausspruch des Verwaltungsgerichtes gemäß § 25a Abs. 1 VwGG nicht gebunden. Die Zulässigkeit einer außerordentlichen Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG hat der Verwaltungsgerichtshof im Rahmen der dafür in der Revision vorgebrachten Gründe (§ 28 Abs. 3 VwGG) zu überprüfen. 11 Durch die Aussetzung des Verfahrens wird bis zur Entscheidung, deren Ausgang abgewartet werden soll, die Entscheidungspflicht der Behörde bzw. des Gerichts suspendiert (vgl. VwGH 16.12.2015, Ra 2014/17/0052; 11.2.2019, Ra 2018/22/0016). Eine solche Aussetzungsentscheidung verliert ihre Rechtswirksamkeit jedenfalls mit dem Eintritt des Zeitpunkts, bis zu dem die Aussetzung verfügt worden ist (vgl. VwGH 22.4.2015, Ro 2014/12/0038). Nach Wegfall der Aussetzungswirkungen ist das Verfahren von der Behörde daher fortzusetzen. Hat die Behörde das Verfahren solcherart zwingend von Amts wegen fortzusetzen, ist die Annahme eines Antragsrechts auf Fortsetzung auch aus Rechtsschutzerwägungen nicht erforderlich (vgl. VwGH 18.12.2014, Ra 2014/07/0083; 12.9.2018, Ro 2016/13/0023; 26.3.2019, Ra 2018/19/0303). Weitere (wiederholte) Anträge im Rahmen eines bereits anhängigen Verfahrens lösen keine gesonderte Entscheidungspflicht der Behörde aus (vgl. VwGH 26.6.1996, 96/12/0155; 21.11.2002, 2000/06/0201; 23.5.2002, 2001/05/0920; 17.5.2011, 2011/01/0026). Dem Revisionswerber kam demnach auch ein Antragsrecht in Bezug auf die Fortsetzung seines Verfahrens im Sinne eines gesonderten Rechts auf "behördliche Verfahrensweiterführung" nicht zu (vgl. auch VwGH 30.4.2019, Fr 2019/10/0005). Der Umstand, wonach die dem Revisionswerber hier offenstehende Erhebung einer Säumnisbeschwerde zum Übergang der Zuständigkeit auf das Verwaltungsgericht führen kann, ändert daran nichts, sodass es auch insofern keiner neuen Leitlinien der Rechtsprechung bedarf. 12 Die gegen die Bestätigung der Zurückweisung des Fortsetzungsantrags gerichtete Revision zeigt nicht auf, dass einschlägige Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes fehlt oder das angefochtene Erkenntnis von der Rechtsprechung abgewichen wäre. 13 Die Revision wirft daher keine Rechtsfrage auf, der im Sinne des Art. 133 Abs. 4 B-VG grundsätzliche Bedeutung zukäme. Die Revision war daher zurückzuweisen. Wien, am 9. März 2020
JWT_2019120059_20200219L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019120059.L00
Ra 2019/12/0059
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019120059_20200219L00/JWT_2019120059_20200219L00.html
1,582,070,400,000
3,306
Spruch Das angefochtene Erkenntnis wird wegen Rechtswidrigkeit seines Inhaltes aufgehoben. Der Bund hat dem Revisionswerber Aufwendungen in der Höhe von EUR 1.346,40 binnen zwei Wochen bei sonstiger Exekution zu ersetzen. Begründung 1 Der Revisionswerber stand nach den Feststellungen des angefochtenen Erkenntnisses zum Zeitpunkt der Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts als Beamter der Verwendungsgruppe A2 in einem öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis zum Bund. Seine Dienststelle war zu diesem Zeitpunkt die Landesstelle Wien des Bundessozialamtes. Bis 31. März 2011 hatte der Revisionswerber dort einen Arbeitsplatz in der Abteilung W2 inne. Mit Wirkung vom 1. April 2011 wurde er der Abteilung W5 seiner Dienststelle zugewiesen. 2 Mit Antrag vom 5. Oktober 2011 begehrte der Revisionswerber die Feststellung der Gebührlichkeit einer Verwendungszulage gemäß § 34 Gehaltsgesetz 1956 (GehG), BGBl. Nr. 54 (zu dem diesen Antrag betreffenden Verfahren sowie zu der diesbezüglichen näheren Vorgeschichte siehe die hg. Entscheidungen vom 21. Jänner 2015, Ro 2014/12/0029, und vom 27. März 2019, Ra 2018/12/0032, auf die zwecks Vermeidung von Wiederholungen verwiesen wird). 3 Mit Eingabe vom 14. März 2014 beantragte der Revisionswerber - so das Bundesverwaltungsgericht in dem unten näher dargestellten Beschluss vom 24. November 2014 (eine den verfahrenseinleitenden Antrag umfassende Darlegung des Verfahrensganges ist dem angefochtenen Erkenntnis nicht zu entnehmen und es wurden die diesbezüglichen Bestandteile des verwaltungsbehördlichen Akts dem Verwaltungsgerichtshof auch nicht vorgelegt) - die "Zuerkennung" einer Funktionszulage der Verwendungsgruppe A2, Funktionsgruppe 5, sowie die Nachzahlung der Differenz zwischen der Funktionszulage A2/3 und A2/5 seit 15. März 2011, hilfsweise die Feststellung der Gebührlichkeit einer Funktionszulage der Verwendungsgruppe A2, Funktionsgruppe 5, sowie die Feststellung seiner besoldungsrechtlichen Stellung. 4 Entsprechend den weiteren Ausführungen des Bundesverwaltungsgerichts in seinem Beschluss vom 24. November 2014 stellte die vor dem Verwaltungsgericht belangte Dienstbehörde mit Bescheid vom 28. April 2014 fest, dass dem Revisionswerber für den Zeitraum von 1. April 2011 bis 30. Oktober 2012 eine Ergänzungszulage gemäß § 36b Abs. 1 Z 1 lit. b und Abs. 2 Z 2 GehG im Ausmaß des Unterschiedsbetrages zwischen der von ihm bezogenen Funktionszulage A2/3 und der "festgestellten höheren" Funktionszulage A2/5 gebühre. Im Übrigen wurden die Anträge des Revisionswerbers "wegen entschiedener Sache abgewiesen". 5 Mit (dem bereits in Rz 3 erwähnten) Beschluss des Bundesverwaltungsgerichts vom 24. November 2014 wurde der Bescheid vom 28. April 2014 gemäß § 28 Abs. 3 zweiter Satz VwGVG aufgehoben und die Angelegenheit zur Erlassung eines neuen Bescheides an die Behörde zurückverwiesen. 6 Dazu hielt das Bundesverwaltungsgericht zusammengefasst fest, die Gebührlichkeit einer Ergänzungsvorlage setze das Vorliegen einer vorläufigen Betrauung mit einem Arbeitsplatz voraus, welche der Revisionswerber bestritten habe. Die Behörde habe unzutreffender Weise nicht - wie beantragt - über die Gebührlichkeit einer Funktionszulage, sondern über die Gebührlichkeit einer Ergänzungszulage abgesprochen. Soweit die Behörde im Übrigen die Anbringen des Revisionswerbers wegen entschiedener Sache zurückgewiesen habe, lasse der pauschal formulierte, behördliche Spruch die erforderliche Deutlichkeit vermissen. Dass bereits ein rechtskräftiger Abspruch über die dienst- und besoldungsrechtliche Stellung des Revisionswerbers erfolgt sei, gehe aus dem Bescheid vom 28. April 2014 nicht hervor. Es liege lediglich ein Bescheid betreffend die Gebührlichkeit einer Verwendungszulage gemäß § 34 GehG vor. Die Behörde sei daher gehalten, im fortgesetzten Verfahren unter Wahrung des Parteiengehörs mit der gebotenen Deutlichkeit über die Anträge des Revisionswerbers abzusprechen und ihre tatsächlichen und rechtlichen Erwägungen nachvollziehbar darzulegen. 7 Mit Bescheid vom 8. Juni 2015 wies das Bundesamt für Soziales und Behindertenwesen unter Spruchpunkt I. den Antrag des Revisionswerbers vom 14. März 2014 auf Zuerkennung einer Funktionszulage der Verwendungsgruppe A2, Funktionsgruppe 5, gemäß § 30 GehG ab. Unter Spruchpunkt II. wurde die besoldungsrechtliche Stellung des Revisionswerbers zum 14. März 2014 mit Verwendungsgruppe A2, Funktionsgruppe 3, Gehaltsstufe 18, nächste Vorrückung mit 1. Juli 2014 festgestellt. Ferner wurde unter Spruchpunkt III. festgestellt, dass dem Revisionswerber für den Zeitraum von 1. April 2011 bis 30. Oktober 2012 eine ruhegenussfähige Ergänzungszulage gemäß § 36b Abs. 1 Z 1 lit. b und Abs. 2 Z 2 GehG im Ausmaß des Unterschiedsbetrages zwischen der (für die Verwendungsgruppe A2 vorgesehenen) Funktionszulage der Funktionsgruppe 3 und der "festgestellten höheren" Funktionszulage der Funktionsgruppe 5 (der Verwendungsgruppe A2) gebühre. 8 Der Revisionswerber erhob Beschwerde, in der er betonte, dass es sich bei dem ihm ab 1. April 2011 zugewiesenen Arbeitsplatz um eine Dauerverwendung handle. Eine Abberufung von diesem Arbeitsplatz sei nicht erfolgt. Im Fall eines faktischen Absinkens der Arbeitsplatzwertigkeit liege eine qualifizierte Verwendungsänderung vor, die bei sonstiger Unwirksamkeit in Bescheidform zu verfügen gewesen sei. Für die Zeit seit 1. April 2011 gebühre ihm eine Funktionszulage der Verwendungsgruppe A2, Funktionsgruppe 5. Für den Fall, dass sein Arbeitsplatz der Verwendungsgruppe A1 zuzuordnen sei, bestehe mangels Erlassung eines Bescheides im Sinne der §§ 38 und 40 Beamten-Dienstrechtsgesetz 1979 (BDG 1979), BGBl. Nr. 333, seit dem 1. April 2011 ununterbrochen ein Anspruch auf Verwendungszulage. Abschließend beantragte der Revisionswerber, das Verwaltungsgericht möge den Bescheid vom 8. Juni 2015 dahin abändern, dass ihm ab 1. April 2011 eine Verwendungszulage ausgehend davon bemessen werde, dass er bei Verwendung auf einem Arbeitsplatz mit der Wertigkeit A1 nur in der Verwendungsgruppe A2 eingestuft gewesen sei, in eventu, feststellen, dass seit 1. April 2011 durchgehend die besoldungsrechtliche Stellung der Verwendungsgruppe "A1/5" gegeben gewesen sei und er Ansprüche auf die daraus resultierenden Bezüge habe. In eventu möge das Gericht den Bescheid aufheben und die Sache zur Verfahrensergänzung und neuerlichen Entscheidung an die Behörde zurückverweisen. 9 Mit dem angefochtenen Erkenntnis wies das Bundesverwaltungsgericht die Beschwerde ab. Die Revision nach Art. 133 Abs. 4 B-VG erklärte das Gericht für nicht zulässig. 10 Das Verwaltungsgericht stellte fest, der Revisionswerber sei nach der zum 1. April 2011 maßgeblichen Weisungslage dazu gehalten gewesen, seine Arbeitskraft überwiegend A2-wertigen Aufgaben (betreffend die 24-Stunden-Pflege) und nicht höherwertigen Tätigkeiten (betreffend Kündigungs- und Schlichtungsverfahren) zu widmen. 11 In seinen beweiswürdigenden Überlegungen führte das Gericht aus, der Revisionswerber habe in seiner Beschwerde einerseits angeführt, ab 1. April 2011 überwiegend A1-wertige Tätigkeiten ausgeübt zu haben. Andererseits habe er auch die Ansicht vertreten, er habe ab 1. April 2011 einen A2-wertigen Arbeitsplatz innegehabt. "Mit dieser Diskrepanz" vermöge er den Ausführungen des Bundesverwaltungsgerichts sowie jenen des Verwaltungsgerichtshofes in dem Verfahren betreffend Verwendungszulage, wonach der Revisionswerber lediglich A2-wertige Tätigkeiten ausgeübt habe, nicht entgegenzutreten. 12 In rechtlicher Hinsicht erwog das Bundesverwaltungsgericht, dass der anwaltlich vertretene Revisionswerber in seinem Beschwerdeschriftsatz ausschließlich beantragt habe, eine Verwendungszulage der Verwendungsgruppe A1 zu bemessen und, in eventu, die besoldungsrechtliche Stellung hinsichtlich der Verwendungsgruppe A1, Funktionsgruppe 5, festzustellen. Vor diesem Hintergrund könne es dahinstehen, ob es sich um eine dauernde oder um eine vorübergehende Tätigkeit gehandelt habe. Es sei "unstrittig", dass dem Revisionswerber keine Verwendungszulage "nach A1" gebührt habe und er nicht in der Verwendungsgruppe A1 eingestuft gewesen sei. Das Beschwerdebegehren, das sich ausschließlich auf die Verwendungsgruppe A1 bezogen habe, sei daher abzuweisen gewesen. 13 Gegen dieses Erkenntnis richtet sich die vorliegende außerordentliche Revision, in der Rechtswidrigkeit des Inhaltes sowie Rechtswidrigkeit infolge Verletzung von Verfahrensvorschriften verbunden mit dem Antrag geltend gemacht werden, das angefochtene Erkenntnis aus diesen Gründen aufzuheben. 14 Die vor dem Verwaltungsgericht belangte Behörde erstattete eine Revisionsbeantwortung, in der die Zurückweisung, hilfsweise die Abweisung der Revision beantragt wurde. Die Behörde wies darauf hin, dass sich der Revisionswerber mittlerweile im Ruhestand befinde. 15 Zur Begründung ihrer Zulässigkeit beruft sich die Revision u. a. darauf, dass das Bundesverwaltungsgericht sich zu Unrecht nicht mit dem Umstand auseinandergesetzt habe, dass der in Rede stehende Arbeitsplatz dem Revisionswerber seit 1. April 2011 auf Dauer zugewiesen worden sei. Es habe ihm nicht eine Ergänzungs-, sondern eine Funktionszulage der Verwendungsgruppe A2, Funktionsgruppe 5, gebührt. Es sei in der Beschwerde an einer Stelle versehentlich auf die Verwendungsgruppe A1, Funktionsgruppe 5, im Zusammenhang mit dem Begehren, eine Funktionszulage zu bemessen, Bezug genommen worden. Dabei habe es sich offensichtlich um einen Schreibfehler gehandelt. Darüber hinaus liege angesichts des Entzugs des dem Revisionswerber dauerhaft zugewiesenen Arbeitsplatzes und des "Absinkens der Arbeitsplatzwertigkeit" eine Versetzung vor. Diese sei nicht bescheidmäßig verfügt worden und daher auch in gehaltsrechtlicher Hinsicht unwirksam. Der Verwaltungsgerichtshof hat erwogen: 16 Die Revision ist zulässig und berechtigt. 17 §§ 38 und 40 Beamten-Dienstrechtsgesetz 1979 (BDG 1979), BGBl. Nr. 333 (§ 38 in der - am 30. Oktober 2012 maßgeblichen - Fassung BGBl. I Nr. 35/2012; § 40 in der Fassung BGBl. Nr. 550/1994), laute(te)n auszugsweise: "Versetzung § 38. ... 1. (7)Die Versetzung ist mit Bescheid zu verfügen; ... Verwendungsänderung § 40. (1) Wird der Beamte von seiner bisherigen unbefristeten oder befristeten Verwendung abberufen, so ist ihm gleichzeitig, wenn dies jedoch aus Rücksichten des Dienstes nicht möglich ist, spätestens zwei Monate nach der Abberufung eine neue Verwendung in seiner Dienststelle zuzuweisen. § 112 wird hiedurch nicht berührt. 1. (2)Die Abberufung des Beamten von seiner bisherigen Verwendung ist einer Versetzung gleichzuhalten, wenn 1. die neue Verwendung der bisherigen Verwendung des Beamten nicht mindestens gleichwertig ist oder 2. durch die neue Verwendung eine Verschlechterung für die Beförderung des Beamten in eine höhere Dienstklasse oder Dienststufe zu erwarten ist oder 3. dem Beamten keine neue Verwendung zugewiesen wird. 1. (3)Die neue Verwendung ist der bisherigen Verwendung gleichwertig, wenn sie innerhalb derselben Verwendungsgruppe derselben Funktions- oder Dienstzulagengruppe zugeordnet ist. 2. (4)Abs. 2 gilt nicht 1. für die Zuweisung einer drei Monate nicht übersteigenden vorübergehenden Verwendung, wenn dem Beamten daran anschließend eine der bisherigen Verwendung zumindest gleichwertige Verwendung zugewiesen wird, 2. für die Beendigung der vorläufigen Ausübung einer höheren Verwendung zur Vertretung eines an der Dienstausübung verhinderten oder zur provisorischen Führung der Funktion an Stelle des aus dieser Funktion ausgeschiedenen Beamten und 3. für das Enden des Zeitraums einer befristeten Ernennung des Beamten, ohne daß dieser weiterbestellt wird." 18 Die maßgeblichen Bestimmungen des Gehaltsgesetz 1956 (GehG), BGBl. Nr. 54 (§ 30 in der - hier beispielhaft für das Jahr 2011 zitierten, für in diesem Jahr erwachsene besoldungsrechtliche Ansprüche maßgeblichen - Fassung BGBl. I Nr. 111/2010; § 36b in der - ebenfalls für das Jahr 2011 maßgeblichen Fassung BGBl. I Nr. 147/2008; § 169f in der Fassung BGBl. I Nr. 58/2019), laute(te)n auszugsweise: "Funktionszulage § 30. (1) Dem Beamten des Allgemeinen Verwaltungsdienstes gebührt eine ruhegenußfähige Funktionszulage, wenn er dauernd mit einem Arbeitsplatz betraut ist, der nach § 137 BDG 1979 einer der nachstehend angeführten Funktionsgruppen zugeordnet ist. Die Funktionszulage beträgt für Beamte ... Ergänzungszulage für bestimmte vorübergehende Verwendungen § 36b. (1) Dem Beamten gebührt eine ruhegenussfähige Ergänzungszulage, wenn 1. er a) gemäß § 141 Abs. 2 BDG 1979 oder gemäß § 141a Abs. 9 in Verbindung mit § 141a Abs. 10 erster Satz BDG 1979 mit einer in diesen Bestimmungen angeführten Funktion betraut ist oder b) für einen sechs Monate überschreitenden Zeitraum mit einer Tätigkeit auf einem Arbeitsplatz betraut ist, ohne damit dauernd oder gemäß § 141 Abs. 1 oder 2 oder § 141a Abs. 9 BDG 1979 betraut zu sein, und 2. ihm für den Fall einer dauernden Betrauung oder einer Betrauung gemäß § 141 Abs. 1 BDG 1979 mit dieser Verwendung ein Monatsbezug gebühren würde, der den Monatsbezug des Beamten übersteigt. 1. (1a)Voraussetzung für eine Ergänzungszulage nach Abs. 1 ist, dass der Inhalt des Arbeitsplatzes, mit dem der Beamte gemäß Abs. 1 betraut ist, gleich geblieben ist. Ist die Identität dieses Arbeitsplatzes auf Grund von inhaltlichen Änderungen nicht mehr gegeben oder ist der Beamte mit einem neu eingerichteten Arbeitsplatz gemäß Abs. 1 betraut, gebührt eine Ergänzungszulage nach Abs. 1 nur unter der Bedingung, dass der zuständige Bundesminister im Einvernehmen mit dem Bundeskanzler ein Bewertungsverfahren nach den Kriterien des § 137 BDG 1979 durchgeführt hat. Dies gilt insbesondere für Projektarbeitsplätze, die zusätzlich folgende Kriterien erfüllen müssen: 1. die Projektdauer beträgt mindestens sechs Monate und maximal zwei Jahre; in begründeten Ausnahmefällen ist das Überschreiten der Höchstdauer um bis zu sechs Monate möglich, und 2. mit den Qualitäten des Personalplans kann das Auslangen gefunden werden. 1. (2)Die Ergänzungszulage gebührt, 1. wenn dem Beamten im Fall einer Betrauung gemäß § 141 Abs. 1 BDG 1979 ein Fixgehalt gebührte, in der Höhe des Unterschiedes zwischen 1. a) seinem Monatsbezug mit Ausnahme der Kinderzulage und 2. b) dem jeweiligen Fixgehalt, 2. wenn dem Beamten, dem eine Funktionszulage gebührt, im Fall einer dauernden Betrauung eine höhere Funktionszulage gebühren würde, in der Höhe des Unterschiedes zwischen 1. a) seiner Funktionszulage und 2. b) der jeweiligen höheren Funktionszulage, abzüglich einer allfälligen Ergänzungszulage nach § 36, 3. wenn dem Beamten, der sich nicht in der Ausbildungsphase befindet und dem weder ein Fixgehalt noch eine Funktionszulage gebührt, im Fall einer dauernden Betrauung eine Funktionszulage gebühren würde, in der Höhe dieser Funktionszulage abzüglich einer allfälligen Ergänzungszulage nach § 36. ... 1. (5)Der Bezug einer Verwendungszulage nach § 34 Abs. 4 in Verbindung mit § 34 Abs. 7 schließt eine Ergänzungszulage nach Abs. 2 Z 1 aus. ... Umsetzung der Richtlinie 2000/78/EG § 169f. ... 1. (3)Bei den am Tag der Kundmachung der 2. Dienstrechts-Novelle 2019, BGBl. I Nr. 58/2019, anhängigen Verfahren, welche die Frage der Anrechnung zusätzlicher Vordienstzeiten, der Neufestsetzung des Vorrückungsstichtags, insbesondere nach § 113 Abs. 10 in der Fassung des Bundesgesetzes BGBl. I Nr. 82/2010, der Neufestsetzung des Besoldungsdienstalters oder der Festsetzung der besoldungsrechtlichen Stellung für eine Beamtin oder einen Beamten nach Abs. 1 Z 3 als Hauptfrage zum Gegenstand haben, erfolgt eine Neufestsetzung im Rahmen dieser Verfahren. Bei den am Tag der Kundmachung der 2. Dienstrechts-Novelle 2019, BGBl. I Nr. 58/2019, anhängigen Verfahren, in denen eine solche Frage als Vorfrage zu beurteilen ist, erfolgt die Beurteilung unbeschadet des § 38 des Allgemeinen Verwaltungsverfahrensgesetzes 1991 - AVG, BGBl. Nr. 51/1991, nach Maßgabe des Abs. 6." 19 Das Bundesverwaltungsgericht erachtete eine Auseinandersetzung mit der Frage, ob der Revisionswerber seit 1. April 2011 dauernd oder nur vorübergehend mit dem in Rede stehenden Arbeitsplatz der Verwendungsgruppe A2, Funktionsgruppe 5, betraut worden sei, als nicht erforderlich. Diese Auffassung erweist sich in mehrfacher Hinsicht als unzutreffend: 20 Eingangs ist festzuhalten, dass Gegenstand des behördlichen und verwaltungsgerichtlichen Verfahrens der verfahrenseinleitende Antrag des Revisionswerbers vom 14. März 2014 war. Dieser zielte (da die Behörde die vom Revisionswerber begehrte Funktionszulage nicht zur Auszahlung gebracht hatte) auf die Feststellung der Gebührlichkeit einer Funktionszulage der Verwendungsgruppe A2, Funktionsgruppe 5, ab. 21 Es ergibt sich ohne Zweifel aus dem Gesamtzusammenhang des Verfahrens sowie aus dem Beschwerdeschriftsatz, dass der Revisionswerber, da er mit seinem Antrag vom 14. März 2014 vor der Behörde inhaltlich nicht durchgedrungen war, im Beschwerdeverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht eine positive Entscheidung über diesen Antrag sowie eine Klärung der Frage anstrebte, ob ihm - unter entsprechender Feststellung seiner besoldungsrechtlichen Stellung - eine Funktionszulage in welcher Höhe auch immer, anstelle der Ergänzungszulage gebühre. Keinesfalls war "Sache" des Beschwerdeverfahrens ausschließlich die Frage der Gebührlichkeit einer Funktionszulage der Funktionsgruppe 5 der Verwendungsgruppe A1. 22 So hatte der Revisionswerber in seiner Beschwerde ausdrücklich erklärt, den Bescheid vom 8. Juni 2015 zur Gänze zu bekämpfen. Das Gericht ging davon aus, es sei durch die vom Revisionswerber in seinem Beschwerdeschriftsatz formulierten Anträge, in denen (beruhend auf einem leicht erkennbaren Irrtum; siehe dazu oben) die besoldungsrechtliche Stellung der Verwendungsgruppe A1, Funktionsgruppe 5, erwähnt wurde, der Prüfungsgegenstand des verwaltungsgerichtlichen Verfahrens auf besoldungsrechtliche Fragen betreffend die Verwendungsgruppe A1, Funktionsgruppe 5, beschränkt worden. Dieser Begründungsansatz ist in verfahrensrechtlicher Hinsicht verfehlt. 23 Die Behörde hatte unter Spruchpunkt I. des Bescheides vom 8. Juni 2015 abweisend über den verfahrenseinleitenden Antrag des Revisionswerbers betreffend Funktionszulage der Verwendungsgruppe A2, Funktionsgruppe 5, abgesprochen und darüber hinaus festgestellt, dass dem Revisionswerber zum 14. März 2014 die besoldungsrechtliche Stellung der Verwendungsgruppe A2, Funktionsgruppe 3, zukomme, und dass ihm für den Zeitraum von 1. April 2011 bis 30. Oktober 2012 eine Ergänzungszulage gemäß § 36b GehG gebühre. Der Revisionswerber hatte den Bescheid vom 8. Juni 2015 - wie erwähnt - in seinem gesamten Umfang mit Beschwerde bekämpft. 24 Durch die Abweisung der Beschwerde bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Bescheid vom 8. Juni 2015 und traf daher eine mit dem behördlichen Spruch idente Entscheidung (siehe auch VwGH 24.1.2019, Ra 2018/09/0168, wonach das Verwaltungsgericht mit der Abweisung der Beschwerde den Spruch des mit Beschwerde bekämpften Bescheides übernimmt). 25 Schon ausgehend davon hatte sich das Bundesverwaltungsgericht mit der Frage auseinander zu setzen, ob dem Revisionswerber - entgegen den im Bescheid vom 8. Juni 2015 vorgenommenen und vom Bundesverwaltungsgericht übernommenen Absprüchen - eine Funktionszulage (wofür auch eine solche der Verwendungsgruppe A2, Funktionsgruppe 5, in Frage gekommen wäre) gebührte, und - zwecks Klärung der zuletzt genannten Frage - auch zu prüfen, ob er mit dem in Rede stehenden Arbeitsplatz dauerhaft betraut war. 26 Zunächst setzt nämlich die (von der Behörde festgestellte) Gebührlichkeit einer Ergänzungszulage gemäß § 36b GehG das Vorliegen einer - vom Revisionswerber bestrittenen - bloß vorläufigen und nicht einer dauernden Betrauung mit einem Arbeitsplatz voraus (VwGH 14.10.2013, 2012/12/0137; 13.3.2013, 2012/12/0111). Hingegen hätte im Fall einer dauernden Betrauung mit einem Arbeitsplatz der Verwendungsgruppe A2, Funktionsgruppe 5 - so wie vom Revisionswerber beantragt - ein Anspruch auf Funktionszulage gemäß § 30 GehG bestanden (VwGH 18.2.2015, Ro 2014/12/0035; zu § 91 GehG vgl. VwGH 18.2.2014, 2011/12/0159). 27 Für die Frage, ob im Verständnis gehaltsrechtlicher Bestimmungen von einer "dauernden" bzw. "nicht dauernden" (im Sinn von "vorübergehenden") Verwendung gesprochen werden kann, vertritt der Verwaltungsgerichtshof die Auffassung, dass für diese Unterscheidung maßgeblich ist, ob von vornherein eine zeitliche Begrenzung der Verwendungsdauer bestand oder nicht (vgl. etwa VwGH 15.12.2010, 2009/12/0194; zu § 36b GehG VwGH 28.4.2008, 2007/12/0103; 11.10.2007, 2007/12/0034). Dies ist nur der Fall, wenn die erwähnte zeitliche Begrenzung bereits im Betrauungsakt zum Ausdruck gebracht wurde (beispielsweise VwGH 11.10.2007, 2007/12/0034). 28 Auch für die dienstrechtliche Frage der Abgrenzung zwischen der Zuweisung einer vorübergehenden Verwendung und jener einer Dauerverwendung ist maßgeblich, ob eine Befristung der in Rede stehenden Maßnahme erkennbar ist (vgl. hiezu VwGH 10.10.2012, 2010/12/0198; zur Maßgeblichkeit des Gesichtspunkts, ob vor oder spätestens anlässlich der Zuweisung von Arbeitsplatzaufgaben mit 1. April 2011 eine Befristung der dem Revisionswerber nach der damaligen Weisungslage zugeordneten Arbeitsplatzaufgaben vorgenommen wurde, auch VwGH 21.1.2015, Ro 2014/12/0029). 29 Feststellungen zu der Frage, ob die dem Revisionswerber per 1. April 2011 zugewiesenen Aufgaben von vornherein befristet übertragen wurden, enthält das angefochtene Erkenntnis, da das Bundesverwaltungsgericht diesen Aspekt für nicht entscheidungswesentlich erachtete, nicht. 30 Die (durch das Bundesverwaltungsgericht bestätigte) Feststellung der Gebührlichkeit einer Ergänzungszulage für den Zeitraum von 1. April 2011 bis 30. Oktober 2012 legt nahe, dass der Revisionswerber in diesem (neunzehnmonatigen) Zeitraum (und somit für die Dauer von mehr als sechs Monaten) die mit einem Arbeitsplatz der Verwendungsgruppe A2, Funktionsgruppe 5, verbundenen Aufgaben wahrgenommen hat. 31 Unter der Annahme, dass vorliegend aufgrund einer Befristung im Betrauungsakt eine vorübergehende Betrauung des Revisionswerbers im Sinn von § 36b Abs. 1 GehG festzustellen und weiters die in § 36b Abs. 1a GehG genannten Voraussetzungen vorlägen, käme im unmittelbaren Anwendungsbereich der Sondervorschrift des § 36b Abs. 1 Z 1 lit. b GehG (in der im Jahr 2011 maßgeblichen Fassung) ausnahmsweise in gehaltsrechtlicher Hinsicht selbst bei einer ununterbrochenen Betrauung des Revisionswerbers in der Dauer von mehr als sechs Monaten die Rechtsprechung zum grundsätzlichen "Umschlagen" einer vorübergehenden in eine dauernde Betrauung nach sechs Monaten nicht zum Tragen (vgl. zu § 94a Abs. 1 Z 1 lit. b GehG VwGH 13.9.2017, Ra 2016/12/0044; zu § 36b GehG VwGH 15.12.2010, 2009/12/0194; zum gehaltsrechtlichen "Umschlagen" in eine dauernde Betrauung nach sechs Monaten VwGH 18.12.2014, 2011/12/0159). Es lässt sich folglich im unmittelbaren Anwendungsbereich des § 36b Abs. 1 Z 1 lit. b GehG ausnahmsweise nicht die Aussage treffen, dass ungeachtet einer allfälligen Befristung im Betrauungsakt die Betrauung gehaltsrechtlich jedenfalls nach Ablauf von sechs Monaten für die Folgezeiträume als "dauernd" zu erachten wäre. 32 Im Übrigen waren im vorliegenden Fall aber auch dienstrechtliche Gesichtspunkte zu berücksichtigen. So waren insbesondere eine dauernde Betrauung in dienstrechtlicher Hinsicht sowie das Vorliegen einer qualifizierten Verwendungsänderung in Betracht zu ziehen und es war insofern auch die Rechtswirksamkeit des allfälligen Entzugs höherwertiger Arbeitsplatzaufgaben per 30. Oktober 2012 zu prüfen. 33 Dabei ist zu berücksichtigen, dass nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes grundsätzlich außerhalb des Anwendungsbereichs des § 40 Abs. 4 Z 2 BDG 1979 - die Wirksamkeit der jeweiligen Personalmaßnahme vorausgesetzt - nach sechs Monaten dienstrechtlich vom "Umschlagen" einer vorübergehenden in eine dauernde Betrauung auszugehen ist (VwGH 20.11.2018, Ra 2017/12/0125; 21.10.2005, 2005/12/0049, mwN). 34 Sollte der Revisionswerber daher außerhalb des Anwendungsbereichs des § 40 Abs. 4 Z 2 BDG 1979 nach der ab 1. April 2011 maßgeblichen Weisungslage für länger als sechs Monate durchgehend mit Arbeitsplatzaufgaben der Verwendungsgruppe A2, Funktionsgruppe 5, betraut gewesen sein, so wäre in dienstrechtlicher Hinsicht nach Ablauf von sechs Monaten eine allenfalls zunächst vorläufige in eine dauernde Betrauung mit dem Arbeitsplatz übergegangen. 35 Feststellungen zur Funktionsgruppenwertigkeit der dem Revisionswerber zeitraumbezogen zugewiesenen Arbeitsplatzaufgaben (der Verwendungsgruppe A2) enthält das angefochtene Erkenntnis nicht. 36 Für den Fall, dass der Revisionswerber entsprechend seinem Vorbringen dienstrechtlich dauerhaft mit Arbeitsplatzaufgaben der Verwendungsgruppe A2, Funktionsgruppe 5, betraut worden wäre, wäre eine anschließende Veränderung der ihm zugewiesenen Arbeitsplatzaufgaben dahin, dass diese nach ihrem überwiegenden Gesamtbild nur noch die Wertigkeit der Verwendungsgruppe A2, Funktionsgruppe 3, aufwiesen, gemäß § 40 Abs. 2 Z 1 und Abs. 3 BDG 1979 als eine einer Versetzung gleichzuhaltende (qualifizierte) Verwendungsänderung zu beurteilen. Diese könnte rechtswirksam nur mit Bescheid verfügt werden (vgl. zur Rechtsunwirksamkeit eines lediglich durch Weisung verfügten Entzugs von höherwertigen, zuvor bereits dauerhaft zugewiesenen Arbeitsplatzaufgaben VwGH 21.1.2015, Ro 2014/12/0029). 37 Es hätte daher in einer Konstellation, in der zwar zunächst mit 1. April 2011 eine vorläufige Betrauung vorgelegen wäre, nach Ablauf von sechs Monaten jedoch in dienstrechtlicher Hinsicht ein "Umschlagen" in eine dauernde Betrauung eingetreten wäre, ein rechtswirksamer Entzug von höherwertigen Aufgaben mit 30. Oktober 2012 - so wie dies von der Behörde offensichtlich für die Zeiträume ab 1. November 2012 angenommen wurde - der Erlassung eines Bescheides bedurft. 38 Da ein solcher Bescheid nach den dem Verwaltungsgerichtshof vorliegenden Akten nicht ergangen zu sein scheint, wäre der Entzug von höherwertigen Arbeitsplatzaufgaben per 1. November 2012 nicht rechtswirksam gewesen und - stets im Fall des Vorliegens einer dauerhaften Betrauung des Revisionswerbers mit einem Arbeitsplatz der Verwendungsgruppe A2, Funktionsgruppe 5 - nicht nur die Abweisung des die Gebührlichkeit einer Funktionszulage der Verwendungsgruppe A2, Funktionsgruppe 5, betreffenden Antrags und die Feststellung der Gebührlichkeit einer Ergänzungszulage gemäß § 36b für den Zeitraum von 1. April 2011 bis 30. Oktober 2012, sondern auch die Feststellung der besoldungsrechtlichen Stellung des Revisionswerbers zum 14. März 2014 unter Zugrundlegung der Zuweisung eines Arbeitsplatzes der Verwendungsgruppe A2, Funktionsgruppe 3, rechtswidrig. 39 Indem das Bundesverwaltungsgericht - wie oben dargelegt - in Verkennung der Rechtslage zu entscheidungswesentlichen Aspekten der vorliegenden Rechtssache keine Feststellungen traf und eine taugliche Auseinandersetzung mit den im Revisionsfall relevanten Fragen unterließ, belastete es das angefochtene Erkenntnis mit vorrangig wahrzunehmender, inhaltlicher Rechtswidrigkeit. Dieses war daher gemäß § 42 Abs. 2 Z 1 VwGG aufzuheben. 40 Im Hinblick auf dieses Ergebnis war auf die weiteren Ausführungen der Revision betreffend die sich im verwaltungsgerichtlichen Verfahren aus § 169f Abs. 3 GehG in der Fassung der 2. Dienstrechts-Novelle 2019, BGBl. I Nr. 58/2019, ergebenden Konsequenzen nicht weiter einzugehen. 41 Die Kostenentscheidung stützt sich auf die §§ 47 ff VwGG in Verbindung mit der VwGH-Aufwandersatzverordnung 2014. Wien, am 19. Februar 2020
JWT_2019120060_20200616L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019120060.L00
Ra 2019/12/0060
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019120060_20200616L00/JWT_2019120060_20200616L00.html
1,592,265,600,000
4,859
Spruch Die Revision wird zurückgewiesen. Begründung 1 Die Revisionswerberin steht in einem öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis zum Land Kärnten. 2 Mit Bescheid der Kärntner Landesregierung vom 29. November 2018 wurde über Antrag der Revisionswerberin vom 2. Juli 2018 gemäß § 40 Abs. 4 iVm. § 38 Abs. 6 Kärntner Dienstrechtsgesetz 1994 (K-DRG 1994) festgestellt, dass die der Revisionswerberin gegenüber mit Dekret vom 27. Juni 2018 verfügte Verwendungsänderung zulässig gewesen sei. 3 Begründend wurde ausgeführt, die Revisionswerberin sei mit Wirkung vom 1. Jänner 2010 zur Beamtin des Landes Kärnten ernannt worden. Sie sei Beamtin der Besoldungsgruppe Allgemeine Verwaltung, Verwendungsgruppe A, Dienstzweig Wissenschaftlicher Dienst. Ihre Dienststelle sei das Amt der Kärntner Landesregierung mit Dienstort Klagenfurt am Wörthersee. 4 Infolge einer Änderung der Geschäftseinteilung des Amtes der Kärntner Landesregierung (K-GEA) sei die Revisionswerberin mit Dekret vom 18. Jänner 2010 gemäß § 6 Abs. 2 der Geschäftsordnung des Amtes der Kärntner Landesregierung (K-GOA) mit Wirkung vom 1. Jänner 2010 zur Unterabteilungsleiterin für das Aufgabengebiet „Kunst und Kultur“ im Rahmen der Abteilung 6 - Bildung, Generationen und Kultur des Amtes der Kärntner Landesregierung bestimmt worden. Mit Wirkung vom 1. Jänner 2016 sei sie zur Beamtin der Dienstklasse VIII ernannt worden. Mit 1. Juli 2018 sei die Verordnung des Landeshauptmannes vom 12. April 2018, mit der die K-GEA erlassen worden sei, in Kraft getreten. Dadurch existierten im Amt der Kärntner Landesregierung anstelle der bisherigen zehn nunmehr 14 Abteilungen. Ziel der politischen Entscheidungsträger sei es gewesen, mit dieser Reform die Effizienz im Verwaltungsbereich noch weiter zu steigern, indem jede Abteilung mit ihrem jeweiligen Referatsbereich mit dem zuständigen Referenten synchronisiert worden sei. Zusammenhängende und miteinander korrelierende Inhalte sollten verbunden, unter ein Dach gestellt und mit den ebenfalls adaptierten Referatsbereichen der Regierungsmitglieder abgestimmt werden. Zudem entsprächen sie auch themenmäßig einem Landtagsausschuss. Auch sei es Ziel gewesen, mit der Geschäftseinteilung bestehende Zersplitterungen zu bereinigen und klarere Zuständigkeiten innerhalb der Verwaltung zu schaffen (Hinweis auf eine Aussendung des Landeshauptmanns vom 1. Juni 2018). 5 Im Zuge der Änderung der K-GEA seien zahlreiche Aufgaben aus dem Bereich Kunst und Kultur, die bisher in der Abteilung 6 angesiedelt gewesen seien, an die neu eingerichtete Abteilung 14 übertragen worden. Gemäß § 5 Abs. 5 der K-GOA habe der Landesamtsdirektor mit Wirkung vom 1. Juli 2018 einen Landesbeamten mit langjähriger Erfahrung im Bereich der Kunst und Kultur zum stellvertretenden Abteilungsleiter der Abteilung 14 - Kunst und Kultur bestellt, welcher bis zur Betrauung eines Abteilungsleiters die Geschäfte der Abteilung führe. 6 Mit Dekret vom 27. Juni 2018 sei die Revisionswerberin mit Ablauf des 30. Juni 2018 von der Funktion als Unterabteilungsleiterin für „Kunst und Kultur“ in der Abteilung 6 abberufen, der Abteilung 11 - Zukunftsentwicklung, Arbeitsmarkt und Wohnbau zugeordnet und gemäß § 6 Abs. 2 K-GOA mit Wirkung von 1. Juli 2018 zur Unterabteilungsleiterin für das Aufgabengebiet „Erwachsenenbildung“ innerhalb der Abteilung 11 bestimmt worden. Das Dekret sei ihr am 2. Juli 2018 ausgefolgt worden. 7 Eine Änderung der besoldungsmäßigen Einreihung oder des Dienstortes sei durch diese Verwendungsänderung nicht eingetreten. 8 In der Folge wurden die Aufgaben der Revisionswerberin als Unterabteilungsleiterin der Abteilung 6 „Kunst und Kultur“ und jene nach der Verwendungsänderung in der Unterabteilung der Abteilung 11 „Erwachsenenbildung“ dargestellt. 9 Die Dienstbehörde führte aus, der im Antrag der Revisionswerberin vom 2. Juli 2018 aufgestellten und im Zuge des Parteiengehörs wiederholten Behauptung, dass sie vor dem 1. Jänner 2010 schon Abteilungsleiterin gewesen, von dieser Funktion nie abberufen worden, sondern weiterhin im Rang einer Abteilungsleiterin für Kunst und Kultur tätig gewesen sei und somit die Leitung der mit 1. Juli 2018 neu geschaffenen Abteilung 14 ihr zu überantworten gewesen wäre, sei zu entgegnen, dass die seinerzeitige Abteilung 5 aufgrund der Verordnung des Landeshauptmannes vom 3. Oktober 2009, mit der die K-GEA erlassen worden sei, mit 1. Jänner 2010 nicht mehr existiert habe und seit diesem Zeitpunkt die Aufgabengebiete der Kunst und Kultur in der Abteilung 6 angesiedelt gewesen seien. Es sei jedenfalls davon auszugehen, dass die Revisionswerberin durch die mit Dekret vom 15. Jänner 2010 verfügte Personalmaßnahme - Bestellung zur Unterabteilungsleiterin für das Aufgabengebiet „Kunst und Kultur“ - von ihrer bisherigen Verwendung als Abteilungsleiterin unter Zuweisung einer neuen Verwendung abberufen worden sei. 10 Der Umstand, dass die Revisionswerberin vielfach direkt mit den politischen Referenten zusammen gearbeitet und Aufträge direkt erhalten habe, wie auch jener, dass Aufgabengebiete und Bedienstete von der früheren Abteilung 5 in ihrer Unterabteilung angesiedelt worden seien, vermöge an der Tatsache, dass die Revisionswerberin seit dem 1. Jänner 2010 als Unterabteilungsleiterin im Sinne des § 6 K-GOA und eben nicht mehr als Abteilungsleiterin nach § 5 K-GOA in Verwendung gestanden sei, nichts zu ändern. Eine Abteilung innerhalb einer Abteilung wäre im Widerspruch zu sämtlichen organisationsrechtlichen Vorgaben gestanden. Auch die besoldungsmäßige Einreihung der Revisionswerberin anlässlich der Übernahme in das öffentlich-rechtliche Dienstverhältnis mit 1. Jänner 2010 und die Bemessung der Zulagen und Nebengebühren sei auf der Grundlage erfolgt, dass die Revisionswerberin die Funktion einer Unterabteilungsleiterin innegehabt habe. 11 Bei der Funktion des Leiters der Abteilung handle es sich um eine Leitungsfunktion im Sinne des § 13 Abs. 1 des Kärntner Objektivierungsgesetzes (K-OG). Die Betrauung mit einer Leitungsfunktion dürfe nur nach öffentlicher Ausschreibung und Durchführung eines Objektivierungsverfahrens nach dem 2. Teil des K-OG erfolgen. Gemäß § 3 der Geschäftsordnung der Kärntner Landesregierung (K-GOL) sei die Bestellung des Leiters einer Abteilung des Amtes der Landesregierung der kollegialen Beratung und Beschlussfassung durch die Landesregierung vorbehalten. Hingegen könne der Landeshauptmann gemäß § 6 K-GOA auf Vorschlag des Landesamtsdirektors, der vorher den Abteilungsleiter zu hören habe, aus organisatorischen und administrativen Gründen für abgegrenzte Aufgabengebiete einer Abteilung Unterabteilungen einrichten und entsprechend qualifizierte und erfahrene Bedienstete als Unterabteilungsleiter bestimmen. 12 Der Behauptung, in einem ähnlich gelagerten Fall wäre ein ehemaliger Leiter einer Abteilung wieder mit der Funktion eines geschäftsführenden Abteilungsleiters betraut worden, sei zu entgegnen, dass dieser vom Landesamtsdirektor gemäß § 5 Abs. 5 L-GOA lediglich zum Stellvertreter des Abteilungsleiters bestellt worden sei und aufgrund einer länger als drei Monate dauernden Verhinderung die Funktionsbezeichnung „geschäftsführender Abteilungsleiter“ führe. Auch dieser würde nur definitiv mit der Leitung der Abteilung betraut werden, wenn er sich auf eine öffentliche Ausschreibung hin bewerbe und aus einem Objektivierungsverfahren als Erstgereihter hervorginge. 13 Gegenstand des vorliegenden Verfahrens könne sohin nur die mit Dekret vom 27. Juni 2018 erfolgte Abberufung von der Funktion als Unterabteilungsleiterin für „Kunst und Kultur“ in der Abteilung 6 mit der gleichzeitigen Zuordnung zur Abteilung 11 und Bestellung zur Unterabteilungsleiterin für das Aufgabengebiet „Erwachsenenbildung“ innerhalb dieser Abteilung sein. 14 Eine Verwendungsänderung sei dann einer Versetzung gleichzuhalten und daher als qualifiziert zu betrachten, wenn durch die Neuverwendung in der Laufbahn des Bediensteten eine Verschlechterung zu erwarten sei (§ 40 Abs. 4 Z 1 K-DRG 1994) oder die neue Verwendung der bisherigen Verwendung des Bediensteten nicht mindestens gleichwertig sei (§ 40 Abs. 4 Z 2 K-DRG 1994). 15 § 40 Abs. 4 Z 1 leg.cit. sei nach der ständigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes nur dann erfüllt, wenn eine bereits in den Bereich der konkreten Möglichkeit gerückte Laufbahnerwartung des Beamten verschlechtert worden sei. Durch die bereits erfolgte Beförderung zur Beamtin der Dienstklasse VIII sei nach den Beförderungsrichtlinien des Landes Kärnten bereits die höchste für Beamte des höheren Dienstes in Betracht kommende Dienstklasse erreicht. Sohin sei durch die gegenständliche Verwendungsänderung eine Laufbahnverschlechterung ausgeschlossen. 16 Von einer qualifizierten, einer Versetzung gleichzuhaltenden Verwendungsänderung sei auch dann auszugehen, wenn die neue Verwendung des Beamten der bisherigen Verwendung nicht mindestens gleichwertig sei. Die in der neuen Verwendung als Unterabteilungsleiterin für den Bereich „Erwachsenenbildung“ zukommenden Aufgaben seien zweifelsfrei der Verwendungsgruppe A zuzuordnen und es bedürfe aufgrund der Verantwortung, Vielfältigkeit und Komplexität, zu deren Erfüllung des Abschlusses eines einschlägigen Hochschulstudiums. Es verbliebe letztendlich die Frage der Höherwertigkeit der früheren Leitungstätigkeit gegenüber der jetzt von der Revisionswerberin ausgeübten zu überprüfen; also, ob es sich bei der seinerzeit ausgeübten Leitungstätigkeit um eine besonders verantwortungsvolle Führungsfunktion gehandelt habe, und ob diesbezüglich durch die vorgenommene Verwendungsänderung eine Verringerung der Wertigkeit eingetreten sei. Hier zeige sich letztendlich aufgrund der Unterschiede hinsichtlich der Anzahl der zugeteilten Bediensteten wie auch der zu verwaltenden finanziellen Mittel, dass eine Gleichwertigkeit nicht angenommen werden könne und somit die verfahrensgegenständliche Verwendungsänderung als eine im Sinne des § 40 Abs. 4 Z 2 K-DRG 1994 anzusehen sei, welche einer Versetzung gleichzuhalten sei. 17 Gemäß § 38 Abs. 2 K-DRG 1994 dürfe der Beamte mit Weisung der Landesregierung versetzt werden, wenn ein dienstliches Interesse daran bestehe und er aufgrund seiner Ausbildung die Erfordernisse für die Verwendung am neuen Arbeitsplatz erfülle, wobei auch die persönlichen Verhältnisse des Beamten zu berücksichtigen seien. Gemäß Abs. 4 leg.cit. liege ein dienstliches Interesse insbesondere bei Änderung der Verwaltungsorganisation einschließlich der Auflassung von Arbeitsplätzen oder bei Deckung von Personalbedarf durch Besetzung eines freien Arbeitsplatzes vor. Der wesentliche Zweck der Bestimmungen über Versetzungen und qualifizierte Verwendungsänderungen liege darin, Bedienstete vor sachlich nicht gerechtfertigten Personalmaßnahmen zu schützen, die eine dienst- und besoldungsrechtliche Schlechterstellung der Betroffenen herbeiführten. Nach der ständigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes rechtfertige eine sachlich begründete Organisationsänderung der staatlichen Verwaltung, die bewirke, dass eine bisher von einem Beamten ausgeübte Funktion nicht mehr oder nur mehr in einer nach Art und Inhalt der damit verbundenen Tätigkeit grundlegend veränderten Form weiter bestehe, als „wichtiges dienstliches Interesse“ eine Versetzung bzw eine qualifizierte Verwendungsänderung von Amts wegen. Entfalle aber in einer Organisationseinheit infolge einer sachlich begründeten Umgliederung eine Funktion, so liege in der Abberufung des Beamten von einer solchen Funktion schon deshalb ein öffentliches Interesse, weil es undenkbar wäre, einen Beamten in einer nicht mehr bestehenden Funktion zu belassen. Eine Änderung der Organisation wäre nur dann unsachlich und willkürlich, wenn sie zu dem Zweck getroffen worden wäre, einem bestimmten Bediensteten dienstrechtliche Nachteile zuzufügen. Die mit Wirkung vom 1. Juli 2018 erfolgte Änderung der K-GEA habe mehrere Abteilungen und Aufgabengebiete betroffen. Es seien zahlreiche Bedienstete des Landes von organisatorischen Veränderungen betroffen. Gegenstand eines dienstrechtlichen Verfahrens könne nur deren Gesetzmäßigkeit sein, Wirtschaftlichkeit, Sparsamkeit und Zweckmäßigkeit einer organisatorischen Maßnahme seien nicht zu beurteilen. 18 Da durch In-Kraft-Treten der neuen K-GEA in der Abteilung 6 die Aufgabengebiete, mit denen die Revisionswerberin bis dahin befasst gewesen sei, weggefallen seien und somit ihr Arbeitsplatz aufgelassen worden sei, sei es erforderlich gewesen, die Revisionswerberin von ihrer bisherigen Verwendung abzuberufen und einer neuen Verwendung zuzuweisen. Eine Betrauung mit der Leitung der neu geschaffenen Abteilung 14 sei aufgrund der Vorgaben des K-OG sowie der erfolgten Bestellung eines stellvertretenden Abteilungsleiters gemäß § 5 Abs. 5 K-GOA nicht in Betracht gekommen. Andere, der bisherigen Verwendung der Revisionswerberin gleichwertige Arbeitsplätze, seien in der Abteilung 6 und in der Abteilung 14 nicht verfügbar, und zeichneten sich solche, abgesehen von der auszuschreibenden Funktion des Leiters der Abteilung 14 - in nächster Zeit auch nicht ab. Selbstverständlich stehe der Revisionswerberin uneingeschränkt die Möglichkeit offen, sich für diese öffentlich auszuschreibende Leitungsfunktion zu bewerben, um nach Durchführung eines Verfahrens nach dem Objektivierungsgesetz mit der Leitung der Abteilung betraut zu werden. 19 Sei eine Abberufung vom bisherigen Arbeitsplatz notwendig, so sei die Dienstbehörde im Rahmen ihrer Fürsorgepflicht verpflichtet, eine möglichst gleichwertige, wenn dies nicht möglich sei, eine der bisherigen Verwendung sowohl hinsichtlich der Aufgabeninhalte als auch der Einstufung möglichst adäquate Verwendung zu wählen. Dabei seien vorrangig dienstliche Interessen zu berücksichtigen, insbesondere gleichzeitig anstehende oder zeitnah absehbare Besetzungsvorgänge. Auch seien bei der Prüfung eines möglichst adäquaten Arbeitsplatzes neben der Einstufung das Wissen, das Können und die Erfahrung des zukünftigen Arbeitsplatzinhabers zu berücksichtigen. Ein Rechtsanspruch des Beamten darauf, nach Auflassung seines Arbeitsplatzes auf einem neuen Arbeitsplatz wieder in gleicher Weise (mit gleicher Einstufung) verwendet zu werden, sehe das Gesetz nicht vor; grundsätzlich sei lediglich eine der bisherigen Verwendung möglichst adäquate Verwendung anzustreben. 20 Das Aufgabegebiet der Unterabteilung „Erwachsenenbildung“ sei bis zur Änderung der K-GOA in der Abteilung 6 angesiedelt gewesen und falle seit 1. Juli 2018 in die Zuständigkeit der neu geschaffenen Abteilung 11. Aufgrund der bevorstehenden Ruhestandsversetzung des Leiters dieser Unterabteilung habe sich hier ein anstehender Personalbedarf abgezeichnet. Der bisherige Leiter dieser Unterabteilung sei aufgrund seines Werdeganges (u.a. ehemals Sektionschef im Innenministerium, stellvertretender Leiter der Sicherheitsakademie, etc.) für dieses Aufgabengebiet in besonderem Maße qualifiziert und führe mehr als zehn Jahre höchst professionell diese Geschäfte. 21 Dem von der geschäftsführenden Leiterin der Abteilung 11 übermittelten Anforderungsprofil an die Leitung der Unterabteilung „Erwachsenenbildung“ werde die Revisionswerberin aufgrund ihrer Ausbildung, ihres Werdeganges und ihrer zusätzlichen Qualifikationen voll gerecht. Es könne daher davon ausgegangen werden, dass nur eine verkürzte Einarbeitungsphase notwendig sein würde. Dass die Dienstbehörde in der neuen Verwendung der Revisionswerberin nach wie vor eine Aufgabe erblicke, der ein besonderes Maß an Verantwortung für die Führung der Geschäfte der Verwaltung zukomme und diese Verantwortung über dem Ausmaß an Verantwortung liege, das Beamte in gleicher dienst- und besoldungsrechtlicher Stellung tragen würden, verdeutliche sich auch in dem Umstand, dass die Revisionswerberin zur Unterabteilungsleiterin ernannt, die ihr gewährte Verwendungszulage in unverändertem Ausmaß weiter gewährt worden sei und auch sonst in den ihr gewährten Zulagen und Nebengebühren durch die gegenständliche Personalmaßnahme keine Veränderung eingetreten sei. Die von der Revisionswerberin im Rahmen des Parteiengehörs abgegebene Stellungnahme weise auf die unterschiedliche personelle und finanzielle Ausstattung der jeweiligen Arbeitsplätze hin. Dass die neue Verwendung inadäquat wäre oder sie dem Anforderungsprofil nicht entspräche, habe sie nicht vorgebracht. 22 Zusammenfassend komme die Dienstbehörde zu dem Ergebnis, dass nach der infolge der Änderung der K-GEA notwendigen Abberufung aus der Funktion und Verwendung und Betrauung mit einer neuen Funktion und Verwendung eine Personalmaßnahme verfügt worden sei, die sowohl den dienstlichen als auch den persönlichen Interessen der Revisionswerberin so weit wie möglich Rechnung trage. Durch die Bestellung zur Unterabteilungsleiterin für das Aufgabengebiet „Erwachsenenbildung“ sei eine der bisherigen Verwendung im Hinblick auf die Vielzahl und Komplexität der Aufgabeninhalte, das Anforderungsprofil sowie auch auf den besoldungs- und organisationsrechtlichen Status absolut adäquate Verwendung gewählt worden. Gleichzeitig sei einem unmittelbar bevorstehenden Personalbedarf Rechnung getragen und für volle Handlungsfähigkeit und personelle Kontinuität in einem sehr verantwortungsvollen Bereich der Landesverwaltung gesorgt worden. Aus all diesen Erwägungen sei daher davon auszugehen, dass die mit Dekret vom 27. Juni 2018 verfügte Personalmaßnahme jedenfalls zulässig sei. 23 Mit dem angefochtenen Erkenntnis wies das Landesverwaltungsgericht Kärnten die gegen den genannten Bescheid von der Revisionswerberin erhobene Beschwerde ab. Es sprach aus, dass die Revision an den Verwaltungsgerichtshof nach Art. 133 Abs. 4 B-VG unzulässig sei. Das Landesverwaltungsgericht traf folgende Feststellungen: „Die Beschwerdeführerin wurde mit Wirksamkeit vom 01.01.2010 zur Beamtin des Landes Kärnten ernannt, Besoldungsgruppe: Allgemeine Verwaltung, Verwendungsgruppe A, Dienstzweig: wissenschaftlicher Dienst. Die Dienststelle wurde mit dem Amt der Kärntner Landesregierung mit dem Dienstort in Klagenfurt am Wörthersee festgesetzt. Dienststelle der Beschwerdeführerin ist das Amt der Kärntner Landesregierung mit dem Dienstort Klagenfurt am Wörthersee. Die Beschwerdeführerin ist mit Wirksamkeit vom 01.01.2016 zur Beamtin der Dienstklasse VIII ernannt worden. Aufgrund einer Änderung der Geschäftseinteilung des Amtes der Kärntner Landesregierung wurde die Beschwerdeführerin mit Dekret vom 18.01.2010 gemäß § 6 Abs. 2 der Geschäftsordnung des Amtes der Kärntner Landesregierung mit Wirkung vom 01.01.2010 zur Unterabteilungsleiterin für das Aufgabengebiet ‚Kunst und Kultur‘ im Rahmen der Abteilung 6 - Bildung, Generationen und Kultur des Amtes der Kärntner Landesregierung bestellt. Darüber hinaus wurde ausgesprochen, dass die Beschwerdeführerin mit 01. Jänner 2010 ihre Funktion als Leiterin der Abteilung 5 - Kultur verloren hat. Die Verordnung des Landeshauptmannes von Kärnten vom 12.04.2018, mit der die Geschäftseinteilung des Amtes der Kärntner Landesregierung erlassen wurde (K-GEA), LGBl. Nr. 39/2018, ist mit 01.07.20180 in Kraft getreten. Mit dieser neuen Geschäftseinteilung sind unter anderem vier neue Abteilungen geschaffen worden und wurden in Zusammenhang damit eine Reihe von Aufgabenbereichen neu zugeordnet bzw. zwischen den einzelnen Abteilungen umverteilt. Mit Dekret vom 27.06.2018 wurde die Beschwerdeführerin mit Ablauf des 30.06.2018 von ihrer Funktion als Unterabteilungsleiterin für das Aufgabengebiet ‚Kunst und Kultur‘ in der Abteilung 6 abberufen, und der Abteilung 11 - Zukunftsentwicklung, Arbeitsmarkt und Wohnbau zugeordnet. Die Beschwerdeführerin wurde gemäß § 6 Abs. 2 der Geschäftsordnung des Amtes der Kärntner Landesregierung mit Wirkung vom 01.07.2018 zur Unterabteilungsleiterin für das Aufgabengebiet ‚Erwachsenenbildung‘ innerhalb der Abteilung 11 bestimmt. In der Anlage der Verordnung des Landeshauptmannes vom 12.04.2018, Zahl: 01-GEA-1/2-2018, mit der die Geschäftseinteilung des Amtes der Kärntner Landesregierung erlassen wird (K-GEA) ist dargestellt, welche Aufgabenbereiche den Fachabteilungen (Abteilungen 1 bis 14) zugewiesen sind. Der nunmehrige Aufgabenbereich der Abteilung 14 - Kunst und Kultur ist nicht ident mit dem bisherigen Aufgabenbereich der Beschwerdeführerin als Unterabteilungsleiterin im Rahmen der Abteilung 6 - Bildung, Wissenschaft, Kultur und Sport. Es ist allerdings davon auszugehen, dass zwischen dem bisherigen Aufgabenbereich der Beschwerdeführerin sowie dem nunmehr der Abteilung 14 - Kunst und Kultur zugeordneten Aufgabenbereichen ein hohes Maß an Übereinstimmung besteht. Durch die in Beschwerde gezogene Personalmaßnahme ist keine Änderung hinsichtlich der dienst- und besoldungsrechtlichen Stellung der Beschwerdeführerin eingetreten. Ebenso ist auch der Dienstort unverändert geblieben.“ 24 In rechtlicher Hinsicht führte das Landesverwaltungsgericht aus, nach ständiger Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes begründe eine sachliche Organisationsänderung ein wichtiges dienstliches Interesse an der Vornahme einer Versetzung. Mit der Überprüfung der Sachlichkeit sei hingegen nicht auch jene der Zweckmäßigkeit verbunden. Letztere zu beurteilen obliege ausschließlich der Organisationshoheit des Dienstgebers. Als unsachlich und somit nicht als taugliche Grundlage für eine darauf aufbauende Personalmaßnahme sei eine Organisationsänderung dann anzusehen, wenn sie den Zweck verfolge, die betreffende Personalmaßnahme aus unsachlichen Gründen zu setzen bzw. dem Beamten einen Nachteil zuzufügen. 25 Die mit Wirkung vom 1. Juli 2018 erfolgte Änderung der Geschäftseinteilung des Amtes der Kärntner Landesregierung habe mehrere Abteilungen sowie deren Aufgabenbereiche betroffen, es seien daher auch andere Mitarbeiter des Landes von organisatorischen Veränderungen betroffen gewesen. Unstrittig sei, dass die Personalmaßnahme, mit welcher die Revisionswerberin von ihrer Funktion einer Unterabteilungsleiterin für Kunst und Kultur in der Abteilung 6 abberufen worden und der Abteilung 11, Zukunftsentwicklung, Arbeitsmarkt und Wohnbau zugeordnet worden sei und mit Wirkung vom 1. Juli 2018 zur Unterabteilungsleiterin für das Aufgabengebiet Erwachsenenbildung innerhalb der Abteilung 11 betraut worden sei, als qualifizierte Verwendungsänderung im Sinne des § 40 Abs. 4 Z 2 K-DRG 1994, welche einer Versetzung gleichzuhalten sei, zu qualifizieren sei. 26 Gemäß § 38 Abs. 2 K-DRG 1994 könne ein Beamter mit Weisung der Landesregierung versetzt werden, wenn daran ein dienstliches Interesse bestehe. Gemäß § 38 Abs. 4 K-DRG 1994 liege ein dienstliches Interesse bei einer Änderung der Verwaltungsorganisation einschließlich der Auflassung von Arbeitsplätzen vor. 27 Vor In-Kraft-Treten der Verordnung des Landeshauptmannes vom 12. April 2018 sei der Bereich der Abteilung 6 des Amtes der Kärntner Landesregierung zugeordnet und die Revisionswerberin für diesen Aufgabenbereich als Unterabteilungsleiterin verantwortlich gewesen. Laut der genannten Verordnung des Landes sei für den Bereich Kunst und Kultur eine neue Abteilung - die Abteilung 14 - geschaffen worden. Die im gegenständlichen Bereich des Amtes der Kärntner Landesregierung durchgeführte Organisationsänderung könne nicht als unsachlich angesehen werden, dies sei von der Revisionswerberin auch nicht behauptet worden. 28 Gemäß § 5 der K-GOA werde jede Abteilung des Amtes der Landesregierung von einem Abteilungsleiter geführt. Gemäß § 5 Abs. 5 K-GOA habe der Landesamtsdirektor für alle Abteilungen nach Anhörung des Abteilungsleiters einen in der Abteilung verwendeten Bediensteten zum ersten Stellvertreter des Abteilungsleiters und bei Bedarf einen weiteren in der Abteilung verwendeten Bediensteten zum zweiten Stellvertreter des Abteilungsleiters zu bestimmen. Ebenso könne der Landesamtsdirektor einen Bediensteten zum Stellvertreter des Abteilungsleiters bestellen, sofern für die Abteilung noch kein Abteilungsleiter bestellt worden sei. 29 Die Revisionswerberin begründe die Rechtswidrigkeit der in Beschwerde gezogenen Entscheidung damit, dass ihr bisheriger Verantwortungsbereich als Unterabteilungsleiterin für den Bereich Kunst und Kultur ein wesentlich umfangreicherer gewesen sei als ihr neuer Verantwortungsbereich im Rahmen der Unterabteilung „Erwachsenenbildung“. Insbesondere der Umstand, dass sie nunmehr mit weitaus weniger Personal zu arbeiten, sich die Führungsspanne nach unten verringert habe und dass ihre budgetäre Verantwortung eine geringere sei, lasse zwingend den Schluss zu, dass ihre persönlichen Verhältnisse unberücksichtigt geblieben seien, durch die dienstrechtliche Maßnahme eine Verschlechterung eingetreten sei und dass somit ihre persönlichen Verhältnisse jedenfalls nachteilig berührt worden seien. 30 Das Landesverwaltungsgericht sei der Auffassung, dass dieses Vorbringen nicht dazu geeignet sei, die Rechtswidrigkeit der in Beschwerde gezogenen Entscheidung darzutun, zumal der neue Aufgabenbereich im Rahmen der Unterabteilung Erwachsenenbildung zweifellos der Verwendungsgruppe A zuzuordnen sei und somit der Abschluss eines einschlägigen Universitätsstudiums für diesen Aufgabenbereich erforderlich sei. Der Umstand, dass der Revisionswerberin bislang eine wesentlich höhere Anzahl an Bediensteten zugeordnet gewesen sei bzw. dass sie ein höheres Budget zu verwalten gehabt habe und dass der bislang von ihr geleiteten Unterabteilung ein umfangreicheres Aufgabengebiet zugeordnet gewesen sei, sei jedenfalls nicht dazu geeignet darzutun, dass sich die dienstliche Position der Beschwerdeführerin verschlechtert habe bzw. diese Personalmaßnahme als unsachlich und gesetzwidrig anzusehen sei. 31 Ungeachtet dessen seien auch die persönlichen Verhältnisse der Revisionswerberin berücksichtigt worden, zumal sie ihre Funktion als Unterabteilungsleiterin beibehalten habe, eine besoldungsmäßige Schlechterstellung nicht eingetreten sei und auch der Dienstort unverändert geblieben sei. 32 Auch wenn man davon ausgehe, dass die Revisionswerberin über eine langjährige Erfahrung im Bereich Kunst und Kultur verfüge, so sei darauf hinzuweisen, dass im Falle der qualifizierten Verwendungsänderung nur die Überprüfung der Sachlichkeit, nicht jedoch auch jene der Zweckmäßigkeit durchzuführen sei. Die Beurteilung der Zweckmäßigkeit einer Personalmaßnahme obliege ausschließlich dem Dienstgeber. 33 Die gegenständliche Organisationsänderung sei sachlich gerechtfertigt und weise wohl auch nichts darauf hin, dass diese Organisationsänderung nur den Zweck verfolgt habe, der Revisionswerberin einen Nachteil zuzufügen. Darüber hinaus könne aus den gegenständlich in Betracht kommenden Bestimmungen des K-DRG 1994 nicht abgeleitet werden, dass die Revisionswerberin einen Rechtsanspruch darauf habe, mit der vorübergehenden Leitung einer neu geschaffenen Abteilung betraut zu werden. 34 Dem Einwand der Revisionswerberin, dass sie den Bereich Kunst und Kultur als Abteilungsleiterin geleitet habe, sei entgegen zu halten, dass die Revisionswerberin mit Dekret vom 18. Jänner 2010 mit Wirkung vom 1. Jänner 2010 zur Unterabteilungsleiterin für das Aufgabengebiet „Kunst und Kultur“ im Bereich der Abteilung 6 - Bildung, Generationen und Kultur des Amtes der Kärntner Landesregierung bestellt worden sei, und es wurde ihr auch zur Kenntnis gebracht, dass sie mit 1. Jänner 2010 ihre Funktion als Leiterin der Abteilung 5 - Kultur, verloren habe. Das Vorbringen der Beschwerdeführerin, dass sie in der Folge als Abteilungsleiterin tätig gewesen sei, gehe daher ins Leere. 35 Die Beschwerde sei daher als unbegründet abzuweisen. 36 Gegen dieses Erkenntnis richtet sich die vorliegende Revision mit dem Antrag, dieses wegen Rechtswidrigkeit seines Inhaltes, in eventu wegen Rechtswidrigkeit infolge Verletzung von Verfahrensvorschriften aufzuheben. 37 In der Zulässigkeitsbegründung der Revision wird ausgeführt, dem bekämpften Erkenntnis mangle es an einem konkreten Hinweis auf die vorliegende, einheitliche Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes, bzw. an einer sonstigen Begründung, warum eine erhebliche Rechtsfrage nicht vorliege, um die gegenständliche Entscheidung des Landesverwaltungsgerichts Kärnten - Nichtzulassung der Revision - nachvollziehen zu können. 38 Das Landesverwaltungsgericht Kärnten habe festgestellt, dass der nunmehrige Aufgabenbereich der Revisionswerberin in der Abteilung 14 nicht ident mit ihrem bisherigen Aufgabenbereich als Unterabteilungsleiterin im Rahmen der Abteilung 6 - Bildung, Wissenschaft, Kultur und Sport sei. Nach Ansicht des Landesverwaltungsgerichts Kärnten bestehe jedoch ein hohes Maß an Übereinstimmung. Durch die Personalmaßnahme sei es aber zu keiner Änderung hinsichtlich der dienst- und besoldungsrechtlichen Stellung der Revisionswerberin und auch nicht zu einer Veränderung des Dienstortes gekommen. 39 Soweit für die Revisionswerberin überblickbar, gebe es bis dato keine Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes zur Frage, ob eine Änderung des Aufgabenbereichs - möge auch noch ein hohes Maß an Übereinstimmung bestehen - ausreiche, um eine rechtswidrige Versetzung anzunehmen. In diesem Zusammenhang müsse auch darauf Bedacht genommen werden, dass die Revisionswerberin nunmehr mit weitaus weniger Personal zu arbeiten, sich die Führungsspanne nach unten verringert habe, und auch die budgetäre Verantwortung eine geringere sei. Dies sei seitens der belangten Behörde nicht in Abrede gestellt worden. In rechtlicher Hinsicht sei das Landesverwaltungsgericht Kärnten richtigerweise zur Ansicht gelangt, dass es sich bei der Personalmaßnahme, mit welcher die Revisionswerberin von ihrer Funktion als Unterabteilungsleiterin für Kunst und Kultur in der Abteilung 6 abberufen und der Abteilung 11 zugeordnet worden sei und mit Wirkung vom 1. Juli 2018 zur Abteilungsleiterin für das Aufgabengebiet Erwachsenenbildung innerhalb der Abteilung 6 (richtig: Abteilung 11) betraut worden sei, als qualifizierte Verwendungsänderung im Sinne des § 40 Abs. 4 Z 2 K-DRG 1994, welche einer Versetzung gleichzuhalten sei, zu qualifizieren sei. 40 Im Übrigen existiere auch keine höchstgerichtliche Rechtsprechung dahin, „ob eine Versetzung, welche mit weitaus weniger unterstelltem Personal, einer Verringerung der Führungsspanne und einem verringerten Budget bereits ausreichen um eine Versetzung anzunehmen und rechtswidrig erscheinen zu lassen“. 41 Mit diesem Vorbringen wird die Zulässigkeit der Revision nicht aufgezeigt. 42 Nach Art. 133 Abs. 4 B-VG ist gegen ein Erkenntnis des Verwaltungsgerichtes die Revision zulässig, wenn sie von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, insbesondere weil das Erkenntnis von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abweicht, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofs nicht einheitlich beantwortet wird. 43 Nach § 34 Abs. 1 VwGG sind Revisionen, die sich wegen Nichtvorliegen der Voraussetzungen des Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zur Behandlung eignen, ohne weiteres Verfahren in nichtöffentlicher Sitzung mit Beschluss zurückzuweisen. 44 Nach § 34 Abs. 1a VwGG ist der Verwaltungsgerichtshof bei der Beurteilung der Zulässigkeit der Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG an den Ausspruch des Verwaltungsgerichts gemäß § 25a Abs. 1 VwGG nicht gebunden. Die Zulässigkeit einer außerordentlichen Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG hat der Verwaltungsgerichtshof im Rahmen der dafür in der Revision vorgebrachten Gründe (§ 28 Abs. 3 VwGG) zu überprüfen. 45 § 38 Abs. 1, Abs. 2, Abs. 4 Z 1 und Abs. 6 K-DRG 1994 in der Fassung der wiedergegebenen Teile dieser Bestimmung durch das Landesgesetz LGBl. Nr. 14/1996 lautet: „§ 38 Versetzung (1) Eine Versetzung liegt vor, wenn der Beamte einer anderen Dienststelle in einem anderen Dienstort zur dauernden Dienstleistung zugewiesen oder wenn der Arbeitsplatz des Beamten an einen anderen Dienstort verlegt wird. (2) Der Beamte kann mit Weisung der Landesregierung versetzt werden, wenn ein dienstliches Interesse daran besteht und er auf Grund seiner Ausbildung die Erfordernisse für die Verwendung am neuen Arbeitsplatz erfüllt. Dabei sind die persönlichen Verhältnisse des Beamten zu berücksichtigen. ... (4) Ein dienstliches Interesse liegt insbesondere vor: 1. bei Änderungen der Verwaltungsorganisation einschließlich der Auflassung von Arbeitsplätzen oder ... (6) Auf Antrag des Beamten hat die Landesregierung mit Bescheid festzustellen, ob die Versetzung zulässig war.“ 46 § 40 Abs. 1 und Abs. 4 K-DRG 1994 in der Fassung des Landesgesetzes LGBl. Nr. 14/1996 lautet: „§ 40 Verwendungsänderung (1) Der Beamte kann von seiner bisherigen Verwendung abberufen und einer neuen Verwendung zugewiesen werden, wenn er auf Grund seiner Ausbildung die Erfordernisse für die neue Verwendung erfüllt. ... (4) Die Abberufung des Beamten von seiner bisherigen Verwendung unter Zuweisung einer neuen Verwendung ist einer Versetzung gleichzuhalten, wenn 1.durch die neue Verwendung in der Laufbahn des Beamten eine Verschlechterung zu erwarten ist oder 2. die neue Verwendung des Beamten der bisherigen Verwendung nicht mindestens gleichwertig ist.“ 47 Zur in Rn 39, erster Satz aufgeworfenen Frage ist Folgendes auszuführen: 48 Nach dem vom Landesverwaltungsgericht festgestellten Sachverhalt ist davon auszugehen, dass die Revisionswerberin mit Dekret vom 27. Juni 2018 mit Ablauf des 30. Juni 2018 von der Funktion als Unterabteilungsleiterin für „Kunst und Kultur“ in der Abteilung 6 abberufen und der Abteilung 11 - Zukunftsentwicklung, Arbeitsmarkt und Wohnbau mit Wirkung vom 1. Juli 2018 als Unterabteilungsleiterin für das Aufgabengebiet „Erwachsenenbildung“ zugeordnet wurde. Von einer Übereinstimmung der vorherigen und der neu zugewiesenen Aufgabenbereiche der Revisionswerberin in hohem Maße wurde aber weder von der Dienstbehörde noch vom Landesverwaltungsgericht ausgegangen. Ob eine derartige Übereinstimmung vorliegt oder nicht, ist jedoch nicht entscheidungswesentlich für die Beurteilung der Frage, ob die vorliegende Revision zulässig ist, wie noch aufgezeigt werden wird. 49 Nach der - insofern vom Beamten-Dienstrechtsgesetz 1979 abweichenden - Systematik des K-DRG 1994 erfolgt jegliche Änderung der Verwendung des Beamten - ebenso wie eine Versetzung - im Wege der Weisung. Nach § 40 Abs. 4 iVm § 38 Abs. 6 K-DRG 1994 hat auf Antrag des Beamten die Landesregierung - wie bei einer Versetzung - mit Bescheid festzustellen, ob eine einer Versetzung gleichzuhaltende Verwendungsänderung oder eine „schlichte“ Verwendungsänderung zulässig war (vgl. VwGH 14.10.2013, 2013/12/0008, und 22.5.2012, 2011/12/0158). 50 Die im Zuge der Beurteilung der Zulässigkeit der Personalmaßnahme vorweg zu beurteilende Frage ihrer Qualifikation gemäß § 40 Abs. 4 K-DRG 1994, ob sie einer Versetzung gleichzuhalten und daher eine „qualifizierte“ Verwendungsänderung darstellt, ist ausschließlich für die Frage der Festlegung des Prüfungsmaßstabes relevant. Während nämlich im Falle einer Qualifikation im Verständnis des § 40 Abs. 4 K-DRG 1994 im Feststellungsverfahren eine Feinprüfung der Maßnahme nach den Kriterien des § 38 Abs. 2 (und 4) K-DRG 1994 vorzunehmen ist, wäre eine „schlichte“ Verwendungsänderung lediglich bei Vorliegen von „Willkür“ unzulässig (vgl. VwGH 22.4.2015, Ra 2014/12/0015, und 14.10.2013, 2013/12/0008). 51 Dass im Revisionsfall eine Versetzung nicht vorliegt, ergibt sich schon aus dem Umstand, dass eine Änderung des Dienstorts nicht erfolgte (s. § 38 Abs. 1 K-DRG). Im Revisionsfall sind sowohl die Dienstbehörde als auch das Verwaltungsgericht davon ausgegangen, dass eine „qualifizierte“ Verwendungsänderung im Sinne des § 40 Abs. 4 Z 2 K-DRG 1994 vorliege. Zwar sei von keiner Laufbahnverschlechterung im Sinne der Z 1 des Abs. 4 leg.cit. auszugehen, aber die neue Verwendung der Revisionswerberin sei der bisherigen nicht mindestens gleichwertig iSd. Z 2 des Abs. 4 leg.cit. Begründet wurde dies damit, dass die Revisionswerberin nunmehr mit weitaus weniger Personal zu arbeiten und sich die Führungsspanne nach unten verringert habe und auch die budgetäre Verantwortung eine geringere sei. Auch die Revisionswerberin teilt die Rechtsansicht, dass eine qualifizierte Verwendungsänderung vorliege. 52 Es ist somit im Sinne der wiedergegebenen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofs bei Lösung der Frage, ob die vorliegende „qualifizierte“ Verwendungsänderung zulässig ist, mit Feinprüfung vorzugehen. Gemäß des im Rahmen der Feinprüfung heranzuziehenden § 38 Abs. 2 K-DRG 1994 ist die Versetzung und damit die gemäß § 40 Abs. 4 K-DRG 1994 „qualifizierte“ Verwendungsänderung - mit Weisung - zulässig, wenn ein dienstliches Interesse daran besteht und der Beamte aufgrund seiner Ausbildung die Erfordernisse für die Verwendung am neuen Arbeitsplatz erfüllt. Dabei sind die persönlichen Verhältnisse des Beamten zu berücksichtigen (vgl. VwGH 13.9.2001, 97/12/0210). Das dienstliche Interesse an der qualifizierten Verwendungsänderung und die Erfüllung der Erfordernisse für die Verwendung am neuen Arbeitsplatz aufgrund ihrer Ausbildung bestreitet die Revisionswerberin in der Zulässigkeitsbegründung nicht. Insbesonders wird das vom Verwaltungsgericht angenommene, durch die Organisationsänderung - die bewirkte, dass die in hohen Maßen identen Aufgaben in der von der Revisionswerberin geleiteten Unterabteilung der Abteilung 6 nunmehr vom Leiter der Abteilung 14 wahrgenommen werden, wodurch eine Hierarchieebene wegfiel - begründete Abberufungsinteresse in der Zulässigkeitsbegründung nicht in Zweifel gezogen. Das Vorbringen betreffend die mit der neuen Verwendung verbundenen Umstände des weitaus geringeren unterstellten Personals, der Verringerung der Führungsspanne und des verringerten Budgets (bei gleich gebliebener dienst- und besoldungsrechtlicher Stellung) betrifft aber nicht die persönlichen, sondern die dienstlichen Verhältnisse der Revisionswerberin. Auf persönliche Verhältnisse der Revisionswerberin wurde in der Zulässigkeitsbegründung hingegen nicht Bezug genommen. 53 Die nach der Zulässigkeitsbegründung der Revision für die Unzulässigkeit der erfolgten Personalmaßnahmen sprechenden Umstände (Änderung des Aufgabenbereichs, geringere Verantwortung wegen weniger unterstelltem Personal, Verringerung der Führungsspanne und des Budgets) könnten allenfalls bei Lösung der Frage, ob die „schonendste Variante“ bei der „qualifizierten“ Verwendungsänderung gewählt wurde, von Bedeutung sein. Dass nicht eine „schonendere Variante“ gewählt worden sei, hat die Revisionswerberin in der Zulässigkeitsbegründung allerdings gar nicht geltend gemacht. Die von der Revisionswerberin im Rahmen des Verwaltungsverfahrens aufgezeigte Verwendung als Leiterin bzw. Leiter der neu geschaffenen Abteilung 14, die nach ihrer Ansicht ihr zuzuweisen gewesen wäre, stand jedoch nicht zur Zuweisung an die Revisionswerberin zur Verfügung, weil es sich gemäß § 13 Abs. 1 lit. b Kärntner Objektivierungsgesetz um eine Leitungsfunktion handelt, für die ein Objektivierungsverfahren nach dem 2. Teil (§§ 14 ff leg.cit.) des genannten Gesetzes durchzuführen ist (vgl. hiezu auch VwGH 28.3.2008, 2005/12/0062 sowie den Bescheid der Berufungskommission vom 19. September 2005, 108/16 - BK/05). Nach den Feststellungen der Dienstbehörde im erstinstanzlichen Bescheid standen Arbeitsplätze, die eine „schonendere Variante“ ermöglicht hätten, nicht zur Verfügung. 54 Auch das in der Revisionsbegründung herangezogene Argument, die Revisionswerberin wäre niemals (wirksam) von ihrer Funktion als Abteilungsleiterin der Abteilung 5 abberufen worden, ist nicht zielführend. Sie wurde nämlich infolge einer Änderung der K-GEA mit Dekret vom 18. Jänner 2010 von dieser Funktion abberufen und zur Unterabteilungsleiterin für das Aufgabengebiet „Kunst und Kultur“ im Rahmen der Abteilung 6 bestimmt. Es ergibt sich aus obigen Ausführungen, dass nach dem K-DRG 1994 jegliche Versetzung bzw. Verwendungsänderung mittels Weisung vorzunehmen ist. Dass die mit Dekret vom 18. Jänner 2010 erteilte Weisung rechtsunwirksam gewesen wäre, wird in der Zulässigkeitsbegründung nicht dargelegt. 55 Die vorliegende Revision war daher gemäß § 34 Abs. 1 VwGG wegen Nichtvorliegen der Voraussetzungen des Art. 133 Abs. 4 B-VG ohne weiteres Verfahren zurückzuweisen. Wien, am 16. Juni 2020
