scraped_at
stringlengths
19
19
url
stringlengths
30
264
content
stringlengths
0
555k
2024-12-04 04:43:22
https://de.wikipedia.org/wiki/Spica-Klasse_(1935)
Die Spica-Klasse war eine Klasse von Torpedobooten der Königlich Italienischen Marine. Die insgesamt 32 Einheiten wurden in mehreren Gruppen in leicht unterschiedlichen Ausführungen zwischen 1936 und 1938 in Dienst gestellt und kamen alle im Zweiten Weltkrieg zum Einsatz, 23 überstanden den Krieg nicht. Zwei Einheiten wurden 1940 an Schweden abgegeben. Artikel 8 Absatz a des Flottenvertrags von 1930 gestattete, eine beliebige Anzahl von Überwasser-Kampfschiffen mit weniger als 600 ts Typverdrängung zu bauen. Vor diesem Hintergrund begann das Konstruktionsamt der italienischen Marine 1932 mit den Projektarbeiten für eine Schiffsklasse innerhalb dieses vorgegebenen Werts. Durch Reduzierung der Artillerie von vier auf drei 10-cm-Geschütze im endgültigen Entwurf sowie durch die Verwendung von 45,7-cm-Torpedorohren, nachdem diese seit Anfang der 1920er Jahre nicht mehr bei Neubauten zum Einsatz kamen, gelang es, das vorgegebene Verdrängungslimit nur um wenige Tonnen zu überschreiten. Vorgesehen waren defensive und offensive Aufgaben, so dass eine kombinierte Geschütz- und Torpedobewaffnung gewählt wurde. Im Ergebnis war der Typ der erste neue, nominell und qualitativ als echtes Torpedoboot einzuordnende Schiffsentwurf nach den Torpedobooten der 1 PN-Klasse aus dem Ersten Weltkrieg. Als Parallelbau der französischen Marine, dem italienischen Hauptkonkurrenten im Mittelmeer, unter Nutzung der 600-ts-Klausel war die Melpomène-Klasse. Das Deutsche Reich nutzte die Klausel mit den Torpedobooten 1935. Mit dem Haushalt 1932 wurden die beiden Prototypen Spica und Astore bewilligt. Sie wurden am 24. Mai 1933 bei der Bacini e Scali Napoletani in Neapel auf Kiel gelegt. Der Stapellauf der Spica fand am 11. März, der der Astore am 22. April 1934 statt, die Indienststellung erfolgte am 30. Mai bzw. 16. Juni 1935. Die folgenden Boote Centauro und Climene wurden im Jahr 1933 bewilligt und am 30. Mai und 25. Juli 1934 bei Cant. Nav. Riuniti, Ancona auf Kiel gelegt. Stapellauf war am 19. Februar und 7. Januar 1936, sie gingen am ab 16. Juni bzw. 24. April 1936 in Dienst. Dabei wurden die Hauptabmessungen und die Verdrängung des Typs leicht verändert, so dass die Modifizierung der Aufbauten und eine andere Zusammensetzung und Anordnung der Bewaffnung möglich wurde. Die nächsten Boote Perseo und Sirio wurden am 12. November 1934 bei Cant. Nav. di Quarnaro, Fiume auf Kiel gelegt, Abmessungen, Verdrängung und Bunkervorrat unterschieden sich nur gering von ihren Vorgängern. Ebenso blieben die Bewaffnung und deren Aufstellung unverändert. Der Bau weiterer zehn Boote wurde im Zusammenhang mit dem Abessinienkrieg bewilligt. Aldebaran, Altair, Andromeda und Antares baute die Genueser Werft Ansaldo , Castore und Cigno baute Cant. Nav. in Riuniti. Canopo und Cassiopeia wurden an Cant. Nav. del Tirreno, Sagittario und Vega an die Cant. Nav. di Quarnaro vergeben. Gegenüber der vorherigen Gruppe änderten sich die technischen Daten nur minimal, sodass man sie als Nachbauten bezeichnen kann. Die Kiele wurden zwischen dem 2. Oktober 1935 und 11. März 1936 gelegt, die Stapelläufe folgten vom 14. Juni bis zum 22. November 1936. In Dienst gingen die Boote vom 8. Oktober 1936 bis 26. April 1937. Mit dem Haushalt 1936 wurden neben zwölf Zerstörern 16 weitere Boote vom Spica-Typ bewilligt. Mit Kiellegung zwischen dem 29. Oktober 1936 bis 29. September 1937 wurden Alcione, Airone, Aretusa, Ariel, Clio, Circe, Calliope, Calipso bei Ansaldo, Libra, Lince, Lira, Lupo bei Cant. nav. del Quarnaro, Pallade, Partenope, Pleiadi und Polluce bei Bacini e Scali Napoletani gebaut. Die beiden Prototypbauten Spica und Astore wurden 1940 an Schweden verkauft und dort als Romulus-Klasse geführt. Sie wurden am 27. März bei der schwedischen Marine in Dienst gestellt und erst 1958 ausgemustert. Die Boote bildeten folgende Divisionen: Hauptaufgabe der Boote im Zweiten Weltkrieg war die Geleitsicherung. Hierbei konnten durch Boote der Klasse unter anderem mehrere U-Boote versenkt werden. Insgesamt gingen 22 Boote in italienischen Diensten verloren. Lira wurde nach der Selbstversenkung nach der Kapitulation Italiens durch die Wehrmacht gehoben und als TA 49 geführt, sank aber bereits vor Fertigstellung am 4. November 1944 bei einem Luftangriff. Die noch vorhandenen sieben Einheiten blieben noch längere Zeit nach dem Krieg bei der italienischen Marine in Dienst. So gingen Libra und Sagittario erst 1964 außer Dienst. Die Ariete-Klasse stellte eine nach den Kriegserfahrungen modifizierte Wiederauflage des Spica-Entwurfs dar. Für die schwedische Marine wurden ab 1941 auf Grund der guten Erfahrungen mit den italienischen Ankäufen vier Torpedoboote im modifizierten Spica-Entwurf gebaut. Für die siamesische Marine baute die Werft C.R.D.A., Monfalcone neun Torpedoboote als verkleinerte Ausgabe der Spica-Klasse. Der Rumpf der beiden Prototypen erreichte eine Länge von 80,35 Meter, eine Breite von 8,2 Meter und einen Tiefgang von 2,26 bzw. 2,82 Meter. Die Typverdrängung lag bei 630 ts, im Einsatz wurden 901 Tonnen verdrängt. Die Climene und Centauro wiesen leicht andere Werte auf. Sie maßen 81,4 Meter in der Länge, 8,2 Meter in der Breite bei einem Tiefgang von 2,38 bzw. 3,01 Meter, sowie 652 ts Typ- und 1010 t Einsatzverdrängung. Für den Antrieb sorgten zwei Yarrow-Kessel mit Überhitzern, die ihren Dampf auf zwei 9500-PSw-Tosi-Turbinen für zwei Wellen abgaben. So sollten maximal 34 kn erreicht werden. Bei Tests wurde die Konstruktionsgeschwindigkeit durch die Spica bei 730 Tonnen mit 37,5 Knoten noch übertroffen. Die Spica-Gruppe erreichte mit 201 t Öl 1728 Seemeilen bei 16 Knoten bzw. 620 Seemeilen bei 30 Knoten. Bei der Climene und Centauro wurde die Bunkerkapazität auf 221 t gesteigert, so lag der Fahrbereich bei 1960 sm bei 15 und 705 Seemeilen bei 30 Knoten. Der Ölvorrat der Perseo- und Aldebaran-Gruppe lag bei 207 Tonnen für 1892 sm bei 15 kn bzw. 683 sm bei 30 kn. Die Alcione-Gruppe führte 215 t Öl mit. Die Antriebsanlage blieb bei allen Booten die gleiche. Ursprüngliche Hauptbewaffnung des Entwurfs waren drei handbediente 10-cm-L/47-SK-Geschütze M1931 von O.T.O., die mit lediglich 45° Rohrerhöhung nur zum Seezielbeschuss geeignet waren. Die Lafette wurde, nachdem das Modell 1937 mit 60° Rohrerhöhung zur Verfügung stand, auf den bereits vorhandenen Booten durch diese ersetzt, neue wurden bereits mit dieser fertiggestellt. Immer waren zwei Geschütze achtern angeordnet, wobei das zweite gegenüber dem anderen überhöht aufgestellt war, das dritte Geschütz stand auf der Back vor der Brücke. Hinzu kamen zwei 4-cm-Doppelflak-Geschütze auf Plattformen hinter dem Schornstein , zwei 13,2-mm-Doppel-MG sowie zwei Wasserbombenwerfer. Die Boote der Perseo/Climene-Gruppe erhielten unter Verzicht auf die beiden 4-cm-Geschütze vier 13,2-mm-MG, die Ende 1939 durch 2-cm-L/65-Flak-MGs ersetzt wurden, sie hielten also insgesamt zehn 13,2-mm-Rohre vor. Die weiteren Boote fuhren mit acht 13,2-mm-MGs. Auf den Einheiten waren vier Torpedorohre in unterschiedlicher Aufstellung und Kombination von Einzel- und Doppelrohren installiert. Spica und Astore fuhren zum Beispiel mit einem Doppelsatz in der Mittschiffslinie sowie zwei einfache Torpedorohre jeweils seitlich auf backbord und steuerbord.
2024-12-02 06:33:38
https://de.wikipedia.org/wiki/Bedonia
Bedonia ist eine italienische Gemeinde mit 3150 Einwohnern in der Provinz Parma in der Emilia-Romagna. Die Gemeinde liegt etwa 65 Kilometer südwestlich von Parma am Pelpirana und grenzt unmittelbar an die Metropolitanstadt Genua und die Provinz Piacenza. Die umfasst die Fraktionen Alpe, Borio, Bruschi di Sopra, Bruschi di Sotto, Calice, Campore, Caneso, Carniglia, Casaleto, Casalporino, Casamurata, Case Gelana, Castagna, Castagnola, Castellaro, Cavadasca, Cavignaga, Ceio, Chiesiola, Cognole, Cornolo, Costa Alta, Costa Belvedere, Costa della Romana, Costa di Borio, Custi, Drusco, Follo, Fontanabonardi, Fontanachiosa, Fontanino, Foppiano, Forana, Fornolo, Illica, Le Coste, Libbia, Liveglia, Marazzano, Masanti di Sopra, Masanti di Sotto, Molino Anzola, Momarola, Montarsiccio, Montevacà, Monti, Moronera, Nociveglia, Piane di Carniglia, Pilati, Ponteceno, Porcile, Prato, Revoleto, Rio Grande, Rio Merlino, Rio Pansamora, Romezzano, Roncole, Salarolo, San Marco, Scopolo, Segalino, Selvola, Serra, Setterone, Spora, Strepeto, Tasola, Tomba, Travaglini und Volpara. Nachbargemeinden sind Bardi, Compiano, Ferriere , Santo Stefano d’Aveto und Tornolo. Bis nach Bedonia führt von Fidenza die frühere Strada Statale 359 di Salsomaggiore e di Bardi . Albareto | Bardi | Bedonia | Berceto | Bore | Borgo Val di Taro | Busseto | Calestano | Collecchio | Colorno | Compiano | Corniglio | Felino | Fidenza | Fontanellato | Fontevivo | Fornovo di Taro | Langhirano | Lesignano de’ Bagni | Medesano | Monchio delle Corti | Montechiarugolo | Neviano degli Arduini | Noceto | Palanzano | Parma | Pellegrino Parmense | Polesine Zibello | Roccabianca | Sala Baganza | Salsomaggiore Terme | San Secondo Parmense | Sissa Trecasali | Solignano | Soragna | Sorbolo Mezzani | Terenzo | Tizzano Val Parma | Tornolo | Torrile | Traversetolo | Valmozzola | Varano de’ Melegari | Varsi
2024-12-01 21:58:30
https://de.wikipedia.org/wiki/Krankentr%C3%B6ster
Siechentröster , auch Krankentröster, hatten auf Schiffen der Ostindien-Kompanie die Aufgabe, Kranke zu besuchen und ihnen Trost zu spenden. Außerdem hielten sie an Bord die Andacht. In dieser Anstellung waren meist junge Geistliche, aber auch Laien. Verspottend wurden sie auch Kopfhänger genannt. Bis 1800 entsandte die Niederländische Ostindien-Kompanie neben Pastoren fast 800 Siechentröster in die Kolonien, die die einheimische Bevölkerung zu missionieren versuchten.
2024-12-04 04:03:12
https://de.wikipedia.org/wiki/Minatsu_Mitani
Minatsu Mitani ist eine japanische Badmintonspielerin. Sie spielt für die Werksmannschaft der NTT East. Minatsu Mitani wurde bei den Australia Open 2010 Zweite im Dameneinzel. Sie siegte 2011 bei den Croatian International und den Romanian International, ebenfalls in ihrer Stammdisziplin Dameneinzel. 2018 siegte sie bei den Spain Masters.
2024-11-23 12:28:26
https://de.wikipedia.org/wiki/Duce
Benito Amilcare Andrea Mussolini anhörenⓘ/? war ein italienischer Politiker. Er war von 1922 bis 1943 Ministerpräsident des Königreiches Italien. Als Duce del Fascismo und Capo del Governo stand er ab 1925 als Diktator an der Spitze des faschistischen Regimes in Italien. Nach Anfängen bei der sozialistischen Presse stieg Mussolini 1912 zum Chefredakteur von Avanti! auf, dem Zentralorgan des Partito Socialista Italiano . Als er dort offen nationalistische Positionen vertrat, wurde er im Herbst 1914 entlassen und aus dem PSI ausgeschlossen. Mit finanzieller Unterstützung der italienischen Regierung, einiger Industrieller und ausländischer Diplomaten gründete Mussolini bald darauf die Zeitung Il Popolo d’Italia. 1919 gehörte er zu den Gründern der radikal nationalistischen und antisozialistischen faschistischen Bewegung, als deren Duce er sich bis 1921 etablierte. Im Oktober 1922 berief König Viktor Emanuel III. Mussolini nach dem Marsch auf Rom an die Spitze eines Mitte-Rechts-Koalitionskabinetts. Die faschistische Partei war durch Fusion mit der nationalkonservativen Associazione Nazionalista Italiana zur rechten Sammlungsbewegung geworden. Mit einer Wahlrechtsreform sicherte Mussolini ihr 1923/24 die Mehrheit der Parlamentssitze. In der Matteotti-Krise 1924 knapp dem Sturz entgangen, legte er das Fundament der faschistischen Diktatur mit Ausschaltung des Parlaments, Verbot der antifaschistischen Presse und aller Parteien mit Ausnahme des PNF, Ersetzung der Gewerkschaften durch Korporationen, Aufbau einer politischen Polizei sowie Ernennung statt Wahl der Bürgermeister. Als Regierungschef und oft Inhaber mehrerer Ministerposten gleichzeitig erließ Mussolini Dekrete mit Gesetzeskraft und war formal nur dem Monarchen verantwortlich. Mussolinis Außenpolitik zielte auf eine Vormachtstellung im Mittelmeerraum und auf dem Balkan, wodurch früh ein Gegensatz zu Frankreich entstand. Bis Mitte der 1930er Jahre suchte er die Verständigung mit Großbritannien. 1929 beendete Mussolini mit den Lateranverträgen den Konflikt des Nationalstaats mit dem Papsttum. Dem deutschen Einflussgewinn in Mittel- und Südosteuropa trat er zunächst entgegen. Nach dem von den Westmächten nicht gebilligten und mit Wirtschaftssanktionen beantworteten italienischen Überfall auf Äthiopien sowie der Intervention Italiens im Spanischen Bürgerkrieg näherte sich Mussolini bis 1937 Deutschland an und schloss im Mai 1939 ein Militärbündnis. Am 10. Juni 1940 trat er – in der Annahme, der Krieg werde nur wenige Monate dauern – auf deutscher Seite in den Zweiten Weltkrieg ein. Die italienischen Angriffe auf britische Positionen im östlichen Mittelmeer und in Ostafrika scheiterten jedoch ebenso wie der Angriff auf Griechenland im gleichen Jahr, wodurch Italien die Fähigkeit zu selbständiger Kriegführung weitgehend verlor. Ab Herbst 1942 spitzte sich die politische, soziale und militärische Krise des Regimes rasch zu und untergrub Mussolinis persönliche Diktatur. Im Juli 1943 wurde er von oppositionellen Faschisten und Monarchisten gestürzt, die das Bündnis mit Deutschland lösen und einer antifaschistischen Massenbewegung zuvorkommen wollten. Aus der Haft befreit, stand er bis 1945 an der Spitze der Italienischen Sozialrepublik , des faschistischen Marionettenstaates der deutschen Besatzungsmacht. In den letzten Kriegstagen wurde Mussolini von kommunistischen Partisanen festgenommen und hingerichtet. Benito Mussolini war das erstgeborene Kind der Eheleute Alessandro und Rosa Mussolini . Die Familie lebte im Schulhaus von Dovia, einem dörflichen Vorort von Predappio. Mussolinis Mutter, die Tochter eines kleinen Grundbesitzers, war hier seit 1877 als Grundschullehrerin tätig. Sie hatte den Handwerker Alessandro Mussolini im Januar 1882 gegen den Widerstand ihrer Eltern geheiratet. Er verdiente seinen Lebensunterhalt einige Jahre lang als Schmied, besaß nur geringe formale Schulbildung und wurde im Zuge seiner erfolglosen Arbeitssuche zum Alkoholiker. Im Gegensatz zu seiner katholischen, auch politisch konservativen Frau war Alessandro Mussolini aktiver Sozialist und genoss als Mitglied des Stadtrates und stellvertretender Bürgermeister eine gewisse Prominenz. Als einzige „Intellektuelle“ des Ortes besaß die Familie einen beachtlichen Einfluss, auch wenn sie kaum mehr begütert war als die Bauern und Landarbeiter in ihrer unmittelbaren Umgebung. Alessandro Mussolini hatte Werke von Karl Marx gelesen und verehrte in seinem politischen Denken italienische Nationalisten wie Mazzini und Garibaldi, unter Einbezug von Sozialreformern und Anarchisten wie Carlo Cafiero und Bakunin. Die Vornamen seines ältesten Sohnes wählte er mit Blick auf Benito Juárez, Amilcare Cipriani und Andrea Costa. Alessandro Mussolini zog sich bereits vor dem Tod seiner Frau aus der Politik zurück, pachtete etwas Land und betrieb in den letzten Jahren seines Lebens eine Gastwirtschaft in Forlì. Benito Mussolini verließ im Alter von neun Jahren Dovia und wechselte, wohl arrangiert von seiner Mutter, auf eine Internatsschule der Salesianer in Faenza, die vor allem von Jungen aus Familien des städtischen Bürgertums der Romagna besucht wurde. Hier war Mussolini, der in dieser Umgebung nicht als gleichwertig akzeptiert wurde, immer wieder in handgreifliche Auseinandersetzungen mit Mitschülern verwickelt. Nachdem er bei einem Streit ein Messer gezogen hatte, wurde er nach zwei Jahren der Schule verwiesen. Auf der staatlichen Schule in Forlimpopoli, die er fortan besuchte, entwickelte er sich zum „Musterschüler“. Er beendete sie 1901 mit einem Diplom, das ihn zur Erteilung von Unterricht an Elementarschulen berechtigte. 1900 war er dem Partito Socialista Italiano beigetreten und befreundete sich dort mit dem späteren Antifaschisten Olindo Vernocchi. Nachdem der Versuch, mit Hilfe seines Vaters die Stelle des Gemeindesekretärs von Predappio zu erhalten, gescheitert war, trat Mussolini im Februar 1902 eine Lehrerstelle in Gualtieri an. Sein Vertrag wurde jedoch bereits im Juni gekündigt. Es ist unklar, ob dafür Auseinandersetzungen mit dem örtlichen Klerus, eine laxe Dienstauffassung Mussolinis oder die Affäre mit einer verheirateten Frau verantwortlich waren. Einige Wochen später emigrierte Mussolini – wie etwa 50.000 andere Italiener im Jahr 1902 – in die Schweiz. Er arbeitete hier gelegentlich als Bauarbeiter und Ladenhelfer, war wegen der Geldsendungen seiner Eltern aber nicht wie andere, häufig völlig mittellose Migranten auf regelmäßige Lohnarbeit angewiesen. Da er im Folgejahr der Einberufung zum Wehrdienst nicht nachkam, verurteilte ihn ein italienisches Militärgericht wegen Desertion. In der Schweiz trat er der Auslandsorganisation des PSI bei und schrieb schon nach kurzer Zeit regelmäßig für das dortige Parteiblatt L’Avvenire del Lavoratore. Auftritte vor Versammlungen italienischer Arbeitsmigranten zeigten sein Talent als politischer Redner und lenkten die Aufmerksamkeit nicht nur der Schweizer, sondern auch der französischen Polizei auf den „anarchistischen“ Agitator, der mehrfach arrestiert wie auch ausgewiesen wurde. Mussolini fand bald Zugang zu dem Kreis um Giacinto Menotti Serrati und Angelica Balabanoff, die ihn beide förderten. Von Balabanoff übernahm Mussolini wesentliche Elemente seines frühen politischen Weltbildes. Wie sie verstand er unter Marxismus vor allem „revolutionären“ Aktivismus. Seine fortan häufige Berufung auf Marx diente in erster Linie der innerparteilichen Abgrenzung vom Reformsozialismus der Richtung Filippo Turatis. Mussolinis tatsächliche Beschäftigung mit dem marxistischen Denken blieb hier und später oberflächlich und eklektisch. In der Schweiz las Mussolini auch syndikalistische Schriften, insbesondere die Georges Sorels. Dazu kam die Lektüre Henri Bergsons, Gustave Le Bons, Max Stirners und Friedrich Nietzsches. 1904 studierte er ein Semester an der Universität Lausanne beim berühmten Soziologen Vilfredo Pareto und bei dessen Assistenten Pasquale Boninsegni. Argumentationen und Begriffe dieser Autoren platzierte Mussolini in seinen journalistischen Beiträgen unvermittelt neben marxistischen Kategorien, ohne deren theoretische Unvereinbarkeit zu erkennen. Trotz eines Entrüstungssturms in der Schweiz über den undemokratischen Gewaltherrscher verlieh die Universität Lausanne zu ihrem 400-jährigen Jubiläum 1937 Mussolini auf Betreiben und aufgrund erfolgter eigenmächtiger Verlautbarungen Boninsegnis den Ehrendoktor. Politisch vertrat Mussolini zwischen 1904 und 1914 im Kern den Standpunkt des revolutionären Syndikalismus, ohne allerdings persönlich syndikalistischen Organisationen anzugehören. Früh schon zeigte sich in seinen Schriften die „Tendenz, gesellschaftliche Prozesse durch biologische Konzeptionen zu interpretieren , was die allmähliche Aufgabe des marxistisch eindeutig definierten Begriffs der Klasse zugunsten der ‚Masse‘ vorbereitet.“ Dazu kam ein für einen sozialistischen Autor zumindest ungewöhnlicher, an Sorel geschulter Kult des Irrationalen: „Die sogenannten ‚seriösen‘ Menschen bilden den sozialen Ballast. Die Kultur ist das Werk der sogenannten ‚Wahnsinnigen‘.“ Gegen Ende des Jahres 1904 kehrte Mussolini nach Italien zurück. Seine Mutter starb kurz darauf. Zuvor schon war er der Einberufung zum Wehrdienst gefolgt, den er bis zum September 1906 in einem Bersaglieri-Regiment ableistete. Anschließend war er erneut als Lehrer tätig, zunächst in Tolmezzo und danach an einer katholischen Schule in Oneglia. Im November 1907 bestand er ein Examen an der Universität Bologna und qualifizierte sich damit als Französischlehrer. In Oneglia begann Mussolini, wieder für die sozialistische Presse zu schreiben. Seine Entlassung im Juli 1908 markierte das endgültige Scheitern als Lehrer; er zog daraufhin wieder zu seinem Vater nach Forlì. Nach Fürsprache von Serrati und Balabanoff übertrug man Mussolini im Januar 1909 die Stelle des Sekretärs der sozialistischen Partei im österreichischen Trient. Zudem übernahm er die Redaktion des lokalen Parteiblatts. In Trient lernte er den Irredentisten Cesare Battisti kennen und schrieb bald regelmäßig für dessen Zeitung Il Popolo. Anfang August 1909 wurde er Chefredakteur dieser Zeitung. Außerdem korrespondierte er mit Giuseppe Prezzolini, dem Herausgeber der Zeitschrift La Voce, von dem er sich offenbar Protektion erhoffte. Mussolini begann in Trient, einen positiven Begriff der „Nation“ zu entwickeln, was in der italienischen sozialistischen Bewegung zu dieser Zeit ausgesprochen unüblich war und ebenso wie seine Verbindung zu Prezzolini darauf hindeutet, dass seine persönlichen Ambitionen schon zu dieser Zeit über den Rahmen der sozialistischen Partei hinausgingen. Das Motiv des persönlichen Ehrgeizes gerade des jungen Mussolini wird in der Literatur oft hervorgehoben. Inzwischen gilt es als unstrittig, dass Mussolini mindestens so sehr von dem Bedürfnis, „irgendwie und irgendwo“ aufzusteigen, wie von politischer Überzeugung angetrieben wurde. Angelo Tasca, der ihn persönlich kannte, hat die Auffassung vertreten, dass „das letzte Ziel“ für Mussolini „stets nur Mussolini selbst ; ein anderes hat er nie gekannt.“ Bevor 1910 sein eigentlicher Aufstieg in der sozialistischen Partei begann, gab sich Mussolini der Hoffnung hin, eines Tages als „Intellektueller“ in Paris anerkannt zu werden. Auf die durch das Examen von 1907 möglich gemachte prestigeträchtige Anrede professore legte er auch dann noch Wert, als er bereits an der Spitze der faschistischen Bewegung stand. Der Historiker Paul O’Brien sieht im jungen Mussolini einen „ambitionierten kleinbürgerlichen Intellektuellen mit einem entschieden individualistischen Gespür für seine persönliche Geltung“, der schon seit 1909 unter dem Einfluss der ebenso antiliberalen wie antisozialistischen kulturellen Avantgarde Italiens gestanden habe. Ende August 1909 wurde Mussolini im Vorfeld eines Besuches von Kaiser Franz Joseph I. von der österreichischen Polizei unter einem Vorwand verhaftet und am 13. September unter militärischem Schutz nach Rovereto in Italien abgeschoben. Die Ausweisung aus Österreich machte Mussolinis Namen erstmals zum Thema politischer Debatten in Rom, da die sozialistischen Mitglieder der Abgeordnetenkammer die Angelegenheit bis zum Frühjahr 1910 mehrfach aufgriffen. Zurück in Forlì, dachte Mussolini kurzzeitig über eine Auswanderung in die Vereinigten Staaten nach, verwarf diese Pläne aber. Eine Bewerbung bei der liberalkonservativen Bologneser Zeitung Il Resto del Carlino, dem einflussreichsten Blatt seiner Heimatregion, blieb erfolglos. In Forlì begann Mussolini eine Beziehung mit der 19-jährigen Rachele Guidi, Tochter der Lebensgefährtin seines Vaters. Im Januar 1910 übernahm er die Führung der örtlichen Sektion des PSI und die Redaktion der lokalen Parteizeitung La lotta di classe. Als Redakteur und Redner machte sich Mussolini binnen weniger Monate einen Namen in der Romagna. In den Flügelkämpfen innerhalb der sozialistischen Partei „konstruierte“ sich Mussolini mit radikaler Polemik als revolutionärer „Extremist“. Zu diesem Zeitpunkt sah sich die reformistische Führungsgruppe des PSI, die die Partei seit 1900 weitgehend kontrolliert und die führenden Syndikalisten 1908 ausgeschlossen hatte, zunehmend angegriffen. Der von Costantino Lazzari und Serrati geführte linke Flügel, dem sich auch Mussolini anschloss, gewann an Einfluss. Die in Trient angeknüpften Beziehungen zu Prezzolini ließ Mussolini allerdings auch in dieser Phase nicht abreißen. Als die Regierung Giolitti im September 1911 der Türkei den Krieg erklärte, rief Mussolini in Forlì zum Generalstreik auf. Wie in anderen Städten Italiens kam es zu Unruhen und Versuchen, Truppentransporte zu blockieren; Mussolini wurde am 14. Oktober 1911 zusammen mit einigen anderen Sozialisten aus der Region verhaftet und im November von einem Gericht in Forlì zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Als er im März 1912 vorzeitig entlassen wurde, war sein Name weit über die Romagna hinaus bekannt. Auf dem 13. Parteitag des PSI, der am 7. Juli 1912 in Reggio Emilia begann, sprach sich Mussolini zusammen mit den Wortführern des linken Flügels für den Ausschluss der „rechten“ Reformisten um Leonida Bissolati und Ivanoe Bonomi aus, die 1911 den Krieg gegen die Türkei unterstützt und sich im März 1912 durch den „Hofgang“ zum König diskreditiert hatten. Er schonte jedoch die „linken“ Reformisten Turatis, die in der Partei verblieben. In Reggio Emilia übernahm Costantino Lazzari den Parteivorsitz; Mussolini wurde ebenso wie Angelica Balabanoff in das Parteidirektorium gewählt. Am 1. Dezember 1912 löste Mussolini den Reformisten Claudio Treves als Chefredakteur des Avanti! ab. Die Redaktion des Zentralorgans der sozialistischen Partei hatte 1911 ihren Sitz von Rom nach Mailand verlegt, wohin nun auch Mussolini übersiedelte. Unter Mussolinis Führung übernahmen Syndikalisten einen großen Teil der Redakteursstellen des Avanti!. Mussolini erwies sich als ausgesprochen fähiger Journalist ; es gelang ihm, die Auflage des Blattes binnen weniger Monate zu vervielfachen und bis 1914 auf über 100.000 Exemplare zu steigern. Das war eine bemerkenswerte Leistung, da sich der PSI – anders als etwa die SPD – trotz seiner Wahlerfolge vor dem Ersten Weltkrieg nicht zur Massenpartei entwickelt hatte und viele Arbeiter und Bauern Analphabeten waren. Seine „wachsende Irrationalität“, sein undifferenzierter Gebrauch von Begriffen nicht- bzw. offen antisozialistischer Autoren sorgte ebenso wie seine Verteidigung Nietzsches gleichwohl bald für Kritik. In einem Brief an Prezzolini hatte Mussolini schon unmittelbar nach dem Parteitag von Reggio Emilia betont, dass er sich unter den Revolutionären „ein bisschen fremd“ fühle. Sein Sozialismus war und blieb eine „unsichere Pflanze“. Strukturell war Mussolinis Weltbild, das sich seit 1909 verfestigte, mit Denkfiguren der „europäischen und italienischen kulturellen und intellektuellen Reaktion gegen die Vernunft“ verwandt, es unterschied sich in grundsätzlichen Fragen von dem anderer Vertreter der PSI-Linken. 1913 begann Mussolini mit der Publikation einer von ihm persönlich herausgegebenen Zeitschrift , die auf ein intellektuelles Publikum zielte und sich dezidiert überparteilich gab. Im gleichen Jahr kandidierte er erstmals bei einer Parlamentswahl, unterlag in Forlì aber deutlich dem republikanischen Kandidaten. Der Parteitag von Ancona bestätigte im April 1914 die Vorherrschaft des linken Flügels in der Partei. Von der sogenannten „roten Woche“ , einer Welle von Streiks und Barrikadenkämpfen im Juni 1914, wurde Mussolini ebenso wie der Rest der Parteiführung überrascht, stellte sich im Avanti! aber mit den gewohnt radikalen Leitartikeln hinter die Arbeiter. Als im August 1914 der Erste Weltkrieg begann, sprach sich Mussolini im Einklang mit der Parteilinie für die bedingungslose Neutralität Italiens aus. Seine Artikel schlugen gleichwohl von Anfang an einen entschieden „antideutschen“ Ton an; Deutschland, so schrieb Mussolini, sei seit 1870 der „Bandit, der an der Straße der europäischen Zivilisation herumschleicht.“ Diese Parteinahme unterschied sich nicht wesentlich von der spontanen Sympathie vieler linker italienischer Intellektueller für die französische Republik, die noch durch das im Risorgimento tradierte Misstrauen gegenüber „den Deutschen“ akzentuiert wurde. Dennoch lehnte Mussolini in den ersten Kriegswochen eine italienische Intervention zugunsten Frankreichs ausdrücklich ab. Die Wende kündigte sich an, als er am 13. September 1914 einen interventionistischen Artikel Sergio Panunzios im Avanti! drucken ließ. Gegenüber Amadeo Bordiga erklärte Mussolini, dass er die Parteinahme für die Neutralität als „reformistisch“ ansehe. Damit formulierte er erstmals den in den folgenden Monaten wiederholt bekräftigten Standpunkt, dass „Revolution“ und Intervention unauflösbar miteinander verbunden seien. Inwieweit Mussolini tatsächlich an diese Argumentation glaubte, ist umstritten. Während etwa Renzo De Felice die These vertritt, dass Mussolini seinem Selbstverständnis nach bis 1920 ein genuiner „Revolutionär“ geblieben sei, betont Richard Bosworth das politische „Doppelspiel“, das Mussolini spätestens im Oktober 1914 begonnen habe. Hinter den Kulissen hatte Mussolini schon im September 1914 mehreren Mitarbeitern bürgerlicher Zeitungen versichert, dass die Sozialisten – ginge es nach ihm – eine italienische Mobilmachung nicht behindern und einen Krieg gegen Österreich-Ungarn unterstützen würden. Andeutungen darüber erschienen am 4. Oktober in Il Giornale d’Italia und am 7. Oktober in Il Resto del Carlino. Der zögernde Mussolini wurde dadurch gezwungen, sich öffentlich zu erklären. Am 18. Oktober 1914 veröffentlichte er den Artikel „Von der absoluten zur aktiven und tätigen Neutralität“, in dem er die sozialistische Partei aufforderte, die „negative“ Haltung zum Krieg zu revidieren und anzuerkennen, dass „nationale Probleme auch für die Sozialisten existieren“: „Wollen wir, als Menschen und als Sozialisten, die untertänigen Zuschauer dieses großartigen Dramas sein? Oder wollen wir nicht auf irgendeine Art und in gewissem Sinne seine Protagonisten sein? Sozialisten, Italiener, merkt auf: Manchmal ist es vorgekommen, dass der Buchstabe den Geist getötet hat. Retten wir nicht den Buchstaben der Partei, wenn das bedeutet, den Geist des Sozialismus zu töten!“ Bereits am 19. Oktober trat der Vorstand des PSI in Bologna wegen dieses Artikels zusammen. Er schloss Mussolini, der sich in einer mehrstündigen Diskussion zu rechtfertigen versuchte, aus dem Parteidirektorium aus. Das war gleichbedeutend mit seiner Entfernung aus der Redaktion der Parteizeitung. Mussolini selbst hatte seinen Verbleib beim Avanti! von der Zustimmung der Parteiführung zu seinen Positionen abhängig gemacht. Seine dem Parteivorstand unterbreitete Beschlussvorlage erhielt bei der Abstimmung jedoch nur eine Stimme ; um das Gesicht zu wahren, „kündigte“ er unmittelbar danach beim Avanti!. Große Mailänder Zeitungen wie der Corriere della Sera und Il Secolo boten Mussolini allerdings sofort eine Plattform. Die rasche und harte, von ihm nicht zuletzt als persönliche Kränkung empfundene Reaktion der Parteiführung hatte Mussolini offenbar nicht erwartet. In den internen Diskussionen, die seinem Parteiausschluss vorausgingen, soll er aschfahl und zitternd aufgetreten sein und angekündigt haben, es „euch heimzuzahlen“. Am 15. November 1914 meldete sich Mussolini mit einer neuen, zunächst noch als sozialistisch deklarierten Tageszeitung – Il Popolo d’Italia – wieder zurück. Das Blatt griff auf der Seite der Entente-freundlichen „Interventionisten“ in die Debatte um die Haltung Italiens zum Krieg ein. Die bellizistischen Interventionisten sprachen für eine Minderheit der italienischen Gesellschaft; Unterstützung und Publikum fanden sie vor allem im liberalen Bürgertum und bei radikalen Nationalisten, während die Masse der Industrie- und Landarbeiter einer Beteiligung Italiens am Krieg von Anfang an offen ablehnend gegenüberstand. Auch der einflussreiche katholische Klerus wandte sich gegen den Krieg, da er an einer Schwächung der „katholischen Großmacht“ Österreich-Ungarn nicht interessiert war. Der fundamentale, im Frühjahr 1915 bis an die Schwelle des Bürgerkrieges ausgetragene Konflikt zwischen „Interventionisten“ und „Neutralisten“ leitete die Krise des liberalen Staates ein, dessen Regierung den Kriegseintritt gegen den Willen der Mehrheit der Bevölkerung und des Parlaments durchsetzte, wobei sie sich geschickt der kleinen, aber lautstarken interventionistischen Minderheit bediente, unter deren „Druck“ zu handeln sie vorgab. Innenpolitisch trug der Eintritt Italiens in den Krieg Züge eines Staatsstreichs – „die ‚strahlenden Tage‘ vom Mai 1915 erscheinen in mehr als einer Hinsicht als Generalprobe für den Marsch auf Rom.“ In diesen Monaten traten erstmals sogenannte fasci auf, deren Angehörige Straßendemonstrationen organisierten und mitunter gewaltsam gegen Kriegsgegner – vor allem gegen Einrichtungen und Organisationen der Arbeiterbewegung – vorgingen. Bereits während der „roten Woche“ im Juni 1914 waren rechte Bürgerwehren mit Waffengewalt gegen Arbeiter vorgegangen. Die Mitglieder dieser Gruppen waren im Durchschnitt „jung, aus dem Norden, gebildet, aktivistisch und antisozialistisch“ und kamen aus bürgerlichen bzw. kleinbürgerlichen Milieus. Mussolini, der am 24. November 1914 aus dem PSI ausgeschlossen worden war, beteiligte sich im Dezember 1914 am Zusammenschluss mehrerer zuvor unabhängiger fasci zu den Fasci d’azione rivoluzionaria; er bezeichnete die Anhänger dieser Gruppen bereits zu diesem frühen Zeitpunkt als fascisti. Er war jedoch noch ohne eigene politische Hausmacht – nach wie vor stand er, verglichen mit aristokratischen Wortführern des Interventionismus wie Gabriele D’Annunzio, Filippo Tommaso Marinetti, Enrico Corradini und Luigi Federzoni, am unteren Ende einer „komplexen Leiter der Patronage“. Diese Patronagebeziehungen bewährten sich erstmals bei der Etablierung des Popolo d’Italia, dessen Auflage im Mai 1915 bei etwa 80.000 Exemplaren lag. In diesem Zusammenhang spielte Filippo Naldi, ein Journalist aus Bologna, der über enge Beziehungen zu Großgrundbesitzern und zur Regierung in Rom verfügte, eine wichtige Rolle. In der kritischen Anfangsphase versorgte Naldi den mittellosen Mussolini nicht nur mit Geld, sondern stellte ihm auch Druckmaschinen, Papier und sogar einige Redakteure des Resto del Carlino zur Verfügung. Der in dieser Phase bedeutendste finanzielle Förderer Mussolinis war Ferdinando Martini, der Minister für die Kolonien. Hohe Beträge kamen von Industriellen, so von Giovanni Agnelli und den Gebrüdern Perrone . Subsidien flossen Mussolini außerdem vom französischen Geheimdienst und von der französischen Botschaft in Rom zu. Als im Herbst 1917 der Zusammenbruch des italienischen Heeres nach der Battaglia di Caporetto bevorzustehen schien, unterstützte die römische Repräsentanz des britischen Geheimdienstes MI5 Mussolinis Blatt für mindestens ein Jahr mit einer wöchentlichen Zahlung von £ 100 . Der Zufluss dieser Gelder ermöglichte Mussolini auch einen Lebensstil, durch den er habituell zu den ihn unterstützenden Kreisen aufschließen konnte. Er speiste fortan in teuren Restaurants, erwarb ein Pferd für Ausritte und ein Auto. Die Gründer der frühen fasci waren häufig ehemalige Syndikalisten, die sich von der Unione Sindacale Italiana gelöst hatten und ihre Befürwortung einer Beteiligung Italiens am Krieg gegen die Mittelmächte mit „linken“ Argumenten begründeten. Der führende Kopf dieser Gruppe war der 1915 an der Isonzofront gefallene Filippo Corridoni, der früh für die Intervention plädiert und von einem „revolutionären Krieg“ gesprochen hatte. Auch Mussolini bewegte sich bis 1915 im Umfeld Corridonis. Diese „Linksinterventionisten“ standen nicht in einer genuin sozialistischen oder syndikalistischen Theorietradition, sondern griffen zunächst vorrangig auf modifizierte Ideologiefragmente des Risorgimento – vor allem des Mazzinianismus – zurück. Schon die frühen einschlägigen Beiträge Mussolinis im Popolo d’Italia waren, „trotz aller sozialrevolutionären Überbleibsel, so weit entfernt vom sozialistischen Internationalismus und Materialismus wie überhaupt möglich.“ In der teilweise hysterisch geführten Kampagne für die Intervention profilierte sich der Popolo d’Italia mit besonders schrillen Tönen; als es im Mai 1915 kurze Zeit so schien, als würde der „Verräter“ Giovanni Giolitti erneut Ministerpräsident werden, verlangte Mussolini, „ein paar dutzend Abgeordnete“ zu erschießen. Diese Transformation, die vielen Zeitgenossen als plötzlich und unvermittelt erschien, hatte Mussolini durchaus öffentlich vorbereitet. Neuere Untersuchungen haben herausgearbeitet, dass Mussolini seine Zeitschrift Utopia bereits vor dem Oktober 1914 zu einem Forum für „imperialistische, rassistische und antidemokratische“ Argumentationen gemacht hatte. Ostentativ sagte er sich nun von Marx, „dem Deutschen“, und dem „stock-preußischen“ marxistischen Sozialismus los und propagierte einen „antideutschen Krieg“. Am Sozialismus-Begriff hielt Mussolini zunächst noch fest, gab ihm aber einen völlig anderen Inhalt. Der Sozialismus der Zukunft werde ein „antimarxistischer“ und „nationaler“ sein. Im August 1918 wurde das Wort „sozialistisch“ aus dem Untertitel des Popolo d’Italia entfernt. Zu diesem Zeitpunkt war bei Mussolini endgültig ein mit sozialdarwinistischen Elementen aufgeladener autoritärer Nationalismus in den Vordergrund getreten: „Wer Vaterland sagt, sagt Disziplin; wer Disziplin sagt, gibt zu, dass es eine Hierarchie der Autoritäten, der Funktionen, der Intelligenzen gibt. Dort, wo diese Disziplin nicht frei und bewusst angenommen wird, muss sie aufgezwungen werden, auch mit Gewalt, auch – die Zensur möge mir gestatten, es zu sagen – mit jener Diktatur, zu der die Römer der ersten Republik griffen, in den kritischen Stunden ihrer Geschichte.“ Von diesem Standpunkt aus kritisierte Mussolini auch den in Politikern wie Antonio Salandra und Giolitti verkörperten konservativen Liberalismus der alten Eliten, da dieser an der „Integration der Massen in die Nation“ gescheitert sei. So hielt er etwa an der Forderung nach einer Landreform fest, da allein auf diese Weise „die Landbevölkerung für die Nation gesichert“ werden könne. Allein von einer „Schützengrabenaristokratie“ , einer „Aristokratie der Funktion“, sei die Bereitschaft zu solchen Maßnahmen zu erwarten. Mussolinis Gedankengänge reflektierten auf ihre Weise die tiefe Krise der traditionellen Ordnung, die spätestens 1917 von vielen Beobachtern konstatiert wurde. Von 1915 bis 1917 hatten die italienischen Regierungen – „ganz zu schweigen von den reaktionären und brutalen monarchistischen Generälen“ – versucht, einen „traditionellen“ Krieg zu führen. Sie hatten keinerlei Versuch unternommen, den Krieg vor den Arbeitern und Bauern, die die Masse der Soldaten stellten, zu rechtfertigen oder zu begründen. Erst nach der katastrophalen Niederlage in der 12. Isonzoschlacht leitete der neue Ministerpräsident Vittorio Orlando eine propagandistische Kampagne ein, die den Krieg für diejenigen, die ihn in den Schützengräben auszutragen hatten, plausibel machen sollte. Ende 1917 stießen die Legitimationen und Mechanismen der alten Herrschaftsordnung jedoch unübersehbar an ihre Grenzen, wodurch perspektivisch eine Nachfrage für die politische Ideologie geschaffen wurde, deren Grundlagen im Umfeld des Popolo d’Italia entstanden waren. Der Frühfaschismus war gleichwohl nicht die einzige politische Kraft, die in diesem Zusammenhang auftrat. Der italienische Radikalnationalismus etwa, der „Rechtsinterventionismus“ der Jahre 1914/15, durchlief bis 1919 eine relativ eigenständige Entwicklung. Von August 1915 bis August 1917 leistete Mussolini selbst Militärdienst. Mit dem 11. Bersaglieri-Regiment war er am Isonzo , in den Karnischen Alpen und bei Doberdò im Einsatz. Während dieser Zeit publizierte er weiterhin im Popolo d’Italia. Diese Artikel wurden 1923 als „Kriegstagebuch“ neu herausgegeben und im faschistischen Italien in zahlreichen Auflagen verbreitet. Während eines Lazarettaufenthaltes im Dezember 1915 heiratete er Rachele Guidi, die Mutter seiner 1910 geborenen Tochter Edda. 1916 bzw. 1918 kamen die Söhne Vittorio und Bruno zur Welt. Obwohl „Gebildete“ im italienischen Heer sehr häufig einen Offiziersrang erhielten, brachte es Mussolini nur bis zum caporal maggiore . Einen Kurs für Offiziersanwärter musste er nach kurzer Zeit auf Veranlassung der Armeeführung wieder verlassen. Nach allen vorliegenden Zeugnissen begegneten Soldaten der Mannschaftsränge dem Gründer des Popolo d’Italia mit Misstrauen, zum Teil auch offen feindselig. Das Angebot des Regimentskommandeurs, die Regimentsgeschichte zu schreiben und so den für den „Kriegshetzer“ besonders gefährlichen Schützengräben zu entkommen, lehnte er indes ab. Im Herbst 1916 war Mussolini allerdings so erschöpft, dass er nach Wegen zu suchen begann, aus dem Dienst auszuscheiden. Am 23. Februar 1917 wurde Mussolini bei einer Übung hinter der Front schwer verwundet, als eine Mörsergranate beim Abschuss explodierte und mehrere Soldaten in seiner Nähe tötete. Bis zu seiner Entlassung aus dem Militär im August hielt er sich in einem Mailänder Lazarett auf. Der Weltkrieg erschütterte das politische System Italiens. Das Kalkül der Regierung Salandra, die sich vom Eintritt in den Krieg vor allem eine Marginalisierung der Sozialisten und eine dauerhafte Verschiebung des politischen Kräftefeldes nach rechts – in Summe eine „hierarchische Reorganisation der Klassenbeziehungen“ – versprochen hatte, war nicht aufgegangen. Stattdessen hatten die lokal und regional begrenzten Konflikte der Vorkriegszeit „nationale Dimensionen angenommen und waren zu Protesten gegen den Krieg, gegen den Staat, gegen die herrschende Klasse geworden.“ Der italienischen Oberschicht gelang es nicht, die Auseinandersetzungen der Nachkriegszeit wie in Frankreich und Deutschland zu kanalisieren und durch taktische Zugeständnisse abzufedern; der Kampf um die gesellschaftliche Hegemonie wurde direkt und unvermittelt ausgetragen und überforderte schließlich die liberalen Institutionen. Das prägende, auch für Mussolini zentrale Thema der Nachkriegszeit war der Aufstieg einer radikalen Linken und der damit verbundene Eintritt der „Massen“ in das politische Leben. Anders als etwa in Deutschland war in Italien die reformistische, zur Zusammenarbeit mit den Parteien des Bürgertums bereite Strömung der Arbeiterbewegung, die innerhalb des PSI vor allem der Kreis um Filippo Turati repräsentierte, strukturell schwach. Im September 1918 hatten sich in der sozialistischen Partei die sogenannten „Maximalisten“ um Serrati durchgesetzt, die sich die bolschewistische Oktoberrevolution zum Vorbild nahmen und ähnliche Positionen wie die deutsche USPD vertraten. 1919 erlebten die Partei und die Gewerkschaften einen beispiellosen Zustrom neuer Mitglieder, bei der Parlamentswahl am 16. November 1919 erhielt der PSI 32,5 % der Stimmen und wurde zur stärksten Partei. Im März 1919 erzwangen Massenstreiks die Anerkennung des Achtstundentages. In Latium und in Teilen Süditaliens begannen Landarbeiter und Kleinbauern im Sommer mit spektakulären Landbesetzungen, während es der sozialistischen Gewerkschaft Federterra zumindest in der Po-Ebene gelang, die Landarbeiter fast restlos zu organisieren und den Großgrundbesitzern Löhne und Arbeitsbedingungen zu diktieren. Dennoch war der Aufschwung des italienischen Sozialismus instabil. Die Mehrheit seiner Anhänger war bitterarm, ohne materielle und kulturelle Ressourcen und in der Regel lediglich lokal vernetzt; viele Mitglieder stießen nach dem Ende des Krieges erstmals zur Partei und zu den Gewerkschaften, ihre Bindung an das sozialistische Programm blieb lose und ungefestigt. Der lange Zeit auch in der historischen Literatur reproduzierte zeitgenössische liberale, konservative und faschistische Diskurs über die „rote Gefahr“ verschleiert, dass es der sozialistischen Partei selbst in ihrer Hochphase zu keinem Zeitpunkt gelang, im gesellschaftlichen Maßstab zur Mehrheitspartei zu werden. 43 der 69 Provinzen wiesen auch im November 1919 „weiße“ Mehrheiten auf; der erst am 18. Januar 1919 gegründete katholische PPI gewann bei dieser Wahl aus dem Stand 100 Mandate, die verschiedenen liberalen Gruppen zusammen 252. Parallel zum Aufschwung der politischen Linken etablierte sich eine – anfänglich noch stark fragmentierte – „neue Rechte“, die nicht einfach konservativ war, sondern die Institutionen der traditionellen Ordnung mehr oder weniger offen verwarf. Ihr gemeinsamer Nenner war ein ideologisches Amalgam aus nationalistischer Enttäuschung über den „verstümmelten Sieg“ im Weltkrieg und aggressiver Auseinandersetzung mit der „roten Gefahr“. Der weithin akklamierte Kopf dieser Rechten war zunächst Gabriele D’Annunzio. Mussolini war zur Jahreswende 1918/19 zwar als Chefredakteur des Popolo d’Italia in ganz Italien bekannt, verfügte aber lediglich im lokalen Rahmen Mailands über politisches Gewicht. Er griff in den ersten Nachkriegsmonaten die verbreitete Forderung nach einer konstituierenden Nationalversammlung auf, die vor allem unter den zurückkehrenden Frontsoldaten populär war und durchaus in das ideologische Profil des Popolo d’Italia passte. Zum 23. März 1919 rief Mussolini die Vertreter von etwa zwanzig fasci, die sich nach Kriegsende neu gebildet hatten oder von überlebenden Aktivisten der Jahre 1914/15 wiederbelebt worden waren, in Mailand zusammen. An dem Treffen nahmen etwa 300 Personen teil, darunter Roberto Farinacci, Cesare Maria De Vecchi, Giovanni Marinelli, Piero Bolzon und Filippo Tommaso Marinetti. Die Zusammensetzung der später als sansepolcristi verehrten Teilnehmer verhalf der bei dieser Gelegenheit gegründeten Dachorganisation zu einem schillernden, „bivalenten“ Erscheinungsbild. Ehemalige „Linksinterventionisten“ stellten die Mehrheit, „neben ihnen aber sitzen die Nationalisten, die Reaktionäre und schlichte Streikbrecher.“ Der von Mussolini erhobene und auch in der historischen Literatur oft ohne Relativierung kolportierte Anspruch, die combattenti zu vertreten, traf nur sehr bedingt zu. Die ersten Nachkriegs-fasci zogen vor allem demobilisierte Reserveoffiziere oder Studenten bürgerlicher Herkunft an, die im Krieg Offiziere gewesen waren oder bei den Arditi gedient hatten. Der weitaus mitgliederstärkste Verband der Kriegsteilnehmer, die Associazione Nazionale dei Combattenti , war dagegen – abgesehen von regionalen Sonderfällen – zunächst demokratisch und antifaschistisch ausgerichtet; auch seine soziale Zusammensetzung war eine ganz andere als die der fasci. Die in Mailand ins Leben gerufene Organisation blieb – trotz einiger spektakulärer Aktionen, darunter eine von Marinetti dirigierte Brandstiftung im Redaktionsgebäude des Avanti! am 15. April 1919 – zunächst ohne jeden Einfluss. Noch Ende 1919 existierten lediglich 31 fasci mit zusammen 870 Mitgliedern. Erst nach und nach gelang es den Fasci di combattimento, sich gegen rivalisierende liberale, anarchistische und syndikalistische Gruppen, die den Begriff fascio ebenfalls für sich reklamierten, durchzusetzen. Im August 1919 lancierte Mussolini eine neue Zeitschrift , die vor allem die Aufgabe hatte, den fascismo im Sinne seiner Organisation auszudeuten. Die programmatischen Leitsätze der Fasci di combattimento waren diffus und für die Praxis der Organisation schon zu diesem Zeitpunkt völlig bedeutungslos. Im März 1919 war überhaupt kein formales Programm beschlossen worden. Mussolini hatte in Mailand lediglich drei Erklärungen verlesen und sich darin mit den Frontkämpfern solidarisiert, die Annexion Fiumes und Dalmatiens verlangt sowie die Bekämpfung der sozialistischen und katholischen „Neutralisten“ angekündigt. Am 6. Juni 1919 veröffentlichte der Popolo d’Italia schließlich ein Programm, bei dem „unschwer hinter der ‚linken‘ Fassade, die vor allem durch die politische Forderung nach der Republik entsteht, in den Fragen der sozialen Ordnung ein reaktionärer Kern zu erkennen“ ist. Das Programm war auch in seinen bald vergessenen „radikalen“ Passagen – entgegen einer weitverbreiteten Legende – keineswegs „sozialrevolutionär“, sondern von den Verfassern weitgehend an die reformistische Linie der nationalistischen Gewerkschaft Unione Italiana del Lavoro angelehnt worden. Gefordert wurden die Senkung des Wahlalters auf 18 Jahre und das Wahlrecht für Frauen, die Abschaffung des Senats und dessen Ersetzung durch einen „technischen Nationalrat“, Mindestlohn und Achtstundentag, Besteuerung der Kriegsgewinne, eine staatliche Sozialversicherung, die Verteilung unbebauten Bodens an Kriegsveteranen, Beteiligung von Vertretern der Arbeiterorganisationen an der „Verwaltung“ privater und öffentlicher Betriebe , die Schließung der katholischen Schulen und die Einziehung des kirchlichen Grundbesitzes. Mussolini vermied es insbesondere in dieser frühen Phase, die Fasci di combattimento einem der existierenden politischen Lager zuzuordnen. Auf dem ersten Kongress der fasci, der im Oktober 1919 in Florenz stattfand, erklärte er, sie seien „nicht republikanisch, nicht sozialistisch, nicht demokratisch, nicht konservativ, nicht nationalistisch“. Er polemisierte gegen den linksliberalen Ministerpräsidenten Nitti und solidarisierte sich mit dem Fiume-Unternehmen D’Annunzios, ohne sich oder seine Organisation zu eng an dieses Projekt zu binden. Bei der Parlamentswahl am 16. November 1919 erhielt die von Mussolini und Marinetti angeführte faschistische Liste in der gesamten Provinz Mailand nur 4.675 Stimmen und gewann kein Mandat. Nach dieser Schlappe warfen Mailänder Faschisten am 17. November einen Sprengsatz in eine sozialistische Demonstration. Mussolini wurde als Anstifter verdächtigt und – nachdem bei einer Durchsuchung ein Waffenlager gefunden worden war – verhaftet, aber nach nur einem Tag aufgrund einer Intervention aus Rom wieder entlassen. Am 24./25. Mai 1920 fand in Mailand der zweite Kongress der Fasci di combattimento statt. Die meisten ehemaligen „Linksinterventionisten“ schieden bei dieser Gelegenheit aus dem Nationalrat der Organisation, die nach dem sozialistischen Wahlsieg zahlreiche neue Anhänger in den zerfallenden liberalen Milieus gefunden hatte, aus. Auch Marinetti verließ den Kongress, nachdem Mussolini sich gegen eine Fortsetzung der antikatholischen Polemik ausgesprochen hatte. Die Forderung nach der Republik relativierte Mussolini in Mailand ebenfalls. Die Stoßrichtung gegen den „antiitalienischen“ Sozialismus wurde dagegen noch stärker herausgestellt. Der Achtstundentag und der Mindestlohn verschwanden aus dem faschistischen Programm, ebenso die Forderung nach einer „technischen“ Beteiligung der Arbeiter an der Leitung der Betriebe. Nun richtete sich die faschistische Polemik gegen einen vermeintlichen „Staatskollektivismus“ oder „Staatsbolschewismus“ in Italien; Mussolinis Rede in Mailand, in der er sich zu einer „Manchester-Konzeption“ des Staates bekannte, bewertet der Historiker Adrian Lyttelton als Entwurf eines „kapitalistischen Utopia“. Während der Auseinandersetzungen zwischen der Metallarbeitergewerkschaft FIOM und dem Unternehmerverband Confindustria, die im September 1920 in die zeitweilige Besetzung vieler Fabriken durch die Belegschaften mündeten, rief Mussolini im Popolo d’Italia immer wieder zur Klassenzusammenarbeit auf. Den anderen antisozialistischen Parteien warf er vor, den Sozialisten nicht mit der nötigen Entschiedenheit entgegenzutreten – die Faschisten aber würden dies nun tun. Die seien zwar eine Minderheit, aber „eine Million Schafe werden immer vom Brüllen eines einzigen Löwen zerstreut werden.“ Diese Worte kündigten die eigentliche „Geburt“ des Faschismus an, dessen Vorstöße bald „keineswegs nur mehr sporadische Episoden zu Demonstrationszwecken“ waren, sondern „Ausdruck einer bewusst geplanten, systematischen Gewalt“, die auf die vollständige Zerstörung der sozialistischen Organisationen zielte. Die „Explosion der antisozialistischen Gewalt“ erfolgte im Herbst 1920, als große Teile der bürgerlichen Eliten ihr Vertrauen in die Fähigkeit des Staates, die Arbeiterbewegung unter Kontrolle zu bringen und zurückzudrängen, verloren hatten. Liberale Zeitungen plädierten nun offen für die autoritäre Herrschaft eines „starken Mannes“ oder eine Militärdiktatur. Gerade zu dieser Zeit trat die sozialistische Bewegung in eine Phase der Orientierungslosigkeit und inneren Auseinandersetzungen ein, da der Verlauf der Fabrikbesetzungen im September 1920 deutlich gemacht hatte, dass die zentristischen „Maximalisten“ an der Spitze des PSI trotz ihrer radikalen Rhetorik nicht gewillt waren, ernsthaft auf eine sozialistische Revolution hinzuarbeiten . So ging im Oktober 1920 fast unvermittelt „die Initiative in den gesellschaftlichen Auseinandersetzungen auf die besitzenden Klassen und die neue Rechte über.“ Die fasci, bis dahin „so gut wie bedeutungslos, teils anämische Gebilde, teils überhaupt nicht existent“, erlebten nun einen stetigen Zustrom neuer Mitglieder und einen enormen politischen Bedeutungsgewinn. Die Zahl der lokalen fasci vervielfachte sich binnen weniger Monate von 190 auf 800 , 1.000 und 2.200 . Ihre Reputation im antisozialistischen Lager war schlagartig gestiegen, als am 21. November 1920 mehrere hundert bewaffnete Faschisten die konstituierende Sitzung des neugewählten sozialistischen Gemeinderates von Bologna überfielen, wobei neun Menschen starben. Die „Schlacht von Bologna“ leitete die Periode des faschistischen squadrismo ein, der bewaffneten „Strafexpeditionen“ gegen „rote“ Partei- und Gewerkschaftshäuser, Zeitungsredaktionen, Arbeiterheime, Kulturhäuser, Gemeindeverwaltungen, Genossenschaften und Einzelpersonen. Die einzelnen squadre wurden häufig von Industriellen und Großgrundbesitzern ausgerüstet , profitierten aber vor allem von der direkten und indirekten Unterstützung durch staatliche Stellen aller Ebenen. Der Kriegsminister im Kabinett Giolitti V, der 1912 aus dem PSI ausgeschlossene rechte Sozialdemokrat Ivanoe Bonomi, regte im Oktober 1920 den Eintritt von entlassenen Reserveoffizieren in die fasci an, wobei ihnen ein großer Teil des bisherigen Soldes weitergezahlt werden sollte. Justizminister Luigi Fera wies die Gerichte in einem Rundschreiben an, Verfahren gegen Faschisten nach Möglichkeit einschlafen zu lassen. Hunderte sozialistische Gemeindeverwaltungen, die zum Ziel von faschistischen „Strafexpeditionen“ geworden waren, ließ die Regierung im Frühjahr 1921 „aus Gründen der öffentlichen Ordnung“ auch offiziell auflösen, darunter die von Bologna, Modena, Ferrara und Perugia. Die Dominanz der Sozialisten in vielen Gemeindeparlamenten hatte die liberalen Eliten seit 1919 besonders beunruhigt, da das gesellschaftliche Kräfteverhältnis hier tatsächlich zugunsten der Linken zu kippen drohte. Die Ausbreitung der fasci erfolgte regional sehr ungleichmäßig und in der Regel ohne direkten politischen, ideologischen oder persönlichen Bezug zu Mussolini. Auch der Großteil der politischen Symbolik des italienischen Faschismus entstand in dieser Phase unabhängig vom Mailänder Zentrum spontan und wurde durch Imitation schrittweise von der gesamten Bewegung übernommen. Triest, wo sowohl die nationalistische als auch die antisozialistische Agitation besonders intensiv war und in den Auseinandersetzungen mit der slowenischen Minderheit fließend ineinander überging, entwickelte sich zur ersten echten Hochburg des Faschismus. Hier hatte der örtliche fascio im März 1921 14.756 Mitglieder . Die Organisationen in Turin, Rom und Ravenna hatten damals dagegen erst 581, 1.480 und 70 Mitglieder. Die persönliche Rolle Mussolinis in der faschistischen Bewegung blieb bis 1921 ungeklärt. Seine Beziehungen zu den Führern des Provinzfaschismus, die die faschistische Gewalt in erster Linie organisierten, waren wiederholt ausgesprochen angespannt. Der zukünftige Duce gehörte nicht zu den Verfechtern eines intransigenten Radikalismus, war nicht zuletzt auf sein eigenes Fortkommen bedacht und neigte zu Kompromissen . Von wesentlicher Bedeutung für die Stellung Mussolinis war es, dass er im Finanzzentrum des Landes lebte und die großen „Spenden“ von Industriellen und Bankiers auch nach 1919 meist direkt an ihn und den Popolo d’Italia gingen; er war damit innerhalb der faschistischen Bewegung vergleichsweise unabhängig und konnte die in der Provinz benötigten Gelder verteilen. Mussolini gelang es, die Fasci di combattimento vor der Parlamentswahl am 15. Mai 1921 in einen von Giolitti geführten bürgerlichen Wahlblock zu integrieren. Mit dem einflussreichen Politiker, der seit dem 15. Juni 1920 wieder Ministerpräsident war, stand Mussolini seit Oktober 1920 über einen Mittelsmann in Verbindung. Der blocco nazionale umfasste alle Parteien mit Ausnahme der Sozialisten, der Kommunisten und der katholischen popolari. Für Mussolini persönlich bedeutete dieser Erfolg den Eintritt in die von den alten Eliten definierte Zone der „politischen Respektabilität“. Zusammen mit Mussolini, der an der Spitze der Listen des blocco in Mailand und Bologna platziert worden war, zogen 34 weitere Faschisten in die Abgeordnetenkammer ein . Giolitti, der sein wichtigstes Wahlziel – die nachhaltige Schwächung der Sozialisten und der popolari – nicht erreicht hatte, trat am 27. Juni 1921 zurück. Giolittis Nachfolger Bonomi, der in Mantua zusammen mit faschistischen Kandidaten auf der Liste des blocco nazionale angetreten war, versuchte im Juli 1921, den rechten Flügel des PSI von der Partei zu lösen und an das Regierungslager zu binden. Er gewann einige führende Faschisten , vier sozialistische Abgeordnete und drei Funktionäre des Gewerkschaftsdachverbandes CGdL für die Unterzeichnung eines „Befriedungspaktes“ . Mussolini rechtfertigte diesen überraschenden Schritt mit dem Argument, dass es unmöglich sei, die zwei Millionen Sozialisten Italiens zu „liquidieren“; die Option „permanenter Bürgerkrieg“ sei naiv. Er stand damals unter dem Eindruck der in ganz Italien beachteten Ereignisse von Sarzana , wo am 21. Juli eine „Strafexpedition“ von 500 ligurischen und toskanischen squadristi in die Flucht geschlagen worden war, nachdem sich – für die Faschisten völlig unerwartet – eine Handvoll Carabinieri auf die Seite der Einwohner gestellt hatte. 14 squadristi, ein Polizist und einige Bürger starben. Für Mussolini, der offen von einer „Krise des Faschismus“ sprach, warf dies die Frage auf, was die fasci „wirklich wert sind, wenn ihnen die Polizeimacht des Staates entgegentritt.“ Hinter diesem Schachzug stand jedoch auch die nicht zuletzt in persönlichen Ambitionen wurzelnde Absicht Mussolinis, die fluktuierenden und lose vernetzten fasci zu „parlamentarisieren“ und zu einer Partei zusammenzufassen, um so mittel- und langfristig an der politischen Macht in Rom zu partizipieren. Faschistische Extremisten, vor allem die Exponenten des militanten „Agrarfaschismus“ der Po-Ebene, der Emilia, der Toskana und der Romagna wie Italo Balbo und Dino Grandi, die eine völlige Zerschlagung der Arbeiterbewegung und die Errichtung eines autoritären Regimes ohne Rücksichtnahme auf liberale Interessengruppen für möglich hielten, griffen Mussolini daraufhin offen an. Dieser zog sich am 18. August 1921 aus dem Exekutivkomitee der Fasci di combattimento zurück, gefolgt von Rossi, der beklagte, dass der Faschismus zu einer „reinen, authentischen und exklusiven Bewegung des Konservatismus und der Reaktion“ geworden sei. Die „konservativen“ Faschisten waren jedoch nicht in der Lage, sich auf eine Führungspersönlichkeit zu verständigen, die Mussolini hätte ersetzen können, nachdem Gabriele D’Annunzio das Angebot abgelehnt hatte. Im Vorfeld des dritten Kongresses der fasci, der im November 1921 in Rom stattfand, gingen die beiden Fraktionen aufeinander zu: Mussolini erklärte den – ohnehin nie realisierten – Befriedungspakt am 22. Oktober zu einer „lächerlich bedeutungslosen Episode unserer Geschichte“ , während die „Reaktionäre“ um Grandi sich mit der Gründung des Partito Nazionale Fascista abfanden. In Rom bemühte sich der nunmehr als Duce etablierte Mussolini, die aufgekommenen Zweifel an der Entschiedenheit seines Antisozialismus zu beseitigen: „Ich bedauere nicht, dass ich Sozialist gewesen bin. Aber ich habe die Brücken zu dieser Vergangenheit abgebrochen. Ich bin nicht nostalgisch. Ich denke nicht darüber nach, zum Sozialismus zu gelangen, sondern darüber, von ihm loszukommen. In wirtschaftlichen Angelegenheiten sind wir Liberale, weil wir glauben, dass die nationale Wirtschaft nicht kollektiven Körperschaften oder der Bürokratie überlassen werden kann.“ Mussolini sorgte für weitere Klarstellungen am Rande. Aus dem Parteiprogramm wurden die noch vorhandenen Reste republikanischen und antiklerikalen Gedankenguts aus der Frühzeit der fasci entfernt. Von außenpolitischen Abenteuern im Stile D’Annunzios hatte sich Mussolini schon 1920 distanziert; nur „Verrückte und Kriminelle“ würden nicht begreifen, dass Italien Frieden brauche. Nach dem Kongress von Rom festigte Mussolini zielstrebig seine Position innerhalb der faschistischen Bewegung. Sekretär des PNF wurde Michele Bianchi, ein enger Vertrauter des Duce. Die squadre wurden formal den lokalen Parteigruppen zugeordnet und einer Generalinspektion unterstellt. Die Führer des Provinzfaschismus wahrten gleichwohl eine erhebliche Autonomie, die sie auch in den Jahren der Diktatur sichern und zum Teil noch ausbauen konnten. Ab Januar 1922 erschien auf Anregung Mussolinis die Zeitschrift Gerarchia , die dem Faschismus einen verbindlichen intellektuellen Überbau verschaffen sollte. Persönlich war Mussolini kein „Fundamentalist“ der nach und nach konturierten faschistischen Ideologie, sondern achtete vor allem auf deren praktischen politischen Nutzen. Nach dem Rücktritt Bonomis bildete der Liberale Luigi Facta im Februar 1922 eine Regierung, die allgemein als Platzhalter für ein neues Kabinett Giolitti angesehen wurde. In der Regierungszeit Factas begann eine „zweite Welle“ des squadrismo; die sozialistischen Hochburgen in Norditalien wurden Ziel regelrechter Feldzüge der Faschisten, die etwa in der Romagna „wie eine Besatzungsarmee“ auftraten. Anfang März besetzten einige tausend squadristi den Freistaat Fiume. Bei den erneuten Zügen gegen Bologna und Ferrara im Mai/Juni wurden jeweils mehrere zehntausend Faschisten zusammengezogen. Die sozialistischen und syndikalistischen Gewerkschaften, die im Februar 1922 die Alleanza del lavoro gebildet hatten, riefen für den 1. August 1922 zu einem politischen Generalstreik gegen den faschistischen Terror auf. Er wurde nach einem faschistischen Ultimatum bereits am 3. August abgebrochen. Im Gegenstoß drangen die Faschisten nun auch in linke Hochburgen wie Parma und Genua ein, wo es zu mehrtägigen Straßenkämpfen kam. Bis zum Oktober 1922 kamen nach neueren Berechnungen mindestens 3.000 Menschen bei diesen Auseinandersetzungen ums Leben. Im September erreichten die Faschisten mit Vorstößen nach Terni und Civitavecchia das Umland Roms. Im Juli 1922 wurde Facta nach faschistischen Ausschreitungen in Cremona, gegen die die Behörden erneut nichts unternommen hatten, mit den Stimmen der popolari, der Sozialisten und liberaler Demokraten gestürzt . Mussolini begann nun, mit Giolitti, Orlando und Salandra – den „starken Männern“ der italienischen Politik – über seine Rolle in einem künftigen Kabinett zu verhandeln. Noch war nicht abzusehen, ob er „ein kommender Mann oder der kommende Mann“ war. Seine Beiträge im Popolo d’Italia und seine Reden in der Abgeordnetenkammer waren nicht erst seit dieser Zeit vor allem darauf abgestellt, ein Höchstmaß an „staatsmännischer“ Glaubwürdigkeit und Urteilsfähigkeit zu demonstrieren, während er die radikalen Wortmeldungen Bianchi, Balbo, Farinacci und anderen überließ. Der Demonstration außenpolitischer Kompetenz hatte Mussolinis erste breit beachtete Auslandsreise gedient, die ihn im März 1922 nach Deutschland führte. In Berlin traf er mit „bemerkenswert hochrangigen“ Gesprächspartnern zusammen, darunter Reichskanzler Joseph Wirth, Außenminister Walther Rathenau, Gustav Stresemann und dem einflussreichen liberalen Journalisten Theodor Wolff, der Mussolini auch später freundschaftlich verbunden blieb. Im Oktober 1922 erreichte die politische Krise den Höhepunkt. Die sozialistische und kommunistische Linke war als politischer Faktor bereits weitgehend ausgeschaltet. Die Gewerkschaften verloren nach dem Fehlschlag des Generalstreiks im August noch einmal massiv Mitglieder und Einfluss, während sich die sozialistische Partei Anfang Oktober erneut spaltete. In den über Mittelsmänner geführten Verhandlungen mit Giolitti gab Mussolini nun zu verstehen, dass er zur Führung einer Koalitionsregierung bereit sei. Da der PNF nur über 35 Mandate in der Abgeordnetenkammer verfügte, war ein von Mussolini geführtes Kabinett – wenn es nicht sofort als Staatsstreichregierung auftrat – auf die Unterstützung der liberalen und konservativen Blöcke des Parlaments angewiesen. In öffentlichen Stellungnahmen würdigte Mussolini nun einmal mehr die Monarchie und die katholische Kirche und stellte in einem Gespräch mit General Pietro Badoglio die Passivität der Armee bei einer eventuellen, mit einer demonstrativen Aktion der fasci gegen Rom verbundenen faschistischen Machtübernahme sicher. Bereits am 20. September 1922 hatte er sich in einer Rede in Udine erneut zu einer liberalen Wirtschaftspolitik bekannt und sich für einen Bruch mit der seit 1919 in Ansätzen ausgebildeten staatlichen Sozialpolitik ausgesprochen. Die berühmte Rede von Udine gilt als vorweggenommene Regierungserklärung des Faschismus. Sie kombinierte das Bekenntnis zu Gewalt und Gehorsam mit einer Absage an die Demokratie und der Ankündigung, die Massen zur Unterstützung italienischer Machtpolitik zu mobilisieren. Italiens Größe – statt einer „Politik der Entsagung und der Feigheit“ – war das Hauptziel. Am 25. Oktober verließ Mussolini den Parteitag des PNF, der am Vortag in Neapel begonnen hatte, und zog sich nach Mailand zurück. Obwohl er einen gewaltsamen Putsch, mit dem führende Squadristen immer wieder gedroht hatten, nicht ernstlich vorbereitete, hatte er sich vorab mit einem „inszenierten Marsch“ auf die Hauptstadt einverstanden erklärt. Dieser später zum Eckstein der „faschistischen Revolution“ verklärte „Marsch auf Rom“, an dem in strömendem Regen wohl lediglich 5.000 squadristi teilnahmen, begann am Morgen des 28. Oktober. Mit dem Unternehmen wollte Mussolini den König zu einer Entscheidung zwingen, von der er annehmen konnte, dass sie zu seinen Gunsten ausfallen würde. Giolitti, Salandra und Orlando waren zu diesem Zeitpunkt ebenso wie der König, der Papst, die Armeeführung und die Wirtschaftsverbände mit einem faschistischen Ministerpräsidenten, den Mussolini am 24. Oktober in Neapel erstmals öffentlich gefordert hatte, einverstanden. Am 29. Oktober ließ Viktor Emanuel III. Mussolini telefonisch nach Rom bestellen, wo er am Morgen des nächsten Tages eintraf und am 31. Oktober als Ministerpräsident vereidigt wurde. Der Simulation eines politischen Umsturzes diente die faschistische „Siegesparade“ am 31. Oktober, an der Mussolini persönlich teilnahm. Erst dadurch entstand der „politische Mythos vom gewaltsam erzwungenen Umsturz durch den Faschismus.“ Der Einzug der Squadristen in Rom endete mit einem Überfall auf das Arbeiterviertel San Lorenzo, wo mehrere Menschen getötet wurden. Das erste Kabinett Mussolini war eine Koalitionsregierung der italienischen Rechten. Mussolini war das einzige führende Mitglied des PNF mit Ministerrang ; die Faschisten Giacomo Acerbo und Aldo Finzi erhielten lediglich Staatssekretariate. Wichtige Ministerien gingen an Angehörige des konservativen und nationalistischen Establishments , Luigi Federzoni , Armando Diaz , Paolo Thaon di Revel ). Die Minister Alberto De Stefani , Aldo Oviglio und Giovanni Giuriati , die aus dem gleichen Milieu kamen, waren zu diesem Zeitpunkt bereits der faschistischen Partei beigetreten. Mit Stefano Cavazzoni war auch der rechte Flügel des Partito Popolare Italiano in der Regierung vertreten; dazu kamen Vertreter der meisten liberalen Gruppen. Insgesamt handelte es sich um „ein konservatives Ministerium, das den gemeinsamen Willen der Industrie, der Monarchie und auch der Kirche zum Ausdruck brachte; es stand für den Versuch, die lange Periode der politischen Instabilität nach dem Krieg durch die Etablierung einer stabilen Regierung, die sich auf das breite Spektrum der vielen Fraktionen der Rechten stützen konnte, zu beenden.“ Am 16. November 1922 trat Mussolini erstmals als Ministerpräsident vor das Parlament; mit der Drohung, das Haus jederzeit „zu einem Biwak für meine squadre“ machen zu können, forderte er Vollmachten, um auf dem Verordnungsweg regieren zu können. Nur die Abgeordneten der Sozialisten und Kommunisten stimmten am 24. November gegen die Vorlagen, durch die die Regierung bis zum 31. Dezember 1923 befristete Sondervollmachten erhielt. Sieben liberale Abgeordnete, darunter Nitti und Giovanni Amendola, blieben der Abstimmung fern; dagegen stimmten fünf ehemalige liberale Premierminister – Giolitti, Salandra, Orlando, Bonomi und Facta – für die Regierung. Im Senat war die Stimmenmehrheit für die Regierung noch größer; hier wurde Mussolini offen zur Einrichtung einer Diktatur aufgefordert. Im Winter 1922/1923 kam es insbesondere in den Städten zu schweren Übergriffen der Squadristen auf politische Gegner; in Turin ermordete ein außer Kontrolle geratenes „faschistisches Exekutionskommando“ gezielt Sozialisten, Kommunisten und Gewerkschafter, ohne dass die Polizei – die Mussolini als Innenminister direkt unterstand – einschritt. Stattdessen profitierten tausende Faschisten noch vor dem Jahresende von einer Amnestie. Die im Dezember 1922 eingeleitete Umwandlung der squadre in eine Nationalmiliz , in deren Reihen zahlreiche von der „faschistischen Revolution“ enttäuschte Squadristen „Status, Bezahlung und etwas lokale Macht“ erhielten, stellte Mussolini in der Öffentlichkeit als Maßnahme gegen den faschistischen „Illegalismus“ dar. Im gleichen Monat richtete Mussolini mit dem Gran Consiglio del Fascismo, dessen Verhältnis zu den verfassungsmäßigen Institutionen vorerst nicht näher definiert wurde, ein Forum für die bei der Regierungsbildung nicht berücksichtigten faschistischen ras ein. Dieser Rat war nur durch die Person Mussolinis mit der staatlichen Exekutive verbunden. Im Laufe des Jahres 1923 verschmolz die faschistische Partei mit den anderen Strömungen der italienischen Rechten. Der von Mussolini betriebene Zusammenschluss mit der Associazione Nazionalista Italiana im März wurde zur „Wasserscheide für den Faschismus“. Mit der ANI stießen zahlreiche ebenso „respektable“ wie einflussreiche Persönlichkeiten zur Partei, die im Militär, beim Hof, in der Bürokratie, im diplomatischen Dienst und in der Wirtschaft bestens vernetzt waren und – zu nennen ist hier insbesondere Alfredo Rocco – in den folgenden Jahren eine entscheidende Rolle bei der Einrichtung und ideologischen Absicherung des faschistischen Regimes spielten. Auch der konservative Flügel des politischen Katholizismus verband sich 1923 mit dem PNF. Luigi Sturzo, der Führer der popolari, beugte sich im Juli 1923 dem Druck aus dem Vatikan und zog sich zurück. Mussolini konnte sich im Schatten dieser Entwicklung weitgehend aus seiner relativen Abhängigkeit von den Altfaschisten und den ras lösen. Die Mitgliederzahl des PNF stieg durch den Zustrom zahlreicher „Faschisten der letzten Stunde“ bis Ende 1923 auf 783.000, nachdem sie im Oktober 1922 noch unter 300.000 gelegen hatte. Die Festigkeit des Bündnisses mit den alten Eliten unterstrich das sogenannte Acerbo-Gesetz , das im November 1923 mit den Stimmen der liberalen Parlamentsmehrheit verabschiedet wurde. Mit diesem neuen Wahlgesetz wurden die Wahlkreise zugunsten nationaler Listen abgeschafft. Es sah vor, dass jene Liste, die national die einfache Mehrheit der abgegebenen Stimmen auf sich vereinigte, zwei Drittel der Abgeordnetenmandate erhalten sollte. Finaldi nannte diesen Vorgang eine „konstitutionellen Revolution“. Als das Parlament im Dezember 1923 zur neuen Session zusammentreten wollte, wurde es per Dekret des Königs nach Hause geschickt. Die Zusammenstellung des listone, der faschistischen Sammelliste für die Neuwahl des Parlaments am 6. April 1924, übernahm Mussolini persönlich. Auf ihr erschienen neben rund 200 Faschisten beinahe ebenso viele Mitglieder anderer Parteien und Organisationen, darunter Salandra und Orlando. Giolitti trat zwar mit einer eigenen Liste an, distanzierte sich jedoch von der antifaschistischen Opposition. Diese Wahl im April war bereits nicht mehr frei. Schon im Februar war bekannt, dass die „Überwachung der Wahlkabinen“ der Milizia Nazionale, also den Schwarzhemden anvertraut werde. Abgesehen von offensichtlichen Fälschungen am Wahltag selbst – so stimmten in Teilen der Provinz Ferrara, einer Hochburg der Linken, angeblich 100 % der Wähler für den listone –, war im Vorfeld für die Opposition ein ständig verschärfter Zustand der Halblegalität geschaffen worden. Ihre Zeitungen wurden wiederholt verboten oder beschlagnahmt, ihre Kandidaten angegriffen. Faschisten verwüsteten das römische Privathaus des ehemaligen Ministerpräsidenten Nitti. Gewalt wurde vor allem gegen Kommunisten und Sozialisten eingesetzt. Hunderte Menschen wurden verletzt oder getötet, darunter ein Kandidat der Sozialisten. Auch Mussolini dirigierte über sein Büro eine Gruppe faschistischer Schläger, die von Albino Volpi und dem Italoamerikaner Amerigo Dumini, zwei „professionellen Gangstern“, geführt wurde. Der PPI, dem die Unterstützung der Kirche entzogen worden war, erhielt bei der Wahl noch 9,1 % der Stimmen . Die gespaltene Linke spielte parlamentarisch kaum noch eine Rolle . Mussolini hatte „das Unmögliche“ geschafft – „die ‚Subversiven‘ waren nun eine geschlagene und bedeutungslose Minderheit.“ Der faschistische listone kam nach offiziellen Angaben auf 66,3 % der abgegebenen Stimmen. Nachdem sich die vereinigte Rechte die Mehrheit der Sitze gesichert hatte, wurde ab 15. Februar 1925 die Grundlagen dafür geschaffen, dass sich die Abgeordnetenkammer konsequenterweise nicht mehr durch eine eigentliche Wahl konstituierte, sondern durch ein Referendum; im Jahr 1929 konnte sich das Volk nur noch mit ja oder nein zu einer vorgelegten Liste äußern. Diese Liste von 400 Volksvertretern wählte der Große Faschistische Rat aus einer Vorschlagsliste von 1000 Personen von Verbänden. Die nächste wirkliche Parlamentswahl erfolgte erst 1946. Am 10. Juni 1924 wurde Giacomo Matteotti, Sekretär des PSU und Reformsozialist, von sechs Squadristi entführt, in einen Lancia Lambda gezwängt und mit einer Feile erstochen. Matteotti hatte am 30. Mai in der Abgeordnetenkammer, unbeeindruckt von inszenierten Tumulten faschistischer Abgeordneter, in Anwesenheit Mussolinis zahlreiche Unregelmäßigkeiten der Aprilwahl offengelegt und die Annullierung der Ergebnisse verlangt. Er reagierte damit auf eine Provokation Mussolinis, der die Kammer zuvor aufgefordert hatte, mehreren tausend Gesetzen en bloc zuzustimmen. Außerdem liefen Gerüchte um, dass Matteotti über Material verfüge, mit dem führende Faschisten der Korruption überführt werden könnten. Es hat sich bislang nicht belegen lassen, dass Mussolini die Ermordung Matteottis in Auftrag gegeben hat. Gleichwohl hat die neuere Forschung sicher nachgewiesen, dass Personen aus dem engsten Umfeld des Regierungschefs – darunter Rossi, Finzi und Marinelli – die Tat mit vorbereiteten oder von den Vorbereitungen wussten. Dabei scheint der drohende Korruptionsskandal, bei dem es um Bestechungszahlungen der amerikanischen Ölgesellschaft Standard Oil ging, das Motiv geliefert zu haben, nicht aber Matteottis Auftritt im Parlament. Der Mord an dem Oppositionspolitiker erwies sich für Mussolini als politische Katastrophe; wegen seiner bürgerlichen Herkunft und seines an der britischen Labour Party orientierten, höchst gemäßigten Sozialismus wurde Matteotti, der von Mussolini bis zu diesem Zeitpunkt immer wieder umworben worden war, auch von vielen Liberalen respektiert. Mussolini wurde offenbar noch am Abend des 10. Juni von Dumini über die Tat unterrichtet, bestritt am Tag darauf vor dem Parlament aber jedes Wissen über den Verbleib Matteottis, dessen Leichnam schließlich am 16. August an einer römischen Ausfallstraße gefunden wurde. Seinen Stab wies er an, in der Angelegenheit „so viel Konfusion wie möglich“ zu erzeugen. Allerdings führten die Ermittlungen aufgrund der Identifikation des Fahrzeugs der Entführer binnen weniger Tage direkt in das Vorzimmer Mussolinis. So erhielt die antifaschistische Opposition die unerwartete Möglichkeit, dem schon gefestigten Regime einen schweren und möglicherweise entscheidenden Schlag zu versetzen. Mussolini hat später eingeräumt, dass im Juni 1924 „ein paar entschlossene Männer“ genügt hätten, um einen erfolgreichen Aufstand gegen die völlig diskreditierten Faschisten auszulösen. Indessen mobilisierte Mussolini nach kurzer Paralyse die Miliz, entließ Emilio De Bono als Chef der Polizei, ließ Dumini, Volpi, Rossi und Marinelli festnehmen und übertrug das Innenministerium dem Ex-Nationalisten Federzoni. Den entscheidenden Fehler beging die Opposition allerdings selbst. Am 13. Juni verließen Sozialisten, Kommunisten und popolari zusammen mit einigen Liberalen das Parlament. Dieser rein demonstrative Akt blieb folgenlos; bereits am 18. Juni zogen sich die Kommunisten aus dem sogenannten Aventinblock zurück, nachdem ihr Vorschlag, den Generalstreik zu proklamieren und ein Gegenparlament zu konstituieren, von den anderen Parteien abgelehnt worden war. Die verbliebenen Aventinianer „vertrauten törichterweise darauf, dass der König ihre Arbeit für sie erledigen würde.“ Durch die „aventinische Sezession“ wurde aus der für die Faschisten bedrohlichen Debatte um einen politischen Mord, in den dem Anschein nach der Regierungschef verwickelt war, eine direkte „Konfrontation zwischen Faschismus und Antifaschismus. In dieser Auseinandersetzung wussten die italienischen Eliten, wo sie standen.“ Am 24. Juni sprach der Senat Mussolini mit überwältigender Mehrheit das Vertrauen aus und verschaffte der Regierung so die nötige Atempause. Mussolinis liberale und konservative Parteigänger, an ihrer Spitze der König, stützten ihn nach einigen Tagen der Unsicherheit weiterhin entschlossen. Als am 12. September 1924 der faschistische Abgeordnete Armando Casalini in Rom erschossen wurde, forderten radikale Faschisten wie Farinacci Mussolini immer nachdrücklicher auf, endgültig mit dem Antifaschismus „abzurechnen“ und „ein paar tausend Leute zu erschießen“. Mussolini wich diesen Vorstößen zunächst aus. Im Dezember 1924 spitzte sich die Krise noch einmal unerwartet zu. Presseveröffentlichungen brachten prominente Faschisten wie Balbo und Grandi mit einer Vielzahl von Gewalttaten in Verbindung. Auch die erste Reihe der Partei musste nun fürchten, demnächst vor Gericht zur Verantwortung gezogen zu werden, da seit einigen Monaten eine Gruppe faschistischer „Normalisierer“ – die das Ohr Mussolinis zu haben schien – die Trennung von den radikalen und kriminellen Elementen verlangte. Am 26. Dezember veröffentlichte ein Oppositionsblatt jedoch ein ihm zugespieltes Memorandum Cesare Rossis, das auch Mussolini zwar nicht mit dem Matteotti-Mord, aber mit ähnlichen Fällen in direkte Verbindung brachte. Nun schien es, als ließen sich Ermittlungen gegen den Regierungschef selbst nicht mehr verhindern. In den folgenden Tagen stand das Kabinett vor dem Auseinanderfallen; Mussolini galt bei Beobachtern als „erledigt“. Führer der Miliz und einige ras erschienen am 31. Dezember unangemeldet in Mussolinis Büro und verlangten ultimativ, die Opposition endgültig zum Schweigen zu bringen. Wie 1921 sah sich Mussolini nun mit einer offenen Revolte faschistischer Extremisten konfrontiert . Er ließ noch am gleichen Tag die Abgeordnetenkammer zum 3. Januar 1925 zusammenrufen und übernahm in einer sorgfältig vorbereiteten Rede die „politische, moralische und historische Verantwortung“ für den Mord an Matteotti, nicht jedoch die materielle Verantwortung. Bei diesem Auftritt machte Mussolini gleichzeitig deutlich, dass für ihn auf lange Sicht Regierung, Polizei und Präfekten die legitime Autorität repräsentierten, die Unterdrückung der Opposition also „legal“ zu erfolgen habe – genau dies war es, „was das konservative Establishment hören wollte.“ So gelang es ihm, den Grundstein für seine persönliche Diktatur zu legen. Der Aufforderung, ihn für das Verbrechen anzuklagen, kamen seine Gegner aufgrund der Aussichtslosigkeit eines solchen Unterfangens nicht nach. In seiner Rede hatte Mussolini die aventinische Sezession als „revolutionär“ angegriffen und angekündigt, „binnen 48 Stunden“ für Klarheit zu sorgen. Noch am 3. Januar wiesen Mussolini und Federzoni die Präfekten an, politische Versammlungen und Demonstrationen fortan zu unterbinden und aktiv gegen alle „die Macht des Staates untergrabenden“ Organisationen vorzugehen. Den Abgeordneten der Oppositionsparteien wurde die Rückkehr in die Kammer, die bis dahin zumindest theoretisch möglich gewesen wäre, von diesem Tag an verweigert. Bis 1926 wurden alle nichtfaschistischen Parteien verboten oder aufgelöst. Die Pressezensur wurde nach einer einschlägigen Verordnung vom 10. Januar 1925 noch strenger als zuvor gehandhabt; während die Presseorgane der politischen Linken schrittweise in den Untergrund gedrängt wurden, entließen die großen liberalen Zeitungen im Laufe des Jahres 1925 die wenigen oppositionellen Redakteure, bevor im Dezember 1925 ein repressives Pressegesetz in Kraft trat. Im selben Monat beseitigte ein Gesetz über die „Kompetenzen und Vorrechte des Regierungschefs“ die formal noch immer bestehende Abhängigkeit der Regierung vom Parlament. Als Capo del Governo vertrat Mussolini die Regierung nun allein gegenüber dem König, war ausschließlich diesem verantwortlich und hatte das Recht, Gesetze zu dekretieren, über die die Abgeordneten lediglich noch „diskutieren“ konnten. 1926 wurden die gewählten Gemeinderäte abgeschafft; fortan führte ein von den Präfekten ernannter Bürgermeister die Gemeinden. Diese „Mini-Capos“ wurden bis zum Ende des Regimes in der Regel von den gleichen lokalen Eliten gestellt, die im jeweiligen Ort seit dem Risorgimento das Sagen gehabt hatten. Das Attentat des Anarchisten Anteo Zamboni auf Mussolini – der erste Attentatsversuch fand durch Tito Zaniboni am 4. November 1925 statt, ein weiterer am 7. April 1926 durch Violet Gibson – lieferte schließlich den Vorwand, um im November 1926 die noch verbliebenen antifaschistischen Organisationen samt ihrer Presse zu verbieten; 123 oppositionellen Abgeordneten wurden im gleichen Monat die Mandate entzogen, die kommunistischen, unter ihnen Antonio Gramsci, zudem verhaftet. Das „Gesetz zur Verteidigung des Staates“ führte die Todesstrafe für „politische Vergehen“ ein. Es sah außerdem die Schaffung einer politischen Polizei und eines Sondergerichtshofes vor. Die Einrichtung der Diktatur betrieb Mussolini – wie am 3. Januar 1925 angekündigt – „legal“, das heißt, ohne die von der Verfassung definierten politischen Verfahren durch andere zu ersetzen. Die 1925/26 von Farinacci geführte faschistische Partei, die mit inneren Auseinandersetzungen beschäftigt war, spielte in diesem Prozess keine aktive Rolle. Das Gleiche gilt für die Miliz, deren Führung nun ehemalige Armeeoffiziere übernahmen. Für die reale politische Herrschaft im faschistischen Italien waren mehr noch als im liberalen Italien die Präfekten entscheidend. Mussolini sorgte hier für eine ausgesprochene strukturelle Kontinuität. Zwischen 1922 und 1929 wurden 86 Präfekten pensioniert oder abgelöst. Ihre Nachfolger waren meist „unpolitische“ Karrierebeamte; die 29 aus dem PNF hervorgegangenen Präfekten erhielten in der Regel kleinere und weniger bedeutende Provinzen. Mussolini setzte diese Machtstruktur entschieden gegen gegenläufige Tendenzen in der faschistischen Partei durch, indem er wiederholt bei Konflikten zwischen den Präfekten und den Parteisekretären der Provinzen intervenierte, so am 5. Januar 1927: „Der Präfekt, ich bestätige dies feierlich, ist die höchste staatliche Autorität in der Provinz. Er ist der direkte Repräsentant der zentralen Exekutive, der höchste politische Repräsentant des faschistischen Regimes.“ Auseinandersetzungen dieser Art begleiteten das Regime allerdings bis 1943. Auch in der Regierung setzte Mussolini nur sehr eingeschränkt auf aus der Partei kommende Faschisten, die häufig lediglich Staatssekretariate erhielten und selten lange im Amt blieben. Nur Dino Grandi und Giuseppe Bottai gelang es, sich dauerhaft an der Spitze des Staatsapparates zu halten. 1925 begann Mussolini, die Bezeichnung „totalitär“, die zuerst 1923 von antifaschistischen Intellektuellen verwendet worden war, als Attribut des Regimes zu akzeptieren. In einer Rede zum dritten Jahrestag des Marsches auf Rom definierte er den Faschismus als System, in dem „alles für den Staat geschieht, nichts außerhalb des Staates steht, nichts und niemand gegen den Staat ist.“ Er lehnte sich mit dieser Formel an eine Rede des Justizministers Alfredo Rocco an. Die prägenden Ideologen des italienischen Faschismus, deren Anregungen Mussolini in der Regel folgte, waren fast ausschließlich ehemalige Nationalisten wie Rocco und Giovanni Gentile, die ihren Einfluss gerade 1925/26 „vor allen anderen Tendenzen innerhalb des Faschismus“ behaupten konnten. Der „revolutionäre“, auf eine genuine Parteidiktatur hinarbeitende Flügel des Faschismus wurde von Mussolini 1926 endgültig entmachtet und konnte allenfalls einige publizistische Positionen behaupten. Mussolini überließ die Wirtschaftspolitik in den ersten Jahren weitgehend seinem marktliberalen Finanzminister Alberto De Stefani. Die vorsichtigen Versuche insbesondere Nittis und Giolittis, die Steuerlast der „besseren Kreise“ zu erhöhen, die Kriegsgewinne zu besteuern und eine Bodenreform zu initiieren , wurden von der neuen Regierung abgebrochen. Sie privatisierte bisherige Staatsmonopole wie das Telefonnetz, die Streichholzproduktion und die Lebensversicherung, senkte die Staatsausgaben und führte neue indirekte Massensteuern ein. Im März 1923 beseitigte ein Dekret den Achtstundentag, wodurch vor allem in der Landwirtschaft die tägliche Arbeitszeit wieder auf bis zu zwölf Stunden ausgedehnt wurde. Mussolini begleitete diese Politik, indem er öffentlich für „Unternehmertum“, Bürokratieabbau und die Abschaffung der ohnehin nur rudimentären Arbeitslosenunterstützung plädierte. Der Staat solle sich aus dem wirtschaftlichen Leben der Nation heraushalten, die Ungleichheit in der Gesellschaft dürfe nicht beseitigt, sondern müsse im Gegenteil noch verschärft werden. Gleichzeitig wurden ausgewählte Industrieunternehmen und Banken mit Staatsgeldern saniert, darunter im Januar 1923 der eng mit dem Vatikan und den italienischen Bistümern verbundene Banco di Roma. Mussolini stimmte diesen Schritt persönlich mit Kardinalstaatssekretär Pietro Gasparri ab und konnte so den „atmosphärischen Grundstein“ für den Ausgleich mit der Kirche legen. Für das Besitzbürgertum erwiesen sich die Jahre 1922–1925 alles in allem als „absolutes Paradies“. Umgekehrt mussten die Arbeiter in diesem Zeitraum Reallohnsenkungen von 20 bis 25 % hinnehmen. Bis 1925 zog sich De Stefani jedoch die Gegnerschaft einflussreicher Interessengruppen zu. Die Freihandelspolitik wurde von den Teilen der Industrie und des Großgrundbesitzes, die unter der ausländischen Konkurrenz litten, und von einzelnen führenden Faschisten, die aus prinzipiellen Gründen für eine Autarkiepolitik eintraten, abgelehnt. Da De Stefani einen ausgeglichenen Haushalt anstrebte, war er gezwungen, gegen erheblichen Widerstand exemplarisch besonders krasse Fälle von Steuerhinterziehung zu ahnden; aus dem gleichen Grund lehnte er es ab, die enorme Vermehrung der Stellen im Staatsapparat, mit denen sich führende Faschisten und deren „Klienten“ versorgen ließen, zu finanzieren. Als es im Sommer 1925 zu einem konjunkturellen Einbruch kam, entließ Mussolini De Stefani. Sein Nachfolger Giuseppe Volpi war ein Vertreter des protektionistischen Flügels der italienischen Industrie. Seine Ernennung fiel mit der Ausrufung der ersten großen wirtschaftlichen Kampagne des Regimes zusammen. Diese von Mussolini persönlich initiierte „Weizenschlacht“ hatte das Ziel, die Getreideproduktion deutlich zu erhöhen und so die Abhängigkeit Italiens von Nahrungsmittelimporten zu verringern . Im Hintergrund stand hier bereits das Problem der unausgeglichenen italienischen Zahlungsbilanz und der Wertverlust der Währung; die „Weizenschlacht“ ging im Jahr darauf in die „Schlacht um die Lira“ über. Mit Mussolinis Regierungsantritt wurde das nach faschistischer Lesart auf der Pariser Friedenskonferenz „betrogene“ Italien offiziell zu einer „revisionistischen Macht“, auch wenn sich dieser Revisionismus erst ab 1925/26 klar auszuprägen begann. Er richtete sich in den zwanziger Jahren in erster Linie gegen den Einfluss Frankreichs in Südosteuropa und in zweiter Linie gegen Griechenland und die Türkei. Damit setzte sich unter Mussolini eine Tendenz durch, die bereits der Außenpolitik der liberalen Regierungen nicht fremd gewesen war; die These eines außenpolitischen Kontinuitätsbruchs wird in der neueren Forschung überwiegend zurückgewiesen – der „angebliche Gegensatz zwischen moderaten, sensiblen Diplomaten und einem hysterischen, ultranationalistischen Duce war ein Mythos, den Beamte nach Mussolinis Sturz verbreiteten, um sich der Kritik zu entziehen.