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2024-11-24 02:01:22
https://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Brecher
Michael Brecher war ein kanadischer Politikwissenschaftler und Professor an der McGill University in Montreal. Sein Fachgebiet waren die Internationalen Beziehungen. 1999/2000 amtierte er als Präsident der International Studies Association . Brecher, der an der Yale University zum Ph.D. promoviert wurde, war ab 1952 an der McGill University tätig: erst als Lecturer, von 1954 bis 1958 als Assistant professor, bis 1963 als Associate professor, bis 1993 als Professor und danach als R.B. Angus Professor of Political Science. Er war Gastprofessor an der University of Chicago , der Hebräischen Universität Jerusalem , der University of California, Berkeley und der Stanford University . Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählten die Internationale Politik im Nahen Osten, insbesondere der arabisch-israelische Konflikt und der Friedensprozess, sowie die Internationale Politik in Südasien.
2024-12-04 03:11:37
https://de.wikipedia.org/wiki/Uran(V)-bromid
Uranpentabromid tiefbrauner Feststoff fest schwer löslich in Brom Gefahr Uran-bromid ist eine anorganische chemische Verbindung aus der Gruppe der Bromide. Uran-bromid kann durch katalytische Reaktion von Uran mit Brom unter Acetonitril oder durch Reaktion von Uran-bromid mit Brom gewonnen werden. Uran-bromid ist ein tiefbrauner, hygroskopischer, kristalliner Feststoff. Seine Kristallstruktur ist isotyp mit der triklinen von β-Uran-chlorid mit der Raumgruppe P1 Vorlage:Raumgruppe/2. Er zersetzt sich bei Kontakt mit Wasser.
2024-12-01 13:59:39
https://de.wikipedia.org/wiki/Offshore-Windpark_Kaskasi
Der Windpark Kaskasi ist ein Offshore-Windpark in der Nordsee ca. 35 Kilometer nördlich der Insel Helgoland. Er steht auf einer Fläche von etwa 17 km². Die letzte der 38 Windkraftanlagen wurde im November 2022 installiert und 2/3 der Anlagen liefern zu diesem Zeitpunkt bereits Strom. Der Windpark wurde am 23. März 2023 offiziell in Betrieb genommen. Im Raum Ostafrika ist der Kaskasi ein starker Monsun-Wind aus Nordosten. Das Planfeststellungsverfahren für die Errichtung und den Betrieb des Offshore-Windparks Kaskasi II wurde 2011 durch RWE Innogy eingeleitet und 2017 ruhend gestellt. Im April 2018 sicherte sich Innogy einen Zuschlag nach dem Windenergie-auf-See-Gesetz über eine Netzkapazität für 325 MW. Die im April 2019 zur Fortsetzung des Planfeststellungsverfahrens eingereichten Unterlagen sahen eine Konkretisierung und Fortentwicklung des bestehenden Antrags vor, weshalb das Planfeststellungsverfahren als Änderungsverfahren fortgeführt wurde. Am 12. Dezember 2020 genehmigte das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie den Bau und Betrieb des Windparks mit 38 Windenergieanlagen als erstes Projekt nach dem Windenergie-auf-See-Gesetz. Davon sind sechs Pilotwindenergieanlagen, für die die Bundesnetzagentur zusätzliche Netzanbindungskapazität in Höhe von 17 MW zugewiesen hat. Ende des Jahres 2021 wurde mit der Bauvorbereitung begonnen. Für die Installation der Umspannplattform, die von Bladt Industries im dänischen Aalborg hergestellt wurde, kam das Kranschiff Gulliver zum Einsatz. Für die Gründungsarbeiten der Windenergieanlagen wurden die Seaway Strashnov, Neptune, Sea Challenger und die Blue Tern von Fred. Olsen Windcarrier genutzt. Die Bauzeit auf See betrug insgesamt neun Monate. Die Investitionskosten für Kaskasi beliefen sich auf rund 800 Millionen Euro. Turbinenlieferant ist Siemens Gamesa. Die eingesetzten SG 8.0-167 DD Flex-Turbinen sollen eine Leistung von jeweils bis zu 9 MW erbringen können. Erstmals kamen bei einigen Turbinen recyclebare Rotorblätter zum Einsatz. Die erste mit solchen Rotorblättern ausgestattete Anlage begann im Sommer 2022 mit der Stromproduktion. Die Gründung erfolgte mit Monopiles. Beim Bau der Fundamente wurde erstmals eine Vibrationsrammtechnik angewandt, um die Konstruktionszeiten und die Schallemissionen gegenüber der herkömmlichen Schlagrammtechnik zu verringern. RWE Renewables, itap, BioConsult SH, die Universität Stuttgart und die Technische Universität Berlin erforschen gemeinsam diese neuartige Vibrationsrammtechnik. Die Fundamente von drei Turbinen sollen mit einem Stahlkragen ausgestattet werden, der die Tragfähigkeit der Struktur verbessern soll. Die 38 Windenergieanlagen sind über Mittelspannungskabel mit einer Umspannplattform im Windpark verbunden, die den Dreiphasenwechselstrom von 33 kV auf Hochspannung von 155 kV transformiert. Von dort aus wird der Strom mittels einer Seekabel-Verbindung an das Offshore-HGÜ-System HelWin2 des Übertragungsnetzbetreibers Tennet TSO geleitet. An die Konverter-Plattform HelWin beta schließt auch der Offshore-Windpark Amrumbank West mit einer Leistung von 302 MW an. Nach Umwandlung in Gleichstrom erfolgt die Übertragung über 130 km in die Konverterstation im Umspannwerk Büttel bei Büttel . Der komplette Strom des Windparks wird über Power Purchase Agreements mit langjähriger Laufzeit an die folgenden Unternehmen geliefert:
2024-12-03 14:09:33
https://de.wikipedia.org/wiki/Java-Syntax
Die Syntax der Programmiersprache Java ist in der Java Language Specification definiert, ebenso wie die Semantik von Java. Dieser Artikel gibt einen Überblick über die Java-Syntax und stellt einige ihrer Besonderheiten heraus. Details sind in den Java-Sprachspezifikation von Sun Microsystems aufgeführt. Da Java eine Programmiersprache ist, zu deren Beschreibung überwiegend englischsprachige Begriffe benutzt werden, aber dennoch in der Literatur ebenfalls eingedeutschte Übersetzungen bestimmter Bestandteile verwendet werden, soll an dieser Stelle über die Mehrdeutigkeit aufgeklärt und ebenfalls die von diesem Artikel verwendeten Ausdrücke festgelegt werden, damit eine Verwechslung ausgeschlossen werden kann. Im Folgenden werden die in diesem Artikel verwendeten Begriffe und ihre englischen oder deutschen Entsprechungen aufgeführt. Java-Programme werden in Unicode geschrieben. Im Gegensatz zu anderen Sprachen können Bezeichner von Klassen, Methoden, Variablen usw. nicht nur die Buchstaben des lateinischen Alphabets und Ziffern enthalten, sondern auch Zeichen aus anderen Alphabeten, wie z. B. deutsche Umlaute oder chinesische Schriftzeichen. Sämtliche Schlüsselwörter in Java werden klein geschrieben, z. B. „class“ oder „if“. Buchstabensymbole sind in Java die kleinstmöglichen Ausdrücke für Zahlen, einzelne Zeichen, Zeichenketten , logische Werte und das spezielle Wort null. Trennzeichen sind verschiedene Arten von Klammern sowie Komma, Punkt und Semikolon. Java kennt die in Programmiersprachen üblichen logischen, Vergleichs- und mathematischen Operatoren. Die Syntax orientiert sich dabei an der Programmiersprache C++. So dient zum Beispiel das einfache Gleichheitszeichen „=“ als Zuweisungsoperator, während für Vergleiche das doppelte Gleichheitszeichen „==“ verwendet wird. Leerzeichen, Zeilenenden und Kommentare können an beliebigen Stellen zwischen den Bezeichnern, Schlüsselwörtern, Buchstabensymbolen, Trennzeichen und Operatoren eingefügt werden. Java kennt zwei Datentyparten: primitiver Datentyp und Referenzen auf Objekte. Die primitiven Datentypen sind ein Grund, weshalb Java strenggenommen keine reine objektorientierte Sprache ist. Es gibt acht primitive Datentypen. Sie haben unterschiedliche Größen und Eigenschaften und werden zum Berechnen und Speichern diskreter Zahlenwerte benutzt. Alle diese Datentypen verfügen über eine fest definierte Größe, die für alle Plattformen gleich ist. Für jeden Typ existiert eine entsprechende Wrapper-Klasse, um auch diese als echte Objekte behandeln zu können. Die Hierarchie für das Umwandeln der primitiven Datentypen lässt sich aus der oberen Tabelle erahnen. Die numerischen Datentypen lassen sich verlustfrei in den nächstgrößeren Datentyp umrechnen, jedoch nicht umgekehrt. So kann ein „int“ implizit, also ohne speziellen Operator, in ein „long“ umgewandelt werden, jedoch nicht umgekehrt. Um jedoch in umgekehrter Richtung beispielsweise einen „long“ in ein „int“ umzuwandeln, muss der Typumwandlungsoperator verwendet werden. Dabei können auch Informationen verloren gehen. Hier tritt ein Informationsverlust auf: „i“ hat nach der Zuweisung den Wert −539222987, weil die höherwertigen Bytes abgeschnitten werden. Der primitive Datentyp „boolean“ kann in keinen anderen Datentyp umgewandelt werden. Zeichen vom Typ „char“ können implizit in jeden ganzzahligen Typ ab „int“ umgewandelt werden. Dies hängt insbesondere damit zusammen, dass „char“ den einzigen in Java bekannten vorzeichenlosen Datentyp darstellt. Damit ist eine verlustfreie Konvertierung nach „short“ ab dem Wert 32768 nicht mehr möglich. Alle Objekte und Felder liegen im Heap-Speicher und werden deshalb über eine Adresse referenziert. Der Objektzugriff in Java ist über Referenzen implementiert, welche den aus C/C++ bekannten Zeigern ähneln. Die Sprachdefinition bezeichnet sie als „Reference Values“, um deutlich zu machen, dass sie durch Call-by-Value übergeben werden. In Java gibt es keine direkte Möglichkeit, die Speicheradresse einer Referenz anzuzeigen oder diese zu modifizieren, wodurch sogenannte Zeigerarithmetik in Java ausgeschlossen wird. Hierbei gilt es festzuhalten, dass auch Zeichenketten Referenztypen darstellen und daher inhaltlich stets über die Methode equals. Dies steht im Gegensatz zu Programmiersprachen wie C++ und C#, welche die vollständige Operatorenüberladung unterstützen und bei "hallo"=="hallo" Inhaltsvergleiche durchführen. const und goto sind zwar reserviert, aber ohne Funktion, also keine Schlüsselwörter im eigentlichen Sinn. Sie dienen lediglich dem Compiler zur Ausgabe sinnvoller Fehlermeldungen für Umsteiger von C++ oder C. true, false und null sind Literale, jedoch ebenfalls eigentlich keine Schlüsselwörter im engeren Sinn. Mit assert werden Assertions realisiert. private, protected und public sind Zugriffsmodifikatoren : Private Methoden sind von der Polymorphie ausgenommen, d. h. die Definition einer Methode derselben Signatur in einer Subklasse gilt nicht als Überschreiben . static kennzeichnet Implementierungen, die ohne eine Objektreferenz verwendbar sind. Das Schlüsselwort wird bei der Deklaration von Feldern, Methoden und inneren Klassen verwendet. Felder, Methoden und Klassen, die mittels static gekennzeichnet sind, werden im Kontext der Klasse verwendbar und sind an kein Objekt gekoppelt. abstract kann vor Klassen und Methoden stehen. Abstrakte Methoden verfügen über keine Implementierung und müssen in abgeleiteten Klassen überschrieben werden. Klassen, die abstrakte Methoden enthalten, müssen selbst als abstrakt deklariert werden. Abstrakte Klassen können nicht instanziiert werden, auch wenn sie vollständig implementiert sind, wie z. B. im Fall der EventListener-Adapterklassen des Swing-Frameworks. final kann vor Variablen, Feldern, Methoden und Klassen stehen und erzwingt Unveränderlichkeit. Bei Variablen und Membervariablen ihre Konstanz, bei Methoden die Unmöglichkeit, sie in abgeleiteten Klassen zu überschreiben und schließlich bei Klassen, dass von ihnen keine weiteren Ableitungen erfolgen können. Einer finalen Variable wird einmalig ein Wert zugewiesen, der nachträglich nicht mehr verändert werden kann. Eine finale Variable muss nicht in der Deklaration initialisiert werden, sondern kann auch erst in folgenden, alternativen Anweisungen einmalig belegt werden: Zugriffe auf finale Variablen, deren Wert dem Compiler bekannt ist, dürfen vom Compiler durch den Wert der Variable ersetzt werden. Aufrufe finaler Methoden dürfen vom Compiler durch eingebundenen Code ersetzt werden. Private Methoden sind automatisch final. native kann nur vor Methoden stehen und bedeutet, dass die Implementierung der betreffenden Methode nicht in Java, sondern einer anderen Programmiersprache geschrieben wurde, und von der virtuellen Maschine über eine Laufzeitbibliothek eingebunden werden muss. strictfp kennzeichnet Klassen und Methoden, deren enthaltene Gleitkommaoperationen streng nach IEEE 754 ablaufen müssen. package deklariert die Paketzugehörigkeit eines komplexen Datentyps. Die Namensgebung eines Pakets sollte eindeutig sein und orientiert sich meist an der Internet-Domain des Eigentümers oder Erstellers. import importiert Symbole , so dass sie ohne voll qualifizierten Namen verwendet werden können. Der Import kann hierbei über das Wildcard * auf komplette Pakete ausgedehnt werden. boolean, char, byte, short, int, long, float und double sind Typen. void ist der Nichtstyp, notwendig, um Methoden ohne Rückgabewerte zu kennzeichnen. Für die primitiven Typen: siehe oben. class, interface, enum und @interface dienen zur Deklaration eigener Typen: Klassen, Interfaces , Enums und Annotations für Metadaten. enum und @interface sind mit Java 5 in die Sprache aufgenommen worden. try, catch, finally, throw, throws beziehen sich auf die Ausnahmebehandlung . Mit throw wird eine Ausnahme ausgelöst. Alle eventuell ausgelösten Ausnahmen einer Methode, die nicht von RuntimeException oder Error abstammen, müssen mit throws in der Deklaration der Methode angegeben werden. Es handelt sich also um so genannte checked exceptions. try umschließt einen Block, in dem eventuell eine Ausnahme auftreten könnte. catch fängt nach einem try-Block die dort aufgetretene Ausnahme ab, finally wird an einen try- oder catch-Block für Aufräumarbeiten wie das Schließen von Dateien angehängt. extends und implements dienen der Vererbung: extends der genetischen Erweiterungsvererbung von Klasse zu Klasse oder Interface zu Interface und implements der Implementierungsvererbung von Interface zu Klasse. Außerdem wird extends bei Generics für Typerweiterung verwendet. super und this beziehen sich im Objekt-Kontext auf das aktuelle Objekt in seinem tatsächlichen Morph oder im Morph der Superklasse . this wird verwendet, um in Konstruktoren überladene Konstruktoren aufzurufen und um in Membern auf verdeckte Member äußerer Strukturen zu verweisen. super wird in Konstruktoren zum Aufruf des Superklassenkonstruktors und in überschreibenden Methoden zum Aufruf der überschriebenen Methode verwendet. Außerdem wird super bei Generics für Typeingrenzung verwendet. new reserviert Speicher für neue Objekte auf dem Heap. if, else, switch, case, default, while, do, for, break, continue dienen der Bedingungsprüfung und Schleifensteuerung und bedienen sich einer imperativen Syntax. return liefert Werte aus einer Methode an die aufrufende Methode zurück. volatile ist ein Modifikator für nicht-lokale Variablen und verbietet dem JIT-Compiler Registeroptimierungen auf diese Variable, weil mehrere Threads sie gleichzeitig verwenden könnten . synchronized kennzeichnet einen kritischen Abschnitt im Quelltext, der nur von einem Thread gleichzeitig ausgeführt werden darf. Ein Monitor sperrt den Abschnitt, sobald ihn ein Thread betritt. Versucht ein anderer Thread den gesperrten Abschnitt zu betreten, blockiert dieser Thread so lange, bis der Monitor den Abschnitt freigibt. Jedes beliebige Java-Objekt kann als Monitor verwendet werden. Ist eine Methode mit synchronized gekennzeichnet, wird automatisch das Objekt bzw. bei statischen Methoden das Klassenobjekt als Monitor verwendet. transient kennzeichnet nicht-persistente Variablen, die nicht serialisiert werden dürfen. instanceof ist ein Java-Operator, der prüft, ob ein Objekt Exemplar eines angegebenen Typs oder Subtyps ist. Ein Java-Paket enthält mehrere Klassen, Schnittstellen und Ausnahmen und bildet einen eigenen Namensraum. Java-Quelltext ist auf mehrere Übersetzungseinheiten aufgeteilt, von denen jede in einer eigenen Datei abgelegt ist. Jede einzelne Übersetzungseinheit definiert als erstes das Paket, dem sie angehört, importiert dann mehrere Klassen oder Schnittstellen aus anderen Paketen, und definiert schließlich eine oder mehrere Klassen und Schnittstellen. Java unterscheidet einfache Namen, die nur aus einem Bezeichner bestehen, und vollqualifizierte Namen, die aus einer Reihe von Bezeichnern bestehen, die durch Punkte getrennt sind. Die einfachen Namen sind nur ein Hilfsmittel, das dem Programmierer Tipparbeit ersparen und die Lesbarkeit des Programms erhöhen soll. Der Compiler übersetzt sie immer in vollqualifizierte Namen. Das folgende Beispiel zeigt ein Hallo-Welt-Programm in Java. In diesem Beispiel wird eine Klasse „HalloWelt“ definiert, die dem Paket „org.wikipedia“ angehört. Per Konvention orientieren sich die Paketnamen in Java an den Internet-Domänen ihrer Entwickler, in diesem Fall also „org.wikipedia“ für die Domäne „wikipedia.org“. Die Richtung des Namens wird umgedreht, weil bei Internet-Domänen der Name der äußersten Einheit hinten steht, während er in Java vorne steht. Das Paket „org.wikipedia“ befindet sich also „innerhalb“ des Pakets „org“. Eine Import-Anweisung definiert einen einfachen Namen für einen vollqualifizierten Namen. So definiert z. B. die Anweisung „import java.io.File“ den einfachen Namen „File“ für die Klasse, die mit vollem Namen „java.io.File“ heißt. Neben Imports von Klassen und Schnittstellen können seit Java Version 5 auch statische Felder oder Methoden von Klassen importiert werden. Ein solcher „statischer Import“ wird durch das zusätzliche Schlüsselwort „static“ festgelegt. Im obigen Beispiel wird das statische Feld „out“ der Klasse „java.lang.System“ importiert und anschließend unter dem kurzen Namen „out“ verwendet. Das wichtigste Konstrukt der Programmiersprache Java ist, da sie eine objektorientierte Sprache ist, die Klasse. Die Deklaration einer Klasse wird mit dem Schlüsselwort „class“ eingeleitet. Anschließend folgt der Name der Klasse und dann werden – in geschweiften Klammern – die Felder und Methoden der Klasse definiert. Eine Besonderheit von Java stellt die Schnittstelle dar. Eine solche Schnittstelle besteht nur aus Methoden-Deklarationen, deren Implementierung erst von den Klassen festgelegt werden, die sie „implementieren“. Die Deklaration einer Schnittstelle sieht ähnlich aus wie die Deklaration einer Klasse, sie wird jedoch mit dem Schlüsselwort „interface“ eingeleitet. Da alle Methoden einer Schnittstelle abstrakt sind, kann das Schlüsselwort „abstract“ bei den einzelnen Methoden entfallen. Ebenso kann das Schlüsselwort „public“ vor den einzelnen Methoden entfallen, weil Methoden einer Schnittstelle immer öffentlich sind. Ab Java 8 kommt die Möglichkeit hinzu, in Schnittstellen statische Methoden sowie „default“-Methoden zu definieren. Darüber hinaus können Schnittstellen mit der Annotation „@FunctionalInterface“ versehen werden, um anzuzeigen, dass es sich bei ihr um eine funktionale Schnittstelle handelt. Eine solche ist dadurch definiert, dass sie genau eine abstrakte Methode deklariert; die Annotation ist nicht dafür erforderlich. Funktionale Schnittstellen können kurz und bündig durch Lambda-Ausdrücke oder Methodenreferenzen implementiert werden. Das eigentliche Verhalten eines Objekts wird in Methoden definiert. Die Signatur einer Methode besteht aus ihrem Namen und den Typen ihrer Parameter. Außerdem hat jede Methode einen bestimmten Rückgabetyp oder „void“, wenn sie nichts zurückgibt, und kann eine Reihe von Ausnahmen in einer so genannten „throws“-Klausel definieren. Beispiel einer konkreten Methode: Diese Methode erwartet zwei doppelt genaue Gleitkommazahlen als Parameter und gibt die Summe der beiden ebenfalls als Gleitkommazahl zurück. Falls eine der beiden Zahlen keine gültige Gleitkommazahl ist, wirft die Methode eine Ausnahme namens „NotANumberException“. Beispiel einer abstrakten Methode: Attribute sind Variablen, die zu einem Objekt gehören. Sie sind durch einen Typ und einen Namen definiert und können wahlweise bereits wenn das Objekt erzeugt wird initialisiert werden. Beispiel einer Variablendeklaration ohne Initialisierung: Klassenvariablen werden als statische Attribute deklariert. Diese Attribute existieren nicht einmal pro Objekt, sondern nur einmal pro Klasse. Das Schlüsselwort „final“ verhindert, dass eine Variable nach ihrer Initialisierung ihren Wert ändert. Es wird zum Beispiel verwendet, um Konstanten zu definieren. Beispiel einer statischen und finalen Klassenvariablendeklaration mit Initialisierung: In der Programmiersprache Java ist ein Feld ein eigenständiges Objekt. Dieses kann Daten eines bei der Deklaration festgelegten Typs aufnehmen. Der Speicher wird erst bei der Initialisierung des Feldes belegt. Dazu muss eine Länge angegeben werden, die beschreibt wie viele Elemente eines Typs das Feld besitzen soll. Die Größe eines Arrays ist fix und kann nach der Instanziierung nicht mehr geändert werden. In Java wird ein Feld immer mit einem positiven Integer indiziert. Dadurch beschränkt sich die mögliche Länge eines Arrays auf 0 bis 231 − 1. Die einzelnen Elemente eines Feldes werden – analog zu den Attributen anderer Objekte – bei der Instanziierung des Feldes mit dem Nullwert des jeweiligen Feld-Grundtyps initialisiert. Für Felder von numerischen Primitivtypen ist dies 0 bzw. 0.0, für ein Feld mit dem Grundtyp boolean ist es der Wert false, für Felder von Objektreferenzen die leere Referenz null. Bei der Erzeugung eines Feldes von Objektreferenzen werden also außer dem Feld selbst noch keine Objekte erzeugt. Echte mehrdimensionale Felder gibt es in Java nicht. Dennoch ist es möglich, mehrdimensionale Felder zu erstellen, indem Felder in Feldern verschachtelt werden. Im Falle eines zweidimensionalen Feldes wird hier zunächst ein Feld erstellt, welches Referenzen auf Felder des gewünschten Typs aufnehmen kann. Anschließend wird jedem Platz dieses Feldes eine Referenz auf ein eindimensionales Feld des gewünschten Grundtyps zugewiesen. Deklaration Bei der Deklaration wird der Datentyp des Feldes festgelegt. Dabei wird jedoch kein Feld allokiert, sondern wie bei allen anderen Objekten nur eine Referenz eines Types definiert, der ein Feld zugewiesen werden kann. Instanziierung Bei der Instanziierung eines eindimensionalen Feldes muss sowohl dessen Datentyp als auch die Anzahl der Elemente bekannt sein. Wie bereits am Anfang angemerkt ist die Länge eines Feldes auf nichtnegative ganzzahlige Werte beschränkt. Das Schlüsselwort new hat hier dieselbe Bedeutung wie bei allen anderen Objekten und legt eine Instanz des Typs an. Dabei wird der benötigte Speicher für das Objekt als auch für dessen Elemente reserviert. Im Gegensatz zu anderen Objekten verfügen Felder aber über keine Konstruktoren und es ist nicht möglich, durch explizite Ableitung Subtypen eines Feldtyps zu bilden. Beispiel eines eindimensionalen Feldes des Typs int der Länge 3 Die Deklaration und Instanziierung muss nicht getrennt voneinander erfolgen, sondern kann wie üblich auch als eine Anweisung geschrieben werden. Beim Zugriff auf die Elemente ist zu beachten, dass Java mit dem Index 0 anfängt zu zählen. So wird in diesem Beispiel mit Index 0 auf das erste Element zugegriffen und mit Index 2 auf das letzte Element. ist eine Verkürzung von Auslesen von Werten Zuweisung von Werten Länge eines Feldes Viele Algorithmen benötigen die Länge eines Feldes, etwa um alle Einträge abzuarbeiten. Die Länge eines Feldes ist zur Laufzeit bekannt und kann über die Objektvariable length abgefragt werden, die selbst vom Typ int ist. Diese Variable ist stets konstant und kann nicht geändert werden. Eine Zuweisung eines anderen Wertes ist also nicht möglich. Wie bereits angemerkt, kennt Java keine mehrdimensionalen Felder. Dennoch können Felder ineinander verschachtelt werden, um so eine analoge Struktur zu erhalten. Ein zweidimensionales Feld ist dabei mit einer Tabelle vergleichbar, wobei das erste indizierende Feld auf die Zeile verweisen würde. Die Zeile selbst ist wiederum ein Feld, dessen Indizes auf die Spalte der Zeile, also auf den entsprechenden Eintrag, verweist, wie es auch in der Abbildung ersichtlich ist. In Java können mehrdimensionale Felder durch die Angabe mehrerer eckiger Klammerpaare indiziert werden würde, wobei hier zunächst die Zeile ermittelt wird und anschließend die Spalte aus der Zeile. Beispiel der Erstellung eines zweidimensionalen Feldes Bei diesem Beispiel ist zu beachten, dass nicht nur das äußere Feld allokiert wird, sondern auch die Felder für die „Zeilen“. Sie sind also nicht null und wurden ebenfalls mit angelegt. Ihre Einträge werden, wie von einem eindimensionalen Feld zu erwarten, mit 0 initialisiert. In einer Matrix werden die waagrechten Felder als Zeilen, die Senkrechten als Spalten bezeichnet. Ein einzelnes Element ist durch den jeweiligen Zeilen- und Spaltenindex eindeutig bestimmt. Die Syntax für eine Matrix oder allgemein für mehrdimensionale Felder ist fast identisch. Der Unterschied liegt in der Anzahl der geschlossenen eckigen Klammern, die Auskunft darüber geben, wie viele Dimensionen das Feld haben wird. Beispiel der Erstellung eines zweidimensionalen Feldes mit unterschiedlichen Größen in den „Unterfeldern“ Bei diesem Beispiel ist zu beachten, dass im ersten Befehl nur das äußere Feld allokiert wird und die einzelnen Elemente mit null initialisiert werden. In den folgenden Befehlen werden diesen Elementen dann die „Unterfelder“ zugewiesen, es ergibt sich hier ein „dreieckiges“ Feld. Wie bei eindimensionalen Arrays gibt es auch bei mehrdimensionalen Arrays eine verkürzte Variante: Wo die eckigen Klammern gesetzt werden, bleibt dem Programmierer überlassen: ist das Gleiche wie oder auch Allgemeine Syntax Die Auslassungspunkte ‘…’ stehen hier stellvertretend für weitere Klammerpaare, die jeweils eine weitere Dimension erzeugen. Der Zugriff auf die Elemente erfolgt analog zu denen eines eindimensionalen Feldes. Dabei ist jedoch zu beachten, dass auch auf das jeweilige äußere Feld zugegriffen werden kann, um z. B. die Anzahl der Zeilen zu bestimmen. Ausgehend vom Beispiel eines zweidimensionalen Feldes kann die Anzahl wie folgt bestimmt werden. Auslesen und zuweisen von Werten Bestimmung der Länge des Feldes und der Unterfelder Die Länge der Unterfelder kann über den Index des Feldes bestimmt werden. In Langform, bzw. nach einzelnen Schritten aufgelöst, würde dies wie folgt aussehen. Daraus wird ebenfalls ersichtlich, dass es sich bei den Zeilen um Objekte – eindimensionale Felder – handelt. Java unterstützt die üblichen Anweisungen, die auch aus anderen imperativen Programmiersprachen bekannt sind. Einfache Anweisungen werden mit Semikolon abgeschlossen. Mehrere Anweisungen können mit geschweiften Klammern zu einem Anweisungsblock zusammengefasst werden. Kontrollstrukturen werden ebenfalls wie Blöcke behandelt und müssen daher nicht mit einem Semikolon abgeschlossen werden. Als Kontrollstrukturen stehen die Bedingte Anweisung und Verzweigung und Case-Anweisung, sowie die While-, Do-while- und For-Schleife und ihre verschiedenen Ausprägungen zur Verfügung. Die Bedingte Anweisung und Verzweigung, im Folgenden If-Anweisung genannt, ermöglicht es Anweisungen unter Voraussetzung einer bestimmten Bedingung ausführen zu lassen. Dazu wird das Schlüsselwort „if“ verwendet. Dahinter folgt ein Paar von runden Klammern, in dem die Bedingung definiert werden kann. Die Bedingung ist ein Ausdruck der als Ergebnis einen booleschen Wert liefern muss. Dies unterscheidet Java von anderen Sprachen wie etwa C, bei denen auch andere Werte als Bedingung erlaubt sind. Weiterhin ist anzumerken, dass das häufig anzutreffende Schlüsselwort „then“ nicht existiert. Das Schlüsselwort „else“ kann verwendet werden um eine Anweisung im Falle des Nichtzutreffens der Bedingung auszuführen. Es ist optional und in diesem Fall spricht man von einer Verzweigung, da entweder die erste oder die zweite Anweisung ausgeführt wird. Alternativ kann anstatt „else“ ein „else if“ verwendet werden, das wie ersteres „if“ eine weitere Bedingung erwartet. Dadurch ist möglich Kaskaden von Verzweigungen aufzubauen. Ohne Strukturierung durch Blöcke besteht jedoch die Gefahr eines Dangling else, bei dem nicht eindeutig ist, welcher If-Anweisung der Else-Zweig zuzuordnen ist. Allgemeine Syntax Beispiel für eine einfache If-Anweisung mit einem Block von zwei Ausgaben Komplexeres Beispiel Für eine einfache If-Anweisung existiert eine zusätzliche Kurzschreibweise. Diese kann innerhalb eines Ausdrucks verwendet werden, ist aber auf ein „Entweder-oder“ beschränkt. D. h. sie muss in jedem Fall einen konkreten Wert zurückliefern. Der Operator selbst ist das Fragezeichen ‘?’ vor dem ein boolescher Ausdruck stehen muss. Hinter dem Fragezeichen folgt der Rückgabewert für den Fall, dass der boolesche Ausdruck wahr ist. Anschließend folgt ein Doppelpunkt ‘:’ nach dem wiederum der Rückgabewert folgen muss, falls der boolesche Ausdruck nicht wahr ist. Syntax Beispiel Java unterscheidet vier verschiedene Arten von Schleifen. Die nachfolgenden Beispiele zeigen den Einsatz einer solchen erweiterten For-Schleife, einmal angewendet auf den Basisdatentyp char und einmal auf eine Liste. Im Gegensatz zu anderen Programmiersprachen, wie beispielsweise C, ist die Reihenfolge der Auswertung von Ausdrücken in Java bereits in der Sprachdefinition festgelegt: Binäre infix-Operatoren gleichen Rangs, die keine Zuweisungsoperatoren sind, werden immer von links nach rechts ausgewertet. Außerdem gilt – wie in C auch – dass die Auswertung von logischen Ausdrücken verkürzt werden kann, wenn das Ergebnis bereits feststeht. Im folgenden Beispiel wird also garantiert zuerst überprüft, ob „objekt“ nicht „null“ ist. Ist dieser Teilausdruck false , wird der rechte Operand von && gar nicht ausgewertet, d. h. die Methode inOrdnung Werden statt der logischen Operatoren && und || die Bit-Operatoren & und | verwendet, so müssen beide Teilergebnisse bitweise verknüpft werden und die Verarbeitung kann nicht beim linken Ausdruck abbrechen, falls der false ist. Hat also die Variable objekt den Wert null, so versucht die Java-VM, den aus dem ersten Ausdruck resultierenden Wert false mit dem Ergebnis des zweiten Ausdrucks bitweise zu verknüpfen. Um den zweiten Ausdruck zu berechnen, versucht die VM objekt zu dereferenzieren und wirft eine NullPointerException. Ein Lambda-Ausdruck ist eine namenlose Methode, die weitergegeben werden kann. Lambda-Ausdrücke beschreiben also Funktionsobjekte. Der Begriff geht auf den Lambda-Kalkül zurück, eine formale Sprache zur Untersuchung von Funktionen . Lambda-Ausdrücke in Java gibt es seit Java 8 und umfassen Parameterlisten, einen Rückgabetyp und einen Body: Die runden Klammern können weggelassen werden, wenn die Anzahl der enthaltenen Elemente genau eins ist. Die Angabe der Parametertypen ist nur dann erforderlich, wenn der Compiler sie nicht selbst aus dem Kontext des Ausdrucks ableiten kann. Eine Funktion, die die Summe von zwei Argumenten liefert, lässt sich folgendermaßen ausdrücken: Sie haben selbst keinen konkreten Typ und können daher nur in einem Kontext verwendet werden, der einen Typ vorgibt, etwa Methodenaufrufe, Return-Anweisungen und Variableninitialisierungen. Der vorgegebene Typ muss eine funktionale Schnittstelle sein. In folgendem Beispiel ist ein Comparator<String>-Objekt mit Hilfe eines Lambda-Ausdrucks definiert. Der sort-Aufruf bewirkt die Sortierung von someStrings nach deren Länge, in absteigender Reihenfolge. Lambda-Ausdrücke helfen, die oft schlecht lesbaren, langen Deklarationen innerer, anonymer Klassen, zu vermeiden. In Java heißen Schnittstellen, die nur über eine Operation verfügen, funktionale Schnittstellen. Eine abstrakte Klasse mit genau einer abstrakten Methode zählt allerdings nicht als funktionale Schnittstelle. Methodenreferenzen stellen ebenfalls eine ab Java 8 verfügbare Möglichkeit dar, funktionale Schnittstellen zu implementieren. Sie haben eine der Formen In folgendem Code wird die Methodenreferenz System.out::println als ein java.util.function.Consumer<String>-Objekt verwendet. Kommentare sind Teile des Quellcodes, welche Informationen für den menschlichen Leser enthalten und vom Computer bei der Weiterverarbeitung ignoriert werden. Man unterscheidet zwischen Zeilenkommentare und Blockkommentare. Der Zeilenkommentar folgt an einer Zeile. Die Syntax besteht aus einem Doppelschrägstrich. Der Blockkommentar umfasst die Beschreibung mehrerer Zeilen. Die Syntax dafür besteht aus einem Schrägstrich und darauf folgendes Mal-Zeichen. Mit dem Mal-Zeichen und dem Schrägstrich wird der Kommentar geschlossen. Beim Kompilieren werden die Kommentare vom Compiler ignoriert. Beispiel: Zur Dokumentation ganzer Methoden oder Klassen wird oft das Javadoc-System verwendet. Mit Version 5 von Java wurde das Sprachmittel der generischen Programmierung eingeführt.
2024-12-04 00:37:03
https://de.wikipedia.org/wiki/Schweizer_Radio_und_Fernsehen#Radiosender
Das Schweizer Radio und Fernsehen ist ein Schweizer Medienunternehmen, das am 1. Januar 2011 durch die Zusammenlegung von Schweizer Radio DRS und Schweizer Fernsehen entstand. Die neue Unternehmenseinheit der SRG SSR wurde damit zum grössten elektronischen Medienhaus der Deutschschweiz. SRF hat drei Hauptstudios: je eines in Basel , in Bern und in Zürich. Das Unternehmen Schweizer Radio und Fernsehen entstand am 1. Januar 2011 durch die Zusammenlegung der ehemals unabhängigen Unternehmen Schweizer Radio DRS und Schweizer Fernsehen . Seit dem 16. Dezember 2012 treten die Fernseh- und Radiosender als SRF auf; die Namen SF und SR DRS wurden schrittweise abgeschafft. Der unter dem Projektnamen «Medienkonvergenz SRG.D» durchgeführte Zusammenschluss ist der Deutschschweizer Teil des im März 2009 von der SRG SSR beschlossenen Projekts «Medienkonvergenz und Wirtschaftlichkeit». Mit dem Projekt soll die Zusammenlegung der Unternehmenseinheiten je Sprachregion sowie eine engere Zusammenarbeit zwischen Radio, Fernsehen und Online umgesetzt werden. Das Unternehmen verfügt insgesamt über sechs Programmabteilungen. Während die vier Abteilungen «Programme», «Kultur», «Sport» und «Unterhaltung» medienübergreifend organisiert sind, wurden im publizistischen Kernbereich für Radio und Fernsehen aus medienpolitischen Überlegungen zwei separate Chefredaktionen geschaffen. Ferner wurde die Produktion der Radio- und Fernsehsendungen sowie die bisher separat geführten IT-Bereiche im Technology and production center switzerland konzentriert. Mit dem Kinderprogramm Zambo entstand im Unterhaltungsbereich bereits im August 2010 die erste Konvergenzproduktion. Als Direktor des neuen Unternehmens wurde der bisherige Chefredaktor von Schweizer Radio DRS , Rudolf Matter, gewählt. Am 5. November 2018 wählte der Verwaltungsrat der SRG SSR Nathalie Wappler, damals Programmdirektorin des Mitteldeutschen Rundfunks , zur neuen Direktorin von SRF. Wappler ist nach Ingrid Deltenre, die das Schweizer Fernsehen von 2004 bis 2009 führte, die zweite Frau an der Spitze des Schweizer Fernsehens. Im März 2019 trat Wappler ihre Stelle an. Schweizer Radio und Fernsehen betreibt drei Fernsehsender: Zum Unternehmen gehören sechs Radiosender: Zusätzlich strahlt SRF über Swiss Satellite Radio die drei Musikspartenprogramme aus, die über DAB+, Satellit, Kabel und Internetradio, empfangbar sind. Seit 1978 werden auf SRF1 täglich mehrere Ausgaben der Regionaljournale ausgestrahlt. Sie berichten über Ereignisse in den Regionen und Kantonen in den Bereichen Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport. Es werden folgende Regionaljournals ausgestrahlt: Während der Ausstrahlung der Regionaljournale wird das UKW-Sendernetz regional gesplittet. Über DAB+ werden alle Regionaljournale parallel in der ganzen Deutschschweiz ausgestrahlt. Es gibt somit ein SRF1 Ostschweiz, SRF1 Zentralschweiz etc. SRF betreibt mit der ARD, dem ZDF und dem ORF den Fernsehsender 3sat. Im Nachrichten- und Unterhaltungsbereich arbeitet SRF eng mit ARD und ZDF zusammen. SRF liefert auch einzelne Sendungen für das deutsch-französische Kulturprogramm Arte. SRF beteiligt sich an mehreren Eurovisions-Sendungen. SRF bietet auch Sendezeiten für weitere TV-Anbieter in der Schweiz an: Bei YouTube betreibt SRF ein Multi-Channel-Network mit rund 9'000 Videos auf 18 Kanälen mit den Namen SRF Einstein, Studio 404, Clip und klar, Deville, Late Update, Nr. 47, SRF 3, SRF Archiv, SRF Comedy, SRF Digital, SRF DOK, SRF Kassensturz, SRF Kultur, SRF Musik, SRF Sport, SRF Virus, Tama Gotcha! sowie True Talk, SRG Insider und SRF Forward . Der Kanal Clip und klar ist vor allem für Kinder, und die Kanäle Youngbulanz und Studio 404 richten sich vorwiegend an Jugendliche, die Themen reichen von aktuellen Ereignissen über Comedy und Talk bis Sexualität. Alle Fernseh- und Radiosender sind in fast der gesamten Schweiz über Kabel empfangbar. Über den Satelliten Hotbird werden die Sender europaweit ausgestrahlt, SRF 1 und SRF zwei senden jedoch verschlüsselt. Über UKW werden Radio SRF 2 Kultur und Radio SRF 3 in der Deutschschweiz gesendet, Radio SRF 1 wird in der gesamten Schweiz gesendet. Die restlichen Radiosender werden nicht über UKW gesendet. Seit 2012 werden alle SRF-Radioprogramme auch auf DAB+ ausgestrahlt. Einige Informationssendungen von SRF werden auch auf Kurzwelle über den Sender Kall-Krekel ausgestrahlt. Die SRG wird im Laufe des Jahres 2021 ihre Fernsehprogramme über Satellit im UHD-Standard ausstrahlen. Die Programme werden dann in einer Auflösung vom 3840×2160 Pixeln zu sehen sein – bisher sendete die SRG in HD, also mit 720 Pixeln. Dadurch werden die Bilder deutlich schärfer und die Farben authentischer. Wann die SRG-Sender auch in den Kabelnetzen von Swisscom, UPC und Co. in UHD verbreitet werden, ist noch unklar. Diese dürften allerdings schnell reagieren und die SRG-Programme gleichzeitig in UHD und HD anbieten. SRF verfügt über mehrere Studios. Die Fernsehproduktionen werden in den Studios Zürich Leutschenbach hergestellt. Diese Studios im Norden der Stadt wurden in den 1970er Jahren errichtet. Die Radioproduktionen werden in drei Hauptstudios in Basel, Bern und Zürich produziert, ausserdem in den vier Regionalstudios in Aarau, Chur, St. Gallen und Luzern. Das Studio Zürich war über viele Jahre im eigenen Gebäude «Brunnenhof» untergebracht und zog 2022 in die neue «Radio Hall» auf dem Gelände des Fernsehstudios Leutschenbach um. Die Radiosender Radio SRF 1, Radio SRF 3, Radio SRF Musikwelle und Radio SRF Virus werden grösstenteils in Zürich produziert. Radio SRF 2 Kultur wird im Studio Basel produziert. Die Radio-Nachrichtensendungen und Radio SRF 4 News werden im Studio Bern hergestellt. Aus allen sieben Radiostudios werden die Regionaljournale von Radio SRF 1 gesendet. Mit den SRG-Schwesterneinheiten betreibt SRF das Studio Bundeshaus in Bern. Es ist ein modern eingerichtetes Fernseh- und Radiostudio für die Bundeshaus- und Regionalkorrespondenten. Für die gesamte Technik und Produktion der Fernseh-, Radio- und Multimediabeiträge von Schweizer Radio und Fernsehen SRF in allen SRF-Studios war die SRG-Tochtergesellschaft Technology and production center switzerland verantwortlich. Im April 2019 entschied der Verwaltungsrat der SRG SSR, das TPC zum 1. Januar 2020 zurück in die Unternehmenseinheit SRF zu überführen. Rund 40 fest stationierte und reisende Auslandkorrespondenten berichten für Radio und Fernsehen SRF aus sechs Kontinenten. Weitere 25 Korrespondenten berichten aus allen Teilen der Schweiz. Ein Teil der Korrespondenten ist freischaffend. SRF 1 • SRF zwei • SRF info • Radio SRF 1 • Radio SRF 2 Kultur • Radio SRF 3 • Radio SRF 4 News • Radio SRF Virus • Radio SRF Musikwelle RTS 1 • RTS 2 • RTS Info • RTS Première • RTS Espace 2 • RTS Couleur 3 • RTS Option Musique RSI LA 1 • RSI LA 2 • Rete Uno • Rete Due • Rete Tre Televisiun Rumantscha • Radio RTR Radio Swiss Pop • Radio Swiss Classic • Radio Swiss Jazz euronews • 3sat • TV5 Monde swissinfo • tvsvizzera.it • Play Suisse • Play SRF HD suisse • SPlus/Schweiz 4 • SRG Sportkette • Landessender der Schweiz: Radio Beromünster, Radio Sottens und Radio Monte Ceneri • Telefonrundspruch • Schweizer Radio International • Radio Basel • Radio Bern • Radio Lausanne • Radio Genève • Radio Zürich World Radio Switzerland • Admeira Swiss TXT • Telvetia 47.4175611111118.5604361111111Koordinaten: 47° 25′ 3,2″ N, 8° 33′ 37,6″ O; CH1903: 684654 / 252466
2024-11-30 20:56:03
https://de.wikipedia.org/wiki/Roberto_Romanello
Roberto Claudio Romanello ist ein professioneller britischer Pokerspieler aus Wales. Er gewann ein Bracelet bei der World Series of Poker, das Main Event der World Poker Tour sowie das Main Event der European Poker Tour und ist damit einer von neun Pokerspielern, die die sogenannte Triple Crown vollendet haben. Romanello zog als Kind mit seiner Familie nach Wales, wo er mit drei Brüdern als Sohn eines Restaurantbesitzers aufwuchs. Er besuchte die Penyrheol Comprehensive School in Swansea, wo er auch heute noch lebt. Romanello kam im Jahr 2005 zum Poker, nachdem er aufgrund einer dreimonatigen Verletzung, die er sich beim Fußball zugezogen hatte, zu Hause bleiben musste. Er begann im örtlichen Casino zu spielen und sich eine Bankroll aufzubauen. Der Brite wurde von der Onlinepoker-Plattform partypoker gesponsert und spielte dort unter dem Nickname WelshWizard. Seine erste Geldplatzierung bei einem Live-Turnier erzielte Romanello Mitte April 2006 in Swansea. Anfang August 2006 war er erstmals bei der World Series of Poker im Rio All-Suite Hotel and Casino am Las Vegas Strip erfolgreich und belegte beim Main Event den 312. Platz für rund 40.000 US-Dollar Preisgeld. Mitte Februar 2010 kam er beim Main Event der European Poker Tour in Kopenhagen an den Finaltisch und beendete das Turnier auf dem sechsten Platz für ein Preisgeld von umgerechnet rund 100.000 US-Dollar. Im Dezember 2010 gewann der Brite das EPT-Main-Event in Prag mit einer Siegprämie von 640.000 Euro. Anfang April 2011 war er auch beim Main Event der World Poker Tour siegreich und entschied das Turnier in Bratislava für sich. Dafür setzte er sich gegen 197 andere Spieler durch und erhielt rund 140.000 Euro. Bei der WSOP 2016 kam Romanello bei einem Turnier in der Variante No Limit Hold’em an den Finaltisch und belegte den dritten Platz für knapp 150.000 US-Dollar Preisgeld. Mitte November 2018 gewann er das High Roller der partypoker Caribbean Poker Party in Nassau auf den Bahamas und erhielt eine Siegprämie von 450.000 US-Dollar. Beim Main Event der partypoker Millions Europe im King’s Resort in Rozvadov belegte der Brite Mitte August 2019 den mit 170.000 Euro dotierten sechsten Rang. Im Juli 2020 setzte er sich bei einem Turnier der aufgrund der COVID-19-Pandemie auf GGPoker ausgespielten World Series of Poker Online durch und erhielt über 215.000 US-Dollar sowie ein Bracelet. Mit seinem Sieg avancierte Romanello zum neunten Spieler, der sich Turniertitel bei allen drei großen Turnierserien WSOP, WPT und EPT sicherte. Diese Leistung wird als Triple Crown bezeichnet. Insgesamt hat sich Romanello mit Poker bei Live-Turnieren mehr als 4,5 Millionen US-Dollar erspielt und ist damit der erfolgreichste walisische Pokerspieler. Andersen | Antonius | Bække | Barbosa | Belea | Bendík | Bendinelli | Benzimra | Boeken | Boeree | Bogdanow | Bojka | Bonavena | Bondarzew | Boubli | Brändström | Buonanno | Castaignon | Charania | Chorny | Choroschenin | Chouity | Cody | Cohen | Coren Mitchell | Dantschew | De Wolfe | Dibella | Dimow | Dumont | Eiler | Elder | Ensan | Farrell | Finger | Freitez-Rosales | Fry | Gavatin | Geshkenbein | Gilboa | Gimbel | Glenne | Główny | Graner | Griffin | Grospellier | Grzegorz | Gustavson | Hall | Hamilton | Høivold | Hollink | Iremark | Jelassi | Jensen | Jepsen | Juanda | Kaiser | Karmatski | Kitai | de Korver | Koutoupas | Kranich | Kursevich | Kyllönen | Lacay | Lettau | Lewis | Löser | Lundmark | Lykow | Lyloff | MacPhee | Malec | Martin | Martirossjan | Mateos | Matias | Mattern | McDonald | Meijer | Mercier | Michaelis | Middleton | Montury | Mouawad | Naujoks | Nazari | Nguyen | Nurzyński | O’Dwyer | O’Neill | Pańka | Pateitschuk | Pauli | Perrault | Peters | Petersen | Petersson | Phillips | Pidun | Pobal | Rijkenberg | Romanello | Ruthenberg | Saccucci | Schaefer | Schleich | Schulz | Schulze | Shipley | Simoes | Simon | Skampa | Spindler | Stani | Starinkow | Stevic | Teltscher | Thew | Track | Tureniec | Urbanovich | Vamplew | Vance | Vaswani | Visser | Watson | WhatIfGod | Wiciak | Wigg | Wilinofsky | Williams | Wrang | Ye | Ylitalo | Ziyard Mohsin Charania | Jake Cody | Roland De Wolfe | Niall Farrell | Harrison Gimbel | Gavin Griffin | Bertrand Grospellier | Davidi Kitai | Roberto Romanello
2024-12-02 11:35:48
https://de.wikipedia.org/wiki/Titel
Titel steht für: Auszeichnungen: Titel ist der Familienname folgender Personen: Siehe auch:
2024-12-02 00:45:54
https://de.wikipedia.org/wiki/Ignatius_Krasicki
Ignacy Błażej Franciszek Krasicki anhörenⓘ/? war Fürstbischof von Ermland, Erzbischof von Gnesen sowie Primas von Polen. Darüber hinaus war er ein bekannter polnischer Schriftsteller und Vertreter der Aufklärung in Polen-Litauen. Als ein Krasicki war Ignacy in der Rzeczpospolita ein Magnat und im Heiligen Römischen Reich ein Reichsgraf. Krasickis Ausbildung begann 1743 am Jesuiten-Kolleg in Lemberg, gefolgt vom Besuch des Seminars der Kongregation der Missionare vom heiligen Vinzenz von Paul von 1751 bis 1754 in Warschau. Nach der Priesterweihe im Jahr 1759 setzte er seine Ausbildung in Rom bis 1761 fort. Der polnische König Stanislaus II. August berief Krasicki 1765 zum Hofkaplan; 1766 ernannt er ihn zum Koadjutor des Fürstbischofs von Ermland Adam Stanislaus Grabowski. Grabowski starb noch im gleichen Jahr; und der König setzte Krasicki als seinen Nachfolger ein. Die Bischofsweihe fand am 28. Dezember 1766 in der Theatiner-Kirche in Warschau statt. Nach der Eingliederung des Fürstbistums in Preußen lernten sich Krasicki und König Friedrich der Große 1772 kennen. Friedrich übertrug ihm 1773 die Einweihung der Sankt-Hedwigs-Kathedrale in Berlin. Er schätzte den „wenig asketischen“ aufklärerischen Schriftsteller auch als Gesellschafter und lud ihn mehrmals zu seinen Winter-Tafeln ins Potsdamer Stadtschloss ein. Zugleich war Krasicki mit dem polnischen König Stanislaus August befreundet, der ihm 1774 den Orden vom Weißen Adler verlieh. Friedrich berief Krasicki 1786 in die Akademie der Wissenschaften in Berlin. Das gute Verhältnis Krasickis zu den preußischen Königen blieb auch unter Friedrichs Nachfolgern bestehen. Friedrich Wilhelm II. nominierte ihn 1795 erfolgreich für die Wahl des Erzbischofs von Gnesen ; die Ernennung erfolgte am 22. Dezember 1795. Friedrich Wilhelm III. verlieh ihm 1798 den Roten Adlerorden. Ignacy Krasicki starb am 14. März 1801 in Berlin. Seine sterblichen Überreste ruhten in der St.-Hedwigs-Kathedrale, bis sie 1829 in die Kathedrale von Gnesen überführt wurden. Die Bedeutung Krasickis ergibt sich weniger aus seiner hohen kirchlichen Stellung als aus seiner literarischen Tätigkeit. Die seelsorgerischen Aufgaben pflegte er zu delegieren und betätigte sich lieber als politischer Berater, Kunstmäzen, Dichter und Aufklärer. Ab 1765 veröffentlichte er zahlreiche Beiträge in der Warschauer Zeitschrift Monitor, z. T. unter Pseudonym. Er schrieb Theaterstücke und ließ diese in seiner Residenz aufführen. Aus seiner Freundschaft mit Friedrich dem Großen resultierte die 1778 veröffentlichte satirische Schrift Monachomachia . Geschrieben für den aufgeklärten, religiös tolerant bis indifferenten Friedrich den Großen, brachte ihm diese Schrift heftige Kritik aus Polen ein; dass ein polnischer Bischof für einen preußischen Herrscher schrieb, der sechs Jahre früher die Teilung Polens unter seinen Nachbarn initiierte, stieß auf erhebliches Unverständnis. In Reaktion darauf verfasste Krasicki die Anti-Monachomachia , um den schlechten Eindruck zu beseitigen. Aus seiner Feder stammt eine Reihe weiterer Schriften, u. a. die 1779 erschienenen Fabeln und Parabeln sowie zahlreiche Satiren, Komödien und Gedichte. 1781 gab er in der Warschauer Druckerei von Michael Gröll die erste polnische Enzyklopädie in zwei Bänden heraus. Krasicki gilt heute als einer der bedeutendsten Vertreter der polnischen Literatur der Aufklärung.
2024-12-03 15:43:37
https://de.wikipedia.org/wiki/Saales
Saales ist eine französische Gemeinde mit 827 Einwohnern im Département Bas-Rhin in der Region Grand Est . Sie gehört zum Arrondissement Molsheim und zum Kanton Mutzig. Die Gemeinde Saales liegt im Tal der Bruche in den Vogesen an der Grenze zum Département Vosges. Der Ortskern liegt mit knapp 550 m über dem Meer nur wenig unter der ganze 300 Meter entfernten Passhöhe des Col de Saales, der zur Wasserscheide zwischen den Einzugsbereichen von Breusch und Meurthe gehört. Der höchste der umliegenden Berge ist der markante Climont östlich des Dorfes mit seinen 963 und 965 Meter hohen Gipfeln. Er gehört aber nicht mit zum Gemeindegebiet. An seinem Südwesthang entspringt wenige Meer jenseits der Gemeindegrenze in 685 m Höhe die Breusch. Bis hoch zum Gipfel zur Gemeinde gehört dagegen der 831 m hohe Solamont nördlich des Dorfes. Saales liegt an der Eisenbahnlinie 8 der SNCF-Tochter TER Grand Est, die von Straßburg über Molsheim nach Saint-Dié-des-Vosges führt. Die kurvenreiche Strecke führt über die Passhöhe des Col de Saales, hat aber weiter südlich am Berghang auch einen Tunnel. Die nächstliegenden Stationen sind Bourg-Bruche im Nordosten und Colroy-Lubine im Südosten. Der Ortsname entstammt der einstigen Via salinaria . Die frühere Schreibweise war „Saâles“. Der Ort war im Laufe der Geschichte öfter Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen: 1262 wurde er von den Truppen des Bischofs von Straßburg eingeäschert, 1525 gab es große Plünderungen im Zuge des Bauernkriegs und unter dem Dreißigjährigen Krieg hatte er ebenfalls stark zu leiden. 1743 erhielt Saales das Marktrecht. 1790 wurde der Kanton Saales gebildet – zunächst im Département Vosges, dessen Hauptort die Gemeinde wurde. In seiner verkehrsgünstigen Lage an relativ niedrigen Vogesenpässen war Saales lange Zeit Ort großer jährlicher Märkte. Die Grenzlage des Ortes in den Jahren 1871 bis 1918 und die Verlagerung des Fernverkehrs durch moderne Verkehrsmittel brachten diesen Handelsmessen Niedergang und Ende. Blasonierung: In Gold ein schwarzer Eber. Altorf | Avolsheim | Balbronn | Barembach | Bellefosse | Belmont | Bergbieten | Bischoffsheim | Blancherupt | Bœrsch | Bourg-Bruche | Colroy-la-Roche | Cosswiller | Crastatt | Dachstein | Dahlenheim | Dangolsheim | Dinsheim-sur-Bruche | Dorlisheim | Duppigheim | Duttlenheim | Ergersheim | Ernolsheim-Bruche | Flexbourg | Fouday | Grandfontaine | Grendelbruch | Gresswiller | Griesheim-près-Molsheim | Heiligenberg | Hohengœft | Jetterswiller | Kirchheim | Knœrsheim | La Broque | Lutzelhouse | Marlenheim | Mollkirch | Molsheim | Muhlbach-sur-Bruche | Mutzig | Natzwiller | Neuviller-la-Roche | Niederhaslach | Nordheim | Oberhaslach | Odratzheim | Ottrott | Plaine | Rangen | Ranrupt | Romanswiller | Rosenwiller | Rosheim | Rothau | Russ | Saales | Saint-Blaise-la-Roche | Saint-Nabor | Saulxures | Scharrachbergheim-Irmstett | Schirmeck | Solbach | Soultz-les-Bains | Still | Traenheim | Urmatt | Waldersbach | Wangen | Wangenbourg-Engenthal | Wasselonne | Westhoffen | Wildersbach | Wisches | Wolxheim | Zehnacker | Zeinheim
2024-12-02 04:25:09
https://de.wikipedia.org/wiki/Mitglieder_der_K%C3%B6niglich_D%C3%A4nischen_Akademie_der_Wissenschaften_bis_1942
Diese Liste umfasst alle Mitglieder der Königlich Dänischen Akademie der Wissenschaften . Sie basiert auf der in Det Kongelige Danske Videnskabernes Selskab 1742–1942 – Samlinger til selskabets historie, Band 1, 1942 veröffentlichten Liste. Für den Zeitraum 1742–1942 soll diese vollständig sein. Nach Det kongelige danske videnskabernes selskab 1742–1942 – Samlinger til selskabets historie, Band 1, 1942, S. 355–385.
2024-12-03 19:16:36
https://de.wikipedia.org/wiki/Fjodor_Gennadjewitsch_Krascheninnikow
Fjodor Gennadjewitsch Krascheninnikow ist ein russischer Politologe und Publizist, der nach einer zweiten Verurteilung wegen Beleidigung der Staatsgewalt im Jahr 2020 ins Exil gehen musste. Krascheninnikow studierte an der Staatlichen Gorki-Universität des Uralgebiets in Jekaterinburg und schloss sein Studium 1998 ab. Danach blieb er in Jekaterinburg und arbeitete als Kommentator, Herausgeber und Berater für führende Medien. Seit Mitte der 1990er Jahre engagierte er sich zivilgesellschaftlich in verschiedenen Themenfeldern. Ab 2003 war er Chefredakteur der von ihm mitgegründeten Nachrichtenagentur Politsowjet in Jekaterinburg. Er war auch überregional tätig, beispielsweise für den Radiosender Echo Moskwy. Über Facebook bzw. seinen Telegram-Kanal erreichte er mehrere Tausend Follower. Von 2013 bis 2018 war der Regimekritiker Jewgeni Roisman Bürgermeister von Jekaterinburg, entsprechend offen das Klima in der Stadt damals. Gemeinsam mit Leonid Wolkow, dem Strategieberater von Alexei Nawalny, verfasste er das Buch Bewölkte Demokratie. Nach einer zweiten Verurteilung wegen Beleidigung der Staatsgewalt musste Fjodor Krascheninnikow 2020 sein Heimatland verlassen. Heute lebt er in Litauen und arbeitet als Journalist und Russland-Experte. „Putin braucht den Krieg gegen die Ukraine aus demselben Grund, wie er die Attentate auf seine Kritiker, die Repressionen, die Verfassungsänderungen und den Abbau der Demokratie braucht – zum Machterhalt und um zu verhindern, dass irgendjemand anderer als der von ihm auf dem Sterbebett eingesetzte Erbe die Macht erhalten wird.“ Folgende Artikel wurden, übersetzt aus dem Russischen, auf Deutsch veröffentlicht bzw. nachgedruckt:
2024-12-01 22:24:59
https://de.wikipedia.org/wiki/Wiktor_Zyhankow
2 Stand: 26. Juni 2024 Wiktor Witalijowytsch Zyhankow ist ein ukrainischer Fußballspieler, der derzeit beim FC Girona unter Vertrag steht. Er gab im August 2016 sein Debüt für Kiew in der Premjer-Liha. Am 12. November 2016 spielte er erstmals in der Fußballnationalmannschaft der Ukraine. Bei der Europameisterschaft 2021 stand er im Aufgebot der Ukraine, die im Viertelfinale gegen England ausschied. Yaser Asprilla | Donny van de Beek | Daley Blind | Juan Carlos | Alejandro Francés | Paulo Gazzaniga | Bryan Gil | Arnaut Groeneveld | Miguel Gutiérrez | Yangel Herrera | Bojan Miovski | Ladislav Krejčí | David López | Pau López | Iván Martín | Arnau Martínez | Gabriel Misehouy | Juan Pedro Ramírez López | Portu | Oriol Romeu | Abel Ruiz | Jhon Solís | Cristhian Stuani | Wiktor Zyhankow Cheftrainer: Míchel
2024-12-03 17:38:00
https://de.wikipedia.org/wiki/Oliver_Zapel
Oliver Zapel ist ein ehemaliger deutscher Fußballspieler und heutiger Trainer. Zapel spielte für den TuS Aumühle, 1990 ging er zu Bergedorf 85, spielte für den Verein in der Verbandsliga. Ab 1992 gehörte er dem SC Wentorf an, beim Bezirksligisten war er Mannschaftskamerad namhafter Spieler wie Peter Nogly , Bernd Wehmeyer und Matthias Ruländer. 1994 kam Zapel zu den Bergedorfern zurück. Im Herbst 1995 lag ihm ein Angebot des griechischen Erstligisten AE Larissa vor. Ein Wechsel kam jedoch nicht zustande. Zapel wechselte 1996 vom Oberliga-Absteiger Bergedorf 85 zum in derselben Spielklasse antretenden TuS Hoisdorf. Ein vorheriges Angebot von Holstein Kiel lehnte er ab. Für Hoisdorf erzielte Zapel in 137 Einsätzen 80 Tore, im Spieljahr 1998/99 wurde er Torschützenkönig der Oberliga Hamburg/Schleswig-Holstein. Anfang Januar 2001 schloss er sich dem SC Concordia Hamburg an, der damals an der Tabellenspitze der Verbandsliga Hamburg stand. Im Sommer 2002 wechselte er vom SC Concordia zum Verbandsligisten Harburger TB. Im Jahr 2003 spielte er in derselben Liga für den USC Paloma Hamburg. Am 1. Juli 2005 wurde Zapel vom FC St. Georg-Horn als Spielertrainer verpflichtet. Im Sommer 2006 verließ Zapel den Verein. Zur neuen Saison verpflichtete ihn der TuS Hamburg als Spielertrainer. Nach einer Saison gingen der TuS Hamburg und er getrennte Wege. Zapel spielte ab Sommer 2007 beim SC Concordia II in der Landesliga und im weiteren Verlauf des Spieljahres 2007/08 auch für die erste Mannschaft Concordias in der Hamburg-Liga. Im Juli 2009 wurde er vom Rahlstedter SC als Cheftrainer verpflichtet. Der Landesligist beendete die Zusammenarbeit im März 2010. Im Sommer 2010 wurde er Trainer des Bezirksligisten Barsbütteler SV, anschließend von 2012 bis 2016 Trainer beim SV Eichede. Den Verein führte Zapel 2016 zum Aufstieg in die Regionalliga. Zur Saison 2016/17 übernahm Zapel die Drittligamannschaft der SG Sonnenhof Großaspach als Nachfolger von Rüdiger Rehm. Am 23. Mai 2017 wurde der bis 2018 laufende Vertrag aufgelöst, es wurden seinerzeit „grundlegend unterschiedlicher Auffassungen“ als Trennungsgrund genannt. Am 13. November 2017 übernahm Zapel die in der 3. Liga antretende zweite Mannschaft von Werder Bremen von Florian Kohfeldt, der den Trainerposten der ersten Mannschaft übernommen hatte. Am 5. Februar 2018 wurde nach insgesamt drei Unentschieden und fünf Niederlagen die Zusammenarbeit beendet. Von April bis Juni 2019 war Zapel Trainer des SC Fortuna Köln, mit dem er an den letzten vier Spieltagen der Saison 2018/19 den Drittliga-Klassenerhalt ermöglichen sollte, welcher jedoch nicht mehr gelang. Zur Saison 2019/20 kehrte Zapel zur SG Sonnenhof Großaspach zurück, wo er einen bis zum 30. Juni 2020 gültigen Vertrag erhielt. Bereits am 16. Dezember 2019 wurde er nach dem Abschluss der Hinrunde im Anschluss an eine 1:2-Heimniederlage gegen den Tabellenletzten FC Carl Zeiss Jena entlassen. Großaspach lag zu diesem Zeitpunkt mit 16 Punkten aus 19 Spielen auf dem vorletzten Tabellenrang. Zapel war anschließend ab Januar 2022 beim Regionalligisten 1. FC Phönix Lübeck tätig, im Juni 2023 ging seine Amtszeit aus privaten Gründen zu Ende. Zapel ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er lebt in Brunstorf bei Hamburg. Er gründete und leitet mit seiner Frau eine Video-Vermarktungsgesellschaft.