JWT_2019120061_20200703L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019120061.L00
Ra 2019/12/0061
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019120061_20200703L00/JWT_2019120061_20200703L00.html
1,593,734,400,000
7,053
Spruch Das angefochtene Erkenntnis wird wegen Rechtswidrigkeit seines Inhaltes aufgehoben. Das Land Steiermark hat der revisionswerbenden Partei Aufwendungen in der Höhe von € 1.346,40 binnen zwei Wochen bei sonstiger Exekution zu ersetzen. Begründung 1 Der Revisionswerber steht als Volksschuldirektor in einem öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis zum Land Steiermark und bewarb sich - mit drei weiteren Personen - um die Leiterstelle an der Volksschule G. In den vom Kollegium des Landesschulrates für die Steiermark erstatteten Besetzungsvorschlag wurden zwei Bewerber aufgenommen, wobei der Revisionswerber an zweiter Stelle gereiht wurde. Mit Bescheid der Steiermärkischen Landesregierung vom 11. September 2017 wurde die Leiterstelle an der Volksschule G der an der ersten Stelle gereihten Bewerberin, die in einem privatrechtlichen Dienstverhältnis zum Land Steiermark stand, zunächst für einen Zeitraum bis zum 31. Oktober 2021 verliehen. Voraussetzung für den Entfall der zeitlichen Begrenzung sei nach § 26a Abs. 2 Landeslehrer-Dienstrechtsgesetz (LDG 1984) die Bewährung als Schulleiterin und die erfolgreiche Teilnahme am Schulmanagementkurs Berufsbegleitender Weiterbildungslehrgang. 2 Die dagegen vom Revisionswerber erhobene Beschwerde wies das Landesverwaltungsgericht Steiermark mit Erkenntnis vom 23. Februar 2018 ab. 3 Über Beschwerde des Revisionswerbers gemäß Art. 144 Abs. 1 B-VG sprach der Verfassungsgerichtshof aus, dass der Revisionswerber durch dieses Erkenntnis des Landesverwaltungsgerichts im verfassungsgesetzlich gewährleisteten Recht auf Gleichheit aller Staatsbürger vor dem Gesetz verletzt worden sei, weil das Landesverwaltungsgericht sein Erkenntnis mit Willkür belastet habe, und hob dieses mit Erkenntnis vom 11. Juni 2018, E 1295/2018-13, auf. In der Begründung führte der Verfassungsgerichtshof unter anderem Folgendes aus: „2.Eine Verletzung des verfassungsgesetzlich gewährleisteten Rechtes auf Gleichheit aller Staatsbürger vor dem Gesetz kann nach der ständigen Rechtsprechung des Verfassungsgerichtshofes (zB VfSlg. 10.413/1985, 14.842/1997, 15.326/1998 und 16.488/2002) nur vorliegen, wenn die angefochtene Entscheidung auf einer dem Gleichheitsgebot widersprechenden Rechtsgrundlage beruht, wenn das Verwaltungsgericht der angewendeten Rechtsvorschrift fälschlicherweise einen gleichheitswidrigen Inhalt unterstellt oder wenn es bei Erlassung der Entscheidung Willkür geübt hat. Angesichts der verfassungsrechtlichen Unbedenklichkeit der angewendeten Rechtsvorschriften und des Umstandes, dass kein Anhaltspunkt dafür besteht, dass das Verwaltungsgericht diesen Vorschriften fälschlicherweise einen gleichheitswidrigen Inhalt unterstellt hat, könnte der Beschwerdeführer im verfassungsgesetzlich gewährleisteten Recht auf Gleichheit aller Staatsbürger vor dem Gesetz nur verletzt worden sein, wenn das Verwaltungsgericht Willkür geübt hätte. Ein willkürliches Verhalten des Verwaltungsgerichtes, das in die Verfassungssphäre eingreift, liegt unter anderem in einer gehäuften Verkennung der Rechtslage, aber auch im Unterlassen jeglicher Ermittlungstätigkeit in einem entscheidenden Punkt oder dem Unterlassen eines ordnungsgemäßen Ermittlungsverfahrens überhaupt, insbesondere in Verbindung mit einem Ignorieren des Parteivorbringens und einem leichtfertigen Abgehen vom Inhalt der Akten oder dem Außerachtlassen des konkreten Sachverhaltes (zB VfSlg. 8808/1980 mwN, 14.848/1997, 15.241/1998 mwN, 16.287/2001, 16.640/2002). 3.In Fällen wie dem hier vorliegenden ist dem Verwaltungsgericht - wenn die Voraussetzungen für eine Entscheidung in der Sache selbst vorliegen - ein willkürliches Verhalten u.a. dann vorzuwerfen, wenn das Verwaltungsgericht es unterlassen hat, in einem für die zu treffende Auswahl unter den vorgeschlagenen Bewerbern entscheidenden Punkt Gründe und Gegengründe einander gegenüberzustellen und gegeneinander abzuwägen (vgl. zB VfSlg. 12.477/1990, 15.114/1998, 18.000/2006). Dabei hat der Verfassungsgerichtshof nicht zu prüfen, ob die getroffene Auswahl in jeder Hinsicht dem Gesetz entspricht, wohl aber, ob diese Auswahl von sachlichen Erwägungen geleitet war und dem Verwaltungsgericht keine in die Verfassungssphäre reichenden Verfahrensmängel unterlaufen sind, ihm somit iSd oben dargelegten Rechtsprechung nicht Willkür vorzuwerfen ist (vgl. VfSlg. 12.477/1990, 17.901/2006). Eine in die Verfassungssphäre reichende Mangelhaftigkeit liegt auch dann vor, wenn das Verwaltungsgericht die Entscheidung mit Ausführungen begründet, denen kein echter Begründungswert zukommt (vgl. zB VfSlg. 17.642/2005, 19.057/2010; VfGH 8.6.2010, B 584/09; 11.12.2013, B 1100/2013). Dies muss nach Ansicht des Verfassungsgerichtshofes umso mehr im Fall gelten, dass das Verwaltungsgericht von einer inhaltlichen Begründung ihrer Entscheidung überhaupt absieht (s. VfSlg. 14.421/1996; vgl. zudem VfSlg. 13.302/1992 mwN, 15.743/2000; VfGH 10.12.2015, E 631/2015). 4.Im vorliegenden Fall ist dem Landesverwaltungsgericht Steiermark Willkür zur Last zu legen: 4.1. Wie der Verfassungsgerichtshof in zahlreichen Erkenntnissen (vgl. zB VfSlg. 12.782/1991, 15.926/2000, 19.061/2010; VfGH 6.6.2014, E 230/2014; 12.6.2015, E 458/2015; 9.6.2017, E 1476/2017) ausgesprochen hat, kommt Bewerbern im Verfahren zur Verleihung einer Schulleiterstelle - ungeachtet der Rechtsnatur ihres Dienstverhältnisses (vgl. VfSlg. 19.670/2012; VfGH 9.6.2017, E 1476/2017) - Parteistellung iSd § 3 des Dienstrechtsverfahrensgesetzes 1984 (DVG) bzw. § 8 AVG zu, wenn sie in einen verbindlichen Besetzungsvorschlag aufgenommen wurden. Die in einen Besetzungsvorschlag aufgenommenen Bewerber bilden eine Verwaltungsverfahrensgemeinschaft; sie haben ein Recht auf Teilnahme an dem durch den Besetzungsvorschlag konkretisierten Verwaltungsverfahren. Aus rechtsstaatlicher Sicht ist die Verwaltungsbehörde nicht befugt, durch einen der Rechtskontrolle nicht unterworfenen Verleihungsakt unter den in den gesetzlich vorgesehenen Besetzungsvorschlag aufgenommenen Bewerbern eine Auswahl zu treffen (vgl. zB VfSlg. 12.782/1991). 4.2. Der Beschwerdeführer wurde in den (verbindlichen) Besetzungsvorschlag des Kollegiums des Landesschulrates für die Steiermark aufgenommen. Daher kam ihm im Verfahren zur Verleihung der Schulleiterstelle Parteistellung zu. 4.3. Das Landesverwaltungsgericht Steiermark hatte daher zu überprüfen, ob die Auswahlentscheidung im angefochtenen Bescheid ausreichend begründet ist, indem es die Auswahlkriterien sowie die Kenntnisse und Fähigkeiten der Bewerber anführt und einander gegenüberstellt (vgl. dazu zB VfSlg. 12.102/1989, 19.057/2010; 8.6.2010, B 584/09; 7.6.2013, B 11/2013; 11.12.2013, B 1100/2013). 4.4. Das Landesverwaltungsgericht Steiermark hat sich in der bekämpften Entscheidung in der Begründung ausschließlich mit der Rechtsprechung der Gerichtshöfe des öffentlichen Rechts zur Parteistellung im Verfahren über die Verleihung einer Schulleiterstelle auseinandergesetzt, diese (in der Begründung) verneint und die u.a. auf die Abänderung (in eventu die Aufhebung) des Bescheides gerichtete Beschwerde abgewiesen, ohne auf die Auswahlkriterien sowie die Kenntnisse und Fähigkeiten der Bewerber einzugehen und diese gegenüberzustellen oder die im Bescheid getroffene Beurteilung einer Überprüfung zu unterziehen. Unter Hinweis auf die Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes unterließ es das Landesverwaltungsgericht Steiermark, sich mit den Qualifikationen der in den Besetzungsvorschlag aufgenommenen Bewerber und den der Entscheidung zugrunde liegenden Gutachten auseinanderzusetzen (‚Auf das inhaltliche Vorbringen in der Beschwerde hinsichtlich der Qualifikationen des Beschwerdeführers sowie der Schlüssigkeitsprüfung des Gutachtens des beauftragten externen Unternehmens ist mangels Parteistellung des Beschwerdeführers im Auswahlverfahren nicht einzugehen.‘). Daher führte es weder eigene Ermittlungen durch, noch ging es auf das diesbezügliche Beschwerdevorbringen oder die Begründung der Entscheidung der Behörde ein. 4.5. Das - hier sogar bewusste - Unterlassen jeglicher Auseinandersetzung mit den in der Ausschreibung allenfalls angeführten zusätzlichen fachspezifischen Kenntnissen und Fähigkeiten, der Leistungsfeststellung und der in dieser Schulart zurückgelegten Verwendungszeit iSd § 26 Abs. 6 LDG 1984 sowie mit den in den landesgesetzlichen Vorschriften (vgl. StLDAG 2013, StLDAG-VO 2013) vorgesehenen näheren Bestimmungen (vgl. VfSlg. 17.642/2005, 19.057/2010; VfGH 8.6.2010, B 584/09; 11.12.2013, B 1100/2013), sohin das Fehlen einer nachvollziehbaren Begründung der (Überprüfung der) Auswahlentscheidung, belastet das Erkenntnis des Landesverwaltungsgerichtes Steiermark daher mit Willkür.“ 4 Mit dem angefochtenen Erkenntnis wies das Landesverwaltungsgericht Steiermark die Beschwerde des Revisionswerbers neuerlich ab und sprach aus, dass die Revision an den Verwaltungsgerichtshof unzulässig sei. 5 Das Landesverwaltungsgericht stellte dabei Folgendes als Sachverhalt fest (Anonymisierung im vorliegenden Erkenntnis durch den Verwaltungsgerichtshof): „Die Leiterstelle an der VS G wurde von der Steiermärkischen Landesregierung am 10.02.2017 in der Grazer Zeitung, Stück 6 ausgeschrieben und bewarben sich insgesamt vier Lehrerinnen und Lehrer unter Einreichung der vorgeschriebenen Bewerbungsunterlagen für diese Stelle. Die Bewerbungsunterlagen dieser vier Personen wurden am 03.04.2017 der D Consulting GmbH mit dem Auftrag übermittelt, hinsichtlich der besonderen Eignung für eine bestimmte Leiterinnen-/Leiterstelle ein externes Gutachten über die Führungsqualität, Kommunikationsfähigkeit, soziale Kompetenz, Organisationsfähigkeit und Persönlichkeitsstruktur (´Eignung im Hinblick auf die Persönlichkeitsmerkmale‘) aller Bewerberinnen/Bewerber ‚schulstandortbezogen‘ durchzuführen. Gleichzeitig wurden von der belangten Behörde die Daten der vier Bewerberinnen/Bewerber dem Landesschulrat für Steiermark übermittelt und diesem aufgetragen, ein Gutachten hinsichtlich der ‚fachlich-pädagogischen Eignung im engeren Sinn‘ zu erstellen, wobei die Begutachtung schulstandortbezogen durchzuführen sei. Nach einem Anhörungsverfahren am 10.05.2017 erstellte der Landesschulrat ein Gutachten über die fachlich-pädagogische Eignung der vier Bewerber/Bewerberinnen für die gegenständliche Leiterstelle. Vom beauftragten externen Unternehmen wurde ein Ergebnisbericht übermittelt, wonach zwei Bewerberinnen als ‚nicht geeignet‘ beurteilt wurden und für die beiden verbliebenen BewerberInnen eine Reihung dahingehend erstellt wurde, dass die Mitbeteiligte als Erstgereihte eine Gesamtpunktezahl von 350 und der Beschwerdeführer als Zweitgereihter eine Gesamtpunktezahl von 250 erhielt. Am 24.05.2017 wurden der Bildungsregion Oststeiermark die Bewerbungsunterlagen der beiden verbliebenen KandidatInnen mit dem Auftrag zugesandt, diese Unterlagen dem Schulforum bzw. dem Schulgemeinschaftsausschuss, der Schulerhaltergemeinde und dem Dienststellenausschuss der Personalvertretung der Landeslehrer weiterzuleiten. Diesen Gremien wurde das Recht eingeräumt, binnen drei Wochen ab Erhalt der Bewerbungen eine begründete schriftliche Stellungnahme abzugeben. Mit Schriftsatz der belangten Behörde vom 19.06.2017 erhielt der Landesschulrat für Steiermark sämtliche Bewerbungsunterlagen sowie alle Begutachtungen und Stellungnahmen und wurde dieser ersucht, unter Berücksichtigung der zugesandten Unterlagen gemäß § 26 Abs 6 LDG einen Besetzungsvorschlag durch das zuständige Kollegium zu erstellen. Die Gesamtpunkteanzahl aufgrund des durchgeführten Ermittlungsverfahrens ergab letztendlich folgendes Punkteergebnis: ----------------- ------------ Mitbeteiligte 910 Punkte Revisionswerber 860 Punkte ----------------- ------------ Aufgrund dieses Punkteergebnisses erstattete das Kollegium des Landesschulrates für Steiermark seinen Besetzungsvorschlag, in dem die Mitbeteiligte als Erstgereihte und der Beschwerdeführer als Zweitgereihter genannt wurden. Aufgrund eines entsprechenden Regierungssitzungsantrages fasste die belangte Behörde den Beschluss, dass die ausgeschriebene Leiterstelle an der VS G an die Erstgereihte, die Mitbeteiligte, verliehen werde. Mit dem nunmehr angefochtenen Bescheid wurde der Mitbeteiligten die Leiterstelle an der Volksschule G verliehen.“ 6 Im Rahmen der Beweiswürdigung führte das Landesverwaltungsgericht Folgendes aus: „Der festgestellte Sachverhalt ergibt sich aus den unbedenklichen Aktenunterlagen der belangten Behörde, dem ergänzenden Ermittlungsverfahren seitens des Landesverwaltungsgerichtes und hier insbesondere aus den Ergebnissen der öffentlichen mündlichen Verhandlung vom 19.12.2016. Die drei Sachverständigen, Mag. S, Mag. G und Mag. R konnten im Rahmen der Gutachtenserörterung nachvollziehbar darstellen, dass die Ergebnisse ihres Gutachtens hinsichtlich der Eignung im Hinblick auf die Persönlichkeitsmerkmale den Anforderungen, die an ein Gutachten zu stellen sind, entsprechen. Alle drei Gutachterinnen haben für die Erstellung dieses Gutachtens auch die notwendige Fachkunde und die persönliche Eignung. Die Grundlage für die Beurteilung im gegenständlichen Gutachten ist ein operationalisiertes Anforderungsprofil, wobei die zu messenden Schlüsselkompetenzen vom Gesetz (St-LDG) vorgegeben sind. Zu deren Messung wird ein wissenschaftlich fundiertes diagnostisches Testverfahren durchgeführt, wobei dieses Testverfahren aus zwei Teilen besteht. Der erste Teil stellt eine Selbsteinschätzung dar, die mit einem digitalisierten Persönlichkeitstest (SHAPES), der allen psychologischen Gütekriterien (Objektivität, Regellabilität, Validität) entspricht, durchgeführt wird. Diese Selbsteinschätzung erfolgt in Form eines Computertests, bei dem der jeweilige Bewerber konkrete Fragen auf dem PC zu beantworten hat. Dieser Computertest ist standardisiert und bestehen seitens der jeweiligen Gutachter keinerlei persönliche Einflussmöglichkeiten auf diesem Bereich des Tests. Der zweite Teil dieser Begutachtung erfolgt in Form einer Fremdeinschätzung, wobei dem jeweiligen Bewerber situative standardisierte Fragen gestellt werden, die er zu beantworten hat. Diese Fragen sind für alle Bewerber gleich und werden auf die jeweilige Schule zugeschnitten. Die Fragen werden aus einem umfangreichen Katalog von situativen Fragen ausgewählt, um die jeweiligen zu beurteilenden Kompetenzen zu erheben. In eine Kompetenz fließen mehrere Eigenschaften, die im Rahmen dieser Begutachtung erhoben werden sollen, ein. Jede Kompetenz ist mit definierten und beobachtbaren Verhaltensweisen beschrieben, die auf Basis der Antworten des Bewerbers beurteilt werden. Diese Verhaltensweisen werden beurteilt und ergeben somit eine Gesamteinschätzung der jeweiligen Kompetenz in Form von ‚erfüllt‘, ‚teilweise erfüllt‘ oder ‚nicht erfüllt‘. Die Einschätzung der einzelnen Kompetenzen erfolgt anhand einer Checkliste (operationalisiertes Anforderungsprofil) und wird mathematisch errechnet. Das Ergebnis des Testverfahrens erfolgt zu gleichen Teilen aus der Selbsteinschätzung und der Fremdeinschätzung. Darauf beruhend wird eine Rangreihung vorgenommen, wobei nicht relevant ist, wie hoch der Unterschied zwischen den einzelnen Bewerbern ausfällt. Das Gutachten stellt somit eine Zusammenfassung über die beiden Teile der Begutachtung dar und ist ein Teilaspekt des gesamten Auswahlverfahrens. Es beschreibt die Ergebnisse entlang der definierten Anforderungen sowohl hinsichtlich der Stärken, als auch der Entwicklungsfelder der Bewerber und Bewerberinnen. Im Gutachten werden die in der Beobachterkonferenz abgestimmten Beurteilungen der Expertinnen, basierend auf den in der Begutachtung getätigten Aussagen der Bewerber und Bewerberinnen zusammengefasst. Das gegenständliche Gutachten erweist sich als vollständig, nachvollziehbar und schlüssig und konnte von den Sachverständigen im Rahmen der umfassenden Erörterung erklärt werden, wie es zur verfahrensgegenständlichen Reihung hinsichtlich der Eignung im Hinblick auf die Persönlichkeitsmerkmale gekommen ist. Die gutachterlichen Feststellungen hinsichtlich der fachlich-pädagogischen Eignung seitens des Landesschulrates und die Reihung nach den Stellungnahmen des Schulforums/SGA, des Schulerhalters und der Personalvertretung wurden in der Beschwerde nicht in Zweifel gezogen. Die Punkteanzahl hinsichtlich der Leistungsfeststellung ergibt sich aus den im Akt aufliegenden Leistungsfeststellungen betreffend den Beschwerdeführer und die mitbeteiligte Partei. Die Punkteanzahl hinsichtlich der Berufsbiografie ergibt sich aus den vom Beschwerdeführer und von der mitbeteiligten Partei vorgelegten und im Akt aufliegenden Unterlagen über die Aus-, Fort- und Weiterbildung. Nach den Ausführungen des Pflichtschulinspektors K, der bei seiner Aussage einen glaubwürdigen, besonnenen und gewissenhaften Eindruck hinterließ, ist die aus dem Besetzungsverfahren hervorgegangene Reihung im Rahmen der Leiterbestellung durchaus mit der Realität in Einklang zu bringen. Der Zeuge gab an, dass er auch zum Zeitpunkt der Bestellung die mitbeteiligte Partei als die geeignetere Kandidatin befunden habe und begründete dies damit, dass die mitbeteiligte Partei insgesamt 13 Jahre als stellvertretende Direktorin unter drei verschiedenen Leitern in der VS G, bei der es sich um eine große Schule handle, tätig gewesen sei. Demgegenüber sei die VS F, in der der Beschwerdeführer als Direktor tätig ist, eine eher kleine Schule und vertrete der Zeuge die Meinung, dass der Beschwerdeführer aufgrund seiner vielen ehrenamtlichen Tätigkeiten in einer kleinen Schule ‚besser aufgehoben sei‘. Dass er die mitbeteiligte Partei auch als die geeignetere Kandidatin befunden habe, gründe sich nicht zuletzt darauf, dass in der Stellungnahme des Schulforums - bestehend aus Lehrern und Elternvertretern - 12 Stimmen bei einer Enthaltung für die mitbeteiligte Partei abgegeben worden seien. Er sei als Schulinspektor sehr daran interessiert, dass zwischen Lehrern, Eltern und Schulleitung ein Einvernehmen herrsche und es könne für das Schulklima nur positiv sein, wenn sich nahezu sämtliche Lehrer und Eltern für eine bestimmte Person als Schulleiter/Schulleiterin aussprechen würden.“ 7 In rechtlicher Hinsicht ging das Landesverwaltungsgericht nach Darstellung der Rechtslage von folgenden Erwägungen aus: „Vorweg ist festzuhalten, dass laut BGBl. I Nr. 138/2017 das Bildungsreformgesetz beschlossen wurde, dessen Bestimmungen schrittweise in Kraft treten bzw. getreten sind. Ab 01.01.2019 gilt zwar grundsätzlich ein neues Auswahlverfahren für Lehrpersonen im Pflichtschulbereich, jedoch bestimmt § 115i LDG (Übergangsbestimmung zur Novelle BGBl. I Nr. 138/2017), dass bei der Besetzung von Planstellen für Schulleitungen, für die die Kollegien der Landesschulräte oder des Stadtschulrates für Wien bis spätestens 31. Dezember 2018 Besetzungsvorschläge beschlossen haben, § 26 Abs 6 und 7 jeweils in der bis zum 31. Dezember 2018 geltenden Fassung weiterhin anzuwenden ist. Im gegenständlichen Verfahren wurde von der belangten Behörde eine Reihung der Bewerberinnen und Bewerber für den Besetzungsvorschlag des Landesschulrates für die VS G nach den im StLDAG vorgegebenen Auswahlkriterien vorgenommen. Die mitbeteiligte Partei wurde dabei mit insgesamt 910 Punkten vor dem Beschwerdeführer mit 860 Punkten erstgereiht. Der Besetzungsvorschlag durch den Landesschulrat erfolgte am 29.06.2017. In der Beschwerde wird eingangs die Verfassungswidrigkeit des Bewertungsverfahrens moniert, da durch die im Gesetz vorgesehene Punkteanzahl für die Eignung im Hinblick auf Persönlichkeitsmerkmale dem externen Unternehmen die Stellung eines Partialentscheidungsorganes zukomme und damit ein wesentlicher Teil der Entscheidung an einen Privaten delegiert würde. Dazu ist auszuführen, dass es sich bei der Begutachtung durch das extern beauftragte Unternehmen gemäß § 3 StLDAG ausdrücklich um ein Gutachten handelt, wobei die Begutachtung schulstandortbezogen durchzuführen ist. Dem Gutachten der D Consulting GmbH kommt Beweiswert zu, wobei dem Beschwerdeführer hier zuzugestehen ist, dass die belangte Behörde eine Schlüssigkeitsprüfung hinsichtlich dieses Gutachtens hätte vornehmen müssen. Diese Schlüssigkeitsprüfung wurde nunmehr im verwaltungsgerichtlichen Verfahren durchgeführt, wodurch der Mangel des erstinstanzlichen Verfahrens saniert wurde. Wenn der Beschwerdeführer im Rahmen seiner Beschwerde ausführt, dass es dezidiert nicht angehe, dass die Bewährung in den bisherigen Verwendungen unberücksichtigt bleibe, so wird dazu Folgendes ausgeführt: In § 1 Abs 1 lit a StLDAG ist ausdrücklich angeführt, dass als fachlich pädagogische Eignung unter anderem die Leistungsfeststellung bzw. die bisherige Bewährung bei der Erfüllung pädagogischer und administrativer Aufgaben durch die objektive Begutachtung des Landesschulrates zu erfolgen hat, wodurch die Bewährung in den bisherigen Verwendungen definitiv nicht unberücksichtigt bleibt. Darüber hinaus werden gemäß § 2 Abs 2 StLDAG Verwendungszeiten insofern berücksichtigt, als solche an der ausgeschriebenen Schulart, solche an anderen Schularten und solche als Schulleiterin/Schulleiter mit unterschiedlichen Faktoren zu berechnen sind. Dabei sind die Verwendungszeiten als Schulleiterin/Schulleiter gegenüber Verwendungszeiten als Lehrerin/Lehrer höher zu bewerten. Eine inhaltliche Beurteilung dieser Verwendungen ist, abgesehen von der Leistungsbeurteilung und der Begutachtung durch den Landesschulrat, vom Gesetz nicht vorgesehen. Es kann dem Gesetzgeber nicht unterstellt werden, dass er über die im StLDAG sehr ausführlich und deutlich angeführten Auswahlkriterien hinaus noch weitere Prüfungselemente, wie z.B. die in der Beschwerde eingeforderte Stellungnahme von Schulinspektoren, vorgesehen hätte, ohne dies ausdrücklich zu nennen. In diesem Zusammenhang wird ergänzend angemerkt, dass der auf Antrag der mitbeteiligten Partei im Rahmen der mündlichen Verhandlung als Zeuge einvernommene Pflichtschulinspektor K angab, die Mitbeteiligte - in Übereinstimmung mit dem bekämpften Bescheid - als die bessere Kandidatin befunden zu haben. Auch die vom Beschwerdeführer ins Treffen geführten ehrenamtlichen Funktionen vermögen der Beschwerde nicht zum Erfolg verhelfen, da diese Funktionen keine Auswahlkriterien nach dem StLDAG darstellen. Dazu ist in den Erläuterungen zum StLDAG ausgeführt, dass die Regelung in § 2 Abs 3 eine Legaldefinition der Berufsbiografie, die in § 1 Z 1 lit c als Auswahlkriterium vorgesehen ist, darstellt. Demnach sollten zusätzliche Lehramtsprüfungen, Studien, Seminare und Ausbildungen Berücksichtigung finden, die auf die unter § 1 Z 2 lit a bis e angeführten Auswahlkriterien (Führungsqualität, Kommunikationsfähigkeit, soziale Kompetenz, Organisationsfähigkeit und Persönlichkeitsstruktur) positive Rückwirkungen erwarten lassen. Ehrenamtliche Tätigkeiten jeglicher Art sind von dieser Definition nicht umfasst. Die belangte Behörde hat bei Ihrer Reihung die jeweilige Punkteanzahl aufgrund der Begutachtung durch den Landesschulrat für die fachlich-pädagogische Eignung, des schlüssigen Gutachtens der D Consulting Gmbh für die Eignung im Hinblick auf die Persönlichkeitsmerkmale sowie der im Gesetz vorgesehenen Stellungnahmen unter Zugrundelegung der im StLDAG und der StLDAG-VO vorgegebenen Kriterien errechnet und diese Ergebnisse dem Landesschulrat für den Besetzungsvorschlag übermittelt. Zusammenfassend wird daher ausgeführt, dass vom Landesverwaltungsgericht eine Rechtswidrigkeit des Bescheides der belangten Behörde vom 11.09.2017, mit dem der mitbeteiligten Partei die Leiterstelle an der VS G verliehen wurde, aufgrund des gesetzmäßig durchgeführten Bestellungsverfahrens, nicht festgestellt werden konnte. Aus diesem Grund war der Beschwerde ein Erfolg zu versagen und es war spruchgemäß zu entscheiden.“ 8 Mit Beschluss vom 11. Juni 2019, E 464/2019-16, lehnte der Verfassungsgerichtshof die vom Revisionswerber gegen dieses Erkenntnis gemäß Art. 144 Abs. 1 B-VG erhobene Beschwerde ab und trat sie mit Beschluss vom 19. Juli 2019, E 464/2019-18, an den Verwaltungsgerichtshof zur Entscheidung ab. 9 Gegen dieses Erkenntnis richtet sich die vorliegende Revision mit dem Antrag, dieses wegen Rechtswidrigkeit des Inhaltes und Rechtswidrigkeit infolge Verletzung von Verfahrensvorschriften aufzuheben. 10 Die Steiermärkische Landesregierung erstattete eine Revisionsbeantwortung, in der sie beantragte, die Revision als unzulässig zurückzuweisen, in eventu abzuweisen. Die Mitbeteiligte beantragte in ihrer Revisionsbeantwortung, der Revision keine Folge zu geben. 11 Im Rahmen der Zulässigkeitsbegründung der Revision wird ausgeführt, es gebe nach wie vor überhaupt keine Tatsachenfeststellungen zu der zentralen Thematik der Qualifikationen, auch ein Ermittlungsverfahren zur unmittelbaren Erhebung der Qualifikationsmerkmale sei nicht durchgeführt worden. Anstatt dessen hätten die belangte Behörde und das Landesverwaltungsgericht ihre Entscheidungen ausschließlich darauf gestützt, dass ausgehend von einem „Ergebnisbericht“ eines mit der Punktebewertung beauftragten Unternehmens für die Mitbeteiligte eine wesentlich höhere Punktesumme ermittelt worden sei als für den Revisionswerber (im Folgenden als „Punkte-Gutachten“ bezeichnet). Zwar seien in den behördlichen und verwaltungsgerichtlichen Entscheidungsbegründungen noch weitere Verfahrensergebnisse angeführt, eine konkrete Entscheidungsrelevanz werde dem jedoch nicht erkennbar zugeschrieben. Das sei nicht nur die Situation zum Zeitpunkt des Erkenntnisses des Verfassungsgerichtshofes vom 11. Juni 2018 gewesen, sondern sie sei das weiterhin. Das Landesverwaltungsgericht behaupte zwar, eine Schlüssigkeitsprüfung des „Punkte-Gutachtens“ vorgenommen zu haben, realiter könne jedoch davon keine Rede sein. Was es getan habe, habe darin bestanden, dass es sich von Mitarbeitern des außenstehenden Unternehmens etwas über die Methodik der Punkteermittlung habe erzählen lassen, es habe jedoch nicht einmal die Materialien beigeschafft, welche der Punkte-Ermittlung zugrunde gelegen seien, geschweige denn deren Folgerichtigkeit geprüft. Das gelte sowohl in Bezug auf den Revisionswerber, als auch in Bezug auf die Mitbeteiligte. Es bleibe dementsprechend völlig im Dunkeln, welche Testfragen gestellt worden seien, wie diese beantwortet worden seien und ob es daher eine effektive, tragfähige Tatsachengrundlage für die Punktezuordnungen gebe. Die Verpflichtung, welche das Landesverwaltungsgericht getroffen hätte, sei vom Verfassungsgerichtshof in seinem Erkenntnis vom 11. Juni 2019 wie folgt umschrieben worden: „Das Landesverwaltungsgericht Steiermark hatte daher zu überprüfen, ob die Auswahlentscheidung im angefochtenen Bescheid ausreichend begründet ist, indem es die Auswahlkriterien sowie die Kenntnisse und Fähigkeiten der Bewerber anführt und einander gegenüberstellt.“ 12 Die Begründung des angefochtenen Erkenntnisses enthalte nicht den geringsten Ansatz einer solchen Gegenüberstellung. Es werde weder in Bezug auf den Revisionswerber noch in Bezug auf die mitbeteiligte Partei angegeben, welche Qualifikationscharakteristika die beiden Bewerber punkto Fachwissen, pädagogische Kenntnisse, Organisationsfähigkeit, Mitarbeiterführung oder in irgendeiner sonstigen relevanten Weise aufwiesen. Lediglich die für die Mitbeteiligte einerseits und den Revisionswerber andererseits angegebenen Punktewerte würden einander gegenüber gestellt; das sei jedoch auch schon in der vom Verfassungsgerichtshof aufgehobenen Entscheidung des Landesverwaltungsgerichts der Fall gewesen, sodass dieses hätte erkennen müssen, dass das nicht genüge. Die Entscheidung des Landesverwaltungsgerichts mit seinem im Ergebnis ausschließlichen Abstellen auf das „Punkte-Gutachten“ sei durch keinerlei Judikatur des Verwaltungsgerichtshofes gedeckt. 13 Die vorliegende Revision ist aus diesen Gründen zulässig. Sie ist auch berechtigt. 14 Zur Rechtslage: 15 1. Rechtslage gemäß dem Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofes vom 11. Juni 2018, E 1295/2018-13: 16 § 26 des Bundesgesetzes vom 27. Juni 1984 über das Dienstrecht der Landeslehrer (Landeslehrer-Dienstrechtsgesetz - LDG 1984), BGBl. Nr. 302/1984 idF BGBl I Nr. 55/2012, lautete wie folgt: „Schulleiter § 26. (1) Leiterstellen der Volksschulen, der Neuen Mittelschulen, der Hauptschulen und der als selbstständige Schulen geführten Sonderschulen und Polytechnischen Schulen sowie der Berufsschulen sind - ausgenommen im Falle des Diensttausches (§ 20) von Inhabern solcher Stellen oder im Falle von Betrauungen gemäß § 27 Abs 2 letzter Satz - im Ausschreibungs- und Bewerbungsverfahren zu besetzen. (2) Die freigewordenen Leiterstellen, ausgenommen die durch Betrauungen gemäß § 27 Abs 2 letzter Satz gebundenen, sind ehestens, längstens jedoch innerhalb von sechs Monaten nach Freiwerden, in den zur Veröffentlichung amtlicher Mitteilungen der ausschreibenden Behörde bestimmten Verlautbarungsblättern auszuschreiben. (3) Leiterstellen, die durch Übertritt ihres Inhabers in den Ruhestand (§ 11) oder wegen Versetzung in den Ruhestand (§§ 12 bis 13b) frei werden, sind, außer es soll eine Betrauung gemäß § 27 Abs 2 letzter Satz erfolgen, so zeitgerecht auszuschreiben, dass sie nach Möglichkeit im Zeitpunkt des Freiwerdens besetzt werden können. (4) Die Bewerbungsgesuche sind innerhalb der Bewerbungsfrist, die nicht kürzer als zwei Wochen sein darf, im Dienstweg einzureichen. Die Zeit der Hauptferien ist in diese Frist nicht einzurechnen. Nicht rechtzeitig eingereichte Bewerbungsgesuche gelten als nicht eingebracht. (5) Für jede einzelne ausgeschriebene Stelle sind von den landesgesetzlich hiezu berufenen Organen aus den Bewerbungsgesuchen Besetzungsvorschläge zu erstatten. (6) In jeden Besetzungsvorschlag sind bei mehr als drei Bewerbern drei, bei drei oder weniger solchen Bewerbern alle diese Bewerber aufzunehmen und zu reihen. Bei der Auswahl und Reihung ist zunächst auf die in der Ausschreibung allenfalls angeführten zusätzlichen fachspezifischen Kenntnisse und Fähigkeiten, dann auf die Leistungsfeststellung und auf die in dieser Schulart zurückgelegte Verwendungszeit Bedacht zu nehmen. Die Landesgesetzgebung kann hiezu nähere Bestimmungen erlassen, wobei zusätzliche Auswahlkriterien festgelegt werden können. Weiters können die vorschlagsberechtigten Kollegien der Schulbehörden des Bundes in den Ländern nähere Bestimmungen sowie zusätzliche Auswahlkriterien durch Richtlinien für die Erstellung ihrer Besetzungsvorschläge festlegen, wobei allfällige landesgesetzliche Vorschriften zu beachten sind. Bei weniger als drei geeigneten Bewerbern kann die neuerliche Ausschreibung der Stelle vorgeschlagen werden. (7) Die Leiterstelle kann von der zur Verleihung zuständigen Behörde nur einem in den Besetzungsvorschlag, sofern jedoch mehrere Besetzungsvorschläge landesgesetzlich vorgesehen sind, in alle Besetzungsvorschläge aufgenommenen Bewerber verliehen werden. (8) Die Verleihung hat erforderlichenfalls unter gleichzeitiger Ernennung oder unter gleichzeitiger Zuweisung an die betreffende Schule oder unter gleichzeitiger Ernennung und Zuweisung zu erfolgen. (9) Unterbleibt die Verleihung der ausgeschriebenen Stelle, so ist diese bis zur ordnungsgemäßen Besetzung im Bewerbungsverfahren weiterhin auszuschreiben. (10) Das Besetzungsverfahren ist unverzüglich durchzuführen.“ 17 Die maßgeblichen Bestimmungen des Gesetzes vom 18. Juni 2013, mit dem das LDG 1984 ausgeführt wird (Steiermärkisches Landeslehrer-Dienstrechts-Ausführungsgesetz 2013 - StLDAG 2013), LGBl. Nr. 74/2013, lauteten: „§ 1 Auswahlkriterien und Bewertung (1) Die Auswahl und Reihung der Bewerberinnen/Bewerber für den Besetzungsvorschlag gemäß § 26 Abs. 6 LDG 1984 erfolgt nach objektiven Auswahlkriterien und einem vorgegebenen Punktebewertungsverfahren mit einer maximal erreichbaren Punktezahl von 1.000 Punkten. Die Auswahlkriterien und die jeweils erreichbare maximale Punktezahl ergeben sich aus nachstehender Tabelle: ---------------------------------------------------------------------------------------------------------------- ------------------- Auswahlkriterien Maximalpunktezahl 1. Fachlich-pädagogische Eignung a) Leistungsfeststellung bzw. bisherige Bewährung bei der Erfüllung pädagogischer und administrativer Aufgaben 50 b) Verwendungszeiten 50 c) Berufsbiografie 200 d) Fachlich-pädagogische Eignung im engeren Sinn 150 2. Eignung im Hinblick auf Persönlichkeitsmerkmale a) Führungsqualität – Teamfähigkeit – Kreative Lösungskompetenz 70 – Entscheidungsstärke b) Kommunikationsfähigkeit – Kontaktfähigkeit – Sprachliche Kompetenz 70 – Kooperations- und Konfliktverhalten c) Soziale Kompetenz – Beziehungsmanagement – Selbstreflexion 70 – Selbstmanagement d) Organisationsfähigkeit – Zeitmanagement – Strukturiertheit 70 – Ziel- und Ergebnisorientierung e) Persönlichkeitsstruktur – Psychische Konstitution – Arbeitsverhalten 70 – Belastbarkeit 3. Stellungnahmen a) Stellungnahme der Schulerhaltergemeinde 75 b) Stellungnahme des Schulforums bzw. Schulgemeinschaftsausschusses 75 c) Stellungnahme des Dienststellenausschusses der Personalvertretung der Landeslehrer 50 ---------------------------------------------------------------------------------------------------------------- ------------------- (2) Die Feststellung der fachlich-pädagogischen Eignung im engeren Sinn erfolgt durch eine objektive Begutachtung des Landesschulrates. Die Feststellung der Eignung im Hinblick auf die Persönlichkeitsmerkmale und die Berechnung der Punkte obliegt einem beauftragten externen Unternehmen. Die Unterlagen über die Leistungsfeststellung, die Verwendungszeiten und die Berufsbiografie einschließlich der Bewerbungsunterlagen sowie die beiden Gutachten und die Stellungnahmen werden von der Landesregierung den Bundesschulbehörden zur Erstellung des Besetzungsvorschlages bzw. zur Anhörung übermittelt. (3) Die Bewerberinnen/Bewerber sind verpflichtet, sich der externen Begutachtung für die Eignung im Hinblick auf Persönlichkeitsmerkmale und der Begutachtung durch den Landesschulrat im Rahmen der fachlich-pädagogischen Eignung im engeren Sinn zu unterziehen. Die Begutachtungen sind schulstandortbezogen durchzuführen. (4) Näheres über die Bewertung und die Berechnung der maximal zu erreichenden Punkte kann mit Verordnung der Landesregierung festgelegt werden, wobei eine Subreihung innerhalb der unter Abs. 1 vorgesehenen Auswahlkriterien erfolgen kann. ... § 2 Feststellung der fachlich-pädagogischen Eignung (1) Kann die Bewerberin/der Bewerber zum Zeitpunkt der Bewerbung eine ausgezeichnete Leistungsfeststellung bzw. eine ausgezeichnete Beurteilung bei der ‚bisherigen Bewährung bei der Erfüllung pädagogischer und administrativer Aufgaben‘ gemäß § 2 Abs 3 des Landesvertragslehrpersonengesetzes 1966, BGBl. Nr. 172, in der Fassung BGBl. I Nr. 24/2013, (der zu erwartende Arbeitserfolg wird durch besondere Leistungen erheblich überschritten) vorweisen und mit den Bewerbungsunterlagen vorlegen, erhält sie/er die Maximalpunktezahl 50. Hat sie/er keine ausgezeichnete Beurteilung (der zu erwartende Arbeitserfolg wird aufgewiesen) oder wird keine Leistungsfeststellung vorgelegt, erhält sie/er keinen Punkt. (2) Verwendungszeiten an der ausgeschriebenen Schulart, Verwendungszeiten an anderen Schularten und Verwendungszeiten als Schulleiterin/Schulleiter sind mit unterschiedlichen Faktoren zu berechnen. Dabei sind Verwendungszeiten als Schulleiterin/Schulleiter gegenüber Verwendungszeiten als Lehrerin/Lehrer höher zu bewerten. Gleiches gilt im Verhältnis zwischen Verwendungszeiten an der ausgeschriebenen Schulart gegenüber Verwendungszeiten an anderen Schularten. (3) Unter Berufsbiografie im Sinne dieses Gesetzes sind im Rahmen der Aus-, Fort- und Weiterbildung erworbene Fähigkeiten und Kenntnisse zu verstehen, die eine besondere Eignung für die Schulleitung erwarten lassen, insbesondere die in der Ausschreibung allenfalls angeführten zusätzlichen fachspezifischen Kenntnisse und Fähigkeiten. (4) Unter fachlich-pädagogischer Eignung im engeren Sinn sind Kenntnisse und Fähigkeiten -im Bereich des Schul- und Landeslehrerdienstrechtes, -im Bereich der Grundkompetenzen der Schul- und Unterrichtsentwicklung, -im Bereich der Bildungsplanung für den Schulstandort und -im Bereich der Wahrnehmungskompetenz für gesellschaftsrelevante Veränderungen mit Wirkungen auf das Bildungsgeschehen am Schulstandort zu verstehen. Die oben angeführten Kenntnisse und Fähigkeiten haben dem jeweiligen aktuellen anerkannten wissenschaftlichen Stand zu entsprechen. Die Feststellung der fachlich-pädagogischen Eignung und die Reihung erfolgt durch den Landesschulrat im Wege einer objektiven Begutachtung. Die Begutachtung der Bewerberinnen/Bewerber soll nach Möglichkeit in einem räumlichen und zeitlichen Zusammenhang mit der externen Begutachtung gemäß § 3 erfolgen. Weiters muss sie schulstandortbezogen abgewickelt werden. Das Gutachten ist der Landesregierung innerhalb einer Frist von acht Wochen ab Zustellung des Schreibens mit der Aufforderung zur Erstellung des Gutachtens vorzulegen. Sollte das Gutachten nicht oder nicht rechtzeitig vorgelegt werden, können für die fachlich-pädagogische Eignung im engeren Sinn keine Punkte vergeben werden. In einem Leiterinnen-/Leiterbestellungsverfahren mit nur einer Bewerberin/einem Bewerber entfällt die Begutachtung hinsichtlich der fachlich-pädagogischen Eignung im engeren Sinn, wenn die Bewerberin/der Bewerber nach den Verordnungen im Verordnungsblatt des Landesschulrates für Steiermark Nr. 91/2003 und Nr. 23/2012 eine gültige, positive Assessment Center-Bewertung aufzuweisen hat. § 3 Externe Begutachtung (1) Hinsichtlich der besonderen Eignung für eine bestimmte Leiterinnen-/Leiterstelle ist über die Führungsqualität, Kommunikationsfähigkeit, soziale Kompetenz, Organisationsfähigkeit und Persönlichkeitsstruktur aller Bewerberinnen/Bewerber ein externes Gutachten einzuholen. Die Begutachtung ist schulstandortbezogen durchzuführen. ... § 4 Stellungnahmen (1) Vor der Reihung gemäß § 26 Abs. 6 LDG 1984 sind die Bewerbungen dem Schulforum bzw. dem Schulgemeinschaftsausschuss, der Schulerhaltergemeinde und dem Dienststellenausschuss der Personalvertretung der Landeslehrer zu übermitteln. Diese haben das Recht, binnen drei Wochen ab Erhalt der Bewerbungen eine begründete schriftliche Stellungnahme hinsichtlich der Auswahlkriterien abzugeben. (2) Die örtlich zuständigen Schulbehörden des Bundes müssen eine Vorstellung durchführen, damit sich das Schulforum bzw. der Schulgemeinschaftsausschuss sowie die Schulerhaltergemeinde und der Dienststellenausschuss der Personalvertretung der Landeslehrer einen Eindruck von den Bewerberinnen/Bewerbern für die Abgabe einer allfälligen Stellungnahme verschaffen können. Die verpflichtende Durchführung der Vorstellung entfällt, wenn nur eine Bewerberin/ein Bewerber vorliegt und die zuständige Bundesschulbehörde diese Vorstellung als nicht erforderlich erachtet. ... (4) Mitglieder eines Schulforums, Schulgemeinschaftsausschusses, eines Gemeindesrates oder eines Dienststellenausschusses der Personalvertretung der Landeslehrer, die Bewerberinnen/Bewerber eines Leiterinnen-/Leiterbestellungsverfahrens sind, dürfen nicht an der Erarbeitung der Stellungnahmen bzw. Entscheidung über die Stellungnahmen in diesem Verfahren gemäß § 7 Abs. 1 Z 1 des Allgemeinen Verwaltungsverfahrensgesetz 1991, BGBl. Nr. 51/1991, in der Fassung BGBl. I Nr. 33/2013 (Befangenheit) mitwirken.“ 18 Die maßgeblichen Bestimmungen der Verordnung der Steiermärkischen Landesregierung vom 11. Juli 2013 über die Objektivierung des Auswahlverfahrens für Schulleitungen (Verordnung zum Steiermärkischen Landeslehrer-Dienstrechts-Ausführungsgesetz 2013 - StLDAG-VO 2013), LGBl. Nr. 76/2013 idF LGBl. Nr. 89/2013, lauten: „Auf Grund des § 1 Abs. 4 des Steiermärkischen Landeslehrer-Dienstrechts-Ausführungsgesetzes 2013 - StLDAG 2013, LGBl. Nr. 74/2013, wird verordnet: ... § 4 Berechnung der Punkte für die Eignung im Hinblick auf Persönlichkeitsmerkmale (1) Im Rahmen der externen, schulstandortbezogenen Begutachtung sind für die Bewerberinnen und Bewerber Gutachten zu erstellen und auf der Grundlage dieser Gutachten ist für jedes der unter § 1 Abs. 1 Z 2. a) bis e) genannten Auswahlkriterien des StLDAG 2013 (Führungsqualität, Kommunikationsfähigkeit, soziale Kompetenz, Organisationsfähigkeit und Persönlichkeitsstruktur) eine Reihung der Bewerberinnen/Bewerber vorzunehmen. Aufgrund dieser Reihung erhält die/der Erstgereihte die Maximalpunktezahl 70 (bei Pflichtschulen mit dem Land als Schulerhalter 80), die/der Zweitgereihte 50 (bei Pflichtschulen mit dem Land als Schulerhalter 60), die/der Drittgereihte 30 (bei Pflichtschulen mit dem Land als Schulerhalter 40) und jede weitere Bewerberin/jeder weitere Bewerber um je zehn Punkte weniger als die/der vor ihr oder ihm Gereihte, wobei keine Punkteabzüge erfolgen. Diese Punkte sind zu summieren. Nach der sich daraus ergebenden Gesamtsumme ist eine endgültige Reihung vorzunehmen. Die/Der Erstgereihte erhält die Maximalpunktezahl von 350 (bei Pflichtschulen mit dem Land als Schulerhalter 400), die/der Zweitgereihte 250 (bei Pflichtschulen mit dem Land als Schulerhalter 300) und die/der Drittgereihte 150 (bei Pflichtschulen mit dem Land als Schulerhalter 200) Punkte. Jede/Jeder weitere Bewerberin/Bewerber erhält um 20 Punkte weniger als die/der vor ihr/ihm Gereihte, wobei keine Punkteabzüge erfolgen. (2) Hinsichtlich der Auswahlkriterien gemäß § 1 Abs 1 Z 2. a) bis 2. e) hat die externe Begutachtung auch festzustellen, ob eine Bewerberin/ein Bewerber in einem dieser Kriterien grundsätzlich für die Leitungsfunktion einer Schule als nicht geeignet anzusehen ist.“ 19 2. Rechtslage, die im Zeitpunkt der Erlassung des angefochtenen Erkenntnisses des Landesverwaltungsgerichts Steiermark anzuwenden war: 20 Mit Art. 34 des Bildungsreformgesetzes 2017, BGBl. I Nr. 138/2017, wurde das LDG 1984, insbesondere die hier interessierenden Abs. 6 und 7 dessen § 26 abgeändert. § 26 Abs. 6 und 7 sind gemäß § 123 Abs. 81 Z 4 LDG 1984 idF des Bildungsreformgesetzes 2017 mit 1. Jänner 2019 in Kraft getreten. Allerdings wurde in § 115i Abs. 4 LDG 1984 in der Fassung der 2. Dienstrechts-Novelle 2018, BGBl. I Nr. 102, angeordnet, dass bei der Besetzung von Planstellen für Schulleitungen, für die die Kollegien der Landesschulräte oder des Stadtschulrates für Wien bis spätestens 31. Dezember 2018 Besetzungsvorschläge beschlossen haben - somit im Revisionsfall, § 26 Abs. 6 und 7 LDG 1984, jeweils in der bis zum 31. Dezember 2018 geltenden Fassung weiterhin anzuwenden sind. 21 Mit Art. 6 des Steiermärkischen Bildungsreformgesetzes 2018, LGBl. Nr. 72, wurde das StLDAG 2013 abgeändert und umfasst nur noch drei Paragraphen. Dessen § 1 betrifft die Vertretung der Schulleitung. Die §§ 2 und 3 lauten: „§ 2 Inkrafttreten Dieses Gesetz tritt mit 1. Jänner 2019 in Kraft. § 3 Außerkrafttreten Mit Inkrafttreten dieses Gesetzes tritt das Steiermärkische Landeslehrer-Dienstrechts-Ausführungsgesetz - LDAG 2013, LGBl. Nr. 74/2013, außer Kraft. Zugleich tritt die Verordnung zum Steiermärkischen Landeslehrer-Dienstrechts-Ausführungsgesetz 2013 - StLDAG-VO 2013, LGBl. Nr. 76/2013, in der Fassung LGBl. Nr. 89/2013, außer Kraft.“ 22 Nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofs sind, wenn der Verfassungsgerichtshof einer Beschwerde stattgegeben hat, die Verwaltungsbehörden und die Verwaltungsgerichte gemäß § 87 Abs. 2 VfGG verpflichtet, in dem betreffenden Fall mit den ihnen zu Gebote stehenden rechtlichen Mitteln unverzüglich den der Rechtsanschauung des Verfassungsgerichtshofes entsprechenden Rechtszustand herzustellen. Auf Grundlage der in § 87 Abs. 2 VfGG statuierten Bindungswirkung wäre das Verwaltungsgericht daher verhalten gewesen, im fortgesetzten Verfahren entsprechend der Rechtsanschauung des Verfassungsgerichtshofes vorzugehen. Da § 87 Abs. 2 VfGG kein verfassungsgesetzlich gewährleistetes Recht einräumt, hat der Verwaltungsgerichtshof zu prüfen, ob das vom Verwaltungsgericht im fortgesetzten Verfahren erlassene Erkenntnis dem gemäß § 87 Abs. 2 VfGG erteilten Auftrag entspricht (vgl. VwGH 2.7.2007, 2006/12/0087, mwN). 23 Wie der Verwaltungsgerichtshof bereits wiederholt zu vergleichbaren Fällen von Schulleiterernennungen nach einem aufhebenden Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofes dargelegt hat, können sich die subjektiven Rechte oder rechtlichen Interessen, welche der Bewerber rechtens verfolgen kann, ausschließlich aus der von der Behörde und dem Verwaltungsgericht - und in der Folge auch vom Verwaltungsgerichtshof bei Überprüfung des angefochtenen Bescheids bzw. des verwaltungsgerichtlichen Erkenntnisses - zu respektierenden, aus § 87 Abs. 2 VfGG abgeleiteten Bindungswirkung des Erkenntnisses des Verfassungsgerichtshofs (hier: vom 11. Juni 2018, E 1295/2018-13) ergeben (vgl. z.B. VwGH 21.2.2017, Ro 2016/12/0004, sowie 27.2.2014, 2013/12/0089, und 18.2.2015, 2011/12/0180). 24 In dem aufhebenden Erkenntnis vom 11. Juni 2018, E 1295/2018-13, überband der Verfassungsgerichtshof nicht nur die Parteistellung des Revisionswerbers im vorliegenden Verfahren der Bestellung einer Leiterin bzw. eines Leiters einer Volksschule, er sprach vielmehr weiters aus, ein willkürliches Verhalten sei dem Verwaltungsgericht u.a. dann vorzuwerfen, wenn es es unterlassen habe, in einem für die zu treffende Auswahl unter den vorgeschlagenen Bewerbern entscheidenden Punkt Gründe und Gegengründe einander gegenüber zu stellen und gegeneinander abzuwägen. Das Landesverwaltungsgericht Steiermark habe daher zu überprüfen gehabt, ob die Auswahlentscheidung im angefochtenen Bescheid ausreichend begründet sei, indem es die Auswahlkriterien sowie die Kenntnisse und Fähigkeiten der Bewerber anführt und einander gegenüber stellt (vgl. die oben wiedergegebenen Judikaturzitate). Der Verfassungsgerichtshof führte weiters aus, das - hier sogar bewusste - Unterlassen jeglicher Auseinandersetzung mit den in der Ausschreibung allenfalls angeführten zusätzlichen fachspezifischen Kenntnissen und Fähigkeiten, der Leistungsfeststellung und der in dieser Schulart zurückgelegten Verwendungszeit iSd § 26 Abs. 6 LDG 1984 sowie mit den in den landesgesetzlichen Vorschriften (vgl. StLDAG 2013, StLDAG-VO 2013) vorgesehenen näheren Bestimmungen (vgl. VfSlg 17.642/2005, 19.057/2010; VfGH 8.6.2010, B 584/09; 11.12.2013, B 1100/2013), sohin das Fehlen einer nachvollziehbaren Begründung der (Überprüfung der) Auswahlentscheidung, belaste das Erkenntnis des Landesverwaltungsgerichtes Steiermark mit Willkür. 25 Das Landesverwaltungsgericht hätte daher in Bindung an das aufhebende Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofes vom 11. Juni 2018 unter Durchführung eines allenfalls notwendigen Ermittlungsverfahrens im Rahmen der Sachverhaltsfeststellungen in der Ausschreibung allenfalls angeführte zusätzliche fachspezifischen Kenntnisse und Fähigkeiten darstellen und unter Auseinandersetzung mit den vom Verfassungsgerichtshof angeführten Kriterien die Kenntnisse und Fähigkeiten der Bewerber anführen und einander gegenüberstellen müssen (s. dazu im Einzelnen Rn 30). Derartiges ist aber unterblieben. 26 Zutreffend wird in der Zulässigkeitsbegründung der Revision auch darauf hingewiesen, dass eine Beschreibung der Vorgehensweise bei Erstellung eines „Gutachtens“ betreffend die Qualifikationen der Bewerber die Darstellung allfälliger zusätzlicher Auswahlkriterien sowie die Dar- und Gegenüberstellung der Kenntnisse und Fähigkeiten der Bewerber keinesfalls zu ersetzen vermag. Dies schon deshalb, weil damit gegen die Bindungswirkung des Erkenntnisses des Verfassungsgerichtshofes vom 11. Juni 2018 verstoßen wurde. 27 Dieses Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofes gründet offenbar auf der Überlegung, dass das Verwaltungsgericht aufgrund der im Verfahren vor den Verwaltungsgerichten herrschenden Offizialmaxime den für die Entscheidung maßgeblichen Sachverhalt von Amts wegen festzustellen hat. Durch das in den §§ 1 bis 4 StLDAG 2013 und § 4 StLDAG-VO 2013 (früher) vorgesehene Verfahren zur Ermittlung der bestgeeigneten Bewerberin bzw. des bestgeeigneten Bewerbers, einschließlich der Einholung zweier Gutachten (einerseits zur Feststellung der fachlich-pädagogischen Eignung im engeren Sinn durch eine objektive Begutachtung des Landesschulrates und andererseits zur Feststellung der Eignung im Hinblick auf die Persönlichkeitsmerkmale und die Berechnung der Punkte durch ein beauftragtes externes Unternehmen) wurde aber die Dienstbehörde und in der Folge das Verwaltungsgericht nicht von der Verpflichtung entbunden, Feststellungen zu treffen, aufgrund derer beurteilt (überprüft) werden kann, ob tatsächlich die bestgeeignete Bewerberin bzw. der bestgeeignete Bewerber ernannt wurde. Soweit Sachverständige beizuziehen sind, sollen diese grundsätzlich den Behörden bzw. Verwaltungsgerichten bei der Ermittlung von für die rechtliche Beurteilung einschlägigen Tatsachen behilflich sein. Ob allerdings bestimmte Tatsachen gesetzlichen Bestimmungen zu subsumieren sind, haben die Behörden bzw. Verwaltungsgerichte im Rahmen der rechtlichen Beurteilung auszusprechen (vgl. VwGH 9.3.2020, Ra 2019/12/0005). Bei einem Gutachten eines beizuziehenden Sachverständigen im Sinne des § 52 AVG handelt es sich um ein Beweismittel, das gemäß § 17 VwGVG iVm § 45 Abs. 2 AVG der freien Beweiswürdigung durch das Verwaltungsgericht unterliegt (vgl. z.B. VwGH jeweils 11.4.2018, Ra 2017/12/0034, und Ra 2017/12/0036). Eine Prüfung, ob ein Sachverständigengutachten schlüssig und nachvollziehbar ist, ist nur möglich, wenn die angestellten Überlegungen im Gutachten (hier: nachvollziehbare Begründung der besseren Eignung einer Bewerberin bzw. eines Bewerbers in den einzelnen beurteilten Gesichtspunkten) dargestellt wurden. Sollte derartiges einem Sachverständigengutachten, das einzuholen war, nicht zu entnehmen sein, besteht die Möglichkeit der Erteilung eines Ergänzungsauftrages oder der Einholung eines neuen Gutachtens. 28 Zu beachten ist im Revisionsfall allerdings, dass sich nach Ergehen des Erkenntnisses des Verfassungsgerichtshofes vom 11. Juni 2018 und vor Erlassung des angefochtenen Erkenntnisses des Landesverwaltungsgerichts die Rechtslage änderte (s. oben). Es sind entsprechend der im Zeitpunkt der Entscheidung des Landesverwaltungsgerichts anzuwendenden Rechtslage gemäß § 115i LDG 1984 in der Fassung der 2. Dienstrechts-Novelle 2018 zwar die Abs. 6 und 7 des § 26 LDG 1984 in der Fassung BGBl. I Nr. 55/2012 weiterhin anzuwenden, sodass gemäß Abs. 6 leg.cit. Ausführungsgesetze und entsprechende Verordnungen der Landesgesetzgebung weiterhin vorgesehen waren; allerdings sind aufgrund des Art. 6 §§ 2 und 3 des Steiermärkischen Bildungsreformgesetzes 2018 das StLDAG 2013 und die StLADG-VO 2013 am 1. Jänner 2019 und somit vor Erlassung des angefochtenen Erkenntnisses des Landesverwaltungsgerichts am 14. Jänner 2019 außer Kraft getreten. 29 Die Bindungswirkung eines aufhebenden Erkenntnisses des Verwaltungsgerichtshofes gemäß § 63 Abs. 1 VwGG erstreckt sich nach ständiger hg. Rechtsprechung nur auf die unveränderte Sach- und Rechtslage (vgl. z.B. VwGH 19.2.2020, Ro 2019/12/0002, sowie 9.9.2009, 2006/10/0172, jeweils mwN). Nichts anderes gilt betreffend die Bindungswirkung der Erkenntnisse des Verfassungsgerichtshofes gemäß § 87 Abs. 2 VfGG vgl. VfGH 27.11.2001, B 1156/01, sowie 11.3.1998, B 2287/97, mwN). Soweit sich die anzuwendende Rechtslage seit Ergehen des Erkenntnisses des Verfassungsgerichtshofs vom 11. Juni 2018 geändert hat, ist daher die Bindungswirkung dieses Erkenntnisses nicht mehr gegeben. Dies bewirkte im Revisionsfall, dass abweichend vom Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofes vom 11. Juni 2018 das StLDAG 2013 und die StLADG-VO 2013 vom Landesverwaltungsgericht nicht anzuwenden gewesen wären. Es ist dadurch u.a. die in diesen Bestimmungen vorgesehene Einholung der beiden oben angeführten Sachverständigengutachten und insbesondere die Vergabe von Punkten bei der Bewertung der Bewerber entfallen. Ob bzw. inwieweit die bereits eingeholten Gutachten bzw. sonstige vorliegende Verfahrensergebnisse bei Feststellung des nach § 26 Abs. 6 und 7 LDG 1984 idF BGBl. I Nr. 55/2012 maßgeblichen Sachverhaltes verwertbar sind, und ob ein weiteres Ermittlungsverfahren durchzuführen ist, wird das Landesverwaltungsgericht im fortgesetzten Verfahren zu beurteilen haben. 30 Das Landesverwaltungsgericht Steiermark hat das angefochtene Erkenntnis schon dadurch mit Rechtswidrigkeit des Inhaltes belastet, dass es entgegen der in § 87 Abs. 2 VfGG statuierten Bindungswirkung nicht allenfalls vorliegende Auswahlkriterien des vorliegenden Bewerbungsverfahrens anführte und nicht unter Berücksichtigung der vom Verfassungsgerichtshof noch im Zeitpunkt seiner Entscheidung bindend vorgegebenen Kriterien der Leistungsfeststellung und der in dieser Schulart zurückgelegten Verwendungszeit iSd. § 26 Abs. 6 LDG 1984 in der Fassung BGBl. I Nr. 55/2012 die Kenntnisse und Fähigkeiten der Bewerber dar- und gegenüber stellte. Eine Überprüfung des angefochtenen Erkenntnisses, ob tatsächlich die bestgeeignete Bewerberin zur Schulleiterin bestellt wurde, ist daher im Sinne der Ausführungen des Verfassungsgerichtshofes in seinem Erkenntnis vom 11. Juni 2018 nach wie vor nicht möglich. 31 Das angefochtene Erkenntnis war daher gemäß § 42 Abs. 2 Z 1 VwGG wegen Rechtswidrigkeit seines Inhaltes aufzuheben. 32 Die Entscheidung über den Aufwandersatz gründet auf den §§ 47 ff VwGG in Verbindung mit der VwGH-Aufwandersatzverordnung 2014. Wien, am 3. Juli 2020
JWT_2019120063_20200709L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019120063.L00
Ra 2019/12/0063
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019120063_20200709L00/JWT_2019120063_20200709L00.html
1,594,252,800,000
3,539