“ Auf der internationalen Bühne führte sich Mussolini mit inszenierten Posen ein. Im November 1922 erschien er bei der Lausanner Konferenz mit einer Leibwache schwer bewaffneter Schwarzhemden und schien mehr an martialischen Auftritten vor den Journalisten als an den Verhandlungen selbst interessiert zu sein. Einen Monat später reiste er nach London, um an der dortigen Reparationskonferenz teilzunehmen. Hier war das von Mussolini sorgfältig registrierte internationale Presseecho noch weitaus weniger vorteilhaft als nach Lausanne. Er verzichtete anschließend – mit der Ausnahme der Konferenz von Locarno 1925 – für mehr als ein Jahrzehnt auf Auslandsreisen. In den 20er Jahren trat Großbritannien international als „Protektor“ Italiens auf. London sah in dem Land ein Gegengewicht gegen eine französische Hegemonie auf dem Kontinent und einen möglichen Wiederaufstieg Deutschlands. Beide Länder stimmten ihr Auftreten in der Reparationsfrage und beim Völkerbund ab. Mussolinis Ambitionen im Mittelmeerraum richteten sich – wie auf dem Balkan – vor allem gegen Frankreich, nicht aber gegen Großbritannien, das zu kolonialen Zugeständnissen an Italien bereit war. Im Sommer 1924 übergaben die Briten Jubaland an Italien, im Februar 1926 die Oase Jarabub. Der Besuch des britischen Außenministers Austen Chamberlain, bei dem dessen Ehefrau demonstrativ ein Abzeichen der faschistischen Partei ansteckte, stärkte Mussolini im Dezember 1924 während der Matteotti-Krise den Rücken. Winston Churchill, zu diesem Zeitpunkt Schatzkanzler, besuchte Mussolini im Januar 1927 und äußerte sich anschließend äußerst positiv über ihn und das Regime. In konservativen Kreisen Großbritanniens entwickelte sich im Laufe der zwanziger und frühen dreißiger Jahre ein regelrechter Personenkult um Mussolini. Mussolinis Geliebte Margherita Sarfatti veröffentlichte 1925 ihre Mussolini-Biographie zunächst in Großbritannien, wo sie in konservativen Kreisen viel Anklang fand. Auch in den USA hatten Mussolini-Verehrer viel Publikum. Der amerikanische Botschafter in Italien, Richard Washburn Child, trat schon 1922 oder 1923 in Mussolinis Faschistische Partei ein. 1927 veröffentlichten New York Sun und New York Herald Tribune zwölf von Sarfatti verfasste Lobeshymnen über Mussolinis Privatleben. 1928 redigierte Child Mussolinis Autobiographie für die Zeitschrift The Saturday Evening Post. 1931 gab der Medienunternehmer William Randolph Hearst bei Mussolini und Sarfatti eine Artikelkolumne in Auftrag, für die er ihnen 1500 Dollar pro Woche bezahlte. Am 31. August 1923 ließ Mussolini im Schatten der Ruhrkrise die griechische Insel Korfu beschießen und besetzen, um „Genugtuung“ für die Ermordung eines italienischen Generals auf griechischem Territorium zu erhalten . Im Januar 1924 erkannte Jugoslawien die Annexion Fiumes durch Italien an . Seit 1925 konnte Mussolini den Einfluss Jugoslawiens in Albanien ausschalten und das Land politisch und wirtschaftlich eng an Italien binden . 1926 begann Italien, kroatische und mazedonische Nationalisten finanziell und materiell zu unterstützen, um den jugoslawischen Staat zu untergraben. Auch albanische Separatisten im Kosovo erhielten mit Billigung Mussolinis italienische Subsidien. Die Ergebnisse der Locarno-Konferenz waren für Italien zwiespältig. Die gewünschte Garantie der österreichisch-italienischen Grenze und der Unabhängigkeit Österreichs durch Deutschland hatte Mussolini in den Vorverhandlungen nicht durchsetzen können und deshalb zunächst der Konferenz fernbleiben wollen. Überraschend lud ihn jedoch Chamberlain ein, zusammen mit Großbritannien als Garant der deutsch-französischen und der deutsch-belgischen Grenze aufzutreten. Damit räumte Großbritannien Italien erstmals offiziell den Status einer Großmacht ein. Mussolini nutzte die Gelegenheit für einen dramatischen Auftritt; er reiste am letzten Tag der Verhandlungen überraschend mit einem Schnellboot und großer Leibwache über den Lago Maggiore an, zeigte sich für wenige Minuten bei den Verhandlungen und fuhr wieder davon. Nach dem Sturz Farinaccis, der ein gewisses Maß an Diskussion unter den führenden Faschisten geduldet und nicht gezögert hatte, sich als puristischer „Gegenpapst“ zu inszenieren, richtete der neue Parteisekretär Augusto Turati, ein Schützling von Mussolinis Bruder Arnaldo, die Partei zwischen 1926 und 1930 ganz auf Mussolini aus. Turati ließ bis 1929 50.000 „Extremisten“ aus der Partei ausschließen, etwa 100.000 weitere Altfaschisten traten aus und wurden überwiegend von sozialkonservativen Nachfolgern – nicht selten alteingesessene Notabeln – ersetzt. 1926/27 traten dem PNF hunderttausende Neumitglieder bei; 1927 zählte man erstmals mehr als 1 Million organisierte Faschisten. Turati schaffte mit Rückendeckung Mussolinis die parteiinternen Wahlen ab und ließ fast alle lokalen Parteizeitungen einstellen. Nationale Parteikongresse – wie zuletzt im Juni 1925 – fanden nicht mehr statt. Diese Maßnahmen machten Mussolinis Position zwar unangreifbar, entzogen der Partei aber mit überraschender Schnelligkeit jede politische Substanz und Dynamik: „Eine aufgeblähte, zentralisierte Partei der Karrieristen und Konformisten, der Beamten und Bankfilialleiter, die Führer von oben eingesetzt: das war das Gegenteil von Farinaccis Ideal ‚Wenige, aber Gute.‘“ Eine weitere Ausschlusswelle unter Turatis Nachfolger Giuriati schloss diesen Prozess 1930/31 ab. Bereits 1924 war vom Propagandaministerium das Institut LUCE gegründet und 1925 verstaatlicht worden. Es war systematisch befasst mit der Mystifizierung des Duce im Medium des Films: Mussolini war zugleich „Auftraggeber, Objekt, Nutznießer und Zensor der LUCE-Produktionen“. Die propagandistische Überhöhung Mussolinis – der ducismo oder mussolinismo – begleitete auch den Umbau der Partei seit 1926. Arnaldo Mussolini, Chefredakteur des Popolo d’Italia, und der faschistische Journalist und Politiker Giuseppe Bottai gaben hierbei den Grundton vor. „Mussolini hat immer Recht“ wurde zu einer verbreiteten Phrase, der Diktator selbst bald schon zu einer „legendären Figur“, mit deren übermenschlichen Qualitäten – nicht nur als Staatsmann, sondern auch als „Flieger, Fechter, Reiter, erster Sportsmann Italiens“ – die Italiener bereits in der Schule vertraut gemacht wurden. Millionenfach wurden Fotografien Mussolinis, die ihn in einer seiner charakteristischen Posen zeigten, in Italien verbreitet, wo viele Menschen es ohnehin gewohnt waren, Abbildungen von Heiligen zu sammeln. Rom beherbergte nun „einen unfehlbaren Papst und einen unfehlbaren Duce.“ Das grundlegende Material für den Personenkult lieferten zwei „offizielle“ Biographien , die 1926 erschienen und wiederholt neu aufgelegt wurden. Mussolini selbst ergänzte das darin gezeichnete Bild seiner Person hin und wieder durch gezielt gestreute schmeichelhafte Details. So ließ er durch Journalisten in Umlauf bringen, er arbeite 18 oder 19 Stunden täglich, begnüge sich mit fünf Stunden Schlaf und leite jeden Tag im Schnitt 25 Besprechungen. Häufig widersprachen diese Anekdoten einander, da sie jeweils auf ein unterschiedliches Publikum zugeschnitten waren. Der ausbleibende gesellschaftliche Wandel wurde durch diese konsensstiftende Mythenbildung kompensiert, „und der größte Mythos von allen war der des Duce selbst.“ Mussolini kommentierte diese für das überlieferte Bild „seiner“ Diktatur schließlich prägende öffentliche Inszenierung, die nach 1931 in der Ära des Parteisekretärs Achille Starace endgültig jeden Bezug zur Realität verlor, immer wieder zynisch. Die Biographie Sarfattis, die er vor der Veröffentlichung persönlich durchgesehen und bearbeitet hatte, beweise, dass „Erfindung nützlicher ist als die Wahrheit“; seine von den Propagandisten des Regimes bis zum Exzess zitierten ersten Worte an den König im Oktober 1922 nannte er im kleinen Kreis „die Art von Blödsinn, die man in Schülerversammlungen erzählt.“ Zeugnisse seiner Verachtung für die „Herde“ sind zahlreich überliefert; die Masse sei „dumm, schmutzig, arbeitet nicht hart genug und ist zufrieden mit ihren kleinen Kinofilmchen.“ Intellektuelle, die sich mit der Kodifikation einer einigermaßen konsistenten faschistischen „Doktrin“ befassten, bedachte er ebenfalls mit zynischen Kommentaren – was ihn nicht davon abhielt, 1932 den autoritativsten Vorstoß in diese Richtung, den in der Hauptsache von Giovanni Gentile verfassten Artikel über die dottrina del fascismo im vierzehnten Band der Enciclopedia Italiana, durch namentliche Zeichnung als sein Werk auszugeben. Der britische Historiker Denis Mack Smith stellt angesichts solcher und ähnlicher Widersprüche den „echten“ Mussolini neben den „Schauspieler“, der der öffentliche Duce in erster Linie gewesen sei. Dieser sei ein Eigenbrötler und Misanthrop gewesen, der Nächstenliebe und Idealismus verachtet habe. Wie Niccolò Machiavelli unterstellte er jedermann absolute Selbstsucht und Verlogenheit. Die zentrale Stellung Mussolinis war im Kern allerdings keine propagandistische Fiktion. Die gesamte Tätigkeit der Regierung hing in einem ständig zunehmenden Maß von seinen Entscheidungen und seiner Präsenz ab – bis zu dem Punkt, dass die Arbeit auch der nicht von ihm geleiteten Ministerien zum Stillstand kam, wenn er nicht in Rom war. Ganz anders als etwa Hitler war Mussolini tatsächlich ein disziplinierter Bürokrat und „Aktenfresser“. Er saß gewöhnlich gegen 8 oder 9 Uhr hinter seinem Schreibtisch in der sala del mappamondo im Palazzo Venezia und arbeitete dort etwa 10 Stunden lang allein oder empfing Besucher – als ersten fast täglich Polizeichef Arturo Bocchini, den einige Historiker für den eigentlichen „zweiten Mann“ des Regimes halten. Mussolini konnte, im Detail zweifellos übertreibend, mit einer gewissen Plausibilität behaupten, persönlich in sieben Jahren knapp 1,9 Millionen bürokratische Vorgänge bearbeitet zu haben. Um den Eindruck zu erwecken, er kontrolliere wirklich „das Leben der Nation“, entschied der Diktator freilich über zahllose triviale Einzelheiten, etwa die Anzahl der Knöpfe auf einer Uniform, eine Einstellung an der Polizeischule, den Baumschnitt in einer bestimmten Straße in Piacenza und die Spielzeit des Orchesters auf dem Lido. Er konnte dabei – und versuchte es, abgesehen von den durch ihn verfügten Zensurmaßnahmen und journalistischen Sprachregelungen, auch nicht – mangels eines hierzu geeigneten Apparates kaum systematisch prüfen, ob seine Entscheidungen umgesetzt wurden. In der Regel markierte ein von Mussolini hingeworfener Kommentar oder seine charakteristische Paraphe „M“ entweder das Ende der Regierungstätigkeit oder den Beginn einer ergebnisoffenen „Interpretation“ seines Willens durch die Bürokratie. Mit der konkreten Umsetzung einer „Entscheidung“ in praktisches Handeln hat sich Mussolini kaum je befasst. Seine Neigung, auch Minister, Zuarbeiter und Beamte in fünfzehnminütigen „Audienzen“ einzeln zu empfangen, sie dabei allgemein in ihren Auffassungen zu bestätigen und ohne praxisbezogene Anweisungen zu entlassen, stellte sicher, dass es „auf vielen wichtigen Gebieten keinerlei Regierungstätigkeit gab.“ Den häufig wechselnden Ministern und Staatssekretären gewöhnte er jeden Sinn für Verantwortung und Initiative ab; die meisten hielt er ohnehin für „verkommen bis ins Mark.“ In der Tat war Mussolini einer der ganz wenigen führenden Faschisten, die ihre Ämter nicht dazu benutzten, sich illegal zu bereichern und das Fortkommen ihrer Familie bzw. ihrer Klienten zu fördern., obwohl er ausgesprochen unfähige Beamte, korrupte gerarchi und Postenjäger erwiesenermaßen förderte, selbständige, zum Widerspruch neigende Köpfe aber zielsicher kaltstellte. Diese Tendenz setzte sich in der ersten Hälfte der 30er Jahre voll durch, als das Führungspersonal in Staat und Partei serienweise entlassen oder versetzt wurde. Prominenteste „Opfer“ waren Balbo , Grandi , Turati und Mussolinis alter Weggefährte Leandro Arpinati. Der ras von Bologna und engste Mitarbeiter Mussolinis im Innenministerium wurde 1933 aus allen Ämtern entlassen, 1934 aus der Partei ausgeschlossen und auf die Liparischen Inseln verbannt. Zudem starb im Dezember 1931 überraschend Mussolinis Bruder Arnaldo, der einzige Vertraute und Ratgeber, dem es gestattet gewesen war, „offen“ mit dem Duce zu reden. Nach den Kabinettsumbildungen in den Jahren 1932 und 1933 waren die meisten leitenden Männer in den Ministerien „Mediokritäten“, die entweder kein eigenes Urteil hatten oder dasselbe für sich behielten. Mussolini ging es in letzter Instanz immer darum, dass er – oft verbunden mit spektakulären Gesten und Eingriffen in die Zuständigkeitsbereiche anderer – entschied, aber nur bedingt darum, was entschieden wurde. Diskussionen, auch solchen im kleinen Kreis, ging er konsequent aus dem Weg, gewöhnlich dadurch, dass er dem zustimmte, was ihm vorgetragen oder vorgelegt wurde. In der Ministerialbürokratie und bei informierten Beobachtern erwarb er daher bald den Ruf eines „Löwen aus Pappe“, der immer die Meinung der Person vertrat, mit der er zuletzt gesprochen hatte. Im Januar 1927 löste die Führung der Confederazione Generale del Lavoro trotz der Proteste vieler Mitglieder und Funktionäre den Gewerkschaftsbund auf. Fortan war die katholische Laienorganisation Azione Cattolica die einzige Massenorganisation, die nicht direkt mit dem faschistischen Regime verbunden war. Das Verschwinden der Arbeiterparteien und der sozialistischen Gewerkschaften – propagandistisch wurde insbesondere der Untergang der Eisenbahnergewerkschaft verwertet, die „für die Faschisten das war, was später die National Union of Mineworkers für Margaret Thatcher war“ – machte den Weg frei für den faschistischen Versuch, die lohnabhängige Bevölkerung in Organisationen zu erfassen, die vom Staat oder der Staatspartei kontrolliert wurden. Ein erster Schritt in diese Richtung war die Freizeitorganisation OND, die schon im Frühjahr 1925 gegründet worden war. Der Gedanke, Arbeiter, Angestellte und Unternehmer einzelner Wirtschaftszweige zur Vertretung ihrer „gemeinsamen“ Interessen in Korporationen zusammenzufassen, war zuerst bei einzelnen nationalistischen Ideologen und dann bei Alceste De Ambris und D’Annunzio in Fiume aufgetaucht. Diese Korporationen sollten – zumindest in der Theorie – Arbeitskämpfe verhindern und so die Wirtschaftsleistung maximieren. Seit 1925 war, zuerst bei Alfredo Rocco, davon die Rede, die Korporationen zum zentralen Instrument der politischen, sozialen und ökonomischen Steuerung der Gesellschaft durch den Staat zu machen. Mussolini griff den Vorstoß Roccos auf und erklärte ihn – drei Jahre nach dem Marsch auf Rom – zum „fundamentalen Programm unserer Partei“. Seit 1925/26 wurde der „Korporativstaat“ zunächst in Italien und dann vor allem im Ausland zum vielrezipierten propagandistischen Aushängeschild des Regimes. Die faschistische Partei hatte zu diesem Zeitpunkt allerdings bereits eigene Gewerkschaften gegründet, die nach einer Reihe symbolischer Streiks im Oktober 1925 von den Industriellen als „exklusive“ Vertretung der Belegschaften anerkannt worden waren . Dieses im Beisein Mussolinis unterzeichnete Abkommen wurde im April 1926 durch ein von Rocco ausgearbeitetes Gesetz bestätigt, das nunmehr Streiks ausdrücklich verbot und ein Zwangsschlichtungsverfahren bei allen Konflikten vorschrieb. Mussolini erklärte den Klassenkampf für beendet, fortan werde der „unparteiische“ Staat den Ausgleich der Interessen regulieren. „Wilde“ Streiks hat das Regime gleichwohl nie ganz verhindern können. Der Presse war es untersagt, über sie zu berichten; das galt ebenso für die Unruhen unter Landarbeitern, die bis in die erste Hälfte der dreißiger Jahre vor allem im Süden relativ häufig waren. Wenig später, im Juli 1926, wurde zwar ein Korporationsministerium gegründet, der Aufbau des Korporativsystems aber stockte. Noch 1929 existierte keine einzige Korporation. Obwohl die im April 1927 mit gewaltigem Propagandaaufwand verkündete Carta del Lavoro den Korporativgedanken endgültig zum Eckstein der „faschistischen Revolution“ erklärt hatte, gedieh in den folgenden Jahren im Umfeld des Korporationsministeriums nur eine aufgeblähte Bürokratie, deren soziale Funktion sich in der Bereitstellung von Posten für das von Mussolini mit Misstrauen betrachtete „intellektuelle Proletariat“ erschöpfte; der Korporativgedanke selbst wurde schnell zu einem „Jagdrevier für hunderte stellungsuchende Akademiker, die endlos über dessen Theorie und Praxis diskutierten.“ Umgekehrt waren die faschistischen Gewerkschaften, ganz ähnlich wie die Partei, bis zum Ende der zwanziger Jahre von renitenten Funktionären und Mitgliedern „gesäubert“ und durch von oben eingesetzte Führungen diszipliniert worden . Im November 1928 ließ Mussolini den Gewerkschaftsbund, die Domäne des faschistischen „Arbeiterführers“ Edmondo Rossoni, in sechs miteinander nicht verbundene Industrieverbände aufspalten. Nachdem Giuseppe Bottai 1929 das Korporationsministerium übernommen hatte, wurden schließlich bis 1934 doch noch 22 Korporationen gegründet, die zuverlässig kontrollierten faschistischen Gewerkschaften jedoch ebenso wenig aufgelöst wie die Unternehmerverbände. Der 1930 gegründete Nationalrat der Korporationen trat nur fünf Mal zusammen. Die Korporationen, in denen meist Rechtsanwälte, Journalisten und faschistische Parteifunktionäre die Arbeiter „repräsentierten“, übernahmen zu keinem Zeitpunkt tatsächlich die ihnen zehn Jahre zuvor von Rocco zugedachten hoheitlichen Aufgaben und blieben im Kern „wenig mehr als eine nicht realisierte Idee.“ Das 1928 beschlossene neue Wahlgesetz trug indes zumindest korporatistische Züge. Für die im März 1929 zu „wählende“ neue Abgeordnetenkammer kompilierte der faschistische Großrat, der hier erstmals die ihm im Dezember 1928 durch Gesetz übertragenen hoheitlichen Aufgaben wahrnahm, unter dem Vorsitz Mussolinis eine einzige Liste mit 400 Kandidaten , die die faschistischen Gewerkschaften, die Unternehmerorganisationen, die Kriegsveteranen und andere Verbände vorgeschlagen hatten. Charakteristisch war auch hier, dass in diesem de facto ernannten Parlament schließlich 125 Vertreter der Unternehmer, aber nur 89 der Gewerkschaften Platz nahmen. Bereits in den Jahren vor der Weltwirtschaftskrise forcierte der faschistische Staat seine ökonomische Aktivität. Giuseppe Volpi betrieb seit 1925 eine konsequente Deflationspolitik, die vor allem die bereits stark gesunkenen Löhne belastete. In Verhandlungen konnte er eine Reduzierung der italienischen Kriegsschulden in Großbritannien und den Vereinigten Staaten und einen bedeutenden Kredit der Bank J.P. Morgan sichern. Da der Wert der Lira dennoch immer weiter fiel, die Masse der italienischen Schulden aber in fremder Währung zurückgezahlt werden musste, entschloss sich Mussolini – der im Wechselkurs auch eine Frage des „nationalen Prestiges“ sah – im August 1926, publikumswirksam einzugreifen . Im Dezember 1927 verfügte er die Einführung des Goldstandards und einen festen Wechselkurs der Lira zum Pfund und zum Dollar. Er löste damit einen Absturz der Aktienkurse aus, während die Arbeitslosenzahlen sowie die Produktions- und die Lebenshaltungskosten scharf anstiegen. Nachdem auch große Firmen wie Fiat gegen diese Maßnahme protestierten, gestand Mussolini der Exportindustrie Steuererleichterungen und eine weitere Senkung der Löhne um 10 % zu, hielt aber mehrere Jahre an der quota novanta fest. Die Aufwertung der Währung brachte auch die „Weizenschlacht“ erst richtig in Schwung, die nun bis in die erste Hälfte der dreißiger Jahre ein stehendes Thema der Propaganda blieb. In diesen Zusammenhang stellte das Regime eines seiner größten Projekte, die Trockenlegung der Pontinischen Sümpfe, mit der 1930 begonnen wurde. Auch in anderen Teilen des Landes wurden erhebliche Mittel für Trockenlegungen, Bewässerungsbauten, Aufforstungen und andere essentielle ländliche Infrastruktur unter dem Schlagwort der bonifica integrale mit mitunter beträchtlichen Erfolgen aufgewandt, die Mussolini, der sich immer wieder vor Ort zeigte, für sich zu nutzen wusste. Zumindest bis 1933 stieg die Getreideproduktion stark an, was die Außenhandelsbilanz spürbar entlastete, sich binnenökonomisch aber vor allem als gigantisches Subventionsprogramm für die Großgrundbesitzer entpuppte. Die durch den Schutzzoll und die überbewertete Währung garantierte Gewinnspanne für Getreide nahm auch in den Jahren der Weltwirtschaftskrise in Italien trotz sinkenden Konsums nicht ab. Dies verschärfte den Modernisierungsstau in der Landwirtschaft und führte in vielen Gebieten zu einer agrarischen Monokultur, verbunden mit einem Absinken des Viehbestandes und dem Verlust von Exportmärkten, etwa für Olivenöl, Wein und Zitrusfrüchte. Auf dem Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise waren in Italien nach offiziellen Angaben etwa 1,2 Millionen Menschen arbeitslos. Es erwies sich als „glücklicher“ Zufall, dass bereits in den Jahren zuvor Importe und Konsum massiv eingeschränkt worden waren. Mussolini gelang es sogar, bis 1936 am Goldstandard festzuhalten, wodurch die Lira gegenüber dem Pfund noch einmal um ein Drittel aufwertete, da Großbritannien den Goldstandard 1931 aufgegeben hatte. Das Hauptproblem des Regimes war der praktisch vollständig insolvente private Bankensektor, der auch die in ihm bereits stark engagierte Banca d’Italia und damit den Staat in den Abgrund zu reißen drohte. 1931 gründete Mussolini auf Vorschlag des Finanzministers Guido Jung das Istituto Mobiliare Italiano , das die Privatbanken aus der mittel- und langfristigen Industriefinanzierung verdrängte, ihnen aber gleichzeitig die in der Krise entwerteten Aktienpakete und Kredittitel zum Nominalwert abkaufte. Das 1933 gegründete Istituto per la Ricostruzione Industriale vergab staatliche Kreditgarantien und kaufte in Schieflage geratene Betriebe im Bereich des produzierenden Gewerbes auf. Es hielt bald etwa 20 % des gesamten italienischen Aktienkapitals, was im Europa der Zwischenkriegszeit beispiellos war. Hier entstand gleichsam „unbeabsichtigt“ ein vom Staat kontrolliertes Finanz- und Industriekonglomerat, das den Faschismus überdauerte und nach einer wechselvollen Entwicklung erst zu Beginn des 21. Jahrhunderts liquidiert wurde. Gleichfalls nicht langfristig geplant worden waren die „wohlfahrtsstaatlichen“ Elemente, deren Einführung im Rahmen der Bekämpfung der Krise bis 1934 erfolgte . Zwischen August 1933 und April 1934 wurde in nur dreizehn Monaten die heute zirka 20 000 Einwohner zählende Planstadt Sabaudia gebaut, nachdem Benito Mussolini die Paludi Pontine, das Sumpfgebiet südöstlich von Rom, hatte trockenlegen lassen. Auf Sizilien konnten die Faschisten bis 1922 kaum Fuß fassen. Auf der Insel verfügten die Großgrundbesitzer mit dem Partito agrario des Prinzen Scalea bereits über eine politische Organisation, die in der Lage war, gegen die 1919 einsetzende, vor allem von den aus dem Militär entlassenen Bauern und Landarbeitern getragene Welle der Streiks und Landbesetzungen mit dem „erforderlichen Maß an Brutalität und Illegalität“ vorzugehen. 1922 erhielt ein sizilianischer Liberaler das Ministerium für öffentliche Arbeiten in Mussolinis erster Regierung und trat 1923 dem PNF bei. Bis 1924 wurde auch das Führungspersonal des Partito agrario von der faschistischen Partei absorbiert. Innerhalb des sizilianischen PNF konnten sich die alten Eliten spätestens 1927 gegen die aus dem Norden „importierten“ bzw. einheimischen, in die Klientelnetzwerke der Insel jedoch nicht eingebundenen Faschisten durchsetzen. Damit war sichergestellt, dass die soziale und wirtschaftliche Struktur Siziliens nicht angetastet wurde. Diese grundsätzliche Richtungsentscheidung, die die Entwicklungen im Rest des Landes zeitverzögert nachvollzog, relativierte auf lange Sicht auch die bis in die Gegenwart oft wohlwollend kommentierten faschistischen Maßnahmen gegen die Mafia, die vor allem zwischen 1924 und 1929 in der Ära des von Mussolini mit Sondervollmachten ausgestatteten „eisernen Präfekten“ Cesare Mori forciert wurden. Mori, der über beste Beziehungen zu den latifondisti verfügte, ging jedoch nicht nur gegen tatsächliche, bis dahin oft von der Landaristokratie ausgehaltene Mafiosi, sondern auch gegen linke Aktivisten und radikale Faschisten wie Alfredo Cucco vor, der zwischen 1922 und 1924 mit Rückendeckung Farinaccis einen eigenen „Krieg gegen die Mafia“ geführt hatte, der „nebenbei“ auch Antifaschisten und die Netzwerke der lokalen Aristokratie erfasste. 1927 wurde Cucco selbst als Mafioso angeklagt und zusammen mit der gesamten faschistischen Parteiorganisation von Palermo politisch ausgeschaltet. Insgesamt wurden rund 11.000 tatsächliche oder vermeintliche Mafiosi inhaftiert , viele Anführer emigrierten, meist in die Vereinigten Staaten. Die faschistische Kampagne gegen die Mafia stärkte so vor allem die soziale und politische Vorherrschaft der Großgrundbesitzer – für Mori die eigentlichen „Opfer“ der Mafia – und schuf trotz kurzfristiger Erfolge das Klima für die Renaissance der organisierten Kriminalität nach 1943. Mit besonderer Härte hatte sie die „neureichen“ Mittelbauern getroffen, die den Latifundisten ein Dorn im Auge waren. Gerade diese Gruppe kultivierte unter dem Faschismus die Ansicht, „dass in dieser Art von Gesellschaft die einzige Chance in einer rücksichtslosen Durchsetzung des eigenen Willens und in mächtigen Beschützern lag.“ Mussolini nutzte die „Schlacht gegen die Mafia“ propagandistisch aus. Er interessierte sich aber, entgegen einer zählebigen Legende, nicht sonderlich für die Probleme Siziliens bzw. des italienischen Südens – insgesamt wohl noch weitaus weniger als die Ministerpräsidenten vor ihm. Gleichwohl ließ er nach einigen Jahren erklären, dass das faschistische Regime die „südliche Frage“ gelöst und auch die Mafia „zerstört“ habe. In der Realität wurde – trotz eines nominellen Anstiegs der öffentlichen Investitionen und einer zumindest in den zwanziger Jahren genaueren Überwachung der Eintreibung und der Verwendung der Steuern – kaum etwas für die Entwicklung der Insel getan. Während etwa in Libyen beträchtliche Mittel für den Ausbau der Infrastruktur aufgewandt wurden, waren viele sizilianische Dörfer noch in den vierziger Jahren nicht an das Eisenbahnnetz und oft nicht einmal an das Straßennetz angeschlossen. Als Mussolini im Juni 1923 zum ersten Mal Sizilien besuchte, bezeichnete er es als „Entehrung der Menschheit“, dass fünfzehn Jahre nach dem Erdbeben von Messina immer noch zahlreiche Einwohner in selbstgebauten Hütten dahinvegetierten und versprach, umgehend für Abhilfe zu sorgen: „Aber die Elendsquartiere waren zwanzig Jahre später immer noch da und das ‚südliche Problem‘, ungeachtet wiederholter Behauptungen, es existiere nicht mehr, einer Lösung nicht nähergekommen.“ Eine im Mai 1924 mit großem Propagandaaufwand in Anwesenheit Mussolinis gegründete Planstadt für 10.000 Menschen blieb ein Weiler mit kaum 100 Einwohnern. Erst gegen Ende der dreißiger Jahre thematisierte Mussolini die latifondi öffentlich als eigentliche Ursache der Entwicklungsblockade Siziliens. Ein 1940 erlassenes Bodenreformgesetz, das in gewissem Sinne eine strategische Kehrtwende faschistischer Politik darstellte, kam wegen des Kriegsausbruchs jedoch nicht mehr zur Ausführung. Die am 11. Februar 1929 nach über zweijährigen Geheimverhandlungen, in die weniger als ein Dutzend Personen eingeweiht waren, von Mussolini und Kardinalstaatssekretär Pietro Gasparri unterzeichneten Lateranverträge gelten als Mussolinis größter politischer Erfolg. Mit ihnen wurden Fragen geklärt, die seit dem Risorgimento zwischen dem italienischen Nationalstaat und dem Oberhaupt der katholischen Kirche strittig gewesen und von keiner der liberalen Regierungen gelöst worden waren. Mussolini hatte in den letzten Stadien persönlich in die Verhandlungen eingegriffen und dabei auch den Widerstand des Königs überwinden müssen, der als Kirchengegner erzogen worden war und es anfänglich strikt ablehnte, dem Papst ein Mitspracherecht in den inneren Angelegenheiten Italiens einzuräumen, geschweige denn Territorium mitten in Rom abzutreten. Die Bekanntgabe der Verhandlungsergebnisse durch Gasparri am 7. Februar 1929 war eine weltweite Sensation. Italien trat 44 Hektar seines Staatsgebietes an den Papst ab, der dadurch wieder Oberhaupt eines souveränen Staates wurde. Als „Kompensation“ für den Verlust des Kirchenstaates 1870 erhielt der Vatikan eine Barzahlung von 750 Millionen Lire und eine Anleihe über eine weitere Milliarde. Im Gegenzug erklärte der Papst die „römische Frage“ für „endgültig und unwiderruflich geschlichtet“. Im Konkordat erkannte der italienische Staat den Katholizismus als „einzige Religion des Staates“ und in diesem Zusammenhang einen substantiellen und institutionalisierten Einfluss der Kirche auf Ehe, Familie und Schule an. Mit der Azione Cattolica akzeptierte der Staat auch die Arbeit der katholischen Jugendorganisationen, die 1930 etwa 700.000 Mitglieder hatten. Die Lateranverträge stabilisierten das faschistische Regime außerordentlich, obwohl sich die Beziehungen zwischen Kirche und Staat bis 1931 keineswegs harmonisch entwickelten. Papst Pius XI. nannte Mussolini am 14. Februar 1929 in einer vielzitierten Wendung den Mann, „den uns die Vorsehung gesandt hat“, befahl außerdem allen Priestern zum Abschluss der täglichen Messe ein Gebet für den König und den Duce , und empfing ihn drei Jahre später auch persönlich. Über die Einordnung der außenpolitischen Linie Mussolinis wird nach wie vor kontrovers diskutiert. Ein Teil der neueren Arbeiten unterscheidet strikt zwischen den Worten und den Taten des Diktators. Dabei wird die ältere „intentionalistische“ These, Mussolini habe die Propagandaformeln über das „neue Römische Reich“ ernstgenommen und die italienische Außenpolitik – mit dem letzten Ziel einer kriegerischen Auseinandersetzung mit Frankreich und Großbritannien um die Kontrolle über das Mittelmeer – nach 1926 „ideologisch“ ausgerichtet, als „beinahe absurd“ zurückgewiesen. Der profilierteste Kritiker der Intentionalisten ist der australische Historiker Richard Bosworth, der die Ziele und Mittel der Außenpolitik Mussolinis in eine Kontinuität der „Mythen des Risorgimento“ einordnet und bestreitet, dass es überhaupt so etwas wie einen genuinen, vom „traditionellen“ unterscheidbaren „faschistischen“ Imperialismus gegeben habe. Die direkt entgegengesetzte Position vertritt maßgeblich der amerikanische Historiker MacGregor Knox, der die seiner Lesart nach „revolutionäre“ Außenpolitik des Regimes ganz aus dem „Willen“ des Diktators, dessen Programm schon Mitte der 20er Jahre in allen wesentlichen Details festgestanden habe, ableitet; Knox geht dabei – ähnlich wie ältere italienische Historiker, darunter Gaetano Salvemini – von einem Kontinuitätsbruch in der Außenpolitik aus. Eine heute „dominierende nationalistische Denkschule“ in Italien vertritt im Anschluss an die Arbeiten Renzo De Felices eine dritte Position, die den Außenpolitiker Mussolini mit einem nicht selten rechtfertigenden Unterton vor allem als „Realpolitiker“ beschreibt. Im April 1927 schloss Italien einen Freundschaftsvertrag mit Ungarn, dem am stärksten an einer Revision der Friedensverträge interessierten Land. Italien lieferte Waffen an Ungarn und begann, ungarische Offiziere und Piloten auszubilden, obwohl Ungarn im Vertrag von Trianon ähnliche Rüstungsbeschränkungen wie Deutschland auferlegt worden waren. Paris und Belgrad antworteten im Dezember 1927 mit einem bilateralen Beistandsvertrag. Mussolini hatte zu diesem Zeitpunkt bereits damit begonnen, den Führer der kroatischen faschistischen Ustascha-Bewegung Ante Pavelić zu fördern. In der Nähe von Parma entstand ein getarntes Ausbildungszentrum, in dem dessen Anhänger politisch und militärisch geschult wurden. Dass Mussolini die kroatischen Faschisten, die in Jugoslawien Anschläge verübten, unterstützte, war in den Außenministerien Europas bald bekannt. Nach der Ausrufung der Republik in Spanien unterstützte Italien einzelne Protagonisten der antirepublikanischen Rechten. Mussolini war nicht bereit, hinzunehmen, dass sich in Frankreich eine politisch aktive Gemeinde antifaschistischer Emigranten etablierte; 1929 kam es wegen dieser Frage zu zwei schweren diplomatischen Krisen. Zur Unterzeichnung des Briand-Kellogg-Paktes im August 1928 schickte Mussolini demonstrativ nur den italienischen Botschafter, während andere Unterzeichnerstaaten durch ihre Außenminister vertreten wurden. Bei der Londoner Flottenkonferenz lehnte Frankreich 1930 die von Italien geforderte Flottenparität ab, da es keine territorialen Garantien erhalten hatte. Dazu waren weder Großbritannien noch die Vereinigten Staaten bereit. Die Minderheitenfrage war eine weitere Quelle ständiger außenpolitischer Verwicklungen. Mussolini war entschlossen, die „ethnischen Überbleibsel“ in Italien zu beseitigen und autorisierte sogar vergleichbare Maßnahmen auf dem Dodekanes, wo das faschistische Regime Italienisch als Schulsprache einführte und alle griechischen Zeitungen verbot. Dies hielt ihn nicht davon ab, sich in Paris über die Behandlung der italienischen Gemeinde in Tunis und in London über die Zurückdrängung der italienischen Sprache auf Malta zu beklagen. Der Einflussgewinn Deutschlands, der sich ab 1931 abzuzeichnen begann, führte vorübergehend zu einer gewissen Annäherung zwischen Paris und Rom. Im März 1931 gestand Frankreich Italien in einer gemeinsamen Erklärung die maritime Parität zu. Beide Länder gingen gegen den Plan einer deutsch-österreichischen Zollunion vor, der im gleichen Monat bekanntgeworden war. Eine regelrechte „Entente“, die die Regierung Herriot 1932 zumindest erwog, lehnte Mussolini allerdings – anders als der durchaus frankophobe Grandi, der dennoch das erstarkende Deutschland als größte Gefahr für die Stellung Italiens einschätzte – ab. Im Juli 1932 entließ Mussolini Grandi und übernahm wieder selbst das Außenministerium. Die Entwicklung der antidemokratischen Rechten in Deutschland wurde von den italienischen Faschisten aufmerksam beobachtet. Mussolini verfügte neben den Berichten der italienischen Botschaft über eine Vielzahl weiterer ausgezeichneter Informationsquellen, unter denen vor allem Giuseppe Renzetti herausragt, der Gründer der italienischen Handelskammer in Berlin und „Schattenbotschafter“ des Duce. Renzetti gelang es im Laufe der zwanziger Jahre, direkte persönliche Beziehungen zu den Führern der DNVP, des Stahlhelm, der NSDAP sowie zu einflussreichen konservativen Journalisten und Industriellen herzustellen. Er wurde am 16. Oktober 1930 von Mussolini erstmals zu einer persönlichen Unterredung empfangen und beauftragt, im Namen Mussolinis Kontakt zu Hitler und Göring zu halten. Am 24. April 1931 empfing Mussolini mit Hermann Göring den ersten führenden Nationalsozialisten in „Audienz“. Die Kontaktversuche zwischen dem Führungspersonal der NSDAP und Mussolini waren älter, bis zum Wahlerfolg der Partei bei der Reichstagswahl 1930 aber sehr einseitig. Schon im November 1922 hatte Mussolini einen Bericht des italienischen Diplomaten Adolfo Tedaldi erhalten, in dem dieser auf Hitler, den „Führer der Faschisten“ in Bayern, hinwies. Dieser trete für ein deutsch-italienisches Bündnis ein und erkenne die italienische Position in der Südtirol-Frage an. Hitler hat offenbar 1922 und 1923 erfolglos versucht, über Kurt Lüdecke mit dem von ihm bewunderten Mussolini in Verbindung zu treten. Ähnliche Vorstöße wurden 1927 und noch einmal 1930 von Mussolini abgewiesen, obwohl ihm bis dahin immer wieder wohlwollende Berichte von Italienern vorgelegt worden waren, die Hitler getroffen hatten. Der Mussolini-Biograph Renzo De Felice hält es dennoch für möglich, dass die NSDAP in dieser Phase unregelmäßig Geld aus einem Fonds des italienischen Konsulats in München erhielt. Ebenso wie seine faschistischen Untergebenen misstraute Mussolini allen Vertretern des revanchistischen und alldeutschen Nationalismus nördlich der Alpen grundsätzlich. Hitler erschien mit seiner Anerkennung der Annexion Südtirols durch Italien zwar als beinahe singuläre Erscheinung auf der deutschen Rechten, vertrat aber ein mit der Unabhängigkeit Österreichs – wo Mussolini seit 1927 die Heimwehr-Bewegung mit Geld und Waffen und seit 1932 die Politik des Bundeskanzlers Engelbert Dollfuß unterstützte – unvereinbares großdeutsches Programm, worauf Mussolinis Zeitschrift Gerarchia im September 1930 warnend hinwies. Persönlich bereitete Mussolini außerdem der aggressive Antisemitismus und völkische Rassismus der Nationalsozialisten Probleme – auch wenn diese Frage zu keinem Zeitpunkt im Vordergrund seiner Überlegungen stand. Im Gespräch mit dem Heimwehr-Führer Starhemberg bekannte er, kein „besonderer Freund der Juden“ zu sein, der nationalsozialistische Antisemitismus aber sei „einer europäischen Nation unwürdig“. Mussolini teilte die den italienischen Eliten geläufigen Abwertungen von Nichteuropäern und Slawen , lehnte den biologisch begründeten Rassismus aber zumindest bis 1934 auch öffentlich scharf ab. Die Blut-und-Boden-Ideologie und das Konzept einer Nation als „Abstammungsgemeinschaft“, das in den Ideologien der deutschen Rechten seit dem Ersten Weltkrieg Gemeingut war, blieben Mussolini zeitlebens fremd. Sein Rassismus war „voluntaristisch“ – Italiener war für Mussolini, wen er einer bestimmten Spielart sozialer, kultureller und politischer Zivilisation zurechnen konnte. Hingegen war er davon überzeugt, dass Teile des italienischen Volkes nicht Teil der „Nation“ seien: Florentiner seien Unruhestifter, Neapolitaner nutz- und disziplinlos usw. Dagegen hätten sich die italienischen Juden als Bürger und Soldaten bewährt. Gleichwohl tolerierte Mussolini eine antisemitische Strömung des Faschismus, die sich um die Zeitschrift La Vita Italiana und deren Herausgeber Giovanni Preziosi gesammelt hatte. Im Frühjahr 1933 forderte er die Faschisten im Popolo d’Italia auf, den Judenboykott der Nationalsozialisten im Kontext zu betrachten und darüber nicht zu „moralisieren“. Hitler hat Mussolini noch am 30. Januar 1933 ein Telegramm gesandt, in dem er einmal mehr seine persönliche Wertschätzung für den Duce kundtat. Mussolini seinerseits versuchte bis 1934, gegenüber Hitler eine gönnerhafte, Patronage simulierende Haltung einzunehmen. So riet er ihm im Frühjahr 1933 schriftlich, vom Antisemitismus abzulassen. Auch das erste Zusammentreffen der beiden Diktatoren am 14./15. Juni 1934 inszenierte Mussolini mit diesem Vorsatz. Hitler hatte um eine informelle Zusammenkunft gebeten und war als „Privatmann“ wie ein „Klempner im Regenmantel“ nach Venedig gereist, wurde von Mussolini aber mit einem großen Presseaufgebot und einem letztlich fehlgeplanten pompösen Empfang überrascht, der erfolglos Eindruck zu machen suchte. Beide unterhielten sich mehrmals allein auf Deutsch, was Mussolini mit Sicherheit überforderte. Hitler irritierte Mussolini bereits bei diesem ersten Treffen mit endlosen Monologen; gleichwohl war Mussolini offenbar davon überzeugt, Hitler die Hoffnung auf einen „Anschluss“ Österreichs ausgeredet zu haben, während Hitler Italien mit dem Eindruck verließ, Mussolini habe keine Einwände gegen eine von der NSDAP geführte österreichische Regierung. Diplomatisch suchte Mussolini den deutschen Revisionismus zunächst mit einem Viermächtepakt, den er bereits im Oktober 1932 vorgeschlagen hatte, unter Kontrolle zu bringen. Vertreter Frankreichs, Deutschlands, Großbritanniens und Italiens unterzeichneten ihn im Juli 1933 in Rom. Der Vertrag wurde jedoch durch den Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund am 14. Oktober 1933 im Zusammenhang mit dem Reichskonkordat vom 20. Juli 1933 gegenstandslos und somit nie ratifiziert. Parallel versuchte Mussolini, die italienische Position durch eine Reihe von diplomatischen Manövern zu festigen, die sich im Kern alle gegen Deutschland richteten; in diese Reihe gehören der Freundschafts- und Nichtangriffsvertrag mit der Sowjetunion und die Abkommen mit Ungarn und Österreich im März 1934 . Hastig entworfene Pläne für ein von Italien kontrolliertes Paktsystem in Südosteuropa, das neben Ungarn auch Jugoslawien, Bulgarien, Griechenland und die Türkei einbinden sollte, scheiterten an französischem Widerstand, den denkbar schlechten italienisch-jugoslawischen und italienisch-griechischen Beziehungen sowie an der Weigerung Ungarns, seine antijugoslawische Haltung zu mäßigen. Während des Ersten Weltkrieges hatte sich der Zugriff Italiens auf seine kolonialen Besitzungen stark gelockert. In Tripolitanien und der Cyrenaika kontrollierte es 1919 nur noch die größeren Städte an der Küste. Als Mussolini Ministerpräsident wurde, hatte die Kolonialadministration bereits mit der sogenannten riconquista des Hinterlandes begonnen. Die Planung hierfür war maßgeblich von Giuseppe Volpi und Giovanni Amendola vorangetrieben worden. Während die „Pazifizierung“ Tripolitaniens unter der militärischen Leitung Rodolfo Grazianis relativ rasch abgeschlossen wurde, zog sie sich in der Cyrenaika bis 1932/33 hin. Hier fiel ein Drittel der Bevölkerung einer Politik zum Opfer, der der italienische Historiker Angelo Del Boca „Wesen und Ausmaß eines echten Genozids“ bescheinigt hat. Um den fruchtbaren Boden für eine landwirtschaftliche Nutzung durch italienische Siedler zu sichern und eine Reserve günstiger und ständig verfügbarer Arbeitskräfte zu schaffen, zerstörte die italienische Armee seit 1930 systematisch die Gesellschaft der halbnomadisch lebenden Viehzüchter des Gebel el-Achdar. Der Viehbestand wurde fast völlig vernichtet, etwa 100.000 Menschen wurden in Konzentrationslagern an der Küste festgehalten, wo die Hälfte bis zur Auflösung der Lager im Jahr 1933 – meist durch Verhungern – zu Tode kam. Bei Luftangriffen kamen immer wieder chemische Waffen zum Einsatz, obwohl Italien im Juni 1925 zu den Signatarstaaten des Genfer Protokolls gehört hatte. Mussolini spielte in diesem Zusammenhang eine eher zweideutige Rolle. Er war jederzeit bereit, brutalste Maßnahmen zu autorisieren oder im Nachhinein zu billigen, ergriff jedoch zu keinem Zeitpunkt die Initiative, die eindeutig bei Badoglio , Graziani und anderen lag. Die großflächigen, entschädigungslosen Landenteignungen, das rigorose Steuersystem und die soziale und räumliche Trennung der europäischen, jüdischen und arabischen Einwohner hat maßgeblich Volpi konzipiert. Mussolini ließ Kritiker der „Pazifizierung“ wie De Bono und Roberto Cantalupo, die beide auf ein gegen Großbritannien und Frankreich gerichtetes Bündnis mit dem arabischen Nationalismus setzten, gewähren. Deren Position scheint auch seinen Intentionen entsprochen zu haben. Als Mussolini im April 1926 zum ersten Mal die nordafrikanische Kolonie besuchte, inszenierte er sich als „Verteidiger des Islam“. 1929 wies er Badoglio an, einen Waffenstillstand mit dem Rebellenführer Umar al-Muchtar auszuhandeln. In der Pose eines wohlwollenden Beschützers gefiel er sich auch bei seinem zweiten Besuch im März 1937, als er sich von einheimischen Würdenträgern in Tripolis das „Schwert des Islam“ überreichen ließ. Obwohl das „Imperium“ im Laufe der 30er Jahre zu einem zentralen Element der faschistischen Propaganda wurde, scheint Mussolini keine klare Vorstellung davon gehabt zu haben, welcher politische, militärische oder ökonomische Nutzen aus den Kolonien gezogen werden könne. Die neuere Forschung hat darauf hingewiesen, dass die Eroberung Äthiopiens erfolgte, ohne dass Mussolini „auch nur die blasseste Ahnung hatte, was mit diesem großen Zuwachs an Territorium und Menschen anzufangen war.“ Nachdem er im Dezember 1937 Graziani abgelöst und den Herzog von Aosta zum Vizekönig von Äthiopien ernannt hatte, überließ er die dortige, von Korruption und Cliquenkämpfen zerrüttete Kolonialverwaltung sich selbst. Auch Libyen war wirtschaftlich ein Verlustgeschäft ; es wurde erst in der zweiten Hälfte der 30er Jahre Aufnahmeort einer nennenswerten Zahl italienischer Auswanderer – nach faschistischer Lesart eine der wichtigsten Funktionen der Kolonien. Die Details der „Pazifizierung“ in Libyen blieben in Italien lange Zeit unbekannt. Erst in den letzten Jahrzehnten sind sie durch die Arbeiten der Historiker Giorgio Rochat und Angelo Del Boca stärker in den Blickpunkt gerückt. Die Auseinandersetzung mit dieser Vergangenheit ist vor allem deshalb konfliktträchtig, weil sie eher Teil einer „nationalen“ als einer „faschistischen“ Kolonialgeschichte ist. Schon 1914/15 waren etwa 10.000 Libyer bei der Niederschlagung eines Aufstands ums Leben gekommen. Die Kolonialmacht ging bald nach ihrer Ankunft gegen die Viehzüchter der Cyrenaika systematisch vor. Nationalistische Intellektuelle hatten bereits vor dem Ersten Weltkrieg offen über die „Vorteile“ einer Verdrängung oder Vernichtung der einheimischen Bevölkerung nachgedacht. Den Einsatz chemischer Waffen in den Kolonien räumte das italienische Verteidigungsministerium erst Mitte der 90er Jahre offiziell ein. Auf den Besuch Hitlers in Venedig folgte zunächst eine dramatische Verschlechterung der deutsch-italienischen Beziehungen. Beim Juliputsch vom 25. Juli 1934, einem Putschversuch österreichischer Nationalsozialisten, wurde der von Mussolini protegierte Bundeskanzler Engelbert Dollfuß getötet. Dessen Familie verbrachte gerade den Urlaub zusammen mit den Mussolinis in Riccione, so dass Mussolini persönlich Dollfuß’ Ehefrau die Nachricht vom Tod ihres Mannes überbrachte. Am 21. August traf sich Mussolini mit Dollfuß’ Nachfolger Kurt Schuschnigg. Er ließ am Brennerpass vier voll mobilisierte Divisionen aufmarschieren und initiierte eine antideutsche Pressekampagne, die bis 1935 andauerte. Mussolini richtete nun auch öffentlich heftige Angriffe gegen die NS-Ideologie. Am 6. September 1934 nahm er in Bari Stellung zur expansiven NS-Außenpolitik und erklärte, dass die nationalsozialistische Rassedoktrin von jenseits der Alpen von Nachkommen eines Volkes stamme, das „zur Zeit, als Rom Cäsar, Vergil und Augustus hatte, noch keine Schrift kannte.“ Gleichzeitig setzte er in den von ihm beanspruchten Einflusszonen gerade in dieser Phase auf Mittel gewaltsamer Destabilisierung. Am 9. Oktober 1934 ermordete der in einem Lager der Ustascha in Italien ausgebildete Selbstmordattentäter Wlado Tschernosemski den jugoslawischen König Alexander I. und den französischen Außenminister Louis Barthou in Marseille. Die danach von Frankreich geforderte Auslieferung Pavelićs und anderer kroatischer Faschisten lehnte Mussolini ab. Im gleichen Jahr konferierte er mit spanischen Offizieren und Monarchisten und versprach ihnen Waffen und Geld, nachdem er bereits den gescheiterten Putsch des Generals José Sanjurjo im August 1932 auf ähnliche Weise unterstützt hatte. Die „Anschluss-Krise“ des Jahres 1934 führte zunächst zu einer weiteren Annäherung zwischen Italien, Frankreich und Großbritannien. Im Oktober 1934 reiste Robert Vansittart, der höchste Beamte des britischen Außenministeriums, nach Rom und sicherte Mussolini die Rückendeckung Großbritanniens in der Österreich-Frage zu. Im Januar 1935 unterzeichneten Mussolini und der neue französische Außenminister Pierre Laval eine Reihe von Vereinbarungen , die Konsultationen bei allen Österreich und Deutschland berührenden Fragen sowie die Aufnahme von Generalstabsbesprechungen vorsahen. Frankreich trat außerdem 110.000 Quadratkilometer von Französisch-Äquatorialafrika und 20.000 Quadratkilometer von Französisch-Somaliland an Italien ab, das im Gegenzug auf seit dem 19. Jahrhundert erhobene Ansprüche in Tunesien verzichtete. Außerdem erklärte Laval – allerdings lediglich inoffiziell –, dass Frankreich, das die Eisenbahnlinie von Djibouti nach Addis Abeba kontrollierte, von allen weitergehenden Ansprüchen in Äthiopien zurücktrete . Am 30. Dezember 1934 hatte Mussolini den italienischen Generalstab angewiesen, einen Krieg gegen Äthiopien vorzubereiten; den Anlass dafür bot ein schwerer Grenzzwischenfall, bei dem am 5. Dezember zwei Italiener getötet worden waren. Mussolini sah in Äthiopien, das 1896 einen italienischen Angriff abgewehrt hatte und seit 1923 Mitglied des Völkerbundes war, den „Preis“, den Italien für seine „konstruktive“ Politik in Europa fordern könne. Als er im April 1935 mit Laval, Flandin, Simon und MacDonald in Stresa zusammentraf und eine Deklaration unterzeichnete, in der die drei Mächte ihre Entschlossenheit betonten, die durch die Friedensverträge geschaffenen Grenzen in Mitteleuropa zu verteidigen , bemühte er sich, die britische Haltung in dieser Frage zu eruieren. Die Indifferenz der Briten deutete er als Einverständnis. Mussolinis Denkweise und Taktik war dabei im Ansatz alles andere als innovativ oder genuin „faschistisch“, sondern folgte einem seit dem 19. Jahrhundert etablierten Muster der italienischen Außenpolitik. Zuletzt hatte 25 Jahre früher der liberale Ministerpräsident Giovanni Giolitti die durch die Spannungen zwischen den stärkeren europäischen Mächten geschaffene günstige Situation genutzt, um den Krieg gegen die Türkei zu führen. Bei näherer Betrachtung „hat der italienische Krieg von 1935/36 ziemlich viel mit dem italienischen Krieg von 1911/12 gemeinsam.“ Stresa stellte die Weichen für eine „diplomatische Katastrophe“, da Mussolini den Einfluss der politischen Kräfte in Großbritannien, die zu einer langfristigen Verständigung mit Deutschland kommen wollten und weder interessiert noch bereit waren, Italien für die Verteidigung der Unabhängigkeit Österreichs kolonial derart weitgehend zu „entschädigen“, völlig unterschätzte. Nicht in Rechnung gestellt hatte Mussolini auch die Gruppe um Anthony Eden, die in Europa weiterhin auf die Mechanismen des Völkerbundes setzte und 1935 die öffentliche Meinung in Großbritannien auf ihrer Seite hatte. Politiker wie Churchill, Vansittart und Austen Chamberlain, die durchaus bereit waren, Italien in Ostafrika freie Hand zu lassen, hatten ihren Einfluss 1935 ganz oder teilweise verloren. Das wurde mit dem deutsch-britischen Flottenabkommen, das die Stresa-Deklaration bereits nach zwei Monaten faktisch entwertete, offensichtlich . Dass die Briten kurz darauf einen Teil der Home Fleet ins Mittelmeer verlegten, war für Mussolini ein Schock. Für sein „realistisches“ Weltverständnis nicht nachvollziehbar waren die plötzlichen „antikolonialen Predigten von Leuten, die selbst halb Afrika kontrollierten und es ganz gewiss nicht friedlich erworben hatten.“ Er ließ trotz der Bedenken seiner Militärs den begonnenen Aufmarsch in Eritrea und Italienisch-Somaliland fortsetzen und wies die über unterschiedliche Kanäle lancierten Vermittlungsvorschläge zurück. Eine spannungsreiche Unterredung mit Eden im Juni endete ergebnislos. Mussolini, der die Abtretung aller äthiopischen Territorien außerhalb des amharischen Kernlandes und ein italienisches Protektorat über den verbleibenden Rest gefordert hatte, brach das Treffen wütend ab, als Eden ihm „eine weitere Wüste“, den Ogaden, anbot. Am 3. Oktober 1935 überschritten italienische Truppen von Eritrea aus die äthiopische Grenze . Sechs Tage später erklärte der Völkerbund Italien formell zum Aggressor, Mitte November traten Wirtschaftssanktionen in Kraft. Neben Einschränkungen im Finanzbereich sperrte der Völkerbund eine Reihe von Gütern für den Handel mit Italien. Das von allen Beobachtern als potenziell einschneidend angesehene Ölembargo unterblieb jedoch. Ein britisch-französischer Vermittlungsvorschlag , der Italien sehr weit entgegenkam und von Mussolini wahrscheinlich akzeptiert worden wäre, sickerte frühzeitig an die Presse durch und wurde im Dezember 1935 im britischen Parlament abgelehnt. Mussolini, der den unfähigen De Bono nach ersten Rückschlägen im November durch Badoglio ersetzt hatte, ordnete nun einen Vorstoß auf Addis Abeba und die Verlegung weiterer Kräfte und Mittel nach Ostafrika an. Als am 20. Januar 1936 die Offensive begann, waren zwischen 350.000 und 400.000 Mann mit 30.000 Fahrzeugen und 250 Flugzeugen aufmarschiert – die größte je in einem Kolonialkrieg versammelte Armee. Die italienische Armee setzte auf Initiative Badoglios – und von Mussolini autorisiert – nun auch Giftgas ein. Flugzeuge warfen bis zum Ende des Krieges etwa 250 Tonnen Bomben mit Senfgas ab. Am 5. Mai 1936 rückten italienische Truppen in Addis Abeba ein. Mussolini verkündete am 9. Mai 1936 in Rom vor einer begeisterten Menschenmenge die Annexion Äthiopiens und „die Rückkehr des Imperiums auf die heiligen Hügel von Rom.“ Viktor Emanuel III. nahm den Titel eines Kaisers von Äthiopien an. Auch wenn Renzo De Felices affirmative Kennzeichnung des Äthiopienkrieges als „politisches Meisterstück“ Mussolinis und die damit zusammenhängende These eines „Konsenses“ zwischen dem „italienischen Volk“ und dem Regime höchst umstritten ist, so wird doch kaum bezweifelt, dass das Regime in den Jahren 1935 und 1936 den Höhepunkt innerer Stabilität erreichte; der aktive und bewusste Antifaschismus in Italien war in dieser Phase auf einige wenige isolierte Zirkel beschränkt. Im Juli 1936 hob der Völkerbund die Wirtschaftssanktionen wieder auf. Im westlichen Ausland kehrte der Krieg das Bild des italienischen Faschismus allerdings vollständig um. Er beendete die „Liebesbeziehung zwischen den ausländischen Journalisten und Mussolini“ und verschaffte dem italienischen Diktator insbesondere in der ihm bis zu diesem Zeitpunkt eher wohlgesinnten konservativen britischen Presse ein langzeitig wirksames Image als „Gangster“ und „unrasierter Rowdy“. Die ersten Schritte zur Verbesserung der deutsch-italienischen Beziehungen unternahm Mussolini noch vor dem Beginn des Äthiopienkrieges. Einige Monate später, am 6. Januar 1936, nach dem Scheitern des Hoare-Laval-Pakts und dem Zusammenbruch der „Stresa-Front“, teilte Mussolini dem überraschten deutschen Botschafter Ulrich von Hassell mit, dass Italien nichts gegen eine Ausweitung des deutschen Einflusses in Österreich unternehmen werde, solange das Land formell unabhängig bleibe . Im Februar deutete er – ebenfalls gegenüber von Hassell – an, dass Italien eine Remilitarisierung des Rheinlandes tolerieren werde und trat damit informell von den 1925 in Locarno eingegangenen Verpflichtungen zurück. Im Juni 1936 entließ Mussolini den „germanophoben“ Triestiner Fulvio Suvich, der bis dahin als Staatssekretär das Außenministerium geführt hatte. Außenminister wurde Mussolinis 33-jähriger Schwiegersohn Galeazzo Ciano, der zu diesem Zeitpunkt einer der enthusiastischen Befürworter der Annäherung an Deutschland war. Der Bürgerkrieg in Spanien beschleunigte die weitere Vertiefung der Beziehungen. Hitler und Mussolini hatten zunächst unabhängig voneinander entschieden, in Spanien zugunsten der Putschisten zu intervenieren – Mussolini allerdings erst nach längerem Zögern am 27. Juli 1936, nachdem klar geworden war, dass die konservative Regierung Großbritanniens die Republik nicht unterstützte und die französische Volksfront-Regierung unter Léon Blum ihre anfängliche Unterstützung nach Absprache mit Großbritannien rückgängig gemacht hatte. Ciano reiste im Oktober 1936 nach Berchtesgaden und unterzeichnete nach Gesprächen mit Hitler am 25. Oktober ein Abkommen. Deutschland erkannte die italienische Annexion Äthiopiens an und erklärte sich mit einer Abgrenzung der wirtschaftlichen Einflusssphären in Südosteuropa einverstanden. Beide Länder vereinbarten eine Abstimmung ihrer Hilfsmaßnahmen für Franco und ein gemeinsames Vorgehen im sogenannten Nichteinmischungskomitee. Mündlich erklärte Hitler das Mittelmeer zu einem „italienischen Meer“ und beanspruchte im Gegenzug Handlungsfreiheit im Ostseeraum und in Osteuropa. Mussolini machte den damit erreichten Stand der deutsch-italienischen Beziehungen am 1. November 1936 in einer Rede auf der Piazza del Duomo in Mailand öffentlich. Darin sprach er erstmals von einer politischen „Achse Rom-Berlin“. Die Einladung Hitlers zu einem Besuch in Deutschland, die Hans Frank Mussolini bereits im September 1936 überreicht hatte, nahm er zwar an, zögerte aber mit der Festlegung auf einen Termin. Auch dem Antikominternpakt trat Italien zunächst nicht bei. Ein britisch-italienisches Gentlemen’s Agreement, mit dem beide Länder im Januar 1937 den territorialen Status quo im Mittelmeerraum anerkannten, deutete an, dass Mussolini weiterhin auf einen Ausgleich mit den Briten spekulierte – es wurde jedoch „bald vergessen“, da sich die Beziehungen zwischen beiden Mächten kontinuierlich verschlechterten. Ende August 1937 griff ein italienisches U-Boot vor der spanischen Küste den britischen Zerstörer Havock an. Den Briten blieb auch nicht verborgen, dass Italien 1936/37 begann, antikoloniale Nationalisten in verschiedenen Teilen des britischen Herrschaftsbereiches finanziell, politisch und materiell zu fördern, darunter in Malta, Ägypten, Palästina und im Irak. Im Juni 1937 sagte Mussolini schließlich zu, im September Deutschland zu besuchen. Der Deutschlandbesuch war Mussolinis erste Auslandsreise seit 1925 und der einzige offizielle Staatsbesuch, den er je unternommen hat. Mussolini besuchte München, Garnisonkirche und Schloss Sanssouci in Potsdam, die Krupp-Werke in Essen und ein Manöver der Wehrmacht in Mecklenburg. Höhepunkt war eine Rede vor 800.000 Menschen auf dem Berliner Maifeld am 28. September. Mussolini war von dem, was er in Deutschland sah, außerordentlich stark beeindruckt. Im November 1937 trat Italien dem Antikominternpakt bei und kurz darauf aus dem Völkerbund aus. Im Gespräch mit Joachim von Ribbentrop bezeichnete Mussolini den „Anschluss Österreichs“ an das Reich nun als unvermeidlich. Als dieser im März 1938 erfolgte, reagierte Italien nicht. Mussolini rechnete nun mit einer unmittelbar bevorstehenden Konfrontation zwischen Deutschland und der mit Frankreich und der Sowjetunion verbündeten Tschechoslowakei. Das von Hitler bei seinem Gegenbesuch in Rom im Mai 1938 ins Gespräch gebrachte Militärbündnis lehnte er deshalb ab, zumal Großbritannien die italienische Annexion Äthiopiens am 16. April 1938 formell anerkannt hatte. Während der Sudetenkrise blieb Mussolini bis zuletzt im Hintergrund, spielte dann aber unvermittelt eine wichtige Rolle. Am 28. September 1938 trug der britische Premierminister Neville Chamberlain seinen Vorschlag einer Konferenz der vier europäischen Großmächte über Mussolini an Hitler heran. Als dieser eingewilligt hatte, telefonierte der italienische Botschafter die ihm von Göring übermittelten deutschen Forderungen von Berlin nach Rom durch. Mussolini nahm dieses Papier anschließend mit nach München und präsentierte es dort als italienischen „Kompromissvorschlag“, der von der Konferenz in den frühen Morgenstunden des 30. September schließlich angenommen wurde . Da die italienische Presse Mussolinis dem Anschein nach „entscheidende“ Rolle in München gebührend herausstellte, wurde er bei seiner Rückkehr an nahezu jeder Bahnstation von tausenden Menschen als „Retter Europas“ gefeiert. Nach München war Mussolini mehr denn je entschlossen, die durch Deutschland ausgelöste europäische Krise zugunsten Italiens auszunutzen. Jetzt ließ er auch die italienischen Maximalforderungen öffentlich machen. Als Ciano am 30. November 1938 vor der Abgeordnetenkammer in Anwesenheit des französischen Botschafters über die „natürlichen Ansprüche des italienischen Volkes“ sprach, sprangen auf ein Stichwort hin plötzlich zahlreiche Abgeordnete auf und riefen „Nizza! Korsika! Savoyen! Tunesien! Djibouti! Malta!“. Vor dem Großrat dehnte Mussolini diesen Katalog an diesem Tag noch auf Albanien und einen Teil der Schweiz aus. Vor dem gleichen Gremium nannte er Italien am 4. Februar 1939 einen „Gefangenen des Mittelmeers“: Ein derart umfangreiches Programm ließ sich entweder nur durch Krieg oder durch massiven diplomatischen Druck – und in beiden Fällen nicht ohne das Gewicht Deutschlands – verwirklichen. Mussolini nahm nun, angeregt zum Teil von der italienischen Militärführung, Kurs auf das im Vorjahr noch abgelehnte Militärbündnis, obwohl die Besetzung Böhmens und Mährens durch Deutschland im März zu erheblichen Irritationen in Rom führte. In der Sitzung des Großrates vom 21. März 1939, bei der insbesondere Balbo die italienische Außenpolitik angriff, stellte Mussolini Italien ganz offen als Juniorpartner Deutschlands hin: Deutschland sei Italien demographisch im Verhältnis 2:1 und industriell im Verhältnis 12:1 überlegen. Die Gefahr, gegen den eigenen Willen von dem offenbar unberechenbaren Hitler in einen europäischen Krieg verwickelt zu werden, spielte er im Gespräch mit Ciano herunter. Albanien, schon länger unter starkem italienischen Einfluss, wurde am 7. April 1939 von italienischen Truppen besetzt. Anfang Mai 1939 stimmte Mussolini nach einem neuerlichen Besuch Ribbentrops schließlich dem deutsch-italienischen Militärbündnis zu. Ciano und Ribbentrop unterzeichneten diesen sogenannten „Stahlpakt“ am 22. Mai 1939 in Anwesenheit Hitlers in Berlin. Italien erhielt in der Präambel endlich die lange angestrebte, bislang aber von Hitler nur mündlich ausgesprochene verbindliche Anerkennung der deutsch-italienischen Grenze. Im Kern war der Vertrag ein militärisches Offensivbündnis; er sah eine fast automatische, nur durch eine vage Bestimmung über rechtzeitige „Konsultationen“ eingeschränkte Beistandsverpflichtung bei allen militärischen Auseinandersetzungen – also auch eindeutigen Angriffskriegen – vor, in die eine der Parteien verwickelt werden würde. Die von Ciano auf Mussolinis Wunsch in den Vorverhandlungen angesprochene erforderliche Friedensphase von drei Jahren wurde von Ribbentrop zwar mündlich zugesagt, tauchte in dem von deutschen Diplomaten verfassten Vertragstext aber nicht auf. Ob die italienische Seite sich über die Konsequenzen des Vertrages klar war oder aber eine „atemberaubende Unfähigkeit“ Cianos den Deutschen in die Karten spielte, ist umstritten. Mussolini unterstrich den Vorbehalt noch einmal in einem Memorandum, das er Hitler am 30. Mai durch Ugo Cavallero überbringen ließ. Ab etwa 1936 durchlief das Regime eine selbst proklamierte neue Phase der faschistischen „Revolution“. Die Debatte darüber, ob es sich bei dieser Entwicklung um eine genuine Radikalisierung und die sukzessive Entstehung eines totalitären Parteistaates handelte – eine These, die stilbildend vor allem der De Felice-Schüler Emilio Gentile vertritt – oder es aber beim Versuch Mussolinis blieb, es „so aussehen zu lassen, als durchlaufe der Faschismus eine neue und ultraradikale Phase“, ist nicht beendet. In der Ära des Parteisekretärs Achille Starace änderte sich der politische Stil der faschistischen Partei signifikant. Nach den von Turati und Giuriati betriebenen Massenausschlüssen der „Radikalen“ und dem parallelen Zustrom konservativer Funktionseliten öffnete sich die Partei nach 1932 für die Massen. 1939 soll die Hälfte der italienischen Bevölkerung entweder der Partei oder einer ihrer zahlreichen Vorfeld-, Neben- und Hilfsorganisationen angehört haben. Diese Entwicklung wurde diskret gefördert, etwa dadurch, dass die Mitgliedschaft im PNF bei Bewerbungen auf Stellen im öffentlichen Dienst spätestens seit 1937 als selbstverständlich vorausgesetzt wurde. 1939 wurde die Mitgliedschaft in der faschistischen Jugendorganisation für heranwachsende Italiener obligatorisch. Durch regelmäßige Aufmärsche und Veranstaltungen aller Art, für die der 1935/36 eingeführte „faschistische Samstag“ reserviert war, besetzte die Partei nun viel stärker den öffentlichen Raum als vorher. Eine Reihe von Kampagnen zielte darauf ab, das gesellschaftliche Leben zu militarisieren und die Italiener härter zu machen. Bekannt geworden ist vor allem die Kampagne gegen die „bürgerliche“ Höflichkeitsform Lei, die im persönlichen Umgang durch das „volkstümliche“ voi ersetzt werden sollte. Eine Kampagne gegen Anglizismen setzte für den inzwischen zum Nationalsport gewordenen Fußball – den die Faschisten und insbesondere Mussolini bis in die erste Hälfte der 30er Jahre weitgehend ignoriert und zum Teil sogar mit dem eigens erfundenen konkurrierenden Sport Volata bekämpft hatten – endgültig die Bezeichnung calcio durch, wodurch nebenbei impliziert wurde, das Spiel sei im Florenz des 16. Jahrhunderts erfunden worden. Politisch koordiniert wurden diese Maßnahmen meist über die Partei und Starace , technisch abgewickelt aber zunehmend über den Apparat des 1937 geschaffenen Ministeriums für Volkskultur . Mussolini trieb diese Entwicklung einer „faschistischen Kultur“ mit einer Vielzahl von Reden voran, in denen er den totalitären und revolutionären Charakter einer „dritten Welle“ des Faschismus herausstellte. Formale Veränderungen in der Struktur der Staatsführung liefen parallel. Mitunter wird der Titel „Erster Marschall des Imperiums“ , den Mussolini sich im April 1938 übertragen ließ, als Versuch gedeutet, die Stellung des Monarchen zu relativieren. Im Dezember 1938 wurde die aus den Scheinwahlen des Jahres 1934 hervorgegangene Abgeordnetenkammer aufgelöst und im März 1939 ganz abgeschafft. Als Ersatz wurde eine „Kammer der Fasci und der Korporationen“ ernannt. Der Senat, das traditionelle Forum der konservativen Eliten, wurde jedoch nicht angetastet – nach Mussolini war „der Senat römisch, die Kammer aber angelsächsisch“. Mussolini reagierte zunehmend „überempfindlich“ auf alle Äußerungen antifaschistischer Dissidenz. Als nach der Demütigung in der Schlacht bei Guadalajara im Frühjahr 1937 die unter italienischen Freiwilligen der Internationalen Brigaden aufgekommene Losung „Heute in Spanien und morgen in Italien!“ an Häusern in Italien auftauchte, forderte er Franco auf, gefangene „rote“ Italiener erschießen zu lassen. Hinter der Ermordung der Rosselli-Brüder durch französische Faschisten standen nachweislich Ciano und der italienische Geheimdienst, das Einverständnis Mussolinis gilt als sicher. Das „Flaggschiff“ der neuen Radikalität war die im Sommer 1938 eingeleitete rassistische Wende des Faschismus. Am 14. Juli 1938 – als symbolischer Schlag gegen die Ideale der Aufklärung offenbar bewusst am Jahrestag des Sturmes auf die Bastille – erschien in Il Giornale d’Italia ein „Manifest der Rasse“, das Mussolini von zehn namentlich genannten rassistischen Wissenschaftlern verfassen ließ. Der Text proklamierte in Form eines Dekalogs die Existenz einer homogenen „italienischen Rasse“ „arischen“ Ursprungs. Juden, „Orientalen“ und Afrikaner seien dieser Rasse fremd. Diesem Prolog folgte bis 1939 eine ganze Serie offen diskriminierender rassistischer und antisemitischer Gesetze. Am 3. August 1938 wurden zunächst die Kinder ausländischer Juden vom Schulbesuch ausgeschlossen, im September folgte ein Dekret, das zu definieren versuchte, wer als Jude zu verstehen sei. Am 17. November 1938 verbot ein umfangreiches Dekret die Verheiratung „arischer“ Italiener mit Angehörigen „anderer Rassen“ und regelte im Detail den Ausschluss der Juden aus dem Militär, dem Bildungswesen, der Verwaltung, dem Wirtschaftsleben und der faschistischen Partei. Darüber hinaus wurden alle Juden, die nicht italienische Staatsbürger waren , aus Italien ausgewiesen. Obwohl unter seinen Anhängern Rassisten und Antisemiten waren, hatte der italienische Faschismus einen programmatisch verbindlichen Rassismus bis dahin nicht vertreten. Der ältere antislawische Rassismus hatte bei der Auseinandersetzung mit der slowenischen Minderheit im Nordosten eine konstitutive Rolle gespielt, der politische Antisemitismus aber hatte in Italien – abgesehen von der katholischen Rechten – keine gefestigte Tradition. Das Land, in dem 1938 weniger als 50.000 Juden lebten, hatte nach 1933 sogar 3.000 aus Deutschland geflohene Juden aufgenommen. Zudem waren die italienischen Juden überwiegend sozial etabliert, „patriotisch“ und konservativ. Nicht wenige hatten im lokalen und nationalen Maßstab an sichtbarer Stelle am Aufstieg der faschistischen Bewegung teilgenommen, die Zahl der jüdischen Mitglieder des PNF war überproportional hoch . Vor diesem Hintergrund stieß die von Mussolini fast im Alleingang initiierte antisemitische Wende auf Unverständnis und Widerstand bis in den faschistischen Großrat hinein, wo es aus diesem Anlass am 6. Oktober 1938 zu einer der ganz seltenen scharfen Auseinandersetzungen in Anwesenheit des Duce kam. Dieser Konflikt erklärt zum Teil die große Zahl von Ausnahmeregelungen und die allein im Herbst 1938 von etwa 5.000 Menschen genutzte Möglichkeit, sich durch Konversion zum Katholizismus der Diskriminierung zu entziehen. Physische Übergriffe auf Juden unterblieben, die Ausübung der Religion wurde auch nach 1938 nicht behindert. Die Bevölkerung lehnte diese Gesetze weithin ab; die Lokalbehörden setzten sie mitunter gar nicht oder nur zum Schein um – auch in dieser Frage „folgte das ‚reale Italien‘ nicht immer der offiziellen Linie des ‚legalen Italien‘“. Mussolini hielt es in dieser Frage für geboten, seine „Glaubwürdigkeit“ gelegentlich auch privat zu demonstrieren. Im Gespräch mit dem Anthropologen Guido Landra betonte er im Juli 1938 die „nordische“ Herkunft seiner Familie. Das Tagebuch seiner Geliebten Clara Petacci verzeichnet antisemitische Ausfälle und rassistische Säuberungsphantasien, etwa über die „Ausrottung“ „rassisch degenerierter“ Italiener, in denen Mussolini die Nachkommen römischer Sklaven und Freigelassener sah. In der neueren Literatur wird die rassistische Gesetzgebung indes nicht auf die ohnehin höchst flexiblen ideologischen Fixierungen Mussolinis zurückgeführt. Der ostentative Rassismus war letztlich genauso opportunistisch, inkohärent und hohl wie andere herausgestellte Elemente der Diktatur. Die italienischen Rassengesetze gelten auch als Versuch, das Bündnis mit NS-Deutschland durch Angleichung nach innen abzusichern. Eine wesentliche Rolle spielte auch die nach der Begründung des Impero akut gewordene Überzeugung Mussolinis, dass ein großes Kolonialreich nur von Leuten regiert werden könne, die davon überzeugt waren, einer „höheren Rasse“ anzugehören. Die offene Hinwendung zum Rassismus kühlte die Beziehungen des Regimes zur katholischen Kirche nach dem Tiefpunkt von 1931 erneut ab. Die Eroberung Äthiopiens und mehr noch die Intervention in Spanien hatten den offenen Beifall des Klerus gefunden und zu einer großen öffentlichen Nähe von Kirche und Staat geführt. Die „wissenschaftliche“ Rassenlehre jedoch, wie sie etwa die im Sommer 1938 ins Leben gerufene offiziöse Zeitschrift La difesa della razza propagierte, kollidierte direkt mit dem katholischen Universalismus. Mussolini hat, wie nach der Freigabe der einschlägigen Bestände des vatikanischen Archivs aufgefundene Dokumente belegen, versucht, die Spannungen zu moderieren und dem Papst am 16. August 1938 schriftlich zugesichert, dass die italienischen Juden keiner schlimmeren Behandlung unterworfen werden würden als die Juden im einstigen Kirchenstaat; eine Rückkehr zu den „farbigen Kappen“ und den Ghettos werde es nicht geben. Im gleichen Zusammenhang verlangte er, dass die Kirche sich jeder kritischen Stellungnahme zu den leggi razziali enthalte. Während einzelne italienische Bischöfe und führende katholische Intellektuelle wie Agostino Gemelli die antijüdischen Maßnahmen öffentlich unterstützten, war der alternde und kranke Pius XI. – was Mussolini erheblich irritierte und erboste – offenbar zu einer Kraftprobe, bei der es im Kern um Grundfragen des Einflusses der Kirche auf das öffentliche Leben in Italien ging, entschlossen. Sein Tod verhinderte die Veröffentlichung der vorbereiteten Enzyklika Humani generis unitas; die gedruckten Exemplare einer nicht mehr gehaltenen Rede zum 10. Jahrestag der Lateranverträge, deren Verteilung an die Bischöfe Pius XI. auf dem Sterbebett angeordnet hatte, ließ Kardinal Pacelli, der spätere Papst Pius XII., auf Wunsch Mussolinis und Cianos vernichten. Mit wenigen Ausnahmen ist sich die neuere Forschung – einschließlich der Schule De Felices – darin einig, dass sich „der Duce und sein Regime in den späten 30er Jahren im Niedergang befanden“. Zynismus und Misanthropie Mussolinis erreichten in dieser Phase ihren Höhepunkt und wurden von ihm auch bei öffentlichen Auftritten nicht mehr verborgen. Führende Faschisten beklagten die Atmosphäre von Argwohn und Misstrauen in der Regierung. Bocchinis polizeiliche Lageberichte konstatierten 1938 eine „Welle des Pessimismus“, die durch das Land gehe. Als Mussolini am 15. Mai 1939 die neue Fabrik des Fiat-Konzerns im Turiner Stadtteil Mirafiori einweihte, begrüßten ihn nur einige hundert der 50.000 versammelten Arbeiter mit Beifall; alle anderen verfolgten seinen Auftritt schweigend und mit verschränkten Armen in einer beispiellosen Demonstration der Feindseligkeit. Die aus Anlass der Wirtschaftssanktionen von 1935/36 eingeleitete und offenkundig der Kriegsvorbereitung dienende „Autarkie“-Kampagne hatte die Lebensverhältnisse vieler Menschen weiter verschlechtert, nun aber durch die Rationierung von Luxusgütern wie Kaffee und Benzin erstmals auch Wohlhabende getroffen. Das Bündnis mit Deutschland, das die Verwicklung des Landes in einen großen Krieg wahrscheinlich machte, wurde nicht nur von den „Massen“, sondern auch von einem nennenswerten Teil der Eliten abgelehnt. Reiche Italiener begannen, ihre Vermögen in die Schweiz zu schaffen oder Geldguthaben in Gold umzutauschen. Der Riss innerhalb des Machtblocks, der durch die „antibürgerliche“ Kampagne der Jahre 1938 und 1939 – im „Bürgertum“ sah Mussolini hier vor allem „eine Chiffre für politische Stagnation, Korruption und ideologische Gleichgültigkeit innerhalb der Führungskader, aber auch an der Basis des PNF“ – evident wurde, ging jedoch tiefer und berührte die Grundlagen des Regimes. Die Bourgeoisie habe, so der Historiker Martin Clark, ihre ökonomische Unabhängigkeit und ihr soziales Prestige im Faschismus bewahrt. Sie habe Mussolini in den 20er Jahren akzeptiert, da er die Streiks beendete, die radikale Linke vernichtete und die Fanatiker unter den Faschisten unter Kontrolle brachte: Beim Abschluss des Bündnisses mit Deutschland im Mai 1939 war Mussolini davon ausgegangen, dass ein großer europäischer Krieg nicht vor 1942 beginnen würde; bis dahin, so die Annahme, könne Italien seine Stellung im Mittelmeer mit deutscher Rückendeckung ausbauen und auch in Südosteuropa vom Zerfall der durch die Pariser Vorortverträge geschaffenen Nachkriegsordnung profitieren. Dieser Konzeption lag die Überzeugung zugrunde, dass kurzfristig weder Großbritannien und Frankreich noch Deutschland einen Krieg zwischen den Großmächten riskieren würden. Noch Anfang August 1939 war er davon überzeugt, dass die deutsch-polnischen Spannungen durch ein „neues München“ beigelegt werden würden. Erst am 13. August, als Ciano ihn über seine Gespräche mit Hitler und Ribbentrop am 11. und 12. August informierte, begriff Mussolini, dass Hitler nicht nur Danzig besetzen wollte, sondern zum militärischen Vorgehen gegen ganz Polen entschlossen war und damit die Gefahr eines europäischen Krieges heraufbeschwor. Im Gegensatz zu Hitler und Ribbentrop hielt es Mussolini für nahezu sicher, dass Großbritannien und Frankreich in den deutsch-polnischen Krieg eingreifen würden. Trat aber dieser Fall ein, so entfielen die Voraussetzungen der außenpolitischen Strategie Cianos und Mussolinis. Beide suchten nun fieberhaft nach einer Formel, die Italien eine Nichteinhaltung seiner weitreichenden Verpflichtungen aus dem „Stahlpakt“ ermöglichte, ohne das Bündnis offen aufzukündigen. Am 21. August schrieb Mussolini an Hitler, dass Italien für einen großen Krieg nicht gerüstet sei, aber, sollten Verhandlungen wegen der „Unnachgiebigkeit anderer“ scheitern, auf deutscher Seite eingreifen werde. Vier Tage später machte er dieses Eingreifen in einem weiteren Schreiben, das Botschafter Bernardo Attolico Hitler in der Reichskanzlei überreichte, von der Lieferung von Rüstungsgütern und Rohstoffen durch Deutschland abhängig. Die am 26. August übermittelte Liste mit dem italienischen Bedarf war aber absichtlich so überzogen , dass sie abgelehnt werden musste. Um den deutsch-italienischen Bündnisvertrag nicht offen zu entwerten, bat Mussolini Hitler um eine offizielle Erklärung, dass Deutschland einer italienischen Unterstützung vorerst nicht bedürfe. Diese kam am 1. September per Telegramm und wurde von Hitler sinngemäß auch in seiner Reichstagsrede vom gleichen Tag wiederholt. Am 1. September 1939 definierte Mussolini – um jegliche Reminiszenz an die italienische „Neutralität“ von 1914–15 zu vermeiden – die italienische Position gegenüber seinem Kabinett als die einer deutschfreundlichen „Nichtkriegführung“ . Obwohl die faktische Neutralitätserklärung von der überwältigenden Mehrheit der Italiener begrüßt wurde, führte das unausgesprochene Eingeständnis des Regimes, nicht für einen Krieg gerüstet zu sein, vor dem Hintergrund seiner seit Jahren hochgradig militarisierten Propaganda zu einem schlagartigen Reputationsverlust, der einige Beobachter an die Matteotti-Krise erinnerte. In den nächsten Monaten verhielt sich Mussolini abwartend. Im September hatte sich im Zuge einer Teilmobilmachung der Streitkräfte herausgestellt, dass deren strukturelle Defizite noch ausgeprägter waren als befürchtet. Die als modernste und schlagkräftigste Teilstreitkraft geltende Regia Aeronautica hatte, wie sich nun zeigte, „Probleme, ihre eigenen Flugzeuge zu zählen“, und verfügte im September 1939 statt der auf dem Papier ausgewiesenen 8.528 nur über 840 zum Teil nicht einsatzbereite Maschinen ; die Heeresartillerie bestand noch immer zu einem erheblichen Teil aus Geschützen, die 1918 von der k.u.k. Armee erbeutet worden waren, die Flakartillerie besaß nur zwei Suchscheinwerfer und 15 Batterien mit Geschützen moderner Bauart, die Panzerwaffe hatte nur 70 „echte“ Panzer, der Rest waren leichte Tanketten. Für weniger als 1 Million Mann waren Uniformen und Waffen vorhanden. Statt der „150 Divisionen“, mit denen Mussolini wiederholt geprahlt hatte, waren lediglich 10 als kampffähig anzusehen; auch deren Bewaffnung war, gemessen an den Standards des Jahres 1939, sehr veraltet. Auch wegen dieser Situation gewann der Kreis um Ciano, der von einem britisch-französischen Sieg überzeugt war und einen Kriegseintritt an der Seite Deutschlands rundheraus ablehnte, vorübergehend die Oberhand. Selbst Roberto Farinacci hielt es für zu riskant, mit einer „Spielzeugarmee“ in den Krieg der Großmächte einzugreifen. Ende Oktober 1939 löste Mussolini Achille Starace, den entschiedensten Befürworter des deutsch-italienischen Bündnisses unter den führenden Faschisten, als Sekretär des PNF ab. Sein Nachfolger Ettore Muti galt als Unterstützer Cianos. Intern rückte Mussolini wiederholt verbal von Deutschland ab. Er bezeichnete den deutsch-sowjetischen Nichtangriffsvertrag als „Verrat“ und zeigte sich entsetzt über die gezielte physische Vernichtung der polnischen Oberschicht durch deutsche Einsatzgruppen. Gesichert ist, dass er belgische Diplomaten auf die Wahrscheinlichkeit eines deutschen Angriffs hinwies und italienischen Waffenexporten nach Frankreich zustimmte. Demonstrativ ließ er die kostspieligen Befestigungsarbeiten an der deutsch-italienischen Grenze fortsetzen. Als im November 1939 der sowjetisch-finnische Krieg begann, unternahm Mussolini einen neuen Versuch, eine Verständigung zwischen Deutschland, Großbritannien und Frankreich herbeizuführen. Auf Betreiben Mussolinis und Cianos gestattete Deutschland den Transit italienischer Waffenlieferungen für Finnland. Mussolini sah die Chance, auf dem Wege der „Hilfe für Finnland“ die Westmächte und die Signatare des Antikominternpaktes in einem Konflikt gegen die Sowjetunion zusammenzuführen. Höhepunkt dieser Bemühungen war ein Brief Mussolinis an Hitler, geschrieben am 3. Januar 1940 und abgesendet zwei Tage später. Er könne verstehen, schrieb Mussolini darin mit Blick auf den deutsch-sowjetischen Nichtangriffsvertrag, „dass Sie, nachdem sich die Voraussichten von Ribbentrops über das Nichteingreifen Englands und Frankreichs nicht erfüllt haben, die zweite Front vermieden haben“. Er müsse aber davor warnen, „ständig die Grundsätze Ihrer Revolution zugunsten der taktischen Erfordernisse eines bestimmten politischen Augenblicks opfern“. Offen drohte Mussolini Hitler damit, dass „ein weiterer Schritt vorwärts in Ihren Beziehungen mit Moskau katastrophische Rückwirkungen in Italien auslösen würde, wo die allgemeine antibolschewistische Gesinnung, besonders unter den faschistischen Massen, absolut, ehern und unerschütterlich ist. Noch vor vier Monaten war Russland der Weltfeind Nummer Eins, es kann nicht der Freund Nummer Eins geworden sein und ist es auch nicht. Dies hat die Faschisten in Italien und vielleicht auch viele Nationalsozialisten in Deutschland tief erregt.“ Er riet Hitler ausdrücklich von einer Offensive im Westen ab, da es „nicht sicher , ob es gelingen wird, die Franzosen und Engländer auf die Knie zu zwingen oder zu trennen.“ Mit einem solchen Schritt setze Hitler sein ganzes Regime aufs Spiel und erhöhe die Wahrscheinlichkeit eines Kriegseintritts der Vereinigten Staaten. Die Lösung der deutschen „Lebensraumfrage“ liege in Russland. Um den Westmächten gesichtswahrende Verhandlungen zu ermöglichen, empfahl Mussolini die Einstellung der Terrormaßnahmen in Polen und die Wiedererrichtung eines verkleinerten polnischen Staates. Hitler soll mit Göring und Ribbentrop ausführlich über den Brief diskutiert haben, ließ Mussolini anschließend aber über zwei Monate auf eine Antwort warten. In der Zwischenzeit unterbreitete Mussolini dem US-Unterhändler Sumner Welles am 25. Februar 1940 ein detailliertes Programm für Verhandlungen, das unter anderem eine erneute Volksabstimmung über die Zukunft Österreichs und die Wiedererrichtung eines formell unabhängigen Polen vorsah. Die Welles-Mission verlief im Sande, da Hitler es bei seiner Unterredung mit dem Amerikaner, die am 2. März in Berlin stattfand, von vornherein ablehnte, über das „Thema Österreich“ und die „Frage eines zukünftigen polnischen Staates“ zu sprechen. Als Ribbentrop Hitlers in freundlichem Ton gehaltene Erwiderung auf das Schreiben vom Januar am 10. März 1940 in Rom übergab, wies er zugleich darauf hin, dass ein deutscher Angriff im Westen bevorstehe. Mussolini versicherte dem deutschen Außenminister am 11. März, dass Italien „im richtigen Moment“ in den Krieg eingreifen werde und ging auch bei seinem Treffen mit Hitler am Brenner nicht über diese vage Festlegung hinaus. Seine abwartende Haltung gab Mussolini erst im Gefolge der deutschen Siege im Norden und Westen Europas auf. Schreiben Roosevelts und Churchills vom 14. und 16. Mai 1940, die ihn von einem Eingreifen auf deutscher Seite abzuhalten versuchten, beantwortete er ausweichend. Am 26. Mai soll er gegenüber Generalstabschef Badoglio geäußert haben, dass er „ein paar tausend Tote“ brauche, um als Kriegführender an einer Friedenskonferenz teilnehmen zu können. Der Krieg werde so oder so im September zu Ende sein. Die endgültige Entscheidung fiel vermutlich am 28. oder 29. Mai, nachdem Mussolini erfahren hatte, dass sich der britische Außenminister Halifax mit seinem Vorschlag, über Mussolini mit einem Friedensangebot an Hitler heranzutreten, im Kabinett nicht gegen Churchill hatte durchsetzen können. Am 29. Mai legte er in einem Treffen mit den Befehlshabern der Teilstreitkräfte den Beginn der Kriegshandlungen gegen Großbritannien und Frankreich auf den 5. Juni 1940 fest, verschob den Termin aber um fünf Tage, nachdem einige Militärs ernste Bedenken geäußert hatten. Am 10. Juni verkündete Mussolini die Kriegserklärung in einer Rede vom Balkon des Palazzo Venezia. Die deutsche Seite beobachtete den im Vorjahr noch erwünschten italienischen Kriegseintritt nun mit Misstrauen. Ende Mai hatte Hitler bei Mussolini ausdrücklich gegen Angriffe auf Jugoslawien und Griechenland interveniert. Mussolini akzeptierte die deutschen Einwände und ordnete die Versammlung einer Armee an der libysch-ägyptischen Grenze an. Die Geschichtsschreibung zum italienischen Kriegseintritt folgte lange Zeit Galeazzo Ciano, nach dessen Tagebucheintragungen „ein Mann allein“ das Land in den Krieg verwickelt habe. Winston Churchill vertritt diesen Standpunkt, der vom Mussolini-Biographen Renzo De Felice unterstützt wird. Ein Teil der neueren Forschung betont jedoch, dass in der spezifischen Situation des Juni 1940 alle nennenswerten gesellschaftlichen Einflussgruppen – einschließlich der katholischen Kirche – die Option eines „kurzen Krieges“ unterstützten: „Da sich der italienische Kriegseintritt schon bald als Desaster erwies und in dem peinlichen und zynischen sauve qui peut der alten herrschenden Eliten am 8. September 1943 kulminierte, als Badoglio und der König den Seitenwechsel vermasselten, hatten viele Italiener jeden Grund, Mussolini als den allein Schuldigen herauszuheben. Es ist in der Tat schwer, einen einzigen italienischen Historiker zu finden, der nicht die intentionalistische These akzeptiert, dass der ‚große Mann‘ hier ausschlaggebend war. Aber es gibt Gründe, die Vollständigkeit und Einzigartigkeit von Mussolinis Macht zu bezweifeln . Trotz des Unbehagens, das Mussolini angesichts des andauernden Friedens zum Ausdruck brachte, trat er nicht in den Krieg ein, bis dieser tatsächlich von seinem furchteinflößenden deutschen Verbündeten gewonnen zu sein schien. Rechnerisch ausgedrückt, beobachtete das faschistische Italien die Front weitaus sorgfältiger, als es das liberale Italien 1914/15 getan hatte. Es kann gefragt werden, ob irgendein italienischer Politiker, der an den Mythos glaubte, dass Italien eine Großmacht sei oder sein müsse, länger als Mussolini gewartet hätte?“ Mussolini hatte im Juni 1940 die Absicht, einen kurzen Krieg für „italienische Ziele“ zu führen. Nach einem Treffen mit Hitler am Brennerpass im Oktober 1940 prägte er den Begriff des „Parallelkriegs“ , den Italien „nicht für Deutschland, noch mit Deutschland, sondern neben Deutschland“ führen werde, und lehnte deshalb deutsche Angebote, Truppen nach Nordafrika zu schicken oder die militärische Planung zu koordinieren, ab. Er wollte den deutschen Einfluss in den italienischen Interessengebieten gering halten und sich vollständige Handlungsfreiheit nach allen Richtungen sichern, da er davon ausging, dass Deutschland insbesondere in Südosteuropa eigene, auch gegen Italien gerichtete Ziele verfolgte und die italienische Offensive daher vor allem gegen den Nahen Osten zu kanalisieren suchte. Wenige Tage vor der Kriegserklärung hatte sich Mussolini vom König für die Dauer der Kampfhandlungen den militärischen Oberbefehl übertragen lassen. Er befasste sich in dieser Rolle nicht näher mit operativer Planung, behielt sich aber die Entscheidung über wesentliche militärische Entschlüsse vor. Den damit zusätzlich zu seinen anderen Ämtern übernommenen Pflichten glaubte er mit nur einem Assistenten nachkommen zu können. Als Oberbefehlshaber war Mussolini für die Entscheidung, das im Sommer 1940 beinahe unverteidigte Malta nicht zu besetzen ebenso verantwortlich wie für den überstürzten Entschluss, die französische Alpenarmee anzugreifen . Den Befehl dazu erteilte er, nachdem ihn Hitler am 17. Juni 1940 über das französische Waffenstillstandsersuchen informiert hatte. Der am 20. Juni aus dem ursprünglich befohlenen Defensivaufmarsch heraus und ohne ausreichende Artillerieunterstützung begonnene Angriff war ein offensichtlicher Fehlschlag, den die Propaganda des Regimes nicht verschleiern konnte. Nach dem italienisch-französischen Waffenstillstandsabkommen , bei dem Mussolini auf beinahe alle Forderungen gegenüber Frankreich – insbesondere auf den für die Kontrolle der Straße von Sizilien und die störungsfreie Versorgung der Truppen in Libyen entscheidenden Hafen von Bizerte – „vorläufig“ verzichten musste, ließ er die wenigen motorisierten Divisionen des italienischen Heeres an die jugoslawische Grenze verlegen. Rodolfo Graziani, der italienische Befehlshaber in Libyen, den Mussolini im Juni, Juli und August anwies, über die ägyptische Grenze hinweg anzugreifen, weigerte sich, ohne diese Verbände vorzugehen und unternahm im September lediglich einen begrenzten Vorstoß auf Sidi Barrani. Der Angriff auf Griechenland, den Mussolini ohne vorherige Konsultation seiner Stabschefs am 15. Oktober 1940 – diesmal nachdrücklich ermuntert von Ciano – befahl, gilt als eklatantes Beispiel für die groteske Überschätzung der militärischen Möglichkeiten Italiens durch die führenden Faschisten. Mit diesem Schritt wollte Mussolini in erster Linie sicherstellen, dass zumindest Griechenland innerhalb der Einflusszone Italiens verblieb, nachdem Deutschland die Ökonomien der Balkanstaaten an sich gebunden und am 12. Oktober mit der Verlegung von Truppen nach Rumänien begonnen hatte. Trotz des bevorstehenden Winters, des schwierigen Geländes und der auch nach Erkenntnissen der italienischen Militäraufklärung beachtlichen Kampfkraft der griechischen Armee hielt die politische und militärische Führung Italiens eine Armee von zunächst 5 Divisionen für ausreichend, um Griechenland von Albanien aus niederzuwerfen. Der am 28. Oktober begonnene Angriff entwickelte sich binnen weniger Wochen zur militärischen und politischen Katastrophe. Nur mit Mühe konnten sich die nach und nach auf 500.000 Mann verstärkten italienischen Verbände im Winter 1940/41 gegen den griechischen Gegenangriff in Albanien behaupten. Der britische Luftangriff auf den Hafen von Tarent und der Zusammenbruch der 10. Armee in Libyen ließen den „Parallelkrieg“ bis zum Ende des Jahres 1940 zur Fiktion werden. Die bereits nach wenigen Monaten offensichtliche Unfähigkeit des Regimes, eine effektive Kriegführung zu organisieren, erwies sich schon bald als schwere politische Belastung, da hier der „Abgrund zwischen den Worten und den Taten so aberwitzig weit“ war, dass seine Legitimität nun auch außerhalb der antifaschistischen Milieus infrage gestellt wurde. Unzweifelhaft war, dass ein Großteil der italienischen Soldaten es ablehnte, Leib und Leben für das Regime oder für „die Deutschen“ zu riskieren. Darauf hatte Polizeichef Arturo Bocchini Mussolini bereits im Herbst 1939 hingewiesen. Vor allem aber machte das Fiasko der italienischen Kriegsbeteiligung das Scheitern des Faschismus in Bereichen deutlich, die von der Propaganda fast zwei Jahrzehnte lang als zentrale Prüfsteine der „faschistischen Modernisierung“ herausgestellt worden waren. Der Zustand der italienischen Streitkräfte, die sich bis zuletzt uneingeschränkt in der Hand konservativer, den Militärdoktrinen des Ersten Weltkrieges verhafteter Generäle befanden, wird von einigen Historikern als wesentlicher Beleg dafür angeführt, dass „die Macht des Diktators, irgendwo unterhalb des Geplauders und Getöses, unvollständig und flüchtig war“; der ungebrochene militärische Traditionalismus habe – zusammen mit den in ähnlicher Weise versagenden anderen Institutionen des Staates und der Partei – „drastisch die Grenzen des Faschismus und die Oberflächlichkeit von Mussolinis angeblicher Revolution“ demonstriert. Am 20. Januar 1941 gestand Mussolini bei einer Unterredung mit Hitler auf dem Berghof Deutschland eine aktive militärische Rolle im Mittelmeerraum zu und akzeptierte die Verlegung von zwei deutschen Divisionen nach Libyen. Von nun an entwickelte sich das faschistische Italien politisch, ökonomisch und vor allem militärisch zu einem „deutschen Satelliten“. Mussolini war nicht in der Lage, eine neue politische Strategie oder ein klares Kriegszielprogramm zu entwickeln. Nach außen hin wie stets auf die Wahrung seines persönlichen Prestiges bedacht, räumte er im Gespräch mit dem neuen Generalstabschef Ugo Cavallero ein, dass alles Weitere von den in Berlin gefällten Entscheidungen abhänge, „da wir unfähig sind, irgendetwas zu tun.