2024-12-02 02:42:29
https://de.wikipedia.org/wiki/Cape_Roberts
Das Kap Roberts ist eine Landzunge an der Scott-Küste des ostantarktischen Viktorialands Das Kap bildet am nordöstlichen Ende des Wilson-Piedmont-Gletschers die südliche Begrenzung der Einfahrt zum Granite Harbor. Teilnehmer der Nimrod-Expedition unter der Leitung des britischen Polarforschers Ernest Shackleton entdeckten es. Namensgeber ist William Roberts , Assistenzzoologe und Koch der Expeditionsmannschaft. Von 1997 bis 1999 wurden vor dem Kap im Rahmen des Cape Roberts Project Bohrkerne zur Rekonstruktion der Vereisungsgeschichte Antarktikas entnommen.
2024-12-02 07:05:17
https://de.wikipedia.org/wiki/Zhou_Momo
Zhou Momo war eine chinesische Dartspielerin. Zhou Momo konnte sich 2018 nach Anastassija Dobromyslowa als zweite Frau für den World Cup of Darts qualifizieren. Mit Zong Xiaochen bildete sie in Frankfurt das chinesische Team, das mit 2:5 in der ersten Runde gegen die Schweiz ausschied. In den folgenden Jahren spielte sie die Asian Tour der PDC. Zhou starb am 25. Januar 2023 im Alter von 31 Jahren.
2024-12-04 00:08:20
https://de.wikipedia.org/wiki/Kossa_Dwuch_Pilotow
Die Kossa Dwuch Pilotow ist eine arktische Insel nördlich vor der Tschuktschen-Halbinsel im Fernen Osten Russlands. Bei der langgezogenen schmalen Insel mündet der Fluss Amguema in die Tschuktschensee. Die Insel ist nach dem amerikanischen Piloten Carl Ben Eielson und seinem Mechaniker Earl Borland benannt, die hier 1929 tödlich verunglückten.
2024-12-02 03:30:33
https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Weichard_von_Valvasor
Johann Weichard Valvasor, Freiherr zu Galleneck und Neudorff, Herr zu Wagensperg und Liechtenberg, slowenisch Janez Vajkard Valvasor , war ein Adeliger im habsburgischen Herzogtum Krain sowie ein bedeutender Universalgelehrter, Topograph und Historiker. Das Geburtsdatum sowie der Geburtsort von Johann Weichard sind nicht überliefert, jedoch ist aus den erhaltenen Taufmatrikeln ersichtlich, dass er am 28. Mai 1641 im Laibacher Dom katholisch getauft wurde. Als Taufpaten wirkten Freiherr Konrad Ruess von Ruessenstein aus Stermol und Regina Dorothea Rasp aus Kreutberg . Sein Vater, Freiherr Bartholomäus Valvasor, war Generaleinnehmer der Krainer Landstände, Landesausschussmitglied und Inhaber der Oberkrainer Herrschaften Gallenegg und Gallenberg . Die Mutter, Freiin Anna Maria, entstammte der alten Krainer Adelsfamilie Rauber. Die Eltern waren seit 1632 verheiratet, Johann Weichard war ihr zwölftes Kind. Nicht überliefert ist, wo Johann Weichard seine Kindheit verbrachte. Sicherlich auf den elterlichen Liegenschaften, im Laibacher Stadtdomizil am Alten Markt , auf Schloss Gallenegg und auf der Landgerichtsherrschaft Schloss Gallenberg, die sein Vater in Johann Weichards Geburtsjahr erwarb. Johann Weichard erwarb sich seine erstaunlich universelle Bildung an verschiedenen Universitäten und als Offizier während der Türkenkriege, aber auch auf Reisen durch viele europäische Länder und nach Afrika. Seine Beschreibungen von Landschaft, Kultur und Architektur seiner Krainer Heimat, aber auch der Nachbarherzogtümer Kärnten und Steiermark wurden gerühmt. Seine Beschreibungen von Städten, Burgen und Schlössern sowie Naturdenkmälern in Kärnten und Krain sind bis heute bedeutend. Auch für die Geschichtsschreibung sind Valvasors Werke wichtig, da er zahlreiche Informationen sammelte, deren Quellen heute zum Teil verloren sind. Valvasor fertigte eine große Anzahl von Zeichnungen und Skizzen der in diesen Ländern liegenden Städte, Märkte, Klöster, Burgen und Schlösser an. Diese Skizzen verwendete unter anderen der Illustrator Andreas Trost für Kupferstiche, die in der Topographia Ducatus Carniolae modernae , der Topographia Archiducatus Carinthiae antiquae & modernae completa und in Die Ehre dess Hertzogthums Crain abgedruckt wurden. Valvasor hatte für Trost auf seinem Schloss Wagensberg in der Nähe von Littai eine eigene Kupferstichwerkstatt eingerichtet. Valvasors Entwicklung statistischer Verfahren für die Hydrologie war wegweisend und insbesondere seine Beschreibung des Zirknitzer Sees erregte so viel Aufsehen, dass er auf Edmond Halleys Vorschlag in die Londoner Königliche Gesellschaft aufgenommen wurde. Valvasor war auf dem slowenischen 20-Tolar-Schein abgebildet. Seit 1998 wird der Valvasor-Preis, die renommierteste museologische Auszeichnung Sloweniens, jährlich vergeben. Die Valvasorjeva ulica ist in Maribor nach ihm benannt. Die grafische Sammlung, die Valvasor angelegt hatte, wurde in der Inconotheca Valvasoriana dokumentiert: in 17 Bänden mit insgesamt 7752 Blättern, Drucken und Zeichnungen, unter anderem von Albrecht Dürer, Rembrandt und Lucas Cranach, – eine der bedeutendsten frühbarocken Grafiksammlungen des Habsburgerreiches. Das Original befindet sich in Agram; die Slowenische Akademie der Wissenschaften und Künste hat der Österreichischen Nationalbibliothek 2011 ein Faksimile der kompletten Sammlung überlassen.
2024-12-02 01:08:40
https://de.wikipedia.org/wiki/Kupferschmied
Ein Kupferschmied, in frühneuhochdeutscher Sprache auch Kesselmacher genannt, ist ein Handwerker. Im ursprünglichen Sinne fertigt er durch Treiben verschiedene Gebrauchs- und Ziergegenstände aus unlegiertem Kupfer und Kupferblech: Gefäße für den Küchengebrauch, Käsekessel, Sektkühler, sakrale Kunstobjekte, Schmuck, Reliefs, Statuen und Dachabdeckungen. Bis eine aus Kupferblech getriebene Gugelhupfform als fertiges Werkstück die Kupferschmiede verlässt, braucht es 40.000 Hammerschläge. Carl Alexander Heideloff beschreibt in seinem 1834 veröffentlichten Werk Das goldene Ehrenbuch der Gewerke und Zünfte im Kapitel Der Kupferschmidt die von ihm ausgeführten Arbeiten wie folgt: „Die Arbeit der Kupferschmidte ist sehr mannichfaltig; ausser ihrer Werkstatt arbeiten sie auch auf Thürmen, Kuppeln und Pallästen, welche sie mit Kupferplatten belegen; sie versehen die Gebäude mit kupernen Rinnen und Schläuchen, Kupferbedachung wird für die dauerhafteste aller andern Arten gehalten. Sie machen auch große Braupfannen, deren manche 30 – 40 Zentner wiegt; sogar Särge von Kupfer sind schon gemacht worden. Mit Vergnügen betrachtet man in wohlgeordneten Küchen die dem Golde gleich blank gescheuerten Wasserbutten, Stützen, Fleischschaffe, Zuber, Fisch-, Wasch- und Schwankkessel, die netten Bekken, Torten-Model und Scharte, die soliden Leuchter und Lampen und noch eine Menge anderer Kupfer-Geräthe.“ Im Gegensatz zum Eisen verarbeitenden Schmied bearbeitet der Kupferschmied seinen Werkstoff kalt. Lediglich zum Weichglühen wird Hitze angewendet, traditionell mit Hilfe einer Esse. Typische Werkzeuge sind: Amboss, Schraubstock, Beiß- und Schneidzange, Kugelhammer, Schlichthammer, Schweiffhammer, Sickenhammer, Stemphammer, Spannhammer, Treibhammer, Polierhammer, Feilen, Schabeisen, Grabstichel, Meißel und Lötkolben. Im Zuge der industriellen Veränderung und der damit einhergehenden Nachfrage nach verfahrenstechnischen Apparaten begann der Kupferschmied, auch Druckbehälter, Kolonnen, Wärmetauscher, Rührkessel, Autoklaven und Reaktoren zu bauen. Dabei wird das Kupfer auch mit zur Hilfenahme einer Acetylen-Sauerstoff-Flamme warm umgeformt, um den teils hohen Umformgrad zu erreichen, beispielsweise beim Schmieden von Bundkragen, Aushalsungen an Böden oder Zargen und bei der Ausfertigung schmiedeeiserner Stutzen. Zudem wurden die Kupferbauteile erst durch Gasschmelzschweißen und später mit dem Verfahren WIG-Schweißen mittels Hitze stoffschlüssig gefügt. Durch diesen technischen Fortschritt wandelte sich der Kupferschmied zum Kupferschweißer, der durch die rasante Ausweitung des Werkstoffgebiets, insbesondere in den für die chemische Industrie arbeitenden Betrieben, mehr und mehr die Rolle des klassischen Schmieds ablegte und die eines Schweißers annahm. Durch die berufliche Neuordnung in Industrie und Handwerk : Weitere Bezeichnungen: Kupferkesselschmied, Kupferkessler, Koopersläger, Kupfer-Hammerschmied. Veraltete Bezeichnungen/Schreibweisen: Kupfferschmidt, Kupferschmid. Die Geschichte des Kupferschmiedens beginnt mit der Verfügbarkeit des Werkstoffes Kupfer. Als ein in der Natur elementar vorkommender Reinstoff, zählt es, neben Gold, zu den ersten von Menschen gezielt bearbeiteten Metalle. Die ältesten, aus gediegenem Kupfer hergestellten Schmuckplättchen wurden im anatolischen Çayönü ausgegraben und auf das 8. Jahrtausend v. Chr. datiert. Circa 7.500 Jahre alte Kupferwerkzeuge, wie Äxte und Meißel, wurden an den serbischen Fundplätzen Pločnik und Krvije ausgegraben. Der Übergang von der Steinzeit zu den Metallzeiten begann von ca. 7000 v. Chr. an in Vorderasien. Während der Kupfersteinzeit , in Vorderasien „Chalkolithikum“ genannt, entwickelte sich der Kupferbergbau und grundlegende Techniken der Kupfer-Metallurgie insbesondere in Südosteuropa und dem Nahen Osten, wodurch sich wiederum die Kupferverarbeitungstechnologien, der handwerkliche und kreative Umgang mit dem Ausgangsmaterial und schließlich das Kupferschmiedegewerbe entfaltete. In Iran sind Artefakte aus kalt gehämmertem Kupfer seit dem präkeramischen Neolithikum bekannt. Berühmt ist die Werkstatt eines Kupferschmieds aus Tappe Ghabrestan, datiert in die erste Hälfte des 4. Jahrtausend vor Christi. Es wird vermutet, dass es sich bei den frühbronzezeitlichen Kuppelöfen aus Shahdad um Anlagen zur Verhüttung von Kupfer handelt. Wahrscheinlich war das Kupferschmiedehandwerk in Arisman, wo seit 2000 regelmäßige Feldforschungen des in Teheran ansässigen Deutschen Archäologischen Instituts stattfindenden, eine saisonal begrenzte, möglicherweise von Gruppen durchgeführte Tätigkeit, insbesondere der Spezialwissen erfordernde Verhüttungsvorgang. In der ehemaligen, in der heutigen iranischen Provinz Fars gelegenen Stadt Tal-e Malyan, einem der zentralen Fundorte der protoelamischen Zeit, lassen sich annähernd vierzig handwerkliche Tätigkeiten nachweisen, die in kleinen Werkstätten innerhalb einzelner Wohnhäuser ausgeführt wurden. Nichts deutet auf die Existenz von in Vollzeit arbeitenden Spezialisten hin. In dem ebenfalls zeitgleichen, jedoch kulturell anders orientierten Tappe Hesar hatte man sich auf die Verarbeitung und den Handel mit Lapislazuli spezialisiert, wobei auch Keramik und Kupfergeräte hergestellt wurden. Das Kupferschmiedehandwerk ist somit eines der ältesten metallverarbeitenden Handwerke der Menschheitsgeschichte. Der wohl bekannteste Mensch der Kupferzeit ist der als Kältemumie erhaltene Ötzi, der um 3300 v. Chr. lebte und bei seinem Tode ein fast vollständig erhaltenes Kupferbeil mit sich trug. Die Kupferschmiedekunst wurde seit dem 3. und 2. Jahrtausend v. Chr. von den Assyrern, später in größerer Vollendung von den Griechen betrieben. Bereits im Alten Ägypten hatte der Beruf des Kupferschmieds ein staatlich anerkanntes und entsprechend gewürdigtes Ansehen, wie der Papyrus Wilbour deutlich macht: „ mindestens in der 20. Dynastie wurde die Zuweisung von Feldern nicht nur an Soldaten durchgeführt, sondern auch an andere Berufe, wie Hirten, Honigsammler, Kupferschmied .“ Der britische Ägyptologe John Romer erzählt in seiner vor etwas über 3000 Jahren, zur Zeit der Ramessiden, spielenden, wissenschaftlichen Publikation, Sie schufen die Königsgräber, die Geschichte der altägyptischen Arbeitersiedlung Set Maat, dem heutigen Deir el-Medine, in der Nähe der ehemaligen Hauptstadt Ägyptens Theben gelegen. Seine Erzählung erwähnt an mehreren Stellen einen Kupferschmied namens Pecha-ru. Im 11. Jahrhundert v. Chr. soll sich im ägyptischen Theben ein Pharaonengrabraub-Komplott zugetragen haben, wo bei der Plünderung der Grabstätte unter anderem auch Kupferschmiede beteiligt gewesen sein sollen. Gerichtsprotokolle, bekannt als Papyrus Abbott, sollen ein Beweis dafür sein. Hermann Junker , beschreibt in seinem, im Jahre 1936 erschienenen dritten Bericht über die „Grabungen auf dem Friedhof von Giza“, dass sich in Felskammern der archäologischen Fundstätte Abusir Darstellungen von Szenen des täglichen Lebens zu Beginn der 5. Dynastie finden: Unter anderem „Kupferschmiede bei der Arbeit“. Im Jahre 2009 fanden französische Archäologen vom Institut für archäologische Forschungen in Ägypten in Ain Suchna eine Werft aus der Pharaonenzeit, in der Kupferschmiede ihrer Arbeit nachgingen. In dem 1915 erschienenen Werk des Kunsthistorikers und Museumsfachmanns Wilhelm von Bode Forschungen aus den königlichen Museen zu Berlin beschreibt der Ägyptologe Heinrich Schäfer im Kapitel Ägyptische Zeichnungen auf Scherben, die dargestellten Kupferschmiede: Und die treffliche Skizze der Kupferschmiede beim Treiben eines großen Kruges können aus den bewegten Szenen stammen, die uns das Leben der Ägypter der 18. Dynastie in den Gräbern der Scheich Abd el-Qurna und Qurnet Murrai so entzückend schildern. Vučedol war eine Siedlung von Landarbeitern, Viehzüchtern, Jägern und Kupferschmieden, die von 3000 bis 2200 vor Christus ihr goldenes Zeitalter erlebte. Vučedol ist eine bedeutende archäologische Fundstätte und heutzutage ein Ortsteil der kroatischen Stadt Vukovar in der auch das Museum der Vučedol-Kultur ansässig ist. Im Römischen Reich gehörten Kupferschmiede einem zunftähnlichen Zusammenschluss der Handwerker an, dem collegia opificum. „ Aus alten Schriften wissen wir, dass die Kupferschmiede mit ihrem Lärm“ „eine ständige Begleiterscheinung in den Straßen Roms waren.“ In der antiken Metropole Roms lebten die Kupferschmiede, wie auch andere Handwerker, im dicht besiedelten Stadtviertel Subura. Die Bezeichnung Kupferschmied wurde bereits um 1200 vor Christus von den Hethitern als Parabel in einer Weisheitsgeschichte verwendet. In der Bibel wird im 1. Buch der Könige von einem Hiram von Tyrus berichtet : „ der war ein Kupferschmied, voll Weisheit, Verstand und Kunst in allerlei Kupferarbeit. Der kam zum König Salomo und machte ihm alle seine Werke.“ An anderer Stelle wird Alexander der Kupferschmied erwähnt: „ er hat mir viel Böses erwiesen; der Herr wird ihm vergelten nach seinen Werken.“ Im 2. Buch der Chronik, deren Handlung größtenteils parallel zum 2. Buch der Könige verläuft, heißt es in 2 Chronik 24: „Der König und Jojada übergaben das Geld den Meistern, die für die Bauarbeiten am Tempel verantwortlich waren. Diese stellten Steinmetzen und Zimmerleute sowie Eisen- und Kupferschmiede an, die den Tempel renovieren und alle Schäden beseitigen sollten.“ Das Grundgefühl einer nicht aufzuhebenden Differenz zwischen dem, was die theologischen Lehre zu verkündigen hat, und dem, was das Theater als Schein vor Augen führt, artikuliert der Patriarch von Konstantinopel und Kirchenvater Johannes Chrysostomos im 4. Jahrhundert in einer Predigt, in der in einer Theateraufführung ein als König maskierter Kupferschmied mitspielt: „Solange die Zuschauer dasitzen und die Aufführung dauert, so lange sind auch die Masken in Geltung; kommt aber der Abend, dann ist das Spiel zu Ende und alle gehen nach Hause. Dann werden die Masken beiseitegelegt, und der bei der Darstellung ein König war, entpuppt sich jetzt vielleicht als ein Kupferschmied. Die Masken sind abgelegt, die Täuschung ist vorüber, die Wahrheit tritt zutage. So geht es auch am Ende dieses Lebens. Das gegenwärtige Leben ist wie ein Theater. Armut und Reichtum, Herrschaft und Dienstbarkeit und dergleichen, überhaupt die Schicksale dieses Lebens sind nur Schein. Einst aber wird dieser Tag vorüber sein. Dann ist das Spiel zu Ende, die Masken sind abgelegt, und geprüft wird dann ein jeder und seine Werke. Und wie man bei uns nach dem Schluss des Theaters, wenn man den Gelehrten im Schauspiel jetzt als Kupferschmied wieder sieht, seine Verwunderung äußert und sagt: Ei, war der da im Theater nicht ein Gelehrter, und hier sehe ich jetzt, dass er ein Kupferschmied ist! War jener im Theater nicht ein König, und nun sehe ich, dass er ein ganz geringer Mann ist! - so wird es auch einst in der anderen Welt gehen.“ Carl Alexander Heideloff benennt in seinem Werk Das goldene Ehrenbuch der Gewerke und Zünfte Eligius von Noyon als den Schutzpatron der Kupferschmiede. Der Anfang des Kapitels Kupferschmied zeigt eine Lithografie von ca. 1835, darauf der „Ehrenfahnen Traeger der Kupferschmidte“. Die Ehrenfahne trägt die Farben Kupferrot und Gelb, worauf mittig Eligius von Noyon als Schutzpatron dargestellt ist. Seitlich vom Träger ist das Zunftwappen abgebildet. Andere Quellen nennen den Heiligen Veit als Schutzpatron der Kupferschmiede. Das Haus Zauner, in der Dr. Imhof Straße Nr. 10 in Berchtesgaden war früher eine Kupferschmiede. In einer spitz zulaufenden Nische am Eckpfeiler des Hauses, steht, in einem Kupferkessel und von einem kunstvollen Kupferdach geschützt, eine farbig gefasste, aus Gips gegossene Figur des Hl. Vitus. Die Figur wurde um 1926 angebracht und beim Neubau des Hauses 1960 wieder in die Fassade integriert. Darüber hinaus finden der heilige Maurus und der heilige Benedikt von Nursia als Patrone der Kupferschmiede Verehrung. „Bei den alten Völkern mußten die Opfer-Messer von Kupfer seyn. Ovid legt der Medea eine aus Kupfer geschmidtete Sichel bei. So waren auch die Schutzwaffen der alten Griechen, Perser, Phönizer von Kupfer und Pausanias schreibt, daß solche selbst bei den Römern noch zur Zeit des Servius Tullius nicht von Eisen, sondern von Kupfer gewesen wären; Hesiod und Isodorus beweisen, daß man sich sogar eines Pflugs von Kupfer beim Ackern der Felder bedient habe.“ Seit alter Zeit berichten zahlreiche Kulturen vom handwerklichen Geschick und der dadurch herausgehobenen, gesellschaftlichen Stellung des Schmieds. In den Texten wird, neben dem Eisen, auch von geschmiedetem Kupfer berichtet. Im Mittelalter zählte der Kupferschmied zu den verbreiteten Berufen. Im Goldenen Ehrenbuch der Gewerke und Zünfte heißt es: „Kupferschmidte kommen zu Nürnberg im 14. Jahrhundert vor und waren damals von den Keßlern verschieden, deren Geschäft sich schon durch ihre Benennung ausspricht. 1462 verfertigte ein Nürnberger Kupferschmidt, Namens Sebastian Lindenast die Bilder oder Figuren zum Uhrwerke auf dem Portal der Marienkirche, und noch heutigen Tages hat Nürnberg geschickte Meister unter seinen Kupferschmidten aufzuweisen.“ Die Belebung der Kunsttechnik im Mittelalter und Renaissance stellte auch an die Kupferschmiedekunst höhere Aufgaben. Wasch- und Kühlgefäße, Vasen und Jardinièren wurden in Kupfer getrieben und zudem reich ornamentiert. Erstmals werden kupferne Bettwärmer, dem Vorgänger der Wärmflasche, hergestellt. Für den kirchlichen Gebrauch wurde aus starkem Kupferblech Kelche, Ciborien, Peristerien, Vortrag-, Altar- und Reliquienkreuze, Hostienbüchsen, Reliquienbehälter in Form von Köpfen, Büsten, Händen, Füßen usw., Relieffiguren zum Schmuck von Tragaltären, Tabernakeln, Monstranzen, Ostensorien, Krümmen für Bischofsstäbe getrieben oder auch über Holzkernen gehämmert, um ihnen die beabsichtigte Gestalt und Plastizität zu geben. Zudem wurden sakrale Gegenstände meist vergoldet. Das zu jeder Zeit vielseitiges Wirken eines Kupferschmieds drückte der deutsche Spruchdichter Hans Sachs in seiner Schrift Eygentliche Beschreibung Aller Stände auff Erden, wie folgt aus: „Ich mach auff hohe Thürn dir Knöpff, Eymer damit man Brunnen schöpfft, Badkeßll, Trög vnd die Badwannen, Feuivr Kuffen, Breuivkeßl. Pfannen, Klein und groß Kessel zu dem waschen, Hellhäffn, Külkeßl vnd Weinflaschen, Fleischscheffel, Spülnepff, Wasser Stütz, Brennhüt zum Wasser brennen nütz.“ Kupfer und Kupferschmiede sind das Wahrzeichen und der „rote Faden der Geschichte“ von Villedieu-les-Poêles. Gegen 1130 schenkte Heinrich I., Sohn von Wilhelm der Eroberer, König von England und Herzog der Normandie, dem Orden vom Spital des heiligen Johannes zu Jerusalem, dem späteren Malteserorden, den kleinen Weiler Sienntre im Sienne-Tal, der somit zur ersten Komturei Frankreichs wurde. Basierend auf den vom König verliehenen Sonderrechte sicherte der Aufschwung des Kupferhandwerks den Erfolg dieser fortan den Namen Villedieu les Saultchevreuils tragenden Besiedelung. Anfang des 18. Jahrhunderts schätzte der Intendant von Caen die Zahl der Kupferhandwerksmeister, Pfannenschmiede, Kupferschmiede und Kesselmacher auf 80 und die Zahl der Arbeiter in dem Bereich auf 600. Aufgrund ihrer ohrenbetäubenden Arbeit, dem ständigen Hämmern und Schmieden, nannte man die Einwohner „Les Sourdins“, was, abgeleitet von „sourd“ und aus dem Französischen übersetzt, „Die Schwerhörigen“ bedeutet. Aufgrund seiner seit Jahrhunderten währenden Tradition rund um den Werkstoff Kupfer und diesen zu Schmieden, wurde Villedieu-les-Poêles mit dem Stadt und Kunsthandwerk-Label Ville et Métiers d’Ar ausgezeichnet, das 1992 auf Initiative von Kommunalpolitikern im Rahmen eines Vereins gegründet wurde. Im Jahre 1362 wird erstmals die Stadtuhr des Breslauer Rathauses erwähnt. Der Kupferschmied Petzold verpflichtet sich, die große Stadtuhr lebenslang zu warten. Diese wird in einem vom Meister Swelbel und den Vertretern der Stadt Oppau 1368 abgeschlossenen Vertrag als Breslauer Rathausturmuhr bezeichnet. Die in der Stadt ansässige Kupferschmiede wird erstmalig 1363 erwähnt. Von den ungarisch-preußischen Handelsbeziehungen mit Kupfer im Mittelalter profitierten auch die Kupferschmiede. In den Stadtbüchern aus dem Deutschordensstaat ist oft über Cuprifaber oder Cupersleger zu lesen. Im Zeitalter der Spätgotik und der Renaissance genossen die in Nürnberg arbeitenden und sich bei ihrer Arbeit bewährten Kupferschmiede ein Ansehen als Künstler. Namentlich aufgeführt in den Nürnberger Ratsverlässe. Im Spätmittelalter war Nürnberg eines der größten Markt- und Verarbeitungszentren von Kupfer, dessen Versorgung durch die Hütten an der Pegnitz bis nach Thüringen und Böhmen gewährleistet war. Ein weiterer überregionaler Kupferhandelsplatz war Augsburg. Von diesem Einfluss profitierte ebenfalls das Ingolstädter Handwerk. In kleineren und mittleren Städten genügten ein bis zwei Meisterbetriebe, die allein oder mit höchstens einem Gesellen oder Lehrling arbeiteten. Sie waren ohne weiteres im Stande, den lokalen wie den Bedarf des ländlichen Umfeldes abzudecken. Das zum Herzogtum Bayern-Ingolstadt zählende Urbar von 1417 nennt für Ingolstadt drei Kupferschmiede, die zu Fuhrleistungen oder Hofstättenzins verpflichtet waren. Die Gewerbeordnung von ca. 1580 erwähnte Kupferschmiede, um 1636 wird häufiger das „ehrbare Handwerk der Kupferschmiede“ erwähnt und 1835 sind im Gewerbekataster immerhin noch zwei Kupferschmiede, Joseph Zoetl und Ander Remold, verzeichnet. Sebastian Lindenast der Ältere war ein deutscher Kupferschmiedemeister. 1513 verlieh ihm Kaiser Maximilian I. das Vorrecht, die von ihm gefertigten kupfernen Gefäße und Schalen zu vergolden. 1509 entwarf Lindenast für die zweite Kunstuhr der Nürnberger Frauenkirche die prächtigen Figuren des Männleinlaufens. Neben anderen, namentlich ebenfalls bekannten Meistern wurde er verpflichtet, die Figuren aus Kupferblech zu treiben, zu versilbern und teilweise zu feuervergolden. 1578 gründeten die in Aachen und Umgebung ansässigen Kupferschmiede ein eigenes Ambacht mit 56 Mitgliedern. Sie verarbeiteten die Halbfabrikate der reichen Kupfermeister und waren nicht selten von ihnen und von dem auf ihren Kupferhöfen produzierten Messing abhängig. Eine wichtige Rolle spielte das Kupfer bei der Technik des Grubenschmelzes. Auch bei emaillierten Geräten wurden die sichtbaren Kupferteile vergoldet. Die Renaissance bevorzugte den Erzguss und die Edelschmiedekunst, wodurch die Kupferschmiedekunst in den Hintergrund gedrängt und auf die Anfertigung von Gefäßen und Geräten für den bürgerlichen Gebrauch beschränkt wurde. Erst im Jahre 1608 erhielt ein Kupferschmied den Auftrag, für den Zeitglockenturm in Bern „grosse runde kupferine schyben, daruff die buchstaben gemalen“ anzufertigen. Obschon der in der Berner Altstadt stehende Turm bereits 1220 fertig gestellt wurde, bestand fast 400 Jahre lang kein Bedarf für gut lesbare Zifferblätter. Das akustische Zeitsignal der Glocke genügte. Im Jahre 1618 wurde die bereits 1577 vom Rat der Stadt Freiberg beschlossene Erhöhung des auf dem Obermarkt stehenden Rathausturmes „in seiner Mauerung um 13 Ellen“ umgesetzt. Den Kupferbeschlag für das Dach lieferte der Kupferschmied Gajpar Auermann. Ebenfalls mit den Arbeiten beschäftigt war der Kupferschmied Caspar Starke. Um das Jahr 1647 arbeiteten die beiden Kupferschmiede Hans Pulle und Theophil Rauer am Kupferhammer Thießen. Ob der mit der Gründung des Kupferhammers in Verbindung gebrachte Kupferschmiedegeselle „Salomon“ bereits 1603 dort arbeitete, ist nicht sicher belegt. Im Jahr 1690 wurde im tschechischen Český Krumlov der Turm des gleichnamigen Schlosses gründlich restauriert. Der mit den Arbeiten beauftragte Hauptmeister war der Kupferschmied und Bürger Jan Steckel, dem drei Arbeiter zur Seite standen. Die Schindeldeckung von Dächern und Überdachungen wurde durch Kupferbleche ersetzt, die aus Jindřichův Hradec beschafft wurden. Zudem wurde aus Kupfer ein neuer Hauptturmknopf mit Wimpel und gehämmerten Wappen gefertigt, die das eggenbergische und schwarzenbergische Adelsgeschlecht zeigten. Das im Landkreis Nürnberg bei Weißenbrunn befindende Heidenloch, eine künstlich geschaffenen Abbauhöhle, entstand durch den seit Jahrhunderten dort abgebauten Silbersand . Dieser wurde mit Wagen, Schubkarren und in Säcken in die umliegenden Dörfer und Städte, vor allem auch nach Nürnberg gebracht. Moritz Hoffmann, Professor der Medizin und Botanik an der nürnbergischen Universität Altdorf, berichtet in seiner 1694 in lateinischer Sprache erschienenen „medizinisch-botanischen Beschreibung des Moritzberges“, dass der in der Höhle gewonnene feine Sand nach Nürnberg an die Kupferschmiede zum Polieren des Kupfers gebracht würde. In den Jahren 1695–1750 und 1913 waren im Bürgerbuch der seinerzeit deutschen Stadt Küstrin, dem heutigen Kostrzyn nad Odrą, 48 Einwohner mit dem Beruf Kupferschmied eingetragen. In der Gemeinde Alt-Drewitz waren es 13 Kupferschmiede in den Jahren 1939/40. Dort wo es Brauereien gab, war die Handwerkskunst der Kupferschmiede gefragt. Beispielsweise zur Herstellung und zur Reparatur von Sudkesseln, Kühlschiffen und Destillierapparaten. Ein Beispiel dieser beruflichen Verbindung ist der Bamberger Kupferschmied Christian Schulz, der Begründer der Schulz-Dynastie. Der seinerzeit bedeutendste Auftrag war die Dacheindeckung der Türme des Bamberger Doms nach den Plänen von Johann Jakob Michael Küchel in den Jahren 1765–1767. Bei den Schlussarbeiten verlor Kupferschmiedemeister Tobias Schulz, Enkel von Christian Schulz, am 31. Dezember 1767 durch den Sturz vom Südostturm sein Leben. Er wurde im Kreuzgang des Domes begraben. Nach einer handgroßen Skizze von Johann Gottfried Schadow und nach einem von den Gebrüdern Wohler aus Holz gebauten Pferdemodell trieb der Hofkupferschmied Wilhelm Ernst Emanuel Jury im Jahre 1794 die das Brandenburger Tor krönende Quadriga in Kupfer. Beschrieben ist der Bau der Quadriga in dem Familienblatt Die Gartenlaube, Jahrgang 1888, Heft 27, S. 467, „Das Viergespann auf dem Brandenburger Thore“. Einen besonders guten Ruf genossen die Kupferschmiede der mittelalterlichen belgischen Stadt Dinant, weil sie nicht nur gewöhnliche Gebrauchsgegenstände, sondern auch Figuren, Leuchter, Kandelaber, Chorpulte für Kirchen aus Kupfer- und Messingblech hämmerten. Ende des 17. Jahrhunderts kam man, um den teuren Bronzeguss zu vermeiden, auf den Gedanken, Kolossalstatuen aus Kupferplatten herzustellen, die über einem Holzmodell geschlagen und dann vernietet wurden. Der 10 m hohe, auf der Wilhelmshöhe bei Kassel stehende Herkules ist ein Beispiel für diesen Zweig der Kupferschmiedekunst, der später durch Georg Ferdinand Howaldt wieder belebt und vervollkommnet wurde. Zwischen 1713 und 1717 fertigte der Augsburger Kupferschmied Johann Jacob Anthoni den Herkules, bei dem es sich um eine der weltweit frühesten, aus Kupfer getriebenen Kolossalstatuen handelt. Die Kupferbleche, aus denen Anthoni den Herkules schuf, wurden im Messinghof in Kassel geschmiedet. Im Jahre 2013 erhob die UNESCO den Kasseler Herkules zum Weltkulturerbe. Der Heimatforscher Konrad Knebel beschreibt in den Mitteilungen des Freiberger Altertumsvereins die Bedeutung der Zunft der Kupferschmiede für die Stadt Freiberg. „Im Jahre 1824 gab es nur vier Kupferschmiede.“ „Ein hervorragender Erwerbszweig war in der Bierbrauerei.“ „Wer den Vorzug genoss, als Ratskupferschmied beschäftigt zu werden, hatte daher sein gutes Auskommen.“ „Und was bedurfte das Haus alles in Kupfergeräten! Bei der Ausstattung der Tochter wurde der Kupferschmied hervorragend in Anspruch genommen. War doch das Kupfergerät der Stolz der Hausfrau bürgerlichen Standes .“ Knebels Beschreibung umfasst den Zeitraum von 1384 bis 1843 und schließt im letzten Kapitel mit der namentliche Erwähnung der in jener Zeit in Freiberg wirkenden Kupferschmiedemeistern. Um ihre Geschäftsinteressen gemeinschaftlich zu fördern, schlossen sich bereits im frühen Mittelalter Kupferschmiede zu fachlichen Interessenvertretungen zusammen. Aus diesen Zünften gingen im Laufe der Zeit die Innungen hervor. Beispiele: Wo Kupfermühlen bestanden, bildeten die Kupferschmiede mit den Hammerschmieden eine Zunft und hießen im Gegensatz zu diesen Werkstätter. Die Kupferschmiede in Cerdon gilt als eine der letzten Kupfermühlen Europas, die noch bis 2010 an ihrem ursprünglichen Standort produzierte. Der auf das Jahr 1482 zurückgehende Tobiashammer in Ohrdruf wurde 1816 von den Kupferschmieden D. F. Daniel und J. F. Marquardt übernommen. 1839 erfolgte der Verkauf an den aus Gotha stammenden Kupferschmiedemeister Carl Maelzer. Die auch heutzutage noch durch die Kraft der Ohra über vier Wasserräder angetriebene Schau-Schmiedehammeranlage mit ihren fünf funktionstüchtigen Fallhämmern, einem Walz-, Schleif- und Pochwerk, sowie Glühöfen, ist seit 1983 ein technisches Denkmal und Museum. Der deutsche Komponist, Dirigent, Gesangspädagoge und Violinist Louis Spohr erzählt in seinen in den Jahren 1847 bis 1858 entstandenen Lebenserinnerungen in dem am 1. Februar 1817 beginnenden Kapitel „Neapel“ von den dort auf der Straße arbeitenden Handwerkern, unter denen sich auch Kupferschmiede befänden. Im Jahre 1875 erhielt der Kupferschmied Johannes Ulrich Amsler über einen Verpflichtungsschein den Auftrag, das Dach des an den Grimmenturm angrenzenden Nebengebäude so mit Känneln zu versehen, dass das Wasser von demselben, dem zum Turm gehörigen Höfli unbeschadet, auf die Strass oder in den Abzugsgraben ablaufen kann. Kupferschmiede waren seit jeher an der Erfindung, der Herstellung und der Reparatur von Feuerspritzen beteiligt. Diese mit Muskelkraft zu betreibenden Feuerlöschpumpen wurden zur Brandbekämpfung eingesetzt. Des Kupferwertes wegen nahmen die Kupferschmiede auch alte Feuerspritzen in Zahlung. Ein bedeutender Hersteller von Feuerspritzen war Otto Hermann Koebe , der 1878 Luckenwalde eine Metallgießerei mit Kupferschmiede zur Pumpenherstellung gründete. Nach dem Neubau einer Fabrik im Industriegebiet stellte er die ersten Saug- und Druckspritzen, später auch Dampfspritzen und Elektro-Motorspritzen her, woraus sich das „Feuerlöschgerätewerk Hermann Koebe“ entwickelte. Für die Abprotzspritze „Triumph“, die von nur einem Mann bedient werden konnte, erhielt er am 3. März 1905 sein erstes Patent. Koebe-Produkte wurden weltweit eingesetzt. Am 11. Juni 2008 feierte das Unternehmen sein 130-jähriges Firmenjubiläum. Beispiele von Erfindungen, Herstellungen und Reparaturen Mit dem Beginn der Industriellen Revolution und bedingt durch die rasante Entwicklung der chemischen Industrie etablierte sich der Kupferschmied durch sein handwerkliches Geschick auch im Apparate- und Behälterbau. Ein Musterbeispiel für den erfolgreichen Wandel vom kupferschmiedenden Handwerker zum Großindustriellen ist der deutsche Kupferschmiedemeister und Erfinder Carl Justus Heckmann, der im Jahre 1819 in Berlin das nach seinem Familiennamen benannte Heckmannwerk gründete. Ein weiters Musterbeispiel für die erfolgreiche Entwicklung von der ursprünglichen Handwerkskunst hin zum industriellen Großapparatebau ist der Kupferschmiedemeister Carl Canzler, Gründer des gleichnamigen Unternehmens. In seinem Verständnis führte die natürliche Weiterentwicklung des alten Kupferschmiedegewerbes zum modernen Apparatebau. Gemeinsam mit seinem Werkmeister, Richard Samesreuther , erfand er den Canzler-Draht, der am 1. Oktober 1912 vom Kaiserlichen Patentamt patentiert wurde. Am 14. Juli 1914 erfolgte die Patentierung des Canzler-Drahts durch das United States Patent and Trademark Office. Mit diesem war es erstmals in der Geschichte der Schweißtechnik möglich Kupfer zu schweißen, wobei die Nähte sowohl säurebeständige Eigenschaften aufwiesen, als auch die mechanisch-technologischen Eigenschaften im kritischen Bereich der Wärmeeinflusszone erfüllten. Weil dieses stoffschlüssige Verfahren Schweißen weitaus höhere Festigkeiten gewährleistete, verdrängte der Canzler-Draht das bis dato gängige Fügeverfahren Nieten aus dem Apparatebau. Anfänglich insbesondere bei der Fertigung von Lokomotiv-Feuerbüchsen brachte die geschweißte Kupferverbindung außerordentliche Vorteile gegenüber der genieteten. Im Laufe der kommenden Jahre entwickelte und perfektionierte Carl Canzler die „Kunst des Kupferschweißens“, wozu auch das Doppelseitige, gleichzeitige Schweißen von Rohrlängsnähten in senkrechter Position zählte; in den Anfangsjahren durch die Technologie des Gasschmelzschweißen mit Acetylen und Sauerstoffflamme. Im Jahre 1946 kam der US-amerikanische Schweißer Russel Meredith erstmals auf die Idee, Wolfram als Elektrodenmaterial und ein Inertgas zum Schutz des Schmelzbades vor der Umgebungsluft zu verwenden. Er nannte das Verfahren Heliarc, woraus sich das WIG-Schweißen entwickelte, dass alsbald auch zum Kupferschweißen dickwandiger Bauteile verwendet wurde, wie beispielsweise aus Kupfer gebaute Reaktoren und Wärmetauscher. Gleichsam mit der Weiterentwicklung der Schweißverfahren erweiterte sich das Werkstoffgebiet. Bereits im Jahre 1940 verarbeitete die Kupferschmiede Canzler, die sich zu einem Lieferanten für Kunden in der chemischen Industrie entwickelt hatte, neben Kupfer und kupferplattierten Blechen auch Aluminium, Reinnickel und nickelplattiertes Flussstahlblech, Monel, Walzbronze und unterschiedliche Chrom-Nickelstähle wie V2A und V4A, Remanit 1880 SS-Stahl, Deutro-9 SS-Stahl und Thermax 10, die allesamt als Synonym für Rostfreier Stahl stehen. Durch diese industrielle Ausrichtung verwandelte sich der Kupferschmied zum Kupferschweißer, der mehr und mehr die Rolle des klassischen Schmieds ablegte und die eines Schweißers annahm. Ursprünglich stammt das Berufsbild Kupferschmied aus dem Handwerk. Die erste Ausbildungsordnung trat am 9. Oktober 1939 in Kraft. Gesellen- und Meisterprüfung wurden von der Handwerkskammer abgehalten. Der Industrieberuf Kupferschmied wurde am 1. August 1941 anerkannt. Die für die betriebliche Berufsbildung in nichthandwerklichen Gewerbeberufen zuständige Stelle im Sinne des Berufsbildungsgesetzes war die Industrie- und Handelskammer die auch die Zwischen- und Abschlussprüfungen abhielt. Am Ende ihrer Schulzeit vor der Berufswahl stehenden jungen Männern wurde Mitte der 1960er Jahre das Berufsbild des Kupferschmiedes wie folgt erklärt: „Kupferschmied: Die Bearbeitung von Buntmetallen und ihrer Legierungen, vorab dem Kupfer und Messing, sowie das Verzinnen, Falzen, Bieten, Nieten, Löten, Schweißen von Blechen und Rohren und viel anderes muss dem Kupferschmied geläufig sein, um Trichter, Schöpfer, Pfannen, Waschherdkessel und weitere Gefäße und Geräte herstellen zu können. Viele Fertigkeiten und Kniffe sind zu erlernen. Handwerkliche Begabung und praktische Veranlagung sind für den Erfolg in Lehre und Beruf wichtig. Lehrzeit in Industrie und Handwerk 3 1/2 Jahre.“ Im Zuge der beruflichen Neuordnung wurde am 1. August 1987 der von der Industrie ausgebildete Kupferschmied durch den Nachfolgeberuf Anlagenmechaniker mit den Fachrichtungen Apparatetechnik sowie Versorgungstechnik abgelöst, . Entsprechend der Änderung der Kupferschmiede Ausbildungsverordnung ging am 25. März 1998 der vom Handwerk ausgebildete Kupferschmied im Nachfolgeberuf Behälter- und Apparatebauer auf. Insbesondere in orientalischen Ländern, wie Indien und Iran, aber auch in einigen Donauländern ist die handwerkliche Verarbeitung von Kupfer bis heute erhalten geblieben, weil derartige Gegenstände im Alltagsleben Verwendung finden. So werden nach wie vor Kannen, Schalen, Becken, Schüsseln, Lampen und dergleichen mehr in Kupfer getrieben und zur Vermeidung einer durch Oxidation sich mit der Zeit bildenden Patina, nicht zu verwechseln mit Kupfer-acetat, verzinnt. An den Außenseiten werden sie mit Gravuren und Ornamenten verziert, sodass der kupferfarbene Untergrund zum hellgrauen Zinnüberzug einen optisch ansprechenden Kontrast bildet. Eine ebenso wichtige Rolle spielt das Kupfer bei den ostasiatischen Emailarbeiten. Zur Herstellung von Statuen, Leuchtern, Tempelgeräten, Gongs, Spiegeln und dergleichen mehr wird in China, Japan und Hinterindien eine Legierung verwendet, deren Hauptbestandteil Kupfer bildet. 2023 wurde Künste, Fertigkeiten und Praktiken im Zusammenhang mit der Gravur auf Metallen für eine Reihe von Nationen von der UNESCO in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen. In Lahıc , einer Siedlung in den aserbaidschanischen Bergen, wurde bereits im 11. Jahrhundert kunstvolles Kupfergeschirr hergestellt. In Lahidsch hergestelltes Geschirr wird in den berühmtesten Museen der Welt ausgestellt, beispielsweise im Louvre. Außerdem haben Archäologen in verschiedenen Regionen Aserbaidschans Kupfermünzen entdeckt, die im Mittelalter in Lahic hergestellt wurden. Im Jahre 1923 gab es in Lahic über 200 Kupferwerkstätten. Im Jahr 2015 wurde die Kunst der Kupferschmiede von Lahidsch in die UNESCO-Liste der Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen. Kenan Hidić ist Kupferschmied in dritter Generation und arbeitet in der Werkstatt seiner Familie in der Altstadt von Sarajevo. Das im Basarviertel Baščaršija ansässige Kupferschmiedehandwerk ist ein Erbe der osmanischen Herrschaft, wobei die durch das Viertel führende Kazandžiluk , nach den Handwerkern benannt, die die Straße seit dem 16. Jahrhundert säumen. Einer der seit dem 16. Jahrhundert wichtigsten Handwerkszweige der südostanatolischen Stadt Gaziantep ist die bis heute intensiv bestehende Kupferschmiedekunst. Der an der Kulturstraße Tarih ve Kültür Yolu gelegene, vermutlich im 19. Jh. erbaute, aus einstöckigen Geschäften bestehende Kupferschmied Bazar ist eine historische Einkaufspassage. Die Besonderheit der dort hergestellten Kupferprodukte ist deren handwerkliche Fertigung aus einem einzigen Stück Kupfer. Es werden keine Verbindungsverfahren wie Löten und Schweißen angewendet. Das Dorf Baita in der autonomen Präfektur Chuxiong der Yi-Nationalität in der südwestchinesischen Provinz Yunnan ist in China als „Dorf der Kupferschmiede“ bekannt. Historischen Aufzeichnungen zufolge ist die Gegend sehr reich an Kupferressourcen. Bereits in der Ming-Dynastie wurde dort in großem Umfang Kupfer abgebaut. Im Jahr 2013 wurde die Kupferherstellung von Baita in die Liste des immateriellen Kulturerbes der Provinz Yunnan aufgenommen. Der in Baita lebende Kupferschmied Wang Zixing ist der Überlieferer dieses immateriellen Kulturerbes. Schon im Alter von 16 hat er begonnen, die Technik von seinem Vater zu erlernen. Auch in Deutschland gibt es nach wie vor nach alter Tradition arbeitende Kupferschmiede, wie beispielsweise zur Topfherstellung und anderer aus Kupfer hergestellter Gegenstände. In Thessaloniki, im ehemaligen Quartier der Kupferschmiede, befindet sich die aus dem 11. Jahrhundert stammende, orthodoxe Kirche Panagia Chalkeon, deren Name, ins Deutsche übersetzt, die „Jungfrau der Kupferschmiede“ bedeutet. Seit über 2.000 Jahren beschäftigt man sich in diesem Stadtviertel mit Kupfer. Heutzutage existieren nur noch ein paar Läden, in denen das traditionelle Handwerk praktiziert und Kupferhandel betrieben wird. Die im Nordwesten Irans gelegene Stadt Zandschan , wurde im Januar 2020 vom World Crafts Council zur World City of Filigrane ernannt. Zum Zeitpunkt der Ernennung waren in Zandschan etwa 230 Filigrankünstler in 50 Werkstätten tätig, wovon 45 aktive Handwerksdisziplinen zertifiziert wurden, darunter das Kupferschmiedehandwerk. Laut des Tourismuschef der Region, Seyed Saeid Safavi, wird Zandschan als neues Mitglied des Creative Cities Networks der Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur bewertet. Zandschan sei qualifiziert für die Auszeichnung als UNESCO-Kreativstadt. Das im mexikanischen Bundesstaat Michoacán gelegene Tarasken Städtchen Santa Clara del Cobre wird im Hinblick auf das dort seit Jahrhunderten gepflegte, weltberühmte Kupferschmiedehandwerk als die „Kupferhauptstadt der Amerikas“ bezeichnet. Die im Stadtzentrum gelegene Plaza wird von aus Kupfer geschmiedeten Straßenlaternen beleuchtet. Es gibt zahlreiche Kupferwerkstätten, in denen man die Herstellung von Kesseln verfolgen kann, es gibt Kupferläden und ein Kupfermuseum. Mitte August findet die jährliche Kupfermesse »Feria Nacional del Cobre« mit Ausstellungen und Veranstaltungen statt, bei der die schönsten Arbeiten prämiert werden. Die 55. Nationale Kupferausstellung, die gleichzeitig die 76. Nationale Ausstellung von gehämmertem Kupfer darstellte, fand in Santa Clara del Cobre statt. Der Kupferschmied und Roma Victor Clopotar , erlernte das Schmieden, wie es die Tradition seiner Familie und der Kalderasch vorsieht, von seinem Vater und einem Onkel. Früher lebten sie nomadisch, zogen über die Dörfer, reparierten Kupferkessel und verkauften ihre selbstgefertigten Metallwaren. Vom Regime des Diktators Nicolae Ceaușescu wurden sie zur Sesshaftigkeit gezwungen und an vorgegebenen Orten angesiedelt. So kam sein Vater Anfang der 1980er Jahre nach Brateiu, einem Dorf in Siebenbürgen, einem Zentrum des Kupferschmiede Handwerks. Zu Beginn waren es fast zwanzig Familien, die das traditionelle Handwerk ausübten. Heutzutage sind noch drei übrig. Die Wiener Designerin Nadja Zerunian entdeckte Clopotar und sein Talent zum Kupferschmieden bei einer Ausstellung von Roma-Handwerkern in Wien. Mit mehreren Partnern gründete sie die Hilfsorganisation Corizom, die Handwerkern in benachteiligten Gemeinschaften einen Lebensunterhalt verschaffen will. Corizom hat unter anderem Projekte in Rumänien, Albanien, Georgien und Ungarn angestoßen. Im April 2022 war Cloptar Aussteller auf der Homo Faber, einer Schau für zeitgenössisches Handwerk in Venedig. Im Juni stellte er seine Handwerkskunst auf der Messe Design Miami in Basel aus. Heutzutage sind im Basarviertel der südosttürkischen Provinzhauptstadt Şanlıurfa traditionelle Handwerker, wie Kupferschmiede, immer noch anzutreffen. Ein in Muğla sich seit mindestens vier Generationen entwickelndes, sich zumeist in Familientradition fortsetzendes Kunsthandwerk ist das der Kupferschmiede. Das im Südwesten der Türkei gelegene Zentrum ist der Landkreis Kavaklıdere. Der östlich angrenzende Nachbarlandkreis Elmalı mit seiner gleichnamigen Hauptstadt, ist ein weiteres Zentrum des Kupferschmiedekunsthandwerkes. Vergoldete Kupferarbeiten Reiseerzählungen Märchen, Sagen, Erzählungen Comic und Witz Roman / Biografie Lyrik Weisheitstext, Parabel Sprichwörter Wie in vielen Berufen der Zunft, so begaben sich seit jeher auch Kupferschmiede-Gesellen nach dem Abschluss ihrer Lehrzeit auf Wanderschaft. Sie war seit dem Spätmittelalter bis zur beginnenden Industrialisierung eine der Voraussetzungen für die Zulassung zur Meisterprüfung. Die Gesellen sollten vor allem neue Arbeitspraktiken, fremde Orte, Regionen und Länder kennenlernen sowie Lebenserfahrung sammeln. Der wichtigste Gegenstand, den ein jeder Wandergeselle mit sich führt, ist sein Wanderbuch. Es ist ein unersetzliches Dokument der eigenen Wanderschaft und nach deren Ende dessen wichtigstes Erinnerungsstück. Ein Beispiel ist das Wanderbuch des Kupferschmiedegesellen Johann Adolf Tille . Dessen Deckseite zeigt das rote Siegel des Fürstenthum Lippe, ausgestellt im Namen des „Durchlauchtigsten Fürsten zur Lippe“. Das Wanderbuch beweist durch zahlreiche Stempel, dass Tille von 1831 bis 1834 unterwegs war und dass er währenddessen an 28 unterschiedlichen Orten gearbeitet hat, von Berlin und Erfurt bis Zürich. Ein Jahr nach seiner Rückkehr, 1835, gründete er eine Kupferschmiede in Horn-Bad Meinberg. Aus dieser wurde die Firma Carl Tille GmbH, die die Tradition des Familienunternehmens in sechster Generation fortschreibt. Aus manchen wandernden Kupferschmieden wurden später bekannte Persönlichkeiten, wie beispielsweise Franz Löblich und Johann Vaillant. Weitere Kupferschmiede auf Wanderschaft : Die frühen Auswanderungen nach Übersee aus dem deutschsprachigen Raum im 19. und frühen 20. Jahrhundert fanden in einer Übergangsphase der europäischen Entwicklung statt, die zwischen dem Zusammenbruch der alten agrarischen Gesellschaft und dem Anbruch des modernen Industriezeitalters lag. Meist aus wirtschaftlichen, beruflichen oder persönlichen Gründen verließen Auswanderer ihre Heimat. Unter ihnen waren auch Kupferschmiede. Deutschland Österreich Bosnien und Herzegowina Polen Malaysia Der Denkmalschutz dient dem Schutz von Kulturdenkmälern. Ziel ist es, diese Kulturgüter als Zeugnis der Kulturgeschichte dauerhaft zu erhalten, nicht zu verfälschen und vor Beschädigungen, Beeinträchtigungen oder Zerstörung zu schützen. Neben den unter Denkmalschutz stehenden Kupferschmieden gibt es solche, die als Baudenkmal ausgewiesen sind, als ein, laut Duden, „Bauwerk als Denkmal vergangener Baukunst“. Deutschland Österreich Deutschland Schweiz Italien
2024-12-02 10:18:23
https://de.wikipedia.org/wiki/Fritz_Friedrichs_(Maler)
Fritz Friedrichs war ein deutscher Maler des Post-Impressionismus und Mitglied des Hamburgischen Künstlerklubs. Fritz Friedrichs besuchte nach der Schulausbildung ab 1898 die Kunstgewerbeschule in Hamburg und wurde zwei Jahre später Schüler von Arthur Siebelist. Gemeinsam mit den anderen Siebelist-Malschülern wurde er 1903 in den Hamburgischen Künstlerklub aufgenommen. Im Frühjahr 1904 hatte er gemeinsam mit seinen Mitschülern eine erste Ausstellung in der Galerie Commeter in der Hermannstraße in Hamburg. Kunsthallendirektor Alfred Lichtwark bedankte sich bei Siebelist mit den Worten: „ Sie haben Ihren Schülern unendlich viel gegeben. Was Sie getan haben … kommt Hamburg zugute“. 1908 unternahm Friedrichs eine Studienreise in die Niederlande und nahm im folgenden Jahr an einer Ausstellung der Brücke teil. 1910 gründete er eine Malschule in seinem Atelier und wurde Lehrer von Gretchen Wohlwill. 1911 arbeitete er als Kunstkritiker und heiratete sein Modell Gertrud Harlos. Im Ersten Weltkrieg wurde er 1914 zum Wehrdienst in Polen eingezogen. Nach einem Lazarettaufenthalt im folgenden Jahr hatte er eine Ausstellung in Gerda Koppels Hamburger Malschule. Nach dem Krieg beteiligte er sich 1919 an einer Ausstellung der Freien Secession in Berlin. Fritz Friedrichs verstarb nach langer Krankheit 1928 in Hoopte. Friedrichs Werke sind in der Hamburger Kunsthalle, in der Kunsthalle Bremen und im Museum für Hamburgische Geschichte ausgestellt.
2024-12-01 23:32:16
https://de.wikipedia.org/wiki/PGA_Championship
Die PGA Championship wird von der Professional Golfers’ Association von Amerika im Rahmen der PGA Tour veranstaltet und zählt zu den vier Major-Golfturnieren. Sie wurde das erste Mal 1916 im Siwanoy Country Club in Bronxville, New York ausgetragen. Es gewann der in Amerika lebende Engländer Jim Barnes. Das Turnier findet seit 2019 im Mai auf unterschiedlichen Plätzen in den USA statt. Bis 1958 wurde das Turnier als Lochwettspiel ausgetragen, seitdem als Zählspiel über vier Runden. Weitere Major-Golfturniere sind die US Open, The Open Championship und das US Masters. Die Zahl gibt die Anzahl der Siege des einzelnen Golfers bis dahin an. Zweit-Platzierte im Play-off: Lochspiel-Ära 1916 Jim Barnes | 1917–18 keine Turniere wegen Ersten Weltkriegs | 1919 Jim Barnes | 1920 Jock Hutchison | 1921 Walter Hagen | 1922 Gene Sarazen | 1923 Gene Sarazen | 1924 Walter Hagen | 1925 Walter Hagen | 1926 Walter Hagen | 1927 Walter Hagen | 1928 Leo Diegel | 1929 Leo Diegel | 1930 Tommy Armour | 1931 Tom Creavy | 1932 Olin Dutra | 1933 Gene Sarazen | 1934 Paul Runyan | 1935 Johnny Revolta | 1936 Denny Shute | 1937 Denny Shute | 1938 Paul Runyan | 1939 Henry Picard | 1940 Byron Nelson | 1941 Vic Ghezzi | 1942 Sam Snead | 1943 kein Turnier wegen Zweiten Weltkriegs | 1944 Bob Hamilton | 1945 Byron Nelson | 1946 Ben Hogan | 1947 Jim Ferrier | 1948 Ben Hogan | 1949 Sam Snead | 1950 Chandler Harper | 1951 Sam Snead | 1952 Jim Turnesa | 1953 Walter Burkemo | 1954 Chick Harbert | 1955 Doug Ford | 1956 Jack Burke Jr. | 1957 Lionel Hebert Zählspiel-Ära 1958 Dow Finsterwald | 1959 Bob Rosburg | 1960 Jay Hebert | 1961 Jerry Barber | 1962 Gary Player | 1963 Jack Nicklaus | 1964 Bobby Nichols | 1965 Dave Marr | 1966 Al Geiberger | 1967 Don January | 1968 Julius Boros | 1969 Raymond Floyd | 1970 Dave Stockton | 1971 Jack Nicklaus | 1972 Gary Player | 1973 Jack Nicklaus | 1974 Lee Trevino | 1975 Jack Nicklaus | 1976 Dave Stockton | 1977 Lanny Wadkins | 1978 John Mahaffey | 1979 David Graham | 1980 Jack Nicklaus | 1981 Larry Nelson | 1982 Raymond Floyd | 1983 Hal Sutton | 1984 Lee Trevino | 1985 Hubert Green | 1986 Bob Tway | 1987 Larry Nelson | 1988 Jeff Sluman | 1989 Payne Stewart | 1990 Wayne Grady | 1991 John Daly | 1992 Nick Price | 1993 Paul Azinger | 1994 Nick Price | 1995 Steve Elkington | 1996 Mark Brooks | 1997 Davis Love III | 1998 Vijay Singh | 1999 Tiger Woods | 2000 Tiger Woods | 2001 David Toms | 2002 Rich Beem | 2003 Shaun Micheel | 2004 Vijay Singh | 2005 Phil Mickelson | 2006 Tiger Woods | 2007 Tiger Woods | 2008 Pádraig Harrington | 2009 Y. E. Yang | 2010 Martin Kaymer | 2011 Keegan Bradley | 2012 Rory McIlroy | 2013 Jason Dufner | 2014 Rory McIlroy | 2015 Jason Day | 2016 Jimmy Walker | 2017 Justin Thomas | 2018 Brooks Koepka | 2019 Brooks Koepka | 2020 Collin Morikawa | 2021 Phil Mickelson | 2022 Justin Thomas | 2023 Brooks Koepka | 2024 Xander Schauffele Major-Turniere in der Turnier-Reihenfolge: The Masters | U.S. Open | The Open Championship | PGA Championship Andere Race-to-Dubai-Turniere in der Turnier-Reihenfolge: Fortinet Australian PGA Championship | Joburg Open | Australian Open | South African Open | Alfred Dunhill Championship | AfrAsia Bank Mauritius Open | Dubai Invitational | Hero Dubai Desert Classic | Ras Al Khaimah Championship | Bahrain Championship | Qatar Masters | Magical Kenya Open | SDC Championship | Jonsson Workwear Open | Porsche Singapore Classic | Hero Indian Open | ISPS Handa Championship | China Open | Soudal Open | Porsche European Open | Volvo Car Scandinavian Mixed | KLM Open | Italian Open | BMW International Open | Genesis Scottish Open | Barbasol Championship | Barracuda Championship | D+D Real Czech Masters | Made In Denmark | British Masters | Omega European Masters | Amgen Irish Open | BMW PGA Championship | Open de España | Alfred Dunhill Links Championship | Open de France | Estrella Damm N.A. Andalucía Masters | Genesis Championship | Abu Dhabi HSBC Golf Championship | DP World Tour Championship Team-Turniere: World Cup | EurAsia Cup | GolfSixes | Ryder Cup | European Golf Team Championships Major-Turniere: The Masters | U.S. Open | The Open Championship | PGA Championship Andere FedEx-Cup-Turniere: Hyundai Tournament of Champions | Sony Open in Hawaii | Bob Hope Classic | Farmers Insurance Open | Waste Management Phoenix Open | AT&T Pebble Beach National Pro-Am | Northern Trust Open | WGC-Dell Match Play Championship | Mayakoba Golf Classic at Riviera Maya-Cancun | The Honda Classic | WGC-Cadillac Championship | Puerto Rico Open | Transitions Championship | Arnold Palmer Invitational | Shell Houston Open | Valero Texas Open | The Heritage | Zurich Classic of New Orleans | Wells Fargo Championship | The Players Championship | Crowne Plaza Invitational at Colonial | HP Byron Nelson Championship | Memorial Tournament | FedEx St. Jude Classic | Travelers Championship | AT&T National | John Deere Classic | Viking Classic | RBC Canadian Open | Greenbrier Classic | WGC-Bridgestone Invitational | Reno-Tahoe Open | Wyndham Championship FedEx-Cup-Playoff-Turniere: The Barclays | Deutsche Bank Championship | BMW Championship | The Tour Championship Featured Events: CIMB Asia Pacific Classic Malaysia | WGC-HSBC Champions PGA Tour Fall Series: Justin Timberlake Shriners Hospitals for Children Open | Frys.com Open | McGladrey Classic | Children’s Miracle Network Classic Team-Turniere: Presidents Cup | Ryder Cup | Omega Mission Hills World Cup Challenge Season Events : Tavistock Cup | CVS Caremark Charity Classic | PGA Grand Slam of Golf | Wendy’s 3-Tour Challenge | ADT Skills Challenge | Chevron World Challenge | The Shark Shootout
2024-12-03 22:40:30
https://de.wikipedia.org/wiki/Under_the_Red_Sky
Veröffent-lichung 10. September 1990 Genre Rock Titel 10 Länge 35:21 min Produktion Don und David Was, Bob Dylan Under the Red Sky ist das 27. Studioalbum von Bob Dylan. Es wurde produziert von Don Was, David Was und "Jack Frost" und 1990 auf Columbia Records veröffentlicht. Die Widmung "For Gabby Goo Goo", einige kinderliedartigen Titel und Textzeilen wie "Someday little girl everything for you is gonna be new, someday little girl you'll have a diamond as big as your shoe" legen den Schluss nahe, dass Dylan das Album für seine damals vierjährige Tochter geschrieben hat. Trotz zahlreicher prominenter Gastmusiker wie David Crosby, Robben Ford, George Harrison, Bruce Hornsby, Elton John, Al Kooper, David Lindley, Slash, Jimmie Vaughan und Stevie Ray Vaughan war Under the Red Sky kommerziell ein Flop.