Spruch Die Revision wird zurückgewiesen. Das Land Salzburg hat der mitbeteiligten Partei Aufwendungen in der Höhe von € 1.106,40 binnen zwei Wochen bei sonstiger Exekution zu ersetzen. Begründung 1 Mit erstinstanzlichem Bescheid vom 21. Mai 2016 wurde Folgendes ausgesprochen: „Mit Ihrem bei der Dienstbehörde am 29.02.2016 eingelangten Antrag haben Sie um die Neufestsetzung Ihres Vorrückungsstichtages, die Ermittlung Ihres Beförderungsstichtages sowie der daraus resultierenden besoldungsrechtlichen Stellung angesucht. Nach durchgeführtem Ermittlungsverfahren ergeht durch die Salzburger Landesregierung nachfolgender Spruch: 1.Gemäß § 135 Abs 2 und 84 Salzburger Landes-Beamtengesetz 1987 (L-BG), LGBl Nr 86/1987 idF LGBl Nr 94/2015, iVm § 54 Abs. 1 Salzburger Landes-Vertragsbedienstetengesetz 2000 (L-VBG), LGBl Nr 17/2001 idF LGBl Nr 67/2015, werden die nachstehend angeführten Zeiten (Jahre / Monate / Tage) dem Tag ihrer Anstellung vorangestellt bzw. zur Gänze für ihre Besoldungslaufbahn angerechnet: ------------ ------------ ------------------------ ---------- ---------------- vom bis für J M T §54 Abs. 1 06.07.1992 02.08.1992 Stadtgemeinde Salzburg 00 00 27 Ziff. 1 lit. a 02.01.1985 31.08.1985 Präsenzdienst 00 07 29 Ziff. 1 lit. b Summe 00 08 26 ------------ ------------ ------------------------ ---------- ---------------- 2.Unter Berücksichtigung der mit Spruchpunkt 1 dem Tag ihrer Anstellung zur Gänze vorangestellten Zeiten bleibt Ihr Beförderungsstichtag 23.07.1990 gemäß § 84 L-BG iVm §§ 54 Abs. 1 und 85 Abs 4 L-VBG unverändert. 3.Gemäß § 84 L-BG iVm §§ 54 Abs 3 und 85 Abs 4 L-VBG, wonach der Vorrückungsstichtag dadurch zu ermitteln ist, dass dem Beförderungsstichtag bei Beamten die der Verwendungsgruppe (A) Höherer Dienst angehören, ein Zeitraum von vier Jahren und bei allen anderen Beamten ein Zeitraum von zwei Jahren vorangestellt wird, ergibt sich folgender Vorrückungsstichtag: 05.05.1989. 4.Das beiliegende Berechnungsblatt, aus dem der in § 84 L-BG iVm §§ 54 und 85 Abs. 4 L-VBG geforderte Vergleich ihrer tatsächlichen und fiktiven Besoldungslaufbahn (‚Parallelrechnung‘) hervorgeht, wird zum integrierten Bestandteil dieses Bescheides erklärt. 5.Die sich aus den Spruchpunkten 1. bis 4. ergebende besoldungsrechtliche Stellung lautet wie folgt: Einstufung: A/VIII/5 Nächste Vorrückung am: 01.07.2016“ 2 Gefertigt wurde dieser Bescheid für die Präsidentin des Landesverwaltungsgerichts Salzburg. 3 Die vom Mitbeteiligten dagegen erhobene Beschwerde wurde mit Beschluss des Landesverwaltungsgerichts Salzburg vom 6. Februar 2017 mangels Vorliegen eines tauglichen Beschwerdegegenstandes als unzulässig zurückgewiesen, weil dem bekämpften Bescheid nicht zweifelsfrei und unmissverständlich zu entnehmen sei, von welcher Behörde er stamme. 4 Der in der Folge erlassene Bescheid der Präsidentin des Landesverwaltungsgerichts Salzburg vom 18. April 2017 lautet in seinen Spruchpunkten 1. bis 4. inhaltsgleich wie im Bescheid vom 21. Mai 2016. Lediglich in Spruchpunkt 5. betreffend die besoldungsrechtliche Stellung des Mitbeteiligten finden sich Abweichungen zum zuvor ergangenen Bescheid dahin, dass der Mitbeteiligte in A/VIII/6 eingestuft und die nächste Vorrückung mit 1. Juli 2018 festgesetzt wurde. 5 In der Begründung führte die Präsidentin des Landesverwaltungsgerichtes nach Darstellung der Rechtslage aus, zum Dienstantritt 1. Februar 1994 sei die Dienstverwendung des Mitbeteiligten als „SB f.Angelegenh. d. Raumordnungsrechtes in der Dienststelle 20703 Referat Örtliche Raumplanung“ erfolgt. Mit 1. Jänner 2014 sei der Mitbeteiligte zum Richter des Salzburger Landesverwaltungsgerichts bestellt worden. Die unter Spruchpunkt 1. angeführten Zeiten seien dem Datum seines Dienstantrittes zur Gänze voranzustellen, weil sie (iSd. § 84 L-BG iVm. § 54 Abs. 1 L-VBG) entweder - als gleichwertige Beschäftigungszeiten anzusehen gewesen seien, die der zum Zeitpunkt des Dienstantrittes vom Mitbeteiligten ausgeübten Tätigkeit zumindest im Wesentlichen entsprochen hätten, - als sonstige Zeiten eines dem Salzburger L-BG unterliegenden Dienstverhältnis zur Gänze für zeitabhängige Rechte (insbesondere Mutter- oder Väterkarenzzeiten sowie Präsenz- oder Zivildienstzeiten) wirksam geworden wären, - Zeiten als Teilnehmer des Freiwilligen Sozialjahres, des Freiwilligen Umweltschutzjahres, des Gedenkdienstes oder des Friedens- und Sozialdienstes im Ausland, sowie gleichartige Zeiten darstellten, die in Rechtsvorschriften der anderen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union, der in § 111 Abs. 2 Z 2 bis 4 L-BG genannten Staaten oder der Europäischen Union vorgesehen seien, oder - Zeiten darstellten, für die Beamten unabhängig vom Ort der Kindererziehung ein Kinderzurechnungsbetrag (§ 32a Landesbeamten-Pensionsgesetz - LB-PG) gebühren würde, jedoch mit der Maßgabe, dass abweichend von § 32a Abs. 3 LB-PG insgesamt Erziehungszeiten bis zu einem Höchstausmaß von 72 Monaten berücksichtigt werden könnten (Kindererziehungszeiten). 6 Die konkrete Zuordnung der angerechneten Zeiten ergebe sich aus dem Spruch des Bescheides. 7 Die vom Mitbeteiligten für die Ermittlung des auf diese Weise errechneten Beförderungsstichtages beantragten Zeiten seien dem Zeitpunkt seines Dienstantritts zur Gänze vorangestellt worden. Sein bereits bestehender Beförderungsstichtag bleibe aber auf Grund des vom Landesgesetzgeber festgelegten Verschlechterungsverbotes unverändert. 8 Der Vorrückungsstichtag sei dadurch ermittelt worden, dass bei der Berechnung des Beförderungsstichtages bei jenen Bediensteten, die der Verwendungsgruppe (A) Höherer Dienst angehören, ein Zeitraum von vier Jahren und bei allen anderen Bediensteten ein Zeitraum von zwei Jahren vorangestellt worden sei. Auf Grund der sich daraus ergebenden Verbesserung des bestehenden Vorrückungsstichtages des Mitbeteiligten sei dieser neu festzusetzen gewesen. 9 Entsprechend den Vorgaben des § 25 Abs. 1 Salzburger Landesverwaltungsgerichtsgesetz (S.LVwGG) iVm den Vorgaben des 11. Abschnittes des L-BG (§ 70a ff L-BG) sei die Berücksichtigung seiner Einstufung bzw. Besoldung erfolgt. 10 Da dem Antrag des Mitbeteiligten vollinhaltlich Rechnung getragen worden und über Einwendungen oder weitere Anträge nicht zu entscheiden gewesen sei, könne eine weitere Begründung entfallen. 11 Gegen diesen Bescheid erhob der Mitbeteiligte Beschwerde, mit welcher er nur die Berechnung und den Ausspruch der besoldungsrechtlichen Stellung nicht besser als mit A/VIII/6 mit nächster Vorrückung am 1. Juli 2018 (Spruchpunkt 5. des erstinstanzlichen Bescheides) bekämpfte. 12 Mit dem angefochtenen Erkenntnis sprach das Landesverwaltungsgericht Salzburg aus, der Beschwerde des Mitbeteiligten werde gemäß § 28 Abs. 1 VwGVG iVm § 22 Abs. 4 und § 25 Abs. 1 S.LVwGG Folge gegeben, und es gebühre dem Mitbeteiligten ab 1. Jänner 2014 ein Gehalt der Verwendungsgruppe A, Dienstklasse VIII/6, mit nächster Vorrückung am 1. Jänner 2016. Das Landesverwaltungsgericht sprach aus, dass die Revision an den Verwaltungsgerichtshof nicht zulässig sei. 13 Nach Darstellung der Rechtslage führte das Landesverwaltungsgericht aus, der Mitbeteiligte stehe seit 1. Jänner 2005 in einem öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis zum Land Salzburg. In diesem Sinne sei an ihn auch das mit 10. Dezember 2004 datierte Schreiben ergangen, wonach er zum Beamten der Verwendungsgruppe A ernannt worden sei. Dabei handle es sich um eine Erledigung im Sinne des § 10 DVG, der trotz fehlender Bezeichnung, Begründung und Rechtsmittelbelehrung Bescheidcharakter zukomme. Im vorliegenden Fall enthalte das den Mitbeteiligten betreffende Ernennungsdekret auch Ausführungen zum Vorrückungsstichtag und zur besoldungsrechtlichen Stellung. Der Festsetzung des Vorrückungsstichtages im Ernennungsdekret sei Bescheidqualität zuzumessen (Hinweis auf VwGH 7.9.2005, 2002/12/00154). Auf Grund seiner Ernennung mit 1. Jänner 2014 sei der Mitbeteiligte als Richter des Landesverwaltungsgerichts Salzburg tätig. Auf ihn seien gemäß § 22 Abs. 1 S.LVwGG die Bestimmungen des L-BG sinngemäß anzuwenden, soweit § 22 S.LVwGG nichts Abweichendes regle. 14 Der Mitbeteiligte habe mit seiner Eingabe vom 26. Februar 2016 gemäß § 135 Abs. 2 L-BG die Neuberechnung des Vorrückungsstichtages/Einstufungsstichtages beantragt. Er sei dazu gemäß § 135 Abs. 2 L-BG berechtigt gewesen, zumal sein Vorrückungsstichtag mit Ernennungsdekret vom 10. Dezember 2004 mit Bescheidwirkung festgelegt worden sei. Weiters habe er gemäß § 135 Abs. 2 L-BG iVm § 85 Abs. 3 L-VBG das vom Dienstgeber zur Antragstellung dafür zur Verfügung gestellte Formular verwendet und den Antrag auch fristgerecht eingebracht. 15 Die vom Mitbeteiligten beantragten Zeiten seien dem Zeitpunkt des Dienstantrittes zur Gänze vorangestellt und gemäß §§ 84 L-BG iVm § 54 Abs. 1 L-VBG der Beförderungsstichtag mit 5. Mai 1993 ermittelt worden. Auf Grund des in §§ 84 L-BG iVm. §§ 54 und 85 Abs. 4 L-VBG normierten Verschlechterungsverbotes sei der bestehende Beförderungsstichtag mit 23. Juli 1990 allerdings unverändert geblieben. Der Vorrückungsstichtag sei gemäß § 84 L-BG iVm § 54 Abs. 3 L-VBG dadurch ermittelt worden, dass dem Beförderungsstichtag der Beamten, die der Verwendungsgruppe (A) Höherer Dienst angehörten, ein Zeitraum von vier Jahren vorangestellt worden sei. Da sich der Vorrückungsstichtag verbessert habe, sei dieser mit 5. Mai 1989 (Beförderungsstichtag 5. Mai 1993 weniger vier Jahre) festgesetzt worden. Diese berechneten und festgesetzten Stichtage seien vom Mitbeteiligten als richtig befunden und nicht bestritten worden. Als rechtswidrig werde die durch die festgesetzten Stichtage resultierende und dem Mitbeteiligten zugekommene besoldungsrechtliche Stellung und Einstufung erachtet. 16 Strittig sei im vorliegenden Fall daher allein die Frage, ob die besoldungsmäßige Stellung und Einstufung auf der Grundlage der Bestimmung des § 25 Abs. 1 S.LVwGG idF vor der Novelle LGBl. Nr. 18/2016 iVm § 13 Abs. 7 L-BG hätte ermittelt werden müssen. 17 Vorab sei aufzuzeigen, dass mit Wirksamkeit der Ernennung des Mitbeteiligten zum Richter am 1. Jänner 2014 bereits § 25 S.LVwGG idF LGBl. Nr. 101/2013 in Kraft gewesen sei. Die noch vor Inkrafttreten bewirkte Novellierung der Stammfassung des § 25 S.LVwGG idF LGBl. Nr. 16/2013 durch LGBl. Nr. 101/2013 sei gemäß § 32 Abs. 1 S.LVwGG mit 1. Jänner 2014 in Kraft getreten. In den Erläuterungen zur Novelle LGBl. Nr. 101/2013 finde sich der Hinweis, dass für jene Richterinnen und Richter, die aus dem Kreis der Mitglieder des Unabhängigen Verwaltungssenates in Salzburg ernannt würden, ein am L-BG orientiertes Gehalt mit einer besonderen Zulagenregelung vorgesehen sei. Demnach erreichten die Richterinnen und Richter nach einem Dienstalter (§ 13 Abs. 7 L-BG) von viereinhalb Jahren die Gehaltsstufe 3 in der Dienstklasse V, nach sieben Jahren die Gehaltsstufe 2 der Dienstklasse VI, nach dreizehn Jahren die Gehaltsstufe 1 der Dienstklasse VII und nach achtzehneinhalb Jahren die Gehaltsstufe 1 der Dienstklasse VIII. 18 § 25 Abs. 1 S.LVwGG verweise zum Begriff des Dienstalters auf § 13 Abs. 7 L-BG. Gemäß dieser Bestimmung idF LGBl. Nr. 49/2014 sei unter Dienstalter im Sinne der Abs. 2 und 6 die Zeit zu verstehen, die für die Vorrückung in höhere Bezüge maßgebend sei. Bei Beamten des Höheren Dienstes sei diesem Dienstalter ein Zeitraum von vier Jahren hinzuzurechnen. Mit der Novelle LGBl. Nr. 17/2015, die am 1. Jänner 2015 in Kraft getreten sei, sei der Abs. 7 des § 13 L-BG entfallen. In den Erläuterungen heiße es dazu, dass das Urlaubsausmaß nach geltender Rechtslage auch vom Dienstalter abhänge, zu dem sowohl tatsächliche Dienstzeiten als auch angerechnete Vordienstzeiten zählten (§ 13 Abs. 7 L-BG, § 23 Abs. 7 L-VBG). Daneben bestehe auch ab dem Erreichen bestimmter Dienstklassen ein erhöhter Anspruch auf Erholungsurlaub. Diese Bestimmungen sollten durch ein am Bundesrecht orientiertes einheitliches Anknüpfen an die Vollendung des 43. Lebensjahres ersetzt werden (§ 65 Beamten-Dienstrechtsgesetz 1979 - BDG 1979, § 27a Vertragsbedienstetengesetz 1948 - VBG). 19 Durch die Novelle LGBl. Nr. 18/2016 sei im letzten Satz des § 25 Abs. 1 S.LVwGG der Verweis auf § 13 Abs. 7 L-BG entfallen und es sei stattdessen zur Definition des Dienstalters angefügt worden, dass zum Dienstalter im Sinne dieser Bestimmung neben der tatsächlichen Landesdienstzeit alle Zeiten zählten, die für die Berechnung des Beförderungsstichtages (§ 84 L-BG iVm § 54 Abs. 1 L-VBG) wirksam geworden seien. Erläuternd werde dazu ausgeführt, dass die Beförderung, das heiße die Ernennung in eine höhere Dienstklasse nach einer bestimmten Dienstzeit bei Richterinnen und Richtern des Landesverwaltungsgerichtes im Unterschied zu anderen Landesbediensteten gesetzlich geregelt sei, um jede Beeinträchtigung der richterlichen Unabhängigkeit zu vermeiden. 20 Gegenständlich sei daher zu prüfen, ob der Mitbeteiligte nach § 25 Abs. 1 S.LVwGG idF vor der Novelle LGBl. Nr. 18/2016 besoldungsrechtlich einzustufen gewesen wäre, wobei sich das Dienstalter nach der Definition des § 13 Abs. 7 L-BG richte und mit dem Urlaubsstichtag ident sei. Demzufolge sei dem Vorrückungsstichtag ein Zeitraum von vier Jahren hinzuzurechnen. 21 Im Zusammenhang mit der fallbezogen anzuwendenden Rechtslage sei festzuhalten, dass die Behörden ihrer Entscheidung in der Sache grundsätzlich das im Zeitpunkt der Erlassung ihres Bescheides geltende Recht zu Grunde zu legen hätten. Eine andere Betrachtungsweise sei nach der ständigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes aber nicht nur dann geboten, wenn der Gesetzgeber in einer Übergangsbestimmung zum Ausdruck bringe, dass auf anhängige Verfahren noch das bisher geltende Gesetz anzuwenden sei, sondern auch dann, wenn darüber abzusprechen sei, was an einem bestimmten Stichtag oder in einem konkreten Zeitraum rechtens gewesen sei (Hinweis auf VwGH 22.6.2016, 2013/12/0120, sowie Hengstschläger/Leeb, AVG § 59 Rz 77 und 81). 22 Gegenstand des angefochtenen Bescheides sei die Feststellung der besoldungsrechtlichen Stellung des Mitbeteiligten mit seiner Ernennung zum Richter und des Inkrafttretens des S.LVwGG zum 1. Jänner 2014. Der Antrag des Mitbeteiligten vom 26. Februar 2016 auf Neuberechnung des Vorrückungsstichtages/Einstufungsstichtages stelle sohin auf den Zeitpunkt seiner Ernennung zum Richter am 1. Jänner 2014 ab und daraus folgend die dem Mitbeteiligten von diesem Zeitpunkt an gebührenden Bezüge. Eine Übergangsbestimmung für zum Zeitpunkt des Inkrafttretens des § 25 Abs. 1 S.LVwGG idF LGBl. Nr. 18/2016 bereits anhängige Verfahren sei nicht geschaffen worden. 23 Festzuhalten sei, dass es sich beim Anspruch auf Gehalt um einen zeitraumbezogenen Anspruch handle, weshalb sich dessen Gebührlichkeit in Ermangelung gegenteiliger gesetzlicher Anordnungen nach der im Bemessungszeitraum geltenden Rechtslage richte (Hinweis auf VwGH 2.7.2018, Ra 2017/12/0131; 19.2.2018, Ra 2017/12/0044; 9.9.2016, Ro 2015/12/0025;). Insbesondere aus dem Erkenntnis des Verwaltungsgerichtshofes vom 18. Februar 2015, 2014/12/0004, ergebe sich, dass die besoldungsrechtliche Stellung für die dem Beamten zeitraumbezogen gebührenden Bezüge maßgeblich sei. 24 Da es sich beim Anspruch auf Gehalt daher um einen zeitraumbezogenen Anspruch handle, sei im vorliegenden Fall die Rechtslage zum 1. Jänner 2014 maßgeblich. Das bedeute, dass - mangels abweichender Übergangsbestimmungen - das zum Zeitpunkt 1. Jänner 2014 geltende materielle Recht anzuwenden und demnach die besoldungsrechtliche Stellung des Mitbeteiligten an Hand der damals geltenden Rechtslage zu beurteilen sei. Die Rechtsansicht der belangten Behörde, wonach der Antrag des Mitbeteiligten vom 26. Februar 2016 datiere und der in § 25 Abs. 1 S.LVwGG enthaltene Verweis vor der Novelle LGBl. Nr. 18/2016 auf § 13 Abs. 7 L-BG ein Leerverweis sei, da diese Bestimmung mit der Novelle LGBl. Nr. 17/2015 am 1. Jänner 2015 außer Kraft getreten sei und deshalb keine Anwendung mehr habe finden können, verkenne, dass der maßgebliche Zeitpunkt für die Frage der anzuwendenden Rechtslage jener des Zeitpunktes der Ernennung des Mitbeteiligten zum Richter und des Inkrafttretens des S.LVwGG am 1. Jänner 2014 gewesen sei. Zur Feststellung der besoldungsrechtlichen Stellung des Mitbeteiligten sei somit § 25 Abs. 1 S.LVwGG idF LGBl. Nr. 18/2016 für die zeitraumbezogen zum 1. Jänner 2014 zu beurteilenden besoldungsrechtlichen Ansprüche des Mitbeteiligten nicht heranzuziehen. 25 Der Mitbeteiligte sei am 1. Juli 2007 in die Dienstklasse VIII/1 befördert worden, dies auf Grund seines Vorrückungsstichtages 5. Mai 1989. Nach § 25 Abs. 1 S.LVwGG idF vor der Novelle LGBl. Nr. 18/2016 wäre der Mitbeteiligte mit einem Dienstalter von achtzehneinhalb Jahren in die Dienstklasse VIII/1 einzustufen gewesen, wobei sich das Dienstalter nach der Definition des § 13 Abs. 7 L-BG richte und daher dem Vorrückungsstichtag vier Jahre hinzuzurechnen seien. „Ausgehend vom Vorrückungsstichtag 5.5.1989 ergibt sich daher ein Dienstalter zum 5.5.1985 und ist der Beschwerdeführer daher mit 1.1.2004 (5.5.1985 + 18 1/2 Jahre) in die Dienstklasse VIII/1 einzustufen.“ 26 Ein Vergleich dieser Laufbahn mit der „alten“ Laufbahn zeige, dass der Mitbeteiligte durch die Neuberechnung des Dienstalters eine besoldungsrechtliche Besserstellung erfahre, nämlich die Beförderung in die Dienstklasse VIII/1 mit 1. Jänner 2004 anstatt bisher mit 1. Juli 2007. Somit gebühre dem Mitbeteiligten mit seiner Ernennung zum Richter am 1. Jänner 2014 nach jeweils zweijähriger Vorrückung ein Gehalt der Verwendungsgruppe A, Dienstklasse VIII/6, mit nächster Vorrückung am 1. Jänner 2016. Daraus folgend seien dem Mitbeteiligten die entsprechenden Bezugsdifferenzen unter Bedachtnahme auf den in § 85 Abs. 6 L-VBG festgelegten Verjährungsverzicht von der belangten Behörde nachzuzahlen. 27 Gegen dieses Erkenntnis richtet sich die vorliegende Amtsrevision der Salzburger Landesregierung (vgl. § 16 S.LVwGG) mit dem Antrag, dieses wegen Rechtswidrigkeit des Inhalts, in eventu wegen Rechtswidrigkeit infolge Verletzung von Verfahrensvorschriften aufzuheben, in eventu gemäß § 42 Abs. 4 VwGG in der Sache selbst zu entscheiden, in eventu so zu entscheiden, dass der Antrag des Mitbeteiligten wegen fehlender Antragslegitimation zurückzuweisen sei. 28 Der Mitbeteiligte erstattete eine Revisionsbeantwortung, in der er beantragte, die Revision zurückzuweisen, in eventu abzuweisen und ihm jedenfalls den gesetzlichen Aufwandersatz zuzusprechen. 29 Zur Zulässigkeit der Amtsrevision wird Folgendes ausgeführt: „Es fehlt im gegenständlichen Fall an Judikatur des Verwaltungsgerichtshofes, weil - anders als das Verwaltungsgericht vermeint - im gegenständlichen Verfahren nicht bloß die Rechtsfrage von Bedeutung ist, welche Rechtslage generell zur Beurteilung der Gebührlichkeit des Anspruchs auf Gehalt heranzuziehen ist, sondern auf Grund des § 135 L-BG gestellten Antrags des Mitbeteiligten auf Neufestsetzung des Vorrückungsstichtages/Einstufungsstichtages ebenso Rechtsfragen zum Beförderungsstichtag im konkreten Fall zu entscheiden sind. Gemäß § 54 L-VBG idF LGBl Nr 66/2015 ist der Vorrückungsstichtag daraus zu ermitteln, dass dem Beförderungsstichtag bei Vertragsbediensteten gewisse Zeiten gemäß Z 1 und Z 2 voranzustellen sind. Da sich das Salzburger Landesrecht in diesem Aspekt von anderen Dienstrechten unterscheidet, existiert für diesen besonderen Fall bisher keine Judikatur des Verwaltungsgerichtshofes. Auch die vom Landesverwaltungsgericht zitierte Judikatur des Verwaltungsgerichtshofes (siehe Seite 14 f des angefochtenen Erkenntnisses: Ra 2017/12/0131, Ra 2017/12/0044, 2015/12/0025, 2013/12/0195, 2014/12/0004) geht auf diesen Umstand nicht ein. Das Landesverwaltungsgericht Salzburg hat im Übrigen seinen Ausspruch zur Unzulässigkeit der ordentlichen Revision nur unzureichend begründet, da eine bloß formelhafte, im Wesentlichen lediglich den Text des Art 133 Abs 4 BVG wiedergebende Begründung betreffend die Revisionszulässigkeit (§ 28 Abs. 3 VwGG) nicht gesetzmäßig ausgeführt ist (VwGH vom 26.04.2019, Ra 2019/03/0045 mwN). Nichts anderes kann für die Begründung der Unzulässigkeit der Revision gelten. Weiters hat die vorliegende Rechtsfrage über den konkreten Einzelfall hinaus Bedeutung (VwGH 24.03.2014, Ro 2014/01/0011), weil von der Neufestsetzung des Vorrückungsstichtages und Beförderungsstichtages andere Bedienstete ebenso betroffen wären und die vom Verwaltungsgericht vertretene Rechtsansicht den Mitbeteiligten nicht nur so stellt, dass nach dem Willen des Gesetzgebers durch den Antrag auf Neufestsetzung des Vorrückungsstichtages und Beförderungsstichtages gemäß § 135 L-BG eine mögliche Altersdiskriminierung saniert wird (EuGH C-530/13, RS Schmitzer), sondern sogar besser, indem auf Grund der im angefochtenen Erkenntnis angewendeten, bereits außer Kraft stehenden Bestimmung in § 13 Abs. 7 L-BG zusätzlich vier Jahre dem Vorrückungsstichtag vorangestellt wurden. Dem Mitbeteiligen wurden bereits vor der Novellierung LGBl. 17/2015 teilweise Zeiten zu 100 % für den Vorrückungsstichtag angerechnet, die Intention des Gesetzgebers bei der Novelle LGBl. 17/2015 war jedoch die pauschale Anrechnung von 60 % der Vordienstzeiten zu berichtigen. Eine solche Besserstellung widerspricht dem Gleichheitsgrundsatz. Ausgehend vom im Erkenntnis des Landesverwaltungsgericht festgestellten Sachverhalt ist weiters darauf hinzuweisen, dass ein den Ausgang des verwaltungsgerichtlichen Verfahrens beeinflussender Verfahrensmangel vorliegt, da das erkennende Gericht sich in seiner Begründung einzig auf die Feststellung zum Vorrückungs- und Besoldungsstichtag im Bescheid der belangten Behörde bezieht, dabei jedoch außer Acht lässt, dass der Vorrückungs- und Besoldungsstichtag und die besoldungsrechtliche Stellung des Mitbeteiligten gemäß § 135 L-BG in einem untrennbaren Zusammenhang stehen. Aus diesem Grund ist es nicht ausreichend, auf Seite 13 festzuhalten, dass die festgesetzten Stichtage nicht bestritten wurden und im vorliegenden Fall lediglich die besoldungsrechtliche Stellung zu ermitteln ist. Vielmehr hätte das Verwaltungsgericht ein ordnungsgemäßes amtswegiges Ermittlungsverfahren unter Wahrung des rechtlichen Gehörs der Parteien sowie eine mündliche Verhandlung durchzuführen gehabt, in welcher die vorgelegten Urkunden zu erörtern sowie eine Einvernahme des Mitbeteiligten sowie eines Vertreters der belangten Behörde durchzuführen gewesen wäre. Für die Frage der Vordienstzeitenanrechnung sowie die Festsetzung des Vorrückungsstichtages ist die Durchführung eines Beweisverfahrens notwendig gewesen, u.a. weil der Mitbeteiligte keinen Nachweis für die Ableistung des Wehrdienstes (Präsenzdienstes) in der Zeit vom 02.01.1985 bis 31.08.1985 weder im verwaltungs- noch im verwaltungsgerichtlichen Verfahren vorgelegt, sondern im Schreiben vom 29.04.2016 lediglich auf eine frühere Anrechnung verwiesen hat. Somit war der Sachverhalt für die Beurteilung der Neufestsetzung des Vorrückungsstichtages nicht abschließend ermittelt. Daran ändert das durchgeführte Parteiengehör vom 06.09.2018 mit Ersuchen um Stellungnahme nichts, da sich dieses nicht an die Präsidentin des LVwG als bescheiderlassende Behörde, sondern ohne deren Auftrag direkt an Mitarbeiter des Amtes der Salzburger Landesregierung, Fachgruppe Personal richtete, welche zwar eine Stellungnahme abgaben, dies jedoch nicht im Namen der Präsidentin (§ 22 Abs. 5 S.LVwGG). Weiters unterließ das Verwaltungsgericht gänzlich Ausführungen zum Entfall der mündlichen Verhandlung und hat keine der Parteien ausdrücklich auf die Durchführung einer mündlichen Verhandlung gemäß § 24 Abs. 5 VwGVG verzichtet. Auf Grund der obigen Ausführungen war ein Entfall der mündlichen Verhandlung gemäß § 24 Abs. 2 VwGVG nicht gerechtfertigt und belastet das Erkenntnis mit Rechtswidrigkeit aufgrund der Verletzung des rechtlichen Gehörs. Von der ständigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abweichend, hat der erkennende Senat von der Durchführung einer mündlichen Verhandlung abgesehen und notwendige Ermittlungen unterlassen und liegt auch deshalb eine Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung iSd Art 133 Abs 4 BVG vor.“ 30 Mit diesem Vorbringen wird die Zulässigkeit der Revision nicht aufgezeigt. 31 Nach Art. 133 Abs. 4 B-VG ist gegen ein Erkenntnis des Verwaltungsgerichtes die Revision zulässig, wenn sie von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, insbesondere weil das Erkenntnis von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abweicht, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes nicht einheitlich beantwortet wird. 32 Nach § 34 Abs. 1 VwGG sind Revisionen, die sich wegen Nichtvorliegen der Voraussetzungen des Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zur Behandlung eignen, ohne weiteres Verfahren in nicht öffentlicher Sitzung mit Beschluss zurückzuweisen. Hat das Verwaltungsgericht - wie im gegenständlichen Fall - ausgesprochen, dass die Revision nicht gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG zulässig ist, hat die Revision gemäß § 28 Abs. 3 VwGG auch gesondert die Gründe zu enthalten, aus denen entgegen dem Ausspruch des Verwaltungsgerichts die Revision für zulässig erachtet wird. 33 Nach § 34 Abs. 1a VwGG ist der Verwaltungsgerichtshof bei der Beurteilung der Zulässigkeit der Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG an den Ausspruch des Verwaltungsgerichtes gemäß § 25a Abs. 1 VwGG nicht gebunden. Die Zulässigkeit einer außerordentlichen Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG hat der Verwaltungsgerichtshof hingegen nur im Rahmen der dafür in der Revision vorgebrachten Gründe (§ 28 Abs. 3 VwGG) zu überprüfen. 34 Wenn die Revisionswerberin in der Zulässigkeitsbegründung rügt, das Verwaltungsgericht habe den Ausspruch der Unzulässigkeit der Revision nicht ausreichend begründet, ist das von ihr zitierte Erkenntnis des Verwaltungsgerichtshofes - wie sie selbst erkennt - schon deshalb nicht einschlägig, weil es sich mit der Begründung der Zulässigkeit der „ordentlichen“ Revision befasst. Der vom Revisionswerber unter dem Gesichtspunkt einer erheblichen Rechtsfrage aufgezeigte Umstand, dass das Landesverwaltungsgericht seinen Ausspruch über die Unzulässigkeit der Revision nach Art. 133 Abs. 4 B-VG lediglich unzureichend, durch formelhafte Wiedergabe dieser Gesetzesbestimmung begründet habe, wirft nach ständiger Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofs keine Rechtsfrage von der Qualität des Art. 133 Abs. 4 B-VG auf, von deren Lösung die Entscheidung über die Revision abhinge. Auch wenn das Verwaltungsgericht nach § 25a Abs. 1 letzter Satz VwGG seinen Ausspruch über die Zulässigkeit der Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG kurz - und in der Regel fallbezogen - zu begründen hat, ist der Verwaltungsgerichtshof entsprechend § 34 Abs. 1a VwGG bei der Beurteilung der Zulässigkeit der Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG an diesen Ausspruch des Verwaltungsgerichts nicht gebunden. Die Zulässigkeit einer außerordentlichen Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG hat der Verwaltungsgerichtshof vielmehr im Rahmen der dafür in der Revision vorgebrachten Gründe (§ 28 Abs. 3 VwGG) zu überprüfen. An der gesonderten Darlegung von in § 28 Abs. 3 VwGG geforderten Gründen, aus denen entgegen dem Ausspruch des Verwaltungsgerichts die Revision für zulässig erachtet wird, war der Revisionswerber nicht gehindert (vgl. z.B. VwGH 27.8.2019, Ra 2019/08/0098; 17.12.2018, Ra 2018/14/0253; jeweils mwN). 35 Im Revisionsfall sind die den Vorrückungs- und den Beförderungsstichtag betreffenden Spruchpunkte 1. bis 4. des erstinstanzlichen Bescheides von dessen Spruchpunkt 5., der die besoldungsrechtliche Stellung des Mitbeteiligten betrifft, trennbar. Der Mitbeteiligte hat mit seiner Beschwerde lediglich die Entscheidung über seine besoldungsrechtliche Stellung in Spruchpunkt 5. des dienstbehördlichen Bescheides vom 18. April 2017 bekämpft, sodass das Landesverwaltungsgericht Salzburg rechtsrichtig nur über dessen besoldungsrechtliche Stellung abgesprochen hat, weil die Spruchpunkte 1. bis 4. des Bescheides vom 18. April 2017 mangels Bekämpfung durch eine der Parteien in Rechtskraft erwachsen waren. Der Vorrückungs- und der Besoldungsstichtag waren somit nicht Gegenstand des Verfahrens vor dem Landesverwaltungsgericht. 36 Die vorliegende Zulässigkeitsbegründung der Revision bezieht sich jedoch ganz überwiegend auf Fragen zum Vorrückungs- und Beförderungsstichtag des Mitbeteiligten. Da diese nicht Gegenstand des verwaltungsgerichtlichen Verfahrens waren, erweist sich die Revision insofern als unzulässig. 37 Verfahrensgegenstand vor dem Landesverwaltungsgericht Salzburg war im Sinne obiger Ausführungen allein die besoldungsrechtliche Stellung des Mitbeteiligten. Dass diese zeitraumbezogen nicht nur ab der Ernennung des Mitbeteiligten zum Richter des Landesverwaltungsgerichts Salzburg per 1. Jänner 2014, in welchem Zeitpunkt § 13 Abs. 7 L-BG unbestritten in Geltung stand, festzusetzen gewesen wäre bzw. dass die besoldungsrechtliche Stellung des Mitbeteiligten unabhängig vom - hier bereits rechtskräftig mit Bescheid der Dienstbehörde vom 18. April 2017 auch - wie sich aus §§ 135 Abs. 2 dritter Satz L-BG iVm § 85 Abs. 6 L-VBG ergibt - mit Rückwirkung auf den 1. Jänner 2014 festgesetzten - Vorrückungs- und Beförderungsstichtag vom Landesverwaltungsgericht unrichtig beurteilt worden sei, wurde in der Zulässigkeitsbegründung der Revision nicht einmal ansatzweise geltend gemacht. 38 In der nicht zu Gunsten des Mitbeteiligten erhobenen Amtsrevision wäre in der Zulässigkeitsbegründung der Revision jedenfalls die Relevanz des Verfahrensmangels der Unterlassung der Durchführung einer mündlichen Verhandlung (vgl. VwGH 30.4.2019, Ra 2018/12/0059) und der Nichtdurchführung eines weiteren Ermittlungsverfahrens aufzuzeigen gewesen. Dass dies nicht geschehen ist, ergibt sich schon aus obigen Ausführungen. 39 Da somit eine Rechtsfrage im Sinne des Art. 133 Abs. 4 B-VG in der vorliegenden Amtsrevision nicht aufgezeigt wurde, war die Revision gemäß § 34 Abs. 1 VwGG zurückzuweisen. 40 Der Ausspruch über den Aufwandersatz gründet auf den §§ 47 ff VwGG iVm der VwGH-Aufwandersatzverordnung 2014. Wien, am 9. Juli 2020
JWT_2019120066_20200709L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019120066.L00
Ra 2019/12/0066
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019120066_20200709L00/JWT_2019120066_20200709L00.html
1,594,252,800,000
7,118
Spruch Die Revision wird zurückgewiesen. Begründung 1 Die Revisionswerberin steht in einem öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis zur Stadt W. Am 11. Oktober 2017 erhielt sie vom Bürgermeister der Stadt W folgendes Schreiben (Anonymisierung im gesamten Erkenntnis durch den Verwaltungsgerichtshof): „Untersuchung durch Dr. D DI-Pers-118158-2017 Sehr geehrte Revisionswerberin: Die zuletzt durchgeführte amtsärztliche Untersuchung zur Feststellung Ihrer Dienstfähigkeit führte zu keinem abschließenden Ergebnis, sondern wurde die Veranlassung eines psychiatrischen Fachgutachtens von der Amtsärztin als notwendig festgestellt. Über Ihre Initiative haben Sie im Einvernehmen mit Ihrem behandelnden Arzt ab 16.08.2017 einen Arbeitswiederaufnahmeversuch auf dem Ihnen neu zugewiesenen Arbeitsplatz unternommen. Aufgrund der seitdem krankheitsbedingten Dienstverhinderungen und der aktuellen Krankmeldung vom 03.10.2017 von Dr. Z ab 02.10.2017 auf unbestimmte Zeit teilen wir Ihnen mit, dass zum Abschluss der amtsärztlichen Untersuchung Herr Dr. D beauftragt wurde. Sie werden daher in den kommenden Tagen von der Ordination eine Einladung zur Untersuchung erhalten. Mit freundlichen Grüßen ...“ 2 Mit Schreiben vom 4. Dezember 2017 teilte die Revisionswerberin mit, sie lege aus Gründen der rechtlichen Vorsicht den Rechtsbehelf der Remonstration ein. Sie führte aus, dem Schreiben vom 11. Oktober 2017 komme keine normative Wirkung zu, es handle sich um eine Wissenserklärung über Umstände im Tatsächlichen. Das Schreiben Dris. D, wonach sie zu einer Untersuchung zu ihm kommen solle, entbehre jeder gesetzlichen Grundlage. § 43 Oö-Statutargemeinden-Bedienstetengesetz 2002 (Oö StGBG 2002) sehe eine Vorladung zum Amtsarzt nur in drei Fällen vor. Die Vorladung zum Amtsarzt sei mit dem Abschluss der amtsärztlichen Untersuchung begründet worden, deren Grundlage die Überprüfung der Dienstfähigkeit gewesen sei. Nachdem die Revisionswerberin den Dienst am Magistrat der Stadt W wieder angetreten habe, liege seither die Dienstfähigkeit nach dieser Untersuchung vor. Es gebe für die aktuelle Vorladung zum Psychiater keine gesetzliche Grundlage. Die Vorgangsweise der Stadt W sei durch eine denkunmögliche Gesetzesauslegung als Willkür induziert. Sollte das Schreiben der Stadt W vom Oktober 2017 als Weisung qualifiziert werden, was sie ausdrücklich bestreite, da es nicht die rechtlichen Mindestanforderungen enthalte, läge gegenständlich damit eine unbeachtliche Weisung im Sinne von Art. 20 Abs. 1 B-VG vor. 3 Mit an die Revisionswerberin gerichtetem Schreiben vom 14. Dezember 2017 hielt die Dienstbehörde ausdrücklich fest, dass sich die Revisionswerberin in Wiederholung der Weisung vom 11. Oktober 2017 gemäß § 43 Oö StGBG 2002 einer fachärztlichen Untersuchung durch Dr. D zu unterziehen habe. 4 Dass berechtigte Zweifel gemäß § 43 Oö StGBG 2002 an der körperlichen und geistigen Eignung für die Verwendung der Revisionswerberin bestünden und folglich sachliche Gründe für die Durchführung einer fachärztlichen Untersuchung vorlägen, könne angesichts der amtsbekannten Krankenstandshistorie nicht in Zweifel gezogen werden. Insbesondere datiere die jüngste - abermals unbefristete - Krankmeldung erst vom 2. Oktober 2017. Das Schreiben der Dienstbehörde vom 11. Oktober 2017 sei schon seinem Wortlaut nach keine bloße Wissensmitteilung und auch nicht als unverbindliche Einladung zu verstehen. Es sei vielmehr eine Aufforderung zur ärztlichen Untersuchung und damit eine Weisung („Anordnung“) gemäß § 43 Oö StGBG 2002 ausgesprochen worden. Schließlich bedürften Weisungen keiner besonderen Form und könnten auch schlüssig erteilt werden. Es ändere nichts am normativen Charakter einer Weisung, wenn diese den Umgangsformen entsprechend in höfliche Worte gekleidet und beispielsweise als Ersuchen oder Bitte tituliert würde (Hinweis auf VwGH 30.5.2006, 2005/12/0205; 17.11.2004, 2001/09/0035). 5 Mit Antrag vom 18. Jänner 2018 begehrte die Revisionswerberin festzustellen, 1. ob die Befolgung der Weisung vom 14. Dezember 2017 zu ihren Dienstpflichten zähle und 2. ob diese Weisung rechtmäßig sei. 6 Sie vertrat zusammengefasst den Standpunkt, das Schreiben vom 11. Oktober 2017 habe eine amtsärztliche Untersuchung auf § 43 Abs. 1 Z 1 Oö StGBG 2002 (Feststellung der Dienstfähigkeit im Fall der Dienstverhinderung), jenes vom 14. Dezember 2017 jedoch auf § 43 Abs. 1 Z 2 Oö StGBG 2002 (Feststellung der körperlichen und geistigen Eignung für die Verwendung, wenn berechtigte Zweifel daran bestünden) gestützt, woraus sich ergebe, dass es sich keinesfalls um eine Weisungswiederholung handle, auch für jenen Fall nicht, dass das Schreiben vom 11. Oktober 2017 überhaupt als Weisung qualifiziert werden könnte. Dass Zweifel an ihrer körperlichen oder geistigen Eignung für ihre dienstliche Tätigkeit bestünden, sei eine freie Erfindung des Weisungsgebers. Sie verrichte ihren Dienst einwandfrei und unbeanstandet, ihre unmittelbaren Vorgesetzten hätten ihr auf Nachfrage bestätigt, dass von diesen keinerlei Angaben über Zweifel an ihrer Eignung und Dienstfähigkeit ausgegangen seien. Der Hinweis auf Krankenstände in der Vergangenheit sei untauglich. Eine frühere längere Krankenstandsdauer erkläre sich aus einer Gesundheitsschädigung, für die der Dienstgeber die Verantwortung trage, indem er sie ohne stichhaltigen Grund vorzeitig von ihrer Führungsposition abberufen habe, sodass sie genötigt gewesen sei, sich in eine ganze Reihe von rechtlichen Auseinandersetzungen mit ihm zu begeben. Die kurzen Krankenstände nach Mitte August hätten hingegen keinen außergewöhnlichen Charakter und seien von vornherein ungeeignet, Dienstfähigkeits- oder Eignungszweifel zu begründen. Der Bürgermeister habe bereits am 21. Juni 2017 in den Medien bekannt gegeben, dass sie letztlich zu „psychiatrieren“ sein werde. Es fehle somit eine objektiv-sachliche Grundlage für die Weisung. Sie wende somit dagegen im Sinne des § 36 Abs. 4 Oö StGBG 2002 ein, dass von einer Unzuständigkeit bei ihrer Erlassung auszugehen sei. Die Weisung stelle sich weiters als schikanös und willkürlich dar. 7 Mit Bescheid des Magistrats der Stadt W vom 14. Februar 2018 wurde festgestellt, dass die Befolgung der Weisung vom 14. Dezember 2017 zu den Dienstpflichten der Revisionswerberin zähle und dass diese Weisung rechtmäßig sei. Zusammengefasst wurde dies damit begründet, dass die Weisung weder rechtsgrundlos noch vom unzuständigen Organ erteilt worden sei und auch nicht gegen strafgesetzliche Vorschriften verstoße. Die Weisung vom 11. Oktober 2017 sei nach Remonstration mit Schreiben vom 14. Dezember 2017 schriftlich wiederholt worden. Für die Rechtswirksamkeit von Weisungen komme es nicht auf die Einhaltung einer bestimmten Form an. Die Weisung und deren Wiederholung wiesen denselben Inhalt auf. Eine Weisung könne auch als Ersuchen oder Bitte formuliert werden, ohne dadurch ihren normativen Charakter zu verlieren. Die vorliegende Weisung müsse daher befolgt werden. Es bestünden auch keine Zweifel an deren Rechtmäßigkeit, sie diene im Einklang mit der Bestimmung des § 43 Oö StGBG 2002 dazu, die Dienstfähigkeit der Revisionswerberin zu überprüfen. Von der Weisung gingen keinerlei gesundheitliche oder finanzielle Nachteile für die Revisionswerberin aus, sie werde durch diese nicht in ihren subjektiven Rechten verletzt. Die Weisung erweise sich daher als rechtmäßig. 8 Die Revisionswerberin erhob gegen diesen Bescheid Berufung, in der sie im Wesentlichen dasselbe wie in ihrem Antrag vom 18. Jänner 2018 ausführte. 9 Mit Bescheid des Stadtsenates der Stadt W vom 26. Juni 2018 wurde die Berufung der Revisionswerberin als unbegründet abgewiesen. Im Rahmen des festgestellten Sachverhaltes wurde von folgenden Krankenständen ausgegangen: 17. bis 19. August 2016, 22. August 2016 bis 15. August 2017 (359 Tage), 5. bis 14. September 2017, 3. bis 23. Oktober 2017. 10 Aufgrund der erheblichen Krankenstandsdauer und der stets gleichlautenden Krankmeldungen (Dienstunfähigkeit bis auf weiteres mit einer Ausnahme) sei mit Schreiben der Dienstbehörde vom 13. Dezember 2016 die Amtsärztin mit der Untersuchung zur Feststellung der Dienstfähigkeit der Revisionswerberin beauftragt worden. Weiters sei ersucht worden, eine Prognose über eine allfällige weitere Dauer der Dienstunfähigkeit abzugeben. 11 Die sodann am 18. Jänner 2017 durchgeführte amtsärztliche Untersuchung habe laut gutachterlicher Stellungnahme vom 23. Jänner 2017 ergeben, dass die Revisionswerberin an einer Erkrankung aus dem psychiatrischen Formenkreise leide und zum Untersuchungszeitpunkt dienstunfähig gewesen sei. Ihre Merkfähigkeit, Konzentration und psychische Belastbarkeit sei durch ihre Erkrankung beeinträchtigt. Die Amtsärztin habe aufgrund der üblicherweise langen Behandlungsdauer dieser Krankheit eine weitere amtsärztliche Kontrolluntersuchung nach etwa drei Monaten empfohlen. 12 Mit der von der Revisionswerberin beigebrachten fachärztlichen Bestätigung vom 24. März 2017 habe Univ.-Prof. Dr. W, Facharzt für Psychiatrie und Neurologie, mitgeteilt, dass die Revisionswerberin wegen komplex-kombinierter physischer und psychischer Beschwerdesymptome in regelmäßiger und engmaschiger Behandlung und Betreuung stehe. 13 Über Auftrag der Dienstbehörde vom 1. Juni 2017 an die Amtsärztin, eine Kontrolluntersuchung durchzuführen, habe diese mitgeteilt, dass zur Fertigstellung des amtsärztlichen Gutachtens betreffend die Revisionswerberin ein psychiatrisches Fachgutachten zu veranlassen sei. 14 Mit E-Mail an den Bürgermeister der Stadt W vom 14. August 2017 habe die Revisionswerberin mitgeteilt, dass sie ab 16. August 2017 einen Arbeitsversuch unternehmen werde. Die Revisionswerberin habe daraufhin beginnend mit 16. August 2017 bis 31. August 2017 und am 4.9.2017 Dienst verrichtet. In der Zeit von 5. bis 14. September 2017 sei sie erneut im Krankenstand gewesen, ebenso von 3. bis 23. Oktober 2017. Die zuletzt vorgelegte Krankenstandsbescheinigung vom 3. Oktober 2017 sei wiederum von Dr. Z ausgestellt und in dieser ausgeführt worden, dass laut neuerlichem Befund von Univ.-Prof. Dr. W vom 2. Oktober 2017 die Revisionswerberin bis auf weiteres dienstunfähig mit Ortswechsel sei. In rechtlicher Hinsicht wurde ausgeführt, die Revisionswerberin habe in ihrer Berufung vom 1. März 2018 den Antrag gestellt, „den angefochtenen Bescheid dahin abzuändern, dass festgestellt werde, dass für die Berufungswerberin weder durch den Inhalt des Schreibens vom 11.10.2017 noch durch die schriftliche Weisung vom 14.12.2017 eine Weisungsbefolgungspflicht begründet wurde, und zwar von Anfang an nicht, weil Willkür- und Schikanecharakter gegeben gewesen seien, weiter im Hinblick darauf nicht, dass trotz Remonstration der Inhalt des Schreibens vom 11.10.2017 nicht als Weisung wiederholt worden sei und ebenso wenig die Weisung vom 14.12.2017. Weiters wolle festgestellt werden, dass der Inhalt des Schreibens vom 11.10.2017 überhaupt nicht als Weisung anzusehen sei, und dieser sich andernfalls als rechtswidrige Weisung im Sinne des Art. 20 B-VG darstellen würde, was jedenfalls auch für die schriftliche Weisung vom 14.12.2017 gelte“. 15 Bei antragsgebundenen Verwaltungsverfahren - wie in casu - bestimme der Inhalt des Antrags den Inhalt des Verfahrens. Sache des Berufungsverfahrens sei der Gegenstand des Verfahrens in der Vorinstanz, also jene Angelegenheit, die den Inhalt des Spruchs des angefochtenen Bescheides der Unterinstanz gebildet habe. Die Berufungsbehörde dürfe sachlich nicht über mehr absprechen als Gegenstand der Entscheidung der unteren Instanz gewesen sei. Soweit der vorstehend referierte Berufungsantrag über den verfahrenseinleitenden Antrag hinausgehe, sei der Berufungsbehörde folglich eine Sachentscheidung verwehrt. 16 Nachfolgend zu erörtern sei daher ausschließlich, ob die Befolgung der Weisung des Magistrats der Stadt W vom 14. Dezember 2017 betreffend fachärztlich-psychiatrische Begutachtung durch Dr. D zu den Dienstpflichten der Revisionswerberin zähle und ob diese Weisung rechtmäßig sei und ob die Dienstbehörde in dem angefochtenen Bescheid über diese Feststellungsanträge rechtmäßig abgesprochen habe. 17 Entscheidend hierfür sei die Sach- und Rechtslage, wie sie sich der Dienstbehörde im Zeitpunkt des Ausspruchs der bekämpften Weisung vom 14. Dezember 2017 dargestellt habe. 18 Die auf § 43 Oö StGBG 2002 gestützte Anordnung der Dienstbehörde, der Beamte möge sich einer amtsärztlichen, respektive fachärztlichen, Untersuchung zur Abklärung seines Gesundheitszustandes unterziehen, habe in Form einer Weisung zu ergehen. Unter einer Weisung sei allgemein eine generelle oder individuelle, abstrakte oder konkrete Norm zu verstehen, die an einen oder an eine Gruppe von dem Weisungsgeber untergeordneten Organwaltern ergehe. Sie sei ein interner Akt im Rahmen der Verwaltungsorganisation und an keine besonderen Formerfordernisse gebunden. Sie könne mündlich oder schriftlich ergehen (Hinweis auf VwGH 20.11.2003, 2002/09/0088). Gegenstand der Weisung sei ein bestimmtes Verhalten - ein Tun oder Unterlassen - des nachgeordneten Organs, welches dieses zu setzen verpflichtet sei (Hinweis auf VwGH 14.10.2013, 2013/12/0042). 19 Weisungen seien an keine besondere Form gebunden, was bedeute, dass auch ihre Erlassung an keine besondere Form gebunden sei. Sie könne mündlich oder schriftlich oder auch telefonisch erfolgen (Hinweis auf VwGH 20.11.2003, 2002/09/0088; 17.11.2004, 2001/09/0035). Schriftlich erteilte Weisungen könnten in weiterer Folge auch formfrei mündlich abgeändert werden (VwGH 21.2.1991, 90/09/0064). Weisungen könnten auch schlüssig erteilt werden (VwGH 30.5.2006, 2005/12/0205). 20 Eine Weisung müsse ferner nicht in Form eines Befehles ergehen, um verbindlich zu sein. Es reiche auch ein „Ersuchen“ oder „Gebetenwerden“ durch den Dienstvorgesetzten, wenn aus dem Zusammenhang klar hervorgehe, an wen es sich richte und dass sein Inhalt unbeachtet der gewählten Formulierung bei verständiger Würdigung nur als Festlegung einer Pflicht verstanden werden könne. Für diese Beurteilung seien die Umstände des jeweiligen Einzelfalls maßgeblich (VwGH 20.11.2003, 2002/09/0088; 17.11.2004, 2001/09/0035). 21 Da das Gesetz keine besonderen Formerfordernisse statuiere, würden diese Grundsätze auch für die in casu einschlägige Aufforderung gemäß § 43 Oö StGBG 2002 gelten, dass der Beamte sich einer ärztlichen Untersuchung zu unterziehen habe. 22 Seien dienstliche Weisungen erkennbar erteilt, so seien sie grundsätzlich bindend und könnten nicht aus eigener Beurteilung als ungerechtfertigt oder unzumutbar zurückgewiesen werden. Ungehorsam drücke sich normalerweise in der gezielten Ablehnung oder in der nachlässigen Außerachtlassung einer Anordnung aufgrund bedingten Vorsatzes oder Fahrlässigkeit aus. Dabei komme es nicht darauf an, aus welchen persönlichen oder sachlichen Gründen die Befolgung der Weisung unterlassen werde, ob aus Bequemlichkeit, Gleichgültigkeit, Vergesslichkeit, sachlicher Kritik an der Zweckmäßigkeit, Rechthaberei, wegen Unzumutbarkeit oder Ähnlichem. Von der Verpflichtung zur Befolgung von Weisungen des Vorgesetzten sei der Beamte nur dann frei, wenn es sich um die Weisung eines unzuständigen Organs oder um eine Weisung handle, deren Befolgung gegen strafgesetzliche Vorschriften verstieße (VwGH 21.6.2000, 99/09/0028). 23 Ob außer den Fällen der Unzuständigkeit und der Strafgesetzwidrigkeit die Weisung gesetzmäßig sei, obliege der Letztbeurteilung des Weisungsgebers. Zwar könne der Weisungsempfänger im Rahmen des Remonstrationsrechts seine Bedenken vortragen, bei Fortdauer der Meinungsverschiedenheit sei aber die Rechtsauffassung des vorgesetzten Organs maßgeblich und die Weisung zu befolgen (Hinweis auf Mayer/Muzak, B-VG, 5. Auflage, Art. 20 B-VG III.2., unter Hinweis auf VwGH 22.5.2012, 2011/12/0170). 24 Die Dienstbehörde sei auch berechtigt, einen Beamten aus sachlichen Gründen vorübergehend unter erhöhte Kontrolle zu stellen (Hinweis auf VwGH 19.12.2001, 98/12/0139, betreffend die Anordnung einer ärztlichen Untersuchung). 25 Wenn die Revisionswerberin moniere, die Dienstbehörde hätte sich bei einer Anordnung gemäß § 43 Oö StGBG 2002 auf eine bestimmte Gesetzesstelle oder gar auf ein bestimmtes von mehreren alternativen Tatbestandsmerkmalen zu stützen, so sei dem im Lichte der grundsätzlichen Formfreiheit von Weisungen entgegen zu halten, dass eine Weisung bereits dann wirksam und rechtmäßig erteilt sei, wenn sie ihrem Inhalt nach in der Rechtsordnung - insbesondere im Dienstrecht - Deckung finde, und zwar ungeachtet der im Einzelnen gewählten Formulierung oder der allfälligen Angabe einer gesetzlichen Grundlage. Das Vorbringen der Revisionswerberin, mangels Offenlegung eines bestimmten Untersuchungszwecks und einer genau erkennbaren Gesetzesgrundlage habe die Aufforderung, sich einer ärztlichen Untersuchung zu unterziehen, keine Verpflichtung für die Revisionswerberin begründet, sei daher als verfehlt zu qualifizieren. 26 Eine Weisung wäre dementsprechend auch nicht schon deshalb rechtswidrig, hätte die Dienstbehörde sich irrtümlich auf eine unrichtige Gesetzesstelle bezogen, wenn die Weisung aus einem anderen Rechtsgrund gedeckt sei. Bei Meinungsverschiedenheiten zwischen der Dienstbehörde und dem Beamten, die sich - wie in casu - über einen längeren Zeitraum erstreckten, sei es freilich auch nicht auszuschließen und rechtlich nicht zu beanstanden, wenn eine bestimmte Weisung zunächst aus dem einen Rechtsgrund und diese Weisung dann zu einem späteren Zeitpunkt aus einem anderen Rechtsgrund erteilt worden sei oder durch einen anderen Rechtsgrund gedeckt werde. Wenn die Revisionswerberin insinuiere, durch eine von ihr behauptete wechselnde Bezugnahme der weisungserteilenden Stelle auf verschiedene „Falltypen“ gemäß § 43 Oö StGBG 2002 sei die Rechtswidrigkeit oder Willkür der einschlägigen Weisungen indiziert, vermöge sie daher eine Rechtswidrigkeit des angefochtenen Bescheides nicht aufzuzeigen. 27 Im Übrigen bestimme sich der Inhalt einer Weisung nicht nach ihrer äußeren Erscheinungsform oder nach ihrer Begründung, sondern nach ihrem normativen Gehalt; anders gewendet, aus der behördlichen Äußerung müsse erkennbar sein, welches Verhalten die Dienstbehörde von dem Beamten im Einzelnen begehre, also welche ihrem Grunde nach im Gesetz angelegte Dienstpflicht des Beamten die Behörde im konkreten Fall durch ihre Enunziation abrufe und auftrage. 28 Dabei komme es - wie auch sonst bei der Auslegung öffentlich-rechtlicher Erklärungen von Verwaltungsorganen - auf den objektiven Erklärungswert der Äußerung an. Eine Weisung sei so zu verstehen, wie sie ein redlicher und verständiger Erklärungsempfänger in der Situation und mit Wissen des Adressaten in der jeweiligen Situation zu verstehen gehabt habe (Hinweis auf VwGH 27.8.2002, 2002/10/0120; 20.11.2003, 2002/09/0088). In dem Schreiben vom 11. Oktober 2017 habe die Dienstbehörde ausdrücklich Bezug auf die zuletzt durchgeführte amtsärztliche Untersuchung zur Feststellung der Dienstfähigkeit der Revisionswerberin genommen, welche kein abschließendes Ergebnis gebracht habe, und es sei in der Folge von der Amtsärztin die Einholung eines psychiatrischen Fachgutachtens für notwendig erachtet worden. Begründend habe sich die Dienstbehörde weiters auf die jüngste krankheitsbedingte Dienstverhinderung der Revisionswerberin bezogen und abschließend mitgeteilt, dass die Revisionswerberin in den kommenden Tagen zwecks Abschlusses der amtsärztlichen Untersuchung eine Einladung von Dr. D erhalten werde. 29 Bei diesem Schreiben handle es sich entgegen dem Vorbringen der Revisionswerberin mitnichten um eine bloße Mitteilung oder unverbindliche Einladung, sondern erkennbar um die Anordnung der Dienstbehörde, die Revisionswerberin möge sich zwecks Abschlusses der ärztlichen Begutachtung im Hinblick auf ihre Dienstfähigkeit einer fachärztlich-psychiatrischen Begutachtung durch den namhaft gemachten Vertrauensarzt der Dienstbehörde unterziehen. Darin liege nach dem objektiven Erklärungswert der normative Gehalt des Schreibens und sei dieses daher unzweifelhaft als - schriftliche - Weisung zu qualifizieren. 30 Wie die Dienstbehörde in ihrem Schreiben vom 14. Dezember 2017 zutreffend festgehalten habe, ändere es nichts am normativen Charakter einer Weisung, wenn diese den Umgangsformen entsprechend in höfliche Worte gekleidet und beispielsweise als Ersuchen oder Bitte tituliert werde (Hinweis auf VwGH 30.5.2006, 2005/12/0205; 17.11.2004, 2001/09/0035). Wie die Revisionswerberin zur Auffassung gelange, es handle sich bei dem Schreiben vom 11. Oktober 2017 überhaupt um keine pflichtenbegründende Anordnung, sei der erkennenden Behörde nicht nachvollziehbar. 31 Die durch die jeweilige Weisung nach ihrem objektiven Erklärungswert festgelegte Dienstpflicht sei in weiterer Folge auch maßgeblich für die Beurteilung, ob eine - auf Betreiben des Beamten - in derselben Sache ergangene Erklärung der Dienstbehörde als Wiederholung und Bekräftigung der zuvor ausgesprochenen Dienstpflicht zu verstehen sei oder aber gegenüber der bisherigen Weisung ein „aliud“ bilde und eine neue Dienstpflicht festlege oder eine bestehende Dienstpflicht abändere. 32 In ihrem vorgenannten Schreiben vom 14. Dezember 2017 habe die Dienstbehörde über Remonstration der Revisionswerberin nochmals ausdrücklich festgehalten, dass ihre Aufforderung vom 11. Oktober 2017 aufrecht bleibe und die Revisionswerberin sich gemäß § 43 Oö StGBG 2002 einer fachärztlichen Untersuchung durch Dr. D zu unterziehen habe. Begründend habe die Dienstbehörde hiebei im Wesentlichen auf die bisherige Krankenstandshistorie verwiesen, aus der sich evident berechtigte Zweifel an der Dienstfähigkeit der Revisionswerberin ergäben. 33 Nach dem objektiven Erklärungswert dieses Schreibens habe die Dienstbehörde die Revisionswerberin damit erneut aufgefordert, sie möge sich zwecks Abschlusses der ärztlichen Begutachtung im Hinblick auf ihre Dienstfähigkeit einer fachärztlich-psychiatrischen Begutachtung durch den namhaft gemachten Vertrauensarzt der Dienstbehörde unterziehen. Anders gewendet, durch das Schreiben vom 14. Dezember 2017 sei dieselbe Dienstpflicht ausgesprochen worden wie durch das Schreiben vom 11. Oktober 2017. Wie die Revisionswerberin zur Annahme gelange, durch die Weisung vom 14. Dezember 2017 sei keine Weisung, insbesondere nicht jene vom 11. Oktober 2017, wiederholt worden, sei nicht nachvollziehbar. Der normative Gehalt der beiden Schreiben sei ident. 34 Obgleich es für die Beurteilung der Identität mehrerer in derselben Sache ergehender Weisungen nicht entscheidend auf deren Begründung ankomme (siehe oben), sei im Interesse der Vollständigkeit angemerkt, dass die Dienstbehörde entgegen dem Vorbringen der Revisionswerberin zwischen dem Schreiben vom 11. Oktober 2017 und dem Schreiben vom 14. Dezember 2017 keinen Schwenk zwischen verschiedenen „Falltypen“ gemäß § 43 Oö StGBG 2002 vollzogen habe, sondern sich da wie dort auf die ärztlich-psychiatrische Abklärung der Dienstfähigkeit der Revisionswerberin bezogen habe, möge die Revisionswerberin auch im Zeitpunkt der erstmaligen Weisungserteilung aktuell krankheitsbedingt dienstverhindert gewesen sein und im Zeitpunkt der Weisungswiederholung nicht (mehr). 35 In dem Schreiben der Dienstbehörde vom 11. Oktober 2017 werde als Untersuchungszweck der „Abschluss der amtsärztlichen Untersuchung“ angeführt, dies im Lichte der bisherigen Krankengeschichte und der zu diesem Zeitpunkt jüngsten krankheitsbedingten Dienstverhinderungen. In dem Schreiben der Dienstbehörde vom 14. Dezember 2017 werde auf „berechtigte Zweifel gemäß § 43 Oö StGBG 2002 an der körperlichen und geistigen Eignung für deren Verwendung“ verwiesen. In dem nunmehr angefochtenen Bescheid der Behörde erster Instanz werde Bezug genommen auf den Wortlaut der Krankenstandsbescheinigungen, wonach die Revisionswerberin stets bis auf Weiteres dienstunfähig sei, sowie auf die „lange Krankenstandsdauer im Zeitraum 22. August 2016 bis 15. August 2017“. Von einem „Auswechseln“ der Untersuchungsgründe könne daher keine Rede sein. 36 Mit Zugang des Schreibens vom 14. Dezember 2017 sei das Remonstrationsrecht der Revisionswerberin daher ausgeschöpft gewesen und sie habe spätestens ab diesem Zeitpunkt der schriftlich wiederholten Weisung Folge zu leisten gehabt. Bei Fortdauer der Meinungsverschiedenheit sei die Rechtsauffassung des vorgesetzten Organes maßgeblich und die Weisung zu befolgen. Eine weitere - mit suspensiver Wirkung ausgestattete - Remonstration (§ 36 Oö StGBG 2002) komme nicht mehr in Betracht, auch wenn die Revisionswerberin durch ihren Antrag auf bescheidmäßigen Abspruch und in ihrer Berufung derartiges zu konstruieren suche. 37 Dass das gegenständliche Feststellungsverfahren die Verpflichtung der Revisionswerberin zur Weisungsbefolgung nicht hinausschiebe, habe die Dienstbehörde der Revisionswerberin zur Vermeidung von Missverständnissen mit Schreiben vom 23. Jänner 2018 auch ausdrücklich mitgeteilt und in diesem Schreiben ihre Weisung durch Festsetzung eines neuen Untersuchungstermines - zum zweiten Male - schriftlich wiederholt und bekräftigt. 38 Den für 22. Jänner 2018 angesetzten Untersuchungstermin bei Dr. D habe die Revisionswerberin unentschuldigt nicht wahrgenommen. Spätestens ab diesem Zeitpunkt - sofern man unter Zugrundelegung einer restriktiven Betrachtungsweise nicht bereits eine rechtsmissbräuchliche Inanspruchnahme des Remonstrationsrechts annehme, welche von Vornherein eine suspensive Wirkung nicht zu entfalten vermöge (Hinweis auf VwGH 15.9.2004, 2001/09/0023) - sei das Verhalten der Revisionswerberin als Ungehorsam zu qualifizieren (Hinweis auf VwGH 21.6.2000, 99/09/0028). 39 Gemäß § 43 Oö StGBG 2002 sei die Dienstbehörde unter anderem dann berechtigt, eine amtsärztliche Untersuchung des Beamten einschließlich Begutachtung durch einen Facharzt des Vertrauens der Dienstbehörde anzuordnen, wenn die Dienstfähigkeit des Beamten im Falle seiner Dienstverhinderung abgeklärt werden solle, oder wenn seine körperliche und geistige Eignung für seine Verwendung untersucht werden solle, wenn und weil berechtigte Zweifel daran bestünden. Wie ausführlich dargestellt und im Akt dokumentiert sei die Revisionswerberin zwischen 22. August 2016 und 15. August 2017 geschlossen 359 Tage sowie - in Ansehung der Weisungen der Dienstbehörde vom 11. Oktober 2017 und 14. Dezember 2017 - zuletzt von 3. bis 23. Oktober 2017 krankheitsbedingt am Dienst verhindert gewesen. Die Krankmeldungen der Revisionswerberin seien jeweils „bis auf weiteres“ erfolgt, ohne Angabe einer auch nur ungefähren Prognose über den zu erwartenden Krankheits- und Heilungsverlauf. Laut gutachterlicher Stellungnahme der Amtsärztin vom 23. Jänner 2017 leide die Revisionswerberin an einer Erkrankung aus dem psychiatrischen Formenkreis und sei zum Untersuchungszeitpunkt nicht dienstfähig sowie ihre Merkfähigkeit, Konzentration und psychische Belastbarkeit durch diese Erkrankung beeinträchtigt gewesen. 40 Mit fachärztlicher Bestätigung vom 24. März 2017 habe Univ.-Prof. Dr. W mitgeteilt, dass die Revisionswerberin wegen komplex-kombinierter physischer und psychischer Beschwerdesymptome in regelmäßiger und engmaschiger Behandlung und Betreuung stehe. Über Auftrag der Dienstbehörde an die Amtsärztin, eine Kontrolluntersuchung durchzuführen, habe diese mitgeteilt, dass zur Fertigstellung des amtsärztlichen Gutachtens ein psychiatrisches Fachgutachten zu veranlassen sei. 41 Nach ihrem Arbeitsversuch am 16. August 2017 teilte die Revisionswerberin mit E-Mail vom 17. August 2017 mit, dass es seit dem Vortag eine drastische Verschlechterung der Symptome gebe und sie im Austausch mit ihrem behandelnden Arzt stehe. 42 Diese Umstände indizierten substantiierte und auf konkreten Anhaltspunkten beruhende - und damit im Sinne von § 43 Oö StGBG 2002 „berechtigte“ - Zweifel, ob die Revisionswerberin in ihrer Verwendung (als juristische Referentin gemäß FL11 der Einreihungsverordnung 2002) im Dienst der Stadt W mittel- bis langfristig geeignet sei. Die genannten Umstände legten ferner nahe, dass die Gesundheitsbeeinträchtigung der Revisionswerberin auf eine Erkrankung aus dem psychiatrischen Formenkreis zurückzuführen sei. Das Erfordernis einer ergänzenden fachärztlich-psychiatrischen Abklärung ergebe sich aus der gutachterlichen Stellungnahme der Amtsärztin. Die Dienstunfähigkeit der Revisionswerberin aus psychiatrischer Sicht sei zuletzt durch die Krankmeldung vom 3. Oktober 2017 bekräftigt worden, worauf die Dienstbehörde mit ihrer Aufforderung vom 11. Oktober 2017 betreffend fachärztlicher Untersuchung durch Dr. D reagiert habe. 43 Auch aus dem zwischen 11. Oktober 2017 und 14. Dezember 2017 (Wiederholung der Weisung) verstrichenen Zeitraum seien keine Anhaltspunkte ersichtlich, die auf eine wesentliche Änderung des Sachverhalts (insbesondere des Gesundheitszustandes der Revisionswerberin) schließen ließen oder nahelegten, dass eine fachärztlich-psychiatrische Begutachtung nicht mehr erforderlich sei. 44 Wenn die Revisionswerberin moniere, jeglicher Krankenstand werde von der Dienstbehörde automatisch mit demselben Krankheitsbild unterlegt, „ohne auf die Idee zu kommen, dass der Dienstnehmer auch einfach einmal eine Grippe, Wirbelsäulenprobleme, Lungenprobleme oder gynäkologische Probleme, etc hätte haben können“, so sei dem entgegen zu halten, dass die Revisionswerberin zu keinem Zeitpunkt ein entsprechendes Vorbringen erstattet habe und sich aus dem fortlaufenden Verweis in den Krankenstandsbescheinigungen auf neuerliche Befunde von Univ.-Prof. Dr. W, Facharzt für Psychiatrie und Neurologie, selbstverständlich die Vermutung aufdränge, dass die jeweils gegenständliche krankheitsbedingte Dienstverhinderung der Revisionswerberin abermals und weiterhin auf psychiatrisch-neurologische Gründe zurückzuführen sei. 45 Aufgrund der augenscheinlichen Sachlage sei die Dienstbehörde daher jedenfalls berechtigt gewesen, in Wiederholung ihrer Weisung vom 11. Oktober 2017 durch die gegenständlich angefochtene Weisung vom 14. Dezember 2017 der Revisionswerberin aufzutragen, sie möge sich gemäß § 43 Oö StGBG 2002 zwecks Abschlusses der amtsärztlichen Untersuchung in Hinblick auf ihre Dienstfähigkeit einer fachärztlich-psychiatrischen Untersuchung durch den namhaft gemachten Vertrauensarzt der Dienstbehörde unterziehen. Schon aufgrund dieser Sachlage erübrige sich ein Eingehen auf den - wiederholten - Vorwurf, die Aufforderung zur fachärztlich-psychiatrischen Untersuchung sei aus sachfremden Motiven ergangen, willkürlich oder schikanös. 46 Aus Gründen der Vollständigkeit sei auf die einschlägige höchstgerichtliche Rechtsprechung hingewiesen, derzufolge hinsichtlich der Willkürlichkeit einer Weisung, welche die Befolgungspflicht bzw. Rechtswirksamkeit der erteilten Weisung berührte - ausschließlich eine Grobprüfung stattzufinden habe (Hinweis auf VwGH 17.10.2008, 2007/12/0049; 2007/12/0199; 27.6.2012, 2011/12/0060). 47 Auf dem Boden der im Akt dokumentierten Krankenstandshistorie der Revisionswerberin ergebe sich aus Sicht der erkennenden Behörde zweifelsfrei, dass die Dienstbehörde sich bei Erteilung der angefochtenen Weisung auf konkrete Anhaltspunkte habe stützten können, welche eine psychiatrische Erkrankung der Revisionswerberin in den Raum stellten. Es bleibe daher entgegen dem Berufungsvorbringen auch kein Raum für die Annahme, die Revisionswerberin hätte die gegenständlich angefochtene Weisung nicht zu befolgen gehabt. 48 Der Vorwurf der Unsachlichkeit, Willkür und Schikane sei im Übrigen schon von Beginn an im Zusammenhang mit der Abberufung der Revisionswerberin von ihrer Funktion als Magistratsdirektorin der Stadt W erhoben worden. Zu den Anwürfen im Hinblick auf das aktuelle Verfahren sei in Kürze festgehalten, dass die Richtigkeit „medial vertretener Thesen“ nicht Gegenstand dieses Verfahrens und auch nicht beurteilungserheblich sei. Auch sonst seien die Einwände der Revisionswerberin gegen die Führung des gegenständlichen Verfahrens unbegründet, es werde durch diese insbesondere auch keine Rechtswidrigkeit des angefochtenen Bescheides aufgezeigt. 49 Zusammenfassend sei das Berufungsvorbringen nicht geeignet, eine Rechtswidrigkeit des angefochtenen Bescheides aufzuzeigen und hätten sich auch sonst von Amts wegen keine Zweifel an dessen Rechtmäßigkeit ergeben. 50 Aus Anlass der von der Revisionswerberin gegen diesen Bescheid des Stadtsenates der Stadt W erhobenen Beschwerde sprach dieser in seiner Beschwerdevorentscheidung vom 18. September 2018 in Spruchpunkt I. aus, es werde festgestellt, dass die Weisung der Dienstbehörde vom 14. Dezember 2017 betreffend fachärztliche Untersuchung rechtmäßig gewesen sei und dass die Befolgung dieser Weisung zu den Dienstpflichten der Revisionswerberin gezählt habe. In Spruchpunkt II. wurde die Beschwerde im Übrigen als unbegründet abgewiesen. 51 Dieser Bescheid stimmt im Wesentlichen mit dem Bescheid vom 26. Juni 2018 überein, mit der Abweichung, dass ausgeführt wurde, die gegenständliche Beschwerde gegen den Berufungsbescheid vom 26. Juni 2018 sei am 27. Juli 2018 eingelangt. Nach deren Einlangen an das Landesverwaltungsgericht habe sich der entscheidungswesentliche Sachverhalt insofern geändert, als mit Schreiben des Magistratsdirektors vom 1. August 2018 der Revisionswerberin mitgeteilt worden sei, angesichts des nunmehrigen positiven Verwendungserfolges und des Umstandes, dass bei der Revisionswerberin seit 24. Oktober 2017 keine krankheitsbedingten Fehlzeiten mehr aufgelaufen seien, sei zur Beurteilung der Dienstfähigkeit der Revisionswerberin keine ergänzende fachärztlich-psychiatrische Untersuchung mehr erforderlich. 52 Die wirksam ausgesprochene Dienstpflicht der Revisionswerberin, sich der gegenständlichen fachärztlich-psychiatrischen Untersuchung durch den Vertrauensarzt der Dienstbehörde zu unterziehen, bestehe daher jedenfalls mit Zugang des Schreibens vom 1. August 2018 nicht länger. Während zunächst nach den Umständen eine Gesundheitsbeeinträchtigung der Revisionswerberin infolge einer Erkrankung aus dem neurologisch-psychiatrischen Formenkreis mit Auswirkungen auf die Dienstfähigkeit der Revisionswerberin mit guten Gründen habe angenommen werden dürfen und während eines anschließenden Beobachtungszeitraums ein Fortbestehen der Erkrankung oder ein schleichender Krankheitsverlauf nicht auszuschließen gewesen sei, spreche das nunmehrige Gesamtbild unter besonderer Berücksichtigung des positiven Verwendungserfolgs der Revisionswerberin und der durchgehenden Dienstverrichtung ohne krankheitsbedingte Fehlzeiten dafür, dass Zweifel an der Dienstfähigkeit der Revisionswerberin gemäß § 43 Oö StGBG 2002 aus gegenwärtiger Sicht nicht bestünden. 53 Ob eine Gesundheitsbeeinträchtigung der Revisionswerberin infolge einer Erkrankung aus dem neurologisch-psychiatrischen Formenkreis vorliege (oder vorgelegen sei) oder nicht, sei aus gegenwärtiger Sicht durch die Dienstbehörde medizinisch nicht weiter abzuklären, weil die Dienstbehörde zur Veranlassung einer fachärztlich-psychiatrischen Abklärung im hier interessierenden Bereich nur dann berechtigt (und im Rahmen der Fürsorgepflicht verpflichtet) sei, wenn sich hieraus aufgrund konkreter Anhaltspunkte Zweifel an der Dienstfähigkeit des Beamten ergäben. Im Lichte der zwischenzeitigen Entwicklung der Sachlage sei auf dem Boden von § 43 Oö StGBG 2002 daher von einer weiteren Veranlassung einer fachärztlich-psychiatrischen Untersuchung der Revisionswerberin Abstand zu nehmen, zumal auch nach Einschätzung der Amtsärztin eine solche Begutachtung derzeit nicht erforderlich sei. 54 Durch den bekämpften Berufungsbescheid sei die Berufung gegen den Feststellungsbescheid der Behörde erster Instanz als unbegründet abgewiesen und damit grundsätzlich ein inhaltlich gleichlautender Spruch erlassen, also festgestellt worden, dass die gegenständlich angefochtene Weisung rechtmäßig und von der Revisionswerberin zu befolgen sei. Zwischenzeitig sei durch Schreiben vom 1. August 2018 die Dienstpflicht der Revisionswerberin betreffend fachärztlich-psychiatrischer Untersuchung mit Wirkung ex nunc aufgehoben worden. 