“ Selbst auf den zentralen „italienischen“ Kriegsschauplätzen konnte sich Mussolini seit 1941 nicht mehr gegen deutsche Entscheidungen durchsetzen. Die von ihm bis zum Frühjahr 1942 wiederholt bei Hitler angemahnte Besetzung Maltas – von wo aus britische See- und Luftstreitkräfte einen Großteil der Nachschubtransporte für Nordafrika versenkten – unterblieb, als dieser sich am 23. Juni 1942 entschloss, die für den Juli vorbereitete Aktion abzusagen und Rommels Plan für einen unverzüglichen Vorstoß nach Ägypten zu befürworten. In charakteristischer Weise machte sich Mussolini daraufhin „die abenteuerliche Lagebeurteilung Hitlers und des OKW zu eigen“ und flog Ende Juni nach Libyen, wo er drei Wochen lang mit einer großen Entourage aus Journalisten und führenden Faschisten vergeblich auf den von Rommel angekündigten Einzug in Alexandria und Kairo wartete. Gegenüber seiner Umgebung machte er für die Abfolge von Fehl- und Rückschlägen wahlweise das italienische Volk, die Deutschen, faschistische gerarchi oder seine Generäle verantwortlich. Militärische Grundsatzentscheidungen traf er weiterhin unter politischen Gesichtspunkten; auf diese Weise verteilte er die begrenzten militärischen Ressourcen Italiens auf eine Vielzahl weit auseinanderliegender Kriegsschauplätze. Nach dem deutschen Überfall auf die UdSSR drängte er dem zögernden Hitler ein italienisches Expeditionskorps auf, das im Laufe des Jahres 1942 zur Armee aufgewertet wurde. Dieser Verband umfasste einige der kampfstärksten Divisionen des italienischen Heeres, verschlang einen Großteil des Materialnachschubs und war mit zuletzt rund 225.000 Mann stärker als die italienische Armee in Nordafrika. Nach dem Balkanfeldzug im April 1941 hatte Mussolini auf der Einrichtung einer ausgedehnten italienischen Besatzungszone bestanden. Sie band dauerhaft etwa 650.000 Soldaten, die Besetzung Korsikas und Südostfrankreichs im November 1942 weitere 200.000 Mann. Als Regierungschef, Oberbefehlshaber und Minister für alle drei Teilstreitkräfte zentralisierte Mussolini die für die Kriegführung wesentlichen Befugnisse in beispielloser Weise bei sich, unternahm aber nichts, um die einschlägigen Defizite zu beseitigen. Er intervenierte gelegentlich und willkürlich, ließ die Dinge im Ganzen jedoch laufen, da er nicht bereit war, das für das Regime konstitutive Gleichgewicht verschiedener Einflussgruppen durch drastische Eingriffe zu gefährden. Neuere Untersuchungen weisen deshalb überwiegend die in Teilen der älteren, von totalitarismustheoretischen Diskussionen beeinflussten Literatur verbreitete These, Mussolini habe im Krieg vor allem einen Hebel für die Radikalisierung der „faschistischen Revolution“ gesehen, zurück. Auch Industrie und Landwirtschaft unterwarf der Stato totalitario keiner entschlossenen kriegswirtschaftlichen Mobilisierung. Der faschistische Staat begegnete der Privatwirtschaft mit einer „Ehrerbietung“, die vor allem den Großunternehmen eine für ein kriegführendes Land beispiellose Unabhängigkeit und Entscheidungsfreiheit ließ. Während es dem liberalen Staat zwischen 1915 und 1918 gelungen war, etwa 40 % des italienischen Bruttoinlandsprodukts in den Dienst der Kriegführung zu stellen, betrug der Anteil der Kriegsproduktion am Nationalprodukt auf dem Höhepunkt der Leistungsfähigkeit der faschistischen Kriegswirtschaft im Jahre 1941 lediglich 23 % , Großbritannien 52 %, UdSSR 61 %). Noch Ende 1940 gab es in den norditalienischen Industriestädten zahlreiche Arbeitslose. Erst im Februar 1943 veranlasste Mussolini die Bildung einer mit dem deutschen Reichsministerium für Bewaffnung und Munition vergleichbaren Behörde. Im Ergebnis produzierte Italien „die ineffektivsten, teuersten und wenigsten Rüstungsgüter unter den großen Teilnehmerstaaten des Zweiten Weltkrieges.“ Die Landwirtschaft blieb in ähnlicher Weise sich selbst überlassen und litt zusätzlich unter der zunehmenden Desorganisation des Transportwesens. Lebensmittel musste sich die Bevölkerung schon seit 1941 weitgehend über den Schwarzmarkt – wo etwa zwei Drittel der landwirtschaftlichen Produktion verschwanden – beschaffen; die offiziellen Nahrungsmittelrationen entsprachen zwischen 1941 und 1943 jenen im besetzten Polen. Auch die faschistische Partei, der 1940 4,25 Millionen Mitglieder angehörten, versagte in vielerlei Hinsicht bei der Unterstützung der Kriegsanstrengungen. Ihr oblag – neben ihren „normalen“ Aufgaben – wesentlich die Organisation der Zivilverteidigung, die Fürsorge für die Evakuierten und Familien der Wehrpflichtigen, die Preiskontrolle und die Bekämpfung des Schwarzmarkts. Mussolini blieben die gravierenden Probleme in diesen Bereichen nicht verborgen, er war jedoch selbst hier nicht willens oder in der Lage, entscheidend einzugreifen. Ettore Muti, der eine Parteireform und sogar die Auflösung des PNF in Erwägung gezogen hatte, entließ er Ende Oktober 1940; der neue Parteisekretär Adelchi Serena war ein „farbloser Parteibürokrat“, der die Defizite lediglich verwaltete. Mussolini ersetzte ihn bereits im Dezember 1941 durch den gerade 28-jährigen Aldo Vidussoni. Unter Vidussoni, der bis April 1943 im Amt blieb, fiel die faschistische Partei als Faktor der Kriegsanstrengungen endgültig aus. Viele gerarchi lehnten es einfach ab, Anweisungen von dem als „Kind“ und „Schwachkopf“ geschmähten Emporkömmling entgegenzunehmen. Als Dokument und Eingeständnis des Scheiterns gilt Mussolinis Rede vor dem Direktorium des PNF am 26. Mai 1942, in der er offen einräumte, dass der liberale Staat die Kriegführung zwischen 1915 und 1918 konsequenter und erfolgreicher organisiert habe. Im faschistischen Italien, so Mussolini, finde man an jeder Stelle „Disziplinlosigkeit, Sabotage und passiven Widerstand“; auch die Faschisten seien vor allem mit dem Horten von Nahrungsmitteln und Gebrauchsgütern für den Schwarzmarkt beschäftigt, politisch aber inaktiv: Unter dem Eindruck der militärischen Katastrophen in Nordafrika und am Don, wo die gegen die Sowjetunion eingesetzte italienische Armee im Winter 1942/43 fast vollständig vernichtet wurde, kam die schwelende Krise des faschistischen Regimes im Frühjahr 1943 offen zum Ausbruch. Innerhalb der politischen, militärischen und wirtschaftlichen Führungsschicht Italiens formierte sich eine schnell an Einfluss gewinnende Gruppe, die die Fortsetzung des Krieges an der Seite Deutschlands ablehnte und eine Verständigung mit Großbritannien und den Vereinigten Staaten herbeiführen wollte, bevor der Krieg auf italienisches Territorium übergriff. Mussolini kam diesen Bestrebungen zunächst entgegen und machte ihnen am 31. Januar 1943 mit der Entlassung des Generalstabschefs Ugo Cavallero, der als „Mann der Deutschen“ galt, ein wichtiges Zugeständnis. Cavalleros Nachfolger Vittorio Ambrosio war ein Vertrauter des Königs, in dessen Umfeld sich konservative Kräfte sammelten, die befürchteten, dass die Monarchie in den Sturz des Faschismus verwickelt werden könnte. Am 5. Februar übernahm Mussolini im Zuge einer Kabinettsumbildung selbst das Außenministerium, beließ Ciano – der schon im Herbst 1942 versucht hatte, über den italienischen Botschafter in Lissabon mit Briten und Amerikanern ins Gespräch zu kommen – aber im faschistischen Großrat und machte ihn zum Botschafter beim Vatikan, über den zahlreiche Verbindungen in die alliierten Hauptstädte liefen. Zum Staatssekretär im Außenministerium ernannte er Giuseppe Bastianini, der 1939/40 Botschafter in London gewesen war. Mussolini hatte sich zuletzt am 2. Dezember 1942 über das Radio an die Italiener gewandt. Diese „desaströse“ Rede war die erste ihrer Art nach achtzehn Monaten und die vierte seit Beginn des Krieges. Mussolini räumte – offenbar in der Annahme, seine Zuhörer würden dafür nicht ihn verantwortlich machen – mehr oder weniger offen ein, dass die italienischen Soldaten schlecht ausgerüstet und geführt und die Kriegsgegner unterschätzt worden seien. Außerdem schien er den seit der Intensivierung der alliierten Bombenangriffe im Herbst 1942 unter den Italienern verbreiteten Verdacht zu bestätigen, dass das Land über keinerlei nennenswerte Luftverteidigung verfüge; seine Bemerkung, man solle mit der Evakuierung nicht warten, „bis die Uhr zwölf schlägt“, löste in einigen Städten eine panische, völlig unkoordinierte Massenflucht in das ländliche Umland aus. Mit diesem Auftritt verlor Mussolini den Propagandakrieg endgültig. Immer mehr Italiener verfolgten den Kriegsverlauf über den italienischen Dienst der BBC, der eine „gut gewählte und äußerst ansprechende“ Propaganda machte, hörten Radio Vatikan oder lasen den L’Osservatore Romano, der als einzige Zeitung mit „neutraler“ Berichterstattung galt und dessen Auflage sich vervielfachte. Die von Ciano, Dino Grandi und anderen angestrebte Aufkündigung der Achse Berlin-Rom lehnte Mussolini ab. Er gab sich der Hoffnung hin, bei Hitler eine entschiedene materielle und personelle Unterstützung der italienischen Kriegführung, ja sogar die Verlagerung des Schwerpunkts der deutschen Kriegsanstrengungen von der Ostfront in den Mittelmeerraum durchsetzen zu können. Gehe man im Osten zur strategischen Defensive über und setze die freiwerdenden Kräfte gegen die Westmächte ein, dann sei der Sieg, so Mussolini am 1. April 1943 im Gespräch mit dem deutschen Botschafter von Mackensen, „mit mathematischer Sicherheit unser“. Diesen Standpunkt vertrat Mussolini bereits im Februar und März 1943 bei Treffen mit Ribbentrop und Göring sowie in zwei persönlichen Schreiben an Hitler. Dieser aber war ebenso wie das OKW nicht einmal zu einer Ausweitung der materiellen Unterstützung Italiens bereit, da er die innere Stabilität des Mussolini-Regimes überschätzte und – wie schon im Frühjahr 1942, als Mussolini vergeblich deutsche Unterstützung für die beabsichtigte Eroberung des britischen „Flugzeugträgers“ Malta gefordert hatte – alle Ressourcen für die geplante Sommeroffensive an der deutsch-sowjetischen Front reklamierte . Bei den Beratungen auf Schloss Kleßheim am 8./9. April 1943 lehnte Hitler Mussolinis Vorschläge ab. Die von Mussolini danach noch mehrfach erbetene Lieferung von Panzern und Flugzeugen wurde ebenfalls verweigert, obwohl eine OKH-Studie im Juni einräumte, dass das italienische Militär über keine einzige Panzerdivision, kaum Panzerabwehrwaffen und eine nur noch „bedingt einsatzfähige“ Luftwaffe verfüge. Auch diese Analyse sah jedoch „keinen Anlass, mit einer unmittelbar bevorstehenden politischen Krise zu rechnen.“ Im Frühjahr 1943 befand sich Mussolini am Tiefpunkt eines körperlichen Verfalls, der 1940/41 eingesetzt und sich im Herbst 1942 beschleunigt hatte, als er in drei Monaten etwa 20 Kilogramm Körpergewicht verlor. Den Januar 1943 verbrachte er zum größten Teil im Bett und bewegte sich noch im April bei seinem Treffen mit Hitler ständig am Rande des physischen Zusammenbruchs. Vermutlich litt er an einem Magengeschwür, einer leichten Form von Hepatitis B und einer schweren Depression. Die politische und militärische Agonie des Regimes wurde durch die ökonomische und soziale Krise des Landes verschärft. 1943 lag die italienische Industrieproduktion um 31 % unter der des Jahres 1938. Wichtige Grundnahrungsmittel waren nur noch auf dem Schwarzmarkt erhältlich, ihre Preise waren seit Kriegsbeginn um das fünf- bis zehnfache gestiegen und wegen des 1940 verfügten Lohnstopps für Arbeiter kaum noch zu bezahlen. In vielen Städten hungerte die Bevölkerung, zudem erwiesen sich die staatlichen Stellen als unfähig, die Menschen zu versorgen, die infolge der alliierten Luftangriffe obdachlos geworden waren. Im März 1943 breitete sich eine Streikwelle ausgehend von den Turiner Fiat-Werken auf andere norditalienische Städte aus und kam erst Anfang April durch eine Mischung aus „maßvoller“ Repression und Zugeständnissen an die Arbeiter zum Stillstand. Mussolini hatte den Streik, der in den Augen maßgeblicher Industrieller die „Glaubwürdigkeit des Faschismus als antisozialistische Kraft“ untergrub, mit großer Aufmerksamkeit und Unruhe verfolgt. Hitler war außer sich, als er vom Ausmaß der Streikbewegung und der Rolle erfuhr, die dabei illegal tätige Kommunisten gespielt hatten. Wegen des Versagens der faschistischen Partei setzte Mussolini Aldo Vidussoni am 19. April ab. Carlo Scorza, eine Führungsfigur des militanten toskanischen „Agrarfaschismus“ der frühen 20er Jahre und ehemaliger ras von Lucca, war der letzte von Mussolini ernannte Parteisekretär. Nach einer Rundreise durch Italien ließ Scorza Mussolini am 7. Juni 1943 eine Denkschrift zukommen, in der er ein vernichtendes Urteil über den Zustand von Partei, Staat und Armee fällte. Am 9./10. Juli 1943 begann die erwartete Landung britischer und amerikanischer Truppen auf Sizilien. Einige italienische Verbände ergaben sich kampflos, andere leisteten zusammen mit den beiden auf der Insel stationierten deutschen Divisionen Widerstand. Die Gegenangriffe auf die Landungszonen brachen am 11. und 12. Juli im Feuerhagel der alliierten Schiffsartillerie zusammen. Sowohl der deutschen als auch der italienischen Militärführung war danach klar, dass die Insel nicht zu halten sein würde. Am 14. Juli wies Vittorio Ambrosio Mussolini in einer Denkschrift auf den Ernst der Lage hin und verlangte, bei Hitler erneut eine Schwerpunktverlagerung der deutschen Kriegführung in den Mittelmeerraum zu fordern. Andernfalls könne Italien den Krieg nicht mehr fortsetzen. Mussolini stimmte dieser Einschätzung zu, trug sie aber bei dem Treffen mit Hitler, das am 19. Juli in Feltre stattfand, trotz wiederholten Drängens seiner Begleiter nicht vor. Stattdessen akzeptierte er am 20. Juli im Grundsatz Hitlers Forderung, die italienischen Truppen in Süditalien deutschen Stäben zu unterstellen. Die Gegner Mussolinis in der Führung der Partei, im Generalstab, im Großbürgertum und am königlichen Hof – durchweg „einstige Steigbügelhalter, Profiteure und Aktivisten des Faschismus“, denen nichts ferner lag als „der Gedanke, die Regierungsgeschäfte den sich langsam reorganisierenden antifaschistischen Parteien zu übertragen“ – sahen sich nun zum Handeln gezwungen. Neben der Sicherung ihrer politischen und militärischen Handlungsfähigkeit nach außen ging es diesen Eliten vor allem darum, die politische Entfaltung der antifaschistischen Opposition durch schnelles Handeln zu verhindern und so die Voraussetzungen für eine konservative Ausrichtung des postfaschistischen Regimes zu schaffen. Die politischen Neuordnungsvorstellungen vieler Beteiligter liefen daher zunächst auf einen „Faschismus ohne Mussolini“ hinaus. Nach der alliierten Landung auf Sizilien hatten führende Faschisten aus völlig entgegengesetzten Gründen für das Zusammentreten des faschistischen Großrats plädiert. Der Großrat war das höchste beratende Gremium der Partei und des italienischen Staates. Er war seit 1939 nicht mehr zusammengetreten. Während die Gruppe um Ciano, Grandi und Giuseppe Bottai die Machtfülle Mussolinis einschränken lassen wollte, hatte der mit der deutschen Botschaft in Verbindung stehende Kreis um Roberto Farinacci und Parteisekretär Carlo Scorza die Absicht, einen Beschluss herbeizuführen, der zu einer „Revitalisierung“ des Regimes und einer Stärkung des deutsch-italienischen Bündnisses führen sollte. Der Rat trat am 24. Juli 1943 im Palazzo Venezia zusammen und verabschiedete nach zehnstündiger Debatte am frühen Morgen des 25. Juli mit 19 gegen 7 Stimmen eine von Grandi eingebrachte Resolution, die dem König empfahl, den Oberbefehl über die Streitkräfte, den Mussolini seit 1940 innehatte, wieder selbst zu übernehmen. Eine „Absetzung“ Mussolinis – wie häufig fälschlich angenommen – beschloss der Rat dagegen nicht und es ist zweifelhaft, ob seine Mitglieder überhaupt damit rechneten, dass die konservativen Kräfte im Umfeld des Königs diese Gelegenheit nutzen würden, um sich völlig von Mussolini und der faschistischen Partei zu trennen. Für den Ausgang der Abstimmung war entscheidend, dass „loyale“ Anhänger Mussolinis wie Farinacci die Situation falsch einschätzten und noch entschiedener als Grandi den persönlichen Führungsstil und die Fehlentscheidungen der letzten Jahre angriffen. Mussolini fiel auch bei dieser Beratung durch völlige Apathie auf; er ließ zur Verblüffung Scorzas den Entwurf Grandis zur Abstimmung zu, wodurch bei einigen Mitgliedern des Rates der Eindruck entstand, er wünsche dessen Annahme. Möglicherweise war dies – als Auftakt zu einer „ehrenhaften“ Aufkündigung der Bindung an Deutschland – tatsächlich der Fall. Mussolini sah seine Position nach dem Votum nicht als unmittelbar gefährdet an. Er begab sich am Nachmittag des 25. Juli in die Villa Savoia, die heutige Villa Ada, zum König, um diesen offiziell über den Beschluss zu informieren. Mussolini bot dem Monarchen an, die drei Streitkräfte-Ministerien und das Außenministerium abzugeben. Außerdem kündigte er an, mit Göring, der sich für den 29. Juli aus Anlass von Mussolinis 60. Geburtstag in Rom angesagt hatte, noch einmal über den Vorschlag einer strategischen Kräfteverlagerung in den Mittelmeerraum zu reden. Überraschend akzeptierte Viktor Emanuel III. jedoch den „Vorschlag“ des Großrats und gab dem konsternierten Mussolini zu verstehen, dass er ihn auch als Ministerpräsidenten entlassen und Marschall Pietro Badoglio das Amt übertragen werde. Anschließend wurde Mussolini in einem bereitstehenden Krankenwagen abtransportiert und in einer Carabinieri-Kaserne festgesetzt. Die Absetzung Mussolinis wurde am späten Abend im Radio bekanntgegeben. Noch in der Nacht versammelten sich tausende Menschen auf Straßen und Plätzen und feierten den Sturz des Diktators. In Rom, wo sich zusätzlich das Gerücht verbreitete, Hitler habe sich das Leben genommen, sollen sich auch deutsche Soldaten an den Kundgebungen beteiligt haben. In den „45 Tagen“ zwischen Mussolinis Sturz und der Besetzung des Landes durch deutsche Truppen verschwanden die faschistische Partei und die in zwei Jahrzehnten geschaffenen Institutionen des Regimes nahezu geräuschlos. Nach der Festnahme wurde Mussolini am 28. Juli auf der Insel Ponza und am 7. August auf dem Marinestützpunkt La Maddalena vor Sardinien interniert. Da hier ein deutscher Zugriff drohte, ordnete die Badoglio-Regierung am 28. August dessen Verlegung nach Campo Imperatore in das gleichnamige Hotel im Gran-Sasso-Massiv an, wo ihn am 12. September ein Kommandounternehmen deutscher Fallschirmjäger befreite . Vier Tage zuvor war der am 3. September unterzeichnete Waffenstillstand zwischen Italien und den Westalliierten bekannt geworden. Während der König und Badoglio am 9. September Hals über Kopf Rom verließen und nach Brindisi flohen, leitete das OKW die unter dem Stichwort „Achse“ vorbereitete Besetzung Italiens ein. Zu diesem Zeitpunkt hatten deutsche Stellen bereits die Einsetzung einer neuen faschistischen Regierung ins Auge gefasst, der Farinacci, Alessandro Pavolini und Mussolinis Sohn Vittorio angehören sollten, die Ende Juli / Anfang August nach Deutschland ausgeflogen worden waren. Bei einem Treffen mit Hitler, das am 14. September in Rastenburg stattfand, erklärte sich Mussolini bereit, selbst an die Spitze dieser Regierung zu treten. Am 18. September kündigte er über den Sender München seine Rückkehr nach Italien an. Mussolini kehrte am 23. September 1943 nach Italien zurück und leitete vier Tage später in seiner Privatresidenz Rocca delle Caminate in Meldola die erste Sitzung der neuen republikanischen Regierung. Deren Zusammenstellung hatte einige Schwierigkeiten bereitet, da Mussolini prodeutsche Hardliner wie Farinacci und Starace nicht in das Kabinett aufnehmen wollte, mehrere „moderate“ Faschisten seine Einladung aber ablehnten. Das Verteidigungsministerium übernahm nach einigem Zögern Marschall Rodolfo Graziani. An die Spitze der als Partito Fascista Repubblicano neugegründeten faschistischen Partei stellte Mussolini den bis zu diesem Zeitpunkt als „gemäßigt“ geltenden Alessandro Pavolini. Während sich Mussolini in der Frage der Staatsbezeichnung gegen deutsche Vorschläge durchsetzen konnte – Hitler hatte die Bezeichnung „Faschistische Republik“ statt „Soziale Republik“ gewünscht –, blieb es beim deutschen Veto gegen Rom als Regierungssitz. Daraufhin wurden die Behörden der formal erst am 1. Dezember 1943 ausgerufenen Repubblica Sociale Italiana auf verschiedene Städte und Gemeinden Norditaliens verteilt. Mussolini bezog die Villa Feltrinelli in Gargnano am Gardasee. Im nahen Salò nahm das Propagandaministerium seinen Sitz; dessen regelmäßige Kommuniqués ließen bereits die Zeitgenossen von der Repubblica di Salò sprechen. Mussolinis Beweggründe für die Übernahme einer Position, deren relative Bedeutungslosigkeit – er selbst soll sich wiederholt als „Bürgermeister von Gargnano“ ironisiert haben – ihm von Anfang an völlig klar war, sind in der Forschung umstritten. Die These, Mussolini habe sich „zur Verfügung“ gestellt und, als Person und im historischen Urteil, „geopfert“, um Italien eine direkte deutsche Besatzungsherrschaft zu ersparen, wurde in der Nachkriegszeit zunächst von neofaschistischen Autoren und nach 1990 von Historikern wie Renzo De Felice vertreten. Sie dominiert in verschiedenen Varianten heute die einschlägige italienische Literatur, wobei häufig vergleichend auf Pétain und das Vichy-Regime hingewiesen wird. Andere Historiker weisen diese Argumentation jedoch als ebenso apologetisch wie historisch falsch zurück: Mussolini sei auch im September 1943 nicht ohne – genuin faschistische – politische Ambitionen gewesen und habe die Forderung vieler Faschisten nach „Rache“ an den „Verrätern“ geteilt. Es wird außerdem betont, dass die von Mussolini schon in den Jahren zuvor gegenüber Vertrauten zum Ausdruck gebrachte Verachtung für das italienische Volk nach seiner Rückkehr noch ausgeprägter gewesen sei. Auch in den letzten, von ihm im Frühjahr 1945 bewusst als „Lebensbilanz“ inszenierten Gesprächen mit Journalisten fehle jeder direkte oder indirekte Hinweis auf eine Beschäftigung mit dem Schicksal Italiens oder der Italiener. Der Handlungsspielraum Mussolinis als Staatsoberhaupt, Regierungschef und Außenminister der RSI war räumlich und inhaltlich äußerst begrenzt. Die 1919 von Italien annektierten ehemals österreichischen Territorien waren – zusammen mit Teilen Venetiens – noch im September 1943 als sogenannte Operationszonen einer „vorläufigen“ deutschen Zivilverwaltung unterstellt worden. Auch im Rest des Staatsgebietes war die Autorität der RSI nur nominell. Die für Politik und Kriegführung wesentlichen Entscheidungen trafen der deutsche Oberbefehlshaber Süd Albert Kesselring, der für den Polizeiapparat zuständige SS-Obergruppenführer Karl Wolff und der „bevollmächtigte“ Botschafter Rudolf Rahn. Mit Wolff und Rahn traf Mussolini mehrmals wöchentlich zusammen. Die Wirtschaft Nord- und Mittelitaliens wurde von Generalmajor Hans Leyers, dem „Generalbevollmächtigten“ Albert Speers, ohne Konsultation italienischer Behörden rücksichtslos in den Dienst der deutschen Kriegswirtschaft gestellt. Da Mussolinis Leibwache und persönliche Kommunikationsmittel bis hin zum Telefon nicht von Truppen der RSI, sondern von einer Abteilung der Leibstandarte SS Adolf Hitler gestellt wurden, konnte er keinen Schritt ohne Einverständnis oder Wissen deutscher Stellen machen. Auch seine medizinische Betreuung übernahmen nun deutsche Ärzte. In Gargnano nahm Mussolini seine alte, nun aber weitgehend irrelevante Praxis wieder auf, täglich mehrere Besucher in viertel- oder halbstündigen „Audienzen“ zu empfangen. Daneben widmete er sich vor allem dem Verfassen von Beiträgen für die faschistische Presse. In der Schrift Storia di un anno stellte Mussolini seine Sicht auf die Ereignisse des Juli 1943 und deren Vorgeschichte dar. Mussolinis Einfluss auf die Kämpfe mit der bewaffneten antifaschistischen Widerstandsbewegung, die zehntausende Tote forderten und heute in Italien weithin als „Bürgerkrieg“ angesehen werden, blieb marginal. Er deckte die Versuche Pavolinis, den squadrismo der frühen 1920er Jahre wiederzubeleben, und befürwortete ausdrücklich die Hinrichtung von „Geiseln“ nach Partisanenaktionen. Unstrittig ist allerdings, dass er mehrfach gegen die schlimmsten Exzesse der häufig von deutschen Dienststellen protegierten, halbautonomen faschistischen Milizen intervenierte. So ließ er im Januar 1944 Junio Valerio Borghese und im Oktober 1944 den berüchtigten Pietro Koch verhaften. Gegenüber Rahn protestierte Mussolini gegen die Auslöschung ganzer Dörfer durch deutsche „Strafaktionen“ und drohte im September 1944 in diesem Zusammenhang mit seinem Rücktritt. Ähnliche Stellungnahmen Mussolinis gegen die Deportation italienischer Juden in deutsche Vernichtungslager sind nicht bekannt. Seit dem Herbst 1943 wurde ein Großteil der jüdischen Bevölkerung Italiens auf der Grundlage neuer antisemitischer Gesetze in Lagern zusammengefasst; etwa 7.500 Menschen wurden – meist aus dem seit Februar 1944 unter deutscher Verwaltung stehenden Lager Fossoli bei Modena – deportiert, wenige hundert kehrten zurück. Zwar tat Mussolini kaum etwas, um diese Politik zu fördern, schritt aber auch nicht dagegen ein. Am 11. Januar 1944 ließ Mussolini fünf ehemals führende Faschisten, unter ihnen sein Schwiegersohn Ciano und die beiden Altfaschisten Marinelli und De Bono, in Verona hinrichten . Mussolini war vollkommen bewusst, dass der den Angeklagten wegen ihres Votums vom 25. Juli 1943 gemachte Vorwurf des Hochverrats nicht zutraf. Die maßgeblichen „Verschwörer“ Grandi, Bottai und Federzoni hatten sich allerdings inzwischen abgesetzt. Unter dem Druck Pavolinis und anderer intransigenter Faschisten, die in Verona die Regie übernahmen und in Mussolinis Namen handelten, ignorierte er die Gnadengesuche und nahm den Bruch mit seiner Tochter Edda in Kauf, die im Januar 1944 in die Schweiz floh. Ernsthafte Versuche, eine handlungsfähige Regierung zu organisieren oder ein Regierungsprogramm zu entwickeln, unternahm Mussolini nicht mehr. Der staatliche Verwaltungsapparat blieb zwar bis hinunter zur Ebene der Gemeinden intakt, wurde aber von den Deutschen ebenso ignoriert wie von großen Teilen der Bevölkerung. Überdeutlich zeigte sich das, als die Republik am 9. November 1943 vier Jahrgänge zum Militärdienst einberief und sich weniger als 50.000 Mann in den Kasernen meldeten. Bis zum Sommer 1944, als die vier in Deutschland aufgestellten italienischen Divisionen nach Italien verlegt wurden, bestanden die Streitkräfte der RSI – abgesehen von der paramilitärischen Guardia Nazionale Repubblicana – aus einigen Flak- und Küstenbatterien sowie schwachen Verbänden der Luftwaffe und der Marine. Der von Hitler zunächst anders orientierte Mussolini hatte Ende 1943 einsehen müssen, dass die deutsche Seite keinerlei Interesse am Wiederaufbau italienischer Streitkräfte hatte. Mit einer gewissen Ausdauer verfolgte Mussolini von Gargnano aus das Thema der „Sozialisierung“, mit dem er die Arbeiter der norditalienischen Industriestädte an den Faschismus heranführen wollte . Nachdem dieser Ton, der an die programmatischen Anfänge des Faschismus im Jahr 1919 anknüpfte, bereits im November 1943 im Manifesto di Verona angeschlagen worden war, kam Mussolini im Laufe des Jahres 1944 immer wieder auf dieses Problem zu sprechen, obwohl sein deutscher „Berater“ Rahn die Verwendung antikapitalistischer Rhetorik grundsätzlich ablehnte. Noch am 25. März 1945 bestellte Reichsaußenminister von Ribbentrop den italienischen Botschafter Filippo Anfuso ein, um ihm mitzuteilen, dass Hitler diesen Kurs missbillige. Welchen Sinn der Begriff „Sozialisierung“ und der zur gleichen Zeit ins Gespräch gebrachte „menschliche, italienische und erreichbare“ Sozialismus im faschistischen Kontext hatten, blieb bis zuletzt selbst hohen RSI-Funktionären unklar. Im Ergebnis führte die „Sozialisierungs“-Gesetzgebung der RSI lediglich zu einer Festigung der staatlichen Kontrolle der Presse- und Verlagshäuser und zur Wahl von Vertretungskörperschaften der Belegschaften in einigen großen Betrieben. Propagandistisch erwiesen sich diese Kampagnen gerade bei den Arbeitern als völliger Fehlschlag und die deutschen Dienststellen waren nicht bereit, in wirtschaftlichen Fragen mit Italienern zu verhandeln, „am allerwenigsten mit Arbeitern oder Gewerkschaftern.“ Einer der Propagandisten der „Sozialisierung“ war der Journalist Nicola Bombacci, ein ehemaliger Kommunist, der sich in den 1930er Jahren dem Regime zur Verfügung gestellt hatte und in Gargnano zum regelmäßigen Gesprächspartner und „letzten Freund“ Mussolinis wurde. Am 22./23. April 1944 und am 20. Juli 1944 traf Mussolini zu seinen letzten persönlichen Unterredungen mit Hitler zusammen. Bei dem Treffen auf Schloss Kleßheim im April hielt Mussolini dem deutschen Diktator einen längeren Vortrag in deutscher Sprache. Er betonte, dass das Ansehen der RSI vor allem durch die Handlungen deutscher Dienststellen untergraben werde, verlangte Klarheit über die deutschen Absichten in den „Operationszonen“ und mahnte eine menschliche Behandlung der italienischen Militärinternierten in Deutschland an. Mussolini schlug bei dieser Gelegenheit noch einmal vor, einen „Kompromissfrieden“ oder Waffenstillstand mit der UdSSR anzustreben und die Hauptkräfte der Wehrmacht in den Westen zu verlegen. Hitler suchte Mussolini davon zu überzeugen, dass die „unnatürliche Allianz“ zwischen der Sowjetunion und den Westmächten nicht von Dauer sein werde, und kündigte den bevorstehenden Einsatz neuartiger deutscher Waffen an. Am 20. Juli 1944 hielt sich Mussolini für etwa drei Stunden in der Wolfsschanze auf, wo kurz zuvor der Attentatsversuch Claus von Stauffenbergs gescheitert war. Hier stimmte Hitler der Verlegung der beiden noch in Deutschland verbliebenen italienischen Divisionen nach Italien zu. Hitler bekundete bis zuletzt einen sentimentalen Respekt vor Mussolini und soll noch im Frühjahr 1945 geäußert haben, dass sich an seiner „persönlichen Verbundenheit mit dem Duce“ nichts geändert habe, auch wenn das Bündnis mit Italien ein Fehler gewesen sei. Mussolini trat am 16. Dezember 1944 im Mailänder Teatro Lirico zum letzten Mal öffentlich auf. Anfang April 1945 nahmen die britischen und amerikanischen Truppen in Norditalien ihren Vormarsch wieder auf, nachdem mehrere Monate eine faktische Kampfruhe geherrscht hatte. Am 24. April überschritten sie den Po, am nächsten Tag brach in Mailand ein Aufstand kommunistischer und sozialistischer Partisanen aus, dem der in voller Auflösung befindliche faschistische Staatsapparat nicht mehr gewachsen war. Mussolini hatte in den Wochen zuvor – unter anderem durch Vermittlung des Mailänder Kardinals Schuster – versucht, mit dem Comitato di Liberazione Nazionale in Verbindung zu treten. Er hatte dieses letzte politische Manöver mit der Entlassung des Innenministers Guido Buffarini-Guidi vorbereitet, eines in der Bevölkerung besonders verhassten, fanatischen Faschisten . Eine weitere Geste gegenüber der linken Widerstandsbewegung war die am 22. März verkündete sofortige „Sozialisierung“ der gesamten Industrie. Über Carlo Silvestri bot er nun an, die Macht an die Aktionspartei und die Sozialisten zu übergeben, falls ihm eine geordnete Kapitulation gegenüber den alliierten Streitkräften gestattet werde. Die versuchte „Verständigung“ mit dem nichtkommunistischen Flügel der Resistenza scheiterte endgültig am 25. April. An diesem Tag erfuhr Mussolini durch Mitarbeiter Schusters, dass der SS-General Karl Wolff seit Wochen mit Vertretern der Westmächte über eine Teilkapitulation der deutschen Truppen in Italien verhandelte. Nach wütenden Verratsvorwürfen an seine deutschen Begleiter floh Mussolini noch am Abend des 25. April zusammen mit seiner Geliebten Clara Petacci und einigen faschistischen Funktionären unter Mitnahme zahlreicher – bis heute verschollener – Geheimdokumente nach Norden. Ungeklärt ist, ob er die Absicht hatte, in die Schweiz zu entkommen, oder, wie in verschiedenen Gesprächen angedeutet, mit den im Veltlin versammelten Brigate Nere ein „letztes Gefecht“ liefern wollte. In Menaggio schloss sich Mussolini mit seiner zusammengeschmolzenen Entourage einer motorisierten deutschen Flak-Einheit an. An einer Straßensperre zwischen Musso und Dongo am Comer See wurde die Fahrzeugkolonne am 27. April 1945 von kommunistischen Partisanen angehalten. Bei der Durchsuchung wurde der als Flakkanonier verkleidete Mussolini erkannt und gefangen genommen. Noch am 27. April verbreitete der Mailänder Radiosender diese Nachricht. Am Folgetag traf eine Partisanengruppe aus Mailand in Dongo ein. Sie hatte den Befehl erhalten, das vom CLNAI am 25. April gegen Mussolini und andere führende Faschisten verhängte Todesurteil zu vollstrecken. Am Rande des Dorfes San Giulino di Mezzegra wurde Mussolini am Nachmittag des 28. April 1945 erschossen. Die Todesumstände Mussolinis sind bis in die Gegenwart Gegenstand von Spekulation und Mythenbildung geblieben. Die jüngere wissenschaftliche Literatur hat die zuletzt in den 1990er Jahren als „kommunistische Geschichtslegende“ angegriffene, „offizielle“ Version indes im Kern bestätigt. Die Leichen Mussolinis, Petaccis, Nicola Bombaccis, Alessandro Pavolinis und einiger anderer wurden anschließend nach Mailand transportiert und am 29. April auf dem Piazzale Loreto, wo am 10. August 1944 15 hingerichtete Partisanen zur Schau gestellt worden waren, kopfüber am Dach einer Tankstelle aufgehängt. Dabei kam es zu Schändungen der Leichen. Der Leichnam Mussolinis wurde durch amerikanische Ärzte einer Autopsie unterzogen und anschließend auf einem anonymen Gräberfeld des Mailänder Hauptfriedhofs Musocco beerdigt. In der Nacht zum 23. April 1946 wurde er von faschistischen Aktivisten um Domenico Leccisi ausgegraben, obwohl die genaue Lage der Grabstätte nur drei bis vier Personen bekannt gewesen sein soll. Der Leichnam wurde mit Unterstützung profaschistischer Priester zunächst im Veltlin, in einer Mailänder Kirche und zuletzt in einer Mönchszelle der Certosa di Pavia versteckt. Nach dreieinhalb Monaten entdeckt, veranlasste die italienische Regierung eine anonyme Beerdigung im Kapuzinerkloster Cerro Maggiore. Am 1. September 1957 wurde Mussolini im Beisein seiner Witwe Rachele Mussolini in der Familiengruft in Predappio unter dem Liktorenbündel, dem Symbol seiner Macht und des Faschismus, beigesetzt. Den Weg dafür hatte der christdemokratische Ministerpräsident Adone Zoli geebnet, der sich von dieser Geste gegenüber der radikalen Rechten die parlamentarische Unterstützung des neofaschistischen MSI erhoffte . Erscheinung und persönliche Lebensführung Mussolinis – oder das, was er dafür ausgeben ließ – waren ein integraler Bestandteil des Duce-Mythos, zu dem untrennbar die „theatralische Persönlichkeit“ gehört. Mussolini war ein Pionier der Politik als Schaugeschäft, als es – nicht nur in Italien – noch nicht üblich war, dass rhetorische Gesten und Sentenzen, inszenierte Auftritte, Äußerlichkeiten und Manierismen führender Politiker die öffentliche Debatte bestimmten. Das Regime sei, so Richard Bosworth, „vom spin getragen“ gewesen und als „Propagandastaat“ zu verstehen, „in dem nichts so war wie behauptet und in dem Worte das waren, was zählte.“ Mussolini sorgte in den verschiedenen Phasen der Entwicklung des Regimes für die verbindlichen „Worte“ und lieferte die emblematischen Posen. Seine charakteristische Physiognomie, seine „herrische“ Haltung, seine „mimische“ Präsenz als Redner – Aufreißen und Rollen der Augen, unterstreichendes, abgestuftes Gestikulieren, abruptes Vor- oder Zurückbeugen – waren schnell Gegenstand von Fotografie und Karikatur. In den 1920er Jahren galt er als der am meisten fotografierte Mensch der Geschichte. Die zu seinen Lebzeiten offiziell – durch Postkarten, Plakate, Sammelbilder und die Presse – in Umlauf gebrachten, mehr oder weniger gestellten Aufnahmen Mussolinis zeigen rund 2.500 verschiedene Motive. Der von der faschistischen Propaganda durch Bild und Text nach und nach konstruierte Duce war immer Herr der Situation, Vater und Ehemann, lebte sparsam und anspruchslos, arbeitete hart und konzentriert, trieb Sport, war Flieger, Fechter, körperlich fit und obendrein ein „Mann der Kultur“. Mussolini kontrollierte und steuerte diese Mythenbildung in hohem Maße selbst, etwa durch lange Interviews, die er über Jahre ausgewählten ausländischen Journalisten gewährte. Vieles an diesen Zuschreibungen war erfunden oder in charakteristischer Weise überzeichnet. Schon der als Staatsgeheimnis behandelte Gesundheitszustand Mussolinis war zweifelhaft: Seit seiner Verwundung 1917 hatte Mussolini Probleme, sich ohne fremde Hilfe die Schuhe anzuziehen. Im Februar 1925 erkrankte er erstmals ernsthaft und lag mit inneren Blutungen mehrere Wochen lang im Bett. Wahrscheinlich litt er schon zu diesem Zeitpunkt an einem Magen- oder Darmgeschwür. Eine Operation erfolgte auf seinen Wunsch hin nicht. Er ernährte sich fortan fast ausschließlich von Nudeln, Milch und Früchten und verzichtete auf Alkohol und Zigaretten, konnte damit aber lediglich einige Jahre lang die Symptome kontrollieren. Später musste er immer wieder – auch in der Sitzung des Großrats am 24./25. Juli 1943 – unvermittelt die Hände gegen den Bauch pressen, wenn die Schmerzen zu heftig wurden. Bereits vor seinem 50. Geburtstag begann er sichtbar zu altern und verfiel nach 1940 rasch physisch und psychisch. 1943 beschrieb ein ungarischer Besucher ihn als „sehr krank. Sein Kopf war kahl, seine Haut gelblich-weiß, und er sprach schnell, mit nervösen Gesten.“ Die deutschen Ärzte, die ihn im September 1943 umfassend untersuchten, diagnostizierten ein Darmgeschwür und eine vergrößerte Leber. Der Arzt Georg Zachariae nannte ihn in seinen Aufzeichnungen ein „physisches Wrack am Rande des Grabes“. Anzeichen für die Mussolini bis heute – mit Implikationen für die Interpretation seiner persönlichen Entwicklung und Politik – nachgesagte Syphilis fanden sie jedoch nicht, ebenso wenig wie die amerikanischen Ärzte, die 1945 die Leiche untersuchten. Ein typisches Beispiel für die Konstruktion des Duce ist der „Flieger“ Mussolini. Zwar hatte Mussolini im Juli 1920 begonnen, Flugunterricht zu nehmen, saß später aber nur gelegentlich am Steuer eines Flugzeugs. Dennoch ließ er Jahr für Jahr die Zahl seiner angeblichen Flugstunden, die in der Summe den Flugstunden eines Berufspiloten entsprachen, veröffentlichen. Das geschah nicht zufällig. Der Kult um Piloten und Flugzeuge war nach dem Ersten Weltkrieg bei der „neuen Rechten“ vieler Länder verbreitet, bei den italienischen Faschisten aber besonders ausgeprägt. Die Fliegerei erhob den „Einzelnen“ über die „Masse“ und galt als ebenso modern wie „antimarxistisch“. In der Frühphase der faschistischen Bewegung trat Mussolini vor Anhängern gelegentlich in Pilotenmontur auf, später ließ er sich immer wieder neben oder in Flugzeugen fotografieren. Im Januar 1937 erhielt er eine militärische Pilotenlizenz. Seine Gewohnheit war und blieb es allerdings, Flugzeuge dann zu steuern, wenn sie bereits in der Luft waren. Im August 1941 sorgte Mussolini bei der Entourage Hitlers für Entsetzen, als er darauf bestand, das Steuer der Maschine zu übernehmen, in der beide auf dem Weg zu einem Truppenbesuch an der Ostfront waren. Zur Konstruktion des Duce gehörte es auch, dass Mussolini als Fahrer schneller Autos, aggressiver Fechter, Tennisspieler, tollkühner Reiter, Schwimmer und Skifahrer inszeniert wurde, der die Begeisterung der Italiener für den Sport auch durch Funktionalisierung des Olympischen Komitees und der Sportzeitungen für die Unterstützung seiner Person und seiner Politik nutzte. Ein seinerzeit neues, mit einem „humanisierenden“ Subtext versehenes Element dieser Rollen war der „schwitzende“ Mussolini. Kein anderer Politiker der Zwischenkriegszeit war „auf diese Weise sichtbar ‚Mensch‘.“ Die so entstandene „eigentümliche Mischung des Göttlichen und des Profanen“ hatte auch eine „männliche“, sexuelle Komponente, die von der Propaganda nie dementiert, sondern unausgesprochen in den Duce-Kult integriert wurde. Details zu Mussolinis Promiskuität – einige Schätzungen gehen von etwa 400 verschiedenen Sexualpartnerinnen aus – wurden erst lange nach 1945 bekannt. Mussolini unterhielt bereits vor 1922 häufig Beziehungen mit mehreren Frauen gleichzeitig. Mit der Näherin Angela Cucciati hatte Mussolini eine uneheliche Tochter namens Elena . Diese erfuhr erst im Alter von 20 Jahren, dass er ihr leiblicher Vater war. Die für seine persönliche Entwicklung bedeutendste Beziehung war die mit Margherita Sarfatti, die dem Neuankömmling aus der Provinz nach 1912 die Salons des „respektablen“ Mailänder Bürgertums zugänglich machte. Bekannt ist auch sein Verhältnis mit der Kosmetikerin Ida Dalser, aus dem 1915 der Sohn Benito Albino hervorging. Mussolini erkannte auf Drängen Dalsers die Vaterschaft an und zahlte Unterhalt für das Kind, hielt aber strikt Distanz zu den beiden, nachdem er im Dezember 1915 eine Zivilehe mit Rachele Guidi eingegangen war. Möglicherweise hat Mussolini Dalser im Dezember 1914 kirchlich geheiratet. Da Dalser ihm über Jahre hinweg immer wieder „Szenen“ machte, ließ er sie 1926 in eine Nervenheilanstalt einweisen, wo sie 1937 starb. Es gilt als sicher, dass Mussolini weitere uneheliche Nachkommen hatte. Als Diktator nutzte Mussolini die Möglichkeit, seine einschlägigen Aktivitäten optimal zu organisieren. Im Palazzo Venezia befand sich direkt neben seinem Arbeitszimmer ein „Erholungsraum“, in dem er zahlreiche „Besucherinnen“ empfing. Mussolinis Verhalten gegenüber seinen Partnerinnen wird als körperlich und emotional rücksichtslos beschrieben. Rachele Mussolini hat die Affären ihres Mannes offenbar lange Zeit nicht zur Kenntnis genommen. Erst als Petacci ebenfalls ein Haus in Gargnano bezog, suchte sie die Rivalin im Oktober 1944 auf und forderte sie erfolglos auf zu verschwinden. Die „Enthüllungen“ über sein Sexualleben haben in den letzten Jahrzehnten immer wieder die populärwissenschaftliche und journalistische Publizistik beschäftigt, werden in der wissenschaftlichen Literatur aber meist nur am Rande vermerkt. Auch die Affäre mit der wohlhabenden Arzttochter Claretta Petacci, die 1936 begann und bis 1945 andauerte, könnte man, so der Historiker Richard Bosworth, ebenso wie alle anderen ignorieren, wenn sie nicht so lange gedauert und schließlich die Reputation des Regimes beeinträchtigt hätte: Während des Zweiten Weltkrieges sorgte die BBC dafür, dass die Machenschaften des „Petacci-Clans“ in ganz Italien bekannt wurden. Bosworth sieht in der Beziehung Mussolinis mit der ihm intellektuell weit unterlegenen Petacci ein „Symbol für den Niedergang des Diktators im letzten Jahrzehnt seiner Herrschaft“. In einem Spannungsverhältnis dazu stand das verzerrte Bild des „Familienmenschen“ Mussolini, das erst nach der conciliazione mit der Kirche von der Propaganda stärker bemüht wurde. Nach 1922 hatte Mussolini einige Jahre lang fast keinen Kontakt zu Frau und Kindern. Er lebte zunächst einige Monate in einem römischen Hotel, danach in einer Wohnung im Palazzo Tittoni, wo ihn eine Haushälterin unterstützte. Die Familie blieb in Mailand bzw. in Forlì, er traf sie zwei oder drei Mal im Jahr. Erst im Herbst 1929 holte Mussolini die Familie nach Rom, wo er inzwischen die repräsentative Villa Torlonia bezogen hatte. Dort empfing er nach 1929 nur äußerst selten Besuch, offenbar auf Wunsch seiner Frau, die innerhalb der Familie der „Diktator“ war. Rachele Mussolini pflegte auch in der Villa Torlonia weiter einen „bäuerlichen“ Lebensstil und begann, auf dem aristokratischen Anwesen Hühner, Kaninchen und Schweine zu züchten. Sie war auf ihre Weise „geschäftstüchtig“ und etablierte in der Romagna ein von ihr abhängiges Klientelnetzwerk. Ihre geschäftlichen Interessen waren 1933 einer der Auslöser für den Sturz Arpinatis, der sich ihr gegenüber wenig kooperativ gezeigt hatte. Mussolini zog sich in der Villa Torlonia so häufig wie möglich aus dem Kreis der Familie zurück, nahm Mahlzeiten allein ein und ließ sich in den Abendstunden die neuesten Filme, vorzugsweise amerikanische, vorführen. Zu seinen Kindern hatte er – abgesehen von der ältesten Tochter Edda – kein engeres Verhältnis. Die Söhne Vittorio und Bruno waren, wie Mussolini bald einsah, ohne politisches Talent. Nach dem Äthiopienkrieg, an dem beide als Piloten teilnahmen, traten sie öffentlich kaum mehr hervor. Vittorio ging in die Filmwirtschaft und versuchte erst 1943/44 zum Missfallen seines Vaters, eine aktive politische Rolle zu spielen. Bruno schlug eine Offizierslaufbahn ein und verunglückte im August 1941 bei einem Testflug mit der Piaggio P.108 tödlich. Die beiden zuletzt geborenen Kinder – der Sohn Romano und die seit dem siebten Lebensjahr an Kinderlähmung erkrankte Tochter Anna Maria – waren zu jung, um im Regime noch eine Rolle zu spielen. Der „Intellektuelle“ und „Kulturmensch“ Mussolini ist schwierig einzuordnen. Mussolini war ein produktiver Autor. Sein Stil war durchaus geschliffen und er äußerte sich – mit unterschiedlichem Tiefgang – zu allen großen politischen und kulturellen Debatten seiner Zeit. Seine nach dem Zweiten Weltkrieg von Anhängern zusammengestellten Reden und Schriften füllen 44 Bände. Auch im persönlichen Gespräch vermochte Mussolini zu beeindrucken; er teilte nicht Hitlers Vorliebe für „zielloses Geplauder“ und wird von Zeitgenossen, die mit beiden Diktatoren zu tun hatten, als der interessantere Gesprächspartner beschrieben. Allerdings neigte auch der Duce mit zunehmendem Alter zum anekdotischen Monologisieren. Zu beachten ist bei den überlieferten Äußerungen Mussolinis immer, dass diese selten in einem primär sach- oder problembezogenen Kontext stehen, sondern bei ihm in erster Linie darauf berechnet waren, beim Gegenüber oder Leser einen bestimmten Eindruck hervorzurufen. Sie verraten also allenfalls indirekt etwas über sein Wissen und seine Weltsicht, die über alle Brüche und Widersprüche hinweg irrationalen und reaktionären Ideologien verpflichtet blieb, aber viel darüber, wie er sein Publikum bzw. seine Gesprächspartner einschätzte und von ihnen gesehen werden wollte: „Sogar in den Gesprächen unter vier Augen setzte sich die Schauspielerei fort: seinen aufmerksameren Besuchern fiel auf, dass Mussolini seine Standpunkte änderte, um sie ihren anzupassen“. So lehnte er 1932 im Gespräch mit Emil Ludwig jegliche Rassentheorie als unhaltbar ab, nannte Ludwig später aber gegenüber einem anderen Gesprächspartner einen „schmutzigen und anmaßenden Juden“. Gerade in seinen Äußerungen über Wissenschaft, Kunst und Kultur finden sich viele Übertreibungen, Erfindungen und einander ausschließende Widersprüche. Da Mussolini glaubte, als Experte auf allen Gebieten gelten zu müssen, stellte er absurde Behauptungen auf wie die, er habe alle 35 Bände der Enciclopedia Italiana gelesen, lese die Texte antiker griechischer Philosophen im Original oder schaffe es, trotz der auf ihm lastenden Arbeitslast pro Jahr etwa 70 Bücher zu lesen. Zutreffend war, dass er beispielsweise Platon in Übersetzung las und auch seine sonstige Lektüre durchaus umfangreich war; italienischen Autoren ließ er nach Neuerscheinungen gelegentlich Anmerkungen und Kommentare zukommen. Deutsche und französische Autoren konnte er in der Originalsprache lesen. Hitlers Geschenk zu seinem 60. Geburtstag war eine 24-bändige Gesamtausgabe der Werke Nietzsches. Trotz gegenteiliger Behauptungen blieb ihm die englischsprachige Literatur vergleichsweise fremd. Sein Verhältnis zur darstellenden Kunst war widersprüchlich. Er sorgte persönlich für die Auslobung hochdotierter Preise, beklagte aber gern und häufig, dass ein Übermaß an ästhetischer Verfeinerung die Italiener über Jahrhunderte korrumpiert und verweichlicht habe. Werke der Malerei verstand er nach eigener Aussage nicht, Ausstellungen suchte er so gut wie nie auf. Die üblichen martialischen Worte über ein „totalitäres Konzept der Kultur“ hatten in diesem Bereich kaum unmittelbare Folgen für die künstlerische Produktion und auch die Populärkultur – insbesondere der Film – wurde im faschistischen Italien nicht annähernd so eng „geführt“ wie in Deutschland. In der Architektur zeigte Mussolini eine Vorliebe für Monumentalbauten. Rom sollte – in eklatantem Widerspruch zu seinen häufigen Stellungnahmen gegen die Verstädterung Italiens – wieder eine Metropole wie in der Antike werden, seine Bevölkerung verdoppeln und die 20 Kilometer bis zum Meer „überwinden“. Im Zentrum der Stadt wollte er alle Bauwerke aus den „Jahrhunderten der Dekadenz“ abreißen lassen. Kaum etwas von diesen Plänen, darunter die Errichtung einer den Faschismus symbolisierenden 80 Meter hohen Kolossalstatue, wurde umgesetzt – „einmal mehr war die Ankündigung das, worauf es ankam, die Ausführung war weniger wichtig.“ Das für die 1942 geplante Weltausstellung errichtete EUR-Viertel blieb die auffälligste architektonische Hinterlassenschaft des Faschismus in der Hauptstadt. Den von der Propaganda herausgestellten „bescheidenen“ Lebensstil Mussolinis hat die Forschung relativiert. Bereits 1919 konnte die Familie Mussolini eine repräsentative Wohnung am Mailänder Foro Buonaparte beziehen; Mussolini besaß zu diesem Zeitpunkt nicht nur ein Auto, sondern als einer der ersten Menschen in Europa auch ein Privatflugzeug. Persönlich war Mussolini in gewisser Weise gleichgültig gegenüber Luxus und Geld, wurde aber als Ministerpräsident schnell sehr wohlhabend. Das Gehalt als Regierungschef bezog er nur bis 1928 . Ein großer Teil seines Einkommens bestand aus Honoraren und Tantiemen für Artikel, Reden und andere Schriften. Eine Zeit lang zahlte ihm beispielsweise der amerikanische Pressemagnat William Randolph Hearst die seinerzeit hohe Summe von 1.500 Dollar pro Woche für gelegentliche Beiträge in dessen Zeitungen. Für eine Autobiographie, die Mussolini 1927/28 schrieb , zahlte ihm ein britischer Verlag einen Vorschuss von 10.000 Pfund Sterling. Der Popolo d’Italia war nicht nur das Sprachrohr des Regimes, sondern auch Eigentum Mussolinis und mit etwa 700 Mitarbeitern ein profitabler Pressegroßbetrieb. Die Familie Mussolini besaß außerdem etwa 30 ha gutes Ackerland in der Romagna, das sie von einem modern ausgestatteten landwirtschaftlichen Modellbetrieb bewirtschaften ließ. Die von Mussolini persönlich zu bestreitenden Ausgaben waren demgegenüber gering. Die großgrundbesitzenden Torlonias überließen dem Duce ihre römische Villa für eine symbolische Miete. Das von Mussolini als Alters- und Familiensitz ausersehene Anwesen Rocca delle Caminate bei Predappio schenkte ihm 1927 „die Nation“. Nach der Beisetzung im Jahr 1957 wurde die Kleinstadt Predappio zu einer „Pilgerstätte“ für Mussolinis Anhänger. Devotionalien waren an jeder Straßenecke erhältlich, bis die Gemeindeverwaltung den Ladenverkauf im April 2009 verbot. In jedem Jahr versammeln sich zum Geburts- und Todestag Mussolinis im Juli bzw. April sowie im Oktober am Jahrestag der Marcia su Roma jeweils mehrere tausend Neofaschisten in Predappio; ihr Marsch zum Friedhof San Cassiano wurde lange von einem Priester der Piusbruderschaft angeführt. Das öffentliche Bild Mussolinis in Italien wandelte sich stark. Bis in die 1980er Jahre hinein bekannten sich die drei großen Parteien – PCI, PSI und mit Einschränkungen auch die DC – gleichermaßen zum Erbe der Resistenza. Die offene Verehrung für den Duce blieb dem neofaschistischen MSI vorbehalten, der bei Wahlen in seinen Hochburgen in Mittel- und Süditalien zum Teil über 20 Prozent der Stimmen erhielt. Weniger sichtbar, aber politisch gewichtiger waren die in den Netzwerken des italienischen Bürgertums sowie im Militär-, Polizei- und Geheimdienstapparat konservierten faschistischen Orientierungen. Bereits in den Nachkriegsjahrzehnten pflegte ein einflussreicher Teil der italienischen Publizistik – prominent etwa der konservative Journalist und vielgelesene Sachbuchautor Indro Montanelli – das Bild vom „guten Onkel Mussolini“, der als paternalistischer Diktator nichts Schlimmeres getan habe als „Grimassen zu schneiden“. Die Veröffentlichung des ersten Teils des dritten Bandes der Mussolini-Biographie Renzo De Felices und die anschließende, durch ein Interview mit dem neokonservativen amerikanischen Autor Michael Ledeen ausgelöste Kontroverse signalisierte 1974/75 den Übergang maßgeblicher Zeithistoriker auf „anti-antifaschistische“ Positionen. De Felices Konsens-These und seine Unterscheidung zwischen faschistischem „Regime“ und faschistischer „Bewegung“ , die nicht reaktionär und repressiv, sondern zukunftsorientiert, optimistisch und von den modernisierungswilligen „aufsteigenden Mittelschichten“ getragen gewesen sei, wiesen linke Kritiker wie der Historiker Nicola Tranfaglia als großangelegten „Versuch einer Rehabilitierung der faschistischen Bewegung“ zurück. Nach 1980 traten im öffentlichen Diskurs über Mussolini und das faschistische Regime immer deutlicher relativierende Züge hervor, von der zunächst vorsichtigen Infragestellung tatsächlicher oder vermeintlicher „Legenden“ der antifaschistischen Erinnerungskultur zur offenen Rechtfertigung des Duce. Zur Jahreswende 1987/88 sagte De Felice, unterstützt von Journalisten wie Montanelli und Stimmen aus dem Umfeld des ehemaligen Ministerpräsidenten Bettino Craxi, der „offiziellen Kultur des Antifaschismus“ in mehreren Zeitungsbeiträgen den Kampf an. Auf dem Höhepunkt dieser Kampagne wurde der Mussolini der Jahre 1943–45 in einem 1995 in Buchform veröffentlichten und mehrfach neu aufgelegten umfangreichen Interview als „tragischer Held“ dargestellt, der sich für das Vaterland geopfert habe. Mit dem Zusammenbruch des italienischen Parteiensystems zu Beginn der 1990er Jahre und der Neugruppierung des konservativen Lagers um Silvio Berlusconi in den Jahren danach setzte sich auch im Mainstream der italienischen Politik eine zum Teil offene Apologie Mussolinis durch. Grundsätzlich kritisiert werden seither häufig nur noch die Rassengesetze des Jahres 1938 und das „verhängnisvolle“ Bündnis mit Deutschland. 2003 erregte Berlusconi mit der Äußerung Aufsehen, Mussolini sei für keinen einzigen Toten verantwortlich, zudem seien die Straflager und Gefängnisse des Regimes „Ferienlager“ gewesen. Als Ministerpräsident ließ Berlusconi es zu, dass Anhänger ihn bei öffentlichen Auftritten mit dem saluto romano grüßten und mit „Duce, Duce“-Rufen feierten. Der Schweizer Historiker Aram Mattioli konstatierte 2010 eine inzwischen durchgesetzte „revisionistische ‚Normalität‘“, die bis hinein in die „Mitte der Gesellschaft“ nicht mehr als problematisch empfunden werde – mit Straßenbenennungen, „guten Faschisten“ als Filmhelden und Gesetzesvorschlägen, „die Mussolinis letztes Aufgebot und die Kollaborateure von Salò den Kämpfern der Resistenza gleichstellen wollen“. Der australische Historiker Richard Bosworth sieht für diese Neubewertung drei Wurzeln: Mussolinis Ehrenbürgerschaft wurde in mehreren italienischen Städten, darunter Salò und Anzio, bis heute nicht ausdrücklich widerrufen. Für die Regierungsform unter Benito Mussolini hat sich unter anderem durch Publikationen die Bezeichnung Mussolinismus etabliert. Editionen und Dokumentensammlungen Ressourcen Biographisches Camillo Benso von Cavour | Bettino Ricasoli | Urbano Rattazzi | Luigi Carlo Farini | Marco Minghetti | Alfonso La Marmora | Bettino Ricasoli | Urbano Rattazzi | Luigi Federico Menabrea | Giovanni Lanza | Marco Minghetti | Agostino Depretis | Benedetto Cairoli | Agostino Depretis | Benedetto Cairoli | Agostino Depretis | Francesco Crispi | Antonio Starabba di Rudinì | Giovanni Giolitti | Francesco Crispi | Antonio Starabba di Rudinì | Luigi Pelloux | Giuseppe Saracco | Giuseppe Zanardelli | Giovanni Giolitti | Tommaso Tittoni | Alessandro Fortis | Sidney Sonnino | Giovanni Giolitti | Sidney Sonnino | Luigi Luzzatti | Giovanni Giolitti | Antonio Salandra | Paolo Boselli | Vittorio Emanuele Orlando | Francesco Saverio Nitti | Giovanni Giolitti | Ivanoe Bonomi | Luigi Facta | Benito Mussolini | Pietro Badoglio | Ivanoe Bonomi | Ferruccio Parri | Alcide De Gasperi Camillo Benso von Cavour | Bettino Ricasoli | Urbano Rattazzi | Giacomo Durando | Giuseppe Pasolini | Emilio Visconti-Venosta | Alfonso La Marmora | Bettino Ricasoli | Emilio Visconti-Venosta | Federico Pescetto | Pompeo di Campello | Luigi Federico Menabrea | Emilio Visconti-Venosta | Luigi Amedeo Melegari | Agostino Depretis | Luigi Corti | Benedetto Cairoli | Agostino Depretis | Benedetto Cairoli | Pasquale Stanislao Mancini | Agostino Depretis | Carlo Felice Nicolis di Robilant | Agostino Depretis | Francesco Crispi | Antonio Starabba di Rudinì | Benedetto Brin | Alberto Blanc | Onorato Caetani | Emilio Visconti-Venosta | Raffaele Cappelli | Felice Napoleone Canevaro | Emilio Visconti-Venosta | Giulio Prinetti | Enrico Morin | Tommaso Tittoni | Antonino Paternò-Castello | Francesco Guicciardini | Tommaso Tittoni | Francesco Guicciardini | Antonino Paternò-Castello | Antonio Salandra | Sidney Sonnino | Tommaso Tittoni | Francesco Saverio Nitti | Vittorio Scialoja | Carlo Sforza | Ivanoe Bonomi | Pietro Tomasi Della Torretta | Carlo Schanzer | Benito Mussolini | Dino Grandi | Benito Mussolini | Galeazzo Ciano | Benito Mussolini | Raffaele Guariglia | Pietro Badoglio | Ivanoe Bonomi | Alcide De Gasperi Marco Minghetti | Bettino Ricasoli | Urbano Rattazzi | Ubaldino Peruzzi | Giovanni Lanza | Giuseppe Natoli | Desiderio Chiaves | Bettino Ricasoli | Urbano Rattazzi | Filippo Antonio Gualterio | Carlo Cadorna | Gerolamo Cantelli | Luigi Ferraris | Antonio Starabba di Rudinì | Giovanni Lanza | Gerolamo Cantelli | Giovanni Nicotera | Francesco Crispi | Agostino Depretis | Giuseppe Zanardelli | Agostino Depretis | Tommaso Villa | Agostino Depretis | Francesco Crispi | Giovanni Nicotera | Giovanni Giolitti | Francesco Crispi | Antonio Starabba di Rudinì | Luigi Pelloux | Giuseppe Saracco | Giovanni Giolitti | Giuseppe Zanardelli | Giovanni Giolitti | Tommaso Tittoni | Alessandro Fortis | Sidney Sonnino | Giovanni Giolitti | Sidney Sonnino | Luigi Luzzatti | Giovanni Giolitti | Antonio Salandra | Vittorio Emanuele Orlando | Francesco Saverio Nitti | Giovanni Giolitti | Ivanoe Bonomi | Luigi Facta | Paolino Taddei | Benito Mussolini | Luigi Federzoni | Benito Mussolini | Bruno Fornaciari | Umberto Ricci | Vito Reale | Ivanoe Bonomi | Ferruccio Parri | Giuseppe Romita Manfredo Fanti | Bettino Ricasoli | Alessandro Della Rovere | Agostino Petitti Bagliani di Roreto | Alessandro Della Rovere | Agostino Petitti Bagliani di Roreto | Ignazio De Genova di Pettinengo | Efisio Cugia | Genova Giovanni Thaon di Revel | Ettore Bertolè Viale | Giuseppe Govone | Cesare Ricotti-Magnani | Luigi Mezzacapo | Giovanni Bruzzo | Cesare Bonelli | Gustavo Mazè de la Roche | Cesare Bonelli | Ferdinando Acton | Bernardino Milon | Emilio Ferrero | Cesare Ricotti-Magnani | Ettore Bertolè Viale | Luigi Pelloux | Stanislao Mocenni | Cesare Ricotti-Magnani | Luigi Pelloux | Alessandro Asinari di San Marzano | Giuseppe Mirri | Luigi Pelloux | Coriolano Ponza di San Martino | Enrico Morin | Giuseppe Ottolenghi | Ettore Pedotti | Luigi Majnoni d’Intignano | Giuseppe Ettore Viganò | Severino Casana | Paolo Spingardi | Domenico Grandi | Vittorio Italico Zupelli | Paolo Morrone | Gaetano Giardino | Vittorio Luigi Alfieri | Vittorio Italico Zupelli | Enrico Caviglia | Giovanni Sechi | Alberico Albricci | Ivanoe Bonomi | Giulio Rodinò | Ivanoe Bonomi | Giulio Rodinò | Luigi Gasparotto | Pietro Lanza di Scalea | Marcello Soleri | Armando Diaz | Antonino Di Giorgio | Benito Mussolini | Pietro Gazzera | Benito Mussolini | Antonio Sorice | Taddeo Orlando | Alessandro Casati | Stefano Jacini | Manlio Giovanni Brosio
2024-12-02 03:38:31
https://de.wikipedia.org/wiki/Jean-Pascal_Delamuraz
Jean-Pascal Delamuraz war ein Schweizer Politiker . Delamuraz studierte Politikwissenschaften an der Universität Lausanne und schloss sein Studium im Jahr 1960 ab. Sein erstes politisches Amt übte er als Gemeinderat von Lausanne aus. Im Jahre 1969 wechselte er in den Stadtrat und hatte dort Einsitz bis 1981. Vom Stimmvolk des Kantons Waadt wurde Delamuraz 1975 in den Nationalrat gewählt und 1981 in den Staatsrat des Kantons Waadt. Dort stand er dem Departement für Landwirtschaft, Handel und Industrie vor. Jean-Pascal Delamuraz wurde am 7. Dezember 1983 mit 130 von 246 Stimmen im 1. Wahlgang in den Bundesrat gewählt. Er wurde 1987 mit 194 von 244 Stimmen, 1991 mit 172 von 240 Stimmen und 1995 mit 193 von 242 Stimmen im Amt bestätigt. Am 14. Januar 1998 gab er aus gesundheitlichen Gründen seinen Rücktritt bekannt und übergab sein Amt am 30. März 1998 an seinen Nachfolger Pascal Couchepin. Knapp sechs Monate später erlag er seinem Krebsleiden. Delamuraz war vor allem im Welschland ein sehr beliebter Politiker. Er war ein ausgewiesener Befürworter des EU-Beitritts der Schweiz. Während seiner Amtszeit stand er den folgenden Departementen vor: Er war Bundespräsident in den Jahren 1989 und 1996 und Vizepräsident in den Jahren 1988 und 1995. Ulrich Ochsenbein | Friedrich Frey-Herosé | Jakob Stämpfli | Constant Fornerod | Emil Welti | Victor Ruffy | Paul Cérésole | Johann Jakob Scherer | Wilhelm Hertenstein | Walter Hauser | Emil Frey | Eduard Müller | Eugène Ruffy | Ludwig Forrer | Arthur Hoffmann | Camille Decoppet | Karl Scheurer | Rudolf Minger | Karl Kobelt | Paul Chaudet | Nello Celio | Rudolf Gnägi | Georges-André Chevallaz | Jean-Pascal Delamuraz | Arnold Koller | Kaspar Villiger | Adolf Ogi | Samuel Schmid | Ueli Maurer | Guy Parmelin | Viola Amherd Friedrich Frey-Herosé | Wilhelm Matthias Naeff | Josef Munzinger | Constant Fornerod | Josef Martin Knüsel | Johann Jakob Scherer | Karl Schenk | Joachim Heer | Numa Droz | Louis Ruchonnet | Adolf Deucher | Adrien Lachenal | Ludwig Forrer | Josef Anton Schobinger | Edmund Schulthess | Hermann Obrecht | Walther Stampfli | Rodolphe Rubattel | Thomas Holenstein | Friedrich Traugott Wahlen | Hans Schaffner | Ernst Brugger | Fritz Honegger | Kurt Furgler | Jean-Pascal Delamuraz | Pascal Couchepin | Joseph Deiss | Doris Leuthard | Johann Schneider-Ammann | Guy Parmelin Samuel Jacques Hollard | Charles-Marc Secretan | Édouard Dapples | Victor Gaudard | Édouard Dapples | Louis Joël | Samuel Cuénoud | Berthold van Muyden | Louis Gagnaux | Berthold van Muyden | André Schnetzler | Paul Maillefer | Arthur Freymond | Paul Rosset | Paul Perret | Emmanuel Gaillard | Arthur Maret | Jules-Henri Addor | Pierre Graber | Jean Peitrequin | Georges-André Chevallaz | Jean-Pascal Delamuraz | Paul-René Martin | Yvette Jaggi | Jean-Jacques Schilt | Daniel Brélaz | Grégoire Junod
2024-12-03 20:17:34
https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Bisamberg
Das Schloss Bisamberg ist ein unter Denkmalschutz stehendes ehemaliges Wasserschloss an der Hauptstraße im Zentrum der Marktgemeinde Bisamberg . Die Fassaden haben eine Spätrenaissancegliederung mit frühbarocken Ergänzungen. Im Jahre 1130 wurde erstmals eine Herrschaft Bisamberg urkundlich erwähnt. Eine weitere Urkunde aus dem Jahre 1203 belegt, dass Prun de Puisenberg vom Stift Vormbach ein Wirtschaftshof und dazugehörige Weingärten überlassen wurden. Dieser Herrenhof der Pisenberger und nachfolgender Geschlechter stand vermutlich bereits an der Stelle, an der sich heute das Schloss befindet. Im Jahre 1568 erwarb der katholische Hofvizekanzler Johannes Baptist Weber das Dorf Bisamberg samt dem Freihof und nach der Übernahme der Herrschaft durch seinen gleichnamigen Sohn im Jahre 1586 wurden die alten Gebäude abgerissen und das Schloss im Renaissancestil errichtet. Ein Stich von Georg Matthäus Vischer aus dem Jahre 1672 zeigt den dreigeschossigen Renaissancebau mit vier aufgesetzten Ecktürmchen, umgeben von einem Wassergraben und flankiert von zwei Bastionen, der vorne über die Stiege und seitlich über eine Zugbrücke erschlossen wird. Nach dem Aussterben der Familie Weber im Mannesstamm ging der Besitz im Jahre 1637 durch Heirat der Katharina Freiin von Weber an Ernst Graf von Abensperg und Traun. Aus dieser Ehe ging die im Jahre 1649 geborene Tochter Margarete hervor, die als Gräfin Strattmann in zweiter Ehe im Jahre 1685 in den Besitz der Herrschaft Bisamberg kam. Nach Brandschäden in den Jahren 1661 und 1663 kam es in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts zu baulichen Veränderungen. Weitere Veränderungen folgten Ende des 18./Anfang des 19. Jahrhunderts. Anlässlich einer Renovierung im Jahre 1821 wurde der Wassergraben zugeschüttet und mit Obstbäumen bepflanzt. Dem Schloss war ein langgestrecktes Gebäude mit einem Torturm vorgelagert, in welchem das herrschaftliche Gericht und die Gefängniszellen untergebracht waren und das 1848 abgerissen wurde. Der straßenseitig gelegene Schlossgarten und der darin stehende Schüttkasten wurden 1985 bis 1987 von der Marktgemeinde Bisamberg erworben und der Schüttkasten zu einer Mehrzweck-Veranstaltungshalle umgebaut. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts kam es zu größeren Veränderungen, wobei klassizistische Akzente gesetzt wurden. 1945 wurde das Gebäude vollständig ausgeplündert. Fußböden, Fenster und Türstöcke wurden verheizt und das Dach zerstört. Bisamberg blieb bis 1961 bei der Familie Abensperg-Traun und wurde dann an Dipl.-Ing. Gottfried Petricek verkauft, der es sanieren ließ. Das Schloss ist in Privatbesitz. Im Schlossgarten steht eine alte römische Säule, die der Gemeinde vom Archäologiepark Carnuntum zur Verfügung gestellt wurde und links vom Eingang in den Park ist eine moderne Plastik „Venus von Bisamberg“ aus Bisamberger Sandstein, die der Wiener Bildhauer Wolfgang Krebs 1989 geschaffen hat. Die Mittelachse des rechteckigen, langgestreckten, dreigeschossigen Baukörpers wird durch gekuppelte Fenster betont. Ein Ziegelwalmdach schließt den Baukörper ab. An den Ecken sind Turmaufsätze, die später mit geschweiften Zeltdächern versehen wurden. Die Fassade hat eine einheitliche Spätrenaissancegliederung durch Kordonbänder und kräftige Ecksteine. Sie wurde an der Eingangsfront nach 1667 zu einer frühbarocken Putzplattengliederung ergänzt und wird durch ein Kranzgesims auf Volutenkonsolen abgeschlossen. In der Mittelachse ist ein mit 1568 bezeichnetes mächtiges Rundbogenportal mit einer klassizistischen Doppelflügeltür. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde eine klassizistische Altane auf Doppelsäulen vorgebaut. Über dem Balkon ist eine aus mehreren Teilen zusammengesetzte Tafel aus Gusseisen mit einer Bauinschrift aus dem Jahre 1568. In der Mittelachse der Gartenfront ist eine vorgebaute Kapelle. Sie ist über einem giebelartig überdachten Unterbau errichtet und hat im Erdgeschoss ein Rundbogenportal. Alle drei Geschosse sind durch eine dreiläufige Treppe verbunden und haben durchgehende Mitteflurhallen. Im Treppenhaus ist eine teilweise freigelegte ursprünglich spätbarocke Dekorationsmalerei aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Im zweiten Geschoss ist ein dreiachsiger durchgehender Festsaal, der parallel zum Mittelflur gelegen ist. 48.3310216.36295Koordinaten: 48° 19′ 51,7″ N, 16° 21′ 46,6″ O Schloss Altprerau | Schloss Angern | Schloss Asparn | Schloss Bisamberg | Schloss Dürnkrut | Schloss Ebenthal | Schloss Eckartsau | Schloss Ernstbrunn | Burgruine Falkenstein | Schloss Fünfkirchen | Schloss Gatterburg | Schloss Glaswein | Schloss Göllersdorf | Schloss Grafenegg | Burgruine Grafenweiden | Schloss Groß | Schloss Großharras | Schloss Großrußbach | Schloss Groß-Schweinbarth | Schloss Guntersdorf | Schloss Hagenberg | Ruine Hanselburg | Schloss Hof | Schloss Immendorf | Schloss Jedenspeigen | Schloss Juliusburg | Burg Kaja | Schloss Kirchstetten | Burg Kreuzenstein | Schloss Ladendorf | Schloss Limberg | Schloss Loosdorf | Schloss Mailberg | Schloss Maissau | Schloss Marchegg | Schloss Matzen | Schloss Mühlbach | Schloss Niederabsdorf | Schloss Niederfellabrunn | Schloss Niederkreuzstetten | Schloss Niederleis | Schloss Niederweiden | Schloss Obersiebenbrunn | Schloss Oberstockstall | Schloss Orth | Schloss Pellendorf | Schloss Poysbrunn | Schloss Rabensburg | Schloss Sachsengang | Schloss Schmida | Schloss Schönborn | Schloss Schrattenthal | Schloss Seebarn | Schloss Seebarn am Wagram | Schloss Seefeld | Schloss Sonnberg | Burgruine Staatz | Schloss Thürnthal | Schloss Ulrichskirchen | Schloss Unterdürnbach | Schloss Walkersdorf | Schloss Walterskirchen | Schloss Wetzdorf | Schloss Wilfersdorf | Schloss Winklberg | Schloss Wolkersdorf | Schloss Würmla
2024-12-01 21:59:51
https://de.wikipedia.org/wiki/GS_Group
GS Holdings ist ein südkoreanisches Unternehmen mit Firmensitz in Seoul. Es gehört zu den 10 größten Jaebeols in Südkorea. Das Unternehmen entstand 2005 durch Abspaltung von der südkoreanischen LG Group. GS Group ist über seine Tochterunternehmen in den Bereichen Energie, Handel und Bauwesen tätig. Das Tochterunternehmen GS Sports ist Eigentümer des Fußballvereins FC Seoul, der schon mehrmals südkoreanischer Meister wurde. Zu GS Retail gehört GS25, eine der drei größten Ketten für Convenience Stores in Südkorea. Das Unternehmen erzielte 2007 operative Einnahmen von 420,2 Milliarden Won .
2024-12-03 17:10:22
https://de.wikipedia.org/wiki/Kinga_Janurik
Kinga Janurik ist eine ungarische Handballspielerin. Kinga Janurik spielte zunächst in Ungarn für Körösi DSE und Újbuda TC. 2010 wechselte sie zu Érd HC. Nach Zehn Spielzeiten unterschrieb sie einen Vertrag ab 2020 für Ferencváros Budapest. Mit Budapest gewann sie 2021 und 2024 die ungarische Meisterschaft, sowie mehrfach den ungarischen Pokal. 2023 standen sie zudem im Finale der EHF Champions League, wo sie jedoch gegen Vipers Kristiansand verloren. Mit der ungarischen Juniorinnen-Nationalmannschaft gewann sie die Silber-Medaille bei der U19-Europameisterschaft 2009. Ihr erstes Turnier mit der A-Nationalmannschaft war die Europameisterschaft 2016, wo sie mit Ungarn den 12. Platz belegte. Im folgenden Jahr bei der Weltmeisterschaft 2017 belegten sie den 15. Platz. Sie stand im Kader für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio. Bei der Europameisterschaft 2022 belegten sie den 11. Platz. Bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris stand sie erneut im Kader.
2024-12-03 18:15:48
https://de.wikipedia.org/wiki/Curling-Juniorenweltmeisterschaft_2020
Die Curling-Juniorenweltmeisterschaft 2020 soll vom 15. bis 22. Februar in Krasnojarsk, Russland, in der Crystal Ice Arena stattfinden. 1975 | 1976 | 1977 | 1978 | 1979 | 1980 | 1981 | 1982 | 1983 | 1984 | 1985 | 1986 | 1987 | 1988 | 1989 | 1990 | 1991 | 1992 | 1993 | 1994 | 1995 | 1996 | 1997 | 1998 | 1999 | 2000 | 2001 | 2002 | 2003 | 2004 | 2005 | 2006 | 2007 | 2008 | 2009 | 2010 | 2011 | 2012 | 2013 | 2014 | 2015 | 2016 | 2017 | 2018 | 2019 | 2020 | 2021 | 2022 | 2023 | 2024
2024-12-02 02:16:43
https://de.wikipedia.org/wiki/Lothar_Friedrich_von_Hundheim
Freiherr Lothar Friedrich von Hundheim oder Hontheim war ein Oberamtmann, General-Kriegskommissar, Staatsminister und Diplomat der Kurpfalz. Lothar Friedrich von Hundheim wurde als Sohn des metternichschen Amtmanns von Neckarsteinach geboren. Seine Eltern waren Johann Wilhelm von Hontheim , der dort 1677 und 1685 urkundlich belegt ist, und Maria Elisabeth von Schönberg. Seine Großeltern waren der kurtrierische Geheimrat Johann Wolfgang Hontheim und Margarethe Morbach . Sein Bruder war Philipp Karl von Hundheim. Die Ruine einer Höhenburg unbekannten Namens, die um 1200 aufgegeben wurde und modern Burg Hundheim genannt wird, liegt bei Neckarhausen, etwa drei Kilometer flussaufwärts von Neckarsteinach auf der hessischen Seite. Dabei handelt es sich jedoch nicht um den ursprünglichen Stammsitz der Familie von Hundheim. Die von Hundheim entstammen einer Trierer bzw. Eifeler Ministerialenfamilie Hontheim, die 1622 geadelt worden war. Die von Hontheim besaßen gemeinschaftlich mit den von Anethan die Burgen von Densborn in der Vulkaneifel. Der Trierer Weihbischof Johann Nikolaus von Hontheim war der Sohn eines Cousins von Lothar Friedrich von Hundheim und führte dasselbe Wappen. Lothar Friedrich von Hundheim war von 1694 bis 1710 kurpfälzischer Amtmann zu Dilsberg. Er wurde auch zum Oberamtmann von Kreuznach bestellt. Im Oktober 1696 wurde er zum kurpfälzischen Regierungsrat mit Sitz- und Stimmrecht und noch vor 1700 zum Kriegsrat ernannt. Er ließ sich in den Ämtern Dilsberg und Kreuznach zumeist von Amtsverwesern vertreten. 1697/98 waren Hundheim und Regierungsrat Johann Heinrich Violät als Katholiken sowie der reformierte Regierungsrat Johann Matthias Haumüller von Mühlenthal Mitglieder einer sogenannten „Admodiationskommission“, die das linksrheinische Kirchengut in der Kurpfalz zwischen den Konfessionen aufteilen sollte. 1698 kaufte Lothar Friedrich von Hundheim Ilvesheim, Lützelsachsen, Hornbach und Kreidach von ihrem Pfandherren Graf Johann Jakob von Hamilton und wurde 1700 von Kurfürst Johann Wilhelm von der Pfalz damit belehnt. Um 1700 ließ er auf den Grundmauern der 1689 zerstörten Erlenburg Schloss Ilvesheim neu erbauen, vermutlich von Johann Adam Breunig . 1714 ließ Hundheim das Ilvesheimer Dorf-Weistum von 1595 und 1606 erneuern. Auf Anregung des Festungsbauingenieurs Platzmajor Francisco de Robiano schlug Hundheim dem Kurfürsten Johann Wilhelm 1699 vor, die Festungsbauten in Mannheim zur Kostensenkung künftig nicht mehr freihändig zu vergeben, sondern an „General-Entrepeneure“ zu versteigern; die öffentliche Versteigerung fand 1700 statt. 1701 legte Hundheim im Namen des Kurfürsten zusammen mit dem Speyerer Weihbischof Peter Cornelius Beyweg den Grundstein für die St. Rochus-Kirche des Kapuzinerklosters in Mannheim. Er wohnte in dieser Zeit in Heidelberg, wo auch mindestens eines seiner Kinder geboren wurde. Im März 1702 nahm Hundheim für die Kurpfalz am kurrheinischen Kreistag in Frankfurt am Main teil. Während der Kreis bisher eine neutrale bzw. frankreichfreundliche Politik verfolgt hatte, schwenkte er jetzt durch den von Hundheim vertretenen pfälzischen Kurfürsten auf die Seite des Kaisers. In Frankfurt wurden in der Anfangsphase des Spanischen Erbfolgekrieges der Beitritt zur Haager Allianz und die Aufnahme des Österreichischen Kreises beschlossen, die Aufnahme des Bayerischen Kreises dagegen abgelehnt. Anschließend unterzeichnete Hundheim noch im selben Monat als Vertreter des Kurrheinischen Kreises die Bündnisvereinbarung von vier Reichskreisen auf dem „Nördlinger Assoziationstag“. Von Graf Joseph Philibert von Lechrain erwarb Hundheim 1702 Eppstein und 1705 als ehemals Obersteinsche Lehen Besitztümer im heutigen Rheinhessen und das halbe Gericht Edigheim. 1707 übernahm er die sogenannte „Herrenschäferei“ – den bis dahin pfalzgräflichen Schafhof – in Seckenheim mit Weiderechten in der Gemarkung Neckarau. Von 1703 bis 1716 war Hundheim General-Kriegskommissar in Düsseldorf. Das 1709 bis 1713 von Matteo Alberti erbaute General-Kriegskommissariat nahm die gesamte Südseite der Hafenstraße am alten Berger Hafen ein. Nach Schließung der kurpfälzischen Behörden in Düsseldorf erwarb Lothar Friedrich von Hundheim das Anwesen. Die Kurpfalz kaufte es 1773 von der Familie Hundheim zurück. Bis zu seiner Zerstörung 1944 wurde es als „Hondheimsches Palais“ bezeichnet. 1705 führte der Diplomat Johann Christoph von Urbich in Düsseldorf unter anderem Gespräche mit dem einflussreichen Rat Hundheim, um Kurfürst Johann Wilhelm zur Zustimmung für die Anbahnung einer Ehe zwischen Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel und dem späteren Kaiser Karl VI. von Habsburg zu bewegen. Am 22. März 1709 schloss Lothar Friedrich von Hundheim für die Kurpfalz in Köln einen Unterstützungsvertrag mit dem kaiserlichen Oberkommandierenden der Alliierten im Spanischen Erbfolgekrieg, Prinz Eugen von Savoyen . Conrad Reiser aus Schnaittach widmete Hundheim 1710 seine juristische Disputations-Schrift Difficilis conditionum materia Juridicè expensa. In der Zueignung wird Hundheim unter anderem als „Commendatorus in Waldeck“ bezeichnet. 1711 amtierte Lothar Friedrich von Hundheim einige Monate in Düsseldorf und im Schloss Schwetzingen kommissarisch als Reichsvizekanzler, als Kurfürst Johann Wilhelm nach dem Tod von Kaiser Joseph I. von Habsburg das Amt des Reichsvikars wahrnahm. Nach Gesprächen in Düsseldorf zwischen Eugen von Savoyen und Johann Wilhelm von der Pfalz Anfang Mai 1711 begleitete Hundheim den Prinzen im Auftrag des Kurfürsten auf seiner Weiterreise mit der „Yacht“ nach Den Haag, um mit ihm die Stellung der Truppen abzusprechen. Am 12. Oktober 1711 nahm Freiherr von Hundheim mit der kurpfälzischen Delegation im Kaiserdom St. Bartholomäus zu Frankfurt am Main an der Wahlhandlung von Karl VI. zum römisch-deutschen Kaiser teil. Hundheim und der kurmainzische Großhofmeister Johann Philipp von Stadion-Warthausen loteten einem Austausch der Ämter und Orte Hirschhorn und Budenheim aus, der jedoch nicht zu Stande kam. Mit dem Gesandten der Spanischen Niederlande, Hofkanzler Graf Philipp Ludwig Wenzel von Sinzendorf , schloss er am 29. Dezember 1711 für die Kurpfalz den Vertrag von Frankfurt am Main über die Herrschaft Obergeldern. In ihm war ein Tausch der pfälzischen Besitzungen in Italien, die durch die Heiraten mit Anna Katharina Konstanze von Polen-Litauen und Schweden und Anna Maria Luisa de’ Medici an Jülich-Berg bzw. an Pfalz-Neuburg gelangt waren, gegen Erkelenz und Viersen vorgesehen. Die beiden Delegationen trafen sich in Frankfurt anlässlich der Kaiserkrönung von Karl VI. Mit dem preußischen Gesandten Gustav von Mardefeld verhandelte Hundheim 1711/12 in Ilvesheim und Düsseldorf über die Umsetzung der Kurpfälzischen Religionsdeklaration in der zur Kurpfalz gehörenden Grafschaft Sponheim. 1712 bis 1713 war Hundheim kurpfälzischer Gesandter auf dem Friedenskongress in Utrecht. Das Angebot des englischen Unterhändlers Lord Thomas Strafford , Kurfürst Johann Wilhelm von der Pfalz gegen die Abtretung der Oberpfalz an das Kurfürstentum Bayern den Königstitel und die Herrschaft über Sardinien zu verschaffen, lehnte er ab. Während der Belagerung von Freiburg im Breisgau führte Hundheim im Oktober 1713 in Biesheim ein Geheimgespräch mit dem französischen Marschall Claude-Louis-Hector de Villars und dem elsässischen General-Intendanten Félix Le Peletier , seigneur de La Houssaye, in dem beiderseitig die Bereitschaft zu Friedensverhandlungen ausgelotet wurde. Lothar Friedrich von Hundheim reiste mit Staatsminister Johann Christoph Beckers zu Westerstetten nach Mainz, Metz und Straßburg und verhandelte zwischen Prinz Eugen und Villars. Hundheim wirkte entscheidend mit bei den Vorverhandlungen zum Frieden von Rastatt und wurde auf Wunsch von Marschall Villars von Prinz Eugen in der Endphase der Verhandlungen auch selbst nach Rastatt gerufen. Der Friede wurde am 6. März 1714 geschlossen. In der Folgezeit bemühte sich Lothar Friedrich von Hundheim, der Kurpfalz, die ihre Truppen zunächst in der Oberpfalz stehen ließ, ein „Äquivalent“ für den Truppenrückzug zu verschaffen. Als kurpfälzischer „Extraordinair Ambassadeur“ versuchte er 1714 in Wien, im Austausch gegen die Oberpfalz Luxemburg oder das Oberquartier Geldern für die Kurpfalz zu gewinnen. Dies führte zu einer Konvention zwischen Frankreich und Österreich, die die Generäle Léonor Marie du Maine du Bourg und Hubert Dominik Graf de Saix, Baron d’Arnant , am 8. Januar 1715 in Straßburg schlossen. 1715 wurde Hundheim als Nachfolger des Freiherrn Philipp Konstanz von Gise zum Hofkanzler oder „Ober-Cantzlar“ ernannt. Der Düsseldorfer Jurist Ludolf Heinrich Hake widmete ihm, dem Geheimrat und Obristkämmerer Graf Adam von Diamantstein sowie dem Hofkammerpräsidenten und jülich-bergischen Kanzler Freiherr Johann Friedrich II. von Schaesberg in diesem Jahr die Schrift Dicaelogica De Duobus Contractibus Realibus … Scholiis. Im März 1716 wurde Hundheim von Kurfürst Johann Wilhelm als Herzog von Jülich und im Dezember 1716 von Erzbischof Joseph Clemens von Köln mit der zweiherrischen Herrschaft Gelsdorf belehnt, zu der auch Ipplendorf gehörte. Er hatte den Besitz von den Grafen Ludwig Peter und Julius August von der Marck-Schleiden-Saffenberg erworben. Lothar Friedrich von Hundheim ließ 1716/17 das Schloss Gelsdorf im spätbarocken Stil errichten. Seine Erben veräußerten die Herrschaft 1737 für 63.000 Gulden Rheinisch an den pfälzischen Hofkanzler Jakob Tillmann von Hallberg . Am 24. Mai 1716 vertrat Lothar Friedrich von Hundheim den schwer erkrankten Johann Wilhelm von der Pfalz als Pate bei der Taufe eines Mitglieds der Familie Süss-Oppenheimer aus Heidelberg auf den Taufnamen „Johann Wilhelm“ in der Düsseldorfer Schlosskapelle. Im Juni 1716 unterzeichneten Hundheim und Geheimrat Freiherr Sigismund von Bevern zu Landsberg die Dokumente über das Ableben des Kurfürsten. In Düsseldorf bildete Johann Wilhelms Nachfolger Karl III. Philipp von der Pfalz am 21. November 1716 eine Interimsadministration, der Hundheim als Staatsminister angehörte. Hundheim wurde als „Kriegsminister“ von Graf Edmund Florenz von Hatzfeldt-Wildenburg-Weisweiler abgelöst. Als „Geheimer Etatsminister“ und „Conferenz-Minister“ nahm er im Wesentlichen die Aufgaben eines Finanzministers wahr. Die kurpfälzischen Behörden wurden von Düsseldorf nach Heidelberg bzw. Mannheim verlegt. 1717 wurden Hundheim, der pfälzische Hofkanzler Jakob Tillmann von Hallberg und der österreichische Regierungskanzler Freiherr Johann Engelhard von Coreth bei einer Abendgesellschaft in Neuburg, die der Obrist-Jägermeister Freiherr Carl Sigmund von Tänzl zu Trazberg ausgerichtet hatte, von Geheimrat Heinrich Franz Xaver von Wiser angegriffen. Er warf ihnen Untreue bei den Verhandlungen über die Abtretung der Oberpfalz vor: „Man sollte dem Freiherrn v. Hundheim das Wort: Aequivalent mit Gold auf die Stirne brennen“. Wiser wurde von Kurfürst Karl III. Philipp in Monschau unter Arrest gestellt und reagierte mit der Veröffentlichung einer Schmähschrift. Der Reichshofrat verurteilte Wiser 1721 zu einer Geldstrafe von 1.000 Dukaten. Außerdem musste er bei Hundheim Abbitte leisten. Kurfürst Karl Theodor besuchte Heinrich Franz Xaver von Wiser, als er angeblich 82 Jahre alt und seit 32 Jahren in Haft war. Lothar Friedrich von Hundheim, Kurfürst Karl Philipp und Minister von Hatzfeldt beteiligten sich 1718 an einer neuen Gewerkschaft der Silber- und Bleibergwerke Wildberg und Heidberg. Der Kurfürst, der sich von Mai 1717 bis August 1718 in Neuburg aufhielt, besuchte Hundheim im August 1718 zusammen mit Ludwig VIII. von Hessen-Darmstadt und Obrist-Hofkämmerer Johann Ferdinand von Sickingen zu einem Jagdausflug in Ilvesheim, bei dem 60 Hirsche gestreckt wurden. Lothar Friedrich von Hundheim vermittelte 1720 in einem Streit zwischen dem preußischen Gesandten Philipp Reinhold von Hecht und dem englischen Gesandten James Haldane mit dem kurpfälzischen Obrist-Stallmeister von Velen, der beiden als Protestanten die Gestellung von Karossen und Pferden verweigert hatte. 1721 beauftragte Kurfürst Karl Philipp Hundheim und Obristkämmerer Domherr Heinrich Wilhelm von Sickingen , ein Sparprogramm zu erarbeiten, um zehn neue Regimenter aufstellen zu können. In Mannheim überließ der Kurfürst Hundheim das Quadrat GG in der Nähe des Schlosses . Es wurde von seinen Nachkommen an die Familie von Babo verkauft. 1722 erwarb Lothar Friedrich von Hundheim von der Familie Horneck von Weinheim aus Ingelheim den Straßenheimer Hof, den seine Erben 1746 verpfändeten. In Ladenburg waren die Hundheim im Besitz der Botzheimischen Güter. 1724 kaufte seine Witwe Barbara Theresia für 1.800 Gulden die dortige Pflastermühle. Als Lothar Friedrich von Hundheim 1723 starb, soll er ein Vermögen von 500.000 Gulden, eine „halbe Tonne Goldes“, hinterlassen haben. Hundheims Nachfolger als Staatsminister wurde Reichsfreiherr Johann Heinrich Hermann von Kageneck , dem auch der Vorsitz der „HofCameral-Conferenz“ übertragen wurde. 1728 verpfändete Damian Emerich von Metternich-Müllenark für 48.000 Gulden Neckarsteinach an Hundheims Witwe. Diese legte auch Kapital bei den Bankiers Moses und Emanuel Mayer Reinganum an – Neffen von Lemle Moses Reinganum –, das offenbar bald verloren war. Außenstände in Höhe von 15.000 Gulden bestanden auch bei dem Obristen von Sternenfels. Die Familie geriet zunehmend in finanzielle Schwierigkeiten und sah sich zum Verkauf verschiedener Besitztümer genötigt. Lothar Friedrich von Hundheim war verheiratet mit Theresia von Silbermann , Freifrau zu Straß und Holzheim, einer Tochter von Gottfried Ignaz von Silbermann zu Straß, Pfleger in Burgheim, und Maria von Müller zu Adolfingen, verwitwete Itter, und Nichte der Frau des kurpfälzischen Hofkanzlers von Wiser. Ihre Kinder waren: Philipp Karl von Hundheim war ein Bruder von Lothar Friedrich. Er diente als Obrist im Spanischen Erbfolgekrieg und folgte seinem Bruder von etwa 1711 bis 1720/21 als Oberamtmann von Kreuznach nach. 1713 wurde er Kämmerer und Geheimer Rat der Kurpfalz. Eine Schwester Johanna Gertrud von Hundtheim war mit dem kurpfälzischen Generalmajor Johann Georg von Buchwitz und Buchau verheiratet. Die Schwester Marie Agnes von Hundheim war mit dem Generalmajor und kurpfälzischen Heidelberger Stadtkommandanten Johann Hermann von Freudenberg verheiratet, der 1716 das Hundheimische Lehen in Zuzenhausen erwarb und dort Schloss Agnestal errichtete. Beider Tochter Anna Maria von Freudenberg heiratete 1727 Joseph Anton von Mariot d. J. zu Langenau und Geisenheim, Oberamtmann von Mosbach, gegen den später seine Schwiegermutter prozessierte. 1686 wurden die „Gebrüder Hontheim“ aus Neckarsteinach in Speyer tonsuriert; bei ihnen dürfte es sich um nahe Verwandte Lothar Friedrichs gehandelt haben. Die von Lothar Friedrich von Hundheim und seiner Witwe erworbenen Besitzungen liegen heute in vier Bundesländern: Heutiger Ortsteil von Frankfurt am Main Heutiger Main-Taunus-Kreis Heutiger Landkreis Bergstraße Heutiger Rhein-Neckar-Kreis Heutige kreisfreie Stadt Mannheim Heutige kreisfreie Stadt Ludwigshafen am Rhein Heutige kreisfreie Stadt Frankenthal Heutiger Landkreis Alzey-Worms Heutiger Landkreis Mainz-Bingen Heutiger Kreis Ahrweiler Heutiger Rhein-Sieg-Kreis Heutige Stadt Düsseldorf Blasonierung: In einem quergeteilten Schild oben ein springendes Windspiel mit goldenem Halsband in Blau, unten ein leeres goldenes Feld. Dem kurtrierischen und fürstbischöflich speyerischen Rat Johann Wolfgang Hontheim , Amtmann zu Dagstuhl – Lothar Friedrichs Großvater – wurde 1622 und 1627 in Wien von Kaiser Ferdinand II. dieses Wappen bestätigt und der Adelsstand mit dem Prädikat „von“ verliehen.