2024-12-03 14:44:47
https://de.wikipedia.org/wiki/Osloer_Gef%C3%A4ngnis
Die Haftanstalt Oslo bzw. das Osloer Gefängnis ist Norwegens größtes Gefängnis mit 392 Insassen und 367 Mitarbeitern. Das Gefängnis gehört zum Strafvollzug der Region Ost und liegt im Stadtteil Grønland von Oslo in der Åkebergveien 11, 0134 Oslo, wo sich in unmittelbarer Nachbarschaft auch eine Polizeistation befindet. Um 1841 verabschiedete das norwegische Parlament einen Beschluss zum Bau mehrerer neuer Gefängnisse und bewilligte dafür die entsprechenden Mittel, wovon auch das Botsfengselet in Christiania errichtet werden konnte. Dieser Beschluss beruhte auf einem Vorschlag der Norwegischen Strafrechtskommission von 1837. Die Arbeiten dazu begannen 1844 und das Gefängnis wurde 1851 in Betrieb genommen. Die Haftanstalt hatte zum Zeitpunkt der Eröffnung eine Kapazität von 240 Gefangenen. Das Gefängnis wurde nach dem „Philadelphia-System“ betrieben, was bedeutete, dass die Inhaftierten in Einzelhaft streng isoliert wurden. Die ersten Gebäude des damaligen Gefängnisses, des Botsfengselet, wurden von dem deutsch-norwegischen Architekten Heinrich Ernst Schirmer gebaut. Das Botsfengselet bestand damals aus einem Hauptgebäude mit drei Flügeln. 1886 wurde die Anlage um eine Gefängniskirche mit einem separaten Flügel erweitert, die von dem norwegischen Architekten Jacob Wilhelm Nordan gebaut wurde. Ab 1935 kamen noch das ehemalige Brauereigebäude der Osloer «Aktiebryggeriet» und später noch weitere Flächen dazu. Das ehemalige Gefängnis wurde 1975, nach Fertigstellung von entsprechenden Erweiterungsbauten am Standort des Botsfengselet und dem Abschluss der Umbaumaßnahmen, ein Teil des Osloer Bezirksgefängnisses, aus dem das heutige Osloer Staatsgefängnis hervorging. Der historische Gefängnisbau des Botsfengselet ist seit dieser Zeit denkmalgeschützt. Rund um das Botsfengselet liegt der Grønland-Park bzw. Bots-Park . Die Abteilung besteht aus dem alten Botsfengselet ursprünglicher Schreibweise: Bodsfængslet, im Volksmund auch „Bodsen“ bzw. „Botsen“ genannt, das 1851 eröffnet wurde und bis 1970 als Gefängnis diente. Das „Bodsen“ wurde nach dem Umbau und weiteren Erweiterungsbauten ab 1975 ein Teil des neuen Osloer Bezirksgefängnisses. Die Abteilung besteht aus einem großen Hauptgebäude mit sternförmig in Fächerform ausgerichteten Gebäudeflügeln sowie einigen kleineren Gefängnismauern bzw. Dämmen, die alle aus Ziegelmauerwerk gebaut sind. Das Eingangsgebäude des alten Botsfengselet erlangte in Norwegen große Bekanntheit durch die norwegischen Olsenbande-Filme. Der Protagonist dieser Filme, Egon Olsen , hatte hier quasi seinen zweiten Wohnsitz und marschierte bei seiner Freilassung durch das Haupttor und wurde hier stets von seinen Kumpanen Benny und Kjell in der Allee zum Eingang empfangen. Die Allee vor dem Gefängnis wurde im April 2017 nach dem Hauptakteur der Olsenbande offiziell als Egon Olsen allé benannt. Das alte Botsfengelet beherbergt derzeit teilweise den Eingang zum Anschnitt „Bayer“ an der Åkebergveien und wird dazu als Haupteingang genutzt. Der direkte Eingang zur Abteilung A kann nur noch von Mitarbeitern der Haftanstalt und von Besuchern genutzt werden. Das Gitterportal am inneren Ende des Durchganges am ehemaligen Haupteingang ist ein beliebtes Motiv in Literatur, Film und für Fotos. Seitlich zum alten Haupteingang befinden sich noch zwei Häuser: die ehemalige Wohnung des Gefängnisarztes und das Haus des Gefängnisdirektors . An die Rückseite dieses Gebäudes grenzt ein langes, niedriges Haus, das einst unter anderem als Stall diente. Heute befindet sich dort der Laden „Benny Butikk“, der Erzeugnisse der Gefangenen verkauft. Auf der linken Seite liegt der Betriebskindergarten „Egon Barnehave“ für die Mitarbeiter im Gefängnis und für die Angestellten der nahen Polizeistation, die sich auf der rechten Seite befindet. Die Abschnitt B wurde 1934 dem bestehenden Gefängnis angegliedert. Zuvor wurden die Räumlichkeiten als Brauerei «Christiania Aktie Ølbryggeri» genutzt. Diese bestand dort von 1872 bis 1925. Anschließend wurde sie als «Aktiebryggeriet» in Oslo von 1925 bis 1931 noch weitergeführt. Damals wurden die Biersorten Landsøl und Bayerøl produziert. In Anlehnung an die Biersorte Bayerøl – ein Bier nach bayerischer bzw. deutscher Brauart – bildete der Volksmund die noch aktuelle Bezeichnung «Bayeren» für den Gefängnisabschnitt B. Der Abschnitt B umfasst zehn Abteilungen. Die Abteilungen von 1 bis 10 haben unterschiedliche Haftbedingungs-Profile, die sich an den Vorstrafen und den Charakteren der Insassen orientieren. Der Abschnitt B ist in die Blöcke A und D aufgeteilt. In den alten Räumen des ehemaligen Gefängniskrankenhauses liegt jetzt der Abschnitt C. In diesen Räumlichkeiten werden seit 1992 bis derzeit Inhaftierte mit Drogenproblemen und Suchtkrankheiten untergebracht. In einer drogenfreien Umgebung und durch gezielte Angebote soll hier die weitere Entwicklung der Insassen und ihre Lösung von den Suchtabhängigkeiten erreicht werden. Die betreffenden Bereiche im „Stifinner'n“ werden vom Osloer Gefängnis in Zusammenarbeit mit der norwegischen Behandlungs- und Rehabilitationsklinik Tyrilistiftelsen betrieben. Das Osloer Gefängnis erhielt am 3. Februar 2005 seine erste Auszeichnung für vorbildliche Strafvollzugsbedingungen. 59.90944444444410.773333333333Koordinaten: 59° 54′ 34″ N, 10° 46′ 24″ O
2024-11-22 23:26:32
https://de.wikipedia.org/wiki/Bernd_von_Droste_zu_H%C3%BClshoff
Bernd Freiherr von Droste zu Hülshoff ist der Gründungsdirektor des UNESCO-Welterbezentrums, ehemals Beigeordneter Generaldirektor der UNESCO und ein deutscher Forstwissenschaftler. Bernd Aegidius Heinrich Hubertus Freiherr von Droste zu Hülshoff ist ein Sohn des späteren Oberlandesforstmeisters Mariano Freiherr von Droste zu Hülshoff und der Sibylle Iltgen und wuchs in Betzdorf, Haus Junkernthal und Adenau auf. Er ist ein Urenkel von Carl Caspar von Droste zu Hülshoff, ein Enkel des Juristen und Autors Heinrich von Droste zu Hülshoff und der ältere Bruder von Wilderich von Droste zu Hülshoff. Bernd Freiherr von Droste zu Hülshoff ist seit 2020 wieder verheiratet und hat zwei Kinder, Felicitas und Tassilo von Droste zu Hülshoff. 1957 legte Droste zu Hülshoff sein Abitur am Aloisiuskolleg in Bad Godesberg ab. Danach absolvierte er ein praktisches Lehrjahr beim Forstamt Mayen und begann 1958 ein Studium der Forstwissenschaften an der Forstlichen Fakultät der Universität Göttingen in Hann. Münden, wo er der Forstakademischen Verbindung Rheno-Guestfalia im CV und MC beitrat, das er 1959 in Wien und ab 1960 an der Universität München fortsetzte. In den Semesterferien 1958 arbeitete er als Praktikant in Joensuu , 1959 in Düzce, Ayancık und Antalya sowie 1960 in Söderfors, . 1961 erhielt er ein Stipendium für ein akademisches Jahr an der forstlichen Fakultät der Universität Stellenbosch in Südafrika und wirkte an der Großtierforschung im Kruger-Nationalpark mit. 1963 legte er sein Examen als Diplom-Forstwirt ab. Nach dem Referendariat, das er – unterbrochen durch einen Aufenthalt am Commonwealth Forestry Institute der University of Oxford – in den Forstämtern Wittlich und Niederlahnstein absolvierte, wurde er 1966 Forstassessor. Droste zu Hülshoff trat in den höheren Forstdienst des Landes Rheinland-Pfalz ein und arbeitete als Forstassessor bei der Bezirksregierung in Trier. 1969 wurde er zum Forstmeister befördert, setzte jedoch seine Arbeit als Wissenschaftlicher Assistent am Institut für Forstpolitik und forstliche Betriebswirtschaftslehre in München fort, mit einem Forschungsauftrag, der auch Forschungsreisen nach Nordamerika einschloss. 1967 bis 1972 leitete er an der staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität München bei Ernst Assmann ein waldökologisches Forschungsprojekt. 1967 nahm er an der ersten deutschen Forschungsexpedition in der Wüste Negev in Israel teil. 1968 besuchte er ökologische Forschungseinrichtungen in den USA. 1969 promovierte er summa cum laude an der Universität München zum Dr. oec. publ. über ein Thema der Waldökologie und erhielt den Forschungspreis der Universität. 1972 wurde er Akademischer Oberrat und Oberforstmeister. 1973 wechselte er nach Paris und wurde „first officer“ bei der Abteilung Ökologische Wissenschaften der UNESCO. Ab 1977 wurde er zusätzlich Sekretär für das Weltnaturerbe. 1978 wurde er zum „Senior officer“ befördert und 1984 Direktor der Abteilung „Ökologische Wissenschaften“ der UNESCO sowie Sekretär des internationalen ökologischen Forschungsprogramms Der Mensch und die Biosphäre , aus dem z. B. die Biosphärenreservate entwickelt wurden. 1985 ernannte ihn das Umweltbundesamt zum wissenschaftlichen Direktor. 1989 wurde er zusätzlich „publishing director“ der mehrsprachigen Zeitschrift Nature & Resources. 1992 wurden auf seinen Vorschlag die bis dahin getrennten und überlasteten Sekretariate für das Weltnaturerbe und das Weltkulturerbe durch UNESCO-Generaldirektor Federico Mayor zusammengelegt und personell aufgestockt. Er wurde Gründungsdirektor des neuen weltweit renommierten Welterbezentrums und Generalsekretär der Welterbe-Konvention der UNESCO, Herausgeber der Vierteljahres-Schrift world heritage review, 1995 leitender Direktor beim Umweltbundesamt und 1998 Beigeordneter Generaldirektor der UNESCO. In dieser Zeit arbeitete er an der Unterschutzstellung zahlreicher Welterbeprojekte in den Bereichen Bildung, Wissenschaft und Kultur mit und war an der Gründung von dezentralen UNESCO-Kommissionen und -Büros sowie Nichtregierungsorganisationen beteiligt. 1999 ging er mit Erreichen der Altersgrenze in den Ruhestand und wurde Berater des Generaldirektors der UNESCO. Danach war Droste zu Hülshoff, der in den Sprachen englisch, französisch, spanisch und deutsch arbeitet, Gutachter, Berater und Mediator der UNESCO sowie der World Conservation Union zu Fragen des Natur- und Kulturgüterschutzes und übte diese Funktion auch für die EU-Kommission und die Weltbank aus. Er beriet zahlreiche UNESCO-Mitgliedsstaaten und internationale Organisationen sowie in Deutschland die Deutsche Umwelthilfe und die GTZ und bereiste mehr als 100 Staaten, oft als team-leader bei der Überprüfung des Zustands von Welterbestätten. Zu seinen Projekten gehörten z. B. 1999 die Identifikation potentieller Welterbestätten in Südafrika, 1999–2000 der Schutz des Kulturerbes von Macau , 1999–2002 die Vorarbeiten für die Nominierung der Pilgerrouten der Kii-Halbinsel für das Welterbe. 2003 nahm er an der deutschen Sahara-Expedition in den Tschad zur Vorbereitung der Welterbenominierung des Seen-von-Ounianga-Distrikts und der Felsmalereien im Ennedi-Massiv teil, 2003–2004 übernahm er die Konfliktmediation zur Öl- und Gasgewinnung in der Nachbarschaft zum Welterbegebiet Kurische Nehrung . 2005–2006 erstellte er das Nominierungsdossier für das Welterbe Kulturlandschaft Oberes Mittelrheintal, 2007 arbeitete er am Schutz des Welterbes Galapagosinseln angesichts der Tourismusentwicklung, 2008 führte er Vorarbeiten zur Welterbenominierung der Weinbau-Kulturlandschaften in Südafrika durch, 2010–2011 erarbeitete er im Auftrag der Regierung von Jordanien eine strategische Entwicklungsplanung für das Weltkulturerbe Petra . 2011–2013 evaluierte er im Auftrag der EU den Stand des Kulturgüterschutzes auf der Krim . Droste zu Hülshoff war von 1999 bis 2003 Gastprofessor an der Brandenburgischen Technischen Universität und von 2002 bis 2014 Honorarprofessor für den postgraduierten Master-Studiengang „Schutz Europäischer Kulturgüter“ am Collegium Polonicum der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt . 2009 war er University-Lecturer sowohl an der Beida als auch an der Tsinghua-Universität in Peking, China. 2010 trainierte er Architekten und Stadtplaner in Sanaa, Jemen. Er ist Mitbegründer des Japanischen Umweltforschungsinstituts JISE, der internationalen Organisation des Villes et du Patrimoine Mondial mit Sitz in Quebec, der nichtstaatlichen Organisation Insula und des Hornemann Instituts. Droste zu Hülshoff ist zudem Mitglied mehrerer internationaler Organisationen, so der Commission of Parks and Protected Areas der IUCN. Als Autor veröffentlichte Droste zu Hülshoff mehr als 200 wissenschaftliche Beiträge in Büchern und Zeitschriften. Thematische Schwerpunkte sind dabei Ökologie, internationaler Natur- und Denkmalschutz.
2024-12-02 10:56:49
https://de.wikipedia.org/wiki/Von_der_Heydt_(Familie)
Die von der Heydt sind eine deutsche Familie aus Barmen und Elberfeld. Sie brachte Politiker, Bankiers und Mäzene hervor. Eine Linie wurde 1863 in den Freiherrenstand erhoben. Angehörige des Namens erscheinen erstmals 1597 auf der Heide bei Lichtenscheidt in der Gemarkung Barmen unter dem Namen „auf der Heydt“. Die Familie führt ihren Namen auf Gottfried vom Lichtscheid genannt auf der Heydt , Hofbesitzer zu Unterbarmen, heute ein Ortsteil von Wuppertal, zurück. Sein Vater war Herbert auf dem Lichtscheid , Hofbesitzer und Gemeindevorsteher zu Barmen. Die Familie von der Heydt zog später in den Nachbarort Elberfeld und wurden dort zu erfolgreichen Rohseidenherstellern und Bankiers. Johannes von der Heydt betrieb eine Bäckerei, die sich auf die Herstellung von Waffeln spezialisiert hatte. Die Söhne Daniel Heinrich und Johann Abraham Wilhelm erhielten eine kaufmännische Ausbildung. Daniel Heinrich heiratete 1794 Wilhelmine Kersten und trat in das Bankgeschäft seines Schwiegervaters Abraham Kersten ein. In diesem wurde er bald Teilhaber und Begründer des Hauses von der Heydt-Kersten & Söhne in Elberfeld. Er war auch Bürgermeister, Handelsrichter und war aktiv in der reformierten Gemeinde. Aus der Ehe gingen neun Kinder hervor, von denen einige aber bereits früh verstarben. Eine der Töchter heiratete den Hofprediger Friedrich Strauß. Der Sohn August von der Heydt war wie sein Vater Bankier, aktiv in der reformierten Gemeinde und Kommunalpolitiker. Als Vertreter des rheinischen Liberalismus war er Mitglied der preußischen Nationalversammlung und wurde preußischer Handelsminister und später Finanzminister. Er wurde am 31. Januar 1863 in den erblichen Freiherrenstand erhoben. Einer seiner Söhne, Bernhard von der Heydt , war Landrat des Obertaunuskreises. Robert von der Heydt war Landrat der Kreise Eupen und Essen sowie Bezirkspräsident des Oberelsaß. Auch Augusts Bruder Daniel von der Heydt war im Bank- und Handelsgeschäft tätig. Er war auch Gegner der kirchlichen Union und trat, obwohl politisch konservativ, für die Freiheit der Kirche ein. Er war maßgeblich an der Gründung der freien niederländisch-reformierten Gemeinde in Elberfeld beteiligt. Maßgeblich beteiligt war er auch an der Einführung des Elberfelder Systems der Armenfürsorge. Auch der dritte Bruder Carl von der Heydt dachte kirchenpolitisch ähnlich wie seine Brüder. Er war Teilhaber der väterlichen Bank und verfasste daneben einige theologische Werke. Das Bankhaus von der Heydt-Kersten & Söhne, eines der ersten seiner Art in Deutschland, wurde seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einem wichtigen Industriefinanzierer und war beteiligt am Eisenbahnbau und an ähnlichen Projekten. 1912 wurde mit dem Kleisthaus in der Berliner Mauerstraße ein neuer Sitz für die Bankgesellschaft errichtet. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verzweigte sich die Familie in mehrere Äste. August von der Heydt Sohn des gleichnamigen Vaters und Enkel des ebenfalls gleichnamigen Großvaters trat in die Bank der Familie ein und leitete sie zusammen mit dem Vetter Karl von der Heydt. Ab 1891 leitete er die Bank allein. Politisch war er freikonservativ eingestellt und war Stadtverordneter in Elberfeld. Als Mäzen bemühte er sich um die Verschönerung von Elberfeld. Er kaufte Waldungen, die er später der Stadt schenkte, war Mitbegründer der Aktiengesellschaft Zoologischer Garten und Vorsitzender des Verschönerungsvereins. Er finanzierte zahlreiche Denkmäler, Brunnen und ähnliche Einrichtungen. Er förderte auch das Theater und die Konzertgesellschaft. Er war als bedeutender Kunstsammler 1892 der Gründer des Museumsvereins, aus dem später das Von der Heydt-Museum hervorging. Der Vetter Karl von der Heydt lebte in der Villa des Ministers von der Heydt in Berlin und leitete dort zunächst eine Zweigstelle der Familienbank, die später völlig unabhängig wurde. Er war ein Förderer der deutschen Kolonialbestrebungen. Daneben unterstützte er Autoren wie Rainer Maria Rilke und trat selbst als Literat hervor. Eduard von der Heydt stand nach dem Ersten Weltkrieg politisch rechts. Er kaufte 1926 das Gelände der früheren Lebensreform- und Künstlerkolonie Monte Verità in der Schweiz. Er wurde Nationalsozialist und nach dem Zweiten Weltkrieg wegen zwielichtiger Geschäfte angeklagt, aber nicht verurteilt. Teile seiner Sammlungen stiftete er der Stadt Zürich, andere gingen an das Museum in Wuppertal. Die Bank von der Heydt wurde Teil der Commerzbank. Im Laufe von 200 Jahren gingen aus der Familie acht Mitglieder der Elberfelder Stadtverordnetenversammlung oder des Stadtrates und fünf Bürgermeister hervor. Im golden-blau gespaltenen Schild vorn drei grüne Stechpalmenblätter , hinten ein beblätterter, blühender goldener Heidekrautzweig . Auf dem blau-golden bewulsteten Helm mit blau-goldenen Decken zwischen einem rechts goldenen und links blauen Flug drei grüne Stechpalmenblätter fächerförmig. Das gevierte Wappen der Freiherren von der Heydt zeigt in den Feldern 1 in Blau einen preußischen Adler und drei goldene Stechpalmenblätter, 2 und 3 in Gold einen zweischwänzigen blau–gekrönten und –bewehrten roten Löwen , in der linken Pranke ein Büschel blühendes Heidekraut vor sich haltend. Zwei Helme, auf dem rechten mit blau–goldenen Decken ein Stechpalmenblatt zwischen offenem, jeweils mit einem solchen Blatt belegten blauen Flug, auf dem linken mit rot–goldenen Decken der Löwe mit dem Heidekrautbüschel wachsend. Wahlspruch: „Fide et labore“.
2024-11-22 16:26:28
https://de.wikipedia.org/wiki/Ancien_R%C3%A9gime
Ancien Régime bezeichnet ursprünglich und im engeren Sinne die Regierungsform der Bourbonen in Frankreich, im weiteren Sinn die Frühe Neuzeit in ganz Europa vor der Französischen Revolution von 1789 bzw. vor den Napoleonischen Kriegen. Oftmals steht der Begriff stellvertretend für den Absolutismus. Ursprünglich wird mit Ancien Régime die Regierungsform der absolutistisch herrschenden Bourbonen im Königreich Frankreich bezeichnet. In diesem Sinn setzte sich der Begriff spätestens 1856 in der Geschichtswissenschaft durch, nachdem der französische Publizist und Politiker Alexis de Tocqueville seinen Essay L’ancien régime et la Révolution veröffentlicht hatte, eine Analyse der Französischen Revolution. Die Bourbonen kamen 1589 mit König Heinrich IV. erstmals auf den Thron und regierten gut 200 Jahre ohne Unterbrechung. Die drei Jahre zwischen 1789, dem Beginn der Französischen Revolution, und 1792, dem Jahr der vollständigen Beseitigung des Ancien Régime, gelten als Übergangszeit. In dieser war die Herrschaft des Königs bereits gebrochen, die Monarchie als solche bestand aber noch. Wollte man zwingend einen konkreten Tag benennen, so fände sich dieser wohl im Spannungsfeld dreier Ereignisse des Jahres 1789, nämlich dem Sturm auf die Bastille am 14. Juli, der Abschaffung der Feudalrechte am 4. August oder dem 6. Oktober, an dem der König gezwungen wurde, seinen Sitz von Versailles nach Paris zu verlegen. Ausgerufen wurde die Erste Republik in Frankreich erst am 21. September 1792, am Tag nach dem Erfolg der französischen Revolutionstruppen in der Kanonade bei Valmy. Zu diesem Zeitpunkt stand König Ludwig XVI. schon seit sechs Wochen unter Arrest. Der Begriff Ancien Régime war ursprünglich als Erinnerung an die „gute alte Zeit“ vor den revolutionären Umwälzungen positiv besetzt. Talleyrand sagte einmal, wer das Ancien Régime nicht mehr erlebt habe, kenne nicht die Süße des Lebens . Heute hat Ancien Régime als Bezeichnung für den vorrevolutionären Obrigkeitsstaat einen eher negativen Beiklang. Verallgemeinert wird der Begriff für ein überkommenes, meist monarchisches Regierungssystem verwendet, das als nicht im Einklang mit den Erfordernissen der Moderne angesehen wird, etwa das russische Zarenreich bis 1917.
2024-12-03 14:01:07
https://de.wikipedia.org/wiki/Palliativstation
Eine Palliativstation ist eine räumlich zusammenhängende Versorgungseinheit palliativmedizinischer Fachrichtung an einem Krankenhaus bzw. einem Palliativzentrum. Sie unterscheidet sich von den meisten anderen Bettenstationen durch eine wohnlichere Gestaltung und einen höheren Personalschlüssel. Das dort tätige Personal verfügt zumeist über besondere Qualifikationen in Palliative Care. Auf einer Palliativstation werden Symptome und Komplikationen bei unheilbar kranken Menschen behandelt, nicht die zugrunde liegende Krankheit. Außerdem wird psychosoziale Unterstützung angeboten, die bei Bedarf auch Angehörige mit einbezieht. Vom 19. bis zum beginnenden 20. Jahrhundert entstanden häufiger auch Krankenhäuser für Krebskranke und Tuberkulosepatienten, die kurative und palliative Funktionen miteinander verbanden. Nachdem sich im Rahmen der Hospizbewegung ambulante Begleitung und stationäre Hospize etabliert hatten, wurde mit der 1973 in Montreal am Royal Victoria Hospital begonnenen Einrichtung von Palliativstationen eine weitere Lücke in der Versorgung schwerkranker und sterbender Menschen geschlossen. Durch die Palliativstation wird die Hospizidee im Krankenhaus, wo immer noch die meisten Menschen sterben, integriert. Als Krankenhausstation stehen den Patienten einer Palliativstation einerseits alle Möglichkeiten eines Krankenhauses zur Verfügung, wie zum Beispiel ärztliche Versorgung zu jeder Zeit. Andererseits ist die räumliche Gestaltung meist wohnlicher und die Gesamtatmosphäre ruhiger als auf anderen Bettenstationen. In Deutschland verfügen inzwischen rund 15 Prozent der Krankenhäuser über eine der rund 350 Palliativstationen. Auf Palliativstationen werden Menschen mit einer fortgeschrittenen unheilbaren Krankheit aufgenommen, die unter erheblichen akuten Beschwerden leiden oder sich in einer erkrankungsbedingten psychosozialen Krise befinden. Sie müssen über ihren Krankheitszustand sowie ihre Prognose aufgeklärt und sich darüber im Klaren sein, dass hier keine krankheitsspezifische Therapie stattfindet. Ein erhöhter Pflegebedarf allein ist kein Aufnahmekriterium; jedoch können bestimmte Situationen, wie zum Beispiel exulzerierende Tumorwunden oder angstauslösende Atemnot, eine aufwändige Versorgung und damit eine Einweisung auf die Palliativstation notwendig machen. Wenn in der häuslichen Versorgung die Begleitung durch ein Team der Spezialisierten ambulanten Palliativversorgung nicht mehr ausreicht oder nicht verfügbar ist, ist eine Aufnahme im Akutfall ebenfalls möglich, um Patienten und Angehörige zu entlasten. Entscheidend ist die Notwendigkeit zusätzlicher palliativmedizinischer Maßnahmen mit dem Ziel, die Lebensqualität des Patienten zu erhalten oder zu verbessern. Nach erfolgreicher Behandlung der Beschwerden kann eine Entlassung in die gewohnte Umgebung angestrebt werden. In der Behandlung gelten die Prinzipien der Palliative Care; danach werden diagnostische, therapeutische und pflegerische Maßnahmen nur dann angewendet, wenn sie einerseits dem Willen des Betroffenen entsprechen und andererseits mit hoher Wahrscheinlichkeit eine positive Auswirkung auf seine Lebensqualität haben. Die Untersuchungen wie auch die Behandlung beschränken sich daher auf möglichst wenig belastende Verfahren. Durch medizinische, pflegerische und andere Maßnahmen, wie beispielsweise Physiotherapie oder psychologische Unterstützung, wird versucht, eine weitgehende Linderung der belastenden Symptome zu erreichen. Die durch das Zusammenleben der Patienten auf der Station ermöglichten sozialen Kontakte können zum Wohlbefinden der palliativmedizinisch Behandelten beitragen. Ziel ist, den Patienten anschließend zurück in das häusliche Umfeld zu entlassen, da die Aufenthaltsdauer – wie auch auf anderen Krankenhausstationen – zeitlich begrenzt ist. Vor der Entlassung organisiert der Sozialdienst die weitere Versorgung in Zusammenarbeit mit den Angehörigen und ist beim Stellen von Anträgen behilflich. Muss davon ausgegangen werden, dass nach der Entlassung ins häusliche Umfeld eine ähnliche medizinisch-pflegerische Versorgung wie auf der Palliativstation rund um die Uhr nötig ist, wird diese nach Verordnung und Absprache mit allen Beteiligten von einem Team der Spezialisierten ambulanten Palliativversorgung übernommen. Ist eine ausreichende Versorgung zuhause oder im Heim nicht möglich oder nicht gewünscht, wird die Verlegung in ein Hospiz vermittelt. Bei Wartezeit auf einen freien Hospizplatz wird der weitere Aufenthalt auf der Palliativstation in der Regel ermöglicht, was aber zu Schwierigkeiten mit der Kostenerstattung führen kann, wenn die Vorgaben des Kostenträgers für die längere Krankenhausbehandlung nicht erfüllt sein sollten. Sollte eine Entlassung oder Verlegung nicht mehr möglich sein, stellt die Palliativstation dem Sterbenden angemessenen Raum und Begleitung zur Verfügung. Palliativstationen sind in Deutschland als Akut-Stationen an Krankenhäusern realisiert und unterliegen dem dortigen Finanzierungssystem. Gesetzlich krankenversicherte Patienten müssen den für stationäre Versorgung üblichen Eigenanteil aufbringen. Die Finanzierung der wohnlichen Ausstattung einer Palliativstation und anderer Annehmlichkeiten kann der Krankenhausträger nicht aus dem Budget bestreiten, hierfür werden Spenden gesammelt. Um die Situation schwerkranker und sterbender Menschen auf ihren Allgemeinstationen zu verbessern, halten einige Krankenhäuser und Kliniken einen Palliativ-Konsiliardienst vor. Dieser Dienst besteht aus einem multiprofessionell zusammengesetzten Mitarbeiterteam. Die Kerngruppe des Teams setzt sich aus Medizinern und Pflegefachleuten zusammen, die über eine palliativmedizinische bzw. -pflegerische Weiterbildung verfügen. Erweitert wird das Team von Mitarbeitern aus dem Sozialdienst sowie Seelsorgern, Psychologen, Physiotherapeuten, Pharmazeuten, Schmerztherapeuten und Ernährungsberatern. Der Konsiliardienst kann für schwer erkrankte Krankenhauspatienten angefordert werden, die nicht auf einer Palliativstation versorgt werden können oder müssen. Er ermittelt den Bedarf an Palliative Care und berät anschließend vor allem das betreuende ärztliche und Pflegepersonal bezüglich der weiteren Vorgehensweise. Erst in zweiter Linie wendet sich der Dienst an den Patienten und dessen Angehörige. Durch die Weitergabe palliativer Prinzipien mittels der konkreten Arbeit, aber auch mit der Ausgestaltung interner Fortbildungsangebote verbreitet der Palliativ-Konsiliardienst das spezifische Wissen. Damit kann längerfristig eine Veränderung der Haltung innerhalb der Klinik bewirkt werden.
2024-11-22 16:05:53
https://de.wikipedia.org/wiki/Attische_Demokratie
Die attische Demokratie erlangte ihre vollständige Ausprägung im 5. Jahrhundert v. Chr., im Zeitraum zwischen den Perserkriegen und dem Peloponnesischen Krieg. Dies war zugleich die Zeit der größten Machtentfaltung Athens durch den attischen Seebund und durch eine darauf gegründete ökonomische Blüte und glanzvolle kulturelle Entfaltung, als deren imponierendstes Zeugnis die Bauten auf der Akropolis überliefert sind. Die attische Demokratie ist eine frühe Vorläuferin einer auf dem Prinzip der Volkssouveränität basierenden politischen Ordnung. Mit ihr wurde ein Verfassungstypus entwickelt, der allen Bestrebungen zur Ausweitung direktdemokratischer Ansätze als Modell und geschichtliche Erfahrung dienen konnte und kann. Auch in der Epoche ihrer Vollendung bot die attische Demokratie allerdings nur einem Teil der Bevölkerung Attikas das Recht zur politischen Partizipation. Frauen, Sklaven und Metöken waren davon ausgeschlossen. Das Bürgerrecht war einerseits sehr exklusiv und wurde Externen nur in Einzelfällen verliehen; abgesehen von wenigen Ausnahmen besaßen nur Männer, deren beide Eltern bereits Bürger Athens gewesen waren, alle politischen Rechte. Diese registrierten Vollbürger waren andererseits auf allen politischen Entscheidungsebenen großteils im Losverfahren mitwirkend beteiligt. Eine Gewaltenteilung im modernen Sinne existierte nicht; der Macht der Volksversammlung waren kaum Schranken gesetzt. Die Entwicklung der Polis Athen zur Demokratie vollzog sich in einem über gut zwei Jahrhunderte langen und keineswegs gradlinigen oder zielgerichteten Prozess. In der Geschichte Athens kam es nach der Beseitigung des Königtums zunächst zur Oligarchie der Adelsgeschlechter. Schließlich führten verschiedene strukturelle Reformen zur Herausbildung der klassischen attischen Demokratie. Von ihrer 2500 Quadratkilometer umfassenden Ausdehnung und der Größe der Bürgerschaft abgesehen, hob sich Athen als Polis bis zum Beginn des 6. Jahrhunderts v. Chr. von anderen griechischen Stadtstaaten nicht sonderlich ab. Auch die zu dieser Zeit sich verschärft einstellenden sozialen Spannungen in Athen waren in anderen Poleis bereits aufgetreten und hatten dort nicht selten die Herrschaftsform der Tyrannis begünstigt. Originell und von langfristiger Bedeutung dagegen waren die in Athen zur Krisenbewältigung eingeschlagenen Wege, die zu institutionell abgesicherter Mitverantwortlichkeit der Bürger für das Gemeinwesen führten. Bis zu dieser Wende entsprachen die Herrschaftsverhältnisse in Athen weitgehend dem gängigen Muster, das auch in anderen griechischen Stadtstaaten praktiziert wurde: Seit der Ablösung der Monarchie lag die Führung in der Hand von Adelsgeschlechtern , die die Macht in jährlich neu zu besetzenden Ämtern aufteilten. Herausgehobene Posten bekleideten die neun Archonten , darunter einer, der dem Jahr den Namen gab , ein oberster Kultbeamter , der militärische Oberbefehlshaber und sechs Thesmotheten für die Rechtspflege. Die Ämtervergabe und Kontrolle der Amtsausübung besorgte der Areopag, ein Adelsrat. Für besonders wichtige Entscheidungen – vor allem über Krieg und Frieden – konnten Volksversammlungen abgehalten werden. Die soziale Organisation der Polisbewohner fand zu dieser Zeit hauptsächlich in den Kultverbänden der Phratrien statt, an deren Spitze ebenfalls Adelsfamilien standen. Die Eupatriden stellten über die Kulte in diesen Verbänden nicht nur die für alle bedeutsamen Beziehungen zu den Göttern her, sondern hatten in den Phratrien auch geeignete Reservoire für die Ausbildung der eigenen Klientel. Die Ursachen von sozialen Spannungen standen im Zusammenhang mit den Veränderungen, die die griechische Kolonisation an den Küsten des Mittelmeers und des Schwarzen Meers bewirkt hatte. Dazu gehörte ein starkes Bevölkerungswachstum in vielen Poleis, das durch die Gründung von Kolonien im gesamten Mittelmeerraum abgefedert wurde. In der Folge kam es zur Intensivierung des Seehandels und mancherorts zu einer Veränderung der landwirtschaftlichen Strukturen, so auch in Attika. Wein- und Olivenanbau für den Export wurden nun lukrativ, während die bis dahin dominierenden Getreidegroßproduzenten unter Druck gerieten und um ihren Einfluss fürchteten. Leidtragende der Entwicklung aber waren hauptsächlich Kleinbauern. An ihnen und ihren Anbauflächen suchten sich die Eupatridai schadlos zu halten. In der Folge gerieten immer mehr von ihnen in Schuldknechtschaft und wurden, da sie mit ihrem eigenen Leib hafteten, teils Sklaven anderer athenischer Vollbürger und als solche auch zum Teil ins Ausland verkauft. Der Zusammenhalt der Polisgesellschaft war demnach zu Beginn des 6. Jahrhunderts v. Chr. in Athen massiv bedroht, ebenso die Wehrkraft, da das Hoplitenheer auf das freie Bauerntum gegründet war. In dieser Lage wurde Solon 594/93 v. Chr. zum Archonten gewählt und von der zerstrittenen Bürgerschaft als Schlichter bzw. Versöhner berufen. Umfang und Tragweite von Solons Reformwerk lassen auf das existenzbedrohende Ausmaß der Krise schließen, die Athen erfasst hatte. Offenbar wurde Solon für die Umsetzung seiner Pläne freie Hand gelassen. Seine Absicht war zwar keine demokratische Ordnung, aber der Abbau überkommener Vorrechte alter Adelsfamilien zugunsten eines breiteren Mitwirkungsrechts der athenischen Bürgerschaft. Ein Kennzeichen der Reformen des Solon waren die Maßnahmen zur Wiederherstellung des freien Kleinbauerntums, die Beseitigung der Schuldknechtschaft durch Schuldenannullierung und den Ausschluss der Haftung mit dem Leib für die Zukunft . In seinem Bemühen, vergangenes Unrecht auszugleichen und eine gute und gerechte Ordnung der Polis neu zu begründen, sorgte Solon auch für den Rückkauf jener Athener, die wegen Schuldendienstrückständen auswärtig als Sklaven weiterverkauft worden waren. Außerdem begrenzte er den Grundbesitz auf ein Höchstmaß. Dies sollte die Erhaltung von kleineren Bauernhöfen begünstigen. Tatsächlich zeigte sich auf lange Sicht, dass der Landbesitz in Athens klassischer Zeit ungewöhnlich gleichmäßig verteilt war. Um die so restaurierte Bürgerschaft, den Demos, vor Fehlentwicklungen künftig besser zu bewahren, schuf Solon ein umfängliches Gesetzeswerk mit Verfassungscharakter. Dabei konnte er an Ansätze zur Rechtskodifizierung unter Drakon anknüpfen, der als Archon 621 v. Chr. eine Krise der Polis durch harte Strafgesetze hatte eindämmen wollen . Solons Ansatz jedoch zielte auf Beteiligungsrechte und -pflichten der Bürger in wichtigen Angelegenheiten der Polis. Die gewachsenen Strukturen der politischen Machtverteilung wurden dabei weitgehend berücksichtigt, indem Ämterzugang, militärische Dienstpflicht mit Selbstausrüstung und eventuelle steuerartige Abgaben gestaffelt nach Vermögensklassen vorgegeben wurden : Neben dem aus ehemaligen Archonten zusammengesetzten Areopag, der weiterhin für die Blutgerichtsbarkeit, für die Kontrolle der Amtsträger und die Sittenaufsicht zuständig blieb, heißt es in Überlieferungen aus dem späten 5. Jahrhundert v. Chr., dass Solon einen „Rat der Vierhundert“ gegründet habe, der ähnliche Funktionen hatte wie der später durch Kleisthenes gegründete „Rat der 500“. Es sollen hier zum Beispiel Beschlussanträge für die Volksversammlung vorberaten worden sein. Die Funktionen des angeblich durch Solon gegründeten Rates sind nur bei Plutarch überliefert und die Quellen für seine Existenz tauchen erst während der revolutionären Situation im Jahre 411 v. Chr. auf. Durch die Einrichtung des Volksgerichts , dessen Geschworene sich aus Angehörigen aller Klassen zusammensetzten, war auch in der Rechtsprechung ein Gegengewicht zum Areopag geschaffen und breite Partizipation angelegt. Die Heliaia fungierte wohl als Appellationsgericht, bei dem gegen Zwangsmaßnahmen von Amtsträgern geklagt werden konnte. Ein Mittel zur Aktivierung der Bürgerschaft war auch die Popularklage, die es jedem Bürger ohne irgendeine amtliche Funktion ermöglichte, bei Verstößen gegen die öffentliche Ordnung Anklage vor Gericht zu erheben. Es ist bezeichnend für die Aura des Vaters der attischen Demokratie, die Solon noch Jahrhunderte nach seinem Ableben umgab, dass Aristoteles wie auch Plutarch ihm das – tatsächlich wohl erst am Ende des 5. Jahrhunderts v. Chr. entstandene – Stasis-Gesetz zuschrieben, das jeden Bürger verpflichtete, bei massivem Streit in der Polis für eine Seite Partei zu ergreifen. Und es war durchaus im Geiste Solons, dass Perikles in den Anfängen des zweiten Peloponnesischen Krieges vor seinen Mitbürgern sagen konnte, dass einzig in Athen ein an politischen Fragen keinen Anteil nehmender Bürger nicht als ein stiller, sondern als ein schlechter angesehen werde. Die genannten und eine Vielzahl weiterer gesetzlicher Regelungen Solons wurden auf großen, drehbaren Holztafeln auf der Akropolis ausgestellt. Dem Urheber war daran gelegen, dass sie fernerhin ohne ihn zur Anwendung und Wirkung gelangen sollten. Deshalb begab sich Solon nach Vollendung des Reformwerks für 10 Jahre auf Reisen außer Landes. Die Tyrannis, die er für sich selber ausgeschlagen hatte, begegnete ihm dann noch vor seinem Tode 558 v. Chr. in Gestalt des Peisistratos in seiner Heimatstadt. Während der Tyrannis des Peisistratos und seiner Söhne, der Peisistratiden Hipparchos und Hippias, wurden Solons Gesetze nur zum Teil angewendet. Doch die Fundamente der staatlichen Ordnung, die Solon gelegt hatte, überdauerten und wurden im späten 6. Jahrhundert v. Chr. für die Schaffung eines demokratischen Systems in Athen tragfähig. Nachdem die 51 Jahre währende Tyrannis der Peisistratiden 510 v. Chr. beseitigt war, stellte Kleisthenes nach dem Richtungssieg gegen seinen Konkurrenten Isagoras ab 508 die von Solon eingeleitete Institutionalisierung politischer Partizipationsmöglichkeiten auf eine neue Grundlage. Die Neugliederung der Bürgerschaft, die Kleisthenes mit Unterstützung der Volksversammlung auf den Weg brachte, vermochte unter dem eingängigen Begriff der Isonomie, der politischen Gleichberechtigung, anscheinend wichtige Teile der Bürgerschaft zu mobilisieren, insbesondere als einflussreiche Adlige dagegen Front machten und dafür von Sparta zeitweise militärische Unterstützung erfuhren. Die kleisthenischen Reformen, die schließlich auf Dauer erhalten blieben, beruhten auf einer territorialen Neugliederung der attischen Polis mit dem Ziel, die Bürgerschaft zu durchmischen und politisch zusammenzuschweißen. Dazu unterteilte Kleisthenes Attika in drei Großregionen: das städtische Siedlungsgebiet einschließlich des Piräus, das Binnenland und das übrige Küstengebiet. Jede dieser Regionen wurde wiederum in zehn Teilgebietskörperschaften unterteilt, sodass sich eine Gesamtzahl von 30 Trittyen ergab. Aus den bis dahin existierenden vier Phylen machte Kleisthenes zehn gänzlich neue, indem er je drei Trittyen aus den unterschiedlichen Großregionen zu einer Phyle zusammenfasste. Dadurch wurden systematisch Bürger unterschiedlicher Herkünfte und Alltagserfahrung zu einem politischen und militärischen Großverband zusammengebunden und die bis dahin dominierenden Adelsgeschlechter in ihren Einflussmöglichkeiten geschwächt. Solons Rat der 400 wurde in einen Rat der 500 umgewandelt, in den jede Phyle 50 Mitglieder entsandte. Theoretisch war der Zugang unabhängig von der Einkommensklasse, also auch die Theten durften in den Rat einziehen. Da es jedoch in den Demen eine Vorauswahl der Kandidaten durch den Demarchen gab, unter denen dann das Los entschied, waren die Theten im Nachteil, denn dieser orientierte sich doch an der Schichtzugehörigkeit. Die einzelnen Demen wurden weitgehend unter Selbstverwaltung gestellt, womit in ganz Attika auch auf lokaler Ebene politische Partizipation angeregt und institutionalisiert wurde. Der vor allem für Athen günstige Verlauf und Ausgang der Perserkriege war zweifellos geeignet, die Neuordnung der Polisgesellschaft zu festigen und die sie tragenden Kräfte zu bestätigen. Die mittleren Vermögensklassen konnten ihre Einflussmöglichkeiten über den Rat der 500 und die Volksversammlung ausbauen; die Mobilisierungsbereitschaft und die militärischen Erfolge stärkten das Selbstbewusstsein der Bürgerschaft und sprachen dafür, auf dem eingeschlagenen Weg der Erweiterung politischer Beteiligungsmöglichkeiten und -pflichten voranzugehen. Seit 487 v. Chr. gelangten die Archonten durch ein Losverfahren, das über die zugelassenen Kandidaten aus den beiden ersten Vermögensklassen entschied, in ihre Ämter. Damit verlor das Archontat an Ansehen und Gewicht. In demselben Jahr fand erstmals in der Volksversammlung ein Scherbengericht statt, das in den folgenden Jahren häufiger ausgerufen wurde. Jährlich konnte, wenn die Mehrheit sich in der Ekklesia dafür aussprach, ein athenischer Bürger für 10 Jahre verbannt werden. Dieses vielleicht bereits im Zusammenhang der kleisthenischen Reformen eingeführte Verfahren ermöglichte der Volksversammlung die Verbannung eines auffallend Ehrgeizigen oder politischen Störenfrieds für zehn Jahre aus Attika. Was vermutlich als Vorkehrung gegen eine neue Tyrannis angelegt war, wurde in der Praxis zu einem politischen Regulativ, das eine persönliche Vorrangstellung in Athen auch programmatisch an das Einverständnis einer Mehrheit in der Volksversammlung band. Zwar waren es noch immer Exponenten der Adelsgeschlechter, die die politische Szene beherrschten; erfolgreich konnten auf Dauer aber nur diejenigen sein, die mit ihren Umgangsformen und Konzepten in der Mitte der Bürgerschaft nicht auf Ablehnung stießen. Nachdem 480 v. Chr. Athen die Seeschlacht bei Salamis gewonnen hatte und die Perser 479 in der Schlacht von Plataiai von den vereinten griechischen Streitkräften auch zu Lande geschlagen und in die Flucht gezwungen worden waren, ergab sich eine zusätzliche Verschiebung der gesellschaftlichen Kräfte in der attischen Polis. Athen war durch das Flottenrüstungsprogramm des Themistokles zur bedeutendsten Seemacht des Mittelmeeres geworden. Im militärischen Bereich waren neben die berittenen beiden ersten solonischen Vermögensklassen und die das Hoplitenheer stellende dritte Vermögensklasse auch noch die Theten mit nur geringem Einkommen getreten, die als Ruderer auf den Trieren gebraucht wurden. Auch deren alsbald deutlicher hervortretende politische Interessen galt es künftig zu berücksichtigen. Denn mit der Gründung des gegen die Perser gerichteten delisch-attischen Seebunds 478/77 v. Chr. kam es zu einer dauerhaften Festigung der Bedeutung und des Einflusses der Theten. Nach einer den Perserkriegen folgenden, fast zwei Jahrzehnte währenden Phase der Konsolidierung, in der die attische Politik noch von den im Areopag konzentrierten Adelsgeschlechtern wesentlich bestimmt war, bildete sich – sicher mit wesentlicher Unterstützung der untersten Vermögensklasse – die attische Demokratie voll aus. Die Theten vor allem waren es, die ein Interesse daran haben konnten, von dem unter Kimon gepflegten Kurs außenpolitischer Mäßigung abzugehen und die Potentiale der attischen Seemacht voll auszureizen. Kimon hatte es verstanden, die Seebundinteressen und -aktivitäten Athens mit guten Beziehungen zu Sparta, der führenden griechischen Landmacht, zu verbinden. Als er aber 462 v. Chr. mit 4000 Hopliten einem spartanischen Hilfegesuch im 3. Messenischen Krieg auf der Peloponnes nachkam, verschoben sich die Gewichte in der Volksversammlung entscheidend, und Kimons Gegenspieler Ephialtes konnte eine Verfassungsreform durchsetzen, die den Areopag entmachtete und die entwickelte attische Demokratie einleitete: Überprüfung und Kontrolle der Beamten wurden dem Areopag entzogen. Dokimasie und Euthynie sowie die allgemeine Aufsicht über die Beamten gingen auf Ausschüsse des Rats der 500 über. Die strafrechtliche Aufsicht über Privatpersonen und Beamte ging auf die Volksgerichte über. Im Vorfeld der von Ephialtes betriebenen Entmachtung des Areopags war der gut 30-jährige Perikles als einer von mehreren Anklägern gegen Kimon aufgetreten, der als Stratege die Wahrnehmung der Seebundinteressen aus der Sicht seiner Gegner zuletzt nicht offensiv genug wahrgenommen hatte. Kimon wurde freigesprochen, aber bald nach dem demokratischen Umsturz ostrakisiert. Nachdem andererseits Ephialtes von Widersachern ermordet worden war, entwickelte sich mit den Jahren Perikles mehr und mehr zum sprachmächtigen ersten Interessenanwalt der Demokratieanhänger unter den Bürgern. Perikles hatte wohl bereits früh das politische Vermächtnis des Kleisthenes – seine Mutter war dessen Nichte – angenommen und es an der Seite des Ephialtes demokratisch gedeutet. Unter seiner Ägide wurde 457 v. Chr. das politische Engagement der Bürger mit nur geringem Einkommen durch die Einführung von Diäten auf eine materielle Basis gestellt. Für Mitglieder der Volksgerichte gab es einen Richtersold, der bis 425 v. Chr. von einer über zwei auf drei Obolen für jeden Sitzungstag stieg. Ratsmitglieder im Rat der 500 empfingen einen Ratssold in doppelter Höhe des Richtersolds. Weiterhin entschied das Losverfahren darüber, wer unter den Kandidaten für ein Jahr Mitglied des Rates wurde. Insgesamt war das aber nur zweimal im Leben – und nicht unmittelbar anschließend – zulässig. Durch ein von Perikles eingebrachtes Bürgerschaftsgesetz war seit 451 v. Chr. dafür gesorgt, dass der Kreis derjenigen, die als Bürger in politische Ämter gelangen und Diäten empfangen konnten, auf diejenigen begrenzt blieb, die sowohl väterlicher- wie mütterlicherseits von Athenern abstammten. Damit war zugleich eine weitere politische Schwächung adliger Geschlechter verbunden, die Ehen über die Polisgrenzen hinaus eher eingegangen waren als die einfachen Bürger. Zudem ließen sich dadurch außenpolitische Interessenkonflikte in der Bürgerschaft besser vermeiden. Auf diese Weise ergab sich für Perikles in der Volksversammlung eine stabile politische Basis, mit deren Unterstützung er u. a. das große Bauprogramm auf der Akropolis umsetzen konnte, das den neuen Vormachtanspruch Athens in Griechenland auch nach außen glanzvoll zur Geltung brachte. Vom aufwändigen Lebensstil der großen Adelsgeschlechter, zu denen er als Spross der Alkmeoniden gehörte, grenzte Perikles sich ab, indem er den Eindruck vermittelte, ganz in den Staatsgeschäften aufzugehen. Dies wird zu seiner drei Jahrzehnte währenden Sonderstellung beigetragen haben, die z. B. darin zum Ausdruck kam, dass er von 443 v. Chr. an Jahr für Jahr zu einem von zehn Strategen gewählt wurde, die aus der Phylenordnung hervorgingen. Bei diesen militärischen Führungsstellen handelte es sich um das letzte politisch bedeutende Wahlamt , nachdem für alle anderen das Losverfahren galt. Das ehedem besonders einflussreiche Amt des Archonten dagegen wurde nicht nur durch Los vergeben, sondern war seit 458 v. Chr. auch für Zeugiten zugänglich, so dass nur die Theten, die ihre Militärausrüstung nicht selbst finanzierten, dieses Amt nicht bekleiden konnten. Der Reaktivierung des Areopags als politischer Interessenvertretung der Adelsgeschlechter war damit zusätzlich ein Riegel vorgeschoben. In den äußeren Beziehungen ging mit der Demokratisierung Athens eine Verstärkung des attischen Vormachtstrebens einher. Korinth und mit ihm die peloponnesische Vormacht Sparta wurde herausgefordert, als Athen mit dem benachbarten Megara gegen Korinth gemeinsame Sache machte. Eine über sechs Jahre sich hinziehende Auseinandersetzung war die Folge . Eine ägyptische Expedition der attischen Flotte scheiterte 455 bei dem Versuch, die Perser in ihrem Machtbereich durch die Unterstützung Aufständischer zu schwächen. 454 v. Chr. wurde auf Beschluss der Athener Volksversammlung die Kasse des delisch-attischen Seebunds von Delos nach Athen verbracht und Athene zur Schutzgöttin des Seebunds gemacht, an die nun jedes Mitglied ein Sechzigstel seines Bündnisbeitrags abzuführen hatte. Später wurden auch für das Bauprogramm auf der Akropolis Bundesgelder abgezweigt. Von 446 v. Chr. an wurden Kapitalverbrechen im gesamten Hoheitsgebiet des Seebunds vor Athener Volksgerichten verhandelt; die Bündner wurden nicht mehr als Kampfgenossen , sondern als Untertanen behandelt. Innere und äußere Entwicklung Athens in der Ära des Perikles standen in engem Zusammenhang: Die wachsende militärische Bedeutung der Theten als Schiffsbesatzungen seit der Seeschlacht von Salamis und im Zuge des Ausbaus der attischen Seemacht hatte das politische Gewicht der Bürger mit geringem Einkommen und die Demokratisierung vorangetrieben. Ihr politischer Aufstieg wiederum führte dazu, dass die auf Absicherung und Ausweitung von Athens Vormachtstellung zur See gerichteten Interessen in den Beschlüssen der Volksversammlung mehr und mehr durchschlugen. Die Friedensvereinbarungen mit Persien 449 v. Chr. und mit Sparta 451 und 446 v. Chr. änderten an dieser Grundkonstellation nichts. Zu den beachtenswerten Aspekten dieser direkten Demokratie zählt gerade auch im Vergleich mit anderen überlieferten Formen gesellschaftspolitischer Organisation die Dauer ihres Bestehens. Zwischen dem Beginn der entwickelten attischen Demokratie 462/61 v. Chr. und ihrem vorläufigen Ende 322 v. Chr. hat sie fast eineinhalb Jahrhunderte bestanden und hätte ohne die sie beseitigende makedonische Vorherrschaft darüber hinaus fortbestehen können. Das über den genannten Zeitraum im Kern unveränderte institutionelle Grundgefüge hat sich – ungeachtet zum Teil problematischer struktureller Voraussetzungen – demnach als sowohl funktionstüchtig als auch stabil erwiesen. Wegen der Beschränkung auf männliche Vollbürger schloss die seit der Entmachtung des Areopags auf allen Ebenen durchgesetzte Volkssouveränität nur eine Minderheit der Bewohner Attikas ein, für die es nur Schätzwerte gibt. Es mochten an die 40.000 im 5. Jahrhundert v. Chr. sein , die das Recht besaßen, in der Volksversammlung mitzuwirken und die für Aufgaben in der Selbstverwaltung der Demen, in den Volksgerichten, im Rat der 500 und ab einem Alter von 30 Jahren in den verschiedensten Ämtern in Frage kamen. Seit 451/50 v. Chr. galt zudem die Voraussetzung, dass beide Eltern Athener sein müssen. Bei einer geschätzten Einwohnerzahl zwischen 200.000 und 300.000 Einwohnern gab es nur etwa 30.000 bis 50.000 Vollbürger. Außer den etwa 700 Bürgern in den verschiedenen Ämtern, die unmittelbar Attika selbst betrafen, waren zu Zeiten des Seebunds ähnlich viele Athener in den Ämtern für die Seebundangelegenheiten beschäftigt. Zuzüglich der 500 Ratsmitglieder und der 6000 Geschworenen, die im Gerichtswesen zum Einsatz kamen, waren jährlich annähernd 8000 Bürger in den öffentlichen Funktionen der Polis Athen tätig. Während Ekklesia und Volksgerichte als unmittelbare Vollzugsorgane des Volkswillens aufgefasst wurden und den an ihnen beteiligten Bürgern Immunität im Hinblick auf getroffene Entscheidungen gewährt wurde, galt dies für Ratsmitglieder und Inhaber von Ämtern – egal ob gewählt oder erlost – nicht. Sie waren in ihren Funktionen Diener des Volkes, unterlagen der Rechenschaftspflicht und konnten gerichtlich belangt und bestraft werden. Die Volksversammlung war die über allem stehende Kerninstitution der attischen Demokratie und war in klassischer Zeit umfassend zuständig: unter anderem für die Gesetzgebung , für die Entscheidung über Krieg und Frieden, für die Wahlen in nur mehr wenige Wahlämter und für die Entlastung der Amtsträger nach Beendigung des Amtes. Sie bestimmte über Steuern und Bürgerrechtsverleihung sowie über die Organisation des öffentlichen Lebens überhaupt. Die Volksversammlung brachte Strafverfahren und Hochverratsprozesse in Gang, sicherte durch ihre Beschlüsse die Nahrungsmittelversorgung der Stadt und bestimmte über die Vergabe öffentlicher Arbeiten. Um sicherzustellen, dass die Volksversammlung als größtmögliches Beschlussgremium tatsächlich herrschte, musste sie mindestens drei- bis viermal im Jahr zusammengerufen werden. Die Zugangsberechtigung zur Volksversammlung erlangten die Athener, sobald sie nach Ableistung des Militärdienstes als Epheben mit 20 Jahren in der Bürgerliste ihrer jeweiligen Demen eingeschrieben waren. In der Praxis wurde dieses Mitwirkungsrecht jedoch hauptsächlich von denen ausgeübt, die im engeren Einzugsbereich des städtischen Siedlungskerns wohnten; andere ließen sich wohl nur gelegentlich und bei ganz wichtigen Problementscheidungen durch einen langen Hin- und Rückweg zur Pnyx nicht von der Teilnahme abhalten. Für Bürger, die bis zu 70 Kilometer vom Versammlungsort entfernt wohnten, war sie praktisch unzumutbar erschwert; immerhin wurde seit ca. 400 v. Chr. ein Tagegeld für alle Teilnehmer gezahlt. Grundlegende Beschlüsse waren an ein Quorum von 6.000 Stimmen gebunden. So galten bereits 6000 Teilnehmer als „das Volk in Fülle“, das seine Beschlüsse meist in Form des Handaufhebens fasste. Auch der Ostrakismos war an dieses Quorum gebunden; zugleich war das die jährliche Anzahl an Bürgern, die den Volksgerichten als Geschworene dienten. Jeder in der Volksversammlung Anwesende war nicht nur abstimmungsberechtigt, sondern besaß auch gleiches Rederecht – ein besonders herausgehobenes Merkmal seiner Freiheit in der Demokratie. Um einen geordneten Ablauf der maximal von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang währenden Ekklesia zu gewährleisten, musste strikt zu der auf der Tagesordnung anstehenden Sache gesprochen werden und durfte sich jeder Redewillige nur einmal zum jeweiligen Gegenstand äußern. Auch davon wurde angesichts sehr verschiedener Temperamente und Talente nur eingeschränkt Gebrauch gemacht, sodass letztlich die versierten Redner sich hauptsächlich hervortaten und als Demagogen wirkten . Das tagespolitische Geschäft lag in den Händen des Rates der 500 , der mit seiner permanenten Aufsichtsfunktion über die Beamten, seinen aus Vorberatungen resultierenden Beschlussanträgen für die Volksversammlung und seiner Zuständigkeit für die laufenden innen- und außenpolitischen Angelegenheiten der Dreh- und Angelpunkt dieses demokratischen Gemeinwesens war. Tagesordnung und Beschlussanträge für die Volksversammlung wurden im Rat festgelegt. Damit kam ihm auch formal eine zentrale Funktion im Verfassungsgefüge Athens zu, denn eine Abstimmung in der Volksversammlung war nur möglich, wenn ein Antrag des Rates vorlag. Die – wie alle Amtsinhaber – mindestens 30-jährigen Ratsmitglieder wurden unter freiwilligen Kandidaten der Demen erlost. Seit der kleisthenischen Phylenreform waren im Rat alle attischen Demen im Verhältnis zur jeweiligen Bevölkerungszahl ständig vertreten. Die aus der Phylenordnung abgeleitete Zusammensetzung und Organisationsweise bestimmten auch den Tagungsrhythmus der Ekklesia. Den zehn Phylen entsprechend war das Jahr in zehn Abschnitte gegliedert, in denen die 50 Vertreter je einer Phyle den Ratsvorsitz und die laufende Geschäftsführung innehatten . Unter ihrer Ägide hatte jede Prytanie eine Hauptversammlung des Volkes abzuhalten und durchschnittlich drei weitere Ekklesien. Die bis auf Feiertage täglich zusammenkommenden Ratsmitglieder erhielten für ihre Tätigkeit eine Aufwandsentschädigung. Neben der Prytanie als ständiger Einrichtung konnte der Rat der 500 bei Bedarf weitere beratende Ausschüsse einsetzen. Aus ihrer Mitte bestimmten die Prytanen einen täglich wechselnden Vorsitzenden, den Epistates, der für einen Tag und eine Nacht als der offizielle Repräsentant Athens amtierte. Er hatte die Ratssitzungen und ggf. die Volksversammlung zu leiten. Für den Tag seiner Amtsausübung waren ihm zudem die Schlüssel zu den Heiligtümern, in denen die Schätze und Urkunden der Stadt verwahrt wurden, sowie das öffentliche Siegel anvertraut. Niemand durfte mehr als einmal während einer Prytanie als Epistates fungieren. Wie die Mitgliedschaft im Rat der 500 wurden auch die zahlreichen Ämter größtenteils per Los unter jenen Athenern vergeben, die sich dafür zur Verfügung stellten und ihr Bürgerrecht nachweisen konnten. Die Bereiche, auf die sich das Ämterwesen erstreckte ähnelten denen heutiger staatlicher Verwaltungen. Allerdings waren die Zuständigkeiten auf viele verteilt und für den einzelnen Amtsinhaber eng begrenzt, sodass mangelnde Qualifikation speziell in den Losämtern durch Überschaubarkeit und rasche Einarbeitung kompensiert werden konnte. Von vergleichsweise wenigen Funktionen abgesehen, konnte praktisch jeder Bürger jede Beamtenposition besetzen. Möglich war dies, indem die Amtszeit auf maximal ein Jahr begrenzt und eine zweite Kandidatur für dasselbe Amt ausgeschlossen war. Das mit der Phylenordnung gekoppelte Kollegialitätsprinzip, das die gemeinsame Zuständigkeit von 10 oder 20 Amtskollegen für einen Zuständigkeitsbereich mit sich brachte, begünstigte die Aufgabenteilung. Persönlichem Karrierestreben konnte diese Art der Ämterorganisation – mit Zulosung, Annuität und Nichtwiederholbarkeit derselben Funktion – keinen Vorschub leisten. Der Besoldung der Amtsinhaber stand die regelmäßige Prüfung und Bestätigung der Korrektheit ihrer Amtsführung durch eine „Hauptvolksversammlung“ nach jedem Zehntel eines Jahres gegenüber. Davon unabhängig bestand jederzeit die Möglichkeit einer Anklage wegen des Verdachts schwerer Vergehen wie Verrat, Bestechlichkeit oder Täuschung des Volkes. Umso bemerkenswerter ist, dass zu keinem Zeitpunkt eine Situation entstand, in der das Ämterwesen mangels freiwilliger Kandidaten nicht mehr funktionierte. Die Wertschätzung dieser demokratischen Ordnung unter den sie konstituierenden Vollbürgern und die fortlaufende Einübung dieser Ordnung setzten anscheinend so viel Gemeinsinn und Partizipationsbereitschaft frei, dass die zu ihrem Bestehen notwendigen politischen Aktivitäten quasi selbstverständlich erbracht wurden. Neben ca. 600 Losämtern gab es ungefähr 100 Wahlämter, in die wegen ihrer Bedeutung für die Polis Unqualifizierte nicht gelangen sollten. Hier sollten vielmehr die Bestgeeigneten zum Zuge kommen. Zu den gewählten Beamten zählten die Taxiarchen , die Hellenotamiai , die Schiffbaumeister und Architekten, später auch die für die öffentlichen Brunnen und Wasserleitungen Zuständigen. Einige Ämter durften nur mit vermögenden Bewerbern besetzt werden, so die höchsten Beamten der Finanzverwaltung, die bei Verfehlungen aus Eigenmitteln haftbar gemacht werden konnten. Das wegen seiner militärischen Bedeutung herausragende Wahlamt des Strategen, das parallel an 10 Athener vergeben wurde, versprach durch jährliche Wiederwahlmöglichkeit einerseits erheblichen politischen Einfluss, konnte aber bei Erfolglosigkeit im Krieg auch zu Verbannung oder Tod führen, wenn in Hochverratsprozessen ein entsprechendes Urteil erging. Ebenso wie das Volk in der Ekklesia als demokratischer Souverän entschied, übte es in den aus ihr hervorgegangenen Volksgerichten die Rechtsprechung aus. Beide Organe verkörperten jeweils das Volk als Ganzes und überlappten auch weiterhin personell, sodass Gerichtssitzungen und Volksversammlungen nicht an denselben Tagen angesetzt werden durften. Die Klagegegenstände wurden unterschieden nach privaten, die der Geschädigte vorzubringen hatte, und öffentlichen, die ganze Polis betreffenden, für die im Sinne der Popularklage jeder Bürger Athens als Ankläger in Frage kam. Für die Klageannahme waren je nach Sachgebiet die verschiedenen Archonten zuständig, die im demokratischen Zeitalter aber nicht mehr zu urteilen hatten, sondern lediglich die formale Leitung des Verfahrens in den Prozessen der jeweiligen Geschworenengerichte ausübten. Die Gerichtshöfe waren je nach Art und Bedeutung des Verfahrens mit 201, 401 oder 501 Geschworenen ausgestattet, in wichtigen politischen- und Hochverratsverfahren auch mit einem Mehrfachen der 500, die für Fälle der Popularklage vorgeschrieben waren. In Bagatellfällen, in denen die Rechtsprechung teils noch bei Amtsträgern lag, konnten die Geschworenengerichte als Berufungsinstanz angerufen werden. Der Vortrag zu Sachverhalten und Gesetzeslage sowie die Anträge zum Urteil waren Sache der Parteien. Kläger und Beklagter trugen nacheinander ihre Sachdarstellung sowie Rechtsgründe und Beweismittel vor und hatten je noch einmal Gelegenheit zur Erwiderung. Der Umfang der Einlassungen beider Parteien war durch den Einsatz von Wasseruhren auf die dem Prozessgegenstand angemessene Verhandlungsdauer begrenzt. Die Schuldfrage beantworteten die Heliasten in geheimer Abstimmung lediglich mit Ja oder Nein. Die einfache Mehrheit entschied; bei Stimmengleichheit unterlag der Kläger. Sofern das Strafmaß nicht bereits gesetzlich festlag, wurde nach entsprechendem Vorbringen beider Parteien in einem zweiten Abstimmungsgang darüber entschieden, ob die vom Kläger oder die vom Beklagten beantragte Strafe zu vollstrecken war. Die Richter wurden in einem komplizierten Verfahren aus 6.000 athenischen Bürgern ausgelost, die über 30 Jahre alt sein mussten und für das jeweilige Jahr den Heliasteneid geschworen hatten. Sie waren verpflichtet, sich nach den geltenden Gesetzen sowie den Beschlüssen von Rat und Volksversammlung zu richten; Entscheidungen nach ungeschriebenem Recht oder nach Billigkeit waren ihnen nicht erlaubt. Im Prozess blieben die Geschworenen passiv, Beratungen zur Urteilsfindung untereinander gab es nicht. Jeder Prozess musste innerhalb eines Tages abgeschlossen sein. Für Verhandlung und Urteil in der Popularklage standen generell 9 ½ Stunden zur Verfügung; in Privatklagen konnte das zuständige Gericht bis zu 4 Verfahren pro Tag bearbeiten. Einer missbräuchlichen Ausweitung der ohnedies regen Inanspruchnahme dieser Volksgerichte wurde begegnet, indem mit hohen Geldstrafen und künftigem Klageverbot in gleichartiger Sache belegt wurde, wer nicht wenigstens ein Fünftel der Richterstimmen als Klagebestätigung erhielt. Die Tagesgelder für die Geschworenen wurden aus Gerichtsgebühren und Strafgeldern gespeist. Das von Kagan gemeinte Kraftpotential zeigte sich vielleicht gar nicht in erster Linie in der innenpolitischen Festigung des demokratischen Bewusstseins und Institutionengefüges, sondern – wie bereits Thukydides bei der Ursachenforschung zum großen Peloponnesischen Krieg festgehalten hat – im Auftrumpfen nach außen, das letztlich auch die peloponnesische Vormacht Sparta herausfordern musste und die Rivalität auf einen Entscheidungskampf beider griechischen Großmächte zutrieb. Die 431 v. Chr. begonnene und mit Unterbrechungen fast drei Jahrzehnte andauernde Auseinandersetzung hat Athen in seiner äußeren Machtentfaltung zwar nachhaltig geschwächt; die demokratische Verfassung der Polis ist daran aber trotz Zeiten schwerer Krisen nicht gescheitert. Nur während zweier relativ kurzer Episoden haben sich oligarchische Regime ihr gegenüber durchsetzen können. Bereits in den ersten Kriegsjahren verloren die Athener mit dem Tod des Perikles 429 die große politische Konstante ihrer Demokratie der vergangenen drei Jahrzehnte. Die Volksversammlung wurde in den Jahr um Jahr andauernden und bedrückenden Kriegsverwicklungen anfällig für extravagante Pläne, für übereilte Entschlüsse, übertriebene Härten gegenüber widerständigen Bündnern und für demagogisch geschürte Großmannssucht. Viel mag die Asymmetrie der Kriegsstrategien zwischen der Landmacht Sparta und der Seemacht Athen dazu beigetragen haben, dass allein die erste Phase dieses Krieges zehn Jahre währte, um dann 421 v. Chr. in einem Erschöpfungsfrieden beider Seiten vorläufig zu enden. Sechs Jahre später ließ sich die Volksversammlung unter dem Einfluss der hochbegabten Spielernatur Alkibiades auf das katastrophal endende Abenteuer der Sizilien-Expedition ein, das den Krieg mit Sparta neu entflammte und einige Seebundmitglieder zu offenem Widerstand gegen Athen ermutigte. Mit welch zynischer Rücksichtslosigkeit die Athener in dieser Phase ihre Macht gegen jeden rechtlich begründeten Einwand ihrer Verhandlungspartner von der kleinen Insel Melos exekutiert haben, stellte Thukydides im Melierdialog dar. Doch auch gegen die eigenen Wahlbeamten konnte die Volksversammlung in diesen turbulenten Kriegszeiten gelegentlich mit rechtswidriger Willkür vorgehen, wie das pauschale Todesurteil gegen die in der Seeschlacht bei den Arginusen beteiligten Strategen zeigte, die die vorgeschriebene Bergung der eigenen Toten wegen stürmischer Wetterbedingungen versäumt hatten. Gegen solche Auswüchse – jeder der sechs Verantwortlichen hätte nach dem Gesetz zumindest das Recht auf einen eigenen Prozess gehabt – gab es unterdessen bereits ein vorbeugendes Klagerecht gegen diejenigen, die die Volksversammlung zur Annahme gesetzeswidriger Beschlüsse veranlassten. Der genaue Einführungszeitpunkt dieser Regelung liegt ebenso im Dunkeln wie die Wirkung, die sie entfaltet hat. Hinsichtlich der beiden Episoden oligarchischer Regime 411/410 und 404/403 v. Chr. blieb die Graphe Paranomon außen vor. Dass sie als Verfassungsgarant der Demokratie ausfiel, ist allerdings wenig erstaunlich angesichts des Drucks, der sich aus Kriegsverlusten, Empörung und Niederlage aufgebaut hatte, zumal der Sturz der Demokratie auch von den Spartanern und ihren Verbündeten gefördert wurde. Aus dem letzten Drittel des 5. Jahrhunderts v. Chr. ist zudem eine oligarchische Streitschrift überliefert, siehe Pseudo-Xenophon. Bereits im Jahr nach der endgültigen Niederlage und dem Ende des Peloponnesischen Krieges, das den Athenern vorübergehend eine spartanische Besatzung auf der Akropolis und die Schreckensherrschaft der Dreißig eingetragen hatte, wurde 403 v. Chr. die Demokratie wiederhergestellt. Die große Mehrzahl der Vollbürger betrachtete sie offenbar auch nach dem Verlust des Seereichs als die gute und erstrebenswerte politische Ordnung und sorgte dafür, dass sie im 4. Jahrhundert v. Chr. für weitere acht Jahrzehnte fortbestand. In den Institutionen und Organisationsstrukturen herrschte weitgehende Kontinuität, auch wenn es in der Gesetzgebung und bei den Diäten zu Neuerungen kam und der Areopag wieder etwas mehr Kompetenzen erhielt. Um die Geltung der bestehenden Gesetze zu sichern und das Gesetzgebungsverfahren gegen schwankende Augenblicksinteressen zu stabilisieren, wurde eine zusätzliche Institution geschaffen: die Nomotheten. Sie bildeten zunächst zwei Kommissionen zu je 500 gewählten Mitgliedern, wobei die eine mit der Erfassung und Aufzeichnung aller schriftlich überlieferten Gesetze seit den Zeiten Drakons und Solons befasst war, während die zweite die Arbeitsergebnisse der ersten zu überprüfen hatte. Für die Änderung und Ergänzung der vorhandenen Gesetze wurde zudem ein mehrstufiges Verfahren eingeführt, bei dem u. a. wie in einem förmlichen Prozess die Klageseite den Änderungsantrag verfocht und auf der anderen Seite eine Verteidigung des bestehenden Gesetzes dagegenhielt. Ein aus den 6000 Geschworenen erlostes Nomotheten-Gremium stimmte dann offen über den Änderungsantrag ab, der im Falle der Bestätigung Gesetzeskraft erlangte. Aber auch gegen einen solchen Nomotheten-Beschluss war jedem Bürger noch die Anfechtung wegen Unzweckmäßigkeit im Klageweg möglich. Josiah Ober sieht in diesen Reformen keine Abschwächung der direkten Demokratie, sondern fasst sie als Weiterentwicklung des athenischen Demokratieverständnisses im Sinne kollektiver Bürgerselbstverwaltung auf. Bei den Diätenzahlungen kam es im 4. Jahrhundert zu einer Verschiebung: Die Amtsinhaber erhielten keine Unterstützung mehr ; dafür bekamen die in der Volksversammlung eintreffenden Bürger bis zum Sechstausendsten eine Unterstützungszahlung. Und sogar der Besuch von Festveranstaltungen und Theatern wurde mit einem „Schaugeld“ alimentiert. Selbst außenpolitisch konnte die attische Demokratie des 4. Jahrhunderts v. Chr. zeitweise an das 5. Jahrhundert anknüpfen: Von 377 bis 355 v. Chr. gelang die Errichtung eines zweiten attischen Seebunds, in dem Athen wiederum die führende Macht war, den Autonomie- und Mitentscheidungsansprüchen der Bündner aber stärker entgegenkommen musste. Die Machtentfaltung Makedoniens unter Philipp II. schwächte die Hegemonie Athens in der Ägäis und förderte Ablösungstendenzen unter den Seebundmitgliedern, was zum Bundesgenossenkrieg 357–355 v. Chr. führte und in die Auflösung des Seebunds mündete. Doch auch im Schatten der anwachsenden Macht Makedoniens bestand die attische Demokratie noch mehr als drei Jahrzehnte fort, angefeuert und verteidigt u. a. von dem großen Redner Demosthenes. Ihr Ende kam 322 v. Chr. nach Niederlagen zur See und zu Lande, als Alexanders makedonischer Nachfolger Antipatros eine Besatzung in den Piräus legte und eine zensusgebundene Oligarchie etablierte. Allerdings kehrten die Athener 307 v. Chr., nach der Vertreibung der Makedonen, noch einmal zur traditionellen demokratischen Verfassung zurück. Die Lebenskraft dieser nachklassischen Demokratie war trotz der prekären außenpolitischen Situation groß. Erst 262 v. Chr. mit der Niederlage im Chremonideischen Krieg und der erneuten Besetzung durch Makedonien kam für die attische Demokratie das endgültige Ende. Aus dem Blickwinkel eines gegenwärtigen Demokratieverständnisses müssen zunächst die menschenrechtlichen Defizite der attischen Demokratie ins Auge fallen, also der Ausschluss aller Frauen und Sklaven von der politischen Mitwirkung. Dass die Leistungen von Frauen und Sklaven zu den existenziellen Voraussetzungen dieses Gemeinwesens gehörten, wird – auch wegen der bereits in den Quellen angelegten Nichtbeachtung bzw. Geringschätzung – oftmals kaum gewürdigt. In dieser Hinsicht gelangte das Athen des 5. und 4. Jahrhunderts v. Chr. nicht über eine Grundfigur antiken Denkens in der Polisgesellschaft hinaus. Für die politische Partizipation kam ausschließlich in Frage, wer auch für den Kriegsdienst zur Verfügung stand. Das den damaligen Athenern eigene Demokratieverständnis gelangte an sein Ziel, wo Herkunft und Reichtum für politische Bevorrechtigung ausgedient hatten. Die Vorstellung einer Aufteilung staatlicher Gewalt zum Schutz vor freiheitsgefährdenden Übergriffen beschäftigte sie ebenfalls nicht. Entwicklungsgeschichtlich bedingt galt ihr Augenmerk der Vorbeugung einer Oligarchie der Adelsgeschlechter und einer neuerlichen Tyrannis. Die Vorkehrungen dagegen bestanden in den nahezu durchgängig praktizierten Prinzipien der Ämterlosung und der Ämterrotation, sodass für Euripides die Herrschaft des Volkes geradezu in der Ablösung des einen durch den anderen in den Funktionsstellen der Polis bestand. Aus dieser Praxis erwuchs nahezu selbstverständlich ein Engagement der Bürgerschaft für die Belange des Gemeinwesens, das in solcher Dichte und Dauerhaftigkeit universalhistorisch wohl allein steht. „Nur die Demokratie“, heißt es bei Donald Kagan, „erlaubte eine volle Entfaltung der Energie, die in der Volksmenge steckte, und schuf auf diese Weise eine Polis, ein städtisches Gemeinwesen mit einem Kraftpotential ohnegleichen.“ Negative Urteile über die attische Demokratie beruhen oftmals darauf, dass dieses Herrschaftssystem in weiten Bereichen auf den Sachverstand und die Erfahrung ausgebildeter Funktionseliten verzichtet hat. Dadurch habe die Volksversammlung als Souverän unter dem Einfluss von Demagogen zur Verblendung geneigt. Rechtswidrige Beschlüsse und Verfahren sowie militärisches Abenteurertum waren in dieser Sicht die logischen Folgen einer politischen Fehlkonstruktion. Der Althistoriker Jochen Bleicken hat dem entgegengehalten, dass solche Ausreißer in aufgeladener Atmosphäre gerade nicht die Regel waren, dass Fehler im Nachhinein nach Möglichkeit berichtigt wurden und in vorbeugende Maßnahmen mündeten. Und zumindest bei den militärischen Abenteuern waren die Täter zugleich auch die Opfer; dieselben Männer, die einen abenteuerlichen Kriegszug beschlossen, mussten ihn auch ausführen. Schon die zeitgenössische innerathenische Kritik hat die Demokratie der perikleischen Ära als eine Herrschaftsform gegeißelt, die den Ungebildeten und Unvermögenden dazu diente, ihre Taschen mit dem Geld und Gut anderer zu füllen. Die Diätenzahlungen und Tribute der Seebundmitglieder sowie in Kriegszeiten erhebliche Abgabenbelastungen, Liturgien und Eisphora der Reichen dienten dafür als Beweismittel. Demgegenüber ist aber auch festzuhalten, dass gezielte Enteignungs- und Umverteilungsmaßnahmen nicht stattfanden, dass die solonischen Vermögensklassen fortbestanden und dass die Volksversammlung dabei blieb, die Schatzämter nur in die Hände von Bürgern der 1. Vermögensklasse zu geben. Wenn Athen durch Antike und Neuzeit bis in die Gegenwart zum ausstrahlenden Mittelpunkt griechischer Kultur geworden ist, so hat die attische Demokratie dafür die Grundlagen geschaffen. Mit ihrer vergleichsweise großen Offenheit für Veränderungen, für neues Denken und für Außenbeziehungen, mit ihrer Machtentfaltung, ihren Festen und ihren Prachtbauten auf der Akropolis entwickelte sie in vielerlei Hinsicht magnetische Wirkung und hat in der geschichtlichen Perspektive das von Perikles ihr verliehene Prädikat, die Schule Griechenlands zu sein, noch weit übertroffen. Die Tragödiendichtung eines Aischylos, Sophokles und Euripides, die Komödien eines Aristophanes, die Plastiken eines Phidias und Praxiteles, das Geschichtswerk eines Thukydides, die Sophistik, die Philosophie eines Sokrates, Platon, Aristoteles, die der Epikureer und die der Stoa: Sie alle haben ihren Ursprung oder ihre Wirkungsstätte in Athen und sind kaum vorstellbar ohne das Anregungspotential und die Entfaltungsmöglichkeiten, die mit der attischen Demokratie einhergingen. Bei alledem darf nicht übersehen werden, dass die Demokratie, die in der attischen Polis für Bürgerrechtsinhaber verwirklicht war, mit der strukturellen Unterwerfung aller Bürger des attischen Seebunds gegenüber dem Polisverband der Athener in der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts verbunden war. Perikles selbst hat sich zu dieser Tyrannis bekannt. Thukydides überliefert ihn in der Anfangsphase des großen Peloponnesischen Krieges mit den Worten: Dieser Zusammenhang zwischen den inneren und äußeren Entwicklungsbedingungen Athens in der Antike ist sicher nicht der unbedeutendste unter den Aspekten, die die Beschäftigung mit der attischen Demokratie weiterhin lehrreich und interessant erscheinen lassen. Wichtige Quellen stellen unter anderem Inschriften, mehrere Komödien/Tragödien, das Werk des Thukydides sowie zwei Schriften mit dem Namen Athenaion politeia dar, siehe dazu Der Staat der Athener und Pseudo-Xenophon.