55 Das Verwaltungsgericht habe seiner Entscheidung über Bescheidbeschwerden die Sach- und Rechtslage im Zeitpunkt seiner Entscheidung zugrunde zu legen. Im Zeitpunkt der Entscheidung durch das angerufene Landesverwaltungsgericht würde die Befolgung der Weisung vom 14. Dezember 2017 aktuell nicht (mehr) zu den Dienstpflichten der Revisionswerberin zählen. 56 Vor diesem Hintergrund habe die Berufungsbehörde auf die zwischenzeitig eingetretene Änderung des Sachverhalts Bedacht zu nehmen und es sei der Spruch des angefochtenen Berufungsbescheides in zeitlicher Hinsicht dahin einzuschränken und zu konkretisieren gewesen, dass die verfahrensgegenständliche Weisung vom 14. Dezember 2017 rechtmäßig und von der Revisionswerberin zu befolgen gewesen sei, infolge Aufhebung der Weisung gegenwärtig aber keine Befolgungspflicht mehr bestehe. 57 Für den zwischen dem Ausspruch der Weisung vom 14. Dezember 2017 und ihrer Aufhebung liegenden Zeitraum ergebe sich aus diesem Umstand freilich keine abweichende rechtliche Beurteilung und seien die im angefochtenen Berufungsbescheid angestellten Erwägungen weiterhin maßgeblich. Dem stehe nicht entgegen, dass die Revisionswerberin dem Schreiben des Magistratsdirektors vom 1. August 2018 offenbar einen anderen Bedeutungsgehalt zusinne. Im Übrigen sei das Begehren der Revisionswerberin daher als unbegründet abzuweisen gewesen. 58 Über Vorlageantrag der Revisionswerberin wies das Landesverwaltungsgericht Oberösterreich mit dem angefochtenen Erkenntnis die Beschwerde der Revisionswerberin ab und sprach aus, dass eine Revision gegen dieses Erkenntnis unzulässig sei. 59 Dabei ging das Verwaltungsgericht von einem im Wesentlichen übereinstimmenden Sachverhalt wie der Stadtsenat W in der Beschwerdevorentscheidung vom 18. September 2018 aus. In rechtlicher Hinsicht führte es aus, aus dem im Beschwerdefall vorliegenden Charakter der Schreiben vom 11. Oktober und 14. Dezember 2017 folge, dass in Bezug auf diese Weisung, die allgemein im Zusammenhang mit Weisungen zulässigen Feststellungsbescheide, nämlich betreffend die (fehlende) Befolgungspflicht (Wirksamkeit) derselben bzw. betreffend ihre Unrechtmäßigkeit infolge Verletzung subjektiver Rechte zulässig seien (Hinweis auf VwGH 17.10.2008, 2007/12/0199; 1.3.2012, 2011/12/0104, mwN). Die Zulässigkeit des bekämpften Feststellungsbescheides sei von den Parteien des verwaltungsgerichtlichen Verfahrens im Übrigen nicht in Zweifel gezogen worden. 60 Weiter gelte es vorweg zu klären, ob das Schreiben vom 11. Oktober 2017 als Weisung zu erkennen sei. Der Begriff der Weisung sei weder in Art. 20 Abs. 1 B-VG noch im Oö StGBG 2002 geregelt, sondern begrifflich vorausgesetzt. Unter einer Weisung sei eine von einem Verwaltungsorgan erlassene normative Anordnung an ein nachgeordnetes Organ zu verstehen. Eine solche Verhaltensanordnung fehle, wenn bloß Umstände und Sichtweisen betreffend eine Situation mitgeteilt würden. Gegenstand der Weisung könne nur das Verhalten eines nachgeordneten Organs - sohin ein Tun oder Unterlassen - sein (Hinweis auf VwGH 14.10.2013, 2013/12/0042). Die Weisung sei ein interner Akt im Rahmen der Verwaltungsorganisation und an keine besonderen Formerfordernisse gebunden (VwGH 12.11.2013, 2012/09/0057). Eine Weisung liege aber nur vor, wenn sie einen normativen Gehalt aufweise (Hinweis auf VwGH 4.4.2001, 99/09/0138). Sie könne mündlich oder schriftlich ergehen (Hinweis auf VwGH 26.6.1997, 95/09/0230). 61 Blicke man nun auf das Schreiben der Dienstbehörde vom 11. Oktober 2017, so sei zu erkennen, dass sowohl bloß mitteilende als auch anordnende Inhalte transportiert würden. Einerseits werde festgehalten, dass die Erstellung eines psychiatrischen Fachgutachtens für die Feststellung der Dienstfähigkeit notwendig sei und seitens des Dienstgebers für die Gutachtenserstellung bereits Dr. D beauftragt worden sei. Anschließend werde mitgeteilt, dass die Revisionswerberin in den kommenden Tagen eine „Einladung“ zur Untersuchung von der Ordination erhalten werde. Hierin sei in Zusammenschau mit der Mitteilung der Notwendigkeit der Untersuchung und der bereits erfolgten Beauftragung des Arztes eine Verhaltensanordnung zu erkennen, auch wenn dies als „Einladung“ bezeichnet werde. Lediglich im Aspekt der Terminkoordination selbst, mit anderen Worten, wann die anzutretende Untersuchung durchzuführen sei, vermöge vom Landesverwaltungsgericht Oberösterreich keine Verhaltensanordnung für einen bestimmten Tag erkannt werden. 62 Gegen diese Weisung habe die Revisionswerberin remonstriert. Unabhängig davon, ob ein Wechsel in den Gründen im Schreiben vom 14. Dezember 2017 erfolgt sei, habe die Dienstbehörde die Weisung vom 11. Oktober 2017 wiederholt. Die Weisung sei daher aufrecht. 63 Gegenstand eines Weisungen betreffenden Feststellungsverfahrens könne einerseits die Frage sein, ob die Befolgung einer Weisung zu den Dienstpflichten des Beamten gehöre, das heiße, ob er verpflichtet sei, diese Weisung zu befolgen. Eine Pflicht zur Befolgung einer Weisung sei zu verneinen, wenn einer der in Art. 20 Abs. 1 dritter Satz B-VG genannten Tatbestände vorliege, wenn die Weisung entgegen § 36 Abs. 4 Oö StGBG 2002 nicht schriftlich erteilt (wiederholt) worden sei oder wenn die Erteilung der Weisung gegen das Willkürverbot verstoße. Andererseits könne Gegenstand eines Feststellungsverfahrens aber auch die „schlichte“ Rechtswidrigkeit der Weisung sein, also eine, die die Pflicht zu ihrer Befolgung nicht berühre. Ein Recht auf eine solche bescheidförmige Feststellung der Rechtmäßigkeit von Dienstaufträgen bestehe jedoch bloß dann, wenn durch einen Dienstauftrag die Rechtssphäre des Beamten berührt werde (Hinweis auf VwGH 27.9.2011, 2010/12/0184; 30.5.2017, Ra 2016/12/0066). 64 Im vorliegenden Fall habe die Revisionswerberin sowohl die Feststellung der „schlichten“ Rechtswidrigkeit der beschwerdegegenständlichen Weisung als auch die „Klarstellung“, dass die Befolgung der Weisung nicht zu den Dienstpflichten gezählt habe, begehrt. 65 Die Feststellung, wonach die Befolgung einer Weisung nicht zu den Dienstpflichten eines Beamten zähle, bedeute (ausschließlich), dass in Ansehung der Weisung keine Befolgungspflicht bestehe. Der Befolgungspflicht stehe die Unwirksamkeit der Weisung entgegen (Hinweis auf VwGH 17.10.2011, 2010/12/0157). Neben dem Außerkrafttreten der Weisung infolge Remonstration wäre dies - wie bereits dargelegt - eben dann der Fall, wenn sie von einem unzuständigen Organ erteilt worden sei, ihre Befolgung gegen strafrechtlich Vorschriften verstoße oder dem weisungserteilenden Vorgesetzten „Willkür“ vorzuwerfen gewesen sei. Im Zweifel sei aber eine Weisung so auszulegen, dass sie nicht als unwirksam ins Leere gehe (Gebot der gesetzeskonformen Auslegung von Weisungen). 66 Dass die Weisung vom 11. Oktober 2017 nicht infolge der Remonstration der Revisionswerberin außer Kraft getreten sei, ergebe sich aus obigen Ausführungen. Eine Unzuständigkeit bzw. Strafgesetzwidrigkeit vermöge nicht erkannt werden. Im Hinblick auf die sogenannte Kategorie der Willkürweisung sei zunächst festzuhalten, dass darüber, welche Umstände vorliegen müssten, um Willkür anzulasten, keine allgemeine Aussage getroffen werden könne. Ob Willkür vorliege, könne nur dem Gesamtbild des Verhaltens der Behörde im Einzelfall entnommen werden. Ein willkürliches Verhalten liege nach der Rechtsprechung u.a. in der gehäuften Verkennung der Rechtslage, aber auch im Unterlassen jeglicher Ermittlungstätigkeit in einem entscheidenden Punkt oder dem Unterlassen eines ordnungsgemäßen Ermittlungsverfahrens überhaupt, insbesondere in Verbindung mit einem Ignorieren des Parteivorbringens und einem leichtfertigen Abgehen vom Inhalt der Akten oder dem Außerachtlassen des konkreten Sachverhalts. Entsprechendes gelte in Ansehung der Prüfung einer Weisung auf „Willkürlichkeit“ (Hinweis auf VwGH 22.5.2012, 2011/12/0170). 67 Entsprechend dem festgestellten Sachverhalt sei die Revisionswerberin vor Erteilung der Weisung über einen sehr langen Zeitraum hinweg krank gemeldet gewesen. Diese Krankmeldungen seien jeweils „bis auf Weiteres“ erfolgt. Der Umstand, dass die Revisionswerberin selbsttätig einen Arbeitsversuch durchgeführt habe, habe die attestierte Dienstunfähigkeit nicht automatisch beseitigt, sondern nur deren Dienstwilligkeit bescheinigt. Nach dem Arbeitsversuch sei es wiederum zu Krankmeldungen „bis auf Weiteres“ gekommen. Dass die Dienstbehörde mit der Weisung vom 11. Oktober 2017 insgesamt eher länger zugewartet habe, erkläre sich mit der Empfehlung der Amtsärztin vom 23. Jänner 2017, worin ausgeführt worden sei, dass die vorliegende Erkrankung üblicherweise eine ausreichend lange Behandlungsdauer benötige. Es liege sohin eine sachliche Begründung dafür vor, dass die Revisionswerberin einer ärztlichen Untersuchung gemäß § 43 Oö StGBG 2002 zugeführt werde. Eine genaue Zuordnung zu den Fallkategorien sei für die Prüfung der Willkür und sohin auch das Bestehen der daraus abgeleiteten Befolgungspflicht nicht notwendig. 68 Die Möglichkeit der Verletzung subjektiver Rechte der Revisionswerberin durch die hier in Rede stehende Weisung sei aber zweifelsfrei gegeben und im Rahmen einer Feinprüfung zu ergründen. § 43 Abs. 1 Z 1 Oö StGBG 2002 normiere, dass sich die Beamtin auf Anordnung der Dienstbehörde zur Feststellung der Dienstfähigkeit im Fall der Dienstverhinderung einer Untersuchung durch einen Amtsarzt oder einen Vertrauensarzt der Dienstbehörde zu unterziehen habe. Die Revisionswerberin sei unbestritten über einen längeren Zeitraum aufgrund von Krankheit am Dienst gehindert gewesen und habe selbsttätig den Dienst am 16. August 2017 wieder angetreten. Sie habe sich aber vom 5. September 2017 bis 14. September 2017 wieder im Krankenstand befunden. Ab dem 2. Oktober 2017 sei sie abermals mit der Begründung, sie sei bis auf Weiteres dienstunfähig, im Krankenstand gewesen. Mit Schreiben vom 11. Oktober 2017 sei die (erste) schriftliche Weisung erfolgt. Dass der kurzzeitige eigenmächtige Dienstantritt der Revisionswerberin die Dienstfähigkeit herbeigeführt habe, könne seitens des Landesverwaltungsgerichts nicht nachvollzogen werden. Vielmehr habe die Revisionswerberin durch dieses Verhalten ihre Dienstwilligkeit bekundet. Die Dienstfähigkeit sei - bei faktenbasierten Anhaltspunkten - im Wege des § 43 Abs. 1 Z 1 Oö StGBG 2002 durch einen Sachverständigen (= Arzt) festzustellen. Vor diesem Hintergrund vermöge daher keine Rechtswidrigkeit der Weisung vom 11. Oktober 2017 - wiederholt am 14. Dezember 2017 - erkannt werden, da entsprechend § 43 Abs. 1 Z 1 Oö StGBG 2002 gehandelt worden sei. 69 Zur Begründung der Unzulässigkeit der Revision führte das Landesverwaltungsgericht aus, es sei keine Rechtsfrage im Sinne des Art. 133 Abs. 4 B-VG zu beurteilen gewesen. So weiche die gegenständliche Entscheidung weder von der bisherigen, zuvor zitierten Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes hinsichtlich der Zulässigkeit eines Feststellungsantrags bzw. der Befolgungspflicht von Weisungen im Dienstrecht ab, noch sei die Rechtslage im konkreten Einzelfall unklar. Bei der Beurteilung des Inhalts der konkreten Weisung handle es sich um auf den Einzelfall bezogene Fragen, die es fallbezogen nicht erforderten, aus Gründen der Rechtssicherheit korrigierend einzugreifen. 70 Gegen dieses Erkenntnis richtet sich die vorliegende außerordentliche Revision mit dem Antrag, das angefochtene Erkenntnis wegen Rechtswidrigkeit des Inhaltes und Rechtswidrigkeit infolge Verletzung von Verfahrensvorschriften aufzuheben. 71 Zur Zulässigkeit der Revision wird im Wesentlichen ausgeführt, die primäre Frage laute, ob das Schreiben vom 11. Oktober 2017 als Weisung zu qualifizieren sei und falls ja, ob durch die Weisung vom 14. Dezember 2017 die Weisung vom 11. Oktober 2017 wiederholt worden oder eine geänderte neue Weisung erteilt worden sei. Sollte man vom Vorliegen einer Weisung beim ersten Schreiben ausgehen, sei zweifellos von einer neuen Weisung auszugehen. Das frühere Schreiben habe die Frage betroffen, ob der Krankenstand, der der amtsärztlichen Untersuchung vom 4. Juli 2017 zugrunde gelegen sei, gerechtfertigt gewesen sei, das spätere die Frage, ob die Revisionswerberin weiterhin für ihren Dienst geeignet sei, wodurch die Aufrechterhaltung ihres Dienstverhältnisses bzw. des Aktivstandes zum Thema gemacht worden sei. Die Meinung des Landesverwaltungsgerichts, dass im Hinblick darauf eine Weisungswiederholung gegeben sei, da es beide Male um eine ärztliche Untersuchung gegangen sei, sei unrichtig, weil die Rechtsgrundlagen unterschiedlich seien, nämlich einerseits die Z 1 des § 43 Abs. 1 Oö StGBG 2002 und andererseits die Z 2 dieses Gesetzesabsatzes. Da dem Betroffenen zugebilligt werden müsse, dass er die Frage der Rechtmäßigkeit nachprüfe und nachvollziehe, habe die Rechtsgrundlage wesentliche Bedeutung. Die grundsätzliche Bedeutung der Rechtsfrage sei unmittelbar evident, könne es doch immer wieder zu derartigen Konstellationen kommen, sodass eine höchstgerichtliche Darstellung auch für ähnliche Fälle richtungsweisende Bedeutung habe. 72 Dass bei unterschiedlichem Weisungsinhalt eine neuerliche Remonstration die Wirkung gehabt habe, dass die Weisung mangels schriftlicher Wiederholung als zurückgenommen angesehen werden müsse, sei kraft Gesetzes völlig klar. Unter diesem Gesichtspunkt liege in der Entscheidung auf Rechtmäßigkeit und Befolgungspflicht der Weisung eine weitere unmittelbare Gesetzwidrigkeit. 73 Weites wird gegen die Weisung neuerlich Willkür und Schikane eingewendet, Intention sei es gewesen, die Revisionswerberin „psychiatrieren zu lassen“. Dazu hätten Erhebungen durchgeführt und Feststellungen getroffen werden müssen. Das Landesverwaltungsgericht habe daher die Verpflichtung getroffen, diese Erhebungen zu führen und in Verbindung damit eine öffentliche Verhandlung abzuhalten. Dass es alldem nicht entsprochen habe, stelle eine Verletzung wesentlicher Verfahrensgrundsätze dar und es sei auch deshalb eine Zulässigkeit der Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG gegeben. 74 Mit diesem Vorbringen wird die Zulässigkeit der Revision nicht aufgezeigt. 75 Nach Art. 133 Abs. 4 B-VG ist gegen ein Erkenntnis des Verwaltungsgerichtes die Revision zulässig, wenn sie von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, insbesondere weil das Erkenntnis von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abweicht, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes nicht einheitlich beantwortet wird. 76 Nach § 34 Abs. 1 VwGG sind Revisionen, die sich wegen Nichtvorliegen der Voraussetzungen des Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zur Behandlung eignen, ohne weiteres Verfahren in nichtöffentlicher Sitzung mit Beschluss zurückzuweisen. 77 Hat das Verwaltungsgericht - wie im gegenständlichen Fall - ausgesprochen, dass die Revision nicht gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG zulässig ist, hat die Revision gemäß § 28 Abs. 3 VwGG auch gesondert die Gründe zu enthalten, aus denen entgegen dem Ausspruch des Verwaltungsgerichts die Revision für zulässig erachtet wird (außerordentliche Revision). 78 Nach § 34 Abs. 1a VwGG ist der Verwaltungsgerichtshof bei der Beurteilung der Zulässigkeit der Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG an den Ausspruch des Verwaltungsgerichtes gemäß § 25a Abs. 1 VwGG nicht gebunden. Die Zulässigkeit einer außerordentlichen Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG hat der Verwaltungsgerichtshof gemäß § 34 Abs. 1a zweiter Satz VwGG im Rahmen der dafür in der Revision vorgebrachten Gründe (§ 28 Abs. 3 VwGG) zu überprüfen. 79 § 43 Oö Statutargemeinden-Bedienstetengesetz 2002, LGBl. Nr. 50/2002 idF LGBl. Nr. 73/2008, lautet auszugsweise: „§ 43 Ärztliche Untersuchung (1) Der Beamte (Die Beamtin) hat sich auf Anordnung der Dienstbehörde einer Untersuchung durch eine(n) Amtsarzt(-ärztin) oder Vertrauensarzt(-ärztin) der Dienstbehörde zu unterziehen 1. zur Feststellung der Dienstfähigkeit im Fall der Dienstverhinderung, 2. zur Feststellung der körperlichen und geistigen Eignung für seine (ihre) Verwendung, wenn berechtigte Zweifel daran bestehen, oder ...“ 80 In der Zulässigkeitsbegründung der Revision wird zwar in Frage gestellt, dass das Schreiben vom 11. Oktober 2017 als Weisung zu qualifizieren sei. Es werden allerdings keinerlei Umstände angeführt, die dagegen sprächen, dass eine Weisung vorliegt. Die vom Landesverwaltungsgericht in diesem Zusammenhang vorgenommene einzelfallbezogene Qualifikation dieses Schreibens als Weisung erweist sich vor dem Hintergrund der in den Bescheiden des Stadtsenates der Stadt W vom 26. Juni 2018 und vom 18. September 2018 zitierten Rechtsprechung jedenfalls als vertretbar. Diese Weisung wurde im Schreiben vom 14. Dezember 2017 sodann auch ausdrücklich erteilt, sodass von einer Wiederholung der Weisung auszugehen ist. 81 Anders als die Revisionswerberin meint, muss in der Weisung nur der Auftrag an den nachgeordneten Beamten, ein bestimmtes Verhalten zu setzen, erteilt und dann wiederholt werden. Es bedarf schon deshalb keiner Angabe einer Rechtsgrundlage der Weisung, weil Weisungen keiner in ihr enthaltenen gesonderten Begründung bedürfen (vgl. z.B. VwGH 11.10.2007, 2006/12/0107, betreffend eine Dienstzuteilung gemäß § 91 Oö LBG; 22.10.1997, 96/12/0304, und 14.9.1994, 94/12/0060, betreffend eine Dienstzuteilungen gemäß § 39 Abs. 2 BDG 1979 mittels Dienstauftrags). Nur dort, wo das Dienstrecht überhaupt keine Rechtsgrundlage für eine Anordnung bietet, das heißt, wenn keine Dienstpflicht des untergeordneten Beamten besteht, die der Vorgesetze mit seiner Weisung denkbarerweise konkretisieren könnte, kann ein Vorgesetzter nicht einmal „abstrakt“ zuständig sein (vgl. VwGH 20.11.2018, Ra 2017/12/0123, mwN). Die Befolgungspflicht einer erteilten Weisung, gegen welche ordnungsgemäß remonstriert wurde, setzt erst mit ihrer schriftlichen Bestätigung ein. Für den Fall der schriftlichen Wiederholung der erteilten Weisung nach Remonstration gilt, dass beide Anordnungen eine Einheit bilden, somit in Wahrheit nur eine Weisung vorliegt (vgl. VwGH 22.4.2015, Ra 2014/12/0003, mwN). Es muss somit für die erteilte Weisung eine Rechtsgrundlage vorliegen. Diese muss weder in der Begründung der Weisung genannt werden, noch muss der Rechtsgrund in der zunächst erteilten und der dann wiederholten Weisung derselbe sein. Weisungsinhalt war im Revisionsfall, sich einer fachärztlichen-psychiatrischen Untersuchung beim Vertrauensarzt der Dienstbehörde zu unterziehen, die zunächst erteilt und über Remonstration der Revisionswerberin wiederholt wurde. Diese Weisung war daher von der Revisionswerberin unabhängig davon, ob sie durchgehend rechtens auf dieselbe Rechtsgrundlage gestützt werden konnte, zu befolgen. Dass keine Rechtsgrundlage vorgelegen wäre, behauptet auch die Revisionswerberin nicht. Sowohl am 11. Oktober 2017 als auch am 14. Dezember 2017 konnte die Weisung - entgegen dem Zulässigkeitsvorbringen - im Übrigen rechtens auf § 43 Abs. 1 Z 2 Oö StGBG 2002 (Feststellung der körperlichen und geistigen Eignung für die Verwendung, wenn berechtigte Zweifel daran bestehen) gestützt werden; dass die Z 1 leg. cit. (Feststellung der Dienstfähigkeit im Fall der Dienstverhinderung) zusätzlich als Rechtsgrundlage für das Schreiben vom 11. Oktober 2017 als Rechtsgrundlage in Frage kam, schadet nicht. 82 Soweit die Zulässigkeitsbegründung behauptet, die Weisung sei willkürlich erfolgt und habe Schikanecharakter, ist ihr zu entgegnen, dass die Beurteilung des Landesverwaltungsgerichts, dass die erteilte Weisung in § 43 Oö StGBG 2002 Deckung fand (s. oben), keinesfalls eine unvertretbare Beurteilung im Einzelfall darstellt, sodass der aufgeworfenen Frage schon deshalb keine grundsätzliche Bedeutung im Sinne des Art. 133 Abs. 4 B-VG zukommt. Auch dass sich gleichartige Fragen in anderen Fällen stellen könnten, bewirkt für sich allein nicht die Zulässigkeit der Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG. Im Übrigen ist festzuhalten, dass aufgrund der wiederholten Krankenstände, von denen einer sehr lange andauerte (359 Tage), und der ärztlichen Beurteilung, dass die Erkrankung der Revisionswerberin dem psychiatrischen Formenkreis zuzuordnen sei (vgl. amtsärztliches Gutachten vom 23. Jänner 2017), Gründe bestanden, die Untersuchung durch einen Facharzt der Psychiatrie anzuordnen. Lagen aber die Voraussetzungen des § 43 Abs. 1 Z 2 Oö StGBG 2002 vor, so war die Dienstbehörde verpflichtet, eine solche Untersuchung anzuordnen, ohne dass ihr in diesem Zusammenhang ein Ermessensspielraum zustand. Diesfalls spielt die subjektive Motivationslage des weisungserteilenden Vorgesetzten keine Rolle mehr, weil die Weisung dann auf Grund der objektiven Rechtslage geboten war und sie daher keinesfalls „nur aus subjektiven, in der Person des Beamten gelegenen Gründen“ im Verständnis des hg. Erkenntnisses vom 17. Oktober 2008, 2007/12/0049, ergangen wäre. 83 Das Vorbringen in der Zulässigkeitsbegründung, die fachärztliche Bestätigung vom März 2017 habe die Revisionswerberin ausschließlich dem Landesverwaltungsgericht Oberösterreich als Entschuldigung für die Nichtteilnahme an einer Verhandlung im April 2017 während des damals noch bestehenden Krankenstandes übermittelt und die Stadt W habe dieses in den Personalakt übernommen und entgegen dem auch strafrechtlich sanktionierten Verwendungsverbot höchstpersönlicher Dokumente des § 51 Datenschutzgesetz (im Zeitpunkt der Entscheidung des Verwaltungsgerichts § 63 Datenschutzgesetz, Anmerkung des Verwaltungsgerichtshofes) und dem Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofes vom 12. Dezember 2017, E 3249/2016, gegen sie verwendet, verstößt gegen das vor dem Verwaltungsgerichtshof geltende Neuerungsverbot und ist schon deshalb unbeachtlich. Im Übrigen ist für den Verwaltungsgerichtshof nicht ersichtlich, weshalb ein dem Verwaltungsgericht im Zweiparteienverfahren vorgelegtes Dokument von der gegnerischen Partei (Dienstbehörde) nicht in einem Verwaltungsverfahren verwendet werden dürfte. Zudem geht es im Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofes vom 12. Dezember 2017, E 3249/2016, um die Verletzung im Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens durch Abweisung eines Antrags auf Datenlöschung und Vernichtung sämtlicher bei einem Finanzamt aufbewahrter Akten wegen denkunmöglicher Annahme des Überwiegens des öffentlichen Interesses an der Aufbewahrung der Papierakten gegenüber dem Löschungsinteresse der Beschwerdeführerin, sodass dessen Aussagen im vorliegenden Fall nicht entscheidungserheblich sind. 84 Die rechtskundig vertretene Revisionswerberin hat in ihrer Beschwerde keinen Antrag auf Durchführung einer mündlichen Verhandlung gestellt und keine Einvernahme von Beweispersonen beantragt. Es bestand daher keine Pflicht gemäß Art. 6 EMRK - unabhängig davon, ob dieser ratione materiae hier anwendbar ist - eine Verhandlung durchzuführen. Sollte die Revisionswerberin die Unterlassung der amtswegigen Durchführung einer Verhandlung bzw. die Verletzung von § 24 VwGVG im Auge gehabt haben, so ist ihr zu entgegnen, dass eine Relevanz der behaupteten Verfahrensmängel im Sinne obiger Ausführungen nicht dargestellt wurde. Dies gilt auch betreffend die gerügte Nichtdurchführung von weiteren Erhebungen. Auch in diesem Zusammenhang wurde daher die Zulässigkeit der Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht aufgezeigt. 85 Im vorliegenden Zulässigkeitsvorbringen wurde somit eine Rechtsfrage im Sinne des Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht aufgeworfen. Die Revision war daher gemäß § 34 Abs. 1 VwGG zurückzuweisen. Wien, am 9. Juli 2020
JWT_2019120069_20200219L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019120069.L00
Ra 2019/12/0069
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019120069_20200219L00/JWT_2019120069_20200219L00.html
1,582,070,400,000
2,080
Spruch Die Revision wird zurückgewiesen. Begründung 1 Der Mitbeteiligte steht in einem öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis zum Bund und ist der Österreichischen Post Aktiengesellschaft zur Dienstleistung zugewiesen. Seine Dienststelle ist eine bestimmte Zustellbasis. 2 Mit dem angefochtenen Erkenntnis stellte das über Säumnisbeschwerde zuständig gewordene Bundesverwaltungsgericht nach Durchführung einer mündlichen Verhandlung fest, dass die am 13. Februar 2017 schriftlich wiederholte Weisung vom 7. Februar 2017, dass der Mitbeteiligte im Hilfsdienst/Distribution der Zustellbasis, Verwendungscode 0840, Verwendungsgruppe PT 8, ab 10. Februar 2017 für 90 Tage Dienst zu versehen habe, den Mitbeteiligten in seinen subjektiven Rechten verletzt und ihre Befolgung nicht zu seinen Dienstpflichten gehört habe. Die Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG erklärte das Verwaltungsgericht für nicht zulässig. 3 Das Bundesverwaltungsgericht stellte dazu fest, dass der Mitbeteiligte mit Weisung vom 7. Februar 2017 vom Zustelldienst abgezogen und ab 10. Februar 2017 bei seiner Stammdienststelle für die Dauer von 90 Tagen, bis Ablauf des 10. Mai 2017, auf einem Arbeitsplatz "Fachlicher Hilfsdienst/Distribution", Verwendungscode 0840, Verwendungsgruppe PT 8, verwendet worden sei. 4 Gegen diese Weisung habe der Mitbeteiligte mit Schreiben vom 10. Februar 2017 remonstriert, woraufhin die vor dem Verwaltungsgericht belangte Behörde die Weisung wiederholt habe. Weiters sei ausdrücklich festgehalten worden, dass ein Urlaub bzw. allfälliger Krankenstand den Fristenlauf der Dienstzuteilung unterbreche. 5 Mit Schreiben vom 4. Mai 2017 sei der Mitbeteiligte davon verständigt worden, dass beabsichtigt sei, ihn mit Ablauf des 31. Mai 2017 von seiner Verwendung als Landzusteller in der Personalreserve der Zustellbasis abzuberufen und ihn mit Wirksamkeit vom 1. Juni 2017 innerhalb derselben Dienststelle auf dem der Verwendungsgruppe PT 8 zugehörigen Arbeitsplatz "Fachlicher Hilfsdienst", Verwendungscode 8840, dauernd zu verwenden. Anschließend sei mit Schreiben vom 5. Mai 2017 seine Dienstzuteilung auf den Arbeitsplatz "Fachlicher Hilfsdienst/Distribution" bis zum Abschluss des Versetzungsverfahrens verlängert worden. 6 Der Mitbeteiligte habe ausdrücklich auch gegen die Verlängerung der Verwendungsänderung remonstriert, woraufhin die Behörde die Weisung mit Schreiben vom 10. Mai 2017 wiederholt habe. 7 Der Mitbeteiligte sei bislang nicht versetzt worden. Er sei in PT 8/B ernannt und aufgrund der Weisung nur mehr der Verwendungsgruppe PT 8 zugeordnet und erhalte keine Dienstzulage mehr. 8 Rechtlich beurteilte das Verwaltungsgericht den Sachverhalt zusammengefasst dahingehend, dass die Dienstzuteilung zwar vom Wortlaut her am 10. Mai 2017 außer Kraft getreten sei, jedoch nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofs (Hinweis auf VwGH 28.3.2008, 2005/12/0011) auch hinsichtlich eines zeitlich bereits abgeschlossenen Geschehens dann ein Feststellungsinteresse bestehen könne, wenn die Feststellung der Abwendung zukünftiger Rechtsgefährdungen diene. Hier drohe dem Mitbeteiligten eine unmittelbare Wiederholungsgefahr, sei doch die Weisung am 5. Mai 2017 verlängert und der Mitbeteiligte weiterhin nicht versetzt worden. 9 Die Verwendungsänderung vom 7. Februar 2017 sei eine einer Versetzung gleichzuhaltende Verwendungsänderung gemäß § 40 Abs. 2 Beamten-Dienstrechtsgesetz 1979 (BDG 1979), BGBl. Nr. 333, welche mit Bescheid hätte verfügt werden müssen, weil die neue Verwendung nicht derselben Dienstzulagengruppe wie die bisherige zugeordnet, und sie dieser daher nicht gleichwertig sei. So sei der Mitbeteiligte in PT 8/B ernannt und aufgrund der Weisung nur mehr der Verwendungsgruppe PT 8 zugeordnet und er erhalte keine Dienstzulage mehr. § 40 Abs. 4 Z 1 BDG 1979 komme nicht zum Tragen, weil dem Mitbeteiligten auch an die drei Monate anschließend keine der bisherigen Verwendung zumindest gleichwertige Verwendung zugewiesen worden sei. Ferner sei auch ein potentiell drei Monate übersteigender Zeitraum angeordnet worden, weil sowohl in der Weisung als auch in deren Wiederholung ausdrücklich festgehalten worden sei, dass ein Urlaub oder ein allfälliger Krankenstand den Fristenlauf der Dienstzuteilung unterbreche. 10 Dass keine Dienstzuteilung nach § 39 Abs. 1 BDG 1979 vorliege, ergebe sich einerseits aus dem Wortlaut der Weisung und andererseits daraus, dass eine solche die vorübergehende Zuweisung an eine andere Dienststelle bedeute, was hier nicht gegeben sei. Außerdem sei die maximale Dauer von 90 Tagen durch das Nichteinrechnen von Urlauben und Krankenständen überschritten worden. Die Weisung habe den Mitbeteiligten daher in seinen subjektiven Rechten auf bescheidmäßige Absprache verletzt. 11 Da die Weisung gegen das Willkürverbot verstoße, sei auch festzustellen gewesen, dass ihre Befolgung nicht zu den Dienstpflichten des Mitbeteiligten gehört habe. Die Weisung sei am 5. Mai 2017 mit dem Wissen nochmals verlängert worden, dass es sich um eine qualifizierte Verwendungsänderung handle, wie sich aus den Weisungswiederholungen ergebe. Darin habe die Behörde selbst ausgeführt, dass der Rechtsschutz bei Beamten bei Zuweisung einer neuen Verwendung innerhalb derselben Verwendungsgruppe, die zum Verlust der Dienstzulage führe, darin bestehe, dass in diesem Fall eine qualifizierte Verwendungsänderung vorliege, die eines Bescheides bedürfe, weshalb über die gegenständliche Verwendungsänderung bescheidmäßig abgesprochen werde. Dem Mitbeteiligten sei demgemäß mit Schreiben vom 4. Mai 2017 Parteiengehör zur qualifizierten Verwendungsänderung gewährt worden. Einen solchen Bescheid habe der Mitbeteiligte jedoch nicht erhalten. 12 Gegen dieses Erkenntnis richtet sich die Rechtswidrigkeit des Inhalts und infolge Verletzung von Verfahrensvorschriften geltend machende außerordentliche Revision der vor dem Verwaltungsgericht belangten Behörde. 13 Gegen das Erkenntnis eines Verwaltungsgerichts ist die Revision nach Art. 133 Abs. 4 B-VG zulässig, wenn sie von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, insbesondere weil das Erkenntnis von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofs abweicht, eine solche fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofs nicht einheitlich beantwortet wird. 14 Bei der Beurteilung der Zulässigkeit der Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG ist der Verwaltungsgerichtshof an den Ausspruch des Verwaltungsgerichts nach § 25a Abs. 1 VwGG nicht gebunden (§ 34 Abs. 1a VwGG). Er hat die Zulässigkeit einer außerordentlichen Revision im Rahmen der dafür in der Revision gesondert vorgebrachten Gründe (§ 28 Abs. 3 VwGG) zu überprüfen. 15 Die revisionswerbende Partei sieht die Zulässigkeit ihrer Revision zunächst darin gelegen, dass das Bundesverwaltungsgericht von der Rechtsprechung, wann ein Feststellungsantrag zulässig sei, abgewichen sei. An die Stelle der ersten, befristeten Weisung sei bereits am 5. Mai 2017 eine zweite inhaltsgleiche, auf unbestimmte Zeit erlassene Weisung getreten. Die Rechtsgefährdung durch die erste Weisung werde durch den Feststellungsantrag nicht beseitigt, weil weiterhin eine inhaltsgleiche zweite Weisung dem Rechtsbestand angehöre. Die Wiederholungsgefahr bestehe in dieser Konstellation nicht, weil die zweite Weisung auf unbestimmte Zeit erlassen worden sei und daher keine Gefahr drohe, dass neuerlich eine Weisung gleichen Inhalts erlassen werde. Insbesondere lägen keine Feststellungen vor, dass durch mehrfache Weisungen rechtsmissbräuchlich deren Prüfung hätte vereitelt werden sollen. Eine Klarstellung für die Zukunft zur Rechtmäßigkeit und zur Befolgungspflicht der Verwendung auf einem anderen Arbeitsplatz sei durch einen entsprechenden Feststellungsantrag hinsichtlich der zweiten Weisung ebenfalls möglich. Der Feststellungsantrag betreffend die erste Weisung sei folglich nicht das einzige und letzte Mittel zweckentsprechender Rechtsverfolgung. 16 Dem ist zu erwidern, dass auch in Bezug auf Weisungen (Dienstaufträge) die Rechtsprechung ein rechtliches Interesse an der Erlassung eines Feststellungsbescheids darüber bejaht, ob die "Befolgung einer erteilten Weisung zu den Dienstpflichten des Beamten" zählt; der Umstand, dass die konkreten Auswirkungen eines Dienstauftrages der Vergangenheit angehören, bildet für sich allein noch kein Hindernis für die Erlassung eines Feststellungsbescheids, doch muss die an ein abgeschlossenes Geschehen anknüpfende Feststellung über ein Recht oder Rechtsverhältnis der Abwendung zukünftiger Rechtsgefährdung des Antragstellers dienen (siehe dazu etwa VwGH 28.5.2014, 2013/12/0204; 5.9.2008, 2005/12/0048, mwN). 17 Wenn das Verwaltungsgericht hier auf Grund des Umstandes, dass die gegenständliche, bereits der Vergangenheit angehörende Weisung durch eine im wesentlichen inhaltsgleiche Weisung abgelöst wurde und der Mitbeteiligte bislang auch noch nicht versetzt wurde eine Wiederholungsgefahr nicht ausschloss und deshalb ein Feststellungsinteresse des Mitbeteiligten bejahte, stellt sich dies als jedenfalls nicht unvertretbare Beurteilung im Einzelfall dar. Zudem wurde der Feststellungsantrag bereits gestellt, als die Weisung noch aufrecht war. Die belangte Behörde entschied über den Feststellungsantrag jedoch bis zur Anrufung des Bundesverwaltungsgerichts durch den Mitbeteiligten mittels Säumnisbeschwerde nicht, sondern erließ die weitere Weisung, ohne den Mitbeteiligten zu versetzen. Der Umstand, dass allenfalls auch die Feststellung der Rechtswidrigkeit einer später erlassenen Weisung beantragt werden könnte, macht für sich den vorliegenden Feststellungsantrag nicht unzulässig. 18 Weiters fehle Rechtsprechung zur Auslegung des § 40 Abs. 4 Z 1 BDG 1979 zur Frage, ob diese Ausnahme von der einer Versetzung gleichzuhaltenden Verwendungsänderung anzuwenden sei, wenn die Verwendungsänderung, auf die sich die bekämpfte Weisung stütze, weniger als drei Monate andauere und die dreimonatige Dauer erst aufgrund einer zweiten Weisung überschritten werde. Es sei auch fraglich, ob die dreimonatige Frist nach dieser Gesetzesbestimmung schon deshalb nicht eingehalten werde, weil die Weisung potentiell über einen Zeitraum von drei Monaten anwendbar sei, sowie ob eine Dienstunterbrechung in der Form von Urlaub und Krankenstand in den Zeitraum von drei Monaten einzurechnen sei. Selbst wenn dies der Fall wäre, hätte dies auf die Rechtmäßigkeit der Weisung innerhalb der ersten drei Monate keinen Einfluss, weil (hier) die zweite Weisung die erste innerhalb des Dreimonats-Zeitraums abgelöst habe. 19 Vorauszuschicken ist zunächst, dass die revisionswerbende Partei die Feststellung, wonach der Mitbeteiligte mit der in Rede stehenden Weisung von seiner bisherigen Dauerverwendung abberufen wurde, unbekämpft lässt. Vor diesem Hintergrund ist dem in Rn. 18 wiedergegebenen Vorbringen zunächst zu entgegnen, dass die Frage der Einrechnung von Abwesenheiten vom Dienst durch Urlaub und Krankenstand hier - wie in der Revision selbst ausgeführt wird - nicht relevant ist. Bereits aus dem Wortlaut des § 40 Abs. 4 Z 1 BDG 1979 ist zweifelsfrei zu entnehmen, dass Abs. 2 des § 40 BDG 1979 (nur) dann für die (im Anschluss an eine Abberufung erfolgte) Zuweisung einer drei Monate nicht übersteigenden vorübergehenden Verwendung nicht gilt, wenn dem Beamten daran anschließend eine der bisherigen Verwendung zumindest gleichwertige Verwendung zugewiesen wird. Dass dies hier der Fall gewesen wäre, behauptet selbst die revisionswerbende Partei nicht. So wurde der Mitbeteiligte nach den Feststellungen bislang nicht versetzt und er wird nach wie vor auf einem Arbeitsplatz der Verwendungsgruppe PT 8 (ohne Zugehörigkeit zu einer Dienstzulagengruppe) eingesetzt. Da die Voraussetzungen des § 40 Abs. 4 Z 1 BDG 1979 somit nicht vorliegen, prüfte das Verwaltungsgericht die mit Weisung erfolgte Verwendungsänderung zu Recht am Maßstab des § 40 Abs. 2 BDG 1979. 20 Eine die Zulässigkeit der Revision begründende Aktenwidrigkeit erblickt die revisionswerbende Partei darin, dass das Verwaltungsgericht festgestellt habe, dass der Mitbeteiligte nur mehr der Verwendungsgruppe PT 8 zugeordnet sei und keine Dienstzulage mehr erhalte. So habe er in der Verhandlung selbst angegeben, dass die "Zulage 8/B geblieben" sei. 21 Soweit mit diesem Vorbringen das Vorliegen von Verfahrensmängeln behauptet wird, ist darauf hinzuweisen, dass die Zulässigkeit einer Revision neben einem eine grundsätzliche Rechtsfrage im Sinn des Art. 133 Abs. 4 B-VG aufwerfenden Verfahrensmangel voraussetzt, dass die Revision von der Lösung dieser geltend gemachten Rechtsfrage abhängt. Davon kann in Zusammenhang mit einem Verfahrensmangel aber nur dann ausgegangen werden, wenn auch die Relevanz des behaupteten Mangels für den Verfahrensausgang dargetan wird (vgl. etwa VwGH 23.2.2017, Ra 2016/09/0103, mwN). Dies gelingt der revisionswerbenden Partei jedoch im vorliegenden Fall schon deshalb nicht, weil nach ständiger Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofs den wesentlichen Maßstab für die Beurteilung der Frage der Gleichwertigkeit der Verwendung die Zuordnung zu den Verwendungsgruppen bildet. Im Rahmen des PT-Schemas ist zur Frage der "Gleichwertigkeit" auch noch auf die auf Grundlage des § 229 Abs. 3 BDG 1979 ergangene PT-Zuordnungsverordnung 1998 Bedacht zu nehmen, die im Sinn einer Wertigkeit der Verwendung noch eine generelle Unterteilung der Verwendungsgruppen in Dienstzulagengruppen vornimmt (siehe dazu VwGH 17.9.1997, 96/12/0005). Eine Gleichwertigkeit liegt nach § 40 Abs. 3 BDG 1979 daher nur dann vor, wenn die neue Verwendung innerhalb derselben Verwendungsgruppe derselben Funktions- oder Dienstzulagengruppe zugeordnet ist (VwGH 10.9.2009, 2008/12/0230). 22 Im vorliegenden Fall steht fest, dass der Mitbeteiligte zunächst als Landzusteller in der Verwendungsgruppe 8 Dienstzulagengruppe B verwendet wurde, die neue Verwendung jedoch der Verwendungsgruppe 8 ohne weiterer Dienstzulagengruppe zugeordnet ist. Schon deshalb liegt die Gleichwertigkeit der neuen Verwendung nicht vor. Welche Zulagen dem Mitbeteiligten ausbezahlt werden, ist für diese Beurteilung nicht maßgeblich. 23 Schließlich macht die revisionswerbende Partei ein Abweichen von der Rechtsprechung, wann im Zusammenhang mit dienstrechtlichen Weisungen Willkür vorliege, geltend. Zwar sei die revisionswerbende Dienstbehörde in der Weisungswiederholung am 13. Februar 2017 davon ausgegangen, dass gegenständlich eine qualifizierte Verwendungsänderung im Sinn von § 40 Abs. 2 BDG 1979 vorliege. Allerdings werde in dieser wiederholten Weisung abschließend (nochmals) die neue Verwendung auf die Dauer von 90 Tagen befristet. Damit möge die revisionswerbende Partei zwar rechtlich vor Augen gehabt haben, dass die Verwendungsänderung grundsätzlich unter § 40 Abs. 2 BDG 1979 falle, infolge der Befristung gelte aber Abs. 2 leg. cit. nicht, wie aus der Gegenausnahme gemäß § 40 Abs. 4 Z 1 BDG 1979 folge. Die Anwendung des § 40 Abs. 4 Z 1 BDG 1979 sei in der Weisung nicht thematisiert worden. Mit der angefochtenen Weisung sei daher dem Wortlaut des § 40 Abs. 2 und Abs. 4 Z 1 BDG 1979 nicht widersprochen worden. Keinesfalls handle es sich um eine denkunmögliche Gesetzesanwendung, selbst wenn entgegen der Auffassung der revisionswerbenden Partei die Rechtmäßigkeit der befristeten ersten Weisung vom 7. Februar 2017 (mit ihrer Wiederholung am 13. Februar 2017) in Zusammenschau mit der zweiten Weisung vom 5. Mai 2017 dahingehend zu beurteilen sei, dass damit insgesamt die Dreimonats-Frist des § 40 Abs. 4 Z 1 BDG 1979 überschritten worden sei. Es sei auch nicht festgestellt worden, dass zum Zeitpunkt der ersten Weisung bereits beabsichtigt gewesen sei, die zweite Weisung zu erteilen. 24 Auch mit diesem Vorbringen wird eine Rechtsfrage grundsätzlicher Bedeutung, von deren Lösung eine Entscheidung über die Revision abhinge, nicht aufgezeigt. So liegt eine der Befolgungspflicht (Wirksamkeit) einer in Weisungsform vorgenommenen Personalmaßnahme entgegen stehende Unwirksamkeit dieser Weisung nicht nur vor, wenn dem weisungserteilenden Vorgesetzten "Willkür" vorzuwerfen war, sondern auch, wenn eine rechtens in Bescheidform vorzunehmende Personalmaßnahme in Weisungsform vorgenommen wird (VwGH 10.3.2009, 2008/12/0070; 4.2.2009, 2008/12/0224; 28.2.2019, Ra 2018/12/0018). Im Hinblick auf die dargelegte Beurteilung hätte die hier zu beurteilende Personalmaßnahme in Bescheidform zu ergehen gehabt. Die Weisung war daher unwirksam und es traf den Mitbeteiligten keine Befolgungspflicht. Auf das Vorliegen von Willkür, wie es die revisionswerbende Partei aufzeigt, kommt es daher entscheidungswesentlich nicht an. 25 In der Revision werden somit keine Rechtsfragen aufgeworfen, denen im Sinn des Art. 133 Abs. 4 B-VG grundsätzliche Bedeutung zukäme. Die Revision war daher ohne weiteres Verfahren in nichtöffentlicher Sitzung zurückzuweisen. Wien, am 19. Februar 2020
JWT_2019120071_20200731L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019120071.L00
Ra 2019/12/0071
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019120071_20200731L00/JWT_2019120071_20200731L00.html
1,596,153,600,000
2,648
Spruch Spruchpunkt A) a.) des angefochtenen Erkenntnisses wird, soweit damit die Angelegenheit zur Berechnung der in die jeweiligen Folgequartale übertragenen Stunden und Auszahlung der Überstunden an die belangte Behörde gemäß § 28 Abs. 3 zweiter Satz VwGVG zurückverwiesen wurde, wegen Rechtswidrigkeit infolge Unzuständigkeit des Verwaltungsgerichts aufgehoben. Begründung 1 Mit Bescheid vom 26. Juni 2017 sprach das Personalamt Klagenfurt über Antrag des Mitbeteiligten vom 21. Jänner 2013, über Auftrag der Dienstbehörde vom Mitbeteiligten konkretisiert mit Schreiben vom 26. August 2013, Folgendes aus (Anonymisierung durch den Verwaltungsgerichtshof): „I. Es wird festgestellt, dass der Mitbeteiligte im Zeitraum 01. Jänner 2013 bis 31. Juli 2016 keine Mehrdienstleistungen aus dem Titel des § 48b BDG 1979 i.d.g.F. erbracht hat. Für diesen Zeitraum gebühren ihm diesbezüglich kein Freizeitausgleich und keine Überstundenvergütung. Seine (Eventual-) Anträge auf Feststellung, dass die per Dienstanweisung vom 13. Dezember 2012 verfügte halbstündliche Pause in die Dienstzeit einzurechnen ist, weshalb er täglich seit dem 01. Jänner 2013 von 06:15 Uhr bis 14:45 Uhr Dienstleistungen verrichtet und seine Normaldienstzeit sohin 8,5 Stunden betragen hat, er somit seit 01. Jänner 2013 Arbeitsleistungen im Ausmaß von 42,5 Wochenstunden bzw. täglich Mehrdienstleistungen im Ausmaß von 30 Minuten geleistet hat, welche ihm gemäß § 49 Abs. 4 BDG 1979 abzugelten sind; ihm die aus diesem Anlass bereits vom Jänner 2013 bis Juli 2016 erbrachten Mehrdienstleistungen beim nächsten Monatsbezug auszubezahlen sowie auch zukünftig im Ausmaß von 30 Minuten pro Tag gemäß § 49 BDG 1979 abzugelten sind, werden abgewiesen. II. Es wird festgestellt, dass die Österreichische Post AG dem Bund keinen aus Mehrdienstleistungen des Antragstellers betreffend § 48b BDG 1979 i.d.g.F. resultierenden Aufwand der Aktivbezüge und keinen aus § 48b BDG 1979 i.d.g.F. betreffend Mehrdienstleistungen des Antragstellers resultierenden Beitrag zur Deckung des Pensionsaufwandes zu ersetzen hat.“ 2 Aufgrund der dagegen vom Mitbeteiligten erhobenen Beschwerde sprach das Bundesverwaltungsgericht mit dem angefochtenen Erkenntnis Folgendes aus: „A) Der Beschwerde wird stattgegeben und a.) festgestellt, dass der Beschwerdeführer im Zeitraum von 01.01.2013 bis zum 31.07.2016 360 Stunden an Mehrdienstleistungen erbracht hat. Zur Berechnung der in die jeweiligen Folgequartale übertragenen Stunden und Auszahlung der Überstunden wird die Angelegenheit an die belangte Behörde gemäß § 28 Abs. 3 zweiter Satz VwGVG zurückverwiesen. b.) Spruchpunkt II. des bekämpften Bescheides wird ersatzlos aufgehoben. B) Die Revision ist gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zulässig.“ 3 Begründend führte das Bundesverwaltungsgericht im Wesentlichen zu Spruchpunkt A) a.) unter Hinweis auf den Beschluss des Verwaltungsgerichtshofs vom 21. Jänner 2016, Ra 2015/12/0051, aus, dass der Mitbeteiligte einen Anspruch auf die bezahlte Mittagspause habe, sei unstrittig. Die somit vom Mitbeteiligten erbrachten Dienstleistungen seien daher im gesetzlichen Ausmaß von 30 Minuten pro Tag anzurechnen gewesen. Ein separater Abspruch über die Eventualanträge habe zu entfallen gehabt, weil bereits über den Primärantrag entschieden und das Ausmaß der Mehrdienstleistungen zuerkannt worden sei. 4 Die in der Folge durchzuführende Anweisung der Abgeltung für die nunmehr festgestellten Mehrdienstleistungen habe die belangte Behörde dieser Rechtsansicht folgend vorzunehmen. Diesbezüglich sei das Begehren an die belangte Behörde zu verweisen. 5 Zur Unzulässigkeit der Revision (Spruchpunkt B) führte das Bundesverwaltungsgericht zum hier interessierenden Spruchpunkt I. des erstinstanzlichen Bescheides aus, durch die bereits mehrfach geklärte Frage, ob Mittagspausen des Beamten innerhalb dessen achtstündigen Tagesdiensts bzw. 40-stündigen Wochendiensts konsumiert werden dürften, und die diesbezüglich mehrfache Verkennung der Rechtslage durch die belangte Behörde habe die Zulässigkeit einer Revision ausgeschlossen werden können. 6 Dagegen richtet sich die vorliegende Amtsrevision, mit der dieses Erkenntnis des Bundesverwaltungsgerichts nur hinsichtlich des Ausspruches der teilweisen Zurückverweisung der Angelegenheit an die belangte Behörde gemäß § 28 Abs. 3 zweiter Satz VwGVG angefochten wird. Es wird beantragt, das Erkenntnis im angefochtenen Umfang wegen Unzuständigkeit des Verwaltungsgerichts, Rechtswidrigkeit seines Inhalts und infolge Verletzung von Verfahrensvorschriften aufzuheben. 7 Der Mitbeteiligte erstattete eine Revisionsbeantwortung, in der er beantragte, die Revision abzuweisen. 8 In der Zulässigkeitsbegründung der Revision wird ausgeführt, nach ständiger Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes würden besoldungsrechtliche Ansprüche eines Beamten in der Regel in drei Phasen - Schaffung eines Rechtstitels, Bemessung und Liquidierung - verwirklicht, wobei die letzte Phase (Liquidierung, Auszahlung) ein technischer Vorgang sei, der nicht durch Bescheid einer Verwaltungsbehörde zu erledigen sei, sodass (erst) für die Entscheidung eines solchen Liquidierungsbegehrens die Zuständigkeit des Verfassungsgerichtshofs gemäß Art. 137 B-VG gegeben sei. Einer vorangehenden bescheidmäßigen Entscheidung über einen Bezugsanspruch bedürfe es dann, wenn sich die Rechtsfrage seiner Gebührlichkeit stelle, über welche im Streitfall mit Bescheid der zuständigen Dienstbehörde zu entscheiden sei (Hinweis auf VwSlg. 19519 A/2016). 9 Das Verwaltungsgericht weiche von dieser Rechtsprechung ab, weil es die Angelegenheit (auch) zur Auszahlung der Überstunden an die Revisionswerberin als Dienstbehörde gemäß § 28 Abs. 3 zweiter Satz VwGVG zurückverweise. Dies impliziere, dass die belangte Behörde über die Angelegenheit, konkret die Auszahlung der Überstunden, einen Bescheid erlassen dürfe (und infolge der Bindungswirkung gemäß Satz drei leg. cit. im vorliegenden Fall auch müsste). Voraussetzung für die Zurückverweisung sei die Zuständigkeit der belangten Behörde zur Entscheidung mit Bescheid, die aber nicht gegeben sei. Daraus folge aber auch die Unzuständigkeit des Verwaltungsgerichts, der Revisionswerberin die bescheidmäßige Erledigung mit Beschluss gemäß § 28 Abs. 3 zweiter Satz VwGVG aufzutragen. 10 Darüber hinaus liege keine Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes zur Frage vor, ob die Revisionswerberin als Dienstbehörde zur Erlassung eines Bescheides betreffend die Berechnung der in Folgequartale übertragenen Stunden nach dem Poststrukturgesetz (PTSG) zuständig sei. Gemäß § 17 Abs. 8 Z 1 PTSG obliege die Bemessung, Berechnung und die Zahlbarstellung der Bezüge für die in Abs. 1a leg. cit. genannten Beamtinnen und Beamten demjenigen Unternehmen, dem sie nach Abs. 1a PTSG zugewiesen seien. Bezogen auf die mitbeteiligte Partei sei somit für die Bemessung und Berechnung der Bezüge die Österreichische Post AG zuständig. Aufgrund des Zeitraums, in dem die Mehrdienstleistungen erbracht worden seien, sei ein Freizeitausgleich der Mehrdienstleistungen nicht mehr möglich (§ 49 Abs. 8 BDG 1979). Sie seien daher nach besoldungsrechtlichen Vorschriften abzugelten und daher Bezüge im Sinne des § 17 Abs. 8 Z 1 PTSG. Da somit gemäß § 17 Abs. 8 Z 1 PTSG die Österreichische Post AG und nicht ein bei ihr eingerichtetes Personalamt zur Bemessung und Berechnung der Bezüge verpflichtet sei, stelle sich die Frage, ob entgegen dem Gesetzeswortlaut die Dienstbehörde diese Berechnung durchführen dürfe (und infolge der Bindungswirkung im vorliegenden Fall auch müsse). 11 Im Übrigen sei nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes die Dienstbehörde zur Erlassung eines Bescheides über die Gebührlichkeit eines Bezugs(-bestandteiles) dann nicht verpflichtet, wenn und solange der Beamte nach erfolgter Auszahlung ihr gegenüber die Gesetzmäßigkeit der Liquidierung (unter Angabe der strittigen Punkte) nicht in Frage stelle und damit ein rechtliches Interesse geltend mache (Hinweis auf VwGH 12.12.2008, 2007/12/0201, mwN). Im vorliegenden Fall sei lediglich strittig gewesen, ob dem Mitbeteiligten Mehrdienstleistungen zustünden, nicht aber die Frage, ob die Mehrdienstleistungen in Freizeit auszugleichen und/oder als Überstunden abzugelten seien bzw. in welchem Ausmaß der Freizeitausgleich zu erfolgen habe oder in welchem Betrag die Überstunden abzugelten seien. Mangels Feststellungsinteresse des Mitbeteiligten bestehe somit kein Anspruch auf bescheidmäßige Feststellung der Berechnung der in die Folgequartale übertragenen Stunden bzw. in welchem Betrag die Überstunden abzugelten seien. 12 Mit dem Vorbringen, das Bundesverwaltungsgericht sei im Revisionsfall nicht zu der vorgenommenen Zurückverweisung gemäß § 28 Abs. 3 zweiter Satz VwGVG zuständig gewesen, wird eine Rechtsfrage im Sinne des Art. 133 Abs. 4 B-VG und damit die Zulässigkeit der Revision aufgezeigt. Die Revision ist im Ergebnis auch berechtigt. Der Verwaltungsgerichtshof hat erwogen: 13 § 17 Poststrukturgesetz (PTSG), BGBl. Nr. 201/1996 in der Fassung BGBl. I Nr. 58/2019, lautet auszugsweise: „§ 17. (1) Die bisher bei der Post- und Telegraphenverwaltung beschäftigten aktiven Beamten werden auf die Dauer ihres Dienststandes der Post und Telekom Austria Aktiengesellschaft oder ihrer Rechtsnachfolgerin oder einem der Unternehmen, die durch Maßnahmen der Umgründung im Rahmen des bestehenden Gesellschaftsrechts aus der Post und Telekom Austria Aktiengesellschaft hervorgegangen sind und an denen sie oder die Post und Telekombeteiligungsverwaltungsgesellschaft direkt oder indirekt einen Anteil von mehr als 25% hält, zur Dienstleistung zugewiesen. ... (1a) Die gemäß Abs. 1 zugewiesenen Beamten werden, wenn sie überwiegend im Unternehmensbereich 1. der Gebühren Info Service GmbH oder der Österreichischen Post Aktiengesellschaft beschäftigt sind, letzterer, 2. der Telekom Austria Aktiengesellschaft beschäftigt sind, dieser, oder 3. der Österreichischen Postbus Aktiengesellschaft beschäftigt sind, dieser auf die Dauer ihres Dienststandes zur Dienstleistung zugewiesen. Eine Verwendung der zugewiesenen Beamten bei einer Rechtsnachfolgerin eines dieser Unternehmen oder bei einem Unternehmen, das durch Maßnahmen der Umgründung im Rahmen des bestehenden Gesellschaftsrechts aus einer der Gesellschaften hervorgegangenen ist, sowie bei der Gebühren Info Service GmbH ist zulässig. ... (3) Zur Wahrnehmung der bisher den Post- und Telegraphendirektionen zugekommenen Funktionen einer nachgeordneten Dienstbehörde werden folgende nachgeordnete Personalämter eingerichtet: 1. Graz für Beamte bei Betriebsstellen der Österreichischen Post Aktiengesellschaft in der Steiermark; 2. Innsbruck für Beamte bei Betriebsstellen der Österreichischen Post Aktiengesellschaft in Tirol und Vorarlberg; 3. Klagenfurt für Beamte bei Betriebsstellen der Österreichischen Post Aktiengesellschaft in Kärnten; 4.Linz für Beamte bei Betriebsstellen der Österreichischen Post Aktiengesellschaft in Oberösterreich; 5.Salzburg für Beamte bei Betriebsstellen der Österreichischen Post Aktiengesellschaft im Land Salzburg; 6.Wien für Beamte bei Betriebsstellen der Österreichischen Post Aktiengesellschaft in Wien, Niederösterreich und Burgenland, ... (8) Die Bemessung, Berechnung und die Zahlbarstellung der 1. Bezüge für die in Abs. 1a genannten Beamtinnen und Beamten obliegt demjenigen Unternehmen, dem sie nach Abs. 1a zugewiesen sind; 2. im Pensionsrecht vorgesehenen Geldleistungen für die in Abs. 7 genannten Ruhegenussempfänger und -empfängerinnen und deren Angehörige und Hinterbliebene obliegt der Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter, Eisenbahnen und Bergbau (BVA) im übertragenen Wirkungsbereich. Die Kosten für die Wahrnehmung dieser Aufgabe trägt der Bund. Die § 1 Abs. 2, § 2 Abs. 1 und 2, § 3, § 4, § 5 und § 6 des Bundespensionsamtübertragungs-Gesetzes, BGBl. I Nr. 89/2006, sind anzuwenden. Die am 31. Dezember 2016 bei den in Abs. 1a angeführten Unternehmungen mit der Bemessung, Berechnung und Zahlbarstellung der Pensionen beschäftigten aktiven Beamtinnen und Beamten gehören ab 1. Jänner 2017 für die Dauer ihres Dienststandes der Dienststelle ‚Amt für Bundespensionen‘ an und sind der BVA zur dauernden Dienstleistung zugewiesen.“ 14 § 16 Gehaltsgesetz 1956 (GehG), BGBl. Nr. 54/1956 in der Fassung BGBl. I Nr. 96/2007 lautet auszugsweise: „Überstundenvergütung § 16. (1) Dem Beamten gebührt für Überstunden, 1. die nicht in Freizeit oder 2. die gemäß § 49 Abs. 4 Z 3 oder Abs. 5 Z 3 BDG 1979 im Verhältnis 1 : 1 in Freizeit ausgeglichen werden, eine Überstundenvergütung. ...“ 15 § 49 Beamten-Dienstrechtsgestz 1979 (BDG 1979), BGBl. Nr. 333, in der Fassung BGBl. I Nr. 102/2018 lautet (die wiedergegebenen Teile der Bestimmung waren durchgehend seit dem 1. Jänner 2013 anwendbar) auszugsweise: „Überstunden § 49. (1) Der Beamte hat auf Anordnung über die im Dienstplan vorgeschriebenen Dienststunden hinaus Dienst zu versehen (Mehrdienstleistung). Den auf Anordnung erbrachten Mehrdienstleistungen sind Mehrdienstleistungen gleichzuhalten, wenn 1. der Beamte einen zur Anordnung der Mehrdienstleistung Befugten nicht erreichen konnte, 2. die Mehrdienstleistung zur Abwehr eines Schadens unverzüglich notwendig war, 3. die Notwendigkeit der Mehrdienstleistung nicht auf Umstände zurückgeht, die von dem Beamten, der die Mehrdienstleistung erbracht hat, hätten vermieden werden können, und 4. der Beamte diese Mehrdienstleistung spätestens innerhalb einer Woche nach der Erbringung schriftlich meldet; ist der Beamte durch ein unvorhergesehenes oder unabwendbares Ereignis ohne sein Verschulden verhindert, diese Frist einzuhalten, so verlängert sie sich um die Dauer der Verhinderung. (2) An Werktagen erbrachte Mehrdienstleistungen (ausgenommen jene nach § 47a Z 2 lit. b) sind nach Möglichkeit im selben Kalendervierteljahr im Verhältnis 1 : 1 in Freizeit auszugleichen. Mehrdienstleistungen außerhalb der Nachtzeit sind vor Mehrdienstleistungen in der Nachtzeit (22.00 bis 6.00 Uhr) auszugleichen. Mehrdienstleistungen an Sonn- und Feiertagen sind nicht durch Freizeit auszugleichen. (3) Mehrdienstleistungen an Werktagen, die im betreffenden Kalendervierteljahr nicht durch Freizeit ausgeglichen sind, gelten mit Ablauf des Kalendervierteljahres als Überstunden. Mehrdienstleistungen an Sonn- und Feiertagen gelten in jedem Fall als Überstunden und sind nach besoldungsrechtlichen Vorschriften abzugelten. (4) Werktagsüberstunden sind je nach Anordnung 1. im Verhältnis 1 : 1,5 in Freizeit auszugleichen oder 2. nach besoldungsrechtlichen Vorschriften abzugelten oder 3. im Verhältnis 1 : 1 in Freizeit auszugleichen und zusätzlich nach besoldungsrechtlichen Vorschriften abzugelten. ... (6) Dem Beamten ist bis zum Ende des auf das Kalendervierteljahr folgenden Kalendermonats mitzuteilen, auf welche Werktagsüberstunden welche Abgeltungsart des Abs. 4 angewendet wird. ... (8) Ein Freizeitausgleich für Werktagsüberstunden ist bis zum Ende des sechsten auf das Kalendervierteljahr der Leistung folgenden Monats zulässig. ...“ 16 Die Dienstbehörde stellte im Bescheid vom 26. Juni 2017 fest, dass der Mitbeteiligte im Zeitraum vom 1. Jänner 2013 bis 31. Juli 2016 aus dem Titel des § 48b BDG 1979 keine Mehrdienstleistungen erbracht habe und dass dem Mitbeteiligten für diesen Zeitraum kein Freizeitausgleich und keine Überstundenvergütung gebührten. Im Übrigen wies sie (Eventual)Anträge des Mitbeteiligten ab. 17 Gegenstand der Entscheidung vor dem Bundesverwaltungsgericht war daher im vorliegenden Revisionsfall schon durch die von der Dienstbehörde getroffene Feststellung, dass diese nicht gebühre, (auch) die Gebührlichkeit der Überstundenvergütung. Im Sinne der Terminologie der Zulässigkeitsbegründung war - entgegen der dort vertretenen Rechtsansicht - auf Grund der vom Mitbeteiligten gegen den dienstbehördlichen Bescheid erhobenen Beschwerde die Gebührlichkeit der Überstundenvergütung vor dem Bundesverwaltungsgericht strittig. 18 Das Bundesverwaltungsgericht sprach vor dem Verwaltungsgerichtshof unangefochten in Spruchpunkt A) a.) erster Satz über die Beschwerde des Mitbeteiligten aus, dass der Mitbeteiligte im Zeitraum vom 1. Jänner 2013 bis zum 31. Juli 2017 360 Stunden an Mehrdienstleistungen erbracht habe. Das Bundesverwaltungsgericht ließ mit diesem Abspruch die Beschwerde insofern unerledigt, als es über die Gebührlichkeit der Überstundenvergütung - unter Festsetzung des gebührenden Betrages - nicht absprach. 19 In dem allein angefochtenen Spruchpunkt A) a.) zweiter Satz verwies das Bundesverwaltungsgericht die Angelegenheit zur Berechnung der in die jeweiligen Folgequartale übertragenen Stunden und Auszahlung der Überstunden an die belangte Behörde (Personalamt Klagenfurt) gemäß § 28 Abs. 3 zweiter Satz VwGVG zurück. Im Rahmen der rechtlichen Begründung dieses Abspruchs führte das Bundesverwaltungsgericht aus, die in der Folge durchzuführende Anweisung der Abgeltung für die nunmehr festgestellten Mehrdienstleistungen habe die belangte Behörde dieser Rechtsansicht folgend vorzunehmen. Diesbezüglich sei das Begehren an die belangte Behörde zu verweisen. Sowohl nach dem Wortlaut dieses Abspruchs (Zurückverweisung zur „Berechnung“ und zur „Auszahlung“) als auch nach seiner Begründung (Zurückverweisung zur Vornahme der „Anweisung...“) ist dieser Abspruch dahin auszulegen, dass damit die Angelegenheit zur Durchführung von faktischen Handlungen an die Dienstbehörde zurückverwiesen wurde. 20 Es kommt gemäß § 28 Abs. 3 zweiter Satz VwGVG jedoch die Zurückverweisung einer von der Behörde bislang nicht erledigten Angelegenheit (hier: Durchführung faktischer Handlungen) zur Erlassung eines neuen Bescheides nicht in Betracht (vgl. VwGH 30.1.2019, Ra 2018/12/0057). Dies ergibt sich schon daraus, dass in der genannten gesetzlichen Bestimmung die Aufhebung und Zurückverweisung angeordnet wird. 21 Eine (teilweise) Aufhebung und Zurückverweisung gemäß § 28 Abs. 3 zweiter Satz VwGVG kommt überdies nur in Betracht, wenn der Adressatin bzw. dem Adressaten des Zurückverweisungsausspruchs im zurückverwiesenen Umfang die Befugnis zur Erlassung eines Bescheides zukommt, weil nur dann eine Zuständigkeit für die Entscheidung im zurückverwiesenen Umfang besteht. 22 Da faktische Handlungen definitionsgemäß rechtens nicht Inhalt eines Bescheides sein können, kommt demgemäß eine Zurückverweisung an die belangte Behörde gemäß § 28 Abs. 3 zweiter Satz VwGVG zu deren Durchführung rechtens niemals in Betracht. Es bestand daher keine Zuständigkeit des Bundesverwaltungsgerichts zur teilweisen Zurückverweisung gemäß § 28 Abs. 3 zweiter Satz VwGVG an die Dienstbehörde zur Durchführung faktischer Handlungen. Sollte - anders als im vorliegenden Revisionsfall - tatsächlich nur eine faktische Handlung von einer Behörde durchzuführen sein, wäre ihr dazu der Verwaltungsakt vom Verwaltungsgericht einfach zu übermitteln. 23 Angemerkt sei im Übrigen, dass gemäß § 49 Abs. 8 BDG 1979 ein Freizeitausgleich für Werktagsüberstunden nur bis zum Ende des sechsten auf das Kalendervierteljahr der Leistung folgenden Monats zulässig ist. Im vorliegenden Revisionsfall kommt daher ein Freizeitausgleich für die vom Mitbeteiligten im Zeitraum vom 1. Jänner 2013 bis zum 31. Juli 2017 erbrachten Mehrdienstleistungen nicht in Betracht; in Ermangelung einer vorangehenden Anordnung von Freizeitausgleich gebührt ihm eine Überstundenvergütung. 24 Im fortgesetzten Verfahren wird das Bundesverwaltungsgericht daher entweder selbst über die Gebührlichkeit der Überstundenvergütung unter betragsmäßiger Festsetzung zu entscheiden haben oder bei Vorliegen der Voraussetzungen des § 28 Abs. 3 zweiter Satz VwGVG (vgl. z.B. VwGH 26.6.2014, Ro 2014/03/0063) insoweit mit Aufhebung und Zurückverweisung vorzugehen haben. Bei der zuletzt genannten Vorgehensweise würde sich die Frage stellen, an wen die Zurückverweisung unter Bedachtnahme auf § 17 Abs. 8 Z 1 PTSG (Personalamt Klagenfurt oder Österreichische Post AG) zu erfolgen hätte. 25 Soweit das Gesetz nicht - etwa in Übergangsbestimmungen - anderes bestimmt, ist nach der ständigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes für die Beurteilung der Zuständigkeit einer Behörde die Sach- und Rechtslage im Zeitpunkt der Bescheiderlassung maßgeblich (vgl. VwGH 25.2.2020, Ro 2019/03/0029; 20.1.2016, Ra 2015/17/0068; 25.3.2015, Ro 2015/12/0003; 16.9.2013, 2012/12/0156; jeweils mwN). 26 Gemäß § 17 Abs. 8 Z 1 PTSG in der hier anwendbaren Fassung obliegt die Bemessung, Berechnung und die Zahlbarstellung der Bezüge für die in Abs. 1a leg. cit. genannten Beamtinnen und Beamten demjenigen Unternehmen, dem sie nach Abs. 1a leg. cit. zugewiesen sind. 27 Damit wird dem Unternehmen (hier: Österreichische Post AG) nicht die Befugnis zur Erlassung eines Bescheides eingeräumt. Einerseits wurde in dieser Bestimmung eine bescheidförmige Bemessung, Berechnung und Zahlbarstellung durch das Unternehmen nicht angeordnet, andererseits ist dem Gesetzgeber nicht zu unterstellen, dass er in verfassungswidriger Weise der Österreichischen Post AG ohne Anordnung eines Weisungszusammenhangs (vgl. z.B. VfGH 12.12.2001, G 269/01 ua = VfSlg. 16.400) eine Bescheiderlassungskompetenz betreffend Bezüge bzw. Bezugsbestandteile der Beamtinnen und Beamten eingeräumt hätte. § 17 Abs. 8 Z 1 PTSG räumt sohin dem dort angesprochenen Unternehmen in verfassungskonformer Auslegung nur die Befugnis zur faktischen Ermittlung der Höhe der Bezüge und der faktischen Auszahlung ein, nicht aber die Befugnis, einen Bescheid darüber zu erlassen. 28 Die Bestimmung des § 17 Abs. 8 Z 2 PTSG spricht nicht gegen die Auslegung dahin, dass der Österreichischen Post AG mit Z 1 leg. cit. keine Bescheiderlassungsbefugnis eingeräumt wurde. Einerseits wird die Bescheiderlassungskompetenz betreffend die Z 2 des § 17 Abs. 8 PTSG erst durch den darin verwiesenen § 1 Abs. 2 Bundespensionsamtübertragungs-Gesetz eingeräumt (unter Weisungszusammenhang gemäß § 2 Abs. 1 dieses Gesetzes), andererseits ist es auch nicht ausgeschlossen, dass der Begriff des „Bemessens“ in § 17 Abs. 8 PTSG verfassungskonform betreffend Z 1 dahin auszulegen ist, dass eine Bescheiderlassungskompetenz nicht eingeräumt wurde, betreffend die Z 2 hingegen schon. 29 Es käme daher im vorliegenden Revisionsfall bei teilweiser Aufhebung und Zurückverweisung gemäß § 28 Abs. 3 zweiter Satz VwGVG als Adressatin derselben unter Berücksichtigung des § 17 Abs. 8 Z 1 PTSG nur die Dienstbehörde (Personalamt Klagenfurt) in Betracht. 30 Das Erkenntnis des Bundesverwaltungsgerichts war im Sinne obiger Ausführungen in dem im Spruch genannten (angefochtenen) Umfang gemäß § 42 Abs. 2 Z 2 VwGG wegen Rechtswidrigkeit infolge Unzuständigkeit des Bundesverwaltungsgerichts aufzuheben. Wien, am 31. Juli 2020