2024-12-03 15:12:10
https://de.wikipedia.org/wiki/Aliphat
Aliphatische Kohlenwasserstoffe sind organische chemische Verbindungen, die aus Kohlenstoff und Wasserstoff zusammengesetzt und nicht aromatisch sind. Damit sind sie eine Untergruppe der Kohlenwasserstoffe. Nach der IUPAC-Nomenklatur sind aliphatische Verbindungen „acyclische oder cyclische, gesättigte oder ungesättigte Kohlenstoffverbindungen, außer aromatischen Verbindungen.“ Die einfachste Gruppe aliphatischer Kohlenwasserstoffe sind die gesättigten Alkane; weiterhin zählen die ebenfalls gesättigten Cycloalkane sowie die ungesättigten Kohlenwasserstoffe der Alkene und Alkine zur Gruppe der Aliphaten. Wie alle reinen Kohlenwasserstoffe sind aliphatische Kohlenwasserstoffe unpolare, lipophile Verbindungen . Da laut IUPAC-Definition aliphatische Verbindungen den aromatischen Kohlenstoffverbindungen gegenübergestellt und damit durch eine Negation definiert werden, bedeutet dies im Umkehrschluss, dass alle nicht aromatischen organischen Verbindungen aliphatisch sind. Die Klassifizierung organischer Verbindungen in Aliphaten und Aromaten erfolgt durch die Aromatizitätskriterien. Die sogenannten alicyclischen Verbindungen bilden eine Untergruppe der Aliphaten und zeichnen sich – ähnlich den Aromaten – durch ringförmige Ketten aus, werden aber durch die Aromatizitätskriterien von den Aromaten unterschieden. Die wichtigsten Stoffgruppen aliphatischer Verbindungen gemäß oben genannter Definition sind also: Wichtige Beispiele aliphatischer Verbindungen finden sich in folgender Tabelle : Aliphatische C-H-Valenzschwingungen von nicht konjugierten C-H-Bausteinen in einem Molekül haben im IR-Spektrum im Bereich von 3000 bis 2750 cm−1 charakteristische Peaks. Im Gegensatz dazu befinden sich die Peaks bei konjugierten C-H-Bausteinen jenseits der 3000 cm−1-Grenze. Im 1H-NMR Spektrum befinden sich die meisten aliphatischen Peaks im Bereich von 1–2 ppm. Höhere Werte bis etwa 5 ppm werden bei benachbarten elektronenziehenden Gruppen erhalten. Hauptquelle der Gewinnung von aliphatischen Verbindungen ist das Erdöl. Das wichtigste Verfahren der Erdölaufbereitung ist das Steamcracken, bei dem u. a. Ethan, LPG, Naphtha und Gasöl oder andere geeignete Kohlenwasserstoffe gecrackt werden. Die Gasphase der Steamcrackerprodukte enthält die aliphatischen Grundchemikalien Ethylen, Propylen, den C4-Schnitt sowie Isopren. Die bedeutendsten aliphatischen Folgeprodukte hieraus werden aus den Stoffen Ethen, Propen und Buten hergestellt. Es sind:
2024-12-02 06:31:59
https://de.wikipedia.org/wiki/Schiffswerft_Korneuburg
Die Schiffswerft Korneuburg ist eine ehemalige Schiffswerft an der Donau in Korneuburg . Vier Hallen der Werftmitte stehen unter Denkmalschutz . Erste Adaptierungsarbeiten fanden in Korneuburg um 1849 statt. Im darauf folgenden Jahr erhielt die DDSG das Anerbieten des Korneuburger Gemeindevorstandes, die dortige Landungsbrücke gegen fernere Instandhaltung der Gesellschaft unentgeltlich zu überlassen. 1851/1852 überwinterten fünf Dampfschiffe und drei Schleppschiffe im späteren Werftbecken. Im Jahr 1852 wurde als Reparaturplatz und als Abstellplatz für die Donauschiffe der DDSG am linken Donauarm bei Korneuburg auf einer Fläche von 12.000 m² die Werft errichtet. Anfangs wurden 60 Mitarbeiter beschäftigt. Bereits im Jahr 1864 wurde die erste Helling errichtet. Innerhalb der nächsten dreißig Jahre wurde das Werftareal auf 28.000 m² und eine Wasserfläche von 25.000 m² erweitert. Vor dem Ersten Weltkrieg wurde die Werft nochmals vergrößert. Am 18. Jänner 1918 trat die Belegschaft der Schiffswerft Korneuburg in den Ausstand und schloss sich dem Jännerstreik an. An diesem Tag streiken alleine in Niederösterreich 122.000 Menschen. Der reduzierte Flottenbestand der DDSG nach Kriegsende führte in der Schiffswerft Korneuburg für mehrere Jahre zu Vollbeschäftigung mit der serienmäßigen Herstellung von Güter- und Tankkähnen. Alleine von 1920 bis 1923 wurden 38 Tank- und Güterkähne und einige Verladeanlagen für die eigene Gesellschaft gebaut. Obwohl die Schiffswerft Óbuda als Hauptwerft der DDSG in Óbuda nun im Ausland lag, wurden die meisten Schiffsneubauaufträge zunächst weiterhin nach Budapest vergeben. Nach wenigen Jahren des Aufschwungs führte die Währungssanierung 1924/25 auch in Korneuburg zu einem starken Einbruch der Auftragslage und einer Beschäftigungskrise, sodass 1931 nur mehr 170 von vormals über 400 Beschäftigten verbleiben konnten. In dieser wirtschaftlich schwierigen Zeit wurden auch externe Aufträge angenommen, so dass die Werft 1928 für die Österreichischen Bundesbahnen das erste Motorschiff für den Schifffahrtsbetrieb auf dem Bodensee baute, die MS Oesterreich. Bedingt durch die finanzielle Sanierung der maroden DDSG wurde die Schiffswerft Korneuburg zur neuen Hauptwerft des Unternehmens, Òbuda wurde fortan nur mehr für Reparaturen genutzt. 1938 wurde die Werft durch die Eingliederung in die Reichswerke AG für Binnenschifffahrt „Hermann Göring“ Teil der Hermann-Göring-Werke und zum kriegswichtigen Betrieb erklärt. Das Werftgelände wurde auf circa 197.000 m² vergrößert. Der Werfthafen wurde verlängert, verbreitert und vertieft. Vier neue Hellinge mit je drei Stapelplätzen und je einem Hellingkran wurden angelegt und ein neues Werkstättengebäude errichtet. 1939 entstanden hier die beiden dieselelektrischen Radmotorschiffe MS Stadt Wien und MS Stadt Passau, im selben Jahr stellte die Werft mit der Austria das bis heute schnellste und größte Schiff der Bodenseeschifffahrt fertig. 1941 wurden neben dem Gelände der Schiffswerft ein Barackenlager für deutsche Arbeitskräfte, Fremdarbeiter und Kriegsgefangene errichtet. Von den 16 Baracken des Lagers waren drei mit französischen Kriegsgefangenen belegt. Der Arbeiterstand betrug für die Dauer des Krieges circa 1.300 Personen. Hinzu kamen in den Jahren 1941 und 1942 zusätzlich ungefähr 400 holländische Schiffsbauarbeiter. Von 1939 bis 1945 wurden neben den laufenden Reparaturarbeiten folgenden Neubauten für das Reichsverkehrsministerium bzw. für die Kriegsmarine fertiggestellt: 6 Motorschleppschiffe Typ N, 7 Motorschleppschiffe Typ R, 8 Schwarzmeer-Einheitsschiffe Typ SME, 3 Kriegstransportschiffe Typ KT, 8 Marinefährkähne Typ MFP, 34 Ladeklappen für MFP, 60 1000-t-Tankkähne, 12 1000-t-Güterkähne, 30 Turmbauten für U-Boote und 15 Achtersteven für U-Boote. Bereits 1940 bildete sich in der Schiffswerft Korneuburg eine Widerstandsgruppe, die sich aus circa 35 Arbeitern und Angestellten zusammensetzte. Elf Widerstandskämpfer wurden zwischen Juli 1941 und September 1942 von der Gestapo verhaftet. Josef Schwarzböck und Franz Czack wurden der Vorbereitung zum Hochverrat für schuldig befunden und am 15. Februar bzw. 17. Mai 1943 in Wien hingerichtet. Johann Gruber, Rudolf Alexander, Anton Jordan und Johann Mühl wurden ebenfalls wegen Vorbereitung zum Hochverrat verurteilt und am 22. Jänner 1943 in Berlin-Charlottenburg hingerichtet. Die Hinrichtungen wurden in Korneuburg plakatiert und in Tageszeitungen öffentlich kundgemacht. Franz Fukatsch, ebenfalls zum Tode verurteilt, wurde später zu lebenslangem Zuchthaus mit Frontbewährung begnadigt. Ferdinand Sagerl, Johann Wutzl, August Ruffer, Johann Jahnas und Josef Vilimek wurden zu Zuchthausstrafen zwischen drei und acht Jahren verurteilt. Sie alle überlebten und kehrten nach Kriegsende nach Korneuburg zurück. Als Deutsches Eigentum wurde die Werft von der Roten Armee beschlagnahmt und ein Teil der USIA-Betriebe. Reparaturen und Neubauten wurden in der Besatzungszeit bis auf wenige Ausnahmen, wie die Rollfähre Korneuburg und das am 5. Jänner 1955 für die Donaukraftwerke AG in Bau gegebene Motorboot Anni, nur für die Sowjetunion erledigt. Nach dem Staatsvertrag wurde die Werft an die DDSG zurückgegeben, von der sie als Korneuburger Schiffswerften AG 1959 als Staatsbetrieb wieder ausgegliedert wurde. Seit dieser Zeit wurden nicht mehr nur Donauschiffe, sondern auch Hochseeschiffe, beispielsweise für den Einsatz in der Nordsee oder Fischereischiffe für Griechenland, gebaut. Ebenso wurden die bestehenden Verbindungen zur Sowjetunion genutzt, so dass auch moderne Passagierschiffe für die Wolga gebaut wurden. Selbstverständlich wurden auch für die DDSG-Passagierschiffe wie die Theodor Körner, die Wachau oder die Austria, gebaut. 1957 baute die Werft für das Österreichische Bundesheer das 12 Meter lange Donaupatrouillenboot Oberst Brecht, 1963–64 die spätere Vorarlberg, 1970 folgte die 30 Meter lange Niederösterreich . Im Jahr 1971 erhielt die Werft die Staatliche Auszeichnung und durfte aus diesem Grund das Bundeswappen im Geschäftsverkehr verwenden. Im Jahr 1974 wurde die Schiffswerft mit der Linzer Werft zur Österreichische Schiffswerften AG Linz Korneuburg zusammengeschlossen und in die VOEST ALPINE AG eingegliedert. Für die folgenden Bauaufträge von hochseegängigen Großschiffen, beispielsweise die rund 115 Meter langen RoRo-Schiffe Stena Tender, Stena Timer und Stena Topper für Stena Line, wurden die Konstruktionsplanung und der Bau der Kaskos in Korneuburg durchgeführt, während das Aufsetzen der Decksaufbauten sowie die Endfertigung in Rumänien oder in Fall der Stena Tender bei Nobiskrug in Rendsburg erfolgten. Auf diese Weise wurden unter anderem auch Schiffe in die Sowjetunion sowie auch in den Nahen Osten geliefert. Zu dieser Zeit waren bis zu 650 Mitarbeiter in der Werft beschäftigt. Fehlende staatliche Subventionen, Managementfehler und eine zu große Abhängigkeit von Aufträgen aus der Sowjetunion führten zum Niedergang der Schiffswerft und 1991 zur Privatisierung. Mit 1. Jänner 1991 gehörten zwei Drittel des Unternehmens der Mericon Holding von Herbert Liaunig und ein Drittel der Wiener Holding, an der die Stadt Wien zu 51 Prozent beteiligt war. Den neuen Eigentümern gelang es bis 1993 nicht neue Aufträge zu fixieren. Im November 1993 wurden die letzten Schiffe fertiggestellt und die Schiffswerft Korneuburg geschlossen. 2005 fand zum ersten Mal das Korneuburger Hafenfest in der Schiffswerft statt. Seitdem zieht das Fest jährlich, meist im September veranstaltet, zahlreiche Besucher an. 2010 wurde eine Projektgruppe Nachnutzung Werft gegründet, bei der sich Bürger intensiv mit dem Gelände befassen. Im Oktober 2015 erhob die SPÖ Forderungen, das Werftgelände durch die Gründung einer Fachhochschule wieder zu beleben. 2022 verdichteten sich diese Pläne. 2013 übersiedelten die Niederösterreich und die Oberst Brecht als Außenstelle des Heeresgeschichtlichen Museums in die Schiffswerft Korneuburg und können seitdem dort besichtigt werden. Beim jährlichen Hafenfest haben die Besucher auch die Möglichkeit, auf der Niederösterreich an einer kurzen Ausfahrt auf die Donau teilzunehmen. Im Jahr 2019 erwarb ein Tochterunternehmen der Signa Holding einen 45-Prozent-Anteil des Werftareals und stellte Pläne für ein Quartier mit Wohnungen und Geschäftsflächen vor. Am 29. Juni 2022 hat der Gemeinderat von Korneuburg der Kooperationsvereinbarung zwischen Signa und der Gemeinde zur Entwicklung der Werft zugestimmt. Mittlerweile wird das Werfprojekt als eine der größten Ortsentwicklungen im Bundesland Niederösterreich gehandelt. 48.3413116.32008Koordinaten: 48° 20′ 28,7″ N, 16° 19′ 12,3″ O
2024-12-02 10:20:57
https://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Gross_(Maler)
Carl Gross war ein deutscher Maler und Grafiker. Gross zeigte schon während seiner Schulzeit eine Begabung im Zeichnen und Malen. Die schlechte wirtschaftliche Situation der Familie machte eine künstlerische Laufbahn zunächst unmöglich. Bis zum Ende des Ersten Weltkriegs musste Gross zum Unterhalt beitragen, da der Vater als Soldat an der Front war. Nach dem Kriegsende fand sein ehemaliger Klassenlehrer einen Mäzen, der ihm privates Stipendium in Höhe von 4500 Reichsmark zur Verfügung stellte, so dass er ab 1918 die Hamburger Kunstgewerbeschule besuchen konnte. Dort studierte er unter anderem bei Arthur Illies neben Akt-, Porträt-, Plakat- und Schriftzeichnen, Malerei und Modellieren auch Lithographie und andere Druckverfahren, sowie Kunstgeschichte. Die steigende Inflation sorgte dafür, dass er aufgrund von Geldmangel 1921 sein Kunststudium beenden und sich Arbeit suchen musste. Er arbeitete als Plakat- und Dekorationsmaler für unterschiedliche Hamburger Firmen. Im November 1924 trat Gross eine Stelle in der Plakatdruckanstalt Plakat-Kunst Arno Kypke an, die der Firma Hoenicke & Kypke angegliedert war. Hoenicke & Kypke war Pächterin aller Reklamemöglichkeiten im Bereich der von der Hamburger Hochbahn A.G. betriebenen Verkehrsmittel. Gross war zunächst im Entwurfsatelier tätig, später wurde er Leiter der grafischen Entwurfsabteilung. 1927 heiratete er die Schneiderin Ella Uhlmann. 1930 erwarb die Hamburger Kunsthalle ein Pastell mit dem Titel Zwei Föhren. 1937 wurde das Geschäft von Hoenicke & Kypke auf die neu gegründete Hamburger Verkehrsmittel-Werbung G.m.b.H. übertragen, Gross wurde übernommen wurde weiterhin mit der die Leitung der grafischen Entwurfsabteilung betraut. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs arbeitete er bis zu seiner Pensionierung wieder bei der HVW.
2024-12-04 04:22:50
https://de.wikipedia.org/wiki/Pingshun
Pingshun ist ein chinesischer Kreis der bezirksfreien Stadt Changzhi der Provinz Shanxi. Die Fläche beträgt 1.513 Quadratkilometer und die Einwohnerzahl 115.927 . 1999 zählte Pingshun 165.961 Einwohner. Der Tiantai-Tempel , die Dayun-Halle , der Longmen-Tempel , der Chunhua-Tempel , die Tempel Minghui dashi ta 明惠大师塔, Jiutian Shengmu miao 九天圣母庙, Fotou si 佛头寺, Xia Yu shen ci 夏禹神祠 und Jindeng si shiku 金灯寺石窟 stehen auf der Liste der Denkmäler der Volksrepublik China. Auf Gemeindeebene setzt sich der Kreis aus fünf Großgemeinden und sieben Gemeinden zusammen. Diese sind: 36.2113.4366Koordinaten: 36° 12′ N, 113° 26′ O Chengqu – Huguan – Licheng – Lucheng – Luzhou – Pingshun – Qin – Qinyuan – Shangdang – Tunliu – Wuxiang – Xiangyuan – Zhangzi
2024-12-02 05:49:17
https://de.wikipedia.org/wiki/Eugen_Brehm
Eugen M. Brehm war ein deutsch-britischer Publizist und Pazifist. Brehm war ein Sohn des August Martin Christoph Brem und dessen Ehefrau Minna, geb. Schneider, . Der Vater war ein gelernter Spengler und Installateur und Inhaber einer eigenen Firma. Nach dem Besuch eines Realgymnasiums in Ulm absolvierte Brehm von 1927 bis 1929 eine kaufmännische Lehre und dann von 1929 bis 1930 ein Volontariat in einer Ulmer Buchhandlung. 1930 ging er nach Berlin, wo er von 1930 bis 1933 als angestellter Buchhändler – Sortiment und Antiquariat – bei dem Buchhändler Friedrich Katz in der Gleißestraße arbeitete. In Berlin wohnten Brehm und seine Frau zur Untermiete bei einer Frau Hirsch in der Lutherstraße. Ein anderer Untermieter, der zur selben Zeit im Nebenzimmer wohnte, war der spätere Bundesverfassungsgerichtspräsident Fabian von Schlabrendorff. Als überzeugter Antimilitarist schloss Brehm sich 1925 der Deutschen Friedensgesellschaft an, deren Ulmer Ortsgruppe er von 1926 bis 1929 vorstand. 1929 trat er aus der Friedensgesellschaft aus, nachdem in einem öffentlichen Skandal bekannt geworden war, dass einige ihrer führenden Mitglieder Bestechungsgelder erhalten hatten. Stattdessen gründete Brehm in diesem Jahr in Ulm eine Ortsgruppe der Gruppe revolutionärer Pazifisten und leitete diese Ortsgruppe bis 1930. 1930 siedelte er nach Berlin über, wo er eng mit Kurt Hiller zusammenarbeitete und noch im selben Jahr in die Reichsexekutive der Gruppe revolutionärer Pazifisten aufgenommen wurde. Dieser gehörte er bis zu ihrer Auflösung an und fungierte in ihr als Schriftführer. Politisch beteiligte Brehm sich 1931 an der Gründung der SAPD, einer Abspaltung von der SPD. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde Brehm als Mitglied der Reichsleitung der Gruppe revolutionärer Pazifisten im März 1933 in Schutzhaft genommen. Diese verbrachte er erst im Polizeigefängnis am Alexanderplatz und dann im Gefängnis Lehrter Straße. Im Mai 1933 wurde er, wie einige andere Pazifisten, aufgrund der damaligen Bestrebung der neuen Regierung ihre Friedenswilligkeit gegenüber dem Ausland zu demonstrieren, wieder auf freien Fuß gesetzt. Seine Anstellung bei dem Buchhändler Katz hatte Brehm noch während seiner Haft verloren – im März 1933 erhielt er ein Kündigungsschreiben ins Gefängnis, sodass er, wieder in Freiheit gelangt, stattdessen versuchte, sich als Antiquarbuchhändler selbständig zu machen, was aber an den Umständen scheiterte. Im Sommer 1933 verlagerte Brehm den Schwerpunkt seiner Tätigkeit darauf, als freier Schriftsteller zu arbeiten. Zudem wandte er sich der aktiven politischen Betätigung in der SAP zu, für deren Reichsleitung und Bezirksleitung er ab diesem Zeitpunkt in Berlin tätig war. Im Februar 1934 wurde er mit einem Parteiauftrag nach London geschickt, wo er Kontakte zur Independent Labour Party knüpfen sollte. Im Juni 1934 kehrte Brehm über Paris, Basel und Ulm nach Berlin zurück, wo er in die illegale SAPD-Reichsleitung aufgenommen wurde. Im Dezember 1934 wurde Brehm in Dresden verhaftet. Er wurde anschließend nach Berlin gebracht, wo man ihn benutzen wollte, um weitere SAP-Mitglieder ausfindig zu machen und auszuheben. Am 18. oder 19. Januar 1935 gelang es Brehm dann auf abenteuerliche Weise, mit Hilfe von SAP-Mitgliedern aus der Gefangenschaft zu entkommen: Er wurde, nachdem er die Gestapo überzeugt hatte, ihn zur Auskundschaftung von SAP-Mitgliedern für zwei Stunden alleine in die Stadt gehen zu lassen – zuvor waren mehrere Versuche, ihn in Begleitung von Beamten zu SAP-Treffpunkten zu schicken, um durch ihn andere Funktionäre anzulocken, die man dann verhaften könnte, gescheitert – von einem Verbindungsmann der SAP angesprochen und dann auf Umwegen, durch häufiges Wechseln von Untergrundbahnen und Taxis, in die Wohnung eines SAP-Funktionärs, Werner Klatt, in der Uhlandstraße gebracht. Zur Vergeltung für seine Flucht wurde Brehms Ehefrau von der Gestapo in Haft genommen und für 21 Monate im Frauengefängnis Moabit festgehalten. Nachdem Brehm acht Tage in Klatts Wohnung verborgen gehalten hatte, reisten beide mit dem Zug nach Schlesien. Dort überquerten sie auf Skiern im Riesengebirge die grüne Grenze in die Stadt Svoboda in Böhmen. Von dort gelangte er nach Prag, wo er Mitglied der dortigen SAPD-Exilgruppe wurde. Unterstützt wurde er zu dieser Zeit durch die Demokratische Flüchtlingsfürsorge und den Internationalen Pazifistischen Hilfsfonds. Aufgrund von politischen Differenzen verließ er die SAP 1936. In den folgenden Jahren schlug Brehm sich mit seiner – nach einer Haftstrafe erst 1936 emigrierten – Ehefrau in Prag als Deutschlehrer und als Korrespondent der Zeitung The New Leader sowie als Südosteuropa-Korrespondent der Sozialistischen Warte durch. Daneben steuerte er Beiträge für Zeitschriften wie Die Wahrheit, Der Sozialdemokrat, Der Kampf und Die Brücke bei. In dieser Zeit benutzte Brehm zumeist Pseudonyme wie Ernst Bredt, Erich Burger, Jim Mac Cartney, Max Hole, Hannibal Hase und Max Herb . Unter dem zuletzt genannten Pseudonym veröffentlichte er eine umfangreiche Monographie über Südosteuropa. Politisch arbeitete Brehm in diesen Jahren mit Max Seydewitz, Otto Friedländer, Kurt Hiller und Otto Straßer zusammen. Zudem unterhielt er Verbindungen zur Volkssozialistischen Bewegung, zu Zavis Kalandra und dessen antistalinistischen Kreis um die Zeitung Tvorba. Seine publizistische Betätigung gegen das NS-Regime brachte Brehm bzw. sein Pseudonym Max Herb Ende der 1930er Jahre ins Visier der nationalsozialistischen Polizeiorgane, die ihn schließlich als wichtige Zielperson einstuften: Im Frühjahr 1940 setzte das Reichssicherheitshauptamt in Berlin Brehms Pseudonym Max Herb auf die Sonderfahndungsliste G.B. , ein Verzeichnis von Personen, die im Falle einer erfolgreichen deutschen Invasion Großbritanniens durch die Sonderkommandos der SS-Einsatzgruppen mit besonderer Priorität ausfindig gemacht und verhaftet werden sollten. 1939 siedelte Brehm nach London über. Dort wurde er Vorstandsmitglied der Volkssozialistischen Bewegung. Im Dezember 1939 fand er eine Stellung beim BBC Monitoring Service. Da er zu diesem Zeitpunkt formal noch immer deutscher Staatsangehöriger war, wurde Brehm von Juni bis Dezember 1940 von den britischen Behörden als Enemy Alien in verschiedenen Lagern interniert . Nach seiner Freilassung konnte er in seine Stellung bei der BBC zurückkehren. Während des Krieges legte er einige weitere antinazistische Publikationen, wie die Broschüre Towards a New German Foreign Policy vor. Zudem arbeitete er in linksgerichteten Schriftstellergruppen mit, so insbesondere von 1939 bis 1945 in der Gruppe unabhängiger deutscher Autoren. Ferner gehörte der Landesgruppe deutscher Gewerkschafter an.- Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete Brehm bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1971 weiterhin für die BBC, zuletzt als Assistant Head of Department. Zum 30. November 1948 erhielt er die britische Staatsbürgerschaft. Im Rahmen seiner Tätigkeit für die BBC war er von 1940 bis 1971 in der Association of Broadcasting Staff. Als Schriftschaffender gehörte er außerdem dem PEN-Club an. Eine Rückkehr nach Deutschland erwog Brehm in den ersten Nachkriegsjahren kurzzeitig, entschied sich aber schließlich aufgrund der politischen Entwicklung in den Nachkriegsjahren, insbesondere aufgrund der Entwicklung der Sozialdemokratischen Partei unter Kurt Schumacher – nach seinem Urteil „verrechtslichte“ sich diese in ihrer Ausrichtung damals zu sehr –, sowie aufgrund seiner beruflichen Sicherheit bei der BBC schließlich hiergegen. Außer seiner Arbeit für die BBC war Brehm nach dem Krieg von 1947 bis 1950 Londoner Korrespondent der Neuen Zeitung. Diese Aufgabe gab er schließlich aus Zeitgründen an Peter de Mendelssohn ab. Politische engagierte Brehm sich in der Nachkriegszeit bei Amnesty International und bei Greenpeace. Als Ruheständler zog Brehm das Interesse zahlreicher Historiker und Publizisten, die sich für die sozialistische Emigration in der Tschechoslowakei und Großbritannien in den 1930er und 1940er Jahren sowie zum pazifistischen Exil interessierten, auf sich, denen er bereitwillig Auskünfte erteilte. Brehms Nachlass wird heute vom Münchener Institut für Zeitgeschichte verwahrt. Dieser umfasst seine Korrespondenzen sowie unveröffentlichte Manuskripte. Brehm war seit 1933 in erster Ehe mit Katja Hemke verheiratet. Diese war, wie er, in den 1930er Jahren in der SAPD tätig. Im Januar 1935 wurde sie wegen Vergehens gegen das Gesetz gegen die Neubildung von Parteien vom 14. Juli 1933 verhaftet und zu einer einundzwanzigmonatigen Gefängnisstrafe verurteilt, die sie im Berliner Frauengefängnis verbüßte. 1936 emigrierte sie in die Tschechoslowakei, wo sie unter dem Pseudonym Katja Herb Beiträge für antifaschistische Periodika verfasste. 1939 emigrierte sie nach London. Die Ehe hielt bis zu ihrem Unfalltod 1972 an. In zweiter Ehe war Brehm mit Martha Miriam Katz verheiratet. Diese war eine gelernte Lehrerin und wie er von 1942 bis 1972 für den BBC-Monitoring Service tätig.
2024-12-03 23:29:13
https://de.wikipedia.org/wiki/Visible_Light_Communications
Visible Light Communications ist eine Datenübertragungstechnologie. Dabei werden Daten oder Informationen mit Hilfe des Übertragungsmediums Licht übertragen. Die Frequenz des zur Übertragung genutzten Lichtes befindet sich dabei im sichtbaren Bereich zwischen 400 THz und 800 THz . Zur Erzeugung des benötigten Lichtes werden Leuchtstofflampen oder LEDs verwendet. Wenn Leuchtstofflampen Verwendung finden, können Übertragungsraten bis zu 10 Kbit/s erreicht werden. Beim Einsatz von LEDs können aktuell bis zu 224 Gbit/s erreicht werden. Auf der Empfängerseite wandelt ein Photodetektor die Lichtsignale wieder in Stromimpulse um. Die ersten VLC-Geräte wurden im Jahre 2003 in den Nakagawa Laboratorien der Keiō-Universität in Japan entwickelt. Im Januar 2010 gelang es einem Forscherteam der Firma Siemens und des Fraunhofer Heinrich-Hertz-Instituts in Berlin, über weiße LEDs Daten mit bis zu 500 MBit/s über eine Strecke von 5 Metern zu übertragen. Eine Standardisierung erfolgt in IEEE 802.15.7. Im Jahr 2015 hat Philips Lighting VLC zur Marktreife entwickelt und auf Basis der Technologie ein Indoor Positioning System entwickelt, das neben Richtungsangaben auch Notification und Analytics umfasst. Philips nutzt dafür eine Kombination aus Visible Light Communications Technologie, Bluetooth und den Inertialsensoren von Smartphones. Die Technologie ist in verschiedenen Supermärkten in Frankreich und Deutschland im Einsatz. 2011 prägte der deutsche Forscher Harald Haas auf einem Vortrag auf der kalifornischen TED-Konferenz in Anlehnung an Wi-Fi den Begriff Li-Fi für die neueste VLC-Generation, später im Jahr bildete sich das "Li-Fi Konsortium", unter anderem mit dem Fraunhofer-Institut für Photonische Mikrosysteme, das einen gleichnamigen Standard weltweit promoten und zur Marktreife führen will.
2024-12-02 00:36:59
https://de.wikipedia.org/wiki/Tocqueville_(Manche)
Tocqueville ist eine französische Gemeinde mit 262 Einwohnern im Département Manche in der Region Normandie. Sie gehört zum Arrondissement Cherbourg und zum Kanton Val-de-Saire. Die Gemeinde in der Landschaft Val de Saire auf der Halbinsel Cotentin. Nachbargemeinden sind Vicq-sur-Mer im Nordwesten, Gatteville-le-Phare im Nordosten, Sainte-Geneviève im Südosten, Valcanville im Süden, Clitourps im Südwesten und Varouville im Westen. Anneville-en-Saire | Audouville-la-Hubert | Aumeville-Lestre | Azeville | Barfleur | Barneville-Carteret | Baubigny | Benoîtville | Besneville | Beuzeville-la-Bastille | Biniville | Blosville | Boutteville | Bretteville | Breuville | Bricquebec-en-Cotentin | Bricquebosq | Brillevast | Brix | Canteloup | Canville-la-Rocque | Carneville | Catteville | Cherbourg-en-Cotentin | Clitourps | Colomby | Couville | Crasville | Crosville-sur-Douve | Digosville | Écausseville | Émondeville | Éroudeville | Étienville | Fermanville | Fierville-les-Mines | Flamanville | Flottemanville | Fontenay-sur-Mer | Fresville | Gatteville-le-Phare | Golleville | Gonneville-Le Theil | Grosville | Hardinvast | Hautteville-Bocage | Héauville | Helleville | Hémevez | Hiesville | Huberville | Joganville | La Bonneville | La Hague | La Haye-d’Ectot | La Pernelle | Le Ham | Le Mesnil | Le Mesnil-au-Val | Le Rozel | Les Moitiers-d’Allonne | Les Pieux | Lestre | L’Étang-Bertrand | Le Vast | Le Vicel | Liesville-sur-Douve | Lieusaint | Magneville | Martinvast | Maupertus-sur-Mer | Montaigu-la-Brisette | Montebourg | Montfarville | Morville | Négreville | Néhou | Neuville-au-Plain | Neuville-en-Beaumont | Nouainville | Octeville-l’Avenel | Orglandes | Ozeville | Picauville | Pierreville | Port-Bail-sur-Mer | Quettehou | Quinéville | Rauville-la-Bigot | Rauville-la-Place | Reigneville-Bocage | Réville | Rocheville | Saint-Christophe-du-Foc | Saint-Cyr | Sainte-Colombe | Sainte-Geneviève | Sainte-Marie-du-Mont | Sainte-Mère-Église | Saint-Floxel | Saint-Georges-de-la-Rivière | Saint-Germain-de-Tournebut | Saint-Germain-de-Varreville | Saint-Germain-le-Gaillard | Saint-Jacques-de-Néhou | Saint-Jean-de-la-Rivière | Saint-Joseph | Saint-Marcouf | Saint-Martin-d’Audouville | Saint-Martin-de-Varreville | Saint-Martin-le-Gréard | Saint-Maurice-en-Cotentin | Saint-Pierre-d’Arthéglise | Saint-Pierre-Église | Saint-Sauveur-le-Vicomte | Saint-Vaast-la-Hougue | Saussemesnil | Sébeville | Sénoville | Sideville | Siouville-Hague | Sortosville | Sortosville-en-Beaumont | Sottevast | Sotteville | Surtainville | Taillepied | Tamerville | Teurthéville-Bocage | Teurthéville-Hague | Théville | Tocqueville | Tollevast | Tréauville | Turqueville | Urville | Valcanville | Valognes | Varouville | Vaudreville | Vicq-sur-Mer | Videcosville | Virandeville | Yvetot-Bocage
2024-11-22 19:30:05
https://de.wikipedia.org/wiki/Modern_Dance
Der Begriff Modern Dance wird umgangssprachlich im Bereich von Ballettschulen, Tanzstudios und Tanzausbildungen weitgehend als ästhetische Abgrenzung zum klassischen Ballett verstanden und bedeutet damit weitgehend das, was heute korrekter unter dem Begriff „zeitgenössischer Tanz“ zusammengefasst wird. Als tanzhistorischer Begriff bezeichnet Modern Dance eine Variante des Bühnentanzes, die sich in den USA aus Erneuerungsbestrebungen des klassischen Balletts, aber auch aus den Einflüssen von Vaudeville, Pantomime, Stummfilm, avantgardistischen und exotistischen Strömungen seit etwa 1900 ergeben hat. Der Modern Dance lässt sich ähnlich wie der europäische Ausdruckstanz auf die Schülergeneration von François Delsarte zurückführen. Die berühmten Solotänze von Ruth St. Denis und Isadora Duncan prägten einen neuen Stil, der weniger von technischer Brillanz als von grundsätzlicher Offenheit gegenüber fremden Kulturen oder Populärkultur geprägt war und den körperlichen Ausdruck an vorderste Stelle setzte. Die aus der Denishawn-Schule hervorgegangene Choreografin Martha Graham gilt als wichtigste Begründerin eines Modern Dance, der dem klassischen Ballett diametral entgegengesetzt ist und zugleich den Anspruch auf stilistische Einheitlichkeit erhebt. Sowohl durch Grahams künstlerische Ausstrahlungskraft und Öffentlichkeitswirkung als auch durch ihr langes Leben ist der zunächst unmittelbar mit ihrer Person verbundene Begriff für lange Zeit zum Synonym für die in der Gegenwart verankerte Tanzkunst geworden. Über Jahrzehnte prägten neben Martha Graham auch eine Reihe anderer Choreografen die Entwicklung des Modern Dance in den USA: Unter anderem sind zu erwähnen Doris Humphrey, Helen Tamiris, Charles Weidman, Lester Horton und José Limón. Insbesondere die beiden letztgenannten sollten durch die Entwicklung eigener Unterrichtssysteme maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung des Modern Dance im Tanzunterricht haben. Eine große Zahl amerikanischer Tanzkompanien wie u. a. das Alvin Ailey American Dance Theater und das Dance Theatre of Harlem hatten in der Nachfolge der Martha Graham Dance Company unter dem Etikett Modern Dance internationale Tournee-Erfolge. Erst durch das Bemühen neuer Generationen von Choreographen seit den 1970er Jahren entstanden Begriffe wie Postmoderner Tanz und New Dance sowie Contemporary Dance, ein Begriff, der inzwischen auch in den meisten europäischen Sprachen als Danse contemporaire, danza contemporanea und eben zeitgenössischer Tanz in Deutschland verankert ist. Im Jahr 2007 wurde in Deutschland mit der Iwanson-Sixt-Stiftung erstmals eine Stiftung für den modernen zeitgenössischen Tanz gegründet. Noch mehr als in den USA stand der Begriff Modern Dance in Deutschland paradigmatisch für zeitgenössische Tanzkunst. Nicht zuletzt die kontinuierliche Tournee-Tätigkeit der Martha Graham Dance Company, des Alvin Ailey American Dance Theater, der Merce Cunningham Dance Company, der Limón Dance Company, dem Dance Theatre of Harlem und anderen hat dazu beigetragen, den Begriff Modern Dance weit über Fachkreise hinaus bekannt zu machen. Die deutsche Übersetzung Moderner Tanz konnte sich im Sprachgebrauch nie durchsetzen. Choreografenpersönlichkeiten in Deutschland, die sich von der amerikanischen Ästhetik des Modern Dance inspirieren ließen, benutzten den geradezu programmatischen Begriff für sich. Zu nennen wären Birgitta Trommler und Jochen Ulrich, die Schwedinnen Jessica Iwanson und Christina Caprioli, aber auch die in Deutschland ansässigen US-Amerikanerinnen Amanda Miller, Liz King, die Geschwister Christa und Jenny Coogan sowie Jörg Wenzel, der die Limón-Technik lehrt. In der Folge der Popularisierung des Modern Dance auf der Bühne entstanden im Bereich des künstlerischen Tanzunterrichts als Gegenpol zur traditionellen „Ballettschule“ eine große Zahl sog. „Modern Dance Centers“. Da sich die Choreografen des Modern Dance begrifflich stets vom populäreren und eher dem Musicaltanz zugerechneten Jazztanz abgegrenzt hatten, entwickelte sich auch der moderne Tanzunterricht in zwei Sparten: Jazztanz und Modern Dance. Auch terminologische und inhaltliche Kompromisse wie „Modern Jazz“ sind im Unterrichtsangebot von Tanzstudios weit verbreitet. Aus heutiger Sicht ist interessant zu beobachten, dass die Entwicklung des Hip-Hop-Tanzes, der früher wohl dem Jazztanz zugeordnet worden wäre, in der Wahrnehmung der Tanzgeschichte dem begrifflichen Nachfolger des Modern Dance, also dem zeitgenössischen Tanz, zugerechnet wird. The practice of Modern Dance in Germany ist seit 2022 in die repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit der UNESCO eingeschrieben. Internationale Verzeichnisse: Repräsentative Liste: Genossenschaft | Falknerei | Orgelbau und Orgelmusik | Blaudruck | Flößerei | Moderner Tanz | Hebammenwesen | Bewässerung | Glasproduktion Gute Praxisbeispiele: Bauhüttenwesen Bundesweites Verzeichnis: Mündliche Überlieferungen, Sprache: Deutsche Gebärdensprache | Märchenerzählen | Poetry Slams | Rattenfänger von Hameln Darstellende Künste, Musik: Choralsingen | Chormusik in deutschen Amateurchören | Demoszene | Instrumentales Laien- und Amateurmusizieren | Singen der Lieder der deutschen Arbeiterbewegung | Moderner Tanz | Mundarttheater in Deutschland | Niederdeutsches Theater | Oberammergauer Passionsspiele | Papiertheater | Posaunenchöre | Sächsische Knabenchöre: Thomanerchor, Kreuzchor, Dresdner Kapellknaben | Sternsingen | Theater- und Orchesterlandschaft Deutschlands | Volkstanzbewegung | Zwiefacher Gesellschaftliche Bräuche und Organisationsformen: Barther Kinderfest | Bergparaden und Bergaufzüge in Sachsen | Biikebrennen | Ehrsames Narrengericht zu Grosselfingen | Eisenacher Sommergewinn | Feldgeschworenenwesen in Bayern | Friedhofskultur in Deutschland | Further Drachenstich | Genossenschaftsidee | Georgiritt und historischer Schwerttanz Traunstein | Handwerksgesellenwanderschaft | Hansel-Fingerhut-Spiel | Hebammenwesen | Heiligenstädter Palmsonntagsprozession | Historisches Dokumentarspiel „Landshuter Hochzeit 1475“ | Historisches Festspiel „Kinderzeche“ | Historisches Festspiel „Der Meistertrunk“ | Lindenkirchweih Limmersdorf | Malchower Volksfest | Osingverlosung | Ostfriesische Teekultur | Peter-und-Paul-Fest Bretten | Rheinischer Karneval | Salzwirker-Brüderschaft im Thale zu Halle | Schachtradition in Ströbeck | Schützenwesen in Deutschland | Schwäbisch-alemannische Fastnacht | Spergauer Lichtmess | Sennfelder und Gochsheimer Friedensfeste | Skatspielen | Sorbisches Brauchtum | Tölzer Leonhardifahrt | Tonnenabschlagen | Wunsiedler Brunnenfest Umgang mit der Natur: Falknerei | Finkenmanöver im Harz | Innerstädtischer Erwerbsgartenbau in Bamberg | Kneippen | Traditionelle Flussfischerei an der Mündung der Sieg in den Rhein Traditionelle Handwerkstechniken: Deutsche Brotkultur | Flechthandwerk | Flößerei | Hessischer Kratzputz | Köhlerhandwerk und Teerschwelerei | Künstlerische Drucktechniken | Mal-, Fass- und Vergoldetechniken der Kirchenmalerei | Manuelle Glasfertigung | Marktredwitzer Krippenkultur | Morsetelegrafie | Orgelbau und Orgelmusik | Porzellanmalerei | Reetdachdecker-Handwerk | Spitzenklöppeln im Oberpfälzer Wald | Uhrmacherhandwerk | Töpfertradition Westerwälder Steinzeug | Vogtländischer Musikinstrumentenbau | Zubereitung und Anwendung von traditionellem Kalkmörtel Gute Praxisbeispiele: Amateurmusikpflege in Baden-Württemberg | Bauhüttenwesen | Bewahrung und Förderung von Kultur, Vielfalt und Qualität regionaler Spezialitäten in Oberfranken | Erforschung und Dokumentation von Flur- und Hausnamen in Bayern | Hochalpine Allgäuer Alpwirtschaftskultur in Bad Hindelang | Manufakturelle Schmuckproduktion | Pfingsttanz in Mansfelder Grund-Helbra
2024-12-02 09:52:16
https://de.wikipedia.org/wiki/Gustav_zu_Ysenburg_und_B%C3%BCdingen
Gustav Prinz zu Ysenburg und Büdingen war ein preußischer Diplomat und Generalleutnant. Gustav entstammte dem hochadeligen Haus Ysenburg und Büdingen, und zwar der ysenburgischen Speziallinie Ysenburg und Büdingen in Büdingen. Seine Eltern waren Fürst Ernst Casimir I. zu Ysenburg und Büdingen in Büdingen und Gräfin Ferdinande zu Erbach-Schönberg . Fürst Ernst Casimir II. zu Ysenburg und Büdingen war sein älterer Bruder. Ysenburg begann seine Offizierslaufbahn als Kadett in Dresden. 1831 war er Portepeefähnrich im Garde-Dragonerregiment, wo er 1835 einrangiert wurde. Er war 1838 Attaché beim Bundestag in Frankfurt am Main und wurde anschließend ad interim beim Prinzen Friedrich von Preußen kommandiert. Sein Kommando zum Prinzen Friedrich von Preußen wurde mehrfach, schließlich unbefristet verlängert. Er wurde 1843 dem Garde-Dragonerregiment aggregiert. Dort avancierte er noch im selben Jahr zum Premierleutnant, erhielt 1846 den Charakter als Rittmeister und erhielt 1847 das Offizierspatent zu seinem Dienstgrad. 1851 wurde er à la suite des Garde-Dragonerregiments gestellt und zur preußischen Gesandtschaft in München kommandiert. 1854 stieg er zum Major auf und 1855 erhielt er sein Patent dazu. Der Rote Adlerorden III. Klasse mit Schleife wurde ihm 1858 verliehen. 1859 wurde er zum Oberstleutnant befördert und – als Nachfolger von August Ludwig von Nostitz – preußischer Gesandter in Hannover , Oldenburg und Braunschweig. Er avancierte 1861 zum Oberst und wurde 1865 im Range eines Generalmajors zu den Offizieren von der Armee gestellt. Auf Fürsprache der Großherzogin von Oldenburg wurde ihm 1871 das Eiserne Kreuz II. Klasse am weißen Bande verliehen, da er sich im Feldzug verwundeter Soldaten angenommen hatte. 1879 erfolgte seine Beförderung zum Generalleutnant. Er vermählte sich 1840 mit Gräfin Bertha von Holleben , die zu diesem Anlass von König Friedrich Wilhelm IV. in den Grafenstand erhoben wurde. Sie war das erstgeborene Kind des preußischen Generals Ernst von Holleben und Ehrendame des bayerischen Theresienorden. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor, wobei ein drittes Kind 1845 tot geboren wurde:
2024-12-01 22:53:52
https://de.wikipedia.org/wiki/Bundesministerium_f%C3%BCr_Angelegenheiten_des_Bundesrates
1949 wurde für den Bundesrat ein eigenständiges Bundesministerium für Angelegenheiten des Bundesrates errichtet, das ab 1957 Bundesministerium für Angelegenheiten des Bundesrates und der Länder hieß. Das Ministerium sollte für einen guten Informationsfluss zwischen den im Bundesrat vertretenen Ländern und der Bundesregierung sorgen. Es hatte seinen Sitz in der Bonner Adenauerallee 120/122 und bestand aus drei Abteilungen: 1969 wurde das Ministerium von der neuen Regierung Brandt im Zuge einer Neustrukturierung der Ministerien zusammen mit dem Vertriebenen- und dem Schatzministerium aufgelöst. Die Zuständigkeiten des Ministeriums gingen auf das Bundeskanzleramt, die Hilfe in Notstandsgebieten auf das Innen- und de facto später auch das Verteidigungsministerium über. Eine ähnliche Aufgabe wie dem damaligen Bundesratsminister kommt heute dem Staatsminister für die Bund-Länder-Koordination beim Bundeskanzler zu, das ist seit dem 8. Dezember 2021 die SPD-Politikerin Sarah Ryglewski . Hans-Joachim von Merkatz stand während seiner Tätigkeit als Bundesratsminister zweimal kurz an der Spitze eines weiteren Bundesministeriums. Zunächst, von 1956 bis 1957, als Bundesminister der Justiz und später, von 1960 bis 1961, als Bundesminister für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte, nachdem Theodor Oberländer zurückgetreten war. Das Bundesratsministerium verfügte nur zeitweise über einen Staatssekretär. Daher war Minister von Merkatz von 1949 bis 1952 zugleich mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Staatssekretärs beauftragt. Der spätere Staatssekretär Ripken führte zunächst, von 1951 bis 1954, den Titel „Leitender Ministerialbeamter“. Von 1959 bis 1967 war Ministerialdirektor Renatus Weber der Amtschef im Ministerium. Beamtete Staatssekretäre waren: Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz | Bundesministerium der Finanzen | Bundesministerium des Innern und für Heimat | Auswärtiges Amt | Bundesministerium der Justiz | Bundesministerium für Arbeit und Soziales | Bundesministerium der Verteidigung | Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft | Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend | Bundesministerium für Gesundheit | Bundesministerium für Digitales und Verkehr | Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz | Bundesministerium für Bildung und Forschung | Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung | Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen | Bundeskanzleramt Bundesministerium für Angelegenheiten des Bundesrates | Bundesministerium für die Angelegenheiten des Bundesverteidigungsrates | Bundesministerium für innerdeutsche Beziehungen | Bundesministerium für Post und Telekommunikation | Bundesschatzministerium | Bundesministerium für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte
2024-12-03 21:46:42
https://de.wikipedia.org/wiki/Kieselschlamm
Diatomeenschlamm oder Kieselschlamm bezeichnet ein unverfestigtes Sediment in Meeren und Seen, welches sich aus Kieselalgen bzw. deren Schalen- und Skelettresten bildet. Das Sediment kennzeichnet kühle bis kalte Gewässer und ist entsprechend vor allem in arktischen Bereichen oder der Tiefsee in Bereichen von 1.000 bis 4.000 m Tiefe zu finden. Im Bereich von Auftriebsgebieten, in denen kalte, nährstoffreiche Meeresströmungen zu hoher Primärproduktion führen, kann Diatomeenschlamm in küstennahen Flachwasserbereichen als Hauptsediment ausgebildet sein, so etwa vor der durch den Benguelastrom beeinflussten Küstenbereich Namibias. Diatomeenschlamm bedeckt aktuell etwa 8 Prozent des Meeresbodens, vor allem in einem Gürtel zwischen 60° südlicher und 40 bis 60° nördlicher Breite. Diatomeenschlamm ist die Vorstufe des Sedimentgesteins Kieselgur, welches entsteht wenn durch die Auflast nachfolgender Sedimente die Algenschichten gepresst und kompaktiert werden. Kieselgur besteht zum größten Teil aus amorphem Siliziumdioxid und ist sehr porös. 1 ml reine Kieselgur enthält etwa 1 Mrd. Diatomeenschalen bzw. deren Bruchstücke.
2024-12-01 21:11:03
https://de.wikipedia.org/wiki/Olympische_Sommerspiele_2000/Teilnehmer_(Litauen)
Litauen nahm an den Olympischen Sommerspielen 2000 in Sydney teil. Insgesamt beteiligten sich 61 Athleten, darunter 40 Männer und 21 Frauen, an den Wettbewerben. Fahnenträger bei der Eröffnungsfeier war der Leichtathlet Romas Ubartas. Algerien • Angola • Ägypten • Äquatorialguinea • Äthiopien • Benin • Botswana • Burkina Faso • Burundi • Dschibuti • Elfenbeinküste • Eritrea • Gabun • Gambia • Ghana • Guinea • Guinea-Bissau • Kamerun • Kap Verde • Kenia • Komoren • Demokratische Republik Kongo • Republik Kongo • Lesotho • Liberia • Libyen • Madagaskar • Malawi • Mali • Marokko • Mauretanien • Mauritius • Mosambik • Namibia • Niger • Nigeria • Ruanda • Sambia • São Tomé und Príncipe • Senegal • Seychellen • Sierra Leone • Simbabwe • Somalia • Südafrika • Sudan • Swasiland • Tansania • Togo • Tschad • Tunesien • Uganda • Zentralafrikanische Republik Amerikanische Jungferninseln • Antigua und Barbuda • Argentinien • Aruba • Bahamas • Barbados • Belize • Bermuda • Bolivien • Brasilien • Britische Jungferninseln • Cayman Islands • Chile • Costa Rica • Dominica • Dominikanische Republik • Ecuador • El Salvador • Grenada • Guatemala • Guyana • Haiti • Honduras • Jamaika • Kanada • Kolumbien • Kuba • Mexiko • Nicaragua • Niederländische Antillen • Panama • Paraguay • Peru • Puerto Rico • St. Kitts und Nevis • St. Lucia • St. Vincent und die Grenadinen • Suriname • Trinidad und Tobago • Uruguay • Venezuela • Vereinigte Staaten Bahrain • Bangladesch • Bhutan • Brunei • China • Chinese Taipei • Hongkong • Indien • Indonesien • Irak • Iran • Japan • Jemen • Jordanien • Kambodscha • Kasachstan • Katar • Kirgisistan • Kuwait • Laos • Libanon • Malaysia • Malediven • Mongolei • Myanmar • Nepal • Nordkorea • Oman • Pakistan • Palästina • Philippinen • Saudi-Arabien • Singapur • Sri Lanka • Südkorea • Syrien • Tadschikistan • Thailand • Turkmenistan • Usbekistan • Vereinigte Arabische Emirate • Vietnam Albanien • Andorra • Armenien • Aserbaidschan • Belarus • Belgien • Bosnien und Herzegowina • Bulgarien • Dänemark • Deutschland • Estland • Finnland • Frankreich • Georgien • Griechenland • Großbritannien • Irland • Island • Israel • Italien • Jugoslawien • Kroatien • Lettland • Liechtenstein • Litauen • Luxemburg • Malta • Mazedonien • Moldau • Monaco • Niederlande • Norwegen • Österreich • Polen • Portugal • Rumänien • Russland • San Marino • Schweden • Schweiz • Slowakei • Slowenien • Spanien • Tschechien • Türkei • Ukraine • Ungarn • Zypern Amerikanisch-Samoa • Australien • Cookinseln • Fidschi • Guam • Mikronesien • Nauru • Neuseeland • Palau • Papua-Neuguinea • Salomonen • Samoa • Tonga • Vanuatu 1924 • 1928 • 1932 • 1936 • 1948 • 1952 • 1956 • 1960 • 1964 • 1968 • 1972 • 1976 • 1980 • 1984 • 1988 • 1992 • 1996 • 2000 • 2004 • 2008 • 2012 • 2016 • 2020 • 2024 1928 • 1932 • 1936 • 1948 • 1952 • 1956 • 1960 • 1964 • 1968 • 1972 • 1976 • 1980 • 1984 • 1988 • 1992 • 1994 • 1998 • 2002 • 2006 • 2010 • 2014 • 2018 • 2022 2010 • 2014 • 2018 2012 • 2016 • 2020 • 2024 Fahnenträger • Medaillengewinner
2024-12-03 16:20:08
https://de.wikipedia.org/wiki/Limpurger_Berge
Die Limpurger Berge im mittleren Osten desNaturraums Schwäbisch-Fränkische Waldberge Die Limpurger Berge sind ein bis zu 564,7 m ü. NHN hoher Gebirgszug der Schwäbisch-Fränkischen Waldberge im Landkreis Schwäbisch Hall und im Ostalbkreis in Baden-Württemberg . Ein Großteil der Landschaft gehörte ehedem zum Limpurger Land der Schenken von Limpurg, deren Name von ihrem Stammsitz herrührt, der Burg Limpurg bei Schwäbisch Hall. Die Limpurger Berge liegen etwa 55 km nordöstlich von Stuttgart und rund 60 km ostsüdöstlich von Heilbronn, zwischen der Haller Ebene im Norden, den Ellwanger Bergen im Osten und Südosten, der Frickenhofer Höhe im Süden, dem Mainhardter Wald im Westen und den Waldenburger Bergen im Nordwesten. Sie erstrecken sich südöstlich von Schwäbisch Hall, westlich von Sulzdorf, Obersontheim, Bühlertann, Bühlerzell und Adelmannsfelden und reichen bis zur Blinden Rot nordwestlich von Abtsgmünd. Untergröningen, Sulzbach-Laufen, Gaildorf, Westheim und Michelbach an der Bilz liegen unmittelbar westlich der bewaldeten Berglandschaft. Ihre markanten geomorphologischen Grenzen sind der Stufenrand im Norden zur Haller Ebene hinunter, im Osten das Bühlertal sowie im Süden und Westen der große Bogen des Kochertaleinschnitts. Im Südosten laufen die Limpurger Berge mit der sehr schmalen und langen Unterjura-Hochfläche des Büchelberger Grats gegen die Mündung der Blinden Rot aus. Die höchste Erhebung der Limpurger Berge wie des Landkreises Schwäbisch Hall ist der östlich von Sulzbach am Kocher gelegene Altenberg , auf dem der Aussichtsturm Altenbergturm steht. Noch bekannter dürfte der sich südlich von Hessental über der Hohenloher-Haller Ebene erhebende Einkorn sein, ein westwärts gerichteter, markanter Sporn am Nordrand der Waldlandschaft. Einige der in der folgenden, absteigend nach Höhe in Meter über Normalhöhennull sortierten Liste aufgezählten Erhebungen der Limpurger Berge ragen nur wenig über die in ihrem Verlaufsrichtung recht flache Hochebene des größeren Weststrangs der Berglandschaft heraus, sie zeichnen sich deshalb auch dem Blick von außen kaum als Einzelberge ab. Die nach Fläche wie erreichten Höhen unbedeutendere, aber stärker gegliederte Ostkette weist deshalb im Verhältnis viel mehr benennbare Einzelberge aus. Fließgewässer der Limpurger Berge sind: Die Limpurger Berge sind ein Teil des Keuperberglands. Der Gipskeuper bildet etwa am Fuß der nördlichen Berge zum Fischachtal großflächige Ebenen. Ursächlich dafür ist die zwar nur dünne, aber abtragungsresistente dolomitische bis sandige Corbula-Bank, vormals „Engelhofer Platte“ genannt nach dem Ort Engelhofen am Ostfuß der Westkette der Berglandschaft. Der Schilfsandstein der Stuttgart-Formation ist im Norden und Süden der Limpurger Berge in der mächtigen „Flutfazies“ ausgebildet. Zwischen Gaildorf und Mittelfischach ist er in der nur wenige Meter mächtigen „Normal- oder Stillwasserfazies“ ausgebildet. Den markantesten Anstieg bilden die Unteren Bunten Mergel, die vom abtragungsresistenten Kieselsandstein bedeckt sind. Südlich von Winzenweiler bedecken Obere Bunte Mergel und Stubensandstein an Fläche zunehmend den Höhenzug. Die Kuppe des Altenbergs reicht über den Knollenmergel noch bis zum Unterjura, der auch dem noch südlicheren Büchelberger Grat aufliegt. Im oder am Rand der bewaldeten Limpurger Berge gibt es, meistens entlang der Fließgewässer und deren unmittelbarer Umgebung, viele kleine Fauna-Flora-Habitat-Gebiete: Im Osten liegt das vielteilige, weiträumig zergliederte FFH-Gebiet Oberes Bühlertal , im Westen befindet sich das auch vielteilig zergliederte FFH-Gebiet Kochertal Abtsgmünd – Gaildorf und Rottal und im Nordwesten liegen die Südteile des mehrteiligen FFH-Gebiets Schwäbisch Haller Bucht . Zudem gibt es im oder am Rand des Höhenzugs zahlreiche, manchmal mehrteilige Landschaftsschutzgebiete : Nordteil der Limpurger Berge mit Abhängen und Geländeteilen zwischen Hessental und Sulzdorf , Westabhang der Limpurger Berge , Kochertal mit angrenzenden Höhenzügen , Fischachtal mit Nebentälern und angrenzenden Gebieten zwischen Herlebach und Kottspiel , Eisbachtal und Irsbachtal , Büchelberger Grat und Umgebung , Oberes Bühlertal mit Nebentälern und angrenzenden Gebieten und Oberes Bühlertal und Umgebung . Ein Teil des Einkornwaldes im Norden der Limpurger Berges östlich des Bergs Einkorn im Forstbezirk Vellberg ist seit 1995 als Schonwald Einkorn , dessen Kernzone als Bannwald Altspöck ausgewiesen.
2024-12-03 19:21:27
https://de.wikipedia.org/wiki/Vicente_Zaraz%C3%BAa
Vicente Zarazúa ist ein ehemaliger mexikanischer Tennisspieler. Vicente Zarazúa stand 1965 dreimal in einem Hauptfeld bei einem Grand-Slam-Turnier, scheiterte aber jedes Mal in der Auftaktrunde. Bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko-Stadt wurden im Tennis ein Demonstrationswettbewerb und ein Exhibitionwettbewerb ausgetragen. In beiden gewann Zarazúa mit Rafael Osuna in der Doppelkonkurrenz die Goldmedaille. Bei Panamerikanischen Spielen sicherte er sich 1963 im Doppel mit Juan Arredondo die Silbermedaille. Bereits ein Jahr zuvor hatten die beiden im Doppel bei den Zentralamerika- und Karibikspielen 1962 die Goldmedaille gewonnen. 1966 folgten bei den Zentralamerika- und Karibikspielen der Gewinn der Bronzemedaille im Einzel sowie der Goldmedaille im Mixed mit Elena Subirats. Von 1964 bis 1975 absolvierte Zarazúa 16 Begegnungen für die mexikanische Davis-Cup-Mannschaft. Er gewann zwei seiner acht Einzelpartien, im Doppel schaffte er eine Bilanz von 12:3-Siegen. Er ist der Großonkel der Tennisspielerin Renata Zarazúa.
2024-12-01 22:33:26
https://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Hunter_Classic_2012
Das Arcaden Paul Hunter Classic 2012 war ein Snooker-Turnier, das vom 23. bis 26. August 2012 in der Stadthalle in Fürth ausgetragen wurde. Es war das vierte Event der Players Tour Championship 2012/13 und davon das erste Turnier der Betfair European Tour 2012/13. Damit war es ein offizielles Minor-Ranglistenturnier der Main-Tour und somit Bestandteil der Snooker-Saison 2012/13. Als neuer Hauptsponsor konnte Arcaden Shopping gewonnen werden, die unter anderem im benachbarten Erlangen ein Einkaufszentrum betreiben und in der Vorjahrestour bereits das Turnier in Fürstenfeldbruck gesponsert hatten. Zum zweiten Mal übertrug Eurosport die Partien von Tisch 1 während der drei Haupttage live. Anders als im Vorjahr war der Bühnenraum der Halle mit dem Fernsehtisch nicht mehr durch eine verschiebbare Wand abgetrennt, es wurde lediglich der Zugang während der laufenden Partien eingeschränkt. Dadurch konnte auch die Sitztribüne auf einer Seite vergrößert werden. Neun weitere Tische waren wie in den Jahren zuvor auf den Rest der Fürther Stadthalle verteilt und frei zugänglich. Von den Top 16 der Weltrangliste fehlten der Schotte Stephen Maguire und der Chinese Ding Junhui. Der Star des Vorjahres, Ronnie O’Sullivan, befand sich noch in seiner generellen Snooker-Auszeit. Trotzdem gab es auch in diesem Jahr wieder ein Maximum Break, Altmeister Ken Doherty gelang im 23. Jahr seiner Karriere sein erstes Break von 147 Punkten. Vorjahressieger war der Engländer Mark Selby. Er erreichte erneut das Finale und setzte sich mit 4:1 gegen Joe Swail durch. Somit schaffte er es nach Shaun Murphy 2009 als zweiter Spieler, seinen Titel zu verteidigen. Auch wenn Swail bis Mitte des Jahres noch der Maintour angehörte, war er der erste Amateur, der das Finale des Paul Hunter Classic erreichte. Erstmals fand auch parallel zu dem PTC-Turnier ein Amateur-Cup statt, der eines von vier europäischen Turnieren ist, in denen es um einen Maintour-Startplatz für die nächste Saison geht. Das Finale wurde zeitgleich mit dem Halbfinale des Hauptturniers an einem Nachbartisch ausgetragen. Es gewann der Deutsche Patrick Einsle. Die 32 freien Plätze der Hauptrunde wurden am Donnerstag, dem 23. August und am Freitagabend, dem 24. August, in zwei Qualifikationsrunden vergeben. Für die zweite Runde waren zwölf Spieler direkt gesetzt, weitere 52 Teilnehmer spielten die restlichen 104 Bewerbern aus. Gleich fünf deutsche Spieler überstanden die Qualifikation, darunter Ex-Profi Patrick Einsle und der Deutsch-Engländer Phil Barnes, dem dies zum zweiten Mal in Folge gelang. Im dritten Anlauf schaffte es auch Alexander Ursenbacher ins Hauptturnier, der früher im Jahr zum ersten Mal Schweizermeister geworden war. Der österreichische U-21-Meister Andreas Ploner war ein weiterer erfolgreicher Qualifikant. Auch diesmal gab es wieder viele Absagen unter den Amateuren, alleine acht der 19 ausgefallenen Qualifikationsspiele gingen auf ein Team aus Bahrain, das erstmals gemeldet hatte, aber nicht angetreten war. Gespielt wurden alle Qualifikationsspiele auf vier Gewinnframes . Die jeweiligen Sieger sind fett markiert, kl. bedeutet, dass der Spieler kampflos in die nächste Runde eingezogen ist. Für sechs der sieben Amateure aus dem deutschsprachigen Raum war nach der ersten Runde wieder Schluss, alle hatten Profis als Gegner zugelost bekommen, die zu stark für sie waren. Lediglich Phil Barnes zog kampflos in Runde 2 ein und konnte dort mit Liam Highfield einen Profi schlagen. Damit war er der erste Deutsche unter den letzten 32 bei einem PTC-Turnier. Highfield hatte zuvor die größte Überraschung der Auftaktrunde geschafft, als er den Weltranglistendritten Mark Williams aus dem Turnier geworfen hatte. Danach ging das Favoritensterben weiter. Die aktuelle Nummer 2 Judd Trump, vor zwei Jahren Turniersieger, unterlag in Runde 3 Barry Hawkins, der zuvor bereits Neil Robertson ausgeschaltet hatte. Stephen Lee unterlag dem irischen Routinier Ken Doherty, der beflügelt von seinem Maximum Break in der Runde zuvor ein umkämpftes 4:3 erreichte. John Higgins scheiterte am indischen Neuprofi Pankaj Advani, der seinen ersten großen Erfolg bei einem Snooker-Profiturnier hatte. Aus den Top 10 blieben noch der Weltranglistenerste und Titelverteidiger Mark Selby sowie Shaun Murphy und Ricky Walden übrig, die bis ins Achtelfinale kamen. Der Sonntag begann dann mit umkämpften Duellen der verbliebenen 16 Spieler. Einzig Barry Hawkins konnte ziemlich schnell den Ansturm des thailändischen Neuprofis Thepchaiya Un-Nooh abwehren und sich mit 4:1 durchsetzen. Michael White schlug in einem walisischen Duell Dominic Dale mit 4:2, verlor dann aber gegen Hawkins. Das zweite rein walisische Duell entschied Ryan Day gegen Jamie Jones ebenfalls mit 4:2 für sich, er traf danach auf den Inder Advani, der Mark King mit 4:3 niedergekämpft hatte. Day verlor überraschend klar mit 1:4. Die Topprofis Murphy und Walden trafen im Achtelfinale auf Joe Swail bzw. Andrew Norman, die beide am Ende der Saison 2011/12 ihren Profistatus verloren hatten. Beide Amateure konnten sich durchsetzen und trafen dann direkt aufeinander: Der erfahrenere Nordire setzte sich knapp im siebten Frame durch. Die längste Achtelfinalpartie lieferten sich Mark Selby und sein Landsmann Robbie Williams. Dreieinhalb Stunden kämpften sie gegeneinander, bis sich der Topfavorit im Entscheidungsframe durchsetzte, und brachten damit den Turnierplan in Verzug. Obwohl Selby danach gleich wieder gegen Ken Doherty antreten musste, der gegen Michael Wild ebenfalls sieben Frames benötigt hatte, setzte er sich schnell mit 4:0 durch, dem einzigen Zu-null-Ergebnis des Finaltags. Im Halbfinale trafen dann mit Selby und Advani zwei Spieler aufeinander, die bereits in anderen Billard-Varianten Weltmeister geworden waren: der Engländer 2006 im Blackball und der Inder 2009 im English Billiards. Advani konnte zwar in Führung gehen, danach zog aber Selby mit 3:1 davon und gewann schließlich mit 4:2. Die zweite Partie der Vorschlussrunde entwickelte vor laufender Kamera große Spannung. Joe Swail ging mit 2:0 in Führung, Barry Hawkins konnte aber ausgleichen. Auch die erneute Führung des Nordiren konnte er kontern. Im Entscheidungsframe ging es dann nervös zu und beide Spieler vergaben Chancen zur vorzeitigen Entscheidung. Nach ein paar kuriosen Bällen war schließlich nur noch die schwarze Kugel übrig, die Swail über Bande einlochte. Den besseren Start in das nach nur einer kurzen Pause für Swail stattfindenden Finale erwischte Mark Selby. Die ersten beiden Frames gingen an den Engländer, nachdem Swail noch nicht an die Halbfinalleistung anknüpfen konnte. Erst im dritten Frame kam er besser ins Spiel, doch Selby konnte nach einigem Kampf auf 3:0 erhöhen. Danach gelang dem Nordiren das höchste Break des Finales mit 89 Punkten, doch im fünften Frame gelang dann wieder Selby ein hohes Break und er gewann damit mit 4:1. Der Engländer verteidigte den Vorjahrestitel und seine Nummer-1-Position in der Weltrangliste. Für Swail waren es wichtige Punkte in seinem Kampf um die Rückkehr auf die Maintour im nächsten Jahr über die PTC-Wertung. Turniermodus für alle Spiele einschließlich des Finales war Best-of-Seven . Die jeweiligen Sieger sind fett markiert, kl. bedeutet, dass der Spieler kampflos in die nächste Runde eingezogen ist. als Grand Prix Fürth: 2004 als Fürth German Open: 2005 | 2006 als Paul Hunter Classic: 2007 | 2008 | 2009 | 2010 | 2011 | 2012 | 2013 | 2014 | 2015 | 2016 | 2017 | 2018 | 2019 Weltranglistenturniere Wuxi Classic 2012 | Australian Goldfields Open 2012 | Shanghai Masters 2012 | International Championship 2012 | UK Championship 2012 | German Masters 2013 | Welsh Open 2013 | Haikou World Open 2013 | China Open 2013 | Snookerweltmeisterschaft 2013 PTC-Serie 2012/13 APTC 1 | PTC 1 | PTC 2 | ET 1 | PTC 3 | APTC 2 | ET 2 | ET 3 | APTC 3 | PTC 4 | ET 4 | ET 5 | ET 6 | Grand Finals Einladungsturniere 6-Red World Championship 2012 | World Seniors Championship 2012 | Premier League Snooker 2012 | Masters 2013 | Snooker Shoot-Out 2013 | Championship League 2013 Q School Q School 2013/1 | Q School 2013/2 | Q School 2013/3
2024-12-03 17:42:38
https://de.wikipedia.org/wiki/Sterntor_(Magdeburg)
Das Sterntor ist eine denkmalgeschützte Toranlage in Magdeburg in Sachsen-Anhalt. Es befindet sich an der nordöstlichen Ecke des Domplatzes in der Magdeburger Altstadt unmittelbar östlich des zum Landtag von Sachsen-Anhalt gehörenden Gebäudes Domplatz 6. Das barocke Sterntor wurde im Jahr 1723 im Auftrag des Festungsbaumeisters Gerhard Cornelius von Walrave errichtet. Es umfasste bei einer Höhe von neun Metern und einer Breite von sechs Metern ein Gewicht von 100 Tonnen und diente als nördliches Eingangstor zum inneren Ring des Fort Berge. Das Fort Berge war ein südlich Magdeburgs, etwa im Bereich südlich der heutigen Hegelstraße, gelegenes Fort der Festung Magdeburg, das aufgrund seines charakteristischen Grundrisses auch als Sternschanze bezeichnet wurde, woraus sich der noch heute gebräuchliche Name des Tores ergibt. Im Jahr 1905 wurde das Fort Berge abgerissen, wobei das Sterntor jedoch erhalten blieb und am südlichen Ende der Hegelstraße stand. 1910 wurde dann auch das Tor abgetragen und zunächst im Vorgarten des heutigen Kulturhistorischen Museums gelagert. Es bestanden Pläne das Tor in Berlin wieder zu errichten. 1922 erfolgte daher ein Abtransport nach Berlin und Einlagerung in einem Keller auf der Berliner Museumsinsel. Später wurde das Tor jedoch wieder nach Magdeburg gebracht und dort zwischengelagert. Unter Oberbürgermeister Fritz-August Wilhelm Markmann wurde das Tor dann zwischen der Sankt-Nikolai-Kirche und der Dompropstei an der nordwestlichen Ecke des Domplatzes, etwa zwischen heutiger Grünen Zitadelle von Magdeburg und dem Gebäude der Nord/LB, wieder aufgebaut. Während des Luftangriffs auf Magdeburg am 16. Januar 1945 wurde unter anderem auch das Sterntor schwer beschädigt. Das zunächst notdürftig gesicherte Tor wurde dann im Jahr 1959 im Zusammenhang mit dem Abriss der Ruinen der Sankt-Nikolai-Kirche abgebaut. Die erhaltenen Teile wurden anfangs auf dem Gelände des Klosters Unser Lieben Frauen, ab 1968 bei der Paul-Schuster-KG eingelagert. 1970 bestanden Pläne zur Wiedererrichtung an der Nordwestecke des Domplatzes, die jedoch nicht umgesetzt wurden. Im Jahr 2004 wurde ein Kuratorium zum Wiederaufbau des Sterntores gegründet. Als Standort wurde die Nordostecke des Domplatzes gewählt, da das Tor dort den Domplatz abschließt, sich in die barocken Nachbargebäude einfügt, eine Baulücke schließt und die historische Baulinie wieder aufnimmt. Durch die Überspannung eines Fußweges ist das Sterntor auch wieder als Tor erlebbar und stellt einen Zugang zum Domplatz dar. Baumeister Walrave lebte darüber hinaus etwas weiter westlich des Tores, im Haus Domplatz 9. Die Grundfläche des neuen Standortes gehört dem Landtag von Sachsen-Anhalt, der seine Einwilligung zum Bau erteilte. Das Fundament des Tores wurde bereits Anfang 2005 im Zuge von Umgestaltungsarbeiten am Domplatz mit erstellt. Die eigentliche Grundsteinlegung erfolgte am 17. September 2008. Es wurde dann zunächst der Torkörper als Neubau neu errichtet. Das eigentliche Sterntor stand nie frei, sondern war die Schmuckverblendung der Festungsmauer, so dass der Torkörper als Neubau erstellt werden musste. Mit eingeworbenen Spenden und Lotto-Toto-Mitteln erfolgte der Bau und nachfolgend die Anbringung der historischen Sandsteinelemente, die noch immer bei der Firma Schuster eingelagert waren. Fehlende Teile wurden als neu angefertigte Elemente ergänzt. Die Schmuckseite wurde dabei nach Süden zum Domplatz hin ausgerichtet. Eine verzierte Rückseite gehörte auch historisch nicht zum Sterntor. Im Juni 2015 wurde die mit preußischem Wappen, Krone und Farnwedeln verzierte, 500 Kilogramm schwere Kartusche in das Portal eingefügt. 2017 ist die Erstellung einer Zinkblechabdeckung vorgesehen. Derzeit fehlt noch die sechs Meter breite und drei Meter hohe Bekrönung des Tors aus Sandsteinelementen. Auch diese Elemente sind jedoch nur zum Teil, in Form von zwei großen Köpfen, im Original erhalten und bei der Firma Schuster eingelagert. Auch insoweit sollen die fehlenden Teile ergänzt werden. Der Fortgang der Arbeiten ist vom Vorhandensein ausreichender Spendenmittel abhängig. Mit größeren Zuwendungen beteiligten sich die Volksbank Magdeburg, die Rotkäppchen-Mumm Sektkellerei und die Stadtsparkasse Magdeburg. Im Denkmalverzeichnis des Landes Sachsen-Anhalt ist die Toranlage unter der Erfassungsnummer 094 71182 als Baudenkmal verzeichnet. 52.12641511.636138Koordinaten: 52° 7′ 35,1″ N, 11° 38′ 10,1″ O
2024-11-30 18:29:53
https://de.wikipedia.org/wiki/Paradise_(Nevada)
Paradise ist eine Siedlung im US-Bundesstaat Nevada südlich von Las Vegas. Die Siedlung ist Census-designated place und Unincorporated Town, also eine Ortschaft ohne Selbstverwaltung, im gemeindefreien Gebiet von Clark County. Das U.S. Census Bureau hat bei der Volkszählung 2020 eine Einwohnerzahl von 191.238 ermittelt. Auf ihrem Gebiet befinden sich der Hauptteil des Las Vegas Strip , der Harry Reid International Airport und die University of Nevada, Las Vegas. Auch das bekannte Schild Welcome to Fabulous Las Vegas befindet sich in Paradise. Der United States Postal Service hat der Postleitzahl von Paradise die Bezeichnung „Las Vegas, NV“ zugeordnet. Viele Spielbanken siedelten sich im Vorort Paradise statt direkt in der Stadt Las Vegas an, um keine Kommunalsteuern und -abgaben bezahlen zu müssen. In Paradise steht die T-Mobile Arena, in der das NHL-Team Vegas Golden Knights seit der Saison 2017/18 seine Heimspiele austrägt. Ebenfalls in der Stadt befindet sich das Allegiant Stadium, das seit 2020 die Spielstätte des NFL-Teams Las Vegas Raiders sowie der UNLV Rebels, dem College-Football-Team der University of Nevada ist. ¹ Volkszählungsergebnisse Boulder City • Henderson • Las Vegas • Mesquite • North Las Vegas Blue Diamond • Bunkerville • Cal-Nev-Ari • Enterprise • Goodsprings • Indian Springs • Laughlin • Moapa Town • Moapa Valley • Mount Charleston • Nellis Air Force Base • Nelson • Paradise • Sandy Valley • Searchlight • Spring Valley • Summerlin South • Sunrise Manor • Whitney • Winchester Fort Mojave Reservation‡ • Las Vegas Indian Colony • Moapa River Indian Reservation
2024-12-01 20:01:09
https://de.wikipedia.org/wiki/Puma_Ocean_Racing_powered_by_Berg_Propulsion
Puma Ocean Racing powered by Berg Propulsion ist ein amerikanisches Segelregattateam, das beim Volvo Ocean Race 2011–2012 teilnahm. In der Gesamtwertung belegte das Team den dritten Platz und in der Platzierung der In-Port Races den ersten Platz. Die segelnde Crew besteht aus folgenden Mitgliedern: Die Yacht des Teams Mar Mostro gehört gemäß dem Reglement zur VO70-Klasse. Sie wurde von Juan Kouyoumdjian entworfen und auf der Werft von New England Boatworks in Portsmouth, Rhode Island, USA gebaut. Das Team nahm mit diesem Boot probehalber am Transatlantic Race teil und gewann diese Wettfahrt. Haupt- und Titelsponsor des Teams ist der Sportartikelhersteller Puma. Das Team wird außerdem von Berg Propulsion, einem schwedischen Unternehmen für Schiffsantriebe, unterstützt. 1)statt Abu Dhabi aufgrund der anhaltenden Problematik mit Piraten. Camper with Emirates Team New Zealand | Groupama Sailing Team | Puma Ocean Racing powered by Berg Propulsion | Abu Dhabi Ocean Racing Team | Team Telefónica | Team Sanya
2024-12-03 15:39:16
https://de.wikipedia.org/wiki/Kontaktierung
Ein elektrischer Kontakt dient in der Elektrotechnik dazu, zwischen elektrischen Bauelementen, zwischen oder innerhalb von Stromkreisen oder innerhalb von Bauteilen wie Schützen, Relais oder Tastern / Schaltern eine elektrische Verbindung herzustellen. Unlösbare Verbindungen sind nicht absolut unlösbar; um sie zu lösen, ist aber eine zumindest teilweise Zerstörung der Verbindung nötig. Im weiteren Sinne gehören auch Löt- und Wickelverbindungen zu den mit Werkzeug lösbaren Verbindungen . Steckverbindungen, Schraubverbindungen mit Rändelschrauben oder Edisongewinde können von Hand gelöst werden. Lösbare Verbindungen müssen weniger Betätigungen ertragen als Schaltkontakte, bei ihnen steht der Erhalt des geringen Übergangswiderstandes im Vordergrund. Sie werden daher oft aus silber- oder goldbeschichteten Grundwerkstoffen gefertigt. Weitere übliche Beschichtungen sind Zinn und Chrom. Unbeschichtete, lösbare Steck- und Schraubverbindungen bestehen zum Beispiel aus Kupfer, Bronze oder Messing. Ein stabiler Kontaktwiderstand ist ein wichtiges Merkmal für eine gute Steckverbindung. Veränderungen des Kontaktwiderstandes können verschiedene Ursachen haben. Eine davon ist das elektrische Durchbrechen von hochohmigen Korrosions- und Fremdschichten, auch Fritten genannt. Um den Einfluss des Frittens zu eliminieren, werden für Prüfungen von Steckverbindungen der Prüfstrom und der maximal zulässige Spannungsabfall festgelegt. Ein deutliches Zeichen für das Fritten ist ein Knick in der Spannungs- und Stromkennlinie, welcher auf einen Sprung des Kontaktwiderstandes hindeutet. Maßgebend für die Veränderung des Kontaktwiderstandes, aufgrund des Frittens, ist die Spannung am Kontakt. Bei allgemeinen Prüfungen von Steckverbindungen kann es, durch die Verwendung eines zu großen Messstromes und einer zu hohen Leerlaufspannung, zum Fritten kommen. Deshalb schreibt die Norm IEC512 Teil 2 zur Prüfung von Steckverbindungen einen maximalen Messstrom von 100 mA sowie eine maximale Leerlaufspannung von 20 mV vor. Schaltkontakte finden sich in Schützen, Relais, Tastern / Schaltern. Sie sind die anspruchsvollsten elektrischen Kontakte, denn sie müssen ihre mechanischen und elektrischen Eigenschaften oft über viele Millionen Schaltspiele aufrechterhalten: Alle diese Eigenschaften lassen sich nicht in einem Schaltkontakt vereinigen, daher bestehen Schaltkontakte für hohe Schaltleistungen aus anderen Materialien als Schaltkontakte für Signale oder geringe Leistungen. Oft bestehen Schaltkontakte auch aus Materialkombinationen . Üblich sind auch hauchvergoldete Silber-Kontakte, die bei kleinen Schaltleistungen ihren geringen Übergangswiderstand behalten und, sobald sie für große Schaltleistungen eingesetzt werden, ihre Goldschicht einbüßen und einen robusten Silberkontakt freilegen. Schaltkontakte in Relais und kleinen Schaltern sind oft so gestaltet, um sie sowohl für Signalzwecke als auch für hohe Schaltleistungen einsetzen zu können. Silber eignet sich trotz seiner hohen Leitfähigkeit nur bedingt für kleine Schaltleistungen, da es Silbersulfid-Schichten bildet. Die wichtigsten vom Hersteller spezifizierten Merkmale eines Schaltkontaktes sind: Schaltkontakte für hochohmige Signale bestehen oft aus einer Paarung aus Leitgummi einerseits und Gold bzw. Graphit-Leitpaste andererseits. Sie sind besonders zuverlässig und zeigen wenig Prellen. Das Prellen von Schaltkontakten ist ein periodisches Schließen und Wieder-Öffnen im Schaltmoment. Es führt bei Schaltkontakten für hohe Schaltleistung zum verstärkten Kontaktabbrand oder gar zum Verschweißen der Kontakte. Digitale Schaltungen arbeiten mitunter so schnell, dass ohne Gegenmaßnahmen die mehrfache Kontaktgabe bei nur einer Betätigung als mehrfache Befehlsgabe interpretiert würde, weshalb dann eine Entprellung notwendig ist. Schleifkontakte dienen zur Kontaktierung bewegter Teile. Beispiele sind Kommutatoren, Stromabnehmer, Schleifringe sowie Positionssensoren wie Potentiometer oder Drehgeber. Es werden Paarungen aus Kupfer-/Kupferlegierungen und Graphit sowie auch Paarungen aus Edelmetallen verwendet. Nach dem logischen Einschaltverhalten des Verbrauchers bzw. der Last – nach positiver oder negativer Logik – unterscheidet man Schließer , Öffner sowie Wechsler . Der Wechsler besteht aus verkettetem Schließer und Öffner, weist also gleichzeitig positive Logik als auch negative Logik auf. Dies gilt für jegliche Arten von Schaltern, Einschaltern, Ausschaltern, Umschaltern bzw. Wechselschaltern, Tastern, Relais und Schützen. Viele Relais und Schütze benutzen Arbeitskontakte bzw. Schließer. Liegt die nötige Spulenspannung am Relais oder Schütz an, wird der Arbeitskontakt geschlossen, wird also niederohmig. Der angeschlossene Verbraucher bzw. die Last bekommt nun über den geschlossenen Arbeitskontakt den Versorgungsstrom zugeführt; der Verbraucher ist eingeschaltet. Liegt keine Spulenspannung an, ist der Arbeitskontakt geöffnet bzw. hochohmig; der Verbraucher ist ausgeschaltet. Der Anschluss eines Schließers wird im englischen Sprachgebrauch als NO , also normalerweise geöffnet betitelt. Ist das Relais nicht erregt , ist dieser Kontakt geöffnet. Diese Kontaktart wird daher immer dann angewendet, wenn ein Verbraucher sicher abgeschaltet sein soll, wenn die Steuerspannung nicht am Relais anliegt . Daher werden Schütze in der Elektroinstallation von Haushalten und Industrie bevorzugt mit Arbeitskontakten ausgerüstet. Dies ist sicherheitsrelevant. Industrielle Halbleiter-Relais haben normalerweise immer Schließer als elektronische Kontakte. Grund ist die benötigte Energie der Steuerspannung , um die Halbleiter durchzusteuern. Ohne Hilfsenergie kann keine Leitfähigkeitserhöhung im Halbleiter stattfinden. Insbesondere für geringe Lastströme ist es aber auch möglich, Halbleiterrelais anzufertigen, die ohne anliegende Steuerspannung selbstleitend sind, indem dazu sogenannte selbstleitende FETs oder MOSFETs FET) benutzt werden, die dann in negativer Steuer-Logik über einen Optokoppler „ausgesteuert“ werden . Hingegen werden in den industriell gefertigten Halbleiterrelais selbstsperrende FETs oder MOSFETs eingesetzt . Der Öffner bzw. Ruhekontakt ist geschlossen, also niederohmig, wenn keine Spulenspannung am Relais oder Schütz anliegt. Der Verbraucher liegt in diesem Falle an seiner Betriebsspannung und führt den Laststrom. Er ist eingeschaltet, während das Relais oder der Schütz ausgeschaltet ist. Wird die Spulenspannung eingeschaltet, wird der Verbraucher abgeschaltet. Daher heißen Öffner auch Ruhekontakt: Während das Relais ruht , führt der Verbraucher den Laststrom, ist also eingeschaltet. Der Anschluss eines Öffners wird im englischen Sprachgebrauch als NC , also normalerweise geschlossen betitelt. Ist das Relais nicht erregt , ist dieser Kontakt geschlossen. Wechsler bestehen aus einem Schließer und einem Öffner, die sich je einen Pol teilen, also einen gemeinsamen Pol haben. Bei einem Relais oder Schütz mit Wechsler sind zunächst – im Ruhezustand, d. h. ohne Spulenspannung – der gemeinsame Pol des Wechslers und der Ruhekontakt miteinander verbunden . Nach dem Zuschalten der Spulenspannung ist der gemeinsame Pol des Wechslers mit dem Arbeitskontakt verbunden . Im englischen Sprachgebrauch wird der gemeinsame Pol des Schließers und des Öffners eines Wechslers als common contact betitelt und oft mit COM abgekürzt. Die Kennzeichnung der Kontakte von KFZ-Relais ist standardisiert nach DIN 72552: An die Oberflächenbeschichtung von elektrischen Kontakten werden hohe Anforderungen gestellt, insbesondere bei elektrischen Relais mit vielen Schaltspielen. Bei Spannungen über 50 Volt und hohen Strömen bilden sich Lichtbögen. Sie können das Basismaterial aufschmelzen und fördern die Oxidation der Oberfläche. Wolframverbindungen sind hochtemperturbeständig, besitzen aber recht hohe Übergangswiderstände. Eine Goldbeschichtung leitet gut und schützt vor Korrosion, wird aber schnell abgetragen. Für Kleinleistungsrelais bis ca. 20 Ampere ist die Legierung Silber-Nickel ein guter Kompromiss. Für hohe Lasten gilt Cadmiumoxid, legiert mit Silber als optimal, um ein Verschweißen der Kontakte zu verhindern. Andererseits legen die RoHS-Richtlinien fest, auf Cadmium möglichst zu verzichten. Zinn-Oxid, ebenfalls legiert mit Silber , ist ein guter Ersatzstoff. Im englischen Sprachraum wurden 23 unterschiedliche Kontaktformen für Relais und Schalter definiert. Sie werden im Format „Form X contact“ bezeichnet. Diese Bezeichnungen werden in üblichen Datenblättern auch benutzt. Hier eine Auswahl an Kontaktbezeichnungen:
2024-11-23 22:58:10
https://de.wikipedia.org/wiki/Freiburger_Zeitschrift_f%C3%BCr_Philosophie_und_Theologie
Die Freiburger Zeitschrift für Philosophie und Theologie ist eine in Freiburg im Üechtland herausgegebene philosophische Zeitschrift. Sie wurde 1886 von Dominikanern gegründet. Zunächst trug die Zeitschrift den Namen Jahrbuch für Philosophie und spekulative Theologie, ab 1914 den Namen Divus Thomas und seit 1954 den heutigen Namen Freiburger Zeitschrift für Theologie und Philosophie. Die Zeitschrift erscheint halbjährlich. Gegenwärtig sind die Herausgeber Johannes Brantschen, Ruedi Imbach und Guido Vergauwen.
2024-12-01 12:26:03
https://de.wikipedia.org/wiki/TM_33
Bei der als „Schützenwagen“ bezeichneten Bauart 1927 handelt es sich um eine Serie von 300 Mitteleinstiegs-Triebwagen, ursprünglich mit Schützensteuerung ausgestattet, die 1927 von der Waggonbauanstalt Christoph & Unmack, Niesky und der AEG entwickelt und mit anderen Waggonbaufirmen bis 1929 an die Berliner Straßenbahn-Betriebs-GmbH, eine Vorgängergesellschaft der BVG, geliefert wurden. Wegen schwerer konstruktiver Sicherheitsmängel der Bremsausrüstung musste die komplette Serie 1931 aus dem Betrieb genommen werden. Nach einem grundlegenden Umbau in den Jahren 1933 bis 1938 bezeichnete die spätere BVG die sich nun in ihren technischen Parametern unterscheidenden Fahrzeugserien als TM 33, TM 34 und TM 36. Die TM-Wagen waren die letzten Straßenbahnwagen, die bei der BVG-West bis 1967 im Einsatz gewesen sind. Bei der BVG-Ost hielten sich diese Wagen bis 1971 im Linienbetrieb. Mit einer Fahrzeuglänge von 11,60 m bei einem Achsstand von 3,50 m waren sie die längsten zweiachsigen Fahrzeuge Berlins. Dem damaligen Muster vieler Städte folgend erhielt auch Berlin 1926 eine zehn Stück umfassende Serie von Straßenbahnwagen, die statt der bisher am Wagenende befindlichen Einstiegsplattformen nunmehr mit einem Eingangsbereich in der Wagenmitte ausgestattet waren. Da die jeweiligen Wagen nur über einen Führerstand verfügten, konnten diese nur als Doppelzug eingesetzt werden. Sie wurden daher oft als Zwillingstriebwagen bezeichnet. In den 1930er Jahren wurden die Zwillingszüge getrennt und die Fahrzeuge nach Ausbau der linken Einstiegstüren als Einrichtungswagen mit der Typenbezeichnung TEM 26 eingesetzt. Die guten Erfahrungen mit den Zwillingswagen veranlasste die BSBG 1927 eine größere Serie des Mitteleinstiegstypen in Auftrag zu geben. Dabei spielten sowohl technische als auch verkehrspolitische Gründe eine Rolle. Der in den USA beginnende Autoboom hatte schon in den Goldenen Zwanzigern zum Abbau von Straßenbahnnetzen geführt. Die deutschen Betriebe wollten mit einer Erhöhung des Komforts für den Fahrgast die Attraktivität und die Wirtschaftlichkeit des Betriebes steigern. Als weitere geeignete Maßnahme sah man eine Erhöhung der durchschnittlichen Reisegeschwindigkeit und den Übergang zu Zügen aus mehreren Triebwagen an. Eine weitere Anschaffung von Fahrzeugen war in Berlin ohnehin nötig, da der Fahrzeugpark der Berliner Straßenbahn teilweise deutlich überaltert war. Selbst die Vorgängerserie T 24/T 25, zwar mit 500 Triebwagen und 800 Beiwagen die größte jemals beschaffte Straßenbahn-Fahrzeugserie in Deutschland, konnte den Mangel an modernen Fahrzeugen nicht kompensieren; außerdem musste sie sich in ihrer Konstruktion dem eng gesteckten wirtschaftlichen Rahmen beugen und war wegen ihrer schwachen Motorisierung und der einfachen fahrgestelllosen Bauart alles andere als technisch fortschrittlich. Die Schützenwagen wiesen als bedeutendes Novum eine Schützensteuerung auf, die dieser Wagenserie auch ihren Namen gab. Bei dieser Bauart floss über den Fahrschalter nicht – wie sonst üblich – der Fahrmotorenstrom, sondern lediglich der Kleinspannungs-Steuerstrom der Schützensteuerung . Es war geplant, auf diese Art Züge zu bilden, die aus bis zu drei Triebwagen bestanden hätten. Dies war ebenso im Innenstadtbereich als auch bei starkem Ausflugsverkehr bedeutsam, denn nun konnten Züge ohne Einschränkung der Fahr- und Bremsleistungen flexibel verstärkt werden: Jeder Wagen war ein Triebwagen. Die oben erwähnten Beiwagen waren Mitteleinstiegs-Niederflur-Beiwagen der späteren Typen BM 28/35 beziehungsweise 28/37 die in Zügen mit bis zu fünf Wagen laufen sollten, allerdings kam diese Betriebsform über das Versuchsstadium nicht hinaus. Für den Fahrgast war besonders die für damalige Verhältnisse geringe Höhe des Wagenfußbodens von 650 mm über Gleis- und Straßenniveau augenscheinlich. Die starke Motorisierung mit 40 kW pro Achse ermöglichte diesen Zügen die geforderte Verminderung der durchschnittlichen Reisezeiten und dem Verkehrsbetrieb die Einsparung von Personal und Zügen, da der Umlauf beschleunigt wurde. Im Betrieb bewährten sich die Fahrzeuge nicht. Vor allem die neuartige Bremsausrüstung führte zu einem Desaster. Die Betriebs- und Notbremsung erfolgte mit einer so genannten Kurzschlussbremse, die durch Sandstreuung unterstützt wurde. Als zweite Bremseinrichtung kam eine elektrisch betätigte Federspeicher-Ankerzangenbremse zur Anwendung, die beim Halt eines Zuges als Festhaltebremse, sowie bei Zugtrennungen tätig wurde. Sie ersetzte damit die konventionelle, durch Kurbel betätigte, Handbremse. Allerdings legte die Federspeicherbremse auch allem bei Netz- und Steuerstromunterbrechungen an. Genau diese Bremsbauart wurde den Schützenwagen zum Verhängnis. Denn bei Fahrstromausfall öffneten sich alle Schütze. Dies hatte zur Folge, dass Das Anlegen der Federspeicherbremse Wurde der Zug also in einer Situation spannungslos, wo gebremst werden musste, war ein Unfall kaum noch zu vermeiden. Da die Berliner Straßenbahn damals noch mit Rollenstromabnehmern fuhr, die relativ häufig von der Fahrleitung absprangen, kam es in der Folge zu spektakulären Unfällen, die auch in der Presse ausgiebig erörtert wurden, wodurch der Ruf dieser neuen Fahrzeuge in kurzer Zeit restlos ruiniert wurde. Es kam sogar dazu, dass Fahrgäste den Einsatz von anderen Typen auf „ihren“ Linien forderten und teilweise Fahrer sich weigerten, auf Schützen-Wagen Dienst zu verrichten. Zuerst behalf man sich damit, diese Triebwagen nicht solo einzusetzen, in der Hoffnung, dass wenigstens ein Stromabnehmer an der Fahrleitung bleibt, aber dieses Vorgehen erwies sich letztlich als ungeeignet, denn bei Spannungsausfall in der Fahrleitung oder Absprung beider Stangen kam der Zug doch wieder in einen unkontrollierbaren Zustand, es kam weiterhin zu Unfällen. Eine Bremse, die auch bei Spannungsausfall betriebssicher ist, wie bei der konventionellen direkten Ansteuerung der Fahrmotoren, in Verbindung mit einer, über Kurbel, betätigten Handbremse, besaßen diese Straßenbahnwagen entsprechend der Philosophie ihrer Konstruktion nicht. Im Jahre 1931 musste die BVG alle 300 Schützenwagen aus dem Verkehr nehmen. Sie sah sich gezwungen, eigentlich zur Ausmusterung vorgesehene Wagen aus der Jahrhundertwende, die noch mit offenen Plattformen ausgestattet waren, weiter einzusetzen, was dem Image eines modernen Großstadtverkehrs natürlich widersprach. Als erste Ersatzmaßnahme baute die BVG in eigener Werkstatt Mitteleinstiegswagen des Typs TM 31U, in die Teile von Berolina-Wagen eingebaut wurden, sowie die noch relativ neuen Fahrmotoren aus dem Typ U3l. Sämtliche neuen „Schützenwagen“ standen in den Betriebshöfen abgestellt. Anderthalb Jahre dauerten die Auseinandersetzungen mit dem Konstrukteur der elektrischen Einrichtungen und die Planungen für die notwendigen Modifikationen, die dann einvernehmlich zwischen der BVG und der AEG ausgeführt wurden. Der Forderungskatalog sah den Einbau einer, von der Oberleitungsspannung, unabhängigen Betriebsbremse vor, sowie einen eigenen Fahr- und Bremsstromkreis für jeden Triebwagen in einem Zuge, die aber weiterhin von einem Fahrschalter gesteuert werden sollten. Das Schaltprinzip der Fahrmotoren sollte wieder der gewöhnlichen Bauart entsprechen. Dieser Forderung entsprach am ehesten eine Zweiwagen-Verbundsteuerung mit durchgehenden Starkstrom-Fahr- und Bremsstromkreisen. Mit einem Fahrschalter konnten damit alle, bis zu vier, Fahrmotoren gesteuert werden. Daher nannte man diese Wagen nun Verbundzüge, mit denen bis zu zwei Triebwagen von einem Fahrschalter aus gesteuert werden konnten, die Bildung von Dreiwagen-Zügen – wie ursprünglich geplant – war nun nicht mehr möglich. Zunächst baute die AEG sechs Wagen probehalber um. Besonders auffallend waren an diesen die schweren Starkstromkabel an den Wagenenden, sowie die zum Teil mit Blech abgedeckten und dadurch verkleinerten Führerstandsfenster, da nun größere Starkstrom-Fahrschalter eingebaut werden mussten. Der Umbau bewährte sich, so dass noch im Laufe des Jahres 1933 weitere 50 Verbundwagen umgebaut und in Dienst gestellt wurden, die die Typenbezeichnung TM 33 erhielten. Aus Geldmangel wurde aber der teure Umbau damit zunächst abgebrochen. Diese Fahrzeuge wurden in der Nummerngruppe 3300–3355 zusammengefasst. Natürlich sollten aber auch die übrigen neuen Fahrzeuge wieder betriebstauglich gemacht werden. Daher wurden weitere ehemalige Schützenwagen umgebaut. Im Gegensatz zur Vorgängerserie TM 33 erhielten die nächsten Wagen nur eine billigere Einfachsteuerung und waren damit entweder als Solo-Wagen oder mit einem Beiwagen einsetzbar. Auch sah man es als erforderlich an, außer den Mitteleinstiegstüren zusätzlich in Fahrtrichtung rechts vorne eine weitere Ausstiegstür einzubauen. Bei starkem Fahrgastandrang „verstopfte“ die Mittelplattform leicht, daher kehrte die BVG bei einer späteren Umbauserie wieder zu Endeinstiegswagen zurück. Zusätzlich gab es Modifikationen an der Inneneinrichtung. Die TM 34 waren zwar für spätere Zeiten zum Umbau auf die Verbundbauart vorgesehen, doch dazu ist es nicht gekommen. Im Einsatz liefen die TM 34-Typen unter den Nummern 3801–3850. Mit den Olympischen Spielen, die für 1936 nach Berlin vergeben wurden, sollte sich die Straßenbahn in moderner Form der Weltöffentlichkeit repräsentieren. Um aber die noch vorhandenen Vierachswagen mit offenen Plattformen ausmustern zu können, waren weiter neue Wagen erforderlich. Dazu sollten die restlichen 194 Schützenwagen umgebaut werden. An diesen Wagen erfolgte der umfangreichste Umbau. Kurz beschrieben, ist dieser Fahrzeugtyp eine Symbiose der Wagenserien TM 33 und TM 34. Diese Wagen erhielten wieder die in den TM 33 inzwischen bewährte Verbundsteuerung. Wagenbaulich wurden die Fahrzeuge nach dem Vorbild der TM 34-Serie ebenfalls mit einer vorderen Ausstiegstüre an der rechten Seite ausgestattet. Im Unterschied zu den Vorgängerserien wurden auch die Kabel auf dem Wagendach in einem Kabelkanal geführt und der Dachbereich erhielt eine gefällige Verkleidung, die die Wagen optisch aufwertete. Gleichzeitig wurde mit diesen Fahrzeugen die Außenwerbung an Straßenbahnfahrzeugen in Berlin eingeführt. Ebenso bekamen sie von Anbeginn das typische Beige, welches reichsweit als Einheitsfarbgebung bei allen Nahverkehrsbetrieben eingeführt werden sollte. Den TM 36-Wagen wurden die Nummern 3401–3594 zugewiesen. Der Zweite Weltkrieg blieb für die Schützenwagen nicht ohne Folgen. 72 Wagen, fast ein Viertel des Bestandes waren zerstört worden. Viele Verbundwagen gingen ihrer Steuerung verlustig und waren nur noch – wie die TM-34-Serie – als Solowagen unterwegs. Mit der nun beginnenden Umrüstung des Berliner Straßenbahnnetzes vom Betrieb mit Stangen- auf Scherenstromabnehmer veränderte sich das Erscheinungsbild aller TM-Wagen ab 1948. Im Zuge der Berliner Teilung nach der Währungsreform und der Aufspaltung der BVG in eine West- und eine Ostverwaltung wurde auch der Wagenpark der Berliner Straßenbahn aufgeteilt, davon waren die TM-Wagen aller drei Unterserien betroffen. Die West-BVG baute in allen Verbundwagen die Verbundsteuerung wieder ein. In Ost-Berlin wurden die TM-Wagen nicht wieder für den Verbundbetrieb hergerichtet, denn die Ersatzteile für die Neuausrüstung hätten nunmehr aus dem Westen bezogen werden müssen. Die BVG-Ost glich andererseits ab 1952 die Wagenserien wieder an. Alle Kabel wurden nach TM-36-Vorbild bei den TM 33 und 34 in Dachkanäle verlegt, die Verkleidung aber bei den TM 36 entfernt. Ebenso wurde die elektrische Ausrüstung vereinheitlicht und mit DDR-Technik versehen. Damit glichen sich wieder die Schützenwagen untereinander und konnten nur noch an der Wagennummer unterschieden werden. In West-Berlin wurden die Verbundzüge wie in Vorkriegszeiten eingesetzt. Häufig waren sie mit Beiwagen verschiedenster Baureihen als Dreiwagen-Züge unterwegs. Ein Schwerpunkt des Einsatzes waren die Straßenbahnlinien nach Spandau. Dort trugen die TM-Verbundzüge bis zum Ende der West-Berliner Straßenbahn am 2. Oktober 1967 die Hauptlast des Verkehrs. In den letzten beiden Jahren des West-Berliner Betriebs stützte sich die BVG – von den wenigen Nachkriegsneubaufahrzeugen abgesehen – ausschließlich auf diese Bauart. Im Ostteil waren die TM-Wagen bis 1970 im Fahrgastbetrieb, danach sind viele zu Arbeitstriebwagen umgebaut worden. Die meisten TM-Wagen waren Grundlage für die neuen „Reko“-Fahrzeuge der BVG-Ost, wobei nur Teile der elektrischen Ausrüstung übernommen werden konnten. Die Wagenkästen waren Neubauten. Einige wenige TM-Wagen haben als Museumsfahrzeuge überlebt. Sie werden in Berlin vom Denkmalpflege-Verein Nahverkehr Berlin betreut, einige Triebwagen fahren auf Museumsbahnen in den USA.