2024-12-03 15:25:01
https://de.wikipedia.org/wiki/Somebody_That_I_Used_to_Know
Somebody That I Used to Know ist ein 2011 veröffentlichtes Lied des belgisch-australischen Sängers Gotye. Es wurde zusammen mit der neuseeländischen Sängerin Kimbra aufgenommen und als zweite Single aus Gotyes drittem Studioalbum Making Mirrors ausgekoppelt. Das Lied wurde 2013 mit zwei Grammys ausgezeichnet . Bis Ende 2012 wurden weltweit 11,8 Millionen digitale Exemplare des Songs verkauft. Somebody That I Used to Know wurde von Gotye geschrieben und produziert. In dem Lied geht es um das Ende einer Beziehung, dabei wird die Sicht beider Beteiligter wiedergegeben. Der Song enthält ein Sample aus dem Lied Seville von Luiz Bonfá. Es dauerte fünf Monate, bis Gotye eine geeignete Duettpartnerin für den Song gefunden hatte, weil eine zuerst als Partnerin vorgesehene Sängerin kurzfristig absagte. Das Musikvideo zum Lied hatte seine Premiere im Juli 2011. Natasha Pincus führte Regie. Im Video steht Gotye nackt vor einem weißen Hintergrund und singt das Lied. Im Laufe des Videos werden Gotye und der Hintergrund mit Farbe bedeckt. Später ist auch Kimbra zu sehen, die ebenfalls in einem zum Hintergrund passenden Muster angemalt ist. Für das Video wurde Stop-Motion-Animation verwendet. Das Video wurde außerdem oft parodiert. Somebody That I Used to Know erreichte in Deutschland Rang eins der Singlecharts und konnte sich fünf Wochen an der Chartspitze, 17 Wochen in den Top 10 sowie 61 Wochen in den Charts platzieren, womit es zu den am längsten platzierten Singles zählt. Beide Interpreten erreichten zum einzigen Mal in ihrer Karriere die deutschen Singlecharts. In den deutschen Airplaycharts belegte die Single am Jahresende die Spitzenposition, was Somebody That I Used to Know zum meistgespielten Radiohit des Jahres macht. Somebody That I Used to Know wurde weltweit mit 1× Gold, 65× Platin und 3× Diamant ausgezeichnet. Damit wurde die Single laut Auszeichnungen mehr als 21,6 Millionen Mal verkauft. Am 9. Februar 2024 erschien eine Deep-House-Neuauflage unter dem Titel Somebody in Zusammenarbeit mit dem australischen DJ Fisher, dem britischen DJ Chris Lake sowie dem italienischen DJ Sante Sansone. Diese Version konnte sich in keinen offiziellen Landescharts platzieren, erreichte aber Platz 20 der US-Hot Dance/Electronic Songs. Chartplatzierungen Auszeichnungen für Musikverkäufe Im September 2024 erhielt die Single eine Goldene Schallplatte in Belgien für über 20.000 Verkäufe. Das Lied wurde mehrfach gecovert, unter anderem von den Darstellern der Fernsehserie Glee. Chartplatzierungen Besondere Aufmerksamkeit erlangte die Version der kanadischen Indie-Rock-Band Walk Off the Earth. In dem dazugehörigen Musikvideo spielt die Band den Song zu fünft auf einer einzigen Gitarre. Das Video erreichte innerhalb von einer Woche Zugriffszahlen von 17 Millionen. Chartplatzierungen Auszeichnungen für Musikverkäufe
2024-12-03 16:34:05
https://de.wikipedia.org/wiki/Lasse_Ottesen
Lasse Ottesen 2018 in Seefeld Lasse Ottesen ist ein ehemaliger norwegischer Skispringer und Skisprungtrainer sowie derzeitiger Skisportfunktionär. Ottesen nahm von 1991 bis 2001 an internationalen Wettbewerben teil. Er startete für den Verein Aurskog-Finstadbru Sportsklubb. Einem breiteren Publikum wurde er bei der Vierschanzentournee 1993/94 bekannt, als er beim Abschlussspringen in Bischofshofen als viertletzter Starter im zweiten Durchgang mehrere Minuten auf dem Startbalken sitzen blieb, während der zuvor schwache Rückenwind immer stärker wurde. Durch die so verschlechterten Bedingungen konnte der unmittelbar nach ihm startende Jens Weißflog keinen guten Sprung durchführen und fiel in der Tourneewertung doch noch hinter Ottesens Landsmann Espen Bredesen zurück, der als letzter Starter im zweiten Durchgang dann wieder bessere Bedingungen vorfand. Weißflog fühlte sich von Ottesen um seinen vierten Tourneesieg betrogen, und Ottesen wurde disqualifiziert. Der größte Erfolg in seiner Karriere war im gleichen Jahr der Gewinn der Silbermedaille von der Normalschanze bei den Olympischen Winterspielen 1994 in Lillehammer. Bei der Nordischen Skiweltmeisterschaft 1995 in Thunder Bay wurde er Vierter von der Großschanze. 1997 stellte er in Planica mit 212 Metern einen Skiflugweltrekord auf, der erst zwei Jahre später überboten wurde. Im Skisprung-Weltcup konnte er insgesamt neun Podestplätze erreichen. Im Laufe seiner Karriere wurde Ottesen fünfmal Norwegischer Meister. Nach der Saison 2000/2001 beendete Ottesen seine Karriere als aktiver Springer. Danach war er als Sprungtrainer der norwegischen nordischen Kombinierer tätig. 2004 wechselte er zu den US-amerikanischen Kombinierern, zunächst als Sprungtrainer und seit 2006 als Cheftrainer. Ab 1. Mai 2008 war er neben Mika Kojonkoski Co-Trainer für die A-Nationalmannschaft der norwegischen Skispringer. Seit 2012 ist er als Renndirektor des Internationalen Skiverbandes FIS für die Nordische Kombination aktiv. Ottesen ist verheiratet und hat zwei Kinder.
2024-12-02 11:25:38
https://de.wikipedia.org/wiki/Senat_Sch%C3%BCtz_II
Der Senat Schütz II war vom 20. April 1971 bis zum 24. April 1975 die Regierung von West-Berlin. Magistrate Werner | Ostrowski | Reuter I | Schroeder | Reuter II Senate Reuter | Schreiber | Suhr | Brandt I | Brandt II | Brandt III | Albertz I | Albertz II | Schütz I | Schütz II | Schütz III | Stobbe I | Stobbe II | Vogel | Weizsäcker | Diepgen I | Diepgen II | Momper | Diepgen III | Diepgen IV | Diepgen V | Wowereit I | Wowereit II | Wowereit III | Wowereit IV | Müller I | Müller II | Giffey | Wegner
2024-11-23 23:32:44
https://de.wikipedia.org/wiki/Kleingarten
Der Kleingarten , auch Schrebergarten, Heimgarten, Familiengarten , im Süddeutschen und Schweizerischen auch Bünt, Pünt oder Beunde, im Ostdeutschen Datsche oder verallgemeinernd als Parzelle oder Laube, bezeichnet ein eingezäuntes Stück Land als Garten. Insbesondere liegt er in einer Anlage von Grundstücken, die von Vereinen , Schweiz: Püntenpächtervereinen, anderswo mitunter Gartensparte) verwaltet werden, und wo die Flächen oder Gärten günstig an Mitglieder verpachtet sind. Solche Anlagen werden auch als Gartenkolonien oder Laubenkolonien bezeichnet. Laubenpieper ist eine Bezeichnung für den Besitzer eines Kleingartens , wobei das genutzte Grundstück im übertragenen Sinn oft Laube genannt wird. Kleingärten sollen der Erholung in der Natur dienen und Stadtbewohnern nach dem Vorbild alter Bauerngärten den Anbau von Obst und Gemüse ermöglichen. Es finden sich in diesen Gärten aber auch Zierpflanzen und Rasenflächen, insbesondere wenn die Erholung im Vordergrund steht. Meist befindet sich eine Laube auf jedem Grundstück einer Gartenanlage. Geregelt wird das Kleingartenleben durch die jeweilige Kleingartenordnung/Satzung/Statuten eines jeden Vereins. In Deutschland kommt das Bundeskleingartengesetz hinzu, in Österreich das Kleingartengesetz, in der Schweiz wird es kantonal geregelt, beispielsweise in Baugesetzen. Das Office International du Coin de Terre et des Jardins Familiaux, eine seit 1926 bestehende Vereinigung von über drei Millionen europäischen Kleingärtnern, beschreibt die sozialen Funktionen von Kleingärten. In den als Vereinen organisierten Kleingartenanlagen gibt es häufig ein allen Vereinsmitgliedern zugängliches Gebäude, das Vereinsheim, Gemeinschaftshaus oder in Österreich auch Schutzhaus genannt wird. Es dient meist den Vereinssitzungen und hält allgemeines Werkzeug bereit. Oft ist darin eine kleine Gastwirtschaft untergebracht, die manchmal Vereinsfremden zugänglich ist. Die sozialen und ökologischen Funktionen des europäischen Kleingartenwesens finden mittlerweile auch Eingang in die entwicklungspolitische Zusammenarbeit. Seit 2003 sind auf den Philippinen mehrere Kleingartenanlagen für städtische Arme mit Unterstützung deutscher und belgischer Partner entstanden. Für die Städte Afrikas werden Kleingartenanlagen als Strategie der Ernährungssicherung diskutiert und bereits erfolgreich wie in Heilbron umgesetzt. Natur- und Umweltschutz spielen bei Kleingärtnern eine wichtige Rolle. Befragt nach der Bedeutung, die ihr Kleingarten für sie persönlich hat, wird dies hoch geschätzt – noch vor Gesundheitsvorsorge und Freude an der Gartenarbeit. Von fast allen Kleingärtnern werden Grundregeln des naturnahen Gärtnerns praktiziert. 97 % nutzen Regenwasser zum Bewässern und 96 % kompostieren die Gartenabfälle. Ausgeprägt ist das Bewusstsein für naturnahes Gärtnern bei jüngeren Kleingärtnern, die ihren Garten seit höchstens zehn Jahren bewirtschaften. Mehr als jeder zweite dieser Neu-Kleingärtner betreibt biologischen Anbau von Obst und Gemüse, fast zwei Drittel verzichten auf Kunstdünger, mehr als vier Fünftel lehnen chemische Schädlingsbekämpfung ab. Gefördert wird diese Entwicklung durch die Fachberatung der Vereine. 84 % der Vereine nutzen dies, um das Natur- und Umweltbewusstsein ihrer Mitglieder zu fördern . In jeder zehnten Anlage gibt es „ökologische Musterkleingärten“, wo Möglichkeiten des naturnahen Gärtners vorgeführt werden. Der Begriff Kleingarten wird durch den § 1 Abs. 1 Bundeskleingartengesetz definiert, wie auch der Begriff der kleingärtnerischen Nutzung. Im Gegensatz dazu werden Flächen zur rein hobbygärtnerischen Nutzung, die meist von Gemeinden mit kurzen Vertragslaufzeiten gepachtet werden können, als Grabeland bezeichnet. Die meisten Kleingärten sind in Vereinen organisiert. Der Dachverband der Kleingärtner ist der Bundesverband der Kleingartenvereine Deutschlands e. V. . Er vertritt 20 Landesverbände mit insgesamt 15.000 Vereinen. In den Vereinen sind insgesamt 967.240 Kleingärtner organisiert. Gemeinsam mit dem Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung richtet der BDG alle vier Jahre den Bundeswettbewerb „Gärten im Städtebau“ aus. Dieser würdigt besondere städtebauliche, ökologische, gartenkulturelle und soziale Leistungen der Kleingärtnervereine. In Deutschland gibt es mehr als eine Million Kleingärten hauptsächlich in Städten, da dort den Menschen auf Grund von Platzmangel oft Gartenland fehlt. Zusammengenommen haben diese eine Fläche von mehr als 46.000 Hektar . Die einzelnen Parzellen sind im Schnitt 370 m² groß. Der größte Kleingartenverein ist der „Verein der Kleingärtner Ulm e. V.“ in Ulm, gegründet 1932. Auf 53,1 Hektar Fläche finden sich hier 1315 Parzellen. Die kleinste Anlage ist der Kleingärtnerverein „Am Vogelberg“ in Kamenz mit fünf Parzellen. Eine durchschnittliche Ablösesumme betrug 2008 für einen Kleingarten 1900 Euro. In Großstädten war diese mit durchschnittlich 3300 Euro jedoch höher. Insgesamt haben sich die Anschaffungskosten von 1990 bis 2008 um 30 % verringert. Die durchschnittliche Pacht für einen Kleingarten lag bei 0,17 Euro/m². Von 1998 bis 2008 erhöhte sich die Pacht deutschlandweit um rund 30 %. Die Höhe der Pacht korrelierte zudem mit der Stadtgröße, je größer die Stadt, desto teurer war die Gartenpacht. Der Mitgliedsbeitrag belief sich im Schnitt auf 29 Euro pro Jahr. Dazu kamen Nebenkosten von durchschnittlich 276 Euro im Jahr für Strom, Versicherung und Kommunalabgaben. So kostete ein Kleingarten in Deutschland im Schnitt insgesamt 373 Euro im Jahr, was etwa einen Euro pro Tag bedeutete. Besonders in den Großstädten übersteigt die Nachfrage oft das Angebot – 40 % aller Vereine führen Wartelisten . In Regionen, die durch Bevölkerungsrückgang geprägt sind, finden inzwischen manche Gärten keine Pächter, so klagt ein Drittel der Vereine über Leerstände – bei ihnen standen 2,5 % der Gärten schon länger als ein Jahr leer. Im Schnitt bewerben sich pro Verein zehn Neupächter pro Jahr, insgesamt kommt es bei 5,2 % der Parzellen zu einem Pächterwechsel. Eine wesentliche Aufgabe der Kleingärten ist es, einen Ausgleich zum verdichteten Geschosswohnungsbau, einen Ersatz für zu wenig Gartenland am Wohngebäude und mangelnde nahegelegene Grünanlagen zu schaffen. 82 % der Kleingärtnerhaushalte sind Mieterhaushalte, die zumeist in mehrgeschossigen Wohnblocks leben . Die eigene Parzelle bietet wohnungsnahen Ausgleich für fehlendes Grün. 84 % aller Gärten liegen maximal fünf Kilometer von der Wohnung entfernt. 96 % aller Kleingärtner brauchen maximal eine halbe Stunde bis zu ihrem Garten, 60 % brauchen weniger als eine Viertelstunde. Kleingartendichte in deutschen Großstädten In Nürnberg gibt es ein Laubenmuseum, welches vom Stadtverband Nürnberg der Kleingärtner verwaltet wird. In den neuen Bundesländern wird oftmals der Bestandsschutz angewendet, um den Voraussetzungen des Bundeskleingartengesetzes gerecht zu werden, beispielsweise bei der zulässigen Größe der Lauben. Die vorherigen gesetzlichen Bestimmungen müssen berücksichtigt werden. Das Durchschnittsalter der Kleingarten-Nutzer liegt bei 60 Jahren. Von 2003 bis 2008 gingen 45 % der Neuverpachtungen an Familien. 64 % aller Pächter, die seit 2000 einen Garten übernommen haben, sind jünger als 55 Jahre. Signifikant ist die Nutzung von Kleingärten auch durch Pächterfamilien mit Migrationshintergrund. Im Jahr 2004 betrug deren Quote in ganz Deutschland 7,5 % in den organisierten Vereinen, bei einem Bevölkerungsanteil von 8,9 %. In den alten Bundesländern betrug die Quote sogar 17,0 %, bei nur leicht erhöhtem Bevölkerungsanteil von 9,6 %. Eine Studie des Ministeriums für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen prognostizierte bereits 2009 ein weiteres Wachstum dieser Nachfrage, vor allem in den Ballungsräumen. Nach ersten Versammlungen 1903 wird auf einer zweieinhalb Joch großen Wiese in Purkersdorf bei Wien der „Erste österreichische Naturheilverein“ gegründet und 1904 die erste Schrebergartenkolonie Österreichs „Heimgarten“ in Deutschwald südlich von Purkersdorf errichtet. Später folgen innerhalb des Gemeindegebiets von Wien liegende. Am 12. Juni 1907 wurde der Verein „Heimgarten“ in Graz gegründet und eine erste Kleingartenanlage in Graz errichtet. Der Verein wurde am 28. Jänner 1943 umbenannt in „Heimgartenverein Langensiepen“. Langensiepen zählt noch heute zu den größten Heimgärten der Steiermark, ihn durchfließt der Grazer Mühlgang. Wien Der erste Wiener Kleingarten wurde im Rosental gegründet, die ersten Parzellen 1911 vergeben. Die große Nachfrage nach den kleinen Naherholungsgebieten blieb auch nach den Weltkriegen ungebrochen und Anfang der 1990er Jahre erfolgte die Umwidmung auf ganzjähriges Wohnen samt der Erlaubnis, auf fünfzig Quadratmetern zu bauen. Das zog eine Verbesserung der Infrastruktur in den Anlagen wie Gas- und Kanalanschlüsse sowie die winterfeste Umrüstung der Wasserleitungen nach sich. Im Zuge der ganzjährigen Bewohnung konnten ab 1993 die Kleingartenparzellen von den Pächtern käuflich erworben werden. Im Februar 2021 wurde der Verkauf der Kleingartenanlagen von der Stadt Wien eingestellt, was bei der ÖVP Wien für Kritik sorgte. Der Erwerb sei laut der ÖVP eine Möglichkeit für Familien, leistbares Eigentum zu schaffen. Der Heimgartenanbieter Magistrat Wien koveranstaltet zu Ostern die Wiener Kleingarten-Messe in den Blumengärten Hirschstetten, die in 13. Auflage 2017 auch Bauen und Wohnen als Schwerpunkte umfasste . Die Pacht beträgt je nach Widmung und Verbauung 1,30 bis 3,50 Euro pro Quadratmeter und Jahr. Wien weist fast 36.000 Kleingärten mit insgesamt 14 Millionen Quadratmetern Fläche auf, was 3,37 % der Fläche der Gemeinde von 415 km² entspricht. Der Zentralverband der Kleingärtner erklärt, dass 2017 ein Bedarf für 3000 zusätzliche Parzellen bestehen würde. 1925 wurde der Schweizer Familiengärtnerverband durch die kantonalen Dachverbände von Basel, Bern, Genf, Lausanne und Zürich unter dem Namen Schweizerischer Kleingärtnerverband als gesamtschweizerischer Dachverband gegründet. Dem Dachverband haben sich rund 25.000 Mitglieder und gegen 400 Gartenareale angeschlossen.1974 erfolgte eine Aufteilung in die Regionen Suisse romande, Basel, Bern, Ostschweiz, Zentralschweiz und Zürich. Die Gartenareale werden von Städten und Gemeinden dauerhaft zur Verfügung gestellt und von in Genossenschaften organisierten Gartenpächtern im Sinne eines naturnahen Gartenbaus gefördert und verwaltet. Die Familiengärten gelten als kreative und produktive Freizeitbeschäftigung mit ausgesprochen integrativem Charakter. Die Angebote werden auch von der ausländischen Wohnbevölkerung rege benützt. Die Verbandszeitung Gartenfreund – Jardin familial erscheint monatlich zweisprachig in einer Auflage von 25.000 Exemplaren. Winterthur hat mit fast 3 „Pünten“ auf 100 Einwohner eine große Dichte an solchen Familiengärten. 14 nationale Kleingärtnerorganisationen sind im europäischen Verband „Office International du Coin de Terre et des Jardins Familiaux“ organisiert. Anzahl der Mitglieder in Kleingärtnervereinen in Europa In Tschechien hatte der Gärtnerverband im Jahr 2023 ca. 125.000 Mitglieder; in 1990 waren sie mehr als 400.000 und noch in 2016 etwa 160.000. Die Anlage von Armengärten auf Initiative von wohlmeinenden Landesherren, Fabrikbesitzern, Stadtverwaltungen und Wohlfahrtsorganisationen war eine von vielen Maßnahmen, um Anfang des 19. Jahrhunderts des Armenproblems Herr zu werden. Es hatte seine Ursache im sprunghaften Anwachsen der Bevölkerung. Da das Bruttoinlandsprodukt nicht im gleichen Verhältnis stieg, wurde das Armenproblem als vordringliche Aufgabe erkannt. Als eine der ersten Armengärtenanlagen im heutigen Deutschland gelten die parzellierten Gärten, die auf Anregung des Landgrafen Karl von Hessen-Kassel um 1797/98 im damals noch dänischen Kappeln an der Schlei angelegt wurden . Das Hauptziel war es, dem Hunger und der Verarmung entgegenzuwirken. 1826 existierten solche Gärten bereits in 19 Städten. 1830 folgte in Kiel die „Gesellschaft freiwilliger Armenfreunde“ dem Beispiel. Auf dem „Prüner Schlag“ wurden Parzellen aus städtischem Besitz mit der bis heute gültigen Größe von 400 m² ausgewiesen und für geringe Pacht vergeben. Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden in vielen Städten Armengärten und insbesondere in Berlin die Laubenkolonien des Roten Kreuzes und der Arbeiterbewegung sowie die Gärten der Bahnlandwirtschaft . Eine andere Entwicklungslinie lässt sich ab Mitte des 19. Jahrhunderts auf den für die späteren Anlagen namensgebenden Leipziger Arzt Moritz Schreber zurückführen. Der Orthopäde Schreber war jedoch nicht der Erfinder der Schrebergartenbewegung, sondern gab mit dem Anatomen Carl Ernst Bock und dem 1847 von ihnen entwickelten diätetisch-orthopädischen Konzept lediglich den Anstoß zu zunächst der „körperlichen Ertüchtigung“ dienenden Kleingärten bzw. Gartenkolonien. Es war Schrebers Mitstreiter, der Schuldirektor Ernst Innozenz Hauschild, auf dessen Initiative der erste Schreberverein zurückgeht. Eigentlich ein Schulverein, der in Zusammenarbeit mit den Eltern seiner Schüler entstanden ist, wollte man ihn aber weder Schul- noch Erziehungsverein taufen und so benannte man ihn zu Ehren des verstorbenen Schreber. Im Jahre 1865 feierte man die Einweihung des ersten „Schreberplatzes“ am Johannapark in Leipzig, einer Spielwiese, auf der Kinder von Fabrikarbeitern unter Betreuung eines Pädagogen spielen und turnen konnten. Bis hierhin hat der Schreberplatz nichts mit Gärten zu tun. Erst ein Lehrer namens Heinrich Karl Gesell war es, der an diesem Platz Gärten anlegte. Zunächst als weitere Beschäftigungsmöglichkeit für die Kinder gedacht, entwickelten sich die Gärten rasch zu Refugien der Eltern bzw. der ganzen Familie. Aus den „Kinderbeeten“ am Rand des Schreberplatzes wurden „Familienbeete“, die man später parzellierte und umzäunte. Ab jetzt nannte man sie „Schrebergärten“. Bald gingen diese Gärtchen in die Obhut der Eltern über und 1869, als die Initiative bereits rund 100 Parzellen umfasste, gab sie sich eine Vereinssatzung. Geräteschuppen, Lauben und Zäune wurden errichtet, und 1891 waren bereits 14 weitere Schrebervereine in Leipzig gegründet worden. Die historische Kleingartenanlage „Dr. Schreber“ steht heute unter Denkmalschutz und beherbergt seit 1996 das Deutsche Kleingärtnermuseum. Kleingartengebiete wurden vielerorts in Europa ausgewiesen, um der Bevölkerung in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg eine bessere Ernährung zu ermöglichen. Aufgrund des Wohnungsmangels in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg wurden in Kleingartenanlagen die Lauben oft ungenehmigt erweitert und wohnbar gemacht. Diese Schwarzbauten wurden von der Stadtverwaltung meist geduldet und den Bewohnern lebenslanges Wohnrecht zugestanden. So kommt es, dass bis heute in alten Kleingartenanlagen noch kleine Wohnhäuser zu finden sind, die auch bewohnt sind.
2024-12-02 10:16:49
https://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Wiggert
Carl Wiggert war ein deutscher Verwaltungsjurist und Verbandsfunktionär im privaten Bankgewerbe. Wiggert besuchte das humanistische Gymnasium in Hirschberg, wo sein Vater Dr. Karl Wiggert später Amtsgerichtsrat wurde. Er studierte ab dem Wintersemester 1923/24 an der Friedrichs-Universität Halle Agrarwissenschaft und wurde sogleich im Corps Palaiomarchia aktiv. Dem Corps gehörte auch sein Vater an. Nachdem er 1926 Diplomlandwirt geworden war, studierte er noch Rechtswissenschaft an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Schlesischen Friedrich-Wilhelms-Universität. 1929 bestand er das erste Staatsexamen. Mit einer rechts- und staatswissenschaftlichen Dissertation über die Lateranverträge wurde er 1932 zum Dr. iur. promoviert. Referendar war er beim Amts- und Landgericht Hirschberg und am Oberlandesgericht Breslau. Nach dem zweiten juristischen Examen im Februar 1933 arbeitete er in Breslau einige Monate in einer Anwaltsfirma und bei der Bank für Industrieobligationen. Er trat als Regierungsassessor in die innere Verwaltung des Freistaats Preußen ein und kam zunächst an das Landratsamt des Kreises Steinburg und dann zur Regierung in Stettin. 1937 wurde er zum Regierungsrat ernannt und als Domänendezernent zur Regierung in Köslin versetzt. Nach kurzer Zeit wechselte er zum Reichskommissar für die Preisbildung nach Berlin, wo er das Hauptreferat Ernährung und Landwirtschaft im Vierjahresplan leitete. Seit dem 1. Mai 1937 war er Mitglied der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei. Am 1. März 1939 wurde er zum Landrat des Landkreises Schlawe in Pommern ernannt. 1942 zum Heer eingezogen, geriet er 1945 als Leutnant in sowjetische Kriegsgefangenschaft. 1946 entlassen und genesen, betätigte er sich zunächst als Forstarbeiter im Hamburger Raum, bis er im Sommer 1947 die Geschäftsführung der neu gegründeten Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz in Hamburg übernehmen konnte. 1948/49 war er für sie in Nordrhein-Westfalen, 1950–1952 in Bad Homburg vor der Höhe tätig. Der Altherrenverein des Corps Masovia verlieh ihm in Kiel schon 1951 das Band. Am 1. März 1953 kam er als Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes des privaten Bankgewerbes endgültig nach Hamburg. Daneben arbeitete er in Vorständen und Ausschüssen der Norddeutschen Kassenverein AG, des Landesarbeitsamtes und des Landesausgleichsamtes. Als Mitglied der CDU Hamburg war er bis 1961 Abgeordneter der Hamburger Bürgerschaft. Mit einer Pommerin verheiratet, engagierte sich Wiggert in der Pommerschen Landsmannschaft. An ihrem Sitz, in Travemünde, starb er nach einer dreijährigen schweren Erkrankung kurz nach seinem 80. Geburtstag. Heino Friedrich von Below | Michael Ernst von Boehn | Franz Christian von Glasenapp | Otto Felix Friedrich von Kameke | Gabriel Otto von Schmeling | Friedrich George Wilhelm von Below | Wendelin von Bilfinger | Carl Albert Carisius von Kameke | Anton von Kleist | Reinhold von Woedtke | Karl von Schwerin | Rudolf von Pawel | Max von Balan | Heinrich von Below | Artur von Scheliha | Egon von Haber | Friedrich von Zitzewitz | Carl Wiggert
2024-12-01 18:19:58
https://de.wikipedia.org/wiki/Regierung_Michel_II
Die Regierung Michel II war die Regierung Belgiens vom 9. Dezember 2018 bis zum 27. Oktober 2019, die nie eine parlamentarische Legitimierung hatte. Sie war die Fortsetzung der Regierung Michel I ohne die Minister und Staatssekretäre der N-VA, die aus Protest gegen die Ratifizierung des UN-Migrationspakts die Regierung verließ. Die „blau-orange“ Minderheitsregierung setzte sich aus dem wallonischen liberalen MR, der flämischen liberalen Open Vld sowie der flämischen christdemokratischen CD&V zusammen. Diese Parteien verfügten über 52 der 150 Sitze in der Abgeordnetenkammer. Bevor es am 18. Dezember 2018 zu einem von den Sozialisten und den Grünen beantragten Misstrauensvotum kommen sollte, trat Charles Michel an diesem Tag zurück und die Regierung war seither nur noch geschäftsführend im Amt . Auch nach den Parlamentswahlen vom 26. Mai 2019 blieb die Regierung Michel II geschäftsführend im Amt, da sich keine neue Mehrheit fand. Alle nicht der N-VA angehörenden Minister blieben im Amt, teilweise mit erweiterten Zuständigkeiten. Zusätzlich wurden zur Herstellung der von der Verfassung geforderten Sprachparität in der Regierung die vormaligen Staatssekretäre Pieter De Crem und Philippe De Backer zu Ministern befördert. Die Regierung bestand aus folgenden 13 Ministern, Staatssekretäre gab es keine: Da Charles Michel im Juli 2019 zum Präsidenten des Europäischen Rates gewählt wurde und sein Amt am 1. Dezember 2019 von Donald Tusk übernehmen soll, kündigte er am 26. Oktober 2019 seinen Rückzug an. Am 27. Oktober 2019 nahm der König den Rücktritt der Regierung Michel II an und ernannte auf seinen Vorschlag hin die vormalige Haushaltsministerin Sophie Wilmès zur neuen geschäftsführenden Ministerpräsidentin . Van Acker I | Van Acker II | Spaak II | Van Acker III | Huysmans | Spaak III | Spaak IV | G. Eyskens I | Duvieusart | Pholien | Van Houtte | Van Acker IV | G. Eyskens II | G. Eyskens III | G. Eyskens IV | Lefèvre | Harmel | Vanden Boeynants I | G. Eyskens V | G. Eyskens VI | Leburton I | Leburton II | Tindemans I | Tindemans II | Tindemans III | Tindemans IV | Vanden Boeynants II | Martens I | Martens II | Martens III | Martens IV | M. Eyskens | Martens V | Martens VI | Martens VII | Martens VIII | Martens IX | Dehaene I | Dehaene II | Verhofstadt I | Verhofstadt II | Verhofstadt III | Leterme I | Van Rompuy | Leterme II | Di Rupo | Michel I | Michel II | Wilmès I | Wilmès II | De Croo
2024-11-29 08:37:18
https://de.wikipedia.org/wiki/Mukhavina
Mukhavina, auch mukha vina instrument“), ist ein kurzes, kegelförmiges Doppelrohrblattinstrument der indischen Musik, das in Südindien überwiegend in einigen Formen hinduistischer Tempelmusik häufig zusammen mit der Kesseltrommel dhanki gespielt wird. Allgemein bezeichnet mukhavina zusammenfassend die Gruppe der indischen Doppelrohrblattinstrumente, zu denen neben der größeren südindischen nadaswaram die nordindische shehnai und weitere, in der regionalen Volksmusik gespielte Kegeloboen gehören. Diese stammen aus altindischer Zeit oder kamen mit mehreren muslimischen Eroberungswellen nach Südasien. In der Sangam-Literatur, die in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten auf Tamil verfasst wurde, finden sich zahlreiche Beschreibungen über die südindische Musikkultur jener Zeit. Im Epos Silappadigaram wird die Einteilung der Stadtviertel nach Berufsgruppen, die Lage der Tempel und Paläste und die hoch entwickelte Musizierpraxis beschrieben. Aus den großen Tempeln war vor allem das Schlagen der Trommeln zu hören. Tanzdarbietungen wurden laut dem Silappadigaram und Reliefdarstellungen an religiösen Bauwerken, etwa am Stupa von Amaravati aus dem 2. Jahrhundert n. Chr., von Gesang, Bogenharfen oder Lauten, Flöten, Röhrentrommeln und Händeklatschen begleitet. Ein konisches Blasinstrument – vermutlich mit Doppelrohrblatt – sorgte für einen Bordun, der auf die Tonhöhe der Trommeln gestimmt war. Blasinstrumente sind in Indien gegenüber den Saiteninstrumenten von zweitrangiger Bedeutung, da sie nach den religiösen Gesetzen nicht von Brahmanen gespielt werden dürfen und daher zur Musik der niedrigen Kasten gehören. Einzige Ausnahme ist die mit dem jungen Hirtengott Krishna verbundene Querflöte bansuri , die als Götterinstrument eine besondere Wertschätzung genießt. Doppelrohrblattinstrumente begleiteten in Südindien häufig die Melodieinstrumente mit einem Bordunton. Zu ihnen gehören auch die Sackpfeifen, denen nach südindischer Tradition eine weit zurückreichende Geschichte zugesprochen wird. Wie Krishna mit der Flöte wird die Göttin Sarasvati mit dem Saiteninstrument vina gezeigt. Vina bezeichnet seit dem Mittelalter mit entsprechenden Präfixen unterschiedliche Stabzithern und Langhalslauten . Demgegenüber steht mukha vina, die mit dem „Mund“ gespielte, also „geblasene Vina“, für die Gruppe der indischen Kegeloboen, die entweder aus altindischer Tradition stammen, mit den ersten muslimischen Eroberern gebracht wurden, die Anfang des 8. Jahrhunderts die nordwestindische Region Sindh erreichten oder zur zentralasiatisch-persischen Kultur gehören, die sich ab dem 13. Jahrhundert und besonders im 16. Jahrhundert während der Mogulzeit verbreitete. Die ersten Blasinstrumente, die vermutlich ein Doppelrohrblatt besaßen, sind mit der Einwanderung zentralasiatischer Völker um die Zeitenwende verbunden. Das älteste indische Wort für ein Doppelrohrblattinstrument, mohori, geht auf den Musikgelehrten Matanga zurück, der zwischen dem 6. und 8. Jahrhundert auf Sanskrit die Abhandlung Brihaddeshi verfasste. Er erwähnt das Rohrblattinstrument madhukari , entsprechend heißt dieses auf Telugu mahudi und magudi. Beides sind heute südindische Bezeichnungen für pungi, ein von Schlangenbeschwörern gespieltes, einfaches Rohrblattinstrument. Mohori kommt in unterschiedlichen Schreibweisen in späteren Texten vor. Der kanaresische Komponist Purandara schreibt mourya, der Dichter Govindavaidya erwähnt um 1650 das Blasinstrument mouri. Die Khasi im Nordosten Indiens spielen heute die namensverwandte tangmuri. Andere Schreibweisen für eindeutig als solche zu identifizierende Doppelrohrblattinstrumente in Sanskrittexten des 10. bis 13. Jahrhunderts sind mahvari , muhuri und muhari. Diese Namen und der damit bezeichnete Oboentyp gehen vermutlich auf die arabische mizmar zurück, die zur Militärmusik der arabischen Eroberer des Sindh gehörte. Die in Nordindien auch in der klassischen Musik gespielte shehnai ist mit Instrumenten der Volksmusik wie der kleineren sundri in Maharashtra verwandt. Die shahnai gehört seit Einführung ihrer Vorläufer in Indien nach Gründung des Sultanats von Delhi Anfang des 13. Jahrhunderts zum orientalischen Kegeloboentyp surnay . Der Zusammenklang von surna, verschiedenen Trompeten und großen Trommeln in einem naubat genannten arabischen Zeremonialorchester lässt sich bis ins 10. Jahrhundert zurückverfolgen. Die südindische nadaswaram bildet gegenüber der shehnai das andere Ende im Spektrum der indischen Oboentypen. Sie ist deutlich länger als die einteilige shehnai und besitzt einen abnehmbaren Schallbecher. Die nadaswaram wird im 14. Jahrhundert in einem auf Telugu verfassten Text erwähnt. Die in der Volksmusik in Odisha gespielte mohori, die auch mukhavina genannt wird, nimmt eine Zwischenstellung ein. Sie entspricht einer etwas größeren shehnai mit einem abnehmbaren Schallbecher. Ähnlich groß wie die shehnai ist die besonders schrill klingende kuzhal von Kerala. Ottu, olagu, naferi, tota, sundari, pipori, pipahi und pipani heißen weitere indische Doppelrohrblattinstrumente. Die pipani von Maharashtra besteht aus einer Holzröhre mit sieben Fingerlöchern und einem Daumenloch und ist mit aufgesetztem Metallbecher etwa 45 Zentimeter lang. In Assam wird die kali in Ensembles der religiösen Musik zusammen mit großen Paarbecken und Doppelkonustrommeln verwendet. Die etwa 60 Zentimeter lange kali besitzt eine Spielröhre aus Holz oder Bambus mit einem breiten Messingschallbecher und mit sechs oder sieben Fingerlöchern. Die mit rund 30 Zentimetern Länge kürzeste Kegeloboe in Südasien ist die horanewa in Sri Lanka. Mit fünf bis sieben Fingerlöchern ohne Daumenloch hat sie nur eine Oktave Tonumfang. Die Bezeichnung mukhavina kommt erstmals im Werk Panditaradhya Charitra des Telugu-Dichters Somanatha vor, der im 12./13. Jahrhundert lebte, in einigen auf Telugu verfassten Balladen, die aus dem 14. Jahrhundert stammen sollen, und ferner im Werk Abhinava Bharata Sarasangraha von Mummadi Chikkabhupala, einem Autor des 17. Jahrhunderts. Die Abhandlung über Musik Sangita Parijata, verfasst im 17. Jahrhundert vom nordindischen Musiktheoretiker Ahobala, beschreibt die mukhavina als eine Schilfgrasröhre von einer Spanne Länge, die mit Birkenblättern umwickelt ist. Eine Aussage über die Art der Tonerzeugung fehlt. Allenfalls aus dem Zusammenhang lässt sich erschließen, welches Blasinstrument mit mukhavina jeweils gemeint ist. Die südindische mukhavina ist eine konische Kegeloboe aus Holz von etwa 35 Zentimetern Länge. Anders als die zylindrischen Oboen mit Schallbecher der persischen Naubat-Orchester sind die Spielröhren von shehnai, nadaswaram und mukhavina leicht konisch. Bei manchen Instrumenten ist der hölzerne Schallbecher am Rand mit einem Kupferring umgeben. Das dünne Mundstück mit mittelgroßen freien Rohrblättern ist abnehmbar. Der Klang ist weicher und gedämpfter als bei der nadaswaram. Die mukhavina hat sieben oder acht Fingerlöcher. Sie wird wie andere indische Oboen stets zusammen mit einem ähnlichen, einfacher gebauten Borduninstrument gespielt, das allgemein sruti, in Tamil Nadu ottu heißt. Das Borduninstrument ist grifflochlos, besitzt aber vier oder fünf kleine Löcher, die entsprechend der gewünschten Tonhöhe bis auf ein Loch mit Wachs verschlossen werden. Bis zum 19. Jahrhundert gehörten kleine mukhavina-Ensembles zusammen mit einer Doppelkonustrommel mridangam oder einer Kesseltrommel dhanki zur Begleitmusik von Tanztheatern wie dem Yakshagana in Karnataka. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die mukhavina als Begleitinstrument der Bharatanatyam-Tänze durch eine westliche Klarinette ersetzt und die mridangam ist heute an die Stelle einer kleinen Version der maddalam getreten. Bereits im Jahr 1891 stellte der britische Infanterist Charles Russel Day fest, dass gelegentlich die europäische Klarinette anstelle der mukhavina verwendet wird. Zu seiner Zeit bestand ein südindisches Ensemble zur Begleitung von Tanzdramen ungefähr aus zwei sarangis , einer tanpura , einer mukhavina, einer tabla und einer nagasara . Ähnliche kleine Musikgruppen, die im Kern mit mukhavina und dhanki besetzt waren, traten bei Tempelfesten, anderen öffentlichen Festen und Hochzeiten auf. Die mukhavina-Spieler reisten früher in der Festspielsaison zu Jahresfesten wie Diwali und Pongal und gingen zu den Häusern von Grundbesitzern, die als Förderer der Künste Einladungen aussprachen. Dem cinna melam-Ensemble mit einer mukhavina entsprach das lauter klingende periamelam-Ensemble mit einer spielführenden nadaswaram, einem Doppelrohrblattinstrument ottu für den Bordunton, einer Fasstrommel tavil und Zimbeln. Melam bezeichnet in Südindien ein Musikensemble, genauer ein Ensemble mit mukhavina oder nadaswaram, das nach der Tradition bei keiner Tempelprozession oder Hochzeit fehlen darf. Das am weitesten verbreitete Ensemble, in dem die mukhavina führend ist, heißt nayyandi melam. Diese Ensembles bestehen aus einer mukhavina, einer in Tamil Nadu sruti upanga, ansonsten in Südindien tutti genannten Sackpfeife, die für einen Bordunton sorgt, und einer mridangam oder einer dhanki als rhythmische Begleitung. Ensembles mit mukhavina und dhanki sind heute selten geworden. Die laut tönenden Hochzeitsbands verwenden zusätzlich oder anstelle von shehnai oder nadaswaram Klarinette, Trompete und Saxofon. Sie stehen in der Tradition britischer Militärblasorchester. Beim hinduistischen Jahresfest Panguni Uthiram tritt in Tamil Nadu das Instrumentalensemble nayyandi melam bei einem reichhaltigen Rahmenprogramm auf. Die Rhythmusinstrumente sind hierbei eine Doppeltrommel pambai, eine Fasstrommel tavil und Zimbeln . Die Musiker tanzen beim Spielen. Das nayyandi melam-Ensemble begleitet auch Karakattam-Tänze, zu denen mit Wasser gefüllte Tontöpfe auf dem Kopf der Akteure und andere akrobatische Übungen gehören. Sie werden besonders im Thanjavur-Distrikt in Tamil Nadu zu Ehren der Pestgöttin Mariamman aufgeführt. Die mukhavina gehört besonders zu vishnuitischen Tempelzeremonien. Mukhavina und dhanki werden regelmäßig am Udupi Sri Krishna Matha gespielt, einem sehr verehrten Krishna-Tempel in Udupi . Die Kota sind wie die Irulas eine Adivasi-Gruppe, die in den Nilgiri-Bergen im Südwesten Indiens lebt. Ihr traditionelles Orchester bei festlichen Anlässen besteht aus halbprofessionellen Musikern, die mukhavina mit einem entsprechenden Borduninstrument und kombu zusammenspielen. Kombu sind große, gebogene Naturtrompeten aus Kupfer, die stets paarweise eingesetzt werden. Eine höher klingende kombu ist rechts, eine tiefere kombu links am Rand des Orchesters positioniert. Hinzu kommen mehrere große, mit Stöcken geschlagene Zylindertrommeln, dappu.
2024-12-02 09:40:50
https://de.wikipedia.org/wiki/Fidel_Sporer
Fidel Sporer ; † 1811 in Gebweiler, Elsass) war ein deutscher Bildhauer des Rokoko. Sporer stammte aus einer Altdorfer Strumpfstricker-Familie und wurde 1762 mit dem Bau einer Kanzel für die Klosterkirche St. Martin und Oswald der Abtei Weingarten bekannt. Bei der Vergabe setzte er sich mit einem Entwurf, den die Kunstgeschichte zu den interessantesten Formfindungen des 18. Jahrhunderts zählt, gegen den bereits etablierten Bildhauer Joseph Anton Feuchtmayer durch und wurde somit zum einzigen einheimischen Künstler, der in der Weingartener Klosterkirche vertreten ist. Das Vertragsmodell für die Kanzel aus gebranntem Ton wird in der Skulpturensammlung in Berlin aufbewahrt. Nach diesem ersten großen Auftrag schuf Sporer Altäre im St. Galler Münster und die Figurengruppen der Irrlehrer und Kirchenlehrer im Bibliothekssaal des Klosters Schussenried . Für die Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt im Ehrenkirchener Ortsteil Kirchhofen schuf er Figuren von Petrus und Paulus sowie weiteren Schmuck für den Altar, dessen Entwurf Johann Christian Wentzinger zugeschrieben wird. Ebenfalls gestaltete er 1780 eine Kanzel in der Klosterkirche von Ulm-Wiblingen. Sporer gelangte schließlich nach Guebwiller im Elsass, wo er die neue Stiftskirche in frühklassizistischem Stil ausstattete. Fidel Sporer war verheiratet mit Helene Sporer und Vater von drei Kindern namens Rupert, Helena und Joseph. Zu seinen Ehren wurde im Weingartener Stadtteil Blumenau eine Straße nach Fidel Sporer benannt.
2024-12-03 19:50:06
https://de.wikipedia.org/wiki/Gesellschaft_f%C3%BCr_Pflanzenbauwissenschaften
Die Gesellschaft für Pflanzenbauwissenschaften e. V. ist eine wissenschaftliche Fachgesellschaft, deren Mitglieder auf dem Gebiet des landwirtschaftlichen Pflanzenbaus und benachbarter Fachgebiete forschend tätig sind. Zweck und Ziel der 1956 in Bonn gegründeten Fachgesellschaft ist es, durch Tagungen, Publikationen und Unterstützung des wissenschaftlichen Nachwuchses die pflanzenbauliche Forschung zu fördern. Die Zahl der Mitglieder liegt derzeit bei ca. 500. Innerhalb der Gesellschaft bestehen fachspezifische Arbeitsgemeinschaften und Arbeitskreise. Die Arbeitsgemeinschaft Pflanzenzüchtung schied 1990 aus der GPW aus und gründete mit der entsprechenden Fachgesellschaft der ehemaligen DDR die Gesellschaft für Pflanzenzüchtung 1991. Die Fachgesellschaft gibt zwei Schriftenreihen heraus: Die Mitteilungen der Gesellschaft für Pflanzenbauwissenschaften und die Berichte der Gesellschaft für Pflanzenbauwissenschaften. Zentrales Publikationsorgan war seit 1997 die Zeitschrift Pflanzenbauwissenschaften , die jedoch 2010 aus wissenschaftsstrukturellen und finanziellen Gründen in das Journal für Kulturpflanzen integriert worden ist. Seit 2005 verleiht die Fachgesellschaft anlässlich ihrer Jahrestagungen den Ernst-Klapp-Zukunftspreis als Auszeichnung für den besten Vortrag einer Nachwuchswissenschaftlerin oder eines Nachwuchswissenschaftlers.
2024-12-02 03:31:46
https://de.wikipedia.org/wiki/Celaya
Bundesstaat Mit 340.387 Einwohnern ist Celaya die drittgrößte Stadt im mexikanischen Bundesstaat Guanajuato. Das die Stadt umgebende Municipio heißt ebenfalls Celaya und hat 468.469 Einwohner. Die in einem Talbecken des zentralen Hochlandes gelegene Stadt liegt etwa 1750 Meter über dem Meeresspiegel. Die ursprüngliche Siedlung wurde 1570 von baskischen Einwanderern spanischer Herkunft gegründet und erhielt zunächst den vollständigen Namen Villa de la Purísima Concepción de Zalaya. Das baskische Wort Zalaya bedeutet „flache Erde“. Während des Mexikanischen Unabhängigkeitskrieges war Celaya am 28. September 1810 die erste Stadt, die von dem um die Unabhängigkeit seines Landes von Spanien kämpfenden Priester Miguel Hidalgo y Costilla eingenommen wurde. Ein Jahrhundert später spielte Celaya während der Mexikanischen Revolution erneut eine bedeutende Rolle. Am 6. und 7. sowie vom 13. bis 15. April 1915 kam es hier zu zwei entscheidenden Schlachten zwischen den Truppen Pancho Villas und denen des damaligen Kriegsministers Álvaro Obregón. Villa wurde beide Male geschlagen und verlor auch die in den Folgemonaten ausgetragenen Gefechte gegen Obregón. Zwischen April und Juli 1915 waren sich die Armeen der beiden Widersacher insgesamt viermal gegenübergestanden, wobei die beiden Schlachten bei Celaya meistens als eine gezählt werden. Die Schlacht bei Celaya gilt im Übrigen als die größte militärische Auseinandersetzung in Lateinamerika vor dem Falklandkrieg 1982. Durch den nahe gelegenen Fluss Lerma bestens mit Wasser versorgt, wurde die Region Celaya zu einem wichtigen Zentrum für landwirtschaftliche Produkte und einen wachsenden Viehbestand. Neben der Nahrungsmittelindustrie – und hier vor allem Molkereiprodukten – ist in erster Linie noch die Textilindustrie von Bedeutung. Celaya beherbergt etliche Industriezweige, die auf den landwirtschaftlichen Sektor ausgerichtet sind. Angebaut werden vor allem Mais, Bohnen, Erdnüsse und Tomaten. Celaya produziert Aufstrichcremes und andere Milchprodukte und verarbeitet an Ort und Stelle die landwirtschaftlichen Produkte. Hinzu kommen Möbelfabrikanten, Maschinenbauer und Textilhersteller. Die Stadt ist darüber hinaus eines der Zentren des Eisenbahngüterverkehrs. Wirtschaftlich profitiert die Stadt zudem von der Anbindung an die Autobahn Aguascalientes-Queretaro, womit sie sowohl mit der Hauptstadt als auch mit Nordmexiko verbunden ist. In Celaya haben sich überdies etliche Bildungseinrichtungen angesiedelt. Stand 2023 ist Celaya mit einer Mordrate von 109 pro 100.000 Einwohnern eine der gefährlichsten Städte der Welt. Die Stadt hatte bereits – zu unterschiedlichen Zeiten – zwei Vereine in der Primera División, der höchsten Spielklasse im mexikanischen Vereinsfußball. Zwischen 1958 und 1961 war dies der Celaya Fútbol Club und später der erst 1994 durch eine Fusion entstandene Club Atlético Celaya. Da der Celaya FC irgendwann verschwand und erst 2003 wieder auftauchte, als Atlético Celaya gerade von der Bildfläche verschwunden war, verschwimmt die Grenze zwischen den beiden Vereinen auf eine Weise, dass sie in der Öffentlichkeit häufig als ein und derselbe Verein wahrgenommen werden.