JWT_2019120072_20200723L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019120072.L00
Ra 2019/12/0072
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019120072_20200723L00/JWT_2019120072_20200723L00.html
1,595,462,400,000
2,922
Spruch I. den Beschluss gefasst: Die Revision wird, soweit sie sich gegen die in Spruchpunkt A) 2.) erfolgte Abweisung der Beschwerde gegen Spruchpunkt II. 3. des Bescheides des Personalamtes Klagenfurt vom 25. Jänner 2018 richtet, zurückgewiesen. II. zu Recht erkannt: Spruchpunkt A) 2.) des angefochtenen Erkenntnisses, wird, soweit damit die Beschwerde gegen Spruchpunkt II. 1. und 2. des Bescheides des Personalamtes Klagenfurt vom 25. Jänner 2018 abgewiesen wurde, wegen Rechtswidrigkeit seines Inhalts aufgehoben. Der Bund hat der revisionswerbenden Partei Aufwendungen in der Höhe von € 1.346,40 binnen zwei Wochen bei sonstiger Exekution zu ersetzen. Begründung 1 Der Revisionswerber steht in einem öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis zum Bund und ist der Österreichischen Post AG zur Dienstleistung zugewiesen. Mit Dienstzuteilung vom 20. September 2016 wurde er gemäß § 39 Abs. 1 bis 4 Beamten-Dienstrechtsgesetz 1979 (BDG 1979) ab 26. September 2016 bis zum Ablauf des 24. Dezember 2016 bzw. sollte sein Krankenstand über den 25. September 2016 hinaus andauern nach Abschluss seines Krankenstandes für die Dauer von 90 Tagen zum Verteilerzentrum Brief in Villach - St. Magdalen dienstzugeteilt. 2 Mit Spruchpunkt I. des Bescheides des Personalamts Klagenfurt vom 25. Jänner 2018 wurde der Revisionswerber gemäß § 38 und § 40 Abs. 1, Abs. 2 Z 1 und Abs. 3 BDG 1979 versetzt. Er wurde von seinem bisherigen Arbeitsplatz „Landzustelldienst“, Verwendungscode 0801, bei der Zustellbasis W abberufen und mit 1. Februar 2018 dem Verteilerzentrum B, mit Dienstort S, auf einen Arbeitsplatz der Verwendungsgruppe PT8, „Fachlicher Hilfsdienst/Logistik“, Verwendungscode 0841, zugewiesen. 3 Mit Spruchpunkt II. dieses Bescheides wurden die Anträge des Revisionswerbers vom 10. Oktober 2016, dass die Befolgung der Weisung vom 20. September 2016 nicht zu seinen Dienstpflichten gehöre (Punkt 1.), dass die Dienstzuteilung vom 20. September 2016 rechtswidrig erfolgt sei (Punkt 2.) und dass die Dienstzuteilung vom 20. September 2016 sofort und unverzüglich aufzuheben sei (Punkt 3.), als unzulässig zurückgewiesen. 4 In Spruchpunkt III. wurde der Antrag des Revisionswerbers vom 22. Mai 2017, das Versetzungsverfahren einzustellen und ihn als Zusteller bei der Zustellbasis W zu belassen, als unzulässig zurückgewiesen. 5 Mit dem angefochtenen Erkenntnis gab das Bundesverwaltungsgericht in Spruchpunkt A) 1.) der Beschwerde hinsichtlich Spruchpunkt I. des erstinstanzlichen Bescheides (Versetzung) statt und behob den Bescheid diesbezüglich. 6 In Spruchpunkt A) 2.) wurde die Beschwerde hinsichtlich Spruchpunkt II. des erstinstanzlichen Bescheides als unbegründet abgewiesen. 7 Mit Spruchpunkt A) 3.) wurde das Verfahren hinsichtlich Spruchpunkt III. des erstinstanzlichen Bescheides wegen Zurückziehung der Beschwerde gemäß §§ 28 Abs. 1, 31 Abs. 1 VwGVG eingestellt. 8 In Spruchpunkt B) sprach das Bundesverwaltungsgericht aus, die Revision sei gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zulässig. 9 Das Bundesverwaltungsgericht traf folgende Feststellungen: „1.1. Der Beschwerdeführer steht als Beamter in einem öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis zum Bund und ist der Österreichischen Post AG zur Dienstleistung zugewiesen. Er ist auf einem Arbeitsplatz der Verwendungsgruppe PT8 mit der Dienstzulage B ernannt und wurde zuletzt dauernd auf einem Arbeitsplatz der Verwendungsgruppe PT8, Dienstzulagengruppe B, Landzustelldienst, Code 0801, bei der Zustellbasis W verwendet. 1.2. Am 05.09.2012 kam es zwischen der Österreichischen Post AG und dem Zentralausschuss zum Abschluss einer ‚Betriebsvereinbarung über die Flexibilisierung der Normalarbeitszeit sowie über die Verwendung eines EDV-unterstützten Zeiterfassungssystems sowie über begleitende Entgeltregelungen in den Zustellbasen der Division Brief der Österreichischen Post AG‘ (IST-Zeit-BV). 1.3. Dem Beschwerdeführer wurde in weiterer Folge ein Antrag auf Verwendung im Zustelldienst auf einem Arbeitsplatz mit Verwendungscode 8722 (‚Briefzustelldienst in einem Gleitzeitdurchrechnungsmodell‘) vorgelegt, den er jedoch nicht unterschrieb. 1.4. Der Beschwerdeführer hatte als Zusteller immer einen fixen Rayon, auch nach Umstellung des Arbeitsplatzes auf das Gleitzeitdurchrechnungsmodell. Im April 2016 wurde ihm mitgeteilt, dass er als Springer eingesetzt wird. 1.5. Mit Weisung vom 20.09.2016 wurde der Beschwerdeführer vom 26.09.2016 bis 24.12.2016 zum Verteilzentrum B, dienstzugeteilt. Diese Dienstzuteilung trat der Beschwerdeführer aufgrund von Krankheit nicht an. 1.6. Mit Weisung vom 16.02.2017 wurde der Beschwerdeführer ab 22.02.2017 zum Verteilzentrum B, dienstzugeteilt. Der Beschwerdeführer hat in weiterer Folge dort seinen Dienst versehen. 1.7. Mit Bescheid des Personalamts Klagenfurt der Österreichischen Post AG vom 25.01.2018 wurde der Beschwerdeführer mit Ablauf des 31.01.2018 gemäß § 38 und 40 BDG 1979 von seinem bisherigen Arbeitsplatz ‚Landzustelldienst‘, Verwendungscode 0801, bei der Zustellbasis W, abberufen und mit 01.02.2018 zum Verteilzentrum B mit Dienstort S, versetzt, wo ihm ein Arbeitsplatz der Verwendungsgruppe PT8, ‚Fachlicher Hilfsdienst/Logistik‘, Verwendungscode 0841, zugewiesen wurde. 1.8. Der Beschwerdeführer hatte als Zusteller, auch als Springer, ein Handheld zur elektronischen Erfassung seiner Dienstzeit. 1.9. Der Beschwerdeführer ist lediglich versetzt worden, weil er nicht in die IST-Zeit-BV und das Gleitzeitdurchrechnungsmodell optiert hat.“ 10 In rechtlicher Hinsicht führte das Bundesverwaltungsgericht zu Spruchpunkt A) 1.) unter Hinweis auf die Erkenntnisse des Verwaltungsgerichtshofs vom 20. November 2018, Ra 2017/12/0125, und vom 3. Oktober 2018, Ra 2017/12/0091, zusammengefasst aus, dass ein wichtiges dienstliches Interesse an der Versetzung des Revisionswerbers nicht vorgelegen sei, sodass die Versetzung zu beheben gewesen sei. 11 Zu dem hier interessierenden Spruchpunkt A) 2.) führte das Bundesverwaltungsgericht aus, die Feststellungsanträge des Revisionswerbers zu den Spruchpunkten II. 1. und 2. des erstinstanzlichen Bescheides seien nach der ständigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofs grundsätzlich zulässig gewesen. Die Tatsache, dass die konkreten Auswirkungen eines Dienstauftrags der Vergangenheit angehörten, bilde für sich allein noch kein Hindernis für die Erlassung eines Feststellungsbescheides; die an ein abgeschlossenes Geschehen anknüpfende Feststellung über ein Recht oder Rechtsverhältnis müsse aber der Abwendung zukünftiger Rechtsgefährdung des Antragstellers dienen (Hinweis auf VwGH 28.3.2008, 2005/12/0011). Im vorliegenden Fall sei die Weisung vom 20. September 2016, dass der Beschwerdeführer vom 26. September bis 24. Dezember 2016 gemäß § 39 Abs. 1 bis 4 BDG 1979 für die Dauer von 90 Tagen zum Verteilzentrum in Villach dienstzugeteilt werde, vom zuständigen Organ erteilt worden und verstoße nicht gegen strafgesetzliche Vorschriften. Der Revisionswerber habe dagegen nicht remonstriert und die Weisung sei auch nicht schriftlich wiederholt worden. Aufgrund seines Krankenstandes sei der Revisionswerber in dieser Zeit auch nicht in Villach tätig gewesen. 12 Wie die belangte Behörde im angefochtenen Bescheid richtig ausgeführt habe, sei die Dienstzuteilung einerseits aufgrund des Krankenstandes „nicht in Kraft getreten“ und andererseits mittlerweile auch abgelaufen. Der Revisionswerber sei auch derzeit nicht dienstzugeteilt, sondern bereits versetzt, was sich auch daraus ergebe, dass einer Beschwerde gegen einen Versetzungsbescheid gemäß § 38 Abs. 7 BDG 1979 keine aufschiebende Wirkung zukomme. 13 Es könne zwar nach der zuvor dargelegten Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes auch hinsichtlich eines zeitlich bereits abgeschlossenen Geschehens ein Feststellungsinteresse bestehen, und zwar dann, wenn die Feststellung der Abwendung zukünftiger Rechtsgefährdung diene. Verfahrensgegenständlichen drohe dem Revisionswerber aber keine unmittelbare Wiederholungsgefahr der gegenständlichen Weisung, da die Dienstzuteilung erkennbar aufgrund der geplanten amtswegigen Versetzung ausgesprochen worden sei, welche in weiterer Folge auch erfolgt und nun mit Spruchpunkt A)1.) behoben worden sei. Es sei daher kein rechtliches Interesse des Revisionswerbers an der Erlassung eines Feststellungsbescheids bezüglich der Weisung vom 20. September 2016 gegeben. 14 Der Antrag, die Dienstzuteilung sofort aufzuheben, sei zu Recht zurückgewiesen worden, weil es diesbezüglich kein Antragsrecht gebe. 15 Lediglich gegen Spruchpunkt A) 2.) des angefochtenen Erkenntnisses richtet sich die vorliegende Revision, die u.a. den Antrag enthält, diesen Spruchpunkt wegen Rechtswidrigkeit seines Inhalts aufzuheben. 16 Die Dienstbehörde erstattete eine Revisionsbeantwortung, in der sie begehrte, die Revision als unzulässig zurückzuweisen, in eventu als unbegründet abzuweisen. 17 Liegen - wie hier durch Übernahme des in einzelne Punkte gegliederten Spruchpunkts II. des Bescheids der Dienstbehörde infolge Abweisung der Beschwerde durch das Verwaltungsgericht in diesem Umfang - trennbare Absprüche des Verwaltungsgerichts vor, so ist darüber vom Verwaltungsgerichtshof auch getrennt zu entscheiden (vgl. z.B. VwGH 5.9.2019, Ra 2017/12/0029). Die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts über die Beschwerde betreffend Spruchpunkt II. 3. des erstinstanzlichen Bescheides ist jedenfalls von jener betreffend die Spruchpunkte II. 1. und II. 2. abtrennbar. 18 Zu Spruchpunkt I. der vorliegenden Entscheidung: 19 Mit Spruchpunkt II. 3. des erstinstanzlichen Bescheids des Personalamts Klagenfurt wurde der Antrag des Revisionswerbers, die Dienstzuteilung vom 20. September 2016 sofort und unverzüglich aufzuheben, zurückgewiesen. Mit dem angefochtenen Erkenntnis des Bundesverwaltungsgerichts wurde dieser Abspruch, weil diesbezüglich kein Antragsrecht des Revisionswerbers bestehe, bestätigt. 20 Dazu wird in der Zulässigkeitsbegründung der Revision vorgebracht, der Revisionswerber habe Anspruch auf Aufhebung der Dienstzuteilung, zumal mit der Dienstzuteilung nach § 39 BDG 1979 das Recht des Revisionswerbers subjektiv berührt werde und diese Dienstzuteilung den Erfordernissen des § 39 Abs. 4 BDG 1979 entsprechen müsse. 21 Nach Art. 133 Abs. 4 B-VG ist gegen ein Erkenntnis des Verwaltungsgerichtes die Revision zulässig, wenn sie von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, insbesondere weil das Erkenntnis von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abweicht, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes nicht einheitlich beantwortet wird. 22 Gemäß § 34 Abs. 1 VwGG sind Revisionen, die sich wegen Nichtvorliegen der Voraussetzungen des Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zur Behandlung eignen, ohne weiteres Verfahren in nichtöffentlicher Sitzung mit Beschluss zurückzuweisen. Hat das Verwaltungsgericht - wie im gegenständlichen Fall - ausgesprochen, dass die Revision nicht gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG zulässig ist, hat die Revision gemäß § 28 Abs. 3 VwGG auch gesondert die Gründe zu enthalten, aus denen entgegen dem Ausspruch des Verwaltungsgerichtes die Revision für zulässig erachtet wird. 23 Nach § 34 Abs. 1a VwGG ist der Verwaltungsgerichtshof bei der Beurteilung der Zulässigkeit der Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG an den Ausspruch des Verwaltungsgerichtes gemäß § 25a Abs. 1 VwGG nicht gebunden. Die Zulässigkeit einer außerordentlichen Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG hat der Verwaltungsgerichtshof hingegen nur im Rahmen der dafür in der Revision gesondert vorgebrachten Gründe (§ 28 Abs. 3 VwGG) zu prüfen. 24 Die ständige Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofs bejaht bei Vorliegen der sonstigen Voraussetzung zur Erlassung eines Feststellungsbescheids auch in Bezug auf Weisungen (hier: Dienstzuteilung) ein rechtliches Interesse an der Erlassung eines Feststellungsbescheids. Gegenstand eines solchen Feststellungsverfahrens kann einerseits die Frage sein, ob die Befolgung einer Weisung zu den Dienstpflichten des Beamten gehört, das heißt, ob er verpflichtet ist, diese Weisung zu befolgen. Eine Pflicht zur Befolgung einer Weisung ist danach dann zu verneinen, wenn einer der in Art. 20 Abs. 1 dritter Satz B-VG genannten Tatbestände vorliegt - also die Weisung von einem unzuständigen Organ erteilt wird oder ihre Befolgung gegen strafrechtliche Vorschriften verstößt -, wenn die Weisung nach erfolgter Remonstration nicht schriftlich wiederholt wurde oder wenn ihre Erteilung gegen das Willkürverbot verstößt. Andererseits kann Gegenstand eines Feststellungsverfahrens aber auch die „schlichte“ Rechtswidrigkeit der Weisung sein, also eine solche, die die Pflicht zu ihrer Befolgung nicht berührt; ein Recht auf eine solche bescheidförmige Feststellung der Rechtmäßigkeit von Dienstaufträgen besteht jedoch bloß dann, wenn durch einen Dienstauftrag die Rechtssphäre des Beamten berührt wird (vgl. z.B. VwGH 28.2.2019, Ra 2018/12/0018; 20.11.2018, Ro 2018/12/0016, mwN). 25 Wenn in der Zulässigkeitsbergründung vorgebracht wird, dass subjektive Rechte des Revisionswerbers berührt werden, ist dies im Sinne dieser Rechtsprechung Voraussetzung für die Feststellung, dass die Weisung „schlicht“ rechtswidrig ist. Eine solche „schlicht“ rechtswidrige Weisung wäre allerdings zu befolgen. 26 Nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes sind beide oben angeführten Feststellungen auch im Falle eines bereits zeitlich abgeschlossenen Geschehens zulässig, wenn dies einer Klarstellung für die Zukunft dient, was etwa dann der Fall ist, wenn die bescheidmäßige Feststellung der Abwehr künftiger Rechtsgefährdungen gleicher Art dient. 27 Dagegen kommt dem Beamten kein Recht auf gesonderte Feststellung der Verpflichtung der Dienstbehörde zur Erteilung einer Weisung bestimmten Inhaltes, insbesondere auf Aufhebung oder auf Abänderung einer an ihn ergangenen Weisung, zu (VwGH 3.10.2018, Ra 2017/12/0089, Rn. 33; 18.12.2014, Ro 2014/12/0018), zumal dem Rechtsschutzinteresse mit der Feststellung der „schlichten“ Rechtswidrigkeit der Weisung ohnedies Rechnung getragen ist. 28 Mit dem Vorbringen der Zulässigkeitsbegründung wurde daher in diesem Zusammenhang keine Rechtsfrage im Sinne des Art. 133 Abs. 4 B-VG aufgezeigt. Die Revision war daher in dem in Spruchpunkt I. des vorliegenden Erkenntnisses ersichtlichen Umfang gemäß § 34 Abs. 1 VwGG zurückzuweisen. 29 Zu Spruchpunkt II. der vorliegenden Entscheidung: 30 In der Zulässigkeitsbegründung der Revision wird zu Spruchpunkt A) 2.) des angefochtenen Erkenntnisses, soweit damit die Zurückweisung der Feststellungsanträge betreffend Befolgungspflicht und Rechtmäßigkeit der Dienstzuteilung vom 20. September 2016 bestätigt wurde, unter anderem zusammengefasst unter Hinweis auf das Erkenntnis des Verwaltungsgerichtshofs vom 3. Oktober 2018, Ra 2017/12/0089, ausgeführt, aus dem genannten Erkenntnis ergebe sich, dass der Revisionswerber ein Feststellungsinteresse habe, weil zur Erreichung eines das rechtliche Interesse des Revisionswerbers abdeckenden Ergebnisses und zwar nicht zuletzt in Anbetracht der durch die Dienstbehörde veranlassten Fortdauer des weisungsgemäßen Verhaltens des Revisionswerbers durch Erlassung mehrerer Dienstzuteilungen ein entsprechendes Feststellungsinteresse zu bejahen sei. Von dieser Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes sei das Bundesverwaltungsgericht abgewichen. 31 Schon mit diesem Vorbringen wird in diesem Zusammenhang die Zulässigkeit der Revision aufgezeigt. Sie ist auch berechtigt. 32 Die maßgebliche Bestimmung des Beamten-Dienstrechtsgesetzes 1979, BGBl. Nr. 333 (BDG 1979) in der Fassung BGBl. I Nr. 10/1999, lautet: „Dienstpflichten gegenüber Vorgesetzten § 44. (1) Der Beamte hat seine Vorgesetzten zu unterstützen und ihre Weisungen, soweit verfassungsgesetzlich nicht anderes bestimmt ist, zu befolgen. Vorgesetzter ist jeder Organwalter, der mit der Dienst- oder Fachaufsicht über den Beamten betraut ist. (2) Der Beamte kann die Befolgung einer Weisung ablehnen, wenn die Weisung entweder von einem unzuständigen Organ erteilt worden ist oder die Befolgung gegen strafgesetzliche Vorschriften verstoßen würde. (3) Hält der Beamte eine Weisung eines Vorgesetzten aus einem anderen Grund für rechtswidrig, so hat er, wenn es sich nicht wegen Gefahr im Verzug um eine unaufschiebbare Maßnahme handelt, vor Befolgung der Weisung seine Bedenken dem Vorgesetzten mitzuteilen. Der Vorgesetzte hat eine solche Weisung schriftlich zu erteilen, widrigenfalls sie als zurückgezogen gilt.“ 33 Der Verwaltungsgerichtshof hat in dem vom Revisionswerber in der Zulässigkeitsbegründung genannten Erkenntnis vom 3. Oktober 2018, Ra 2017/12/0089, Folgendes ausgesprochen: „22 Von den ersten zwei Antragspunkten, die sich thematisch beide auf die dem Revisionswerber erteilte Weisung, ab 1. Oktober 2013 als Springer Dienst zu versehen, beziehen, zielt der zu Punkt 2. formulierte Antrag auf die Klärung der diesbezüglichen Befolgungspflicht ab. So begehrte der Revisionswerber unter dem 2. Antragspunkt eine bescheidmäßige Feststellung (und insofern eine Klärung seiner zukünftigen Rechtsposition) dahingehend, dass er der Anweisung, seine Tätigkeit als Springer auszuüben, nicht Folge leisten müsse. 23 Wenn das Bundesverwaltungsgericht die Zulässigkeit dieses Feststellungsantrages mit der Begründung verneinte, es fehle an einem diesbezüglichen Feststellungsinteresse, verkennt es die Rechtslage. 24 Das Gericht ging (ohne sich mit dem Vorbringen des Revisionswerbers, es seien nach Remonstration erneut inhaltsgleiche Weisungen erteilt worden, auseinanderzusetzen) davon aus, die an den Revisionswerber ergangene Weisung sei nach erfolgter Remonstration nicht schriftlich wiederholt worden. Die Weisung gelte daher als zurückgezogen. 25 Dabei übersieht das Bundesverwaltungsgericht, dass im vorliegenden Fall - selbst wenn der Revisionswerber infolge des Eintritts der Zurückziehungsfunktion nicht mehr gehalten war, der Weisung Folge zu leisten - zwecks Abwehr künftiger Rechtsgefährdungen gleicher Art (siehe VwGH 27.9.2011, 2010/12/0184; 4.2.2009, 2007/12/0062) sowie zur Erreichung eines das rechtliche Interesse des Revisionswerbers abdeckenden Ergebnisses und zwar nicht zuletzt in Anbetracht der durch die Dienstbehörde veranlassten Fortdauer des weisungsgemäßen Verhaltens des Revisionswerbers (vgl. VwGH 17.10.2008, 2007/12/0199) ein entsprechendes Feststellungsinteresse des Revisionswerbers zu bejahen war. Aus diesem Grund wäre jedenfalls eine meritorische Erledigung des zweiten Antragspunktes vorzunehmen gewesen (vgl. VwGH 27.6.2017, Ra 2017/12/0041, und die dort wiedergegebene Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes). 26 Vor dem Hintergrund der zitierten Rechtsprechung wäre aber auch betreffend den ersten Antragspunkt, der aufgrund seiner Formulierung mehrere Interpretationsvarianten offenlässt, durch das Verwaltungsgericht vorweg zu klären gewesen, ob der Revisionswerber damit die (insoweit zulässige) bescheidmäßige Feststellung begehrte, dass ihn die Weisung, als Springer tätig zu sein, in Rechten verletze. 27 Wie die Zulässigkeitsbegründung der Revision zutreffend aufzeigt, kommt die Zurückweisung der Feststellungsanträge des Revisionswerbers im Zusammenhang mit der ihm erteilten Weisung, ab 1. Oktober 2013 als Springer tätig zu sein, mit der Begründung, diese Weisung gelte als zurückgezogen, nicht in Betracht. Der Eintritt der in § 44 Abs. 3 BDG 1979 normierten Zurückziehungsfiktion ist für die Beurteilung der Zulässigkeit der im Zusammenhang mit der genannten Weisung formulierten Feststellungsbegehren ohne Belang. 28 Da das Bundesverwaltungsgericht - wie dargelegt - diese Rechtslage verkannte und die zu den Punkten 1. und 2. formulierten Feststellungsanträge des Revisionswerbers zurückwies, belastete es das angefochtene Erkenntnis mit inhaltlicher Rechtswidrigkeit. Dieses war daher im genannten Umfang gemäß § 42 Abs. 1 Z 1 VwGG aufzuheben.“ 34 Zunächst ist festzuhalten, dass das Bundesverwaltungsgericht mit Spruchpunkt A) 1.) des angefochtenen Erkenntnisses den erstinstanzlichen Bescheid des Personalamts Klagenfurt, soweit der Revisionswerber damit versetzt wurde, behob. Aus der Begründung dieses Abspruchs ist ersichtlich, dass es sich dabei um eine ersatzlose Behebung handelt. Dieser Spruchpunkt des verwaltungsgerichtlichen Erkenntnisses vom 27. September 2019 blieb vor dem Verwaltungsgerichtshof unangefochten. 35 Die ersatzlose Behebung eines Bescheides durch das Verwaltungsgericht wirkt - sofern sie bestandskräftig wird - (insoweit vergleichbar mit § 42 Abs. 3 VwGG) ex tunc. Das bedeutet, dass der Rechtszustand zwischen Erlassung des Bescheides der belangten Behörde und seiner Aufhebung im Nachhinein - somit auch vom Verwaltungsgericht - dann so zu betrachten wäre, als ob der aufgehobene Bescheid von Anfang an nicht erlassen worden wäre. Diese zu § 66 Abs. 4 AVG vor der Verwaltungsgerichtbarkeits-Novelle 2012, BGBl. I Nr. 51/2012, ergangene Rechtsprechung ist auch auf das Verfahren vor den Verwaltungsgerichten anzuwenden, zumal § 28 VwGVG prinzipiell die dem § 66 Abs. 4 AVG entsprechende Vorschrift im Verfahren vor dem Verwaltungsgericht darstellt (vgl. z.B. VwGH 8.4.2019, Ra 2018/03/0086; 28.10.2015, 2013/10/0214, jeweils mwN). 36 Das Bundesverwaltungsgerichts hätte daher seiner Entscheidung bei der Überprüfung des erstinstanzlichen Bescheids betreffend die Zurückweisung der Feststellungsanträge des Revisionswerbers, ob die Befolgung der Weisung (Dienstzuteilung) zu seinen Dienstpflichten gehört und ob sie rechtswidrig erfolgte, zu fingieren gehabt, dass eine Versetzung des Revisionswerbers niemals erfolgt sei. 37 Im Sinne des oben tw. wiedergegebenen Erkenntnisses des Verwaltungsgerichtshofes vom 3. Oktober 2018 wäre das Bundesverwaltungsgericht daher gehalten gewesen, über die Feststellungsanträge des Revisionswerbers, dass die Weisung (Dienstzuteilung) nicht zu befolgen gewesen und rechtswidrig erfolgt sei, inhaltlich zu entscheiden. Entgegen den Ausführungen des Bundesverwaltungsgerichts trifft es auch nicht zu, dass die Dienstzuteilung vom 20. September 2016 „nicht in Kraft getreten“ sei. Mit dieser wurde der Revisionswerber gemäß § 39 Abs. 1 bis 4 BDG 1979 ab 26. September 2016 bis zum Ablauf des 24. Dezember 2016 bzw. sollte sein Krankenstand über den 25. September 2016 hinaus andauern nach Abschluss seines Krankenstandes für die Dauer von 90 Tagen verfügt. Der Krankenstand des Revisionswerbers dauerte bis 22. Jänner 2017. Durch die zulässigerweise verfügte innerprozessuale Bedingung wurde die Dienstzuteilung vom 20. September 2016 ab 23. Jänner 2017 für 90 Tage angeordnet. Daran ändert auch der Umstand nichts, dass der Mitbeteiligte in der Folge bis zum Abschluss des Ruhestandsversetzungsverfahrens vom Dienst freigestellt wurde. 38 Auch die Ausführungen in der Revisionsbeantwortung, dass sich der vorliegende Revisionsfall entscheidungserheblich vom Sachverhalt, der dem Erkenntnis vom 3. Oktober 2018, Ra 2017/12/0089, zugrunde gelegen sei, unterscheide, treffen nicht zu. Es ist zwar richtig, dass der Revisionswerber gegen die Dienstzuteilung vom 20. September 2016 nicht remonstrierte. Die Remonstrationsmöglichkeit schließt aber gerade nur für jenen Zeitraum, für den sie offensteht, wegen der Subsidiarität des Feststellungsbescheides vorübergehend den Antrag des Beamten auf Feststellung, ob die Befolgung dieser Weisung zu seinen Dienstpflichten gehört, aus. Wird die Weisung jedoch befolgt, steht die Remonstration (jedenfalls im Regelfall) nicht mehr zur Verfügung. Ein verfrühter Antrag schadet aber nicht, wenn die Behörde erst nach Verlust der Remonstrationsmöglichkeit den Bescheid erlässt (vgl. VwGH 25.3.1998, 94/12/0241, mwN). 39 Die Feststellungsanträge des Revisionswerbers waren im Zeitpunkt der Entscheidung der Dienstbehörde am 25. Jänner 2018 und des Bundesverwaltungsgerichts am 27. September 2019, nachdem wiederholt inhaltsgleiche Dienstzuteilungen verfügt worden waren (vgl. Schreiben der Dienstbehörde vom 20. September 2016, vom 16. Februar 2017, vom 3. Mai 2017 und vom 19. Jänner 2018, zuletzt genannte Dienstzuteilung wurde mit weiterem Schreiben vom selben Tag auch wiederholt), und der Revisionswerber die Weisung, sobald es für ihn möglich war (zunächst Krankenstand, dann Dienstfreistellung bis zum Abschluss des Ruhestandsversetzungsverfahrens), jedenfalls lange bevor die Dienstbehörde über die Feststellungsanträge entschied, durchgehend befolgt hatte, jedenfalls zulässig. 40 Dass zwecks Abwehr künftiger Rechtsgefährdungen gleicher Art ein rechtliches Interesse des Revisionswerbers an der Erlassung der beantragten Feststellungsbescheide unabhängig von der Aufhebung des Versetzungsbescheides weiterhin besteht, ergibt sich schon daraus, dass zahlreiche von ihm gegen die Befolgungspflicht und die Rechtmäßigkeit der Dienstzuteilung vorgebrachte Argumente (vgl. nur jenes, dass die Dienstzuteilung u.a. deshalb willkürlich erfolgt sei, weil er nicht in die IST-Zeit-BV und das Gleitzeitdurchrechnungsmodell optiert habe), die auch für die künftige Rechtsposition des Revisionswerbers in Ansehung der Vornahme von Dienstzuteilungen relevant bleiben, unbeantwortet geblieben sind. 41 Das angefochtene Erkenntnis war daher in dem aus Spruchpunkt II. des vorliegenden Erkenntnisses ersichtlichen Umfang gemäß § 42 Abs. 2 Z 1 VwGG wegen Rechtswidrigkeit seines Inhalts aufzuheben. Wien, am 23. Juli 2020
JWT_2019120074_20201008L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019120074.L00
Ra 2019/12/0074
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019120074_20201008L00/JWT_2019120074_20201008L00.html
1,602,115,200,000
2,480
Spruch Das angefochtene Erkenntnis wird wegen Rechtswidrigkeit infolge Verletzung von Verfahrensvorschriften aufgehoben. Der Bund hat der revisionswerbenden Partei Aufwendungen in der Höhe von € 1.346,40 binnen zwei Wochen bei sonstiger Exekution zu ersetzen. Das Mehrbegehren wird abgewiesen. Begründung 1 Der Revisionswerber steht in einem öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis zum Bund und ist der Österreichischen Post AG zur Dienstleistung zugewiesen. Ab 19. August 2003 war er Mitglied und ab 4. Dezember 2006 Vorsitzender des Vertrauenspersonenausschusses (VPA) S. Während der Ausübung der Vorsitzendenfunktion war er dauernd vom Dienst freigestellt. 2 Bezüglich des Verfahrensganges wird zunächst auf das hg. Erkenntnis vom 1. Juli 2015, 2012/12/0011, verwiesen. Soweit für die vorliegende Entscheidung von Interesse sprach das Personalamt Salzburg der Österreichischen Post AG mit erstinstanzlichem Bescheid vom 15. Dezember 2009 aus, der Revisionswerber habe gemäß § 13a Gehaltsgesetz 1956 (GehG) die in der Zeit vom 4. Dezember 2006 bis 30. September 2007 zu Unrecht empfangene Leistung (Übergenuss) in der Höhe von € 6.010,74 (für 15.986 verrechnete Kilometer á € 0,376) der Österreichischen Post AG zu ersetzen. 3 Mit Bescheid des beim Vorstand der Österreichischen Post AG eingerichteten Personalamts vom 24. Jänner 2011 wurde dieser Abspruch bestätigt. 4 Begründend wurde im Wesentlichen ausgeführt, unstrittig sei, dass es sich beim verfahrensgegenständlichen Übergenuss in der Höhe von € 6.010,74 um die vom Revisionswerber aufgrund seiner eingereichten Reiserechnungen verrechneten Mehrkilometer handle. Diese resultierten daraus, dass der Revisionswerber als Ausgangspunkt der Reisebewegung mit seinem privaten PKW jeweils seinen Wohnort zugrunde gelegt habe. Im Weiteren wurde ausführlich begründet, weshalb diese Vorgangsweise nicht den in diesem Zeitraum geltenden zwingenden Bestimmungen der Reisegebührenvorschrift 1955 (RGV) entsprochen habe, wonach als Ausgangspunkt der Reisebewegung die Dienststelle anzusehen sei, weshalb nach § 13a Abs. 3 GehG mit Bescheid die Pflicht des Revisionswerbers zum Ersatz festzustellen gewesen sei. 5 Die aus dem öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis abgeleiteten Rechte und Pflichten seien im Gegensatz zu privatrechtlichen Dienstverhältnissen weder vom Dienstgeber noch vom Dienstnehmer gestaltbar, sondern hätten sich aus dem Gesetz zu ergeben. Maßgebend für einen Anspruch sei daher nur, ob die im Gesetz enthaltenen Tatbestandserfordernisse erfüllt seien. 6 Da für Reisebewegungen zwischen dem Dienst(zuteilungs)ort und dem Wohnort ausdrücklich kein Anspruch auf Reisekostenvergütung vorgesehen sei, könne diesbezüglich auch keine rechtsgültige Vereinbarung getroffen werden. 7 Der Revisionswerber habe seine Vorgangsweise mit einer mündlichen Absprache Ende 2003 zwischen Dr. L (Leiter der Abteilung Personalrecht in der Unternehmenszentrale der Österreichischen Post AG) und F (Vorsitzender des Personalamts Salzburg) gerechtfertigt. Nach dieser Vereinbarung sei dem Revisionswerber an Tagen, an denen er Personalvertretertätigkeiten habe verrichten müssen, die Verrechnung der Fahrtkilometer von seinem Wohnort aus gestattet worden. Im Gegenzug dazu habe der Revisionswerber auf die Geltendmachung der Tagesgebühr und der Zuteilungsgebühr verzichtet. Diese Vereinbarung sei dem Revisionswerber von F und N (damaliger Vorsitzender des VPA Salzburg-Stadt) mündlich mitgeteilt worden. 8 Ausgehend vom Wesenskern des öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnisses, wonach das Dienstverhältnis durch das Gesetz bestimmt werde, und besoldungsrechtliche Ansprüche nur nach besoldungsrechtlichen Vorschriften (Gesetz, Verordnung) geltend gemacht werden könnten, sei jeder Bezugsbestandteil (im weiteren Sinn) einer gesetzlichen Grundlage zugeordnet. Dem widerspreche jedoch die vom Revisionswerber ins Auge gefasste Vermengung verschiedenartiger Bezugsbestandteile. 9 Die Frage des Sitzes des Organs VPA Salzburg-Stadt spiele im vorliegenden Verfahren keine Rolle, weil der Revisionswerber unstrittig Kilometergeld für Fahrten vom Wohnort zum Dienstort in W verrechnet habe. 10 Weiters wurde ausgeführt, weshalb die zur Auszahlung gebrachten Leistungen vom Revisionswerber nicht im guten Glauben empfangen worden seien. 11 Dieser Bescheid wurde vom Verwaltungsgerichtshof mit dem bereits eingangs zitierten Erkenntnis vom 1. Juli 2015, 2012/12/0011, wegen Rechtswidrigkeit seines Inhaltes aufgehoben. 12 Der Verwaltungsgerichtshof führte im Wesentlichen aus, vorweg sei hinsichtlich der Ausführungen im angefochtenen Bescheid zum Wesenskern des öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnisses festzuhalten: Von dem Fall, dass sich ein Beamter zur Begründung eines dienst- oder besoldungsrechtlichen Anspruchs auf privatrechtliche Vereinbarungen oder Zusagen berufe, sei jener zu unterscheiden, wenn aufgrund einer (vermeintlichen) privatrechtlichen Vereinbarung Zahlungen an den Dienstnehmer geleistet und diese dann zurückgefordert würden. 13 Der Verwaltungsgerichtshof habe bereits ausgesprochen, dass Voraussetzung für die Entstehung eines Ersatzanspruches des Bundes nach § 13a Abs. 1 GehG das Vorliegen einer zu Unrecht empfangenen Leistung (eines Übergenusses) und das Fehlen des guten Glaubens seien. Zu Unrecht empfangene Leistungen seien solche, für deren Empfangnahme kein gültiger Titel (Gesetz, Verordnung, Bescheid) vorhanden sei. Dies gelte jedoch nur dann, wenn die Leistung aufgrund eines (vermeintlichen) derartigen Titels erbracht worden sei. Ein Anspruch, den ein Beamter gegen seinen Dienstgeber geltend mache oder der von diesem gegen den Beamten geltend gemacht werde, falle somit nur dann in die Zuständigkeit der Dienstbehörde bzw. sei nur dann im Verwaltungsrechtsweg zu entscheiden, wenn er aus den für das öffentlich-rechtliche Dienstverhältnis geltenden Normen (Gesetz, Verordnung, Bescheid) abgeleitet werde (Hinweis auf VwGH 31.3.2006, 2005/12/0228; 5.9.2008, 2005/12/0068). 14 Entscheidend für die Beurteilung der Zulässigkeit des Verwaltungsrechtswegs sei im Beschwerdefall daher, ob die Zahlungen an den Revisionswerber aufgrund einer (vermeintlichen) privatrechtlichen Vereinbarung oder aufgrund einer (vermeintlich) für das öffentlich-rechtliche Dienstverhältnis geltenden Norm geleistet worden seien. 15 Das beim Vorstand der Österreichischen Post AG eingerichtete Personalamt führe im angefochtenen Bescheid aus, es sei zu prüfen, „ob die - im gegenständlichen Fall aus dem Titel der Reisegebührenvorschrift - zur Auszahlung gebrachten Leistungen tatsächlich gebührten“. Der Revisionswerber vertrete in der Beschwerde die Auffassung, die privatrechtliche Vereinbarung sei der Rechtsgrund für die Zahlungen gewesen. 16 Im angefochtenen Bescheid fehlten Feststellungen, die die Auffassung der belangten Behörde, die Zahlungen seien aus dem Titel der Reisegebührenvorschrift erfolgt, begründen könnten. Es hätten Feststellungen getroffen werden müssen, aufgrund derer beurteilt werden könne, auf welchem (vermeintlichen) Rechtsgrund die geleisteten Zahlungen gründeten. 17 Da infolge Verkennung der Rechtslage jene Feststellungen nicht getroffen worden seien, die für die Beurteilung notwendig gewesen wären, aufgrund welchen (vermeintlichen) Titels die Zahlungen geleistet worden seien, sei der angefochtene Bescheid gemäß § 42 Abs. 2 Z 1 VwGG wegen Rechtswidrigkeit seines Inhalts aufzuheben gewesen. 18 Sollte die belangte Behörde im fortgesetzten Verfahren zu dem Ergebnis gelangen, die Auszahlungen seien aufgrund einer (vermeintlich wirksamen) privatrechtlichen Vereinbarung erfolgt, so bliebe kein Raum für die Durchführung eines Verfahrens gemäß § 13a Abs. 1 GehG (Hinweis auf VwGH 5.9.2008, 2005/12/0068; 6.5.2013, 2013/12/0013; und 25.2.2004, 2001/12/0176). 19 Im fortgesetzten Verfahren hob das (nunmehr zuständige) Bundesverwaltungsgericht mit Beschluss vom 4. November 2015 den Bescheid des Personalamts Salzburg vom 15. Dezember 2009 gemäß § 28 Abs. 3 VwGVG auf und verwies die Angelegenheit zur neuerlichen Erlassung eines Bescheides an das Personalamt Salzburg zurück. 20 Nach Erhebung einer Säumnisbeschwerde durch den Revisionswerber sprach das Personalamt Salzburg mit Bescheid vom 11. Februar 2019 aus, der Revisionswerber habe gemäß § 13a GehG die in der Zeit vom 4. Dezember 2006 bis 30. September 2007 zu Unrecht empfangene Leistung (Übergenuss) in der Höhe von € 6.010,74 (Reisegebühren für 15.986 verrechnete Kilometer à € 0,376) der Österreichischen Post AG zu ersetzen. Begründend wurde im Wesentlichen ausgeführt, im Zweifel sei davon auszugehen, dass die Gespräche keinen eigenen (privatrechtlichen) Rechtsgrund bildeten, sondern zur Abklärung und Auslegung der hoheitlichen Rechtsgrundlage (RGV) gedient hätten. Rechtsgrundlage der geleisteten Zahlungen sei die RGV gewesen. Im Übrigen wäre eine getroffene zivilrechtliche Vereinbarung - wollte man eine solche unterstellen - nicht (mehr) maßgeblich: Die vom Personalamt Salzburg zurückgeforderten Leistungen hätten einen Zeitraum betroffen, in dem der Revisionswerber bereits gemäß § 67 Post-Betriebsverfassungsgesetz (PBVG) vom Dienst freigestellt gewesen sei. Dieser Sachverhalt sei aber mangels Willensübereinkunft jedenfalls seitens Herrn L keinesfalls vom Konsens einer allfälligen Vereinbarung erfasst gewesen. Gutgläubigkeit beim Empfang der Leistung sei beim Revisionswerber aus näher dargelegten Gründen nicht vorgelegen. 21 In der dagegen erhobenen Beschwerde beantragte der Revisionswerber seine Einvernahme als Partei sowie die Einvernahme mehrerer Zeugen zum Beweis von Tatsachen, die die Beurteilung zuließen, dass eine privatrechtliche Vereinbarung vorgelegen sei. 22 Mit dem angefochtenen Erkenntnis wies das Bundesverwaltungsgericht die Beschwerde des Revisionswerbers ohne Durchführung einer mündlichen Verhandlung gemäß § 28 Abs. 1 und 2 VwGVG iVm § 13a GehG als unbegründet ab und sprach aus, dass die Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zulässig sei. Begründend ging es zusammengefasst im hier interessierenden Zusammenhang davon aus, die Auszahlung des zurückgeforderten Betrages sei aufgrund der vom Revisionswerber gemäß § 36 RGV gestellten Reiserechnungen nach den Verfahrensbestimmungen der RGV erfolgt. Dass die Auszahlung des zurückgeforderten Betrages de facto aufgrund der Bestimmungen der RGV nicht hätte erfolgen dürfen, ändere nichts daran, dass der (vermeintliche) Anspruch auf Auszahlung des Kilometergeldes für Wegstrecken ausgehend vom Wohnort des Revisionswerbers aus den für das öffentlich-rechtliche Dienstverhältnis geltenden Normen abgeleitet worden sei. 23 Zur Nichtdurchführung einer mündlichen Verhandlung führte das Bundesverwaltungsgericht aus, gemäß § 24 Abs. 1 VwGVG habe das Verwaltungsgericht auf Antrag oder, wenn es dies für erforderlich halte, von Amts wegen eine öffentliche mündliche Verhandlung durchzuführen. Im gegenständlichen Fall habe das Unterlassen einer mündlichen Verhandlung darauf gestützt werden können, dass der Sachverhalt aus der Aktenlage in Verbindung mit der Beschwerde geklärt erscheine, weil der Sachverhalt nach einem grundsätzlich ordnungsgemäßen Ermittlungsverfahren durch das Personalamt Salzburg festgestellt worden sei und dieser Sachverhaltsfeststellung in der Beschwerde nicht substantiiert entgegengetreten worden sei. Weder sei der Sachverhalt in wesentlichen Punkten ergänzungsbedürftig noch erscheine er in entscheidenden Punkten als nicht richtig. Rechtlich relevante und zulässige Neuerungen seien in der Beschwerde nicht vorgetragen worden (zum Erfordernis einer schlüssigen Beweiswürdigung im erstinstanzlichen Bescheid und zur Verhandlungspflicht bei Neuerungen vgl. VwGH 11.11.1998, 98/01/0308; 21.1.1999, 98/20/0339; zur Bekämpfung der Beweiswürdigung in der Berufung vgl. VwGH 25.3.1999, 98/20/0577, und 22.4.1999. 98/20/0389). 24 Die Fragen, ob die Zahlungen an den Revisionswerber aufgrund einer (vermeintlichen) privatrechtlichen Vereinbarung oder aufgrund einer (vermeintlichen) für das öffentlich-rechtliche Dienstverhältnis geltenden Norm geleistet worden seien und ob der Revisionswerber die Leistungen in gutem Glauben empfangen habe, seien Rechtsfragen, die aufgrund des von der Behörde ermittelten Sachverhalts hätten abschließend geklärt werden können. 25 Einen Antrag auf Durchführung einer mündlichen Verhandlung habe der Revisionswerber nicht gestellt, die Durchführung einer öffentlichen mündlichen Verhandlung von Amts wegen sei nicht erforderlich gewesen. 26 Gegen dieses Erkenntnis richtet sich die vorliegende Revision mit dem Antrag, gemäß § 42 Abs. 4 VwGG in der Sache selbst zu entscheiden und das angefochtene Erkenntnis dahin abzuändern, dass den Anträgen vollinhaltlich stattgegeben werde; in eventu das angefochtene Erkenntnis gemäß § 42 Abs. 2 Z 1 VwGG wegen Rechtswidrigkeit seines Inhalts, in eventu gemäß § 42 Abs. 2 Z 3 VwGG wegen Rechtswidrigkeit infolge Verletzung von Verfahrensvorschriften zur Gänze aufzuheben. 27 Als Revisionspunkt macht der Revisionswerber geltend, er erachte sich „in seinem subjektiven Recht auf Feststellung, dass er gemäß einer zivilrechtlichen Individualvereinbarung nach dem Günstigkeitsprinzip in der Zeit vom 04.12.2006 bis 30.9.2007 zu Recht empfangene Leistungen in der Höhe von € 6010,74 (Reisegebühr für 25.986 verrechnete Kilometer € 0,376) der Österreichischen Post AG nicht zu ersetzen hat“, verletzt. 28 Die belangte Behörde beantragte in ihrer Revisionsbeantwortung, die Revision kostenpflichtig zurück-, in eventu abzuweisen. 29 Die Revisionsbeantwortung vertritt die Auffassung, der Revisionswerber habe den Revisionspunkt verfehlt, weil eine Verletzung in einem subjektiv-öffentlichen Recht auf Unterbleiben der Rückforderung von Leistungen aufgrund einer zivilrechtlichen Vereinbarung mangels Zuständigkeit der Dienstbehörde bzw. des Verwaltungsgerichts ausgeschlossen sei. 30 Dem Revisionspunkt im Sinne des § 28 Abs. 1 Z 4 VwGG kommt bei der Prüfung des angefochtenen Erkenntnisses entscheidende Bedeutung zu, weil der Verwaltungsgerichtshof nach § 41 Abs. 1 VwGG nicht zu prüfen hat, ob irgendein subjektives Recht des Revisionswerbers, sondern nur, ob jenes verletzt wurde, dessen Verletzung er behauptet. Durch den Revisionspunkt wird der Prozessgegenstand des verwaltungsgerichtlichen Verfahrens festgelegt und der Rahmen abgesteckt, an den der Verwaltungsgerichtshof bei der Prüfung des angefochtenen Erkenntnisses gebunden ist (vgl. zB VwGH 28.8.2019, Ra 2019/11/0111). 31 Die Revisionsbeantwortung bestreitet nicht, dass eine Rechtsverletzung des Revisionswerbers durch das angefochtene Erkenntnis in seinem Recht auf Unterbleiben der Rückforderung von empfangenen Leistungen möglich ist. Dieses Verständnis ist dem geltend gemachten Revisionspunkt bei vernünftiger Lesart auch beizumessen. Auch die Verletzung in einem Recht auf Feststellung des Unterbleibens der Rückforderung gemäß § 13a GehG ist vorliegendenfalls nicht denkunmöglich; sie hätte zu erfolgen, wenn sich herausstellte, dass die Leistung im Hinblick auf einen öffentlich-rechtlichen Titel erfolgte, der Revisionswerber aber gutgläubig gewesen ist. Die Begründung, weshalb sich der Revisionswerber in dem von ihm behaupteten Recht verletzt erachtet (hier: „ gemäß einer zivilrechtlichen Individualvereinbarung nach dem Günstigkeitsprinzip ... zu Recht empfangene“), hat bei der Frage, was als Revisionspunkt geltend gemacht wurde, außer Betracht zu bleiben, weil der Inhalt des geltend gemachten subjektiven Rechts davon unberührt bleibt. Im Revisionspunkt hat eine derartige Begründung nicht zu erfolgen, eine (allenfalls unrichtige) Begründung schadet aber auch nicht. Entgegen den Ausführungen in der Revisionsbeantwortung ist eine Verletzung des Revisionswerbers in dem von ihm im Revisionspunkt genannten subjektiven öffentlichen Recht daher möglich. 32 Die Revision erweist sich schon aufgrund des in der Zulässigkeitsbegründung erstatteten Vorbringens, dass das Bundesverwaltungsgericht nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes eine mündliche Verhandlung hätte durchführen müssen, als zulässig (ausgeführt in der Begründung der Revision auf S. 59). Sie ist auch berechtigt. 33 Das Verwaltungsgericht kann gemäß § 24 Abs. 4 VwGVG von der Durchführung einer mündlichen Verhandlung absehen, soweit durch Bundes- oder Landesgesetz nicht anderes bestimmt ist, wenn die Akten erkennen lassen, dass die mündliche Erörterung eine weitere Klärung der Rechtssache nicht erwarten lässt, und einem Entfall der Verhandlung weder Art. 6 EMRK noch Art. 47 GRC entgegenstehen. Eine Verhandlung vor dem Verwaltungsgericht ist daher durchzuführen, wenn es sich um „civil rights“ oder um „strafrechtliche Anklagen“ im Sinn des Art. 6 EMRK oder um die Möglichkeit der Verletzung einer Person eingeräumter Unionsrechte (Art. 47 GRC) geht und eine inhaltliche Entscheidung in der Sache selbst getroffen wird. Bei einem rechtswidrigen Unterlassen der nach Art. 6 EMRK erforderlichen mündlichen Verhandlung ist keine Relevanzprüfung hinsichtlich des Verfahrensmangels vorzunehmen (vgl. VwGH 3.10.2018, Ra 2017/12/0130, mwN). 34 Der Verwaltungsgerichtshof hat bereits wiederholt ausgesprochen, dass dienstrechtliche Streitigkeiten öffentlich Bediensteter unter den Begriff der „civil rights“ im Verständnis des Art. 6 Abs. 1 EMRK fallen, soweit derartige Streitigkeiten (wie die vorliegende) durch die innerstaatliche Rechtsordnung geregelte, subjektive Rechte oder Pflichten des jeweils betroffenen Bediensteten zum Gegenstand haben (vgl. das bereits zitierte Erkenntnis vom 3. Oktober 2018 sowie VwGH 13.9.2017, Ro 2016/12/0024, mwN). 35 Im vorliegenden Verfahren war strittig, ob die Auszahlung von Kilometergeld vom Wohn- zum Dienstort durch die Dienstbehörde aufgrund einer (vermeintlichen) privatrechtlichen Vereinbarung oder aufgrund einer (vermeintlich) für das öffentlich-rechtliche Dienstverhältnis geltenden Norm geleistet wurde. In der Beschwerde wurde - anders als das Bundesverwaltungsgericht es darzustellen versucht - gerade bestritten, dass die Auszahlung aufgrund einer für das öffentlich-rechtliche Dienstverhältnis geltenden Norm erfolgt sei und zahlreiche Tatsachenbehauptungen aufgestellt, die eine Beurteilung dahin zuließen, dass eine Leistung aufgrund einer privatrechtlichen Vereinbarung erfolgt sei. Der rechtsfreundlich vertretene Revisionswerber hat zum Beweis dieser Tatsachen nicht nur Sachbeweise, sondern auch seine Vernehmung als Partei und die Vernehmung mehrerer Zeugen beantragt. Davon ausgehend lag ein Verzicht auf die Durchführung einer Verhandlung nicht vor (vgl. VwGH 27.5.2019, Ra 2019/12/0023 sowie das bereits zitierte Erkenntnis vom 3. Oktober 2018, Ra 2017/12/0130). Auch die nach der Rechtsprechung des EGMR zulässigen Ausnahmen von der Verhandlungspflicht gemäß Art. 6 EMRK für nicht übermäßig komplexe Rechtsfragen oder hochtechnische Fragen greifen hier nicht Platz. 36 Das Bundesverwaltungsgericht hätte somit nicht von der Durchführung einer mündlichen Verhandlung absehen dürfen. Da das Verwaltungsgericht dies verkannte, belastete es das angefochtene Erkenntnis mit Rechtswidrigkeit infolge Verletzung von Verfahrensvorschriften. 37 Das angefochtene Erkenntnis war daher ohne nähere Prüfung einer Relevanz des Verfahrensmangels gemäß § 42 Abs. 2 Z 3 lit. c VwGG aufzuheben (vgl. etwa VwGH 18.9.2015, Ra 2015/12/0012). 38 Für das fortgesetzte Verfahren wird darauf hingewiesen, dass bei Bejahung der Frage, ob auf Grundlage eines (vermeintlichen) öffentlich-rechtlichen Titels geleistet wurde und, bei Verneinung der Gutgläubigkeit des Revisionswerbers, ein Rückforderungsanspruch nach § 13a Abs. 1 GehG gemäß dem Wortlaut dieser Bestimmung und § 17 Abs. 1 zweiter Satz PTSG dem Bund und nicht der Österreichischen Post AG zustünde (vgl. auch VwGH 31.3.2006, 2005/12/0228 = VwSlg. 16891 A/2006). Gemäß § 17 Abs. 6 PTSG hat das Unternehmen, dem der Beamte zugewiesen ist, dem Bund den Aufwand der Aktivbezüge (darunter gemäß § 17 Abs. 6a Z 1 PTSG auch Aufwandsersätze aller Art) zu ersetzen. Auch daraus ergibt sich, dass Schuldner der Aktivbezüge der Beamten, die gemäß § 17 Abs. 1 PTSG der Österreichischen Post AG zugewiesen sind, der Bund ist, und dieser daher Ansprüche gemäß § 13a GehG geltend zu machen hat. An dem Rechtsverhältnis zwischen Bund und dem Revisionswerber ändert auch der Umstand nichts, wenn gemäß § 17 Abs. 8 Z 1 PTSG, BGBl. Nr. 201/1996, in der Fassung BGBl. I Nr. 71/2003, die Österreichische Post AG die Höhe der Bezüge berechnete und diese zahlbar stellte. Im Rahmen der von der Dienstbehörde behandelten „Sache“ eines öffentlich-rechtlichen Rückforderungsanspruches gemäß § 13a Abs. 1 GehG käme dem Verwaltungsgericht auch die funktionelle Zuständigkeit zu, den im dienstbehördlichen Bescheid allenfalls fälschlich genannten Anspruchsberechtigten (Österreichische Post AG) auf den gegebenenfalls tatsächlich Anspruchsberechtigten (Bund) richtigzustellen. 39 Die Entscheidung über den Aufwandersatz gründet auf den §§ 47 ff VwGG iVm der VwGH-Aufwandersatzverordnung 2014. Der Aufwandersatz war dem Revisionswerber lediglich in dem in der zuletzt genannten Verordnung vorgesehenen Ausmaß zuzuerkennen. Die Umsatzsteuer ist im pauschalierten Schriftsatzaufwand enthalten. Wien, am 8. Oktober 2020
JWT_2019120076_20200518L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019120076.L00
Ra 2019/12/0076
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019120076_20200518L00/JWT_2019120076_20200518L00.html
1,589,760,000,000
1,338
Spruch Die Revision wird zurückgewiesen. Begründung 1 Der am 23. November 1957 geborene Revisionswerber steht seit 1. Oktober 2015 in einem öffentlich-rechtlichen Ruhestandsverhältnis zum Bund. Er stand zuletzt bei der Landespolizeidirektion Salzburg als Hofrat in Verwendung. 2 Mit Eingabe vom 9. Juli 2018 beantragte er im Zusammenhang mit der am 18. Juli 2012 vorgenommenen Ausschreibung (und anschließend an einen Mitbewerber erfolgten Verleihung) der Planstelle des Leiters des Geschäftsbereiches B (Verfahren und Support) und zugleich des Stellvertreters des Landespolizeidirektors für Salzburg, es möge bescheidmäßig festgestellt werden, dass „Antrag Nr. 1: ... entgegen der Bestimmung des § 4 Abs. 2 AusG-GO keine Beschlussfassung über die Tagesordnung erfolgte und daher eine nicht genehmigte Tagesordnung vorlag. Antrag Nr. 2: ... am 22.08.2012 keine Niederschrift aufgenommen wurde und diese daher bei der nächsten Sitzung am 23.08.2012 auch nicht verlesen und von den Mitgliedern unterzeichnet werden konnte. Antrag Nr. 3: ... in der Niederschrift ... der wesentliche Inhalt der Beratungen fehlt. Antrag Nr. 4: ... in der Niederschrift ... jegliche Mitteilung zur Information der Mitglieder fehlt, die aber notwendig gewesen wäre, um sich ein objektives Bild über die Fähigkeiten und Kenntnisse der Kandidaten zu verschaffen. Antrag Nr. 5: ... in der Niederschrift ... jegliche Angabe fehlt, ob Anträge gestellt wurden. Zumindest wäre festzuhalten gewesen, dass keine Anträge gestellt wurden. Antrag Nr. 6: ... in der Niederschrift das zu erstattende Gutachten in wörtlicher Fassung fehlt. Antrag Nr. 7: ... der ernannte Bewerber ... seine Gründe gemäß § 6 Abs. 1 AusG, die ihn für die Ausübung der ausgeschriebenen Funktion oder für die Erfüllung dieser Aufgaben geeignet erscheinen hätten lassen, nicht im selben Umfang und vor allem nicht - wie [vom Revisionswerber] dezidiert ausgeführt - ausschreibungsspezifisch dargelegt hat. Antrag Nr. 8: ... die Begründung im Gutachten, die Mitglieder der Begutachtungskommission hätten eingehende Personalkenntnisse gehabt, so dass ein Bewerbungsgespräch im Sinne des § 9 Abs. 1 AusG entbehrlich gewesen wäre, nicht den Tatsachen entspricht. Antrag Nr. 9: .... in keine Personalunterlagen Einsicht genommen wurde, obwohl sämtliche Bewerber in einem Dienstverhältnis zum Bund standen. Antrag Nr. 10: ... im Gutachten jegliche Begründung fehlt, warum [der Revisionswerber] - bei gleicher Gewichtung der in der Ausschreibung unter lit. e) bis j) angeführten besonderen Kenntnisse und Fähigkeiten - nur im geringeren Ausmaß für die ausgeschriebene Planstelle geeignet war und fehlt im Gutachten jede Begründung - bezogen auf die Ausschreibungskriterien - warum der ernannte Bewerber (und auch der Zweitgereihte) im höchsten Ausmaß geeignet war/en. Antrag Nr. 11: ... sich die Begründung, warum X in höchstem Maße für die ausgeschriebene Planstelle geeignet war, nicht auf die besonderen Kenntnisse und Fähigkeiten der Ausschreibung zurückführen lässt, sondern es sich nur um eine allgemeine Darlegung seiner Berufslaufbahn handelt, die ausschließlich lit. e) betroffen hat. Dies ebenso beim Bewerber Y. Damit weicht das Gutachten ganz wesentlich von den Kriterien in der Ausschreibung ab. Antrag Nr. 12: ... [der Revisionswerber] sämtliche besonderen Kenntnisse und Fähigkeiten bei gleicher Gewichtung der Eignungsbeurteilung erfüllt habe und insbesondere der ernannte Bewerber ... - wie auch der zweitgereihte ... - diese besonderen Kenntnisse und Fähigkeiten mit ihrer Bewerbung nicht im erwarteten Ausmaß nachgewiesen haben, so dass [der Revisionswerber] vor diesen beiden Bewerbern im höchsten Maße geeignet war und mit der Planstelle zu betrauen gewesen wäre. Antrag Nr. 13: ... sich die Ausschreibung des BM.I vom 16.07.2012, erschienen in der Wiener Zeitung am 18.07.2012, nicht auf die Bestimmung des § 7 SPG, BGBl. Nr. 566/1991 idF BGBl. I Nr. 151/2004, stützen konnte, weil diese Bestimmung erst mit 01.09.2012 in Kraft getreten ist. Antrag Nr. 14: ... der Landeshauptfrau von Salzburg im Falle ihrer Anhörung wesentliche Tatsachen vorenthalten wurden, weil das Gutachten mangelhaft begründet und nur auf den Bewerber X zugeschnitten war. Für den Fall, dass sie nicht angehört wurde, wurde die Bestimmung des § 7 SPG, BGBl. Nr. 566/1991 idF BGBl. I Nr. 50/2012, verletzt.“ 3 Mit Bescheid des Bundesministers für Inneres vom 21. November 2018 wurden diese Feststellungsanträge zurückgewiesen. 4 Der Revisionswerber erhob Beschwerde. 5 Mit dem angefochtenen Erkenntnis wies das Bundesverwaltungsgericht die Beschwerde als unbegründet ab und es erklärte die Revision nach Art. 133 Abs. 4 B-VG für nicht zulässig. 6 Begründend führte das Gericht zusammengefasst aus, dem Revisionswerber stehe kein subjektiv öffentlich-rechtlicher Anspruch auf die Ausübung des Ernennungsrechtes durch die Dienstbehörde beziehungsweise auf die bescheidmäßige Verleihung einer Planstelle zu. Es bestehe auch kein Raum für die Erlassung des beantragten Feststellungsbescheides. Die begehrten Feststellungen seien weder im Beamten-Dienstrechtsgesetz 1979 (BDG 1979), BGBl. Nr. 333, noch im Ausschreibungsgesetz 1989 (AusG), BGBl. Nr. 85, ausdrücklich vorgesehen. Mangels Parteistellung im Ernennungsverfahren komme dem Revisionswerber auch kein rechtliches Interesse zu, weil die Feststellungen kein notwendiges Mittel zur zweckentsprechenden Rechtsverfolgung darstellten. Im Übrigen verwies das Gericht den Revisionswerber auf die Möglichkeit, ein Verfahren nach dem Bundes-Gleichbehandlungsgesetz (B-GlBG), BGBl. Nr. 100/1993, bzw. nach dem Amtshaftungsgesetz (AHG), BGBl. Nr. 20/1949, anzustrengen. 7 Gegen dieses Erkenntnis richtet sich die vorliegende außerordentliche Revision, in der Rechtswidrigkeit des Inhalts sowie Rechtswidrigkeit infolge Verletzung von Verfahrensvorschriften verbunden mit dem Antrag geltend gemacht werden, das angefochtene Erkenntnis aus diesen Gründen aufzuheben. 8 Zur Begründung ihrer Zulässigkeit führt die Revision unter dem Gesichtspunkt einer Abweichung von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes aus, das Bundesverwaltungsgericht habe die Frage einer „rechtlichen Verdichtung“, welche einen Rechtsanspruch auf Überprüfung des Ernennungsaktes begründe, nicht ordnungsgemäß geprüft. Fallbezogen lägen die Voraussetzungen für die Annahme einer „rechtlichen Verdichtung“ aufgrund der in der Ausschreibung genannten inhaltlichen Kriterien geradezu idealtypischer Weise vor. 9 Entgegen der Ansicht des Bundesverwaltungsgerichts schließe die Bestimmung des § 15 AusG eine Parteistellung in einem Verfahren betreffend die Überprüfung eines Ernennungsvorgangs nach § 4 Abs. 3 BDG 1979 nicht aus. 10 Es fehle auch Rechtsprechung zu der Frage, ob ein Verfahren nach dem B-GlBG ein gesetzlich vorgezeichnetes Verwaltungsverfahren darstelle, das der Erlassung eines Feststellungsbescheides entgegenstehe. Ebenso sei die Frage zu klären, ob ein Amtshaftungsverfahren als zumutbares Verfahren zu qualifizieren sei, sodass ein Feststellungsbescheid als lediglich subsidiärer Rechtsbehelf nicht in Betracht komme. Das hier maßgebliche rechtliche Interesse des Revisionswerbers sei darin gelegen, einen Feststellungsbescheid zu erlangen, der in weiterer Folge als Grundlage für ein Amtshaftungsverfahren dienen könne. 11 Der Verwaltungsgerichtshof habe bei Ernennungen oder ernennungsgleichen Akten einen Anspruch der Partei auf Teilnahme an dem Verfahren dann angenommen, wenn ein solcher Anspruch der materiell-rechtlichen Grundlage ausdrücklich oder schlüssig zu entnehmen gewesen sei. Ein entsprechender Anspruch ergebe sich aus § 11 AusG. Zu dieser Bestimmung stehe § 15 AusG in Widerspruch. Auch diesbezüglich fehle Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes. Überdies komme dem Revisionswerber im Verfahren betreffend sein dienstrechtliches Begehren schon im Hinblick auf § 3 DVG Parteistellung zu. 12 Ferner sei § 4 Abs. 3 BDG 1979 nach der Judikatur des Obersten Gerichtshofs als Schutzgesetz zu qualifizieren. Es sei daher aufgrund des hoheitlichen Handelns des zuständigen Organs ein amtshaftungsrechtlicher Ersatzanspruch zu bejahen. Daraus ergebe sich ein Rechtsanspruch des Revisionswerbers auf die Erlassung des in Rede stehenden Feststellungsbescheides. Mit diesem Vorbringen wird die Zulässigkeit der Revision nicht dargetan: 13 Nach Art. 133 Abs. 4 B-VG ist gegen ein Erkenntnis des Verwaltungsgerichtes die Revision zulässig, wenn sie von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, insbesondere weil das Erkenntnis von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abweicht, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes nicht einheitlich beantwortet wird. 14 Nach § 34 Abs. 1 VwGG sind Revisionen, die sich wegen Nichtvorliegen der Voraussetzungen des Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zur Behandlung eignen, ohne weiteres Verfahren in nichtöffentlicher Sitzung mit Beschluss zurückzuweisen. 15 Nach § 34 Abs. 1a VwGG ist der Verwaltungsgerichtshof bei der Beurteilung der Zulässigkeit der Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG an den Ausspruch des Verwaltungsgerichtes gemäß § 25a Abs. 1 VwGG nicht gebunden. Die Zulässigkeit einer außerordentlichen Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG hat der Verwaltungsgerichtshof im Rahmen der dafür in der Revision vorgebrachten Gründe (§ 28 Abs. 3 VwGG) zu überprüfen. 16 Das Zulässigkeitsvorbringen der Revision entspricht den zur Zulässigkeit erstatteten Ausführungen in dem zur Zahl Ra 2019/12/0075 protokollierten (ebenfalls einen Feststellungsantrag des Revisionswerbers im Zusammenhang mit der in Rede stehenden Ausschreibung betreffenden) hg. Verfahren. Diesbezüglich wird daher gemäß § 43 Abs. 2 zweiter Satz und Abs. 9 VwGG auf die Begründung des hg. Beschlusses vom 4. Dezember 2019, Ra 2019/12/0075, verwiesen. Bereits aus den in dem zuletzt zitierten hg. Beschluss dargelegten Erwägungen wird auch im Revisionsfall eine Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung nicht aufgezeigt. 17 Darüber hinaus ist der Vollständigkeit halber auf Folgendes hinzuweisen: Die vierzehn vorliegend zu beurteilenden Feststellungsanträge zielen im Wesentlichen auf die Feststellung der Rechtmäßigkeit einzelner prozessualer Schritte eines Verwaltungsverfahrens ab. Feststellungsanträge solchen Inhalts sind nach der Judikatur des Verwaltungsgerichtshofs jedoch von Vornherein unzulässig (vgl. zur Unzulässigkeit des Antrages eines Beamten auf Erlassung eines Feststellungsbescheides zur Klärung der Frage, ob ein durch prozessleitende Verfügung eingeleitetes dienstbehördliches Verfahren zu Recht oder zu Unrecht eingeleitet wurde, VwGH 22.4.2009, 2008/12/0094). 18 Mangels Vorliegen der Voraussetzungen nach Art. 133 Abs. 4 B-VG erweist sich die Revision somit als unzulässig. Sie war daher gemäß § 34 Abs. 1 VwGG ohne weiteres Verfahren in nichtöffentlicher Sitzung zurückzuweisen. Wien, am 18. Mai 2020
JWT_2019120078_20200703L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019120078.L00
Ra 2019/12/0078
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019120078_20200703L00/JWT_2019120078_20200703L00.html
1,593,734,400,000
445
Spruch Die Revision wird zurückgewiesen. Begründung 1 Mit dem angefochtenen Beschluss wies das Landesverwaltungsgericht Steiermark den Antrag des Revisionswerbers vom 12. Juni 2019 auf Wiederaufnahme des mit Erkenntnis des Landesverwaltungsgerichts Steiermark vom 25. November 2016, GZ LVwG 49.31-2150/2016-7, abgeschlossenen Verfahrens betreffend Neufestsetzung des Vorrückungsstichtages gemäß § 32 Abs. 1 Z 3 und 4 VwGVG, ab. Das Verwaltungsgericht sprach aus, dass die Revision an den Verwaltungsgerichtshof nach Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zulässig sei. 2 Zusammengefasst führte das Landesverwaltungsgericht aus, das Ergehen der Urteile des Gerichtshofs der Europäischen Union (EuGH), jeweils vom 8. Mai 2019, C-24/17, Österreichischer Gewerkschaftsbund, und C-396/17, Leitner, bilde nach der Rechtsprechung der Gerichtshöfe des öffentlichen Rechts keinen Wiederaufnahmegrund. Im Übrigen sei die besoldungsrechtliche Stellung des Revisionswerbers im vorliegenden Fall nicht durch Zeitvorrückung, sondern durch freie Beförderungen bestimmt, sodass im nach Ansicht des Revisionswerbers wiederaufzunehmenden Verfahren sein Antrag auf Neufestsetzung des Vorrückungsstichtages nach der ständigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes zu Recht zurückgewiesen worden sei. 3 Gegen diesen Beschluss richtet sich die vorliegende Revision. 4 Nach Art. 133 Abs. 4 B-VG ist gegen ein Erkenntnis des Verwaltungsgerichtes die Revision zulässig, wenn sie von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, insbesondere weil das Erkenntnis von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abweicht, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes nicht einheitlich beantwortet wird. 5 Nach § 34 Abs. 1 VwGG sind Revisionen, die sich wegen Nichtvorliegen der Voraussetzungen des Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zur Behandlung eignen, ohne weiteres Verfahren in nichtöffentlicher Sitzung mit Beschluss zurückzuweisen. 6 Hat das Verwaltungsgericht - wie im gegenständlichen Fall - ausgesprochen, dass die Revision nicht gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG zulässig ist, hat die Revision gemäß § 28 Abs. 3 VwGG auch gesondert die Gründe zu enthalten, aus denen entgegen dem Ausspruch des Verwaltungsgerichtes die Revision für zulässig erachtet wird (außerordentliche Revision). 7 Nach § 34 Abs. 1a VwGG ist der Verwaltungsgerichtshof bei der Beurteilung der Zulässigkeit der Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG an den Ausspruch des Verwaltungsgerichtes gemäß § 25a Abs. 1 VwGG nicht gebunden. Die Zulässigkeit einer außerordentlichen Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG hat der Verwaltungsgerichtshof hingegen nur im Rahmen der dafür in der Revision gesondert vorgebrachten Gründe (§ 28 Abs. 3 VwGG) zu prüfen. 8 In den gemäß § 28 Abs. 3 VwGG bei einer außerordentlichen Revision gesondert vorzubringenden Gründen ist konkret auf die vorliegende Rechtssache bezogen aufzuzeigen, welche Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung der Gerichtshof in seiner Entscheidung über die Revision nach Ansicht des Revisionswerbers zu lösen hat (vgl. z.B. VwGH 14.1.2020, Ra 2018/12/0035). Eine Revision, die nicht gesondert die Gründe enthält, aus denen sie entgegen dem Ausspruch des Verwaltungsgerichtes für zulässig erachtet wird, ist ohne Erteilung eines Verbesserungsauftrages zurückzuweisen (vgl. z.B. VwGH 27.5.2020, Ra 2020/12/0026, oder 19.2.2020, Ra 2020/12/0003, jeweils mwN). 9 Die vorliegende Revision enthält nicht nur keine „gesonderte“ Zulässigkeitsbegründung, es wird vielmehr keinerlei Vorbringen zur Zulässigkeit der Revision erstattet. 10 Die vorliegende Revision war somit schon wegen Nichtvorliegen der Voraussetzungen des Art. 133 Abs. 4 B-VG als nicht zur Behandlung geeignet, ohne weiteres Verfahren zurückzuweisen. Wien, am 3. Juli 2020
JWT_2019120079_20200219L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019120079.L00
Ra 2019/12/0079
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019120079_20200219L00/JWT_2019120079_20200219L00.html