2024-12-02 11:50:33
https://de.wikipedia.org/wiki/Anna_Gottlieb
Maria Anna Josepha Francisca Gottlieb, genannt Nannerl Gottlieb war eine österreichische Opernsängerin und die erste Pamina in Wolfgang Amadeus Mozarts Zauberflöte. Anna Gottlieb wurde als eine von vier Töchtern des Schauspielers Johann Christoph Gottlieb und der Opernsängerin Maria-Anna Theyner geboren. Im Alter von fünf Jahren hatte sie ihr erstes öffentliches Auftreten. Mit zwölf Jahren spielte sie die Barbarina in Wolfgang Amadeus Mozarts Oper Figaros Hochzeit. Als Fünfzehnjährige sang sie die Rolle der Amande in Paul Wranitzkys Oper Oberon, König der Elfen . Ein erstes Engagement erfolgte an Emanuel Schikaneders Theater auf der Wieden, wo sie meist in Singspielen auftrat . 1791, als Siebzehnjährige, wählte Mozart sie für die Rolle der Pamina in seiner Zauberflöte aus, und dies wurde ihr größter Erfolg. 1792 wechselte sie ans Theater in der Leopoldstadt, wo sie bis zum Jahr 1828 auftrat. Ihren größten Erfolg hatte sie in Ferdinand Kauers Stück Das Donauweibchen. Zwischen 1809 und 1813 zog sie sich wegen der Napoleonischen Kriege vorübergehend von der Bühne zurück, doch danach war ihre Stimme nicht mehr so wie früher. 1828 wurde sie aus dem Theater entlassen. Am 4. Februar 1856 starb Anna Gottlieb im Alter von 82 Jahren, eine Woche nach Mozarts 100. Geburtstag . Sie blieb zeitlebens unverheiratet. Ihr Grab befindet sich auf dem Sankt Marxer Friedhof in Wien-Landstraße.
2024-11-29 11:20:52
https://de.wikipedia.org/wiki/GP7000
Das Triebwerk Engine Alliance GP7200 der Engine Alliance ist ein Turbofan-Triebwerk. Das Joint Venture von General Electric und Pratt & Whitney wurde gegründet, um die Entwicklungskosten für dieses große Zweistrom-Strahltriebwerk auf mehrere Schultern zu verteilen. Zu den Kunden der A380 mit dem GP7200 gehören Emirates, Etihad, Air France, Korean Air, Qatar und Asiana Airlines. Ursprünglich zum Antrieb der nicht verwirklichten Boeing 747X gedacht, wird dieses Triebwerk seitdem für den Airbus A380 verwendet. Pratt & Whitney entwickelte das Niederdrucksystem auf der Basis des PW4000 einschließlich des 2,96 m Durchmesser großen Niederdruckverdichters aus Titan, dessen markant geschwungene Schaufeln von vorn sichtbar sind, und der Niederdruckturbine. General Electric hingegen entwickelte das Hochdrucksystem auf der Basis des GE90. Weiter sind an der Entwicklung das deutsche Unternehmen MTU Aero Engines aus München, die französische Snecma und die belgische Techspace Aero beteiligt. Das konkurrierende Rolls-Royce Trent 900 wurde 1996 als Standardtriebwerk für die damalige A3XX nominiert und anfänglich von fast allen Kunden der A380 gewählt. Jedoch konnte das Triebwerkskonsortium des GP72XX seinen Anteil bei den Verkäufen der A380 vergrößern, so dass es danach bei über der Hälfte der Flugzeugflotte eingesetzt wurde. Insbesondere durch eine Bestellung der Emirates von 150 mit diesem Triebwerk ausgestatteten Flugzeugen wurde die Unausgewogenheit aufgehoben . Alle Modelle der A380 mit diesem Triebwerk sind mit A380-86x nummeriert, da die 6 der Code für die Triebwerke der Engine Alliance ist. Am 14. Dezember 2007 wurde das Triebwerk durch die FAA und die EASA offiziell als Antrieb für die A380 zugelassen. Die Testläufe am Boden begannen im April 2004 und das Triebwerk wurde zum ersten Mal am 14. August 2006 an einer A380 getestet. Davor fand am 3. Dezember 2004 der erste Flugversuch statt, bei dem eines von vier Triebwerken einer Boeing 747 durch ein GP7200 ersetzt wurde. Das Triebwerk wurde am 4. Januar 2006 von der FAA für den kommerziellen Betrieb zertifiziert. Am 25. August flog mit der Maschine mit der Werksnummer MSN 009 zum ersten Mal eine A380-861 mit diesem Triebwerk. Der Test begann und endete in Toulouse und dauerte ungefähr vier Stunden. Es wurden Tests hinsichtlich der Reisegeschwindigkeit, der Triebwerksverkleidungen und des Handlings durchgeführt. Einen Tag früher wurden mit der gleichen Maschine die Triebwerke bei Startabbrüchen getestet. Das Modell GP7277 mit 363 kN Schub ist für die Frachtversion der A380 mit 590 Tonnen Fluggewicht vorgesehen. Die Entwicklung der Frachtversion wurde laut Airbus jedoch eingestellt . Am 30. September 2017 rissen bei dem Air-France-Flug 66 auf dem Weg von Paris nach Los Angeles am rechten Außentriebwerk der gesamte Fan , Einlauf und Teile der nachfolgenden Triebwerksummantelung ab. Bei dem Zwischenfall südöstlich von Grönland wurde niemand verletzt und die Maschine konnte sicher auf der kanadischen Militärbasis Goose Bay in Neufundland landen. CJ610 • CJ805 • GE1 • GE4 • J31 • J33 • J35 • J47 • J73 • J79 • J85 • J87 • YJ93 • J97 • YJ101 CF6 • CF34 • CJ805 • F101 • F110 • F118 • YF120 • F136 • F404 • F412 • F414 • GE90 • GEnx • Passport • RM12 • TF34 • TF37 • TF39 GE36 • H80 • T31 • T58 • T64 • T407 • T700/CF7 LM500 • LM1600 • LM2500 • LM6000 • LMS100 • LV100 R-985 • R-1340 • R-1535 • R-1690 • R-1830 • R-1860 • R-2000 • R-2060 • R-2180-A • R-2180-E • R-2270 • R-2800 • R-4360 X-1800/XH-2600 • XH-3130 • XH-3730 JT3C • JT4 • JT6 • JT7 • JT8A • JT9 • JT11 • JT12 • J-42 • J-48 • J-52 • J-57 • J-58 • J-60 • J-75 • J-91 GP7200 • JT3D • JT8B • JT9D • JT10 • JT10A • JT10D • JT15D • JTF14 • JTF16 • JTF17 • JTF22 • PW180 • PW300 • PW500 • PW600F • PW800 • PW1000G • PW1120 • PW2000 • PW4000 • PW5000 • PW6000 • V2500 • F100 • F105 • F117 • F119 • F135 • F401 • TF30 • TF33 APW34 • PT2 • PT3 • PT4 • PT6 • PT6T • PW100 • PW200 • T34 • T52 • XT54 • T73 • T800-APW GG3/FT3 • GG4/FT4 • FT8
2024-11-23 11:36:31
https://de.wikipedia.org/wiki/Tick,_Tick%E2%80%A6_Boom!_(Film)
Tick, Tick… Boom! ist ein Musicalfilm von Lin-Manuel Miranda, der am 12. November 2021 in ausgewählte US-Kinos kam und am 19. November 2021 in das Programm von Netflix aufgenommen wurde. Es handelt sich um eine Adaptation des gleichnamigen halbautobiografischen Musicals von Jonathan Larson. Jon steht kurz vor seinem 30. Geburtstag und arbeitet als Komponist in New York. Er befürchtet, die falsche Berufswahl getroffen zu haben, und wartet auf seinen Durchbruch. Er verdient sein Geld in einem Diner und arbeitet nebenbei an einem Musical, von dem er sich Großes erhofft. Im Privatleben von Jonathan Larson steigt der Druck, der auf ihm liegt, und trotzdem hält er an seinem Traum fest. Es stellen sich jedoch die Fragen, ob es für den endgültigen Durchbruch und den großen Erfolg reicht. Er fragt sich ständig, was man mit der restlichen Zeit, die einem Menschen bleibt, anfangen solle. Der Film ist eine Adaption des Musicals Tick, Tick… BOOM! des US-amerikanischen Komponisten Jonathan Larson. Für den Film wurde es von Steven Levenson adaptiert. Regie führte Lin-Manuel Miranda. Es handelt sich um das Regiedebüt des Schauspielers, Sängers und Autors. Die Hauptrolle übernahm Andrew Garfield. Er spielt Jon. Bradley Whitford ist in der Rolle von Stephen Sondheim zu sehen. Alexandra Shipp spielt Jons Freundin Susan, die als Tänzerin arbeitet, Robin de Jesús seinen schwulen besten Freund Michael. Mit 30/90 wurde Anfang Oktober 2021 das erste Musikstück des Soundtrack-Albums veröffentlicht. Das komplette Soundtrack-Album mit insgesamt 17 Songs, die von den Schauspielern des Films gesungen werden, wurde zum US-Kinostart von Sony Masterworks veröffentlicht. Anfang Februar 2022 veröffentlichte Sony Music Masterworks den Song Sextet Montage. Der von Larson geschriebene, bis dahin unveröffentlichte Song wird im Film während des Workshops zu Larsons Musical Superbia gespielt und von den Darstellern Joshua Henry, Vanessa Hudgens, Aneesa Folds, Gizel Jimenez, Joel Perez und Janet Dacal interpretiert. Im Juni 2021 stellte Netflix den ersten Trailer vor, Anfang Oktober 2021 einen zweiten. Die Premiere erfolgte am 10. November 2021 beim AFI Film Festival. Am 12. November 2021 kam der Film in ausgewählte US-Kinos und wurde am 19. November 2021 in das Programm von Netflix aufgenommen. In den USA wurde der Film von der MPAA als PG-13 eingestuft. In Deutschland wurde der Film von der FSK ab 6 Jahren freigegeben. Von den bei Rotten Tomatoes aufgeführten Kritiken sind bislang 88 Prozent positiv. Auf Metacritic erhielt der Film einen Metascore von 74 von 100 möglichen Punkten. Johnny Oleksinski schreibt in der New York Post, Tick, Tick… Boom! sei ein unterhaltsamer, herzzerreißender, großartiger und bewegender Film, der unabhängig von seiner Bühnenvorlage zu sehen sei, auch wenn Rentheads- und Broadway-Fans sicherlich auf einer tieferen Ebene damit verbunden seien. Jonathan Larson sei eine perfekte Rolle für Andrew Garfield, der sich als Actionstar und Stammgast auf dem roten Teppich scheinbar immer unwohl gefühlt hat, und hier die beste Arbeit seiner Karriere zeige und so gut singt, dass man vergesse, dass er einmal Spidey spielte. Es gehe in Lin-Manuel Mirandas Film um New York, Kunst, das Leben und die Liebe, und gewähre einen tiefen Einblick in die Kämpfe dieses jungen New Yorker Autors. Oleksinski bemerkt weiter, er habe zuerst gedacht, die Cameo-Auftritte im Film seien eine Spielerei, doch irgendwann werde einem klar, dass jeder, der heute am Broadway arbeitet, Rent und Jonathan Larson zu Dank verpflichtet sei. Vom American Film Institute wurde Tick, Tick… Boom! in die Top Ten der Filme des Jahres 2021 aufgenommen. Im Folgenden weitere Auszeichnungen und Nominierungen. Black Reel Awards 2021 Critics’ Choice Movie Awards 2022 Directors Guild of America Awards 2022 Dorian Awards 2022 Eddie Awards 2022 Golden Globe Awards 2022 Golden Reel Awards 2022 Oscarverleihung 2022 Palm Springs International Film Festival 2022 Producers Guild of America Awards 2022 Satellite Awards 2021 Screen Actors Guild Awards 2022 Sunset Circle Awards 2021 Writers Guild of America Awards 2022 Die deutsche Synchronisation entstand nach einem Dialogbuch und der Dialogregie von Tarek Helmy im Auftrag der Interopa Film GmbH, Berlin.
2024-12-02 11:04:26
https://de.wikipedia.org/wiki/Friedhof_Eller
Der Friedhof Eller, umgangssprachlich oft Eller Friedhof, ist ein Friedhof im Düsseldorfer Stadtteil Eller. Er befindet sich im Süden Ellers beidseitig der Straße Werstener Feld. Mit einer Geländegröße von gut 19,4 Hektar und 18.000 Grabstellen gehört er zu den mittelgroßen Friedhöfen Düsseldorfs. Der ältere, 8,78 Hektar große Teil östlich des Werstener Feldes wurde 1907 eröffnet und ist von altem Baumbestand geprägt, der neuere westliche Teil besteht seit 1956. Bis ins 18. Jahrhundert mussten die Ellerer ihre Verstorbenen auf dem Friedhof in Gerresheim bestatten, während für die Burgherren ein Friedhof innerhalb der Burg Eller bestand. 1775 schließlich wurde die Einrichtung eines eigenen Friedhofs unmittelbar westlich des Burggrabens von der Landesherrschaft gestattet. Die erste Bestattete war am 28. März 1775 Anna Catharina Spieker, die nach der Geburt ihres Sohnes verstorben war. Dieser Friedhof befand sich auf dem Gelände des 1909 erbauten Chauffeurshauses, das heute als Stadtteilmuseums genutzt wird. Bei Erdarbeiten im Garten des Museums wurden 2011 die Knochen von etwa zehn bestatteten Kindern geborgen, wodurch die genaue Lage dieses Friedhofs wieder lokalisiert werden konnte. Der Kirchacker wurde 1809 etwas weiter abseits in die Nachbarschaft von Gärten verlegt, dorthin wo sich heute die Sportplätze der Dieter-Forte-Gesamtschule befinden, während die Beerdigungszüge weiterhin von der alten Burgkapelle ausgingen. Nachdem 1829 in Eller eine eigene Dorfkirche an der Ecke Gumbertstraße / Ellerkirchstraße erbaut und die Burgkapelle abgebrochen worden war, wurde auch der Friedhof 1831 in die Nähe der neuen Kirche an die Ellerkirchstraße verlegt, der bis zur Anlage des jetzigen Friedhofs am Werstener Feld im Jahr 1907 belegt wurde. Heute befindet sich an seiner Stelle ein kleiner Park mit Spielplatz. Nach abermaligem Neubau der Pfarrkirche St. Gertrud am neuen Standort Gertrudisplatz im Jahr 1901 und Abbruch der alten Dorfkirche an der Ellerkirchstraße wurde 1907 die Verlegung des Gemeindefriedhofs außerhalb des Siedlungskerns auf das Werstener Feld beschlossen. An Allerseelen, dem 2. November 1907, wurde mit Arnold Breuer der erste Verstorbene auf dem neuen Friedhof bestattet. Von seinem Grab waren 100 Jahre später nur noch der Grabsteinsockel und die Einfassung der Grabstelle erhalten. Am ursprünglichen Nordeingang neben dem Haus Werstener Feld 203 wurde zur Eröffnung ein Rondell aus sechs Rotbuchen gepflanzt, von denen noch fünf stattliche Exemplare erhalten sind und hinter dem sich der älteste Teil des Friedhofs mit den Feldern A–J befindet. Das am Ende eines vom Rondell abgehenden Weges im Jahr 1909 errichtete, steinerne Hochkreuz steht seit 2010 unter Denkmalschutz. Am Rondell befinden sich die Gräberstätten der katholischen Kirchengemeinden St. Michael in Lierenfeld und St. Maria Rosenkranz in Wersten. Die Grabstätten der katholischen Kirchengemeinde St. Gertrud in Eller sind etwas weiter dahinter gelegen. Seit der Eingemeindung Ellers 1909 wird der Friedhof von der Stadt Düsseldorf verwaltet. Die Friedhofskapelle mit Aufbahrungs- und Verwaltungsräumen wurde in den Jahren 1925/26 errichtet und der Friedhof um die Felder 1–15 bis zur Düssel erweitert. Das Feld 3 ist mit Ehrengräbern von 264 deutschen Bombenopfern und Soldaten des Zweiten Weltkrieges belegt. Auf Feld 6 liegen die Ehrengräber 728 russischer, 69 polnischer, 3 estnischer und einem kroatischen Kriegsopfer. 1956 wurde der Friedhof um den neuen Teil westlich des Werstener Feldes mit einer Größe von 9,79 Hektar bis an die Hausgrundstücke der Harffstraße und der später bebauten Bruchhausenstraße erweitert. Während die Wege und Felder des alten Teils geometrisch angelegt wurden, folgen sie im neuen Teil überwiegend landschaftlich geschwungenen Formen. Der 1963/64 ausgebaute Südliche Autobahnzubringer zur A 46 entlang der Düssel, der bereits seit 1936 bestand, bildet die südliche Friedhofsbegrenzung. Die beiden annähernd gleich großen Friedhofsteile haben an der sie trennenden Straße gegenüberliegende Haupteingänge und sind durch einen Weg unterhalb der Zubringer- und Düsselbrücke von 1963 miteinander verbunden. 1978 wurde der neue Friedhofsteil nochmals um 0,78 Hektar in Richtung Harffstraße erweitert . Seit 1907 fanden mehr als 30.000 Beisetzungen statt, jährlich sind es etwa 400. Ihre letzte Ruhestätte fanden dort u. a. Josef Stick, von 1896 bis 1909 erster und einziger Bürgermeister von Eller, der Maler Franz Witte , der Düsseldorfer FDP-Bürgermeister Hans-Günter Deimel und der Fußballspieler Kurt Borkenhagen . Nachdem 2011 aufgrund der sich verändernden Bestattungskultur beschlossen wurde, den Friedhof wieder zu verkleinern, werden ausgewählte Grabfelder seit 2013 für weitere Beisetzungen geschlossen und die Belegung wird auf andere Flächen konzentriert. Ab 2035 sollen die Randbereiche des Friedhofs die bestehenden, benachbarten Erholungsgebiete erweitern können. 51.19246.8309Koordinaten: 51° 11′ 32,6″ N, 6° 49′ 51,2″ O
2024-12-02 11:38:55
https://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BChle_(Northeim)
Bühle ist ein Ortsteil von Northeim im südlichen Teil Niedersachsens. Zu Bühle gehört zudem das Gut Levershausen. Bühle wurde erstmals im Jahr 1103 als Buile urkundlich erwähnt, wobei das „i“ nicht gesprochen wurde, sondern ein Dehnungszeichen darstellt. Der Name wird als „Stelle am Hügel“ gedeutet, was auch zu der Lage des Ortes passt. Der Ort gehörte im 14. Jahrhundert den Herren von Medenheim und wurde im Jahr 1345 an die Herren von Hardenberg auf Burg Hardenberg verkauft. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurden die wüstgefallenen Nachbarorte mit Bühle zusammengelegt. Bis ins 19. Jahrhundert war die Wirtschaftsstruktur des Ortes in erster Linie von der Kirche und den Grafen von Hardenberg beeinflusst. Das Forstgut Levershausen gehört bis heute zum Besitz vom Vorderhaus Hardenberg. Lange Zeit dominierte in Bühle die Leineweberei. Ab dem 19. Jahrhundert nahm die Bedeutung der Landwirtschaft in diesem Ort zu, im Jahre 1911 bestand Bühle aus insgesamt 33 Höfen, die alle nach und nach dem Grafen von Hardenberg abgekauft worden waren. Die größte Einwohneranzahl konnte Bühle nach dem Zweiten Weltkrieg vorweisen. Allerdings lassen sich die damals 815 Einwohner mit dem Flüchtlingsstrom nach dem Krieg erklären. Am 1. März 1974 wurde Bühle in die Kreisstadt Northeim eingegliedert. Ortsbürgermeister ist Fabian Ernst, stellvertretende Ortsbürgermeisterin ist Johanna Franke. Die aktuelle Wahlperiode läuft vom 1. November 2021 bis 31. Oktober 2026. Bühle hat einen siebenköpfigen Ortsrat, der seit der Kommunalwahl 2021 ausschließlich von Mitgliedern der Wählergruppe „Bühler für Bühle“ besetzt ist. Die Wahlbeteiligung lag bei 65,68 Prozent. Die evangelische Kirche St. Oswald in Bühle liegt exponiert auf einem Bergsporn über dem Tal, in dem der Hauptteil des Ortes erbaut ist. Es handelt sich um einen turmlosen einschiffigen Sandsteinbau, der im Kern aus dem Mittelalter stammt und 1704 und 1817 baulich verändert wurde. Der oktogonale Chorabschluss ist mit Stützpfeilern versehen, die Fenster haben ebenso wie der niedrige östliche Nordeingang einen gotischen Spitzbogen. Der westliche Nordeingang ist dagegen mit einem Rundbogen überwölbt. An der Westseite der Kirche besteht ein Fachwerkanbau. In der Kirche befindet sich eine um 1785 von Johann Wilhelm Schmerbach gebaute Orgel. Seit 1580 wurden in dem Erbbegräbnis der Kirche einige Vertreter der Familie zu Hardenberg beigesetzt, so 1586 Jost von Hardenberg und Jost Philipp 1607. Letzterer war auf dem hinter dem Altar befindlichen Leichenstein in voller Rittermontur abgebildet, der Stein trug die Inschrift Anno 1607 den 27 May ist der Edel und Ehrenveste Jost Philipp von Hardenberg in Godt selich Entschlaffen. Nordöstlich von Bühle auf der höchsten Stelle der Erhebung Alte Burg, deren Hanglagen unter dem Namen Mäuseberg und Eulenberg als Naturschutzgebiet ausgewiesen sind, befinden sich die Überreste der Alten Burg. Es handelt sich um eine zweiphasig genutzte Befestigungsanlage. Entstanden ist sie zunächst in der vorrömischen Eisenzeit als Wallburg mit einer Wallkonstruktion in Holz-Stein-Erde. Im Mittelalter wurde auf der Kuppe der Erhebung ein Burghügel angeschüttet, auf dem eine kleine Turmhügelburg entstand. Eine historische Überlieferung zu ihr gibt es in der Form, dass 1440 in einer Urkunde der Herren von Hardenberg eine Olderburg genannt wird. 1784 wird diese Anlage auf einer Landkarte als Bühler Burg bezeichnet. Eine dauerhafte Nutzung als befestigter Wohnbau ist aufgrund der geringen Größe der Anlage unwahrscheinlich. Berwartshausen | Bühle | Denkershausen | Edesheim | Hammenstedt | Hillerse | Höckelheim | Hohnstedt | Hollenstedt | Imbshausen | Lagershausen | Langenholtensen | Schnedinghausen | Stöckheim | Sudheim
2024-12-03 16:16:52
https://de.wikipedia.org/wiki/Crescentia_(M%C3%A4rtyrin)
Crescentia war eine christliche Heilige und Märtyrin. Der Name Crescentia bedeutet auf Latein Wachstum. Der legendarischen Überlieferung nach war Crescentia die Amme des hl. Vitus . Gemeinsam mit diesem und seinem Erzieher Modestus, ihrem späteren Mann, floh sie während der Christenverfolgung unter Kaiser Diokletian nach Lucanien. Dort wurde sie gefangen genommen und in siedendes Öl geworfen. Ein Engel rettete sie jedoch und trug sie nach Hause. Dort erst starb das Ehepaar dann gemeinsam. Das früheste Zeugnis für die Verehrung der heiligen Crescentia enthält das „Martyrologium Hieronymianum“ . Seit dem 6. und 7. Jahrhundert verbreitete sich die bildliche Darstellung des Martyriums der Heiligen, angereichert mit Motiven aus anderen Legenden, besonders aus der Legende des Poitus, und ausgeschmückt mit fantastischen Wunderberichten ohne historischen Wert.
2024-12-03 15:42:26
https://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_Nikolajewitsch_Lodygin
Alexander Nikolajewitsch Lodygin war ein russischer Elektroingenieur. Lodygin wurde durch seine langjährigen Entwicklungen von Glühlampentechnik bekannt. Für seine Entwicklungen erwarb er in Russland, in den USA und in diversen europäischen Ländern Patente. Er experimentierte mit Techniken, die sich wesentlich später durchsetzten. Ab einem unbekannten Zeitpunkt benutzte er in Frankreich und in den USA die Namen Alexandre de Lodyguine und Alexander de Lodyguine. Alexander Lodygin wurde am 18. Oktober 1847 als Sohn einer adeligen, aber nicht sonderlich wohlhabenden Familie geboren. Er absolvierte zunächst eine Laufbahn in der russischen Armee. Danach arbeitete er in einer Fabrik zur Herstellung militärischer Ausrüstungen. Seine Beschäftigung mit Elektrotechnik und Glühlampen hat sich daraus ergeben. Im Jahr 1874 wurde Lodygin für eine entwickelte Glühlampe das russische Patent Nr. 1619 erteilt. Diverse Quellen nennen 1872 und 1873 für die Entwicklung und Erprobung in einem Beleuchtungsprojekt in St. Petersburg. Eine Wettbewerbsfähigkeit mit dem in den 1860er Jahren eingeführten Gaslicht erreichte er jedoch nicht. Die Lebensdauer seiner Glühlampen betrug ebenso wie die anderer Entwicklungen in jener Zeit nur wenige Stunden. Alexander Lodygin tauschte die Luft in der Glashülle seiner Lampenkonstruktionen gegen Stickstoff aus. Gegenüber der damals üblichen Vakuumlösung reduziert der Druck in der Glashülle die Sublimation des Glühmaterials. Die Lösung eines Füllgases setzte sich später durch. Lodygin wechselte in seinen weiteren Entwicklungen aber auch zu Vakuumlampen. Aus den Quellen geht nicht hervor, ob er 1873 schon über eine Vakuumpumpe verfügte. Für seine Lampe verwendete er dünne Kohlestifte als Glühmaterial. In der Fachzeitschrift Electrical World and Engineer wurde die Lampe am 1. Dezember 1900 besprochen. Die Lampe war mit zwei Kohlestiften ausgestattet, wobei der zweite nach Verbrauch des ersten automatisch in den Stromkreis eingeschaltet wurde, was die Nutzungsdauer verdoppelte. In den Patentprozessen in den 1880er und 1890er Jahren in den USA um die Glühlampenpatente zwischen der Edison Electric Light Co. und der United States Electric Lighting Co. kam der Circuit Court New York bei der genauen Analyse der Entwicklungsgeschichte der Glühlampe zu der Einschätzung, dass die Konstruktionen von Lodygin und Stanislav W. Konn im Jahr 1875 am weitesten fortgeschritten waren. Beide benutzten multiple dünne Karbonstäbe . Die erhebliche Weiterentwicklung der Glühlampentechnik durch diverse Erfinder bis zu den Edison-Patenten 1880 wurde von dem Gericht jedoch auch aufgezeigt. Durch seine Leistungen wurde Alexander Lodygin eine Art Repräsentant der russischen Technologie auf internationalen Ausstellungen. Ab 1884 arbeitete Alexander Lodygin 23 Jahre in Frankreich und anderen Ländern. Er verließ Russland wegen der Verfolgung von sozialistischen Revolutionären der Narodniki, mit denen er sympathisierte. 1892 lebte er in Paris und 1894 offenkundig in Pittsburgh, was sich aus Patentanmeldungen in den USA ergibt. Die Patentanmeldung aus 1894 deutet darauf hin, dass er damals für das in Pittsburg beheimatete Unternehmen Westinghouse Electric Co. arbeitete. Nach den Erinnerungen eines Verwandten lernte Alexander Lodygin bei der Weltausstellung in Paris 1889 George Westinghouse kennen, der ihm anbot, für seine Firma in den USA als Berater zu arbeiten. Lodygin wechselte in den 1890er Jahren offenkundig mehrfach seinen Wohn- und Arbeitsort zwischen verschiedenen Orten in den USA und Paris. In Pittsburgh lernte er die Familie seiner Frau Alma Schmidt kennen, die er 1895 in Paris heiratete. Er fand nicht immer Anstellungen in der Glühlampenindustrie. So soll er ab 1901 für einen Batteriehersteller in Cleveland und Buffalo gearbeitet haben. Für einen Kabelhersteller war er an der Elektrifizierung der New Yorker U-Bahn beteiligt und lebte während des Projekts dort. 1906 zog er wieder nach Pittsburgh. In der Zeit nach 1890 experimentierte Lodygin mit dem heute noch üblichen Material Wolfram zur Herstellung von Glühfäden. Eine funktionsfähige von Lodygin hergestellte Lampe mit Glühelement aus Wolfram wurde 1900 auf der Weltausstellung in Paris gezeigt. Aus den vorliegenden Quellen geht nicht hervor, ob von Lodygin entwickelte Platinglühfäden mit Wolframbeschichtung in kommerziellen Lampen verwendet wurden. Vermutlich war die wirtschaftliche Verarbeitung von Wolfram mit dem Technikstand der Metallurgie zu diesem Zeitpunkt noch nicht möglich. Das damals mittels Sintern gewonnene Metall ist extrem spröde und für praktische Lampen ungeeignet. Lodygin hat jedoch Patente für mit Wolfram ummantelte Platinfäden angemeldet, die nach diversen Quellen 1906 von General Electric erworben wurden. Nachdem der für General Electric arbeitende William David Coolidge ein Verfahren zur Herstellung mechanisch stabiler dünner Wolframfäden entwickelt hatte, begann General Electric 1911 mit der kommerziellen Produktion der heute noch üblichen Glühlampen mit Glühfaden aus Wolfram. Das Verhältnis von Energieverbrauch zu Lichtausbeute verbesserte sich durch den Einsatz von Wolfram um 100 %. Lodygin befasste sich auch mit zahlreichen anderen Entwicklungen, u. a. Fluggeräten, Tauchgeräten und U-Bahnen. Seine Pläne waren der Zeit weit voraus und mit dem Stand der Technik meist nicht umsetzbar. 1907 ging Lodygin mit seiner Familie nach Russland zurück, da er in den USA keine kontinuierliche Anstellung fand, die seinen Fähigkeiten entsprach. Nach seiner Rückkehr nach Russland 1907 arbeitete er für eine Eisenbahngesellschaft und war mit dem Aufbau von Kraftwerken beauftragt. Seine Frau Alma war während dieser Zeit eine akkreditierte Korrespondentin einer New Yorker Zeitung. Nach der Februarrevolution 1917 emigrierte er erneut in die Vereinigten Staaten. Das Museum in Lodygins Geburtsstadt nennt wirtschaftliche Gründe, die von anderen Quellen genannten politischen Gründe im Zusammenhang mit der bevorstehenden Machtübernahme der Bolschewiki sind wahrscheinlicher. Seine Frau berichtete der New York Times nach der Ankunft in New York am 26. Juli 1917 über die Unruhen in Russland und die Unterstützung ihrer Familie für die Regierung von Alexander Fjodorowitsch Kerenski. Als Grund der Rückkehr in die USA nannte sie die gewünschte weitere Ausbildung ihrer Töchter dort. Einer späteren Einladung der nach der Oktoberrevolution an die Macht gekommenen russischen Regierung, seine Arbeit in Russland fortzusetzen, folgte Alexander Lodygin nicht. Er starb am 16. März 1923 in New York. In nationalen Sichten galt Lodygin als Erfinder der Glühlampe vor Thomas Alva Edison, der mit seinen Entwicklungen ab 1879 die Wettbewerbsfähigkeit des Elektrolichts mit dem Gaslicht erreichte. Ein Patent für eine Glühlampe wurde jedoch erstmals 1841 in England erteilt, zahlreiche Patente vor 1874 sind in der Fachliteratur dokumentiert. Das Verdienst von Alexander Lodygin sind Weiterentwicklungen. Die Erfindungen von Thomas Edison, die zu dauerhaft haltbaren und wettbewerbsfähigen Lampen führten, hat er nicht antizipiert. Aus nationaler russischer Sicht war seine Lampe von 1873 eine Pionierleistung und der Beginn des Zeitalters der Elektrobeleuchtung in Russland. Alexander Lodygin stammt aus einer adligen Familie. Er heiratete 1895 Alma Schmidt , die Tochter von Franz Xaver Schmid , und hatte mit ihr die Töchter Marguerite und Vera . Der Beruf von Alma Schmidt wird vom Lodygin Museum als Journalistin angegeben, der Beruf ihres Vaters Franz Xaver Schmidt als Ingenieur. Quellen aus dem Familienkreis geben den Beruf von Alma Schmidt als Lehrerin an, den ihres Vaters als Schuldirektor. Franz Xaver Schmidt wanderte 1867 in die USA aus, seine Tochter Alma wurde in New York geboren. Für seine Glühlampenentwicklung bekam Alexander Lodygin 1874 den Lomonosov-Preis der Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg. Der Titel Elektroingenieur wurde ihm 1899 ebenfalls von der Akademie der Wissenschaften ehrenhalber verliehen. Im Jahr 1951 wurde er posthum durch eine sowjetische Briefmarke geehrt. Der Text der Briefmarke lautet: A.N.Logygin, berühmter russischer Elektroingenieur, Erfinder der weltweit ersten Glühlampe. Seine Tochter Marguerite kritisierte die Briefmarke als russische Propaganda. Der Mondkrater Lodygin ist 1970 nach ihm benannt worden. In dem Patent 575.002 wird ein komplexes chemische Verfahren zur Herstellung von Glühfäden patentiert, bei dem Molybdän und Wolfram eine Rolle spielen. Lodygin umgeht das Problem der Sprödigkeit von Wolfram, indem er einen elastischen sehr dünnen Platinfaden verwendet und ein chemisches Verfahren angibt, mit welchem dieser mit Wolfram beschichtet werden kann. Ein Fachbuch, welches den Anteil dieser Erfindung an der weiteren Entwicklung der dann ab 1911 kommerziell produzierten Glühlampe mit Wolframfaden würdigt, lag bei Abfassung des Artikels nicht vor. In dem Patent steht ab Zeile 45 der Satz: Wenngleich Lodygin nach diesem Patent keine Wolframglühfäden herstellen konnte, sondern lediglich beschichtete Platinfäden, begründet der Satz Ansprüche bei Verwendung der genannten Metalle zur Glühfadenherstellung. Alexander Lodygin gab bei Patentanmeldungen in den USA seinen Namen mit Alexandre de Lodyguine und später Alexander de Lodyguine an. Das Patent 347164 wurde auch in Deutschland, Frankreich, England und Belgien angemeldet.
2024-12-02 11:47:06
https://de.wikipedia.org/wiki/Humboldtschule_Hannover
Die Humboldtschule Hannover ist ein nach Alexander von Humboldt und Wilhelm von Humboldt benanntes Gymnasium. Standort der Schule ist die Ricklinger Straße 95 im Stadtteil Linden-Süd. Der schuleigene Ruderverein Humboldtschule ist im Schülerbootshaus der Stadt Hannover am Maschsee aktiv. Außerdem existieren zahlreiche Arbeitsgemeinschaften , eine Theater-Aula, ein Fotolabor und ein Schulgarten. Unterrichtet wird in den Klassenstufen 5 bis 12. Seit 2004 zählt die Schule etwa 1000 Schüler, aktuell sind es ungefähr 1100. Als Fremdsprache wird neben Englisch, Latein und Französisch auch Spanisch angeboten. Der Anteil migrierter Schüler liegt bei knapp 15 Prozent. Austauschfahrten werden mit Montigny/Paris nach Frankreich, mit Quito in Ecuador, mit den USA und Israel durchgeführt. Außerdem gibt es eine Begegnungsfahrt nach Kreisau/Polen. Zurzeit nimmt die Schule an einem Projekt zum verstärkten Einsatz von iPads im Unterricht teil. Die Humboldtschule ging aus einer Realschule hervor, die in den Räumen der ehemaligen Mittelschule in der Davenstedter Straße in Linden ihren Unterrichtsbetrieb am 10. April 1899 aufnahm. Am 14. Oktober 1902 erhielt die Schule ihr eigenes, neu erbautes Gebäude in der Lindener Beethovenstraße und trug nun offiziell den Namen Humboldtschule. 1905 fanden die ersten Realschulabschlussprüfungen statt. Die Schule bekam eine Oberstufe und wurde zum Gymnasium. 1908 fand die erste Reifeprüfung statt. 1926 wurde der Verein Landheim gegründet, der das Landheim in Ovelgönne einrichtete. Das Landheim musste 2006 verkauft werden. Aus dem ehemaligen Landheim-Verein wurde der Förderverein. 1930 gründete sich der Verein ehemaliger Humboldtschüler. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde die Humboldtschule zunächst in eine Oberschule für Jungen umgewandelt, in der ab 1937 das Abitur nach 12 Jahren abgelegt werden konnte. Im Zweiten Weltkrieg wurden Schüler der Oberstufe zum Dienst als Flakhelfer verpflichtet. Die Luftangriffe auf Hannover zerstörten das Gebäude in der Beethovenstraße zwar nicht, allerdings erfolgte der Unterricht nach Einweisung von Schülern anderer Schulen ab 1943 erst nur noch im Schichtunterricht und wurde schließlich völlig eingestellt. Erst im Herbst 1945 konnte die Humboldtschule ihren Betrieb wiederaufnehmen. 1962 bezog die Schule ihr neues Schulgebäude an der Ricklinger Straße, Einzugstermin war der 22. Juni, der Geburtstag von Alexander von Humboldt. Im alten Schulgebäude in der Beethovenstraße befindet sich heute die Sekundarstufe II der Integrierten Gesamtschule Hannover-Linden. Seit 1971 nimmt die Humboldtschule, die bis dahin ein Jungengymnasium war, auch Mädchen auf. Etwa zur gleichen Zeit führte auch das andere Gymnasium in Linden, das Mädchengymnasium Helene-Lange-Schule, die Koedukation ein und nahm Jungen auf. 1972 wurde im Rahmen eines Versuchsprogramms des Kultusministeriums das Kollegsystem für die gymnasiale Oberstufe eingeführt – Vorläufer des heutigen Kurssystems. 1978 wurden die Jahrgänge 5 und 6 im Rahmen der schulformunabhängigen Orientierungsstufe in Niedersachsen getrennt, sodass bis 2004 nur in den Klassenstufen 7 bis 13 unterrichtet wurde. Die Nebenstelle der Humboldtschule, in der die Klassen 5 und 6 unterrichtet werden, befindet sich in der Egestorffschule Hannover direkt gegenüber dem Hauptgebäude. Das Schullandheim in Ovelgönne bei Celle wurde Ende 2006 aufgegeben. Die Humboldtschule ist seit dem Jahr 2012 eine Ganztagsschule und hat im Rahmen dieser Umorientierung eine geräumige Mensa erhalten. Eine Sanierung der Klassenräume hat in diesem Zusammenhang bereits stattgefunden, eine Sanierung der Fachräume ist geplant. Als Partnerschule des Sportinternats Hannover ist die Humboldtschule eine Eliteschule des Sports. Nach der Pensionierung von Rudi Wölz konnte nicht sofort ein neuer Schulleiter benannt werden. Nach einigen Monaten kommissarischer Schulleitung durch den stellvertretenden Direktor Wolfgang Fregien wurde 1983 in Dietrich Umbreit ein Nachfolger gefunden, der die Schule jedoch 1985 schon wieder verließ. Um die erneute Neubesetzung der Schulleiterstelle kam es zu Protesten aus der Lehrer- und Schülerschaft. Die meisten Lehrer und viele Schüler forderten nun, Fregien, der die Schulleitung zum zweiten Mal kommissarisch übernommen hatte, zum neuen Direktor zu machen. Das wurde vom Kultusministerium abgelehnt, da der Bewerber für eine Schulleiterstelle möglichst nicht aus deren eigener Lehrerschaft kommen solle. Es kam zu Demonstrationen, in deren Verlauf etwa 400 Schüler unter anderem die Treppe des hannoverschen Rathauses besetzten. Ernannt wurde 1986 dennoch der Kandidat des Kultusministeriums, Peter Fischer, der bis 2003 Schulleiter blieb. Fregien wurde Schulleiter der Schillerschule . Im Jahr 2003 übernahm Henning Lawes die Schulleitung. Abendgymnasium Hannover | Bismarckschule | Elsa-Brändström-Schule | Freies Gymnasium Hannover | Goethegymnasium | Goetheschule | Gymnasium Limmer | Hannover-Kolleg | Helene-Lange-Schule | Herschelschule Hannover | Herschelschule in der Tellkampfstraße | Höhere Töchterschule II | Humboldtschule Hannover | International School Hannover Region | Kaiser-Wilhelm- und Ratsgymnasium Hannover | Käthe-Kollwitz-Schule | Kurt-Schwitters-Gymnasium Misburg | Leibnizschule Hannover | Leinetalschulen | Lutherschule | Montessori-Schule Hannover | Oskar-Kämmer-Schule | Ricarda-Huch-Schule Hannover | Schillerschule | Sophienschule Hannover | St. Ursula-Schule Hannover | Stadttöchterschule I | Tellkampfschule | Wilhelm-Raabe-Schule Eliteschule des Sports
2024-11-23 11:52:24
https://de.wikipedia.org/wiki/Victor_Adler
Victor Adler war Arzt, Journalist und österreichischer Politiker sowie Begründer der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Obwohl großbürgerlicher Herkunft und zuvor im Lager der Deutschnationalen aktiv gewesen, anfänglich liberaler Denkhaltung, entwickelte er sich durch die Erfahrungen mit der Arbeiterschaft, durch seine Beschäftigung mit dem Marxismus und sozialdemokratischen Anschauungen zu einem angesehenen Führer der österreichischen Sozialdemokratie. Durch sein Charisma und die Fähigkeit, Menschen von Kompromissen zu überzeugen, war er in der Lage, die unterschiedlichen Strömungen der österreichischen Arbeiterbewegung 1889 zu vereinen. Durch personelle Einbindung sowohl der „Radikalen“ als auch der „Reformisten“, die sich auch in Adlers geschickten theoretischen Formulierungen in Parteiprogrammen wiederfinden konnten, gelang es ihm, zeit seines Lebens und darüber hinaus die Einheit der österreichischen Sozialdemokratie zu wahren. Im Rahmen des Einigungsparteitags in Hainfeld gelang es Victor Adler, die Sozialdemokratie zu einer staats- und kaisertreuen und damit mehrheitsfähigen Partei umzugestalten. Victor wurde als ältestes von fünf Kindern des jüdischen Kaufmanns Salomon Markus Adler und seiner Frau Johanna in Prag geboren. 1855 übersiedelte die Familie, die erst 1851 aus dem mährischen Leipník nach Prag gekommen war, nach Wien-Leopoldstadt, seit 1850 2. Bezirk der wachsenden Hauptstadt. Hier gelang es dem Vater, durch Realitätengeschäfte beträchtliches Vermögen zu erwerben. Victor war ein schmächtiges, kleines Kind, das stotterte. Er absolvierte das Schottengymnasium, eine der besten Schulen Wiens. Heinrich Friedjung war einer seiner wenigen jüdischen Mitschüler in der katholischen Schule. Adler studierte an der Universität Wien zunächst Chemie, anschließend 1872 bis 1881 Medizin und wurde auf Initiative seines ehemaligen Mitschülers Engelbert Pernerstorfer Mitglied der deutschnationalen Burschenschaft Arminia Wien . Das Medizinstudium schloss er 1881 mit der Promotion zum Dr. med. ab. Anschließend praktizierte er als Assistenzarzt von Theodor Meynert an der Psychiatrischen Klinik des Allgemeinen Krankenhauses. 1878 lernte er Emma Braun kennen, am 3. September 1878 heirateten die beiden, Sohn Friedrich kam 1879 zur Welt. Adler arbeitete ab 1882 in seiner Privatpraxis als Armenarzt und seit 1883 auch als Nervenarzt, ehe er sich journalistisch betätigte. 1882–1889 wohnte und praktizierte er im 9. Wiener Bezirk im geerbten Haus in der Berggasse 19. 1891 ließ sich Sigmund Freud in einem an dieser Adresse neu errichteten Haus nieder. Schon seit 1870 trafen sich Victor, sein Bruder Siegmund, der später Rechtshistoriker wurde, Friedjung und Pernerstorfer zu sonntäglichen Diskussionsrunden über die soziale und nationale Frage in der Adlerschen Villa in Wien-Döbling. Politisch stand Adler zunächst der deutschnationalen Bewegung um Georg von Schönerer nahe und war, wie sein Freund Friedjung, Mitautor ihres 1882 veröffentlichten Linzer Programms. Nach dem Scheitern des Programms und weil er seine sozialen Forderungen in der deutschnationalen Bewegung kaum noch berücksichtigt sah, schloss sich Victor Adler einem sozialdemokratisch geprägten Arbeiterbildungsverein an. Vor allem der rasch wachsende Antisemitismus der Deutschnationalen hatte ihn von dieser Gruppierung Abstand nehmen lassen. „Für Adler war das Judentum eine unsichtbare Ghettomauer, die ihn aus der Welt der europäischen Kultur ausschloß, in die er mit allem Fasern seines Wesens gehörte. und gerade als Führer einer gehaßten und verfemten Partei wurde er jahrelang zur Zielscheibe heftiger antisemitischer Angriffe.“ Während einer 1883 unternommenen Reise nach Deutschland, in die Schweiz und nach England als Vorbereitung auf eine Bewerbung als Gewerbeinspektor traf er sich unter anderem mit Friedrich Engels, August Bebel und Wilhelm Liebknecht. Mit Engels und Bebel verbanden ihn seitdem lebenslange enge Freundschaften. Ergebnis dieser Reise war aber auch, dass er sich in diesen Ländern ein realistisches Bild von der Lage der dortigen Arbeiterbewegung machen konnte. Und er wurde angeregt, sich intensiver mit dem Marxismus, sozialdemokratischen Ideen und Erfahrungen sowie den Rechten und sozialen Existenzbedingungen der Arbeiter auseinanderzusetzen. Adlers politische Tätigkeit brachte ihm zwischen 1887 und 1900 17 Anklagen vor Gericht und insgesamt neun Monate Arrest ein. 1886 gründete Adler in Wien mit dem Erbe seines Vaters die Wochenzeitung „Gleichheit“, in der er in einer Reihe von aufsehenerregenden Artikeln das Elend der Wienerberger Ziegelarbeiter schilderte. Dabei schlich sich Adler in die Ziegelfabriken am Wienerberg ein und beschrieb die brutale Ausbeutung der meist tschechischen Arbeiter und ihrer Familien im Sinne einer investigativen Sozialreportage. Den Ziegelarbeitern brachte seine Kampagne zunächst die Abschaffung des seit 1885 ohnehin ungesetzlichen Trucksystems in den Lehmgruben im Süden Wiens und nach dem Ziegelarbeiterstreik des Jahres 1895 weitere soziale Reformen. Nach dem Verbot der „Gleichheit“ gründete Adler 1889 die „Arbeiter-Zeitung“ die zunächst zweimal im Monat, ab 18. Oktober 1889 wöchentlich erschien. Mit 1. Jänner 1895 brachte er das Blatt, für das er den größten Teil seines Vermögens opferte, als Tageszeitung heraus und gewann Friedrich Austerlitz zu seinem Nachfolger als Chefredakteur. Im k.k. Österreich führten die verspätete Modernisierung und die Konzentration der Industrie auf den deutschösterreichisch-böhmischen Raum zu einer kompakten Arbeiterbewegung mit straffer Organisationsstruktur und dem Übergewicht der zentralen Führungsfigur Victor Adler. Er überwand, obwohl er als Intellektueller und wegen seiner bürgerlichen Herkunft anfangs als Außenseiter betrachtet wurde, die Richtungskämpfe der frühen Arbeiterorganisationen. Der Durchbruch gelang Adler 1885 bei einer Versammlung gegen die von Ministerpräsident Eduard Taaffe geplanten Sozialistengesetze, an der zum ersten Mal seit langer Zeit wieder alle Richtungen der Arbeiterbewegung teilnahmen. Durch sein ausgleichendes Wirken kam es zu einer Resolution, die „Radikale“ und „Gemäßigte“ akzeptierten. Adlers Formel, der Kampf der Arbeiterklasse sei „mit allen zweckdienlichen und dem natürlichen Rechtsbewußtsein des Volkes entsprechenden Mitteln“ zu führen, überbrückte die Gegensätze erfolgreich. Auf dem Hainfelder Parteitag vom 30. Dezember 1888 bis 1. Jänner 1889 vereinigte Victor Adler die verschiedenen sozialdemokratischen Gruppen – Gewerksvereine, Gewerkschaften und Genossenschaften, die „Radikalen“ und die „Gemäßigten“ im kaiserlichen Österreich und gilt damit als Begründer der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei, SDAP, aus der die heutige Sozialdemokratische Partei Österreichs, SPÖ, hervorging. Adler wurde zum ersten Vorsitzenden der neuen Partei gewählt. „Das Charisma Adlers festigte die Partei und hielt sie zusammen. Jedenfalls ist die Geschichte dieses Mannes die Geschichte seiner Partei, und den Mann zu verstehen, heißt: die gesellschaftlichen Kräfte begreifen, die er personifizierte“. Adler, der sich selbst als „Hofrat der Nation“ bezeichnete, verstand es meisterhaft, einen Ausgleich zwischen den Flügeln der Partei, zwischen „Theorie“ und „Praxis“, zu finden. Hermann Bahr beschrieb das Charisma Adlers: „Dennoch fand ich mich gleich mit geheimnisvoller Macht von ihm angezogen; ich kann’s nicht anders sagen: Er bezauberte mich. Vielleicht zunächst dadurch, daß er der erste wahrhaft kluge Mensch war, dem ich auf meinem Weg begegnet bin. Und indem ich ihn an der Arbeit sah, erriet ich nun erst, welche Leidenschaft dem unerbittlichen Verstand dieses Mannes beigegeben war.“ Adler gehörte zum liberalen, gemäßigten Flügel der Partei, der die Rechte der Arbeiter mit demokratischen Mitteln durchsetzen wollte. Besonders setzte er sich für die Zusammenarbeit mit der ungarischen und südslawischen Arbeiterbewegung in der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn ein. „Seine kraft- und wirkungsvolle Rhetorik und seine persönliche Herzlichkeit erklären am besten seinen Aufstieg zu jener Führerpersönlichkeit, die die Sozialdemokratie brauchte. Er bestand theoretisch auf dem Primat der Ökonomie und der Notwendigkeit der Revolution, orientierte aber sein Leben und seine Politik an den Kriterien von Vernunft, Gerechtigkeit und gewaltloser Opposition gegen den Kapitalismus.“ 1899 war Adler maßgeblich an der Erstellung des Brünner Programms beteiligt, in dem zur Lösung des Nationalitäten- und Sprachproblems des k.k. Österreich die Bildung eines demokratischen Nationalitätenbundesstaates gefordert wurde. Seit 1901 war er, obwohl nach wie vor Vorsitzender der Partei, nur Abgeordneter im Landtag von Niederösterreich. Da er nicht in aussichtsreichen Wahlkreisen kandidierte, konnte er erst spät, 1905, durch Nachwahlen in Reichenberg, Böhmen, in den Reichsrat, das Parlament Altösterreichs, einziehen, wo er sich bald beträchtliches Ansehen erwarb. „Adler scheint außerdem infolge seiner Persönlichkeitsstruktur und seines eher autoritären Führungsstils in der Partei über politische Kampfgemeinschaften hinaus keine persönliche Hausmacht besessen zu haben, die sich aus eigenem Antrieb für eine sichere Kandidatur des Parteiführers eingesetzt hätte.“ Adler trat nicht für Revolution und Gewalt ein, sondern war für gemäßigtes Vorgehen, um die Sache der Arbeiter nicht zu gefährden. Sein größtes politisches Anliegen, das allgemeine Wahlrecht für Männer, erreichte er nicht durch Drohungen, sondern mit Hilfe geschickter Arrangements mit den Mächtigen. So trug er 1906 als Vermittler zwischen den Parteien im Reichsrat und der k.k. Regierung maßgeblich zur Verabschiedung des allgemeinen Männerwahlrechts unter Ministerpräsident Beck bei. Nach den ersten Wahlen, an denen alle Männer teilnehmen konnten, zogen die Sozialdemokraten 1907 mit 87 von 516 Mandaten als stärkste Partei in den Reichsrat ein. Adler bemühte sich um die Einheit der Sozialdemokraten im kaiserlichen Österreich, konnte aber die Abspaltung der tschechischen Sozialisten 1911 nicht verhindern. Auf der II. Internationale, dem Basler Kongress, setzte er sich für einheitliche Friedenspolitik der Sozialdemokratie in Europa ein. Die Politik der österreichischen Sozialdemokratie wurde von 1889 bis in den Ersten Weltkrieg wesentlich von Victor Adler mit seiner betont reformistischen Haltung bestimmt und geprägt. Er führte den Kampf gegen die imperialistische österreichische Balkanpolitik mit einiger Zurückhaltung. Dies führte zur Kritik Otto Bauers, der in großdeutschem Wunschdenken die Verknüpfung des deutschen Volkes an den verwesenden Leichnam der Habsburgermonarchie ablehnte. Für Bauer führte Adlers Kampf um die Demokratie, zur Umgestaltung und Modernisierung der alten Monarchie, eher zu deren Sprengung. Aber auch Adler bezeichnete die innenpolitische Stagnation seit der Regierung Koerber 1900–1904 als Schrecken ohne Ende. Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges war der Reichsrat vertagt . Adler trat dennoch für die Annahme der Kriegskredite ein, da er Österreich-Ungarn in einem Verteidigungskrieg sah. Zu Kriegsbeginn ließ Adlers antirussische Orientierung, die in einer zaristischen Fremdherrschaft das schlimmste sah, ihn an den Verteidigungscharakter des Krieges glauben. Er war bereit, die Politik im Krieg zum „Zwecke der Selbstverteidigung“ anzuhalten. Für diese Politik, von seinen Gegnern am linken Flügel der Partei als „Burgfriedenspolitik“ bezeichnet, wurde er heftig angegriffen. Es gehe um die Existenz Deutschlands, um Selbstbehauptung und Sein des deutschen Volkes, dessen Ziele, angesichts der russischen Bedrohung, mit denen des Proletariats identisch seien. Hier brach Adlers ältere deutschnationale Einstellung mit ihrer Fixierung auf Berlin und ihrer Angst vor Russland wieder durch. Er hielt die Zustimmung der deutschen Sozialdemokraten zu Kriegskrediten und Burgfrieden im deutschen Reichstag für richtig. Er sagte, die österreichische Sozialdemokratie hätte in einem arbeitsfähigen Parlament ebenso votiert. Ende März 1916 beschloss die Reichskonferenz der sozialdemokratischen Arbeiterpartei in Österreich: „Eine die Notwendigkeiten der Völker erfüllende, dauernd befriedigende Ordnung des Südostens von Europa kann nur durch die Ausgestaltung Österreich-Ungarns zu einem demokratischen Bundesstaat erzielt werden, in dem allen Nationen gleiches Recht und gleiche Entwicklungsmöglichkeiten verbürgt und ihre Kraft zu einem großen politischen und wirtschaftlichen Ganzen zusammengefasst wird und an das sich ein freies und unabhängiges Polen im Norden und ein unabhängiger Bund freier Balkanvölker im Süden im eigensten wie im gemeinsamen Interesse zu einem großen Verband anschließen könnten.“ Die wirtschaftliche Annäherung an Deutschland wurde nur akzeptiert, wenn freier Handel gewährleistet sei, ein protektionistisches Mitteleuropa wurde als imperialistisch abgelehnt. Renners Forderung nach einer umfassenden territorialen Neuregelung. um einen dauerhaften Frieden zu erreichen, rief die offene Kritik Adlers hervor. Aber auch Adler sah sich wegen der Polenfrage gehindert, frühzeitig das populäre Schlagwort vom Frieden ohne Annexionen aufzugreifen. Bis Sommer 1916 rechnete Adler mit einem Sieg und trachtete daher, das erwartete Einlenken der Westmächte nicht durch innenpolitische Opposition zu behindern. Im Herbst 1916 wandelten sich jedoch Ziele und Haltung der Sozialdemokraten entscheidend: Die Reichskonferenz der deutschen sozialdemokratischen Partei Österreichs beschloss am 5. November 1916: „Die Regierung ist nachdrücklich aufzufordern, nach Vereinbarung mit den verbündeten Regierungen in einer öffentlichen Kundgebung deutlich zu erklären, dass die Mittelmächte jederzeit bereit seien, in Friedensverhandlungen einzutreten unter der Bedingung, dass alle Mächte auf direkte und indirekte Annexionen und auf Kriegsentschädigungen verzichten.“ Am 21. Oktober 1916 erschoss einer der Söhne Victor Adlers, Friedrich, aus Protest gegen die Kriegsdiktatur in Altösterreich den k.k. Ministerpräsidenten Karl Stürgkh. Er wurde zum Tode verurteilt, aber vom am 21. November 1916 auf den Thron gelangten Kaiser Karl zu lebenslangem Kerker begnadigt . Der äußerst erschütterte Vater schrieb diese Tat dem „beinahe pathologischen Idealismus“ des Kriegsgegners Friedrich zu. Am 11. Dezember 1916 forderte die Landeskonferenz der deutschen Sozialdemokratie in Niederösterreich neben einem annexionslosen Frieden von der k.k. Regierung auch die vollständige und sofortige Freigabe der Erörterung der Kriegsziele in Presse und Versammlungen, die durch die Kriegszensur verhindert wurde. Bei einer sozialdemokratischen Friedensversammlung am 28. Dezember 1916 reagierte Adler positiv auf das inzwischen erfolgte Friedensangebot der Mittelmächte, von dessen Ernst er überzeugt war. Diplomaten und Politiker hätten endlich die Gedanken des Friedens, die bei den Sozialdemokraten seit Kriegsbeginn verfolgt wurden, propagiert. Bisher sei das nicht möglich gewesen, denn wenn man stärker sei, wolle man den Frieden nicht machen; wenn man schwächer sei, könne man nicht, um kein Zeichen der Schwäche zu geben. Nun wolle man einen baldigen Frieden, in dem kein Staat gedemütigt werde, aber keinen Friedensschluss, der die Keime eines zukünftigen Krieges in sich trage. Seit der Oktoberrevolution von 1917 war die russische Bedrohung vorbei, und Adler gab seine ursprüngliche Politik resignativer Anpassung auf. Den seit Einberufung des Reichsrats im Frühjahr 1917 gewachsenen Einfluss der Partei setzte er ein, um innenpolitische Konzessionen und eine Verstärkung der Friedensbereitschaft der Regierung zu erreichen. Im Zusammenhang mit den Verhandlungen in Brest-Litowsk wurde Adler die Notwendigkeit, die Politik des k.u.k. Außenministers Czernins gegenüber den imperialistischen Ambitionen der dritten Obersten Heeresleitung des Deutschen Reiches zu unterstützen, klar. Auf der sozialistischen Friedenskonferenz, die im Juni 1917 in Stockholm stattfand, fordert Adler eine Beendigung des Krieges auf Grundlage eines Verständigungsfriedens. Zwischen dem 3. und dem 25. Jänner 1918 erfasste der so genannte Jännerstreik weite Teile der Monarchie. Über 700.000 Arbeiter traten in den Ausstand, vor allem wegen der materiell bedrängten Situation, aber auch wegen der durch Brest-Litowsk genährten Friedenserwartungen. Die Jännerstreiks, deren politische Ursachen auch die den Frieden gefährdenden deutschen Kriegsziele in Brest-Litowsk waren, benutzte Adler, um die k.k. Regierung in Wien gegen die Annexionsforderungen in Brest festzulegen. Otto Bauer wiederum nützte sie zum Versuch, die sozialdemokratische Nationalitätenpolitik in Richtung Selbstbestimmungsrecht der Völker und großdeutsche sozialistische Allianz zu ändern. Das neue Nationalitätenprogramm der Linken zielte in der Sache auf die Auflösung der Monarchie in selbstständige Nationalstaaten und die Vereinigung der deutschen Gebiete mit dem Deutschen Reich. Adler hingegen hielt am Programm einer Demokratisierung Altösterreichs und der Schaffung eines Nationalitätenbundesstaates fest. Adler errang schließlich die Zustimmung zum Abbruch des Streiks, weil die Militärs nicht gezögert hätten, mit militärischer Gewalt dagegen vorzugehen. Dennoch gelang es ihm, die Einheit der Partei zu bewahren, indem er den linken Flügel mit Bauer als seinem Stellvertreter und designierten Nachfolger einbinden konnte. Die Parteiführung um Adler verlangte am 16. Jänner 1918 in einem Aufruf: „Frieden ohne offene und ohne verhüllte Eroberungen, Frieden auf der Grundlage des unverfälschten Selbstbestimmungsrechts beider Völker. Ließe man die Verhandlungen in Brest-Litowsk an dieser Streitfrage scheitern, so müßten wir den Krieg gegen Russland weiterführen, damit der Kaiser von Österreich zum König von Polen gewählt werde und damit der König von Preußen wirtschaftlich und militärisch über Kurland und Litauen verfüge!“ Adlers Ablehnung der Zimmerwalder Bewegung, die den Krieg seit 1915 als „Krieg der Kapitalisten“ bezeichnete, dem die internationale Arbeiterbewegung Frieden und Solidarität entgegenzusetzen habe, beruhte auch auf der irrigen Auffassung, die deutsche Regierung sei im Frühjahr 1918 zu maßvollen Friedensbedingungen, vor allem im Westen, bereit. Die deutschen Sozialdemokraten, die ihn dies glauben machten, wollten allerdings aus innenpolitischen Gründen selbst nicht auf Elsaß-Lothringen verzichten. Adlers Fernziel im Osten war ein unabhängiges Polen, Galizien bliebe bei der Monarchie, was eine staatenbündische Lösung im Rahmen der Gesamtmonarchie oder eine mitteleuropäische Neuordnung verlangte. Adlers Haltung zum Krieg beruhte letztlich auf einer Fehleinschätzung der Kriegsziele der Mittelmächte. In einer Rede in der Provisorischen Nationalversammlung für Deutschösterreich im November 1918 bezeichnete Adler den Zusammenbruch der Habsburgermonarchie als „eine Teilerscheinung des allgemeinen Sieges der Demokratie“ in der ganzen Kulturwelt, die es ermöglichen werde, „auf den Trümmern der kapitalistischen Weltordnung den Sozialismus aufzurichten“. Mommsen sieht bei ihm allerdings „Illusionen“ eines unblutigen Übergangs zu einer „demokratischen Gesellschaft“. In der am 30. Oktober 1918 vom Vollzugsausschuss der Provisorischen Nationalversammlung bestellten ersten Regierung des neuen Staates, der Staatsregierung Renner I, war Adler, obwohl bereits schwer herzkrank, bis zu seinem Tod am 11. November 1918 Staatssekretär des Äußeren . Er traf in dieser Funktion in Schloss Schönbrunn mit Kaiser Karl und Kaiserin Zita zusammen, um über den Übergang von der alten zur neuen Ordnung zu verhandeln. Nachdem sein ursprünglicher Vorschlag eines demokratischen Nationalitätenbundesstaates mangels Interesses der anderen Nationalitäten Altösterreichs gescheitert war, trat er für den Anschluss Deutschösterreichs an das Deutsche Reich ein. Dieser wurde am 11. November 1918, als Adler noch lebte und Kaiser Karl I. auf jeden Anteil an den Staatsgeschäften verzichtete, als Antrag formuliert und von der Provisorischen Nationalversammlung am 12. November 1918, dem Tag nach Adlers Tod, ebenso wie die Republik als definitive Staatsform beschlossen. An den Vorbereitungen dazu hatte Adler noch mitgewirkt. In der letzten Reichsratssitzung wurde am 12. November ein Nachruf auf Adler gehalten. Otto Bauer schrieb später in der Einleitung zu Adlers Aufsätzen, Reden und Briefen: „Adler hat den Kampf um die Demokratie in dem Glauben geführt, die Demokratie könne das alte Österreich umgestalten, modernisieren; in Wirklichkeit mußte sie es sprengen.“ Adler nahm für den Aufbau der sozialdemokratischen Bewegung große persönliche, gesundheitliche und finanzielle Risiken in Kauf, insbesondere verwendete er sein gesamtes Vermögen für den Aufbau der sozialdemokratischen Idee, die Partei und die Arbeiterzeitung. Adlers Politik war, die Radikalen einzubinden und dadurch gewaltsame Revolten zu verhindern. Dadurch sicherte er Deutschösterreich den weitgehend gewaltlosen Übergang von der Monarchie zur demokratischen Verfassung der Ersten Republik mit der Besonderheit der unmittelbaren Souveränität des Parlaments. Sein Wunsch einer Angliederung an Deutschland resultierte auch aus der Befürchtung, Deutschösterreich könne aufgrund seiner autoritären inneren Strukturen und Traditionen allein nicht imstande sein, Demokratie zu praktizieren. Adlers Politik des demokratischen Sozialismus verurteilte dessen Gegner innerhalb der Arbeiterbewegung auf Dauer zu einer unsignifikanten Minderheit. Anfang der 1920er-Jahre wurde Adlers Privatbibliothek von der Sozialwissenschaftlichen Studienbibliothek der Kammer für Arbeiter und Angestellte für Wien erworben. In Österreich wurden auch zahlreiche öffentliche Verkehrsflächen oder Wohnhausanlagen nach ihm benannt, etwa: Die Sozialdemokratische Partei Österreichs ehrt besonders verdienstvolle Mitglieder mit der „Viktor-Adler-Plakette“. Karl Renner Victor Adler | Otto Bauer | Julius Deutsch | Ferdinand Hanusch | Carl Jukel | Ignaz Kaup | Johann Löwenfeld-Russ | Heinrich Mataja | Josef Mayer | Raphael Pacher | Egon Pflügl | Josef Resch | Julius Roller | Otto Steinwender | Josef Stöckler | Karl Urban | Leopold Waber | Johann Zerdik Erste Republik: Adler | Bauer | Renner | Mayr | Schober | Breisky | Hennet | Grünberger | Mataja | Ramek | Seipel | Streeruwitz | Schober | Seipel | Schober | Buresch | Dollfuß | Tauschitz | Berger-Waldenegg | Schuschnigg | Schmidt | Wolf Zweite Republik: Gruber | Figl | Kreisky | Tončić-Sorinj | Waldheim | Kirchschläger | Bielka | Pahr | Lanc | Gratz | Jankowitsch | Mock | Schüssel | Ferrero-Waldner | Plassnik | Spindelegger | Kurz | Kneissl | Schallenberg | Linhart | Schallenberg Kategorie:Übersetzer aus dem Russischen
2024-12-02 11:06:30
https://de.wikipedia.org/wiki/Bundesfestung_Landau
Kupferstich mit Draufsicht auf die Festung Landau, während der Belagerung von Landau Originalbeschreibung: Landau wie solches von Ihro Römischen Kayserlichen Mayestät unter Comando Ihro Mayestät des Römischen Könichs nachts den und Iuly Belagert und den 9.9. per Accord Eingenomen worden Die Festung Landau war eine Befestigung vom Typus einer Polygonalfestung in Landau in der Pfalz. Die Arbeiten zur Errichtung vollzogen sich zwischen 1688 und 1691. 1871 wurde die völlig überholte Festung geschleift, nachdem sie 1867 zum Depotplatz herabgestuft worden war. Erhalten geblieben sind beinahe alle Anlagen, die unterhalb des Straßenniveaus liegen. Sichtbar sind heute noch etliche militärische und viele Wohngebäude in der Stadt, die Schleusenanlagen und Mauern entlang der Flussläufe, Festungswerke in Parkanlagen, darunter als größte Einzelanlage Mauerzüge des 1702 erbauten Forts . Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde die Reichsstadt Landau durch den Westfälischen Friedensvertrag ab 1648 unter den Schutz Frankreichs gestellt. Nach Ende des Pfälzischen Erbfolgekrieges 1697 wurde die Stadt im Frieden von Rijswijk 1697 zusammen mit zehn anderen elsässischen Reichsstädten auch staatsrechtlich Frankreich zugesprochen. Schon 1673/4 hatte Frankreich die mittelalterliche Stadtbefestigung von Landau zerstören lassen. Mit dem Frieden von Nimwegen kam Landau an Frankreich und war durch den gleichzeitigen Verlust der rechtsrheinischen Festung Philippsburg sein östlichster Vorposten, der 1680 eine ständige französische Garnison erhielt. Im September 1687 kam der Festungsbaumeister Vauban nach Landau, um ein Befestigungsprojekt zu erarbeiten. Dieses reichte er am 9. Oktober beim König Ludwig XIV. ein, der seine Zustimmung darüber im November gab. Noch im gleichen Jahr begannen die Bauarbeiten am 7 km langen Albersweilerer Kanal, um auf Lastkähnen Baumaterial wie Holz, Kalk und Steine zügig herbeischaffen zu können. Ende April 1688 erfolgte im Beisein des Kriegsministers Marquis de Louvois die Grundsteinlegung. Zunächst hatte Vauban die Bauleitung, gab diese aber schon 1689 an Jacque de Tarade ab. Mit Hilfe von sechzehn königlichen Bataillonen unter Befehl von General Montclar und etwa 14.000 Bauarbeitern aus der Umgebung wurde die Fortifikation in der zweiten Vaubanschen Festungsmanier errichtet. In der Nacht vom 23. auf den 24. Juni 1689 kam es zu einem verheerenden Stadtbrand, der den Großteil der Siedlung zerstörte und die Möglichkeit bot, die Garnisonsstadt zeitgemäß zu strukturieren. Hierbei entstanden geradlinige, breite Straßen und Plätze für die Truppenaufstellungen. 1700 wurde vom Ingenieuroberst Jacques Tarade auf dem nordwestlich gelegenen Hügel ein Kronwerk erbaut, das die Festung von dieser Seite zusätzlich schützte. Die Besatzung der Festung Landau bestand 1702 aus 4.095 Mann Infanterie und 240 Reitern. Im Spanischen Erbfolgekrieg fanden zwischen 1702 und 1713 insgesamt vier Belagerungen von Landau statt, bei der jedes Mal die Festung an den Belagerer fiel. So wurde 1702 die Festung an die Kaiserlichen übergeben, 1703 fiel sie nach der Schlacht am Speyerbach wieder an die Franzosen, um 1704 erneut an die Reichstruppen zu gehen und 1713 schließlich wieder an die Franzosen zu fallen. Weitere Verstärkungen fanden 1710 statt, so zum Beispiel die Raveline, das auch als Halbmond bezeichnete Vorwerk im Westen des Hauptgrabens. Weiter ausgebaut wurde das Fort in den Jahren 1740–1742, als unter anderem die Minenstollen und das westliche Flucht- und Rückzugstor angelegt wurden. 1793 folgte während der Koalitionskriege eine vergebliche Belagerung der Festung durch preußische Truppen. Nachdem die Festung nach dem ersten Pariser Frieden bei Frankreich verblieb, folgte am 3. November 1815 der Zuschlag der Festung als Bundesfestung zum neu entstandenen Deutschen Bund. Die Friedensbesatzung der Festung Landau bestand ursprünglich aus 2.800 Bayern. Im Kriegsfall hatte Baden auf Wunsch Bayerns ein Drittel der auf insgesamt 6.000 Mann angewachsenen Kriegsbesatzung zu stellen. Nach Bildung der Reserveinfanteriedivision des Bundesheeres wurde die Zusammensetzung der Besatzungskontingente der Bundesfestung geändert. Am 3. März 1831 wurde auf Beschluss der Bundesversammlung festgelegt, dass sich die Kriegsbesatzung von Landau aus 4.000 Bayern mit den Mischkontingenten der Reservedivision von 2.300 Mann ergänzt. Gouverneur und Kommandant der Bundesfestung Landau wurden von Bayern bestimmt, da sie 1816 von österreichischer in bayerische Zuständigkeit überführt worden war. Zur Zeit des Deutschen Bundes wurden in bedeutenden Erweiterungsarbeiten vor allem zahlreiche detachierte Vorwerke erbaut, die die alte Stadtumwallung dem Wirkungsbereich der feindlichen Artillerie entzogen. Bayern finanzierte ab 1825 den Erhalt der Bundesfestung selbständig, hatte sich dabei aber verkalkuliert, da der Unterhalt deutlich teurer war als die dadurch eingesparten jährlichen Zahlung an den Deutschen Bund, weshalb 1859 die Verwaltung der Fortifikation Landau an den Deutschen Bund abgetreten wurde. Während des Pfälzer Aufstandes hielt der bayerntreue Kommandant Wilhelm von Jeetze die Festung von Anfang Mai 1849 bis zum Entsatz durch die Preußen unter Moritz von Hirschfeld am 18. Juni 1849. Den erfolglosen Angriff von 5.000 Freischärlern leitete Oberst Ludwig Blenker. Nach Auflösung des Deutschen Bundes wurde Landau ein sturmfreier Depotplatz und begann der Abriss einiger Vorwerke. Im Krieg 1870/1 letztmalig armiert und übernahm die Funktion eines wichtigen Aufmarschplatzes gegen das benachbarte Elsass. Durch die deutsche Aneignung des Elsass verlor Landau vollends seine militärische Bedeutung und Bayern erwirkte in seinen Beitrittsverhandlungen zur Verfassung des Deutschen Kaiserreiches , dass die Festung Landau endgültig aufgegeben wurde. Im Mai 1871 wurde die Bau- und Entfestigungskommission gebildet. Die Leitung der Entfestigung übernahm zunächst Raimund Huber und ab 1875 Wilhelm Schech , auf dessen Initiative hin, die beiden Stadttore erhalten blieben. Die Grundform der Festung bildete ein längliches Achteck, dessen Ecken sieben bastionierte Türme und ein großes Reduit bildeten. Ringsum war der innere Bereich durch einen Graben abgeschlossen. Durch ein ausgeklügeltes Schleusensystem konnte der Graben bei Bedarf geflutet werden. Vor dem Graben lagen die Außenwerke mit einem gedeckten Weg. In die Stadt führten zwei Tore; eines im Süden und eines im Norden. Die Festung wurde durch den Fluss Queich in zwei Teile geteilt, dessen linker, nördlicher Teil durch Überflutung des vorliegenden Geländes wirksam geschützt werden konnte. Zwei Drittel der Festung waren so durch einen breiten und tiefen Überschwemmungskessel für anstürmende Truppen so gut wie unüberbrückbar. Eine schmale Holzbrücke über den Überschwemmungskessel bildete die einzige Verbindung mit dem Kronwerk. Von den bis zu 198 Werken der Festung sind heute noch etliche erhalten, die wenigsten aber offen sichtbar oder zu besichtigen. Der Festungsbauverein Landau – les Amis de Vauban und die Stadtverwaltung arbeiten an einem Konzept, diese obertägigen sichtbar zu machen. Von der Hauptmauer, erste in der zweiten Manier Vaubans, sind heute nur noch die beide Tore, die Porte de France mit einem 40 m langen Stück der Courtine und die Porte d’Allemagne erhalten geblieben. Größtes erhaltenes Vorwerk ist das von Jacques Tarade in niederländischer Manier erbaute Fort auf dem Kaffenberg im Nordwesten der Stadt, das mit über drei Kilometern Mauer, vorgelagerten Ravelinen, Minengängen, Poternen und das beeindruckendste heute sichtbare Teil. Die Gräben, Außenwerke und Glacis bilden seit Ende des 19. Jahrhunderts den Luitpoldpark und sind heute stark zugewachsen. Auf dem Fort liegt der Campus Landau der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau. Im Norden liegt an der Hindenburgstraße die Lunette 55, die einst die Verteilerschleuse des Derivationskanals schützte, daneben im Nordpark eine Couvreface. Im Ostpark sieht man die Ostflanke der Lunette 35 und eine Spitze, der der Verschönerungsverein um 1900 das übermannshohe Wappen des bastionierten Turms No. 53 aufsetzte. Im Savoyen- und Goethepark legt der Festungsbauverein seit 2012 die Lunette 41 frei. Diese Lunette verfügt über einen Tour d’Arçon, einen Verteidigungsturm, dem einzigen runden Bauwerk in der ansonsten eckigen Festung. Der Verein rekonstruiert Turm und Lunette. Der Turm dient als Zugang für die Besichtigung der großen Tunnelanlagen unter dem Südwesten der Stadt. Im Bereich innerhalb der Festung sind die Rote Kaserne, die Kommandantur, das Stadthaus, der Paradeplatz, das Zeughaus, die Garnisonskirche , der Holzhangar, Ein- und Auslassschleusen, Teile der Manege, Teile der Reduitbebauung und viele Wohnbauten des französischen Barock erhalten. Landau | Luxemburg | Mainz | Rastatt | Ulm
2024-12-02 06:59:01
https://de.wikipedia.org/wiki/NOI_Techpark_S%C3%BCdtirol/Alto_Adige
Hauptgebäude des NOI Techparks Südtirol Der NOI Techpark Südtirol/Alto Adige ist ein 2017 begründeter Technologie- und Wissenschaftspark in Bozen . NOI steht als Akronym für Nature Of Innovation, spielt aber auch auf das deutsche Wort „neu“ und das italienische Wort noi für „wir“ an. Die Einrichtung ist als Gründerzentrum konzipiert und unterstützt technologieorientierte, möglichst innovative Neugründungen und Jungunternehmen bzw. auf Wachstum angelegte Startup-Unternehmen. Daneben soll der NOI Techpark zur regionalen Wirtschaftsförderung und Vernetzung beitragen. Als wichtigste wissenschaftliche Akteure fungieren Eurac Research, die Freie Universität Bozen und die Fraunhofer-Gesellschaft. Der NOI Techpark ist im südlich des Stadtzentrums gelegenen Industriebezirk Bozen angesiedelt. Er ist insbesondere auf Kooperation und Technologietransfer in den vier Feldern Green, Digital, Food und Automotive/Automation ausgelegt. Die Anfänge des NOI Techparks stammen aus dem Jahr 2007, dank eines internationalen Ideenwettbewerbs, der die Wiedergewinnung des Areals und der beiden ehemaligen, rationalistischen Industriegebäude beabsichtigte. 2008 bemalte der polnische Künstler Mariusz Waras anlässlich der siebten Ausgabe der europäischen Kunstbiennale Manifesta den Wasserturm der Anlage. Das von Chapman Taylor Italia und dem Studio CLEAA mit Andrea Cattacin ausgearbeitete Projekt hat dem ursprünglichen Komplex den Schwarzen Monolithen direkt vor dem piezometrischen Turm hinzugefügt: Dabei handelt es sich um einen schräg verlaufenden, mit schwarz oxidierten Aluminiumschaumplatten verkleideten Quader, der schräg aus dem Boden herausragt, inspiriert vom rätselhaften Totem in Stanley Kubricks Film „2001: Odyssee im Weltraum“. Um die Italienisierung Südtirols zu beschleunigen, forcierte das faschistische Regime die Industrialisierung der Stadt Bozen und versprach den Unternehmern starke wirtschaftliche Beiträge und Energie in großen Mengen. Zwischen 1934 und 1939 wurden u. a. die Unternehmen Montecatini Lancia, die Falck-Stahlwerke und die Magnesiumfabrik angesiedelt, die das Rückgrat des Industriegebiets bildeten. Die „fabbrica dell‘aluminio“ hatte sich als strategisch wichtig erwiesen, da sie in der Zeit der Autarkie der Elektrifizierung des Landes und der Rüstung diente. Nach dem Zweiten Weltkrieg war sie mit mehr als 1.700 Arbeitern die größte Aluminiumfabrik Italiens geworden, auch dank der günstigen Energie aus den zahlreichen Wasserkraftwerken der Alpenregion, die nötig war, um aus Bauxit Aluminium zu gewinnen. Mit dem Beginn der 70er Jahre begann jedoch der Produktionsrückgang des Unternehmens, der Anfang der 90er Jahre zur endgültigen Schließung der beiden Hauptlinien und zum Kauf eines Teils des Geländes, etwa 9 Hektar, durch die Südtiroler Landesverwaltung führte. Ein Teil der bestehenden Gebäude wurde sofort abgerissen, um weitere Unternehmen zu gründen, während 2004 die Hauptgebäude des Industriekomplexes unter Denkmalschutz gestellt wurden: die beiden Kraftwerke „Bolzano 1“ und „Bolzano 2“ sowie die Gebäude vor der Straße, die einst für den Concierge, die Verwaltung und die Mensa bestimmt waren. Nach der Kunstbiennale Manifesta 7, die im Frühjahr/Sommer 2008 in der Fabrik stattfand, wurde eine gemischte Nutzung der bestehenden Gebäude ins Auge gefasst und in der Folge Teile der Freien Universität Bozen und bestehende Forschungszentren und Privatunternehmen an einem Ort zusammengeführt, um wirtschaftspolitische Synergieeffekte anzustoßen. Das Quartier erhielt – erstmals in Europa – eine LEED-Gold-Zertifizierung, die die Nachhaltigkeit des Projekts unter dem Gesichtspunkt des Umweltschutzes garantiert. Der Name „NOI“ ist ein Akronym für „Nature of Innovation“ und drückt die Absicht aus, innovative Prozesse durch naturnahe Konzepte zu fördern und hierbei auf Nachhaltigkeit und Anpassungsfähigkeit zu setzen. Der natürliche Zyklus des Lebens, der Kreislauf der Jahreszeiten und die Kraft der Natur sind auf die Handlungen und Produkte von Unternehmen und Start-ups in den fünf Leitsektoren übertragbar: Nachhaltigkeit, Lebensmittel, digitale Technologien, Automobilindustrie und Automatisierung.
2024-12-01 22:08:18
https://de.wikipedia.org/wiki/Maurizio_Pedetti
Maurizio Pedetti ; † 14. März 1799 in Eichstätt) war ein italienischer Architekt des Spätbarocks in Deutschland. Maurizio Pedettis Eltern waren der Marmorsteinmetz Francesco Giuliano Pedetti und Giovanna Ceterina geb. Retti. Pedettis Großvater mütterlicherseits war der Architekt Lorenzo Retti; von ihm lernte er das Zeichnen, das er bald meisterlich beherrschte. 1722 zog die Familie nach Mannheim um. Die Baukunst erlernte Pedetti in Ludwigsburg, wo er 1731 zusammen mit seinem Vetter Donato Giuseppe Frisoni am Bau des Schlosses mitwirkte, in Ansbach, wo er ab 1735 Zeichner im Hofbauamt war und bei der Gestaltung des Markgrafenschlosses und der Gumbertuskirche mitwirkte, 1738 in München, 1741 beim Fürstbischof von Speyer, dann an den Höfen von Bruchsal und Mannheim. Dazwischen, von 1739 bis 1741, unternahm er eine Italienreise und bildete sich bei Giovanni Baptiste Nolli weiter. 1743 stand er in Militärdiensten und nahm am Österreichischen Erbfolgekrieg teil. Ab 1745 war er am Hof des Königs Christian VI. von Dänemark und schließlich am Hof des Fürsten Radziwiłł in Polen bedienstet. Am 12. April 1750 bewarb er sich mit Erfolg um die Stelle des Hofbaudirektors und Hofkammerrats in Eichstätt, die er unter vier Fürstbischöfen bis zu seinem Tod innehatte. 1752 heiratete er Maria Anna Walburga Hortis aus Herrieden und hatte mit ihr drei Kinder, von denen nur eine Tochter überlebte. Als Pedetti in Eichstätt seinen Dienst antrat, waren alle wichtigen Bauten nach der Zerstörung durch die Schweden im Jahr 1634 von seinen Vorgängern, insbesondere von Jakob Engel und Gabriel de Gabrieli, wiederhergestellt. Zwar plante er verschiedene Neu- und Umbauten, aber nur weniges davon gelangte zur Ausführung. Seine Tätigkeit beschränkte sich in den ersten Jahren seiner Tätigkeit in Eichstätt auf die Behebung von Bauschäden an Gebäuden des gesamten Hochstifts. Ausbesserungen musste er unter anderem am Eichstätter Dom und an der Willibaldsburg vornehmen. Als 1757 Raymund Anton Graf von Strasoldo Fürstbischof wurde, begann im Hochstift eine neue Bauperiode, eine spätbarocke Blütezeit, die Pedettis Auftragslage wesentlich verbesserte. So durfte er auf dem Hirschberg bei Beilngries ein repräsentatives fürstbischöfliches Jagdschloss errichten. Von 1760 bis 1765 gestaltete er als Architekt die Vorgängerbauten zu einer symmetrischen Rokoko-Anlage mit einem tiefen Ehrenhof und einer „Fürstenstraße“ um. Die für den Spätbarock typische Verbindung von Architektur und Natur griff er auch später immer wieder auf. In Eichstätt selber erweiterte er das Waisenhaus im Osten der Stadt, wobei die Baudurchführung in den Händen des Domkapitel-Baumeisters Giovanni Domenico Barbieri lag. In die bischöfliche Residenz baute er 1767/68 ein repräsentatives Stiegenhaus mit Hofdurchfahrt und im 2. Obergeschoss einen Festsaal – den „Spiegelsaal“ – ein. Als städtebauliche Glanzleistung Pedettis gilt die Ausgestaltung des Residenzplatzes 1776–1780 mit der fast 24 Meter hohen Mariensäule mit großem und kleinen Brunnen sowie dem pflasterstrahligen Platzparkett und einem geschwungenen Lindenhalbrondell als Abschluss im Osten. An der Sommerresidenz gestaltete er den Hofgarten mit der Neugestaltung der Südfront mit ihren Pavillons nach dem veränderten Zeitgeschmack des Rokoko um. Sein zeichnerisches Talent konnte er nutzen, als er 1758 zusammen mit dem Maler Michael Franz den Hochstiftskalender des Domkapitels neu gestaltete. Auch sind von ihm Stadtansichten von Eichstätt, Herrieden, Berching und Greding überliefert. An der Wende zum Klassizismus baute Pedetti 1791 den Mittelrisalit an der Südseite der Residenz; auch die Schildwachhäuschen gehen auf diese Zeit zurück. Ganz im Stil des Klassizismus gestaltete er unter dem letzten Eichstätter Fürstbischof Josef Graf von Stubenberg in der Residenz das 1. Obergeschoss mit den bischöflichen Gemächern um. Pedettis Pläne 1792 zur klassizistischen Umgestaltung des Schlosses Pfünz wurden nicht ausgeführt. Insgesamt hat Pedetti Entwürfe für sieben Schlossanlagen und Idealpläne für sechs Schlösser und Residenzen gefertigt. Im Hochstift entstanden unter Pedetti, der unter vier Fürstbischöfen wirkte, zahlreiche Neubauten für Forst- und Schulhäuser, Pfarrhöfe, Rat- und Kastenhäuser, Kirchen und Kapellen. Einige Werke seien erwähnt: Eine Bewerbung um die Stelle des Domkapitelbaumeisters in Nachfolge von Giovanni Domenico Barbieri im Jahr 1765 blieb erfolglos. So ging Pedetti als letzter Hofbaumeister des Fürstbistums Eichstätt an der Wende vom Rokoko zum Klassizismus in die Geschichte ein; vier Jahre nach seinem Tod kam mit der Säkularisation das Ende der weltlichen Herrschaft der Fürstbischöfe. Sein wohl von ihm selbst entworfenes Grabmal im Stil des Klassizismus hat sich an der Außenwand der Kapelle „Maria Schnee“ im Eichstätter Ostenfriedhof erhalten. Ein Porträt von ihm ist nicht überliefert. Aufsätze Sachbücher
2024-11-30 21:46:40
https://de.wikipedia.org/wiki/Titas_Stremavi%C4%8Dius
Titas Stremavičius ist ein litauischer Schachspieler. Titas Stremavičius lernt am Jonas-Basanavičius-Gymnasium Kaunas und an der Sportschule „Jaunalietuvių sporto organizacija“. Sein Trainer ist FIDE-Meister Laimutis Šolys. Seit 2007 vertrat Stremavičius Litauen bei den Jugendwelt- und Jugendeuropameisterschaften, dabei war sein größter Erfolg der dritte Platz bei der Jugendeuropameisterschaft 2015 in der Altersklasse U18. 2015 gewann er den Lichtenrader Herbst 2015 vor den Großmeistern Andrej Kawaljou, Jakob Meister, Oleh Romanyschyn, Alexander Danin, Sergei Kasparow und Mladen Muše. Im April 2015 wurde Stremavičius zum Internationalen Meister ernannt. Er hatte zu diesem Zeitpunkt bereits vier Normen erfüllt, und zwar im Juni 2014 beim Baltija IM CUP in Palanga, im August 2014 beim 4. Schachfestival der Technischen Universität Riga, im Februar 2015 beim Winterchess GM-Turnier in Manacor und im März 2015 beim 31. Open in Cappelle-la-Grande. Er spielte für den ŠK Margiris Kaunas. 2016 wurde er litauischer Vizemeister. Den Titel Schachgroßmeister trägt er seit Februar 2020. Die Normen hierfür erzielte er beim ELITE-Schachturnier im Juli 2018 in Panevėžys, bei der Schacholympiade 2018 in Batumi und bei einem Einladungsturnier in St. Louis. Čmilytė | Laurušas | Mališauskas | Pultinevičius | Rozentalis | Ruželė | Stremavičius | Šulskis | Zagorskis Verstorbene Großmeister Butnorius | Gavrikov | Kveinys | Mikėnas
2024-12-02 08:21:53
https://de.wikipedia.org/wiki/Worskla
Worskla bei Poltawa Ukraine Ukraine Einzugsgebiet der Worskla mit Mündung in den Dnepr Die Worskla ist ein linker Nebenfluss des Dneprs im osteuropäischen Tiefland mit einer Länge von 464 km und einem Einzugsgebiet von 14.700 km². Sie entspringt in den westlichen Ausläufern des Mittelrussischen Rückens bei Iwnja nordwestlich der russischen Oblasthauptstadt Belgorod. Von ihrer Quelle fließt sie in südwestlicher Richtung in die Ukraine, wobei sich das rechte Ufer im Mittellauf tief in das Poltawa-Plateau einschneidet. Die Worskla mündet in der Oblast Poltawa in den zum Kamjansker Stausee aufgestauten Dnepr. Nebenflüsse sind Worsklyzja und Boromlja sowie Merla, Kolomak und Tahamlyk . Entlang des Flusses befinden sich mehrere Naturschutzgebiete. Der Fluss ist zwischen der Mündung und Kobeljaky schiffbar. Größere Ortschaften an der Worskla sind Poltawa, Ochtyrka und Kobeljaky. In der Region fand 1399 die Schlacht an der Worskla stand. An der Worskla befinden sich zwei Naturschutzgebiete – das Naturreservat Wald an der Worskla und der Nationalpark Hetmanskij .