2024-11-23 12:10:46
https://de.wikipedia.org/wiki/Evangelisch-Sozialer_Kongress
Der Evangelisch-Soziale Kongress ist eine am 28. Mai 1890 von Theologen, Volkswirtschaftlern, Politikern, Juristen und anderen gegründete Vereinigung, die auf ihren jährlich stattfindenden Tagungen soziale Probleme vom Standpunkt der protestantischen Ethik aus erörtert. Die Gründung des ESK fiel in das Jahr des Ablaufs des Sozialistengesetzes und des Rücktritts Otto von Bismarcks. Bedeutende Gründungsmitglieder und Initiatoren waren unter anderem der Antisemit Adolf Stoecker, Hermann Kropatscheck, Adolph Wagner und Adolf von Harnack. So war der ESK zunächst auch geprägt von Stoeckers patriarchalischer Ablehnung der sozialistischen Bewegung und gegründet zur Eindämmung des wachsenden Einflusses der Sozialdemokratie. Auf seiner zweiten Tagung im Mai 1891 stellte der ESK sich in seinen Satzungen die Aufgabe „die sozialen Zustände unseres Volkes vorurteilslos zu untersuchen, sie an dem Maßstabe der sittlichen und religiösen Forderungen des Evangeliums zu messen und diese selbst für das heutige Wirtschaftsleben fruchtbar zu machen“. In den Anfangsjahren, besondere auch auf der Tagung 1894 in Frankfurt am Main, kam es zu Krisen innerhalb des ESK aufgrund der sehr heterogenen Zusammensetzung und der unterschiedlichen Ziele seiner Mitglieder. Die sogenannten jüngeren Christlich-Sozialen um Friedrich Naumann, unterstützt von Max Weber, übten heftige Kritik an den ostelbischen Großgrundbesitzern. Dies führte bereits 1895 zum Austritt des konservativen Flügels unter Führung von Martin von Nathusius. Im Jahr 1896 verließ dann auch Stoecker mit einem Teil seiner Anhänger den Kongress. Im folgenden Jahr wurde unter seiner Leitung eine neue Bewegung, die Freie Kirchlich-Soziale Konferenz gegründet. Ebenfalls im Jahr 1896 sagte sich die Evangelische Arbeitervereinsbewegung vom ESK los. Unter den Präsidenten Harnack, Otto Baumgarten und Walter Simons konnte der ESK sich als führende Kraft des liberalen protestantischen Bildungsbürgertums etablieren. Er konnte auch Einfluss auf die Gesetzgebung erreichen, fand aber kaum Zugang zur Arbeiterschaft. 1911 hatte er 1631 Mitglieder, 1933 noch über 1000. Er gab die Druckschriften Evangelisch-Sozial und Soziale Korrespondenz heraus. In der Zeit des Nationalsozialismus verlor der ESK an Bedeutung, obwohl er formal eigenständig blieb. Im Kirchenkampf verhielt er sich neutral. Nach 1945 gelang es nicht, die Arbeit des ESK wiederzubeleben bzw. fortzuführen. In der Schweiz entstanden die evangelisch-sozialen Arbeitervereine erstmals in Basel 1894. 1907 wurde die Schweizerische evangelisch-soziale Unterstützungskasse SESUK gegründet. Ab 1917 entstanden die Vorläufer der heutigen Evangelischen Volkspartei. 1920 mutierte die SESUK zum Schweizerischen Verband evangelischer Arbeiter und Angestellter SVEA, der 1993 in der Gewerkschaft CMV aufging. 1923 wurde unter Mitwirkung des SVEA ein entsprechender Verband in Deutschland gegründet. „Christlich-sozial ist Unsinn“ „Der Kongreß ist mit dem Ausscheiden Stöckers und mit dem Abrücken von den Konservativen immer mehr zu einer Aufrollung aller theoretisch und praktisch bedeutsamen Grundfragen der Ethik des Luthertums geworden, was sich auch darin kundgibt, daß seine Leitung in die Hand des Führers der fortschrittlichen protestantischen Theologie, Adolf Harnacks, übergegangen ist. Die aus den Protokollen zu verfolgende Gedankenentwicklung des freien, allmählich der Ethik mehr als der Dogmatik zugewandten Protestantismus ist überaus lehrreich und anziehend. Nur handelt es sich hier erst um die ersten Anfänge einer Neustellung der Probleme, hinter der die wissenschaftliche Ethik des modernen Protestantismus sehr zögernd einhergeht und die mit ihrem Ernst nur sehr kleine Kreise wirklich bewegt. Allein wo hat man heute überhaupt eine wirklich tiefgreifende Sozialethik?“
2024-12-03 21:14:15
https://de.wikipedia.org/wiki/Oberlausitzer_Skalen
Als Skala werden Felsentäler der Bäche und Flüsse in der Oberlausitz bezeichnet. Das sorbische Wort skała bedeutet „Felsen“. Die Skalen befinden sich zumeist an jenen Stellen, wo sich die von Süden nach Norden verlaufenden Gewässer der Oberlausitz tief in den Granituntergrund des Oberlausitzer Gefildes eingeschnitten haben. Die Talränder wurden in vielen Fällen von der Bronzezeit an durch Burgwälle, die sogenannten „Schanzen“, verstärkt und zur Verteidigung genutzt. Daher finden sich die meisten Schanzen in der Nähe der unten genannten Skalen.
2024-12-01 20:41:55
https://de.wikipedia.org/wiki/Tour_de_France_2018/Bergwertungen
Bei der Tour de France 2018 waren insgesamt 53 Bergwertungen zu bewältigen. Von den 53 Bergwertungen entfielen 18 auf die Kategorie 4, 9 auf die dritte Kategorie, 7 auf Kategorie 2, 10 auf die erste Kategorie und 9 Anstiege waren der Hors Catégorie zugeordnet. Die Einteilung nach Kategorien ist für die Wertung um das Gepunktete Trikot interessant. So wurden für den Sieger einer Bergwertung der vierten Kategorie einen Punkt, für den Sieger an Bergen der Kategorien 3 und 2 wurden zwei bzw. fünf Punkte vergeben. Zehn Punkte erhielt der Erste auf einem Berg der ersten Kategorie, Hors-Catégorie-Anstiege brachten dem Gewinner 20 Punkte in der Bergwertung ein. Am Col du Portillon , am Col de Portet und am Col d’Aubisque wurden die Punkte verdoppelt. Im Durchschnitt waren die 53 kategorisierten Anstiege der 105. Tour de France rund 6,77 Kilometer lang. Der längste Anstieg war der zum Col de la Croix de Fer , während die nur rund 0,7 Kilometer lange Wertung am Côte de Vix die kürzeste ihrer Art war. Den steilsten durchschnittlichen Anstieg hatte die 6,0 Kilometer lange Anfahrt zum Montée du Plateau des Glières, am flachsten war der Anstieg zum Côte de Roc’h Trevezel. Auf dem Col de Portet wurde das Souvenir Henri Desgrange vergeben, auf dem Col du Tourmalet das Souvenir Jacques Goddet. Legende: 1. Etappe | 2. Etappe | 3. Etappe | 4. Etappe | 5. Etappe | 6. Etappe | 7. Etappe | 8. Etappe | 9. Etappe | 10. Etappe | 11. Etappe | 12. Etappe | 13. Etappe | 14. Etappe | 15. Etappe | 16. Etappe | 17. Etappe | 18. Etappe | 19. Etappe | 20. Etappe | 21. Etappe Fahrerfeld | Bergwertungen … 1933 | 1934 | 1935 | 1936 | 1937 | 1938 | 1939 | — | 1947 | 1948 | 1949 | 1950 | 1951 | 1952 | 1953 | 1954 | 1955 | 1956 | 1957 | 1958 | 1959 | 1960 | 1961 | 1962 | 1963 | 1964 | 1965 | 1966 | 1967 | 1968 | 1969 | 1970 | 1971 | 1972 | 1973 | 1974 | 1975 | 1976 | 1977 | 1978 | 1979 | 1980 | 1981 | 1982 | 1983 | 1984 | 1985 | 1986 | 1987 | 1988 | 1989 | 1990 | 1991 | 1992 | 1993 | 1994 | 1995 | 1996 | 1997 | 1998 | 1999 | 2000 | 2001 | 2002 | 2003 | 2004 | 2005 | 2006 | 2007 | 2008 | 2009 | 2010 | 2011 | 2012 | 2013 | 2014 | 2015 | 2016 | 2017 | 2018 | 2019 | 2020 | 2021 | 2022 | 2023 Siehe auch: Gepunktetes Trikot | Souvenir Henri Desgrange | Souvenir Jacques Goddet | Liste der höchstgelegenen Bergwertungen | Liste der Bergpreissieger auf dem Col du Tourmalet Liste der Überquerungen: Col du Galibier • Col du Télégraphe • Col du Lautaret • Col d’Aspin • Col d’Aubisque • Col du Soulor
2024-12-03 21:52:29
https://de.wikipedia.org/wiki/Verkehrsgemeinschaft_Garmisch-Partenkirchen
Die Verkehrsgemeinschaft Garmisch-Partenkirchen ist eine Tarifkooperation von drei Verkehrsunternehmen, die im Landkreis Garmisch-Partenkirchen Buslinien betreiben. Die VG-GAP wurde zum 1. Juni 2001 gegründet, als sich die Gemeindewerke Garmisch-Partenkirchen , die Karl Hans Terne Co. OHG Verkehrsgesellschaft Garmisch-Partenkirchen / Eibsee-Verkehrsgesellschaft OHG und der Regionalverkehr Oberbayern GmbH zur Verkehrsgemeinschaft Garmisch-Partenkirchen zusammenschlossen. Seither werden bei unternehmensübergreifenden Busfahrten innerhalb des Landkreises Garmisch-Partenkirchen durchgehende Fahrkarten ausgegeben. Ein echter Gemeinschaftstarif wie in anderen Verkehrsgemeinschaften besteht jedoch nicht, die jeweiligen Haustarife der an der VG-GAP beteiligten Unternehmen existieren auch weiterhin. Die sogenannten „Kombi-Fahrscheine“ der VG-GAP sind 15 Prozent günstiger als der jeweilige Normalfahrpreis der beteiligten Verkehrsunternehmen. Der Fahrpreis eines solchen Kombi-Fahrscheins ergibt sich aus der Addition der Teilstrecken zum jeweiligen Haustarif der benutzten Busunternehmen – von dieser Summe werden anschließend die 15 Prozent VG-GAP-Rabatt abgezogen. Zum Gemeinschaftstarif werden Einzelfahrscheine für Erwachsene, Einzelfahrscheine für Kinder, Mehrfahrtenkarten , Wochenkarten und Monatskarten angeboten. Augsburg | Bodensee-Oberschwaben | Landkreis Cham | Donau-Iller | DonauWald | Ingolstadt | Mainfranken | München | Großraum Nürnberg | Regensburg | Rottal-Inn | Salzburg | Bayerischer Untermain Allgäu | Altötting | Donau-Ries | Kelheim | Kissingen | Landsberg | Landshut | Mittelschwaben | Mühldorf | Oberpfalz Nord | Ostallgäu | Rhön-Grabfeld | Schweinfurt | Straubing Land Amberg-Sulzbach | Fichtelgebirge | Garmisch-Partenkirchen | Oberallgäu | Rosenheim | Tirschenreuth | Weiden–Neustadt an der Waldnaab Altmühltal | Bamberg | Coburg | Deggendorf | Haßberge | Hochfranken | Kempten | Kulmbach | Main-Spessart | Neuburg-Schrobenhausen | Passau Land | Würzburg
2024-12-01 22:26:50
https://de.wikipedia.org/wiki/Blackjack_Cars
Blackjack Cars ist ein britischer Hersteller von Automobilen. Richard Oakes gründete 1996 das Unternehmen in Helston in der Grafschaft Cornwall. Er begann mit der Produktion von Automobilen und Kits. Der Markenname lautet Blackjack. Insgesamt entstanden bisher etwa 85 Exemplare. Das erste Modell war der Avion. Dies war ein Dreirad mit hinterem Einzelrad. Ein Rohrrahmen aus Stahl bildete die Basis. Ein Zweizylindermotor vom Citroën 2 CV trieb das Fahrzeug an. Die offene türlose Karosserie bot Platz für zwei Personen. Bis 2005 entstanden etwa 70 Exemplare. Seit 2005 steht der Zero im Angebot. Er ist ähnlich aufgebaut, hat aber einen stärkeren Motor. Zunächst war es ein luftgekühlter Vierzylinder-Boxermotor vom VW Käfer und seit 2008 ein Motorradmotor von Moto Guzzi. Aktuelle Marken: Adam's | Aeon | AK | AM | Arash | Ariel | Arkley | ASD | ASM | Asquith | Asquith | Aston Martin | Autotune | BAC | Beauford | Bentley | Blackjack | Blaze | Blitzworld | Bounty | Bowler | BRA | Brooke | Buckland | Bugle | Caburn | Caterham | Chesil | Cobretti | Crendon Replicas | CWR | Dakar | Dare | Darrian | David Brown | Dax | Deronda | DNA | Doon | Dutton | Eclipse | Elysee | ERA | Europa | Exact | Extreme | Flite | Foers | Ford | Foreman | FRS | Furore | Gardner Douglas | GBS | Gentry | Gibbs | Ginetta | GKD | GP | Grinnall | Hawk | HDS | Healy | Hoppa | Image | Imperial | Jaguar | JAS | JBA | JH | Jimini | JZR | Kellforms | King | Kingfisher Kustoms | Kougar | Land Rover | Lenham | Liege | Lister | Listerbell | Locust | Lomax | Lotus | LTI | Lynx | Lynx AE | Mac | Mac #1 | Madgwick | Maelstrom | Manx | McLaren | MEV | Midas | Midge | Midland Classic | Minari | Mini | Minus | Mirach | MK | MNR | Morgan | MR 2 Kits | Noble | Onyx | Parallel | Peel | Pembleton | Pilbeam | Pilgrim | Procomp | Prowler | Quantum | Radical | Ram | Renegade | Renegade | RKC | Roadrunner | Rolls-Royce | Ronart | RS | RSK | Sammio | Scamp | Searoader | Sidewinder | Simod | Sin | Spire | Storm Warrior | Stuart Taylor | Supersnake | Sylva | Technic | Tempest | Thruxton | Tifosi | Tiger | Toniq | Tornado | Tribute | Triking | Turismo | Tushek | TWRR | Ultima | Vauxhall | Vincent | Volksrod | Vortex | Wam | Westfield | Xanthos | Zenos Ehemalige Marken nach 1945: 356 Sports | AB 1 | AB Performance | ABC | ABS | AC | AD | Adams | ADJ | Adrenaline | AF | AF | Africar | AGM | AKS | Albany | Albo | Aleat | Alfa | Alfastyl | Allard | Allard | Allora | Altair | Alto | Alto | Alvis | Amalfi | Andersen | Anglebug | Animoto | Aquarius | Aquila | ARA | Argson | Argyll | Aries | Armstrong Siddeley | Arnott | Arteesi | Ascari | Ashley | Astra | Atlantis | Auriga | Ausfod | Austin | Austin-Healey | Autech | Auto Milan | Auto Speciali | Autobee | Autobodies | Autocom | Autocult | AVA | Avante | AVC | Avelle | AWE | Ayrespeed | BAD Design | Baja | Bamby | Bamby | Bandit | Banham | Barabus | Barchetta | Barrett | Beach Buggy | Beaman | Beardalls | Beardmore | Beaujangle | Beaver | Bedford | Bedouin | Bell Performance | Berkeley | Berkeley | Bertini | Bilmar | Biota | Birchfield | BM | BMA | Bohanna Stables | Bonallack | Bond | Bonito | Bradford | Bradley | Brightwheel | Bristol | Brit | Britannia | Britton | Broadbest | Broadspeed | Brockmore | Brooker | Brookland | Brookwell | Broomstick | BS | BSA | Buckler | Bullock | Burlington | Buroche | Butterfield | BWE | Calvy | Camber | Cambridge | Candy Apple | Cannon | Caparo | Carbodies | Caribbean | Carisma | Carlton | Carson | Cavallo | CC | CCT | Centaur | Cerity | CHAD | Challemoe | Challenger | Cheetah | Chevron | Chrysler | Citroën | CK | Clan | Classic Chassis Services | Classic English Racing Automobiles | Classic Replicas | Classic Replicas | Classic Sports Cars | CN | Cobra Sports | Coldwell | Conan | Concordette | Connaught | Connaught | Convair | Cool Car 500 | Cooper | Copycats | Coram | Cornish Classic Cars | Coronet | Corry | Costin | Costin | Country Volks | Covin | Cox | CPC | CRS | CSC | CTR | Custom Glassfibre | Cyana | Cygnet | Daimler | Dante | Dash | Davrian | De Bruyne | Deanfield | Deauville | Deep Sanderson | Deetype | Delfino | Delkit | Dellow | DeLorean | Delta | Deltayn | Deon | Dezina | Dial | Diva | DMS | Dominator | Domino | Dorian | Douglas | Dragonfly | Dragonfly | Dreambird | Dri-Sleeve | DRK | Dunsmore | Durow | Dutton | DVT | Eagle | Eaglet | EB | Ecosse | Edge | EEC | EG | Eldon | Elva | Embeesea | Emery | Emmbrook | Encore | Enfield | English Cars of Distinction | Enzo Design | EPC | ERA | Euro 427 | Eurosport | Evanta | Evante | Evolution | Evolution | EWM | Excalibur | Fairlite | Fairthorpe | Falcon | Falcon | Farbio | Farboud | Fergus | FES | FF | Fieldmouse | Fiero Factory | Fletcher | Fleur de Lys | Formula 27 | Foulkes | Fourstyle | Frazer Nash | Freestream | 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Triton | Triumph | Trojan | Troll | Turner | Turner | TVR | TWM | TX | Tyler | Typhoon | Ufo | Unicorn | Unipower | UVA | Vanden Plas | Vario | Venom | Veranti | Vi-Car | Viking | Viking | Vindicator | Vintage | Virago | Viscount | Voodoo | Voyager | VPR | Vulture | Warwick | Wasp | Watford | Watling | Westbourne | Westpole | Whitby | White Rose | Winchester | Wizard | WMC | Wolseley | Worsley | WSM | Wyvern | Xener | Yak | YKC | Zealia | Zero | Zita
2024-12-04 05:23:54
https://de.wikipedia.org/wiki/Saint-Eloy
Saint-Eloy ist eine französische Gemeinde im Département Finistère im Westen der Bretagne mit 221 Einwohnern . Sie gehört zum Arrondissement Brest und ist Mitglied im Gemeindeverband Communauté d’agglomération du pays de Landerneau-Daoulas. Die Bewohner werden Eloyciens und Eloyciennes genannt. Saint-Eloy befindet sich in Norden der historischen Landschaft der Cornouaille zwischen der Rade de Brest und den Monts d’Arrée, etwa 27 Kilometer ostsüdöstlich von Brest. Die Gemeinde befindet sich im Regionalen Naturpark Armorique und wird vom Küstenfluss Mignonne entwässert, der im nordöstlichen Gemeindegebiet am Fuß der Monts d’Arrée entspringt. Ihr in Ost-West-Richtung gestrecktes Gebiet wird im Süden durch einen Nebenfluss des Comfrout begrenzt und erhebt sich in seinem östlichen Teil bei Balanec Alouet Huella bis zu 298 m, geht aber bis auf etwa sechzig Meter im südwestlichen Teil der Gemeinde zurück. Das Zentrum liegt rund 140 m über dem Meeresspiegel. Das Gebiet von Saint-Eloy ist Teil des Natura 2000-Schutzgebiets „Forêt du Cranou, Menez Meur“ und von drei ZNIEFF-Naturzonen. Fast drei Viertel der Fläche der Gemeinde werden landwirtschaftlich genutzt, nur etwa 1,5 % sind bewaldet. Umgeben wird Saint-Eloy von den vier Nachbargemeinden: Das Gebiet von Saint-Eloy ist seit langer Zeit besiedelt. Ein Grab aus der Bronzezeit wurde gefunden, das durch landwirtschaftliche Arbeiten zerstört wurde. Nördlich der heutigen Gemeinde verlief eine Römerstraße, die von Landerneau nach Brasparts führte. Im Zentrum der Gemeinde wurden Fliesen aus der Römerzeit gefunden. Der alte Name der Gemeinde ist Le Fresq. Er ist in Dokumenten über die Abtei von Daoulas erwähnt. La terre du Fresque , das sich von den Weilern Forsquilly bis Roc'h Bleizy erstreckt, wurde 1173 vom Vicomte von Léon der Abtei von Daoulas geschenkt. Das Wort „fresk“, das auch im Namen des westlich der Stadt gelegenen Dorfes Fresbuzic vorkommt, ist mit dem altfranzösischen fresche „Brachland, Grasland, Weide“ zu vergleichen. Die Gemeinde trug den Namen Saint-Eloy du Fresque im Jahr 1486, Saint Esloy im Jahr 1567 und Sand Alar auf Bretonisch. Saint-Eloy ist eine ehemalige Filialgemeinde der Gemeinde Irvillac, und Forsquilly und seine Ländereien waren im 12. Jahrhundert eine Probstei, abhängig von der Lehnsherrschaft Irvillac. Im Dorf befand sich seit dem 15. Jahrhundert eine Kapelle, die dem heiligen Eloi gewidmet war. Die Pfarrkirche befindet sich östlich der alten Kapelle und wurde von den Mönchen der Abtei von Daoulas errichtet, die sich auf der Flucht vor der Pest 1521 in Saint-Eloy niederließen. Im 15. Jahrhundert, am 4. Mai 1485, genehmigte Franz II., Herzog der Bretagne, die Abhaltung eines Jahrmarkts. Schiefer ist in der Landschaft von Saint-Eloy allgegenwärtig. Der Steinbruch Roc'h Vraz wurde bis in die 1950er Jahre ausgebeutet. Die Departementsstraße 18 durchquert die Gemeinde von Südwest nach Nordost und verbindet sie mit Le Faou über Hanvec im Südwesten und mit Sizun im Nordosten. Die Bahnstrecke Savenay–Landerneau durchquert das Gebiet der Gemeinde auf einem kurzen Abschnitt ohne Haltepunkt. Bohars | Bourg-Blanc | Brest | Brélès | Coat-Méal | Daoulas | Dirinon | Gouesnou | Goulven | Guilers | Guipavas | Guissény | Hanvec | Hôpital-Camfrout | Île-Molène | Irvillac | Kerlouan | Kernilis | Kernouës | Kersaint-Plabennec | La Martyre | Lampaul-Plouarzel | Lampaul-Ploudalmézeau | Lanarvily | Landerneau | Landunvez | Landéda | Lanildut | Lanneuffret | Lannilis | Lanrivoaré | Le Conquet | Le Drennec | Le Folgoët | La Forest-Landerneau | La Roche-Maurice | Le Relecq-Kerhuon | Lesneven | Le Tréhou | Loc-Brévalaire | Locmaria-Plouzané | Logonna-Daoulas | Loperhet | Milizac-Guipronvel | Ouessant | Pencran | Plabennec | Plouarzel | Ploudalmézeau | Ploudaniel | Ploudiry | Plougastel-Daoulas | Plougonvelin | Plouguerneau | Plouguin | Plouider | Ploumoguer | Plounéour-Brignogan-Plages | Plourin | Plouvien | Plouzané | Plouédern | Porspoder | Saint-Divy | Saint-Eloy | Saint-Frégant | Saint-Méen | Saint-Pabu | Saint-Renan | Saint-Thonan | Saint-Urbain | Trébabu | Tréflévénez | Trégarantec | Tréglonou | Trémaouézan | Tréouergat
2024-12-02 07:06:28
https://de.wikipedia.org/wiki/Bibai
Bibai ist eine Stadt in der Unterpräfektur Sorachi auf der Insel Hokkaidō . Bibai liegt südwestlich von Asahikawa und nordöstlich von Sapporo. Die Stadt besteht seit dem 1. April 1950. Der Bahnhof Bibai liegt an der Hakodate-Hauptlinie von JR Hokkaido; von dieser zweigte in den Jahren 1914 bis 1972 die zum Mitsubishi-Konzern gehörende Bibai-Bahnlinie ab. Die Stadt ist auch über die Dōō-Autobahn und die Nationalstraße 12 erreichbar. Abashiri | Akabira | Asahikawa | Ashibetsu | Bibai | Chitose | Date | Ebetsu | Eniwa | Fukagawa | Furano | Hakodate | Hokuto | Ishikari | Iwamizawa | Kitahiroshima | Kitami | Kushiro | Mikasa | Mombetsu | Muroran | Nayoro | Nemuro | Noboribetsu | Obihiro | Otaru | Rumoi | Sapporo | Shibetsu | Sunagawa | Takikawa | Tomakomai | Utashinai | Wakkanai | Yūbari Abashiri-gun: Ōzora | Bihoro | Tsubetsu | Abuta-gun: Toyoura | Tōyako | Niseko | Makkari | Rusutsu | Kimobetsu | Kyōgoku | Kutchan | Akan-gun: Tsurui | Akkeshi-gun: Akkeshi | Hamanaka | Ashoro-gun: Ashoro | Rikubetsu | Esashi-gun: Hamatombetsu | Nakatombetsu | Esashi | Furubira-gun: Furubira | Furuu-gun: Tomari | Kamoenai | Futami-gun: Yakumo | Hidaka-gun: Shinhidaka | Hiroo-gun: Taiki | Hiroo | Hiyama-gun: Esashi | Kaminokuni | Assabu | Horoizumi-gun: Erimo | Ishikari-gun: Tōbetsu | Shinshinotsu | Isoya-gun: Rankoshi | Iwanai-gun: Kyōwa | Iwanai | Kabato-gun: Tsukigata | Urausu | Shintotsukawa | Kameda-gun: Nanae | Kamiiso-gun: Shiriuchi | Kikonai | Kamikawa-gun : Takasu | Higashikagura | Tōma | Pippu | Aibetsu | Kamikawa | Higashikawa | Biei | Kamikawa-gun : Wassamu | Kembuchi | Shimokawa | Kamikawa-gun : Shintoku | Shimizu | Kasai-gun: Memuro | Nakasatsunai | Sarabetsu | Katō-gun: Otofuke | Shihoro | Kamishihoro | Shikaoi | Kawakami-gun: Shibecha | Teshikaga | Kayabe-gun: Shikabe | Mori | Kudō-gun: Setana | Kushiro-gun: Kushiro | Mashike-gun: Mashike | Matsumae-gun: Matsumae | Fukushima | Menashi-gun: Rausu | Mombetsu-gun: Engaru | Yūbetsu | Takinoue | Okoppe | Nishiokoppe | Ōmu | Nakagawa-gun : Bifuka | Otoineppu | Nakagawa | Nakagawa-gun : Makubetsu | Ikeda | Toyokoro | Honbetsu | Niikappu-gun: Niikappu | Nishi-gun: Otobe | Notsuke-gun: Betsukai | Okushiri-gun: Okushiri | Rebun-gun: Rebun | Rishiri-gun: Rishiri | Rishirifuji | Rumoi-gun: Obira | Samani-gun: Samani | Saru-gun: Biratori | Hidaka | Setana-gun: Imakane | Shakotan-gun: Shakotan | Shari-gun: Shari | Kiyosato | Koshimizu | Shibetsu-gun: Nakashibetsu | Shibetsu | Shimamaki-gun: Shimamaki | Shiranuka-gun: Shiranuka | Shiraoi-gun: Shiraoi | Sorachi-gun: Kamifurano | Kamisunagawa | Minamifurano | Naie | Nakafurano | Namporo | Sōya-gun: Sarufutsu | Suttsu-gun: Suttsu | Kuromatsunai | Teshio-gun: Embetsu | Teshio | Horonobe | Toyotomi | Tokachi-gun: Urahoro | Tokoro-gun: Kunneppu | Oketo | Saroma | Tomamae-gun: Tomamae | Haboro | Shosambetsu | Urakawa-gun: Urakawa | Uryū-gun: Moseushi | Chippubetsu | Uryū | Hokuryū | Numata | Horokanai | Usu-gun: Sōbetsu | Yamakoshi-gun: Oshamambe | Yoichi-gun: Niki | Yoichi | Akaigawa | Yūbari-gun: Yuni | Naganuma | Kuriyama | Yūfutsu-gun: Abira | Atsuma | Mukawa | Shimukappu
2024-12-02 06:12:18
https://de.wikipedia.org/wiki/Montfortorden
Der Montfortorden wird seit 1985 für die Pflege freundschaftlicher Beziehungen zum Land Vorarlberg verliehen. Die Verleihung erfolgt durch die Landesregierung gemäß dem Gesetz bzw. der Verordnung über den Montfortorden. Der Orden geht auf das Adelsgeschlecht Montfort zurück, dessen Herrschaftsgebiet Feldkirch und Bregenz umfasste. Der Montfortorden kann in den Klassen Großer Montfortorden, Montfortorden in Gold und Montfortorden in Silber vergeben werden.
2024-12-04 04:27:44
https://de.wikipedia.org/wiki/Umfahrungsstra%C3%9Fe
Eine Ortsumgehung oder Umgehungsstraße beziehungsweise eine Umfahrungsstraße ist eine Straße, die einen Ort vom Straßenverkehr, insbesondere vom Fernverkehr bzw. Durchgangsverkehr, entlasten und den Verkehrsfluss verbessern soll. Umfahrungsstraßen sind entweder in Ringform angelegt oder führen einseitig am Ortskern vorbei. Im letztgenannten Fall werden sie häufig nach ihrer Verlaufsrichtung benannt . Es gibt auch Straßen, die um besondere Einrichtungen führen, insbesondere solche von militärischer Bedeutung. So entstand nördlich von Nauen eine Umgehung im Verlauf der B 273, um die Nähe der Sendeanlagen zu vermeiden und ebenfalls an der B 179 nördlich von Königs Wusterhausen an der dortigen Sendeanlage. Auf diese Weise wird der Durchgangsverkehr aus den Arealen ferngehalten. Die Überlegung, dem lang bewährten Straßennetz diese neuen Trassen hinzuzufügen, kam Anfang der 1950er Jahre auf . Im Gegensatz zur Ortsumgehung wird bei einer Teilortsumgehung oder einer Teilumfahrung nicht der komplette Ort umgangen; stattdessen wird die Straße innerhalb des Ortes auf eine neue Trasse verlegt, auf der der Durchgangsverkehr die Ortschaft besser passieren kann. Teilortsumgehungen werden dann gebaut, wenn eine vollständige Umgehungsstraße wirtschaftlich oder technisch nicht sinnvoll ist. Die Planung einer Teilortsumgehung ist eng mit der Stadtplanung der jeweiligen Ortschaft verbunden. Von einer Teilumfahrung abzugrenzen ist die Spange, die zwei Hauptachsen miteinander verbindet. Ursprünglich entwickelten sich Ortschaften an Verkehrswegen, weil der Handel, als Voraussetzung für sich entwickelnde Gemeinden, ohne geeignete Verkehrswege nicht möglich ist. Was zunächst vor allem ein Standortvorteil war, entwickelte sich mit dem Aufkommen des Kraftverkehrs allerdings mehr und mehr zur Belastung. Der Regionalverkehr entsteht im Wesentlichen aus der Belieferung von Handelsunternehmen und Industriebetrieben, dem Warenversand ortsansässiger Unternehmen sowie aus dem privaten und öffentlichen Personenverkehr auf dem Weg zum Arbeitsplatz, zum Einkaufen oder für sonstige Besorgungen. Ein Ansatz, der wenig überregionalen Verkehr anzieht, aber den Ortskern entlastet, ist eine langsame Umfahrungsstraße, die schmaler und mit engeren Kurven geplant wird. Die Zerstückelung der Umgehungsstraße unter Einsatz von Kreisverkehren ist in diesem Zusammenhang beliebt wie umstritten, weil sie auch als Zumutung empfunden wird. In Deutschland ist der Fachbegriff bezüglich dieser Straßen im Zuge von Bundesstraßen Ortsumgehung . Sofern in Landesstraßengesetzen diese Straßen bezeichnet werden, wird auch hier der Begriff Ortsumgehung verwendet ). Weitere Bezeichnungen sind auch Ortsumfahrung oder Umgehungsstraße. Die Planung von Ortsumgehungen ist oft Anlass für Diskussionen in der Kommunalpolitik, an denen nicht selten Bürgerinitiativen beteiligt sind. Auf der einen Seite gibt es Bürgerinitiativen, die den geplanten Straßenverlauf kritisieren, da zum Beispiel Anwohner am Stadtrand durch den Bau der Umgehung zusätzlich belastet werden oder weil sie naturschutzrechtliche Bedenken haben. Auf der anderen Seite gibt es Bürgerinitiativen, die durch den Bau einer Ortsumfahrung eine Verkehrsentlastung für den Ort erwarten und mit ihrer Arbeit Planung und Bau vorantreiben wollen. Bei einigen dieser Pro-Straße-Bürgerinitiativen wurde nach Angaben des Spiegel die eigene Gründung durch die Gesellschaft zur Förderung umweltgerechter Straßen- und Verkehrsplanung , einer Lobbyorganisation der Automobil- und Straßenbauindustrie, initiiert. Vielerorts sollen Umgehungsstraßen ganz oder teilweise auf bestehenden Eisenbahntrassen verlaufen, die hierzu stillgelegt, abgebaut und entwidmet werden müssen, gegebenenfalls entgegen Initiativen zu deren Erhalt oder Reaktivierung. Anderweitige Bebauung, Gewässer oder schützenswerte naturnahe Flächen erzwingen, zumindest in bergigem Gelände, häufig eine aufwändige Streckenführung mit Brücken oder Tunnels. Die erheblichen Kosten, die damit verbunden sind, verzögern oder verhindern nicht selten ebenfalls den Bau von Ortsumgehungen. Beide Problemfelder beeinflussen sich unter Umständen gegenseitig und verkomplizieren die Lösung von Interessenskonflikten weiter. Eine weitere Problematik kann der Siedlungsdruck durch Handels- und Industriebetriebe im Bereich der Anschlussstellen darstellen. Die durch Ortsumgehungen entstehenden Erreichbarkeitsvorteile an den Anschlussstellen können Konkurrenzstandorte zu bestehenden Handelszentren, Stadt- und Ortskernen entstehen lassen. Diese geänderten Standortvorteile stellen eine besondere Herausforderung für die Raumordnung dar. Generell sind die Effekte von Ortsumgehungen umstritten. Große Lobbyverbände wie Pro Mobilität, die Industrie- und Handelskammern oder die GSV, die sich für den Neubau zahlreicher Ortsumgehungen einsetzen, erwarten dabei: Der Umweltlobbyverband BUND hingegen spricht beim Bau von Ortsumgehungen in einem Hintergrundpapier von Scheinlösungen. Er erwartet beim Ortsumgehungsbau: Auch der ökologisch orientierte VCD sieht den Sinn derartiger Vorhaben kritisch. Die Zeit resümiert: „Ortsumfahrungen... sind bei Hinterbänklern des Bundestages beliebte Vorzeigeprojekte. Das Bundesverkehrsministerium bekam freilich in einer von ihm selbst in Auftrag gegebenen Untersuchung bescheinigt, dass 60 Prozent der Projekte nichts oder kaum etwas zur Entlastung der Ortschaften beitragen.“ Um die Verkehrsbelastung von Ortschaften zu verringern, gibt es einige Alternativen. Dazu zählen Maßnahmen zur Reduzierung des Straßenverkehrslärms , Verkehrsvermeidung, Verkehrsverlagerung und Verkehrsberuhigung. LKW-Durchfahrtsverbote können an Strecken eingesetzt werden, bei denen aufgrund einer parallel verlaufenden mautpflichtigen Straße LKW-Ausweichverkehr durch die Ortschaften fährt.
2024-11-24 13:11:58
https://de.wikipedia.org/wiki/Gewalt_gegen_Polizisten
Gewalt gegen Polizisten umfasst alle Formen von verbaler Gewalt bis hin zu Körperverletzung und Tötung. Statistisch erfasst wird jedoch nur die enger gefasste Gewaltkriminalität. Das Gegenteil ist die von Polizeivollzugsbeamten ausgehende Polizeigewalt. Im Jahr 2019 wurden in der polizeilichen Kriminalstatistik 36.126 Fälle von Widerständen gegen und tätliche Angriffe auf Vollstreckungsbeamte und gleichstehende Personen erfasst; darunter waren 14.919 tätliche Angriffe. Von den 13.906 Tatverdächtigen bei den tätlichen Angriffen waren 11.486 männlich und 4.294 nichtdeutsch . In Deutschland wurden zwischen 2001 und 2013 fast 1000 Gewaltdelikte registriert, die rechtsextreme Täter gegen die Polizei und weitere Sicherheitsbehörden verübten, darunter Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Landfriedensbruch und Körperverletzung. Demgegenüber kam es allein 2018 zu 625 linksextremistisch motivierten Gewalttaten gegen die Polizei/Sicherheitsbehörden, darunter 146 Körperverletzungen. Die Gewerkschaft der Polizei meldete 2014, dass im Schnitt pro Tag 162 Beamte Opfer von Straftaten würden. Die Journalistin Friederike Haupt vermutete 2013 in der FAZ, dass diese Zahlen der Sicherung von Privilegien dienen sollen: „Die zwei wichtigsten finanziellen Privilegien von Polizisten sind aus der Gefährlichkeit ihres Berufs hergeleitet: die Polizeizulage und die freie Heilfürsorge … Je größer die Gefahr, desto sicherer die Privilegien. Dafür wird auch schon mal bei der Beweisführung getrickst.“ Seit 2009 fordert die Gewerkschaft der Polizei eine neue Strafrechtsnorm „§ 115 StGB – tätlicher Angriff auf einen Vollstreckungsbeamten“ zu schaffen. Seit 2018 ist nun „Tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte und gleichstehende Personen §§ 114, 115 StGB“ in der deutschen Polizeiliche Kriminalstatistik erfasst. Von 2018 auf 2019 stiegen die hier erfassten Anzeigen von 11.704 auf 14.919 an. Einen tatsächlichen Anstieg von Gewalt gegenüber Polizisten lässt sich aus steigenden Fallzahlen nach §§ 114 nicht ableiten, da es diesen Paragraphen erst seit wenigen Jahren gibt. Rafael Behr meint, die Zahlen der Statistik müssten nüchtern betrachtet werden. Nicht alles, was nach §§ 114 registriert wird, sei mit einer körperlichen Beschädigung verbunden. Außerdem nähme die Gewalt gegen Polizisten nicht in dem Maße zu, wie es Politik und Interessengruppen behaupten, die Vorteile von dieser Darstellung haben. Ein Herausstellen einer Gewaltzunahme gegen Polizisten läge im Interesse vor allem von Sicherheitspolitikern, um Anlass zu Investitionen in Sicherheitskräfte zu begründen, mit denen sie ihre eigene Handlungsfähigkeit darstellen können. Besonders hohe mediale Aufmerksamkeit erhalten Fälle von Polizisten, die im Dienst getötet wurden. Von 1945 bis 2022 wurden mehr als 400 Polizisten im Dienst tödlich verletzt. Darunter fielen dem linksextremen Terror der Roten Armee Fraktion 10 Polizisten zum Opfer.
2024-12-04 11:17:15
https://de.wikipedia.org/wiki/Sighnaghi
Sighnaghi ist eine Stadt in der Region Kachetien im Osten Georgiens. Sie ist das administrative Zentrum der Munizipalität Sighnaghi und mit 1485 Einwohnern gemäß Volkszählung von 2014 eine der kleinsten Städte Georgiens. Sighnaghi liegt 52 Kilometer südöstlich von Telawi, der Hauptstadt der Region Kachetien. Sighnaghi entstand in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts an der Stelle einer alten georgischen Festung. Nach der Besetzung des Königreichs Kartlien-Kachetien durch das Russische Kaiserreich 1801 wurde Sighnaghi Sitz eines Ujesd, nach mehreren Verwaltungsreformen ab 1846 im Bestand des Gouvernements Tiflis. Sighnaghi hat eine gut erhaltene Stadtmauer aus dem 18. Jahrhundert und Straßen mit Pflastersteinen. Zusammen mit der Lage auf einem Hügel hat sie dadurch einen besonderen Reiz. In den letzten Jahren wurde Sighnagi mit Geldern aus verschiedenen Quellen saniert und für den Tourismus hergerichtet. Die Stadt ist seither ein Tourismuszentrum und verfügt über entsprechende Einrichtungen wie eine Station für Sammeltaxis, Busparkplätze sowie Hotels und Gaststätten. Auf dem Markt werden lokale Produkte angeboten. Sighnaghi nennt sich „die georgische Stadt der Liebe“. Da in Georgien auf jedem beliebigen Standesamt geheiratet werden kann, wird der Ort wegen seiner Kulisse oft von Paaren für die standesamtliche Hochzeit ausgewählt. Das Rathaus ist entsprechend eingerichtet und hat extra dafür einen 24-Stunden-Service sieben Tage in der Woche. Im Ort gibt es das Sighnaghi Museum als Teil des Georgischen Nationalmuseums. Dort werden archäologische Funde, Informationen zur Stadtgeschichte sowie Werke von Niko Pirosmani und Lado Gudiaschwili gezeigt. Eine große Statue zeigt den Philosophen Solomon Dodaschwili. Im Ort gibt es vier georgisch-orthodoxe Kirchen. Etwa zwei Kilometer von Sighnaghi entfernt liegt das Kloster Bodbe, das über dem Begräbnisort der Heiligen Nino errichtet ist. In der Nähe des Orts liegt auch die Quelle der Heiligen Nino. Das Wasser der Quelle wird für Taufzeremonien verwendet und soll heilende Wirkung haben. Pilger können sich mit dem Wasser der Quelle in einem Badehaus waschen. Die Stadt liegt inmitten von einem Weinanbaugebiet und so spielt auch der Wein eine wichtige Rolle in der Stadt und es gibt entsprechende Angebote und Weinproben.
2024-12-04 07:10:06
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_denkmalgesch%C3%BCtzten_Objekte_in_Gerlos
Die Liste der denkmalgeschützten Objekte in Gerlos enthält die 5 denkmalgeschützten, unbeweglichen Objekte der Tiroler Gemeinde Gerlos. Quelle für die Auswahl der Objekte sind die vom BDA jährlich veröffentlichten Denkmallisten des jeweiligen Landes. Die Tabelle enthält im Einzelnen folgende Informationen: Die Tabelle ist alphabetisch nach dem Standort des Denkmals sortiert. Das Sortierkriterium ist die Katastralgemeinde und innerhalb dieser die Adresse. Durch Klicken von Karte mit allen Koordinaten OSM • WikiMap wird die Lage aller Denkmale im gewählten Kartenobjekt angezeigt. Achenkirch | Aschau im Zillertal | Brandberg | Bruck am Ziller | Buch | Eben am Achensee | Finkenberg | Fügen | Fügenberg | Gallzein | Gerlos | Gerlosberg | Hainzenberg | Hart im Zillertal | Hippach | Jenbach | Kaltenbach | Mayrhofen | Pill | Ramsau im Zillertal | Ried im Zillertal | Rohrberg * | Schlitters | Schwaz | Schwendau | Stans | Steinberg am Rofan | Strass im Zillertal | Stumm | Stummerberg * | Terfens | Tux | Uderns | Vomp | Weer | Weerberg | Wiesing | Zell am Ziller | Zellberg * Für diese Gemeinde ist kein denkmalgeschütztes Objekt ausgewiesen
2024-12-02 10:39:08
https://de.wikipedia.org/wiki/Carsten_Keller_(Hockeyspieler)
Carsten Keller ist ein ehemaliger deutscher Hockeyspieler und Olympiasieger. Er spielte insgesamt 133-mal für die deutsche Hockeynationalmannschaft der Herren. Bereits vor seiner Einschulung lernte Keller mit dem Hockeyschläger umzugehen, denn bereits sein Vater Erwin Keller gewann 1936 bei den Olympischen Spielen in Berlin die Silbermedaille. Später lernte er Versicherungskaufmann. Carsten Keller nahm 1960 erstmals an Olympischen Spielen teil und wurde Siebter. Acht Jahre später wurde er mit der deutschen Mannschaft Vierter bei den Spielen in Mexiko-Stadt. 1972 in München gewann er als Spielführer der Nationalmannschaft die Goldmedaille und beendete damit die langjährige Dominanz von Pakistan in diesem Sport . Bei der Schlussfeier war er der Fahnenträger der bundesdeutschen Mannschaft. Danach zog er sich als deutscher Rekordnationalspieler vom aktiven Sport zurück und wurde Trainer beim Berliner Hockey Club. In dieser Funktion gewann er zwölfmal die deutsche Meisterschaft mit Jugendmannschaften. Carsten Keller arbeitet hauptberuflich als selbständiger Generalvertreter eines Versicherungskonzerns. Drei seiner Kinder sind ebenfalls Medaillengewinner bei Olympia. Sein Sohn Andreas gewann Gold in Barcelona 1992 und Silber in Los Angeles 1984 und in Seoul 1988. Die Tochter Natascha gewann die Goldmedaille bei den Sommerspielen 2004. Sohn Florian Keller gewann die Goldmedaille bei den Sommerspielen 2008. 1896–1904 keine Fahnenträger • 1906 Georg Hax • 1908 Wilhelm Kaufmann • 1912 Karl Halt 1920/24 keine Teilnahme • 1928 Ernst Paulus • 1932 Georg Gehring 1936 Hans Fritsch 1948 keine Teilnahme 1952 Friedel Schirmer 1952 Toni Breder 1956 Karl-Friedrich Haas / Klaus Richtzenhain • Reiterspiele: Fritz Thiedemann / Schwedische Reiter 1960 Fritz Thiedemann / Ingrid Krämer • 1964 Ingrid Engel-Krämer / Bernhard Britting 1968 Wilfried Dietrich / Ingrid Becker • 1972 Detlef Lewe / Carsten Keller • 1976 Hans Günter Winkler / Annegret Richter • 1980 keine Teilnahme • 1984 Willi Kuhweide / Ulrike Meyfarth • 1988 Reiner Klimke / Anja Fichtel 1968 Karin Balzer / Dieter Schubert • 1972 Manfred Wolke / Renate Stecher • 1976 Hans-Georg Reimann / Ruth Fuchs • 1980 Kristina Richter / Waldemar Cierpinski • 1984 keine Teilnahme • 1988 Ulf Timmermann / Olaf Heukrodt 1992 Manfred Klein / Nicole Uphoff • 1996 Arnd Schmitt / Birgit Fischer • 2000 Birgit Fischer / Heike Drechsler • 2004 Ludger Beerbaum / Kathrin Boron • 2008 Dirk Nowitzki / Katrin Wagner-Augustin • 2012 Natascha Keller / Kristof Wilke • 2016 Timo Boll / Sebastian Brendel • 2020 Laura Ludwig, Patrick Hausding / Ronald Rauhe • 2024 Anna-Maria Wagner, Dennis Schröder / Laura Lindemann, Max Rendschmidt 1924 keine Teilnahme • 1928 Karl Neuner • 1932 Martin Schröttle 1936 Georg von Kaufmann 1948 keine Teilnahme 1952 Helmut Böck 1952 keine Teilnahme • 1956 Gesamtdeutsche Mannschaft 1956 Andreas Ostler 1960 Helmut Recknagel / Georg Thoma • 1964 Georg Thoma / Ortrun Enderlein 1968 Hans Plenk / Franz Keller • 1972 Walter Demel / Wolfgang Zimmerer • 1976 Wolfgang Zimmerer / Rosi Mittermaier • 1980 Urban Hettich / Irene Epple • 1984 Monika Pflug / Peter Angerer • 1988 Peter Angerer / Fritz Fischer 1968 Thomas Köhler / Klaus-Michael Bonsack • 1972 Klaus-Michael Bonsack / Wolfgang Scheidel • 1976 Meinhard Nehmer / Ulrich Wehling • 1980 Jan Hoffmann / Frank Ullrich • 1984 Frank Ullrich / Karin Enke • 1988 Frank-Peter Roetsch / Christa Rothenburger 1992 Wolfgang Hoppe / Antje Misersky • 1994 Mark Kirchner / Claudia Pechstein • 1998 Jochen Behle / Gunda Niemann • 2002 Hilde Gerg / Georg Hackl • 2006 Kati Wilhelm / Claudia Pechstein • 2010 André Lange / Magdalena Neuner • 2014 Maria Höfl-Riesch / Felix Loch • 2018 Eric Frenzel / Christian Ehrhoff • 2022 Claudia Pechstein, Francesco Friedrich / Thorsten Margis
2024-11-24 02:08:46
https://de.wikipedia.org/wiki/Zaki_al-Arsuzi
Zakī al-Arsūzī bzw. Zaki al-Arzouzi war ein syrischer Lehrer, Philosoph und Politiker sowie ein Vordenker des Panarabismus. Obwohl Arsuzi bereits früh an einer Mektep-Schule den Koran auswendig lernte und seine Mutter Maryam aus einer religiösen Familie entstammte, wurde er später Atheist. Nach dem Besuch der osmanischen rüştiye-Mittelschule und seinem Studium an der Pariser Sorbonne ließ sich der Alawit Arsuzi zunächst in der von Alawiten dominierten Hafenstadt Antiochia, der Hauptstadt des 1920 französisch gewordenen Sandschak Alexandrette, nieder. Dort organisierte er 1938 eine panarabische Kampagne gegen die Abtretung des Gebiets an die Türkei, musste aber 1939 seine Heimat verlassen und floh nach Damaskus. In Damaskus traf Arsuzi um 1940 auf Michel Aflaq und Salah ad-Din al-Bitar, die späteren Gründer der Baath-Partei. Die später einander verfeindeten syrischen und irakischen Flügel der Partei stellten in ihrer offiziellen Parteigeschichte die Rolle bzw. den Anteil Arsuzis bei der Gründung unterschiedlich dar. Daraus resultieren auch unterschiedliche Angaben über das Gründungsjahr. Offensichtlich ist Arsuzi – im Gegensatz zu seinen Schülern und Anhängern – trotz gewisser gemeinsamer panarabischer Anschauen aus persönlichen Differenzen mit Aflaq der Partei selbst nicht beigetreten, spätestens nach der Vereinigung der Baath-Partei mit Akram al-Hauranis Arabischer Sozialistischer Partei 1953 zog er sich zunächst aus der Politik zurück. Das bewahrte ihn vor innerparteilichen Machtkämpfen und Säuberungen, aber nicht davor, nach seinem Tod von den 1966 bzw. 1970 an die Macht gelangten alawitischen Neo-Baathisten ideologisch vereinnahmt zu werden.
2024-12-04 03:09:52
https://de.wikipedia.org/wiki/Einliniendiagramm
Ein Einliniendiagramm ist eine Form von Stromlaufplan, welche primär im Bereich der elektrischen Energietechnik Anwendung findet. Mit einem Einliniendiagramm werden 3-phasige Stromnetze vereinfacht dargestellt. Ein Bezug auf einzelne Außenleiter erfolgt in dieser Darstellung nicht, die Darstellung kann auch bei asymmetrischen Dreiphasensystemen Anwendung finden. Alle elektrischen Elemente sind durch standardisierte Symbole repräsentiert. Diese Darstellungsart und deren Symbole sind in der DIN EN 60617-6:1997-08 Graphische Symbole für Schaltpläne - Teil 6: Schaltzeichen für die Erzeugung und Umwandlung elektrischer Energie , normiert. Einliniendiagramme dienen dazu, übersichtlich elektrische Anlagen wie beispielsweise in Kraftwerken oder elektrischen Energieverteilungsnetzen darzustellen. Eine wesentliche Anwendung ist die Lastflussberechnung. Je nach Bedarf und Anwendung werden in dem Diagramm neben den normierten Schaltsymbolen für Transformatoren, Lastschalter, Generatoren oder Wechselrichter auch Spannungs- oder Leistungsflussangaben eingetragen. Bei Kraftwerksanlagen werden auch die wesentlichen Verbraucher wie Pumpen dargestellt, weitergehende Details fehlen allerdings. Häufig werden diese Größen zur weiteren Vereinfachung relativ im sogenannten Per-Unit-System dokumentiert. In nebenstehender Abbildung ist das Einliniendiagramm eines Blocks eines Kohlekraftwerks darstellt. Darin weist jede Spannungsebene eine eigene Farbe auf. Links ist der Hauptgenerator mit Fremderregung dargestellt, links oben der Maschinentransformator für die direkte Anspeisung in das Hochspannungsnetz. Während des Betriebs versorgt sich das Kraftwerk direkt vom Hauptgenerator über den oben zentrisch abgebildeten Eigenbedarfstransformator, welcher zwei redundant ausgeführte 10-kV-Stromschienen speist. Aus dem Eigenbedarf wird die Leit- und Steuertechnik, diverse Pumpen und Elektrofilter gespeist. Zur Sicherung gegen Ausfälle sind verschiedene Notstromversorgungen vorgesehen. Der dargestellte Kraftwerksblock ist nicht schwarzstartfähig und benötigt zum Anfahren die rechts oben eingezeichnete extern zugeführte 110-kV-Anspeisung. Die Art der Abstraktion und die Beschränkung dieser Diagramme auf das Wesentliche ist vergleichbar mit den R&I-Diagrammen in der Verfahrenstechnik.
2024-12-03 16:42:18
https://de.wikipedia.org/wiki/Romain_Lucazeau
Romain Lucazeau ist ein französischer Science-Fiction-Autor und Wirtschaftsberater. Lucazeau studierte an der École normale supérieure in Paris und erwarb einen MBA des Collège des ingénieurs. Er war Dozent für politische Wissenschaft an der Sciences Po und der Universität Paris-Sorbonne . Danach arbeitete er für eine Beraterfirma in Paris und Casablanca und bei dem französischen Think-Tank Institut de l'Entreprise. Seit 2014 arbeitet er für die Unternehmensberatung Roland Berger. 2008 begann Lucazeau eine Reihe von Science-Fiction-Kurzgeschichten zu veröffentlichen, die mehrfach ausgezeichnet wurden. 2016 erschien sein Roman Latium, eine Space Opera in zwei Bänden, die 2017 mit dem Grand Prix de l’Imaginaire ausgezeichnet wurde.
2024-12-04 02:09:43
https://de.wikipedia.org/wiki/Sauerstoffbar
Eine Sauerstoffbar ist eine Einrichtung, an der man durch einen Mundaufsatz oder eine Nasenbrille 50 bis 99%igen Sauerstoff einatmen kann. Dadurch sollen Gesundheit und Befinden positiv beeinflusst werden. Im Handel sind auch so genannte Sauerstoffduschen erhältlich, denen ähnliche Wirkungen zugeschrieben werden. Sauerstoffbars gibt es seit den frühen 1980er Jahren in vielen asiatischen Großstädten wie Tokio, in denen Menschen täglich unter Smog und Luftverschmutzung leiden. Seit 1997 verbreitet sich dieser Trend auch nach Amerika, wo die erste Bar in Los Angeles eröffnet wurde. Eingeatmete Luft besteht normalerweise aus 78 % Stickstoff, 1 % Argon und 21 % Sauerstoff, von dem aber bei einem Atemzug nur ein Viertel wirklich verbraucht wird. Ein höherer Sauerstoffgehalt in der Luft soll zu mehr Leistungsfähigkeit und Konzentration sowie besserer Durchblutung führen. Versprochen werden unter anderem eine Verbesserung der körpereigenen Immunabwehr, Verbesserung der körperlichen Belastbarkeit sowie verschiedene positive Auswirkungen im „Wellness-und-Beauty“-Bereich. Normalerweise ist das Blut ausreichend mit Sauerstoff gesättigt . Überflüssiger Sauerstoff wird wieder ausgeatmet. Die oben genannten Auswirkungen sind wissenschaftlich nicht begründet und beruhen auf Suggestiveffekten. Zur Sauerstoff-Langzeittherapie sind die „Duschen“ ungeeignet. Das Luftproblem in Ballungsräumen besteht nicht im Sauerstoffmangel, sondern in einer hohen Schadstoffbelastung . Auch bei Smog ist der Sauerstoffanteil der Luft ausreichend. Zudem besteht das Risiko von Infektionen, bei Vorerkrankungen kann eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes eintreten.
2024-12-03 16:04:18
https://de.wikipedia.org/wiki/Schiffsverlust
Unter dem Sammelbegriff Schiffsverlust versteht man den Teilverlust und den Totalverlust eines Schiffes. Wird ein Schiff stark beschädigt oder geht es sogar komplett verloren, so zieht das eine Reihe versicherungsrechtlicher Fragen nach sich. Versicherungstechnisch wird der Schiffsverlust unterteilt in:
2024-12-04 07:33:17
https://de.wikipedia.org/wiki/Parpaner_Schwarzhorn
Das Parpaner Schwarzhorn ist ein Berg auf der Lenzerheide im Kanton Graubünden in der Schweiz. Es liegt in den Plessur-Alpen und gehört zu den Gemeinden Tschiertschen-Praden und Churwalden. Der Berg ist von Urden und Farur her durch Bergwanderwege erschlossen. Er kann auch vom Urdenfürggli aus leicht bestiegen werden.
2024-12-04 05:56:59
https://de.wikipedia.org/wiki/Ixetic
Die ixetic GmbH war ein Zulieferer der Automobilindustrie, der bei Entwicklung und Produktion von Hydraulik- und Vakuumpumpen für Lastkraft- und Personenkraftwagen weltweit führend war. Das Unternehmen wurde 2012 von dem kanadischen Zulieferer Magna International erworben und eingegliedert. Die Geschichte von Ixetic beginnt mit der Gründung der barmag Maschinenfabrik in Wuppertal 1922. Ein weiteres Vorläuferunternehmen war das 1956 gegründete Vickers Deutschland in Bad Homburg, das ab 1961 Mercedes-Benz belieferte und zwei Jahre später mit der Produktion von Lenkhelfpumpen in Bad Homburg begann. Vickers errichtete 1971 das Werk Zeppelinstraße und lieferte sieben Jahre später die ersten Vakuumpumpen an Audi und VW. Ein großer Schritt in Richtung der heutigen Unternehmensform geschah im Jahre 1991, als es zu einem Joint-Venture zwischen LuK und barmag kam und im selben Jahr der Automotive-Hydraulikbereich von Vickers durch LuK übernommen wurde. Aus BarLuK wurde zwei Jahre später LuK Automobiltechnik Hückeswagen als Tochter der LuK Fahrzeughydraulik Bad Homburg. Ab 1997 wurden die ersten stufenlosen Getriebe gefertigt und zwei Jahre später erstmals Fahrwerkspumpen geliefert. 2005 kam dann die Fertigung von Klimakompressoren hinzu. Ixetic wurde im März 2006 aus der LuK Gruppe ausgegliedert. Neuer Eigentümer des Unternehmens war die Beteiligungsgesellschaft Motion Equity Partners . Der Umsatz stieg von 286 Millionen Euro auf rund 300 Millionen Euro 2012. Ixetic gewann 2007 die Auszeichnung Hessen-Champions 2007 Weltmarktführer bei Fahrwerkspumpen im Auftrag des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung. 2009 wurde ein Joint Venture mit DSI in Bangalore gegründet, 2010 folgte ein Montagewerk in China. Magna International gab im Oktober 2012 die Unterzeichnung einer Vereinbarung über den Erwerb des Unternehmens bekannt. Der zu zahlende Kaufpreis für 100 % der ausstehenden Aktien von Ixetic betrug ca. 308 Millionen Euro. 2018 verkaufte Magna seine Sparte Global Fluid Pressure & Controls Business insgesamt an den koreanischen Automobilzulieferer Hanon Systems. Stammsitz des Unternehmens war Bad Homburg vor der Höhe, weitere Standorte waren Hückeswagen , Plovdiv , Brunswick , Shanghai . Repräsentanzen gibt es in Yokohama , Russland, Indien und Korea. ixetic beschäftigte zuletzt über 1200 Mitarbeiter.
2024-12-02 08:04:13
https://de.wikipedia.org/wiki/Haus_Albert
Albert ist eine Familie des französischen Adels, das u. a. den Titel Herzog von Luynes führt. Es stammt aus Florenz und musste die Stadt als Anhänger der ghibellinischen Partei im letzten Quartal des 14. Jahrhunderts verlassen. Luigi Alberti floh nach Südfrankreich, sein Sohn Tommaso war bereits Herr von Boussargues und amtierte als Vogt im Vivarais und Valentinois, Léon d’Albert war Co-Seigneur de Luynes, heute ein Ortsteil von Aix-en-Provence. Der Aufstieg der Familie aus dem niederen provenzalischen Adel in den Rang eines Pair de France vollzog sich innerhalb weniger Jahre. Charles d’Albert wurde 1611 der Falkner und schließlich engste Freund und Vertraute des jungen Königs Ludwig XIII., für den er 1617 einen Staatsstreich gegen dessen Mutter Maria de’ Medici initiierte, in dessen Folge Ludwig ihn zu seinem Ersten Minister machte. 1619 wurde Charles zum Herzog von Luynes erhoben und 1621 zum Connétable von Frankreich ernannt. Das Herzogtum bestand seinerzeit aus der Grafschaft Maillé in der Touraine einschließlich der davon abhängigen Gebiete, die wiederum aus der Baronie Maillé und der Herrschaft Rochecorbon gebildet worden war. Der Name Luynes wurde vom provenzalischen Ort Luynes übernommen, der zur Besitz der Familie Albert gehörte. Charles Bruder Honoré wurde 1619 zum Marschall von Frankreich ernannt und 1621 zum Herzog von Chaulnes und Pair de France erhoben. Léon d’Albert, der dritte Bruder, heiratete 1620 die Erbin des Herzogtums Piney-Luxembourg und erhielt zu diesem Titel ebenfalls den Rang eines Pairs. Weitere Herzogs- und Fürstentitel kamen bald hinzu: Duc de Chevreuse für den zweiten Herzog von Luynes, Duc de Montfort l’Amaury, Duc de Picquigny, Prince de Neufchâtel, Prince d’Orange etc. Gegenwärtiges Familienoberhaupt ist Philippe d’Albert de Luynes, 13. Duc de Luynes, Duc de Chevreuse mit Familiensitz auf Schloss Luynes im Loiretal und Schloss Dampierre bei Paris. Das oberitalienisch-österreichische Adelsgeschlecht der Alberti von Poja entstammt diesem französischen Geschlecht.
2024-12-02 06:38:25
https://de.wikipedia.org/wiki/Sylvia_Elvira_Klar
Sylvia Elvira Klar war eine deutsche Widerstandskämpferin und NS-Opfer. Klar war die Tochter des Justizrats Arnold Adlerstein und seiner Frau Ida, geborene Gotthelf und hatte eine Schwester, Johanna. Ihre Eltern ließen sich bereits in ihrer Kinderzeit scheiden. Am 23. Juli 1910 heiratete sie den Orthopäden Max Moritz Klar. Das Ehepaar sympathisierte mit der Sozialdemokratischen Partei und war mit dem Juristen und späteren bayerischen Ministerpräsidenten Wilhelm Hoegner befreundet. Nach dem Verbot der SPD im Juni 1933 versteckten sie den von der Bayerischen Politischen Polizei gesuchten Hoegner in ihrem Jagdhaus in der Nähe von Ingolstadt und später in ihrer Wohnung in der Jutastraße in München-Neuhausen. Am 11. Juli 1933 fuhr Sylvia Klar Hoegner zusammen mit zwei Freunden im Auto ihres Mannes in die Nähe von Mittenwald, von wo aus Hoegner nach Tirol fliehen konnte. Über ihre Freundin Lotte Branz hatte Klar auch Kontakte zur Widerstandsgruppe „Neu Beginnen“. Am 14. März 1933 wurde ihr Ehemann Max Klar festgenommen und ins Gefängnis Stadelheim gebracht. In der Reichspogromnacht am 9./10. November 1938 wurde Max Klar ins KZ Dachau verschleppt, wo er, an schwerer Diabetes leidend, am 30. November 1938 verstarb. Am 1. Dezember 1939 verhaftete die Gestapo Sylvia Klar „wegen Vergehen gegen das Heimtückegesetz“. Am 2. Februar 1940 wurde sie als „politische Gefangene“ ins Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück verschleppt. Im Juni 1940 wurde Klar zusätzlich wegen Devisenvergehens angeklagt, da sie emigrierten Freunden geholfen hatte, Wertgegenstände ins Ausland zu bringen. Im März 1941 wurde sie zu ihrer Gerichtsverhandlung wieder nach München gebracht und am 4. März 1941 vom Landgericht München I zu vier Monaten Gefängnis und 1.000 Reichsmark Geldstrafe verurteilt. Am 21. April 1941 wurde Sylvia Klar erneut in das KZ Ravensbrück deportiert, später als arbeitsuntauglich selektiert und im Rahmen der Aktion 14f13 Anfang Juni 1942 in der Tötungsanstalt Bernburg ermordet. Am 27. Januar 2019 wurde von der Stadt München ein Erinnerungszeichen vor ihrer Wohnung in der Jutastr. 24 im Münchner Stadtteil Neuhausen-Nymphenburg angebracht.