1,582,070,400,000
389
Spruch Die Revision wird zurückgewiesen. Begründung 1 Der Revisionswerber steht in einem öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis zum Bund. Mit dem angefochtenen Erkenntnis wies das Bundesverwaltungsgericht - im Beschwerdeverfahren - den Antrag des Revisionswerbers vom 9. Oktober 2014 auf bescheidmäßige Absprache über die Gewährung einer Ergänzungszulage K3 und Pflegedienst-Chargenzulage als unbegründet ab. Die Revision nach Art. 133 Abs. 4 B-VG erklärte das Verwaltungsgericht für nicht zulässig. 2 Gegen dieses Erkenntnis erhob der Revisionswerber Beschwerde an den Verfassungsgerichtshof, der mit Beschluss vom 23. September 2019, E 2605/2019-6, die Behandlung der Beschwerde gemäß Art. 144 Abs. 2 B-VG ablehnte und die Beschwerde dem Verwaltungsgerichtshof gemäß Art. 144 Abs. 3 B-VG zur Entscheidung abtrat. Dieser Beschluss wurde dem Revisionswerber entsprechend seinen Angaben am 23. Oktober 2019 zugestellt. 3 Die vorliegende außerordentliche Revision wurde am 4. Dezember 2019 um 23:44 Uhr im elektronischen Rechtsverkehr beim Verwaltungsgerichtshof eingebracht. Mit Erledigung vom 5. Dezember 2019 wurde sie durch den Verwaltungsgerichtshof dem Bundesverwaltungsgericht zuständigkeitshalber übermittelt, wo sie am 9. Dezember 2019 einlangte. 4 Mit Bericht vom 11. Dezember 2019 wurde die Revision dem Verwaltungsgerichtshof vom Bundesverwaltungsgericht zur Entscheidung vorgelegt. 5 Gemäß § 26 Abs. 1 VwGG beträgt die Frist zur Erhebung einer Revision gegen ein Erkenntnis eines Verwaltungsgerichtes (Revisionsfrist) sechs Wochen. Gemäß § 26 Abs. 4 VwGG beginnt die Revisionsfrist, wenn der Verfassungsgerichtshof eine Beschwerde gemäß Art. 144 Abs. 3 B-VG dem Verwaltungsgerichtshof abgetreten hat, mit der Zustellung des Erkenntnisses oder Beschusses des Verfassungsgerichtshofes oder, wenn der Antrag auf Abtretung der Beschwerde erst nach seiner Zustellung gestellt wurde, mit der Zustellung des Beschlusses gemäß § 87 Abs. 3 VfGG. 6 Wird ein fristgebundener Schriftsatz nicht bei der für dessen Einbringung gesetzmäßig vorgesehenen Stelle, sondern bei einer dafür unzuständigen Stelle eingebracht und von dieser weitergeleitet, dann ist die Frist nur gewahrt, wenn der Schriftsatz entweder vor Fristablauf bei der für die Einbringung zuständigen Stelle einlangt oder von der unzuständigen Stelle spätestens am letzten Tag der Frist zur Weiterleitung an diese zur Post gegeben wurde (vgl. etwa VwGH 23.5.2014, Ro 2014/02/0096, mwN). 7 Um die Revisionsfrist zu wahren, wäre die Revision gemäß § 24 Abs. 1 VwGG fristgerecht beim Bundesverwaltungsgericht einzubringen gewesen. Das ist im vorliegenden Fall nicht geschehen. Die vorliegende Revision wurde am letzten Tag der Revisionsfrist beim Verwaltungsgerichtshof, statt richtig beim Bundesverwaltungsgericht, eingebracht. Diese wurde daher am Folgetag - somit nicht mehr fristwahrend (vgl. VwGH 23.5.2016, Ra 2016/18/0069, mwN) - an das Bundesverwaltungsgericht weitergeleitet. Sie langte nach deren Weiterleitung beim Bundesverwaltungsgericht erst am 9. Dezember 2019, sohin nach Ablauf der Revisionsfrist, ein und ist daher als verspätet anzusehen. 8 Die Revision war deshalb wegen Versäumung der Revisionsfrist gemäß § 34 Abs. 1 VwGG ohne weiteres Verfahren in nichtöffentlicher Sitzung zurückzuweisen. Wien, am 19. Februar 2020
JWT_2019120080_20201006L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019120080.L00
Ra 2019/12/0080
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019120080_20201006L00/JWT_2019120080_20201006L00.html
1,601,942,400,000
2,093
Spruch Die Revision wird zurückgewiesen. Der Bund hat der mitbeteiligten Partei Aufwendungen in der Höhe von € 1.106,40 binnen zwei Wochen bei sonstiger Exekution zu ersetzen. Begründung 1 Der Mitbeteiligte steht in einem öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis zum Bund und ist der Österreichischen Postbus AG zur Dienstleistung zugewiesen. Er wurde als Beamter in der Verwendungsgruppe PT 7/B ernannt und wird bei der ÖBB-Postbus GmbH als Facharbeiter/Berufskraftfahrer (Linienbusfahrer) eingesetzt. 2 Mit Bescheid der Dienstbehörde vom 6. Juni 2018 wurde der Mitbeteiligte von Amts wegen gemäß § 14 Abs. 1 Beamten-Dienstrechtsgesetz 1979 (BDG 1979) aufgrund dauernder Dienstunfähigkeit in den Ruhestand versetzt. 3 Mit dem angefochtenen Erkenntnis gab das Bundesverwaltungsgericht der dagegen vom Mitbeteiligten erhobenen Beschwerde statt und hob den bekämpften Bescheid ersatzlos auf. Es sprach aus, die Revision sei gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zulässig. 4 Nach Darstellung des Verfahrensganges traf das Bundesverwaltungsgericht Feststellungen zu Aufgaben, die der Mitbeteiligte auf dem ihm zugewiesenen Arbeitsplatz auszuführen habe, die dem Anforderungsprofil der Dienstbehörde entsprechen und unstrittig sind. Es führte im Weiteren aus, mit der Tätigkeit des Mitbeteiligten gingen ua. das ständige Lenken eines Busses, (nur) in absoluten Ausnahmefällen schwere Hebe- und Trageleistungen (Anhebung von Gegenständen über 25 kg und/oder das Tragen von Gegenständen über 15 kg) und fallweise schwere körperliche Belastung einher. Eine Wochendienstleistung von 55 Stunden sei nicht erforderlich. Die Tätigkeit bringe eine Arbeitszeit von bis zu 12 Stunden pro Tag, eine durchgehende Lenkzeit von zweimal 4,5 Stunden innerhalb eines Einsatzes von 9,75 Stunden und eine durchgehende Lenkzeit von 6 Stunden mit einer 10-minütigen Pause nach jeder Stunde mit sich. Schließlich erfordere die Tätigkeit des Buslenkers die in der Führerscheingesetz-Gesundheitsverordnung (FSG-GV) normierte gesundheitliche Eignung zum Lenken von Kraftfahrzeugen der Klasse D, insbesondere eine kraftfahrspezifische verkehrspsychologische Leistungsfähigkeit iSd §18 FSG-GV (Beobachtungsfähigkeit sowie Überblicksgewinnung, Reaktionsverhalten, insbesondere die Geschwindigkeit und Sicherheit der Entscheidung und Reaktion sowie Belastbarkeit des Reaktionsverhaltens, Konzentrationsvermögen, Sensomotorik und Intelligenz und Erinnerungsvermögen), ein Hörvermögen iSd § 9 Z 2 FSG-GV und ein Sehvermögen iSd § 7 FSG-GV. 5 Zur Dienstfähigkeit des Mitbeteiligten wurde ausgeführt, er habe sich im September 2017 einer Bandscheibenoperation unterzogen, der postoperative Verlauf sei gut, der Mitbeteiligte habe aktuell keine diesbezüglichen Beschwerden. Er habe ein Krampfadernleiden beider unteren Extremitäten und habe sich 2011 einer Varizenoperation unterzogen. Weiters habe der Mitbeteiligte in der Vergangenheit an einer Vorfußheberschwäche rechts gelitten, die sich gut zurückgebildet habe. 6 Dem Mitbeteiligten seien das ständige Lenken eines Buses, fallweise schwere körperliche Belastung, eine durchgehende Lenkzeit von zweimal 4,5 Stunden innerhalb eines Einsatzes von 9,75 Stunden und eine durchgehende Lenkzeit von 6 Stunden mit einer 10-minütigen Pause nach jeder Stunde zumutbar. 7 Dem Mitbeteiligten seien in Ausnahmefällen schwere Hebe- und Trageleistungen zumutbar. 8 Ein Einsatz von bis zu 12 Stunden pro Tag sei dem Mitbeteiligten möglich, er verfüge über eine durchschnittliche Auffassungsgabe und Konzentration, seine Hör- und Sehleistung sei normal. Ihm seien fallweise besonderer Zeitdruck und durchschnittliche psychische Anforderungen zumutbar. Aus psychodiagnostischer Sicht zeigten sich beim Mitbeteiligten in den Leistungs- und Belastungstests generell keine Auffälligkeiten. Im Reizreaktionstest erfülle der Mitbeteiligte die Normen für die kraftfahrspezifische verkehrspsychologische Leistungsfähigkeit iSd §18 FSG-GV. Es gebe keine Hinweise auf eine vorzeitige Ermüdbarkeit. 9 Die Lenkberechtigung des Mitbeteiligten für die Klasse D sei im Juli 2018 nach ärztlichem Gutachten um 5 Jahre verlängert worden. 10 Das Bundesverwaltungsgericht führte eine umfangreiche Beweiswürdigung (Seite 6 bis Seite 10 des angefochtenen Erkenntnisses) durch, wobei es sich insbesondere auch damit befasste, aufgrund welcher Erwägungen es zu dem Ergebnis gelangte, dass schwere Hebe- und Trageleistungen nur in absoluten Ausnahmefällen notwendig seien, und dass mit der Tätigkeit des Mitbeteiligten nicht eine Wochendienstleistung von 55 Stunden einhergehe. Es begründete im Rahmen der Beweiswürdigung die Feststellungen zu den psychischen und sensorischen Anforderungen an die Tätigkeit als Omnibuslenker, dazu welche Tätigkeiten dem Mitbeteiligten in zeitlicher Hinsicht in welchem Umfang zumutbar seien, zur fallweisen Zumutbarkeit schwerer körperlicher Belastung und zur in Ausnahmefällen schweren Trage- und Hebeleistungen, sowie zur kraftfahrspezifischen verkehrspsychologischen Leistungsfähigkeit des Mitbeteiligten iSd § 18 FSG-GV. 11 In rechtlicher Hinsicht führte das Bundesverwaltungsgericht aus, nach der ständigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes setze § 14 Abs. 1 BDG 1979 die dauernde Dienstunfähigkeit voraus. Für das Vorliegen der Dienstunfähigkeit verlange § 14 Abs. 3 BDG 1979 das kumulative Vorliegen zweier Voraussetzungen, nämlich die Unfähigkeit der Erfüllung der dienstlichen Aufgaben des Beamten an seinem aktuellen Arbeitsplatz infolge seiner körperlichen oder geistigen Verfassung und die Unmöglichkeit der Zuweisung eines den Kriterien der zitierten Gesetzesbestimmung entsprechenden mindestens gleichwertigen Arbeitsplatzes. Beide Voraussetzungen für das Vorliegen der Dienstunfähigkeit müssten kumulativ und auf Dauer, also für einen nicht absehbaren Zeitraum vorliegen, damit von einer dauernden Dienstunfähigkeit im Verständnis des § 14 Abs. 1 BDG 1979 ausgegangen werden könne (Hinweis auf VwGH 11.4.2018, Ra 2017/12/0090, mwN). 12 Nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes sei unter der bleibenden Unfähigkeit des Beamten, seinen Dienstposten ordnungsgemäß zu versehen, alles zu verstehen, das die Eignung des Beamten zur Versehung des Dienstpostens dauernd aufhebe. Unter dem Begriff ordnungsgemäße Versehung des Dienstpostens sei sowohl eine qualitativ einwandfreie als auch eine mengenmäßig entsprechende Dienstleistung maßgebend. Eine Dienstunfähigkeit durch Erkrankung liege dann vor, wenn durch diese die ordnungsgemäße Dienstleistung verhindert werde oder durch die Dienstleistung die Gefahr der Verschlimmerung der Erkrankung gegeben wäre oder die Dienstleistung für den Beamten ein objektiv unzumutbares Unbill darstellen würde (Hinweis auf VwGH 21.3.2017, Ra 2017/12/0002, mwN). 13 Maßgebend sei primär jener Arbeitsplatz, der dem Beamten zuletzt dienstrechtlich zugewiesen gewesen sei (Hinweis auf VwGH 30.6.2010, 2009/12/0154, mwN). In diesem Zusammenhang vertrete der Verwaltungsgerichtshof in ständiger Rechtsprechung, dass es für die Feststellung der Wertigkeit eines Arbeitsplatzes nicht auf einen nach Organisationsnormen gesollten Zustand ankomme; entscheidend seien vielmehr die nach Maßgabe der herrschenden Weisungslage wirksam zugewiesenen Arbeitsplatzaufgaben. Dies gelte auch für die Beurteilung der Frage, von welcher aktuellen Verwendung (von welchem Arbeitsplatz) als Maßstab für weitere zu setzende Personalmaßnahmen auszugehen sei. Diese für Personalmaßnahmen getroffene Aussage sei auch auf die hier maßgebliche Frage zu übertragen, von welchem Arbeitsplatz für die im Ruhestandsversetzungsverfahren gebotene Primärprüfung auszugehen sei (Hinweis auf VwGH 19.10.2016, Ra 2015/12/0041, mwN). 14 Soweit die Beurteilung der Dienstunfähigkeit von der Beantwortung von Fragen abhänge, die in das Gebiet des ärztlichen oder berufskundlichen Fachwissens fielen, sei gemäß § 14 Abs. 3 BDG 1979 betreffend die gemäß § 17 Abs. 1a Poststrukturgesetz (PTSG) zugewiesenen Beamtinnen und Beamten Befund und Gutachten von der Pensionsversicherungsanstalt (PVA) einzuholen. 15 Aufgrund des durchgeführten Ermittlungsverfahrens und des festgestellten Sachverhalts ergebe sich bei einer Gegenüberstellung der Anforderungen an den Arbeitsplatz des Mitbeteiligten einerseits und seines Gesundheitszustandes andererseits, dass der Mitbeteiligte aufgrund seiner körperlichen und geistigen Verfassung zur Erfüllung seiner dienstlichen Aufgaben in der Lage sei: Dem Mitbeteiligten seien insbesondere das ständige Lenken eines Busses, in Ausnahmefällen schwere Trage- und Hebeleistungen, fallweise schwere körperliche Belastung, eine Arbeitszeit von bis zu 12 Stunden pro Tag, eine durchgehende Lenkzeit von zweimal 4,5 Stunden innerhalb eines Einsatzes von 9,75 Stunden und eine durchgehende Lenkzeit von 6 Stunden mit einer 10-minütigen Pause nach jeder Stunde zumutbar. Weiters erfülle der Mitbeteiligte die durch in der FSG-GV normierte gesundheitliche Eignung zum Lenken von Kraftfahrzeugen der Klasse D, insbesondere verfüge er über eine kraftfahrspezifische verkehrspsychologische Leistungsfähigkeit iSd § 18 FSG-GV (Beobachtungsfähigkeit sowie Überblicksgewinnung, Reaktionsverhalten, insbesondere die Geschwindigkeit und Sicherheit der Entscheidung und Reaktion sowie die Belastbarkeit des Reaktionsverhaltens, Konzentrationsvermögen, Sensomotorik und Intelligenz und Erinnerungsvermögen, ein Hörvermögen iSd § 9 Z 2 FSG-GV und ein Sehvermögen iSd § 7 FSG-GV. 16 Es bestünden daher keine Anhaltspunkte für eine dauernde Dienstunfähigkeit des Mitbeteiligten iSd § 14 Abs. 2 BDG 1979. 17 Bei dem vorliegenden Verfahrensergebnis erübrige es sich, auf die Möglichkeit der Zuweisung von Verweisungsarbeitsplätzen einzugehen. 18 Der Beschwerde sei daher stattzugeben und der angefochtene Bescheid ersatzlos aufzuheben gewesen. 19 Dagegen richtet sich die vorliegende Amtsrevision des beim Vorstand der Österreichischen Postbus AG eingerichteten Personalamts mit dem Antrag, das angefochtene Erkenntnis wegen Rechtswidrigkeit seines Inhalts bzw. infolge Verletzung von Verfahrensvorschriften aufzuheben. 20 Der Mitbeteiligte beantragte in seiner Revisionsbeantwortung, die außerordentliche Revision als unzulässig zurückzuweisen, in eventu diese als unbegründet abzuweisen. 21 In der umfangreichen Zulässigkeitsbegründung der Revision werden dem Bundesverwaltungsgericht unterlaufene Verfahrensmängel behauptet. So wird vorgebracht, das Bundesverwaltungsgericht habe aktenwidrig die Feststellung getroffen, dass eine Wochendienstleistung von 55 Stunden nicht erforderlich sei. Weiters habe das Bundesverwaltungsgericht zu Unrecht den im Schriftsatz vom 8. Oktober 2019 zur Wochendienstleistung von 55 Stunden am Arbeitsplatz gestellten Beweisantrag nicht berücksichtigt. Es habe widersprüchliche Gutachten zur Erforderlichkeit schwerer Hebe- und Trageleistungen und zur 12-stündigen Dienstleistung täglich nicht abgewogen und die Schlüssigkeit der Gutachten nicht überprüft und sei ohne ausreichende Begründung vom Anforderungsprofil der Behörde abgewichen. 22 Mit dem in diesem Zusammenhang erstatteten Vorbringen wird die Zulässigkeit der Revision nicht aufgezeigt. 23 Nach Art. 133 Abs. 4 B-VG ist gegen ein Erkenntnis des Verwaltungsgerichtes die Revision zulässig, wenn sie von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, insbesondere weil das Erkenntnis von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abweicht, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes nicht einheitlich beantwortet wird. 24 Nach § 34 Abs. 1 VwGG sind Revisionen, die sich wegen Nichtvorliegen der Voraussetzungen des Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zur Behandlung eignen, ohne weiteres Verfahren in nicht öffentlicher Sitzung mit Beschluss zurückzuweisen. Hat das Verwaltungsgericht - wie im gegenständlichen Fall - ausgesprochen, dass die Revision nicht gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG zulässig ist, hat die Revision gemäß § 28 Abs. 3 VwGG auch gesondert die Gründe zu enthalten, aus denen entgegen dem Ausspruch des Verwaltungsgerichts die Revision für zulässig erachtet wird. 25 Nach § 34 Abs. 1a VwGG ist der Verwaltungsgerichtshof bei der Beurteilung der Zulässigkeit der Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG an den Ausspruch des Verwaltungsgerichtes gemäß § 25a Abs. 1 VwGG nicht gebunden. Die Zulässigkeit einer außerordentlichen Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG hat der Verwaltungsgerichtshof hingegen nur im Rahmen der dafür in der Revision vorgebrachten Gründe (§ 28 Abs. 3 VwGG) zu überprüfen. 26 Zunächst ist festzuhalten, dass das Bundesverwaltungsgericht zutreffend davon ausgegangen ist, dass nach der ständigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes die dauernde Dienstunfähigkeit des Mitbeteiligten anhand der Aufgaben des ihm dienstrechtlich wirksam zugewiesenen Arbeitsplatzes zu beurteilen ist. Es kommt in diesem Zusammenhang nicht auf einen nach Organisationsnormen gesollten Zustand an, entscheidend sind vielmehr die nach Maßgabe der herrschenden Weisungslage wirksam zugewiesenen Arbeitsplatzaufgaben (vgl. VwGH 16.6.2020, Ro 2019/12/0006; 19.10.2016, Ra 2015/12/0041; 22.6.2016, 2013/12/0245; 30.6.2010, 2009/12/0154). 27 Es ist daher entgegen den Ausführungen in der Zulässigkeitsbegründung der Revision die Prüfung der dauernden Dienstunfähigkeit des Mitbeteiligten (Primärprüfung) nicht anhand eines von der Dienstbehörde erstellten Standardprofiles durchzuführen, sondern bezogen auf die Anforderungen, die der Mitbeteiligte aufgrund der Aufgaben des ihm konkret zugewiesenen Arbeitsplatzes zu erfüllen hatte. Dass der Mitbeteiligte auf diesem zu einer Dienstleistung von 55 Stunden in der Woche oder zu häufigeren als nur fallweisen schweren Hebe-und Trageleistungen verpflichtet gewesen wäre, wird in der Zulässigkeitsbegründung der Revision nicht behauptet; derartiges ergibt sich auch nicht aus dem Verwaltungsakt. 28 Nach der ständigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes liegt eine Aktenwidrigkeit nur dann vor, wenn sich die Behörde bei der Feststellung des maßgeblichen Sachverhaltes mit dem Akteninhalt hinsichtlich der dort festgehaltenen Tatsachen in Widerspruch gesetzt hat, wenn also der Akteninhalt unrichtig wiedergegeben wurde, nicht aber, wenn Feststellungen getroffen wurden, die aufgrund der Beweiswürdigung oder einer anders lautenden rechtlichen Beurteilung mit den Behauptungen einer Partei nicht übereinstimmen (vgl. VwGH 25.2.2016, Ra 2016/16/0006; 10.12.2009, 2009/09/0065; jeweils mwN). Die betreffend die zu leistenden 55 Wochenstunden behauptete Aktenwidrigkeit liegt daher nicht vor. 29 Abgesehen davon, dass in der Zulässigkeitsbegründung der Revision der Inhalt des Beweisantrags zu den zu leistenden 55 Wochenstunden, welchem das Bundesverwaltungsgericht nach Ansicht der Revisionswerberin hätte nachkommen müssen, gar nicht dargestellt wird, fehlt es nach den obigen Ausführungen an der konkreten Darlegung seiner Relevanz. 30 Soweit in der Zulässigkeitsbegründung der Revision gerügt wird, das Bundesverwaltungsgericht habe entgegen der ständigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes die widersprüchlichen Gutachten betreffend die dem Mitbeteiligten nach den Feststellungen des Bundesverwaltungsgerichts in Ausnahmefällen zumutbaren schweren Trage- und Hebeleistungen nicht gegeneinander abgewogen, ist auf dessen Ausführungen im Rahmen der Beweiswürdigung auf den Seiten 8 und 9 des angefochtenen Erkenntnisses zu verweisen, in denen eine Auseinandersetzung sowohl mit dem internistischen und dem orthopädischen Gutachten erfolgte, die jeweils fallweise schwere Trage- und Hebeleistungen als zumutbar erachteten, als auch mit dem Gesamtgutachten der Sachverständigen für Neurologie Dr. M, die Gegenteiliges ausführte (aaO im angefochtenen Erkenntnis). 31 Entgegen den Ausführungen in der Zulässigkeitsbegründung hat sich das Bundesverwaltungsgericht im Rahmen der Beweiswürdigung auch ausführlich mit der Frage auseinandergesetzt, weshalb es den internistischen und orthopädischen Gutachten folgte, wonach dem Mitbeteiligten eine tägliche Dienstzeit von 12 Stunden zumutbar sei und nicht dem Gesamtgutachten, das es in diesem Zusammenhang als nicht von den tatsächlichen und gesetzlichen Anforderungen ausgehend für unschlüssig erachtete (vgl. Seite 9 bis 10 des angefochtenen Erkenntnisses). 32 Ob ein Verwaltungsgericht seiner Begründungspflicht in Ansehung der Tatfrage genügt, stellt nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofs eine einzelfallbezogene Frage des Verfahrensrechtes dar, welcher dann grundsätzliche Bedeutung zukommen kann, wenn tragende Grundsätze des Verfahrensrechts auf dem Spiel stehen (vgl. z.B. VwGH, 26.2.2016, Ra 2016/12/0013). Beruht die Beweiswürdigung des Verwaltungsgerichts nicht auf einer geradezu unvertretbaren Auslegung des Inhaltes und Umfanges der Begründungspflicht, so liegt eine grundlegende Verkennung tragender Verfahrensgrundsätze nicht vor (vgl. z.B. VwGH 28.2.2019, Ra 2018/12/0023). Dafür bestehen im Revisionsfall aber keine Anhaltspunkte. Dass die Beweiswürdigung allenfalls bei einer Feinprüfung im konkreten Einzelfall nicht in jedem Punkt als stichhaltig erkannt werden würde, bewirkt hingegen nicht die Zulässigkeit der Revision. 33 Hinsichtlich der weiteren Behauptung, dass das Bundesverwaltungsgericht zu Unrecht vom Anforderungsprofil der Dienstbehörde abgewichen sei, wird auf obige Ausführungen verwiesen. Auch in diesem Zusammenhang wird nicht behauptet, dass das Bundesverwaltungsgericht ausgehend von den mit dem konkret zugewiesenen Arbeitsplatz verbundenen Aufgaben des Mitbeteiligten von einem unrichtigen Anforderungsprofil ausgegangen wäre. Ebenso wenig wird ausgehend von der oben wiedergegebenen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes in diesem Zusammenhang eine Rechtsfrage grundsätzlicher Bedeutung betreffend die vom Bundesverwaltungsgericht vorgenommene Beweiswürdigung aufgezeigt. 34 Die vorliegende Revision war daher nach § 34 Abs. 1 und 3 VwGG wegen Nichtvorliegen der Voraussetzungen des Art. 133 Abs. 4 B-VG mit Beschluss zurückzuweisen. 35 Die Entscheidung über den Aufwandersatz gründet auf den §§ 47 ff VwGG iVm der VwGH-Aufwandersatzverordnung 2014. Wien, am 6. Oktober 2020
JWT_2019120081_20200527L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019120081.L00
Ra 2019/12/0081
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019120081_20200527L00/JWT_2019120081_20200527L00.html
1,590,537,600,000
2,441
Spruch Die Revision wird zurückgewiesen. Begründung 1 Der Mitbeteiligte steht in einem öffentlich-rechtlichen Ruhestandsverhältnis zum Bund. Er wurde zuletzt als Berufsoffizier der Verwendungsgruppe H2 bei dem Kommando Führungsunterstützung & Cyber Defense verwendet. 2 Mit Schreiben vom 25. Mai 2018 wurde der Dienstbehörde (nunmehr: Kommando Streitkräftebasis) durch den Bundesminister für Landesverteidigung bezogen auf die besoldungsrechtliche Einstufung des Mitbeteiligten unter dem Betreff „PERSIS Buchungen - Veranlassung“ mitgeteilt, dass trotz des dem Mitbeteiligten im Zeitraum von 31. Dezember 2008 bis 30. Dezember 2013 gemäß § 75 BDG 1979 gewährten Karenzurlaubes gehaltsrechtliche Vorrückungen unter Miteinbeziehung des zuletzt genannten Zeitraumes erfolgt seien. Die Dienstbehörde wurde angewiesen, unter Berücksichtigung einer dreijährigen Verjährungsfrist ab 1. April 2015 die „PERSIS Buchungen“ auf „PVC 52 m.W.v. 01.04.2015 auf H2/VI/06 mit n.V. 01.01.2017“ sowie „PVC 5V m.W.v. 01.01.2017 auf H2/VI/07 mit n.V. 01.01.2019“ zu korrigieren und den Mitbeteiligten davon in Kenntnis zu setzen. 3 Mit Erledigung vom 12. Juni 2018 informierte die Dienstbehörde den Mitbeteiligten unter Hinweis auf den im Zeitraum vom 31. Dezember 2008 bis 30. Dezember 2013 gewährten Karenzurlaub sowie auf die gemäß § 10 Abs. 1 Z 3 GehG eingetretene Hemmung der Vorrückung dahin, dass „das System“ ungeachtet der entsprechenden Speicherung im „Persis“ in dem zuletzt genannten Zeitraum die Vorrückungen weiterhin vorgenommen habe, sodass der Mitbeteiligte zu Unrecht die mit den Vorrückungen verbundenen Gehaltserhöhungen erhalten habe. Dadurch sei „per April 2015“ ein Bruttoübergenuss in der Höhe von € 16.130,82 entstanden. Unter Berücksichtigung der Lohnsteuerrückrechnung und der „KV/SV/PB/WFB Rückrechnung“ ergebe sich ein Nettoübergenuss von € 12.532,70, der durch monatliche Ratenzahlungen hereinzubringen sei. 4 Mit Schreiben vom 14. Juni 2018 beantragte der Mitbeteiligte die Erlassung eines Bescheides betreffend seine Verpflichtung zur Rückzahlung des in Rede stehenden Übergenusses und brachte vor, dass er den Übergenuss nicht verursacht bzw. verschuldet habe. Ferner ersuchte er um eine Ratenvereinbarung. 5 Die Dienstbehörde teilte dem Mitbeteiligten mit Schreiben vom 14. November 2018 mit, dass entgegen der mit Schreiben vom 12. Juni 2018 getroffenen Aussage der Bruttoübergenuss nicht € 16.130,82 betrage, sondern per 1. Dezember 2018 lediglich ein Übergenuss in der Höhe von € 11.338,07 aushafte. Gemäß § 10 Abs. 1 Z 3 GehG werde die Vorrückung durch einen Karenzurlaub gehemmt, weshalb in diesem Zeitraum keine Vorrückung stattfinde. Das „System“ habe jedoch ungeachtet der entsprechenden Speicherung im „Persis“ die Vorrückungen in diesem Zeitraum weiterhin vorgenommen. Mit Wirksamkeit vom 1. Jänner 2014 habe der Mitbeteiligte die besoldungsrechtliche Stellung H2/VI/09 mit nächster Vorrückung am 1. Jänner 2017 aufgewiesen. Tatsächlich hätte er jedoch mit Wirksamkeit vom 1. Jänner 2014 die besoldungsrechtliche Stellung H2/VI/07 mit der nächsten Vorrückung am 1. Jänner 2016 aufweisen müssen. Im April 2018 sei eine Überprüfung seiner Besoldung vorgenommen worden. Dabei sei festgestellt worden, dass der Mitbeteiligte zu Unrecht die Gehaltserhöhungen erhalten habe, die mit der gehaltsrechtlichen Vorrückung während seiner Karenz im Zeitraum vom 31. Dezember 2008 bis 30. Dezember 2013 verbunden gewesen seien. Der daraus resultierende Bruttoübergenuss sei dem Mitbeteiligten mit Schreiben vom 12. Juni 2018 (übernommen am 22. Juni 2018) bekannt gegeben worden. In der Folge sei mit Juli 2018 eine Rate von € 194,63 und ab August 2018 eine Rate von € 200,00 einbehalten worden. Unter Bedachtnahme auf § 13b Abs. 2 GehG sei daher der Bruttoübergenuss ab Juli 2015 neu ermittelt worden. Dieser betrage € 7.258,62. Der Berechnung des neuen Bruttoübergenusses werde Folgendes zugrunde gelegt: Der Bruttoübergenuss werde ab Juli 2015 und nicht - wie im Schreiben vom 12. Juni 2018 angegeben - ab April 2015 ermittelt, weshalb auch der Übergenuss (in einer dem Mitbeteiligten übermittelten tabellarischen Aufstellung) unter der Überschrift „Richtigstellung“ für die Monate April 2015, Mai 2015 und Juni 2015 mit Null bemessen worden sei. Der Mitbeteiligte weise mit Wirksamkeit vom 1. Juli 2015 die besoldungsrechtliche Stellung H2/VI/07 mit der nächsten Vorrückung am 1. Jänner 2016 und nicht - wie im Schreiben vom 12. Juni 2018 angegeben - die besoldungsrechtliche Stellung H2/VI/06 mit der nächsten Vorrückung am 1. Jänner 2017 auf. Davon ausgehend ergebe sich mit Wirksamkeit vom 1. Jänner 2016 die besoldungsrechtliche Stellung H2/VI/08 mit der nächsten Vorrückung am 1. Jänner 2018 und mit Wirksamkeit vom 1. Jänner 2018 die besoldungsrechtliche Stellung H2/VI/09 mit der nächsten Vorrückung am 1. Jänner 2020. Aufgrund dieser geänderten „Vorrückungen“ seien dem Mitbeteiligten im Juli 2018, im August 2018 und im September 2018 ein zu geringer Grundbezug und für das dritte Quartal eine zu geringe Sonderzahlung angewiesen worden, die ihm nunmehr im Oktober 2018 nachgezahlt worden sei. Die Beträge in der Höhe von jeweils € 225,80 (Juli 2018, August 2018 und September 2018) und € 112,90 (Sonderzahlung drittes Quartal 2018) seien daher bei der Berechnung des Bruttoübergenusses in Abzug gebracht worden. Die Gesamthöhe des Bruttoübergenusses bzw. des „neuen“ Bruttoübergenusses ergebe sich aus der Summe des auf jeden Monat entfallenen Übergenussbetrages im Zeitraum von April 2015 bis Juni 2018 bzw. von Juli 2015 bis Juni 2018. Die Berechnung der Lohnsteuer und der Sozialversicherungsbeiträge erfolge automatisch durch die Lohnverrechnungssoftware (SAP) und werde auf Grundlage der gesetzlichen Vorgaben berechnet. Die Höhe der Lohnsteuer (= € 843,18) und der Sozialversicherungsbeiträge (= € 2.754,94), die auf den zu Unrecht angewiesenen Bezugsteil entfielen, seien beim Bruttoübergenuss durch das SAP automatisch in Abzug gebracht. Der Übergenuss habe somit mit Ende Juni 2018 € 12.532,70 betragen. Die Änderungen der jeweiligen besoldungsrechtlichen Stellung und des Zeitpunkts, ab welchem der Bruttoübergenuss berechnet worden sei, hätten die an den Mitbeteiligten angewiesenen Nachzahlungen von insgesamt € 4.947,21 für die Monate Oktober 2018, November 2018 und Dezember 2018 zur Folge gehabt. Für diese Nachzahlungen habe der Mitbeteiligte Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträge entrichtet, wodurch sich die Höhe des Auszahlungsbetrages reduziert habe. Aus technischen Gründen sei es dem SAP jedoch nicht möglich, die an den Mitbeteiligten ausgezahlten Nachzahlungen von insgesamt € 4.947,21 mit dem noch offenen Übergenuss gegenzurechnen. Das SAP sei technisch gesehen nur in der Lage, die von Juli 2018 bis Dezember 2018 vom Mitbeteiligten geleisteten Raten von insgesamt € 1.194,63 in Abzug zu bringen, sodass per 1. Dezember 2018 ein Übergenuss von € 11.338,07 aushafte. Der Betrag von € 11.338,07 reduziere sich erst dann um den Betrag von € 4.947,21, wenn der Mitbeteiligte von einer Einzahlung in dieser Höhe Gebrauch mache. Bei einer allfälligen Einzahlung eines Betrages von € 4.947,21 würde sich der Übergenuss auf € 6.390,86 reduzieren und es würde dieser Betrag auch im SAP aufscheinen. Die in der Tabelle aufscheinende Differenz von € 326,87 (= € 6.390,86 - € 6.063,99) gehe auf die steuerliche „Aufrollung“ (Nachzahlungen von Grundbezügen und Sonderzahlungen und die daraus resultierende Berechnung der Lohnsteuer und der Sozialversicherungsbeiträge, Änderung des Jahressechstel etc.) zurück, die vom SAP automatisch vorgenommen worden und daher nicht darstellbar seien. 6 Der Mitbeteiligte erstattete eine Stellungnahme. 7 Mit Bescheid vom 11. Februar 2019 stellte die Dienstbehörde unter Spruchpunkt I. gemäß § 13a Abs. 3 GehG fest, dass der Mitbeteiligte im Zeitraum vom 1. April 2015 bis zum 30. Juni 2018 die mit den während seines Karenzurlaubes vom 31. Dezember 2008 bis zum 30. Dezember 2013 zu Unrecht erfolgten „Vorrückungen“ verbundenen Gehaltserhöhungen zu Unrecht bezogen habe und daher zum Ersatz dieses Bruttoübergenusses in der Höhe von € 16.130,82 (Nettoübergenuss in der Höhe von € 12.532,70) gemäß § 13a Abs. 1 GehG verpflichtet sei. Der offene Nettoübergenuss in der Höhe von € 12.532,70 sei beginnend mit Juli 2018 in monatlichen Teilbeträgen wie folgt zurückzuzahlen: - eine Monatsrate in der Höhe von € 194,63 (Juli 2018) - 61 Monatsraten in der Höhe von € 200,00 (ab August 2018) - eine Restrate in der Höhe von € 138,07. Unter Spruchpunkt II. schloss die Dienstbehörde die aufschiebende Wirkung einer gegen diesen Bescheid erhobenen Beschwerde gemäß § 13 Abs. 2 VwGVG aus. 8 Die Behörde hielt begründend u.a. fest, dass unter Bedachtnahme auf die Verjährungsbestimmung des § 13b Abs. 2 GehG ein Bruttoübergenuss in der Höhe von € 7.258,62 vorliege. Dieser ergebe sich aus der Summe des auf jeden Monat entfallenden Übergenussbetrages im Zeitraum von Juli 2015 bis Juli 2018. Die Differenz in der Höhe von € 326,87 (= € 5.990,86 - € 5.663,99), die in der dem Mitbeteiligten unter einem mit dem Bescheid übermittelten Tabelle aufscheine, gehe auf die steuerliche „Aufrollung“ zurück. Die Änderung der jeweiligen besoldungsrechtlichen Stellung sowie des Zeitpunkts, ab welchem der Bruttoübergenuss berechnet worden sei, habe die dem Mitbeteiligten angewiesenen Nachzahlungen von insgesamt € 4.947,21 für die Monate Oktober bis Dezember 2018 zur Folge gehabt. Es werde festgestellt, dass es dem SAP aus technischen Gründen nicht möglich sei, die an den Mitbeteiligten ausbezahlten Nachzahlungen von insgesamt € 4.947,21 mit dem noch offenen Übergenuss gegenzurechnen. Das SAP sei technisch gesehen nur in der Lage, die von Juli 2018 bis Februar 2019 vom Mitbeteiligten geleisteten Raten in der Höhe von insgesamt € 1.594,63 in Abzug zu bringen, sodass per 1. Februar 2019 ein Übergenuss von € 10.938,07 aushafte. Der Betrag von € 10.938,07 reduziere sich erst dann um den Betrag von € 4.947,21, wenn der Mitbeteiligte von einer Einzahlung in dieser Höhe Gebrauch mache. Bis dato sei die an den Mitbeteiligten ausgezahlte Nachzahlung von insgesamt € 4.947,21 nicht an das von der Dienstbehörde bekannt gegebene Konto überwiesen worden. Daher hafte im SAP weiterhin der abzüglich der vom Mitbeteiligten geleisteten Ratenzahlungen ermittelte Übergenuss in der Höhe von € 10.938,07 per 1. Februar 2019 aus und es scheine im SAP nicht der „neue“, abzüglich der Ratenzahlungen ermittelte Übergenuss von € 5.663,99 per 1. Februar 2019 auf. Dies sei auch der Grund, weshalb unter Spruchpunkt I. von dem ursprünglich berechneten Bruttoübergenuss in der Höhe von € 16.130,82 und von einem Nettoübergenuss in der Höhe von € 12.532,70 per 1. Juli 2018 ausgegangen werde. Der Rückforderung der vom Mitbeteiligten vor Juli 2015 zu Unrecht empfangenen Bezugsbestandteile stehe die Verjährungsfrist von drei Jahren ab Entrichtung entgegen. 9 Gegen diesen Bescheid erhob der Mitbeteiligte Beschwerde. 10 Mit dem angefochtenen Erkenntnis wies das Bundesverwaltungsgericht die Beschwerde gemäß § 13a Abs. 1 GehG in Verbindung mit § 28 Abs. 1 und 2 VwGVG als unbegründet ab und es bestätigte den angefochtenen Bescheid mit der Maßgabe, dass festgestellt werde, dass per 1. Februar 2019 ein Bruttoübergenuss in der Höhe von € 5.663,99 zulasten des Mitbeteiligten aushafte. 11 Das Verwaltungsgericht stellte fest, dass im Zeitraum vom 1. Juni 2015 bis zum 1. Juni 2018 an den Mitbeteiligten unter Berücksichtigung der Sonderzahlungen € 161.698,12 ausbezahlt worden seien. Tatsächlich hätten ihm aber nur € 153.646,20 gebührt. Das ergebe zum 1. Juni 2018 einen Übergenuss in der Höhe von € 8.051,92. Unter Berücksichtigung von Gehaltsnachzahlungen in den Monaten Juli, August und September 2018 sowie der Nachzahlung für die Sonderzahlung im dritten Quartal 2018 ergebe sich ein Bruttoübergenuss von € 7.258,62. Der Mitbeteiligte habe im Juli 2018 € 194,63, in den Monaten August 2018 bis einschließlich Februar 2019 insgesamt € 1.400,-- (monatliche Ratenzahlung von € 200,--) zurückbezahlt, sodass per 1. Februar 2019 ein Bruttoübergenuss in der Höhe von € 5.663,99 ausgehaftet habe. 12 In rechtlicher Hinsicht ging das Gericht mit näherer Begründung davon aus, dass der Mitbeteiligte die in Rede stehenden Zahlungen nicht gutgläubig empfangen habe, und es führte aus, weshalb die weiteren Einwendungen des Mitbeteiligten hinsichtlich der lohnsteuerrechtlichen Behandlung des Übergenusses nicht zutreffend seien und weshalb darüber hinaus nur jene Übergenussbeträge Gegenstand der Rückforderung nach § 13a GehG seien, die nach dem 13. Juni 2015 zu verzeichnen seien. Die Beschwerde des Mitbeteiligten sei daher mit der aus dem Spruch des angefochtenen Erkenntnisses ersichtlichen Modifikation abzuweisen gewesen. 13 Gegen dieses Erkenntnis richtet sich die vorliegende außerordentliche Amtsrevision, in der Rechtswidrigkeit infolge Verletzung von Verfahrensvorschriften geltend gemacht wird. 14 Zur Begründung ihrer Zulässigkeit führt die Revision aus, das Bundesverwaltungsgericht habe dem angefochtenen Erkenntnis im Hinblick auf den festgestellten Übergenuss einen aktenwidrigen Sachverhalt zu Grunde gelegt. Das Gericht habe sich nicht damit auseinander gesetzt, dass der ursprünglich im SAP „aufgestellte“ Übergenuss nicht abgeändert werden könne und sich nachträgliche Änderungen in Bezug auf die Einstufung und den Zeitpunkt der Berechnung des Übergenusses in der Form auswirkten, dass Auszahlungen an den Mitbeteiligten erfolgt seien, obwohl der noch offene Bruttoübergenuss nicht vollständig beglichen worden sei. Änderungen in der Höhe eines einmal „aufgestellten“ Übergenusses im SAP könnten nur durch Einzahlungen bewirkt werden. Gegenrechnungen seien nicht möglich. Da der Mitbeteiligte die Nachzahlungen von insgesamt € 4.947,21, die durch Änderungen betreffend seine Einstufung und den Zeitpunkt der Berechnung des Übergenusses veranlasst worden seien, nicht überwiesen habe, habe sich auch der im SAP aufscheinende Übergenuss nicht reduziert. Im Hinblick darauf, dass das Bundesverwaltungsgericht vom „korrigierten“ Bruttoübergenuss ausgegangen sei, der sich aus der Änderung betreffend die besoldungsrechtliche Einstufung und den Zeitpunkt der Berechnung des Übergenusses ergeben habe, habe es dem angefochtenen Erkenntnis einen Sachverhalt zugrunde gelegt, der in den Feststellungen des vor dem Verwaltungsgericht bekämpften Bescheides vom 11. Februar 2019 keine Deckung finde. Die Voraussetzungen nach Art. 133 Abs. 4 B-VG liegen nicht vor: 15 Nach Art. 133 Abs. 4 B-VG ist gegen ein Erkenntnis des Verwaltungsgerichtes die Revision zulässig, wenn sie von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, insbesondere weil das Erkenntnis von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abweicht, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes nicht einheitlich beantwortet wird. 16 Nach § 34 Abs. 1 VwGG sind Revisionen, die sich wegen Nichtvorliegen der Voraussetzungen des Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zur Behandlung eignen, ohne weiteres Verfahren in nichtöffentlicher Sitzung mit Beschluss zurückzuweisen. 17 Nach § 34 Abs. 1a VwGG ist der Verwaltungsgerichtshof bei der Beurteilung der Zulässigkeit der Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG an den Ausspruch des Verwaltungsgerichtes gemäß § 25a Abs. 1 VwGG nicht gebunden. Die Zulässigkeit einer außerordentlichen Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG hat der Verwaltungsgerichtshof im Rahmen der dafür in der Revision vorgebrachten Gründe (§ 28 Abs. 3 VwGG) zu überprüfen. 18 Die Amtsrevision wirft dem Bundesverwaltungsgericht vor, es habe dem angefochtenen Erkenntnis aktenwidrige Feststellungen insofern zugrunde gelegt, als das Gericht die an den Mitbeteiligten in den Monaten von Oktober 2018 bis Dezember 2018 erfolgten Zahlungen (die aus der Richtigstellung des für den Zeitraum von 1. April 2015 bis zum 30. Juni 2018 errechneten Übergenussbetrages resultierten) nicht bei der Ermittlung des in Rede stehenden Übergenusses berücksichtigt habe. Dem ist Folgendes entgegen zu halten: 19 Aktenwidrigkeit liegt vor, wenn die Entscheidung in ihrer Begründung von Sachverhalten ausgeht, die sich aus dem Akt überhaupt nicht oder nicht in der angenommenen Weise ergeben, wenn also die Feststellung jener tatsächlichen Umstände unrichtig ist, die für den Spruch der Entscheidung ausschlaggebend sind (VwGH 24.7.2019, Ra 2018/02/0195). Eine solche Aktenwidrigkeit liegt hier nicht vor. 20 Entsprechend dem (insoweit auch durch das Bundesverwaltungsgericht bestätigten) Spruch des Bescheides vom 11. Februar 2019 ist Gegenstand des vorliegenden Verfahrens der im Zeitraum vom 1. April 2015 bis zum 30. Juni 2018 entstandene Übergenuss und die daraus resultierende Rückzahlungsverpflichtung des Mitbeteiligten, die - nach den übereinstimmenden Feststellungen der Dienstbehörde und des Verwaltungsgerichts - darauf zurückzuführen seien, dass dieser im genannten Zeitraum zu Unrecht Gehaltserhöhungen bezogen habe, die mit den während seines Karenzurlaubes vom 31. Dezember 2008 bis zum 30. Dezember 2013 im „System“ irrtümlich vorgenommenen gehaltsrechtlichen Vorrückungen verbunden gewesen seien. 21 Somit erschließt sich aus dem Gegenstand des vorliegenden Verfahrens, der maßgeblich auch durch jenen Zeitraum determiniert wurde, für den der Übergenuss spruchgemäß bestimmt wurde, dass weitere Zahlungen an den Mitbeteiligten, die dieser außerhalb dieses Zeitraums empfangen hatte, gemäß § 13a GehG nicht bei der Berechnung des Übergenusses miteinzubeziehen sind. 22 Technische Schwierigkeiten, die sich bei der automationsunterstützten Erfassung des gemäß § 13a GehG zu ermittelnden Übergenusses ergeben, sind in rechtlicher Hinsicht nicht ausschlaggebend (vgl. z.B. zur Verwendung eines bestimmten EDV-Programmes, welches ein Abgehen von den gesetzlichen Vorgaben betreffend die Festlegung und Genehmigung von Urlaubsstunden keinesfalls rechtfertigt, VwGH 4.12.2019, Ra 2019/12/0067). 23 Der Vorwurf, die entscheidungswesentlichen Feststellungen des Bundesverwaltungsgerichts seien aktenwidrig, weil an den Mitbeteiligten (nach dem 30. Juni 2018 geleistete) Zahlungen in der Höhe von € 4.947,21 bei der Ermittlung des Übergenussbetrages nicht berücksichtigt worden seien, verfängt nicht, weil sich die diesbezüglichen Feststellungen des Gerichts mit den in den Akten befindlichen (und zudem den Feststellungen des dienstbehördlichen Bescheides zugrunde gelegten) tabellarischen Aufstellungen der Behörde decken. Aus diesen ist ersichtlich, dass (was im Übrigen in der Revision nicht in Abrede gestellt wird) die betreffenden Zahlungen in der Höhe von insgesamt € 4.947,21 nicht in dem hier maßgeblichen Zeitraum vom 1. April 2015 bis zum 30. Juni 2018 erfolgten und daher - wie soeben dargelegt - aus rechtlichen Gründen nicht bei der Ermittlung des hier gegenständlichen Übergenussbetrages miteinzubeziehen waren. 24 Ein allenfalls infolge der in den Monaten von Oktober bis Dezember 2018 geleisteten Nachzahlungen in der Höhe von € 4.947,21 entstandener (weiterer) Übergenuss des Mitbeteiligten, der sich der Sache nach daraus ergäbe, dass der hier verfahrensgegenständliche Übergenuss (sowie die damit in Zusammenhang stehende Rückzahlungsverpflichtung) entgegen der Rechtsauffassung der revisionswerbenden Behörde unter Außerachtlassung des zuletzt genannten Betrages zu ermitteln ist (sind), ist im Revisionsfall nicht zu beurteilen. 25 Die in den Monaten von Oktober bis Dezember 2018 erfolgten weiteren Zahlungen an den Mitbeteiligten hatten in Ansehung der von der revisionswerbenden Behörde und dem Gericht getroffenen Aussprüche, zu denen die Amtsrevision keine weiteren Rechtsfragen aufwirft, außer Betracht zu bleiben. 26 Da somit die Voraussetzungen nach Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht vorliegen, war die Amtsrevision gemäß § 34 Abs. 1 VwGG ohne weiteres Verfahren zurückzuweisen. Wien, am 27. Mai 2020
JWT_2019120082_20200430L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019120082.L00
Ra 2019/12/0082
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019120082_20200430L00/JWT_2019120082_20200430L00.html
1,588,204,800,000
3,971
Spruch Der angefochtene Beschluss wird wegen Rechtswidrigkeit seines Inhaltes aufgehoben. Der Bund hat der Revisionswerberin Aufwendungen in der Höhe von EUR 1.346,40 binnen zwei Wochen bei sonstiger Exekution zu ersetzen. Begründung 1 Die Revisionswerberin steht in einem öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis zum Bund und stand bis Ende des Jahres 2004 beim Bundessozialamt in Verwendung, wo sie mit Aufgaben der dortigen Buchhaltung betraut war. Sie war ab 1. Jänner 2005 in der Personalabteilung (des Amtes) der Buchhaltungsagentur des Bundes als Referentin für Personalangelegenheiten und Stellvertreterin der Leiterin dieser Abteilung tätig. 2 Mit Eingabe vom 29. Juni 2006 beantragte sie die bescheidmäßige Feststellung ihrer besoldungsrechtlichen Stellung und der Wertigkeit ihres Arbeitsplatzes. 3 Mit Bescheid vom 5. Oktober 2006 stellte das Amt der Buchhaltungsagentur unter Spruchpunkt 3. fest, dass der Arbeitsplatz "Referent/In im Stab Personal" im Einvernehmen mit dem Bundesministerium für Finanzen der Verwendungsgruppe A2, Funktionsgruppe 3, gemäß § 137 Beamten-Dienstrechtsgesetz 1979 (BDG 1979), BGBl. Nr. 333, zugeordnet worden sei. 4 Aufgrund der gegen diesen Bescheid erhobenen Berufung der Revisionswerberin holte der Bundesminister für Finanzen ein am 27. November 2007 erstelltes und am 28. August 2008 erweitertes berufskundliches Gutachten ein. Dieses wurde durch Mag. H, der in der Abteilung I/20 des Bundesministeriums für Finanzen verwendet wurde, erstellt. 5 Mit Bescheid vom 30. März 2010 wies der Bundesminister für Finanzen die Berufung vom 16. Oktober 2006 gegen Spruchpunkt 3. des Bescheides vom 5. Oktober 2006 ab und änderte gemäß § 66 Abs. 4 AVG diesen Bescheid(-punkt) dahingehend ab, dass in diesem festgestellt werde, der Arbeitsplatz "Personalreferentin und Stellvertreterin der Leiterin der Personalabteilung" werde für den Zeitraum vom 1. Jänner bis zum 31. Dezember 2005 der Verwendungsgruppe A2, Funktionsgruppe 5, und der Arbeitsplatz "Referentin für die Personalangelegenheiten mit EsB" werde für den Zeitraum 1. Jänner bis 31. Oktober 2006 der Verwendungsgruppe A2, Funktionsgruppe 3, zugeordnet. 6 Diesen Bescheid hob der Verwaltungsgerichtshof mit Erkenntnis vom 27. September 2011, 2010/12/0096, wegen Rechtswidrigkeit seines Inhaltes auf. 7 Im fortgesetzten Verfahren ergingen durch das Bundesverwaltungsgericht zunächst zwei aufhebende und zurückverweisende Beschlüsse gemäß § 28 Abs. 3 zweiter Satz VwGVG: 8 Dabei wurde mit Beschluss vom 16. Mai 2014 der Bescheid der Dienstbehörde vom 5. Oktober 2006 aufgehoben und die Angelegenheit zur Erlassung eines neuen Bescheides zurückverwiesen. Der im darauffolgenden Rechtsgang erlassene Ersatzbescheid der Dienstbehörde vom 7. Oktober 2014 wurde mit Beschluss des Bundesverwaltungsgerichts vom 14. Juli 2015 erneut aufgehoben und die Angelegenheit zur Erlassung eines neuen Bescheides zurückverwiesen. 9 Seitens der Behörde wurde im fortgesetzten Verfahren ein nichtamtlicher berufskundlicher Sachverständiger, Mag. K, mit der Erstellung eines Gutachtens beauftragt. 10 Die Revisionswerberin erhob sodann mit Eingabe vom 31. August 2016 Säumnisbeschwerde. 11 Der nichtamtliche Sachverständige Mag. K erstattete am 22. April 2017 ein schriftliches Gutachten betreffend die Bewertung des Arbeitsplatzes der Revisionswerberin. Am 2. Mai 2017 erfolgte eine schriftliche Ergänzung dieses Gutachtens. 12 In einer an das Amt der Buchhaltungsagentur gerichteten Gebührennote vom 23. Mai 2017 beanspruchte der nichtamtliche Sachverständige Gebühren in der Höhe von EUR 14.520,--. Dabei wurden 75,62 Stunden a EUR 160,-- für "Mühewaltung und Gutachten" in Rechnung gestellt. 13 Mit Schreiben vom 23. Mai 2017 übermittelte das Amt der Buchhaltungsagentur an das Bundesverwaltungsgericht das berufskundliche Gutachten vom 22. April 2017, dessen Ergänzung vom 2. Mai 2017 sowie die Gebührennote des Sachverständigen Mag. K vom 23. Mai 2017. 14 Mit Bescheid vom 24. Juli 2017 bestimmte das Amt der Buchhaltungsagentur die Gebühren für die Gutachtenserstellung durch Mag. K mit EUR 14.519,04. Die in dieser Höhe bestimmten Gebühren wurden durch das Amt der Buchhaltungsagentur am 24. Juli 2017 angewiesen. 15 Mit Schreiben vom 3. August 2017 teilte das Bundesministerium für Finanzen zu einer Anfrage des Amtes der Buchhaltungsagentur vom 10. Juli 2017 mit, dass seitens des Bundesministeriums für Finanzen kein Amtssachverständiger für Verfahren gemäß § 137 BDG 1979 für die Bewertung von Arbeitsplätzen zur Verfügung stehe. 16 Am 23. Jänner 2018 führte das Bundesverwaltungsgericht eine mündliche Verhandlung durch. Der Sachverständige Mag. K wurde mit der Erstellung eines weiteren ergänzenden Gutachtens beauftragt. 17 Mit Erkenntnis vom 18. Mai 2018 stellte das Bundesverwaltungsgericht in Erledigung der Säumnisbeschwerde der Revisionswerberin gemäß § 137 BDG 1979 in Verbindung mit § 28 Abs. 1 und 2 VwGVG fest, dass der von der Revisionswerberin in der Zeit vom 1. Jänner bis 16. November 2005 innegehabte Arbeitsplatz als Referentin für Personalangelegenheiten zugleich Stellvertreterin des Leiters Stab Personal bei der Buchhaltungsagentur des Bundes der Verwendungsgruppe A2, Funktionsgruppe 5, zugeordnet gewesen sei. 18 Mit Schreiben vom 16. Juli 2018 richtete das Amt der Buchhaltungsagentur an das Bundesverwaltungsgericht einen Antrag, in dem es eine Kostenentscheidung hinsichtlich der Barauslagen in dem mit Erkenntnis des Bundesverwaltungsgerichts vom 18. Mai 2018 abgeschlossenen Verfahren begehrte. 19 Dazu führte das Amt der Buchhaltungsagentur aus, dass im Rahmen des Arbeitsplatzbewertungsverfahrens Barauslagen betreffend das berufskundliche Gutachten des Mag. K in der Höhe von EUR 14.520,-- erwachsen seien. Der verfahrenseinleitende Antrag sei am 29. Juni 2006 von der Revisionswerberin gestellt worden. Die Honorarnote des Mag. K vom 23. Mai 2017 sei dem Bundesverwaltungsgericht am 23. Mai 2017 unter einem mit dem berufskundlichen Gutachten übermittelt worden. In einem Begleitschreiben habe die Behörde das Gericht darauf hingewiesen, dass eine Gebührenvorschreibung an die Revisionswerberin noch nicht erfolgt sei. Die von Mag. K angesprochenen Gebühren seien durch das Amt der Buchhaltungsagentur am 24. Mai 2017 angewiesen worden. Dem Amt der Buchhaltungsagentur sei seitens des zuständigen Ressorts, des Bundesministeriums für Finanzen, mitgeteilt worden, dass ein Amtssachverständiger für die Erstellung eines Arbeitsplatzbewertungsgutachtens dem Amt der Buchhaltungsagentur nicht zur Verfügung stehe. Dies sei auch schriftlich bestätigt worden. Das Amt der Buchhaltungsagentur habe mit Bescheid die Gebühren des nichtamtlichen Sachverständigen bestimmt. Aus diesem Grund werde beantragt, das Bundesverwaltungsgericht möge der Revisionswerberin gemäß § 76 Abs. 1 in Verbindung mit § 52 Abs. 2 AVG die dem Amt der Buchhaltungsagentur im Zusammenhang mit dem Arbeitsplatzbewertungsverfahren erwachsenen Barauslagen für das Sachverständigengutachten in der Höhe von EUR 14.520,-- auferlegen. 20 Am 28. März 2019 übermittelte das Bundesverwaltungsgericht der Revisionswerberin den Antrag des Amts der Buchhaltungsagentur vom 16. Juli 2018 zur Stellungnahme. 21 Mit Schreiben vom 3. April 2019 teilte die Revisionswerberin mit, dass der Antrag der Behörde einer Rechtsgrundlage entbehre. Es seien beim Bundeskanzleramt bzw. nunmehr beim Bundesministerium für öffentlichen Dienst und Sport Amtssachverständige im Sinne des § 54 AVG zur Verfügung gestanden. Die negative Äußerung des Bundesministeriums für Finanzen vom 3. August 2017 sei bedeutungslos. Im Übrigen seien dem Sachverständigen weit überhöhte Kosten zugesprochen worden. Die Gebührennote gehe über ein angemessenes Ausmaß hinaus. 22 Mit dem angefochtenen Beschluss sprach das Bundesverwaltungsgericht aus, dass der Revisionswerberin gemäß § 76 Abs. 1 AVG in Verbindung mit § 17 VwGVG der Ersatz der Barauslagen, der Kosten für die Beiziehung des nichtamtlichen Sachverständigen, Mag. K, in der Höhe von EUR 14.519,04 auferlegt werden würden. Die Revisionswerberin habe den genannten Betrag auf ein näher bezeichnetes Konto des Amtes der Buchhaltungsagentur binnen zwei Wochen ab Zustellung des angefochtenen Beschlusses bei sonstiger Exekution zu überweisen. 23 Begründend führte das Verwaltungsgericht aus, die Revisionswerberin habe den verfahrenseinleitenden Antrag auf Bewertung ihres Arbeitsplatzes gestellt. Dieser Antrag habe auch den Antrag auf Durchführung der zur vollständigen Ermittlung des Sachverhalts erforderlichen Verfahrensschritte beinhaltet. Da über den verfahrenseinleitenden Antrag der Revisionswerberin nur aufgrund eines berufskundlichen Gutachtens habe entschieden werden können, sei die Revisionswerberin zum Ersatz der Kosten verpflichtet. Soweit die Revisionswerberin einwende, dass auch Amtssachverständige des Bundeskanzleramts bzw. des Bundesministeriums für öffentlichen Dienst und Sport zur Verfügung gestanden wären, sei festzuhalten, dass es sich bei der Buchhaltungsagentur des Bundes um eine ausgegliederte Anstalt öffentlichen Rechts handle, die nicht in den Zuständigkeitsbereich des Bundeskanzleramts bzw. des Bundesministeriums für öffentlichen Dienst und Sport falle. Da im vorliegenden Fall sohin Amtssachverständige nicht zur Verfügung gestanden seien, sei die Beiziehung eines nichtamtlichen Sachverständigen gemäß § 52 Abs. 2 AVG zulässig gewesen. Dem Einwand der Revisionswerberin, wonach die festgesetzten Gebühren überhöht seien, hielt das Bundesverwaltungsgericht entgegen, dass sich der Sachverständige Mag. K in seiner Gebührennote vom 23. Mai 2017 an die in §§ 32 ff GebAG vorgegebenen Gebührensätze gehalten habe. 24 Gegen diesen Beschluss richtet sich die vorliegende außerordentliche Revision, in der Rechtswidrigkeit infolge Unzuständigkeit des Bundesverwaltungsgerichts, inhaltliche Rechtswidrigkeit sowie Rechtswidrigkeit infolge Verletzung von Verfahrensvorschriften geltend gemacht werden. 25 Das Amt der Buchhaltungsagentur erstattete eine Revisionsbeantwortung, in der die Zurückweisung, hilfsweise die Abweisung der Revision beantragt wurde. 26 Zur Begründung ihrer Zulässigkeit führt die Revision u. a. aus, das Bundesverwaltungsgericht sei zu Unrecht davon ausgegangen, dass dem Amt der Buchhaltungsagentur im Arbeitsplatzbewertungsverfahren Amtssachverständige für die Erstellung eines berufskundlichen Gutachtens nicht zur Verfügung gestanden seien. Der Verwaltungsgerichtshof hat erwogen: 27 Die Revision erweist sich im Hinblick auf das oben wiedergegebene Zulässigkeitsvorbringen als zulässig und berechtigt. 28 Die maßgeblichen Vorschriften des AVG, BGBl. Nr. 51/1991 (§ 52 in der Fassung BGBl. Nr. 471/1995; § 76 in der Fassung BGBl. I Nr. 137/2001), lauten: "Sachverständige § 52. (1) Wird die Aufnahme eines Beweises durch Sachverständige notwendig, so sind die der Behörde beigegebenen oder zur Verfügung stehenden amtlichen Sachverständigen (Amtssachverständige) beizuziehen. 1. (2)Wenn Amtssachverständige nicht zur Verfügung stehen oder es mit Rücksicht auf die Besonderheit des Falles geboten ist, kann die Behörde aber ausnahmsweise andere geeignete Personen als Sachverständige (nichtamtliche Sachverständige) heranziehen. 2. (3)Liegen die Voraussetzungen des Abs. 2 nicht vor, so kann die Behörde dennoch nichtamtliche Sachverständige heranziehen, wenn davon eine wesentliche Beschleunigung des Verfahrens zu erwarten ist. Die Heranziehung ist jedoch nur zulässig, wenn sie von demjenigen, über dessen Ansuchen das Verfahren eingeleitet wurde, angeregt wird und die daraus entstehenden Kosten einen von dieser Partei bestimmten Betrag voraussichtlich nicht überschreiten. ... § 76. (1) Erwachsen der Behörde bei einer Amtshandlung Barauslagen, so hat dafür, sofern nach den Verwaltungsvorschriften nicht auch diese Auslagen von Amts wegen zu tragen sind, die Partei aufzukommen, die den verfahrenseinleitenden Antrag gestellt hat. Als Barauslagen gelten auch die Gebühren, die den Sachverständigen und Dolmetschern zustehen. Kosten, die der Behörde aus ihrer Verpflichtung nach § 17a erwachsen, sowie die einem Gehörlosendolmetscher zustehenden Gebühren gelten nicht als Barauslagen. Im Falle des § 52 Abs. 3 hat die Partei für die Gebühren, die den nichtamtlichen Sachverständigen zustehen, nur soweit aufzukommen, als sie den von ihr bestimmten Betrag nicht überschreiten. 1. (2)Wurde jedoch die Amtshandlung durch das Verschulden eines anderen Beteiligten verursacht, so sind die Auslagen von diesem zu tragen. Wurde die Amtshandlung von Amts wegen angeordnet, so belasten die Auslagen den Beteiligten dann, wenn sie durch sein Verschulden herbeigeführt worden sind. ... 1. (5)Die Kosten, die der Behörde aus ihrer Verpflichtung nach § 17a erwachsen, sowie die den Sachverständigen und Dolmetschern zustehenden Gebühren sind - falls hiefür nicht die Beteiligten des Verfahrens aufzukommen haben - von jenem Rechtsträger zu tragen, in dessen Namen die Behörde in der Angelegenheit gehandelt hat." 29 §§ 1 und 20 des Bundesgesetzes über die Errichtung einer Buchhaltungsagentur des Bundes (Buchhaltungsagenturgesetz - BHAG-G), BGBl. I Nr. 37/2004 (in der zum Zeitpunkt der Einholung und Erstellung des in Rede stehenden Gutachtens eines nichtamtlichen Sachverständigen maßgeblichen Stammfassung), lauteten auszugsweise: "1. Abschnitt Errichtung § 1. (1) Zur Besorgung der Buchhaltungsaufgaben nach dem Bundeshaushaltsgesetz (BHG), BGBl. Nr. 213/1986, wird eine Buchhaltungsagentur als Anstalt öffentlichen Rechts mit dem Namen ‚Buchhaltungsagentur des Bundes' errichtet. ... 6. Abschnitt Überleitung der Buchhaltungsbediensteten Beamte § 20. (1) Für Beamte gemäß Abs. 2 wird das "Amt der Buchhaltungsagentur" in Wien eingerichtet. Dieses Amt ist als Dienstbehörde dem Bundesminister für Finanzen nachgeordnet und wird vom Geschäftsführer geleitet. Der Geschäftsführer ist in dieser Funktion an die Weisungen des Bundesministers für Finanzen gebunden. 1. (2)Beamte des Bundes, die am Tag vor den Zeitpunkten, die § 101 Abs. 10 BHG, BGBl. I Nr. 37/2004, festlegt, einer Buchhaltung des Bundes im Sinne des § 6 Abs. 1 BHG, BGBl. Nr. 213/1986, in der Fassung des Bundesgesetzes BGBl. I Nr. 71/2003, mit Ausnahme der gemäß § 6 Abs. 1 iVm § 5 Abs. 2 Z 2 BHG eingerichteten Buchhaltungen, zur Dienstleistung zugewiesen sind, gehören ab dem nachfolgenden Tag für die Dauer ihres Dienststandes dem Amt gemäß Abs. 1 an und sind der Buchhaltungsagentur zur Dienstleistung zugewiesen. Die Bestimmungen der Reisegebührenvorschrift, BGBl. Nr. 133/1955, sind auf diese Versetzungen nicht anzuwenden. Die Verwendung der Beamten, die der Buchhaltungsagentur zur Dienstleistung zugewiesen sind, bei einer Gesellschaft, an der die Buchhaltungsagentur zumindest mehrheitlich beteiligt ist, ist zulässig. 2. (3)Beamte gemäß Abs. 2 haben, wenn sie innerhalb von 18 Monaten nach dem Wirksamwerden des für die neu eintretenden Bediensteten geltenden Kollektivvertrages oder einer auf diesen gestützten Betriebs- oder Einzelvereinbarung ihren Austritt aus dem Bundesdienst erklären, mit Wirksamkeit von dem dem Austritt folgenden Monatsersten Anspruch auf Aufnahme in ein Arbeitsverhältnis zur Buchhaltungsagentur zu den zu diesem Zeitpunkt für neu eintretende Arbeitnehmer geltenden Bestimmungen. Die beim Bund verbrachte Dienstzeit ist dabei für alle zeitabhängigen Ansprüche anzurechnen. Außerdem ist auf diese Arbeitnehmer § 21 Abs. 3 anzuwenden. 3. (4)Für Beamte gemäß Abs. 2 gelten der II. Teil des Arbeitsverfassungsgesetzes, BGBl. Nr. 22/1974, und das ArbeitnehmerInnenschutzgesetz, BGBl. Nr. 450/1994. 4. (5)Für die Beamten gemäß Abs. 2 hat die Buchhaltungsagentur dem Bund den gesamten Aktivitätsaufwand samt Nebenkosten zu ersetzen und einen Beitrag zur Deckung des Pensionsaufwandes zu leisten. Dieser Beitrag beträgt 31,8 vH des Aufwandes an Aktivbezügen. Als Aktivbezüge gelten alle Geldleistungen, von denen ein Pensionsbeitrag zu entrichten ist. Die von den Beamten einbehaltenen Pensionsbeiträge sind mit Ausnahme der besonderen Pensionsbeiträge anzurechnen. Im Falle einer künftigen Änderung der Höhe des Pensionsbeitrages der Bundesbeamten gemäß § 22 des Gehaltsgesetzes 1956, BGBl. Nr. 54, ändert sich der Prozentsatz des Deckungsbeitrages im gleichen Ausmaß. Nach dem In-Kraft-Treten dieses Bundesgesetzes an die Buchhaltungsagentur geleistete besondere Pensionsbeiträge und Überweisungsbeiträge sind umgehend in voller Höhe an den Bund zu überweisen. Überweisungsbeträge gemäß § 311 ASVG sind durch die Buchhaltungsagentur zu tragen. Die sonstigen Zahlungen der Buchhaltungsagentur an den Bund sind jeweils am Zehnten des betreffenden Monats fällig. 5. (6)Auf die Beamten gemäß Abs. 2 findet § 15 Abs. 4 letzter Satz des Bundes-Personalvertretungsgesetzes, BGBl. Nr. 133/1967, Anwendung. 6. (7)Den Beamten gemäß Abs. 2 bleiben im Rahmen der das Dienstrecht der Beamten regelnden Rechtsvorschriften alle zustehenden Rechte gewahrt. ..." 30 § 137 Beamten-Dienstrechtsgesetz 1979 (BDG 1979), BGBl. Nr. 333 in der (zum Zeitpunkt der Einholung und Erstellung des Gutachtens des nichtamtlichen Sachverständigen maßgeblichen) Fassung BGBl. I Nr. 210/2013, lautete auszugsweise: "Bewertung und Zuordnung von Arbeitsplätzen § 137. (1) Die Arbeitsplätze der Beamten des Allgemeinen Verwaltungsdienstes sind auf Antrag des zuständigen Bundesministers vom Bundeskanzler zu bewerten und unter Bedachtnahme auf die in der Anlage 1 genannten Richtverwendungen einer Verwendungsgruppe und innerhalb dieser der Grundlaufbahn oder einer Funktionsgruppe zuzuordnen. Bei der Zuordnung zu einer Verwendungsgruppe ist auch auf die in der Anlage 1 für diese Verwendungsgruppe vorgeschriebenen Ausbildungserfordernisse Bedacht zu nehmen. ... 1. (10)Abweichend von Abs. 1 sind Arbeitsplätze der einer ausgegliederten Einrichtung zugewiesenen Beamten des Allgemeinen Verwaltungsdienstes jeweils von dem für deren Personalangelegenheiten zuständigen Mitglied der Geschäftsführung (des Vorstandes) dieser Einrichtung im Einvernehmen mit dem für die dienstbehördlichen Angelegenheiten der zugewiesenen Beamten zuständigen Bundesminister zu bewerten und unter Bedachtnahme auf die im Abs. 1 genannten Richtverwendungen einer Verwendungsgruppe und innerhalb dieser der Grundlaufbahn oder einer Funktionsgruppe zuzuordnen. Dabei ist jeweils mit der im Planstellenverzeichnis 1b zum Personalplan ausgewiesenen Anzahl und Qualität der Planstellen der dieser Einrichtung zugewiesenen Beamten das Auslangen zu finden. Der zugewiesene Beamte darf für die Dauer seiner Zuweisung zur ausgegliederten Einrichtung nur auf einem Arbeitsplatz einer Qualität verwendet werden, für die eine freie Planstelle entsprechender Qualität zur Verfügung steht. Abs. 1 letzter Satz ist nicht anzuwenden." 31 In den Materialien zu § 137 Abs. 10 BDG 1979 (RV 1182 BlgNR 21. GP, 54 f) heißt es: "Für die ausgegliederten Einrichtungen zugewiesenen Bundesbeamten des Allgemeinen Verwaltungsdienstes gelten die Bestimmungen des Beamten-Dienstrechtes über die Bewertung und Zuordnung von Arbeitsplätzen weiter. Zur Bewertung und Zuordnung dieser Arbeitsplätze ist derzeit auf Antrag des zuständigen Bundesministers der Bundesminister für öffentliche Leistung und Sport zuständig, wobei die vorgenommene Bewertung und Zuordnung der Zustimmung der Bundesregierung bedürfen. Diese Bewertung von Arbeitsplätzen in privatwirtschaftlich geführten Unternehmen durch Vertreter des Bundes bereitet insofern zunehmend Probleme, weil diese einen Gesamtüberblick über die Organisation des Unternehmens einschließlich der Arbeitsplätze der Angestellten dieser Unternehmen erfordert und diese Informationen den Bewertern in der Regel nicht zur Verfügung stehen bzw. auch nicht zur Verfügung gestellt werden müssen. Diese Bestimmung zielt daher darauf ab, die Zuständigkeit zur Bewertung von Arbeitsplätzen der ausgegliederten Einrichtungen zugewiesenen Beamten in einem eingeschränkten Umfang den Unternehmen selbst zu übertragen. Eine derartige Einschränkung erscheint zum Schutz der Interessen des Bundes im Hinblick auf die mit Höherbewertungen verbundenen Folgen für den Pensionsaufwand des Bundes erforderlich und soll in der Form vorgenommen werden, dass Neubewertungen der Arbeitsplätze der ausgegliederten Einrichtungen zugewiesenen Beamten nur mehr im Rahmen der im ANNEX/Teil 1 des Stellenplanes dargestellten und freien bzw. frei werdenden Planstellen entsprechender Qualität (Verwendungsgruppe, Grundlaufbahn oder Funktionsgruppe) zulässig sind. Mit dieser Regelung wird einerseits sichergestellt, dass nach dem Ausgliederungszeitpunkt veränderte Rahmenbedingungen mit Auswirkungen auf Arbeitsplätze der zugewiesenen Beamten von den Unternehmen selbst bewertet und gesteigerte Anforderungen durch Zuordnung zu höherwertigen Arbeitsplätzen auch abgegolten werden können. Andererseits wird mit der Bezugnahme auf die Anzahl und Wertigkeit der im ANNEX/Teil 1 des Stellenplanes dargestellten Planstellen eine gesetzliche Anpassung dieser im ANNEX/Teil 1 des Stellenplanes ausgewiesenen Planstellen aus dem Titel der Neubewertung künftig dezidiert ausgeschlossen. Um zu verhindern, dass diese Bewertungsvorschriften durch ‚faktische höherwertige Verwendungen' unterlaufen werden, sieht der vorletzte Satz dieser Bestimmung für den Fall, dass die entsprechenden freien Planstellen in der erforderlichen Qualität im Stellenplan nicht vorhanden sind, ein dienstrechtliches Verwendungsverbot vor. Die Sanktion für eine allfällige Verletzung dieser Ordnungsvorschrift trifft, wenn durch eine solche Handlung dem Bund Mehrkosten entstehen, die bei Einhaltung dieses Verwendungsverbotes nicht entstanden wären, die ausgegliederte Einrichtung in der Form, dass in diesem Fall gegen diese nach dem Organhaftpflichtgesetz vorzugehen sein wird." 32 Die Revision bestreitet zunächst die Zuständigkeit des Bundesverwaltungsgerichts zur Entscheidung über den Ersatz der in Rede stehenden Barauslagen. 