2024-12-04 06:12:06
https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Berthold
Johannes Berthold ist der Name folgender Personen:
2024-11-23 22:07:08
https://de.wikipedia.org/wiki/Zwiebeln
Allium schoenoprasum und Allium cepa Die Zwiebel , auch Zwiebellauch, Bolle, Zipolle, Speisezwiebel, Küchenzwiebel, Gartenzwiebel, Sommerzwiebel, Hauszwiebel oder Gemeine Zwiebel genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Lauch . Der Ausdruck Zwiebel bezeichnet sowohl die Pflanzenart als auch ihren verkürzten Spross, das typische unterirdische Speicherorgan, das auch von anderen Pflanzenarten gebildet wird . In der Umgangssprache wird die genaue Bedeutung oft nicht beachtet. In der Botanik muss immer klar sein, ob von der Art Allium cepa oder von einem Pflanzenorgan die Rede ist. Die Küchenzwiebel ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die in der Kultur jedoch meist nur ein- oder zweijährig gehalten und dann geerntet wird. Ihre Sprossachse bleibt bis zur Blütenbildung zu einem flachen scheibenförmigen Gebilde gestaucht, das Zwiebelscheibe oder Zwiebelkuchen genannt wird. Das Apikalmeristem auf der Oberseite der Zwiebelscheibe bringt an seinem Rand, abwechselnd gegenüberliegend und daher scheinbar zweizeilig , etwa 10 bis 15 ungestielte, deutlich in Unter- und Oberblatt gegliederte Laubblätter hervor. Die Unterblätter sind von weißlicher Farbe mit grüner Aderung, ähnlich wie Blattscheiden geformt, und umgreifen einander straff, sodass sie in ihrem oberen Teil einen mehrere Zentimeter langen Scheinspross bilden, im unteren Teil fleischig verdickt die bekannte „Zwiebel“ als Speicherorgan. Die rein grünen Oberblätter verwachsen zu Röhren mit geschlossener Spitze, die hohl und im Querschnitt annähernd oval sind. Ihre Zellanordnung ist die eines bifazialen Blattes, die Außenseite der Röhre entspricht der Oberseite. Sind die biologischen Voraussetzungen für eine Blütenbildung gegeben, gewöhnlich erst ab der zweiten Vegetationsperiode, streckt sich die Zwiebelscheibe zu einem 20 bis 120 cm langen, unbeblätterten, röhrig-hohlen, im Querschnitt kreisförmigen Infloreszenzschaft, der im unteren Teil bauchig aufgetrieben erscheint. Das Apikalmeristem verbleibt an seiner Spitze und bildet keine neuen Laubblätter mehr. Der Blütenstand ist eine fast kugelförmige Scheindolde aus 20 bis mehr als 100 Einzelblüten, die vor dem Aufblühen noch von einem Hochblatt umhüllt sind. Die Blüten sind 20 bis 40 mm lang gestielt, ihre Blütenhüllblätter sind weißlich mit grünem Mittelnerv. Die Blütenbildung setzt voraus, dass die Pflanze zunächst eine gewisse Zahl von Blättern entwickelt hat und außerdem gegen Ende der vorigen Vegetationsperiode oder in der Ruheperiode für gewisse Zeit niedrigen Temperaturen ausgesetzt war. Im Pflanzenbau nennt man derartige Vorgänge Vernalisation. Die nötige Temperatur und deren Einwirkungsdauer sind von der Sorte und von der Trockenmasse der einzelnen Zwiebel abhängig. Bei handelsüblichen mitteleuropäischen Sorten rechnet man mit ungefähr 6 °C über mindestens zwei Wochen. Relativ hohe Temperaturen während der Ruheperiode können einen bereits initiierten Blütenansatz wieder vernichten. Davon wird im Ertragsanbau Gebrauch gemacht, wenn eine Blütenbildung unerwünscht ist. Die Nährstoffspeicherung und damit die Ausbildung des Speicherorgans wird von der Photoperiode bestimmt, d. h., sie kommt nur bei einem bestimmten Verhältnis von Tag- und Nachtlänge in Gang. In Anpassung an die entsprechenden Gegebenheiten verschiedener geographischer Breiten hat die Züchtung zur Differenzierung in sogenannte Langtag- und Kurztagsorten geführt. Diese Bezeichnungen sind nicht gleichzusetzen mit den sogenannten Langtag- und Kurztagpflanzen der biologischen Terminologie, bei denen es ausschließlich um die Blütenbildung geht. Wenn die Belichtungsansprüche der jeweiligen Sorte nicht erfüllt sind, kann die Zwiebelpflanze zwar Blätter, Blüten und Samen bilden, aber keine oder nur eine unterentwickelte Zwiebel. Das Speicherorgan wird von der Botanik als Schalenzwiebel eingestuft, weil sie aus Teilen normaler Laubblätter entsteht, im Unterschied zu Schuppenzwiebeln, die aus Niederblättern hervorgehen. Neben den voll ausgebildeten Laubblättern kommen bei der Küchenzwiebel jedoch auch solche vor, die nur aus dem Unterblatt bestehen. Dadurch ist die Zahl der in einer Zwiebel anzutreffenden Schalen meist größer als die der zuvor ohne weiteres sichtbaren Blätter. Zwischen den Blatt- bzw. Schalenansätzen, d. h. achselständig, werden auf der Oberfläche der Zwiebelscheibe außerdem eine oder mehrere Knospen angelegt, die das Wachstum in der nächstfolgenden Vegetationsperiode fortsetzen und dabei die in den vorjährigen Schalen gespeicherten Nährstoffe aufbrauchen. Die ausgezehrten Schalen vertrocknen zu papierdünnen Häuten, die sich noch lange Zeit halten und eine schützende Hülle um die neue Zwiebel bilden. Die Züchtung hat sich auch dieses Merkmals angenommen und darauf orientiert, dass die „gewöhnliche“ Küchenzwiebel möglichst nur eine einzige Erneuerungsknospe und damit eine einfache Zwiebel bildet. Bei den als Schalotten bezeichneten Sorten sind dagegen mehrere Knospen und somit Tochterzwiebeln erwünscht, weil sie zur vegetativen Vermehrung benötigt werden. Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 16. Die Küchenzwiebel existiert, von gelegentlichen Verwilderungen abgesehen, nur noch als reine Kulturpflanze in der Obhut des Menschen. Es sind weder wildwachsende Populationen bekannt noch konnte bisher eine andere wildlebende Allium-Art als direkter Vorfahre identifiziert werden. Solange die Abstammung ungeklärt ist, kann auch die geographische Herkunft der Küchenzwiebel nicht genau bestimmt werden. Oft anzutreffen sind Angaben wie „Mittelasien“ oder „Afghanistan“. Die derzeit als nächstverwandt angesehene Art Allium vavilovii ist in Turkmenistan und im Iran beheimatet. 2022 wurden laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO weltweit 110.616.270 t Zwiebeln und Schalotten geerntet. Folgende Tabelle gibt eine Übersicht über die zehn größten Produzenten von Zwiebeln weltweit, die insgesamt 68,2 % der Erntemenge produzierten. Zum Vergleich die Erntemengen in den DACH-Ländern: Deutschland , Österreich und Schweiz . Die Zwiebel ist eine sehr sortenreiche Kulturpflanze. Bekannt sind im deutschsprachigen Raum unter anderem die Sorten „Rote Braunschweiger“ , „Stuttgarter Riesen“ und „Zittauer Gelbe Riesen“ . Hauptanbaugebiete für Zwiebeln in Deutschland sind Niedersachsen und Bayern. Die Zwiebel bevorzugt milden oder sandigen Lehm sowie Lössboden in sonniger, warmer Lage. Der Boden sollte abgesetzt und feinkrümelig sein, weshalb die Grundbodenbearbeitung bereits im vorhergehenden Herbst erfolgen sollte. Weiter sollte der Boden keine unverrotteten Dungstoffe enthalten und nur verhalten mit Stickstoff gedüngt sein, da die Zwiebeln sonst schlecht abreifen und auf Kosten der Zwiebelbildung zu viel Laub entwickeln. Im gewerblichen Speisezwiebelanbau wird daher auf eine übermäßige Stickstoffdüngung bereits zur Vorfrucht verzichtet. Nach der Anbaumethode unterscheidet man zwischen „Sommerzwiebeln“ und „Winterzwiebeln“. Sommerzwiebeln werden im zeitigen Frühjahr gesät oder, bei Steckzwiebelkultur, gesteckt und zwischen August und Oktober geerntet, wobei insbesondere spätere Sorten von fester Konsistenz bis in den März des Folgejahres lagerfähig sind. Die etwas saftigeren und milderen Winterzwiebeln – besser gesagt überwinternd kultivierte Zwiebeln – werden im August gesät, reifen im nächsten Frühjahr heran und können ab Juni geerntet werden, sind jedoch nur kurze Zeit lagerfähig. Bei der ebenfalls als Winterzwiebel bezeichneten Allium fistulosum handelt es sich um eine andere Pflanzenart, die sich von der Küchenzwiebel in vielen Eigenschaften unterscheidet, u. a. durch ihre bedeutend unscheinbareren Speicherorgane. Jedoch können beide Arten zu „Silberzwiebeln“ verarbeitet werden. Der Anbau der Zwiebel als Sommerzwiebel zu Speisezwecken kann sowohl in einem einjährigen Verfahren durch unmittelbare Aussaat als auch in einem zweijährigen Verfahren durch das Pflanzen von Steckzwiebeln erfolgen. Steckzwiebeln sind kleine, etwa haselnussgroße Zwiebelchen, welche durch besonders enge Aussaat im Vorjahr gewonnen wurden. Damit die aus Steckzwiebeln gezogenen Zwiebelpflanzen nicht zum Schossen neigen, werden sie nach der Ernte einer drei- bis vierwöchigen Warmlagerung bei Temperaturen von 30 bis 40 °C unterzogen. In der Regel werden Steckzwiebeln daher über den Samenhandel bezogen. Die Aussaat der Zwiebel erfolgt bei einer Saattiefe von circa 1 bis 2 cm und Reihenabständen um 25 bis 40 cm auf abgetrocknetem Boden März bis Anfang April. Die Größe der erntereifen Zwiebeln kann entscheidend über die Bestandsdichte beeinflusst werden. Beispielsweise wird zur Produktion mittelgroßer Zwiebeln bei der Aussaat bei Reihenabständen von 25 cm ein Abstand der Pflanzen in der Reihe von rund 4 bis 5 cm angestrebt, sodass sich circa 80 bis 120 Pflanzen pro m² entwickeln können. Säzwiebeln sind, abhängig von Aussaattermin, Sorte und Anbauregion, zwischen August und Oktober erntereif. Das Setzen von Steckzwiebeln erfolgt in ähnlichen Abständen in eine Tiefe von circa 4 cm so, dass die Spitze noch gerade eben zu sehen ist, ebenfalls im März bzw. April. Aus Steckzwiebeln gezogene Speisezwiebeln sind bereits früher, ab Juli, erntefähig. Trockenes, sonniges Spätsommerwetter zur Erntezeit ist mit entscheidend für die Lagerfähigkeit und Haltbarkeit der geernteten Zwiebeln. Die Lagerung sollte unter trockenen, kühlen und luftigen Bedingungen erfolgen. Aus Steckzwiebeln gezogene Zwiebeln sind weniger haltbar als gesäte Zwiebeln. Zur Samenzucht bringt man die Zwiebeln im März in ein ganz flaches, stark gedüngtes Beet und stellt sie 30 bis 45 cm weit voneinander. Der Samen bleibt drei Jahre keimfähig. Weitere, regional gebräuchliche Bezeichnungen für die Zwiebel sind beispielsweise Bolle , Bölle , Bülle ), Engnin , Nislauch, Oellig , Twiwel , Unlouch, Vich, Vick, Zibbel , Zibele , Zibölle, Zipel , Zippeln , Zipolle , Zweibel , Zwibbel . Mittelhochdeutsch sind zahlreiche Laut- und Schreibvarianten vertreten: Cibol, Cibüll, Cipolle, Czipell, Czwebeln, Czwifall, Czwipolle, Siebel, Sipolle, Sypolle, Syppolle, Tzibol, Tzipolle, Ulch, Ulk, Unlauch, Unleuch, Zuboell, Zubul, Zwibel, Zwiblon, Zwibol, Zwifel, Zwippull, Zwiwwel, Zwobelm, Zybel, Zybölle und Zypel. Mittelniederdeutsch kennt man etwa Olich, Oyllich. Viele diese Begriffe leiten sich von der spätlateinischen Verkleinerungsform cēpulla zu lateinisch cēpa ab, das selbst wiederum ein Lehnwort aus einer unbekannten Sprache ist. Das deutsche Zwiebel geht über auf Althochdeutsch zwibolla ebenfalls darauf zurück, wobei althochdeutsch zwibollo eine volksetymologische Umdeutung als „zweifache Bolle“ ist. Seit 1976 gibt es in der Gemeinde Moos und Umgebung das Bülle-Fest. Die Bülle ist eine lokale, sehr mild schmeckende Zwiebelsorte, die es nur auf der Höri gibt. Das Fest findet jährlich am ersten Oktobersonntag statt. In Henrik Ibsens Drama Peer Gynt und, daran angelehnt, in Günter Grass’ autobiografischer Erzählung Beim Häuten der Zwiebel dient dieselbe als Metapher für Erinnerung. In Émile Zolas Roman Germinal charakterisiert der Autor den Geruch gebratener Zwiebeln in einem Bergarbeiterdorf als "Geruch der Armut". In Wilhelm Buschs naturgeschichtlichem Alphabet wird sie für eine antisemitische Karikatur verwendet. Verwendet wird der Zwiebellauch oder die eigentliche Zwiebel meist fein gehackt oder in Ringe geschnitten. Sie wird roh oder geröstet gegessen oder beim Garen anderer Speisen mitgedünstet. Zwiebeln enthalten ein sulfidhaltiges ätherisches Öl und wirken dadurch reizend auf den Magen. Durch Kochen, Dünsten oder Braten wird aus den glykosidischen Verbindungen der Zwiebel der Zucker freigesetzt. Die Zwiebel wird dadurch süßer. Angeschnittene Zwiebeln sollten nicht oder nur in der Käseglocke im Kühlschrank aufbewahrt werden, da sich ihr Geruch auf alle anderen Lebensmittel und Verpackungen überträgt. Auch ihr Geschmack leidet. Eine sachgemäße Aufbewahrung eines „Handvorrats“ kann in einem in der Nähe des Küchenarbeitsbereiches platzierten Zwiebeltopf erfolgen. Zwiebelgerichte: Vor allem in älteren Rezepten vom Balkan, aus dem östlichen Mittelmeerbereich und dem Nahen Osten wird Zwiebelsaft als Fleischzartmacher eingesetzt. Dazu werden Fleischwürfel, die sonst eher zäh sind, etwa Teile vom Hammel, über Nacht in einer Mischung aus Zwiebelsaft und Öl oder in Milch nach Belieben mit Gewürzen eingelegt. Insbesondere für Grillfleisch empfiehlt sich das Verfahren. In der modernen Küche, die auf möglichst kurze Zubereitungszeiten Wert legt, wird diese Verfahrensweise in Hinblick auf die lange Marinierzeit und den Aufwand immer seltener genutzt. Auch der klassische Spießbraten profitiert von der Zwiebel als Weichmacher. In das Fleisch werden rohe Zwiebeln sowie Pfeffer und Salz eingewickelt. Nach einer Ruhezeit von wenigstens zwölf Stunden besitzt das Fleisch beste Voraussetzungen für einen durchgehend saftigen Braten und erhält zudem einen charakteristischen Geschmack. Unter der Sammelbezeichnung „Gemüsezwiebeln“ oder „Metzgerzwiebeln“ werden umgangssprachlich Sorten mit sehr großen und mild schmeckenden Zwiebeln zusammengefasst, die sich besonders zur Zubereitung bzw. zum Verzehr als Gemüsebeilage in den entsprechenden Portionen eignen. Eines der traditionellen österreichischen Anbaugebiete für die Gemüsezwiebel ist die Region rund um Laa an der Thaya in Niederösterreich. Aus diesem Grund ist die Küchenzwiebel sowie die bis zu 15 cm durchmessende Gemüsezwiebel in das Register der Traditionellen Lebensmittel aufgenommen worden. Auch die entsprechende Gegend ist als Laaer Zwiebel unter den Genussregionen Österreichs registriert. Die Silberzwiebel ist eine besonders kleine Sorte , der ihre schützende Schale fehlt, weswegen sie besonders empfindlich ist. Im Handel sind sie vorwiegend in Gläsern erhältlich. Ihr Name kommt von der hellsilbrig scheinenden Außenhaut. Frische Silberzwiebeln werden hauptsächlich aus den Niederlanden importiert und zu Sauerkonserven, wie Mixed Pickles, verarbeitet. Wie alle Arten der Gattung Allium enthalten Zwiebeln keine Stärke, sondern bilden und speichern Fructane als Reservestoff. Das menschliche Verdauungssystem ist nicht in der Lage, Fructane enzymatisch zu spalten und im Dünndarm zu resorbieren. Sie gelangen unverdaut in den Dickdarm und können dort von den Bakterien der natürlichen Flora verstoffwechselt werden, die dabei Gas produzieren. Nach dem Genuss von Zwiebeln kommt es daher häufig zu Flatulenz, für deren Geruch neben den Abbauprodukten der Fructane auch die der schwefelhaltigen Inhaltsstoffe verantwortlich sind. Charakteristisch ist die im Zellplasma enthaltene schwefelhaltige Aminosäure Isoalliin. Nach Verletzungen der Zellstruktur wird sie durch das in den Zellvakuolen vorliegende Enzym Alliinase zunächst zu Propensulfensäure umgewandelt. Weitere Reaktionen schließen sich an, in deren Verlauf zahlreiche Verbindungen entstehen, darunter das die Schleimhäute reizende Propanthial-S-oxid. Deshalb tränen beim Schneiden der Zwiebel die Augen, wenn die Substanz durch Spritzer oder Verdunstung an diese gelangt. Durch die Verwendung scharfer Messer wird das Austreten der Substanz erheblich reduziert. Beim Schneiden von Zwiebeln kann es aufgrund dieser Inhaltsstoffe zu einer rosa Verfärbung kommen. Der Farbstoff entsteht durch Reaktionen der Aminosäuren mit den Schwefelverbindungen. Eine ähnliche Verfärbung ins Grünliche kann auch beim Schneiden von Knoblauch beobachtet werden. Gesundheitlich sind die Farbstoffe völlig unbedenklich. Die meisten Pflanzenzwiebeln sind für den Menschen giftig oder zumindest sehr unbekömmlich. Küchenzwiebeln und ihre Verwandtschaft bilden dabei fast die einzige Ausnahme, die jedoch nicht für andere Säugetiere gilt. Für Tiere sind auch Küchenzwiebeln in jeglicher Form giftig. Am empfindlichsten reagieren Rind, Pferd, Hund, Katze und Geflügel. Die Hunderassen Akita Inu und Shiba Inu sind wegen ihrer speziellen Stoffwechsellage besonders gefährdet. Zur qualitativen und quantitativen Bestimmung von Inhaltsstoffen der Zwiebel kommen insbesondere chromatographische Verfahren in Koppelung mit der Massenspektrometrie zur Anwendung. Die Zwiebel war Heilpflanze des Jahres 2015. Als Heildroge dienen die frischen Zwiebeln. Für die Droge konnten antibakterielle, den Blutdruck, die Blutfette und den Blutzucker schwach senkende Wirkungen nachgewiesen werden, auch gerinnungshemmende und antiasthmatische Eigenschaften wurden nachgewiesen. Die Wirkungen hierfür sollen hauptsächlich auf die antioxidativen Schwefelverbindungen der Zwiebeln zurückzuführen sein. Die Positivmonographie der Kommission E des ehemaligen Bundesgesundheitsamtes gibt 1986 als Indikationen Appetitlosigkeit und die Vorbeugung von altersbedingten Gefäßveränderungen an. Äußerlich verwendet man Zwiebelsaft oder Sirup bei Insektenstichen, Wunden, Furunkeln und zur Nachbehandlung von Blutergüssen. Bei der Verarbeitung von Zwiebeln und Knoblauch können allergische Kontaktekzeme auftreten. Die Sensibilisierungsfrequenz wird mit 4 bis 13 % angegeben. Als Allergene treten in diesem Fall wie beim Knoblauch niedermolekulare organische Schwefelverbindungen auf. Des Weiteren sind seltene Allergien gegen drei Zwiebelproteine bekannt: All c 3 , All c 4 und Alliin-Lyase . Für einige Tiere sind Zwiebeln stark giftig. Die toxische Wirkung wird durch Propyldisulfide und Allicin hervorgerufen und tritt sowohl im rohen als auch gekochten oder getrockneten Zustand auf. Sie tritt auch bei anderen Alliumgewächsen wie Lauch, Bärlauch oder Schnittlauch auf. Die Vergiftungen führen zu einer Zerstörung der roten Blutkörperchen („Zwiebelanämie“. Bei der Katze sind schon 5 g/kg Körpermasse, beim Hund 15–20 g/kg rohe Zwiebeln toxisch. Die Küchenzwiebel ist eine der ältesten Kulturpflanzen der Menschheit und wird schon seit mehr als 5000 Jahren als Heil-, Gewürz- und Gemüsepflanze kultiviert. Bei den alten Ägyptern wurden Zwiebeln den Göttern als Opfergabe gereicht, waren eine Art Zahlungsmittel für die beim Pyramidenbau eingesetzten Arbeiter und wurden den Toten als Wegzehrung für die Reise ins Jenseits beigelegt. Davon zeugen die im Grab des Tutanchamun gefundenen Zwiebelreste. Eine über 4000 Jahre alte sumerische Keilschrift enthält Angaben zu Gurken- und Zwiebelfeldern und im Codex Hammurapi wurden Brot- und Zwiebelzuteilungen für die Armen festgelegt. Bei den Römern zählten Zwiebeln zu den Grundnahrungsmitteln vor allem der weniger Begüterten. Römische Legionäre waren es auch, die die „cēpula“ in Mitteleuropa verbreiteten. Hier wurden sie zu einer der am meisten verbreiteten Gemüsearten, durften auf keiner Tafel fehlen und dienten auch zusammen mit Theriak zur Bereitung eines Öls, welches durch Anregung der Schweißabsonderung vor der Pest schützen sollte. Etwa ab dem 15. Jahrhundert begann man in den Niederlanden, vielfältige, in Form, Farbe und Geschmack unterschiedliche Sorten gezielt zu züchten. Weißdorn | Spitzwegerich | Huflattich | Echtes Johanniskraut | Große Brennnessel | Acker-Schachtelhalm | Salbei | Königskerze | Rosmarin | Thymian | Echte Kamille | Mistel / Salbei | Gemeine Schafgarbe / Tausendgüldenkraut | Lein | Zitronenmelisse | Duftveilchen | Echter Lavendel | Ringelblume | Gewürznelkenbaum | Rosmarin | Koloquinte | Damaszener-Rose | Anis | Zwiebel | Kubeben-Pfeffer | Gänseblümchen | Ingwer | Echtes Johanniskraut | Gemeine Wegwarte | Meerrettich | Große Brennnessel | Weinrebe | Schwarzer Holunder | Sommerlinde, Winterlinde
2024-12-04 02:23:17
https://de.wikipedia.org/wiki/Tim_Danhof
Tim Danhof ist ein deutscher Fußballspieler des TSV 1860 München. Nach seinen Anfängen in der Jugend des 1. FC Herzogenaurach und des FSV Erlangen-Bruck wechselte er im Sommer 2009 in die Jugendabteilung der SpVgg Greuther Fürth. Nach insgesamt 22 Spielen in der B-Junioren-Bundesliga und 35 Spielen in der A-Junioren-Bundesliga, bei denen ihm insgesamt 18 Tore gelangen, wurde er im Sommer 2016 in den Kader der 2. Mannschaft seines Vereins in der Regionalliga Bayern aufgenommen. Nach drei Spielzeiten wechselte er im Sommer 2019 ligaintern zum 1. FC Schweinfurt 05. Im Februar 2021 löste er dort seinen Vertrag auf und schloss sich dem Ligakonkurrenten SpVgg Bayreuth an. Mit seinem Verein stieg er am Ende der Saison 2021/22 in die 3. Liga auf. Er blieb allerdings nicht in Bayreuth, sondern schloss sich im Sommer 2022 dem Ligakonkurrenten FC Erzgebirge Aue an. Dort kam er auch zu seinem ersten Einsatz im Profibereich, als er am 24. Juli 2022, dem 1. Spieltag, beim 1:1-Auswärts-Unentschieden gegen den SC Freiburg II in der Startformation stand. Im Sommer 2024 wird er Aue verlassen. Am 20. Juni 2024 wurde sein Wechsel zum TSV 1860 München bekannt. Erion Avdija | Florian Bähr | Moritz Bangerter | Tim Danhof | Tunay Deniz | Sean Đulić | Marlon Frey | Julian Guttau | Marco Hiller | Patrick Hobsch | Thore Jacobsen | Tim Kloss | Sōichirō Kōzuki | Leroy Kwadwo | Eliot Muteba | Raphael Ott | David Philipp | Lukas Reich | Max Reinthaler | Raphael Schiffer | Morris Schröter | Fabian Schubert | Jesper Verlaat | Daniel Winkler | René Vollath | Maximilian Wolfram Cheftrainer: Argirios Giannikis
2024-12-04 03:25:07
https://de.wikipedia.org/wiki/Querverkauf
Als Querverkauf wird im Marketing und in der Marketingstrategie die Ausnutzung einer Kundenbeziehung durch den zusätzlichen Verkauf von sich ergänzenden oder nicht miteinander in Beziehung stehenden Produkten oder Dienstleistungen bezeichnet. Das Wort „Querverkauf“ wird im deutschen Sprachgebrauch selten benutzt; üblich ist in der Fachsprache die englische Variante. Der Querverkauf betrifft nicht nur den zusätzlichen Verkauf eigener Produkte/Dienstleistungen, sondern kann auch darüber hinaus den Vertrieb von Produkten und Dienstleistungen von anderen Unternehmen umfassen. Durch Querverkauf sollen Marktpotenziale erschlossen und latente Bedürfnisse geweckt werden. Ein Querverkauf muss stets dazu führen, dass sich der gesamte Kaufpreis erhöht. Unterschieden wird zwischen dem horizontalen und vertikalen Querverkauf: Beide Arten setzten voraus, dass das anbietende Unternehmen mit anderen Unternehmen kooperiert, welche die Querverkaufs-Produkte herstellen. Cross-selling mit Diversifikation liegt vor, wenn beispielsweise Autohändler Finanzierungen über Autobanken der Hersteller anbieten oder Discounter im Lebensmittelhandel Aktionsware wie etwa PCs, Kleidung, Sport- oder Gartengeräte anbieten. Ein klassisches Beispiel sind auch Tankstellen mit einem gut sortierten Supermarkt und/oder Getränkemarkt und Videothek oder Hotels, die Speisen und Getränke in hoteleigenen Restaurants und Hotelbars offerieren . Bei den Produkten/Dienstleistungen kann es sich um Komplementärgüter, Substitutionsgüter oder nicht miteinander in Beziehung stehende Güter handeln. Etwa beim Konzept der Allfinanz bieten Sparkassen im Rahmen der Sparkassen-Finanzgruppe auch Finanzprodukte der Bausparkassen und öffentlichen Versicherungen als Komplementärgüter an. Das Cross-selling von Substitutionsgütern gestaltet sich schwierig, doch ist ein Verkauf von einem Mountainbike und einem normalen Fahrrad denkbar. Auch Koppelprodukte werden im Rahmen des Querverkaufs vermarktet. Im Einzelhandel werden oft zusammen erworbene Produkte in den Regalen nahe beieinander platziert. Im Finanzwesen ist der Querverkauf eingeschränkt durch die Verordnung Nr. 1286/2014 vom 26. November 2014 über Basisinformationsblätter für verpackte Anlageprodukte für Kleinanleger und Versicherungsanlageprodukte . Sie regelt seit Januar 2018, dass „verpackte Finanzprodukte“ gemäß Artikel 4 PRIIP-Verordnung unterschieden werden müssen: Diese Vorschrift schränkt im Bank- und Versicherungswesen den Vertrieb von Querverkäufen teilweise erheblich ein. In Artikel 2 Abs. 2 PRIIP-Verordnung sind zahlreiche Ausnahmen vorgesehen: Danach gilt es nicht als Querverkauf, wenn ein Versicherungsunternehmen Privatpersonen in einem Paket eine Absicherung von Gebäude-, Hausrat- und Privathaftpflichtversicherungen anbietet. Fällt ein Querverkauf unter die PRIIP-Verordnung, so ist vor Abschluss des Geschäfts dem Kunden gemäß Artikel 5 ein Basisinformationsblatt auszuhändigen. Querverkäufe gemäß § 63 Abs. 9 WpHG umfassen Wertpapierdienstleistungen, die als Teil eines gekoppelten Pakets oder eines gebündelten Pakets angeboten werden. Wertpapierdienstleistungsunternehmen, die ein gekoppeltes oder gebündeltes Paket vertreiben, müssen ihre Kunden ordnungsgemäß darüber informieren, ob die Möglichkeit besteht, die Bestandteile separat zu erwerben. Insbesondere muss der Kunde über seine Wahlmöglichkeit, nur einen einzelnen Bestandteil eines gebündelten Paketes erwerben zu können oder, soweit dies nach bestimmten Rechtsvorschriften zulässig ist, den Zwang einen anderen Bestandteil eines gekoppelten Paketes erwerben zu müssen, informiert werden. Durch EDV-gestützte CRM-Systeme können operativ gewonnene Daten für gezielte Querverkauf-Aktionen aufbereitet werden. Beispiel: Alle Autokäufer im August erhalten im Herbst ein Schreiben mit einem Winterreifen-Angebot. Im Online-Handel können gezielt Computerprogramme mit Algorithmus- oder Nutzerverfolgungsprogrammen eingesetzt werden . Ein Querverkauf erhöht den Kundennutzen und damit die Kundenzufriedenheit, der Verkäufer steigert Umsatzerlöse und – ceteris paribus – die Gewinne. Querverkäufe sind auch ein wichtiges Instrument der Kundenbindung. Akzeptiert ein Nachfrager den Querverkauf, wird sein Budget stärker belastet als dies vor der Kaufentscheidung geplant war. Durch Querverkäufe können sich unter Umständen für den Kunden Preisvorteile aus der Produktbündelung ergeben, wenn der Gesamtpreis des Querverkaufs niedriger ist als die Summe einzelner Produkte. Upselling, Upgrading und Cross-Selling werden wie folgt voneinander abgegrenzt: Der Veredelungsverkauf ist kein Querverkauf, sondern betrifft die Veredelung von Produkten/Dienstleistungen in Form einer Produktvariation mit höherer Produktqualität/Dienstleistungsqualität. Beim Autokauf wird beispielsweise nicht das Standardprodukt angeboten, sondern eine Premiummarke. Ghost-Sell-ups sind bei Mietwagen eine dem Kunden zu einem Aufpreis angebotene höhere Fahrzeugkategorie, obwohl das gemietete Fahrzeug nicht vorhanden ist und somit nicht vermietet werden kann.
2024-11-24 03:44:11
https://de.wikipedia.org/wiki/Pegnitzkreis
Der Pegnitzkreis mit der Hauptstadt Nürnberg war einer der Kreise des 1806 gegründeten Königreichs Bayern. Im Jahr 1808 kam es zu einer grundlegenden Neuordnung der Verwaltung Bayerns, die von Maximilian von Montgelas initiiert wurden. Montgelas war damals der leitende Minister des zwei Jahre zuvor gegründeten Königreichs Bayern. Im Rahmen dieser Reform wurde auch die mittlere Verwaltungsebene komplett umgestaltet, wobei die historisch gewachsenen Territorialeinheiten aufgelöst und stattdessen fünfzehn administrative Kreise geschaffen wurden, zu denen auch der Pegnitzkreis gehörte. Der Pegnitzkreis umfasste neun Landgerichte und seit 1809 die kreisunmittelbaren Städte Nürnberg, Fürth und Schwabach. Bereits 1810 wurde er wieder aufgelöst. Sein Gebiet wurde fast ganz dem Rezatkreis zugeordnet, lediglich das Landgericht Pottenstein wurde dem Mainkreis zugeteilt. Fürth, Nürnberg, Schwabach Altdorf, Cadolzburg, Forchheim, Fürth, Gräfenberg, Hersbruck, Lauf, Nürnberg, Pottenstein, Schnaittach, Schwabach Altmühlkreis | Eisackkreis | Etschkreis | Illerkreis | Innkreis | Isarkreis | Lechkreis | Mainkreis | Naabkreis | Oberdonaukreis | Pegnitzkreis | Regenkreis | Rezatkreis | Rheinkreis | Salzachkreis | Unterdonaukreis | Untermainkreis
2024-12-01 18:08:43
https://de.wikipedia.org/wiki/George_Lyttelton,_1._Baron_Lyttelton
George Lyttelton, 1. Baron Lyttelton PC war ein britischer Staatsmann, Historiker und Kunstmäzen. Lyttelton besuchte zunächst das Eton College und studierte dann an der University of Oxford. Unter dem Ministerium Robert Walpoles wurde er für Okehampton in das Unterhaus gewählt, wo er sich der Opposition anschloss. Ab 1737 war er Sekretär des Prince of Wales , 1744 wurde er Lord im Schatzministerium, 1754 Mitglied des Privy Council und 1755 Chancellor of the Exchequer, trat aber noch im selben Jahr mit dem Ministerium zurück. Lyttelton wurde 1756 als Baron Lyttelton, of Frankley, zum Peer erhoben und starb 1773 auf seinem Landgut Hagley. Sein Hauptwerk ist die History of the life of Henry II. . Außerdem veröffentlichte er: Seine Prosa gilt als klassisch. Sein literarischer Nachlass erschien unter dem Titel: Miscellanies . Sein einziger Sohn Thomas, zweiter Baron Lyttelton , wahrscheinlich durch Selbstmord gestorben, war ein berüchtigter Wüstling, dem man mit Unrecht die Autorschaft der Briefe des Junius zugeschrieben hat. Auch die unter seinem Namen erschienenen Letters of Thomas, Lord Lyttelton. sind unecht. George Lyttelton war auch der Bauherr von Hagley Hall, Worcestershire, das noch heute Stammsitz der Familie ist. Es handelt sich dabei um ein herausragendes Beispiel der englischen Architektur und Landschaftsgartenbaukunst des 18. Jahrhunderts. Als Mäzen unterstützte Lyttelton in den 1730er Jahren Alexander Pope und Henry Fielding in den 1750er Jahren. Dem Schriftsteller James Thomson verschaffte er eine Stelle im Staatsdienst. Memoirs and correspondence of Lord Lyttelton. London 1845, 2 Bände
2024-12-04 10:58:28
https://de.wikipedia.org/wiki/Eugen_Emnet
Eugen Emnet war ein deutscher Verwaltungsjurist und Ministerialbeamter. Emnet trat 1911 in das Bayerische Staatsministerium der Finanzen ein. Dort wurde er 1926 zum Ministerialrat ernannt. Obwohl Mitglied der Bayerischen Volkspartei blieb er bei Machtübernahme der Nationalsozialisten im Amt. Nach eigenen Angaben auf Druck des Ministeriums und Ministerpräsident Ludwig Siebert beantragte er am 23. Juni 1941 die Aufnahme in die NSDAP und wurde zum 1. Juli desselben Jahres aufgenommen . Im April 1948 wurde er zum Ministerialdirigenten ernannt. Zum 1. Dezember 1950 trat er in den Ruhestand. Er war seit 1901 Mitglied der katholischen Studentenverbindung KDStV Thuringia Würzburg im CV.
2024-11-24 09:30:42
https://de.wikipedia.org/wiki/Lablab
Helmbohne Die Helmbohne , auch Indische Bohne oder Ägyptische Bohne, Hyazinth-Bohne, früher Faselbohne genannt, ist die einzige Pflanzenart der Gattung Lablab in der Unterfamilie Schmetterlingsblütler innerhalb der Familie der Hülsenfrüchtler . Diese Nutzpflanze ist nahe verwandt mit einer Reihe anderer, Bohnen genannter Feldfrüchte. Die Helmbohne hat mit großer Wahrscheinlichkeit ihren Ursprung im östlichen Afrika, weil nur dort Wildpflanzen der Art vorkommen. In Indien ist andererseits die größte morphologische Vielfalt der Nutzpflanze zu beobachten. Als tropische Pflanze benötigt sie hohe Temperaturen , aber relativ wenig Wasser; insbesondere verträgt sie keine Staunässe. Die Helmbohne ist eine stark wuchernde, halbaufrechte bis kletternde krautige Pflanze, die bis zu 10 m weit rankt. Sie ist ausdauernd, wird aber meist als einjährige Pflanze kultiviert, da sie wie die meisten Bohnen keinen Frost verträgt. Sie bildet eine starke, bis zu 2 m tiefe Pfahlwurzel. Die Stängel sind oft stark behaart. Die wechselständigen Laubblätter sind gestielt und dreiteilig. Die Nebenblätter sind zurückgebogen. An einem achselständigen, bis 20 cm langen Stiel stehen traubigen Blütenstände. Die angenehm duftenden Blüten sind zygomorph und zwittrig. Die Kelchblätter sind verwachsen. Der Kelch ist zweilippig; die obere Kelchlippe ist nicht geteilt, die untere ist dreilappig. Die Kronblätter sind rosa bis violett oder weiß. Das einzelne Fruchtblatt enthält einige Samenanlagen. Die Blüte beginnt in Europa ab Juni. Die purpurroten Hülsenfrüchte der Ziersorten sind knapp 20 cm lang und enthalten viele Samen. Die eiförmigen Samen sind gut 1 cm lang und 0,5 cm dick. Die gefleckten, marmorierten oder einfarbigen Samen sind weiß über rotbraun bis schwarz. Das Tausendkorngewicht liegt zwischen 140 und 600 Gramm. Die typischen in Indien angebauten buschigen frühen Sorten sind weißblühend und haben eher helle Samenfarben . Samen und Hülsen vieler Sorten sind im rohen Zustand giftig, da sie cyanogene Glykoside enthalten. Das Gift wird durch Kochen zerstört. Allerdings gibt es große Sortenunterschiede. Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 22. Die Verwendungsmöglichkeiten der Faselbohne sind vielfältig: Man kann die unreifen Hülsen und Samen sowie die reifen Samen gekocht essen. Die Pflanze wird auch als Bodendecker und Gründüngung zur Bodenverbesserung genutzt. In Europa und Nordamerika wird sie wegen ihrer duftenden, violetten Blüten als Zierpflanze zum Beranken von Zäunen oder als Sichtschutz u. ä. genutzt. Blätter und Stängel werden in den Tropen als Viehfutter verwendet. Sowohl in Afrika als auch in Ostasien hat sie zudem Bedeutung als Medizinalpflanze. In Kenia ist die njahĩ genannte Helmbohne im ganzen Land sehr beliebt, besonders bei den Kikuyu. Sie hat den Ruf, die Milchproduktion anzuregen und ist daher traditionell eine Hauptmahlzeit stillender Mütter. Die Bohnen werden gekocht und mit gemusten reifen und/oder halbreifen Bananen vermischt, was dem Gericht einen süßen Geschmack verleiht. Heutzutage geht die Produktion der Helmbohne im östlichen Afrika zugunsten von Bohnen und Augenbohnen zurück. Dieser Rückgang wird z. T. jedoch auch darauf zurückgeführt, dass kenianische Bauern in der Kolonialzeit gezwungen wurden, ihre traditionellen Bohnen für die Erzeugung von trockenen Bohnen aufzugeben, die für den Export bestimmt waren. Die Gattung Lablab gehört zur Subtribus Phaseolinae der Tribus Phaseoleae in der Unterfamilie Schmetterlingsblütler innerhalb der Familie der Hülsenfrüchtler . Der Gattungsname Lablab wurde 1763 von Michel Adanson in Familles des plantes, 2:325 veröffentlicht. Die Erstbeschreibung der Art erfolgte 1753 unter dem Namen Dolichos lablab durch Carl von Linné in Sp. Pl., 725. Der britische Biologe und Taxonom Bernard Verdcourt unterzog die Art 1970 einer Revision, woraufhin nun viele der früheren Namen als Synonyme zu gelten haben. Trotzdem hält sich der Name Dolichos lablab noch immer hartnäckig in wissenschaftlichen und populärwissenschaftlichen Veröffentlichungen. Synonyme von Lablab purpureus Sweet sind: Dolichos lablab L., Lablab niger Medik., Lablab lablab Lyons, Vigna aristata Piper, Lablab vulgaris Savi. Laut Verdcourt gibt es von Lablab purpureus Sweet zwei kultivierte Unterarten: Dazu eine wilde Unterart: von der eine spezielle Variante mit gelappten Blättern nur in Namibia vorkommt:
2024-11-23 12:52:08
https://de.wikipedia.org/wiki/ICAO-Alphabet
Das ICAO-Buchstabieralphabet ist die obligatorisch in der zivilen Luftfahrt anzuwendende Buchstabiertafel. ICAO steht hier für: International Civil Aviation Organization . Das ICAO-Buchstabieralphabet wird aber auch in der militärischen Luftfahrt und in der Schifffahrt verwendet. Laut DIN 5009:2022-06 kann diese Buchstabiertafel im deutschen Wirtschafts- und Verwaltungswesen an Stelle der Deutschen Buchstabiertafel für Wirtschaft und Verwaltung verwendet werden, wenn es so von den ansagenden und hörenden Personen gewünscht wird. Die phonetische Aussprache der Buchstaben ist für die Nutzung in der zivilen Luftfahrt im „Radiotelephony Spelling Alphabet“ von der International Civil Aviation Organization im Annex 10, Volume II, Chapter 5, Figure 5-1, zum Abkommen über die internationale Zivilluftfahrt standardisiert.Fig. 5-1 Ferner wird die Aussprache von den Ziffern 0 bis 9.Nr. 5.2.1.4.3 und ZahlenNr. 5.2.1.4.1 separat geregelt. Sofern im internationalen Flugfunk Zweifel an der Aussprache von z. B. Namen, oder Betriebsabkürzungen, auftreten können sind diese gemäß der ICAO Vorgaben in Annex 10 Vol. II zu buchstabieren. Die Internationale Fernmeldeunion hat diese Buchstabiertafel übernommen und in der Vollzugsordnung für den Funkdienst veröffentlicht, dort im Anhang 14 . Sie wird in der VO Funk als „Phonetic alphabet and figure code“ bezeichnet, umfasst hier also auf gleicher Regelungshöhe auch die Aussprache der Ziffern. Die VO Funk legt fest, dass bei Bedarf Rufzeichen, Betriebsabkürzungen und Wörter nach der internationalen Buchstabiertafel auszusprechen sind. Diese Regelung ist für alle international arbeitenden Funkdienste verbindlich. Die ITU verwendet jedoch andere Ansagewörter für Ziffern als die ICAO . Die Internationale Seeschifffahrts-Organisation hat die Buchstabiertafel in die Standard Marine Communication Phrases, Abschnitt General, unter der Überschrift „Spelling“ aufgenommen . Die internationale Buchstabiertafel der ICAO findet Anwendung beispielsweise im internationalen Funkverkehr und seit 1956 in der militärischen Kommunikation der westlichen Streitkräfte . Da die letztgenannte Anwendung weitläufig bekannt ist, wird die Buchstabiertafel häufig als „NATO-Alphabet“ bezeichnet. Neben der Verwendung im Sprechfunk dient die Internationale Buchstabiertafel vielfältigen Zwecken, wie der Bezeichnung von Positionen, Meldepunkten, Zeitzonen oder Schlüsselwörtern. In den Funkdiensten, in denen Rufzeichen verwendet werden, muss im internationalen Funkverkehr die Rufzeichennennung gemäß der VO Funk nach dem Internationalen Buchstabieralphabet erfolgen. Davon ist beispielsweise der Seefunkdienst ebenso betroffen wie der Amateurfunk . Obwohl zur Erlangung eines Amateurfunkzeugnisses die Kenntnis der Internationalen Buchstabiertafel der ICAO zwingend erforderlich ist, wird sie im Amateurfunk nicht immer unverändert verwendet. Stattdessen wird oftmals eine Mischung aus internationalem Buchstabieralphabet, ARRL-Alphabet und eigenen Schöpfungen verwendet. Die ICAO bemerkte im Jahr 1947, dass die bis dahin im internationalen Flugfunkverkehr verwendete Buchstabiertafel für nicht-englische Muttersprachler ungeeignet war. Folglich ließ die ICAO in den Jahren 1948 und 1949 von der Universität Montreal eine neue Buchstabiertafel entwickeln. Kommunikationsexperten aus aller Welt trafen sich in Montreal und beschlossen die Verwendung einer damals neuen Buchstabiertafel. Dieses ursprüngliche Alphabet, 1951 in Kraft getreten, enthielt allerdings noch die Wörter „Coca“ statt Charlie, „Metro“ statt Mike, „Nectar“ statt November, „Union“ statt Uniform und „Extra“ statt X-ray. Wegen Schwierigkeiten mit diesen Wörtern setzte die ICAO zum 1. März 1956 eine Änderung der ursprünglichen ICAO-Buchstabiertafel in Kraft, womit diese nun in der heute noch immer gültigen Form vorliegt. Bereits 1959 wurde diese Buchstabiertafel von der Internationalen Fernmeldeunion übernommen, erweitert um die in der ITU bereits 1947 eingeführten Doppelschlüsselwörter für Zahlen. In der Seefahrt wurde die Internationale Buchstabiertafel 1965 von der vierten Vollversammlung der Inter-Governmental Maritime Consultative Organization , der Vorläuferin der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation , übernommen. Die IMCO machte die Internationale Buchstabiertafel zum Bestandteil des Internationalen Signalbuchs und setzte diese überarbeitete Version zum 1. April 1969 in Kraft. Andere englischsprachige Buchstabiertafeln spielen in den professionellen internationalen Funkdiensten heute keine Rolle mehr. Die Silben in Großbuchstaben sollen besonders betont werden, z. B. bei ZE-RO werden beide Silben gleich betont, während nur die erste Silbe bei FOW-er zu betonen ist Nr. 5.2.1.4.3.1 Die Silben in Großbuchstaben sollen besonders betont werden, z. B. bei TOU-SAND werden beide Silben gleich betont, während nur die erste Silbe bei HUN-dred zu betonen ist Nr. 5.2.1.4.3.1 Die Aussprache orientiert sich überwiegend am britischen Englisch, also z. B. statt dem deutschen oder auch statt dem US-amerikanischen . Einige Schlüsselwörter werden anders geschrieben als der verwendete Begriff im Englischen: Der Grund für die abweichende Schreibung „Juliett“ liegt darin, dass frankophone Sprecher sonst auf die Idee kommen könnten, das „t“ sei stumm. Aus ähnlichem Grund wird auch „Alfa“ statt „Alpha“ geschrieben, weil nicht in allen Sprachen die Aussprache von „ph“ wie „f“ selbstverständlich ist. Ebenso sind Aussprache und Betonung geregelt und im Einzelfall vom Standard-Englisch abweichend. Zur Vermeidung von Ausspracheproblemen und Missverständnissen werden einige Ziffern von der Schreibung abweichend ausgesprochen: Die Schlüsselwörter für „4“ und „9“ werden zweisilbig ausgesprochen, also „fower“ statt und „niner“ statt „nine“ , und die „th“ bei „3“ und „1000“ werden durch „t“ ersetzt . Eine weitere Regel gibt es für das Dezimaltrennzeichen: ganz gleich, ob es ein Punkt oder ein Komma ist, wird es stets „Decimal“ ausgesprochen. Der Punkt als Satzzeichen dagegen wird durch das Schlüsselwort „Stop“ wiedergegeben. Das Lied Foxtrot Uniform Charlie Kilo der Bloodhound Gang macht sich die Buchstabiertafel als Euphemismus zunutze. Ebenso ist der Titel Golf November von Reinhard Mey eine Verwendung des ICAO-Alphabets. Des Weiteren steht der Titel des Films Whiskey Tango Foxtrot im NATO-Alphabet für WTF, was wiederum für den Überraschungs-Ausdruck What the fuck steht . Auch die Bezeichnung des Checkpoint Charlie in Berlin geht auf das ICAO-Alphabet zurück . Im Vietnamkrieg war die Bezeichnung VC, Victor Charlie, beziehungsweise Charlie für die Truppen des Viet Cong gebräuchlich.
2024-12-01 19:59:37
https://de.wikipedia.org/wiki/Olympische_Sommerspiele_1988/Teilnehmer_(Spanien)
Spanien nahm an den Olympischen Sommerspielen 1988 in Seoul mit einer Delegation von 229 Athleten an 130 Wettkämpfen in 24 Sportarten teil. Fahnenträgerin bei der Eröffnungsfeier war Cristina von Spanien, die an den Segelwettbewerben teilnahm. Männer Männer Frauen Männer Männer Männer Männer Männer Männer Männer Männer Frauen Männer Männer Frauen Männer Männer Männer Offene Klasse Frauen Männer Frauen Männer Offene Klasse Frauen Frauen Männer Frauen Männer Frauen Männer Männer Ägypten • Algerien • Angola • Äquatorialguinea • Benin • Botswana • Burkina Faso • Dschibuti • Elfenbeinküste • Gabun • Gambia • Ghana • Guinea • Kamerun • Kenia • Lesotho • Liberia • Libyen • Malawi • Mali • Marokko • Mauretanien • Mauritius • Mosambik • Niger • Nigeria • Ruanda • Sambia • Senegal • Sierra Leone • Simbabwe • Somalia • Sudan • Swasiland • Tansania • Togo • Tschad • Tunesien • Uganda • Volksrepublik Kongo • Zaire • Zentralafrikanische Republik Amerikanische Jungferninseln • Antigua und Barbuda • Argentinien • Aruba • Bahamas • Barbados • Belize • Bermuda • Bolivien • Brasilien • Britische Jungferninseln • Cayman Islands • Chile • Costa Rica • Dominikanische Republik • Ecuador • El Salvador • Grenada • Guatemala • Guyana • Haiti • Honduras • Jamaika • Kanada • Kolumbien • Mexiko • Niederländische Antillen • Panama • Paraguay • Peru • Puerto Rico • St. Vincent und die Grenadinen • Suriname • Trinidad und Tobago • Uruguay • Venezuela • Vereinigte Staaten Afghanistan • Bahrain • Bangladesch • Bhutan • Birma • Brunei1 • China • Chinese Taipei • Guam • Hongkong • Indien • Indonesien • Irak • Iran • Japan • Jordanien • Katar • Kuwait • Laos • Libanon • Malaysia • Malediven • Mongolei • Nepal • Nordjemen • Oman • Pakistan • Philippinen • Saudi-Arabien • Singapur • Sri Lanka • Südjemen • Südkorea • Syrien • Thailand • Vereinigte Arabische Emirate • Vietnam Andorra • Belgien • Bulgarien • Dänemark • BR Deutschland • DDR • Finnland • Frankreich • Griechenland • Großbritannien • Irland • Island • Israel • Italien • Jugoslawien • Liechtenstein • Luxemburg • Malta • Monaco • Niederlande • Norwegen • Österreich • Polen • Portugal • Rumänien • San Marino • Schweden • Schweiz • Sowjetunion • Spanien • Tschechoslowakei • Türkei • Ungarn • Zypern Amerikanisch-Samoa • Australien • Cookinseln • Fidschi • Neuseeland • Papua-Neuguinea • Salomonen • Tonga • Vanuatu • Westsamoa 1900 • 1904 • 1908 • 1912 • 1920 • 1924 • 1928 • 1932 • 1936 • 1948 • 1952 • 19561 • 1960 • 1964 • 1968 • 1972 • 1976 • 1980 • 1984 • 1988 • 1992 • 1996 • 2000 • 2004 • 2008 • 2012 • 2016 • 2020 • 2024 1936 • 1948 • 1952 • 1956 • 1960 • 1964 • 1968 • 1972 • 1976 • 1980 • 1984 • 1988 • 1992 • 1994 • 1998 • 2002 • 2006 • 2010 • 2014 • 2018 • 2022 2010 • 2014 • 2018 2012 • 2016 • 2020 • 2024 Fahnenträger • Medaillengewinner
2024-12-03 20:58:10
https://de.wikipedia.org/wiki/Chris_Philipps
2 Stand: 31. Juli 2024 Chris Philipps ist ein luxemburgischer Fußballspieler. Philipps begann das Fussballspielen beim FC Green Boys 77 Harlange-Tarchamps. Im Alter von 13 Jahren wechselte er in die Jugend von Etzella Ettelbrück und wenig später in die Jugendakademie des FC Metz. Anfang 2013 unterschrieb er seinen ersten Profivertrag über fünf Jahre. Am 21. Oktober 2013 gab Philipps beim 0:3-Sieg bei Stade Brest sein Debüt in der Profimannschaft des FC Metz und schaffte in der gleichen Saison den Aufstieg in die französische Ligue 1. Nach dem Abstieg in die Ligue 2 wechselte Chris Philipps zur Saison 2015/16 für ein Jahr auf Leihbasis zu Preußen Münster, wo er es auf 25 Einsätze in der 3. Liga brachte. Zur Saison 2016/17 kehrte Philipps zum FC Metz, mittlerweile wieder in die Ligue 1 aufgestiegen, zurück. In anderthalb Jahren kam er für den französischen Verein auf insgesamt 28 Pflichtspiele . In der Winterpause 2017/18 wurde er vom polnischen Spitzenklub Legia Warschau verpflichtet. Einer der Gründe für den Wechsel war die negative Atmosphäre gegenüber luxemburgischen Spielern beim FC Metz. Mit dem Klub gewann er am Ende der Spielzeit das nationale Double aus Meisterschaft und Pokalsieg. Am Abend des 6. Januar 2019 teilte ihm Legia mit, dass er trotz eines bis zum 31. Dezember 2019 laufenden Vertrages mit sofortiger Wirkung freigestellt sei. Da sich kein interessierter Verein fand, wurde Philipps in die Reserve-Mannschaft von Legia versetzt. Nach Vertragsende wechselte Philipps im Januar 2020 zum belgischen Zweitligisten Lommel SK, wo er einen Vertrag bis zum Saisonende mit Option auf ein weiteres Jahr unterschrieb. Aufgrund einer Fußverletzung stand er lediglich bei den beiden letzten Spielen der Saison 2019/20 für Lommel auf dem Platz. Die anschließende Play-off-Runde wurde aufgrund der COVID-19-Pandemie nicht ausgetragen. Nachdem Lommel zum Saisonende die Verlängerungsoption nicht nutzte, hat Chris Phillips während mehreren Wochen beim FC Wiltz 71 trainiert und wurde am 8. November 2020 als neuer Spieler veröffentlicht. Dort kam er bisher auf 88 Spiele und elf Treffer in der BGL Ligue. Für die U-Nationalmannschaften seines Heimatlandes kam Philipps zu diversen Einsätzen, u. a. drei Spiele bei der U17-EM Eliterunde 2009 in Luxemburg. Am 29. Februar 2012 debütierte er für die A-Nationalmannschaft in einem Freundschaftsspiel gegen Mazedonien. Bei dem 2:1-Sieg durfte er über 90 Minuten mitwirken. Bis 2019 Jahren absolvierte Philipps dinsgesamt 54 Länderspiele, ein Treffer gelang ihm jedoch nicht. Im Juni 2024 wurde er dann wieder überraschend von Nationaltrainer Luc Holtz für die Testspiele in Frankreich und Belgien berufen und kam in beiden Partien zum Einsatz.
2024-12-03 15:28:26
https://de.wikipedia.org/wiki/Adsorptionsmittel
Ein Adsorbens oder Adsorptionsmittel dient zur Entfernung von Spurenstoffen aus Fluiden. Diese Spurenstoffe lagern sich aufgrund von Van-der-Waals-Kräften adsorptiv an der Oberfläche des Adsorbens an. Die in der Laborpraxis und insbesondere in der Abgasreinigungstechnik verwendeten technischen Adsorbentien lassen sich wie folgt unterteilen: Aufgrund ihrer Porosität weisen Adsorbentien eine große innere Oberfläche auf. Diese kann teilweise mehr als tausend Quadratmeter pro Gramm betragen. Porendurchmesser und Porengrößenverteilung hängen vom jeweiligen Adsorbens ab. Während beispielsweise Zeolithe einen klar definierten Porendurchmesser aufweisen, kann bei Aktivkohlen je nach Porendurchmesser zwischen Makro-, Meso- und Mikroporen unterschieden werden. Das spezifische Volumen der Mikroporen beträgt in der Regel zwischen 0,25 und 1,2 Kubikzentimeter pro Gramm Adsorbens. Für bestimmte Trennaufgaben werden Adsorbentien imprägniert. Das Imprägniermittel dient dabei entweder als Reaktionspartner oder als Katalysator für die heterogene Katalyse. Die Adsorbentien können entweder durch Tauch- und Sprühverfahren oder durch Adsorption aus der Gasphase imprägniert werden. Der Massenanteil der Imprägniermittel kann bis zu 30 Prozent betragen. Beispiele für den Einsatz imprägnierter Adsorbentien sind mit Schwefelsäure oder Brom behandelte Aktivkohlen zur Abscheidung von Quecksilber aus Feuerungsabgasen und mit Metalloxiden versehene Aktivkohlen zur Reduktion von Stickstoffdioxid bei der Kraftfahrzeuginnenraumfiltration. Adsorbentien werden unter anderem in Abgasreinigungsanlagen, Wasseraufbereitungsanlagen, Dunstabzugshauben, Einlegesohlen, Adsorptionskältemaschinen und Kabinenluftfiltern eingesetzt. Die Auswahl des jeweiligen Adsorbens richtet sich neben den abzuscheidenden Komponenten unter anderem auch nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten und nach Sicherheitsaspekten. Für die Trennaufgabe ist die Wechselwirkung zwischen dem zu adsorbierenden Stoff und dem Adsorbens von Bedeutung. Zu den wirtschaftlichen Gesichtspunkten gehört auch die Regenerierbarkeit des eingesetzten Adsorbens. Dies setzt voraus, dass keine Reaktion zwischen dem adsorbierten Stoff und dem Adsorbens stattfindet. Bei den Sicherheitsaspekten spielt die Reaktivität und Brennbarkeit von Aktivkohle eine herausragende Rolle. Ebenso können adsorbierte Kohlenwasserstoffe eine nicht zu vernachlässigende Brandlast darstellen. In der Medizin spielen Adsorbenzien eine wichtige Rolle in der Behandlung von Intoxikationen oder in der symptomatischen Behandlung von Toxin-abhängigen Erkrankungen. Beispiele oral zu verabreichender Adsorbenzien sind Aktivkohle bei einigen oral aufgenommenen Giften, Smektit zur Senkung der Durchfalldauer bei Bakterientoxin-bedingten akuten infektiösen Gastroenteriden im Kindesalter und Antazida bei der Behandlung von gastroösophagealem Reflux. Extrakorporal ist beispielsweise die Hämoperfusion zu nennen, welche Adsorbenzien wie Aktivkohle oder Ionenaustauscherharze verwendet.
2024-12-04 04:11:24
https://de.wikipedia.org/wiki/Huang_Chia-chi
Huang Chia-chi ist eine taiwanische Badmintonspielerin, die später für Australien startete. Huang Chia-chi nahm 1996 und 2000 im Dameneinzel an Olympia teil. Bei ihrer ersten Teilnahme wurde sie Neunte, vier Jahre später Fünfte. 2004 und 2006 siegte sie bei den Australian Open.
2024-12-02 09:06:27
https://de.wikipedia.org/wiki/Sinovenator
Fossil von Sinovenator Sinovenator ist eine Gattung von theropoden Dinosauriern aus der Gruppe der Troodontidae. Der Name setzt sich zusammen aus dem griechischen Σινάι „China, Chinese, Chinesisch“ und dem lateinischen venator „Jäger“. Das Tier hatte in etwa die Größe eines Huhns. Die Funde stammen aus der Unterkreide und werden mit einem Alter von etwa 131 bis 123 Mio. Jahren datiert, was in etwa dem Zeitabschnitten Barremium und frühem Aptium entspricht. Die Fundstätte der beiden Fossilien befindet sich in der unteren Yixian-Formation in China. Der Holotyp von Sinovenator changii mit der Bezeichnung IVPP 12615 wurde 2002 von Xu, Norell, Wang, Mackovicky und Wu beschrieben. Hierbei handelt es sich um einen unvollständigen Schädel mit zerlegtem Skelett. Der andere Fund IVPP 12583 ist ein unvollständiges Skelett, das jedoch noch seinen ursprünglichen Zusammenhang aufweist. Das Institut für Wirbeltierpaläontologie und Paläoanthropologie der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Peking ist im Besitz dieser beiden Funde. Sinovenator war ein basaler Troodontide und stellt er den bisher ältesten und am wenigsten entwickelten Vertreter dieser Verwandtschaftsgruppe dar . Sinovenator weist mit den primitivsten Vertretern der Dromaeosauridae und der Avialae übereinstimmende Merkmale auf, die eine gemeinsame Abstammung dieser drei Vertreter der Paraves nahelegen.
2024-12-02 03:00:46
https://de.wikipedia.org/wiki/Saint-Marcel_(Haute-Sa%C3%B4ne)
Saint-Marcel ist eine Gemeinde im französischen Département Haute-Saône in der Region Bourgogne-Franche-Comté. Saint-Marcel liegt auf einer Höhe von 260 m über dem Meeresspiegel, sechs Kilometer westlich von Jussey und etwa 34 Kilometer nordwestlich der Stadt Vesoul . Das Dorf erstreckt sich im äußersten Nordwesten des Departements, in einer Mulde auf dem Hochplateau, das zu den östlichen Ausläufern des Plateaus von Langres gehört, südlich des Tals der Mance, am Westfuß der Bridelle. Die Fläche des 7,10 km² großen Gemeindegebiets umfasst einen Abschnitt des Plateaus von Langres westlich des oberen Saônetals. Der zentrale Teil des Gebietes wird von der Mulde von Saint-Marcel eingenommen, die durchschnittlich auf 260 m liegt. Sie wird überwiegend landwirtschaftlich genutzt und durch den Ruisseau de Couaz nach Süden zur Ougeotte entwässert. Gegen Norden steigt das Gelände allmählich an zu einer Hochfläche, welche die Mulde von Saint-Marcel vom Tal der Mance trennt. Auf der Höhe bei Rosières wird mit 317 m die höchste Erhebung von Saint-Marcel erreicht. Die südliche Abgrenzung markiert die Anhöhe der Côte d'Enfer. Nach Südosten erstreckt sich das Gemeindeareal bis an den Hang des Kegelberges La Bridelle. In geologisch-tektonischer Hinsicht besteht das Gelände bei Saint-Marcel aus einer Wechsellagerung von sandig-mergeligen und kalkigen Sedimenten, die zur Hauptsache während der Lias abgelagert wurden. Nachbargemeinden von Saint-Marcel sind Rosières-sur-Mance im Norden, Cemboing und Jussey im Osten, Montigny-lès-Cherlieu im Süden sowie Vitrey-sur-Mance im Westen. Das Gemeindegebiet von Saint-Marcel war schon sehr früh besiedelt. Bei Ausgrabungen wurden Überreste einer gallorömischen Siedlung entdeckt. Den Ursprung von Saint-Marcel bildete ein vermutlich im 6. Jahrhundert gegründetes Benediktinerpriorat, das jedoch erst im Jahr 1109 urkundlich einwandfrei belegt ist. Im Mittelalter gehörte Saint-Marcel zur Freigrafschaft Burgund und darin zum Gebiet des Bailliage d’Amont. Zusammen mit der Franche-Comté gelangte das Dorf mit dem Frieden von Nimwegen 1678 definitiv an Frankreich. Heute ist Saint-Marcel Mitglied des 17 Ortschaften umfassenden Gemeindeverbandes Communauté de communes du Pays Jusséen. Die Kirche von Saint-Marcel wurde im 19. Jahrhundert neu erbaut und besitzt einen Glockenturm aus dem 18. Jahrhundert. Zur bemerkenswerten Ausstattung gehören eine vergoldete Madonnenstatue sowie weitere Statuen aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Neben der Kirche steht ein Kreuz, das vermutlich aus frühchristlicher Zeit stammt. Mit 89 Einwohnern gehört Saint-Marcel zu den kleinen Gemeinden des Département Haute-Saône. Nachdem die Einwohnerzahl in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts deutlich abgenommen hatte , wurden seit Beginn der 1980er Jahre nur noch geringe Schwankungen verzeichnet. Saint-Marcel war bis weit ins 20. Jahrhundert hinein ein vorwiegend durch die Landwirtschaft geprägtes Dorf. Heute gibt es einige Betriebe des lokalen Kleingewerbes. In den letzten Jahrzehnten hat sich das Dorf zu einer Wohngemeinde gewandelt. Viele Erwerbstätige sind deshalb Wegpendler, die in den größeren Ortschaften der Umgebung ihrer Arbeit nachgehen. Der Ort liegt abseits der größeren Durchgangsachsen an einer Departementsstraße, die von Jussey nach Fayl-Billot führt. Weitere Straßenverbindungen bestehen mit Rosières-sur-Mance, Noroy-lès-Jussey und Montigny-lès-Cherlieu. Aboncourt-Gesincourt | Achey | Aisey-et-Richecourt | Amance | Amoncourt | Anchenoncourt-et-Chazel | Ancier | Andelarre | Andelarrot | Angirey | Apremont | Arbecey | Arc-lès-Gray | Argillières | Aroz | Arsans | Attricourt | Augicourt | Aulx-lès-Cromary | Autet | Authoison | Autoreille | Autrey-lès-Cerre | Autrey-lès-Gray | Auvet-et-la-Chapelotte | Auxon | Avrigney-Virey | Baignes | Bard-lès-Pesmes | Barges | Battrans | Baulay | Bay | Beaujeu-Saint-Vallier-Pierrejux-et-Quitteur | Beaumotte-Aubertans | Beaumotte-lès-Pin | Besnans | Betaucourt | Betoncourt-sur-Mance | Blondefontaine | Bonboillon | Bonnevent-Velloreille | Borey | Bougey | Bougnon | Bouhans-et-Feurg | Bouhans-lès-Montbozon | Boulot | Boult | Bourbévelle | Bourguignon-lès-Conflans | Bourguignon-lès-la-Charité | Bourguignon-lès-Morey | Boursières | Bousseraucourt | Bresilley | Breurey-lès-Faverney | Brotte-lès-Ray | Broye-Aubigney-Montseugny | Broye-les-Loups-et-Verfontaine | Brussey | Bucey-lès-Gy | Bucey-lès-Traves | Buffignécourt | Bussières | Buthiers | Calmoutier | Cemboing | Cenans | Cendrecourt | Cerre-lès-Noroy | Chambornay-lès-Bellevaux | Chambornay-lès-Pin | Champlitte | Champtonnay | Champvans | Chancey | Chantes | Charcenne | Chargey-lès-Gray | Chargey-lès-Port | Chariez | Charmes-Saint-Valbert | Charmoille | Chassey-lès-Montbozon | Chassey-lès-Scey | Chaumercenne | Chauvirey-le-Châtel | Chauvirey-le-Vieil | Chaux-la-Lotière | Chaux-lès-Port | Chemilly | Chenevrey-et-Morogne | Chevigney | Choye | Cintrey | Cirey | Citey | Clans | Cognières | Colombe-lès-Vesoul | Colombier | Colombotte | Combeaufontaine | Comberjon | Conflandey | Confracourt | Contréglise | Cordonnet | Cornot | Corre | Coulevon | Courcuire | Courtesoult-et-Gatey | Cresancey | Cromary | Cubry-lès-Faverney | Cugney | Cult | Dampierre-sur-Linotte | Dampierre-sur-Salon | Dampvalley-lès-Colombe | Delain | Denèvre | Échenoz-la-Méline | Échenoz-le-Sec | Écuelle | Équevilley | Esmoulins | Essertenne-et-Cecey | Étrelles-et-la-Montbleuse | Étuz | Fahy-lès-Autrey | Faverney | Fédry | Ferrières-lès-Ray | Ferrières-lès-Scey | Filain | Flagy | Fleurey-lès-Faverney | Fleurey-lès-Lavoncourt | Fondremand | Fontenois-lès-Montbozon | Fouchécourt | Fouvent-Saint-Andoche | Framont | Francourt | Frasne-le-Château | Fresne-Saint-Mamès | Fretigney-et-Velloreille | Frotey-lès-Vesoul | Germigney | Gevigney-et-Mercey | Gézier-et-Fontenelay | Gourgeon | Grandecourt | Grandvelle-et-le-Perrenot | Grattery | Gray | Gray-la-Ville | Gy | Hugier | Hyet | Igny | Jonvelle | Jussey La Barre | La Chapelle-Saint-Quillain | La Demie | La Grande-Résie | La Malachère | Lambrey | La Neuvelle-lès-Scey | La Quarte | La Romaine | La Résie-Saint-Martin | Larians-et-Munans | La Rochelle | La Roche-Morey | Larret | La Vernotte | Lavigney | La Villeneuve-Bellenoye-et-la-Maize | Lavoncourt | Le Magnoray | Les Bâties | Le Tremblois | Le Val-Saint-Éloi | Lieffrans | Lieucourt | Liévans | Lœuilley | Loulans-Verchamp | Magny-lès-Jussey | Mailley-et-Chazelot | Maizières | Malans | Malvillers | Mantoche | Marnay | Maussans | Melin | Membrey | Menoux | Mercey-sur-Saône | Mersuay | Molay | Montagney | Montarlot-lès-Rioz | Montboillon | Montbozon | Montcey | Montcourt | Montigny-lès-Cherlieu | Montigny-lès-Vesoul | Montjustin-et-Velotte | Mont-le-Vernois | Montot | Mont-Saint-Léger | Montureux-et-Prantigny | Montureux-lès-Baulay | Motey-Besuche | Nantilly | Navenne | Neurey-en-Vaux | Neurey-lès-la-Demie | Neuvelle-lès-Cromary | Neuvelle-lès-la-Charité | Noidans-le-Ferroux | Noidans-lès-Vesoul | Noiron | Noroy-le-Bourg | Oigney | Oiselay-et-Grachaux | Onay | Ormenans | Ormoy | Ouge | Ovanches | Oyrières | Pennesières | Percey-le-Grand | Perrouse | Pesmes | Pierrecourt | Pin | Polaincourt-et-Clairefontaine | Pontcey | Port-sur-Saône | Poyans | Preigney | Provenchère | Purgerot | Pusey | Pusy-et-Épenoux | Quenoche | Quincey | Raincourt | Ranzevelle | Ray-sur-Saône | Raze | Recologne | Recologne-lès-Rioz | Renaucourt | Rigny | Rioz | Roche-et-Raucourt | Roche-sur-Linotte-et-Sorans-les-Cordiers | Rosey | Rosières-sur-Mance | Ruhans | Rupt-sur-Saône | Saint-Broing | Sainte-Reine | Saint-Gand | Saint-Loup-Nantouard | Saint-Marcel | Saint-Rémy-en-Comté | Saponcourt | Sauvigney-lès-Gray | Sauvigney-lès-Pesmes | Savoyeux | Scey-sur-Saône-et-Saint-Albin | Scye | Semmadon | Senoncourt | Seveux-Motey | Soing-Cubry-Charentenay | Sorans-lès-Breurey | Sornay | Tartécourt | Theuley | Thieffrans | Thiénans | Tincey-et-Pontrebeau | Traitiéfontaine | Traves | Trésilley | Tromarey | Vadans | Vaite | Vaivre-et-Montoille | Valay | Vallerois-le-Bois | Vallerois-Lorioz | Vandelans | Vanne | Vantoux-et-Longevelle | Varogne | Vars | Vauchoux | Vauconcourt-Nervezain | Vaux-le-Moncelot | Velesmes-Échevanne | Velet | Velleclaire | Vellefaux | Vellefrey-et-Vellefrange | Vellefrie | Velleguindry-et-Levrecey | Velle-le-Châtel | Vellemoz | Vellexon-Queutrey-et-Vaudey | Velloreille-lès-Choye | Venère | Venisey | Vereux | Vernois-sur-Mance | Vesoul | Villars-le-Pautel | Villefrancon | Villeparois | Villers-Bouton | Villers-Chemin-et-Mont-lès-Étrelles | Villers-le-Sec | Villers-Pater | Villers-sur-Port | Villers-Vaudey | Vilory | Vitrey-sur-Mance | Volon | Voray-sur-l’Ognon | Vougécourt | Vregille | Vy-le-Ferroux | Vy-lès-Filain | Vy-lès-Rupt
2024-12-02 07:24:46
https://de.wikipedia.org/wiki/125._Infanterie-Division_(Wehrmacht)
125. Infanterie-Division Die 125. Infanterie-Division war ein Großverband des Heeres der deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg. Sie ist inoffiziell auch als „Wiesel“-Division bekannt. Die Division wurde im Oktober 1940 als Teil der 11. Aufstellungswelle auf dem Truppenübungsplatz Münsingen im Wehrkreis V aufgestellt. Dazu wurden Abgaben von je einem Drittel der 5., 260. und 25. Infanterie-Division verwendet. Nach dem Abschluss der Aufstellung wurde sie im April 1941 bei der Besetzung Jugoslawiens im Rahmen des Balkanfeldzugs eingesetzt, wobei sie der von Norden angreifenden 2. Armee angehörte. Bei Beginn des Krieges gegen die Sowjetunion wurde die Division zunächst als Reserve der 17. Armee der Heeresgruppe Süd nachgeführt. Anfang Juli wurde sie dem IV. Armeekorps unterstellt und unmittelbar an die Frontlinie bei Ternopol transportiert. In den ersten beiden Monaten des Kampfgeschehens in der Ukraine, wobei sie an den Kesselschlachten von Uman und Kiew teilnahm, verzeichnete die Division 300 Gefallene und 1.800 Verwundete. Im Dezember 1941 wurde sie der 1. Panzerarmee unterstellt und bis zum Juni des folgenden Jahres an der Mius-Front eingesetzt. Bei Beginn der deutschen Sommeroffensive 1942 gehörte die Division zur Gruppe von Wietersheim. Im Juli 1942 war sie an den erbitterten Häuserkämpfen zur Einnahme von Rostow am Don sowie der Don-Brücken bei Bataisk beteiligt und nahm anschließend mit dem V. Armeekorps der 17. Armee am Vorstoß in den Kaukasus teil. Dabei war sie unter anderem an der Einnahme von Noworossijsk beteiligt. Nach dem Rückzug aus dem Kaukasus Anfang 1943 folgten bis September die Kämpfe um den Kuban-Brückenkopf, bevor die Division während der Schlacht am Dnepr erneut der 1. Panzerarmee zugeteilt wurde. Ende 1943 erfolgte die Umgliederung zu einer „Division neuer Art 44“. Ab Januar 1944 beim XVII. Armeekorps der 6. Armee eingesetzt, wurde die Division wenig später im Zuge der Nikopol-Kriwoi Roger Operation der Roten Armee im Kessel von Nikopol weitgehend vernichtet. Aus den ausgebrochenen Resten wurde die regimentsstarke „Divisionsgruppe 125“ gebildet, die der 302. Infanterie-Division unterstellt wurde. Diese wurde im August 1944 im Zuge der Operation Jassy-Kischinew bei der Heeresgruppe Südukraine vernichtet. 3 https://wwii.germandocsinrussia.org/ru/nodes/14 121. | 122. | 123. | 125. | 126. | 129. | 131. | 132. | 134. | 137.
2024-12-04 05:39:01
https://de.wikipedia.org/wiki/Monogatari_(Comic-Gruppe)
Monogatari war eine im Jahre 1999 in Berlin gegründete Gruppe von Comiczeichnern. Die Mitglieder Mawil, Tim Dinter, Kathi Käppel, Jens Harder, Ulli Lust und Kai Pfeiffer waren zu jener Zeit Studenten an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Die Gruppe ist nach der japanischen Erzählform Monogatari benannt. Die Gruppe Monogatari wurde 2005 aufgelöst. Die Monogataris veröffentlichten gemeinsam einige Arbeiten im Eigenverlag, u. a.:
2024-12-02 09:32:06
https://de.wikipedia.org/wiki/Justizpalast_(M%C3%BCnchen)
Der Justizpalast ist ein neobarockes Gerichts- und Verwaltungsgebäude in München, das 1891–1897 von Friedrich von Thiersch errichtet wurde. Er liegt zwischen Elisen- und Prielmayerstraße im Stadtbezirk Maxvorstadt und ist Sitz des Bayerischen Staatsministeriums der Justiz sowie von Teilen des Landgerichts München I. Nachdem man über längere Zeit hinweg nach einem geeigneten Standort für den Neubau des Justizpalastes gesucht hatte, fand man im Jahr 1886 mit dem nach Clemens Franz de Paula von Bayern benannten Herzoggarten einen idealen Bauplatz in zentraler Lage zwischen Hauptbahnhof und Karlsplatz. Der Bauplatz grenzte im Norden an den Botanischen Garten mit dem im Jahr 1854 fertiggestellten Glaspalast von August von Voit. Im Hinblick auf die erwartete städtebauliche Entwicklung konzipierte man die Nordfassade als Hauptfassade. Am 16. Februar 1887 wurde der Münchner Architekt Friedrich von Thiersch vom Prinzregenten Luitpold, der sich persönlich für von Thiersch als Garant für eine anspruchsvolle und künstlerisch hochwertige Ausführung eingesetzt hatte, mit dem Bau des Justizpalastes im Stil des Neobarock, dem repräsentativen Baustil der damaligen Zeit, beauftragt. Mit dem Aushub der Baugrube begann man im Frühjahr 1891, das Richtfest fand am 22. Dezember 1894 auf dem Scheitel der Kuppel, die Einweihung des Gebäudes am 10. Mai 1897 durch den Prinzregenten Luitpold und den damaligen Justizminister Leopold von Leonrod statt. Das Gebäude, welches 138 Meter lang und 80 Meter tief ist, hat mittig eine einschließlich der Laterne 66 Meter hohe gläserne Lichtkuppel. Mittelpunkt des Gebäudes, das um zwei Innenhöfe konzipiert wurde, ist die Zentralhalle in der Größe von 19 m × 29 m. Es wurde auf dem Grund errichtet, auf dem zuvor das in den 1750er und -60er Jahren erbaute Clemensschlössl stand, welches seit 1826 das Kadettencorps beherbergte. 1862/63 war hier ein Neubau der Ludwig-Maximilians-Universität einschließlich Georgianum geplant, da die 1840 bezogenen Gärtner-Bauten in der Ludwigstraße bereits zu klein geworden waren. Nach dem überraschenden Tod König Maximilians II. wurden diese Pläne jedoch nicht weiterverfolgt. Die vier Fassaden des freistehenden Baus sind unterschiedlich ausgeprägt, haben jedoch mit dem Granitsockel als Unterbau und der Kolossalordnung von Pilastern beziehungsweise Säulen an den Mittel- und Eckrisaliten Gemeinsamkeiten im Aufbau. Die drei Obergeschosse sind durch Fensterumrahmungen und Giebel geschmückt, wobei das zweite Obergeschoss am meisten betont wird. An der Nordfassade springen der Ost- und der Westflügel als Eckrisalite und der Mittelbau vor. Sechs Säulen mit korinthischen Kapitellen gliedern hier das obere Geschoss. Die Längsfronten und Eckrisalite der Südfassade sind wie bei der Nordfassade gestaltet, der Mittelrisalit tritt jedoch weniger vor und ist durch Pilaster gegliedert. Im Erdgeschoss ist dem mittleren Eingangsportal ein offener Vorbau vorgelagert, der einst als Unterfahrt für Kutschen diente. Im ersten Geschoss dient der Vorbau als Balkon. Die drei mittleren Achsen des Risalits werden von einem Giebel mit dem bayerischen Wappen bekrönt. Auf dem Giebel steht die Figuren der Justitia, flankiert von Unschuld und Laster. Die Ostfassade ist durch den Mittelrisalit mit konvexem Vorbau und Obelisken an allen vier Eckpunkten stark ausgeprägt. Da das Gebäude trotz seiner gewaltigen Ausmaße bald zu klein geworden war, erbaute Thiersch in den Jahren 1903 bis 1905 westlich neben dem Justizpalast in den Formen bayerischer Backsteingotik das sogenannte Neue Justizgebäude mit zwei Uhrtürmen, in dem sich heute der Bayerische Verfassungsgerichtshof und das Oberlandesgericht München befinden. Der Justizpalast ist seit jeher das Dienstgebäude des Bayerischen Staatsministeriums der Justiz, welches die oberen Etagen belegt. In den unteren Etagen befinden sich die meisten Zivilkammern des Landgerichts München I. Mit Fertigstellung des Münchner Strafjustizzentrums in der Nymphenburger Straße 16 im Jahre 1977 wurden die Strafkammern des Landgerichts München I vom Justizpalast dorthin verlegt. Im Februar 1943 fanden im Justizpalast vor dem Volksgerichtshof die Prozesse gegen die Mitglieder der Widerstandsgruppe Weiße Rose statt. Hier wurde ein „Weiße-Rose-Gerichtssaal“ als Gedenkraum eingerichtet, der Besuchern nach Anmeldung an der Pforte zugänglich war. Seit dem 20. April 2023 dokumentiert eine neue, thematisch erweiterte Dauerausstellung mit dem Titel “Willkür im Namen des Deutschen Volkes. Zertrümmerung des Rechtsstaats im Nationalsozialismus: Die Weiße-Rose-Prozesse im Münchner Justizpalast” die Willkürjustiz. 1962 war der Justizpalast Schauplatz des aufsehenerregenden Indizienprozesses gegen Vera Brühne. Im März 2014 fand im Justizpalast der Strafprozess gegen Uli Hoeneß vor dem Landgericht München II statt. Zwar ist in München für alle Hauptverhandlungen in Strafsachen das Gebäude des Strafjustizzentrums in der Nymphenburger Straße vorgesehen. Der größte Gerichtssaal dort , der baulich auf ein großes Medieninteresse ausgelegt ist, war jedoch zu diesem Zeitpunkt mit dem NSU-Strafprozess gegen Beate Zschäpe belegt. Wegen des erwarteten Ansturms von Presse- und TV-Journalisten entschied man sich, die Hauptverhandlung gegen Hoeneß ausnahmsweise im Justizpalast durchzuführen. In Saal 253 erinnert seit 2007 eine Dauerausstellung an die Prozesse gegen die Mitglieder der Weißen Rose. Im April 2023 eröffnete eine neu konzipierte Dauerausstellung. Neben der Eingangstür erinnert eine Gedenktafel aus Plexiglas an die während der NS-Zeit entrechteten und verfolgten jüdischen Anwälte. Im Innenhof unter der Glaskuppel finden unregelmäßig Ausstellungen zu zeitgeschichtlichen Themen mit Bezug zur Justiz statt. 48.14055555555611.564722222222Koordinaten: 48° 8′ 26″ N, 11° 33′ 53″ O
2024-12-04 01:29:44
https://de.wikipedia.org/wiki/Plattenpanzer#Antike
Als Plattenpanzer oder Plattenharnisch wird eine aus körpergerecht geformten Metallplatten bestehende Rüstung bezeichnet. Er stellt eine Form von Schutzkleidung dar, die im Kampfeinsatz z. B. vor Stichwaffen schützen soll. Plattenpanzer, die einen Großteil des Körpers schützten, kamen gegen Ende des 14. Jahrhunderts in Westeuropa auf und fanden bis in das 17. Jahrhundert hinein Verwendung. Dabei wurden sie ständig weiter entwickelt, den Plattenpanzer gibt es so gesehen nicht. Während die wichtigsten Teile derartiger Rüstungen meist nur aus einer oder wenigen Stahlplatten bestanden, mussten bestimmte Körperteile durch zahlreiche Metallschienen oder durch Kettengeflecht geschützt werden, um dem Träger eine möglichst hohe Beweglichkeit zu gewährleisten. Als Körperschutz wurden wahrscheinlich zuerst Metallplatten als Brustplatte verwendet, die vor die Brust gehängt wurden. Als Pectorale finden sie sich noch in der Legion der frühen römischen Republik. Doch bereits in der Bronzezeit entstanden Plattenpanzer die den Körper umhüllten, vor allem im griechischen Kulturkreis. So kam in Dendra ein mykenischer Glockenpanzer aus dem 14. Jahrhundert v. Chr. ans Licht, welcher allerdings äußerst sperrig und schwer ist . Seit dem Ende des 8. Jahrhunderts v. Chr. benutzten die Griechen kurze Brustpanzer, oft als Muskelpanzer ausgeführt, zu denen Beinschienen zum Schutz der Unterschenkel und ein Helm getragen wurden. Auf diese Weise schützte sich die schwere griechische Infanterie, die aus den Hopliten bestand. Die bronzene Rüstung der Hopliten – Panhoplia genannt – konnte über 30 kg wiegen und bot den gepanzerten Körperteilen einen exzellenten Schutz gegen die meisten der damals gebräuchlichen Nah- und Fernkampfwaffen. Auch bei den Römern waren bis zum Untergang des Römischen Reiches Brustpanzer aus Bronze und Eisen gebräuchlich, wozu zum Teil Schienen für die Unterarme und Unterschenkel getragen wurden. Im 2. Jahrhundert v. Chr. – möglicherweise noch früher – entwickelten die Kelten das Kettenhemd, das im selben Jahrhundert auch in der römischen Armee als Lorica hamata Verbreitung fand und zur wichtigsten Rüstungsart der Legionäre wurde. Die Plattenrüstung verlor in der Folgezeit an Bedeutung und wurden lediglich von hohen Offizieren getragen. Die Kettenrüstung wurde wiederum vom 1. bis zum 3. Jahrhundert zeitweilig von einem Schienenpanzer, der Lorica segmentata verdrängt, nur die Kavallerie behielt das Kettenhemd aufgrund der größeren Bewegungsfreiheit bei. In der Spätantike wurde der Schienenpanzer allerdings auch bei der Infanterie wieder zugunsten des Kettenhemds aufgegeben, vermutlich da letzteres einfacher instand zu halten war. Parallel dazu war vor allem bei Kavalleristen der Schuppenpanzer, modern als Lorica squamata bezeichnet, durchgehend in Verwendung. Nach dem Zerfall des Römischen Imperiums war im Frühmittelalter das Kettenhemd lange Zeit der bevorzugte Schutz der wohlhabendsten Krieger bzw. des Adels. Im Hochmittelalter kamen wieder Kettenrüstungen auf, welche fast den gesamten Körper einhüllten. Darunter trug man einen Steppwams , weil eine Kettenrüstung allein nur wenig vor der Wucht von Hiebwaffen schützt. Weitere Metallrüstungsarten, die zu dieser Zeit verwendet wurden, waren Schuppen- und seltener Lamellenpanzer. Vor dem wuchtigen Aufprall einer Lanze und vor allem vor der im 11. Jahrhundert in Europa aufkommenden Armbrust bot eine Kettenrüstung keinen ausreichenden Schutz. Auch der Langbogen schmälerte den Schutzwert der Kettenrüstung beträchtlich, so dass es erforderlich wurde, eine massivere Rüstungsart zu entwickeln. Bereits im späten 12. Jahrhundert ging man offenbar vereinzelt wieder dazu über, die Brust durch Metallplatten zu schützen. Im 13. Jahrhundert vollzog sich die allmähliche Entwicklung hin zur Plattenrüstung, die von den Plattnern gefertigt wurde. Zunächst begann man, die Gliedmaßen durch Metallplatten zu schützen. Etwa in der Mitte des 13. Jahrhunderts wurden die Knie durch Platten geschützt , um 1260 kamen die Ellbogen hinzu . Gegen Ende des 13. Jahrhunderts wurden vereinzelt die Schienbeine durch Metallplatten geschützt, die über oder eventuell unter der Kettenrüstung getragen wurden. Zur selben Zeit wurden auch die Handschuhe durch Metallplatten verstärkt, was aber noch recht selten geschah. Am Ende des 13. Jahrhunderts kamen erste Spangenharnische auf, auch als Plattenrock bekannt. Ein Plattenrock bestand aus mehreren rechteckigen Metallplatten, die sowohl vertikal als auch horizontal an der Innenseite eines Stoff- oder Ledergewandes genietet wurden. Um 1320 kamen Eisenschuhe auf, und in den 1320er Jahren wurden Armschienen üblich. Seit den 1330er Jahren wurden auch die Waden durch Metallplatten geschützt. Der Schutz für die Hände wurde Mitte des 14. Jahrhunderts durch Fingerhandschuhe verbessert, die komplett aus Platten bestanden. Um 1370 setzte sich schließlich der Brustpanzer durch. Wenige Jahre später wurde der am Brustpanzer angebrachte Rüsthaken üblich, auf den die Lanze aufgestützt werden konnte. Der einstige Topfhelm wurde durch die Beckenhaube abgelöst, die ursprünglich unter dem Kübelhelm getragen wurde. Diese wurden zuerst durch das Klappvisier und später durch das Absteckvisier zu einem vollwertigen Helm. Die häufigste Visierform, welche an die Schnauze eines Hundes erinnerte, nannte man Hundsgugel. Die meist adligen Träger waren nun durch eine Vollrüstung geschützt, die aus mehreren Dutzend Metallplatten bestand, welche durch zahlreiche Riemen, Niete und Scharniere flexibel miteinander verbunden waren. Mit der zunehmenden Vervollständigung des Plattenharnischs wurde der bei Kettenpanzern obligatorische Schild immer kleiner, bis man schließlich ganz auf ihn verzichtete. Um die Achseln und den Genitalbereich zu schützen, wurde entweder unter dem Plattenpanzer ein Kettenhemd getragen, oder an diesen Stellen war an dem Steppwams Kettengeflecht angebracht. Zusätzlich befestigte man zum Schutz der Achselhöhlen Metallscheiben an der Rüstung , teilweise vergrößert zu einer am Brustpanzer befestigten Platte vor Schulter und Lanzenarm . Die Plattenrüstung ist eine europäische Besonderheit. Ansätze einer vollständigen Plattenpanzerung gab es zwar auch bei den Türken, Persern und Indern, die zum Schutz des Rumpfes und der Gliedmaßen größere Metallplatten an ihren Kettenrüstungen befestigten. Aber nur in Europa fertigte man Rüstungen, die den ganzen Körper mit Metallplatten schützten. Viele Ritter und sonstige Adlige konnten sich eine Rüstung aus Platten allerdings nicht leisten und schützten sich daher nur durch Kettengeflecht. Entgegen weit verbreiteten Vorstellungen war es möglich, in einem für die Schlacht geeigneten Vollharnisch zu laufen, sich hinzulegen, wieder aufzustehen und sogar ohne Hilfe auf ein Pferd zu steigen. Ein spätmittelalterlicher/frühneuzeitlicher Vollharnisch wog durchschnittlich 20 bis 30 Kilogramm. Das Gewicht der maßangefertigten Rüstung war dabei sehr gleichmäßig über den Körper verteilt. Ein heutiger Soldat mit voller Ausrüstung trägt oftmals ein größeres Gewicht am Körper. Zudem wurden die Adligen seit ihrer Kindheit an das Tragen von Rüstungen gewöhnt. Dem späteren römisch-deutschen Kaiser Karl V. wurde bereits im Alter von zwölf Jahren eine Plattenrüstung geschmiedet, wobei ein Wams und eine Hose von ihm als Vorlage für den Plattner dienten. Das Bizarre daran war, dass er seine Kinderrüstungen nur selten trug, denn die Herstellung seiner allerersten Platte, die ihm im Alter von bereits fünf Jahren angemessen wurde, dauerte derart lange, dass er bereits aus ihr hinausgewachsen war. Die somit nie komplett fertiggestellte Platte ist in der Hof-, Jagd- und Rüstkammer in der Neuen Burg in Wien zu besichtigen. Das größte Problem an einer Plattenrüstung stellte keineswegs das Gewicht, sondern die Hitzeentwicklung dar. So soll der Herzog von York 1415 in der Schlacht von Azincourt an einem Herzinfarkt gestorben sein, der aus der großen Hitze in seiner Rüstung resultierte. Ein weiteres Problem war Rost, der insbesondere bei hoher Luftfeuchtigkeit entstand. Um eine Plattenrüstung vor dem Verrosten zu schützen, war es üblich, sie zu schwärzen oder anderweitig zu färben. Die Plattner mussten gute Kenntnisse über den menschlichen Bewegungsapparat besitzen, um möglichst flexible Rüstungen anfertigen zu können. Ein bis heute erhaltener Harnisch von König Heinrich VIII. umhüllt seinen Träger vollständig, ist dabei jedoch äußerst beweglich, weshalb er in den 60er Jahren von der NASA ausführlich studiert wurde, um Impulse für die Konstruktion eines effektiven Weltraumanzugs zu liefern. Der hohe Grad an Schutz, den historische Plattenpanzer boten, wurde mittlerweile durch experimentelle Archäologie und Tests belegt. Wie konkrete Tests mit simulierten Klingen an modernen Äquivalenten der historischen Werkstoffe zeigen, benötigt man zum Einkerben einer 1,9 mm dicken und 150HV harten Eisenplatte um 200 J Energie. Die historische Härte der Platten bewegte sich meist zwischen 200 und 300HV , der Kohlenstoffgehalt schwankte gewöhnlich zwischen 0,1 und 0,4 % und ihre durchschnittliche Dicke fand sich im Bereich zwischen 1,0 und 1,5 mm – hiermit war der Plattenpanzer faktisch undurchdringlich für jede Art Hieb oder Schnitt. Die einzige Möglichkeit, eine solche Rüstung zu bezwingen, war der Stich bzw. der Schlag gegen stoßempfindliche Körperpartien wie den Kopf oder Brustkorb. Da der Plattenpanzer an sich den bestmöglichen Schutz gegen Hiebwaffen bot, setzten sich deshalb mit der Entwicklung dieser Rüstungsart in der zweiten Hälfte des 14. Jh. die Schwerter vom Typ XV–XVIII durch. Die Plattenrüstungen wurden in Zweikämpfen oder Duellen in der Regel an ihren schwächsten Stellen durch Dolche, Stangenwaffen, Bohr- und Stichschwerter durchstoßen, wobei in den Fechtbüchern die sog. Halbschwerttechniken zu Verwendung kommen. Durch das Greifen des Schwertes in der Mitte der Klinge wurden Hebel- und Stoßtechniken eingesetzt, die einen Gegner in der Plattenrüstung entwaffneten, zu Boden brachten, zur Aufgabe zwangen oder verletzten. Die stichoptimierten Schwerter des 15.–16. Jh. wiesen in der Mitte der Klinge eine moderate Schärfe auf, oder gar eine Fehlschärfe, so dass es zu keinen Schnittverletzungen kam, wenn die Waffe sachgemäß eingesetzt wurde. Ringen war hiermit die wichtigste Taktik im Duell gegen Krieger in Plattenrüstung. Meist lief es am Ende darauf hinaus, dass der Kampf beim durch Ringtechniken am Boden fixierten Gegner mit dem Scheibendolch beendet wurde. Abgesehen von spezialisierten Harnischkampfschwertern waren die effektivsten und beliebtesten Waffen die Mordaxt bzw. der Kriegshammer, die sich im geharnischten Zweikampf einer großen Beliebtheit erfreuten – der Sinn dabei war entweder, den Plattenpanzer an seiner schwächsten Stelle zu durchstechen, oder dem Gegner mit einem Schlag eine stumpfe Prellung zu verpassen, ohne die Rüstung selbst zerstören zu müssen. Das populäre Bild vom Zerbeulen der Plattenrüstung mit einer stumpfen Hiebwaffe und dem Sieg durch „Knockout“ bzw. „Aufbrechen“ der Rüstung durch brutale Gewalt widerspricht zeitgenössischen Quellen und muss hiermit als ein Fantasieprodukt der Moderne betrachtet werden. Die Kräfte, die dazu benötigt werden, um jene Eisenplatten durch Deformierung oder Schneiden zu zerstören, liegen weit außerhalb physischer Möglichkeiten des Menschen, und sind ohne mechanisch-hydraulische Geräte nicht aufzubringen. Eine vollständige Plattenrüstung bestand in ihrer höchsten, am Anfang des 16. Jahrhunderts erreichten Entwicklung aus folgenden Teilen : Den Hals, ursprünglich nur durch die weit hinausreichende Helmbrünne gedeckt, schützte nun die mit dem Helm verbundene Halsberge. Mit derselben hingen oberhalb das aus mehreren übereinander greifenden Querschienen gebildete Kehlstück oder Gurgelplatte, seitlich die Achselstücke zusammen, an die sich vorn und hinten als besonderer Schutz gerundete Platten anschlossen, die Vorder- und Hinterflüge. Da der rechte Vorderflug zum Einsetzen der Lanze etwas kürzer war, schützte man die Achselhöhle durch eine mit einem spitzen Stachel versehene runde Platte, die Schwebscheibe. Die Armschienen bestanden aus dem Ober- und Unterarmzeug und den sie verbindenden, beweglichen Arm- oder Ellbogenkacheln oder Mäuseln. Die Hände wurden durch eiserne Handschuhe, Gantelets , geschützt. Brust- und Rückenstück des Harnisches, an denen sich meist Rüsthaken zum Auflegen der Lanzen befanden, waren durch Riemen miteinander verbunden und bestanden wohl aus einem beweglich übereinander greifenden Schienengeschübe, das man nach seiner Zusammensetzung Krebs nannte. Von anderen werden nur die in gleicher Weise zusammengesetzten Beinlaschen Krebse genannt. Sie wurden an dem vom Harnisch zu beiden Seiten über die Lenden fallenden, gleichfalls aus beweglichen Querschienen bestehenden Bauchschurz, auch Leib- und Hinterreifen genannt, mit Riemen befestigt. Die Geschlechtsteile schützte eine Schamkapsel, entweder aus einem Stück oder aus Maschengeflecht bestehend. Die Bedeckung der Beine zerfiel in drei Hauptteile: die Diechlinge für die Oberschenkel, die Kniebuckel, Kniekacheln oder -Kapseln und die Beinröhren für die Unterschenkel. Daran waren die Eisenschuhe befestigt, die früher mit langem Schnabel , etwa seit 1490 vorn stumpf waren . Die Hersteller von Plattenpanzern wurden in Deutschland Plattner genannt und waren in Zünften organisiert. Die Plattner kauften die zur Herstellung eines Harnisches nötigen Stahlplatten in der Regel von Großschmieden. Der Plattner bestimmte zunächst die Körpermaße seines Kunden. Konnte ein Kunde nicht persönlich erscheinen, ließ er dem Plattner zumindest Kleidungsstücke von sich zukommen. Entsprechend den Maßen zeichnete der Plattner ein Muster auf die Stahlplatten und löste den markierten Teil mit Meißeln und Metallscheren heraus. Dann wurden die Platten erhitzt und grob in die gewünschte Form gehämmert. Die Feinarbeit führten der Plattner und seine Mitarbeiter auf verschiedenen Ambossen mit kleinen Hämmern aus. Sie glühten die Platten dabei immer wieder aus, doch erfolgte ein Großteil der Arbeit am erkalteten Metall. Waren sämtliche Rüstungsteile fertiggestellt, wurde überprüft, ob sie ausnahmslos zusammenpassten und Nacharbeiten durchgeführt. Schlosser brachten Niete, Lederriemen und Scharniere an den Platten an. Danach wurden die Platten an lederbezogenen Holzscheiben poliert und gegebenenfalls mit Verzierungen versehen. Zusätzlich konnte der Plattner die Rüstungsteile schwarzfärben, was auch als Rostschutz diente. Dazu wurden Ölmischungen in die Platten eingebrannt. Auch eine blaue Färbung war möglich, indem erhitzte Platten im kalten Wasser abgeschreckt und wieder angelassen wurden. Rüstungen, die für das einfache Fußvolk gedacht waren, wurden auch lediglich mit Farbe bestrichen. Als letzter Arbeitsschritt ließ der Plattner die Rüstungsteile mit einem Futter aus Wolle oder Pflanzenfasern auspolstern, das mit Leinen, Tuch oder Seide überzogen wurde. Qualitativ hochwertige Plattenpanzer wurden im 15. Jahrhundert gegen Armbrustbolzen, im 16. und 17. Jahrhundert gegen Arkebusen- und Pistolenschüsse getestet. Wenn der Bolzen bzw. die Kugel vom Brustpanzer abprallte, wurde dieser mit dem Beschaustempel der entsprechenden Plattnerzunft versehen, welcher meist Bezug auf die Heimatstadt der Zunft nahm. Nur wenige Rüstungen konnten erfolgreich gegen Musketenschüsse getestet werden. Im 19. Jahrhundert wurde für die Kürasse ebenfalls eine Beschussprobe durchgeführt. Die Herstellung eines maßgefertigten Harnisches nahm meist mehrere Monate in Anspruch. Die Kosten für Plattenrüstungen konnten gewaltig sein. In der Regel kosteten sie mindestens so viel, wie ein damaliger Handwerksmann in mehreren Jahren verdiente. Seit dem frühen 16. Jahrhundert gab es Massenanfertigungen von Harnischen, die deutlich günstiger als die für den Adel maßgefertigten geschmiedeten Rüstungen waren. Dafür waren sie oftmals sperriger und boten weniger Schutz. Hier wurde Serienfertigung betrieben, womit mehrere Meister beschäftigt waren. Es wurden unterschiedlich große Formen gefertigt, und das Eisen wurde mittels eines Gegenstücks im warmen Zustand in die Form gepresst, heute Gesenk genannt. Bereits im frühen 15. Jahrhundert wurden Norditalien und Süddeutschland führend in der Produktion von Harnischen. Italienische Rüstungen waren bereits seit dem späten 13. Jahrhundert nach ganz Europa exportiert worden. Bedeutende Zentren der Harnischproduktion waren in Italien Mailand, Brescia, Florenz, Genua, Venedig, Modena und Rom, wobei die mailändischen Schmieden führend waren. Die wichtigsten Produktionszentren auf deutschem Boden waren Augsburg, Landshut und Nürnberg. Zu einer herausragenden Stellung brachte es darüber hinaus die Hofschmiede in Innsbruck, die Maximilian I. 1504 ins Leben rief. Kleinere Zentren existierten in Köln, Ulm, Wien, Magdeburg und Lübeck. Auch in anderen Ländern entstanden große Rüstungsschmieden, die meist von italienischen oder deutschen Meistern geleitet wurden. In Anlehnung an Maximilian richtete Heinrich VIII. von England im Jahre 1515 eine königliche Schmiede in Greenwich ein, in der vor allem Deutsche und Niederländer tätig waren. Auch die schottischen Könige unterhielten eigene Schmieden. Jakob IV. ließ seine Harnische seit 1502 in Edinburgh anfertigen, sein Nachfolger Jakob V. eröffnete 1531 in Holyrood eine weitere Hofschmiede. Französische Rüstungen wurden vor allem in Paris, aber auch in Saint-Quentin, Tours und Rouen hergestellt. In der Plattnerei zu Lyon wurden mailändische Schmiede beschäftigt. Osteuropäische Rüstungen stammten meist aus Krakau. Bereits im 15. Jahrhundert bildeten sich verschiedene Arten von Plattenrüstungen heraus, die für einen speziellen Verwendungszweck konzipiert worden waren. Die für den Einsatz in der Schlacht verwendeten Rüstungen der schweren Reiterei wurden Feldharnische oder Feldkürisse genannt. Für den Kampf zu Fuß trugen die Kämpfer einen Fußküriss. Es existierten verschiedene Arten von Feld- und Fußkürissen, darüber hinaus wurden Turnier- und Paraderüstungen hergestellt, die meist nicht für den Kriegsgebrauch geeignet waren. Auch Schlachtrösser konnten seit dem späten 14. Jahrhundert durch eine Plattenpanzerung geschützt werden. Im 15. Jahrhundert kamen Plattenrüstungen auf, die speziell für den Gebrauch auf Turnieren angefertigt wurden. Für den Kampf zu Pferd fand der so genannte Stechküriss Verwendung, der über 40 Kilogramm wiegen konnte. Er schränkte Beweglichkeit und Sichtfeld des Trägers deutlich stärker ein, als dies bei einem Feldküriss der Fall war. Allein der Helm eines Stechkürisses konnte über 10 Kilogramm wiegen und verfügte oftmals über eine Seitenklappe, um zwischen den einzelnen Durchgängen für Frischluft im Helm zu sorgen. Die Schulter- und Brustpartie auf der linken Körperseite wurde bei einer solchen Rüstung besonders stark geschützt, weshalb bei den meisten Stechkürissen eine deutliche Asymmetrie vorliegt. Ab 1490 kamen auch für das Turnier spezialisierte Plattenrüstungen auf. Manche Reiterharnische waren nicht nur für die Schlacht, sondern auch für das Turnier zu Pferd geeignet. Daneben existierten Fußturnier-Rüstungen, die als Kempfkürisse bezeichnet wurden. Bei den Kempfkürissen wurde auf den Rüsthaken verzichtet, da die Lanze im Fußturnier nicht zum Einsatz kam. Kempfkürisse waren meist symmetrisch gestaltet und glichen im Wesentlichen einem vollständigen Fußküriss. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts kamen Turniere beim europäischen Adel außer Mode, was zur Einstellung der Produktion von Turnierrüstungen führte. Besonders wohlhabende Adlige ließen sich prunkvoll verzierte Harnische anfertigen, die um ein Vielfaches teurer sein konnten als ein gewöhnlicher Feldharnisch. Die Ätzungen und Stiche auf diesen Prunkrüstungen stammten oftmals von berühmten Künstlern der damaligen Zeit. Dabei waren Motive aus der römischen und griechischen Antike sowie biblische Szenen besonders beliebt. Diese Rüstungen dienten meist repräsentativen Zwecken, einige von ihnen konnten aber auch im Kampf getragen werden. Eine besondere Erscheinung waren die so genannten gepufften und geschlitzten Harnische, die bis circa 1530 angefertigt wurden. Diese grotesk anmutenden Plattenpanzer ahmten die Bekleidung der Landsknechte nach und verfügten deshalb über gewaltige Armteile und angedeutete Schlitze. Solche Harnische werden auch als Kostümharnische bezeichnet. Oftmals gingen mit diesen Kostümharnischen auch äußerst groteske Gesichtshelme einher. Diese Helme hatten anstatt eines Visiers ein fratzenschneidendes Gesicht mit nur sehr kleinen Sehlöchern und Atemschlitzen. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurde es Mode, sich eine ganze Harnischgarnitur anfertigen zu lassen. Diese konnte aus über hundert Einzelteilen bestehen, die man je nach Bedarf zu einem Feld-, Fuß- oder Turnierharnisch zusammensetzen konnte. Dabei konnte unter anderem zwischen verschiedenen Turnierhelmen und Verstärkungsplatten für den Brustpanzer gewählt werden. Die Garnitur wurde in der Regel nach ihrem wichtigsten Dekorelement benannt, wie zum Beispiel die 1547 geschmiedete Adler-Garnitur, die aus 87 Einzelteilen besteht. Aus ihr lassen sich drei verschiedene Turnier- und fünf verschiedene Feldharnische zusammenstellen. Als Halbharnisch bezeichnet man eine Plattenrüstung, bei der das Beinzeug gänzlich fehlt. Dies war oftmals der beste Schutz, den sich ein einfacher Fußsoldat leisten konnte. Schlichte Halbharnische wurden in großen Mengen angefertigt und waren nicht annähernd so kunstvoll geschmiedet wie die maßgefertigten Harnische für den Adel. Der größte Teil des Fußvolkes war aber höchstens mit einer Art Schuppenpanzer oder einer ähnlich billigen Rüstung ausgestattet. Im 16. Jahrhundert wurde es auch bei Infanterie-Offizieren üblich, einen Halbharnisch zu tragen. Manche Adlige ließen sich als Prunkrüstung einen besonders aufwändig gefertigten Halbharnisch schmieden. Darüber hinaus konnte aus einer Harnischgarnitur ein Halbharnisch zusammengestellt werden, der meist als Fußküriss verwendet wurde. Bei den Dreiviertelharnischen fehlte das Unterbeinzeug, so dass sie nur bis zu den Knien reichten. Anstelle von Beinröhren für die Unterschenkel und Eisenschuhen trug man schwere Lederstiefel, zudem verzichteten viele Reiter auf die Eisenhandschuhe. In der Mitte des 16. Jahrhunderts setzte sich der Dreiviertelharnisch bei den leichten Lanzenreitern und Kürassieren durch, während viele schwere Lanzenreiter weiterhin einen vollständigen Küriss trugen. Im späten 16. Jahrhundert gingen die Schützen zu Pferd, also die Kürassiere und Arkebusierreiter, dazu über, sich mit einem Trabharnisch zu schützen. Dabei handelte es sich um einen Dreiviertelharnisch ohne Rüsthaken, der Beintaschen und Diechlinge zu langen Schößen vereinte, die aus über 14 Platten bestehen konnten und meist durch Kniekacheln vervollständigt wurden. Die Schöße wurden in Kniehöhe an die Beine gebunden. Trabharnische kamen bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts zum Einsatz und fanden auch bei Infanterieoffizieren Verbreitung. Im 14. Jahrhundert ging man dazu über, auch Schlachtrösser mit einem Plattenpanzer zu schützen, da Pferde in der damaligen Kriegsführung äußerst wichtig waren und in der Schlacht oftmals gezielt angegriffen wurden. Ein Rossharnisch wog annähernd so viel wie ein Vollharnisch für einen Menschen, also circa 20 bis 30 Kilogramm. Er bedeckte einen Großteil des Pferdekörpers mit Ausnahme der Beine. Es soll auch Rossharnische mit voll beweglichen Beinteilen gegeben haben, was aber noch nicht belegt werden konnte. Rossharnische konnten prunkvoll verziert werden, meist geschah dies im stilistischen Einklang mit dem Harnisch des Reiters. Es fällt auf, dass bereits die bronzenen Brustpanzer der Griechen und später auch der Römer von der damaligen Kunst beeinflusst waren – so wurde auf der Oberfläche des Panzers die Muskulatur des Trägers nachgeformt , wobei oftmals stark idealisiert wurde. Ähnliche Tendenzen sind auch in der griechischen und römischen Bildhauerei zu beobachten. Als die ersten Vollharnische Ende des 14. Jahrhunderts aufkamen, wirkten diese zunächst recht grob und kantig. So verwundert es nicht, dass die ersten Brustpanzer im deutschen Sprachraum als „Kastenbrust“ bekannt waren. Diese frühen Brustpanzer verjüngten sich zur Taille hin abrupt, was im Europa des späten 14. Jahrhunderts als modisch empfunden wurde. Bereits in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts kamen von Italien ausgehend Plattenpanzer mit abgerundeten Formen auf. Die italienischen Harnische waren in der Regel asymmetrischer als die in Deutschland produzierten. Charakteristisch war ihr wuchtiges Erscheinungsbild. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts kam der so genannte gotische Rüstungsstil auf, der besonders in Deutschland vorherrschte. Die gotischen Harnische waren recht schlank und filigran gearbeitet. Das Brustteil war geschiftet und die Eisenschuhe ahmten mit ihren langen, absteckbaren Spitzen die damals üblichen Schnabelschuhe nach. Die stromlinienförmige Schaller vervollständigte die Rüstung. Infolge der Renaissance setzten sich Harnische durch, die deutlich runder und körperlicher waren als die der Spätgotik. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurde der Riefelharnisch sehr beliebt, der fast an seiner gesamten Oberfläche geriffelt war, was sehr dekorativ wirkte. Dazu trug man Eisenschuhe mit besonders breiter Spitze. Sie wurden den damaligen „Kuhmaulschuhen“ nachempfunden, diese erfreuten sich damals großer Beliebtheit. Die Herstellung von Riefelharnischen war dermaßen teuer, dass sie bereits um 1540 gänzlich eingestellt wurde. Im selben Jahrhundert kopierte man zum wiederholten Male Zivilkleidung, indem man Brustpanzer mit einem so genannten Gansbauch versah. Auch bei dem am Brustpanzer angebrachten Tonnenrock handelte es sich um die eiserne Nachbildung eines damals üblichen Kleidungsstücks. Der Tonnenrock wurde in erster Linie beim Fußturnier getragen. Damit man aber mit ebendiesen Tonnenröcken auch reiten konnte, versah man diese Röcke mit abnehmbaren Öffnungen vorne und hinten, die exakt auf die Sitzposition zu Pferd angepasst waren. Der Einfluss der Renaissance zeigt sich insbesondere bei den Prunkharnischen des 16. Jahrhunderts, die oftmals antiken Rüstungsteilen nachempfunden waren und auf denen Szenen aus der griechischen und römischen Geschichte oder Mythologie abgebildet waren. Solche Rüstungen wurden vor allem in Italien hergestellt, wo sie als „all'antica“ oder „alla romana“ bekannt waren. Manche Paradeharnische wurden mit einem Brustpanzer versehen, auf dem nach antikem Vorbild die menschliche Bauch- und Brustmuskulatur nachgebildet worden war. Dieser Stil war in Italien als „all'eroica“ bekannt. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts machte sich die beginnende Kunstepoche des Barock auch bei den Plattenrüstungen bemerkbar. So wurden starke Hell-Dunkel-Kontraste und ausladende Formen sehr beliebt. Im Verlauf des 17. Jahrhunderts wurden die meisten Rüstungen immer schlichter und funktionaler, bis sie fast gänzlich außer Gebrauch kamen. Die letzten für das Feld geeigneten Harnische ahmten die zivile Mode in keiner Weise mehr nach, und ihre als Rostschutz gedachte Schwärzung ist als einziges dekoratives Element auszumachen.