2024-11-23 20:48:51
https://de.wikipedia.org/wiki/Edward_W._Morley
Edward Williams Morley war ein US-amerikanischer Chemiker. Edward Morley wuchs als Sohn eines Geistlichen der Kongregationalisten in West Hartford auf, wohin er nach seiner Versetzung in den Ruhestand auch zurückkehrte. Im Jahr 1860 erhielt er seinen Abschluss am Williams College. Danach besuchte er ein Theologisches Seminar und war im letzten Jahr des Bürgerkrieges in der Sanitätskommission der Nordstaaten. Danach unterrichtete er am South Berkshire Institut in Massachusetts. Morley war vielseitig begabt , brachte sich viele Fächer wie Mathematik und Medizin selbst bei und unterrichtete in vielen Fächern; daneben war er auch ein sehr geschickter Handwerker. Seine einzigen höheren Abschlüsse waren ehrenhalber . 1868 erhielt er den Ruf, die Kongregationalistenkirche in Twinsburg in Ohio zu leiten, nahm aber wenig später stattdessen die Gelegenheit wahr, am Western Reserve College in Hudson zu unterrichten . Das College zog 1882 50 Kilometer nördlich nach Cleveland. Er blieb dort bis zu seiner Emeritierung 1906. Morley war als geschickter Experimentator bekannt. Die bekannteste seiner Arbeiten ist das Michelson-Morley-Experiment, das er 1887 zusammen mit Albert A. Michelson durchführte. Weder er noch Michelson akzeptierten, dass es die Theorie vom Lichtäther widerlegte. Im Nachhinein wurde das Experiment aber als Beleg für Einsteins Spezielle Relativitätstheorie von 1905 gesehen. Zusammen mit Dayton C. Miller führte er 1902–1905 mehrere Wiederholungen des Experiments durch, welche abermals negative Resultate erbrachten. Bekannt ist er auch für seine exakte Bestimmung des Verhältnisses der Molekulargewichte von Sauerstoff zu Wasserstoff , veröffentlicht 1895. Es gilt als Höhepunkt der Molekularmassenbestimmungen mit „nasser Chemie“ und übertraf an Genauigkeit die aller seiner Zeitgenossen. Morley arbeitete auch über die chemische Zusammensetzung der Erdatmosphäre, thermischer Ausdehnung und die Lichtgeschwindigkeit in einem Magnetfeld. 1892 wurde er in die American Academy of Arts and Sciences gewählt, 1897 in die National Academy of Sciences und 1903 in die American Philosophical Society. 1907 bekam er die Davy-Medaille der Royal Society. Er war Präsident der American Association for the Advancement of Science. Der Mondkrater Morley ist nach ihm benannt. Morley war verheiratet, hatte aber keine Kinder.
2024-12-02 11:34:46
https://de.wikipedia.org/wiki/Automobilfabrik_Celeritas
Die Automobilfabrik Celeritas war ein Hersteller von Automobilen aus Österreich-Ungarn. Wilhelm Stift sen. , der 1900 das Unternehmen August Braun, Erste Österreichische Motorfahrzeugfabrik verließ, gründete Ende 1900 in Wien das Unternehmen zur Produktion von Automobilen. 1903 endete die Produktion. Wilhelm Stift gründete daraufhin zusammen mit den Brüdern Gräf Gräf & Stift. Es wurden Kleinwagen hergestellt. Es kamen Zweizylindermotoren von Buchet zum Einsatz. Ein Fahrzeug dieser Marke war im Jahre 2000 im Technischen Museum in Wien zu besichtigen. Achilles | Adam | Adler | Aero | Aesculap | Alba | Albl | Aurore | Austro-Cyclecar | Austro-Daimler | Austro-Fiat | Bock & Hollender | Bohrer | Bory | Braun | Celeritas | Continental | Csonka | Czech | Dedics | Egger-Lohner | Elektrotechnická | ESA | Friedmann-Knoller | Ganz | Gräf | Gräf & Stift | Hudec | Kainz | KAN | Kohout | Křižík | Kronos | Lamprecht | Laurin & Klement | Leesdorfer | Linser | Lohner | Lohner-Porsche | MÁG | Maja | Mars | Marta | Müller | MWF | Nesselsdorf | Neuhaus & Pauer | Niesner | Omega | Orion | PAT-PAF | Perfekt | Phönix | Praga | Premier | Puch | Rába | RAF | Reform | Regent | Röck | Rösler & Jauernig | Simmeringer | Spitz | Thein & Goldberger | Theyer & Rothmund | Torpedo | Turicum | Věchet | Velox | WAF | Walter | Weiser | Wiener Automobil | Wohl Mag | Wyner | Zimmermann
2024-11-22 17:47:13
https://de.wikipedia.org/wiki/John_Ratzenberger
John Dezso Ratzenberger ist ein US-amerikanischer Schauspieler und Synchronsprecher. Bekannt wurde er durch die Rolle des Besserwissers Clifford C. „Cliff“ Clavin, Jr. in der US-Fernsehserie Cheers. Geboren wurde Ratzenberger in Bridgeport, aufgewachsen ist er in Black Rock. Er besuchte die Sacred Heart University, wo er Englisch studierte, Karate lernte und als Bogenschieß-Lehrer arbeitete. In seiner Freizeit trat er einem Schauspiel-Club bei. Das erste Stück, in dem er auftrat, war Summer and Smoke. Er verfolgte die Schauspielerei dann weiter und ergatterte später Hauptrollen in West Side Story und Waiting for Godot. Ratzenberger verließ die Schule nach vier Jahren und nahm einen Job auf einem Austernfänger-Boot an. Frühere College-Kameraden spürten ihn auf und boten ihm eine Hauptrolle in ihrer Produktion Luv im Stowe Playhouse an. Er blieb am Playhouse, wo er in verschiedenen Ein-Mann-Stücken auftrat. Nachdem das Theater niedergebrannt war, ging er nach North Wolcott in Vermont, wo er einen Job als Schmied und Zimmermann annahm. Fast zwei Jahre ging er diesen Tätigkeiten nach, dann flog er nach England, wo er eigentlich nur einen dreiwöchigen Urlaub verbringen wollte, doch dann blieb er zehn Jahre dort. In London gründete Ratzenberger eine Improvisations-Theater-Gruppe namens Sal’s Meat Market, für die er als Co-Autor arbeitete, Regie führte und auch selbst auftrat. Bis zu 15 verschiedene Rollen spielte er manchmal pro Stück. Irgendwann wurde der British Arts Council auf ihn aufmerksam, und Ratzenberger und ein Partner bekamen finanzielle Unterstützung, damit sie durch Clubs und Theater in ganz Europa touren konnten. 1976 hatte Ratzenberger an der Seite von Rita Moreno seine erste Rolle als Patron in einem Kinofilm, in The Ritz. Seitdem hat er in über 20 Filmen mitgespielt, überwiegend in Nebenrollen wie in Die Brücke von Arnheim, Yanks – Gestern waren wir noch Fremde, Superman, Superman II, Ragtime, Star Wars V – Das Imperium schlägt zurück, Outland – Planet der Verdammten, Der Kampfkoloß und Gandhi. In der DVD-Version von Das Imperium schlägt zurück| wurde die kurze Szene, in der er mitspielte, allerdings gestrichen. In die Vereinigten Staaten kehrte Ratzenberger 1981 zurück. Ab da verlagerten sich seine Rollen mehr in Richtung Fernsehfilm und Fernsehserie. Im 2009 gedrehten Film What If … Ein himmlischer Plan spielte er einen Engel. Die bekanntesten Serien, in denen er mitspielte, waren Polizeirevier Hill Street, Code Red und Cheers. Bei vielen Filmen und Serien arbeitet er bis heute auch als Regisseur. Seine Stimme lieh er diversen Figuren in den US-amerikanischen Ausgaben in allen Pixar-Animationsfilmen . In dem Disney-Spielfilm Dieser verflixte Kater war er auch zu sehen. Ratzenberger lebt heute geschieden in Los Angeles. Er arbeitet als Produzent, Regisseur und Autor. Er besitzt eine eigene Produktionsfirma namens Fiddlers Bay Productions. In all diesen Serien spielte er an der Seite von George Wendt.
2024-11-29 09:12:05
https://de.wikipedia.org/wiki/Lachsfische
Bachsaibling Die Familie der Lachsfische , auch Salmoniden oder Forellenfische genannt, umfasst zahlreiche Gattungen und Arten beliebter Speisefische wie Lachse, Forellen, Renken und Äschen. Sie ist die einzige Familie der Lachsartigen und wird in die drei Unterfamilien Coregoninae, Salmoninae und Thymallinae unterteilt. Abweichend werden die Coregoninae auch in eine eigene Familie gestellt. Lachsfische lebten ursprünglich ausschließlich auf der nördlichen Erdhalbkugel, in Europa, Asien, mit Ausnahme der Arabischen Halbinsel, des indischen Subkontinents und Südostasiens, im westlichen und nördlichen Nordamerika, auf Island und an der Küste Grönlands. Lachsfische leben entweder ihr ganzes Leben im Süßwasser oder sind Wanderarten, die im Süßwasser schlüpfen, dann in das küstennahe Meer wandern, dort einige Jahre leben und zum Laichen wieder zurück in ihre Schlüpfgewässer wandern. In Europa gibt es sechs heimische Arten sowie sechs weitere, die vom Menschen aus Nordamerika eingeführt wurden. Einige Salmonidenarten sind vom Menschen aus wirtschaftlichen Gründen auch in anderen Teilen der Welt eingebürgert worden, unter anderem in Ländern der südlichen Erdhalbkugel mit gemäßigtem Klima, wie Neuseeland, Südaustralien, Argentinien und Chile, aber auch in den Andenregionen von Peru. Salmoniden haben einen langgestreckten, im Querschnitt ovalen Körper. Ihre Flossen haben nur Weichstrahlen. Die Bauchflossen befinden sich in der Mitte des Körpers. Zwischen der einzigen Rückenflosse und der Schwanzflosse befindet sich bei fast allen Arten eine kleine Fettflosse. Die Wirbelsäule besteht aus 50 bis 75 Wirbeln, die letzten drei Wirbel, in der Schwanzwurzel, bilden einen nach oben zeigenden Bogen. Der Kiemenapparat umfasst 7 bis 20 Kiemenstrahlen , die teilweise, bei Planktonfressern, als Reusen ausgebildet sind. Das Seitenlinienorgan ist gut ausgebildet und vollständig. Lachsfische werden 12 Zentimeter bis 1,50 Meter lang. Die Coregoninae haben ein kleines Maul, große Schuppen, weniger als 110 entlang des Seitenlinienorgans, weniger als 16 Flossenstrahlen in der Rückenflosse, keine Zähne auf der Maxilla und nur kleine oder keine auf dem Vomer . Sie sind einfarbig grau, weißlich oder braun. Die Thymallinae haben ein kleines Maul, mittelgroße Schuppen, mehr als 17 Flossenstrahlen in der sehr großen Rückenflosse und Zähne auf der Maxilla. Die Salmoninae haben ein großes Maul, kleine Schuppen, mehr als 110 entlang des Seitenlinienorgans, weniger als 16 Flossenstrahlen in der Rückenflosse und kräftige Zähne, auch auf der Maxilla. Die Männchen entwickeln im Alter oft einen hakenförmigen Ober- und Unterkiefer. Sie sind oft sehr bunt. Alle Salmoniden bevorzugen kühle Gewässer, Gebirgsbäche und Flüsse sowie tiefe kühle Seen. Sie ernähren sich carnivor , die kleinmäuligen Coregoninae von Zooplankton, die anderen Arten auch von größeren Krebstieren und kleineren Fischen. Alle Lachsfische laichen im Süßwasser über kiesigem oder steinigen Untergrund. Dazu schlägt das Weibchen durch heftige Schwanzbewegungen eine Laichgrube aus. Die Entwicklung der Eier dauert in den kühlen Laichgewässern 1,5 bis über 6 Monate. Die Lachsfische sind die einzige Familie der Lachsartigen . Sie werden in drei Unterfamilien unterteilt, die Salmoninae, die Thymallinae und die Coregoninae. Kladistisch bilden Salmoninae und Thymallinae ein gemeinsames Taxon, das die Schwestergruppe der Coregoninae ist. Die Coregoninae werden manchmal auch als eigene Familie angesehen. Der älteste fossile Salmonide ist Eosalmo aus dem mittleren Eozän von Nordamerika, der die primitive Schwestergruppe aller rezenten Gattungen der Salmoninae ist. Durch die Eiszeit wurden viele Populationen immer wieder voneinander getrennt und in kleine und kleinste Gewässer isoliert. So entstanden eine Vielzahl sehr nah miteinander verwandter Arten, Unterarten und Formen, deren verwandtschaftliche Beziehungen nur unzureichend bekannt sind. Zusammengebracht hybridisieren viele Arten wieder. Oncorhynchus Saiblinge incl. Salvethymus Parahucho Salmo Brachymystax Hucho Äschen Coregonus Stenodus Prosopium Es gibt elf Gattungen und etwa 225 Arten: Lachsfische sind schmackhafte Speisefische, werden von Berufsfischern gefangen, in Aquakulturen und Teichwirtschaften gezüchtet und sind auch begehrtes Ziel der Hobbyangler. In Europa kommen jährlich 300.000 Tonnen Atlantischer Lachs aus Aquakulturen auf den Markt. Die Menge der Erträge aus Fischzuchtbetrieben übertrifft inzwischen die Wildfänge bei weitem.
2024-11-22 23:05:23
https://de.wikipedia.org/wiki/Olm%C3%BCtz
Olmütz ist die sechstgrößte Stadt Tschechiens und Verwaltungssitz der Olmützer Region . Die Stadt ist Sitz eines Erzbistums, der zweitältesten tschechischen Universität und eines der beiden tschechischen Obergerichte. Sie war bis ins 17. Jahrhundert das historische Zentrum Mährens und ist heute ein Handels-, Kultur- und Verwaltungszentrum. Olmütz liegt im östlichen Teil Tschechiens, in Mähren, in der Flussaue der March an der Stelle der Einmündung der Feistritz. Die Stadt befindet sich in einer nach Nordwesten und Südosten geöffneten Ebene, welche von Westen und insbesondere von Osten von höheren geomorphologischen Formationen umgeben ist. Die Stadtmitte liegt auf einer Höhe von 219 m ü. M. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 8,7 °C, der durchschnittliche Jahresniederschlag um 570 mm. Die durchschnittliche Sonnenscheindauer beträgt 1616,7 Stunden im Jahr. Die Stadt Olmütz besteht aus den Ortsteilen und Katastralbezirken: Grundsiedlungseinheiten sind 17. listopadu, Balcárkova, Bělidla I, Bělidla II, Bystrovanská, Černá cesta, Černovír, Českobratrská, Droždín, Družební, Fakultní nemocnice, Hádky, Hejčín, Heyrovského, Hlavní nádraží, Hodolany, Hodolany-průmyslový obvod, Holice, Holická, Husova, Chomoutov, Chválkovice, Chválkovice-jih, Jezírka, Jihoslovanská, Karafiátova, Klášterní Hradisko, Kosmonautů, Kpt. Nálepky, Kropáčov, Lazce, Lošov, Městský dvůr, Na dílech, Na konečné, Na ohradě, Na Vlčinci, Na vozovce, Nedvězí, Nemilany, Neředín, Neředín-u pevnůstky, Norská, Nové Sady-jih, Nové Sady-sever, Novosadská, Nový Svět, Olomouc-historické jádro, Ondřejova, Ovesniska, Pavlovičky, Pionýrská, Pod koupalištěm, Pod lipami, Povel-jih, Pražská-východ, Pražská-západ, Průmyslová zóna Hodolany, Přichystalova, Radíkov, Řepčín, Sady Flora, Schweitzerova, Slavonín, Sobieského, Stadiony, Stiborova, Stupkova, Svatý Kopeček, Šantova, Šibeník, Štítného, Tererovo náměstí, Topolany, Tovární, Trávníky, Týneček, U hvězdárny, U Chválkovic, U rybářských stavů, U rybníka, U solných mlýnů und Varšavské náměstí. Im 12. Jahrhundert waren Olomuc und Olmuc die ersten überlieferten Namensformen. Im 15. Jahrhundert wurde eine angebliche erste Form Juliomontium vermutet, nach Julius Caesar als angeblichem Gründer. Die ursprüngliche Bedeutung ist unklar. Im Alttschechischen bedeutet Olomouc ‚kahler Berg‘ . Der Name der Stadt lautet im mährisch-hannakischen Dialekt, einer Untergruppe der mittelmährischen Dialekte des Tschechischen, Olomóc oder Holomóc, auf Deutsch Olmütz, auf Polnisch Ołomuniec und auf Lateinisch Eburum oder Olomucium. Beschreibung: In Blau ein goldgekrönter rot-weiß geschachter Adler mit goldener Bewehrung begleitet von den vier goldenen Majuskeln S, P, Q, O in den vier Ecken. Die Buchstaben stehen für Senatus populusque Olomucensis . Das Wappen wurde 1758 mit dem österreichischen Bindenschild und den Initialen „FMT“ als Mittelschild geschmückt. Anlass war die Verleihung dieses Wappenteils durch Maria Theresia als Anerkennung der Standhaftigkeit der Festung Olmütz gegen preußische Truppen unter König Friedrich II. Die Initialen standen für Kaiser Franz I. und die Kaiserin. Auch wurde eine Kette um den Schild als Zeichen der Stadtbefestigung gelegt. Diese Wappenbesserungen wurden 1934 entfernt. Ende des 2. Jahrhunderts befand sich hier ein römisches Heerlager, das nördlichste bekannte in Mitteleuropa. Bis ins 5. Jahrhundert gab es eine germanische Besiedelung. Im späten 7. Jahrhundert entstand eine erste slawische Siedlung im heutigen Ortsteil Povel. Um 830 wurde diese zerstört. Es entstand eine neue Burg auf dem Petersberg , die nach ihrer Größe vermutlich zu den wichtigen Burgen des Mährerreiches zählte. Im 9. Jahrhundert wurden drei Kirchen gebaut. Olmütz wurde im Jahr 1017 erstmals schriftlich erwähnt, als Mähren Teil des böhmischen Staates der Přemysliden wurde. 1055 war es Sitz eines eigenen Teilfürstentums. 1063 wurde das Bistum Olmütz durch Vratislav II. gegründet. Um 1070 entstand eine neue Burg. 1077 wurde das Kloster Hradisko gegründet. 1126 wurde Heinrich Zdik zum Bischof ernannt. Anfang des 13. Jahrhunderts starb der letzte Olmützer Fürst, Mähren wurde vereint und einem Markgrafen aus dem Geschlecht der Přemysliden unterstellt. Zum Jahr 1248 wird Olomouc erstmals als Königsstadt erwähnt. 1306 hielt sich König Wenzel III. während eines Feldzuges nach Polen in Olmütz auf und wurde hier ermordet, wodurch die Dynastie der Přemysliden im Mannesstamm erlosch. Die Stadt entwickelte sich wirtschaftlich sehr schnell und wurde zur Hauptstadt Mährens. In den Hussitenkriegen war Olmütz fester Bestandteil der katholischen Seite. In der Nachfolge der Kartause Dolein, die in den Hussitenkriegen untergegangen war, wurde 1443 die Kartause Olmütz gegründet, die bis zur Aufhebung 1782 bestand. Im 16. Jahrhundert entstanden zahlreiche Paläste im Renaissancestil. 1566 kamen die Jesuiten nach Olmütz. Diese gründeten eine Schule, welche 1573 zur Universität erhoben wurde. 1588 wurde der Bischof zum Reichsfürsten erhoben. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Stadt 1642 von den Schweden eingenommen und acht Jahre okkupiert. Mehrere Blockaden der schwedischen Garnison durch kaiserliche Truppen und die mehrmonatige Belagerung durch Ladislav Burian von Waldstein 1644 blieben erfolglos. Nach dem Dreißigjährigen Krieg verlor die großteils zerstörte und entvölkerte Stadt den Status der mährischen Hauptstadt und trat diesen an Brünn ab. Da durch Brände viel Schaden entstanden war, wurde 1711 eine detaillierte „Feuerlösch-Ordnung“ erlassen, in der auch eine Reihe vorbeugender Maßnahmen zur Sprache kam. Am 26. Dezember 1741 wurde die Stadt von den Preußen im Ersten Schlesischen Krieg eingenommen. Nach diesem Ereignis wurden die Festungsanlagen umfangreich ausgebaut. Einer zweiten Belagerung durch die Preußen im Jahre 1758 hielt die neue Festungsanlage stand. 1777 wurde das Bistum Olmütz zum Erzbistum erhoben. Von 1794 bis 1797 wurde der prominente französisch-amerikanische Soldat und Politiker Marquis Lafayette in Olmütz als politischer Häftling der Donaumonarchie interniert, nachdem er von der antifranzösischen Koalition 1792 in Flandern gefangen genommen und dann vorerst von Preußen eingekerkert worden war. 1841 erhielt die Stadt einen Eisenbahnanschluss. Mitte 1845 wurde die Eisenbahn von Olmütz nach Prag in Betrieb genommen . Im Jahr 1848 beherbergte das Schloss des Erzbischofs den wegen der Revolution in Wien hierher geflohenen kaiserlichen Hof. Kaiser Ferdinand I. übertrug hier am 2. Dezember 1848 dem achtzehnjährigen Franz Joseph I. die Regierung. Am 29. November 1850 wurde in Olmütz durch die Olmützer Punktation zwischen Preußen, Österreich und Russland der Deutsche Bund unter österreichischer Führung wiederhergestellt. In den Jahren 1850 bis 1866 wurden erneut die Befestigungsanlagen erweitert. 1886 wurde dann der Festungsstatus aufgehoben, Olmütz erhielt ein Stadtstatut als Königliche Hauptstadt. 1899 fuhr in der Stadt die erste Straßenbahn. Am Ende des 19. Jahrhunderts hatte Olmütz sechs katholische Kirchen, eine evangelische Kirche, eine Synagoge, ein deutsches und ein tschechisches Gymnasium, eine Realschule, eine Reihe weiterer Bildungsanstalten und war Industriestandort sowie Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und eines Kreisgerichts. Nach dem Zerfall Österreich-Ungarns 1918 und der Gründung der Tschechoslowakei kamen die tschechischen Stadtbürger in die Mehrzahl, was vor allem auf den Zuzug von Tschechen, den Wegzug von Deutschen aber auch auf die Eingemeindung von umliegenden Gemeinden mit zum Teil tschechischer Mehrheit, wie den beiden Städten Hodolein und Neugasse sowie elf weiteren Gemeinden im Jahr 1919 zurückzuführen ist. Im Jahr 1921 lebten in Olomouc 57.206 Einwohner. Am 15. März 1939 wurde die Stadt, wie auch die übrigen Gebiete des am selben Tag vom Deutschen Reich errichteten Protektorats Böhmen und Mähren, von der Wehrmacht besetzt. Noch im Jahr 1939 wurde die Olmützer Universität von der deutschen Besatzungsmacht geschlossen. Erst im Jahr 1946 konnte sie unter dem Namen Palacký-Universität Olmütz wiederhergestellt werden. Die deutschsprachige Bevölkerung wurde 1945/1946 aus Olmütz größtenteils vertrieben. Ihr Vermögen wurde durch das Beneš-Dekret 108 konfisziert, das Vermögen der evangelischen Kirche durch das Beneš-Dekret 131 liquidiert und die katholischen Kirchen enteignet. In den 1970er und 1980er Jahren entstanden in den Randgebieten mehrere Plattenbausiedlungen. Seit 1971 ist die ganze Altstadt als Denkmalschutzreservat geschützt. Das Hochwasser im Jahr 1997 zog die Stadt schwer in Mitleidenschaft, etwa ein Drittel des Stadtgebiets wurde überschwemmt. Im Jahr 2000 wurde die Dreifaltigkeitssäule in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen. Nach der Verwaltungsreform von 2000 wurde die bisherige Kreisstadt mit der Errichtung der Olmützer Region dessen Verwaltungssitz. Die ersten Juden siedelten in Olmütz bereits 906. Ab dem Jahre 1060 hatten sie in einem Ghetto zu wohnen und ein gelbes Erkennungszeichen zu tragen. Im Jahr 1454 wurden sämtliche Juden aus Olmütz ausgewiesen. Dieses Gesetz war bis 1848 gültig. Bei der Volkszählung von 1857 wurden sechs Juden erfasst. 1865 wurde in Olmütz ein jüdischer Religiöser Verband gegründet, aus dem 1892 die selbständige Jüdische Gemeinde Olmütz hervorging, deren erster Rabbiner Berthold Oppenheim wurde. Die Olmützer Synagoge wurde von 1895 bis 1897 erbaut. In der Nacht vom 15. auf den 16. März 1939, nach der Besetzung des Landes durch die Wehrmacht, wurde die Synagoge durch Brandstiftung zerstört. Gleichzeitig wurden etwa 800 Juden festgenommen und später in das Konzentrationslager Dachau deportiert. Einige Sitzbänke der Synagoge wurden ausgebaut, dienten lange als Kirchenbänke in einer Dorfkirche bei Prostějov und wurden schließlich 2004 in der renovierten Synagoge in Krnov aufgestellt. Einige davon stehen heute in der Synagoge von Loštice und erinnern an die in den Konzentrationslagern ermordeten jüdischen Bürger. Der Ehrensitz ist Berthold Oppenheim gewidmet, dem Rabbi von Olmütz und Loštice. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurden 3489 jüdische Bewohner in vier Transporten, am 26. und 30. Juni 1942, am 4. Juli 1942 und am 7. März 1945 in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Nur 285 Juden der Stadtbevölkerung überlebten. Erst jahrzehntelang nach Kriegsende, seit 1989 kam es zu einer Wiederbelebung des jüdischen Kultuslebens in der Stadt, und 1991 wurde eine selbständige jüdische Gemeinde Olmütz, zuständig auch für Šumperk, Jeseník, Bruntál und Přerov, neu gegründet. 2011 wurden die ersten Stolpersteine in Olmütz durch Gunter Demnig verlegt. Sie dienen der Erinnerung an ermordete Opfer der nationalsozialistischen Herrschaft in der Stadt. Olmütz gehört mit Prag und Brünn zu den Städten mit den meisten Stolpersteinen in Tschechien: Ende 2017 waren es in Olmütz 213 Stolpersteine und eine Stolperschwelle. In den letzten Jahren beteiligt sich insbesondere auch die Jüdische Gemeinde Olmütz als Initiator sehr aktiv an der Verlegung der Stolpersteine – bis Herbst 2017 war sie für vier Verlegungen zuständig. Die Stadt Olmütz ist mit 100.233 Einwohnern der sechstgrößte Ort Tschechiens. Olmütz unterhält Städtepartnerschaften mit folgenden Städten: Olmütz ist neben Ostrava das wichtigste Wirtschafts- und Verkehrszentrum in Nordmähren. Der innerstädtische Verkehr wird von fünf Straßenbahnlinien und 23 Buslinien gewährleistet . Der Bahnhof Olomouc hl.n. liegt an den Bahnstrecken Česká Třebová–Olomouc, Nezamyslice–Šternberk, Přerov–Olomouc, Olomouc–Opava východ und Olomouc–Čelechovice na Hané. Weitere Strecken führen in nördlicher Richtung nach Šumperk und Krnov und westlich nach Senice na Hané. In Richtung Süden führen Strecken nach Brünn und über Otrokovice nach Břeclav und weiter nach Wien. Die nächstgelegenen Flughäfen für Fernreisende sind Prag , Wien und Bratislava . Näher gelegen sind die kleineren Flughäfen Ostrava und Brünn . Der öffentliche internationale Flugplatz Olomouc-Neředín befindet sich 3,8 Kilometer westlich vom Stadtzentrum im Stadtteil Neředín. Der Flugplatz wird nur unter Sichtflug-Bedingungen betrieben und verfügt über zwei 520 und 560 Meter lange und 30 Meter breite asphaltierte Start- und Landebahnen für Ultraleichtflugzeuge und zwei 760 Meter lange und 30 Meter breite Grasbahnen. Auf dem Flugplatz ist der Flugrettungsdienst der Region stationiert. Die größte Einrichtung ist das Universitätsklinikum mit 1433 Betten und 50 Abteilungen und Kliniken . Von 1992 bis 2004 wurde das Klinikum umfangreich erweitert und modernisiert und ist so derzeit eines der modernsten Krankenhäuser in Tschechien. Das Olmützer Militärkrankenhaus ist das älteste Militärkrankenhaus in Tschechien. Es wurde 1748 gegründet und siedelt seit 1802 in dem als Nationales Kulturdenkmal geschützten Kloster Hradisko. In der Stadt befinden sich weiter zwei private Polikliniken. Zu den traditionellen in Olmütz angesiedelten Wirtschaftszweigen gehört die Lebensmittelindustrie und Maschinenbau, vertreten u. a. durch die 1970 gegründete Molkerei OLMA, den 1899 gegründete Schokoladenhersteller ZORA , die Pumpentechnikhersteller ISH und Sigma , das Hüttenwerk Moravské železárny, den Salzverarbeiter Solné mlýny Olomouc oder das 1934 gegründete Chemie- und Pharmazieunternehmen FARMAK. In Olmütz befindet sich die Palacký-Universität mit 21.277 Studenten. Die Universität besteht aus 8 Fakultäten und einem Universitätsklinikum. Sie wurde im Jahre 1573 ursprünglich als Jesuiten-Hochschule gegründet und ist die zweitälteste Universität in Tschechien. Das Bistum wurde 1063 erstmals urkundlich erwähnt. Es unterstand bis ins 18. Jahrhundert dem Erzbistum Prag. 1777 wurde Olmütz zur Erzdiözese erhoben. Gleichzeitig wurde das Bistum Brünn als Suffragan der Erzdiözese Olmütz errichtet. Heute umfasst das Erzbistum die Region Nord- und Mittelmährens. Erzbischof und Metropolit ist Jan Graubner. Von hier stammt der berühmte Olmützer Quargel, ein Sauermilchkäse mit strengem Geruch. Das historische Stadtzentrum wurde 1971 zum städtischen Denkmalreservat erklärt. Neben zahlreichen Bürgerhäusern sind die Hausfassaden und historischen Portale besonders sehenswerte Objekte innerhalb des Stadtbilds von Olmütz. Am Oberring sind dies Auf dem Niederring befindet sich eine weitere Pestsäule, die Mariensäule. Zur Olmützer Festungsanlage gehören u. a. Das sehenswerte Gründerzeitviertel, südwestlich der Altstadt, zwischen der Ringstraße und dem Smetana-Park, besitzt eine hohe Bebauung mit prächtigen Fassaden. In Olmütz sind der erfolgreiche Fußballverein SK Sigma Olomouc und der Eishockeyverein HC Olomouc beheimatet. Jährlich findet im Juni die Laufveranstaltung Mattoni Olomouc-Halbmarathon. Der Lauf ist vom internationalen Leichtathletikverband als Gold-Rennen eingestuft. Die Teilnehmerzahlen liegen bei über 4300 Läufern . Bekannte Persönlichkeiten der Stadt sind in der Liste von Persönlichkeiten der Stadt Olmütz aufgeführt. Babice | Bělkovice-Lašťany | Bílá Lhota | Bílsko | Blatec | Bohuňovice | Bouzov | Bukovany | Bystročice | Bystrovany | Červenka | Daskabát | Dlouhá Loučka | Dolany | Doloplazy | Domašov nad Bystřicí | Domašov u Šternberka | Drahanovice | Dub nad Moravou | Dubčany | Grygov | Haňovice | Hlásnice | Hlubočky | Hlušovice | Hněvotín | Hnojice | Horka nad Moravou | Horní Loděnice | Hraničné Petrovice | Huzová | Charváty | Cholina | Jívová | Komárov | Kozlov | Kožušany-Tážaly | Krčmaň | Křelov-Břuchotín | Libavá | Liboš | Lipina | Lipinka | Litovel | Loučany | Loučka | Luběnice | Luká | Lutín | Lužice | Majetín | Medlov | Měrotín | Město Libavá | Mladeč | Mladějovice | Moravský Beroun | Mrsklesy | Mutkov | Náklo | Náměšť na Hané | Norberčany | Nová Hradečná | Olbramice | Olomouc | Paseka | Pňovice | Přáslavice | Příkazy | Řídeč | Samotišky | Senice na Hané | Senička | Skrbeň | Slatinice | Slavětín | Strukov | Střeň | Suchonice | Svésedlice | Štarnov | Šternberk | Štěpánov | Šumvald | Těšetice | Tovéř | Troubelice | Tršice | Újezd | Uničov | Ústín | Velká Bystřice | Velký Týnec | Velký Újezd | Věrovany | Vilémov | Želechovice | Žerotín
2024-12-02 10:54:39
https://de.wikipedia.org/wiki/Neitsch%C3%BCtz
Die uradeligen von Neitschütz waren ein altes Geschlecht, aus dem Ort Neidschütz bei Naumburg . Das Geschlecht war um 1290 sehr reich gegliedert. Peter von Neidschütz war 1293 Kastellan auf der Rudelsburg. Das Rittergut der Familie mit Edelhof und Burgstätte lag bei Naumburg; beides wurde 1348 zerstört. Die Stammreihe beginnt 1452 mit Jan von Neidschütz. Bis ins 19. Jahrhundert war die Familie im kursächsischen Lande sehr ausgebreitet. Sie hatte Güter u. a. in Auligk , Blankenhain, Deumen, Pörthen, Röhrsdorf , Rössuln, Stackelberg, Wöhlitz, Wernsdorf und Zörbitz. Magdalena Sibylla von Neitschütz war die Tochter von Rudolph von Neitschütz, der als Major und ab 1673 als Oberst der kurprinzlichen Leibgarde zu Pferde am Hofe des sächsischen Kurfürsten diente, bevor er 1686 zum Generalleutnant befördert wurde, und von dessen Ehefrau, Ursula Margaretha von Haugwitz , Schwester des Hofmarschalls Friedrich Adolph von Haugwitz. Als der sächsische Kronprinz Johann Georg 1691 den Thron bestieg, wurde Magdalena Sibylla die Mätresse des sächsischen Kurfürsten Johann Georg IV. Sie und ihre Familie verschafften sich in kürzester Zeit erheblichen Einfluss am sächsischen Hof. Auf Betreiben des Kurfürsten wurde sie von Kaiser Leopold I. als Gräfin von Rochlitz in den Adelsstand erhoben. Zudem schenkte der Kurfürst ihr neben anderen Gütern und Grundstücken das Rittergut Pillnitz sowie das spätere Fürstenbergsche Haus in Dresden . Luise von Döring, geborene von Neitschütz, hinterlegte 1843 für ihre Nachkommen auf vier Jahre ein Stipendium a 120 Mark, tituliert als von Neitschütz`sche Stiftung. Der am 21. März 1867 in Dresden verstorbene Major a. D. Carl Gottlob von Neitschütz richtete mit einer Summe von 2500 Talern testamentarisch eine weitere von Neitschütz`sche Stiftung ein, zum Besten seines Geburtsortes, Auligk, vormals bestehend aus verschiedenen Gütern unterschiedlicher Besitzer, bei Pegau, insbesondere für die Armen und Schulkinder. Bei Coursgewinn sollte die Zinsen ein Universalerbe erhalten. Der Stifter war seit 1824 Träger des Militär-St.-Heinrichs-Ordens. Ihr Stammwappen war ein halber Löwe. Ab dem 16. Jahrhundert ist das Wappen geteilt, oben Gold mit schwarzem, aus der Teilung wachsenden, rot gezungtem Löwen, mit doppelten Schweif , unten dreifach von Gold und Schwarz geschacht. Helm: gekrönt, zwei Büffelhörner, quergeteilt oben Gold unten von Gold und Schwarz geschacht. Die Helmdecken sind Schwarz und Gold.
2024-12-02 05:42:28
https://de.wikipedia.org/wiki/Willem_Arondeus
Willem Johan Cornelis Arondeus war ein niederländischer Kunstmaler, Schriftsteller und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus im Zweiten Weltkrieg. Er leitete den Brandanschlag auf das Zentrale Einwohnermeldeamt in Amsterdam vom 27. März 1943 und wurde dafür hingerichtet. Willem Arondeus war der jüngste Sohn des Naardener Treibstoffhändlers Hendrik Cornelis Arondeus und seiner Frau Catharina Wilhelmina de Vries. Kurz nach seiner Geburt zog die Familie mit ihren sieben Kindern nach Amsterdam, um dort einen Kostümverleih für Schauspieler aufzubauen. Zwei seiner Brüder emigrierten später nach Kanada. 1907 wurde Willem Arondeus auf der Quellinusschool, der späteren Gerrit Rietveld Academie für Kunst und Design in Amsterdam, aufgenommen, wo er eine Ausbildung als Kunstmaler absolvierte. Als Arondeus 17 Jahre alt war, konfrontierte er seine Eltern mit seiner Homosexualität und verließ nach einem Streit das Elternhaus. Zu seinen Eltern sollte er zeitlebens keinen Kontakt mehr aufnehmen. Er ließ sich in Rotterdam nieder, wo er zu schreiben und zu malen begann, aber große Schwierigkeiten hatte, etwas zu verkaufen. 1922 wurde er mit der Erstellung eines monumentalen Wandbildes für die Rotterdamer Stadthalle beauftragt, was ihm vorübergehend etwas finanzielle Freiheit verschaffte. Aber Folgeaufträge blieben zunächst aus. Erst 1926 und 1927 konnte er wieder je ein Bild verkaufen, und seine Werke wurden sogar kurz in der Presse erwähnt. 1928 wandte sich Arondeus von der Malerei ab und beschloss, sich nur noch dem Schreiben zu widmen. Auch hier blieben materielle Erfolge zunächst aus. 1932 zog er auf das Land in der Nähe von Apeldoorn, wo er Jan Tijssen, den Sohn eines Gemüsehändlers kennenlernte, mit dem er sieben Jahre zusammenlebte. Das Paar lebte in schwierigen finanziellen Verhältnissen. 1938 debütierte er mit dem Roman Het uilenhuis , der einen von der Druckerei Kosmos ausgeschriebenen Romanpreis gewann und von den Kritikern gut aufgenommen wurde, sich aber schlecht verkaufte. Sein kurz darauf erschienenes Folgewerk In de bloeiende Ramenas wurde ebenfalls nicht unfreundlich aufgenommen, entwickelte sich aber auch zu einem Ladenhüter. Schon Jahre zuvor hatte Arondeus mit einer kunsthistorischen Biographie von Matthijs Maris begonnen, der 1870 an der Seite der Kommunarden auf den Barrikaden in Paris kämpfte und den er als Seelenverwandten betrachtete. Um gründliche Archivstudien machen zu können, zog er mit Jan zurück nach Amsterdam und arbeitet beinahe zwei Jahre an dem Buch, das schließlich erfolgreich verlegt wurde und mehrere Auflagen erfuhr, so dass sich seine finanzielle Situation spürbar verbesserte. Annie Romein-Verschoor, eine in den Niederlanden sehr bekannte zeitgenössische Historikerin, rückte Arondeus mit diesem Werk in eine Reihe mit den großen niederländischen Geschichtsschreibern Abraham Kuyper, Johan Huizinga und Pieter Wiedijk. Gleichwohl sah sich Arondeus, der von seinen wenigen Freunden Tiky genannt wurde, stets als Außenseiter: „Da war zunächst meine kleinbürgerliche Herkunft, die immer nur eines kannte: Geldverdienen! Zweitens meine Homosexualität, wegen der ich mich ein ganzes Leben lang hüten muss. Und drittens mein Künstlersein, wodurch ich egozentrisch geworden bin. Ich glaube, dass über die Jahre das Außenseitertum mein wahres Selbst geworden ist.“ 1941 erschien sein letztes Buch Figuren en problemen der monumentale schilderkunst in Nederland , dem wiederum nur mäßiger Erfolg vergönnt war. Nach der deutschen Besetzung der Niederlande im Mai 1940 begannen im Juli 1942 die Deportationen der Juden in die deutschen Vernichtungslager in Polen. Rund 25.000 der ursprünglich etwa 140.000 in den Niederlanden lebenden Juden gingen in die Illegalität und in Verstecke, wo sie von der im Widerstand aktiven niederländischen Bevölkerung versorgt werden. Durch seine Kontakte mit dem Verleger Emanuel Querido hatte Arondeus Menschen mit politischem Engagement kennengelernt. Unmittelbar nach dem deutschen Einmarsch schloss er sich der Widerstandsgruppe von Künstlern um den Bildhauer Gerrit-Jan van der Veen an. Ab 1941 gab er eine kleine Widerstandszeitschrift – die Brandarisbrieven – heraus, die 1942 in der stärker verbreiteten Schrift De Vrije Kunstenaar aufging. Einige Künstler der Widerstandsgruppe Persoonsbewijzencentrale widmeten sich schwerpunktmäßig der Gestaltung von gefälschten Identitätskarten für Verfolgte. Eine Gefahr bei diesen falschen Ausweisen bestand selbst bei perfekter Fälschung darin, dass im niederländischen Einwohnermeldeamt von jedem Ausweis ein Doppel existierte – mithin einer dortigen Überprüfung in keinem Fall standhalten konnte. So entstand in der Widerstandsgruppe der Plan, dieses Register zu überfallen und in Brand zu setzen, um möglichst viele Karteikarten zu vernichten. Der Anschlag auf das Einwohnermeldeamt Amsterdam fand am Samstagabend, 27. März 1943, statt. Koen Limperg, der Architekt des Gebäudes an der Plantage Kerklaan, in dem das Amt damals angesiedelt war, hatte den Widerstandskämpfern detaillierte Grundrisspläne zur Verfügung gestellt, und der Dichter Martinus Nijhoff zeichnete darauf die Stellen ein, wo die Bomben zu platzieren waren, um einen größtmöglichen Effekt zu erreichen. Hierbei konnte er auf seine Erfahrung als Pionieroffizier zurückgreifen. Der Hispanist Johan Brouwer besorgte dem bei dem Anschlag als Anführer auftretenden Arondeus einen Revolver. „An dem bewussten Samstagabend verschaffte sich eine Gruppe von neun Männern in Polizeiuniformen Zugang zu dem Amt. Den Bewachern injizierte man ... ein Schlafmittel und legte sie ... in Träume. Leider fingen die Registerkarten in ihrer Kompaktheit nur schlecht Feuer, wodurch nur rund 15 Prozent unkenntlich verbrannten. Der Effekt des Anschlags indes war viel größer. Der Brand und die ausgedehnten Löscharbeiten der Feuerwehr hatten die Räume in ein Chaos verwandelt, was es den Mitarbeitern erleichterte, in größerem Umfang zu ‚schludern‘.“ Die Gruppe wurde verraten; durch wen, wurde nie geklärt, es wird aber vermutet, dass Geschwätzigkeit unter den Gruppenmitgliedern der Grund war. Arondeus wurde am 1. April 1943 verhaftet und zusammen mit den anderen Attentätern von einem deutschen Standgericht in Amsterdam zum Tode verurteilt. Am 1. Juli 1943 wurde Arondeus zusammen mit 12 weiteren Widerstandskämpfern erschossen. Frieda Belinfante konnte untertauchen, indem sie sich als Mann verkleidete. Arondeus vermachte seinen Nachlass von 300 Gulden seinem Freund Jan, der die NS-Zeit überlebte. Erst 1984 wurde ihm das Verzetsherdenkingskruis posthum verliehen. Zur Erinnerung an die Hinrichtung ist in Amsterdam am Gebäude des ehemaligen Amsterdamer Einwohnermeldeamtes in der Plantage Kerklaan 36 eine Plakette angebracht, auf der W.J.C. Arondéus, K. Groeger, Coos Hartogh, E.S.A. van Musschenbroek, A.C.J. Reitsma, Henri Halberstadt, Dr. Johan Brouwer, Koen Limperg, Sjoerd Bakker, C.L. Barentsen und Cornelis Roos namentlich genannt sind. Die Inschrift lautet: „Zij streden en vielen voor de vrijheid“ . Außerdem gibt es in Amsterdam eine Arondeusstraat und in Middelburg eine Willem Arondeusstraat. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand zu seinem Gedenken auch das Café Arondéus in Amsterdam, das es bis zum heutigen Tag gibt. Seit Toni Bouwmans niederländischem Dokumentarfilm von 1990, der erstmals den „ganzen Arondeus“ zeigte, gab es mehrere Folgearbeiten, die seine Biografie ebenfalls nachzeichneten, ohne seine Homosexualität zu verschweigen. Sein Widerstand gegen die Nazis, den Arondeus mit dem Leben bezahlen musste, ist eines der wenigen Zeugnisse der Teilnahme homosexueller Männer am Kampf gegen den Faschismus und ihre Rolle in der Opposition. Die israelische Holocaustgedenkstätte Yad Vashem verlieh Willem Arondeus 1986 die Auszeichnung Gerechter unter den Völkern.
2024-12-02 00:06:15
https://de.wikipedia.org/wiki/California_Component_Cars
California Component Cars Inc., auch California Component Car Company genannt, war ein US-amerikanischer Hersteller von Automobilen. Das Unternehmen hatte seinen Sitz in Oakland in Kalifornien. Abweichend werden auch San José und San Lorenzo genannt. Die Produktion von Automobilen und Kit Cars lief von 1977 bis 1984. Der Markenname lautete California Component Cars, in einer Quelle verkürzt zu California Component. Das Modell Sterling entsprach dem britischen Nova. Ein Fahrgestell vom VW Käfer bildete die Basis. Darauf wurde eine flache zweisitzige Karosserie montiert. Auffallend war das aufklappbare Dach anstelle von seitlichen Türen. Das Modell Sovran stellte eine überarbeitete Version des Sterling dar. Der untere Bereich der Karosserie war länger. Die Radausschnitte waren eckig. An der Fahrzeugfront befanden sich Klappscheinwerfer. Die hintere Motorhaube unterschied sich ebenfalls. Aktuelle Marken: Aptera | Beck | Berrien Buggy | Buick | C-R Cheetah | Cadillac | Callaway | Chevrolet | Chrysler | Commuter Cars | Corvette | Deco Rides | Dodge | Dragon | Equus | ERA | Everett-Morrison | Factory Five | Faraday Future | Fisker | Ford | GEM | Gibbon | GMC | Jeep | Karma | Kirkham | Lincoln | Lucid | Meyers | Myers Motors | NAF | Panoz | Phoenix | Regal | Rivian | Saleen | SCG | Shelby | Speedway | SSC | Talbo | Tesla | Total | Vanderhall | Vector | Vintage | Vintage Jag Works | VLF Ehemalige Marken ab 1945: AC Propulsion | Ace | Adler | Aerocar | Airscoot | Allen | Allied Industries | Allison | Allstate | Alpha | Amante | AMC | American Buckboard | American Custom & Component Cars | Amore | AMT | Anderson | Antique & Classic | Apollo | Apollo | Armstrong | Arnolt | Arntz | Asardo | Astro Designs | Auburn | Auburn | Aurora | Auto Craft Northwest | Auto Cub | Autodynamics | Autoette | Automecca | Avanti | Avanti | Ayers | Badsey | Bangert | Banjo | Banner Boy Buckboard | Basson’s Star | Beal | Bearcat | Beechcraft | Besasie | Blakely | BM | BMC | Bobbi-Kar | Bocar | Bolide | Bollinger | Bradford | Bradley | Bremen | Brogan | Brubaker | Bugetta | California Component Cars | California Custom Coach | California Touring | CAR | Carbon | Centaur | Centaur | Chadwick | Charles Town-About | Checker | Cheetah | Chicagoan | CHW | Classic Coach | Classic Illusions | Classic Roadsters | Clénet | Clipper | CMC | Coachsmiths | Coda | Colt | Comet | Comet | Comet | Commonwealth | Commuter | Consulier | Contemporary | Continental | Convaircar | Corbin | Cord | Corson | Crofton | Crosley | Cunningham | Cunningham | Custer | Custom Cloud | Custom Design Associates | Darrin | Daryl Holliday | Davis | Daytona | Debonnaire | Del Mar | Deserter | DeSoto | Detroiter | Devin | Di Napoli | Diasetti | Diehlmobile | Dofral | Doray | Doval | Dow Electric | Dual-Ghia | Duesenberg | Duesenberg II | Dunham | Eagle | Eagle | Eagle | Earlywine | Ecco | Edsel | Edwards | Eesti | EFP | El Morocco | Elcar | Electra | Electra King | Electric Shopper | Electricar | Electro Master | Electromotion | Elegant | Elite | Empi | Eshelman | Esprit | Estate Carriage | Eva | Excalibur | Excalibur J | Exotic Coachcraft | Exxacta | Ferrer | Fiber Jet | Fiberfab | Fibersport | Fierro | Fina Sport | Fisker | Fitch | Flintridge-Darrin | France Jet | Frazen | Frazer | Frick | Gadabout | Gaslight | Gatsby | Gaylord | Geo | Gerard | Glassic | Glasspar | Goff | Grandeur | Great Lakes | Griffith | Guanci | Gundaker | H-M | Handcraft | Hardy | Hathaway | HDR | Heartland | Henney | Henry J | Heritage | Hi-Tech | Hoppenstand | Hudson | Hummer | International | Imp | Imperial | Intermeccanica | Invader | Ironsmith | Jetmobile | Johnson | Johnson | Jomar | JPR | Jurassic Truck | Kaiser | Kanzler | Karma Coachworks | Kaylor | Keller | Kellison | Kelmark | Kendrick | King Midget | Knudsen | Krim-Ghia | Kurtis | La Dawri | La Saetta | Lafayette | Leata | Liberty Classics | Lindberg | Little Dude | Local Motors | Lost Cause | Lucra | Lust | Lyon | Machiavelli | Magnum | Manta | Mantis | Marauder | Marketeer | Marketour | Matco | Maverick | McBurnie | Mercury | Merry Olds | Metropolitan | Minicars | Mohs | Molsheim II | Momo | Morton | Moselle | Mosler | Mota | Motorcar Classics | Motorette | Multiplex | Muntz | Murena | Nash | Nash-Healey | Navajo | Nostalgia Motorcars | Nu-Klea | Old Car Reproductions | Oldsmobile | Omega | Omna | Pacific | Pacific | Pacific Coast | Packard | Panda | Panther | Pegasus | Phillips | Pierre Cardin | Pioneer | Playboy | Plymouth | Pontiac | Powell | Precision Motorsports | Publix | Pup | Quantum | Quint | Rambler | Rambler 1902 Replica | Repli-Classics | Replicars | Roaring Twenties | Rockefeller | Rogue | Rollsmobile | Rowan | Ruger | Saber | Samco | Saturn | Savage | Saviano | Scarab | Sceptre | Scootmobile | Seagrave | Sebring-Vanguard | Seltzer | Skorpion | Skyline | Southeastern | Sparks | Splinter | Squire | Stallion | Star Dust | Starlite | Storm | Story | Stout | Stuart | Studebaker | Studillac | Stutz | Sunrise | Surrey | Swift | Tasco | Tatonka | Taylor-Dunn | Thoroughbred | Thrif-T | Toppo | Towne Shopper | Tri-Car | Tri-Magnum | Trihawk | Triplex | Tritan | Tucker | US Fiberglass | US Gullwing | Valiente | Veep | Vetta Ventura | Vintage | Voltra | Warp Five | Warrior | Westcoaster | Westinghouse | Wil-Mac | Williams | Willys | Woodill | Xillion | XK-1 | XTC | Yank | Yankee Clipper | Yenko | ZAP | Zimmer | Zoe
2024-12-04 06:40:20
https://de.wikipedia.org/wiki/Territorialorganisation_der_US-Streitkr%C3%A4fte_in_Deutschland
Die Territorialorganisation der US-Streitkräfte in Deutschland ergänzt die Wikipedia-Seite Liste der amerikanischen Militärstandorte in Deutschland. Um die Originalität zu erhalten, folgen die Ortsnamen – so weit es vertretbar erschien – den bei den US-Streitkräften üblichen Bezeichnungen . Nach der Übernahme der „obersten Regierungsgewalt in Deutschland“ durch die vier Siegermächte des Zweiten Weltkrieges in der Berliner Deklaration vom 5. Juni 1945 und der Einnahme der verabredeten Besatzungszonen, standen die USA ebenso wie Großbritannien, Frankreich und die Sowjetunion vor dem Problem der territorialen Organisation des besiegten Deutschlands. Das amerikanische Kriegsministerium übertrug den Großverbänden die Aufgabe der Wahrung der öffentlichen Sicherheit in ihrem jeweiligen Stationierungsgebiet. Die Abgrenzung der Verantwortungsbereiche orientierte sich an den Grenzen der ehemaligen Länder, Provinzen und Kreise. Mit Wirkung vom 1. August 1945 wurde folgende Einteilung vom Hauptquartier United States Forces European Theater in Frankfurt am Main unter dem Kommando von General Dwight D. Eisenhower vorgenommen: Vom 1. April 1946 bis zum 30. Juni 1946 wurde Seventh Army Area aufgelöst und beide Districts unter Third Army Area, Heidelberg, zusammengelegt. Nunmehr bestanden nur noch: Mit Genehmigung des US War Departments begann ein Jahr nach der bedingungslosen Kapitulation auf Drängen des Oberbefehlshabers General Lucius D. Clay der Nachzug der Familienangehörigen der in Deutschland stationierten Soldaten. Der erste Transport der „dependents“ traf an der Columbuskaje in Bremerhaven am 28. April 1946 ein. Zur Aufnahme der amerikanischen Familien wurden 49 Military Communities in Deutschland und 3 in Österreich eingerichtet. Als erste Military Community meldete sich Gießen am 1. März 1946 einsatzbereit. Der Auftrag für diese Communities war etwas grundsätzlich Neues: es ging nicht mehr darum, Besatzungsaufgaben zu erledigen, sondern amerikanische Familien dabei zu unterstützen, sich fern der Heimat in einem zerstörten Land häuslich einzurichten. Alle Military Communities mussten über eine Post Exchange, kurz PX , ein Commissary sowie Bäckerei, Schusterei, Wäscherei, Reinigung verfügen. Am 23. Mai 1949 wurde ein eigenständiger Kommandobereich Österreich geschaffen. Die logistische Versorgung der Military Communities oblag US European Command . Es entstanden folgende Military Communities: Amberg, Augsburg, Bad Tölz, Bad Wildungen, Bamberg, Bayreuth, Berchtesgaden, Darmstadt, Fulda, Garmisch, Göppingen, Grafenwöhr, Heidelberg, Kassel, Kaufbeuren, Kitzingen, Landshut, Munich, Murnau, Nürnberg, Regensburg, Sonthofen, Stuttgart, Weiden, Wetzlar Ansbach, Bad Kissingen, Erding, Erlangen, Fritzlar, Fürstenfeldbruck, Giebelstadt, Lechfeld, Neubiberg, Nordholz, Oberpfaffenhofen, Rhein Main, Schweinfurt, Straubing, Wiesbaden Berlin Frankfurt Bad Nauheim, Gießen, Grohn , Hanau, Mannheim, Wesermünde, Würzburg Linz, Salzburg, Wien Mit der Verschärfung des Ost-West-Konflikts richtete sich Washington darauf ein, dauerhaft oder zumindest wesentlich länger als ursprünglich geplant in Deutschland militärisch präsent zu sein. Dafür war die provisorische Aufgabenwahrnehmung durch die aktive Truppe obsolet geworden und es wurde eine Polizeitruppe, die eher einer Gendarmerie glich, aus Third Army aufgestellt: → US Constabulary . Das Hauptquartier nahm am 1. Juli 1946 in Bamberg seinen Dienst auf und meldete sich auch einsatzbereit zur Übernahme der Grenzkontrolle von 1st, 3rd und 9th ID entlang der Ostgrenze der Amerikanischen Zone. Am 15. Februar 1947 übernahm USCON die Funktionen von Third Army und verlegte nach Heidelberg, 1948 bis 1952 in Stuttgart-Vaihingen, ab 24. November 1950 als Teil von Seventh Army. Zum 15. März 1947 wurde auch die Spitzenorganisation der US-Streitkräfte in Europa den neuen Erfordernissen angepasst. USFET wurde zu US European Command in Frankfurt am Main umgegliedert und 1948 nach Heidelberg verlegt. Für die Dienstaufsicht über die nun zu Military Posts umbenannten Communities wurden Military Districts eingerichtet. Aus den 58 Military Communities wurden 22 Military Posts nach Kriterien der Zweckmäßigkeit ohne Berücksichtigung der Ländergrenzen gebildet. Übrige Standorte wurden als Sub Posts weitergeführt oder aufgegeben: Sämtliche Installationen der amerikanischen Luftstreitkräfte auf den Gebieten der einzelnen Military Posts waren exemt und unterstanden direkt Wiesbaden Military Post und damit USAFE. Diese Zweiteilung der Verantwortungen zwischen US Army und US Air Force ist durchgängig bis in die Gegenwart zu bemerken. 1948 erfolgte die Auflösung der Military Districts, danach übernahm Military Post Division, HQ EUCOM die Dienstaufsicht. Die Ausdehnung des Stationierungsgebiets auf Rheinland-Pfalz brachte zum 1. Dezember 1952 erneut eine tiefgreifende Umgliederung. Oberhalb der Military Posts wurden vier Area Commands gebildet. Die Commands unterstanden United States Army Europe , außer Wiesbaden Military Post, das nach wie vor United States Air Force Europe zugeordnet war. Military Posts und Subposts wurden zu Area Commands zusammengefasst: Neue Führungseinrichtung wurde das USAACOM in Frankfurt am Main. 1965 wurde die US Territorial-Organisation der föderalistischen Struktur der Bundesrepublik Deutschland angepasst und die Area Commands mit deutschen geographischen Bezeichnungen versehen : Nach nur knapp zehn Jahren wurde die Territorialstruktur im Stationierungsraum von USAREUR und USAFE neu geordnet. Zum 1. Juli 1974 wurden 39 Military Communities gebildet, die bis zum Ende des Kalten Krieges bestehen bleiben sollten. 1976 wurde eine Brigade in Garlstedt stationiert und für territoriale Belange die Norddeutschland Military Community gebildet, die zugleich für Bremerhaven und die Standorte der Nuklearen Verwahrung in Schleswig-Holstein und Niedersachsen zuständig war . Die Communities unterstanden: 1991 wurden 12 Area Support Groups und 26 Base Support Battalions sowie Area Support Teams aus den 39 Military Communities gebildet, um die Funktionalität den neuen Gegebenheiten anzupassen, insbesondere der ständig sinkenden Truppenstärke. Die in rascher Folge stattfindenden Truppenabzüge der 1990er Jahre führten zu einer auch in der Territorialorganisation sich niederschlagenden Veränderung. Ende 1995 bestanden in USAREUR daher nur noch 8 ASG mit 16 BSB und 17 AST. Das Ende der Area Support Groups kam 2005. In einer offiziellen Zeremonie in Heidelberg wurden sämtliche ASG und BSB außer Dienst gestellt. Der europäische Stationierungsraum wurde in 21 US Army Garrisons eingeteilt. Dennoch ging der Auflösungsprozess weiter und führte zu Außerdienststellungen und Zusammenlegungen. 2017 wurden die Garnisonen Grafenwöhr mit Vilseck, Hohenfels und Garmisch zur USAG Bavaria verschmolzen, nachdem bereits zuvor in Hanau eine USAG Hessen, in Würzburg eine USAG Franconia und in Kaiserslautern eine USAG Rheinland-Pfalz geschaffen worden waren. Mit der Auflösung der USAG Rheinberg wurde der Raum Niederrhein – wie überhaupt ganz Norddeutschland – der USAG Schinnen zugeteilt. USAREUR ist 2017 noch in Wiesbaden , Ansbach, "Bavaria" , Stuttgart, Baumholder und Kaiserslautern präsent. US Air Force unterhält gegenwärtig nur noch zwei Standorte, Ramstein und Spangdahlem, in Deutschland. Belgien Belgien | Niederlande Niederlande | Frankreich Frankreich | Vereinigtes Konigreich Großbritannien | Kanada Kanada | Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten | Sowjetunion Sowjetunion | Danemark Norwegen Luxemburg Sonstige
2024-11-22 16:48:00
https://de.wikipedia.org/wiki/25._Juli
Der 25. Juli ist der 206. Tag des gregorianischen Kalenders , somit bleiben 159 Tage bis zum Jahresende. Kleinere Unglücksfälle sind in den Unterartikeln von Katastrophe und in der Liste von Katastrophen aufgeführt. Einträge von Leichtathletik-Weltrekorden befinden sich unter der jeweiligen Disziplin unter Leichtathletik. Einträge zu Fußballweltmeisterschaftsspielen finden sich in den Unterseiten von Fußball-Weltmeisterschaft. Das Gleiche gilt für Fußball-Europameisterschaften. Weitere Einträge enthält die Liste von Gedenk- und Aktionstagen.