33 Dazu ist festzuhalten, dass infolge einer zulässigen und berechtigten Säumnisbeschwerde nach Vorlage derselben oder ungenütztem Ablauf der Nachfrist des § 16 Abs. 1 VwGVG die Zuständigkeit, über die betriebene Verwaltungsangelegenheit zu entscheiden, auf das Verwaltungsgericht übergeht. Gleichzeitig erlischt die Zuständigkeit der Behörde spätestens mit Ablauf der dreimonatigen Nachfrist, die mit dem Einbringungszeitpunkt der - zulässigen und berechtigten - Säumnisbeschwerde zu laufen begonnen hat (siehe dazu VwGH 22.11.2017, Ra 2017/19/0421). 34 Dass die Säumnisbeschwerde der Revisionswerberin vom 31. August 2016 zulässig und berechtigt war, ist hier nicht in Zweifel zu ziehen. Von der Zulässigkeit und Berechtigung der Säumnisbeschwerde gingen im Übrigen sowohl das Bundesverwaltungsgericht als auch die Revisionswerberin aus. 35 Somit war aufgrund der Säumnisbeschwerde vom 31. August 2016 die Zuständigkeit zur Entscheidung im gegenständlichen Arbeitsplatzbewertungsverfahren nach Vorlage der Säumnisbeschwerde durch die Dienstbehörde bzw. spätestens nach Ablauf der dreimonatigen Nachfrist auf das Bundesverwaltungsgericht übergegangen. 36 Dies war mit entsprechenden Auswirkungen auf die Zuständigkeit zur Entscheidung über den Ersatz der Barauslagen nach § 76 AVG verbunden. So richtet sich nach der Judikatur des Verwaltungsgerichtshofes die Zuständigkeit betreffend die Entscheidung über den Ersatz von Barauslagen nach der Zuständigkeit in der Hauptsache (VwGH 8.5.1985, 85/01/0034, mwN; zu § 74 AVG VwGH 29.3.2012, 2012/12/0040; betreffend den Ersatz von Barauslagen in einem Verwaltungsstrafverfahren VwGH 30.1.2006, 2004/09/0136). 37 Da (infolge der zulässigen und berechtigten Säumnisbeschwerde der Revisionswerberin) die Zuständigkeit in der Hauptsache (nämlich in Angelegenheit des Antrags der Revisionswerberin auf Bewertung ihres Arbeitsplatzes) auf das Bundesverwaltungsgericht übergegangen war, kam somit diesem Gericht - zufolge der Annexität der Entscheidung über die Barauslagen - auch die Zuständigkeit in Angelegenheit des Ersatzes von Barauslagen im Sinn von § 76 AVG zu (vgl. zu einer Konstellation, in der die Zuständigkeit zur Kostenentscheidung nach einer auf § 66 Abs. 2 AVG gestützten, aufhebenden und zurückverweisenden Entscheidung der Berufungsbehörde an die Behörde erster Instanz - unter einem mit der Zuständigkeit zur Entscheidung in der Hauptsache - überging VwGH 15.10.1996, 95/05/0272). 38 Der Vorwurf der Revision, das Bundesverwaltungsgericht habe vorliegend unzuständiger Weise über den Ersatz von Barauslagen nach § 76 AVG entschieden, trifft somit nicht zu. Daran ändert - weil dies für die Frage der Zuständigkeit zur Entscheidung über die Barauslagen nicht von Bedeutung ist - der Umstand, dass gegenständlich das Amt der Buchhaltungsagentur die Erstellung des berufskundlichen Gutachtens (dessen Kosten hier in Rede stehen) als damals noch zuständige Behörde in Auftrag gegeben hatte, nichts. Dies gilt zudem ungeachtet dessen, dass ein rechtskräftiger Bescheid des Amtes der Buchhaltungsagentur vom 24. Juli 2017 vorliegt, mit dem die Gebühren des nichtamtlichen Sachverständigen in der in Rede stehenden Angelegenheit bestimmt wurden. Es bestand im Hinblick auf den zuletzt genannten Bescheid, mit dem die Kosten gegenüber dem nichtamtlichen Sachverständigen bestimmt wurden, keine Bindungswirkung betreffend die Zuständigkeit für die Entscheidung nach § 76 AVG. 39 Zutreffend weist die Revisionswerberin allerdings darauf hin, es sei fallbezogen nicht davon auszugehen gewesen, dass ein Amtssachverständiger in der betreffenden Angelegenheit nicht zur Verfügung gestanden sei, und es erweise sich daher der angefochtene, auf § 76 AVG gestützte Beschluss des Bundesverwaltungsgerichts als rechtswidrig. 40 Nach der Judikatur des Verwaltungsgerichtshofes ist die Überwälzung von Kosten eines nichtamtlichen Sachverständigen auf eine Partei gemäß § 76 AVG nur dann zulässig, wenn der Beweis durch Sachverständige im Sinne des § 52 Abs. 1 AVG notwendig war und die in § 52 Abs. 2 oder 3 AVG normierten Bedingungen erfüllt sind. Die Kostentragung durch eine Partei setzt auch voraus, dass entweder kein geeigneter Amtssachverständiger zur Verfügung stand oder die Heranziehung des nichtamtlichen Sachverständigen auf Grund der Besonderheit des Falles geboten war oder der Antragsteller dieses Vorgehen unter Angabe eines bestimmten Betrages, der voraussichtlich nicht überschritten wird, angeregt hat und dadurch eine wesentliche Verfahrensbeschleunigung zu erwarten war (VwGH 25.9.2019, Ra 2018/05/0059). 41 Die Dienstbehörde verwies darauf, dass ihr Amtssachverständige des Bundesministeriums für Finanzen entsprechend einer Mitteilung vom 3. August 2017 nicht zur Verfügung gestanden seien. Das Bundesverwaltungsgericht vertrat ferner die Auffassung, die Bewertungssachverständigen der zuständigen Fachabteilung im Bundeskanzleramt seien dem Amt der Buchhaltungsagentur schon deshalb nicht zur Verfügung gestanden, weil es sich bei der Buchhaltungsagentur um eine ausgegliederte Anstalt des öffentlichen Rechts handle. Dem tritt die Revision zu Recht entgegen. 42 In der Judikatur des Verwaltungsgerichtshofes wurde bereits mehrfach festgehalten, dass die Mitarbeiter der für Arbeitsplatzbewertungen zuständigen Fachabteilung (nach der bei Einholung des berufskundlichen Gutachtens maßgeblichen Rechtslage) des Bundeskanzleramtes auf Grund ihrer Ausbildung die Voraussetzungen für die Heranziehung als Amtssachverständige für Bewertungsfragen im Sinne des § 52 AVG erfüllen (vgl. etwa VwGH 5.7. 2006, 2005/12/0042). 43 Zu der Frage, ob ein Amtssachverständiger einer Behörde im Sinn von § 52 Abs. 2 AVG zur Verfügung steht, hat der Verwaltungsgerichtshof in seinem Erkenntnis vom 25. April 2003, 2002/12/0109, ausgeführt, dass "zur Verfügung stehend" im Gegensatz zu "beigegeben" jedenfalls notwendig auf andere als die jeweils entscheidenden Behörden hinweist, ohne dass damit jede beliebige Behörde gemeint sein kann. 44 Im Übrigen ist der Kreis der Amtssachverständigen, die einem Verwaltungsgericht in einem von ihm geführten verwaltungsgerichtlichen Verfahren zur Verfügung stehen, im Sinne des § 52 Abs. 1 AVG in Verbindung mit § 17 VwGVG konsequenterweise analog zu dem Kreis zu sehen, der der Verwaltungsbehörde, deren Bescheid bzw. deren Säumnis vor dem Verwaltungsgericht in Beschwerde gezogen wurde, grundsätzlich zur Verfügung steht (vgl. dazu VwGH 22.6.2016, Ra 2016/03/0027). Für die Frage, ob die der Behörde erwachsenen Barauslagen der Revisionswerberin mangels Verfügbarkeit eines Amtssachverständigen zum Ersatz auferlegt werden durften, ist es somit schon aus diesem Grund nicht von Bedeutung, ob die in Rechnung gestellten Leistungen des Sachverständigen aus Anlass des verwaltungsbehördlichen Verfahrens oder aus Anlass des Säumnisbeschwerdeverfahrens bzw. vor oder nach Übergang der Zuständigkeit auf das Bundesverwaltungsgericht erbracht wurden. 45 Bei Beurteilung der Frage, ob Bewertungssachverständige des Bundeskanzleramts in dem vorliegenden Arbeitsplatzbewertungsverfahr en zur Verfügung standen, ergibt sich in einem ersten Schritt aus der Bestimmung des § 137 Abs. 10 BDG 1979 sowie aus den oben wiedergegebenen Gesetzesmaterialien, dass auch bei der nach § 137 Abs. 10 BDG 1979 von Amts wegen vorzunehmenden Bewertung der in den Zuständigkeitsbereich des Amtes der Buchhaltungsagentur fallenden Arbeitsplätze ein unmittelbarer und - ausweislich der Materialien - vom Gesetzgeber bewusst hergestellter Bezug zu Zuständigkeiten des Bundesministers für Finanzen besteht. 46 Weiters handelt es sich gemäß § 20 Abs. 1 Buchhaltungsagentu rgesetz bei dem Amt der Buchhaltungsagentur um eine dem Bundesminister für Finanzen nachgeordnete Dienstbehörde (die Aufgaben der Bundesverwaltung vollzieht). Es erhellt auch ohne Zweifel aus den übrigen Bestimmungen des § 20 Buchhaltungsagenturge setz, dass betreffend die in den Anwendungsbereich der zuletzt genannten Vorschrift fallenden öffentlich-rechtlichen Bediensteten des Bundes eine engmaschige Verschränkung zwischen dienstgeberseitigen Verpflichtungen bzw. budgetären Interessen des Bundes sowie der Buchhaltungsagentur besteht. 47 Vor diesem Hintergrund kann daher nicht gesagt werden, dass in dem vorliegenden (auf verwaltungsbehördlicher Ebene von einer nachgeordneten Dienstbehörde des Bundesministers für Finanzen zu führenden) Bewertungsverfahren Amtssachverständige einer Fachabteilung des Bundeskanzleramts als Sachverständige einer "beliebigen" Behörde im Verständnis des unter Rn 43 zitierten Erkenntnisses zu betrachten wären und der Dienstbehörde der Revisionswerberin daher grundsätzlich nicht zur Verfügung stünden. 48 Die im angefochtenen Erkenntnis getroffene allgemeine Aussage, wonach die Bewertungssachverständigen des Bundeskanzleramts dem Amt der Buchhaltungsagentur betreffend einen Arbeitsplatz aus ihrem Dienststellenbereich (von Vornherein) nicht zur Verfügung stünden, erweist sich somit als nicht zutreffend. 49 Dass dem Amt der Buchhaltungsagentur im vorliegenden Arbeitsplatzbewertungsverfahren trotz entsprechender Bemühungen seitens der zuständigen Dienstbehörde Bewertungssachverständige des Bundeskanzleramts nicht zur Verfügung gestellt worden wären, ist in den Akten nicht dokumentiert worden (vgl. hingegen zu Situationen, in denen ein berufskundlicher Amtssachverständiger einer anderen Behörde beispielsweise aufgrund der Weigerung des Bewertungssachverständigen, ein (neues) Gutachten zu erstellen, oder infolge personeller Engpässe nicht zur Verfügung stand, VwGH 11.4.2018, Ra 2017/12/0038; 14.10.2013, 2012/12/0148). 50 Darüber hinaus ist festzuhalten, dass - so wie dies von der Dienstbehörde auch angenommen wurde - die Amtssachverständigen aus dem Dienststellenbereich des Bundesministers für Finanzen, der dem Amt der Buchhaltungsagentur übergeordneten Behörde, dem Amt der Buchhaltungsagentur grundsätzlich zur Verfügung stehen (vgl. erneut VwGH 25.4.2003, 2002/12/0109, sowie die dort zitierte Vorjudikatur). 51 Eine Anfrage an den Bundesminister für Finanzen betreffend die Verfügbarkeit von Amtssachverständigen für die Bewertung des Arbeitsplatzes der Revisionswerberin (und die diesbezügliche abschlägige Antwort des Bundesministeriums) erging(en) - nach der Aktenlage - jedoch erst nach Erstellung jenes Gutachtens, dessen Kosten der Revisionswerberin mit dem angefochtenen Beschluss auferlegt wurden. Mit der nachträglichen Einholung einer Auskunft hinsichtlich der Möglichkeit, Amtssachverständige des Bundesministeriums für Finanzen zur Verfügung gestellt zu erhalten, wurde nicht aktenmäßig dokumentiert, dass im gegenständlichen Arbeitsplatzbewertungsverfahren ein Amtssachsachverständiger nicht zur Verfügung gestanden wäre. 52 Aus den dargelegten Erwägungen erweist sich der angefochtene Beschluss als inhaltlich rechtswidrig. Dieser war daher gemäß § 42 Abs. 2 Z 1 VwGG aufzuheben. 53 Der Ausspruch über den Kostenersatz gründet sich auf die §§ 47 ff VwGG in Verbindung mit der VwGH-Aufwandersatzverordnung 20 14. Wien, am 30. April 2020
JWT_2019120083_20200219L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019120083.L00
Ra 2019/12/0083
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019120083_20200219L00/JWT_2019120083_20200219L00.html
1,582,070,400,000
896
Spruch Die Revisionen werden zurückgewiesen. Begründung 1 Das hier angefochtene Erkenntnis des Bundesverwaltungsgerichts vom 29. Oktober 2019 wurde der revisionswerbenden Amtspartei am 31. Oktober 2019 zugestellt. 2 Am 13. Dezember 2019 langte dagegen beim Verwaltungsgerichtshof die außerordentliche Revision der Landespolizeidirektion Kärnten ein. Mit Telefonat vom selben Tag wurde die Landespolizeidirektion Kärnten informiert, dass die Revision beim Bundesverwaltungsgericht einzubringen wäre. 3 Am 13. Dezember 2019 langte beim Bundesverwaltungsgericht die mittels E-Mail erhobene außerordentliche Revision gegen das Erkenntnis vom 29. Oktober 2019 ein. Am 18. Dezember 2019 wurde die an das Bundesverwaltungsgericht gerichtete außerordentliche Revision postalisch aufgegeben. 4 Am 20. Dezember 2019 langte beim Bundesverwaltungsgericht der Antrag auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gegen die Versäumung der Revisionsfrist ein. 5 Mit dem angefochtenen Beschluss vom 23. Dezember 2019 wies das Bundesverwaltungsgericht den Wiedereinsetzungsantrag ab. Es führte aus, das Erkenntnis vom 29. Oktober 2019 sei der Landespolizeidirektion Kärnten am 31. Oktober 2019 rechtswirksam zugestellt worden. Die sechswöchige Frist habe mit Ablauf des 12. November 2019 (richtig: 12. Dezember 2019) geendet. Maßgebend sei, dass die Landespolizeidirektion Kärnten bei der Einbringung der fristgebundenen Revision ihre Sorgfaltspflicht verletzt habe (Hinweis auf VwGH 17.6.2015, Ra 2015/02/0092 und 29.5.2015, Ra 2015/08/0013). Die Wiedereinsetzungswerberin habe vorgebracht, dass die versehentliche Übermittlung der Revision an den Verwaltungsgerichtshof dadurch erklärbar sei, dass die Mitarbeiterin bereits mehrere Revisionsbeantwortungen versandt habe, welche jedoch direkt beim Verwaltungsgerichtshof einzubringen gewesen seien. Wohl aus diesem Grund sei auch das Kuvert der außerordentlichen Revision direkt an den Verwaltungsgerichtshof adressiert worden. Da es sich hierbei lediglich um einen minderen Grad des Versehens handle, lägen die Voraussetzungen für die Bewilligung der Wiedereinsetzung in den vorigen Stand vor. 6 Entgegen diesen Ausführungen stelle die Abfertigung von Poststücken einen für einen geordneten Kanzleibetrieb elementaren Vorgang dar. Die Revisionswerberin habe gegen die ihr obliegende Sorgfaltspflicht verstoßen, wenn sie weder im Allgemeinen noch im Besonderen (wirksame) Kontrollsysteme vorgesehen habe, die im Fall des Versagens einer Kanzleikraft Fristversäumungen auszuschließen geeignet seien bzw. geeignet seien - wie im vorliegenden Fall der Kuvertierung - zu belegen, wie ein Poststück zur Post gegeben worden sei. Auf Grund des fehlenden Kontrollsystems könne im vorliegenden Fall vor dem Hintergrund der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofs von einem minderen Grad des Versehens nicht gesprochen werden. Somit habe vorliegendenfalls weder nachvollziehbar aufgezeigt werden können, dass die Revisionswerberin durch ein unabwendbares oder unvorhergesehenes Ereignis gehindert gewesen sei, die gegenständliche Frist zur Einbringung einer Revision zu wahren, noch dass der Revisionswerberin wegen der Versäumung der Revisionsfrist kein Verschulden oder lediglich ein minderer Grad des Versehens anzulasten sei. 7 Die Landespolizeidirektion Kärnten erhob gegen diesen Beschluss außerordentliche Revision. In deren Zulässigkeitsbegründung wird ausgeführt, die vom Bundesverwaltungsgericht zitierten Entscheidungen des Verwaltungsgerichtshofs beträfen ausschließlich Rechtsanwaltskanzleien bzw. Rechtsanwälte. Das Bundesverwaltungsgericht übersehe, dass es sich bei der Revisionswerberin nicht um einen Rechtsanwalt, sondern um eine Behörde handle. Der Aufgabenbereich der Mitarbeiter einer Behörde sei in der Organisations- und Geschäftseinteilung vorgegeben. Daher könne der für eine Rechtsanwaltskanzlei bzw. einen Rechtsanwalt geforderte Sorgfaltsmaßstab nicht automatisch auf eine Behörde bzw. deren Mitarbeiter übertragen werden. 8 Ferner komme das Bundesverwaltungsgericht - ohne entsprechende Erhebungen zu tätigen - zu dem Schluss, dass ein unzulängliches Kontrollsystem vorliege. Entgegen dieser Ansicht liege hier kein unzulängliches Kontrollsystem vor, da die Frist tatsächlich eingehalten worden sei und nur durch einen Fehler (Einlegen in das falsche Kuvert), der bei einer Überprüfung auch nicht habe auffallen können, die Revision versehentlich an den Verwaltungsgerichtshof verschickt worden sei und es so zu einer Überschreitung der Einbringungsfrist beim Bundesverwaltungsgericht gekommen sei. Ganz im Gegenteil habe das Kontrollsystem einwandfrei funktioniert, da die Finalisierung innerhalb offener Frist erfolgt sei. Sowohl der Postversand als auch der Adressat seien kontrolliert worden und habe das Versehen auch von einem noch so sorgfältigen Mitarbeiter gar nicht festgestellt werden können. 9 Damit wird die Zulässigkeit der Revision gegen den Beschluss des Bundesverwaltungsgerichts vom 23. Dezember 2019 nicht aufgezeigt. 10 Behörden haben dafür Sorge zu tragen, dass durch organisatorische Vorkehrungen eine rasche Entscheidung einer Rechtssache möglich ist. Diese Pflicht gilt auch für die Wahrung der Frist zur Erhebung einer Revision an den Verwaltungsgerichtshof (VwGH 25.4.2019, Ra 2019/07/0035). Zu derartigen organisatorischen Vorkehrungen gehört auch ein Kontrollsystem, das gewährleistet, dass Revisionen rechtzeitig beim Verwaltungsgericht (s. § 25a Abs. 5 VwGG) eingebracht werden. Wer einen Wiedereinsetzungsantrag auf das Verschulden einer Hilfsperson stützt, hat schon im Wiedereinsetzungsantrag durch ein substantiiertes Vorbringen darzulegen, aus welchen Gründen ihn selbst kein die Wiedereinsetzung ausschließendes Verschulden trifft, etwa dass und in welcher Weise der Wiedereinsetzungswerber die erforderliche Kontrolle ausgeübt hat (vgl. VwGH 26.9.2018, Ra 2018/14/0003, sowie 19.6.2018, Ra 2017/20/0521, jeweils mwN). 11 Rein mechanische Vorgänge, wie etwa das Kuvertieren oder die Postaufgabe, kann der Vertreter bzw. die Behörde der alleinigen Erledigung der Kanzlei überlassen. Fehler durch zuverlässige Kanzleikräfte im rein manipulativen Bereich können zur Wiedereinsetzung führen. Allerdings muss ein Kontrollsystem bestehen, solche Fehler zu verhindern (vgl. VwGH 25.7.2019, Ra 2017/22/0161, mwN). Selbst bei rein manipulativen Tätigkeiten der Kanzlei wäre daher ein geeignetes Kontrollsystem einzurichten, um Fristversäumnisse zu verhindern. Im hier vorliegenden Fall, in dem der Schriftsatz der außerordentlichen Revision gegen das Erkenntnis des Bundesverwaltungsgerichts vom 29. Oktober 2019 nicht an das Bundesverwaltungsgericht, sondern an den Verwaltungsgerichtshof adressiert war, wäre es daher zunächst erforderlich gewesen, die mit der Versendung beauftragte Mitarbeiterin über die richtige Adressierung des Kuverts an das Bundesverwaltungsgericht zu belehren und sodann auch ein Kontrollsystem einzurichten, das eine Fristversäumnis durch Einbringung der außerordentlichen Revision bei der falschen Stelle zu verhindern geeignet gewesen wäre, um das Vorliegen eines den minderen Grad des Versehens übersteigenden Verschuldens auszuschließen. Eine Rechtsfrage im Sinne des Art. 133 Abs. 4 B-VG wurde in der Zulässigkeitsbegründung der Revision somit nicht aufgezeigt. 12 Die Revision gegen das Erkenntnis des Bundesverwaltungsgerichts vom 29. Oktober 2019, die erst nach Ablauf der Revisionsfrist beim Bundesverwaltungsgericht einlangte, erweist sich daher als verspätet und war gemäß § 34 Abs. 1 VwGG ohne weiteres Verfahren in nichtöffentlicher Sitzung mit Beschluss zurückzuweisen. Wien, am 19. Februar 2020
JWT_2019120084_20200817L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019120084.L00
Ra 2019/12/0084
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019120084_20200817L00/JWT_2019120084_20200817L00.html
1,597,622,400,000
2,936
Spruch Das angefochtene Erkenntnis wird wegen Rechtswidrigkeit infolge Verletzung von Verfahrensvorschriften aufgehoben. Das Land Niederösterreich hat der revisionswerbenden Partei € 1.346,40 binnen zwei Wochen bei sonstiger Exekution zu ersetzen. Begründung 1 Die Revisionswerberin stand in einem öffentlich-rechtlichen Aktivdienstverhältnis zum Land Niederösterreich. Mit Bescheid der belangten Behörde vom 14. Juni 2017 wurde sie gemäß § 21 Abs. 2 lit. b der Dienstpragmatik der Landesbeamten 1972 (DPL 1972) mit Ablauf des 30. Juni 2017 in den dauernden Ruhestand versetzt. 2 Im Rahmen des Ruhestandsversetzungsverfahrens war ein psychiatrisch-neurologisches Gutachten des Sachverständigen Dr. B vom 20. März 2017 eingeholt worden, das zu dem Ergebnis gelangt war, die Revisionsweberin sei derzeit dienstunfähig. Zu den möglichen aktuellen Tätigkeiten war ausgeführt worden, körperlich seien alle Tätigkeiten möglich. Die emotionale Belastbarkeit sei nur sehr gering und nur für sehr einfache anspruchslose manuelle Tätigkeiten gegeben, wobei der Zeitdruck nicht mehr als durchschnittlich sein dürfe. Eine darüber hinausgehende wesentliche Besserung sei wenig wahrscheinlich. 3 Im Ergänzungsgutachten vom 14. April 2017 war Dr. B zum Ergebnis gelangt, dass die Revisionswerberin dauernd dienstunfähig sei. 4 In dem im Rahmen des Verfahrens zur Bemessung der Gesamtpension eingeholten Gutachten vom 25. Juli 2017 gelangte der berufskundliche Sachverständige Dr. E zu dem Ergebnis, dass folgende körperbetonte Hilfs- und Handlanger-Berufstätigkeiten (Arbeiterberufe) am allgemeinen Arbeitsmarkt der gesundheitlichen (psychischen) Leistungsfähigkeit der Revisionswerberin laut den vorliegenden neurologisch-psychiatrischen Begutachtungsergebnissen Dris. B vom 20. Märzund vom 14. April 2017 der Leistungsfähigkeit der Revisionswerberin entsprächen: Gärtnerische-Hilfskraft-Berufstätigkeiten, eingesetzt für z.B. Säuberung und Reinhaltung von Garten- und Parkanlagen, für friedhofsgärtnerische Tätigkeiten oder für Gartenpflegearbeiten in Wohnhausanlagen; Reinigungsarbeitskraft-Berufstätigkeiten, eingesetzt für Wohnhausanlagen-Reinigungstätigkeiten, Säuberung von Straßen- und Gehsteigflächen (Straßenkehrer-Berufstätigkeiten); HandelsarbeiterInnen-Berufstätigkeiten, eingesetzt für Regalbetreuungsarbeiten, Preisetikettierarbeiten, Warenzubringung, Warenaussortiertätigkeiten (z.B. bei Überschreitung des Haltbarkeitsdatums, Änderungen des Warensortiments). 5 In ihrer Stellungnahme vom 1. Juni 2017 führte die Revisionswerberin unter anderem aus, entgegen den Ausführungen im Gutachten Dris. B sei aus den vorliegenden ärztlichen Attesten (DDris. L, Dris. P, diverser Therapiezentren) eindeutig abzuleiten, dass die psychisch bedingten Umstände weit gravierendere Folgen hätten, als eine Herabsetzung der emotionalen Belastbarkeit der Revisionswerberin. Vor allem aus den fachärztlichen Bestätigungen DDris. L könne einzig und allein abgeleitet werden, dass überhaupt keine Belastbarkeit bei welcher Art von Tätigkeit auch immer vorhanden sei. Dies gelte ebenso für sogenannte anspruchslose manuelle Tätigkeiten. Darüber hinaus sei auf Grund der bereits vorliegenden Krankenstandsdauer jede Verweisbarkeit auf irgendeine andere Tätigkeit, auch auf eine anspruchslose manuelle Tätigkeit ausgeschlossen, weil viel zu hohe Krankenstandszeiten auch in Zukunft erwartet werden müssten. In sachlicher Hinsicht wäre der gutachterliche Schluss nicht nur zulässig, sondern notwendig, dass die Revisionswerberin alleine auf Grund der vorliegenden psychischen Beeinträchtigungen überhaupt keiner regelmäßigen Erwerbstätigkeit nachgehen könne. 6 In ihrer Stellungnahme vom 16. Oktober 2017 brachte die Revisionswerberin unter anderem vor, es liege bei ihr Erwerbsunfähigkeit vor. Sie legte zum Beweis dafür das psychiatrisch-neurologische Gutachten Dris. J vor, das zu dem Ergebnis gelangte, es liege bei der Revisionswerberin eine nur kurzfristig aufrecht erhaltbare Konzentrations- und Aufmerksamkeitsleistung vor, sodass die Integration in einen neuen Aufgabenbereich auszuschließen sei. Es sei von einer völligen Unfähigkeit einer beruflichen Tätigkeit zur Erlangung eines Erwerbseinkommens auszugehen, sodass im Gesamten eine Erwerbsunfähigkeit vorliege. Diesem Gutachten lag der psychologische Befund der Psychologin Mag.a P zugrunde. 7 Im hierauf eingeholten Ergänzungsgutachten vom 8. November 2017 gelangte Dr. B zu dem Ergebnis, es gebe aktuell kein schlüssiges Substrat, welches zu einer Änderung des von ihm skizzierten sehr geringen Leistungskalküls einer Restarbeitsfähigkeit führen sollte. Die Ansicht Dris. J, dass völlige Unfähigkeit zu einer beruflichen Tätigkeit zur Erlangung eines Erwerbseinkommens bestehe, könne er nicht teilen. 8 In ihrer Stellungnahme vom 3. Jänner 2018 führte die Revisionswerberin unter anderem aus, durch die Aussage Dris. B in seinem Ergänzungsgutachten, wonach er der Ansicht des Sachverständigen Dr. J nicht beitreten könne bzw. diese nicht teile, ohne dass eine korrekte Begründung oder Gegenargumentation erfolgt sei, erweise sich das Ergänzungsgutachten Dris. B als ungeeignet und unbegründet. Es wurde beantragt, ein „Übergutachten“ eines Sachverständigen aus dem Fachgebiet der Psychiatrie und weiters ein Gutachten eines anderen Sachverständigen aus dem Fachgebiet der Berufskunde einzuholen. 9 Mit Bescheid der Niederösterreichischen Landesregierung vom 23. März 2018 wurde festgestellt, dass der Revisionswerberin gemäß § 80a iVm §§ 76, 76a, 76b und 76c sowie Art. XXII und Art. XXX Abs. 10 der Anlage B der DPL 1972 eine Gesamtpension in der Höhe von monatlich brutto € 1.809,06 gebühre. Dabei wurde davon ausgegangen, dass die Revisionswerberin zur Durchführung der im berufskundlichen Sachverständigengutachten Dris. E vom 25. Juli 2017 angeführten Tätigkeiten in der Lage sei, sodass eine Erwerbsunfähigkeit nicht vorliege und mit einer Kürzung gemäß § 76 Abs. 8 DPL 1972 vorzugehen gewesen sei. 10 Gegen diesen Bescheid erhob die Revisionswerberin die Beschwerde vom 23. Mai 2018, in der sie ausführlich argumentierte, weshalb ihrer Ansicht nach von einer Erwerbsunfähigkeit auszugehen sei. Sie brachte vor, weshalb sie das vorliegende berufskundliche Gutachten als unschlüssig sowie die Gutachten Dris. B als unschlüssig und nicht nachvollziehbar erachte. Die belangte Behörde wäre deshalb verpflichtet gewesen, ein weiteres Gutachten im Sinne eines Übergutachtens einzuholen. Eine Auseinandersetzung mit den vorliegenden widersprüchlichen psychiatrischen Gutachten sei durch die Dienstbehörde nicht erfolgt. Es wurde unter anderem auf das Attest vom 14. Mai 2018 verwiesen, in dem DDr. L zur Diagnose „Cerebrovask. Insuff., Zustand der totalen Erschöpfung“ gelangt sei, und wonach die Revisionswerberin psychisch nachvollziehbar absolut nicht belastbar sei. 11 Mit der über Aufforderung des Landesverwaltungsgerichts erstatteten Äußerung vom 8. November 2018 legte die Revisionswerberin den psychologischen Befund der Mag.a P vom 19. Juli 2017, der dem Gutachten Dris. J zu Grunde lag, vor, der zu dem Ergebnis gelangte, dass Durchhaltevermögen und Daueraufmerksamkeit für die berufliche Reintegration der Revisionswerberin in der Verhaltensbeobachtung und auf Grund der testpsychologischen Ergebnisse zur Zeit weder psychisch noch physisch zur Verfügung stünden. Es wurde in der Äußerung wiederum argumentiert, das Gutachten Dris. B sei unvollständig und unschlüssig und der Antrag gestellt, ein psychiatrisches Übergutachten einzuholen. Weiters wurde die neuerliche Einholung eines berufskundlichen Sachverständigengutachtens nach dem Vorliegen der Beurteilung der zu erwartenden Krankenstände durch den medizinischen Sachverständigen beantragt. 12 Im eingeholten Ergänzungsgutachten vom 22. Februar 2019 führte Dr. B aus, die Restarbeitsfähigkeit der Revisionswerberin sei seit seiner Letztbegutachtung keinesfalls schlechter geworden. Das von ihm skizzierte Leistungskalkül bleibe unverändert aufrecht. 13 In der am 6. Mai 2019 vor dem Landesverwaltungsgericht durchgeführten Verhandlung beantwortete der Sachverständige Dr. B Fragen des Rechtsvertreters der Revisionswerberin. 14 In dem vom Verwaltungsgericht eingeholten orthopädischen Sachverständigengutachten vom 22. Juli 2019 gelangte Dr. W zu dem Ergebnis, der Revisionswerberin seien aus orthopädischer Sicht leichte, sowie halbzeitig mittelschwere Arbeiten im Gehen, Stehen und Sitzen, im Freien und in geschlossenen Räumen im Verlauf einer normalen Arbeitszeit unter Einhaltung der gesetzlichen Pausen zumutbar. Die Arbeiten könnten in Kälte und Nässe bei Tragen entsprechender Kleidung ausgeübt werden. Gehäuftes Bücken (mehr als acht- bis zehnmal pro Stunde) sei auszuschließen. Arbeiten in vorgebeugter Körperhaltung und im Knien und Hocken seien drittelzeitig über den Tag verteilt möglich. Die Fingerfertigkeit der Revisionswerberin sei kalkülsrelevant nicht eingeschränkt. Der Anmarschweg zur Arbeitsstätte sei nicht eingeschränkt, öffentliche Verkehrsmittel könnten verwendet werden. Unter Einhaltung des oben angeführten Leistungskalküls seien Krankenstände aus dem orthopädischen Fachgebiet mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht zu erwarten. 15 Mit Schriftsatz vom 9. September 2019 ergänzte die Revisionswerberin ihre Beschwerde und stellte Anträge auf 1. Einholung eines orthopädischen Sachverständigengutachtens unter Bedachtnahme auf gleichzeitig vorgelegte Urkunden, 2. Einvernahme der Psychologin Mag.a B zu einem konkret angeführten Beweisthema sowie 3. die Einholung eines neuerlichen psychologischen Befundes und danach die Einholung eines weiteren psychiatrischen Gutachtens und daraufhin die neuerliche Einholung eines berufskundlichen Gutachtens zum Beweis dafür, dass die Revisionswerberin nicht geeignet sei, Berufstätigkeiten im Sinne von Hilfs- und Handlangertätigkeiten (Arbeiterberufe) auszuführen und daher überhaupt nicht auf andere Berufe verweisbar sei. 16 Im daraufhin eingeholten orthopädischen Ergänzungsgutachten vom 30. September 2019 gelangte Dr. W zu dem Ergebnis, dass sich keinerlei Änderung des Leistungskalküls zum Gutachten vom 22. Juli 2019 ergebe. 17 In der Stellungnahme vom 22. Oktober 2019 wurde unter anderem wieder der Antrag gestellt, ein neues berufskundliches Sachverständigengutachten einzuholen. 18 Mit dem angefochtenen Erkenntnis wies das Landesverwaltungsgericht die Beschwerde der Revisionswerberin als unbegründet ab und sprach aus, dass eine ordentliche Revision nicht zulässig sei. 19 Nach Darstellung des Verfahrensganges führte das Landesverwaltungsgericht Folgendes aus: „3. Feststellungen: Die Beschwerdeführerin war am 1. Juli 2017 gesundheitlich geeignet, Berufstätigkeiten gemäß dem Gutachten aus dem Bereich der Berufskunde vom 25. Juli 2017 (als gärtnerische Hilfskraft, als Reinigungsarbeitskraft oder als Handelsarbeiterin) in der normalen Arbeitszeit und mit den üblichen Arbeitspausen auszuüben. 4. Beweiswürdigung: Die Feststellung beruht auf dem im Verwaltungsverfahren eingeholten Gutachten aus dem Bereich der Berufskunde vom 25. Juli 2017 sowie auf den im Beschwerdeverfahren eingeholten fachmedizinischen Gutachten aus dem Bereich Psychiatrie und Neurologie sowie aus dem Bereich Orthopädie. Das Gutachten aus dem Bereich Orthopädie blieb nach antragsgemäßer Ergänzung zuletzt unbestritten. Soweit die Beschwerdeführerin das Gutachten aus dem Bereich Psychiatrie und Neurologie mit dem Privatgutachten des Dr. J. und des Univ.Doz.DDr. L. bestreitet, hat der nichtamtliche Sachverständige in der mündlichen Verhandlung seine Beurteilung nachvollziehbar und schlüssig dargelegt und alle Fragen der Beschwerdeführerin zu den genannten Privatgutachten beantwortet. Soweit die Beschwerdeführerin das Gutachten aus dem Bereich der Berufskunde mit der Begründung als unschlüssig bestreitet, dass die dort aufgezeigten Tätigkeiten auf dem Arbeitsmarkt nicht verfügbar seien, ist sie auf die Rechtsprechung zu verweisen, der zufolge es nicht entscheidend ist, ob die in Frage kommenden Tätigkeiten am Arbeitsmarkt verfügbar sind oder nicht (VwGH/2000/12/0079). Ob dem Beamten eine solche Beschäftigung, die an sich Gegenstand des allgemeinen Arbeitsmarktes ist, tatsächlich vermittelt werden kann, ist für die abstrakt vorzunehmende Beurteilung der Erwerbsfähigkeit ohne Bedeutung (VwGH/2009/12/0078). Soweit die Beschwerdeführerin zuletzt neuerliche Gutachten auf allen genannten Bereichen und zusätzlich auf dem - nicht medizinischen - Bereich Psychologie beantragt hat, erscheint dies vor dem Hintergrund des Ermittlungsergebnisses nicht begründet, zumal sie die Schlüssigkeit der Gutachten weder auf gleicher fachlicher Ebene noch aus Sicht der allgemeinen Lebenserfahrung nachvollziehbar in Zweifel ziehen konnte (VwGH 2007/12/0197). Von der gebotenen Möglichkeit der Beteiligung des Privatgutachters Dr. J. hat die Beschwerdeführerin keinen Gebrauch gemacht. Vielmehr erweckte die Beschwerdeführerin am Ende des Ermittlungsverfahrens - insbesondere durch ihre von dessen Ergebnissen unbeirrte Aufrechterhaltung aller Anträge vom 22. Oktober 2019 - den Eindruck, dass sie die Gutachtenslage nicht wahrhaben will.“ 20 Nach teilweiser Wiedergabe des § 76 DPL 1972 führte das Landesverwaltungsgericht Folgendes aus: „6. Erwägungen: Soweit die gegenständliche Beschwerde die Rechtsfrage aufwirft, ob die belangte Behörde oder der Gutachter aus dem Bereich der Berufskunde die Begriffe der Dienstunfähigkeit und der Erwerbsunfähigkeit in dem Sinne nicht gesetzeskonform angewandt habe, als die Beschwerdeführerin im Fall eines für Hilfstätigkeiten ausreichenden Restkalküls infolge zustimmungsfähiger Überstellbarkeit nicht dienstunfähig wäre, und andererseits eine solche Überstellung gemäß § 18 Abs. 3 DPL 1972 ohne ihre schriftliche Zustimmung unzulässig wäre, kann sie insoweit weder den damit begründeten Einwand gegen das berufskundliche Gutachten noch den behaupteten Widerspruch zwischen § 18 Abs. 3 DPL 1972 und den hier relevanten Bestimmungen zur Bedeutung der Erwerbsfähigkeit aufzeigen, als dauernde Dienstunfähigkeit und die (weit darüber hinausgehende) Erwerbsunfähigkeit völlig verschiedene Kriterien darstellen, von denen zur Ruhestandsversetzung die dauernde Dienstunfähigkeit im Dienstzweig grundsätzlich ausreicht - und im vorliegenden Fall auch ausgereicht hat. Vor diesem Hintergrund kann keine gesetzwidrige Anwendung des Begriffs der Erwerbsunfähigkeit erkennt werden (VwGH 2002/12/0292). Soweit die Beschwerdeführerin zuletzt die Befangenheit des fachkundigen Laienrichters mit der Begründung behauptet, dieser habe ihre Ruhestandsversetzung unterfertigt und sei wohl auch in das gegenständliche Verwaltungsverfahren verwickelt gewesen, ist ihr dessen dazu eingeholte Stellungnahme entgegenzuhalten, der zufolge Bescheide aus Verfahren der Versetzung in den Ruhestand dem Grunde nach einerseits und aus Verfahren betreffend die Ruhegenussbemessung andererseits seit vielen Jahren des Pensionsrechtsvollzuges in der Abteilung Personalangelegenheiten A beim Amt der NÖ Landesregierung getrennten und insbesondere unterschiedlichen Approbationsverläufen unterliegen. Während Ruhestandsversetzungsbescheide dem Grunde nach durch juristische Sachbearbeiter zu approbieren sind, ist die Approbation von Ruhegenussbemessungsbescheiden (wie auch die Führung der diesbezüglichen Verfahren) vom Aufgabenkreis der zuständigen Fachbereichsleitung umfasst. Im gegenständlichen Verfahren der Ruhegenussbemessung, das letztlich zum nunmehr angefochtenen Bescheid vom 23. März 2018, LAD2-P-1455564/108-2017, geführt hat, ist seitens des fachkundigen Laienrichters keine verfahrensrelevante Mitwirkung erfolgt. Die Beschwerdeführerin kann in ihrer Eingabe vom 22. Oktober 2019 auch keine Anhaltspunkte darlegen, aus denen eine verfahrensrelevante Mitwirkung erkennbar wäre. Die in dieser Eingabe geäußerte Vermutung, jener den Ruhegenussbemessungsbescheid unterfertigende Organwalter hätte seine diesbezügliche Zuständigkeit (offenbar nur in der gegenständlichen Rechtssache) unrechtmäßigerweise wahrgenommen, entbehrt jeder Grundlage. Die Befangenheitseinrede erweist sich somit als unbegründet.“ 21 Dagegen richtet sich die vorliegende außerordentliche Revision mit dem Antrag, dieser Folge zu geben und das angefochtene Erkenntnis wegen Rechtswidrigkeit des Inhalts bzw. wegen Rechtswidrigkeit infolge Verletzung von Verfahrensvorschriften aufzuheben, in eventu dahin abzuändern, dass der belangten Behörde aufgetragen werde, die Gesamtpension so zu bemessen, dass keine Kürzung der Ruhegenussbemessungsgrundlage gemäß § 76 Abs. 8 DPL 1972 erfolgt, in eventu die Sache zur neuerlichen Verhandlung und Entscheidung an die erste Instanz zurückzuverweisen. Die belangte Behörde erstattete eine Revisionsbeantwortung, in der sie beantragte, die Revision nicht zuzulassen, in eventu als unbegründet abzuweisen. 22 Die Revision erweist sich schon insofern als zulässig, als in der Zulässigkeitsbegründung vorgebracht wird, das Landesverwaltungsgericht habe entgegen der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes (Hinweis auf VwGH 13.8.1991, 90/10/0001) seiner Entscheidung das Gutachten Dris. B zugrunde gelegt, obwohl die Revisionswerberin das auf einem psychologischen Befund gründende, zum gegenteiligen Ergebnis gelangende Gutachten des gerichtlich beeideten Sachverständigen Dr. J vorgelegt habe und sich trotz des ausführlichen Vorbringens der Revisionswerberin bezüglich der unterschiedlichen Gutachtensergebnisse mit dem vorgelegten Gutachten des Sachverständigen Dr. J und dem psychologischen Befund inhaltlich nicht beschäftigt habe. Sie ist auch berechtigt. 23 § 76 DPL 1972, LGBl. 2200 in der Fassung LGBl. 2200-78 lautet auszugsweise: „§ 76 Ruhegenuß (1) Dem in den Ruhestand versetzten Beamten gebührt ein monatlicher Ruhegenuß, wenn seine ruhegenußfähige Gesamtdienstzeit mindestens 15 Jahre beträgt. ... (8) Für jeden Monat, der zwischen dem Zeitpunkt der Wirksamkeit der Versetzung in den Ruhestand und dem Ablauf des Monates liegt, zu dem der Beamte frühestens gemäß § 21 Abs. 2 lit.d, allenfalls in Verbindung mit Art. XXIII Abs. 2 der Anlage B, in den Ruhestand versetzt hätte werden können, ist das Prozentausmaß der Ruhegenussbemessungsgrundlage um 0,28 Prozentpunkte, höchstens jedoch um 18 Prozentpunkte zu kürzen. Im Falle einer Versetzung in den Ruhestand gemäß § 21 Abs. 2 lit.b ist das Prozentausmaß der Ruhegenussbemessungsgrundlage, läge zum in Artikel XXIX Abs. 1 der Anlage B angeführten Antrittsalter eine beitragsgedeckte Gesamtdienstzeit (Art. XXIX Abs. 2 der Anlage B) von 40 Jahren vor, bis zu dem in Artikel XXIX Abs. 1 der Anlage B angeführten Antrittsalter um 0,28 Prozentpunkte und darüber bis zum Ablauf des Monates, zu dem der Beamte frühestens gemäß § 21 Abs. 2 lit.d, allenfalls in Verbindung mit Artikel XXIII Abs. 2 der Anlage B, in den Ruhestand versetzt hätte werden können, um 0,1667 Prozentpunkte, insgesamt höchstens jedoch um 18 Prozentpunkte zu kürzen. Bruchteile von Monaten gelten dabei als voller Monat. Das sich aus dieser Kürzung ergebende Prozentausmaß der Ruhegenussbemessungsgrundlage ist auf zwei Kommastellen zu runden. ... (9) Eine Kürzung nach Abs. 8 findet nicht statt ... 3. wenn der Beamte zum Zeitpunkt der Wirksamkeit der Ruhestandsversetzung dauernd erwerbsunfähig ist. (10) Als dauernd erwerbsunfähig im Sinne des Abs. 9 Z 3 gilt ein Beamter nur dann, wenn er infolge von Krankheit oder anderen Gebrechen oder Schwäche seiner körperlichen oder geistigen Kräfte dauernd außerstande ist, einem regelmäßigen Erwerb nachzugehen. ...“ 24 Im Erkenntnis vom 29. Februar 2008, 2005/12/0221, hat der Verwaltungsgerichtshof ausgesprochen, bei der Auslegung des Begriffes der Erwerbsunfähigkeit im Sinne des § 76 Abs. 9 Z 3 iVm Abs. 10 DPL 1972 handelt es sich um eine Rechtsfrage; die Behörde hat auf Grundlage entsprechender Sachverständigengutachten eine Auseinandersetzung mit dem gesamten Leidenszustand im Hinblick auf die abstrakte Eingliederungsmöglichkeit in den Arbeitsprozess vorzunehmen (VwGH 15.10.2003, 2001/12/0236). Die Erwerbsfähigkeit setzt jedenfalls eine im Arbeitsleben grundsätzlich notwendige gesundheitlich durchgehende Einsatzfähigkeit des Beamten voraus. Hiebei ist weiters zu berücksichtigen, ob die Einsatzfähigkeit auch im Hinblick auf die üblichen Erfordernisse in der Arbeitswelt (z.B. Einhaltung der Arbeitszeit oder Fähigkeit zur Selbstorganisation) noch gegeben ist (VwGH 20.2.2002, 2000/12/0058, und 26.6.2002, 2000/12/0079, mwN). Dabei sind auch die zu erwartenden Krankenstände erheblich. 25 Die einer nachprüfenden Kontrolle durch den Verwaltungsgerichtshof zugängliche Beantwortung der Frage des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit bedarf zunächst der widerspruchsfreien Klärung der Frage des physischen und psychischen Leistungskalküls der Revisionswerberin und sodann - sofern eine Restarbeitsfähigkeit gegeben ist - erforderlichenfalls die Einholung eines berufskundlichen Gutachtens, in dem auf dem (den) medizinischen Gutachten aufbauend darzulegen ist, ob innerhalb des physischen und psychischen (Rest-)Leistungsvermögens eine Einsatzfähigkeit in bestimmten Tätigkeiten (Berufen) in Betracht kommt (VwGH 7.9.2004, 2004/12/0056, mwN). 26 Liegen einander widersprechende Gutachten vor, ist es dem Verwaltungsgericht gestattet, sich dem einen oder dem anderen Gutachten anzuschließen, es hat diesfalls jedoch - im Rahmen seiner Beweiswürdigung - seine Gedankengänge darzulegen, die es veranlasst haben, von den an sich gleichwertigen Beweismitteln dem einen einen höheren Beweiswert zuzubilligen als dem anderen. Im Fall des Vorliegens mehrerer Gutachten, die voneinander abweichende Schlussfolgerungen enthalten, ist das Verwaltungsgericht somit gehalten, sich mit den unterschiedlichen Ergebnissen der Gutachten der beteiligten Ärzte beweiswürdigend auseinanderzusetzen. Dabei ist die Schlüssigkeit eines Gutachtens zu prüfen und einer sorgfältigen Beweiswürdigung zu unterziehen (vgl. etwa VwGH 3.10.2018, Ra 2017/12/0088, mwN; sowie das in der Zulässigkeitsbegründung der Revision zitierte Erkenntnis VwGH 13.8.1991, 90/10/0001). 27 Im Revisionsfall liegen einander widersprechende psychiatrische Gutachten von Dr. B und Dr. J vor. Darüber hinaus liegt ein psychologischer Befund vor, der dem Gutachten Dris. J zugrunde lag und dessen Ergebnis die Annahme der Erwerbsunfähigkeit der Revisionswerberin stützt. Das Landesverwaltungsgericht hat im Rahmen der Beweiswürdigung lediglich die Schlüssigkeit und Nachvollziehbarkeit der Gutachten Dris. B, der zum Ergebnis gelangte, dass bei der Revisionswerberin eine Restarbeitsfähigkeit vorliege, begründungslos behauptet, ohne sich beweiswürdigend inhaltlich mit den Gutachten Dris. B auseinanderzusetzen; ebenso hat es unterlassen, sich beweiswürdigend inhaltlich mit dem - zu den Gutachten Dris. B widersprüchlichen - Gutachten Dris, J und dem diesem zugrunde liegenden psychologischen Befund auseinanderzusetzen. Schon darin, dass somit eine der nachprüfenden Kontrolle des Verwaltungsgerichtshofes zugängliche Prüfung der Schlüssigkeit und Nachvollziehbarkeit der genannten Gutachten und des psychologischen Befundes sowie ihres Beweiswertes im Verhältnis zum Gutachten Dris.B nicht stattgefunden hat, liegt ein Verfahrensmangel, der zur Aufhebung des angefochtenen Erkenntnisses des Landesverwaltungsgerichts wegen Rechtswidrigkeit infolge Verletzung von Verfahrensvorschriften führt. 28 Das Landesverwaltungsgericht wird sich im fortgesetzten Verfahren daher mit der Schlüssigkeit und Nachvollziehbarkeit der psychiatrischen Gutachten Dris. B und Dris. J samt dem psychologischen Befund unter inhaltlicher Prüfung beweiswürdigend auseinanderzusetzen haben, wobei es auch auf das Vorbringen der Revisionswerberin in ihren zahlreichen Schriftsätzen zur Unvollständigkeit und Unschlüssigkeit der Gutachten Dris. B einzugehen haben wird. Die Entscheidung, ob ein weiteres Gutachten einzuholen sein wird, liegt beim Verwaltungsgericht. Ein weiteres Gutachten wird das Landesverwaltungsgericht jedenfalls dann einzuholen haben, wenn sich die vorliegenden psychiatrisch-neurologischen Gutachten als nicht vollständig oder nicht schlüssig und damit als nicht ausreichend erweisen (vgl. z.B. VwGH 24.4.2014, 2013/09/0119). 29 Sollte das Landesverwaltungsgericht unter Klärung der Frage des psychischen und physischen Leistungskalküls der Revisionswerberin zum Vorliegen einer Restarbeitsfähigkeit gelangen, wäre unter Bekanntgabe dieses Restleistungskalküls ein berufskundliches (Ergänzungs)Gutachten einzuholen. Dabei müssten dem berufskundlichen Sachverständigen auch die orthopädischen Gutachten Dris. W bekanntgegeben werden, weil das dort angeführte Restleistungskalkül der Revisionswerberin dem berufskundlichen Sachverständigen im Zeitpunkt der Erstellung seines Gutachtens noch nicht bekannt war. 30 Angesichts der Tatsache, dass die - im Ruhestandsversetzungsverfahren bejahte - dauernde Dienstunfähigkeit der Revisionswerberin zwischen den Parteien des verwaltungsgerichtlichen Verfahrens zur Bemessung der Gesamtpension unstrittig war, begründet auch die Mitwirkung am Ruhestandsversetzungsverfahren keine Befangenheit dieses Laienrichters. 31 Ein Vorbringen zu § 18 Abs. 3 DPL 1972 wurde in der Revision nicht mehr erstattet. Die Anwendung dieser Bestimmung auf die Revisionswerberin käme nach deren Versetzung in den dauernden Ruhestand ohnehin nicht (mehr) in Betracht. 32 Im Sinne obiger Ausführungen war das angefochtene Erkenntnis des Landesverwaltungsgerichts daher gemäß § 42 Abs. 2 Z 3 lit. c VwGG wegen Rechtswidrigkeit infolge Verletzung von Verfahrensvorschriften aufzuheben. 33 Die Entscheidung über den Aufwandersatz gründet auf §§ 47 ff VwGG iVm der VwGH-Aufwandersatzverordnung 2014. Wien, am 17. August 2020
JWT_2019120085_20200731L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019120085.L00
Ra 2019/12/0085
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019120085_20200731L00/JWT_2019120085_20200731L00.html
1,596,153,600,000
2,243
Spruch Die Revision wird zurückgewiesen. Begründung 1 Die Revisionswerberin steht in einem öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis zum Bund und ist Rechtspflegerin beim Bezirksgericht M. 2 Sie leidet bereits seit mehreren Jahren an einer rezidivierenden Depression unterschiedlicher Ausprägung mit auch unter Therapie fortbestehender Symptomatik, zudem liegt bei ihr auch eine Persönlichkeitsstörung vor. Seit dem Jahr 2011 wurde die Revisionswerberin aufgrund ihrer psychischen Erkrankungen mehrere Male stationär in verschiedenen Krankenhäusern sowie psychosozialen Zentren aufgenommen und zudem regelmäßig medikamentös sowie fachärztlich behandelt. Die Revisionswerberin hat in der Vergangenheit Suizidversuche unternommen. Im Zeitpunkt der Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts war sie in der Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie des Krankenhauses X. in E. stationär aufgenommen. 3 Die Revisionswerberin ist seit dem 11. Dezember 2017 aufgrund ihrer psychischen Erkrankungen durchgehend vom Dienst abwesend. 4 Mit Bescheid des Präsidenten des Oberlandesgerichts Wien (OLG Wien) vom 31. Oktober 2018 wurde die Revisionswerberin gemäß § 14 Abs. 1 Beamten-Dienstrechtsgesetz 1979 (BDG 1979) von Amts wegen in den Ruhestand versetzt. 5 Die dagegen erhobene Beschwerde wies das Bundesverwaltungsgericht mit dem angefochtenen Erkenntnis ab. Es sprach aus, die Revision sei gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zulässig. 6 Nach Darstellung des Verfahrensganges und der getroffenen Sachverhaltsfeststellungen führte das Bundesverwaltungsgericht in der rechtlichen Beurteilung Folgendes aus (Fehler im Original): „3.2. Voraussetzung für eine amtswegige Ruhestandsversetzung ist gemäß § 14 Abs. 1 BDG 1979 die dauernde Dienstunfähigkeit des Beamten. Unter der bleibenden Unfähigkeit eines Beamten, seine dienstlichen Aufgaben ordnungsgemäß zu versehen, ist alles zu verstehen, was seine Eignung, diese Aufgaben zu versehen, dauernd aufhebt. Die Frage, ob eine dauernde Dienstunfähigkeit vorliegt oder nicht, ist nach ständiger Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes eine Rechtsfrage, über die nicht der ärztliche Sachverständige, sondern die Dienstbehörde zu entscheiden hat. Aufgabe des ärztlichen Sachverständigen ist es, an der Feststellung des entscheidungswesentlichen Sachverhaltes mitzuwirken, indem er in Anwendung seiner Fachkenntnisse und Erfahrungen - allenfalls unter Zuhilfenahme von Hilfsbefunden - Feststellungen über den Gesundheitszustand des Beamten und die Auswirkungen, die sich aus festgestellten Leiden oder Gebrechen auf die Erfüllung dienstlicher Aufgaben ergeben, trifft, wobei auch eine Prognose über den weiteren Verlauf des Gesundheitszustandes zu treffen ist, um der Dienstbehörde eine Beurteilung der Frage der ‚dauernden Dienstunfähigkeit‘ zu ermöglichen. Das ärztliche Sachverständigengutachten muss ausreichend begründet, d.h. aus dem objektiven Befund schlüssig ableitbar sein. Die Dienstbehörde hat anhand der dem Gutachten zugrunde gelegten Tatsachen die Schlüssigkeit des Gutachtens kritisch zu prüfen und einer sorgfältigen Beweiswürdigung zu unterziehen (s. VwGH 12.11.2008, 2007/12/0115; 14.12.2005, 2002/12/0339, u.v.a.). Soweit die Beurteilung der Dienstunfähigkeit von der Beantwortung von Fragen abhängt, die in das Gebiet ärztlichen oder berufskundlichen Fachwissens fallen, sind gemäß § 14 Abs. 3 leg.cit. Befund und Gutachten einzuholen. Nach ständiger Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes kann der Beweiswert eines solchen, tauglichen Sachverständigengutachtens grundsätzlich nur mehr durch Vorbringen auf gleichem fachlichen Niveau oder durch ein fachlich fundiertes Gegengutachten erschüttert werden (vgl. Hengstschläger/Leeb, AVG, § 52, Rz 65, mwN). Die Frage der Dienstunfähigkeit des Beamten ist zunächst in Ansehung seines aktuellen bzw. seines zuletzt inne gehabten Arbeitsplatzes zu prüfen. Maßgebend für eine Ruhestandsversetzung ist daher die Klärung der Frage der Dienstfähigkeit unter konkreter Bezugnahme auf die dienstlichen Aufgaben an diesem Arbeitsplatz (Primärprüfung). Ergibt diese, dass der Beamte nicht mehr in der Lage ist, die konkreten dienstlichen Aufgaben seines Arbeitsplatzes idS zu erfüllen, ist zu prüfen, ob die Möglichkeit einer Zuweisung eines tauglichen Verweisungsarbeitsplatzes nach § 14 Abs. 2 BDG 1979 in Betracht kommt (Sekundärprüfung) (vgl. VwGH 23.06.2014, 2010/12/0209; 14.10.2009, 2008/12/0212, mwN). Nach der Judikatur des Verwaltungsgerichtshofes in Bezug auf die frühere, mit der geltenden Rechtslage aber inhaltlich identen Bestimmung des § 14 Abs. 3 (nunmehr Abs. 2) BDG 1979 sind bei Vorhandensein einer Restarbeitsfähigkeit eines Beamten vorerst alle Tätigkeiten der in Betracht kommenden Verwendungsgruppe und deren Anforderungen in physischer und psychischer Hinsicht im Wirkungsbereich der Dienstbehörde anzuführen und dazu anzugeben, ob der Beamte auf Grund seiner festgestellten Restarbeitsfähigkeit imstande ist, diese Tätigkeiten auszuüben, wobei es vorerst nicht darauf ankommt, ob diese Arbeitsplätze frei sind (Prüfung der Verweisungstauglichkeit). Wenn sich herausstellt, dass der Beamte auf Grund seiner Restarbeitsfähigkeit überhaupt keine der Verwendungen der betreffenden Verwendungsgruppe wahrnehmen kann, so darf die Behörde vom Nichtvorliegen von Verweisungsarbeitsplätzen und der Unmöglichkeit eines Vorgehens nach § 14 Abs. 3 leg.cit. ausgehen. Ergibt die Prüfung hingegen, dass Verweisungsarbeitsplätze existieren, so ist weiter zu prüfen, ob diese in Frage kommenden Verweisungsarbeitsplätze zumindest gleichwertig sind und den Beamten mit Rücksicht auf die persönlichen, familiären und sozialen Verhältnisse billigerweise zugemutet werden können. Die solcherart ermittelten Verweisungsarbeitsplätze sind schließlich auf ihre Verfügbarkeit zu überprüfen. Erst wenn auch diese Prüfung ergibt, dass auf Dauer kein freier Verweisungsarbeitsplatz für den Beamten zur Verfügung steht, kann davon ausgegangen werden, dass die Zuweisung eines solchen nicht erfolgen und der Beamte nach § 14 Abs. 3 leg.cit. nicht als dienstfähig angesehen werden kann. Das Ergebnis dieser Prüfung ist dem Beamten mit einer nachvollziehbaren Begründung mitzuteilen (vgl. etwa VwGH 02.07.2007, 2006/12/0131; 09.04.2004 (richtig: 9.6.2004), 2003/12/0229; 13.03.2001, 2001/12/0138, ua.). 3.3.1. Zur Prüfung der Frage der dauernden Dienstunfähigkeit der Beschwerdeführerin (Primärprüfung): Die Beschwerdeführerin ist aufgrund ihrer - oben unter Pkt. II.1.3. festgestellten - psychischen Erkrankungen (u.a. rezidivierende Depression unterschiedlicher Ausprägung mit ständiger medikamentöser und fachärztlicher Behandlungsbedürftigkeit) nicht mehr dazu in der Lage, die - oben unter Pkt. II.1.2. festgestellten - Anforderungen an ihren Arbeitsplatz zu erfüllen, welcher u.a. eine hohe Konzentrationsfähigkeit sowie Ausdauer, eine hohe Eigenverantwortung, die Fähigkeiten zur Stressbewältigung sowie Flexibilität und die Verhinderung sowie Aufarbeitung von Rückständen sind, wobei eine wesentliche Verbesserung ihres gesundheitlichen Zustandes nicht zu erwarten ist. Wie bereits in der Beweiswürdigung dargelegt, sind die von der Behörde eingeholten Gutachten und Befunde, auf die sich diese Feststellungen stützen, schlüssig und nachvollziehbar (s. Pkt. II.2.3.); die Beschwerdeführerin ist diesen Gutachten und Befunden auch nicht auf gleicher fachlicher Ebene iSd oben angeführten Judikatur des Verwaltungsgerichtshofes entgegengetreten, sondern behauptet sie lediglich, dass keine dauernde Dienstunfähigkeit vorliege und sie in der Lage sei(n werde), den Anforderungen ihres konkreten Arbeitsplatzes als Rechtspflegerin weiter nachkommen zu können (s. hierzu VwGH 17.10.2008, 2007/12/0014). Die von dem in der mündlichen Verhandlung als Sachverständigen geladenen Oberbegutachter in seinem Obergutachten vom 20.09.2018 getroffene Prognose, wonach nicht zu erwarten sei, dass in absehbarer Zeit eine Verbesserung des Zustandes der Beschwerdeführerin eintreten werde, hat sich erfüllt. Im Ergebnis ist der belangten Behörde hinsichtlich der im vorliegenden Fall durchgeführten Primärprüfung iSd oben angeführten Judikatur des Verwaltungsgerichtshofes entgegen den Beschwerdeausführungen nicht entgegenzutreten, wenn sie aufgrund der schlüssigen und nachvollziehbaren medizinischen Gutachten zum Ergebnis kommt, dass die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer psychischen Erkrankungen dauerhaft nicht mehr dazu in der Lage sein wird, die konkreten Aufgaben ihres ihr aktuell zugewiesenen Arbeitsplatzes zu erfüllen. 3.3.2. Zur Prüfung der Frage des Vorliegens eines mindestens gleichwertigen Arbeitsplatzes (Sekundärprüfung): Die Behörde führte im Verfahren nach Durchführung eines Ermittlungsverfahrens in nachvollziehbarer Weise aus, dass keine tauglichen Verweisungsarbeitsplätze für die Beschwerdeführerin vorhanden sind (s. Pkt. II.2.4.). Überdies ist die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer psychischen Erkrankungen auch nicht dazu in der Lage, die Anforderungen eines vergleichbaren Arbeitsplatzes zu erfüllen oder in Zukunft erfüllen zu können. 3.4. Soweit der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin in der mündlichen Verhandlung vor dem Bundesverwaltungsgericht den Antrag stellte, hinsichtlich der Beschwerdeführerin ein Sachverständigengutachten aus dem Bereich der Psychologie und Psychiatrie einzuholen, wird diesem Antrag seitens des Bundesverwaltungsgerichtes nicht nachgekommen, weil sich aus dem vorgenommenen Ermittlungsverfahren eindeutig ergeben hat, dass eine Besserung des gesundheitlichen Zustandes der Beschwerdeführerin, die ihr langfristig die Ausübung ihrer oder einer gleichwertigen Arbeitstätigkeit ermöglichen würde, in absehbarer Zeit und auch in fernerer Zukunft nicht zu erwarten ist. Es wird hierzu seitens des Bundesverwaltungsgerichtes zwar nicht verkannt, dass der als Sachverständige geladene Oberbegutachter in der mündlichen Verhandlung eine Besserung des gesundheitlichen Zustandes der Beschwerdeführerin nicht gänzlich ausschloss und die Empfehlung einer aktuellen psychiatrischen Untersuchung hinsichtlich der Beschwerdeführerin abgab, um eine genaue längerfristige Prognose hinsichtlich ihres gesundheitlichen Zustandes treffen zu können (s. S. 10 f. und 13 des Verhandlungsprotokolls). Der Oberbegutachter führte jedoch auch mehrfach aus, dass sich der Zustand der Beschwerdeführerin seit der Erstellung des Obergutachtens am 20.09.2018 verschlechtert habe und sich die Wahrscheinlichkeit einer langfristigen Besserung ihres Gesundheitszustandes aus seiner Sicht von 50% (20.09.2018) auf ca. 10% (aktuell) reduziert habe (vgl. S. 10 bis 14 des Verhandlungsprotokolls), weshalb das Bundesverwaltungsgericht im Ergebnis von der oben getroffenen Annahme einer längerfristig nicht zu erwartenden Besserung des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin nicht abzugehen vermag (s. hierzu auch die Judikatur des Verwaltungsgerichtshofes, wonach eine von Seiten eines medizinischen Sachverständigen in den Raum gestellte bloße Möglichkeit einer kalkülsrelevanten Besserung des Gesundheitszustandes eines Beamten für sich genommen noch nicht die Verneinung der Dauerhaftigkeit einer Dienstunfähigkeit rechtfertigt - VwGH 20.05.2009, 2008/12/0173). 3.5. Die Beschwerde ist daher als unbegründet abzuweisen.“ 7 Die Unzulässigkeit der Revision begründete das Bundesverwaltungsgericht damit, dass die Entscheidung nicht von der Lösung einer Rechtsfrage abhänge, der grundsätzliche Bedeutung zukomme. Weder weiche die gegenständliche Entscheidung von der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes ab, noch fehle es an einer solchen Rechtsprechung; des Weiteren sei die vorliegende Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes auch nicht als uneinheitlich zu beurteilen. Das Bundesverwaltungsgericht habe sich bei allen erheblichen Rechtsfragen auf eine ständige Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes bzw. auf eine ohnehin klare Rechtslage stützen können. Die maßgebliche Rechtsprechung sei bei den Erwägungen zu den einzelnen Spruchpunkten wiedergegeben. Insoweit die in der rechtlichen Beurteilung angeführte Judikatur des Verwaltungsgerichtshofes zu früheren Rechtslagen ergangen sei, sei diese nach Ansicht des Bundesverwaltungsgerichtes auf die inhaltlich meist völlig gleichlautenden Bestimmungen der nunmehr geltenden Rechtslage unverändert übertragbar. 8 Gegen dieses Erkenntnis richtet sich die vorliegende Revision mit dem Antrag, „den angefochtenen Bescheid zur Gänze aufzuheben, in eventu die Rechtssache zur Neuverhandlung und Neuentscheidung an das Bundesverwaltungsgericht zurückzuverweisen“. 9 Nach Art. 133 Abs. 4 B-VG ist gegen ein Erkenntnis des Verwaltungsgerichts die Revision zulässig, wenn sie von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, insbesondere weil das Erkenntnis von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abweicht, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes nicht einheitlich beantwortet wird. 10 Nach § 34 Abs. 1 VwGG sind Revisionen, die sich wegen Nichtvorliegen der Voraussetzungen des Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zur Behandlung eignen, ohne weiteres Verfahren in nichtöffentlicher Sitzung mit Beschluss zurückzuweisen. 11 Nach § 34 Abs. 1a VwGG ist der Verwaltungsgerichtshof bei der Beurteilung der Zulässigkeit der Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG an den Ausspruch des Verwaltungsgerichtes gemäß § 25a Abs. 1 VwGG nicht gebunden. Die Zulässigkeit einer außerordentlichen Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG hat der Verwaltungsgerichtshof im Rahmen der dafür in der Revision vorgebrachten Gründe (§ 28 Abs. 3 VwGG) zu überprüfen. 12 Zur Zulässigkeit der Revision wird zunächst ausgeführt, die Revisionswerberin habe in der mündlichen Verhandlung vom 22. Oktober 2019 die Einholung eines Sachverständigengutachtens aus dem Bereich der Psychologie und Psychiatrie zum Beweis dafür, dass sie nicht dauernd dienstunfähig sei, beantragt. Der in der Verhandlung einvernommene Oberbegutachter der BVA habe dazu angegeben, dass eine Besserung des Gesundheitszustandes der Revisionswerberin nicht gänzlich ausgeschlossen sei und habe eine aktuelle psychiatrische Untersuchung der Revisionswerberin empfohlen, um eine genaue längerfristige Prognose hinsichtlich ihres gesundheitlichen Zustands treffen zu können. Dazu habe er auch angeführt, dass er als Allgemeinmediziner nur in Wahrscheinlichkeiten sprechen könne aufgrund von Erfahrungen mit gleichgelagerten Fällen. Entgegen dieser Empfehlung habe das Bundesverwaltungsgericht ein Gutachten aus dem Bereich der Psychologie und Psychiatrie nicht eingeholt. Die in der Beweiswürdigung durch das Bundesverwaltungsgericht vorgenommenen Erwägungen seien somit nicht schlüssig, der gegenständliche Sachverhalt sei nicht genügend erhoben. In diesem Zusammenhang liege daher eine Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung vor. 13 Zutreffend hat das Bundesverwaltungsgericht auf die Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes verwiesen, wonach eine von Seiten des medizinischen Sachverständigen in den Raum gestellte bloße Möglichkeit einer („kalkülsrelevanten“) Besserung des Gesundheitszustandes des Beamten für sich genommen noch nicht die Verneinung der Dauerhaftigkeit einer Dienstunfähigkeit rechtfertigt. Dauernd ist eine Dienstunfähigkeit nämlich (schon) dann, wenn sie für einen nicht absehbaren Zeitraum vorliegt (vgl. zB VwGH 5.9.2018, Ra 2017/12/0121; 26.2.2016, Ra 2015/12/0042). Die Annahme der dauernden Dienstunfähigkeit der Revisionswerberin auf Grundlage der ergänzenden Begutachtung durch den Obergutachter in der mündlichen Verhandlung, dass sich seit der Erstellung des Obergutachtens am 20. September 2018 der Zustand der Revisionswerberin verschlechtert habe und sich die Wahrscheinlichkeit einer langfristigen Besserung ihres Gesundheitszustandes aus seiner Sicht von 50 % seit dem 20. September 2018 auf aktuell 10 % reduziert habe, erweist sich jedenfalls nicht als unvertretbar. Außerdem besteht im Verfahren über einen Antrag auf Versetzung in den dauernden Ruhestand grundsätzlich kein Anspruch der Partei auf Beiziehung von Fachärzten einer bestimmten Richtung (vgl. VwGH 27.4.2017, Ra 2016/12/0071). Überdies wäre es der Revisionswerberin freigestanden, ein privates Sachverständigengutachten vorzulegen. Vor diesem Hintergrund wirft die Verfahrensrüge jedenfalls keine grundsätzliche Rechtsfrage des Verfahrensrechts auf. 14 In diesem Zusammenhang wurde in der Zulässigkeitsbegründung der Revision daher keine Rechtsfrage im Sinne des Art. 133 Abs. 4 B-VG aufgezeigt. 15 Weiters wird zur Zulässigkeit der Revision ausgeführt, ebensowenig sei durch das Bundesverwaltungsgericht der Sachverhalt im Hinblick auf die Restarbeitsfähigkeit der Revisionswerberin sowie taugliche Verweisungsarbeitsplätze für die Revisionswerberin erhoben worden. Die Ausführungen des Bundesverwaltungsgerichts in den Sachverhaltsdarstellungen sowie in der Beweiswürdigung beschränkten sich lediglich darauf, dass kurz festgehalten werde, dass kein mindestens gleichwertiger Arbeitsplatz zugewiesen werden könne. Eine entsprechende Sachverhaltserhebung lasse das Bundesverwaltungsgericht jedoch vermissen. In diesem Zusammenhang sei zudem in keiner Weise die Restarbeitsfähigkeit der Revisionswerberin vom Bundesverwaltungsgericht erörtert und entsprechend festgestellt worden, sodass die Feststellungen zu etwaigen Verweisungsarbeitsplätzen für die Revisionswerberin schon aus diesem Grund nicht hätten getroffen werden können. Dennoch stelle das Bundesverwaltungsgericht fest, dass solche Verweisungsarbeitsplätze für die Revisionswerberin nicht vorhanden seien. Auch diesbezüglich sei der gegenständliche Sachverhalt nicht genügend erhoben worden, es liege daher eine Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung vor. 16 Das Bundesverwaltungsgericht hat zutreffend auf die ständige Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofs verwiesen, wonach im Rahmen der Sekundärprüfung grundsätzlich alle Tätigkeiten der betreffenden Verwendungsgruppe und deren Anforderungen in physischer und psychischer Hinsicht im Wirkungsbereich der jeweiligen obersten Dienstbehörde anzuführen sind und anzugeben ist, ob der Beamte auf Grund der festgestellten Restarbeitsfähigkeit imstande ist, diese Tätigkeiten auszuüben. Das Verwaltungsgericht ist von der Verpflichtung zur Feststellung der Restarbeitsfähigkeit dann entbunden, wenn entweder überhaupt keine Restarbeitsfähigkeit des Beamten besteht oder dargelegt wird, dass überhaupt keine Arbeitsplätze seiner Verwendungsgruppe frei sind bzw. dass sämtliche freien Arbeitsplätze seiner Verwendungsgruppe der bisherigen Verwendung nicht gleichwertig oder aber nicht im Sinne des § 14 Abs. 2 BDG 1979 zumutbar sind (vgl. etwa VwGH 30.1.2017, Ro 2014/12/0010, mwN). 17 Das Bundesverwaltungsgericht hat - auf Grundlage der Angaben des Obergutachters in der mündlichen Verhandlung vom 22. Oktober 2019 - ausgeführt, dass die Revisionswerberin aufgrund ihrer psychischen Erkrankungen mangels „beruflicher Umstellbarkeit“ nicht dazu in der Lage ist, die Anforderungen eines vergleichbaren Arbeitsplatzes zu erfüllen oder in der Zukunft erfüllen zu können. 18 Auch in diesem Zusammenhang wurde daher eine Rechtsfrage im Sinne des Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht aufgezeigt. 19 Die Revision war daher gemäß § 34 Abs. 1 VwGG in nichtöffentlicher Sitzung zurückzuweisen. Wien, am 31. Juli 2020