2024-11-24 16:46:21
https://de.wikipedia.org/wiki/Tr%C3%BCberbrook
Trüberbrook ist ein Videospiel des deutschen Produktionsunternehmens bildundtonfabrik. Das Adventure spielt in den 1960er-Jahren im namensgebenden fiktiven deutschen Dorf Trüberbrook. Das Spiel wurde erstmals im März 2019 als Download veröffentlicht. Besondere Aufmerksamkeit fand die Presse für den aufwendigen Grafik-Stil, der mit Photogrammetrie ermöglicht wurde. Trüberbrook gewann den Deutschen Computerspielpreis 2019 in den Kategorien „Beste Inszenierung“ und „Bestes Deutsches Spiel“. Hauptfigur ist der junge, US-amerikanische Physikdoktorand Hans Tannhauser, der anscheinend in einem Preisausschreiben eine Reise nach Westdeutschland in das ländliche, abgelegene Dorf Trüberbrook gewonnen hat. Tannhauser folgt der Einladung in die idyllische Gegend. Der Diebstahl seiner Abhandlungen in Quantenphysik aus seiner Unterkunft im Gasthaus Waldeslust wird zum Beginn eines Abenteuers verbunden mit der Aufgabe, die Welt zu retten. In Trüberbrook lernt Tannhauser die Paläoanthropologin Gretchen Lemke kennen, die ihn bei dieser Aufgabe begleitet. Das Spiel wurde von bildundtonfabrik in der eigens dafür eingerichteten Niederlassung in Berlin entwickelt. Autor, Regisseur und Schöpfer der Spielwelt ist der Designer Florian Köhne. Publisher ist das Dürener Label Headup Games. Die Arbeiten an dem Videospiel begannen 2015. Als Testlauf für die Entwicklung eines Adventure-Spiels wurden die Spiele Game Royale – Jäger der verlorenen Glatze und Game Royale – The Secret of Jannis Island entwickelt und als Begleitmaterial zur Fernsehsendung Neo Magazin Royale veröffentlicht. Finanziert wurde die Entwicklung des Spiels über Querfinanzierung durch Erlöse aus den Fernseh- und Videoproduktionen, durch eine Förderung des Medienboard Berlin-Brandenburg in Höhe von 80.000 € und über eine Kickstarter-Kampagne. Die unter anderem von Ron Gilbert prominent unterstützte Kampagne wurde am 14. November 2017 gestartet und erreichte ihr Ziel von 80.000 € bereits am folgenden Tag. Sie endete nach 30 Tagen bei einem Stand von knapp 200.000 €, womit Trüberbrook das erfolgreichste Crowdfunding-Spiel aus Deutschland im Jahr 2017 wurde. Sprecher der Spielfiguren sind unter anderem Justin Beard, Nora Tschirner, Dirk von Lowtzow und Jan Böhmermann. Diese übernahmen neben ihrer deutschen Sprechrolle auch ihren jeweiligen englischsprachigen Part, um den Dorfbewohnern in der internationalen Spielfassung einen authentischen deutschen Akzent zu verleihen. Der Sprecher Pat Murphy verlieh als Einziger gleich vier verschiedenen Figuren seine Stimme. Ein großer Aufwand bei der Entwicklung floss in die Gestaltung der Kulissen des Spiels. Diese wurden zunächst als physische Modelle aufgebaut, dann mit unterschiedlichen Dekorationen und Lichtstimmungen mittels Photogrammetrie als 3D-Daten digitalisiert und letztlich am Computer nachbearbeitet. Umgesetzt wurde das Videospiel mit der Engine Unity 3D. Eine erste spielbare Demo-Version von Trüberbrook wurde im Rahmen der Gamescom 2018 in Köln vorgestellt. Die 100 Vorbesteller der Early-Access-Version erhielten am 2. März 2019 auf Steam Zugriff auf eine Vorabfassung des Spiels. Am 12. März 2019 wurde das Spiel über Steam und GOG für PC-Spieler veröffentlicht. In den physischen Verkauf in der D-A-CH-Region ging die PC-Version am 14. März 2019. Am 17. und 18. April 2019 begannen der digitale und der weltweite physische Verkauf der Konsolen-Version. In den ersten Kritiken zum Spiel wurde vor allem der aufwändige Look gelobt. Negativ fiel den Testern hingegen auf, dass die Rätsel oft sehr leicht sind und auch die Spieldauer eher kurz sei. Das Setting und die Geschichte kamen bei Kritikern unterschiedlich gut an. Manche lobten die SciFi-Geschichte, andere fanden die Dialoge einfallslos. Es erinnere an Twin Peaks. In der Fachzeitschrift GameStar erhielt das Spiel eine Wertung von 83 % und eine Auszeichnung für die gelungene Präsentation, Computer Bild Spiele bewertete Trüberbrook mit der Testnote 2,0 . Trüberbrook wurde in insgesamt 4 Kategorien für den Deutschen Computerspielpreis 2019 nominiert: Bestes Deutsches Spiel, Bestes Jugendspiel, Beste Inszenierung sowie Beste Innovation. Das Spiel gewann den Preis in den Kategorien „Bestes Deutsches Spiel“ und „Beste Inszenierung“. Im Rahmen des 26. Internationalen Trickfilm-Festival Stuttgart wurde Trüberbrook mit dem „Animated Games Award“ für die beste visuelle Gestaltung und Ästhetik ausgezeichnet. Zudem wurde das Spiel in sechs Kategorien für den Deutschen Entwicklerpreis 2019 nominiert. Das Schwarze Auge: Drakensang • Anno 1404 • A New Beginning • Crysis 2 • Chaos auf Deponia • The Inner World • Lords of the Fallen • Anno 2205 • Portal Knights • Witch It • Trüberbrook • Anno 1800 • Desperados III • Chorus • Chained Echoes
2024-12-04 02:55:19
https://de.wikipedia.org/wiki/Naptalam
purpurfarbener Feststoff mit unangenehmem Geruch fest 1,40 g·cm−3 203 °C sehr schwer löslich in Wasser Naptalam ist eine synthetisch hergestellte chemische Verbindung aus der Gruppe der Benzamide, die zur Unkrautbekämpfung eingesetzt wird. Naptalam kann durch Reaktion von Phthalsäureanhydrid mit 1-Naphthylamin und Natriumhydroxid gewonnen werden. Naptalam ist ein brennbarer, wenig flüchtiger, purpurfarbener Feststoff mit unangenehmem Geruch, der sehr schwer löslich in Wasser ist. Er zersetzt sich bei Erhitzung. Sein Natriumsalz ist sehr gut löslich. Naptalam wird als Herbizid verwendet. Es stört die Wachstumsrichtung von Wurzeln. Die Wirkung beruht auf der Hemmung des Auxin-Transportes. Das Natriumsalz von Naptalam ist in den USA als Vorauflauf-Herbizid zur Bekämpfung von Blattunkräutern bei Kürbisgewächsen und Baumschulbeständen zugelassen. Es wurde 1949 von der Uniroyal Chemical Company entwickelt und 1956 als Herbizid zugelassen. Naptalam ist 2002 nicht in die Liste der in der EU zugelassenen Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffe aufgenommen worden. In Deutschland, Österreich und der Schweiz sind keine Pflanzenschutzmittel mit diesem Wirkstoff zugelassen. Das Natriumsalz von Naptalam hat gemäß Anhang VI der Verordnung Nr. 1272/2008 die harmonisierte Einstufung H302.
2024-12-02 10:28:49
https://de.wikipedia.org/wiki/Ilm_(Lahn)
Die Ilmquelle auf dem Grauhain im Rothaargebirge Deutschland Die Ilm ist ein etwa 2 km langer, westnordwestlicher und orographisch linker Zufluss der Lahn im nordrhein-westfälischen Kreis Siegen-Wittgenstein. Die Ilm entspringt und verläuft jeweils im Süden von Rothaargebirge und Westfalen im Südosten des im Naturparks Sauerland-Rothaargebirge. Ihre Quelle liegt an der Grenze von Siegerland und Wittgensteiner Land und an jener der Gemarkungen Nenkersdorf und Walpersdorf zwischen dem Nenkersdorfer Weiler Lahnhof im Süden und dem Bad Laaspher Ortsteil Großenbach im Nordnordosten. Sie befindet sich etwa 830 m südsüdwestlich vom Berggipfel des Jägerhain und 490 m nördlich von jenem des Grauhain auf rund 623 m ü. NHN; direkt neben der Quelle ist in der Deutschen Grundkarte auf der Eisenstraße des Rothaargebirges ein Punkt mit 622,7 m Höhe verzeichnet. Die Ilmquelle könnte eine Schicht- oder eine Störungsquelle sein. Nördlich bis östlich vom Grauhain und südlich bis südöstlich vom Jägerhain fließt die Ilm durch ein enges und unbesiedeltes Waldtal – ostsüdostwärts durch das Wittgensteiner Land. Im unteren Talbereich liegen am Bach zwei Teiche. Schließlich gelangt die Ilm nahe Welschengeheu, einem Weiler des zu Bad Laasphe gehörenden Volkholz, in das obere Lahntal, in dem sie südwestlich des Weilers am Ostrand der Gemarkung Nenkersdorf auf etwa 485 m Höhe in den dort aus Richtung Südwesten heranfließenden Rhein-Nebenfluss Lahn mündet; ihre Mündung liegt beim Lahn-Kilometer 190,87. Die Ilm entspringt in der naturräumlichen Haupteinheitengruppe Süderbergland an der Grenze der Haupteinheit Siegerland mit der Untereinheit Siegerländer Rothaar-Vorhöhen im Westen zur Haupteinheit Rothaargebirge mit der Untereinheit Dill-Lahn-Eder-Quellgebiet im Osten. Sie fließt durch den zur Untereinheit Dill-Lahn-Eder-Quellgebiet gehörenden Naturraum Ederkopf-Lahnkopf-Rücken . Das Einzugsgebiet der Ilm ist 1,871 km² groß. Wegen der nahe dem Grauhaingipfel befindlichen Lage weist ihre Quelle ein kleines Einzugsgebiet auf. Daher führt der Bach meist wenig Wasser und trocknet manchmal ganz aus. Zu den Ilmzuflüssen gehören drei kleine Fließgewässer; zwei davon münden linksseitig von Norden, das andere rechtsseitig von Südwesten. Südlich oberhalb des Ilmoberlaufs liegt das Naturschutzgebiet Auerhahnwald . Der gesamte Bachlauf befindet sich im Landschaftsschutzgebiet Gemeinde Netphen und im Fauna-Flora-Habitat-Gebiet Rothaarkamm und Wiesentäler . Direkt östlich vorbei an der Ilmquelle führt als Teil der Landesstraße 722 auf 622,7 m Höhe die Eisenstraße des Rothaargebirges. Parallel zur Straße verläuft der Rothaarsteig. Südlich der Ilm steht nahe ihrer Mündung in die Lahn am Ende der Kreisstraße 34 eine Schutzhütte. Dillquelle | Ederquelle | Ferndorfquelle | Friedensquelle | Hoppeckequelle | Ilmquelle | Ilsequelle | Lahnquelle | Lennequelle | Möhnequelle | Ochsenborn | Ruhrquelle | Siegquelle | Sombornquelle
2024-12-01 23:59:12
https://de.wikipedia.org/wiki/AB_Gladsaxe
Der Akademisk Boldklub Gladsaxe ist ein dänischer Fußballverein. Er wurde 1889 als Fusion des Fredericia-studenteres kricketclub mit dem Polyteknisk Klub gegründet. Die Heimtrikots des Klubs sind grün und weiß längsgestreift. Hose und Stutzen sind komplett in weiß. Der Verein wurde 1889 von einer Gruppe Studenten gegründet. Einzige Voraussetzung zur Aufnahme war die Zugehörigkeit an der Universität. Zwischen 1889 und 1903 nahm der Verein an einem Wettbewerb teil, in dem die inoffizielle Meisterschaft ausgetragen wurde. Bereits in der ersten Saison gewann der neue Verein eine dänische Meisterschaft. Sieben Mannschaften nahmen damals teil; gespielt wurde einmal gegen jeden. Mit sechs Siegen aus sechs Begegnungen war AB Gladsaxe das erfolgreichste Team und gewann den Titel. Mit 32 erzielten Treffern und nur vier Gegentreffern hatte die Mannschaft die beste Tordifferenz. Im Folgejahr musste man sich Kjøbenhavns Boldklub geschlagen geben, gewann dann aber 1891/92 den Titel erneut. Von fünf Mannschaften hatten drei die gleiche Punktzahl; AB gewann auf Grund der besseren Tordifferenz. 1894, 1895 und 1896 wurde der Titel verteidigt. Erst 1896/97 schaffte es Kjøbenhavns Boldklub, den Universitätsklub zu stürzen. 1898/99 gewann man erneut den Titel. 1903/04 nahm AB Gladsaxe an einer Kopenhagener Meisterschaft teil, die im ersten Jahr mit fünf Mannschaften ausgetragen wurde. Zur Spielzeit 1912/13 wurde diese in die nationale Meisterschaft umgewandelt. Bis 1918 war AB dort aber eher weniger erfolgreich. 1909, 1911 und 1917 wurde man Vizemeister; erst 1919 gewann die Mannschaft erstmals nach zwanzig Jahren wieder die Meisterschaft. 1921 folgte ein weiterer Erfolg. Eine weitere Blütezeit erlebte der Klub zwischen 1943 und 1952: Innerhalb von neuen Jahren gewann AB vier Meistertitel. Zwischen 1943 und 1957 schnitt das Team nie schlechter als Platz vier ab. 1960 stieg man als Tabellenelfter in die zweite Liga ab, kehrte aber bereits nach einem Jahr zurück, um 1964 erneut abzusteigen. Wiederum dauerte der Wiederaufstieg nur eine Spielzeit und man meldete sich 1966 mit Platz sechs zurück. Den bisher letzten Titel gab es 1967. Mit 14 Siegen und 31 Punkten hatte AB je zwei mehr als Konkurrent BK Frem København. 1968 nahm AB am 2. Intertoto-Cup teil, schied aber in Gruppe B7 mit nur einem Sieg als Letzter aus. Einzig beim 1:0-Erfolg gegen den FC Tirol Innsbruck behielt man die Punkte. Gegen den deutschen Vertreter Eintracht Braunschweig setzte es auswärts eine 0:2-Niederlage, konnte zu Hause allerdings einen Punkt beim 0:0 erkämpfen. Bereits seit den 1970er Jahren und vor allem nach Einführung des Profifußballs in den 1980er Jahren versank der Klub mehr und mehr in der Bedeutungslosigkeit. 1973 stieg man zum wiederholten Mal ab. Dieses Mal gelang nicht der sofortige Wiederaufstieg. 1985 folgte sogar der Absturz in die Drittklassigkeit, aus der erst 1994 die Rückkehr in die 2. Liga gelang. Zwei Jahre später, 1996, folgte der bislang letzte Aufstieg in die Erstklassigkeit und die erstmalige Zugehörigkeit zur Superliga, als man hinter Hvidovre IF Vizemeister der zweiten Liga wurde. Im April 1998 wurde Per Frimann Präsident des Vereins. Kurz darauf suspendierte er den damaligen Trainer Christian Andersen, nachdem dieser angekündigt hatte, im Oktober 1998 zu Ligakonkurrenten FC Kopenhagen wechseln zu wollen. 1999 gewann der Klub erstmals in der Vereinsgeschichte den Landspokalturneringen, den dänischen Pokal, und erspielte den dritten Rang in der Liga, der im Folgejahr verteidigt wurde. Bereits 1956 und 1995 hatte die Mannschaft im Finale um den Cup gestanden, musste sich aber erst mit 0:1 dem BK Frem København und fast vierzig Jahre später mit 0:5 dem FC Kopenhagen geschlagen geben. Im Endspiel von 1999 stand man Aalborg BK gegenüber und gewann mit 2:1. Zum Man of the Match wurde damals AB-Spieler René Henriksen gewählt. Zwei Jahre darauf stand man erneut im Finale, musste sich aber Silkeborg IF mit 1:4 geschlagen geben. Mit Jan Michaelsen wurde erneut ein AB-Spieler bester Spieler der Begegnung. Durch den dritten Platz in der Liga 1999 war der Verein berechtigt, am UEFA-Pokal 1999/2000 teilzunehmen. Dort schied man aber bereits nach der ersten Runde mit 0:2 und 1:1 gegen die Grasshopper Zürich aus. Im Jahr darauf schied man bereits in der Qualifikationsrunde zum UEFA-Pokal aus. In der Spielzeit 2003/04 fand man sich nach vier sieglosen Spielen zu Saisonbeginn im Tabellenkeller wieder. Mit 17 Punkten aus 33 Spielen fehlten 14 Zähler auf einen Nichtabstiegsplatz. Seit dem Abstieg im Jahr 2004 spielt AB in der zweithöchsten dänischen Spielklasse, der Viasat Sport Division. Nach dem Abstieg erreichte man den elften Platz in der zweiten Liga und rückte zeitweise in Gefahr, erneut abzusteigen. Im Folgejahr reichte es nur zu Platz zwölf, drei Punkte vor dem ersten Absteiger Lolland-Falster Alliancen. Erst 2007/08 erholte man sich wieder und erspielte mit dem siebten Platz einen einstelligen Tabellenplatz. Ein Jahr später verpasste die Mannschaft den Aufstieg knapp. Hinter Herfølge BK und Silkeborg IF reichte es nur zu Platz drei. Im Vorlauf zur Saison 2009/10 investierte der Verein viel Geld in neue Spieler, um wieder erstklassig spielen zu können. Verpflichtet wurden dabei unter anderem Casper Henningsen, Simon Bræmer und Carsten Fredgaard, die zum Teil auf Nationalmannschaftsaktivitäten zurückblicken können. Doch reichten alle Bemühungen nur zu einem vierten Platz. In der Spielzeit 2011/12 verließ AB die Abstiegsränge erst am letzten Spieltag durch einen Auswärtssieg bei Hobro IK. Die Physiker Harald und Niels Bohr spielten einst für den Verein. Andere Spieler waren Knud Lundberg, der dänischer Fußball-, Handball- und Basketballnationalspieler war, und Karl Aage Hansen, der in 22 Länderspielen 17 Tore für Dänemark erzielte. Während die Bohr-Brüder um die Jahrhundertwende für den AB spielten, waren Lundberg und Handen in der zweiten Erfolgsperiode des Vereins zwischen Ende des Zweiten Weltkriegs und Mitte der 1950er Jahre aktiv. AB nahm siebenmal an europäischen Wettbewerben teil, kam jedoch nie über die zweite Runde hinaus. Gesamtbilanz: 20 Spiele, 5 Siege, 4 Unentschieden, 11 Niederlagen, 30:33 Tore Auswahl unvollständig Aarhus Fremad | BK Frem Kopenhagen | Fremad Amager | AB Gladsaxe | HIK PRO Fodbold | FC Helsingør | Ishøj IF | Middelfart G&BK | Nykøbing FC | Næstved BK | Skive IK | Thisted FC
2024-11-24 01:29:42
https://de.wikipedia.org/wiki/Fondation_nationale_des_sciences_politiques
Die Fondation Nationale des Sciences Politiques wurde 1945 auf Betreiben von Charles de Gaulle gegründet, um die École libre des sciences politiques in das Institut d’études politiques de Paris umzuwandeln. Heute bildet die FSNP das Management von Sciences Po und gleichzeitig den zentralen Forschungszweig der Schule, das Centre d’Étude pour la Vie Politique Française . Trotz der Vorrangstellung in der politischen Forschung in Frankreich ist die Stiftung nach Privatrecht gegründet. Neben der Fondation Maison des Sciences de l’Homme ist FNSP die einzige französische Stiftung mit dem Status eines staatlichen Versorgungsbetriebs. Émile Boutmy gründete 1872 die École Libre des Sciences Politiques , um eine neue Elite in der politisch-moralischen Krise nach dem Deutsch-Französischen Krieg auszubilden. Anfangs hatte Boutmy weder Reichtum noch eine Reputation aufzuweisen. Trotzdem gelang es ihm, einen Eckpfeiler der französischen politischen Bildung zu errichten. Er leitete die Schule bis 1906. 1945 wurde die Schule teilweise verstaatlicht und aufgeteilt in einen schulischen Teil, das Institut d’Etudes Politiques , und einen Verwaltungsteil, die Fondation Nationale des Sciences Politiques . Mit der Leitung wurde Soziologe André Siegfried beauftragt. Nach dem Tod Siegfrieds, 1959, übernahm der Historiker Pierre Renouvin die Leitung bis 1971, als der Politiker François Goguel ihn ablöste. Sein Nachfolger, René Rémond, übernahm die Leitung 1981 und blieb bis 2007 im Amt. Ihm folgte der Wirtschaftswissenschaftler Jean-Claude Casanova, der bis 2016 im Amt verblieb. Von 2016 bis 2021 leitete der Jurist und Politologe Olivier Duhamel die Stiftung, seit 2013 bis 2021 war der Direktor des Institut d'études politiques de Paris Frédéric Mion Verwaltungschef der Stiftung. Das FNSP gibt im Verlag Presses de la Fondation Nationale des Sciences Politiques Forschungsarbeiten heraus.
2024-11-23 14:46:24
https://de.wikipedia.org/wiki/Adam_Mickiewicz
Adam Bernard Mickiewicz, war ein polnischer Dichter der Romantik. Er gilt als bedeutendster der Drei Barden der Polnischen Romantik in einer Zeit der Nichtexistenz eines polnischen Nationalstaats und als Nationaldichter Polens. Sein Werk, darunter das berühmte Versepos "Pan Tadeusz", spiegelten den Kampf für Freiheit und Unabhängigkeit wider. Mickiewicz lehrte auch am Collège de France und engagierte sich politisch. Seine Werke und sein Erbe beeinflussen bis heute die polnische Literatur und Kultur. Sein Vater Mikołaj Mickiewicz war Rechtsanwalt und gehörte dem Herb Poraj in der Szlachta an. Er erzog seine Söhne im Geist der Aufklärung und zu Patrioten. Adam Mickiewicz kam während seines Studiums an der Universität Wilna in Kontakt mit dem patriotischen Professor für Geschichte Joachim Lelewel und der polnischen Befreiungsbewegung. Nach Abschluss des Studiums arbeitete er als Lehrer an der polnischen Schule in Kaunas . 1823 wurde er als Mitbegründer des polnisch-nationalen Philomatenbundes mit seinen Freunden verhaftet, zunächst für sechs Monate in einem Kloster inhaftiert und dann 1824 nach Zentralrussland verbannt. In den Jahren 1824 bis 1829 lebte er vorwiegend in Moskau und St. Petersburg. In dieser Zeit gewann er Freunde unter den Führern des Dekabristenaufstandes, den Dichtern Kondrati Rylejew und Michail Bestuschew-Rjumin. In Moskau stand er in Kontakt mit Alexander Puschkin, aber auch mit der dort lebenden polnischen Pianistin Maria Szymanowska, deren Tochter Celina er heiratete. 1829 begann Mickiewicz eine fast zweijährige Reise durch Westeuropa. Unter anderem verbrachte er längere Zeit in Berlin, Venedig, Florenz, Neapel und Rom. Vom 19. bis 31. August 1829 besuchte er Johann Wolfgang von Goethe in Weimar. Diese Begegnung verarbeitete Louis Fürnberg in seiner Novelle Die Begegnung in Weimar . Im Sommer 1830 traf er zufällig mit Goethes Sohn August von Goethe in der italienischen Hafenstadt Genua erneut zusammen. Im selben Jahr reiste Mickiewicz, nachdem er in Rom die Nachricht vom Novemberaufstand in Polen erhalten hatte, an die Grenzen des damaligen Kongresspolens. Mickiewicz blieb allerdings im sicheren Preußen. Der Aufstand scheiterte. Den sog. Polenkrawall in Fischau, bei dem zehn Aufständische, die in Preußen Asyl gefunden hatten, erschossen wurden, verarbeitet er in seiner Pilger-Litanei . Mickiewicz ging mit der „großen Emigration“ nach Paris. Dort propagierte er weiter die polnische Unabhängigkeit und lehrte ab 1840 Slawistik am Collège de France. 1844 wurde er jedoch wegen der Verbreitung politischer und religiöser Ideen des Messianismus entlassen. 1848 organisierte Mickiewicz in Italien die polnischen Legionen im Rahmen der Märzrevolution im Kaisertum Österreich. Ab 1852 war er Bibliothekar an der Bibliothèque de l’Arsenal in Paris. 1855 starb der Dichter, dessen Krimsche Sonette im deutschen Sprachraum am bekanntesten wurden, im Alter von 58 Jahren in Konstantinopel an der Cholera, als er dort mit Unterstützung Frankreichs polnische und jüdische Einheiten für den Krimkrieg gegen Russland sammelte. Mickiewicz' Leichnam wurde mit dem Schiff nach Frankreich übergeführt und auf dem Friedhof der polnischen Emigranten in Montmorency bei Paris beigesetzt. 1890 wurde er in die Königsgruft des Wawel in Krakau – eine Stadt, die er zeit seines Lebens nie gesehen hatte – umgebettet. Die genauen Umstände des Todes hat der in Konstantinopel lebende deutsche Journalist und Sozialdemokrat Friedrich Schrader im Jahre 1917 in seinem Essay Aus der Polenzeit Peras beschrieben, das auf Interviews mit Mitgliedern der damals dort recht bedeutenden polnischen Gemeinde basiert. Während Adam Mickiewicz’ Frühwerk von ländlich-idyllischen Motiven bestimmt wird, richtete sich sein Wirken immer mehr auf die Propagierung eines unabhängigen Polens aus. Auch paneuropäische Forderungen finden sich darin. Mickiewiczs Werk wurde später zur Pflichtlektüre an polnischen Schulen und literarische Kritik am Autor zu Kritik an der Nationalstaatsidee des Landes umgedeutet. Polen Weitere Länder Heute sind nach Mickiewicz unter anderem die Adam-Mickiewicz-Universität Posen und das polnische Adam-Mickiewicz-Institut benannt, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, die polnische Kultur im Ausland zu vertreten, vergleichbar mit dem deutschen Goethe-Institut. Seit 1996 ist der Asteroid Mickiewicz nach ihm benannt. Ferner sind Straßen nach ihm benannt, z. B. in Rom und in Timișoara . Seit 2006 wird vom Komitee Weimarer Dreieck alljährlich der Adam-Mickiewicz-Preis für Verdienste um die deutsch-französisch-polnische Zusammenarbeit vergeben. Lehrstuhl für Griechisch an der Académie de Lausanne: Conrad Gessner | Jean Ribit | François de Saint-Paul | Quintin le Boiteux | Théodore de Bèze | Pierre Núñez Vela | Jean Espaulaz | Aemilius Portus | Jean de Serres Lehrstuhl für Gräzistik an der Université de Lausanne: André Bonnard | André Rivier | François Lasserre | Claude Calame | David Bouvier Lehrstuhl für Latein an der Académie de Lausanne: Adam Mickiewicz | Auguste Turrettini Lehrstuhl für Latinistik an der Université de Lausanne: Paul Vallette | Frank Olivier | Pierre Schmid | Philippe Mudry | Danielle van Mal-Maeder
2024-12-02 11:28:13
https://de.wikipedia.org/wiki/Landsberger_Arkaden
Die Landsberger Arkaden sind ein Bauwerk am S-Bahnhof Landsberger Allee im Berliner Ortsteil Fennpfuhl des Bezirks Lichtenberg. Sie beherbergen das andel’s Hotel Berlin. Vor dessen Entstehung waren sie über etwa zehn Jahre die größte Investitionsruine Berlins. Der 1996 begonnene Bau an der Kreuzung Landsberger Allee/Storkower Straße wurde vom 1997 verstorbenen Architekten Aldo Rossi entworfen und sollte mit seiner eleganten Architektur und dem zwölfgeschossigen Turm als Blickfang eine städtebauliche Dominante setzen. Geplant waren ein Hotel mit 160 Betten, ein großes Einkaufszentrum, Büros und Praxen sowie eine Hotelakademie. Das Bauensemble sollte das „Eingangstor zu Lichtenberg“ darstellen. Im Jahr 1997 lief die Baugrube unter Wasser. Drei Jahre nach der Grundsteinlegung wurden die Arbeiten eingestellt. Mieter hatten Verträge gekündigt, weil in der Umgebung inzwischen mehrere andere Einkaufszentren entstanden waren, dazu waren die Kosten enorm gestiegen. Die im Rohbau fertigen Landsberger Arkaden wechselten in der Folgezeit mehrfach den Eigentümer, zuletzt wurde das Objekt im November 2006 zwangsversteigert. Die von den erfolglosen Investoren vorgeschlagenen Nutzungskonzepte sahen immer wieder ein großes Hotel an diesem Standort vor. Am 1. März 2009 wurde das zum Vienna International Hotelmanagement gehörende andel’s Hotel Berlin mit 557 Zimmern eröffnet. Die Kosten für den Umbau wurden mit rund 50 Millionen Euro beziffert. 52.52805555555613.457222222222Koordinaten: 52° 31′ 41″ N, 13° 27′ 26″ O
2024-11-22 18:31:57
https://de.wikipedia.org/wiki/Grosny
Grosny ist die Hauptstadt der russischen Teilrepublik Tschetschenien. Die im Kaukasus gelegene Stadt hat 331.402 Einwohner und ist das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum der autonomen Republik. Grosny ist in insgesamt vier Rajone unterteilt: Sawodskoi, Leninski, Oktjabrski und Staropromyslowski. Nur wenige Kilometer östlich von Grosny befindet sich die Stadt Argun. Durch Grosny fließt der Fluss Sunscha, der etwa 40 km nordöstlich der Stadt in den Terek einmündet. Grosny erlebte während der Zeit der Sowjetunion ein starkes Bevölkerungswachstum, die Einwohnerzahl stieg von etwa 172.000 auf fast 400.000 im Jahr 1989. Im Gegensatz zum Rest Tschetscheniens stellten in Grosny die Russen bis zum Zerfall der Sowjetunion traditionell die Bevölkerungsmehrheit. 1939 waren 71 % der Bewohner Grosnys Russen und nur 14 % Tschetschenen. Weitere wichtige Minderheiten stellten damals Armenier und Ukrainer dar. Im Umland der Stadt waren Tschetschenen allerdings klar in der Mehrheit. Der Anteil der Russen nahm seit den 1960er Jahren vor allem aufgrund der höheren Geburtenrate der Tschetschenen beständig ab. 1989 lag die Einwohnerzahl Grosnys bei fast 400.000, von denen 52,9 % Russen und 30,5 % Tschetschenen waren. Bereits vor dem Ersten Tschetschenienkrieg verließen viele nicht-tschetschenische Einwohner die Stadt. 2002 waren es nur noch etwa 210.000 Einwohner. Der ehemals multikulturelle Charakter der Stadt ging verloren. 2002 waren 95,7 % der Bevölkerung Grosnys ethnische Tschetschenen, der Anteil der Russen betrug 2,5 %, gefolgt von Inguschen und anderen Minderheiten . In den letzten Jahren stieg die Einwohnerzahl Grosnys wieder stark an, nachdem auch eine wirtschaftliche Erholung der Region einsetzte. Im Jahr 2010 lag die Einwohnerzahl der Stadt bei 271.573, davon waren 93,73 % Tschetschenen, 3,30 % Russen, 2,96 % gehörten anderen Minderheiten an, darunter insbesondere Kumyken und Inguschen. Im Jahr 2022 wuchs die Einwohnerzahl Grosnys auf 331.402 an. Anmerkung: Die Daten entstammen den jeweiligen offiziellen Volkszählungen. In der Zusammensetzung sind alle Volksgruppen erwähnt, die beim jeweiligen Zensus mindestens 1 % der Bevölkerung ausmachten. Abkürzungen: Einw.: Einwohner; Tsch.: Tschetschenen; Rus.: Russen; Ukr.: Ukrainer; Ing.: Inguschen; Arm.: Armenier; Jud.: Juden; Tat.: Tataren Die Stadt wurde während des Großen Kaukasuskrieges im Jahre 1818 unter General Alexei Jermolow als russische Festung am Terek-Nebenfluss Sunscha gegründet und erhielt zunächst den Namen Grosnaja . Die Bevölkerung bestand zunächst aus russischen Kosaken. Als die Festung zur Stadt anwuchs, wurde der Name 1870 in Grosny geändert entsprechend). Während des russischen Bürgerkrieges wechselte Grosny zwischen 1917 und 1920 mehrfach den Besitzer, bis es 1920 endgültig von der Roten Armee erobert wurde. In den 1920er-Jahren überschritt die Stadt die Schwelle von 100.000 Einwohnern. Seit 1936 war Grosny die Hauptstadt der Tschetscheno-Inguschetischen ASSR innerhalb der RSFSR. Mit der sowjetischen Herrschaft zogen nun erstmals Tschetschenen in großen Zahlen in die Stadt, deren Bevölkerungsanteil von 2 % im Jahr 1926 auf 14 % im Jahr 1939 stieg. Im Zweiten Weltkrieg wehrten sich junge Tschetschenen und Inguschen dagegen, zur Roten Armee eingezogen zu werden. Ein Großteil von ihnen beging Fahnenflucht. Mehr als die Hälfte der von der Roten Armee eingezogenen tschetschenischen und inguschischen Soldaten schloss sich der Wehrmacht an. Daraufhin beschuldigte Stalin Tschetschenen und Inguschen pauschal der Kollaboration mit den deutschen Invasoren und ließ die TschIASSR auflösen. Beide Volksgruppen wurden nahezu vollständig nach Zentralasien deportiert. In Grosny bestand das Kriegsgefangenenlager 237 für deutsche Kriegsgefangene des Zweiten Weltkrieges. Erst 1957 durften die deportierten Bevölkerungsgruppen im Zuge der Tauwetter-Periode unter Nikita Chruschtschow wieder in ihre Heimat zurückkehren. Nach deren Rückkehr kam es immer wieder zu ethnischen Spannungen zwischen den in Grosny lebenden Russen und Tschetschenen. De facto war die Gesellschaft in der Stadt nun geteilt. Russen, Ukrainer und Armenier arbeiteten meist in höheren Stellungen, während Tschetschenen auf dem Arbeitsmarkt häufig benachteiligt waren. 1973 demonstrierten Inguschen in Grosny für ihre Anerkennung als Nation. Das lehnte die sowjetische Regierung ab. Sie ließ den Inguschen mitteilen, dass die nordkaukasischen Völker „nicht rehabilitiert, sondern lediglich begnadigt“ worden seien. 1989 hatte Grosny 397.000 Einwohner. Als die Sowjetunion 1991 zerfiel, bildete sich in Tschetschenien um Dschochar Dudajew eine Bewegung, die die Unabhängigkeit Tschetscheniens forderte. Die unabhängige Tschetschenische Republik Itschkeria wurde noch 1991 ausgerufen, mit Dudajew als erstem Präsidenten. Dies wurde jedoch weder von Russland, auf dessen Staatsgebiet Tschetschenien lag, noch von der internationalen Gemeinschaft anerkannt. Es begann eine „Tschetschenisierung“ sämtlicher Lebensbereiche, die gepaart mit ethnisch gefärbter Gewalt und Kriminalität einen Massenexodus der nicht-tschetschenischen Bevölkerungsgruppen, insbesondere von Russen, Ukrainern und Armeniern, nach sich zog. Am 29. November 1994 beschloss der Sicherheitsrat der Russischen Föderation unter seinem Ersten Sekretär Oleg Lobow ohne Konsultation der übrigen Institutionen den Angriff auf Tschetschenien, um die Kontrolle über die Region zurückzuerlangen. Etwa 40.000 Soldaten marschierten in Tschetschenien ein und nahmen nach zweimonatigen Kämpfen auch Grosny ein. Bei der Belagerung der Stadt im Januar 1995 starben nach Schätzungen etwa 25.000 Menschen durch tagelangen Artilleriebeschuss. Der Erste Tschetschenienkrieg nahm aber eine für Russland überraschende Wendung: durch eine gezielte Guerillataktik gelang es tschetschenischen Rebellen, die russischen Truppen zu demoralisieren. Im August 1996 wurde Grosny von tschetschenischen Rebellen zurückerobert. Kurz darauf zogen sich die russischen Truppen schließlich aus Tschetschenien zurück; das Land war de facto unabhängig. Nach dem Tod Dschochar Dudajews wurde Grosny von 1998 bis 1999 zu dessen Ehren zeitweise auch 'Джовхар-ГӀала'/Dschowchar Ghala genannt. 1999 begann nach einem Angriff tschetschenischer Islamisten auf die Nachbarprovinz Dagestan der Zweite Tschetschenienkrieg. Im Verlaufe des Krieges gelang es Russland unter Wladimir Putin schnell, die Kontrolle über ganz Tschetschenien wiederzuerlangen. Die tschetschenischen Rebellengruppen zogen sich in den Untergrund zurück; Tschetschenien wurde als Tschetschenische Republik eine autonome Republik innerhalb der Russischen Föderation und eine moskautreue Regierung unter Achmat Kadyrow wurde eingesetzt. Nach dem Frühjahr 2000 gab es kaum mehr offene Kampfhandlungen. 2009 erklärte die russischen Regierung den Zweiten Tschetschenienkrieg offiziell für beendet. Durch die beiden Kriege wurde ein Großteil von Grosny und dessen Infrastruktur zerstört, darunter auch das Straßenbahn- und das Trolleybusnetz. In den Jahren danach flossen große Mengen russischer Steuergelder in den tschetschenischen Wiederaufbau. Das Abwasser-, Wasser-, Elektrizitäts- und Fernwärmenetz Grosnys wurde repariert. Dazu kamen 250 Kilometer instandgesetzte Straßen, 13 Brücken und ungefähr 900 neue Geschäfte. Auch die Einwohnerzahl stieg mittlerweile wieder stark an. Im Dezember 2005 wandte sich das tschetschenische Parlament mit der Bitte an die russische Führung, Grosny in Achmadkala umzubenennen. „Mit dem alten Namen die dunkelsten Kapitel des tschetschenischen Volkes verbunden“, hieß es in dem Antrag. Der neue Name solle an den moskautreuen Präsidenten Achmat Kadyrow erinnern, der 2004 getötet wurde. Letztlich kam es nicht zur Umbenennung. 2008 wurde in Grosny die neue Achmat-Kadyrow-Moschee eröffnet. In Ehrerbietung vor dem, der seine Herrschaft stützt, ließ der tschetschenische Präsident Ramsan Kadyrow die Siegesallee in Putin-Prospekt umbenennen. Der 1946 gegründete Fußballverein Achmat Grosny wurde 2004 russischer Pokalsieger und durfte damit im UEFA-Cup starten. Seine Heimspiele trägt er in der über 30.000 Zuschauer fassenden und 2011 eröffneten Achmat-Arena aus. Darüber hinaus ist Grosny ein bedeutendes Zentrum der Sportarten Ringen und Gewichtheben. Der örtliche Volleyballverein war zudem mehrfacher sowjetischer Meister. Im Juli 2011 war Grosny Austragungsort der 9. Schüler-Europameisterschaften im Amateurboxen. Grosny ist das Zentrum eines bedeutenden Erdölförderungsgebietes, was die strategische Bedeutung der Stadt erklärt. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Unternehmen aus dem produzierenden Gewerbe in der Stadt. Über die Fernstraße R217 Kawkas ist die Stadt an das russische Fernstraßennetz angebunden. Der Flughafen Grosny befindet sich sieben Kilometer nördlich des Zentrums. Die am 17. Oktober 2008 eingeweihte Achmat-Kadyrow-Moschee ist mit zehntausend Plätzen die größte Moschee Russlands. Ihre Minarette sind 62 m hoch. Die 1868 von den Terekkosaken erbaute orthodoxe Erzengel-Michael-Kirche wurde während der beiden Kriege schwer beschädigt, im Jahr 2009 wurden jedoch die Renovierungsarbeiten abgeschlossen und die Kirche feierlich wieder eingeweiht. In den letzten Jahren entstand mit Grosny-City auch ein modernes Hochhauszentrum in der Stadt. Seit 2016 wird hier der Achmat Tower gebaut. Mit 435 m geplanter Höhe soll es bei Fertigstellung – voraussichtlich 2028 – eines der höchsten Gebäude Europas werden. Am 7. Oktober 2015 – dem Geburtstag von Wladimir Putin – wurde in Grosny der angeblich größte Springbrunnen der Welt eingeweiht. Auf einer Fläche von 40 × 300 Meter befinden sich zahlreiche Fontänen, deren drei höchste 100 bzw. 80 und 60 Meter erreichen. Mit Hochdruck wird ein Wasserbildschirm erzeugt mit einer Fläche von 18 auf 25 Metern, auf dem Videoclips gezeigt werden können. Die Kosten werden mit 60 Milliarden Rubel angegeben, die angeblich nicht aus dem Staatsbudget stammen. Die Kosten der Anlage, zu der auch Hotels gehören, wurden bei der Einweihung kritisiert. Stadtkreise: Argun | Grosny Rajons: Atschchoi-Martanowski | Galantschoschski | Grosnenski | Gudermesski | Itum-Kalinski | Kurtschalojewski | Nadteretschny | Naurski | Noschai-Jurtowski | Schalinski | Scharoiski | Schatoiski | Schelkowskoi | Sunschenski | Tscheberlojewski | Urus-Martanowski | Wedenski ArgunS | Atschchoi-MartanR | GrosnyS/R | GudermesS/R | KurtschaloiR | SchaliR | Urus-MartanR Chimoi | Galantschosch | Itum-Kali | Naurskaja | Noschai-Jurt | Scharo-Argun | Schatoi | Schelkowskaja | Sernowodskoje | Snamenskoje | Wedeno
2024-12-03 14:19:48
https://de.wikipedia.org/wiki/Castasegna
Castasegna ist ein Dorf in der politischen Gemeinde Bregaglia im Bergell, in der Region Maloja des Schweizer Kantons Graubünden. Blasonierung: In Grün ein gelber, fruchtender Kastanienbaum mit Wurzelwerk, zwei schragenförmigen Hauptzweigen, fünf mal drei Blättern und sechs Früchten. Das Dorf liegt auf einer Höhe von 690 m ü. M. an der Grenze gegen Italien, an der Strasse Samedan-Maloja-Chiavenna, am rechten Ufer der Maira und an der Einmündung des Lovero und des Baches des Val Casnaggina in diese; 9,7 km östlich von Chiavenna. Castasegna liegt unmittelbar an der Grenze zwischen Italien und der Schweiz und ist damit das tiefstgelegene Dorf des bündnerischen Teils des Bergell. Neben einem Schalenstein oberhalb von Caslacc wurden etruskische und römische Einzelfunde gemacht. Erstmals erwähnt wird das Dorf im Jahre 1374 unter dem damaligen Namen Castexegnia. Burg und Dorf könnten römischen oder fränkischen Ursprungs sein; vielleicht entstanden sie zum Schutz der Strasse über den Septimer. Castasegna bildete mit Soglio die Nachbarschaft Commune di qua dell’acqua und zusammen mit der Commune di là dell’acqua in Bondo die Gemeinde Unterporta. 1553 wurde diese Verbindung aufgehoben. Bis Ende 2009 war Castasegna eine eigene politische Gemeinde im damaligen Kreis Bregaglia im Bezirk Maloja. Auf den 1. Januar 2010 fusionierten alle Gemeinden des Bergell zur neuen Gemeinde Bregaglia. In Castasegna spricht man traditionell eine lombardische Mundart. Seit dem frühen 20. Jahrhundert gibt es eine deutschsprachige Minderheit. Die Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte zeigt untenstehende Tabelle: 1552 traten die Bewohner zum protestantischen Glauben über. Von den Ende 2005 187 Bewohnern waren 178 Schweizer Staatsangehörige. Ein Arbeitgeber ist die 1979 gegründete Soglio Produkte AG, die naturnahe Körperpflegemittel herstellt und vertreibt. Seit 1986 ist der Betrieb in Castasegna im ehemaligen Hotel «Croce Bianca» untergebracht. Bei Castasegna liegt der Brentan, der grösste Edelkastanienwald Europas. Das Klima ist eher südländisch. Castasegna wird von der Engadiner Buslinie 4 bedient. Konzessionär ist der Schweizerische Postautodienst. Bever | Bregaglia | Celerina/Schlarigna | La Punt Chamues-ch | Madulain | Pontresina | St. Moritz | Samedan | S-chanf | Sils im Engadin/Segl | Silvaplana | Zuoz Ehemalige Gemeinden: Bondo | Casaccia | Castasegna | Soglio | Stampa | Vicosoprano Kanton Graubünden | Regionen des Kantons Graubünden | Gemeinden des Kantons Graubünden
2024-12-03 16:06:03
https://de.wikipedia.org/wiki/Boaco_(Stadt)
Departamento Boaco ist die Hauptstadt des Departamentos Boaco des mittelamerikanischen Staates Nicaragua. Die Stadt ist umgeben von Bergen und hat eine Ober- und eine Unterstadt, weshalb sie auch Stadt der zwei Etagen genannt wird. Auf Sumo bedeutet Boa oder Boaj Zauberer und das Suffix "o" steht für Ort, Stadt. Auf der Flucht vor Pedro Arias Dávila kamen zu Beginn der Kolonialzeit Boacs und andere Nahuatl nach Boaco. Boaco Viejo befand sich etwa fünf Leguas östlich des heutigen Boaco. Von der ursprünglichen Bevölkerung wurden bisher keine Reste gefunden. In einem Brief vom 30. März 1529 vom Alcalde Mayor von Nicaragua aus León , Lic. Francisco de Castañeda an Karl V. und in Briefen des Corregidor von Sébaco und Chontales von 1725 wurde die Bezeichnung Boaco verwendet. In diesen Schreiben wurde vom ersten Boaco am Ufer des Río Murra berichtet. Matias de Oropesa beschreibt 1727 Boaco als zwei bis drei Leguas vom Río Murra entfernt. Anfang 1529, erreichte Andrés de Garabito, mit einer 50 Mann starken Goldsucherexpedition, San Andrés. Garabito war der erste Spanier in Boaco. Die Boajs werden als Flussnomaden des Río Murra, einem Nebenfluss des Río Grande de Matagalpa beschrieben. An einem Nebenfluss des Río Murra gründeten sie zwischen 1680 und 1682 Boaco Viejo. Die Bewohner von Boaco Viejo überfielen Bewohner der umliegenden Berge, bei einer dieser Razzien nahmen sie 1749 etwa 100 Indigene gefangen und brachten sie nach Granada . Am 22. Dezember 1749, wurde Boaco Viejo von Chimarones angegriffen, zerstört und fast alle Bewohner einschließlich des Priesters, Pbro. Antonio de Cáceres getötet. Die Überlebenden ließen sich 1750 am Río Malacatoya nieder und gründeten Boaquito, mit sechzig Häusern einem Cabildo de Españoles einem Cabildo de Indos und einem Staatsanwalt. Am Abend des 2. April 1752 besuchte der Bischof der Diözese Nicaragua Lic. Fray Pedro Agustín Morel de Santa Cruz bei einer Reise durch seine Diözese Boaquito. Er hielt fest, dass die Stadt Santiago als Schutzheiligen hat, 140 Familien mit je 5 Personen pro Familie dort leben, 712 Mal Beichte und Kommunion erteilt wurden; die Gemeinde befände sich eine Legua von Teustepe entfernt auf einer ergiebigen Ebene, jedoch würden Steine, Sumpf und Spinnen die Arbeit erschwerten. Das, vor allem in der fruchtbaren Regenzeit, sumpfige Gelände, der unfruchtbare steinige Boden und der Ausbruch der Cholera führten dazu, dass die Stadt in ihre heute Lage umgesiedelt wurde, diese machte Boaco durch ihre Berglage zu einer natürlichen Festung gegen Einfälle. Die Bevölkerung floh vor Malaria und Trockenheit von Orten, wo die Spinnen regierten, die Verlagerung dauerte von 1751 bis 1770. Im November 1764 stellten die Vorstände des Cabildo de Españoles und des Cabildo de Indios von Santiago de Boaco dem Corregidor und Capitán Aguerra, von Sébaco und Chontales, Justo Buenaventura Morales, eine ausführliche Denkschrift über die Leiden und Entbehrungen, welche die Bürger von Boaco erlitten hatten vor. In dieser Darstellung wird auf die Verbrennung der Títulos Reales de las tierras de Boaco Bezug genommen, welche der spanische Encomendero, Jerónimo Vásquez aufbewahrte. Diese beinhalteten die Landtitel und die entsprechenden Steuern des Herrn Pedro de Abaunsia, Hörer der Real Audiencia de Guatemala. Diesen sandte der öffentliche Schreiber Bernabé Renffel nach Teustepe. Damit die Belege von den Autoritäten von Boaco empfangen würden. Eine Kommission wurde am 5. November 1764 eingesetzt. An diesem Tag wurden die ersten Erklärungen, welche von zahlreichen Zeugen bekundet wurden, entgegengenommen. Die Einleitung der Kommission erfolgte am 5. November von 1764. Am selben Tag erhielt sie dir ersten Erklärungen von mehreren Zeugen. Als Ersatz für den Notar José Benito Santillán und Eusebio Somoza. Ausgesagt hatten an diesem Tag: Juan José Calero, Antonio Alvarado, Alférez Adriano Jarquín, Victorio Miranda, Sargento Antonio Torrealba y Villagra, Lucas Mendoza und Manuel de Luna. Die Beweise wurden dem Fiscal de Tierras de su Majestad en Guatemala vorgelegt, welcher sie am 14. Januar 1765 anerkannte. Die Neuausstellung der Landtitel für Santiago de Boaco wurde am 23. Januar 1766 bei der Visite von Domingo López de Urrelo, Caballero de la Orden de Calatrava, Oidor, Alcalde de Corte und Subdelegado Principal del Real Derecho de Tierras vorgenommen. Carlos III. erteilte am 1. Februar 1775, den neuen Titel, welcher seither im Rathaus von Boaco lag. 1778 besuchte Bischof Lorenzo de Tristán den Ort Boaco und ordnete den Bau einer Kirche an, welche 1811 eingeweiht wurde. Bischof Tristan hatte die Kathedrale von Leon und einige Kirchen in Costa Rica angeordnet. Das kostbare Holz für den Kirchenbau holten Ochsen aus den Wäldern von Teustepe. Bei seinem Besuch in Boaco machte Bischof Lorenzo de Tristán, Carlos Matías Ignacio José Antonio Yarrince zum Katecheten. 1845 hatte Boaco eine Kirche, eine Escuela Urbana, eine Plaza, ein Adressbuch zur Meldepflicht, eine Militärbehörde, Landschulen in Sacal und San Buenaventura. Boaco hatte ein großes Wachstum, die älteste und wichtigste Stadt von Chontales war damals Teustepe . Die Hauptstadt von Chontales war Acoyapa Juigalpa ist ein zweitrangiger Ort und Teustepe ist bevölkert von ruhesuchenden Reisenden, welche in den Norden Nicaraguas, ins Zentrum von Chontales und an die Atlantikküste fahren. An diese Zeit erinnert ein Weg von Teustepe nach Sébaco. 1776 wurden die Verwaltungsbezirke von Nicaragua entsprechend der Reform von Carlos III. neu aufgeteilt. Das Gebiet des heutigen Nicaraguas wurde in fünf Verwaltungsbezirke aufgeteilt: León, Matagalpa, El Realejo, Sutiaba und Nicoya. Boaco gehörte damals zu Nicoya. Männer in Boaco gingen in den Dienst von Wohlhabenden und zogen mit ihren Frauen und Kindern auf deren Güter. Dies erschwerte das Eintreiben der königlichen Tributes von 16 Reales jährlich. Der königliche Tributeintreiber Patricio de la Cerda verlangte 1801 einen Aufschlag auf den Tribut und drängte so viele Bewohner von Boaco zum Wohnsitzwechsel in die Berge. 1805 bei einer Audienz des Öffentlichkeitsministeriums und des Staatsanwaltes Dr. Ibáñez wurde eine Anordnung an den Subdelegado Cerda gegeben, solche Praktiken in Zukunft zu unterlassen, damit die Bevölkerung wieder an ihre Wohnorte zurückkehren würde. Ab 1821 gehörte Boaco zum Departamento Chontales. Am 4. Februar 1910, erließ die Regierung von José Madriz ein Gesetz, welches von Chontales das Departamento Jerez mit Boaco als Hauptstadt abtrennte, was ohne Folgen blieb. Am 18. Juli 1935 erließ die Regierung von Juan Bautista Sacasa ein Gesetz, welches das Departamento de Boaco gründete. Für die Oberstadt besteht die Santiago de los Caballeros Gemeindekirche, die in der Mitte des 19. Jahrhunderts gebaut wurde. Bei ihr befindet sich der Parque Central, welcher nach dem Priester Paulino José Nieborowski benannt ist. 1944 wurde das Colegio Nieborowski gegründet, welches der Priester Paulino Antonio Tobar Velasco leitete, sein Nachfolger war Paulino José Nieborowski. In der Unterstadt befindet sich die Iglesia del Socorro, welche im russisch-orthodoxen Stil in den 1980ern gebaut wurde. In der Stadt werden Käse, Sättel und Lederstiefel hergestellt.
2024-12-03 16:54:33
https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%85rets_Reumert
Der Reumert ist der nationale Theaterpreis Dänemarks. Die Auszeichnung ist nach dem bekannten dänischen Schauspieler Poul Reumert benannt und wird jährlich für herausragende Leistungen dänischer Künstler in 16 Kategorien und zusätzlich an 10 Talente verliehen. Er wurde 1998 vom Bikubenfonden, einem von dänischen Banken finanzierten Fond zur Förderung von Kultur und Kunst, gestiftet.
2024-11-23 21:19:19
https://de.wikipedia.org/wiki/Mengzi
Mengzi war der bedeutendste Nachfolger des Konfuzius . Er reformierte dessen philosophische Richtung und entwickelte sie weiter. So konnte der Konfuzianismus unter der Han-Dynastie zur chinesischen Staatsphilosophie aufsteigen. Mengzis Werk gilt bis heute als sehr bedeutend. Geboren wurde Mengzi in Zou , das im heutigen Shandong liegt, in einem Ort ganz in der Nähe des Geburtsorts von Konfuzius. Sein Geburtsname war Meng Ke . Mengzis Vater starb schon sehr früh und seine Mutter Zhang erzog ihren Sohn daraufhin alleine. In China allbekannt ist die Geschichte, dass diese zweimal ihren Wohnsitz wechselte, damit der junge Mengzi in einer möglichst förderlichen Umgebung aufwachsen konnte . Zunächst lebte die Familie neben einem Friedhof. Mengzi spielte in der Nähe der Gräber und versuchte Bestattungen nachzuspielen. Die Mutter entschied sich daraufhin, in die Nähe eines Marktplatzes umzuziehen. Doch auch diese Umgebung des Geschäftemachens und des Marktgeschreis schien ihr für ihren Sohn unpassend. Letztendlich zog seine Mutter neben eine Schule. Zur damaligen Zeit war es üblich, dass die Herrscher der einzelnen Reiche sich Gelehrte zur Unterhaltung an ihren Hof holten. Die Fürsten empfanden es als unterhaltsam, sich über philosophische Themen mit den Gelehrten auszutauschen. Ähnlich wie sein Vorbild Konfuzius reiste Mengzi so von Reich zu Reich, um seine Ideen und Lehren zu verbreiten. Mengzi allerdings versuchte dabei, primär die jeweiligen Fürsten zu beeinflussen, die seine Lehren umsetzen sollten. Mengzis Philosophie hat dadurch einen sehr praktischen Anspruch. Wie Konfuzius bereiste auch Mengzi China vierzig Jahre lang und bot den Herrschern seinen Rat an. Er diente als Beamter von 319 bis 312 v. Chr. Um seinen Verpflichtungen als Sohn nachzukommen, ließ er sein öffentliches Amt für drei Jahre ruhen, als er den Tod seiner Mutter zu betrauern hatte. Enttäuscht davon, dass seine Bemühungen um Reformen so geringen Einfluss hatten, zog er sich aus dem öffentlichen Leben zurück. Mengzi unterscheidet sich von seinem Vorgänger u. a. durch die Aussage, dass eine ungerechte Herrschaft durch die Untertanen beendet werden darf, das sogenannte Prinzip des Gémìng . Mengzi vertritt ein positives Menschenbild; seiner Überzeugung nach ist der Mensch von Natur aus gut, und nur die Umwelt und die Emotionen entfernen ihn davon. Zum Umweltschutz lautet sein Rat an Herrscher: Vor allem auf das Wirken von Mengzi ist es zurückzuführen, dass sich der Konfuzianismus nach dem Tod des Konfuzius im Widerstreit mit anderen philosophischen Schulen wie dem Daoismus oder dem Mohismus durchsetzen konnte. Während sich Konfuzius nicht explizit zum Wesen der menschlichen Natur geäußert hatte, ist dieses Thema eines der wichtigsten in Mengzis Philosophie. Grundsätzlich geht Mengzi davon aus, dass die menschliche Natur gut sei . Diese These sollte später von Xunzi kritisiert werden, der die Auffassung vertrat, der Mensch sei von Natur aus schlecht . Mengzi begründet seine Hypothese zunächst mit der Feststellung, dass alle Menschen einander ähnlich seien, weil sie zur selben Art gehören. Er argumentiert dabei mit den menschlichen Sinnen. Alle Menschen hielten ähnliche Speisen für schmackhaft, die Augen empfänden alle ähnliche Dinge als schön und die Ohren hören ebenfalls alle gerne ähnliche Töne und Musik. Mengzi schließt daran die rhetorische Frage an, ob es dann sein könne, dass die Menschen einzig in ihrem Geist so unterschiedlich seien. Daraufhin versucht er zu erklären, warum die Menschen so ähnlich sind und erklärt Vernunft und Rechtschaffenheit als die dem zugrunde liegende Prinzipien. Mengzi fährt in Kapitel 2A6 fort und erklärt, dass vier grundlegende Veranlagungen in jedem Menschen zu finden seien: Diese wiederum führen zu den vier Tugenden des Menschen: Als herausgehoben stellt sich das Mitleid dar, das zu den drei anderen führt. Mengzi stellt seine Behauptung, dass das Mitleid angeboren sei, mithilfe eines Bildes von einem Kind dar, das im Begriff ist, in einen Brunnen zu fallen. Er führt aus, dass jeder angesichts dieser Szene Besorgnis sowie Trauer und Schmerz empfinde. Dabei spielten Gedanken an eine mögliche Belohnung der Eltern oder ein höheres Ansehen im Dorf keine Rolle. Der Beobachter habe vielmehr keine Hintergedanken. Mengzi schließt daraus, dass der Mensch die Fähigkeit des Mitleids von Geburt an hat. Für Mengzi ist der Mensch sowohl egoistisch als auch altruistisch. Die allen gemeinsame gute Natur allerdings besteht von Geburt an. Äußere Einflüsse und Verhältnisse können aber zu Unterschieden führen und die ursprünglich guten Eigenschaften verändern. Dadurch werden die Menschen erst schlecht. Diese äußeren Umstände hängen mit der Zeit, den historischen Gegebenheiten und auch den aktuellen wirtschaftlichen Verhältnissen zusammen. Darüber hinaus verlieren die Menschen ihre angeborene Güte auch, wenn sie sie nicht ständig anwenden und trainieren. Auch erhält der Mensch eine gewisse moralische Erfrischung durch den Schlaf. Er regeneriert sich zumindest teilweise. Allerdings reicht diese Regeneration meistens nicht aus, um die schlechten Einflüsse, die sich über den Tag gesammelt haben, wieder auszugleichen. Mengzis Vorstellung von der Tugend hat gewisse Parallelen zum Sport. Ganz verlieren kann er sie zwar nicht, aber ein regelmäßiges Training ist zwingend erforderlich. Es ist dabei nötig, seine Wünsche und Leidenschaften zu zügeln. Handelt man so, erlangt man „Gleichmut“ und „Seelenruhe“. Mengzi behauptet, dieses mit 40 Jahren erreicht zu haben. Bildung spielt bei Mengzi die wohl wichtigste Rolle, um wieder zu einer guten moralischen Verfassung zurückzufinden, was er in der Aussage „Das Ziel des Studiums ist kein anderes als die Suche nach dem verlorenen Herzen.“ auszudrücken versucht. Die Möglichkeit zum Lernen ist für ihn auch der einzige Unterschied des Menschen zum Tier. Erst dadurch wird der Mensch zum Menschen. Bildung ist für Mengzi nur rein moralische Bildung und hat somit nichts mit dem modernen Konzept zu tun. Anhäufung von Wissen ist nicht in seinem Sinne. Schulen und andere Bildungseinrichtungen sind somit auch vielmehr moralische Erziehungsheime. Mengzi stellt sich gegen den Utilitarismus der Mohisten. Er begründet dies ebenfalls mit seiner Theorie von den vier angeborenen Fähigkeiten bzw. Tugenden. Da sie von Beginn an da sind, dürfen sie auch nicht ausgeübt werden, um sich damit nur materiellen Profit zu erarbeiten. Mengzi sieht die Sachlage andersherum: Wenn sich die Menschen tugendhaft nach dem Prinzip der Rechtschaffenheit verhalten, wird der Profit automatisch kommen, so wie ein Künstler in erster Linie ein Kunstwerk herstellt und die Ideen und Gefühle des Künstlers selbst ausdrückt. Nur quasi als Nebenprodukt gefällt es dann seinen Betrachtern. Mengzi definiert allerdings nirgendwo in seinem Werk den genauen Unterschied zwischen Profit und Rechtschaffenheit. Trotzdem kann man insgesamt von einer Einstellung gegen den puren Utilitarismus ausgehen, was am Beispiel seiner Äußerungen zu Bestattungen deutlich wird. Während sich dabei die Mohisten auch vielmehr mit eher simplen Begräbnissen zufriedengeben, spricht sich Mengzi für eine größere Ehrung der Toten aus, denn nur diese stelle die Hinterbliebenen auch wirklich zufrieden. Die erste deutsche Gesamtübersetzung fertigte Richard Wilhelm unter dem Titel Mong Dsi bereits im Jahre 1916 an. Sie wird auch als Mong Dsi. Die Lehrgespräche des Meisters Meng K'o vertrieben. Neuere deutsche Auswahlübersetzungen sind: Wichtige englische Übersetzungen stammen von D. C. Lau und James Legge.
2024-12-03 16:31:53
https://de.wikipedia.org/wiki/Germanium(IV)-oxid
weißer geruchloser Feststoff fest 4,23 g·cm−3 1086–1115 °C schlecht in Wasser 1,7 Achtung 1250 mg·kg−1 Germanium-oxid ist eine chemische Verbindung aus der Gruppe der Germaniumverbindungen und Oxide. Germanium-oxid kommt natürlich in Form des Minerals Argutit vor. Germanium-oxid entsteht beim starken Glühen von Germanium oder Germaniumdisulfid in einer Sauerstoff-Atmosphäre. Sehr einfach ist auch die Hydrolyse von Germanium-chlorid. Im Gegensatz zum Silicium, welches bei der Hydrolyse von Siliciumtetrachlorid zunächst Kieselsäuren bildet, entstehen beim Germanium keine stabilen Hydroxide, sondern das hydratfreie Germaniumdioxid. Germanium-oxid kommt in mehreren Kristallstrukturen parallel zu denen von Siliziumdioxid vor. Hexagonales GeO2 besitzt die gleiche Struktur wie α-Quarz und entsteht bei der Hydrolyse von Germaniumchlorid und der Zersetzung von Germanaten. Das tetragonale GeO2 besitzt eine Rutil ähnliche Struktur und entsteht durch mehrstündiges Erhitzen von Germanium-oxid mit Wasser unter Druck und bei höheren Temperaturen oder beim Eindampfen einer wässrigen Germanium-oxid-Lösung mit etwas Ammoniumfluorid. Das amorphe GeO2 entspricht Quarzglas und entsteht immer beim Abkühlen einer Schmelze von Germanium-oxid. Die Rutil-Modifikation kann bei 1033 °C in die lösliche Quarz-analoge Form überführt werden. Diese Modifikation ist im Gegensatz zu den anderen etwas in Wasser löslich, wobei die Lösung deutlich sauer reagiert . In Säuren löst sich Germanium-oxid nur schwierig , in Laugen dagegen leicht, wobei Germanate entstehen. Germanium-oxid wird zur Produktion von im Infraroten durchlässigen optischen Gläsern verwendet. In der Polyesterchemie kommt es als Katalysator bei der Herstellung von bestimmten nicht vergilbenden Polyesterfasern und -granulaten zum Einsatz, speziell für recyclingfähige PET-Flaschen. Es dient auch als Ausgangsmaterial zur Herstellung von Germanaten wie Hafniumgermanat HfGeO4.
2024-12-02 10:04:26
https://de.wikipedia.org/wiki/Breitenhain_(Neustadt_an_der_Orla)
Breitenhain ist eine Ortschaft im Ortsteil Breitenhain-Strößwitz der Stadt Neustadt an der Orla im Saale-Orla-Kreis in Thüringen. Die Umgebung von Breitenhain ist sehr waldreich und landwirtschaftlich geprägt. Südlich fällt das Gebiet steil zum Tal der Orla ab, nördlich zieht sich das Bergland mit durchschnittlichen Höhen von ca. 300 bis 350 m ü. NN zum Thüringer Holzland bei Stadtroda hin. Im 12 km entfernten Triptis besteht Anschluss an die Bundesautobahn 9 . Breitenhain feierte im September 2009 sein 800-jähriges Bestehen. Allerdings wurde es erst 1350 in einem Lehnbuch genannt. Breitenhain ist als Straßendorf fränkischer Siedler angelegt worden, mit typischen Vierseitenhöfen in Fachwerkbauweise. Neben der Landwirtschaft -unter nicht besonders günstigen Bedingungen- wurde Fischzucht in vielen angelegten Teichen betrieben. Eine Kirche gab es schon aus dem späten Mittelalter, die heutige stammt von 1746. Das Gut war ein Stammsitz derer von Minckwitz. Am 1. Juli 1950 wurde die bis dahin eigenständige Gemeinde Strößwitz eingegliedert. Der Ort hat viele Fachwerkbauten aufzuweisen und ist frei von jeglichen Industrieansiedlungen, die Umgebung blieb von gravierenden Eingriffen in die Natur verschont. 1990 hatten sich die Gemeindeverwaltung, der Heimatverein und die Agrargenossenschaft gemeinsam mit dem Nachbarort Stanau entschlossen, das Gebiet zur beispielhaften Ökoregion Breitenhain entstehen zu lassen. Das Ziel des Gesamtkonzepts war die Einheit von naturgemäßer Lebensführung und umweltverträglicher Entwicklung. Für das Engagement in diesem Projekt konnte Breitenhain 1996 einen Preis erringen, der durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt und das Deutsche Institut für Urbanistik überreicht wurde. Am 16. Juni 1995 wurde Neustadt an der Orla die erfüllende Gemeinde von Breitenhain. Am 1. Dezember 2010 wurde Breitenhain zusammen mit dem Ortsteil Strößwitz als neu geschaffener Ortsteil Breitenhain-Strößwitz nach Neustadt an der Orla eingemeindet. Entwicklung der Einwohnerzahl einschließlich des Ortsteils Strößwitz : Breitenhain-Strößwitz bestehend aus Breitenhain und Strößwitz | Dreba | Knau mit Bucha und Posen | Lichtenau | Linda bei Neustadt an der Orla mit Kleina, Köthnitz und Steinbrücken | Moderwitz | Neunhofen | Neustadt an der Orla mit Arnshaugk, Börthen, Döhlen, Molbitz und Sachsenburg | Stanau
2024-12-03 14:41:34
https://de.wikipedia.org/wiki/SNB_MB_1
Der Triebwagen MB 1 wurde von der A/S Svendborg–Nyborg Jernbaneselskab für den Betrieb auf der 1897 eröffneten dänischen Privatbahnstrecke Svendborg–Nyborg beschafft. Für den Personenverkehr auf der Strecke zwischen Svendborg und Nyborg beschaffte die Gesellschaft zur Einsparung von lokomotivgeführten Zügen 1926 einen vierachsigen Triebwagen mit zwei Drehgestellen. Lieferant war die dänische Lokomotivfabrik Scandia A/S in Randers, das Fahrzeug hatte die Auftragsnummer 2067. Der Triebwagen hatte ein mechanisches Viergang-Getriebe. Er war mit einer Druckluftbremse ausgestattet. Während des Zweiten Weltkrieges von 1941 bis 1945 erhielt er einen Gasgenerator. 1947 erfolgte die Abstellung wegen einer gebrochenen Kurbelwelle. Seit der Verpachtung der Bahnstrecke Svendborg–Nyborg 1902 an die Sydfyenske Jernbaner wurden die Fahrzeuge durch die SFJ unterhalten und eingesetzt. Durch die Übernahme der Sydfyenske Jernbaner am 1. April 1949 durch Danske Statsbaner wurden die SNB-Fahrzeuge zur Verwendung an die Staatsbahnen übertragen. Allerdings blieb der Triebwagen im Besitz der SNB und wurden nicht Eigentum der Staatsbahnen. Er erhielt die Baureihenbezeichnung MBF und die Betriebsnummer 481. Er wurde 1949 bei Scandia modernisiert und war in Fåborg von 1952 bis 1955 im Einsatz. Seine Ausmusterung bei SFJ/SNB erfolgte 1957. In der Sitzung der Svendborg–Nyborg Jernbaneselskab am 2. Oktober 1959 in Svendborg, bei der unter anderem der Vorstandsvorsitzende K. Friis Jespersen, der Gemeinderatsvorsitzende J. K. Møller, der Abgeordnete des Folketing und Aufsichtsratsvorsitzende Sven Horn aus Nyborg und der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Bürgermeister C. E. Bjerring aus Nyborg anwesend waren, wurde vereinbart, den Triebwagen für 9000 Kronen an die Randers–Hadsund Jernbane zu verkaufen. Dort wurde der Triebwagen mit der Nummer RHJ M 3 bezeichnet. Er erhielt einen Sechszylinder-Hercules-Dieselmotor sowie ein neues mechanisches Getriebe. Etwa 1960 erfolgte ein Umbau des Innenraumes, der danach neben einem Postabteil nur noch 69 Sitzplätze und 5 Klappsitze hatte. Der Triebwagen wurde 1969 ausgemustert und verschrottet.
2024-12-04 11:12:36
https://de.wikipedia.org/wiki/LeRoi_Jones
Amiri Baraka war ein US-amerikanischer Lyriker, Dramatiker, Musikkritiker und Prosaautor. Amiri Baraka wurde als Everett LeRoy Jones geboren. Mit achtzehn schrieb er seinen Namen LeRoi Jones, 1967 nahm er den Namen Imamu Ameer Baraka an, den er später zur heutigen Form abwandelte. Baraka studierte Philosophie und Religionswissenschaften an der Rutgers University, an der Columbia University und an der Howard University, ohne einen Abschluss zu erlangen. Er ging 1954 zur US Air Force und wurde Unteroffizier . 1957 wurde er als Kommunist denunziert und, als sich sowjetisches Material bei ihm fand, unehrenhaft aus der Armee entlassen. Er zog dann nach Greenwich Village und arbeitete anfangs in einem Schallplatten-Lager. In dieser Zeit entwickelte sich sein Interesse für Jazz; gleichzeitig kam er in Kontakt mit den Beat Poets, die seine frühe Lyrik stark beeinflussten. Er gründete 1958 die Totem Presse und heiratete im selben Jahr Hettie Cohen. Seine Frau arbeitete als Lektorin bei der Partisan Review und mit ihrer Erfahrung brachte das Ehepaar acht Ausgaben des Literaturmagazins Yūgen heraus . 1960 besuchte er Kuba, was seine Wandlung zum politischen Künstler einleitete. 1961 erschien die Gedichtsammlung Preface to a Twenty Volume Suicide Note, 1963 Blues People: Negro Music in White America. Für sein 1964 uraufgeführtes Stück Dutchman erhielt er im selben Jahr einen Obie Award. Nach der Ermordung von Malcolm X 1965 distanzierte er sich von den Beat Poets, verließ seine Frau und die beiden gemeinsamen Kinder und zog nach Harlem, da er sich mittlerweile als schwarzer Kulturnationalist verstand. Hettie Cohen behauptet in ihrer Autobiografie How I Became Hettie Jones , Baraka habe sie zeit ihrer Ehe misshandelt. 1966 heiratete Baraka seine zweite Frau, die sich später Amina Baraka nennen sollte. Ab 1967 unterrichtete er an der San Francisco State University. Im selben Jahr wird er im Verlauf von Rassenunruhen, die nach der Ermordung von Martin Luther King ausbrachen, in Newark verhaftet, wegen unerlaubten Waffenbesitzes und Widerstands gegen die Staatsgewalt angeklagt und zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. In einem Berufungsverfahren wurde dieses Urteil wieder verworfen. 1967 gründete Jones das kurzlebige Plattenlabel Jihad, auf dem die Produktionen des Jihad Cultural Center in Newark erscheinen sollten. Das Label veröffentlichte 1968 lediglich drei Alben, am bekanntesten die Sunny Murray LP mit Albert Ayler und Don Cherry. 1968 erschien sein zweites Jazz-Buch Black Music. 1970 unterstützte er Kenneth A. Gibson bei seiner Kandidatur für das Amt des Bürgermeisters von Newark; Gibson wurde zum ersten schwarzen Bürgermeister der Stadt gewählt. Bedeutung erlangte Amiri Baraka nicht nur durch seine Tätigkeit als politischer Organisator, sondern ebenso durch den maßgeblichen Anteil, den er an der Entwicklung einer „schwarzen Ästhetik“ hatte. Vor allem sein 1970 veröffentlichter Essay The Fire Must be Permitted to Burn Full Up: Black “Aesthetic” gilt in dieser Hinsicht als einer der zentralen Texte, in dem er dem „thinking“ der weißen Kunst das „feeling“ der schwarzen Kunst gegenüberstellt. Das „Fühlen“ ist dabei an der Wirklichkeit orientiert; im Erfühlen der Realität äußert sich zugleich die Selbstverwirklichung des schwarzen Künstlers; schwarze Kunst ist zugleich stets engagierte Kunst: What does aesthetic mean? Shn‘t it mean for us Feelings about reality! Ourselves are revealed in whatever we do. Our art shd be ourselves as self vonscious with a commitment to revolution. Which is enlightenment. Revolution is enlightenment! Dieses Erfühlen der Wirklichkeit ist für ihn dabei vor allem durch den Rhythmus geprägt, der für den Schwarzen ihm zufolge noch intakt ist; dementsprechend besteht ein enger Zusammenhang mit der schwarzen Musik, dem Jazz. Baraka verzichtet in seiner „Logik des Fühlens“ bewusst auf eine im rationalen Sinne logische Argumentation, die für ihn einem Unterdrückungsinstrument der Weißen gleichkommt. Um 1974 ging Baraka auf Distanz zum schwarzen Nationalismus und orientierte sich ab sofort am Marxismus und den Befreiungsbewegungen der Dritten Welt. 1979 begann er an der SUNY im Africana Studies Department zu unterrichten. Im selben Jahr wird er nach einer Auseinandersetzung mit seiner Frau zu sozialem Arbeitsdienst verurteilt. Um diese Zeit beginnt er damit, seine Autobiografie zu verfassen. 1980 distanzierte er sich von antisemitischen Äußerungen früherer Jahre und erklärte, er habe seine Irrtümer eingesehen und verstehe sich nun als Anti-Zionisten. 1984 wurde Baraka zum ordentlichen Professor ernannt. 1987 hielt er gemeinsam mit Maya Angelou und Toni Morrison eine Gedenkrede bei der Beerdigung von James Baldwin. 1989 wurde ihm der American Book Award für sein Lebenswerk verliehen sowie der Langston Hughes Award. 1990 war er Ko-Autor der Autobiografie von Quincy Jones und 1998 spielte er in Warren Beattys Film Bulworth mit. 2001 wurde er zum Mitglied der American Academy of Arts and Letters gewählt. 2002 wurde er vom Staat New Jersey zum Poet Laureate ernannt – eine Auszeichnung, auf die er 2003 verzichten musste, nachdem eine Kontroverse über sein Gedicht „Somebody Blew Up America“ entflammt war. Einige Zeilen waren dahingehend interpretiert worden, Baraka behaupte, Israel stecke hinter den Terroranschlägen am 11. September 2001. 2010 wurde sein Buch Digging: The Afro-American Soul of American Classical Music mit dem American Book Award ausgezeichnet. Einer seiner Söhne, Ras J. Baraka, ist seit 1. Juli 2014 Bürgermeister von Newark, während mit Amiri „Middy“ Baraka, Jr. ein weiterer Sohn als dessen Stabschef agiert.
2024-12-02 08:39:01
https://de.wikipedia.org/wiki/Strumpfhose
Die Strumpfhose ist ein einteiliges Beinbekleidungsstück, das den Körper hauteng von der Taille abwärts bedeckt. Sie wird über Fuß, Bein und Unterleib wie ein Strumpf angezogen und ist meist gewirkt oder gestrickt. Strumpfhosenähnliche Hosen wurden bereits von Reitervölkern wie den Skythen, Sarmaten und Dakern zum Reiten getragen, aber auch von Chinesen und Mongolen. Das bislang älteste Exemplar einer Reithose wurde als Teil einer Grabausstattung im Yanghai-Gräberfeld in der Nähe von Turfan gefunden und auf das Ende des 2. Jahrtausends v. Chr. datiert. Ein deutsch-chinesisches Team, das die gewebten Wollhosen im Rahmen des Silk-Road-Fashion-Projekts untersuchte, fand heraus, dass die Hosen aus drei Teilen bestehen, zwei Beinteilen und einem gestuften Zwickelteil. Für die Herstellung wurde der Stoff nicht zugeschnitten, sondern maßgewebt. Mit der Thorsberg-Hose wurde auch in Schleswig-Holstein eine strumpfhosenähnliche gewebte Wollhose wohl aus dem 4. Jahrhundert gefunden. Im Mittelalter und der Frühen Neuzeit trugen Männer Beinlinge, also Strümpfe, die am Gürtel befestigt wurden. Weil im Laufe des 14. Jahrhunderts die Röcke der Männer, genannt Schecken, immer kürzer getragen wurden, verlängerten sich die Strümpfe bis über die Oberschenkel und wurden an das Wams genestelt. Im späten 14. und 15. Jahrhundert wurden die Beinlinge durch einen dazwischengenähten Latz und Zwickel zu einer strumpfhosenähnlichen Hose kombiniert, zunächst allerdings nur in den reicheren Schichten. Dieses Kleidungsstück bestand häufig aus Scharlach und die Beinteile waren unterschiedlich farbig. In Alpirsbach hat sich eine solche Hose erhalten, die auf um 1500 datiert wird. Im 16. Jahrhundert wurden die Strümpfe wieder von der Hose getrennt, aber an diese angenestelt. Im Verlauf des Jahrhunderts kamen auch gestrickte Strümpfe auf. Diese waren auch als „Tricothosen“ bekannt, wobei ihre Feinheit und ihr Schimmer wichtige Details der Mode waren. Aus dieser Zeit ist eine Seidenstrumpfhose als Geschenk des spanischen Hofes an Heinrich VIII. überliefert. Als Anfang des 17. Jahrhunderts die Hosen knielang wurden, wurde auch das Annesteln unnötig. Erst Ende des 18. Jahrhunderts kehrte die Strumpfhose – immer noch als Männerkleidungsstück – unter dem Namen Pantalons wieder, allerdings als Unterkleidung, so dass nur das Vorhandensein von Fußteilen sie von langen Unterhosen unterschied. Mit Aufkommen des Chemisenkleids in den 1790er Jahren wurden sie in Europa erstmals auch von Frauen getragen. Auf 1800 datierte Pantalons für Kinder bedeckten die Füße und gingen etwa bis zum Hals, wo sie mit durch Knöpfe verstellbaren Schulterträgern gehalten wurden. Mit einem solchen fast den ganzen Körper bedeckenden Gewand sorgte Adah Isaacs Menken bereits 1861 für Aufsehen als sie damit einen nackten Mann darstellte. Bis zur Jahrtausendwende wurde hierfür auch die Bezeichnung Bodystocking, englisch für Körperstrumpf, üblich. Das Wort Pantalon selbst wurde im Amerikanischen ab 1835 zu pants und bedeutet heute Hose. Die Verkleinerungsform panty bedeutet dementsprechend Höschen bzw. Unterhose. 1887 meldete Simon T. Sutton in Amerika sein Patent für ein knit lower garment aus zwei rundgestrickten Beinteilen und Zwickel an. Laut diesem kann es als drawers ohne Fußteil oder als full tights mit Fußteil gefertigt werden. Letzteres wurde hauptsächlich von Bühnendarstellern verwendet. In diesen Jahren gab es mehrere amerikanische Filmproduktionen mit „Tights“ in Titel und Bild. Ob transparente Varianten schon um die Jahrhundertwende existierten oder nur den Vorstellungen der Schöpfer des Gemäldes La femme aux fleur und der Filme Rio Bravo so wie Mother Wore Tights entsprangen, ist unbelegt. Zudem gab Ann Miller an, dass transparente Strümpfe noch Ende der 1930er an die Höschen der Tänzerinnen genäht wurden. Sie bat den Strumpfhersteller Willis of Hollywood darum die bereits für Ballerinas produzierten Tights seidig wie die Strümpfe herzustellen. Für Willis war diese einfache Lösung lukrativ, während Miller leer ausging. Nach einer der größten Werbekampagnen der Konsumgeschichte brachte Du Pont am 15. Mai 1940, dem „Nylon Day“, Nylonstrümpfe auf den Markt. Mit Aufkommen des rundgestrickten, nahtlosen Feinstrumpfs Mitte der 50er Jahre sanken die Verkaufszahlen von gewirkten Strümpfen mit Naht rapide. Die Firma Glen Raven ging deswegen dazu über, Strumpfhosen für Damen und Mädchen aus dickerem Nylon herzustellen. Dies gab Geschäftsführer Allen Gant die Möglichkeit, die 1953 geäußerte Bitte seiner Ehefrau Ethel zu erfüllen: Ein Damenkleidungsstück mit transparenten Beinen wie normale Strümpfe, aber als Schlauchware und Unterhose in einem Stück. Nach rund einer Woche von Versuchen konnten die ersten Teile mit transparenten Beinen und Höschenteil mit 40 den gefertigt werden. Im Zuge der Patentanmeldung als PantiTights im Frühling 1959 wurde festgestellt das jemand anderes bereits eine ähnliche Idee hatte und sich die alternative Bezeichnung panty hose nicht markenrechtlich schützen ließ, da zu generisch. So kam Ravens Produkt 1959 als PantiLegs auf den Markt. Der Garnhersteller Chemstrand veröffentlichte bereits im November 1958 mehrere aufwendig gemusterte Produkte, darunter eine vergleichsweise simple Strumpfhose mit transparentem Bein, blickdichtem Höschenteil und Zwickel mit der Bezeichnung leotard-stockings. 1956 hatte bereits Ernest Rice ein mit Raven vergleichbares Patent eingereicht, das 1958 genehmigt wurde und zu Rechtsstreitigkeiten führte. Als Begründung zur Aberkennung seines Patents wurde angeführt, dass dies eine vorhersehbare Weiterentwicklung war und sich ohne Zwickel kein Höschen bilden ließe. Hierzu wurde auch Suttons Patent herangezogen. Rice starb, bevor die Gültigkeit seines Patents gerichtlich bestätigt wurde. Die Strumpfhose setzte sich in den folgenden Jahren schnell durch und wurde als Massenprodukt beworben. Bereits 1966 betrug der Anteil der Strumpfhose an der gesamten Nylonstrumpferzeugung 77 %, zwei Jahre später war der Anteil auf 85 % angestiegen. Die Nylonstrumpfhose löste zur Zeit des Minirocks die bis dahin üblichen Nylonstrümpfe mit Strumpfhalter und Hüftgürtel weitgehend ab. Neben Nylon war auch das chemisch verwandte Perlon in Gebrauch. Nylonstrumpfhosen wurden schnell zum Massenprodukt in den westlichen Staaten, im Ostblock waren sie dagegen noch lange ein knappes Gut, so auch in der DDR. Hier wurde das mit Perlon identische Dederon verwendet. Etwa zur gleichen Zeit kamen verstärkt Strickstrumpfhosen auf den Markt. Sie sind seitdem insbesondere ein weit verbreitetes Kleidungsstück für Kinder. Sie werden unter Röcken und Kleidern oder in der kälteren Jahreszeit unter langen Hosen getragen. Manche Jungen trugen in den 1960er Jahren Strickstrumpfhosen auch in Verbindung mit kurzen Hosen. Die Strumpfhose ersetzte hier Wollstrümpfe, besonders bei kühler Witterung. Mit Abflauen der Begeisterungswelle für Hotpants zu Beginn der 1970er sowie Ablösung der Minimode zunächst durch Midi- und Maxi-Kleider und zunehmender Akzeptanz langer Hosen in der Frauenmode verloren Strumpfhosen weitgehend ihren „modisch chic“-Status und wurden zum allgemeinen Gebrauchsgut. Unter langen Hosen wurden im Winter wärmende Strickstrumpfhosen getragen. Auch Strumpfhosen mit Frottéesohle bzw. Frottée-Einsätzen im Knie- und Gesäßbereich waren in den 1970er Jahren auf dem Markt, diese Jahre gelten als Hochzeit der Strickstrumpfhose. In den 1970er Jahren kamen mit der zunehmenden Verbreitung des Körperbewusstseins Nylonstrumpfhosen mit höherer Garnstärke in Mode, die stützende oder figurformende Wirkung boten. Ende der 80er Jahre wurde durch die Popkultur, mit Künstlern wie Madonna oder Prince, Strumpfhose ohne Fuß mit meist genähtem Beinteil aus dickem Stoff oder Spitze unter dem Namen Leggings – populär. Zu Beginn der 1990er wiederholte sich kurzzeitig der modische Trend der Kombination von Strumpfhosen mit kurzen bis halblangen Hosen bei Frauen. Mitte der 1990er kamen für Frauen auch Strickstrumpfhosen mit Ringelmuster auf. Wenngleich Strickstrumpfhosen weiterhin viel von Kindern getragen wurden und werden, befreiten sie sich dadurch zeitweilig von ihrem Image als Kinderstrumpfhose oder wärmende Unterwäsche und wurden zu einem modischen Accessoire. An Stelle von Strumpfhosen wurde nun auch häufiger Funktionsunterwäsche als wärmende Unterbekleidung angeboten und getragen. Zu Röcken, Kleidern und Hotpants wurden Strumpfhosen weiterhin als modisches Accessoire getragen und – ermöglicht durch die technische Verbesserung – Muster wurden beliebt. Die Stärken variieren von 15 bis 100 den. Zum Ende der 2000er Jahre kamen für Damen Longpullover für Herbst und Winter in Mode, welche mit Feinstrumpfhosen etwa über 60 den oder frottierten Thermostrumpfhosen getragen wurden. 2017 kamen wieder Netzstrumpfhosen in Mode, die meist durch die Löcher von zerrissenen Jeans schienen oder auch den Bauch von dem auf Hüfte sitzenden Bund der Jeans bis zur Taille zierten. Modevorbild für die hautfarbenen Nylonstrumpfhosen wurde in diesem Jahrzehnt Kate Middleton. Insgesamt ging der Trend jedoch hin zum nackten Bein, während Strümpfe in Hauttönen als altmodisch galten. Strumpfhosen werden seit der Mitte des 20. Jahrhunderts überwiegend fabrikmäßig auf Rundstrickmaschinen gestrickt, wodurch sie anfällig für Laufmaschen sind. Die Feinheit des bei der Herstellung einer Feinstrumpfhose verwendeten Garns wird in den Einheiten Denier und Dezitex angegeben, wobei die traditionellere Angabe den in Deutschland immer noch weit verbreitet ist. Obwohl beide Nummerierungen als Maß für die Durchsichtigkeit des Beinteils benutzt werden, geben sie eigentlich das Gewicht eines Garns bezogen auf die Länge an und werden stets ganzzahlig angegeben. Tatsächlich wird die Transparenz durch die Maschenweite bestimmt, die sich je nach Dehnung am Körper verändern kann. So sind Stützstrumpfhosen mit 140 Denier auch in durchsichtigen Varianten erhältlich. Die Denier-Werte üblicher Feinstrumpfhosen liegen etwa zwischen transparenten 15 den und wärmeren, blickdichten 80 den. Extreme wie 3 den oder 150 den sind selten anzutreffen. Sofern nicht separat angegeben, bezieht sich die angegebene Stärke auf das Beinteil. Verstärkungen können doppelt gearbeitet, andere Bereiche aber auch feiner gewirkt sein. Die einfachste und damit billigste Variante besteht darin, zwei Strumpfschläuche oberhalb der Schenkel aufzutrennen und entlang der beiden Schnittkanten zusammenzunähen. Darüber hinaus gibt es noch andere Einzelteile oder Schnittmuster zur Herstellung. In beiden Strumpfschläuchen, welche Bein- und Höschenteil bilden, lassen sich eine Vielzahl an Materialien und Mustern einweben. Ein Nebeneffekt beim Einweben von zusätzlichen oder dickeren Materialien ist das Verringern der Dehnbarkeit, was beim Höschenteil mögliches Rutschen verhindern und bestimmte Partien wie Bauch und Gesäß formen kann, aber auch an Übergängen und Abschlüssen zum Einschneiden führen kann. Abhilfe verschaffen Auffächerungen in feinen Musterungen an den Übergängen oder eine asymmetrische Stricktechnik. Der in dieser Form auch bei Schlüpfern und Leggings zu findende Zwickel ist ein optionaler Einsatz zum Dehnungsausgleich und Verbesserung der Passform zwischen den Beinteilen welcher mit z. B. Baumwolle versehen Slipeinlagen entbehrlich machen kann. Die günstigsten Modelle sind im Höschenteil mit Rollnähten ausgeführt, die höchstwertigen mit Flachnähten, die am Rücken länger für mehr Dehnbarkeit am Gesäß sein können. Selten sind auch flache geklebte Nähte. Im Zehenbereich sind immer Nähte zu finden, können aber unterhalb der Zehenspitzen platziert sein. Darüber hinaus gibt es nahtlose Strumpfhosen. Oft ist diese Form bei Netzstrumpfhosen und Feinstrumpfhosen der Premiummarken zu finden. Bei diesen Strumpfhosen sind nur am Annähbund, den Zehenspitzen und um den optionalen Zwickel Nähte vorhanden. Bei Feinstrumpfhosen kann der Zwickel sogar nahtlos eingewebt sein. Bei Garnstärken über 80 den, wie zum Beispiel bei Strickstrumpfhosen, ist eine nahtlose Verarbeitung nicht möglich. Dieser kann bereits in verschiedener Ausführung in die Strumpfschläuche eingewebt sein oder erst nachträglich angenäht werden. Letztgenannter Annähbund ist bei nahtlosen Strumpfhosen aus technischen Gründen Standard. Dieser kann mehrere Zentimeter breit auch aus Spitze bestehen. Andere Bundlösungen bestehen darin, einen breiten Teil lediglich mit zusätzlichem Elastan zu verstärken und den oberen Abschluss der Strumpfschläuche während der Produktion mit einem Laser zu schneiden und gleichzeitig gegen Auftrennen zu verschweißen. Manche Strumpfhosen bieten zusätzliche Ausstattungen, beispielsweise Eingriffe bei Männerstrumpfhosen. Das weibliche Gegenstück in Form von zwei überlappenden, jeweils nur auf einer Seite vernähten Baumwollzwickeln ist seltener. Dieses ist bei figurformenden Modellen anzutreffen, welche bis unter die Brust reichen, um den ganzen Bauch abzudecken und nicht in die Taille einzuschneiden. Hier kann der Bund auch mit einer Silikonbeschichtung wie bei halterlosen Schenkelstrümpfen oder mit Schulterträgern vom Herabrutschen abgehalten werden. Feinstrumpfhosen bestehen zumeist aus Mikrofasern wie Nylon, Polypropylen, Elastan , Meryl, aber auch Seide wird verwendet. Durch neue Technologien ermöglicht, wurden auch mit natürlichen Essenzen wie Ginkgo, Aloe vera, Ginseng behandelte Strumpfhosen produziert, die die Haut pflegen und müden Beinen vorbeugen sollten. Die Wirkung geht nach mehreren Waschgängen verloren. Feinstrumpfhosen sind in unterschiedlichen Garnstärken erhältlich, so dass sie sowohl fast transparent als auch blickdicht hergestellt werden können. Genau genommen ist die Unterteilung in Feinstrumpfhosen und Strickstrumpfhosen nicht ganz korrekt, da auch Feinstrumpfhosen gestrickt sind. Eine Feinstrumpfhose besteht aus etwa zwei Millionen Maschen, etwa fünf bis sechs Kilometer Garn werden für ihre Herstellung benötigt. In der Werbefotografie werden insbesondere schwarze Nylonstrumpfhosen eingesetzt, weil sie die Körperformen betonen. Um die gewünschte Wirkung zu erzielen, wird der Glanzeffekt technisch verstärkt oder die Bildkomposition entsprechend angepasst. Unter Glanzstrumpfhosen versteht man eine meist stark glänzende Strumpfhose, wie sie zum Beispiel im Tanzsport getragen wird. Da diese Strumpfhosen bei diesen Sportarten häufig stark beansprucht werden, sind sie sehr widerstandsfähig gegen Laufmaschen und andere Beschädigungen. Die meisten Modelle sind in dunklen Hauttönen mit Garnfeinheit von 70 bis 90 den und Schrittzwickel aus Baumwolle oder auch Coolmax erhältlich. Strickstrumpfhosen werden aus dickeren, gesponnenen Garnen hergestellt als Feinstrumpfhosen, meistens aus Baumwolle oder Wolle mit einer Beimischung von Synthetikfasern wie zum Beispiel Elastan, das die Strumpfhose dehnbar macht. Sie werden mit speziellen Strickmaschinen hergestellt. Strickstrumpfhosen sind dicker und wärmer als Feinstrumpfhosen. Es gibt sie sowohl glatt gestrickt als auch mit strukturierter Oberfläche . Netzstrumpfhosen, oder auch Ajour-Strümpfe, haben eine netzartige, löchrige Struktur. Sie sind meist nahtlos gearbeitet und haben nur eine Zehenverstärkung. Analog zum Netzstrumpf werden sie, vor allem mit weiten Maschen oder auch Rücknähten am Bein, mit Erotik in Verbindung gebracht. Kompressionsstrümpfe oder -strumpfhosen werden häufig von Patienten mit Venenleiden oder Lymphödemen getragen, oder zur Vorbeugung von Thrombose. Sie sind besonders fest und üben dadurch einen definierten Druck auf die Beine aus. Dieser Druck ist bei Kompressionsstrumpfhosen stärker als bei Stützstrumpfhosen . Zusätzlich werden Strumpfhosen produziert, die speziellen Bedürfnissen entgegenkommen. Beispiele dafür sind: Die Verwendungen werden neben persönlichem Komfort und Art der Strumpfhose auch vom pragmatischen Zweck und der aktuellen Mode mitbestimmt. Es ist nicht ungewöhnlich, sie zusammen mit anderen Hosen zu tragen. Z. B. tragen Balletttänzer auf der Bühne spezielle Tangas darunter, welche die Konturen verschleiern, während Balletttänzerinen das Höschenteil ihres Trikots über ihren weniger blickdichten Strumpfhosen tragen. Im privaten Bereich wird dies aus ästhetischen Gründen bei Bodysuits und wegen des glatten Materials auch bei Shapeware empfohlen. Manche bevorzugen zusätzliche Unterhosen als erste Lage. Sie alleine unter Röcken zu tragen kann ein rein ästhetischer Entschluss sein oder auch um Vaginale Pilzinfektionen zu vermeiden. Insbesondere wenn der Zwickel aus Baumwolle ist. Es konnte jedoch nicht nachgewiesen werden, dass vaginale Pilzinfektionen durch enge oder nicht aus Baumwolle bestehende Unterwäsche ausgelöst werden. Zu den Verwendungszwecken gehören: In früheren Jahren konnte ein kaputter Keilriemen durch einen Damenstrumpf bzw. eine Feinstrumpfhose ersetzt werden, belegt ist dies beispielsweise für den VW Käfer oder den Trabant. Bei modernen Fahrzeugen ist dies aber nicht mehr möglich.