2024-12-01 13:12:16
https://de.wikipedia.org/wiki/Die_eine_singt,_die_andere_nicht
Belgien Venezuela Die eine singt, die andere nicht ist ein Film von Agnès Varda, der im Jahr 1977 veröffentlicht wurde. Im Jahre 1962 lernt Pauline die ältere Suzanne kennen, die mit dem Photographen Jerôme verheiratet ist. Sie wollen sich ein weiteres Kind nicht leisten und eine Abtreibung machen lassen. Pauline sammelt für Suzanne Geld, indem sie ihren Eltern einen Ausflug mit ihrem Chor vortäuscht. Zehn Jahre später treffen sich Suzanne und Pauline wieder. Pauline hat ihrerseits ein Kind abtreiben lassen und fuhr dazu nach Amsterdam. Während einer Bootsfahrt dort in den Grachten hat sie Darius kennengelernt, einen iranischen Studenten, dem sie in Paris wieder begegnet. Sie reist mit ihm in den Iran, wo sie von ihm schwanger wird. Dort muss sie feststellen, dass Darius patriarchale Züge entwickelt und ihr das Leben im Iran zuwider ist. Kurz vor der Entbindung kehrt sie nach Frankreich zurück. Dort einigen sich Pauline und Darius darauf, dass er den Sohn behalten und mit ihm in den Iran zurückkehren darf, wenn er Pauline ein zweites Kind zeugt. Suzanne hat in der Zwischenzeit einen Arzt kennengelernt, der aber verheiratet ist. Da sie keine Beziehung mit einem verheirateten Mann eingehen will, lässt sie vorerst von ihm ab. Bei der Geburt ihres zweiten Kindes versichert er ihr aber, dass er sich hat scheiden lassen. Pauline tourt weiter mit ihrem feministischen Folk-Chor durch Frankreich. Es kommt zu einer grotesken Szene, als die anderen Chorsängerinnen über Abtreibung singen, Pauline aber schwanger ist und sagt, dass sie das Kind behalten möchte. Im Epilog, der im Jahre 1976 spielt, sieht man Pauline mit ihren Kindern, die eine glücklichere Zukunft haben sollen. „Weniger eine analytisch stichhaltige Aufarbeitung als eine poetische Verdichtung, geprägt von Wärme und Sympathie für die Protagonisten, aber auch von einer gewissen Naivität.“
2024-12-03 14:05:13
https://de.wikipedia.org/wiki/Mnemotechnisch
Mnemotechnik ist ein Kunstwort, das seit dem 19. Jahrhundert für ars memoriae und ars reminiscentiae benutzt wird, meist gleichbedeutend mit Mnemonik . Die Mnemotechnik entwickelt Merkhilfen , zum Beispiel als Merksatz, Reim, Schema oder Grafik. Neben kleinen Merkhilfen gehören zu den Mnemotechniken aber auch komplexe Systeme wie zum Beispiel das Major-System und die Schlüsselwortmethode, mit deren Hilfe man sich an ganze Bücher, Listen mit Tausenden von Wörtern und Vokabeln oder tausendstellige Zahlen sicher erinnern kann. Mnemotechniken dienen der „Verbesserung des Speicherns und Behaltens von Informationen“ im Langzeitgedächtnis, da sie schematisierte Rekonstruktionspläne darstellen, mit denen die zu erinnernden Inhalte an leichter zugängliche externe Strukturen geknüpft werden. Gedächtnistraining bezeichnet die Übung des Gedächtnisses, zu der auch die Einübung oder Anwendung von Mnemotechniken zählen kann. Das altgriechische Wort μνήμη mnḗmē bedeutet Gedächtnis, Erinnerung und mit der Göttin Μνημοσύνη Mnemosýne verehrten die Griechen eine Göttin der Erinnerung, die gleichzeitig die Mutter der Musen war. Dementsprechend sprach man lange vorwiegend von Gedächtniskunst, wobei die genaue Bezeichnung uneinheitlich war, wie die folgenden lateinischen Ausdrücke zeigen: In der Neuzeit sprach man schließlich meist von Mnemonik, was auf das Mnemonikón, ein verlorenes Buch des Aristoteles, zurückgeht, bevor Aimé Paris den Begriff Mnemotechnik prägte. Jenseits dieser kulturellen Bezüge existieren für die Mnemotechnik viele Definitionen, eine allgemein anerkannte Abgrenzung kann folglich nicht gegeben werden. Dies hängt u. a. mit der hohen Individualität der Autoren zu diesem Thema zusammen, die oftmals ein eigenes System erschaffen oder sich auf einen Teilbereich beschränken wollen. Moderne Autoren vermeiden daher oft eine Definition. In der Antike stellte man dem natürlichen Gedächtnis ein künstliches Gedächtnis gegenüber und redete dementsprechend von einer Kunst. Ebenso wurde die persönliche Übung und die individuelle Ausprägung betont. Auch Martianus Capella, der das Thema dem Mittelalter vermittelte und das Gedächtnis als „Gabe der Natur“ sah, stellte fest: „Aber zweifellos kann es mithilfe kunstfertiger Anweisungen gefördert werden.“ In der Neuzeit legte sich der Fokus eher auf die Einübung bzw. die Verfügbarmachung von mnemonischen Verfahren, weshalb es nahelag, von einer Technik zu sprechen. Die Notwendigkeit der individuellen Ausprägung der Verfahren für jedes Individuum wird dabei aber nicht bezweifelt. Ulrich Voigt definiert Mnemotechnik als „Technik der Eselsbrücken“ und Mnemonik als „ihre Theorie“. Dabei betrachtet er ein Modell aus „einem Erinnerungsinhalt A, einer Erinnerungsstütze B und einer Verknüpfung μ zwischen A und B“ und definiert: „Eine Eselsbrücke ist ein B, das benutzt wird, um ein A zu erinnern.“ Dabei zitiert er Johann Christoph Dommerich: „Die Mnemonik oder Gedächtniskunst ist die Wissenschaft der Mittel, das Gedächtnis zu verbessern.“ So macht er auch auf das Problem aufmerksam, dass unter Mnemotechnik die einzelne Merkhilfe bzw. Eselsbrücke verstanden werden kann, unter der Mnemonik aber der gesamte Wissens- und Anwendungsbereich, der bei Dommerich sehr weit gefasst ist. Eine so offene und weite Definition kritisiert Voigt als unpraktikabel. Ebenso kritisiert er die Beschränkung auf eine oder einige aufgezählte Mnemotechniken, für die er den Auctor ad Herennium und die von jenem betrachtete Loci-Methode als Beispiel nennt, da es ihm um „die Grundlage für mögliche Verfahren“ geht und nicht um die Hervorhebung eines Verfahrens. Damit ist gleichzeitig die mögliche Spannweite von Definitionen der Mnemotechnik angegeben. Es ist überliefert, dass sich die Redner des antiken Griechenlands und Roms oftmals mnemotechnischer Mittel bedienten. Der Dichter, Staatsmann und Weltweise Simonides von Keos galt allgemein als Erfinder der Gedächtniskunst. Diesbezügliche Aussagen finden sich bei Cicero, Quintilian, Plinius, Aelianus, Ammianus Marcellinus, Suidas und in der Parischen Chronik. Die Parische Chronik ist eine Marmortafel von etwa 264 vor Christus, die im siebzehnten Jahrhundert auf Paros gefunden wurde und die legendären Daten von Entdeckungen verzeichnet, wie die der Flöte, der Einführung des Getreides durch Ceres und Triptolemos und der Veröffentlichung von Orpheus Dichtungen, sowie in der geschichtlichen Zeit vor allem Feste und die dabei verliehenen Preise verzeichnet. Darunter gibt es auch einen Passus über Simonides: „Seit der Zeit, da der Keaner Simonides, Sohn des Leoprepes, der Erfinder des Systems der Gedächtnishilfen, den Chorpreis in Athen gewann und Statuen zu Ehren des Harmodios und des Aristogeiton errichtet wurden 213 Jahre.“ . Die Geschichte, wie Simonides die Gedächtniskunst erfand, schildert Cicero recht anschaulich in seinem Rhetoriklehrbuch De oratore, einer der drei Hauptquellen über die antike Gedächtniskunst: „Bei einem Festmahl, das von einem thessalischen Edlen namens Skopas veranstaltet wurde, trug Simonides zu Ehren seines Gastgebers ein lyrisches Gedicht vor, das auch einen Abschnitt zum Ruhm der Götter Kastor und Pollux enthielt. Der sparsame Skopas teilte dem Dichter mit, er werde ihm nur die Hälfte der für das Loblied vereinbarten Summe zahlen, den Rest solle er sich von den Zwillingsgöttern geben lassen, denen er das halbe Gedicht gewidmet habe. Wenig später wurde dem Simonides die Nachricht gebracht, draußen warteten zwei junge Männer, die ihn sprechen wollten. Er verließ das Festmahl, konnte aber draußen niemanden sehen. Während seiner Abwesenheit stürzte das Dach des Festsaals ein und begrub Skopas und seine Gäste unter seinen Trümmern. Die Leichen waren so zermalmt, dass die Verwandten, die sie zur Bestattung abholen wollten, sie nicht identifizieren konnten. Da sich aber Simonides daran erinnerte, wie sie bei Tisch gesessen hatten, konnte er den Angehörigen zeigen, welcher jeweils ihr Toter war. Die unsichtbaren Besucher, Kastor und Pollux, hatten für ihren Anteil an dem Loblied freigebig gezahlt, indem sie Simonides unmittelbar vor dem Einsturz vom Festmahl entfernt hatten“. Hierauf beschreibt er die Loci-Methode: „Wer diese Seite seines Geistes zu trainieren suche, müsse deshalb bestimmte Plätze wählen, sich die Dinge, die er im Gedächtnis zu behalten wünsche, in seiner Phantasie vorstellen und sie auf die bewussten Plätze setzen. So werde die Reihenfolge dieser Plätze die Anordnung des Stoffs bewahren, das Bild der Dinge aber die Dinge selbst bezeichnen, und wir könnten die Plätze an Stelle der Wachstafel, die Bilder statt der Buchstaben benützen.“ Neben der Darlegung von Vorteilen der und der Widerlegung von Einwänden gegen die Gedächtniskunst gibt Cicero dann noch eine Erklärung der Funktionsweise. Bemerkenswert ist, dass schon er den Gesichtssinn als den schärfsten, einprägsamsten Sinn beschreibt. Neben der Stelle in Ciceros De oratore sind die Stellen über die Mnemotechnik in der Institutio oratoria, einem Rhetoriklehrbuch von Quintilian, und dem anonymen Ad C. Herennium libri IV wichtig für die Entwicklung der Mnemotechnik. Ad Herennium, im Mittelalter fälschlich Cicero zugeschrieben, bildete das Muster, an dem sich die zahlreichen mittelalterlichen Texte zur Gedächtniskunst – immer als Teil der Rhetorikausbildung – orientierten. Insgesamt gelten diese Texte als die drei Hauptquellen zur antiken Gedächtniskunst, die nicht nur hierzu herangezogen, sondern auch Ausgangspunkt für zahlreiche Neuansätze wurden. Der Auctor ad Herennium beschreibt die gewünschte Beschaffenheit der Orte und Bilder und gibt Hinweise zur Einübung. Er fordert z. B. für die Orte eine Reihenfolge festzulegen, damit nichts in Unordnung gerät und alle Erinnerungen gut erreichbar sind. Sie sollen weder zu sehr in den Vordergrund drängen, noch zu unauffällig sein, können aber der Fantasie entspringen. 30 Fuß sei der optimale Abstand der Orte zueinander. Zudem empfiehlt er eine Nummerierung jedes fünften Ortes. Dabei überliefert er uns die einzigen bekannten Zahlsymbole aus der Römischen Antike: eine goldene Hand für die 5 und eine Person namens Decimus für die 10. Für das Merken von Zusammenhängen und dasjenige ganzer Sätze, Wort für Wort bringt er jeweils ein Beispiel und erklärt wie man einprägsame Bilder findet. Schließlich wendet er sich gegen vorbereitete Bilder, wie sie von Griechen empfohlen werden, wobei er neben der notwendigerweise zu geringen Auswahl auch die individuellen Unterschiede der Menschen berücksichtigt. Quintilian betont zunächst die Wichtigkeit des Gedächtnisses für Bildung und Redekunst und legt dar, dass einfaches Auswendiglernen nicht für diese Zwecke ausreicht, bevor er Möglichkeiten und Grenzen des natürlichen Gedächtnisses diskutiert. Nach der Schilderung der Erfindung der Gedächtniskunst durch Simonides und einer Anleitung für die Loci-Methode, wobei er Cicero zitiert und Möglichkeiten wie reale oder fiktive Reisen, Häuser und Gemälde zur Ansiedlung von Routen in ihnen erwähnt, diskutiert er ihre Grenzen. Dabei erwähnt er eine Vorführung des Hortensius zur Gedächtniskunst auf dem Forum, bei dem die Korrektheit anhand der Bücher der Kaufleute kontrolliert wurde. Für das Auswendiglernen von Texten und Namen gibt er Empfehlungen jenseits der Loci-Methode, wie sie noch üblich sind. Er empfiehlt die Übung und das allmähliche Steigern des Pensums als wichtigste Gedächtnistechnik. Auch die Bedeutung des Schlafs, die dem Gedächtnisse hilfreiche Wirkung des Aufschreibens, die Bedeutung von Konzentration und Aufmerksamkeit sowie Ratschläge für den Unterricht werden erläutert und bekannten Persönlichkeiten zugeschriebene Gedächtnisleistungen aufgezählt. Schon aus früherer Zeit gibt es Fragmente zum Thema und Aristoteles erwähnt die Technik der Verortung von Bildern, um das Gedächtnis zu ordnen. Für seine Erfindung des wissenschaftlichen Modells wird eine Inspiration durch die Methode der Gedächtniskunst kontrovers diskutiert und seine Schriften Über die Seele und Über Gedächtnis und Erinnerung wurden bedeutsam für die Rezeption der Gedächtniskunst durch die Scholastik im Mittelalter. Dabei beschäftigt er sich abgesehen von einigen Hinweisen nicht direkt mit der Mnemotechnik, sondern geht der Frage des aktiven sich Erinnerns auch gegen Hemmnisse des Gedächtnisses nach. Allerdings ist die Interpretation schwierig. Naheliegend scheinen Rückschlüsse auf die Kettenmethode zu sein, wobei er nicht nur vom Anfang einer Kette, sondern auch von anderen Gliedern der Kette ausgeht, wenn dies größeren Nutzen verspricht. Zwischen 410 und 430 n. Chr. verfasste Martianus Capella die Schrift De nuptiis Philologiae et Mercuriae , die die Grundzüge der sieben freien Künste des antiken Bildungssystems darstellt und damit zu einer Grundlage des mittelalterlichen Bildungssystems wurde. In dieser Schrift bildet die memoria einen Teil der Rhetorik. Die Kirchenlehrer Albertus Magnus in De Bono und Thomas von Aquin in seiner Summa Theologiae behandelten die Gedächtniskunst dagegen im Zusammenhang der Tugendlehre, und zwar als Teil der Prudentia , ein Bezug, der die Gedächtniskunst späterhin vor theologischen Angriffen schützte. Auf Thomas von Aquin beriefen sich nämlich später fast alle Autoren zur Rechtfertigung und Begründung ihrer Schriften. Die Ars memorativa findet sich auch in mnemotechnischen Texten des Spätmittelalters wie dem 1449 von Johann Ulrich Rosenheimer verfassten Tractatus de arte memorativa cujusdam magistri parisiensis oder der wohl von Johannes Hartlieb geschriebenen, zum Teil eine Übersetzung von Rosenheimers späterer Ars memorativa darstellenden Kunst der Gedächtnüß. Die Mnemotechnik der Frühen Neuzeit ist durch umfassende Systeme Einzelner gekennzeichnet. So setzte Giordano Bruno die Tradition fort und will durch die Abbildung von Begriffen und Bezeichnungen zu mystischer Erkenntnis gelangen. Matteo Ricci erläuterte Chinesen seinen Gedächtnispalast als Hilfe für die Beamtenprüfung und machte damit die Mnemotechnik in China bekannt. Lamprecht Schenckel , später ausgezeichnet und kritisiert durch die Rede von „dem Schenckelius“, prägte durch aufsehenerregende Auftritte und die Behandlung des Themas als Geheimlehre das Bild der Gedächtniskunst, während Johann Justus Winckelmann unter dem Pseudonym Stannislaus Mink von Wennshein einen praktikablen Zifferncode entwickelte. Johann Heinrich Döbel sah sein Werk Collegium Mnemonicum, Oder: Ganz neu eröffnete Geheimnisse Der Gedächtniß-Kunst von 1707 als Ausgangspunkt für spätere Generationen. Dabei entwickelte er im Gegensatz zu seinen Vorgängern ein klares und im Grundsatz einfaches System. Doch gab es nach Döbels Collegium Mnemonicum von 1707 für nahezu hundert Jahre keine großen Veröffentlichungen zur Mnemotechnik mehr. Die Mnemotechnik passte nicht zum Zeitgeist. Das Denken sollte das Auswendiglernen ersetzen. Es wurde nicht berücksichtigt, dass Wissen in Verstehens- und Faktenwissen zu unterteilen ist. Darüber hinaus stellten die bekannten Mnemotechniker zu hohe Ansprüche, die das Publikum überforderten und stießen an Grenzen, ohne neue Impulse zu entwickeln, diese Beschränkungen zu überwinden. Hinzu kam, dass zu viel Phantasie als negativ empfunden wurde, was schon seit Descartes Kritik an der Mnemotechnik hervorgerufen hatte. So kam es bis 1804 nur zu vereinzelten Erwähnungen dieser Kunst und ganz wenigen, als Ausnahmen zu betrachtenden Veröffentlichungen. Das Fortleben mnemotechnischer Praxis ist in dieser Zeit nur schwer und oft indirekt zu beobachten. Hier ist als Ausnahme Richard Grey zu nennen, der 1730 ein kompliziertes System für einen Ziffern- bzw. Zahlencode vorstellte, bei dem Konsonanten und Vokale die Zahlen bilden. Dabei haben bestimmte Buchstaben Sonderfunktionen. Das 'R' kennzeichnet z. B. einen Bruch. Aufgrund seiner Komplexität, Starrheit und der Notwendigkeit vor der Anwendung für alle Ausdrücke Wortlisten zu erstellen, fand er keine Nachfolger. Nachdem es im 18. Jahrhundert still um die Mnemotechnik geworden war, kam es im Jahr 1804 zu einem Neubeginn, der durch drei Veröffentlichungen bestimmt wurde: Eine gemeinsame Schwäche dieser Drei bestand darin, dass sie kein überzeugendes Merksystem für Zahlen gefunden haben. Ulrich Voigt hebt ihr „Bestreben, die gesamte Technik zusammenzufassen, neu zu begründen und auf ein tragfähiges Fundament zu stellen“ hervor. Herausragende Gestalt der Gedächtniskunst des 19. Jahrhunderts wurde Aimé Paris, der auch den Begriff Mnemotechnik prägte. 1825 veröffentlichte er seinen Zifferncode, den er aus demjenigen Winckelmanns entwickelte. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger basiert der Zifferncode nach Aimé Paris, heute meist als Major-System oder auch Master-System bezeichnet, auf Lauten statt Buchstaben und ermöglicht eine eindeutige Zuordnung, so dass er auch als Ordnungsinstrument benutzt werden kann und von der Laut-Buchstabenzuordnung der verwendeten Sprache und Rechtschreibung unabhängig ist, wodurch er zur Grundlage der modernen Mnemotechnik wurde, indem die Probleme Aretins und Feinaigles eine gut zu handhabende Lösung fanden. Hinsichtlich der grundlegenden Loci-Methode verortete er Ideen statt Bilder, womit er dem Merkinhalt näher kam und die Merkbarkeit durch das näher Liegende steigerte. Bei ihm begann sich der Nationalismus der Zeit negativ auszuwirken, indem er keine ausländischen Quellen – Feinaigle galt damals als Franzose – zugab. Hierdurch wurde die Kommunikation der nationalen Schulen sehr erschwert, die sich nun im Geist der Zeit entwickelten. Für die deutsche Mnemotechnik wurde Carl Christian Otto unter dem Pseudonym Carl Otto Reventlow bestimmend, der nach mehreren früheren Veröffentlichungen 1847 sein Praktisches Lehrbuch der Mnemotechnik herausgab. Darin führte er fast 900 altgriechische und lateinische Wörter nach der mnemotechnischen Schlüsselwortmethode auf. Reventlow veränderte, um als sein Schöpfer gelten zu können, aber auch im Sinne des Nationalismus, den Zahlencode nach Aimé Paris. Dabei machte er den Rückschritt zu Buchstaben und gab die Eindeutigkeit der Zuordnung auf, was die deutsche Mnemotechnik in der Folge sehr behinderte. Wie Paris Bilder und Anschauung durch Ideen und Verständnis ersetzen wollte, wollte er auch die Orte dadurch ersetzen. Hier ergab sich ein Ansatz zur Kritik. Hermann Kothe forderte „Gesichtssinn“ und „Ideencombination“ zu verbinden. Darüber hinaus sollten die einzelnen Bilder und Vorstellungen durch den „zusammenfassenden Gedanken“ verbunden werden. Die entstehende Reihung von Verknüpfungen bezeichnete er als Fäden. Hugo Weber-Rumpe ging hier weiter und verarbeitete solche Fäden zu Geschichten. Die Gleichsetzung von „zusammenfassendem Gedanken“ und „zusammenfassender Geschichte“ lehnte er allerdings ab, da „die Kette aus den einzelnen Kettengliedern besteht und nur aus ihnen ihre Stabilität gewinnt.“ An Mnemotechnikern anderer Nationalität sind Francis Fauvel Gouraud und Ernest E. Wood zu nennen, die sich beide mit dem Zifferncode beschäftigten. Außer durch das Nebeneinander an nationalen Schulen wird die Beschäftigung mit der jüngeren Geschichte der Mnemotechnik durch die Individualität der Autoren behindert, die oft ihre Vorgänger leugneten und ihre eigenen Beiträge in den Vordergrund stellten. Jenseits der Unterhaltung und begrenzter Anwendungen erlahmte das Interesse der Öffentlichkeit, ohne aber ganz zu erlöschen. Und während die Philosophie das Thema im Gedächtnis behielt, konzentrierte sich die Pädagogik auf eigene Methoden. Durch Auftritte in Fernsehshows hielten in den 1980er Jahren Gedächtniskünstler und -trainer wie Harry Lorayne oder Gregor Staub die Mnemotechnik im Bewusstsein eines größeren Publikums. Diese verfolgten dabei durchaus eigene Ansätze. So nutzt Gregor Staub die Werkzeuge der Mnemotechnik ganz pragmatisch, um sie zu einem System zu verbinden, bei dem die Effektivität gegenüber einer Anwendung nach der reinen Lehre im Vordergrund steht. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden auch viele Methoden der Mnemotechnik experimentell untersucht, wobei ihre Effektivität bestätigt werden, teils auch ihre Funktionsweise präzisiert werden konnte. Später entstand dann der Gedächtnissport, der die Mnemotechnik als Anwendung hinsichtlich bestimmter Disziplinen nutzt, und auch Gedächtnistrainer wie Ulrich Bien, Jens Seiler sowie Gedächtnisweltmeister wie Gunther Karsten und Christiane Stenger trugen Anfang des 21. Jahrhunderts dazu bei, dass die Mnemotechnik nicht nur in den Medien präsent, sondern auf verschiedenen Ebenen lebendig ist. Mnemotechnische Autoren und Pädagogen wie Ulrich Voigt verfolgen auch wieder höhere Ansprüche, wobei teils die Systematisierung, teils die Einordnung in die Erkenntnisse der Pädagogik im Vordergrund stehen. So wie es zur Definition der Mnemotechnik viele Ansichten gibt, gibt es sie auch zum Aufbau der Mnemotechnik. Für eine konsistente Darstellung kann man sich aber von praktischen Erwägungen leiten lassen, wie es auch viele der Bücher zum Thema tun. Zunächst werden meist Grundlagen thematisiert, die allgemein Einfluss auf das Lernen und die Funktionsweise einzelner Mnemotechniken haben. Dann wird erklärt, wie mit den zu merkenden Stoffen umgegangen wird, um sie in eine möglichst gut zu lernende Form zu bringen. Die Erinnerungsinhalte und die Erinnerungsstützen müssen in eine Beziehung gebracht werden, die die Assoziation zur Erinnerungsstütze und von der Erinnerungsstütze zum Erinnerungsinhalt erlauben. Schließlich geht es um komplexere Mnemotechniken, die den Stoff strukturieren, anordnen und in eine Folge bringen können und helfen, auch große Wissensgebiete zu meistern. Einige Techniken, wie das Major-System, dienen sowohl der Kodierung der Erinnerungsinhalte als auch der Ordnung des Stoffes. Im Folgenden soll diese Einteilung helfen, die Übersicht zu wahren. Wenn diese auch verschieden beschrieben werden, findet sich das Thema doch in den meisten Büchern hierzu. Hier erhebt sich auch die Frage nach der jeweiligen Begrenzung der Mnemotechnik. Ob alle Erkenntnisse und Tipps zum Lernen unter die Mnemotechnik fallen oder nur einige oder nur ganz klar Mnemotechnisches im Sinne einer bestimmten Definition, wie der oben genannten von Voigt, bestimmt den Umfang dieser Grundlagen. Auch wenn Gedächtnistrainer und manche Mnemotechniker alles als zum Thema gehörig betrachten oder in ihren Unterricht integrieren, was das Merken erleichtert und das Gedächtnis unterstützt, sprengt dies in der Regel den Umfang dessen, was unter Mnemotechnik verstanden wird. Zudem reicht hier ein Verweis auf die einschlägigen Artikel zu Pädagogik, Lernen, Gedächtnis und anderen entsprechenden Themen. Dort wird man z. B. Hinweise auf die Schaffung eines günstigen Lernumfelds, die Funktionsweise des Gedächtnisses und ähnliche Grundlagen finden. Mitunter wird diskutiert, welche Hilfsmittel abgesehen von den eigenen Sinnen, dem eigenen Denken und dem eigenen Gedächtnis erlaubt sind, um noch von Mnemotechnik sprechen zu können. Auch der Mnemotechniker muss sich das zu Merkende oft erst erarbeiten. Dabei muss auch er die üblichen Hilfsmittel, z. B. zur Erfassung eines Texts, berücksichtigen. Aber auch die Benutzung der einzelnen Mnemotechniken kann die Benutzung von Hilfsmitteln bedingen. Mitunter hilft eine Zeichnung, sich einen Ort, eine Route, einen Gedächtnispalast besser vorzustellen oder zu konstruieren. Dann muss man auch bei der Anwendung von Mnemotechnik wiederholen, um Wissen auf Dauer zu verankern. Auch hier besteht also die Notwendigkeit, die zu merkende Information und auch die zu merkende, evtl. komplexe Konstruktion in irgendeiner Form verfügbar zu halten. Auch die Bearbeitung umfangreicheren Wissens bedingt oft die Benutzung von Schrift, allerdings nicht nur zum Erfassen und Wiederholen, sondern auch, um die Form zu erarbeiten, in der die Mnemotechnik auf diese angewandt wird. Die Lernkartei wiederum wird nicht zur Mnemotechnik gerechnet, da hier die Abstützung durch Hilfsmittel im Vordergrund steht. Die Mnemotechnik soll das Lernen erleichtern. In der Regel kann die Erleichterung durch die systematische Herangehensweise leicht eingesehen und selbst überprüft werden. Ebenso wird es jeder als rational betrachten, dass jemand einen für ihn selbst eigentlich zu großen Aufwand betreibt, um später anderen ein einfaches Verfahren erklären zu können. Heute wird dem jedoch die Möglichkeit des schnellen Nachschlagens entgegen gehalten. Hier wird der Zeitaufwand des Nachschlagens gegenüber dem Wissen unterschätzt, da dieses sich ja im Laufe des Lebens summiert. Darüber hinaus kann mit dem Nachschlagen zumeist auch keine genügende Effizienz erreicht werden. Das Gedächtnis funktioniert nach gewissen Prinzipien, welche zum Erreichen einer effizienten und möglichst langfristigen Abspeicherung nutzbar gemacht werden sollen. Diejenigen, die in engerem Zusammenhang mit Mnemotechniken stehen, sind hier von Belang. Dazu gibt es gut zu merkende Zusammenstellungen, von denen die Mnemotechnischen Mentalfaktoren die bekannteste darstellen. Hiervon gibt es sieben: Die mnemotechnischen Mentalfaktoren lassen sich mit Hilfe folgenden Merksatzes leicht einprägen: „All Factors Lead To Very Efficient Learning“ Die Mnemotechnischen Mentalfaktoren lassen einige wichtige Grundlagen unbeachtet. Zum Teil werden sie allgemeinen Tipps zugeordnet, die keinen Platz in der Mnemotechnik haben, zum Teil werden sie aufgrund von Missverständnissen falsch auf die Mnemotechnik bezogen. Hier sind zu nennen: Eine weitere verbreitete Zusammenstellung sind die sogenannten Allgemeinen Gedächtnisprinzipien. Sie sind weniger systematisch und konsistent, sollen aber wegen ihrer Verbreitung nicht unterschlagen werden. Diese Prinzipien sind, was die Wortwahl anbelangt, so benannt, dass sie zusammen das Wort Farbenpracht ergeben: Hier geht es um die Mittel zur Aufbereitung der Erinnerungsinhalte, die Mittel zur Bildung von Eselsbrücken könnte gesagt werden. Ulrich Voigt zählt Gefühle, Zeichen, Schemata, Bilder, Örter, Wörter, Begriffe und Geschichten auf. Es handelt sich hier also keineswegs nur um Bilder, wie mitunter behauptet wird. Im Einzelnen sollen Es fällt auf, dass Assoziationen nicht erwähnt werden. Dies liegt daran, dass ihnen im System Voigts eine besondere Rolle auf verschiedenen Ebenen zukommt, und hier auf ihre Beschreibung bei den Mnemotechnischen Mentalfaktoren verwiesen werden kann. Die aufgezählten Mittel zur mnemotechnischen Repräsentation der Erinnerungsinhalte stehen nicht in Konkurrenz zueinander und können auch gemeinsam benutzt werden. Entgegen den Versprechen mancher Gedächtnistrainer ist die Mnemotechnik kein Wunderwerk, mit dem sich nach kurzer Aufklärung über die Technik alles schnell merken lässt. Die meisten Techniken sind zwar einfach, doch braucht es ein wenig Übung, sie sicher anzuwenden. Dabei können allerdings schnell Fortschritte gemacht werden. Auch wirkt sich die individuelle Prägung und Erfahrung auf die Weise aus, wie die Techniken optimal angewendet werden. Nur durch die Anwendung können diese individuellen Besonderheiten in Erfahrung gebracht werden. Weiterhin muss auch, wenn mit Mnemotechniken gelernt wird, das Gelernte wiederholt werden. Manche Mnemotechniken wie einige Merksprüche machen sogar in erster Linie das vorhandene und fehlende Wissen überprüfbar. Dadurch wird weniger vergessen als bei anderen Lernmethoden. Der Stoff sitzt also schneller, und bei weniger Aufwand merkt man sich mehr. Bei manchen Zwecken wie Einkaufslisten und Gedächtnissport sind die Erinnerungsinhalte nach kurzer Zeit obsolet. Sollen die Inhalte allerdings langfristig im Gedächtnis bleiben, muss in der Regel sorgfältiger vorgegangen werden. Die Bilder sollten z. B. nicht so abstrus sein, dass sie auf Dauer schwer zu merken sind. Die Abstrusitäten sollten sich vielmehr so einfügen, dass sie vom Lernenden gut vorstellbar sind. Für z. B. Einkaufszettel und Zahlen gibt es anerkannte und schnell anzuwendende Methoden. Bei großen Mengen ist aber oft Vorbereitung vonnöten. Und mitunter ist es nötig, sich selbst einen Weg zu überlegen, wie das Thema für eine Mnemotechnik greifbar gemacht wird. Ein großer Teil der Mnemotechnik besteht darin, die Erinnerungsinhalte mit den entsprechenden Mitteln der Mnemotechnik auszudrücken. Hierzu haben sich für eine Reihe von Inhalten übliche Techniken entwickelt, während bei anderen Gebieten zu diesem Zweck noch selbst Arbeit geleistet werden muss. Angesichts der Vielzahl möglicher Erinnerungsinhalte sind im Folgenden nur Beispiele aufgelistet. Gerade wenn viele Namen zu merken sind, fällt dies auch jenen schwer, denen es sonst kaum Gedächtnisprobleme bereitet. Hier kann der „Trick des Diplomaten“ helfen. Statt sich alle Namen auf einmal zu merken, gesellt man sich zu einer kleinen Gruppe, bis man sich die Namen in dieser Gruppe gemerkt hat, und nimmt sich dann die nächste Gruppe vor, gehorcht also dem Grundsatz, sich nicht zu viel merken zu wollen. Hierbei kann man die Namen verbildern und mit den Merkmalen der Gesichter verbinden. Ein bekanntes Wort, das ähnlich klingt wie die zu lernende Vokabel, ist das Schlüsselwort. Aus dem Schlüsselwort und der Bedeutung der Vokabel wird im Geist ein Bild erstellt. Dies wird Schlüsselwortmethode genannt. Hier sind auch von Sprachwissenschaft und Pädagogik empfohlene Methoden zu nennen. Während ein Grundwortschatz eher die Effektivität der Auswahl der Lerninhalte betrifft, erleichtern Wortbildungslehre und Wortfamilien, die Betrachtung der Geschichte eines Wortes, der Vergleich sinnverwandter Wörter oder die Kenntnis und die Bezugsbildung zu entsprechenden Fremd- oder Lehnwörter und ähnlicher Wörter anderer Sprachen das Lernen. Einst wollte man ähnlich der Sprachgeschichte auch den 'Volkscharakter' als Eselsbrücke für bestimmte Wortgruppen nutzen. Wer Loci-Methode oder Gedächtnispalast nutzt, der findet hier auch Ordnungsmöglichkeiten. Das Merken von Zahlen ist objektiv besonders schwierig, auch wenn es verschiedenen Personen subjektiv unterschiedlich schwerfällt. Systeme, die dies erleichtern, sind das Zahl-Symbol-System, das Zahl-Reim-System sowie das umfassendere Major-System, bei dem den Ziffern Konsonanten zugeordnet werden. Ihnen gemein ist, dass sie auch zur Strukturierung und Ordnung von Merkinhalten dienen können. Für den Gedächtnissport haben sich oft spezielle Techniken und Eigenheiten entwickelt, deren Anwendung für andere Zwecke mitunter problematisch sein kann. Hier sind das PVO-System zum Merken von Zahlen und das Dominic-System zum Merken der Reihenfolge von Spielkarten zu nennen. Ähnlich ist es beim Pi-Sport, wo es um das Memorieren der Zahl π geht. Mit dem folgenden Satz kann man sich die Planetenreihenfolge, von der Sonne aus, einprägen: „Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unseren Nachthimmel.“ Dabei steht jeder der Anfangsbuchstaben für einen Planeten mit dem gleichen Anfangsbuchstaben. Das M in Mein für Merkur , das V in Vater für Venus , und so weiter für Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun. Die Merkhilfe setzt voraus, dass man die Planetennamen kennt. Erleichtert wird das Lernen, genau wie bei den komplexen Systemen, wenn man sich den Inhalt der fiktiven Szene, die der Satz beschreibt, möglichst anschaulich, lebendig und farbig vorstellt. Es wäre von Vorteil, wenn man sich den Vater vorstellt, wie er die Planeten mittels einer Zeichnung in einem großen Buch oder einer Wandtafel erklärt. Natürlich mit dem eigenen Vater, in der Atmosphäre und der Umgebung, die in der eigenen Erinnerung sonntags für die eigene Familie typisch ist oder war. Das innere Wiederholen des Satzes sollte betont auf jedes einzelne Wort erfolgen. Dieses Beispiel für eine einfache Mnemotechnik enthält bereits die beiden Grundelemente auch der kompliziertesten mnemotechnischen Universalsysteme, nämlich Ordnung/feste Reihenfolge auf der einen und anschauliche Bilder sowohl für das Ordnungssystem als auch für das gemerkte Wissen auf der anderen Seite. Ein weiteres Beispiel ist: „Klio/me/ter/thal/Eu/er/ur/po/kal“ für die 9 Musen des klassischen Altertums: Klio, Melpomene, Terpsichore, Thalia, Euterpe, Erato, Urania, Polyhymnia und Kalliope. Ein bekanntes Beispiel für das Erlernen des Quintenzirkels ist der Satz: „Geh Du Alter Esel, Hole Fische“. Hilfe leistet durch mnemotechnischen Ansatz ein visueller Vergleich mit kindgerechten Abbildungen. Wichtig ist dabei auch die Wahl von Bildern mit phonetisch treffender Aussprache, also zum Beispiel „Elefant“ und nicht „Eimer“. „Elefant“ hat den weiteren Vorteil, dass es nicht missverständlich ist, im Gegensatz zu „Esel“, der fälschlich auf „Es“ deutet. Bei typischen Methoden der Mnemotechnik werden die zu lernenden Begriffe wie die Glieder einer Kette so aneinander gehängt, dass die richtige Reihenfolge erhalten bleibt. Man denkt sich einfach eine Geschichte aus, in der die Begriffe vorkommen. Die Gefahr besteht darin, dass, wenn ein Kettenglied verloren geht, die gesamte Assoziationskette sozusagen „reißt“. Es gibt aber auch spezifische Methoden, bei denen diese Gefahr minimiert werden kann. Diese Methoden lassen sich auf Wissensgebiete anwenden, bei denen es auf Stichworte und deren Vollständigkeit und richtige Reihenfolge ankommt. Die verbreitetsten davon sind Zahlen-Symbol-Systeme; das Buchstaben-System sowie die Loci-Methode, die das älteste System ist. Bei der Alphabet-Methode bilden die Buchstaben des Alphabetes mit je einem damit fest verknüpften Bild das Erinnerungsgrundgerüst, wobei auch hier die zu merkenden Wörter in Bilder umgewandelt und mit je einem Bild verbunden werden, das fest für einen Buchstaben steht. Die Bilder für jeden Buchstaben werden aber nicht wie bei der einfachen Zahlen-Methode aus der Form gebildet, sondern aus einem Wort mit dem gleichen Anfangsbuchstaben. Beim Aufbau des Systems kann sich der Nutzer z. B. dafür entscheiden, sich für Z das Wort und Bild Zitrone zu merken. Ist das Wort „Relativitätstheorie“ in der Liste der Wörter, die man sich gerade merken will und steht es neben „Z“, dann könnte man sich Einstein vorstellen mit einer Tafel, auf der Formeln stehen, während er in eine halbe Zitrone beißt und das Gesicht verzieht. Gerade dieses Bild, in das man noch Geruch und Geschmack einbezieht, ist ein gutes Beispiel für ein Bild, das kaum vergessen wird, weil das Gehirn lebendige Bilder gut speichert. In Kombination mit einem Ordnungsmerkmal, hier der Buchstabe Z, der die Erinnerung aufrufbar macht, ist es leicht möglich, eine Liste von Wörtern auswendig zu lernen und in Reihenfolge wiederzugeben oder bei Nennung eines Buchstabens das jeweilig dazu gemerkte Wort wiederzugeben. Eine bekannte und verbreitete mnemotechnische Assoziationstechnik ist die Loci-Methode . Es war die Hauptmethode in der Antike und im Mittelalter. Um diese Technik zu beherrschen, braucht es nur sehr wenig Aufwand. Wenn man sich auf herkömmliche Weise eine Abfolge von Dingen zu merken versucht, gerät oft vieles im Gehirn durcheinander. Mithilfe der Loci-Technik werden die Lerninhalte geordnet „encodiert“. In der Loci-Technik wird für jeden Begriff ein eigener Platz reserviert, quasi Variablen geschaffen, die mit verschiedenen Inhalten belegt werden können. Diese Variablen liegen in einer übergeordneten, fixen Struktur, sodass es möglich wird, bei der Wiedergabe die genaue Reihenfolge einzuhalten. Die fixe Struktur, von der vorher die Rede war, kann ein wohlbekannter Weg sein, aber auch ein Raum. Es muss im zweiten Falle nicht unbedingt ein realer Raum sein. Man kann sich selbst seinen eigenen Raum schaffen, dies muss jedoch in größtmöglicher Detailgenauigkeit geschehen. Bei beiden Varianten ist es notwendig, ganz eindeutige Plätze auszuwählen, wo später die zu merkenden Dinge abgelegt werden können. Anschließend kann man auf die geistig vorbereiteten Plätze das zu Merkende in Form lebendiger Bilder ablegen; besonders günstig ist es, wenn man mehrere Dinge zuerst zu einem Assoziationsbild verknüpft und dann erst gedanklich ablegt. So wird „Platz gespart“ und man erinnert sich obendrein noch leichter. Man kann den Weg oder das Zimmer immer wieder benutzen, quasi neu „beschreiben“. Die Gliederung einer typischen frei gesprochenen Rede kann man sich mit der Frontansicht eines griechischen Tempels merken. Die Einleitung der Rede wird mit den Treppenstufen assoziiert, die rechte, sonnenbeschienene Säule mit den Pro-Argumenten und die linke, schattige Säule mit den Kontra-Argumenten. Die mittlere, halbschattige Säule führt Gemeinsamkeiten beziehungsweise unvereinbare Gegensätze zusammen. Das spitz zulaufende Dach des Tempels wird mit dem Endergebnis assoziiert. Ein Gedächtnispalast ist ein fiktives, im Kopf existierendes Gebilde, das dazu dient, Wissen langfristig abzuspeichern bzw. durch seine örtliche Struktur Logik in ein im Kopf bereits vorhandenes Wissen zu bringen. Er baut im Wesentlichen auf dem Prinzip der Loci-Methode auf, jedoch gibt es bei seinem „Bau“ einige grundlegende Unterschiede. Hierzu ist oft mehr nötig als die Kombination mehrerer Mnemotechniken und eine Lösung ergibt sich erst durch die Analyse des jeweiligen Anwendungsgebiets. Insofern es für jeden Wissensbereich unterschiedlich ist, kann dazu hier nichts gesagt werden. Es gibt aber eine Anzahl Veröffentlichungen, die aufzeigen, wie man bestimmte Wissensbereiche mnemonisch bewältigen kann. Dazu gehören:
2024-12-01 19:41:53
https://de.wikipedia.org/wiki/Bulgarische_Fu%C3%9Fballnationalmannschaft
Die bulgarische Fußballnationalmannschaft ist die Fußball-Auswahl des bulgarischen Fußballverbandes. Ihr größter Erfolg war das Erreichen des vierten Platzes bei der Weltmeisterschaft 1994. Der bulgarische Fußballdachverband heißt Balgarski futbolen sajus und wurde 1923 gegründet. Die bulgarische Fußballnationalmannschaft kann zwar eine Vielzahl an Endrunden-Teilnahmen vorweisen, doch schied man fast immer bereits in der Vorrunde aus. Lediglich bei der WM 1994 in den USA konnte Bulgarien ins Halbfinale vorstoßen dank eines überragenden Christo Stoitschkow, der zehn Jahre später auch einige Zeit als Nationaltrainer tätig war. Die Mannschaft wird derzeit von Mladen Krstajic trainiert. Bulgarien nahm erstmals an einer EM-Endrunde teil als 1996 das Teilnehmerfeld auf 16 erhöht wurde. Quellen: rsssf.org; eu-football.info Albanien | Andorra | Armenien | Aserbaidschan | Belarus | Belgien | Bosnien und Herzegowina | Bulgarien | Dänemark | Deutschland | England | Estland | Färöer | Finnland | Frankreich | Georgien | Gibraltar | Griechenland | Irland | Island | Israel | Italien | Kasachstan | Kosovo | Kroatien | Lettland | Liechtenstein | Litauen | Luxemburg | Malta | Moldau | Montenegro | Niederlande | Nordirland | Nordmazedonien | Norwegen | Österreich | Polen | Portugal | Rumänien | Russland | San Marino | Schottland | Schweden | Schweiz | Serbien | Slowakei | Slowenien | Spanien | Tschechien | Türkei | Ukraine | Ungarn | Wales | Zypern, Republik DDR | Jugoslawien | Saarland | Serbien und Montenegro | Sowjetunion | Tschechoslowakei Abchasien | Åland | Alderney | Baskenland | Böhmen 1 | Böhmen und Mähren 1 | Bretagne | Guernsey | Irland 1 | Isle of Man | Jersey | Katalonien | Monaco | Okzitanien | Sápmi | Schlesien | Republika Srpska | Russisches Kaiserreich 1 | Türkische Republik Nordzypern | Vatikanstadt | Vereinigtes Königreich AFC | CAF | CONCACAF | CONMEBOL | OFC U16 | U17 | U18 | U19 | U20 | U21 | A-Mannschaft
2024-12-03 15:21:39
https://de.wikipedia.org/wiki/Ella_Flagg_Young
Ella Flagg Young war eine US-amerikanische Lehrerin, Lehrerbildnerin, Schulreformerin, Schulverwaltungsreformerin und Vertreterin der „progressive education“. Sie war die erste Frau in der Position eines Superintendenten und in dieser Funktion damals bestbezahlte Frau der USA und verantwortlich für das gesamte Schulsystem von Chicago. Unter John Dewey war sie Assistenzprofessorin für Pädagogik, Mitglied der Chicago School of Pragmatism. Ella Flagg war das jüngste von drei Kindern einer Arbeiterfamilie. Die Eltern waren Presbyterianer, lebten ihren Glauben aber undogmatisch: Kartenspiel, Tanzen und die Lektüre weltlicher Literatur waren erlaubt; der Vater las viel und diskutierte religiöse Fragen. Da sie ein kränkliches Kind war, wurde Flagg anders als ihre größeren Geschwister nicht eingeschult. Sie verbrachte fast täglich Zeit mit Gartenarbeit, weil die Eltern glaubten, dass das ihrer Gesundheit zuträglich sei. Mit acht oder neun Jahren brachte sich Flagg das Lesen selber bei, angeregt von einem Zeitungsbericht über einen Schulhausbrand. Mit elf Jahren besuchte sie schließlich die Schule. Als Flagg dreizehn war, zog die Familie 1858 nach Chicago. Vorbedingung zur Aufnahme an eine der High Schools in Chicago war, dass Flagg ein Jahr lang die Grammar School besuchte. Der Unterricht dort langweilte sie aber zunehmend; der Vater stand der Bildung, wie sie in Schulen vermittelt wurde, kritisch gegenüber, die Mutter sah keine Notwendigkeit für ihre Tochter, weitere Schulen zu besuchen; nach einigen Monaten gab Flagg den Schulbesuch auf. Eine Freundin machte sie auf die Möglichkeit der „teachers certification“ aufmerksam: da institutionalisierte Ausbildungsgänge für Lehrpersonen noch kaum existierten, wurden die meisten Lehrpersonen nicht an spezialisierten Schulen ausgebildet; stattdessen hielt der Superintendent Prüfungen ab. Wer diese Prüfung bestand, war zum Unterricht an der Grundstufe zugelassen. Flagg bestand die „teachers certification“, war jedoch mit 15 Jahren zum Unterrichten noch zu jung. Auf Empfehlung des Superintendenten konnte Flagg am Ausbildungskurs für Lehrpersonen teilnehmen, den eine der High Schools bald darauf und offenbar erstmals anbot. 1856 wurde die erste High School in Chicago eingerichtet mit dem Zweck der Lehrerausbildung. Die Eingangsvoraussetzungen waren niedrig, Männer mussten 16 und Frauen 15 Jahre alt sein und eine Eingangsprüfung, die ungefähr der sechsten Schulklasse entsprach, ablegen. Lehrer in den 1850er und 60er Jahren verdienten $1000 pro Jahr, Lehrerinnen jedoch nur $250. Anfangs war die Arbeit ausschließlich theoretisch. 1865 wurde jedoch eine Praxisschule eingerichtet, an der eine begrenzte Anzahl Studenten für ein halbes Jahr unterrichteten. Das Board of Education kontrollierte die Unterrichtsfächer, die Aufnahme der Studenten und niemand konnte Lehrer werden ohne dessen Zustimmung. Das Board wurde gebeten, die normale Ausbildung um ein halbes Jahr zu verlängern, damit den jungen Mädchen etwas mehr „Kultur“ beigebracht werden könne. Dies wurde abgelehnt, ebenso wie die Heraufsetzung der Standards für die Aufnahmeprüfung. Mit knapp 18 Jahren übernahm Ella Flagg 1862 ihre erste Stelle als Lehrerin an der Brown School. Sie selbst hatte mit 13 Jahren die Brown School besucht, als ihre Familie nach Chicago kam und als „Schülerin mit besonderen Pflichten“ Rechnen unterrichtet. Im selben Jahr starb ihre Mutter. Bereits drei Jahre später konnte Flagg auf Vorschlag des Superintendenten Aufbau und Leitung der neuen „School of Practice“ übernehmen. Diese Übungsschule für angehende Lehrpersonen bestand aus zwei Grundschulklassen in zwei Klassenzimmern; Lehrpersonen im letzten Ausbildungssemester unterrichteten für jeweils vierzehn Tage in einer der Klassen; Flagg betreute die Lehrpersonen in der Unterrichtsvorbereitung und -gestaltung, gab Demonstrationslektionen und war daneben verantwortlich für den Lernfortschritt aller Kinder. Zwischen 1865 und 1876 war Flagg mit kurzen Unterbrechungen als Leiterin der Übungsschule, später in ähnlicher Funktion an der „Normal School“ tätig. Die systematische Ausbildung von Lehrpersonen war erst im Aufbau begriffen: Das System von „Normal School“ für die allgemeinbildende und „School of Practice“ für die berufspraktische Ausbildung wurde in diesem Zeitraum ausgebaut und in einem Neubau zusammengelegt. Als Flagg einer ihrer Praktikantinnen nahelegte, einen anderen Beruf zu wählen, führte dies zu einem Konflikt mit dem „School Board“ . Flagg quittierte darauf für ein Jahr ihren Dienst und unterrichtete Mathematik, kehrte dann aber an die Normal School und in die Lehrerbildung zurück. Ab 1874 verlor die junge „Normal School“ zunehmend an Bedeutung, weil einige High Schools ihren akademischen Ausbildungsgang auf zwei Jahre verlängerten; die „Normal School“ wurde wenig später aufgehoben, 1877 auch die „Practice School“. Zukünftige Lehrpersonen wurden dann wieder unter den Absolventen der High School rekrutiert und nach Bestehen eines Eignungstests probehalber und ohne berufspraktische Ausbildung angestellt. Ab 1876 leitete Flagg die Scammon School, wechselte 1879 zur Skinner School, welche eine der größten Schulen Chicagos war. 1887 wurde Flagg zu einer der fünf „assistant superintendents“; diese Stellung hatte sie zwölf Jahre inne. Als 1891 Albert G. Lane neuer Superintendent wurde, unterstützte sie dessen Arbeit. Unter Lane wurde Werkunterricht in weiteren zehn Elementary-Schulen als Bestandteil des Lehrplans eingeführt. 1892 wurden die zehn Kindergärten, die seit 1888 von Privateinrichtungen betrieben und finanziert wurden, in das Schulsystem eingegliedert und per Gesetz ab 1895 auch finanziert. Lane unterstützte auch die Forderung der Lehrer nach einem Rentenfonds. 1880 gab es 898 Lehrer in Chicago und 1890 waren es bereits 5.806 bei einer Einwohnerzahl von ca. 1,5 Millionen. 1868 heiratete Ella Flagg den sehr viel älteren und kränklichen William Young. Im selben Jahr starb ihr Bruder. Ihr Ehemann starb 1873, kurz darauf im selben Jahr auch der Vater und die Schwester; damit war sie ganz ohne familiäre Bindungen. Möglicherweise hatte sich das Ehepaar Flagg Young aber schon vor dem Tod des Ehemannes getrennt, der Ehemann jedenfalls lebte vor seinem Tod nicht mehr in Chicago, sondern im amerikanischen Grenzland. Ab Mitte der 1870er Jahre wurde eine Lehrerin der „Skinner School“, Laura Brayton, Flagg Youngs enge Freundin. Die beiden Frauen führten während über 30 Jahren bis zu Youngs Tod einen gemeinsamen Haushalt. Als Flagg Young Superintendentin wurde, übernahm Laura Brayton die Funktion einer persönlichen Assistentin. Unklar ist, ob Young und Brayton eine Liebesbeziehung verband. Flagg Young hatte regen und engen Kontakt mit anderen intellektuellen und sozialreformerisch eingestellten Frauen aus Chicago: Sie war wie Jane Addams und Margaret Haley Mitglied im „Chicago Woman’s Club“, traf aber beide Frauen auch privat und koordinierte sich mit ihnen während ihrer Zeit als Superintendentin bei politischen Vorstößen und Aktionen. Schon als Leiterin der Skinner School gründete Ella Flagg Young zusammen mit den Lehrkräften einen Lern- und Diskussionskreis, der ganz im Sinne der zeittypischen Vorstellung von höherer Bildung griechische Dramen, Shakespeare, moderne Theaterstücke und Fragen der englischen Grammatik diskutierte. Mit fünfzig Jahren begann Young, vorerst berufsbegleitend, ein Studium bei John Dewey an der University of Chicago. Über vier Jahre belegte sie Seminare in Logik, Ethik, Metaphysik und Georg Wilhelm Friedrich Hegels Philosophie. Sie zog sich 1899 von ihrem Amt als „assistant superintendent“ zurück und schrieb ihre Dissertation Isolation in the school. 1900 wurde sie promoviert und war von 1900 bis 1905 Assistenzprofessorin für Pädagogik an der University of Chicago. Ihre Kurse in Psychologie, Philosophie und Pädagogik waren sehr beliebt. Sie nahm verschiedene Aufgaben wahr. Präsident Harper bat sie, die Verbindung zu der Chicagoer Schulbehörde im Namen der Uni weiter zu pflegen. Für John Dewey beaufsichtigte sie dessen Lehrer und gab seiner Versuchsschule den Namen „Laboratory School“. Sie gab die Monatsschrift Elementary School Teacher sowie Educational Bi-Monthly heraus. John Deweys Tochter schrieb in ihrer Biografie: Dewey betrachte, „Mrs. Young as the wisest person in school matters with whom he has come in contact in any way…“ . Als Dewey und seine Frau 1904 die Uni verließen, ging sie ebenfalls. 1904 verließ Young die Universität und reiste in Europa herum und sammelte neue Eindrücke in anderen Schulen. Kurz nach ihrer Rückkehr 1905 wurde sie Leiterin der Chicago Normal School, später Chicago Teachers College. In ihrer Funktion setzte sie sich sehr stark für eine Qualitätssteigerung in der Lehrerbildung ein. 1909 wurde Ella Flagg Young, nach Uneinigkeiten und kritischen Stimmen gegen eine Frau in einer solchen Stellung und nachdem das Amt sechs Monate lang vakant war, vom städtischen School Board zur Superintendentin gewählt. Aufsehen erregte nicht nur der Umstand, dass erstmals eine Frau in dieses Amt gewählt wurde, sondern dass sie den gleichen Lohn erhielt wie ihr Vorgänger. Mit $10.000 pro Jahr war Young die bestbezahlte Frau der USA. Sie symbolisierte für viele Frauen eine Vorreiterin in einer solchen Position. Young gewann durch ihr Amt einen guten Ruf und Aufmerksamkeit im ganzen Lande. Frauen stachelten sie an, die Präsidentschaft der National Education Association zu übernehmen. 1907 – mit ihrem 50-jährigen Bestehen – repräsentierte die NEA 5.044 Mitglieder in den USA und hatte damit einen bedeutenden Einfluss auf die Erziehung. In einer Rede sagte Ella Flagg Young 1907: „Wenn das öffentliche Schulsystem den Anforderungen, die das 20. Jahrhundert ihm auferlegen wird, begegnen will, muss die Isolation der Lehrer von der Verwaltung der Schule überwunden werden. Kann es wahr sein, dass Lehrer stärker in ihrer Arbeit sind, wenn sie keine Stimme haben in der Planung der großen Aufgaben, die in ihre Hände gelegt werden?“ 1910 wurde sie gewählt. Ermutigt durch ihre Wahl deckte sie gewisse Betrügereien in der NEA auf und wurde aus Rache bedroht. Als ihre Präsidentschaft endete, nahm sie ihre Tätigkeit als Superintendentin wieder auf. Entsprechend ihrer Überzeugung für mehr Demokratie in den Schulen, versuchte sie auch ihr Amt zu führen. Sie bezog alle um sie herum bei kritischen Entscheidungen mit ein. Sie gab Zeit und Gelegenheit, dass ihre Mitstreiter ihre Pläne diskutieren und ausführen konnten, und sie brachte in ihre Arbeit den Gemeinschaftssinn ein. Obwohl diese Art der Führung sich oftmals als schwierig und zeitaufwendig erwies, verstand sie diese als ganz selbstverständlich. Das Ergebnis war, dass ihre Beziehungen zu Frauenorganisationen und der Öffentlichkeit intensiv, beiderseitig und beständig waren. Die starke Unterstützung, die sie durch die Frauenbewegung erfuhr, war auch ausschlaggebend für den Erfolg vieler ihrer mutigen Programme, die sie einführte. 1913 nahm der Konservatismus des School board zu; im selben Jahr gewannen die Frauen in Illinois das Stimmrecht. Die weiblichen Wähler setzten sich gegen die Korruption in der Regierung ein. Auch Young setzte sich gegen den Missbrauch von Ämtern ein und machte sich so unbeliebt. Sie hatte einige Auseinandersetzungen mit dem Board of Education über Schulbücher und auch Lehrerrechte, so dass sie ihren Rücktritt einreichte. Jane Addams und andere organisierten eine Protestbewegung von 2000 Frauen gegen das Board. Als aus diesem einige Mitglieder zurücktraten, wurde Ella Flagg Young wieder eingestellt. Als sie im August 1915 in Urlaub war, nutzte der Immobilien-Magnat Jacob Loeb, ein einflussreicher Mann im Board of Education, die Gelegenheit, um einen Antrag vorzulegen, der Lehrern die Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft verbot. Als Young zurückkehrte, war diese Klausel, die als „Loeb rule“ bekannt wurde, bereits beschlossen worden. Young trat von ihrem Amt zurück. Somit bestand im Board keine Opposition, um in der Folge eine große Anzahl Lehrer, die der CTF angehörten, zu entlassen. 1916 sprach sie vor der NEA-Versammlung, wo Loeb ihr Vorredner war und die Lehrergewerkschaften angriff, und sagte, dass Leute, die ihre Kinder nicht auf öffentliche Schulen schickten , auch nicht dem Board of Education angehören sollten. Ella Flagg Young kritisierte die hierarchischen Strukturen des Bildungswesens und warf der Administration Isolation von der Schulrealität vor. Die Lehrpersonen seien degradiert und nicht frei in ihrem Bewusstsein. Sie wehrte sich gegen die verlangte Uniformität. Sie unterstützte es sehr, dass Lehrer und auch Schüler mehr Mitspracherecht im Schulalltag erhalten sollten. Hier seien die Stichworte Freiheit und Demokratie erwähnt. Während ihrer langen und bedeutenden Karriere führte Young die Schulen von Chicago durch eine Zeit der dramatischen Veränderungen, in der die Industrialisierung schnell die Wirtschaft beherrschte und viele neue ethnische Gruppen als Einwanderer kamen. Sie begegnete diesen und vielen anderen Herausforderungen, indem sie eine Reihe von Reformen einführte. Sie forcierte die berufliche Ausbildung an Schulen. Um die Qualität und das Gedeihen des Unterrichts zu sichern, dezentralisierte sie viele Verwaltungsfunktionen und gab den Schulen mehr Selbstverantwortung. Sie bemühte sich, die Schulleitung von der rigiden Büroarbeit zu befreien, damit sie zu einer Leitung mit Kenntnissen über Lehrpläne und Pädagogik werden konnte. Sie stellte den Schulen Dekane zur Seite, die Studenten beraten sollten. Auch bot sie Programme zur Sexualerziehung an, die bisher nirgendwo an Schulen unterrichtet wurden. Young reiste die nächsten drei Jahre mit Laura Brayton zusammen in Kalifornien herum. Am 26. Oktober 1918 starb Ella Flagg Young an einer Grippe. Sie überließ ihren Besitz Brayton und drei anderen Freundinnen. Jane Addams sagte von ihr: „Sie besaß mehr Intelligenz und Charakter als irgendeine andere Frau, die ich kannte“. Aufsätze Bücher
2024-12-03 19:43:52
https://de.wikipedia.org/wiki/Kirche_Westenbr%C3%BCgge
Die Kirche Westenbrügge ist ein spätgotisches Kirchengebäude in Westenbrügge im Landkreis Rostock in Mecklenburg-Vorpommern. Die Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Westenbrügge, verbunden mit der Kirchengemeinde Neubukow, gehört zur Propstei Wismar im Kirchenkreis Mecklenburg der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland. Die einschiffige Kirche wurde in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts überwiegend aus Backstein unter vereinzelter Verwendung von Feldstein erbaut. Das dreijochige Kirchenschiff besitzt einen dreiseitigen östlichen Schluss und Anbauten in der Art eines Querhauses; der südliche Kreuzbau weist einen dreiteiligen Staffelgiebel mit Zinnen auf. Im Westen befindet sich ein quadratischer Kirchturm mit Pyramidendach. Das ziegelgedeckte Kirchenschiff ist durch Kreuzrippengewölbe geschlossen. Zur Ausstattung gehört ein barockes Altarretabel, für das Reste eines spätgotischen Schnitzaltars verwendet wurden, wobei die mittlere Madonnenfigur durch ein Agnus Dei ersetzt wurde. Bei den ursprünglich seitlich stehenden 12 Apostelfiguren wurden teilweise die Köpfe ergänzt; im Jahr 1977 wurden die Figuren gestohlen. Das unansehnlich gewordene Retabel wurde im südlichen Anbau aufgestellt. Über dem Altar hängt ein großes Kruzifix. Die barocke Kanzel aus dem Jahr 1727 weist ornamental gerahmte biblische Szenen in figürlicher Grisaillemalerei auf, ähnlich ist auch der Treppenaufgang verziert. Am Schalldeckel sind gerahmte Medaillons und geflügelte Cherubköpfe angebracht. Die Orgel ist ein Werk von Julius Schwarz aus dem Jahr 1893 mit sieben Registern auf einem Manual und Pedal, das wegen der Kirchenrenovierung im Jahr 2000 abgebaut und 2012/2013 durch Giso Weitendorf aus Schwaan restauriert und wieder aufgestellt wurde. Zur Ausstattung gehören weiterhin ein schwebender Taufengel aus dem 18. Jahrhundert, ein Taufständer aus dem 19. Jahrhundert, ein eisenbeschlagener Opferstock von 1657 und ein Bedelt des 16./17. Jahrhunderts. Das Geläut der Kirche besteht aus einer einzigen, 1384 gegossenen Glocke mit seltenen, kunsthistorisch bedeutsamen Glockenritzzeichnungen, die die Jungfrau Maria und die Kreuzigung Christi darstellen. Die Glocke wurde bis 2017 von Hand geläutet, seitdem hat sie einen elektrischen Antrieb erhalten. Auf dem Kirchhof steht ein klassizistisches Mausoleum, das 1828 als Putzbau mit einem Portikus auf schweren Säulen erbaut wurde. Das neugotische Erbbegräbnis Möller wurde 1858 in gelbem Backstein über einem Gruftunterbau aus Findlingen errichtet. 54.04348711.732633Koordinaten: 54° 2′ 36,6″ N, 11° 43′ 57,5″ O
2024-12-01 22:48:39
https://de.wikipedia.org/wiki/Rose_Ausl%C3%A4nder
Rose Ausländer war eine aus der Bukowina stammende deutsch- und englischsprachige Lyrikerin. Sie lebte in Österreich-Ungarn, Rumänien, den USA, Österreich und Deutschland. Roses Vater Sigmund Scherzer stammte aus der streng orthodoxen, von Chassidismus und Mystik des Ostjudentums geprägten Stadt Sadagora, bekannte sich aber zum Freidenkertum. Er war Prokurist in einer Import-Export-Firma in Czernowitz, wo er seine Frau Etie Rifke Binder kennenlernte. Rose Scherzer wuchs in einem weltoffenen, liberal-jüdischen, auch kaisertreuen Elternhaus auf, in dem die wichtigsten Regeln der jüdischen Tradition bewahrt wurden. Rose Scherzer lebte in Czernowitz, bis ihre Familie 1916 vor der zweiten russischen Besetzung der Stadt im Ersten Weltkrieg nach Budapest floh. Von dort zog sie mit ihren Eltern weiter nach Wien und absolvierte 1919/1920 die einjährige Germinal-Handelsschule der Wiener Kaufmannschaft. Als sie 1920 in das nun rumänische Czernowitz/Cernăuţi zurückkehrte, trat sie eine Stelle in einer Rechtsanwaltskanzlei an und studierte als Gasthörerin Literatur und Philosophie an der Czernowitzer Universität, brach das Studium aber ein Jahr nach dem Tod des Vaters ab. In Czernowitz nahm sie am „Ethischen Seminar“ von Friedrich Kettner teil, einem praktisch-philosophisch orientierten Seminar, in dem v. a. Constantin Brunner, Spinoza, Platon und die Bibel rezipiert wurden. Gemeinsam mit ihrem Studienfreund Ignaz Ausländer verließ sie 1921 auf Anraten der Mutter die Bukowina und wanderte in die USA aus. Hier war sie unter anderem Buchhalterin beim Westlichen Herold und begann mit dem Schreiben. In dem von ihr bis 1927 redigierten Amerika-Herold-Kalender erschienen ihre ersten Gedichte. Am 19. Oktober 1923 heiratete sie Ausländer in New York, wo sie mittlerweile als Bankangestellte arbeitete, trennte sich aber bereits Ende 1926 wieder von ihm. Im selben Jahr erhielt sie die US-amerikanische Staatsbürgerschaft. 1927 kehrte sie für acht Monate in die Bukowina zurück, um ihre erkrankte Mutter zu pflegen, und lernte den Kulturjournalisten und Graphologen Helios Hecht kennen. Das Paar reiste 1928 nach New York; Rose Ausländer veröffentlichte in den folgenden Jahren eine Reihe von Gedichten und Feuilletons in deutschsprachigen-amerikanischen Zeitungen. 1930 wurde ihre Ehe mit Ignaz Ausländer geschieden. 1931 kehrte Ausländer mit Hecht nach Czernowitz zurück. Sie veröffentlichte Gedichte und Aufsätze in Zeitungen, Zeitschriften und Anthologien, übersetzte aus dem Jiddischen und Englischen, gab Englischunterricht und arbeitete als Lebensberaterin für die Zeitung Der Tag. Da sie mehr als drei Jahre nicht mehr in den USA gewesen war, wurde ihr 1934 die US-amerikanische Staatsbürgerschaft aberkannt. 1935 trennte sie sich von Hecht. Sie arbeitete als Fremdsprachenkorrespondentin für eine Chemiefabrik in Bukarest. 1939 erschien durch die Vermittlung von Alfred Margul-Sperber ihr erster Gedichtband Der Regenbogen, der zwar von der Kritik gelobt wurde, aber beim Publikum durchfiel. Von Freunden in den USA gedrängt, wegen der bedrohlichen politischen Situation in Czernowitz nach New York zurückzukehren, reiste sie 1939 erneut in die USA, kehrte jedoch noch im selben Jahr nach Czernowitz zurück, um ihre schwer erkrankte Mutter zu pflegen. In der Folge des Hitler-Stalin-Pakts von 1939 besetzten im Juni 1940 sowjetische Truppen Czernowitz und die nördliche Bukowina. Ausländer wurde als angebliche US-Spionin vom sowjetischen Inlandsgeheimdienst NKWD verhaftet und nach viermonatiger Haft wieder aus dem Gefängnis entlassen. Sie arbeitete nun als Krankenschwester in einer Augenklinik. Nach dem Überfall auf die Sowjetunion besetzten die mit Deutschland verbündeten rumänischen Truppen unter Marschall Ion Antonescu Anfang Juli 1941 Czernowitz. Auch Rumänen verfolgten und ermordeten Juden. Rose Ausländer wurde ins Ghetto der Stadt gesperrt, wo sie Paul Celan kennenlernte. Sie durfte die Stadt auch nach der Auflösung des Ghettos nicht verlassen, entging jedoch Zwangsarbeit und Deportation und überlebte in einem Kellerversteck. Im Frühjahr 1944 marschierte die Rote Armee in Czernowitz ein, das nun wieder sowjetisch wurde, und befreite die wenigen überlebenden Juden. Rose Ausländer reiste über Rumänien neuerlich nach New York und arbeitete wieder als Fremdsprachenkorrespondentin. Ihre Gedichte schrieb sie bis 1956 ausschließlich auf Englisch. 1957 traf sie in Paris Paul Celan; unter seinem Einfluss löste sie sich von ihrem klassisch-expressionistischen Ton und modernisierte ihren Stil – eine Entwicklung, die bereits in New York unter dem Eindruck der amerikanischen Moderne, vor allem durch die Rezeption Marianne Moores, begonnen hatte. 1964 zog Rose Ausländer nach Wien um und 1965 nach Düsseldorf. Als Verfolgte des NS-Regimes erhielt sie eine Entschädigung und bezog eine Rente. Ihr zweiter Gedichtband Blinder Sommer war ihr literarischer Durchbruch und brachte ihr die erste Auszeichnung, den „Silbernen Heinetaler“ des Verlages Hoffmann und Campe. Bis 1971 unternahm Rose Ausländer ausgedehnte Reisen durch Europa, vor allem nach Italien und 1968/69 letztmals in die USA. 1972 zog sie ins Nelly-Sachs-Haus, das Altenheim der Jüdischen Gemeinde Düsseldorfs. Es war Rose Ausländer, die anregte, dass dieses jüdische Altenwohn- und Pflegeheim in der Nelly-Sachs-Straße in Düsseldorf-Stockum nach Nelly Sachs benannt wurde. Noch lange nach ihrer Übersiedlung nach Deutschland war Rose Ausländer kaum bekannt, erst der Verleger Helmut Braun, den sie 1975 kennenlernte, änderte das. Nach einem Oberschenkelhalsbruch, von dem sie sich nicht mehr erholte, beschloss Rose Ausländer 1977, ihr Zimmer nicht mehr zu verlassen und sich nur noch auf ihr Schreiben zu konzentrieren. Bis zu ihrem Tod 1988 veröffentlichte sie zahlreiche Gedichtbände, die hohe Auflagen erreichten. Der Nachlass ihrer Werke wird im Heinrich-Heine-Institut aufbewahrt. Rose Ausländer fand auf dem jüdischen Friedhof auf dem Gelände des Nordfriedhofs Düsseldorf ihre letzte Ruhestätte. Rose Ausländers Bibliothek befindet sich heute im Heinrich-Heine-Institut Düsseldorf. 2014 widmete sich eine Veranstaltungsreihe im Philosophicum Basel dem Werk Rose Ausländers mit einer Reihe von Vorträgen, Dokumentarfilmen, Lesungen und Gesprächen. Es wird auch eine Wanderausstellung der Friedensbibliothek Berlin gezeigt. Eine nach ihr benannte Rose-Ausländer-Straße gibt es in Kaarst und seit 2018 in Düsseldorf-Derendorf.