JWT_2019120086_20200703L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019120086.L00
Ra 2019/12/0086
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019120086_20200703L00/JWT_2019120086_20200703L00.html
1,593,734,400,000
1,756
Spruch Das angefochtene Erkenntnis wird wegen Rechtswidrigkeit seines Inhaltes aufgehoben. Das Land Steiermark hat dem Revisionswerber Aufwendungen in der Höhe von € 1.346,40 binnen zwei Wochen bei sonstiger Exekution zu ersetzen. Begründung 1 Der am 7. Dezember 1952 geborene Revisionswerber steht seit Ablauf des 31. Dezember 2017 in einem öffentlich-rechtlichen Ruhestandsverhältnis zum Land Steiermark. Sein öffentlich-rechtliches Dienstverhältnis wurde am 1. Juni 1978 begründet. 2 Mit Bescheid vom 21. Juli 2010 sprach die Steiermärkische Landesregierung aus, dass die Beendigung der Funktion des Revisionswerbers als Stellvertreter des Landesobmannes der Landespersonalvertretung sowie die Beendigung seiner gänzlichen Dienstfreistellung und seine Weiterverwendung in der Fachabteilung 1A - Organisation ab 1. Juli 2010 als Folge des Ergebnisses der Landespersonalvertretungswahl 2010 eine Verwendungsänderung im Sinne des § 20 in Verbindung mit § 249 Abs. 1 Gesetz über das Dienst- und Besoldungsrecht der Bediensteten des Landes Steiermark (Stmk. L-DBR), LGBl. Nr. 29/2003, „darstelle“. Mit dieser Verwendungsänderung seien folgende besoldungsrechtlichen Maßnahmen verbunden: Die bisher aufgrund seiner ehemaligen Funktion im EDV-Bereich bezogene Entschädigung nach § 30d des damals als Landesgesetz geltenden Gehaltsgesetzes in der Höhe von 30 % des Gehalts der Gehaltsstufe 2 der Dienstklasse V werde gemäß Art. III Abs. 2 der Übergangsbestimmungen für die Entschädigung gemäß § 30d Gehaltsgesetz 1956, LGBl. Nr. 76/1996, mit 31. Juli 2010 eingestellt. Da der Revisionswerber diese Entschädigung bereits länger als drei Jahre bezogen habe, gebühre ihm ab 1. August 2010 nach Art. III Abs. 2 der Übergangsbestimmungen für die Entschädigung gemäß § 30d Gehaltsgesetz 1956 eine nicht ruhegenussfähige Ergänzungszulage in der Höhe des Unterschiedsbetrages zwischen der bisherigen Entschädigung und den jeweils neuen Zulagen und Nebengebühren. Nachfolgende Vorrückungen, Beförderungen und Überstellungen seien mit dieser Ergänzungszulage gegenzurechnen („Aufsaugbarkeit“). Aufgrund der Beendigung seiner Funktion als Stellvertreter des Landesobmannes der Landespersonalvertretung sei auch die für diese Funktion gewährte Verwendungszulage im Ausmaß von 34 % des Gehalts der Gehaltsstufe 2 der Dienstklasse V gemäß § 269 Abs. 5 Stmk. L-DBR mit 31. Juli 2010 einzustellen. Da der Revisionswerber diese Verwendungszulage länger als sechs Jahre bezogen habe, gebühre ihm gemäß § 269 Abs. 7 Z 1 lit. b leg. cit. ab 1. August 2010 eine ruhegenussfähige Ergänzungszulage im Ausmaß der bisherigen Verwendungszulage. Diese Ergänzungszulage sei jeweils mit nachfolgenden Vorrückungen, Ernennungen, einer allfälligen Verwendungszulage oder Ergänzungszulage gegenzurechnen („Aufsaugbarkeit“). 3 Mit Wirkung vom 1. Mai 2013 wurde dem Revisionswerber, da er erneut die Funktion eines Stellvertreters des Obmannes der Landespersonalvertretung innehatte, eine Verwendungszulage nach § 269 Abs. 2 Stmk. L-DBR angewiesen. 4 Mit Schreiben vom 24. April 2015 informierte die Steiermärkische Landesregierung den Revisionswerber dahin, dass er eine nicht ruhegenussfähige „aufsaugbare“ Ergänzungszulage nach einer (am 31. Juli 2010) eingestellten Entschädigung gemäß § 30d Gehaltsgesetz 1956 beziehe. Mit der Dienstrechts-Novelle 2014, LGBl. Nr. 151, vom 22. Dezember 2014 sei diese Ergänzungszulage in der zum 1. Jänner 2015 geltenden Höhe als ruhegenussfähig erklärt worden. Gemäß § 300k Abs. 3 leg. cit. könne auf Antrag nach erfolgter Leistung der auf die Ergänzungszulage entfallenen Pensionsbeiträge eine Anrechnung als ruhegenussfähige Ergänzungszulage rückwirkend ab 1. Jänner 2005 erfolgen. Demnach bestünde für den Revisionswerber die Möglichkeit, einen diesbezüglichen Antrag auf rückwirkende Anrechnung als ruhegenussfähige Ergänzungszulage ab 1. August 2010 einzubringen. 5 Während sich der Revisionswerber im Dienststand befand, wurde ein solcher Antrag nach der Aktenlage nicht gestellt. 6 Aus Anlass seiner Ruhestandsversetzung mit Ablauf des 31. Dezember 2017 wurde mit Bescheid der Steiermärkischen Landesregierung vom 22. Dezember 2017 u.a. der monatliche Ruhebezug des Revisionswerbers gemäß § 58 ff Steiermärkisches Pensionsgesetz 2009 (Stmk. PG 2009), LGBl. Nr. 10, in der Höhe von monatlich € 5.173,60 brutto festgesetzt. 7 Mit Schreiben vom 19. Jänner 2018 ersuchte der Revisionswerber die Behörde um Mitteilung betreffend die Höhe einer Zahlung im Sinn von § 300k Abs. 3 Stmk. L-DBR sowie um Auskunft hinsichtlich der mit einer solchen Zahlung verbundenen Auswirkungen auf die Berechnung der Ruhegenussberechnungsgrundlage. 8 Die Behörde teilte dem Revisionswerber daraufhin mit Erledigung vom 2. Februar 2018 mit, dass eine rückwirkende Anrechnung als ruhegenussfähige Ergänzungszulage gemäß § 300k Abs. 3 Stmk. L-DBR nur auf Antrag möglich sei und diese zudem die Leistung der auf die Ergänzungszulage entfallenen Pensionsbeiträge voraussetze. Mit Schreiben vom 24. April 2015 sei der Revisionswerber auf die Möglichkeit hingewiesen worden, durch Leistung eines besonderen Pensionsbeitrages die rückwirkende Ruhegenussfähigkeit der Ergänzungszulage zu erwirken. Von dieser Möglichkeit habe er jedoch bis zu seiner Ruhestandsversetzung keinen Gebrauch gemacht. Am 22. Dezember 2017 sei ihm der Bescheid betreffend die Bemessung des monatlichen Ruhebezuges persönlich ausgefolgt worden. Dieser Bescheid sei in Rechtskraft erwachsen, weshalb eine nachträgliche Anrechnung der nicht ruhegenussfähigen Ergänzungszulage als ruhegenussfähige Ergänzungszulage für den Zeitraum vom 1. August 2010 bis zum 31. Dezember 2014 nicht zu erfolgen habe. 9 Mit Eingabe vom 6. Juni 2018 wies der Revisionswerber im Wege seiner anwaltlichen Vertretung darauf hin, dass er den Betrag im Sinn von § 300k Abs. 3 Stmk. L-DBR mangels Bekanntgabe durch die Behörde für den Zeitraum von 1. August 2010 bis 31. Dezember 2014 selbst errechnet und am 22. Mai 2018 überwiesen habe. Es seien daher die auf die Ergänzungszulage für den Zeitraum von 1. August 2010 bis 31. Dezember 2014 entfallenen Pensionsbeiträge geleistet worden. Unter Hinweis auf diesen Umstand beantragte er die Erlassung eines Bescheides, mit dem eine rückwirkende Anrechnung der gegenständlichen Zulage als ruhegenussfähige Ergänzungszulage und dementsprechende Erhöhung seines Ruhebezuges vorgenommen werde. 10 Mit Bescheid vom 22. August 2018 wies die Steiermärkische Landesregierung den Antrag des Revisionswerbers vom 6. Juni 2018 auf „rückwirkende Anrechnung der gegenständlichen Zulage als ruhegenussfähige Ergänzungszulage und dementsprechende Erhöhung seines Ruhebezuges“ wegen entschiedener Sache zurück. Begründend hielt die Behörde fest, der Revisionswerber habe im Zeitraum von 1. August 2010 bis 31. Dezember 2014 aufgrund einer eingestellten Entschädigung nach § 30d Gehaltsgesetz 1956 eine nicht ruhegenussfähige Ergänzungszulage bezogen. Die Anträge des Revisionswerbers zielten auf die Abänderung seines bereits rechtskräftig festgesetzten Ruhebezugs ab. Der Antrag vom 6. Juni 2018 sei daher im Hinblick auf die Rechtskraft des Bescheides, mit dem der Ruhebezug festgesetzt worden sei, wegen entschiedener Sache zurückzuweisen. 11 Der Revisionswerber erhob Beschwerde. 12 Mit Beschwerdevorentscheidung vom 22. November 2018 entschied die Steiermärkische Landesregierung gemäß § 14 Abs. 1 VwGVG aus Anlass der Beschwerde, dass der Antrag des Revisionswerbers vom 6. Juni 2018 wegen entschiedener Sache zurückgewiesen werde. Dazu führte die Behörde aus, der in Rede stehende Antrag ziele auf die Abänderung des rechtskräftigen Bescheides vom 22. Dezember 2017 ab. An der Sach- und Rechtslage habe sich seit Erlassung dieses Bescheides nichts geändert. 13 Der Revisionswerber beantragte die Vorlage seiner Beschwerde an das Verwaltungsgericht. 14 Mit dem angefochtenen Erkenntnis wies das Landesverwaltungsgericht Steiermark die Beschwerde gemäß § 15 Abs. 1 und § 28 Abs. 1 VwGVG in Verbindung mit § 300k Stmk. L-DBR als unbegründet ab. Die Revision nach Art. 133 Abs. 4 B-VG erklärte das Gericht für nicht zulässig. 15 Das Verwaltungsgericht pflichtete der Behörde darin bei, dass der in Rede stehende Antrag darauf abziele, den mit Bescheid vom 22. Dezember 2017 festgesetzten Ruhebezug abzuändern. Zusammenfassend gelangte das Gericht zu dem Ergebnis, dass die Behörde im Hinblick auf die Rechtskraft des zuletzt genannten Bescheides den verfahrenseinleitenden Antrag vom 6. Juni 2018 zu Recht wegen entschiedener Sache zurückgewiesen habe, weshalb die Beschwerde abzuweisen gewesen sei. 16 Gegen dieses Erkenntnis richtet sich die vorliegende außerordentliche Revision, in der die Aufhebung des angefochtenen Erkenntnisses wegen Rechtswidrigkeit beantragt wird. 17 Die vor dem Verwaltungsgericht belangte Behörde erstattete eine Revisionsbeantwortung, in der sie die Zurückweisung, hilfsweise die Abweisung der Revision beantragte. 18 In der Begründung ihrer Zulässigkeit wendet sich die Revision u.a. dagegen, dass das Gericht der Beschwerde gegen den Bescheid vom 22. August 2018 mit der Begründung nicht stattgegeben habe, dass der verfahrenseinleitende Antrag auf Abänderung eines rechtskräftigen Bescheides, mit dem der Ruhebezug festgelegt worden sei, abziele und eine derartige Abänderung unzulässig sei. Der Verwaltungsgerichtshof hat erwogen: 19 Die Revision erweist sich im Hinblick auf die mit dem angefochtenen Erkenntnis bestätigte Zurückweisung des verfahrenseinleitenden Antrages, gegen die sich die Zulässigkeitsbegründung erkennbar wendet, als zulässig und berechtigt. 20 Der am 1. Jänner 2015 in Kraft getretene § 300k des Gesetzes über das Dienst- und Besoldungsrecht der Bediensteten des Landes Steiermark (Stmk. L-DBR), LGBl. Nr. 29/2003 in der Fassung 151/2014, lautet: „Übergangsbestimmung für die Entschädigung gemäß § 30d Gehaltsgesetz 1956 in der Fassung LGBl. Nr. 87/1989, die bis zum Ablauf des 31. Oktober 1996 gewährt wurden (1) Auf Entschädigungen gemäß § 30d Gehaltsgesetz 1956 in der Fassung LGBl. Nr. 87/1989, die vor dem 1. November 1996 gewährt wurden, ist § 30d in der bis zum Ablauf des 31. Oktober 1996 geltenden Fassung weiterhin anzuwenden. (2) Die Entschädigung die bis zum Ablauf des 31. Oktober 1996 gewährt wurde, ist bei Beendigung der anspruchsbegründenden Funktion oder bei Versetzung auf eine andere Stelle einzustellen. Sofern der Anspruch auf diese Entschädigung nach einem mindestens dreijährigen Bezug nach dem 31. Dezember 2004 endet, gebührt dem Beamten/der Beamtin eine ruhegenussfähige Ergänzungszulage in der Höhe des Unterschiedsbetrages zwischen der bisherigen Entschädigung und den jeweils neuen Zulagen und Nebengebühren. Nachfolgende Vorrückungen, Beförderungen, allfällige Ergänzungszulagen, Verwendungszulagen und Überstellungen sind mit der Ergänzungszulage gegenzurechnen. (3) Die rückwirkende Anrechnung als ruhegenussfähige Ergänzungszulage ab 1. Jänner 2005 erfolgt nur auf Antrag des Beamten/der Beamtin nach erfolgter Leistung der auf die Ergänzungszulage entfallenen Pensionsbeiträge.“ 21 In den Materialien zu § 300k Stmk. L-DBR wird wörtlich Folgendes ausgeführt (AB 16. GP EZ 3083/5, 17; Hervorhebungen im Original): „Die Entschädigungen gemäß § 30d Gehaltsgesetz 1956 in der Fassung LGBl. Nr. 87/1989, wurde mit Wirksamkeit 1. November 1996 durch die Verwendungszulage § 269 Abs. 2 ersetzt. Bei Beendigung der anspruchsbegründenden Funktion oder bei Versetzung auf eine andere Stelle war die Entschädigung § 30d einzustellen, wobei die Entschädigung nach einem mindestens dreijährigen Bezug mit einer nicht ruhegenussfähigen Ergänzungszulage aufgesaugt wurde. Demgegenüber wird die Verwendungszulage gemäß § 269 bei einer Abberufung vom Arbeitsplatz, die der Beamte/die Beamtin nicht zu vertreten hat, durch eine ruhegenussfähige Ergänzungszulage aufgesaugt. Diese unterschiedliche Behandlung der Aufsaugbarkeit der Entschädigung § 30d Gehaltsgesetz 1956 und der Verwendungszulage § 269 Abs. 2 ist nicht begründbar. Es soll daher für jene Beamten/Beamtinnen, die derzeit noch eine nicht ruhegenussfähige aufsaugbare Ergänzungszulage nach § 30 d beziehen, diese Ergänzungszulage ruhegenussfähig werden. Dabei sind jedoch die Pensionsbeiträge nachträglich zu entrichten, Mit Abs. 3 soll diesem überschaubaren Personenkreis die Wahlmöglichkeit eingeräumt werden, ob sie für diese Ergänzungszulage die Pensionsbeiträge rückwirkend ab 1. Jänner 2005 nachzahlen wollen oder nicht. Ab Inkrafttreten der Bestimmung wird die Ergänzungszulage jedenfalls amtswegig als ruhegenussfähige Ergänzungszulage behandelt und die Pensionsbeiträge einbehalten.“ 22 Der Antrag des Revisionswerbers vom 6. Juni 2018 war u.a. darauf gerichtet, gemäß § 300k Abs. 3 Stmk. L-DBR eine (ab 1. August 2010) rückwirkende Anrechnung einer nicht ruhegenussfähigen Ergänzungszulage nach einer mit 31. Juli 2010 eingestellten Entschädigung gemäß § 30d GehG in der als steiermärkisches Landesgesetz geltenden Fassung LGBl. Nr. 87/1989 als ruhegenussfähige Ergänzungszulage zu erlangen. Demnach lag ein Antrag im Sinn von § 300k Abs. 3 Stmk. L-DBR vor, über den (vor einer weiteren Behandlung des in der logischen Abfolge nachgeordneten, auf eine positive Entscheidung nach § 300k Abs. 3 Stmk. L-DBR „aufbauenden“ Antrags auf „Erhöhung des Ruhebezugs“) zu entscheiden war. 23 Dazu ist - ohne dass hier ein näheres Eingehen auf die verfahrensrechtlichen Konsequenzen einer antragsstattgebenden Entscheidung nach § 300k Abs. 3 Stmk. L-DBR betreffend die (vom Revisionswerber ebenfalls angestrebte) „Erhöhung des Ruhebezugs“ geboten wäre - festzuhalten, dass die Sache des nach § 300k Abs. 3 Stmk. L-DBR zu prüfenden Antrages des Revisionswerbers auf rückwirkende Anrechnung als ruhegenussfähige Ergänzungszulage nicht mit jener Sache ident ist, über die mit Bescheid vom 22. Dezember 2017 aus Anlass seiner Versetzung in den Ruhestand und der Bemessung seines Ruhebezugs abgesprochen wurde. 24 Somit erweist sich schon aus diesem Grund die Zurückweisung des verfahrenseinleitenden Antrages wegen entschiedener Sache als verfehlt. 25 Der Antrag des Revisionswerbers vom 6. Juni 2018 war, wie soeben ausgeführt, jedenfalls auch auf die (für den Zeitraum von 1. August 2010 bis 31. Dezember 2014) rückwirkende Anrechnung (einer nicht ruhegenussfähigen Ergänzungszulage nach einer eingestellten Entschädigung gemäß § 30d GehG in der als steiermärkisches Landesgesetz geltenden Fassung LGBl. Nr. 87/1989) als ruhegenussfähige Ergänzungszulage gerichtet. In dieser Angelegenheit lag - entgegen der Rechtsauffassung der Behörde und des Verwaltungsgerichts - kein rechtskräftiger Abspruch vor, sodass der inhaltlichen Entscheidung über den diesbezüglichen Antrag des Revisionswerbers nicht entschiedene Sache entgegenstand (vgl. zu einem Antrag auf ergänzende Anrechnung von Ruhegenussvordienstzeiten VwGH 9.9.2016, 2016/12/0001). 26 Schon aus den dargelegten Erwägungen war daher das angefochtene Erkenntnis, mit dem der den verfahrenseinleitenden Antrag zurückweisende Bescheid vom 6. Juni 2018 bestätigt wurde, wegen inhaltlicher Rechtswidrigkeit gemäß § 42 Abs. 2 Z 1 VwGG aufzuheben. 27 Die Kostenentscheidung stützt sich auf die §§ 47 ff VwGG in Verbindung mit der VwGH-Aufwandersatzverordnung 2014. Wien, am 3. Juli 2020
JWT_2019120087_20200922L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019120087.L00
Ra 2019/12/0087
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019120087_20200922L00/JWT_2019120087_20200922L00.html
1,600,732,800,000
3,033
Spruch Das angefochtene Erkenntnis wird wegen Rechtswidrigkeit seines Inhalts aufgehoben. Begründung 1 Mit Bescheid der Kärntner Landesregierung vom 18. Februar 2019 wurde „gemäß § 56 des allgemeinen Verwaltungsverfahrensgesetzes 1991 - AVG, BGBl. Nr. 51/1991, in der Fassung BGBl. I Nr. 58/2018, in Verbindung mit § 1 des Dienstrechtsverfahrensgesetzes - DVG, BGBl. Nr. 29/1984, in der Fassung BGBl. I Nr. 60/2018, und gemäß § 138 des Kärntner Dienstrechtsgesetzes 1994 - K-DRG 1994, LGBl. Nr. 71/1994, in der Fassung LGBl. Nr. 10/2019,“ die dem Mitbeteiligten gewährte Dienstzulage „angepasst“ und mit € 581,38 „neu bewertet“. 2 Dabei wurde folgender Sachverhalt festgestellt (Anonymisierung durch den Verwaltungsgerichtshof): „a) Mit Schreiben vom 8. Juli 2002 (Aktenvermerk), Zahl: Pers- 23583/02, wurde dem Mitbeteiligten eine Dienstzulage in der Höhe von € 508,71 brutto zuerkannt. b) Mit Schreiben vom 9. Juni 2011 Zahl: LAD-PA-2346/1-2011, wurde aufgrund des politischen Auftrages vom 6. Mai 2011 die Mehrleistungszulage (MLZ) von 10% auf 16% und die Dienstzulage von monatlich € 581,38 auf monatlich € 1.100,-- erhöht. c) Hinweise der Abteilung 1/Organisationseinheit Personalangelegenheiten an die damaligen politischen Entscheidungsträger, dass die MLZ eine 100%ige Mehrleistung bedeuten würde und die Anhebung der Dienstzulage aus sachlichen Überlegungen nicht gerechtfertigt ist, wurden nicht beachtet. d) Im Aktenvermerk vom 16. Mai 2011 wurde seitens der Abteilung 1/Organisationseinheit Personalangelegenheiten angenommen, dass die Dienstzulage eine finanzielle Abgeltung aufgrund der Aktivitäten für den Bereich der KABEG (Expertenkommission) darstellt. Dem wurde seitens der damaligen politischen Entscheidungsträger auch nicht widersprochen, wonach angenommen werden darf, dass dies eine sachliche Rechtfertigung für die erhöhte Dienstzulage darstellt. e) Diese Tätigkeit in der KABEG-Expertenkommission gibt es nicht mehr. Aufgrund des Erkenntnisses des Verfassungsgerichtshofes (VfGH) vom 29. Juni 2012, G 206, 207/10-10, wurden Bestimmungen des Kärntner Landeskrankenanstaltenbetriebsgesetzes als verfassungswidrig aufgehoben, womit seit 1. August 2013 keine Expertenkommission als Beirat der KABEG mehr existierte. f) Infolge der Änderung der Geschäftseinteilung des Amtes der Kärntner Landesregierung, LGBl. Nr. 39/2018, ist es betreffend die Abteilung 7 - Wirtschaft, Tourismus und Mobilität mit Wirksamkeit 1. Juli 2018 zu Verschiebungen in folgenden Bereichen gekommen: +-----------------------+-----------------------+-----------------------+ | + | Ombudsstelle für | Neuer Aufgabenbereich | | | Unternehmen und | | | | Wirtschaft | | +-----------------------+-----------------------+-----------------------+ | + | Kärntner | von Abteilung 2 | | | B | | | | eteiligungsverwaltung | | +-----------------------+-----------------------+-----------------------+ | - | A | zur Abteilung 8 | | | bfallwirtschaftsrecht | | +-----------------------+-----------------------+-----------------------+ | - | Lärmschutz an | zur Abteilung 9 | | | Verkehrswegen | | +-----------------------+-----------------------+-----------------------+ | - | Kraftfahrtechnik | zur Abteilung 9 | +-----------------------+-----------------------+-----------------------+ | - | Tiertransporte | zur Abteilung 5 | | | (rechtlich) | | +-----------------------+-----------------------+-----------------------+ | - | Hochbau | zur Abteilung 2 | +-----------------------+-----------------------+-----------------------+ | - | Konsumentenschutz | zur Abteilung 11 | | | | | | | (inkl. Produ | | | | ktsicherheit & Cites) | | +-----------------------+-----------------------+-----------------------+ | - | Hochtechnologie und | zur Abteilung 11 | | | Breitband | | +-----------------------+-----------------------+-----------------------+ | | | | +-----------------------+-----------------------+-----------------------+ Aufgrund der Änderung der Geschäftseinteilung ist daher davon auszugehen, dass zwei Aufgabenbereiche dazu gekommen und sieben Aufgabenbereiche weggefallen sind. g) In Planstellen ausgedrückt hat es für die Verwaltungsjahre 2017 und 2018 in der Abteilung 7 - Wirtschaft, Tourismus und Mobilität einen ‚SOLL-Stand‘ von 99 bzw. 105 Planstellen gegeben. Im Verwaltungsjahr 2019 ist für die Abteilung 7 im Bereichsbudget für den zuständigen Landesrat Mag. Z ein ‚SOLL-Stand‘ von 72,35 Planstellen vorgesehen, wodurch für die neu hinzugekommenen Aufgabenbereiche Vorsorge getroffen wurde. Im Ergebnis bedeutet dies, dass es nunmehr im Zuständigkeitsbereich der Abteilung 7 - Wirtschaft, Tourismus und Mobilität um rund 30 Planstellen weniger an Personalausstattung gibt. h) Für die Ausübung von Funktionen in Kommissionen und Beiräten etc. gibt es gesonderte Aufwandsentschädigungen. i) Zu den vom Bediensteten beschriebenen Aufgaben ist festzuhalten, dass folgende Aufgabenstellungen der Funktion Abteilungsleitung zuzuordnen sind: - Kärnten-Paket (ÖBB-Investitionen in die Nahverkehrsinfrastruktur) - Verkehrsdienstevertrag (VDV neu) - Mitglied in der Projektsteuerungsgruppe Koralmbahn - Hochleistungsstrecke Schienenverkehr - Memorandum of Understanding ‚Zentralraum Kärnten‘ - Diverse Arbeitsgruppen/Projekte (Öffentlicher Nahverkehr, UVP-Arbeitskreis etc.) - GIP - das multimodale Verkehrsreferenzsystem - Teilnahme an EU-Projekten und Projekten des Klima- und Energiefonds - Mitglied der Bund-Länder-Informationsplattform für Wissenschaft, Forschung und Innovation - Teilnahme an EU-Projekten und Projekten des Klima- und Energiefonds - Amtshaftungsverfahren im Rahmen der HCB-Causa Zusätzliche Aufgabenstellungen zur Funktion Abteilungsleitung stellen aus Sicht der Abteilung 1/Organisationseinheit Personalangelegenheiten folgende Aufgaben dar: - Plattform ‚Tauern-Pyhrn-Schober-Achse‘ - ‚Alpine-West Balkan Korridor‘ - Mitglied der Prüfungskommission für den Gehobenen Verwaltungsdienst - Vorsitzender der Hauptwahlkommission der Wirtschaftskammer - Landesbaudirektorenkonferenz - Post-Geschäftsstellen-Beirat (stimmberechtigtes Mitglied) - Verein ‚ÖVDAT‘ (österreichisches Institut für Verkehrsdateninfrastruktur) j) Eine Auswertung der Zulagen und Nebengebühren aller Abteilungs- bzw. Behördenleiter im Jänner 2019 hat ergeben, dass in der Kärntner Landesverwaltung die Dienstzulage in der Höhe von € 1.100,-- keinem anderen Abteilungs- bzw. Behördenleiter gewährt wird. k) Die Dienstzulage wird nicht mit ‚0‘ bemessen, sondern lediglich an jene Höhe angepasst, wie sie den übrigen Abteilungs- bzw. Behördenleitern ausbezahlt wird.“ 3 In der rechtlichen Beurteilung wurde ausgeführt, die Dienstzulage stelle eine ruhegenussfähige Zulage gemäß § 138 Abs. 2 K-DRG 1994 dar. Nach ständiger Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes sei für die Neubemessung einer Dienstzulage maßgeblich, welcher Sachverhalt der letzten rechtswirksam gewordenen Entscheidung über den Zulagenanspruch zu Grunde gelegen sei, also welche Tätigkeit des Beamten für die Gebührlichkeit der Zulage entscheidend gewesen sei. Nur dann, wenn in diesem Sachverhalt, also in der Tätigkeit des Beamten im Rahmen seiner Verwendung eine nicht bloß unwesentliche Änderung eingetreten sei, werde die Rechtswirksamkeit der seinerzeitigen Zuerkennung bzw. Bemessung beseitigt (Hinweis auf VwGH 18.12.1991, 90/12/0212). 4 Zum einen sei mit dem Wegfall der „KABEG-Expertenkommission“ im Jahr 2013 von einer wesentlichen Änderung des Sachverhaltes auszugehen. Zum anderen habe sich auf Grund der geänderten Geschäftseinteilung des Amtes der Kärntner Landesregierung mit Juli 2018 sowohl eine aufgabenbezogene als auch eine personenbezogene wesentliche Änderung ergeben, welche die Anpassung der Höhe der Dienstzulage rechtfertige. 5 Da alle weiteren Abteilungs- und Behördenleiter innerhalb der Kärntner Landesverwaltung diese Dienstzulage in wesentlich reduzierter Höhe erhielten, erscheine es daher auch aus sachlichen Überlegungen dringend geboten, die dem Bediensteten gewährte Dienstzulage auf die für Abteilungs- und Behördenleiter in der Kärntner Landesverwaltung übliche Höhe anzupassen, da sämtliche vom Bediensteten vorgebrachten Argumente eine sachliche Differenzierung nicht „vermögen“. 6 Über die dagegen vom Mitbeteiligten erhobene Beschwerde hob das Landesverwaltungsgericht Kärnten mit dem angefochtenen Beschluss den Bescheid der Dienstbehörde auf und verwies die Angelegenheit gemäß § 28 Abs. 3 zweiter Satz VwGVG an die Dienstbehörde zur Erlassung eines neuen Bescheides zurück. 7 Dabei ging es davon aus, dass die Erhöhung der Dienstzulage des Mitbeteiligten auf Grund seiner Sonderstellung innerhalb des Kreises aller Abteilungsleiter bzw. Abteilungen des Amtes der Kärntner Landesregierung erfolgt sei. Diese ergebe sich insbesondere in Bezug auf besonders diversifizierte Aufgaben der Abteilung 7, eine besondere Verantwortung und ein besonderes persönliches Engagement des Mitbeteiligten. Die Dienstbehörde hätte bei der Anpassung der Höhe der Dienstzulage jedenfalls ermitteln müssen, ob eine derartige Sonderstellung nach wie vor vorliege, und einen Vergleich mit den anderen Abteilungen bzw. Abteilungsleitern hinsichtlich der Aufgabengebiete (z.B. Anzahl, Wertigkeit, Mitarbeiter), des Verantwortungsgrades und besonderen Engagements anstellen müssen. Dies habe die Dienstbehörde nur ansatzweise ermittelt, indem sie im Bescheid aufgelistet habe, welche Bereiche von welchen Abteilungen hinzugekommen bzw. zu welchen Abteilungen weggekommen seien. Es sei aber kein Vergleich mit den anderen Abteilungsleitern bzw. Abteilungen anhand näher definierter Kriterien durchgeführt bzw. die dazu notwendigen Ermittlungen getätigt worden; dies insbesondere auch vor dem Hintergrund, dass im angefochtenen Bescheid begründend ausgeführt werde, dass alle weiteren Abteilungs- oder Behördenleiter innerhalb der Kärntner Landesverwaltung die Dienstzulage in Höhe von € 581,38 bezögen und eine sachliche Rechtfertigung einer höheren Dienstzulage für den Mitbeteiligten nicht vorliege. 8 Auch der Verfassungsgerichtshof verlange detailgenaue Ermittlungen und die Darlegung jener Gründe, auf welchen die Auffassung der Behörde beruhe, dass es zu einer wesentlichen Änderung der Leitungsfunktion gekommen sei; „eine bloß tabellarische Auflistung der mit den Leitungsfunktionen verbundenen Tätigkeiten und deren nicht weiter begründete prozentmäßige Quantifizierung“ genügten nicht (Hinweis auf VfSlg. 18.466/2008). 9 Es sei nicht Aufgabe des Gerichts Ersterhebungen zu machen, sondern eine nachprüfende Kontrolle gegenüber Entscheidungen der Behörde auszuüben und gegebenenfalls einzelne Ermittlungsschritte nachzuholen. Da in diese Richtung jedoch gar keine Ermittlungsschritte angestellt worden seien, sei die Angelegenheit zur Erlassung einer neuen Entscheidung nach einem entsprechenden Ermittlungsverfahren zurückzuverweisen. Die Ergänzung des verwaltungsbehördlichen Ermittlungsverfahrens sei insofern unerlässlich, als die belangte Behörde bei erschöpfender Ermittlung des zu beurteilenden Sachverhalts gegebenenfalls zu einer anderen Entscheidung gelangen könnte. 10 Es lägen daher zusammenfassend die Voraussetzungen des § 28 Abs. 3 zweiter Satz VwGVG vor, weshalb der angefochtene Bescheid aufzuheben und die Angelegenheit an die Dienstbehörde zurückzuverweisen sei (Hinweis auf VwGH 17.12.2015, Ro 2015/08/0026). 11 Gegen dieses Erkenntnis richtet sich die vorliegende Amtsrevision der Kärntner Landesregierung mit dem Antrag, gemäß § 42 Abs. 4 VwGG in der Sache selbst zu entscheiden und den angefochtenen Beschluss dahin abzuändern, dass die Beschwerde des Mitbeteiligten als unbegründet abgewiesen werde. In eventu wird beantragt, den angefochtenen Beschluss wegen Rechtswidrigkeit seines Inhaltes aufzuheben und die Sache zur neuerlichen Entscheidung an das Landesverwaltungsgericht Kärnten zurückzuverweisen. 12 Der Mitbeteiligte erstattete eine Revisionsbeantwortung, in der er beantragte, in der Sache selbst zu entscheiden und seiner Beschwerde stattzugeben und den bekämpften Bescheid ersatzlos aufzuheben. 13 In der Zulässigkeitsbegründung der Amtsrevision wird unter Berufung auf das hg. Erkenntnis vom 26. Juni 2014, Ro 2014/03/0063, der Standpunkt vertreten, das Landesverwaltungsgericht Kärnten hätte in der Sache selbst entscheiden müssen und die Angelegenheit nicht gemäß § 28 Abs. 3 zweiter Satz VwGVG zurückverweisen dürfen. 14 Dieser Rechtsansicht schloss sich der Mitbeteiligte in seiner Revisionsbeantwortung an. 15 Die Revision ist aus den genannten Gründen zulässig und auch berechtigt. 16 Im vorliegenden Verfahren vertrat die Dienstbehörde den Standpunkt, dass die Dienstzulage des Mitbeteiligten neu zu bemessen sei, weil sich sein Aufgabenkreis erheblich verändert hätte. Das Landesverwaltungsgericht Kärnten vertritt dagegen den Standpunkt, dass eine (Neu)Bemessung dann zulässig wäre, wenn dem Mitbeteiligten auf Grund seines persönlichen Engagements und der nunmehrigen Aufgaben der Abteilung 7 nicht mehr eine derartige Sonderstellung zukäme wie anlässlich der Erhöhung der Dienstzulage auf € 1.100,--, weshalb eine Ergänzung der Sachverhaltsfeststellungen notwendig sei. 17 Der Verwaltungsgerichtshof hat bereits in zahlreichen Erkenntnissen, beginnend mit jenem vom 26. Juni 2014, Ro 2014/03/0063, zur Befugnis der Verwaltungsgerichte zur Behebung und Zurückverweisung gemäß § 28 Abs. 3 zweiter Satz VwGVG Stellung genommen. 18 Demnach stellt die Zurückverweisungsmöglichkeit eine Ausnahme von der grundsätzlichen meritorischen Entscheidungszuständigkeit der Verwaltungsgerichte dar. Nach dem damit gebotenen Verständnis steht diese Möglichkeit nicht auf derselben Stufe wie die im ersten Satz des § 28 Abs. 3 VwGVG verankerte grundsätzliche meritorische Entscheidungskompetenz der Verwaltungsgerichte. Vielmehr verlangt das in § 28 VwGVG insgesamt normierte System, in dem insbesondere die normative Zielsetzung der Verfahrensbeschleunigung bzw. der Berücksichtigung einer angemessenen Verfahrensdauer ihren Ausdruck findet, dass von der Möglichkeit der Zurückverweisung nur bei krassen bzw. besonders gravierenden Ermittlungslücken Gebrauch gemacht wird. Eine Zurückverweisung der Sache an die Verwaltungsbehörde zur Durchführung notwendiger Ermittlungen wird daher insbesondere dann in Betracht kommen, wenn die Verwaltungsbehörde jegliche erforderliche Ermittlungstätigkeit unterlassen hat, wenn sie zur Ermittlung des maßgebenden Sachverhalts (vgl. § 37 AVG) lediglich völlig ungeeignete Ermittlungsschritte gesetzt oder bloß ansatzweise ermittelt hat. Gleiches gilt, wenn konkrete Anhaltspunkte annehmen lassen, dass die Verwaltungsbehörde (etwa schwierige) Ermittlungen unterließ, damit diese dann durch das Verwaltungsgericht vorgenommen werden (vgl. auch VwGH 20.11.2018, Ra 2018/12/0012, mwN). 19 Dafür dass im vorliegenden Verfahren eine dieser Konstellationen vorläge, bestehen keine Anhaltspunkte. Dass ergänzende Ermittlungen durchzuführen sind, erfüllt nicht einmal dann die Voraussetzungen für eine Aufhebung gemäß § 28 Abs. 3 zweiter Satz VwGVG, wenn in deren Rahmen die Bestellung eines Sachverständigen und die Einholung eines Gutachtens notwendig wäre (vgl. VwGH 25.10.2017, Ra 2016/12/0101). 20 Das Erkenntnis des Verwaltungsgerichtshofes vom 17. Dezember 2015, Ro 2015/08/0026, auf das sich das Landesverwaltungsgericht Kärnten anlässlich der Aufhebung und Zurückverweisung gemäß § 28 Abs. 3 zweiter Satz VwGVG berief, befasste sich nicht mit den Voraussetzungen, die für ein Vorgehen nach dieser Bestimmung vorliegen müssten und vermag daher den Standpunkt des Verwaltungsgerichts nicht zu stützen. 21 Vor diesem Hintergrund erweist sich die Ansicht des Landesverwaltungsgerichts Kärnten, wonach in dem hier zu beurteilenden Fall wegen der Notwendigkeit der Ergänzung des Ermittlungsverfahrens eine Aufhebung und Zurückverweisung gemäß § 28 Abs. 3 zweiter Satz VwGVG zu erfolgen hätte, als nicht zutreffend. Schon aus diesem Grund war das angefochtene Erkenntnis wegen inhaltlicher Rechtswidrigkeit aufzuheben (vgl. VwGH 27.4.2017, Ra 2016/12/0071; 25.10.2017, Ra 2016/12/0101). 22 Aus den vom Landesverwaltungsgericht Kärnten getroffenen Feststellungen ergibt sich nicht, dass eine bescheidförmige Bemessung der Dienstzulage des Mitbeteiligten - und zwar weder am 8. Juli 2002 noch am 9. Juni 2011 (zur fehlenden Bescheidqualität des im Akt erliegenden Schreibens von diesem Datum vgl. VwGH 27.5.2019, Ra 2018/12/0015; 26.2.2016, Ra 2016/12/0015; 5.9.2008, 2007/12/0161) - erfolgt wäre. Auf Basis dieses Sachverhaltes wird sich das Landesverwaltungsgericht Kärnten mit der Frage auseinanderzusetzen haben, auf welche Rechtsnorm eine Bemessung der Dienstzulage zu stützen wäre. Der über Anfrage des Verwaltungsgerichtshofes von der Kärntner Landesregierung genannte § 138 K-DRG 1994, der auch im Bescheid der Kärntner Landesregierung vom 18. Februar 2019 genannt worden war, ist nicht geeignet, eine derartige Rechtsgrundlage zu bilden. Lediglich Abs. 2 dieser Bestimmung nimmt Bezug auf die Dienstzulage. Gemäß § 138 Abs. 2 leg. cit. besteht der Monatsbezug aus dem Gehalt, einer allfälligen Kinderzulage und allfälligen ruhegenussfähigen Zulagen (Dienstalterszulage, Dienstzulage, Verwaltungsdienstzulage, Personalzulage, Verwendungszulage, Pflegedienstzulage, Ergänzungszulage nach § 146). Zur Frage der Höhe der Dienstzulage bzw. welche Voraussetzungen bei deren Bemessung erfüllt sein müssten, wird in dieser Bestimmung nichts ausgeführt, sodass eine Bemessung der Dienstzulage nicht auf diese Bestimmung zu stützen wäre, weil ansonsten ein Verstoß gegen das Legalitätsprinzip vorläge. Das Erkenntnis des Verwaltungsgerichtshofes vom 18. Dezember 1991, 90/12/0212, auf das sich die Dienstbehörde in ihrem Bescheid stützte, ist für den vorliegenden Sachverhalt nicht maßgeblich, wurde dort doch über eine Verwendungszulage nach § 30a Abs. 1 Z 2 GehG abgesprochen. Auch das Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofes vom 17. Juni 2008, B 1054/07, = VfSlg. 18.466, auf das sich das Landesverwaltungsgericht Kärnten stützte, ist nicht einschlägig, befasste sich der Verfassungsgerichtshof dort doch mit der Frage, welche Feststellungen erforderlich sind, um beurteilen zu können, ob im Rahmen einer Organisationsänderung eine Veränderung der Aufgaben eines Beamten um mehr als 25 % erfolgte, sodass vom Wegfall seines Arbeitsplatzes auszugehen wäre. 23 Sollte eine Rechtsgrundlage für die Bemessung der Dienstzulage nicht aufgefunden werden, wäre eine Dienstzulage (aus Anlass der Beschwerde des Mitbeteiligten) als nicht gebührend festzustellen. Sollte hingegen eine Rechtsgrundlage für die Bemessung der Dienstzulage des Mitbeteiligten vorliegen, wäre die Dienstzulage auf Basis dieser Rechtsgrundlage zu bemessen. Wien, am 22. September 2020
JWT_2019130028_20200827L00
ECLI:AT:VWGH:2020:RA2019130028.L00
Ra 2019/13/0028
Vwgh
Verwaltungsgerichtshof (VwGH)
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/Vwgh/JWT_2019130028_20200827L00/JWT_2019130028_20200827L00.html
1,598,486,400,000
3,309
Spruch Die Revision wird zurückgewiesen. Begründung 1 Bei der Revisionswerberin, einer Kommanditgesellschaft, die in den hier gegenständlichen Jahren einen Gastronomiebetrieb führte, wurde eine gemeinsame Prüfung aller lohnabhängigen Abgaben (GPLA) durchgeführt, bei welcher der Prüfer die Feststellung traf, dass die als „freie Dienstnehmer“ beschäftigten Arbeitnehmer als echte Dienstnehmer zu werten und deren Bezüge in die Bemessungsgrundlagen für den Dienstgeberbeitrag zum Ausgleichsfonds für Familienbeihilfen einzubeziehen seien. 2 Das Finanzamt folgte dem Prüfer und schrieb der Revisionswerberin auf Basis der getroffenen Feststellungen den Dienstgeberbeitrag und den Zuschlag zum Dienstgeberbeitrag für die Jahre 2006 bis 2009 vor. 3 Die Revisionswerberin erhob gegen diese Bescheide Berufung und führte zur Begründung aus, sie habe im verfahrensgegenständlichen Zeitraum drei Arten von Beschäftigungsverhältnissen begründet: Beschäftigung von drei Personen im Rahmen ihrer Kommanditistenstellung (Pflichtversicherung nach § 2 GSVG), Beschäftigung als echte Dienstnehmer (Pflichtversicherung nach § 4 Abs. 2 ASVG) und Beschäftigung als freie Dienstnehmer (Pflichtversicherung nach § 4 Abs. 4 ASVG). In Ansehung der unterschiedlichen Behandlung von freien Dienstnehmern nach § 4 Abs. 4 ASVG und echten Dienstnehmern nach § 4 Abs. 2 ASVG im Zeitraum vor dem 1. Jänner 2010 werde in weiterer Folge auf diese Unterscheidung Bezug genommen, wobei davon ausgegangen werde, dass der Begriff „Dienstnehmer“ im Steuerrecht (§ 47 Abs. 2 EStG 1988) dem Dienstverhältnis nach § 4 Abs. 2 ASVG im Sozialversicherungsrecht entspreche. Dienstnehmer im Sinne des § 4 Abs. 2 ASVG sei, wer in einem Verhältnis persönlicher und wirtschaftlicher Abhängigkeit gegen Entgelt beschäftigt werde. Wirtschaftliche Abhängigkeit sei nach Judikatur und Lehre anzunehmen, wenn der Dienstnehmer über keine eigenen Betriebsmittel verfüge. Bei der Beurteilung der persönlichen Abhängigkeit sei nach ständiger Judikatur des Verwaltungsgerichtshofes die persönliche Arbeitspflicht von entscheidender Bedeutung. 4 Die Revisionswerberin habe mit den gegenständlichen Dienstnehmern „freie Dienstverträge“ abgeschlossen, die folgenden Passus enthielten: „Im Fall der Verhinderung des freien Dienstnehmers durch Krankheit oder sonstige Abwesenheit ist dieser berechtigt, auf eigene Kosten eine andere geeignete Person mit den ihr aus dieser Vereinbarung erwachsenden Verpflichtungen zu beauftragen (jederzeitiges vollständiges Vertretungsrecht). Der freie Dienstnehmer unterliegt bei der Gestaltung des Tätigkeitsablaufes keinerlei Weisungen des Auftraggebers. Er kann Aufträge jedweder Art jederzeit und ohne irgendwelche Sanktionen ablehnen“. 5 Jeder, der diesen Passus lese, werde sofort feststellen, dass die persönliche Arbeitspflicht nicht ausbedungen worden sei. Gegenteiliges sei auch den Aussagen der von der Wiener Gebietskrankenkasse einvernommenen „freien Dienstnehmer“ nicht zu entnehmen, die - laut den darüber aufgenommenen Niederschriften - die Beschäftigung bei der Revisionswerberin lediglich als Nebenverdienst angesehen hätten und einer eingeschränkten oder gar keiner Weisungs- und Kontrollunterworfenheit unterlegen seien. Den Dienstnehmern habe die Vertretungsmöglichkeit durch einen geeigneten Vertreter sowie ein sanktionsloses Ablehnungsrecht zugestanden, sie seien somit in der Ausführung ihrer Tätigkeit dem Grunde, dem Zeitpunkt und der Art nach frei gewesen. 6 Das mit den freien Dienstnehmern vereinbarte Vertretungsrecht sei in einer Vielzahl von Fällen auch tatsächlich gelebt worden. Die Tätigkeit der freien Dienstnehmer habe weitaus überwiegend aus einfachen manipulativen Verrichtungen bestanden, die ohne besondere Vorkenntnisse und mit einer sehr einfachen Kurzeinschulung „(dort stehen die Getränke, dort sitzen die Gäste)“ bewältigbar gewesen seien. 7 Laut angefochtenem Bescheid sei im Zeitraum 2005 bis 2008 bei über 145 Personen die Dienstnehmereigenschaft festgestellt worden. Dabei schienen immer wieder freie Dienstnehmer mit nur einem Tag pro Monat auf. Dies seien jene Personen, die vertreten hätten. Um die für das Versicherungsverhältnis maßgebenden Umstände - hier das Vertretungsrecht - beurteilen zu können, werde beantragt, die Daten des Vorpächters, der die gleichen logistischen Probleme zu bewältigen gehabt habe, heranzuziehen. 8 In Bezug auf die Vertretungsbefugnis nicht schädlich sei, dass die von den freien Dienstnehmern namhaft gemachten Vertreter nicht von diesen selbst, sondern überwiegend von der Revisionswerberin bezahlt und angemeldet worden seien. Dies mit der Motivation, jede Art von „Schwarzbeschäftigung“ in den eigenen Räumlichkeiten kategorisch auszuschließen. 9 Neben der Möglichkeit, sich vertreten zu lassen, habe jedem Dienstnehmer ein „sanktionsloses Ablehnungsrecht“ zugestanden. Habe ein Dienstnehmer arbeiten wollen, habe er dies tun können, habe er nicht arbeiten wollen, dann habe er das nicht gemusst. Die Berechtigung eines Beschäftigten, im Rahmen einer übernommenen Gesamtverpflichtung sanktionslos einzelne Arbeitsleistungen (ohne Stelligmachung eines Vertreters) abzulehnen, schließe nach der Judikatur des Verwaltungsgerichtshofes eine Beschäftigung in persönlicher Abhängigkeit aus. 10 Die Dienstnehmer seien an einer Anstellung als freie Dienstnehmer interessiert gewesen, weil die meisten von ihnen in anderen Dienstverhältnissen gestanden seien und die Beschäftigung bei der Revisionswerberin als „Nebenverdienst“ angesehen hätten. Weil es sich lediglich um einen „Nebenjob“ gehandelt habe, sei der freien Vertretungsmöglichkeit große Bedeutung zugekommen. Die „freien Dienstnehmer“ hätten kaum eine Vereinbarkeit ihrer Beschäftigung bei der Revisionswerberin mit bestehenden, anderen Beschäftigungsverhältnissen erlangen können, hätten sie nicht sanktionslos ablehnen können. 11 Viele Personen seien zwischen ein- und dreimal pro Monat im Unternehmen der Revisionswerberin tätig gewesen. Es obliege jedem, sich selbst ein Bild davon zu machen, ob diese Personen - im Hinblick auf die hohe Fluktuation und den Umstand, dass sie frei entscheiden hätten können, ob sie kommen möchten oder nicht - vollständig in den Betrieb der Revisionswerberin eingegliedert gewesen seien. Alle „freien Dienstnehmer“ seien in der Ausführung ihrer Tätigkeit an keine Weisungen gebunden gewesen. Lediglich am Ende des Arbeitstages habe es gewisse unabdingbare Kontrollen gegeben, wie etwa die Kontrolle der Kassa, ansonsten habe sich der Geschäftsführer kaum um die tägliche Routinearbeit gekümmert, sondern sich verstärkt der direkten Kundenbetreuung gewidmet. 12 Die Revisionswerberin beantragte eine mündliche Verhandlung und (in Gegenwart ihres Geschäftsführers) die „Zeugeneinvernahme all jener Personen, die von der Behörde entgegen dem jeweils eingegangenen schriftlichen Vertragsverhältnis als echte Dienstnehmer angesehen“ worden seien. 13 Der Berufung lagen neun als „Zeugenaussage“ titulierte, von „freiwilligen Dienstnehmern“ unterzeichnete Schriftstücke mit folgendem (sowie ein zehntes mit weitgehend gleichem) Inhalt bei: „ZEUGENAUSSAGE abgegeben von: Vor- und Zuname SV-Nr.: Aktuelle Adresse: Ich werde darüber informiert, dass die [Revisionswerberin] ein laufendes Streitverfahren mit der Wiener Gebietskrankenkasse hinsichtlich der Qualifikation von Dienstverhältnissen (echte oder freie) führt. Diesbezüglich werde ich gebeten, die Umstände meiner Beschäftigung wahrheitsgetreu wieder zu geben. Ich habe bei der [Revisionswerberin] begonnen ein freies Dienstverhältnis zu begründen, weil ich eine Arbeit gesucht hatte, bei [der] sich die Möglichkeit bot, mir auf freiwilliger Basis (bedeutet zu kommen wenn ich wollte oder nicht) etwas dazu zu verdienen. Ich hatte bei der [Revisionswerberin] freie Zeiteinteilung, wenn ich Zeit und Lust hatte kam ich, wenn nicht rief ich an oder schickte einen Vertreter. Dieser Vertreter rekrutierte sich entweder aus meinem Bekanntenkreis oder aus dem Kreis der Menschen, die ich dort kennengelernt hatte. Natürlich habe ich hauptsächlich persönlich gearbeitet, weil ich mir ja etwas dazuverdienen wollte. Nichts desto trotz wurde mir von Anfang an gesagt, dass eine Ablehnungsmöglichkeit besteht und war mir das in Ansehung meines bestehenden Dienstverhältnisses nicht unangenehm. Nach meinem Wissen waren sehr viele Personen in ähnlichem Verhältnis für die [Revisionswerberin] tätig, so dass ich davon ausgegangen bin, dass im Falle meines Nichterscheinens jedenfalls jemand anderer die Aufgabe wahrnimmt. Ich werde darüber informiert, dass das jederzeitige Recht einen Vertreter zu schicken oder einen Auftrag ohne Sanktionen abzulehnen, von der Rechtsprechung als klassisches Merkmal angesehen wird, dass ein freies Dienstverhältnis vorliegt. Im Wissen um diese Folge wiederhole ich: Ich konnte mich vertreten lassen und ich konnte ohne Angabe von Gründen sanktionslos ablehnen. Die Tätigkeit selbst bestand weitaus überwiegend aus manipulatorischen gastronomischen Tätigkeiten, die nach meiner Einschätzung auch binnen kürzester Zeit von einem außenstehenden Dritten erlernbar sind. [...]“ 14 Das Finanzamt wies die Berufung mit Berufungsvorentscheidung ab und führte zur Begründung u.a. aus, der Verwaltungsgerichtshof sei im Erkenntnis vom 14. Februar 2013, 2012/08/0268 bis 0278 (das ebenfalls die Revisionswerberin und die gegenständliche Problematik betroffen habe), von Beschäftigungsverhältnissen nach § 4 Abs. 2 ASVG ausgegangen. Das Vorliegen einer generellen Vertretungsbefugnis und eines sanktionslosen Ablehnungsrechts habe er verneint. 15 Die Revisionswerberin beantragte die Vorlage der Berufung an die Abgabenbehörde zweiter Instanz, die Entscheidung durch den gesamten Berufungssenat und die Durchführung einer mündlichen Verhandlung. 16 Mit dem angefochtenen Erkenntnis gab das Bundesfinanzgericht der Berufung (nunmehr Beschwerde) - nach Durchführung einer mündlichen Verhandlung - keine Folge und stellte folgenden Sachverhalt fest: 17 Der Gastronomiebetrieb sei Anfang 2005 von der Revisionswerberin übernommen worden. Im zeitlichen Nahbereich zur Betriebsübernahme habe der steuerliche Vertreter der Revisionswerberin für die sogenannten freien Dienstnehmer eine Informationsveranstaltung bezüglich „freier Dienstvertrag“ durchgeführt. 18 Von einer Beschäftigungsmöglichkeit im Betrieb der Revisionswerberin hätten die meisten „freien Dienstnehmer“ von Personen, die bereits dort gearbeitet hätten, Kenntnis erlangt. Die „freien Dienstnehmer“ seien von Z eingestellt worden. Mit Z seien auch die Einstellungsgespräche geführt und die Modalitäten des Beschäftigungsverhältnisses (Entlohnung, Aufgabenbereich, freies Dienstverhältnis) besprochen worden. 19 Die Gruppe der Köche habe gemeinsam die Dienstpläne erstellt, die Speisekarte gestaltet und den Wareneinkauf geplant. Bei auftretenden Problemen (Ausfall von Geräten, Bezug von Waren aus dem Lager, Beschwerden von Gästen) hätten die „freien Dienstnehmer“ Z (fallweise auch K) kontaktiert. Sämtliche Befragten hätten übereinstimmend ausgesagt, dass Z laufend im Betrieb anwesend gewesen sei und regelmäßig kontrolliert und geschaut habe, ob alles in Ordnung sei. Dem Beschwerdevorbringen, die Geschäftsführung habe sich um die tägliche Routinearbeit kaum gekümmert, könne daher nicht gefolgt werden. Auch die Abrechnung nach Dienstende habe Z durchgeführt. Ebenso habe er den „freien Dienstnehmern“ ihr (stundenabhängiges) Entgelt (in bar) ausbezahlt. 20 Sei ein „freier Dienstnehmer“ verhindert gewesen, habe er entweder mit einem Arbeitskollegen den Dienst getauscht oder bei der Firmenleitung angerufen, welche aus dem Kreis der Arbeitskollegen einen Ersatz organisiert habe. Die Ersatzkräfte seien nicht von den „freien Dienstnehmern“, sondern von der Revisionswerberin entlohnt worden. 21 Dem wiederholten Einwand, die „freien Dienstnehmer“ hätten ohne einen bestimmten Grund („jederzeit und nach Gutdünken“) einen Vertreter heranziehen können, könne schon deshalb nicht gefolgt werden, weil in den Verträgen - ungeachtet des Klammerausdruckes „jederzeitiges vollständiges Vertretungsrecht“ - die Berechtigung, sich vertreten zu lassen, nur für den Fall der Verhinderung (durch Krankheit oder durch eine sonstige Abwesenheit) vorgesehen sei. Damit in Einklang stünden die Angaben aller Befragten, dass sich - wenn überhaupt - nur im Falle einer allfälligen Verhinderung die Frage eines Ersatzes gestellt habe. Das Vorliegen eines generellen Vertretungsrechts („jederzeit und nach Gutdünken“) werde daher als nicht erwiesen erachtet. 22 Zum wiederholten Vorbringen, wonach die „freien Dienstnehmer“ ein „sanktionsloses Ablehnungsrecht“ gehabt hätten, sei Folgendes auszuführen: Der Gastronomiebetrieb der Revisionswerberin habe es erfordert, in Zeiten besonders intensiven Geschäftsganges genügend Dienstnehmer in Einsatz zu bringen. Die Revisionswerberin sei daher in den von ihr angesprochenen Spitzenzeiten auf die Arbeitskraft der „freien Dienstnehmer“ angewiesen gewesen. Ein in diesen Einsatzzeiten praktiziertes „sanktionsloses Ablehnungsrecht“ hätte daher - entgegen der diesbezüglichen Behauptung - mit den Anforderungen des Gastronomiebetriebes der Revisionswerberin nicht in Einklang gebracht werden können. 23 Zu diesem Ergebnis gelange man auf Grund der übereinstimmenden und glaubwürdigen Aussagen der von der Wiener Gebietskrankenkasse befragten „freien Dienstnehmer“. Auch den dem Berufungsschriftsatz angeschlossenen „Zeugenaussagen“ sei das in der Beweiswürdigung dargelegte Verständnis (insbesondere: zum Vertretungsrecht und zum Ablehnungsrecht) beizumessen. Zwischen den Aussagen der Befragten und den schriftlichen „Zeugenaussagen“ bestehe daher kein Widerspruch. 24 Die Revisionswerberin habe die Einvernahme der als echte Dienstnehmer eingestuften Personen beantragt und ersucht, diese in Gegenwart des Geschäftsführers der Revisionswerberin zu befragen. Zu welchem Beweisthema die angesprochenen Personen befragt werden sollten, habe die Revisionswerberin jedoch nicht aufgezeigt, sodass dieser Antrag schon wegen der fehlenden Angabe eines bestimmten Beweisthemas (§ 183 Abs. 3 BAO) unbeachtlich sei. Im Übrigen seien ohnehin dreizehn „freie Dienstnehmer“ von der Wiener Gebietskrankenkasse befragt worden. Dass hinsichtlich der weiteren „freien Dienstnehmer“ der Sachverhalt anders gelagert gewesen wäre, werde von der Revisionswerberin nicht behauptet. Da sämtliche freien Dienstverträge nach einem Muster abgefasst worden seien und die Befragung der dreizehn sogenannten freien Dienstnehmer ein einheitliches Bild ergeben habe, sei auch bei den anderen sogenannten freien Dienstnehmern kein anders gelagerter Sachverhalt zu vermuten. 25 In rechtlicher Würdigung des festgestellten Sachverhalts führte das Bundesfinanzgericht - nach Anführung der bezughabenden Gesetzesstellen und der dazu ergangenen Judikatur des Verwaltungsgerichtshofes - aus, die „freien Dienstnehmer“ hätten mit den anderen Dienstnehmern zusammengearbeitet (z.B. die Dienstpläne erstellt und die Speisekarte gestaltet). Bei Beschwerden der Gäste, bei Geräteausfällen oder anderen Vorkommnissen und wenn Waren aus dem Lager zu beziehen gewesen seien, hätten die „freien Dienstnehmer“ Z (und fallweise auch K) kontaktiert, die auch immer wieder nachgeschaut hätten, ob alles in Ordnung sei. Im Verhinderungsfall hätten die „freien Dienstnehmer“ bei der Revisionswerberin angerufen, die dann aus dem Kreis der Arbeitskollegen für Ersatz gesorgt habe. In Anbetracht dieser Umstände bestehe kein Zweifel daran, dass die „freien Dienstnehmer“ in die im Unternehmen der Revisionswerberin bestehenden betrieblichen Abläufe eingegliedert gewesen seien. Entgegen dem von der Revisionswerberin vertretenen Standpunkt könne auch ein nur fallweise Beschäftigter - wenn auch nur vorübergehend und nur mit einer untergeordneten Arbeitsverrichtung - in den Organismus eines Unternehmens eingegliedert sein (Hinweis auf VwGH 29.5.1959, 1710/58). 26 Das Vorliegen von Dienstverhältnissen sei von der Revisionswerberin auch mit der Begründung in Abrede gestellt worden, die „freien Dienstnehmer“ seien bei der Ausübung ihrer Tätigkeit an keine Weisungen gebunden gewesen. 27 Ein Dienstverhältnis im steuerrechtlichen Sinn (§ 47 Abs. 2 EStG 1988) liege dann vor, wenn der Arbeitnehmer dem Arbeitgeber seine Arbeitskraft schulde, was u.a. dann der Fall sei, wenn die Tätigkeit „unter der Leitung des Arbeitgebers“ erbracht werde. 28 Da Z (auch) die Tätigkeit der „freien Dienstnehmer“ laufend kontrolliert habe, im Verhinderungsfall kontaktiert worden sei und für Ersatzkräfte gesorgt habe, habe die Revisionswerberin zweifellos Leitungsfunktion ausgeübt. Das Vorliegen von steuerrechtlichen Dienstverhältnissen (§ 47 Abs. 2 EStG 1988) sei daher schon deshalb zu bejahen. Eine laufende Kontrolle wäre inhaltsleer, wäre sie nicht mit der Befugnis, in das Geschehen (korrigierend) eingreifen zu können, verbunden, sodass aus der unstrittig erfolgten Kontrolle auch auf eine damit einhergehende Weisungsbefugnis geschlossen werden könne. Sei aber das Vorliegen einer Weisungsbefugnis zu bejahen, dann komme es nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes nicht mehr darauf an, ob das Weisungsrecht auch tatsächlich ausgeübt werde. 29 Die Revisionswerberin habe das Vorliegen von Dienstverhältnissen auch damit in Abrede gestellt, dass die „freien Dienstnehmer“ ein „sanktionsloses Ablehnungsrecht“ sowie das Recht, „jederzeit und nach Gutdünken einen geeigneten Vertreter zu bestimmen“, gehabt hätten. Dem sei entgegenzuhalten, dass ein Vertretungsrecht - wie bereits ausgeführt - nur für den Fall der Verhinderung durch Krankheit oder sonstige Abwesenheit vereinbart worden sei und daher nicht von einem generellen Vertretungsrecht gesprochen werden könne. Hinzu komme, dass die „freien Dienstnehmer“ die Möglichkeit gehabt hätten, Beschäftigungsangebote der Revisionswerberin jederzeit ablehnen zu können: Somit habe keine bestimmte Arbeitsverpflichtung bestanden, weshalb dem vereinbarten Vertretungsrecht kein tatsächliches Gewicht zugekommen sei (Hinweis auf VwGH 10.1.2016, 2012/13/0095). Die Vorgehensweise, dass die „freien Dienstnehmer“ im Falle einer Verhinderung entweder mit einem Arbeitskollegen/einer Arbeitskollegin den Dienst getauscht oder bei der Firmenleitung angerufen hätten und diese dann in weiterer Folge aus dem Kreis der bei der Revisionswerberin Beschäftigten einen Ersatz organisiert habe, entspreche jener, die auch bei in einem steuerrechtlichen Dienstverhältnis stehenden Beschäftigten üblich sei und stehe daher der Beurteilung, dass Dienstverhältnisse im Sinne des § 47 Abs. 2 EStG 1988 vorlägen, ebenfalls nicht entgegen. 30 In diesem Zusammenhang habe die Revisionswerberin auch beantragt, die Daten des Vorpächters zum Nachweis dafür, dass bei der Revisionswerberin Vertretungen tatsächlich stattgefunden hätten, heranzuziehen. Dass bei der Revisionswerberin Vertretungen tatsächlich stattgefunden hätten, werde nicht in Abrede gestellt. Strittig sei nur, ob die tatsächlich gelebte Vertretung das Vorliegen steuerrechtlicher Dienstverhältnisse (§ 47 Abs. 2 EStG 1988) ausschließe, was - wie bereits ausgeführt - zu verneinen sei. Von der beantragten Beweisaufnahme werde daher Abstand genommen. Darauf, dass das von der Revisionswerberin behauptete „sanktionslose Ablehnungsrecht“ mit den Anforderungen an ihren Gastronomiebetrieb nicht in Einklang zu bringen sei, sei bereits hingewiesen worden. Zusammenfassend lasse sich daher sagen, dass ein den „freien Dienstnehmern“ bei Diensteinteilung eingeräumter Entscheidungsspielraum (bis hin zur Möglichkeit, bereits übernommene Dienste mit verfügbaren Vertretern aus einem entsprechend großen „Arbeitskräftepool“ zu tauschen) im modernen Erwerbsleben nichts Ungewöhnliches sei und mit einem „generellen Vertretungsrecht“ bzw. einem „sanktionslosen Ablehnungsrecht“ nichts zu tun habe. 31 Eine Revision erklärte das Bundesfinanzgericht für nicht zulässig, weil es zur Frage, wann ein Dienstverhältnis (§ 47 Abs. 2 EStG 1988) vorliege, eine (umfangreiche) Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes gebe, diese einheitlich sei und das Bundesfinanzgericht davon nicht abgewichen sei. 32 Gegen dieses Erkenntnis richtet sich die vorliegende außerordentliche Revision. 33 Nach Art. 133 Abs. 4 B-VG ist gegen ein Erkenntnis des Verwaltungsgerichtes die Revision zulässig, wenn sie von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, insbesondere weil das Erkenntnis von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abweicht, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes nicht einheitlich beantwortet wird. 34 Nach § 34 Abs. 1 VwGG sind Revisionen, die sich wegen Nichtvorliegens der Voraussetzungen des Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zur Behandlung eignen, ohne weiteres Verfahren in nichtöffentlicher Sitzung mit Beschluss zurückzuweisen. 35 Nach § 34 Abs. 1a VwGG ist der Verwaltungsgerichtshof bei der Beurteilung der Zulässigkeit der Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG an den Ausspruch des Verwaltungsgerichtes gemäß § 25a Abs. 1 VwGG nicht gebunden. Die Zulässigkeit einer außerordentlichen Revision gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG hat der Verwaltungsgerichtshof im Rahmen der dafür in der Revision vorgebrachten Gründe (§ 28 Abs. 3 VwGG) zu überprüfen. 36 Die Revision bringt zu ihrer Zulässigkeit zunächst vor, sowohl aufgrund der „freien Dienstverträge“ als auch aufgrund der vorgelegten Zeugenaussagen ergebe sich, dass die beschäftigten Personen keine persönliche Arbeitsverpflichtung gehabt hätten. Die Revisionswerberin habe sowohl in der Beschwerde als auch in der mündlichen Verhandlung auf diesen Umstand hingewiesen und die Einvernahme der „freien Dienstnehmer“ beantragt. Hätte das Bundesfinanzgericht die beantragten Beweise aufgenommen, wäre es zu der rechtlichen Würdigung gelangt, dass im gegenständlichen Fall keine Dienstverhältnisse vorlägen oder die Entscheidung wäre gegen die Judikatur des Verwaltungsgerichtshofes ergangen, wonach bei fehlender persönlicher Arbeitspflicht kein Dienstvertrag vorliege. 37 Mit diesem Vorbringen wird keine im Sinne des Art. 133 Abs. 4 B-VG relevante Rechtsfrage aufgezeigt. 38 Gemäß § 47 Abs. 2 EStG 1988 liegt ein Dienstverhältnis vor, wenn der Arbeitnehmer dem Arbeitgeber seine Arbeitskraft schuldet. Dies ist der Fall, wenn die tätige Person in der Betätigung ihres geschäftlichen Willens unter der Leitung des Arbeitgebers steht oder im geschäftlichen Organismus des Arbeitgebers dessen Weisungen zu folgen verpflichtet ist. 39 Das Bundesfinanzgericht hat im angefochtenen Erkenntnis - von der Revision unwidersprochen - festgestellt, die „freien Dienstnehmer“ hätten mit den anderen Dienstnehmern zusammengearbeitet und bei Beschwerden der Gäste, Geräteausfällen oder anderen Vorkommnissen Z kontaktiert, der auch immer wieder nachgeschaut habe, ob alles in Ordnung sei. Im Verhinderungsfall hätten sie bei der Revisionswerberin angerufen, die dann aus dem Kreis der Arbeitskollegen für Ersatz gesorgt habe. Vor diesem Hintergrund ist das Bundesfinanzgericht zur Überzeugung gelangt, die „freien Dienstnehmer“ seien in die im Unternehmen der Revisionswerberin bestehenden betrieblichen Abläufe eingegliedert gewesen, was auf keine vom Verwaltungsgerichtshof aufzugreifenden Bedenken stößt. 40 Dem Einwand der Revisionswerberin, die „freien Dienstnehmer“ hätten im Hinblick auf ihr Vertretungsrecht keine persönliche Arbeitsverpflichtung gehabt, ist das Bundesfinanzgericht mit dem Hinweis auf die mit diesen Dienstnehmern getroffenen Vereinbarungen begegnet, wonach eine Vertretung nur im Falle einer durch Krankheit oder sonstige Abwesenheit bedingten Verhinderung möglich gewesen sei. Das Bundesfinanzgericht wies auch auf die Angaben der befragten Dienstnehmer hin, wonach sich die Frage eines Ersatzes nur im Falle einer allfälligen Verhinderung gestellt habe, und vertrat den Standpunkt, es liege kein generelles Vertretungsrecht vor, was ebenfalls auf keine vom Verwaltungsgerichtshof aufzugreifenden Bedenken stößt. 41 Mit dem von der Revisionswerberin für ihren Standpunkt ins Treffen geführten „sanktionslosen Ablehnungsrecht“ hat sich das Bundesfinanzgericht im angefochtenen Erkenntnis ebenfalls auseinandergesetzt. Es stellte fest, der von der Revisionswerberin geführte Gastronomiebetrieb habe es erfordert, in Zeiten besonders intensiven Geschäftsganges genügend Dienstnehmer in Einsatz zu bringen, weshalb die Revisionswerberin in diesen von ihr selbst angesprochenen Spitzenzeiten auf die Arbeitskraft der „freien Dienstnehmer“ angewiesen gewesen sei. Ein in diesen Einsatzzeiten praktiziertes „sanktionsloses Ablehnungsrecht“ hätte daher - wie vom Bundesfinanzgericht zutreffend angenommen - mit den Anforderungen des Gastronomiebetriebes der Revisionswerberin nicht in Einklang gebracht werden können. 42 Soweit die Revision rügt, die angefochtene Entscheidung werde den formalen Anforderungen des Verwaltungsgerichtshofes an ein Erkenntnis des Bundesfinanzgerichts nicht gerecht, weil insbesondere der Sachverhalt und die rechtliche Subsumption „bunt gemischt“ seien und zudem große Mängel in einer nachvollziehbaren (freien) Beweiswürdigung vorlägen, ist auf die ständige Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes zu verweisen, wonach eine im Rahmen der gesonderten Darstellung der Gründe für die Zulässigkeit der Revision nicht weiter substantiierte Behauptung von Verfahrensmängeln, deren Relevanz für den Verfahrensausgang nicht dargelegt wird, nicht ausreicht, um eine Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung aufzuzeigen, von deren Lösung das rechtliche Schicksal der Revision abhängt (vgl. z.B. den Beschluss VwGH 13.9. 2017, Ra 2017/13/0058, mwN). Dass die vorhandenen Beweismittel (schriftlicher Vertrag, schriftliche Zeugenaussagen) „weitaus überwiegend genau die gegenteilige Aussage ausweisen, die ihnen das BFG beimisst“, trifft nicht zu. 43 Der Rüge, wonach die Entscheidung des Bundesfinanzgerichts inhaltlich mangelhaft sei, weil der Verwaltungsgerichtshof im Erkenntnis vom 14. Februar 2013, 2012/08/0268 bis 0278, ausgesprochen habe, dass bei der Abgrenzung zwischen einem abhängigen Beschäftigungsverhältnis und einem freien Dienstvertrag die vertragliche Vereinbarung die Vermutung der Richtigkeit für sich habe und diese durch einen entsprechenden Nachweis, dass die tatsächlichen Verhältnisse von den vertraglichen Vereinbarungen abwichen, zu entkräften sei, ist zu entgegnen, dass das angeführte Erkenntnis die Revisionswerberin und die gegenständliche Problematik betroffen hat. Der Verwaltungsgerichtshof vertrat in diesem - die Pflichtversicherung nach dem ASVG betreffenden - Erkenntnis den Standpunkt, dass bereits der Regelungsinhalt der „freien Dienstverträge“, dem die unstrittigen Verhältnisse der Leistungserbringung (die Dienstnehmer waren in die betriebliche Organisation der beschwerdeführenden Partei eingebunden und erbrachten manuelle Hilfsarbeiten) gar nicht widersprechen, zum Ergebnis führt, dass es sich um abhängige Beschäftigungsverhältnisse gehandelt hat. 44 Die Revision war daher gemäß § 34 Abs. 1 VwGG ohne weiteres Verfahren in nichtöffentlicher Sitzung mit Beschluss zurückzuweisen. Wien, am 27. August 2020