2024-12-02 00:11:50
https://de.wikipedia.org/wiki/Tracey_Seaward
Tracey Seaward ist eine britische Filmproduzentin. Tracey Seaward besuchte die Wolfreton School und das Hull College. Anschließend studierte sie Filmwissenschaften und Cultural studies am Trinity College in Leeds. Sie produzierte unter anderem die Stephen-Frears-Filme Kleine schmutzige Tricks , Lady Henderson präsentiert , Die Queen , Chéri – Eine Komödie der Eitelkeiten , Immer Drama um Tamara sowie Philomena . Für Die Queen erhielt sie zusammen mit den beiden anderen Produzenten Christine Langan und Andy Harries 2007 den British Academy Film Award für den besten Film. Die Queen wurde außerdem 2007 für den Oscar nominiert. Philomena wurde bei der Oscarverleihung 2014 als Bester Film nominiert. 2008 wurde sie Ehrendoktor der University of Hull. 2012 produzierte sie die Eröffnungsfeier der Olympischen Sommerspiele 2012 in London sowie die beiden Kurzfilme Happy and Glorious und Isles of Wonder.
2024-12-03 14:47:56
https://de.wikipedia.org/wiki/Szczytna
Szczytna ist eine Stadt in der Stadt- und Landgemeinde Szczytna im Powiat Kłodzki der Woiwodschaft Niederschlesien in Polen. Sie ist zugleich Sitz der gleichnamigen Stadt- und Landgemeinde mit 7185 Einwohnern . Szczytna liegt zwischen dem Heuscheuergebirge und dem Habelschwerdter Gebirge in einem von der Reinerzer Weistritz durchflossenen Talkessel am Eingang des Höllentales . Nachbarorte sind Polanica-Zdrój im Osten, Sokołówka im Südosten, Bobrowniki und Szklarnia im Süden, Bystra , Duszniki-Zdrój und Dolina im Westen sowie Złotno , Ocieszów und Batorów im Nordwesten. Folgende ehemals selbständige Dörfer gehören als Ortsteile zur Stadt Szczytna: Die erste urkundliche Erwähnung von „Rukers“, das in älteren Urkunden auch als „Rückarsdorf“ bezeichnet wird, stammt aus dem Jahre 1347. Es bestand zunächst aus zwei Anteilen und einem Freirichtergut. Ein Teil gehörte zur Herrschaft Hummel und war 1351 im Besitz des Nikel von Glaubos . Für den anderen Teil, der von Anfang an zum Glatzer Land gehörte, das 1459 zur Grafschaft Glatz erhoben wurde, ist für 1460 Georg von Lazan nachgewiesen, der ihn 1463 dem Glatzer Landschreiber Paul von Grätz verkaufte. 1478 besaß diesen Teil Sigmund von Lazan, der ohne Nachkommen starb, wodurch seine Besitzungen als erledigtes Lehen durch Heimfall an Herzog Heinrich d. Ä. in dessen Eigenschaft als Graf von Glatz fielen. Dieser schenkte 1494 die Hälfte von Rückers dem Glatzer Augustiner-Chorherrenstift, das diesen Anteil 1543 dem Glatzer Landeshauptmann Hans Prag von Wellnitz verkaufte. Er erwarb 1546 auch das Rückerser Erbrichtergut und erbaute zwei Jahre später ein herrschaftliches Wohnhaus. 1552 kamen beide Güter an den Glatzer Pfandherrn Ernst von Bayern, dem seit 1549 auch die Herrschaft Hummel gehörte, sodass nunmehr alle Anteile von Rückers unter einem Besitzer vereint waren. Herzog Ernsts Erben verkauften 1567 die ganze Grafschaft Glatz sowie die Herrschaft Hummel dem böhmischen Landesherrn Rudolf II., wodurch ganz Rückers nunmehr der landesherrlichen Kammer unterstand. 1579 übergab Kaiser Rudolf II. das Kammergut Rückers mit allen Rechten und einem Steinbruch seinem Rat und Leibarzt Johann Crato von Krafftheim als Lehen. Dieser erbaute an der Stelle des herrschaftlichen Wohnhauses ein Schloss, auf das er sich nach der Entlassung aus dem Hofdienst zurückzog. Er war mit Martin Luther und Philipp Melanchthon befreundet und erbaute 1580 mit Genehmigung und finanzieller Unterstützung des Landesherrn eine kleine Kirche, an der er eine reformierte Gemeinde gründete. Die Kirche soll das älteste lutherische Gotteshaus der Grafschaft Glatz und ganz Schlesiens gewesen sein. Nach Cratos Tod 1606 erbte dessen Sohn Johannes das Gut Rückers, von dem es auf dessen Witwe Anna, geborene Heugel von Polkowitz, überging. Sie verheiratete sich in zweiter Ehe mit dem Breslauer Landeshauptmann Abraham Jenkwitz und nach dessen Tod 1609 in dritter Ehe mit dem kaiserlichen Hofkammerrat Paul von Krauseneck. 1623 war sie wiederum Witwe. Während des Dreißigjährigen Krieges plünderten 1627 die Kaiserlichen den Ort und brannten das Schloss nieder, das nach Kriegsende wieder errichtet wurde. Zu weiteren Plünderungen und Bränden kam es 1646 durch die Schweden. 1639 übergab Kaiser Ferdinand III. das Gut Rückers als Allodialbesitz dem Arzt Dr. Isaias Sachs. Dieser war ein Sohn des Neuroder Pfarrers Jonas Sachs und wirkte 1628 als Physikus der Grafschaft Glatz. Nach seiner Konversion zum Katholizismus wurde er kaiserlicher Leibarzt und Landphysikus von Böhmen. 1650 erhielt er vom böhmischen König Ferdinand IV. die Untertanen aus den drei Kammerdörfern Hartau, Utschendorf und Friedersdorf. Nach seinem Tod 1655 wurde seine Witwe Margareta , geborene von Hartig, Universalerbin. Sie hinterließ die Besitzungen 1668 testamentarisch ihrem Vetter Johann Isaias von Hartig. Dieser erwarb 1684 zur Herrschaft Rückers die Kammerdörfer Jauernig, Nerbotin, Löschney, Keilendorf, Tschischney, Kessel und Hallatsch sowie einen Wald, der sich von Rückers bis Passendorf erstreckte. 1685 kam zudem die ganze Herrschaft Koritau in seinen Besitz. Er starb 1708, und die Herrschaft Rückers fiel an seinen jüngsten Sohn, den Freiherrn Christoph Cajetan von Hartig. Dieser starb 1719 ohne Nachkommen und vererbte das Gut Rückers seinem Bruder Johann Hubert Reichsgraf von Hartig, der um 1724 die Kolonie Johannesthal gründete. Nach seinem Tod 1741 erbte dessen Tochter Maria Antonia die Besitzungen. Sie war mit dem sächsischen Generalleutnant Reichsgraf Franz von Bellegarde verheiratet und vererbte die Herrschaft Rückers ihren Söhnen Friedrich und Heinrich. Das 1721 bis 1723 errichtete katholische Gotteshaus war die ersten zwanzig Jahre eine Filialkirche der Pfarrei Pfarrkirche der hll. Peter und Paul Reinerz. 1743 wurde sie zur Pfarrkirche erhoben und nachfolgend die Dörfer Utschendorf, Gläsendorf und Hartau zu ihr gewidmet. Nach dem Ersten Schlesischen Krieg 1742 und endgültig 1763 mit dem Hubertusburger Frieden fiel Rückers zusammen mit der Grafschaft Glatz an Preußen. Um 1781 gründete Friedrich von Bellegarde die Kolonie Friedrichsberg mit einem herrschaftlichen Vorwerk und zwölf Kolonistenhäusern. 1784 veräußerte er die Herrschaft Rückers dem preußischen Obristen Michael von Stillfried auf Neurode, von dem es sein zweiter Sohn Friedrich von Stillfried auf Hausdorf erbte. 1790 ließ der preußische König Friedrich Wilhelm II. auf dem 580 m hohen Steinberg ein Fort errichten, das der Landesverteidigung dienen sollte. 1796 verkaufte Friedrich von Stillfried die Herrschaft Rückers seinem Vetter Karl von Stillfried. Nach der Neugliederung Preußens gehörte Rückers ab 1815 zur Provinz Schlesien und wurde 1816 dem Landkreis Glatz eingegliedert, mit dem es bis 1945 verbunden blieb. 1827 erwarb Leopold Karl Moritz von Hochberg die Herrschaft Rückers. Er ließ zwischen 1832 und 1838 das verfallene Fort zur Burg Waldstein umbauen. Nahe der Burg errichtete er die Glashütte Waldstein, um die eine Siedlung entstand, die den Grundstock für den Gutsbezirk Waldstein und die spätere Landgemeinde Walddorf bildete. Rückers blieb bis 1842 im Besitz der Grafen von Hochberg, dem eine ganze Reihe weiterer Besitzer folgten. 1874 wurde der Amtsbezirk Rückers gebildet, zu dem neben Rückers die Landgemeinden Hartau, Utschendorf und Walddorf sowie die Gutsbezirke Rückers und Waldstein gehörten. 1939 lebten in Rückers 4503 Einwohner. Als Folge des Zweiten Weltkriegs fiel Rückers wie fast ganz Schlesien an Polen und wurde in Szczytna umbenannt. Die deutsche Bevölkerung wurde bis auf wenige Ausnahmen vertrieben. Die neu angesiedelten Bewohner waren zum Teil Zwangsumgesiedelte aus Ostpolen, das an die Sowjetunion gefallen war. Nachfolgend wurde Sitz einer Glasfachschule und erhielt 1960 den Status einer stadtartigen Siedlung, der 1973 das Stadtrecht verliehen wurde. Bis 1975 gehörte es Woiwodschaft Breslau und anschließend bis 1998 Woiwodschaft Wałbrzych . Die Einwohner von Rückers waren vorwiegend Handwerker. Das Holz aus den Gebirgswäldern wurde in einer Sägemühle verarbeitet, und die Wasserkraft der Weistritz und des einmündenden Steinbaches trieb Mahlmühlen an. Im Dorf bestand eine Brauerei. Zudem war die Gegend von Rückers seit ältesten Zeiten ein bevorzugter Standort für Glashütten und Glasveredelungswerkstätten. Die Glashütte von Gläsendorf ist für das 15. Jahrhundert nachgewiesen. Seit 1770 entwickelte sich Friedrichsgrund zu einem bedeutenden Standort der Glasindustrie, und 1840 errichtete der damalige Grundherr Major Karl Leopold Moritz von Hochberg die Glashütte Waldstein, die zur Landgemeinde Walddorf gehörte. In Hartau und Gläsendorf befanden sich Glasveredelungsbetriebe. Mit dem Eisenbahnanschluss an der Bad Reinerz, die 1890 Rückers erreichte, wurde die weitere Entwicklung der Glasindustrie maßgeblich gefördert. Um 1870 entstand in Rückers eine Glasschleiferei, die später von Ferdinand Rohrbach und Carl Böhme erworben und 1895 um eine Glashütte erweitert wurde. 1897 erfolgte die Eintragung in das Handelsregister unter der Bezeichnung „Krystallglas-Hüttenwerke Rückers F. Rohrbach und Carl Böhme KG“. 1911 trat Wilhelm Knittel, Inhaber des gleichnamigen Porzellan- und Kristallgeschäfts in Breslau, als persönlich haftender Gesellschafter in die F. Rohrbach und Carl Böhme KG ein. Nach dem Ausscheiden der anderen Gesellschafter übernahm Wilhelm Knittel zum 1. September 1931 die übrigen Gesellschaftsanteile. Das Unternehmen erweiterte 1933 seine Produktionsanlagen durch die Inbetriebnahme einer weiteren Glashütte in Rückers und einer Niederlassung in Bad Reinerz. Unter der Schutzmarke „Glasbläser“ wurde kunstvoll geschliffenes Kristallglas hergestellt und in viele europäische Staaten sowie nach Südafrika und Südamerika geliefert. Für die Mitarbeiter wurden 24 werkseigene Wohnhäuser errichtet. 1939 wurden 857 Mitarbeiter beschäftigt. Nach dem Tod von Wilhelm Knittel 1939 wurde die Firma bis zur Enteignung 1946 von dessen älterem Sohn weiter geführt. Nach dem Übergang an Polen wurde der Betrieb verstaatlicht und firmierte nach Modernisierungsmaßnahmen 1960 unter der Bezeichnung „Huta Szkła Gospodarczego Sudety“. Seit 1959 wurde der Glaskünstler Zbigniew Horbowy beschäftigt sowie Stefan Sadowski. Hergestellt werden neben Gebrauchsglaswaren auch Laborgläser.
2024-12-04 05:03:25
https://de.wikipedia.org/wiki/Billrothhaus#Bibliothek
Das Billrothhaus ist der Sitz der Gesellschaft der Ärzte in Wien. Es ist benannt nach dem deutschen Arzt und ehemaligen Präsidenten der Gesellschaft Theodor Billroth. Den Anstoß für den Bau eines Hauses durch die Gesellschaft der Ärzte war in erster Linie die Platznot, welche der wachsende Bestand der Fachbibliothek des Vereins mit sich brachte. Nach diversen Umzügen der Bibliothek in Wien ließ der Präsident Heinrich Bamberger 1885 ein Aktionskomitee erwählen, das sich mit der Erbauung eines eigenen Lokals beschäftigen sollte. Schließlich wurde ein Grundstück aus dem Besitz des Wiener Stadterweiterungsfonds im 9. Wiener Gemeindebezirk gefunden, das gekauft werden sollte. Theodor Billroth, der Präsident des Vereins ab 1888, rief die Mitglieder der Gesellschaft auf, Anteile des zu errichtenden Gesellschaftshauses zu erwerben, wodurch das 662 m² große Grundstück schließlich unter Zuhilfenahme eines Kredits für 57.000 Gulden gekauft werden konnte. Für die Errichtung des Gesellschaftshauses hat das Aktionskomitee Vorgaben entworfen. demnach mussten mit eingeplant werden: Der Architekt Ludwig Richter wurde schließlich mit der Aufgabe betraut und zwei Jahre später, am 27. Oktober 1893, konnte das Haus von Theodor Billroth eröffnet werden. “So sind wir denn in unserem eigenen Hause.” Das Gebäude ist zweigeschossig. Im Straßentrakt des Erdgeschosses befindet sich die Bibliothek und der große Vortragssaal und hinter dem Stiegenhaus der kleine Vortragssaal, welcher in heutiger Zeit zu einem Zeitschriftenzimmer umfunktioniert wurde. Im Jahre 1906 wurde eine erste bauliche Adaptierung vorgenommen: Der Innenhof wurde tiefergelegt und das Souterrain getrocknet um die Errichtung eines Büchermagazins zu ermöglichen. 1909 schließlich erfolgte die Erweiterung des Gebäudes durch Verbauung eines Teils des Innenhofes, was die Errichtung eines großen und eines kleinen Archivzimmers ermöglichte, sowie einer Garderobe. Am 9. Mai 1919 stellte der neu gewählte Präsident des Vereins, Anton Eiselsberg den Antrag, das Vereinshaus „Billrothhaus“ zu taufen. Diesem Antrag wurde stattgegeben. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Gesellschaft der Ärzte aufgelöst und durch die Wiener Medizinische Gesellschaft ersetzt, welche vom NS-Regime kontrolliert wurde. Die Bibliothek wurde zum Schutz vor alliierten Bombenangriffen in eine Scheune in Peigarten bei Waidhofen an der Thaya untergebracht. Das Billrothhaus wurde in dieser Zeit durch Kampfhandlungen beschädigt, jedoch wurden die nötigen Reparaturarbeiten erst nach der Neugründung der Gesellschaft der Ärzte nach dem Krieg in Angriff genommen. Bei der Rückholung der Bibliothek musste das Untergeschoss des Billrothhauses zu einem Büchermagazin umgebaut werden. 1956 wurde die Bibliothek erneut erweitert. Seit 2008 steht das Gebäude unter Denkmalschutz. Das Billrothhaus ist ein zweigeschossiger, fünfachsiger, palaisartiger Neorenaissancebau aus den Jahren 1892/93. Die äußere Fassade ist im Erdgeschoss rustiziert und im Obergeschoss befinden sich zwischen korinthischen Doppelpilastern jeweils Rundbogenfenster. Über dem profilierten Hauptgesims ist in ganzer Länge des Hauses eine Attikabalustrade angeordnet, die ursprünglich mit Figuren geschmückt war. Es handelte sich dabei um Apollo, Asklepios, Hygieia und Minerva, geschlagen aus Loretto-Stein vom Bildhauer Anton Paul Wagner. Eine tonnengewölbte, stuckgegliederte Eingangszone führt durch eine Holztür mit originalen geätzten Scheiben – und durch eine weitere, gleichgestaltete Tür geradeaus in den Hof und rechts über eine Stiege mit einem Eisenrankengeländer zwischen zwei dahinter freistehenden Stuckmarmorsäulen zum weiträumigen Foyer des Hochparterres. Das Foyer und das Vestibül sind mit einer, die Fassadengliederung fortsetzenden Arkaden- und Pilasterordnung mit Terrazzoböden ausgestattet. Die originale Portierloge befindet sich links im Steinhaustrakt und im Hoftrakt dahinter ein Sprechzimmer mit der alten, rundum laufenden Holzmöblierung. Im findet man Vestibül, in einer reich ornamentierten Nische eine Büste von Kaiser Franz Joseph I. und an der Seitenwand derselben eine Votivtafel mit der Aufschrift: „Dieses Haus der k. k. Gesellschaft der Ärzte in Wien wurde unter der Regierung Sr. Majestät des Kaisers Franz Joseph I. während des Präsidiums des Dr. Theodor Billroth durch den Architekten Ludwig Richter erbaut und am 27. October 1893 eröffnet.“ Der seitliche Stiegenaufgang ist gerahmt von eingestellten Säulen. Im Foyer befinden sich Kompositpilaster und eine Stuckdecke. Der Lesesaal im Erdgeschoss ist ausgestattet mit teils noch originalen Bücherregalen und einer Galerie mit gedrechselten Säulen. Im Obergeschoss befindet sich der große, rechteckige Vortragssaal, überhöht von einer umlaufenden Empore. Die Wand wird gegliedert durch blinde Rundbögen zwischen Pilastern. Darüber finden sich Stichkappen mit Gipsbüsten berühmter Mediziner. Die Decke ist kassettengerahmt und mit reichem Stuck verziert. Auf der Balustrade sind zwei Marmorbüsten angebracht, welche Joseph Skoda und Theodor Billroth zeigen. Im Gartentrakt befindet sich der kleine reich ornamentierte Sitzungssaal mit zwei Büsten und einem Gemälde. Die Errichtung einer Bibliothek galt seit der Gründung der Gesellschaft der Ärzte als eines der obersten Ziele. Die meisten medizinischen Zeitschriften wurden über den Tausch- und Schenkungsweg erworben oder von Mitgliedern bereitgestellt, welche diese abonniert haben. Bücherspenden von Mitgliedern, Gönnern und Institutionen ließen den Bestand anwachsen, sodass noch im Gründungsjahr der Bibliothek 1840 ein Bibliothekar ernannt wurde. Ab 1900 kamen auch vermehrt Schenkungen von Kliniken und Instituten des Allgemeinen Krankenhauses in Wien. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden die Kontakte der Vereinsmitglieder genutzt um auch ausländische Quellen zu überreden sich am Bibliotheksbestand zu beteiligen, wodurch sich Zuwächse aus Uruguay, der London University und der Rockefeller Foundation ergaben. Zunehmende Platznot machte zahlreiche Umzüge der Bibliothek in der Geschichte notwendig, bis sie schließlich in das Billrothhaus im 9. Bezirk in Wien einzog, wo sie heute zu den wertvollsten Fachbibliotheken der Welt zählt. Mit Isidor Fischer als Bibliothekar ab 1923, konnten Tauschverträge mit deutschen Institutionen abgeschlossen werden, was der Bibliothek wiederum ein Kontingent an Fachzeitschriften zusicherte. Zum Tausch bot die Gesellschaft der Ärzte ihre Zeitschrift an – die „Wiener klinische Wochenschrift“. Nach dem Anschluss musste Isidor Fischer ins Exil, konnte jedoch kurz davor ein Buch über die Gesellschaft der Ärzte veröffentlichen, in dem er nicht als Autor erwähnt wird. Mit dem Untergang der Gesellschaft der Ärzte in Wien während des Zweiten Weltkriegs übernahm Adolf Irtl dessen Geschäfte durch die „Wiener Medizinische Gesellschaft“. Im Rahmen der Auflösung des Vereins wurde sein Vermögen geschätzt und der Wert der Bibliothek als „unschätzbar“ eingestuft. 1946 wurde die „Wiener Medizinische Gesellschaft“ wieder aufgelöst, die Gesellschaft der Ärzte wieder gegründet und die Bibliothek reaktiviert. Die Kontakte zum Ausland wurden wieder geknüpft, wodurch wieder Zuwächse z. B. durch die Allied Commission for Austria, von der UNRRA, der WHO und von ausländischen Universitätsbibliotheken. Große Teile der Bibliothek wurden 1967 und 2003 als Dauerleihgaben an die Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin transferiert. 1967 wurden über 30.000 Bänder abgegeben, wovon etwa 10.000 als Doubletten identifiziert wurden. 2003 kamen etwa 26.000 medizinhistorische Monographien und 300 historische medizinische Zeitschriften hinzu, welche nicht in den alten Bestand integriert, sondern separat aufgestellt wurden und als Besonderheit die medizinische Entwicklung in den Ländern der ehemaligen Habsburgermonarchie dokumentiert. Das Angebot an Zeitschriften stieg stetig an , allerdings machte die Veränderung des Leseverhaltens der neuen Ärztegeneration und die Knappheit der finanziellen Mittel ein Umdenken notwendig. Aus diesem Grund wurden ab 1997 die Print-Zeitschriften allmählich ausgeschieden und durch elektronische Zeitschriften ersetzt. Ein Literaturservice wurde eingerichtet, welches Mitgliedern der Gesellschaft medizinische Fachartikel aus den Beständen zur Verfügung stellen konnte. Dieses Service wurde immer wieder ausgebaut und umfasst heute ein Medline-Recherchesystem, ca. 700 elektronische Zeitschriften und einen Katalog der historischen Bestände. Außerdem bietet das Billrothhaus seit 2004 in Zusammenarbeit mit der Österreichischen Ärztekammer E-Learning-Fortbildungskurse für Ärzte an und seit 1998 werden alle wissenschaftlichen Sitzungen auf Video aufgenommen und den Mitgliedern auf der Website des Billrothhauses zur Verfügung gestellt. 48.21566111111116.356102777778180Koordinaten: 48° 12′ 56,4″ N, 16° 21′ 22″ O
2024-12-02 10:16:09
https://de.wikipedia.org/wiki/Jiddische_Literatur
Jiddische Literatur ist die mit hebräischen Schriftzeichen niedergeschriebene Literatur der jiddischen Sprache. Das Jiddische war die Alltagssprache der aschkenasischen Juden in Mitteleuropa. Hebräisch war dagegen die „heilige Sprache“ der Tora, des Talmuds und anderer religiöser Schriften, rabbinischer Auslegungen und offizieller Urkunden. So hatte die altjiddische Literatur immer einen volkstümlichen Charakter, sie bestand oft aus Epen, die ihre Stoffe aus Bibel, Talmud und Midrasch, aber auch aus weltlichen mittelhochdeutschen und altfranzösischen Vorlagen schöpften. Der bisher älteste bekannte altjiddische Vers findet sich in einer Handschrift des Wormser Machsor aus dem Jahre 1272. Mit der Erfindung des Buchdrucks nahm die Verbreitung der Werke der altjiddischen Literatur zu. Wichtige Druckorte befanden sich etwa in Krakau, Venedig, Augsburg, Basel, Prag, Frankfurt am Main und Amsterdam. Seit dem Hochmittelalter sind beispielsweise auch Fachprosatexte aus dem Bereich der Medizin nachweisbar. Wichtige Werke der altjiddischen Literatur waren unter anderem Die Werke der mystisch-religiösen Bewegung des Chassidismus wurden in Hebräisch geschrieben. Nathan von Brazlaw veröffentlichte 1815 einige wichtige Parabeln von Nachman von Brazlaw in Jiddisch, die einen Einfluss auf die spätere jiddische Literatur hatten. Auch die Ideen der Haskala, der jüdischen Aufklärung wurden ausschließlich in hebräischer Sprache publiziert. Menachem Mendel Lefin versuchte 1815 einige Bibeltexte auf Jiddisch zu veröffentlichen und stieß dabei auf erheblichen Widerstand. Die moderne jiddische Literatur begann mit Salomo Ettinger und Abraham Bär Gottlober, auch Israel Aksenfeld. Ihren Höhepunkt erlebte sie in den Werken von Mendele Moicher Sforim, Itzhok Lejb Perez und Scholem Alejchem, den sogenannten drei Klassikern der jiddischen Literatur. Während Mendeles Werke durch ihren Ausdrucksreichtum und einen gesellschaftskritischen Standpunkt geprägt sind, brachte Scholem Alejchem mit Werken wie Josele Solovej oder Monologn neue erzählerische Techniken in die jiddische Literatur ein. Perez dagegen ist vor allem durch seinen literarischen Modernismus und die Darstellung der inneren Welt seiner Figuren bekannt. Abraham Goldfaden wurde zum Begründer des modernen jiddischen Theaters, Jacob Gordin war bald der meistgespielte Autor auf jiddischen Bühnen. Im westlichen Sprachraum kam es aufgrund der Assimilierung des Westjiddischen an das Hochdeutsche nicht zu einer vergleichbaren Ausbildung einer sprachlich eigenständigen Literatur, doch finden sich Ausprägungen im Bereich der Mundartdichtung wie in den pfälzisch-jiddischen Werken von Christian Heinrich Gilardone. Die jiddische Literatur entwickelte sich im 20. Jahrhundert mit Autoren wie Salomon An-ski, Josef Opatoschu, Pinchas Kahanowitsch in Russland und der Sowjetunion oder Schalom Asch, Israel Joschua Singer, Moische Broderson, Lamed Shapiro und Isaak Kazenelson in Polen. Etliche Autoren wanderten in die USA aus. Dort entwickelte sich eine Literaturszene aus Emigranten und Einheimischen. Bekannte Autoren aus der New Yorker Szene waren Morris Winchevsky, Morris Rosenfeld, David Edelstadt oder Yehoash . Eine große Aufmerksamkeit bekam die jiddische Literatur nach dem Literatur-Nobelpreis 1978 für Isaac Bashevis Singer. Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich mit Schriftstellern wie Avrom Sutzkever oder Lejb Rochman auch eine jiddische Literatur in Palästina und später in Israel. Sutzkever wurde mit Werken wie Fun wilner geto oder Di feßtung als ‚der Dichter des Holocausts‘ bekannt. Ab 1949 gab er in Tel-Aviv die Zeitschrift Di goldne keyt heraus. Das Werk von Rochman setzt sich vor allem mit den traumatischen Erfahrungen des Autors als Holocaustüberlebender auseinander. Sein bekanntestes Buch ist Un in dajn blut solßtu lebn. Jossel Birstein schrieb zunächst ausschließlich auf Jiddisch und übersetzte seine Werke auch auf Ivrit. Ab der Zwischenkriegszeit wurden auch einige weibliche Autoren bekannt, vor allem Anna Margolin , Celia Dropkin und Kadia Molodowsky. Die drei Schriftstellerinnen kamen aus Weißrussland und wanderten später in die USA aus. Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gibt es eine gewisse Anzahl Publikationen jiddischer Werke, die in einer lateinischen Umschrift erscheinen, um das Jiddische auch solchen Interessierten näherzubringen, welche die hebräische Schrift nicht lesen können. Manchmal finden sich beide Schriftarten auf den sich jeweils gegenüberliegenden Seiten. Zu den in Europa gebürtigen, vor dem Krieg geborenen jiddischen Autoren, die im 21. Jahrhundert noch publizierten, gehören die in Polen geborene kanadische Autorin Chava Rosenfarb , die aus Litauen stammende und nach Israel ausgewanderte Autorin Rivka Basman Ben-Hayim, der in der Ukraine geborene israelische Autor Mishe Lev und die austroamerikanische Dichterin und Songschreiberin Beyle Schaechter-Gottesman . Die amerikanische Feuilletonististin und Dramatikerin Miriam Hoffman schreibt für das Forverts, die jiddische Ausgabe des Forward. Zur Nachkriegsgeneration gehören der 1950 in Moldawien geborene und heute in den USA lebende ehemalige Herausgeber des Forverts Boris Sandler, der 1951 in der Ukraine geborene und 1991 nach Israel ausgewanderte Dramatiker Mikhoel Felsenbaum und der 1956 in Brooklyn, New York geborene, heute in Litauen lebende Dovid Katz. Eine jüngere Generation jiddischer Autoren entspringt dem Chassidismus und dem ultraorthodoxen Judentum, beispielsweise Blogautoren wie der unter seinem Pseudonym bekannte Satiriker Katle Kanye und der anonyme Blogger Natirlich. Beeinflusst von jiddischer Literatur wurden beispielsweise die US-Amerikaner Nathan Englander, Jonathan Safran Foer und Dara Horn, die Jiddisch und Hebräisch studiert hat, aber in Englisch schreibt. deutsch jiddisch englisch deutsch englisch
2024-12-02 05:20:57
https://de.wikipedia.org/wiki/Ethinylgruppe
Die Ethinylgruppe – veraltet auch Äthinylgruppe – ist eine funktionelle Gruppe der organischen Chemie und ist ein Ethin-Molekül, aus dem ein Wasserstoffatom entfernt wurde. Die Einführung einer Ethinylgruppe in organisch-chemische Verbindungen mittels Acetyliden wird Ethinylierung genannt. Bei der Ethinylierung von Ketonen entstehen geminale Ethinylalkohole. Die deutsche Bezeichnung Acetylenylgruppe ist heute aufgrund der Anglisierung der Fachsprache nicht mehr gebräuchlich und findet sich nur noch in alten Versuchsbeschreibungen.
2024-12-04 03:40:34
https://de.wikipedia.org/wiki/Wildwechsel_(Film)
Wildwechsel ist ein deutscher Fernsehfilm des Regisseurs Rainer Werner Fassbinder nach dem gleichnamigen Theaterstück von Franz Xaver Kroetz. Der vom Sender Freies Berlin in Auftrag gegebene Film wurde innerhalb von 14 Tagen im März 1972 für ca. 550.000 DM von der Firma Intertel produziert. Die Uraufführung war am 30. Dezember 1972; die Fernseh-Erstausstrahlung erfolgte am 9. Januar 1973 im ARD-Fernsehen. Offizieller Kinostart war am 8. März 1973. Die 14-jährige Hanni wird von ihren Eltern als ein kleines Kind gesehen, obwohl sie bereits selbstbewusst ihre Standpunkte vertritt. Als sie den 19-jährigen Franz kennenlernt, schläft sie mit ihm, was ihm wegen Verführung einer Minderjährigen 9 Monate Gefängnis und die Entlassung aus seiner Hilfsarbeiterstelle einbringt. Als er wegen guter Führung vorzeitig entlassen wird, schimpft Hannis Vater über die Regierung und wünscht sich die Todesstrafe und das strenge alte Regime zurück, auch wenn „das mit den Juden“ falsch gewesen sei. Die Eltern sind ratlos, als sie merken, dass Hanni die Beziehung zu Franz nicht aufgeben will. Franz und Hanni treffen sich heimlich weiter. Als Hanni schwanger wird, wollen sie abtreiben, fürchten aber, dass Hanni dann der Polizei überstellt wird. Als Hannis Vater ihr bei weiteren Treffen droht, Franz anzuzeigen, besorgt Hanni eine Pistole. Sie drängt Franz, sie zu beschützen und den Vater zu erschießen. Hanni lockt den Vater zu einem Treffen mit Franz in den Wald, wo dieser ihn erschießt. Beide werden festgenommen. Vor dem Gerichtssaal erfährt Franz von Hanni, dass ihr Kind kurz nach der Geburt gestorben ist. Hanni wendet sich von ihm ab und sagt, die Beziehung sei nur körperlich gewesen. Niedergeschlagen stimmt Franz ihr zu, dass sie keine richtige Liebe verbunden habe. Die Handlung des Theaterstücks und gleichzeitig die der Verfilmung basiert auf einem wahren Fall: 1967 wurde der Vater der damals 13-jährigen Erika B. in Lohne von seiner eigenen Tochter und dem 19-jährigen Alfred M. mit einem Gewehr erschlagen. Dem vorausgegangen war das Verhältnis Erikas mit Alfred, der deswegen zu einer neunmonatigen Jugendstrafe verurteilt wurde, aus der er vorzeitig entlassen wurde. Nach Verbüßung der Strafe führten sie ihre Beziehung fort, bis Erika schwanger wurde. Also beschlossen sie, den Vater umzubringen. Als „Pornographie mit sozialkritischem Touch“ bezeichnete Autor Franz Xaver Kroetz die Verfilmung seines Stückes und versuchte, die Aufführung des Films in den Kinos zu verhindern. Doch obszön fand Kroetz nicht die nackte Männlichkeit, die viele Fernsehzuschauer bei der Ausstrahlung des Films verschreckt hatte. Obszön nannte er „die Denunzierung der Menschen, die der Film betreibt“. Fassbinder dazu: „Also ich würde mich gegen den Vorwurf der Denunziation von Menschen eigentlich in allen Sachen, die ich gemacht habe, wehren. Im Gegenteil, ich meine, dass ich wirklich weniger als fast alle anderen Leute Leute denunziere und viel zu sehr positiv auf Leute eingehe, wo es eigentlich schon gar nicht mehr tragbar ist. Wenn zum Beispiel in Wildwechsel der Vater von seinen Kriegserlebnissen erzählt, wenn seine Ansichten besonders schrecklich werden, dann sind wir immer besonders zart mit ihnen umgegangen, um klarzumachen, dass das Schreckliche etwas ist, was sie sprechen und was natürlich ihre Ansichten sind, die ihnen aber beigebracht worden sind, also dass eigentlich der Mensch etwas Zartes oder Zärtliches ist und dass das, was er sagt oder denkt, das Schreckliche ist – und nicht, dass er das ist.“ „Familiendrama frei nach einem Bühnenstück: in Form und Inhalt eine provokative Attacke gegen kleinbürgerlichen Mief und dumpfen Moralismus. Die heile Welt der Volksstück-Klischees radikal unterwandernd, zeigt Fassbinder ein klaustrophobisch verengtes Milieu, das Fühlen und Handeln der Protagonisten bestimmt und noch ihre hilflosen Befreiungsversuche determiniert.“ „Fassbinder füllt Kroetzens kunstvoll kunstlose Wortpartitur der Sprachlosigkeit, in der die Pausen zwischen den einzelnen Sätzen den größeren Raum einnehmen, mit Leben. Aus der dürren Vorlage gewinnt er eine erschütternde Kindertragödie: Frühlingserwachen in Niederbayern. Mit ungestümer Gewalt werden die beiden Jugendlichen von Gefühlen erfasst, die die Umwelt unterdrücken will. Vater und Mutter fragen darauf ratlos, was sie falsch gemacht haben. Fassbinder enthüllt die Hilflosigkeit dieser Menschen, tastet sie mit unendlichem Zartgefühl noch in ihrer Verbohrt- und Beschränktheit ab. Vollkommen Fassbinders Beherrschung der filmischen Mittel, sein Vermögen, durch sparsamsten Einsatz von Farben, Kamerafahrten oder von Musik Stimmungen zu setzen oder umschlagen zu lassen“ „Die extremen Stilisierungen früherer Filme hat Fassbinder hier schon weitgehend hinter sich gelassen. Wildwechsel folgt neben anderen Fernseharbeiten wie Pioniere in Ingolstadt und Ich will doch nur, daß ihr mich liebt in der Filmografie des Regisseurs noch am ehesten einem klassischen Realismus, in dem lediglich die ausdruckslose und abgehackte Art des Schauspiels noch verfremdend wirkt. Emotionen sind den Menschen abhanden gekommen. Sie wirken wie narkotisiert von der kleinbürgerlichen Enge ihrer Heimat. Selbst das Liebespaar blökt sich hier die meiste Zeit an, unfähig, seine wahren Gefühle zu artikulieren. Zwei Szenen, in denen Hanni noch entschiedener als sexuelle Aggressorin inszeniert wurde, ließ der Dramatiker noch vor der Fernsehausstrahlung entfernen. Aber auch wenn der Dramatiker seine etwas angestaubte Vorstellung von Texttreue durchgesetzt hat, gelang es Fassbinder, sich den Stoff im besten Sinne anzueignen.“ Als Theaterstück hatte Wildwechsel seine Uraufführung im Juni 1971 unter der Regie von Manfred Neu auf der Studiobühne der Städtischen Bühnen Dortmund. This Night | Der Stadtstreicher | Das kleine Chaos | Liebe ist kälter als der Tod | Katzelmacher | Götter der Pest | Das Kaffeehaus | Warum läuft Herr R. Amok? | Der amerikanische Soldat | Niklashauser Fart | Rio das Mortes | Pioniere in Ingolstadt | Whity | Warnung vor einer heiligen Nutte | Händler der vier Jahreszeiten | Die bitteren Tränen der Petra von Kant | Bremer Freiheit | Wildwechsel | Acht Stunden sind kein Tag | Welt am Draht | Nora Helmer | Angst essen Seele auf | Martha | Fontane Effi Briest | Wie ein Vogel auf dem Draht | Faustrecht der Freiheit | Mutter Küsters’ Fahrt zum Himmel | Angst vor der Angst | Ich will doch nur, daß ihr mich liebt | Satansbraten | Chinesisches Roulette | Frauen in New York | Bolwieser | Deutschland im Herbst | Despair – Eine Reise ins Licht | In einem Jahr mit 13 Monden | Die Ehe der Maria Braun | Die dritte Generation | Berlin Alexanderplatz | Lili Marleen | Theater in Trance | Lola | Die Sehnsucht der Veronika Voss | Querelle
2024-11-24 06:31:06
https://de.wikipedia.org/wiki/Conseil_Repr%C3%A9sentatif_des_Institutions_juives_de_France
Der Conseil représentatif des institutions juives de France ist der Dachverband der jüdischen Organisationen Frankreichs. Präsident des Rates ist seit 2022 Yonathan Arfi. Die Organisation ist unter dem Akronym CRIF bekannt, die eigentliche Abkürzung für Conseil représentatif des institutions juives de France würde CRIJF lauten. Die Kurzform CRIF stammt vom ursprünglich historischen Namen Conseil représentatif des israélites de France . Der heutige Name ist eher institutioneller Art, während früher der Ansatz eher individueller Art war, weil sich das Akronym nicht auf das aktuelle Lemma mit den Worten „ Institutions juives “, sondern auf das ursprüngliche und historische Wort „ israélites “ im Lemma, bezieht. Der Conseil représentatif des israélites de France entstand 1944 aus dem im Juli 1943 im besetzten Frankreich in Grenoble gegründeten Comité generale de Défense des Juifs , dessen Aufgabe darin bestand, die von den Nationalsozialisten verfolgten Juden zu retten. Das Comité generale de Défense des Juifs vereinigte die Kommunisten der Union des Juifs pour la Résistance et l’Entraide , die Zionisten der Fédération des sociétés juives de France , die Bundisten und die Atheisten. An der Entstehung des Conseil représentatif des israélites de France war auch das Consistoire central israélite de France beteiligt, die offizielle Organisation des französischen Judentums. Der CRIF veröffentlichte anschließend eine gemeinsame Charta, die das französisch-jüdische politische Programm der Nachkriegszeit darstellte. Der CRIF versuchte alle Juden Frankreichs zu vereinen. Erster Vorsitzender war Léon Meiss . Die erste Gruppe der Führer des Conseil bestand aus Léo Glaeser , Joseph Fisher, Chil Najman , Nahum Herman, Zvi Levin, Michel Topiol, Joseph Frydman, F. Schrager, Henri Adam, Claude Kelman und Adam Rayski. Nach dem Krieg nahm der CRIF sofort Verbindungen mit internationalen Gruppen des Judentums auf, wie dem Jüdischen Weltkongress und dem American Jewish Committee. Der Dachverband verbindet verschiedene politische, soziale und religiöse Strömungen innerhalb der jüdischen Gemeinden Frankreichs. Der Dachverband CRIF vereint mehr als 60 Organisationen, darunter den Fonds social juif unifié und die Alliance Israélite Universelle. Auf internationaler Ebene ist der CRIF Mitglied im Jüdischen Weltkongress. Das Dîner du CRIF ist ein jährlich organisiertes Fundraising-Dinner, das durch den CRIF veranstaltet wird und wo zahlreiche Politiker eingeladen werden. Das erste Dîner du CRIF wurde 1985 mit etwa fünfzig Eingeladenen organisiert. Gegenwärtig treffen sich dort über 700 Personen. Das 30. Dîner du CRIF fand am 23. Februar 2015 statt, wobei 700 Eingeladene sich im Hôtel Pullman-Montparnasse in Paris trafen, darunter Staatspräsident François Hollande und Premierminister Manuel Valls. Der Präsident des CRIF wird von der Mitgliederversammlung für die Dauer von drei Jahren gewählt. Sein Mandat kann einmal verlängert werden.
2024-12-04 07:38:09
https://de.wikipedia.org/wiki/Larmor-Plage
Larmor-Plage ist eine französische Gemeinde mit 8318 Einwohnern im Département Morbihan in der Region Bretagne. Sie gehört zum Arrondissement Lorient, zum Kanton Ploemeur und ist Mitglied des Gemeindeverbands Lorient Agglomération. Die Einwohner der Gemeinde heißen Larmorien. Larmor-Plage liegt an der Öffnung des Blavet zum Atlantischen Ozean. Die Reede von Lorient befindet sich teilweise hier. Umgeben wird Larmor-Plage von den Nachbargemeinden Ploemeur im Westen und Nordwesten, Lorient im Norden sowie auf der gegenüberliegenden – östlichen – Seite der Meerenge Port-Louis und Gâvres. Im Süden liegt vorgelagert im Atlantischen Ozean die Île de Groix. Larmor-Plage wurde 1924 aus der Ortschaft Larmor gebildet und zur Differenzierung von der Gemeinde Larmor-Baden, die ebenfalls 1924 gebildet wurde, mit dem Suffix Plage gekennzeichnet. Früher gehörte das Gemeindegebiet zu Ploemeur. Auf der zur Gemeinde gehörenden Landzunge Kernével befand sich von November 1940 bis März 1942 in der Villa eines Sardinenhändlers, die wegen ihrer Größe im Volksmund Sardinenbüchse genannt wurde, der Befehlsstand des Befehlshabers der U-Boote , also das Hauptquartier von Admiral Dönitz, und somit die Schaltzentrale der Atlantikschlacht. Gemeindepartnerschaften bestehen: Auray | Bangor | Belz | Brandérion | Brech | Bubry | Calan | Camors | Carnac | Caudan | Cléguer | Crach | Erdeven | Étel | Gâvres | Gestel | Guidel | Hennebont | Hœdic | Île de Groix | Île-d’Houat | Inguiniel | Inzinzac-Lochrist | Kervignac | Landaul | Landévant | Lanester | Languidic | Lanvaudan | Larmor-Plage | La Trinité-sur-Mer | Le Palais | Locmaria | Locmariaquer | Locmiquélic | Locoal-Mendon | Lorient | Merlevenez | Nostang | Ploemel | Ploemeur | Plouay | Plouharnel | Plouhinec | Plumergat | Pluneret | Pluvigner | Pont-Scorff | Port-Louis | Quéven | Quiberon | Quistinic | Riantec | Sainte-Anne-d’Auray | Sainte-Hélène | Saint-Philibert | Saint-Pierre-Quiberon | Sauzon
2024-11-29 09:46:50
https://de.wikipedia.org/wiki/Energiebezugsfl%C3%A4che
Die Energiebezugsfläche , auch Beheizte Brutto-Grundfläche genannt, ist die Summe aller Grundflächen eines Gebäudes, die beheizt beziehungsweise klimatisiert werden. Die Notwendigkeit der Definition einer EBF ergibt sich aus dem Wunsch der Bestimmung von Vergleichswerten, um den Heizenergiebedarf verschiedener Gebäude bewerten zu können. Der Begriff Energiebezugsfläche wird in der Schweiz und in Österreich verwendet und kann mit der in Deutschland gebräuchlichen Bezeichnung Gebäudenutzfläche verglichen werden. Die EBF ergibt sich als Summe aller Brutto-Grundflächen , das heißt einschließlich der umgebenden Mauern oder Brüstungen. Ist die Mauerdicke unbekannt, so kann die Brutto-Grundfläche hinreichend genau als 1,1- bis 1,15-faches der Netto-Grundfläche bestimmt werden – letztere ist die Summe der zwischen den aufgehenden Bauteilen befindlichen Bodenflächen aller Grundrissebenen eines Bauwerkes , die Fläche der konstruktiven Elemente des Gebäudes). In die Energiebezugsfläche fallen auch die Konstruktionsflächen, weil diese, da die Wärmedämmung meist an der Außenhülle angebracht ist, mitbeheizt werden. Zur EBF gehören alle Wohnräume, auch Schlafzimmer, und nicht beheizten Räume, deren Mitbeheizung für die Nutzung üblich ist. Solche sind zum Beispiel Treppenhäuser, wenn diese von der Außenluft abgegrenzt sind. Nicht zur EBF gehören Räume, für deren Nutzung ein Beheizen nicht notwendig ist, wie: Um bei komplexen Gebäudenutzungstypen eine Vergleichbarkeit des Energiebedarfs zu gewährleisten, kann die Modifizierungs der EBF/BGFB mit Korrekturfaktoren angebracht sein. Solche Korrekturfaktoren sind unter anderem: Bei nicht saisonal genutzten Wohngebäuden sowie bei Schulen und Bürogebäuden sollte gänzlich auf die Anwendungen solcher Korrekturfaktoren verzichtet werden. Bei besonders hohen Räume ab 3 m Raumhöhe wird der Korrekturfaktor mit der Formel f h = h / 3 {\displaystyle f_{h}=h/3} bestimmt. Für einen Raum mit einer Höhe von 6 m gilt also E B F = 2 ∗ B G F {\displaystyle EBF=2*BGF} . Bei ausgebauten Dachräumen wird die anteilige Brutto-Grundfläche mit E B F = V / h {\displaystyle EBF=V/h} bestimmt .
2024-12-02 09:40:21
https://de.wikipedia.org/wiki/Schlaich_Bergermann_Partner
Schlaich Bergermann Partner sind beratende Ingenieure im Bauwesen mit Hauptsitz in Stuttgart und Niederlassungen in Berlin, New York, São Paulo, Shanghai und Paris. Das Büro wurde 1980 von Jörg Schlaich und Rudolf Bergermann gegründet. Beide waren in den 1960er und 1970er Jahren Ingenieure im Stuttgarter Ingenieurbüro Leonhardt und Andrä, das 1972 das Tragwerk für die Zeltdachkonstruktion des Olympiastadions München plante. Seit 2002 leiten Knut Göppert, Andreas Keil, Sven Plieninger und Mike Schlaich das Büro. 2015 wurde zudem Knut Stockhusen Partner und Geschäftsführer. Die Hauptschwerpunkte des Büros sind die Konzeption, Planung und Überwachung von Bauleistungen für Teilbereiche des konstruktiven Ingenieurbaus, wie Membran-, Glas-, Dach- und Fassadenkonstruktionen, Brücken- und Seilkonstruktionen, Türme, Hochbauten und Hochhäuser, Hallen, sowie Prüftätigkeiten für Standsicherheit und Bautechnik. Daneben besitzt das Büro einen eigenen Bereich zur Entwicklung von Technologien zur solaren Stromerzeugung, sbp sonne, und verfügt über beratende Ingenieure für erneuerbare Energien. 1982 erfolgte durch den Solar-Bereich des Büros die Entwicklung und der Bau eines Prototyps für ein Aufwindkraftwerk in Manzanares bei Ciudad Real, Spanien, das bis 1989 in Betrieb war. Ebenfalls seit Anfang der 1980er Jahre werden die Dish-Stirling-Anlagen zur dezentralen Energiegewinnung weiterentwickelt. Seit 2000 nahm das Büro an der Planung und Konstruktion von Rinnenkraftwerken teil. Diese Technologie und die von sbp entwickelten Strukturen werden in zahlreichen Kraftwerken weltweit eingesetzt. Einen besonderen Stellenwert in der Bürogeschichte nimmt die Vidyasagar Setu, allgemein bekannt als die Second Hoogly Bridge, in Kalkutta, Indien ein. Örtliche Auflagen zum Bau der Brücke waren die Verwendung von einheimischem, nicht schweißbarem Stahl, der von einheimischen Arbeitskräften mit viel Handarbeit verbaut wurde. So wurden riesige Querschnitte inklusive der Pylonköpfe mit Millionen Nieten aus dicken Blechen zusammengesetzt. Für die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland 2006 war für den Umbau der Commerzbank-Arena Frankfurt am Main in eine neue Großarena eine mobile Dachkonstruktion erforderlich, die über dem Spielfeld geschlossen werden kann. 2004 wurde schon für das Olympiastadion Berlin eine neue Überdachung mit einer Öffnung an der Längsachse fertiggestellt sowie ein neues Dach für das neu umgebaute Rhein-Energie-Stadion Köln. Leichte, transparente Überdachungen belasten die Bausubstanz so wenig wie möglich. Für die Gitternetzschale stand das herkömmliche Küchensieb Pate: Dessen quadratisches Maschennetz kann durch Verrautung der Maschen einer beliebigen Flächengeometrie angepasst werden. Kombiniert mit einem diagonalen Seilnetz, wird das Netz zur idealen Schale. Eingedeckt mit Glasscheiben entsteht ein leichtes, transparentes Dach. Neue geometrische Entwicklungen und Formfindungsmethoden, bis hin zu vollautomatischen, selbst entwickelten Workflows unter dem Einsatz von geometrischen und statischen Optimierungsmethoden bereichern die Entwurfsmöglichkeiten. Für die Fassade mit fast nahtloser Transparenz sind parallele horizontale und vertikale Seilscharen zwischen den beiden seitlichen Baukörpern sowie zwischen Dachbindern und Boden des Hilton Munich Airport gespannt und bilden ein ebenes Seilnetz. Die Seilnetzfassade ist vergleichbar mit einem Tennisschläger. Je nach Höhe der Vorspannung und Anordnung der Seilscharen sind vielfältige Variationen dieses Konstruktionsprinzips möglich und wurden auch realisiert: Überdachung der Römischen Thermen Badenweiler, CYTS Peking, Hauptbahnhof Berlin, Auswärtiges Amt Berlin. Das Ringseildach basiert auf der Idee des Speichenrades, ist aber im Vergleich zum primär in seiner Ebene beanspruchbaren Speichenrad auch für den vertikalen Lastabtrag ausgelegt. In unterschiedlichen Konfigurationen anwendbar entstehen Seilkonstruktionen, die geeignet sind für stützenfreie Überdachung von Bauwerken, Stadien, Arenen und Flächen beliebiger Größe. Bei der ersten Grundkonfiguration sind die zwei durch Luftstützen gespreizten inneren Zugringe über radiale Speichen mit dem außen verlaufenden Druckring verbunden. Die zweite Grundkonfiguration funktioniert mit zwei außen liegenden Druckringen und nur einem über die radialen Speichen verbundenen innen liegenden Zugring. Zwischen den radialen Seilen werden oftmals textile Membranen verspannt. Zu den ersten modernen Ringseildächern zählt die MHPArena in Stuttgart. Weitere Beispiele sind unter anderem in Kuala Lumpur, Frankfurt/Main, Warschau, Bukarest, Kapstadt, Durban, Rio de Janeiro realisiert worden. Die meisten der Ringseildächer sind mit textilen Membranen eingedeckt. Textilien ermöglichen leichte, transparente Dächer und Fassaden, die durch vielfältige und ungewöhnliche Formen faszinieren. Aufgrund ihres geringen Gewichts und ihrer Faltbarkeit sind Textilien aber auch für wandelbare Strukturen prädestiniert. Zu den ersten dauerhaften, beweglichen Membrandächern gehört das Dach über der Stierkampfarena Saragossa, das sich in wenigen Minuten einer Blume gleich öffnen und schließen lässt. Ein ähnliches Prinzip kam auch bei den Überdachungen der Commerzbankarena in Frankfurt sowie dem Nationalstadion in Warschau oder dem BC Place Stadion in Vancouver zum Einsatz. Noch leichter ist nur noch das Bauen mit Luft: die pneumatischen Kissen der Arenen Nîmes und Madrid verwandeln diese saisonal innerhalb weniger Tage oder nach Witterungslage in wenigen Minuten. Die im Grundriss gekrümmte Brücke in Kelheim über den Main-Donau-Kanal erregte zum Zeitpunkt ihrer Fertigstellung großes Aufsehen: Sie war die erste nur einseitig aufgehängte Brücke. Inzwischen variierten die Ingenieure von Schlaich Bergermann Partner das Prinzip des Kreisringträgers mehrfach, wie die Fußgängerbrücken in Bochum über die Gahlensche Straße, in Gelsenkirchen oder „der Balkon zum Meer“ in Sassnitz zeigen. Beim ZOB Hamburg wurde das Prinzip auf eine Dachkonstruktion übertragen. Die Renaissance des Stahlgusses im Bauwesen hat mit dem Bau der Seilnetzdächer für die Olympiade in München begonnen. Der Stahlguss erlaubt die Herstellung geometrisch komplizierter Rohrknoten, eine optimale Anpassung an den Kraftfluss bei gleichzeitiger Wirtschaftlichkeit. Heutzutage kommen schwungvoll aufgerundete Stahlgussknoten bei Straßenbrücken und Eisenbahnbrücken im Hochbau oder den Seilknoten der Ringseildächer und -fassaden zum Einsatz. Die diversen Möglichkeiten an Formen und die Materialien vom GS20 bis zum Edelstahlfeinguss lassen eine vielfältige Anwendung zu. Durch die hervorragende Schweißbarkeit lassen sich wirtschaftliche Kombinationen aus frei geformten, komplexen Gussbauteilen mit regulären Stählen und Blechen kombiniert herstellen. Die Vorteile beider Stahlharten sind so optimal nutzbar. Als Lehrender an der Universität Stuttgart war es Jörg Schlaichs Anliegen, „das Image des Technokraten, das den Bauingenieuren anhängt,“ zu überwinden. Dazu eröffnete er seinen Studenten die kreative Welt des Konstruierens und Gestaltens, basierend auf profundem theoretischen Wissen. Damit prägte Jörg Schlaich Generationen von Studenten einer neuen „Stuttgarter Ingenieur-Schule“. Neben vielen Projekten in Deutschland und aller Welt realisierte das Büro Schlaich Bergermann Partner auch in Stuttgart eine Vielzahl von Vorhaben, darunter rund 20 Brücken und Fußgängerstege sowie etwa 20 Gebäude, Türme und andere Bauwerke. Dazu gehören „eine ganze Reihe von Landmarken“, die zur Internationalen Gartenbauausstellung 1993 entstanden, aber auch die MHPArena mit ihrem „eigenwillig geschwungenen, schwebenden“ Dach und der Killesbergturm, beides Bauwerke, die zu Wahrzeichen der Stadt geworden sind. Es wird eine OpenStreetMap-Karte, eine Google-Maps-Karte oder eine Bing-Maps-Karte mit den Standorten aller Bauwerke angezeigt. Es wird eine OpenStreetMap-Karte mit dem Standort des Bauwerks angezeigt.
2024-12-02 02:18:57
https://de.wikipedia.org/wiki/Generalleutnant#Streitkräfte_der_Vereinigten_Staaten
Generalleutnant ist ein militärischer Dienstgrad für Soldaten der Bundeswehr und des Bundesheeres sowie weiterer moderner und früherer Streitkräfte. In einigen weiteren Streitkräften wie der Schweizer Armee werden vergleichbare Dienstgrade als Korpskommandant oder ähnlich bezeichnet. Die Bezeichnung „Generalleutnant“ setzt sich aus den Begriffen „General“ und „Leutnant“ zusammen. Der Generalleutnant war also ursprünglich der Stellvertreter des ranghöheren Generals. In der Tat wurde als Generalleutnant im 16. und 17. Jahrhundert der den römisch-deutschen Kaiser im Frieden vertretende höchste Offizier bezeichnet. Er war mit weitgehenden militärischen Vollmachten sowie mit großen politischen Vollmachten ausgestattet. Er war daher oft mehr als „nur“ ein militärischer Oberbefehlshaber. Im Kriegsfall war der Generalleutnant der Stellvertreter des Höchstkommandierenden. In der Reichsarmee des Heiligen Römischen Reiches war dies häufig der Kaiser selbst, der dann entsprechend als oberster Kriegsherr den Titel General führte. Noch die Kriegsverfassung des Deutschen Bundes von 1821/22 bestimmte, einen Generalleutnant als Stellvertreter des Oberbefehlshabers zu wählen. Nach ganz ähnlichem Muster ist die Dienstgradbezeichnung Vizeadmiral gebildet, der im Wortsinn als Stellvertreter eines Admirals in vielen Streitkräften das Äquivalent der Seestreitkräfte zum Generalleutnant ist. Da die Dienstgradabzeichen eines Generalleutnants in vielen Streitkräften, darunter die Bundeswehr oder die Streitkräfte der Vereinigten Staaten, häufig drei Sterne zeigen, wird der Generalleutnant umgangssprachlich häufig auch als „Dreisternegeneral“ bezeichnet. Der Dienstgrad Generalleutnant wird mit der Anordnung des Bundespräsidenten über die Dienstgradbezeichnungen und die Uniform der Soldaten auf Grundlage des Soldatengesetzes festgesetzt. In der Bundeswehr ist der Generalleutnant ein Offiziersdienstgrad, der gemäß der Zentralen Dienstvorschrift A-1420/24 „Dienstgrade und Dienstgradgruppen“ zur Dienstgradgruppe der Generale zählt. Aufgrund dieser Zugehörigkeit können Soldaten im Dienstgrad Generalleutnant auf Grundlage des § 4 der Vorgesetztenverordnung innerhalb der dort gesetzten Grenzen Soldaten der Dienstgradgruppen Mannschaften, Unteroffizieren ohne und mit Portepee, Leutnanten, Hauptleuten und Stabsoffizieren Befehle erteilen. Generalleutnante dienen – wie die meisten Generale – in der Regel nicht in der „kämpfenden“ Truppe als militärische Führer. Typisch sind Verwendungen in leitenden Funktionen als Abteilungsleiter im Ministerium oder in Einrichtungen der NATO. Der Stellvertreter des Generalinspekteurs der Bundeswehr ist Generalleutnant. Im Bundesministerium der Verteidigung werden mit Stand Februar 2024 die Abteilungen Cyber/Informationstechnik, Planung, Einsatzbereitschaft und Unterstützung Streitkräfte, Militärstrategie, Einsatz und Operationen sowie Personal von Generalleutnanten geleitet. Im NATO-Militärausschuss ist der Deutsche Militärische Vertreter ein Generalleutnant. Die im Einsatz besonders geforderten nationalen Dienststellen Einsatzführungskommando der Bundeswehr, Territoriales Führungskommando, Zentrum Luftoperationen, Luftwaffentruppenkommando und Multinationales Kommando Operative Führung werden ebenfalls von Befehlshabern bzw. Kommandeuren im Dienstgrad Generalleutnant geführt. Generalleutnante sind als Inspekteur des Heeres, der Luftwaffe sowie der Streitkräftebasis und des Cyber- und Informationsraums direkt dem Generalinspekteur für die Einsatzbereitschaft ihres militärischen Organisationsbereichs verantwortlich. Ihre Stellvertreter sind ebenfalls Generalleutnante; im Kommando Heer ist dieser gleichzeitig „Kommandeur Einsatz“. In den aufgezählten militärischen Organisationsbereichen ist der Generalleutnant der höchste erreichbare Dienstgrad. Einige wenige Generalleutnante werden als militärische Führer von Großverbänden eingesetzt. Typisch ist die Verwendung als Kommandierender General eines multinationalen Korps, die heute aber eher Einsatzführungsstäbe statt klassischer Großverbände sind. Aufgrund der geschilderten und ähnlicher Dienststellungen können Soldaten im Dienstgrad Generalleutnant in den in der Vorgesetztenverordnung aufgezählten Fällen allen dienstlich oder fachlich unterstellten Soldaten Befehle erteilen. Kommandeure und Befehlshaber sind gemäß Wehrdisziplinarordnung als Einheitsführer Disziplinarvorgesetzter der ihnen truppendienstlich unterstellten Soldaten. Gesetzliche Grundlagen für die Ernennung zum Generalleutnant setzt die Soldatenlaufbahnverordnung und ergänzend die Zentrale Dienstvorschrift 20/7. Im Detail sind die Laufbahnen dort aber nur bis zum Dienstgrad Oberst reglementiert. Die Ernennung zum Generalleutnant ist dagegen im Wesentlichen eine vom Dienstherrn aufgrund der Eignung, Befähigung und Leistung des Soldaten zu treffende Entscheidung, die kaum weiteren Voraussetzungen unterliegt. Zum Generalleutnant werden in der Praxis üblicherweise nur Berufsoffiziere ernannt. Nach der Soldatenlaufbahnverordnung gilt sinngemäß, dass die Dienstgrade in der Anordnung des Bundespräsidenten beschriebenen Reihenfolge regelmäßig durchlaufen werden sollten und eine Mindestdienstzeit im vorangehenden Dienstgrad von mindestens einem Jahr die Regel sein sollte; in der Praxis war ein Generalleutnant zuvor mehrere Jahre Generalmajor. Regelmäßig haben die meisten Generalleutnante den Lehrgang Generalstabs-/Admiralstabsdienst an der Führungsakademie der Bundeswehr absolviert. Generalleutnante werden nach der Bundesbesoldungsordnung mit B 9 besoldet. Gemäß Personalhaushalt des Einzelplanes 14 sind 26 Planstellen für die Soldaten der Besoldungsgruppe B 9 vorgesehen. Davon entfallen sechs auf das Bundesministerium der Verteidigung und 20 auf die Streitkräfte . Als besondere Altersgrenze für Generalleutnante wurde die Vollendung des 62. Lebensjahres festgesetzt. Das Dienstgradabzeichen für Generalleutnante zeigt goldenes Eichenlaub und drei goldene Sterne als Schulterabzeichen. Die Unterlagen der Schulterklappen sind hochrot. Den Dienstgrad Generalleutnant führen nur Heeres- und Luftwaffenuniformträger. Marineuniformträger derselben Rangstufe führen den Dienstgrad Vizeadmiral. Die ranggleichen Sanitätsoffizierdienstgrade sind die nach Uniformträgerbereich unterschiedlich lautenden Dienstgrade Generaloberstabsarzt bzw. Admiraloberstabsarzt . In den Streitkräften der NATO ist der Generalleutnant zu allen Dienstgraden mit dem NATO-Rangcode OF-8 äquivalent. Im Sinne der ZDv 14/5 und der Anordnung des Bundespräsidenten ist der Generalleutnant über dem rangniedrigeren Generalmajor bzw. Konteradmiral und unter dem ranghöheren General bzw. Admiral eingeordnet. Die zum Generalmajor ranggleichen Sanitätsoffizierdienstgrade sind der Generalstabsarzt bzw. der Admiralstabsarzt. — Generalleutnant — Im Bundesheer ist der Generalleutnant der zweithöchste Dienstgrad. Von 1980 bis 2002 hieß dieser Dienstgrad nach Schweizer Vorbild „Korpskommandant“ . Die seither gültigen Dienstgrade traten mit 1. Dezember 2002 in Kraft. In der Schweizer Armee ist der Grad des Korpskommandanten mit dem deutschen Generalleutnant vergleichbar. In den französischen Streitkräften ist der Dienstgrad Général de corps d’armée mit dem deutschen Generalleutnant vergleichbar. Der Général de corps d’armée rangiert über dem Général de division und unter dem „Général d’armée“. Entsprechend der Dienstgradbezeichnung führt der Generalleutnant ein corps d’armée . Der Lieutenant-général war im Frankreich des Ancien Régime hingegen ein Titel, jedoch kein militärischer Rang. Er wurde von mehreren höheren Offizieren geführt. Am 25. Februar 1793 wurde der Lieutenant-général zu einem regulären Dienstgrad gemacht. Es betraf einen Général de division in seiner Eigenschaft als Kommandeur eines Armeekorps. Von König Ludwig XVIII. am 16. März 1814 wieder abgeschafft, wurde er von Napoleon während der Herrschaft der Hundert Tage erneut eingeführt und überdauerte bis 1848. Am 28. Februar des gleichen Jahres wurde er wieder zum Général de division, für den Kommandeur eines Armeekorps wurde der Rang „Général de corps d’armée“ eingeführt. In den Verteidigungskräften Osttimors hatte als Erster der militärische Oberbefehlshaber Lere Anan Timur seit 2015 den Rang eines Generalleutnants inne. Sein Nachfolger Falur Rate Laek erhielt den Rang zusammen mit der Ernennung zum neuen Oberbefehlshaber 2022. Die Streitkräfte der Russischen Föderation haben den General-leitenant im Jahre 1991 aus den Streitkräften der Sowjetunion übernommen. Der russische Generalleutnant entspricht dem NATO-Rangcode OF-7. Daher ist er nur phonetisch, nicht aber funktional mit dem deutschen Generalleutnant vergleichbar, da er ein 2-Sterne-General ist, so wie der Generalleutnant in der Wehrmacht im Dritten Reich und der Generalleutnant in der Nationalen Volksarmee in der DDR vor der Deutschen Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990, wohingegen der Generalleutnant in der Bundeswehr ein 3-Sterne-General ist entsprechend dem NATO-Rangcode OF-8. In der US Army, der US Air Force, der US Space Force und im US Marine Corps ist der Dienstgrad Lieutenant General mit dem deutschen Generalleutnant vergleichbar, obwohl dieser Dienstgrad nicht dauerhaft verliehen wird. Der höchste Dienstgrad, zu dem ein Offizier in den Streitkräften der Vereinigten Staaten regulär befördert werden kann, ist der des Major Generals. Alle höheren Dienstgrade können nur durch eine Nominierung für einen Dienstposten erreicht werden. Der zukünftige Lieutenant General muss für einen bestimmten Dienstposten vom Präsidenten nominiert und vom Senat mit einfacher Mehrheit bestätigt werden. Die Verwendung auf dem Dienstposten beträgt im Regelfall drei Jahre. Voraussetzung ist mindestens der Dienstgrad Brigadier General. Nach der vorgesehenen Dienstzeit auf dem Dienstposten wird für den Offizier entweder die Nominierung verlängert, er wird für einen neuen Dienstposten mit dem Dienstgrad Lieutenant General oder des höherwertigen Dienstgrades General vorgeschlagen oder er geht in den Ruhestand. Die früher durchaus übliche Praxis in den Dienstgrad eines Major General zurückzukehren, wird heutzutage nicht mehr durchgeführt. In der Hierarchie steht der Lieutenant General über dem Major General und unter dem General. Die US-Soldstufe ist O-9. Der NATO-Rangcode ist OF-8. Ein Lieutenant General führt bei Bedarf operativ als größten Kampfverband der US Army ein Korps mit zwei oder mehr Divisionen. Ansonsten wird ein Lieutenant General als Kommandeur oder dessen Stellvertreter in Regionalkommandos und hohen Funktionalkommandos eingesetzt. In der Reichsarmee des Heiligen Römischen Reiches war Reichsgeneralleutnant zeitweise der höchste militärische Rang. Das militärische Oberkommando über die Reichsarmee führte nominell der Kaiser selbst. De facto fungierte ein Reichsgeneralleutnant als sein Stellvertreter , später ein Reichsgeneralfeldmarschall. Dieser konnte in der Praxis nur von Kaiser und Reichstag gemeinsam ernannt werden, da eine eindeutige Bestimmung niemals wirklich erfolgte. Wegen der auf dem Reichstag 1555 zu Augsburg beschlossenen Parität wurden daher jeweils ein katholischer und ein evangelischer Reichsgeneralleutnant bzw. Reichsgeneralfeldmarschall ernannt. Im Laufe des 17. Jahrhunderts entwickelte sich in Preußen der Generalleutnant zu einem Dienstgrad unter dem General und seit Ende des 18. Jahrhunderts zum Kommandeur einer Division. Bis 1918 führte er das Prädikat Exzellenz. Mit der Reichsgründung 1871 wurden die Dienstgrade des preußischen Heeres auf das Reichsheer übertragen, die später von Reichswehr und Wehrmacht übernommen wurden. Eine typische Führungsverwendung für einen Generalleutnant war die eines Divisionskommandeurs. Der Generalleutnant der Wehrmacht ist in seiner Stellung in der heutigen Rangordnung mit dem Generalmajor vergleichbar. In den Land- und Luftstreitkräften der Nationalen Volksarmee sowie bei den Grenztruppen der Deutschen Demokratischen Republik war der Generalleutnant ein Dienstgrad aus der Dienstgradgruppe der Generale. In der Volksmarine war das Äquivalent zum Generalleutnant der Vizeadmiral. Gemäß NATO-Rangcode war der Generalleutnant mit OF-7 eingestuft und entsprach damit dem Generalmajor der Bundeswehr. In der Roten Armee der Sowjetunion wurden am 7. Mai 1940 die Generalsränge wieder eingeführt. Der phonetisch dem deutschen Generalleutnant ähnelnde Dienstgrad General-leitenant trat an die Stelle des KomDiw. Generalleutnant war der zweitniedrigste Dienstgrad in der Gruppe der Generale.
2024-11-24 00:03:05
https://de.wikipedia.org/wiki/Metro_de_Medell%C3%ADn#Linie_K_(Metrocable)
Die Metro de Medellín ist ein Nahverkehrssystem im Ballungsraum der kolumbianischen Stadt Medellín. Sie ist die einzige Hochbahn Kolumbiens. Der Großraum Medellín liegt im Aburrá-Tal und besteht aus zehn Städten. Aufgrund der industriellen Entwicklung seit den 1930er Jahren wächst das Gebiet ständig. Vorläufer der Hochbahn war die Straßenbahn , die zu Beginn des 20. Jahrhunderts gebaut wurde. Aus ihr entwickelte sich schließlich die Hochbahn, deren Betreibergesellschaft Empresa de Transporte Masivo del Valle de Aburrá – Metro de Medellín Ltda am 31. Mai 1979 gegründet wurde. Derzeit ist die Hochbahn Medellín mit ca. 1,23 Mrd. Euro verschuldet. Diese Schulden sollen in den nächsten 50 bis 60 Jahren getilgt werden. Die Eisenbahngeschichte in Kolumbien und im Bezirk Antioquia war nicht sehr anders als die Industrialisierungsprozesse, die zum Ende des 19. Jahrhunderts eingesetzt haben. Sie unterlagen Einschränkungen aufgrund sozialer und politischer Konflikte in diesem südamerikanischen Land. Der Bezirk Antioquia und die Region Paisa trieben den Bau eines Eisenbahnnetzes voran und fanden rasch Anschluss an die Verkehrswege des restlichen Landes. Obwohl die Ferrocarriles de Antioquia ein jähes Ende nahmen und heute noch sogenannte Bahnstädte daran erinnern, wuchs die Bedeutung der Strecke im Ballungsraum. Das schnelle Wachstum der Stadt, besonders ab den 1960er Jahren, füllte das gesamte Aburrá-Tal aus. Dies führte dazu, dass die Städte des Tals in den Mittelpunkt der nationalen Wirtschaft rückten und deren Stadträte dazu zwang, nicht mehr nur kommunal zu denken, sondern Verantwortung für ein komplexes Großstadtsystem zu übernehmen, vergleichbar mit denen der Industrieländer. Die Hochbahn änderte das Bild einer Stadt, die für Gewerbe und Industrie gebaut wurde, allerdings den Tourismus vernachlässigte. Die Stadtverwaltung Medellíns hat 1979 gemeinsam mit der Lokalregierung von Antioquia ein Unternehmen gegründet, das für die Verwaltung und den Betrieb der Hochbahn verantwortlich sein sollte. 1980 wurde ein Entwurf der Hochbahn den Vertretern der Staatsregierung vorgelegt, der vom Staatlichen Rat der Wirtschaft und Sozialen Angelegenheit 1982 genehmigt wurde. Außerdem wurde genehmigt, dass der Bau vollständig an eine externe Firma abgegeben werden konnte, sodass 1984 deutsche und spanische Firmen mit dem Bau beauftragt wurden. Die Jungfernfahrt fand am 30. November 1995 um 11 Uhr Ortszeit zwischen den Stationen Niquía und Poblado statt. Der restliche Abschnitt nahm spätestens im September 1996 den kommerziellen Betrieb auf. Die Hochbahn wurde von der Bevölkerung mit Freude aufgenommen und hatte zur Folge, dass der Tourismus der Stadt deutlich gefördert wurde. Außerdem wurden die Grenzen der „armen“ und „reichen“ Stadtteile aufgeweicht. Die Reisezeiten verkürzten sich drastisch. Ein Arbeiter benötigte von Bello nach Envigado zwei Stunden mit dem Bus, mit der Hochbahn verkürzte sich die Fahrtdauer auf nur noch eine halbe Stunde. Darüber hinaus hat die Hochbahn den öffentlichen und kulturellen Bereich mit Plätzen, Restaurants, Freizeiteinrichtungen gefördert. Täglich benutzen rund 460.000 Fahrgäste die Metro. Sie verkehrt von 5 Uhr bis 22 Uhr, am Wochenende von 7 bis 22 Uhr. Die Fahrtenfrequenz der Züge liegt zwischen drei Minuten zu den Hauptverkehrszeiten und 10 Minuten in der übrigen Zeit. Während der Hauptverkehrszeiten am Morgen und Abend verkehren einige Züge zwischen Niquía und San Javier über eine Verbindungsstrecke zwischen Caribe und Suramericana . Diese Strecke verläuft vollständig ebenerdig. Auf beiden Linien werden zwei Baureihen verwendet, die über eine Oberleitung mit 1500 Volt Gleichstrom versorgt werden. Als Erstausstattung wurden von Siemens und MAN 42 dreiteilige Züge beschafft, die vor einiger Zeit modernisiert wurden. Seit 2009 werden die Fahrzeuge von insgesamt 38 dreiteiligen Zügen ergänzt, die bis 2016 bei CAF gebaut wurden. Beide Baureihen werden Bedarfsweise auch in Doppeltraktion eingesetzt. In das System sind auch drei Schnellbuslinien integriert, die die Liniennummern 1,2 und O tragen. Der Ansager mit der sonoren Stimme in den Zügen und auf den Metrostationen ist John Bayron Romero Palacio. Die Strecke der Linie A besteht aus 21 Stationen und verläuft 28,5 km in Nord-Süd-Richtung von Niquía nach La Estrella. Sieben der 21 Haltestellen im Stadtzentrum sind auf Viadukten gebaut, der Rest der mit Oberleitung betriebenen Strecke verläuft ebenerdig. Die Bahnsteiglänge beträgt 142 m, jedoch wird diese nicht voll ausgenutzt, da man kürzere Züge mit nur drei Wagen verwendet. Eine Fahrt von Endhaltestelle zu Endhaltestelle dauert etwa 40 Minuten. Die Linie verbindet Medellín mit den Nachbargemeinden Bello im Norden mit drei Stationen und Envigado, Itagüí, Sabaneta und La Estrella im Süden mit jeweils einer Station. Diese Linie besteht aus sieben Stationen, einschließlich des Umsteigebahnhofs San Antonio B und verläuft von Ost nach West. Bis auf eine Station, die ebenerdig angelegt ist, befinden sich die anderen auf Viadukthöhe. Eröffnet wurde die Linie am 28. Februar 1996. Die Bahnsteige sind hier nur 72 m lang, eine Fahrt der gesamten Strecke dauert elf Minuten. Am 30. Juli 2004 wurde eine neue Strecke als Seilbahn mit der Linie K eingeweiht. Die Linie beginnt in der Acevedo Station und führt die gut zwei Kilometer hoch zum Bezirk Domingo Savio . Im Juni 2024 kam es bei der Einfahrt einer Gondel in die Station Popular zu ihrem Absturz aus zehn Metern Höhe. Einer der zehn Insassen der Gondel verstarb. Im November 2007 wurde die Linie J mit vier weiteren Stationen in Betrieb genommen. Die Strecke beginnt an der Metro-Station San Javier, die die Endstation der Linie B ist, und führt hoch zum Bezirk La Aurora. Im März 2010 wurde eine weitere Seilbahnstrecke als Linie L in Betrieb genommen. Sie beginnt an der Endhaltestelle der Linie K in Santo Domingo und führt über den Berg zum Parque Natural Arví, der auf einem Hochplateau liegt. Sie ist hauptsächlich für den Tourismus gebaut worden und wird nicht in das städtische Metro-Netz integriert, was bedeutet, dass man für eine Fahrt mit der Linie L ein besonderes Ticket lösen muss. Die Linie führt von der östlichen Endstation der Ayacucho-Tram 1,4 Kilometer Richtung Nordosten zur Station Villa Sierra. Die Linie M wurde 2019 eröffnet und verbindet die Station Miraflores der Ayacucho-Tram mit der etwa einen Kilometer nordöstlich gelegenen Station 13 de Noviembre. Darüber hinaus ist auch die 2015 nach dem System Translohr eröffnete Linie T-A in das System der Metro integriert. Hierbei handelt es sich um eine sogenannte Tramway sur pneumatiques, französisch für „Straßenbahn auf Gummireifen“. Die Linie, die entlang der Avenida 80 zwischen den Stationen Aguatala und Caribe, wo jeweils Anschluss an die Linie A bestehen wird, über Floresta, wo Anschluss zu den Linien B und O bestehen wird, verlaufen und dabei 17 Haltestellen bei einer Streckenlänge von 13,3 Kilometern anfahren soll, wird ab 2023 gebaut und voraussichtlich 2027 eröffnet werden. Im Gegensatz zur Linie T-A wird sie als konventionelle Straßenbahn realisiert, wobei eine Trassierung auf eigener Trasse und auf den Mittelstreifen bestehender Straßen vorgesehen ist. Der Bau der Strecke, der von der China Railway Construction Company und Mota-Engil durchgeführt wird, beträgt ca. 760 Mio. US-Dollar, von denen 30 Prozent von der Stadt Medellín und der Region Antioquía sowie 70 Prozent von der Zentralregierung beigesteuert werden.
2024-11-22 17:41:25
https://de.wikipedia.org/wiki/PKW
Ein Personenkraftwagen , in der Schweiz Personenwagen , ist ein mehrspuriges, für die Teilnahme am öffentlichen Straßenverkehr zugelassenes Fahrzeug mit eigenem Antrieb zum vorwiegenden Zweck der Personenbeförderung. Im Alltag werden Personenkraftwagen auch Auto bzw. technisch Kraftwagen genannt. Die meisten Pkw werden im Individualverkehr verwendet. Busse und Lastkraftwagen gelten nicht als Pkw. Personenkraftwagen sind Fahrzeuge zur Personenbeförderung mit mindestens vier Rädern nach der Richtlinie 2007/46/EG. Es sind – etwa in Deutschland nach der gesetzlichen Definition in § 4 Abs. 4 PBefG – Kraftfahrzeuge, die nach ihrer Bauart und Ausstattung zur Beförderung von nicht mehr als neun Personen geeignet und bestimmt sind. Dies entspricht der Klasse M1 der Richtlinie 2007/46/EG. Des Weiteren zählen sie zu den mehrspurigen Fahrzeugen, die nur auf dafür vorgesehenen Verkehrsflächen geführt werden dürfen. Rechtliche Voraussetzung, einen Personenkraftwagen zu führen, ist – heute EU-weit einheitlich – ein Führerschein, und eine Fahrerlaubnis der Klasse B . Ausnahmen gibt es für drei- bzw. vierrädrige Leichtfahrzeuge, soweit man diese als Personenwagen versteht. Rechtliche Voraussetzung, den Personenkraftwagen im Straßenverkehr einzusetzen, ist außerdem die Zulassung zum Straßenverkehr . Die höchstzulässige Zahl der in einem Pkw zu befördernden Personen ist seit 2009 gesetzlich geregelt. Danach dürfen nur noch so viele Personen befördert werden, wie Sicherheitsgurte im Auto vorhanden sind. Bei Fahrzeugen ohne Sicherheitsgurte sind maximal so viele Mitfahrer erlaubt, wie es laut Fahrzeugpapieren Sitzplätze gibt . Pkw-Modelle werden in verschiedene Fahrzeugklassen und Bauarten eingeteilt. Nota bene zum Wortgebrauch: Bei der Abkürzung kann der Genitiv laut Duden ohne oder mit s gebildet werden: des Pkw oder des Pkws. Dasselbe gilt für den Plural: die Pkw oder die Pkws. Gemäß Art. 11 Abs. 2a VTS ist ein Personenwagen ein leichtes Automobil, amtlich Motorwagen, der Klasse M1 gemäss Richtlinie 2007/46/EG zum Personentransport mit höchstens neun Sitzplätzen einschliesslich Führer bis 3500 Kilogramm. Der entsprechende Begriff lautet im Schweizer Recht im französischen voiture de tourisme und im italienischen automobil. Die Definition lehnt sich, da auf die EG-Klasse M1 verwiesen wird, an die EU-Definition an, ergänzt um einige Besonderheiten, beispielsweise sind Lichter amerikanischer Bauart wie rote Blinklichter zugelassen. Mehrere Länder planen Verbote für Personenkraftwagen mit Verbrennungsmotor. Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht. Am 14. Februar 2023 beschloss das Europäische Parlament, dass ab 2035 nur noch emissionsfreie Fahrzeuge zugelassen werden. Die Zustimmung des Rates der Europäischen Union erfolgte im März 2023. Die EU-Mitgliedstaaten haben am 28. März 2023 ihre Zustimmung gegeben. Es sollen neben Elektroautos nur noch Neuwagen mit Verbrennungsmotoren für klimaneutrale Kraftstoffe zugelassen werden. In der Schweiz wurde ein Verkaufsverbot von neuen Autos und leichten Nutzwagen mit Verbrennungsmotor ab dem Jahr 2035 am 15. März 2023 vom Nationalrat abgelehnt. Ein PKW mit Verbrennungsmotor muss hinsichtlich seines Wirkungsgrades und seiner Emissionen verschiedene Faktoren berücksichtigen. Ein großer Teil dieser Verluste fallen bei Elektrofahrzeugen weg, oder werden sehr stark reduziert . Verluste durch Rollwiderstand, bzw. Emissionen wie Abrollgeräusche oder Flächenverbrauch ändern sich bei Elektrofahrzeugen kaum. Wirkungsgrade und Emissionen eines PKW:
2024-12-01 21:54:51
https://de.wikipedia.org/wiki/Cosmopolitan_(Magazin)
Die Cosmopolitan ist eine Frauenzeitschrift der Hearst Corporation. Sie erscheint unter anderem in den USA, Großbritannien, Frankreich, Spanien, Italien und im deutschsprachigen Raum. Die deutsche Ausgabe wird zehnmal jährlich von der Bauer Media Group herausgegeben. Chefredakteurin ist seit Mai 2023 Veronika Schaller. Die verkaufte Auflage beträgt 144.890 Exemplare, ein Minus von 58,8 Prozent seit 1998. Cosmopolitan wurde 1886 von Schlicht & Field als Familienzeitschrift gegründet. 1905 kaufte William Randolph Hearst die Zeitschrift für 400.000 Dollar. In den Jahren danach wurde dem Investigativjournalismus viel Platz eingeräumt, während der folgenden Jahrzehnte bis in die 1950er enthielt das Magazin viele literarische Texte wie Kurzgeschichten, Serienromane und kurze Novellen. Im Zweiten Weltkrieg erreichte die Auflage mit zwei Millionen Exemplaren ihren Höhepunkt. In den frühen 1970er Jahren wandelte sich Cosmopolitan mit der bis zu ihrem Tod im August 2012 amtierenden Chefredakteurin Helen Gurley Brown zur Frauenzeitschrift mit dem ebenfalls bis heute charakteristischen knapp bekleideten Cover-Modell. Jetzt richtete man sein Augenmerk bewusst auf junge Frauen, sprach offen und unbefangen über sexuelle Themen. Die deutsche Ausgabe wurde 1981 von der Marquard Media Gruppe gestartet. Im Mai 2012 wurde sie an die Bauer Media Group verkauft. Zum 1. Januar 2021 wurde der Redaktionssitz von München nach Hamburg verlegt. 2023 wurde die Erscheinungsfrequenz von monatlich auf zehnmal jährlich geändert. Chefredakteurin der deutschen Ausgabe war sechs Jahre lang Petra Winter, der im August 2011 ihre frühere Stellvertreterin Carolin Schuhler folgte. Sie wurde im Februar 2013 von Kerstin Weng abgelöst. Als Weng zu Stylight wechselte, trat im Februar 2015 Anja Delastik ihre Nachfolge an. Nachdem Delastik die Bauer Media Group auf eigenen Wunsch verlassen hatte, rückte im Januar 2019 ihre Stellvertreterin Lara Gonschorowski zur Chefredakteurin auf. Im Mai 2023 wurde Gonschorowski von Veronika Schaller abgelöst. Die thematischen Schwerpunkte sind Mode, Schönheit, Partnerschaft und Erotik sowie Beruf und Karriere. Angesprochen werden berufstätige Frauen im Alter von 18 bis 49 Jahren, die sich für Mode und Schönheit interessieren, im Beruf erfolgreich sind und über ein überdurchschnittliches Einkommen verfügen. Cosmopolitan.de wird von der Bauer Xcel Media Deutschland KG betrieben. Die thematischen Schwerpunkte sind Mode, Schönheitspflege, Liebe und Beziehung sowie Job und Karriere. Eine eigenständige Online-Redaktion produziert täglich neue Inhalte für die Website sowie die Social-Media-Kanäle. Seit 1992 vergibt die deutsche Cosmopolitan den Prix de Beauté. Dieser prämiert alljährlich herausragende Produktneuheiten der internationalen Kosmetikindustrie mithilfe einer Fachjury aus Dermatologen, Fachjournalisten, Experten aus dem Handel und Juroren aus der Kosmetikindustrie. Der Prix de Beauté wird in 15 Kategorien vergeben. Die Cosmopolitan hat in den vergangenen Jahren erheblich an Auflage eingebüßt. Die verkaufte Auflage ist seit 1998 um 58,8 Prozent gesunken. Sie beträgt gegenwärtig 144.890 Exemplare. Das entspricht einem Rückgang von 206.718 Stück. Der Anteil der Abonnements an der verkauften Auflage liegt bei 19,3 Prozent.
2024-12-01 19:34:59
https://de.wikipedia.org/wiki/Household_Cavalry_Mounted_Regiment
Das Household Cavalry Mounted Regiment ist ein berittenes Wachregiment der britischen Armee. Im Zuge der Zusammenlegung der beiden Gardekavallerieregimenter, der Life Guards und der Blues and Royals, wurde es 1992 gebildet und fungiert als operationelle Einheit der weiterbestehenden Formationen mit jeweils einer Schwadron der beiden Regimenter. Das Household Cavalry Mounted Regiment nimmt regelmäßig an vielen wichtigen protokollarischen Ereignissen in Großbritannien teil, z. B. an Trooping the Colour und der alljährlichen Parlamentseröffnung. Außerdem stellt das Regiment die Wache vor Horse Guards. Das Regiment ist in den Hyde Park Barracks, Knightsbridge, in einer Entfernung von nur etwa einem Kilometer vom Buckingham Palace kaserniert. Die Mounted Band of the Household Cavalry ging 2014 aus der Verschmelzung der Kapellen der Life Guards und der Blues and Royals hervor, deren beider Ursprünge bis ins 17. Jahrhundert zurückreichen. Eine Besonderheit stellt der sogenannte State dress dar, der zu besonderen Anlässen seit 1685 unverändert getragen wird. Er besteht aus einem langschößigen purpurfarbenen, goldbetressten Rock, weißen Hosen, schwarz lackierten Kanonenstiefeln und einer mit dunkelblauem Samt überzogenen Reitkappe. Als Seitenwaffe führen alle Musiker den Kavalleriesäbel. Der State dress wird nur in Anwesenheit von Mitgliedern der englischen Königsfamilie angelegt, so etwa bei der Geburtstagsparade des Monarchen . Zu deren beiden Generalproben, der Major General's Review und der Colonel's Review tragen die Musiker die rote Paradeuniform der Life Guards bzw. die blaue Uniform der Blues and Royals, nicht aber den Kürass. Life Guards · Blues and Royals · Household Cavalry Regiment · Household Cavalry Mounted Regiment 1st The Queen’s Dragoon Guards · Royal Scots Dragoon Guards · Royal Dragoon Guards · Queen’s Royal Hussars · Royal Lancers · King’s Royal Hussars · Light Dragoons · Royal Tank Regiment Royal Yeomanry · Queen’s Own Yeomanry · Scottish and North Irish Yeomanry · Royal Wessex Yeomanry Armour Centre Bovington
2024-12-02 01:42:03
https://de.wikipedia.org/wiki/The_Big_Picture_(1989)
The Big Picture ist eine US-amerikanische Filmkomödie von Christopher Guest aus dem Jahr 1989 mit Kevin Bacon in der Hauptrolle sowie Emily Longstreth, J.T. Walsh und Jennifer Jason Leigh in tragenden Rollen. Der Student Nick Chapman schließt sein Studium an einer Filmhochschule ab. Er gewinnt für seinen Kurzfilm einen prestigeträchtigen Preis; zum Filmanfang werden die Wettbewerbsbeiträge – darunter jene von Lydia Johnson und von Chapman – gezeigt. Der Studiomanager Allen Habel bietet Chapman die Verwirklichung eines Projektes an, über das Chapman bereits seit längerer Zeit nachdenkt. Chapman will eine Dreiecksgeschichte verfilmen, in der sich zwei Männer und eine Frau im Verlauf der Handlung verändern. Habel schlägt statt der zwei Männer zwei Frauen vor. Später wird die Handlung vom Winter in den Sommer verlegt. Das ursprüngliche Konzept Chapmans wird mehrmals geändert bis ein ganz anderer Film in der Planung ist als zuerst angedacht. Die Schauspielerin Gretchen möchte in dem geplanten Film gern eine Rolle bekommen. Sie versucht, Chapman zu verführen. Zwischen Chapman und seiner Freundin Susan Rawlings kommt es zum Streit, woraufhin Susan aus der gemeinsamen Wohnung auszieht. Es kommt auch zu Differenzen zwischen Chapman und seinem alten Freund Emmet Sumner. Nach einem Wechsel im Studiomanagement wird das Projekt Chapmans auf Eis gelegt. Chapman versucht vergeblich, die neue Studiochefin für seinen Film zu erwärmen – er schlägt sogar weitergehende Konzeptveränderungen vor als einst von Habel gefordert. Chapman erfährt, dass Gretchen inzwischen einen Freund hat, mit dem sie zusammenbleiben will. Dieser lebt allerdings von Gelegenheitsjobs. Chapman trifft Lydia Johnson, die ebenfalls von einem Aushilfsjob lebt. Sie drehen gemeinsam ein Musikvideo, in dem Chapman Teile seines erfolgreichen Wettbewerbsbeitrags verwendet. Die Filmbranche wird auf das Video aufmerksam, Chapman bekommt zahlreiche Angebote. Er versöhnt sich mit Sumner und mit Rawlings. Chapman will einen Film nach seinem ursprünglichen Konzept drehen, obwohl sein Agent Neil Sussman meint, dass das ein „großer Fehler“ sei. In der letzten Szene sieht man die Dreharbeiten; zwei Männer und eine Frau spielen vor einem Haus, das mit künstlichem Schnee beschüttet wird. Zum Team Chapmans gehören Sumner und Johnson. Der Film wurde in Los Angeles und in Agoura Hills gedreht. Seine Produktionskosten betrugen schätzungsweise 5 Millionen US-Dollar. Der Film spielte in den Kinos der USA ca. 117 Tsd. US-Dollar ein. Peter Travers schrieb in der Zeitschrift Rolling Stone vom 17. April 2001, der „rührselige“ Optimismus der Filmautoren wirke wie ein kommerziell bedingter Kompromiss. Die Drehbuchautoren und die Darsteller seien in den anderen Filmen viel besser. Rotten Tomatoes schrieb, The Big Picture nimmt Ziele aufs Korn, die Zuschauern, die mit den Schikanen des Filmgeschäfts nicht vertraut sind, fremd vorkommen, aber die meisten von ihnen treffen so solide, dass Lachen die einzige Option ist.
2024-12-04 00:34:37
https://de.wikipedia.org/wiki/Virgulino_Ferreira_da_Silva
Virgulino Ferreira da Silva war der berühmteste Cangaceiro im Sertão im Nordosten Brasiliens. Seinen Kampfnamen Lampião verdankt er dem Mündungsfeuer seines Gewehrs. Virgulino Ferreira da Silva wurde 1897 in Serra Telhado im Sertão von Pernambuco geboren. Er war Viehhirte, bis seine Eltern um 1918 von einem Landbesitzer getötet wurden. Daraufhin floh er mit seinem Bruder in den Sertão, um sich dort einer umherstreifenden Bande anzuschließen. Etwa zwei Jahre später wurde Lampião Anführer einer zwischen 15 und 50 Mann umfassenden Bande. Sein Ruf war zwiespältig, für die Obrigkeit war er grausam und blutrünstig, aber für die arme Bevölkerung war er dennoch ein tapferer Held. Seine Berühmtheit wuchs mit den vielen Geschichten und Liedern, die seine Taten über den brasilianischen Nordosten verbreiteten. 1929 traf er seine Geliebte Maria Bonita, der Legende zufolge die erste Frau, die sich einer Bande anschloss. Auf Anordnung des Präsidenten Getúlio Vargas eröffneten die Großgrundbesitzer einen richtigen Krieg gegen Lampiãos Bande und setzten dem "König des Cangaço" nach Jahren der Verfolgung 1938 ein Ende. Er und seine Bande wurden enthauptet und ihre Schädel zur Abschreckung auf öffentlichen Plätzen ausgestellt. Nach Lampiãos Tod ergaben sich andere Cangaceiro-Banden massenhaft den Behörden. Die letzte Bande war jene von Corisco , der sich noch eine Weile mit Racheakten an der Polizei hervortat, bis er 1940 erschossen wurde. Gängige Gewehre waren neben Winchester 73 und Winchester 92 auch kunstvoll verzierte Karabiner von Mauser , FN 1895 oder einschüssige Comblains-Gewehre . Bei seinem Tod führte Lampião eine Parabellumpistole bei sich, verbreitet waren auch Smith and Wesson und Revolver von Colt. Lampião gilt in Brasilien trotz seiner Brutalität als Volksheld . Er wird gelegentlich auch brasilianischer Robin Hood genannt. Die Titelmusik zum in Mexiko spielenden Farbfilm O’ Cangaceiro stammt von dem Italiener Riz Ortolani. Die wohl berühmtere, weil sehr eingängige Version dürfte aber die Originalfassung von Zé do Norte sein. Siehe auch die Filmmusik bei YouTube und unter dem Suchbegriff „Zé do Norte“. Sie wurde von Bert Kaempfert als O cangaçeiro auf dem 1964er Album That Latin Feeling sowie im selben Jahr auch von Joan Baez gecovert.
2024-11-30 20:37:25
https://de.wikipedia.org/wiki/Tustin_(Kalifornien)
Tustin ist eine Stadt im Orange County im US-Bundesstaat Kalifornien, Vereinigte Staaten, mit 80.276 Einwohnern . Das Stadtgebiet hat eine Größe von 29,5 km². Die Stadt ist eine principal city der Los Angeles–Long Beach–Anaheim, CA Metropolitan Statistical Area, die Teil der Greater Los Angeles Area ist. Die Stadt ist die U.S. Heimat des deutschen TV-Senders Volksmusik TV, der von Tustin aus in Nord- und Südamerika verbreitet wird. Aliso Viejo • Anaheim • Brea • Buena Park • Costa Mesa • Cypress • Dana Point • Fountain Valley • Fullerton • Garden Grove • Huntington Beach • Irvine • La Habra • La Palma • Laguna Beach • Laguna Hills • Laguna Niguel • Laguna Woods • Lake Forest • Los Alamitos • Mission Viejo • Newport Beach • Orange • Placentia • Rancho Santa Margarita • San Clemente • San Juan Capistrano • Santa Ana • Seal Beach • Stanton • Tustin • Villa Park • Westminster • Yorba Linda Coto de Caza • Ladera Ranch • Las Flores • Midway City • Modjeska • North Tustin • Rancho Mission Viejo • Rossmoor • Silverado • Trabuco Canyon • Williams Canyon