2024-12-03 18:06:33
https://de.wikipedia.org/wiki/Skilift_Gandegg_(Zermatt)
Der Schlepplift Gandegg bei Zermatt war mit einer Länge von 2899 Metern seinerzeit der längste Schlepplift der Welt. Er führte vom Trockenen Steg bis zur Talstation des Skilifts Testa 1 an der Schweiz-italienischen Grenze. Die Inbetriebnahme fand 2003 statt. 2019 wurde der Lift stillgelegt und 2022 abgerissen. Gebaut wurde der Lift von der Firma Garaventa. Beim Bau wurden zwei bereits zuvor existierende Lifte zusammengefasst. Die Eröffnung des Schlepplifts Gandegg fand am 18. Oktober 2003 statt. Die Fahrzeit betrug rund 15 Minuten, wobei die Benutzer mit T-Bügeln mit rund 4 Metern pro Sekunde nach oben gezogen wurden. Der Schlepplift hatte damit eine Förderleistung von 1.100 Personen pro Stunde. Im Jahre 2019 wurde der Lift stillgelegt und daraufhin 2022 abgerissen. Als Gründe können die Gletscherbewegungen sowie die neue Erreichbarkeit der Region durch die 3S-Bahn zum Kleinen Matterhorn und der neue Verbindungslift zwischen Testa Grigia und Klein Matterhorn angesehen werden. Der Schlepplift startete unmittelbar südlich der Seilbahnstation Trockener Steg auf 2.912 Metern und führte zuerst in südsüdwestlicher Richtung auf den Theodulgletscher. Nach einer leichten Linkskurve, welche technisch mit schrägen Rollenbatterien umgesetzt wurde, folgten auf dem Gletscher verankerte Stützen bis zur Bergstation auf 3.246 Metern in unmittelbarer Nähe der Landesgrenze zwischen der Schweiz und Italien unterhalb des Theodulpasses. Von da bestand die Möglichkeit, mit einem weiteren Schlepplift die Testa Grigia zu erreichen. Eine Besonderheit des Skilifts Gandegg war der Mittelausstieg. Im Gegensatz zu den teilweise auf einem Gletscher verankerten Stützen stand die Talstation auf festem Boden. Die ersten Stützen waren T-Stützen. Im weiteren Verlauf wurden N-Stützen der Hersteller Bühler und Habegger verwendet, da der Lift über einen Gletscher verlief. Der Antrieb erfolgte über einen Schleifringläufermotor in der Talstation. Für die Aufhängung der Seile wurden 160 Gehänge der Typen Rö 9 und Rö 10 eingesetzt. 45.9552777777787.7133333333333Koordinaten: 45° 57′ 19″ N, 7° 42′ 48″ O; CH1903: 621298 / 89337
2024-12-03 14:18:38
https://de.wikipedia.org/wiki/St._Martin_(Zorneding)
St. Martin ist ein Kirchengebäude der römisch-katholischen Kirche in der oberbayerischen Gemeinde Zorneding im Landkreis Ebersberg. Die Kirche ist dem Patronat des heiligen Martin von Tours unterstellt und dient der Pfarrei St. Martin als Pfarrkirche. Das Bauwerk ist als Baudenkmal in die Bayerische Denkmalliste eingetragen. Schon im frühen 9. Jahrhundert existierte wohl eine Kirche aus Holz, welche von Adeligen an das Bistum Freising gestiftet wurde. Diese wurde später durch einen gotischen Neubau mit vier Altären und 80 Sitzplätzen ersetzt. 1719 wurde wegen Einsturzgefahr von Pfarrer Melchior Brockmayr ein Neubau nach Plänen des Grafinger Maurermeisters Thomas Mayr initiiert, welcher vermutlich auch der Baumeister war. Die Weihe der Kirche fand am 9. September 1723 statt. Der Innenraum wurde 1843 und 1879 renoviert und verändert. Eine Erneuerung des Deckengemäldes fand 1923/24 statt. 1963 wurden die beiden Seitenaltäre entfernt, deren Bilder sich heute im Chor befinden. Der Außenputz des Turms wurde 1984 erneuert und 1988 bis 1990 folgte eine Sanierung der Kirche wegen Einsturzgefahr. Es handelt sich bei der Kirche um einen barocken, tonnengewölbten Saalbau mit eingezogenem Polygonalchor und angefügter Sakristei. Der südliche 37 m hohe Chorwinkelturm ist mit einer Zwiebelhaube versehen. Das Turmuntergeschoss aus Tuff- und Nagelfluhquadern stammt noch vom Vorgängerbau. Die Deckengemälde von 1923 wurden von Anton Niedermaier aus Hohenbrunn erstellt und zeigen im Chor die Himmelfahrt Mariens und im Langhaus den heiligen Christophorus mit Christuskind, welches von Maria aufgenommen wird. Zudem sind die Heiligen Margaretha, Katharina von Alexandrien und Barbara abgebildet sowie kirchliche Würdenträger. Das Deckengemälde über der Empore mit der heiligen Cäcilia an der Orgel ist vermutlich etwas älter. Der Bilderzyklus an der Empore stellt Szenen aus dem Leben des heiligen Martin dar und ist vermutlich vom Kunstmaler Kromer aus Freising um 1880. Der Stuck der Kirche weist Kontraste zwischen floralem und geometrischem sowie zwischen flachem und plastischem Dekor auf. Vermutlich stammt dieser aus der Werkstatt Zwerger aus dem Schliersee-Miesbacher Raum oder von einem Schüler Johann Baptist Zimmermanns. Die Figuren des Hochaltares stammen aus der Zeit nach 1721 und stellen im Zentrum den heiligen Martin im Bischofsgewand dar, wie er einem Bettler eine Münze reicht, daneben Figuren der Heiligen Petrus und Paulus. Darüber ist der Erzengel Michael zu sehen, der von zwei Engeln flankiert wird. Das Auge Gottes darüber wurde 1923 ergänzt. Neben dem Hochaltar finden sich Figuren der Heiligen Leopold und Florian aus dem Ende des 18. Jahrhunderts. Das Kruzifix mit Engelsfiguren an der südlichen Wand ist um 1700 entstanden, die Figuren der Heiligen Katharina und Barbara gegenüber um 1680. Die beiden Ölgemälde im Nazarener-Stil des 19. Jahrhunderts aus den früheren Seitenaltären sind über den Eingängen zum Turm und zur Sakristei angebracht und zeigen die heilige Maria und den heiligen Leonhard über einer Darstellung Alt-Zornedings. An der Südseite des Langhauses findet sich ein Kruzifix mit Mater dolorosa um 1720–40. Das spätbarocke Kreuz an der Nordseite ist von 1740. Am linken Chorbogen ist eine Marienfigur um 1500 angebracht, die später vermutlich überarbeitet wurde. Am rechten Chorbogen findet sich eine spätbarocke Figur des heiligen Leonhard. Der gotische Taufstein aus dem 13. Jahrhundert stammt aus dem Vorgängerbau und zeigt auf dem Deckelaufsatz die Taufe am Jordan. An der Nordwand ist die Vollreliquie des Märtyrers Placidus eingemauert, die 1842 von Rom hierher gebracht und im Kloster Altomünster gefasst wurde. Die heutige Orgel wurde 1923 von Willibald Siemann im Gehäuse ihrer Vorgängerorgel des Orgelbauers Josef Wagner aus Glonn aus dem Jahr 1840 errichtet. Aus dem Turm erklingt heute ein vierstimmiges Bronzegeläute mit Schlagtonfolge d1 fis1 a1 h1 im Salve Regina Motiv der Erdinger Glockengießerei. 48.08350511.823274Koordinaten: 48° 5′ 0,6″ N, 11° 49′ 23,8″ O
2024-12-03 16:36:46
https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Noiret
Joseph Noiret war ein belgischer Maler, Autor, Poet und Gründungsmitglied der Künstlergruppe CoBrA. Von 1944 bis 1949 studierte Noiret Literatur und Philosophie in Brüssel. Er schrieb Gedichte und malte. 1948 war er mit Christian Dotremont eines der Gründungsmitglieder von CoBrA. Die Zeitschrift Phantomas wurde 1953 von Noiret, Théodore Kœnig und Marcel Havrenne gegründet. 1960 wurde seine Tochter Michèle Noiret geboren. Von 1980 bis 1992 leitete Joseph Noiret die L'École nationale supérieure des arts visuels de La Cambre in Brüssel.
2024-12-04 06:56:03
https://de.wikipedia.org/wiki/Trevico_(Kampanien)
Trevico ist eine italienische Gemeinde mit 867 Einwohnern in der Provinz Avellino in der Region Kampanien. Sie ist Teil der Bergkommune Comunità Montana dell’Ufita. Die Nachbargemeinden sind Carife, Castel Baronia, San Nicola Baronia, San Sossio Baronia, Scampitella, Vallata und Vallesaccarda. Die Ortsteile sind Caprareccia, Farullo, Molini, Santa Lucia, Santa Marena, San Vito und Vecito. Aiello del Sabato | Altavilla Irpina | Andretta | Aquilonia | Ariano Irpino | Atripalda | Avella | Avellino | Bagnoli Irpino | Baiano | Bisaccia | Bonito | Cairano | Calabritto | Calitri | Candida | Caposele | Capriglia Irpina | Carife | Casalbore | Cassano Irpino | Castel Baronia | Castelfranci | Castelvetere sul Calore | Cervinara | Cesinali | Chianche | Chiusano di San Domenico | Contrada | Conza della Campania | Domicella | Flumeri | Fontanarosa | Forino | Frigento | Gesualdo | Greci | Grottaminarda | Grottolella | Guardia Lombardi | Lacedonia | Lapio | Lauro | Lioni | Luogosano | Manocalzati | Marzano di Nola | Melito Irpino | Mercogliano | Mirabella Eclano | Montaguto | Montecalvo Irpino | Montefalcione | Monteforte Irpino | Montefredane | Montefusco | Montella | Montemarano | Montemiletto | Monteverde | Montoro | Morra De Sanctis | Moschiano | Mugnano del Cardinale | Nusco | Ospedaletto d’Alpinolo | Pago del Vallo di Lauro | Parolise | Paternopoli | Petruro Irpino | Pietradefusi | Pietrastornina | Prata di Principato Ultra | Pratola Serra | Quadrelle | Quindici | Rocca San Felice | Roccabascerana | Rotondi | Salza Irpina | San Mango sul Calore | San Martino Valle Caudina | San Michele di Serino | San Nicola Baronia | San Potito Ultra | San Sossio Baronia | Sant’Andrea di Conza | Sant’Angelo a Scala | Sant’Angelo all’Esca | Sant’Angelo dei Lombardi | Santa Lucia di Serino | Santa Paolina | Santo Stefano del Sole | Savignano Irpino | Scampitella | Senerchia | Serino | Sirignano | Solofra | Sorbo Serpico | Sperone | Sturno | Summonte | Taurano | Taurasi | Teora | Torella dei Lombardi | Torre Le Nocelle | Torrioni | Trevico | Tufo | Vallata | Vallesaccarda | Venticano | Villamaina | Villanova del Battista | Volturara Irpina | Zungoli
2024-12-02 10:32:41
https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Reitmeier
Johannes Reitmeier ist ein deutscher Autor, Regisseur und Intendant. Zum Studium der Theaterwissenschaft, Kunstgeschichte und Bayerischen Literaturwissenschaft ging Reitmeier nach München an die Ludwig-Maximilians-Universität München, wo er auch zwei Jahre lang als Volontär in der Pressestelle der Bayerischen Staatsoper und als Lehrbeauftragter für Operndarstellung an der Hochschule für Musik und Theater München tätig war. Nach der Magisterprüfung folgten mehrere Jahre als freiberuflicher Regisseur mit Inszenierungen am Südostbayerischen Städtetheater Landshut–Passau–Straubing, am Landestheater Coburg, beim Bayreuther Jugendfestspieltreffen und den Opernfestspielen in Heidenheim an der Brenz und Zwingenberg. Außerdem wirkt er seit 1986 bei den Festspielen des Lichtenegger Bundes in Rimbach sowie seit 1988 bei den Waldfestspielen Bad Kötzting als Regisseur und Autor. Ebenso zeichnet er als Autor und Regisseur für die 1997 uraufgeführte Tirschenreuther Mundart-Passion verantwortlich. 2014 wurde erstmals sein in oberpfälzer Mundart gestaltetes Stück vom Jedermann in Tirschenreuth uraufgeführt. 1996 übernahm er die Intendanz des Südostbayerischen Städtetheaters, wo er bis 2002 wirkte. Hier inszenierte er unter anderem die Musicals Der Mann von La Mancha und Hello, Dolly! sowie die deutschen Erstaufführungen der Opern Fackeltanz von Bernt Lorentzen und Oberto, Conte di San Bonifacio von Giuseppe Verdi. Im Jahre 2000 inszenierte er dort die Uraufführungen seines Musicals Nostradamus sowie des Musicals Das Cabinet des Doktor Caligari. 2002 wurde er Intendant des Pfalztheaters Kaiserslautern. Er initiierte eine Ausweitung der theaterpädagogischen Arbeit mit verstärkter Jugendarbeit, die dem Pfalztheater neue Zuschauerkreis öffnete. Mit einer Reihe von Wiederentdeckungen und Neubewertungen von einst als entartet geltenden Opern sowie Schlüsselwerken der Moderne wurde das Theater auch überregional verstärkt wahrgenommen. Beispiele dieser Produktionen sind Die Feen von Richard Wagner , Flammen von Erwin Schulhoff , Jonny spielt auf von Ernst Krenek , Der König Kandaules von Alexander Zemlinsky , Das Wunder der Heliane von Erich Wolfgang Korngold oder Das Portrait von Mieczyslaw Weinberg . Herausragende Schauspielproduktionen waren Peer Gynt von Henrik Ibsen , die Einpersonen-Tragikomödie Die da von Christiane Reiff , Faust I von Johann Wolfgang Goethe und Hamlet von William Shakespeare . Besonderen Erfolg beim jüngeren Publikum hatte Reitmeier mit Musicals und Crossover-Produktionen wie Nostradamus, Abydos, Ludus Danielis , Christ 0 und Chronik der Unsterblichen – Blutnacht , die in Zusammenarbeit mit der Kaiserslauterer Band Vanden Plas und deren Sänger Andy Kuntz produziert wurden. Dem Pfalztheater gelang durchgängig eine Platzauslastung von über 90 %. Neben der Intendanz des Pfalztheaters war Johannes Reitmeier von 2006 bis 2008 zusätzlich Intendant der Kreuzgangspiele Feuchtwangen und wirkte weiter als Gastregisseur in anderen Häusern. Mit der Spielzeit 2012/2013 wechselte Reitmeier als Nachfolger von Kammersängerin Brigitte Fassbaender als Intendant an das Tiroler Landestheater Innsbruck. In dieser Funktion folgte ihm mit Beginn der Saison 2023/24 Irene Girkinger nach. Reitmeier schrieb „Keryhof. Ein Bauerntheater nach Karl May“, ein mundartlich geprägtes Theaterstück, das am 27. Juni 1992 auf der Burg Leuchtenberg in Bad Kötzting uraufgeführt wurde. Regie führte Christian Höllerer. Vorlage des Stücks ist Karl Mays Der Wurzelsepp, ein Teil des Kolportageromans Der Weg zum Glück. Zusammen mit Thomas Stammberger überarbeitete Reitmeier 1995 das Theaterstück für die Agnes-Bernauer-Festspiele in Straubing; für die Aufführungen 2003 und 2007 überarbeitete er das gemeinsame Stück und für 2011 schrieb er allein ein neues. 2003 erstellte er – wieder zusammen mit Thomas Stammberger – für die Festspielgemeinschaft Kötzting eine Mundart-Bearbeitung des Faust. Aus dem Jahr 2000 stammt sein Musical Nostradamus . Für die 975-Jahr-Feier der Stadt Amberg im Jahr 2009 schuf Reitmeier das historische Stadtschauspiel Amberger Welttheater – Der Herbst des Winterkönigs, das vor der Wallfahrtskirche Maria Hilf als Freilichtaufführung gegeben wurde und im Mai 2014 erneut aufgeführt wurde. 1997 erschien erstmals die in oberpfälzischer Mundart gehaltene Tirschenruther Passion. Aus diesem Zeitraum stammt auch die Geschichte von Winsheims Tod. 2014 erschien Der Oberpfälzer Jedermann.
2024-11-24 02:14:20
https://de.wikipedia.org/wiki/Joaw_Galant
Joaw Galant ist ein israelischer Generalmajor a. D. und Politiker . Von 2005 bis 2010 war er Kommandeur des Südkommandos der israelischen Armee. Er war von 2015 bis 2019 Bauminister, von 2019 bis 2020 Einwanderungsminister und von 2020 bis 2021 Bildungsminister. Er war von Dezember 2022 bis November 2024 Verteidigungsminister im Kabinett Netanjahu VI und wurde dann von Premierminister Netanjahu entlassen. Im November 2024 erließ der Internationale Strafgerichtshof Haftbefehl gegen Galant wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Zusammenhang mit Israels Kriegsführung im Gazastreifen. Joaw Galant wurde als Sohn polnisch-jüdischer Einwanderer geboren. Seine Mutter war eine Überlebende des Holocaust. Sein Vater kämpfte als Partisan in der Ukraine und in Weißrussland gegen die Nazis und wanderte 1948 ebenfalls nach Israel ein. Galant studierte an der Universität Haifa Wirtschaft und Finanzmanagement und schloss das Studium mit einem Bachelor ab. Galant trat 1977 in die israelischen Streitkräfte ein und diente dort in der Marine-Kommandoeinheit Shayetet 13. 1999 wechselte er zum Heer wurde 2002 zum Generalmajor befördert . Im Jahre 2005 wurde er zum Kommandeur des Südkommandos ernannt. Damit war er auch für den Gazastreifen zuständig. Galant war für den Posten des Generalstabschefs als Nachfolger von Gabi Aschkenasi vorgesehen. Die Ernennung wurde aber, zwei Wochen vor Amtsantritt, von Premierminister Benjamin Netanjahu wegen des Verdachts der Vorteilsnahme bei Grundstücksverkäufen rund um sein Anwesen zurückgezogen. Bei der Parlamentswahl in Israel 2015 trat Galant für die kurz zuvor gegründete sozial-konservative Partei Kulanu an und errang einen Sitz in der Knesset. Mit Eintritt der Kulanu in die Regierung wurde Galant zum Minister für Bau- und Wohnungswesen ernannt. Nachdem im Mai 2017 das Außenministerium der Vereinigten Staaten durch den Assistant Secretary of State for Near Eastern Affairs, Stuart E. Jones, mitgeteilt hatte, dass die syrische Regierung im Gefängnis Saidnaya Tausende Gefangene tötete und deren Leichen in einem Krematorium verbrannte, äußerte sich Galant am Folgetag auf der International C5I Sicherheitskonferenz in Latrun über den Bürgerkrieg in Syrien und forderte die Liquidation Baschar al-Assads, auch wegen des Einsatzes von Chemiewaffen gegen die eigene Bevölkerung. Im Kabinett Benjamin Netanjahu IV war er zunächst Bauminister. Galant trat am 2. Januar 2019 als Bauminister zurück und verließ seine Partei Kulanu. Danach trat er dem Likud bei und wurde am 9. Januar 2019 als Minister für Einwanderung und Integration vereidigt. Im Kabinett Benjamin Netanjahu V, das im Mai 2020 gebildet wurde, war er Bildungsminister. Galant wurde am 29. Dezember 2022 Verteidigungsminister im Kabinett Netanjahu VI. Am 26. März 2023 kündigte Netanjahu die Entlassung Galants an, weil dieser eine Aussetzung der geplanten Justizreform vorgeschlagen hatte. Aus Protest gegen die Justizreform und die Entlassung Galants strömten am darauffolgenden Abend hunderttausende Menschen in Israel auf die Straße, und der Gewerkschaftsdachverband Histadrut rief einen Generalstreik aus. Netanjahu kündigte am gleichen Tag ein Moratorium für die Justizreform an. Am 10. April 2023 erklärte Netanjahu, vom Plan der Entlassung Galants abzurücken. Er wurde mit den Worten zitiert: „Wir werden zusammen für die Sicherheit Israels arbeiten.“ Galant sagte direkt nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel 2023: „Wir kämpfen gegen menschliche Tiere und wir handeln entsprechend.“ Israel riegelte als Reaktion den Gazastreifen ab. Galant forderte Mitte Mai 2024, man müsse eine „Regierungsalternative in Gaza“ etablieren, um die „Regierungsfähigkeit der Hamas in Gaza“ abzubauen. Eine unbefristete militärische Kontrolle durch Israel werde er nicht mittragen. Premierminister Netanjahu hatte zuvor trotz starker diplomatischer Bemühungen westlicher Länder immer noch keinen Plan für den „Tag danach“ vorgelegt. Im Mai 2024 beantragte der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs, Karim Khan, einen Haftbefehl gegen Galant. Galant fasste dies als Gleichsetzung Israels mit der Hamas auf und bezeichnete diese als „verachtenswert“. Am 5. November 2024 gab Netanjahu die Entlassung Galants bekannt. Als Grund nannte Netanjahu, dass sein Vertrauen in Galant „erodiert“ sei; Galant habe Entscheidungen getroffen und Erklärungen abgegeben, die nicht den Entscheidungen des Kabinetts entsprachen. Sein Nachfolger wurde Außenminister Israel Katz. Galant nannte Meinungsverschiedenheiten bei drei Themen als Auslöser seiner Entlassung: seine Ablehnung eines Gesetzes, das viele ultraorthodoxe Männer in Israel vom Wehrdienst befreien würde, seine Forderung eines Geiseldeals und seine Forderung einer staatlichen Kommission zur Untersuchung der Ereignisse am 7. Oktober 2023. Am 21. November 2024 gab der Internationale Strafgerichtshof dem Haftbefehlantrag gegen Gallant wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Zusammenhang mit Israels Kriegsführung im Gazastreifen statt. Gallant wurde im Haftbefehlantrag die Herbeiführung von Ausrottung, die Kriegsmethode des Aushungerns, einschließlich der Verweigerung humanitärer Hilfslieferungen, sowie die gezielte Bekämpfung von Zivilisten vorgeworfen. Joaw Galant ist verheiratet und hat drei Kinder. Josephthal | Almogi | Eschkol | Bentov | Sherf | Rabinovitz | Ofer | Rosen | Patt | Levy | Scharon | Ben‑Eliezer | Netanjahu | Levy | Ben‑Eliezer | Scharanski | Eitam | Livni | Herzog | Boim | Schitrit | Boim | Atias | Ariel | Galant | Sasha-Biton | Litzman | Elkin | Yitzhak Goldknopf Ben-Gurion | Lawon | Ben-Gurion | Eschkol | Dajan | Peres | Weizmann | Begin | Scharon | Arens | Rabin | Schamir | Arens | Rabin | Peres | Mordechai | Arens | Barak | Ben‑Eliezer | Mofas | Peretz | Barak | Jaalon | Lieberman | Netanjahu | Bennett | Gantz | Galant
2024-12-04 03:13:24
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Kulturg%C3%BCter_im_Bezirk_Affoltern
Die Liste der Kulturgüter im Bezirk Affoltern enthält alle Objekte in den Gemeinden des Bezirks Affoltern im Kanton Zürich, die gemäss der Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten, dem Bundesgesetz vom 20. Juni 2014 über den Schutz der Kulturgüter bei bewaffneten Konflikten sowie der Verordnung vom 29. Oktober 2014 über den Schutz der Kulturgüter bei bewaffneten Konflikten unter Schutz stehen. * Diese Gemeinde besitzt keine Objekte der Kategorien A oder B, kann aber C-Objekte besitzen. Affoltern | Andelfingen | Bülach | Dielsdorf | Dietikon | Hinwil | Horgen | Meilen | Pfäffikon | Uster | Winterthur | Zürich Liste der Kulturgüter im Kanton Zürich
2024-12-03 22:05:07
https://de.wikipedia.org/wiki/Lokale_Flocke
Die Lokale Interstellare Wolke , mitunter auch Lokale Flocke genannt, ist eine Wolke aus interstellarer Materie, die derzeit von der Sonne und ihrem System durchwandert wird, wobei die Körper des Sonnensystems durch die Heliosphäre von den meisten Teilchen der Lokalen Interstellaren Wolke abgeschirmt werden. Die Lokale Interstellare Wolke wiederum befindet sich innerhalb der Lokalen Blase, einer Region der Milchstraße mit wenig interstellarer Masse. Die Wolke entfernt sich derzeit von einer großen Gruppe von Sternen, der Scorpius-Centaurus-Assoziation. Die Wolke hat einen Durchmesser von knapp 30 Lichtjahren . In der Lokalen Interstellaren Wolke befinden sich bei variierender Teilchendichte durchschnittlich 0,3 Atome pro Kubikzentimeter. Die Temperatur der Teilchen in der Wolke beträgt etwa 6000 Kelvin. Die Lokale Blase dagegen hat nur eine deutlich geringere Dichte bei einer Temperatur von bis zu etwa 1 Million Kelvin. Das Sonnensystem durchquert die Lokale Interstellare Wolke seit ca. 60.000 Jahren und wird sie voraussichtlich in 2.000 Jahren wieder verlassen. Durch ihr magnetisches Feld und den Sonnenwind erzeugt die Sonne eine Heliosphäre, in der die Auswirkungen der Lokalen Interstellaren Wolke weitgehend abgeschirmt sind. 2019 wurde in der Antarktis Eisen-60 entdeckt, welches der Lokalen Interstellaren Wolke zugeschrieben wurde. Neben der Sonne mit ihrem System befinden sich einige weitere sonnennahe Sterne in der Lokalen Interstellaren Wolke, darunter fünf am Nachthimmel recht markante Sterne:
2024-12-01 23:09:13
https://de.wikipedia.org/wiki/TTIP
Das Transatlantische Freihandelsabkommen, offiziell Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft , ist ein geplantes Freihandels- und Investitionsschutzabkommen in Form eines völkerrechtlichen Vertrags zwischen der Europäischen Union und den USA. Die genauen Vertragsbedingungen werden seit Juni 2013 ausgehandelt; dieser Prozess wird vielfach als intransparent kritisiert. Nach der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten am 8. November 2016 rechnete EU-Kommissarin Cecilia Malmström damit, die TTIP-Verhandlungen würden nun „naturgemäß eine Weile pausieren“. Trump hatte in seinem Wahlkampf Freihandelsabkommen scharf kritisiert. Nach seiner Vereidigung verfolgten die USA einen protektionistischen Wirtschaftskurs, der der Idee des Freihandels entgegengesetzt ist. Die Verhandlungen kamen zum Erliegen. Durch die Wahl Joe Bidens zum US-Präsidenten galt eine erneute Aufnahme der Verhandlungen als möglich. Angesichts des Kriegs in der Ukraine forderte der damalige Bundesfinanzminister Christian Lindner , wieder über ein TTIP mit den USA zu verhandeln. Im Oktober 2022 sprach sich der Chef des Bundeskanzleramts Wolfgang Schmidt in einem Positionspapier für eine Wiederaufnahme der Gespräche zu einem Freihandelsabkommen mit den USA aus. Als Vorläufer gilt das Multilaterale Investitionsabkommen , das 1998 am Widerstand der damaligen französischen Regierung unter Staatspräsident Jacques Chirac scheiterte. Das Ziel von TTIP ist laut den Verhandlungspartnern der Abbau von tarifären und nichttarifären Handelshemmnissen zwischen den USA und der EU. Besonders der Abbau der nichttarifären Handelshemmnisse fördere das Wirtschaftswachstum in den beteiligten Ländern erheblich, indem es Kosten für exportierende Unternehmen in der EU und den USA senke und damit das Außenhandelsvolumen vergrößere. Allerdings ist stark umstritten, wie positiv oder negativ die jeweiligen wirtschaftlichen Effekte insgesamt und für einzelne Länder ausfallen könnten. Auch die Effekte auf den Weltmarkt und Länder der Dritten Welt werden diskutiert. Strittig ist auch, ob und inwieweit auch Arbeitnehmer und Verbraucher oder lediglich Kapitalinteressen von Großkonzernen von den prognostizierten Effekten profitieren würden. Einige Auftragsstudien der EU-Kommission oder nationaler Regierungen sehen in ihren optimistischsten Prognosen positive Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum und den Arbeitsmarkt in den meisten beteiligten Ländern. Diese Studien werden von Teilen der Wirtschaft, der Politik und der Wissenschaft als unrealistisch kritisiert. Kritische Studien kommen zu dem Schluss, bei Zunahme des transatlantischen Handels könnte der innereuropäische Handel sogar abnehmen. Zudem werden eine gesteigerte makroökonomische Instabilität, ein negativer Einfluss auf das Wirtschaftswachstum und den Arbeitsmarkt sowie eine sinkende Lohnquote prognostiziert. Auch die Effekte für die Handelsbeziehungen mit Ländern außerhalb von TTIP wie Russland, China, die BRICS-Staaten insgesamt und die Entwicklungsländer werden von Kritikern, aber zum Teil auch von Befürwortern, eher negativ veranschlagt. Zudem weisen Kritiker darauf hin, dass nicht nur Industriestandards wie DIN-Normen, sondern auch gesetzliche Standards in den Bereichen Umweltschutz, Verbraucherschutz, Gesundheit, Arbeit und Soziales als nichttarifäre Handelshemmnisse eingestuft würden. Es müsse daher damit gerechnet werden, dass TTIP zu einer Schwächung, Deckelung oder teilweisen Beseitigung solcher Standards führen könnte, was nicht im Interesse der Mehrheit der Bürger sei. Außerdem wird die geplante Einführung von internationalen, nicht-staatlichen Schiedsgerichten kritisiert. Diese privaten Schiedsgerichte sollen im Rahmen der Vertragsbestimmungen zum Investitionsschutz ohne die Möglichkeit einer unabhängigen staatlichen gerichtlichen Überprüfung über Schadensersatzansprüche von Unternehmen gegen die Vertragsstaaten entscheiden können. Im Grundsatz, aber auch angesichts der Höhe zu erwartender Schadensersatzforderungen von Investoren sehen verschiedene Kritiker und Parteien dies als Gefahr für oder Angriff auf die Souveränität der Einzelstaaten, die Prinzipien der Demokratie und die Rechtsstaatlichkeit an. Des Weiteren wird der als intransparent beurteilte Verhandlungsprozess kritisiert. Schon die Veröffentlichung des Verhandlungsmandats, also des grundlegenden Auftrags des Europäischen Rats an die EU-Kommission im Juni 2013, erfolgte nach öffentlichen Protesten erst im Oktober 2014. Zwar veröffentlichte die EU-Kommission in der Zwischenzeit einen allgemeinen Bericht zum Stand der Verhandlungen, die konkret ausgehandelten Vertragsbedingungen sind aber weiterhin nicht öffentlich einsehbar; auch EU-Parlamentarier, nationale Regierungen und Parlamentarier der nationalen Parlamente erhalten nur beschränkt und mit der Verpflichtung zur Geheimhaltung Einblick in konkrete Textpassagen. Mittlerweile wurden unautorisiert mehrere interne Positionspapiere aufgrund von Informationsleaks im Internet veröffentlicht. Die bekannt gewordenen Inhalte haben nicht zu einer Beruhigung der Kritik geführt. Nach Darstellung von foodwatch ist unklar, ob die nationalen Parlamente das Abkommen tatsächlich ratifizieren müssen: „Die Ratifizierung durch die nationalen Parlamente ist dann erforderlich, wenn es sich tatsächlich um ein ‚gemischtes‘ – und damit um ein durch die EU-Mitgliedsstaaten zu ratifizierendes – Abkommen handelt. Dies kann jedoch erst festgestellt werden, wenn der fertige Vertragstext vorliegt. Im Streitfall obliegt die Feststellung, ob es sich um ein ‚gemischtes Abkommen‘ handelt, allein dem Europäischen Gerichtshof, nicht der Bundesregierung.“ Laut Europäischer Kommission und US-Handelsministerium geht es im Abkommen um Marktzugang , regulatorische Zusammenarbeit und die globale Regelentwicklung. Obwohl zahlreiche tarifäre Barrieren sowie Mengenbeschränkungen bestehen, die vollständig abgebaut werden sollen, überqueren Waren, Dienstleistungen und Kapital den Atlantik bereits ohne größere Reibungsverluste. Das durchschnittliche Zollniveau beträgt fünf bis sieben Prozent. Bei TTIP geht es daher insbesondere um den Abbau von nichttarifären Handelsbeschränkungen, also beispielsweise die Gleichbehandlung bei öffentlichen Aufträgen, die Angleichung bzw. laut Kritikern den Abbau von Gesundheitsstandards und Lebensmittelgesetzen, Umweltstandards und ähnlichem. Nach den Beschlüssen des Rates der Europäischen Union und des Europäischen Parlaments sind im Zuge der sogenannten Kulturellen Ausnahme audiovisuelle Medien und Kunst ausdrücklich nicht Teil des Verhandlungsmandats der Europäischen Kommission. Eine Gleichstellung der Wirtschaftssubjekte würde im jeweils anderen Wirtschaftsraum beispielsweise einer lettischen Baufirma gegenüber einer kalifornischen die gleichen einklagbaren Chancen bringen, den Bauauftrag für eine Brücke in Los Angeles zu erhalten. Nach Aussage von Sigmar Gabriel vor der 13. Verhandlungsrunde im April 2016 könnte TTIP an dieser Frage scheitern: Die Amerikaner wollten am 1933 verabschiedeten „Buy-American“-Gesetz festhalten, was die europäische Seite nicht akzeptieren könne. Während in Europa beispielsweise gentechnisch veränderte Lebensmittel gekennzeichnet werden müssen und weitläufig verboten sind, verhält es sich in den USA völlig anders; 90 Prozent des verwendeten Mais, der Sojabohnen und der Zuckerrüben sind gentechnisch verändert. In Amerika gibt es keine Kennzeichnungspflichten. Umgekehrt unterliegen in Europa verbreitete und nicht besonders gekennzeichnete Produkte in den USA Beschränkungen. So wird etwa der französische Roquefort-Käse aus Rohmilch von den US-Gesundheitsbehörden als bedenklich eingestuft. In den USA dauert der Zulassungsprozess für Grüne Gentechnik durchschnittlich 15 Monate, in der EU 40. Für die Unterschiede zwischen den USA und der EU bei der Regulierung der Grünen Gentechnik gibt es unterschiedliche Erklärungsansätze. Einige gehen davon aus, dass die Konsumenten in der EU der Gentechnik gegenüber negativer eingestellt wären als US-Konsumenten, dass Lebensmittelskandale in den 1990er Jahren stärkere Regulierung zur Folge hatten oder dass das Vertrauen der Konsumenten in die Regulierungsbehörden in der EU niedriger ist. Andere Forscher argumentieren, dass die Regulierung in den USA deswegen weniger strikt ist, weil die dortigen Landwirte aus der Grünen Gentechnik einen größeren Nutzen ziehen könnten als EU-Landwirte. Die am 2. Mai 2016 veröffentlichten geleakten „TTIP-Dokumente zeigen, dass die USA die Interessen ihrer Agrarkonzerne in den TTIP-Verhandlungen durchsetzen wollen. Ihr geht es dabei vor allem um nicht-tarifäre Handelshemmnisse, die den Import von US-Agrarerzeugnissen in die EU derzeit erschweren … Setzt sich die US-Lobby durch, zöge dies … verheerende Auswirkungen auf die EU-Agrarsektoren nach sich, insbesondere auf die Rind- und Schweinefleischproduktion sowie die Milchwirtschaft“ Die Pharmaindustrie erhofft sich Erleichterungen bei der Zulassung von Medikamenten, die bisher nach unterschiedlichen Verfahren in Deutschland und den USA geprüft werden müssen. Nach Ansicht des Vorstandsmitglied der E. Merck KG, Karl-Ludwig Kley, könnten die Verbraucher von niedrigeren Preisen profitieren. Kritiker bezweifeln diese Vorteile. Die Umweltstandards in den USA und in Europa haben unterschiedliche Ansätze. In der EU gilt das Vorsorgeprinzip, in den USA dagegen das Nachsorgeprinzip, d. h. „ein Stoff so lange verwendet werden, bis eine von ihm ausgehende beträchtliche Gefahr nachgewiesen ist“. Im Dezember 2013 war Fracking in den nicht-öffentlichen Verhandlungen zu TTIP Verhandlungsgegenstand. Als Reaktion auf die Finanzkrise ab 2007 hatten die USA in den vergangenen Jahren schärfere Regeln im Finanz- und Bankensektor durchgesetzt. Dazu gehört etwa die Reglementierung und das teilweise Verbot riskanter Finanzprodukte, die weithin als einer der Auslöser der Krise angesehen werden. Ein Verhandlungsgegenstand von TTIP ist die Rücknahme von Kontrollen und einschränkenden Regeln für den Finanzsektor. Der Ökonom Michael R. Krätke schrieb dazu: „Die Ironie der Geschichte: In den USA gelten im Moment noch striktere Finanzmarktregeln als in Europa. Wenn alle Dienstleistungssektoren ‚liberalisiert‘ werden sollen, gilt das selbstverständlich auch für die Finanzdienstleistungen. Folglich steht uns eine seltsame Allianz der Finanzmarktderegulierer ins Haus, die die gerade erst begonnene Reregulierung von Banken und Finanzmärkten mit Elan wieder zurückdrehen werden – die Lobbyisten der britischen ‚Finanzindustrie‘ an der Spitze der Bewegung.“ Zwischen der EU und den USA gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Produktnormen, etwa in der Chemie-, Metall- und Pharmaindustrie. Bei den Zulassungsverfahren müssen Fahrzeuge beispielsweise ganz unterschiedliche Crashtests absolvieren. Eine Angleichung durch TTIP könnte nach Ansicht der EU-Kommission den transatlantischen Handel ausweiten. Durch die große wirtschaftliche Bedeutung der Europäischen Union und der USA würde TTIP potenziell die weltgrößte Freihandelszone bilden. Der Handel der Europäischen Union und der USA umfasst rund ein Drittel des weltweiten Handelsvolumens. Historische Daten des Handels mit Gütern zwischen den USA und der EU: Im Folgenden werden die transatlantischen Handelsströme für Güter und Dienstleistungen für das Jahr 2013 dargestellt: Eine derartige Freihandelszone wurde seit etwa dem Beginn der 1990er Jahre diskutiert, auch unter dem Namen Wirtschafts-NATO. Nach offiziellen Stellungnahmen soll durch das Abkommen unter anderem das Wirtschaftswachstum in den Teilnehmerstaaten belebt, die Arbeitslosigkeit gesenkt und das Durchschnittseinkommen der Arbeitnehmer erhöht werden. Spitzenvertreter der Europäischen Union wie der damalige Präsident der Europäischen Kommission José Manuel Barroso, EU-Handelskommissar Karel De Gucht, die damalige deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und zahlreiche weitere europäische Spitzenpolitiker sowie auch der damalige US-Präsident Barack Obama haben Notwendigkeit und positive Effekte des Abkommens vielfach betont. Merkel meinte im Februar 2013: „Nichts wünschen wir uns mehr als ein Freihandelsabkommen zwischen Europa und den Vereinigten Staaten.“ Im Koalitionsvertrag von 2013 betonen die regierenden Parteien, dass sie zum Vertrag stehen. Sie bekennen sich zur parlamentarischen Kontrolle und schreiben, sie werden auf die Sicherung der herrschenden Schutzstandards Wert legen, insbesondere „im Bereich des Datenschutzes, der europäischen Sozial-, Umwelt- und Lebensmittelstandards sowie auf den Schutz von Verbraucherrechten und öffentlicher Daseinsvorsorge sowie von Kultur und Medien“. Das geplante Abkommen wird von Teilen der Politik, Journalisten, Verbraucherschutz- und Umweltschutzorganisationen sowie Nichtregierungsorganisationen massiv kritisiert. So werde es von Lobby-Vertretern der Industrie unter Ausschluss der Öffentlichkeit, ohne tatsächliche parlamentarische Kontrolle der nationalen Parlamente oder des EU-Parlaments und damit faktisch ohne demokratische Kontrolle verhandelt. Die zu erwartenden positiven wirtschaftlichen Effekte für die Bevölkerung der Teilnehmerstaaten seien sehr gering und würden von zahlreichen gravierenden Nachteilen begleitet. So würden durch das Abkommen Umwelt- und Gesundheitsstandards untergraben und Arbeitnehmerrechte aufgeweicht. Die angestrebte „Harmonisierung“ von Standards orientiere sich laut Kritikern an den Interessen der Konzerne und Finanz-Investoren, weil Harmonisierung bedeute, dass tendenziell der jeweils niedrigste bzw. wirtschaftsfreundlichste Standard aller Einzelstaaten als Basis für die verbindliche Norm des Vertrags dienen werde. Das dadurch ausgelöste Race to the bottom führe zu weiteren negativen Globalisierungseffekten. Die Europäische Kommission und der Bundesverband der Deutschen Industrie verweisen darauf, dass eine Senkung von Standards nicht beabsichtigt sei und eine Harmonisierung oder gegenseitige Anerkennung nur auf der Basis bestehender hoher europäischer Standards erfolgen solle. Kritiker des geplanten Abkommens fürchten, dass Unternehmen bei Verstößen gegen die Vertragsregeln „gigantische Entschädigungen“ durchsetzen könnten. Sie verweisen auf schon bestehende Handelsabkommen, auf deren Grundlage Konzerne etwa gegen ein Moratorium vorgehen, das die Gasförderung mittels Fracking aussetzt, oder auf Entschädigung wegen des Atomausstiegs in Deutschland pochen. Im Zuge des geplanten Transatlantischen Freihandelsabkommens würden Konzerne anstreben, Kennzeichnungspflichten für gentechnisch veränderte Lebensmittel und das Verbot von unter Einsatz von Hormonen erzeugtem Fleisch zu kippen. Die Europäische Kommission hat hingegen erklärt, dass bestehende nationale oder europäische Gesetze nicht vor einem Schiedsgericht angegriffen werden können, sofern sie nicht diskriminierend angewendet werden. Die Vorteile, die das Abkommen den Unternehmen bieten soll, wären zudem bindend, dauerhaft und praktisch nicht mehr veränderbar – weil jede einzelne Bestimmung nur mit Zustimmung sämtlicher Unterzeichnerstaaten geändert werden könnte, sobald der Vertrag in Kraft getreten sei. Das Abkommen wurde als „undemokratisch“, als „unvereinbar mit demokratischen Prinzipien“ und als „Unterwerfung“ der Teilnehmerstaaten unter Konzerninteressen bezeichnet. Die EU-Kommission hatte im Vorfeld der Verhandlungen eine Studie beim Londoner Centre for Economic Policy Research in Auftrag gegeben. Die Studie mit dem Titel „Abbau der Hindernisse für den transatlantischen Handel“ skizzierte dabei die wirtschaftlichen Auswirkungen und Folgeabschätzungen eines Freihandelsabkommens für die EU und die USA. Das Forschungsinstitut befürwortete danach ein Freihandelsabkommen und sah für die EU-Wirtschaft ein Potential von rund 119 Milliarden Euro . Die US-Wirtschaft wiederum habe ein maximales Potential aus dem Freihandelsabkommen in Höhe von 95 Milliarden Euro. Das CEPR kommt zu dem Ergebnis, dass ein kontinuierlich um rund 0,5 Prozent höheres Bruttoinlandsprodukt durch ein Freihandelsabkommen möglich sei. Nach der Analyse von Sabine Stephan der Hans-Böckler-Stiftung besagt die Studie des CEPR, dass bei einem umfassenden Freihandelsabkommen das reale Bruttoinlandsprodukt der EU im Jahr 2027 um 0,48 Prozent und das der USA um 0,39 Prozent höher wäre als ohne Freihandelsabkommen. Diese Zahlen gäben den Gesamteffekt an. Dieser beziffert die ökonomischen Effekte des Abkommens am Ende einer Anpassungsphase von etwa 10 bis 20 Jahren, also auf lange Sicht. Diese Einschätzung wird in der „Erläuterung der wirtschaftlichen Analyse“ der Europäischen Kommission bestätigt: „Diese wirtschaftlichen Gewinne entsprächen in der EU und den USA einem – gegenüber dem Szenario ohne TTIP – zusätzlichen Wirtschaftswachstum von 0,5 % bzw. 0,4 % des BIP bis 2027.“ Auch der BDI korrigierte seine früher fälschlicherweise als jährliches Wachstum interpretierte Aussagen zu den Wachstumseffekten. Zwei Szenarien wurden simuliert. Die Abschaffung der Zölle allein wäre fast wirkungslos. Der Abbau zollfremder Maßnahmen wie Qualitätsstandards, Verpackungs- und Bezeichnungsvorschriften oder Herkunftsangaben sowie technische oder rechtliche Anforderungen an importierte Produkte, der Abbau von Förderungen der eigenen Exporte durch Steuervorteile oder finanzielle Förderungen führt in Szenario 2 jedoch zu Wachstumsimpulsen. Das Handelsvolumen zwischen den Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik würde sich verdoppeln , zwei Millionen neue Arbeitsstellen in den OECD-Staaten würden geschaffen, davon 1,1 Millionen in den Vereinigten Staaten sowie 181.000 in Deutschland. Geschwächt würden traditionelle Handelspartner der USA wie Kanada , Mexiko und Japan . „Weitere Verlierer wären die Entwicklungsländer, vor allem in Afrika und Zentralasien.“ Nach den Modellannahmen rechnet die Studie im Auftrag der Bundesregierung damit, dass TTIP in Europa bis zu 400.000 neue Arbeitsplätze schaffen kann, 100.000 davon in Deutschland. TTIP hätte direkte Effekte auf circa 45 Prozent der Weltwertschöpfung und 30 Prozent des Welthandels. Für Deutschland schätzt das ifo-Institut in München einen dauerhaften Zuwachs des realen Pro-Kopf-Einkommens von bis zu 3,5 Prozent. Negative Effekte für die Länder der Dritten Welt gebe es nicht oder nur in geringem Maße. Die unter dem Einfluss des Krieges in der Ukraine seit 2014 stehende EU könnte durch den Abbau von Handelsbarrieren Energie günstiger aus den USA importieren, um in diesem Bezug unabhängiger von Russland zu sein. Dazu bot Obama schon zu Beginn des Konflikts im März 2014 die USA als Gaslieferanten an. Für kleine und mittlere Unternehmen, denen der Markt jenseits des Atlantiks bisher zu undurchsichtig oder unrentabel war, biete TTIP beträchtliche Expansionsmöglichkeiten. Verbraucher könnten von einer größeren Produktauswahl und geringeren Preisen profitieren und Unternehmen in den USA und der EU könnten leichter miteinander kooperieren. Die US-Sojabohne – zur Herstellung von Sojamethylester für Biodiesel – soll die Wettbewerbsposition gegenüber der brasilianischen Sojabohne verbessern. Auf Länderebene tritt die hessische Landesministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten, Lucia Puttrich , für das TTIP ein und sieht mit ihm „eine große Chance … für die hessische Wirtschaft“. Neben der wachstumsorientierten Argumentation argumentieren viele Befürworter des Abkommens auch machtpolitisch: Durch TTIP entstehe ein geopolitischer Block, der auf Jahrzehnte die Produktstandards und Konditionen des Welthandels diktieren könnte, was Ängste bei China und Indien auslöst, über diese nahezu globalen Standards nicht mitverhandeln zu können. Aber auch ordnungspolitische Argumente finden sich; sie zielen auf die Herstellung von mehr Chancengleichheit im transatlantischen Handel. Kritiker führen an, dass das TTIP-Projekt die von Befürwortern genannten positiven Effekte nicht erreichen werde bzw. dass die positiven Effekte im kaum oder nicht messbaren Bereich lägen, selbst bei wohlwollender Betrachtungsweise. Zu diesen Kritikern gehören auch die Wirtschafts-Nobelpreisträger Paul Krugman und Joseph E. Stiglitz. Beim „Forum Wirtschaft“ waren sich die Teilnehmer der Podiumsdiskussion – Bernhard Mattes, Vorstandsvorsitzender Ford Deutschland und Präsident der American Chamber of Commerce in Germany, Reinhard Bütikofer, MdEP und Vorsitzender der Europäischen Grünen Partei, Prof. Irwin Collier, Wirtschaftswissenschaftler und Vorsitzender des John-F.-Kennedy-Instituts an der Freien Universität Berlin, sowie Jackson Janes, Präsident des American Institute for Contemporary German Studies an der Johns-Hopkins-Universität in Washington, D.C. – einig, dass das Freihandelsabkommen netto nicht zu mehr Arbeitsplätzen führen werde. Die amerikanische Handelsrechtsexpertin und Aktivistin Lori Wallach schrieb: „Eine Studie des Tafta-freundlichen European Centre for International Political Economy kommt zu dem Befund, dass das BIP der USA wie der EU – selbst unter extrem blauäugigen Annahmen – allenfalls um ein paar Promille wachsen würde, und das ab 2029. Den meisten bisherigen Prognosen liegt die Annahme zugrunde, dass Zollsenkungen stets eine starke Wirtschaftsdynamik auslösten – was empirisch längst widerlegt ist. Verzichtet man auf diese dubiose Annahme, dann – räumen die Autoren der Studie ein – schrumpft der potenzielle BIP-Zuwachs auf statistisch irrelevante 0,06 Prozent.“ Die von der EU-Kommission selbst in der Öffentlichkeit angegebenen Zahlen seien nicht das wahrscheinlichste, sondern das optimistischste Szenario, und zwar über einen Zeitraum von zehn Jahren. So soll sich durch TTIP laut EU-Kommission das Einkommen einer vierköpfigen Familie pro Jahr durchschnittlich um 545 Euro erhöhen. Auf der Website der Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik schreibt der Sozialwissenschaftler Tobias Kröll dazu: „Es geht hier um eine Wirtschaftsunion mit 28 Mitgliedsstaaten mit jeweils unterschiedlichster Bevölkerungs-, Wirtschafts- und Sozialstruktur, sowie unterschiedlichsten Tarifstrukturen. Innerhalb der Staaten gibt es dazu noch jeweils unterschiedlichste Regionen. Es ist schon sehr gewagt, auf dieser Basis mit dem Betrag von 545 Euro in Verbindung mit einer ‚durchschnittlichen vierköpfigen Familie‘ für das Freihandels-Abkommen zu werben. Damit wird nun langsam deutlich, dass es in der Wirtschaft in erster Linie um die Verteilung des jeweils erwirtschafteten Reichtums geht.“ Die angegebenen zwei Millionen neue Arbeitsplätze beziehen sich auf den gesamten Freihandelsraum mit über 800 Millionen Menschen. Eine von TTIP-Befürwortern häufig zitierte Studie der Bertelsmann Stiftung geht von einem Rückgang der Arbeitslosigkeit in Deutschland um insgesamt 0,11 Prozent aus. Grundsätzliche Kritik hinsichtlich des Aufbaus und der neoklassischen Annahmen der Studien wurde vom Psychologen Jascha Jaworski geäußert. Nach dem Diskussionspapier eines Doktoranden des Global Development and Environment Institute der US-amerikanischen Tufts University würde die Zunahme des transatlantischen Handels durch eine Abnahme des innereuropäischen Handels kompensiert. Durch die TTIP würden 600.000 Arbeitsplätze in Europa verloren gehen und es zu einem Einkommensverlust von 165 bis zu 5.000 Euro pro Person und Jahr kommen. Zudem werden eine gesteigerte makroökonomische Instabilität, ein negativer Einfluss auf das Wirtschaftswachstum und eine sinkende Lohnquote prognostiziert. Der methodische Unterschied zu anderen Studien beruht darin, dass nicht ein Allgemeines Gleichgewichtsmodell, sondern das United Nations Global Policy Model verwendet wurde. Der Autor der Studie empfiehlt für den Aspekt der Investitionen weitere Untersuchungen der finanziellen Auswirkungen von TTIP, da nach der Studie eine höhere finanzielle Instabilität zu erwarten ist. Zu einer moderaten Kritik kommt Gabriel Felbermayr, der als Leiter des Zentrums für Außenwirtschaft des Ifo Instituts für Wirtschaftsforschung die Auswirkungen des transatlantischen Freihandelsabkommens erforscht. Er erwartet für den Verbraucher sinkende Preise, jedoch einen erhöhten Konkurrenzdruck für die Unternehmen, von denen manche vom Abkommen profitieren könnten, andere jedoch nicht. Die Idee eines umfangreichen Freihandelsabkommens zwischen den USA und den EU-Staaten wurde in Deutschland erstmals durch den damaligen Bundesaußenminister Kinkel 1995 „prominent bekannt gemacht“. Schon 1990 hatten die exekutiven Organe der Europäischen Gemeinschaft und der USA die transatlantische Erklärung zur Zusammenarbeit und zum Dialog verabschiedet und den „transatlantischen Dialog“ als Institution gegründet, der seither auf verschiedenen Ebenen stattfand. 1995 beschlossen die EU und die USA die Wirtschaftsbeziehungen weiter auszubauen. Während des EU-USA-Gipfeltreffens am 3. Dezember 1995 in Madrid wurde die Erklärung durch die Neue Transatlantische Agenda ersetzt. Absicht des 150 Einzel-Ziele umfassenden Aktionsplans war die engere politische, militärische und wirtschaftliche Zusammenarbeit. Die grundsätzlichen Ziele waren nach wie vor die Sicherung von Frieden und Stabilität, wobei der NATO eine herausragende Rolle zukam. Außerdem wurden die Bewältigung globaler Herausforderungen, die Vertiefung der Wirtschaftsbeziehungen, die Förderung des Welthandels und auch eine transatlantische Brückenbildung im gesellschaftlichen Bereich genannt. Die Europäische Gemeinschaft und USA vereinbarten eine Vertiefung ihrer Handelspartnerschaft durch eine Freihandelszone. 1998 wurde die Transatlantische Wirtschaftspartnerschaft beschlossen, die auf dem Transatlantischen Aktionsplan basierte. Gemeinsame Maßnahmen in den Bereichen Handel und Investitionen wurden angestrebt. Am 30. April 2007 wurde die Rahmenvereinbarung zur Vertiefung der transatlantischen Wirtschaftsintegration zwischen der Europäischen Union und den USA unterzeichnet. Der daraufhin gegründete Transatlantische Wirtschaftsrat befasste sich fünf Jahre lang mit den Hürden, die einer Einigung voraussichtlich im Wege stehen würden. In der Rahmenvereinbarung zur Vertiefung der transatlantischen Wirtschaftsintegration heißt es: „Wir bekennen uns zum Abbau von Hemmnissen im transatlantischen Handel, …zum Herbeiführen einer wirksameren, systematischeren und transparenteren regulatorischen Zusammenarbeit…, zur Beseitigung unnötiger Unterschiede zwischen unseren Regulierungssystemen…“. Als Berater werden unter anderem Mitglieder der amerikanischen Handelskammer, der europäische Arbeitgeberverband Businesseurope und die Bertelsmann Stiftung eingesetzt. Seit 2009 wurde mit den Verhandlungen zu CETA eine Art Blaupause zum Handelsabkommen zwischen den USA und der EU entwickelt. Auf dem EU-US-Gipfeltreffen am 28. November 2011 setzten US-Präsident Obama und der Präsident des Europäischen Rates, Herman Van Rompuy, im Rahmen des Transatlantischen Wirtschaftsrats die Gründung einer High-Level Working Group on Jobs and Growth ein, deren Mitglieder lange geheim blieben, bis sie auf Druck der NGO Corporate Europe Observatory veröffentlicht wurden. Diesem Beratungsgremium, das zuerst am 23. April 2012 tagte, gehörten nach Ansicht der Nichtregierungsorganisation attac vor allem liberale Technokraten an, von denen keiner ein demokratisches Mandat besitze. Geführt wurde diese Arbeitsgruppe durch den Handelsvertreter der Vereinigten Staaten Ron Kirk und den europäischen Kommissar für Handel Karel De Gucht. Obama, EU-Kommissionspräsident Barroso und Herman Van Rompuy sprachen sich am 13. Februar 2013 in einer gemeinsamen Erklärung für eine Freihandelszone ihrer beiden Wirtschaftsblöcke aus. Im Juni 2013 einigten sich die EU-Handelsminister auf ein Verhandlungsmandat für die Verhandlungen des Freihandelsabkommens mit den Vereinigten Staaten. Der audiovisuelle Wirtschaftsbereich wurde von den Verhandlungen auf Wunsch Frankreichs vorerst ausgeklammert. Die Aufnahme der Verhandlungen wurde am 17. Juni 2013 von EU-Kommissionspräsident Barroso zusammen mit US-Präsident Obama, EU-Ratspräsident Van Rompuy und dem britischen Premierminister David Cameron auf einer Pressekonferenz am Rande des G8-Gipfeltreffens in Nordirland verkündet als „machtvolle Demonstration der Absicht, eine freie, offene und auf vereinbarten Regeln beruhende Welt zu formen“. Die Verhandlungen führt auf europäischer Seite die Europäische Kommission. Nachdem Ende Juni 2013 bekannt geworden war, dass die NSA unter anderem auch EU-Vertretungen abgehört hat, drohten einzelne Mitglieder wie Justizkommissarin Viviane Reding im Zug der Überwachungs- und Spionageaffäre 2013 damit, sich für ein Ruhen der Gespräche auszusprechen: „Partner spionieren einander nicht aus. Wir können nicht über einen großen transatlantischen Markt verhandeln, wenn der leiseste Verdacht besteht, dass unsere Partner die Büros unserer Verhandlungsführer ausspionieren.“ Verhandlungsführer seit Dezember 2013 sind auf EU-Seite der Spanier Ignacio Bercero aus der Generaldirektion Handel bei der EU-Kommission und für die USA Dan Mullaney. Im Juli 2013 veröffentlichte die Europäische Kommission eine Reihe von Positionspapieren zu verschiedenen Aspekten der Verhandlungen. Sie wurden den US-Vertretern bei der ersten Verhandlungsrunde vorgelegt. Nach der sechsten Verhandlungsrunde veröffentlichte die Europäische Kommission ein Papier mit dem aktuellen Stand der Verhandlungen. In der siebten Verhandlungsrunde wurde über die Vereinheitlichung der Vorschriften für Technik und Sicherheit für Kraftfahrzeuge verhandelt. Man beschloss, dass öffentliche Dienstleistungen, Wasserversorgung und Bildung bei TTIP außen vor bleiben sollen. Die Regeln für Chemikalien sollen nicht harmonisiert oder gegenseitig anerkannt werden, lediglich bessere Klassifizierungen sollen verhandelt werden. Die achte Verhandlungsrunde wollte über Regulierungen und Standards in folgenden Bereichen verhandeln: Investitionsschutz , Lebensmittel, Nachhaltigkeit, Energie und Rohstoffe, Pharmabranche, Dienstleistungen, öffentliches Beschaffungswesen, Zollabbau, geografisch geschützte Angaben, Handelshemmnisse etwa durch unterschiedliche technische Standards. Nach der achten Verhandlungsrunde „lobten die Unterhändler der EU und der USA die erzielten Fortschritte. Einzelheiten wurden nicht mitgeteilt. Das umstrittene Thema Investitionsschutz blieb bei den Gesprächen weiterhin ausgeklammert. US-Vizepräsident Biden sagte, man müsse das amerikanische Volk davon überzeugen, dass Europa sich für das Abkommen ebenso interessiere wie die USA. Weitere Verhandlungsrunden folgen im April und im Juni. Die Beratungen sollen Ende 2015 abgeschlossen werden.“ In der zehnten Runde ging es um die Absenkung von Zöllen, eine Annäherung von Standards im Maschinen- und Anlagenbau, Energie- und Rohstofffragen, Dienstleistungen, öffentliches Beschaffungswesen und den Schutz von Herkunftskennzeichnungen im Agrarsektor. Ca. 312 Lobbygruppen, darunter ca. ein Dutzend Nicht-Wirtschafts-NGOs, konnten am 15. Juli ihre Stellungnahmen abgeben. In der elften Runde verhandelten die über 120 Unterhändler im relativ unstrittigen Kapitel Warenhandel und Zölle darüber, möglichst 97 Prozent aller Zölle – z. T. nach Übergangsfristen – abzuschaffen; Experten beider Seiten werden die Details der vorliegenden Vorschläge abgleichen. Beim umstrittenen Thema regulatorische Zusammenarbeit, einer zukünftigen möglichst weitgehenden Harmonisierung von Normen und Vorschriften, wurden Vorschläge zu Pharmaprodukten und medizinischen Geräten, Textilien und Kraftfahrzeugen, Chemikalien und Pestiziden sowie neuerdings auch Energie, Rohstoffen und Finanzdienstleistungen diskutiert. EU-Verhandlungsführer Ignacio Bercero forderte, die nationalen Parlamente in die Expertenräte dieser regulatorischen Kooperation einzubinden. Interessensgegensätze gab es laut Garcia beim Schutz von Herkunftsbezeichnungen. Während die EU Bezeichnungen wie „Böhmisches Glas“, „Carrara-Marmor“ oder Meissener Porzellan geschützt lassen will, wollen die USA Produkte eher durch Marken und Warenzeichen schützen und es US-Produzenten erlauben, Waren wie „Camembert-Käse“ oder „Parma-Schinken“ in die EU zu verkaufen. Für die Liberalisierung von Dienstleistungen werde es bald einen ersten gemeinsamen Textentwurf geben. Der Vorschlag der EU-Kommission über Investitionsschutz und die Schaffung eines unabhängigen Investitionsgerichts vom 16. September 2015 wurde erst im November 2015 und damit nach Abschluss der 11. Runde an die USA übermittelt. In der 12. Runde in Brüssel vom 22. bis zum 26. Februar 2016 ging es um den Investitionsschutz , die regulatorische Kooperation, Nachhaltigkeit und öffentliche Auftragsvergabe. Nach der 13. Runde vom 25. bis 29. April 2016 in New York, in der es um Marktzugang und Regulierungsfragen ging, gaben sich die beiden Chefunterhändler optimistisch: Sie hätten in allen Bereichen „significant progress“ gemacht „to consolidate as many texts as we can.“ Strittig bleiben außer dem Agrarbereich das Thema öffentliche Ausschreibungen und das protektionistische „Buy American“; doch die Einigungen sind „marginal angesichts all der ausstehenden Fragen, etwa beim Marktzugang europäischer Unternehmen an öffentlichen Ausschreibungen auf amerikanischen Märkten. Oder bei Arbeitnehmerrechten, dem Investitionsschutz oder Herkunftsbezeichnungen“. In der 14. Runde vom 11. bis 15. Juli 2016 in Brüssel, schon der dritten innerhalb von fünf Monaten, standen der Marktzugang von EU- und US-Unternehmen, die Zusammenarbeit im Bereich Regulierung sowie Handelsvorschriften im Vordergrund. Die EU unterbreitete Vorschläge zur regulatorischen Kooperation, zu digitalem Handel und zu Energie und Rohstoffen. Der deutsche Bundeswirtschaftsminister und Vizekanzler Sigmar Gabriel sagte im ZDF-Sommerinterview, das am 28. August 2016 ausgestrahlt wurde: „Die Verhandlungen mit den USA sind de facto gescheitert, weil wir uns den amerikanischen Forderungen natürlich als Europäer nicht unterwerfen dürfen … Da bewegt sich nix.“ In 14 Verhandlungsrunden hätten die Unterhändler nicht in einem einzigen von 27 Bereichen Einigung erzielt. In der 15. Runde vom 3. bis 7. Oktober 2016 in New York verhandeln wieder 90 europäische TTIP-Verhandler mit 100 US-Vertretern. Zu Verhandlungsbeginn erinnerten die beiden Chefs der Haushaltsausschüsse des US-Kongresses und des Senates US-Verhandlungsführer Michael Froman in einem Brief daran, was die USA verlangen: Beide Seiten warfen sich gegenseitig vor, mit einer „Geiselnahme-Strategie“ den Stillstand der Verhandlungen provoziert zu haben. EU-Chefunterhändler Ignacio Garcia Bercero sagte am Ende: „In dieser Runde haben wir … in einigen Bereichen bedeutende Fortschritte erzielt … bei der Beseitigung technischer Barrieren, im Bereich Pflanzen und Tierschutz sowie bei der Zusammenarbeit in den Bereichen Automobile, Pharma, Chemie, Kosmetika und andern Sektoren.“ Die Initiative „Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gegen TTIP“ mit mehr als 80 Hochschullehrern gegründet von Karl-Franz Kaltenborn, forderte am 17. Juli 2014 in einem offenen Brief an die Bundeskanzlerin den Stopp der Verhandlungen über das Freihandelsabkommen sowie eine verantwortungsvolle Politik für eine nachhaltige und zukunftsfähige Gesellschaft. Auf ihrer Website kritisiert die Initiative neben TTIP auch CETA. Mehr als hundert Wissenschaftler aus der ganzen Welt haben in einer gemeinsamen Erklärung zum Freihandelsabkommen TTIP auf der Website der Kent Law School ihre tiefe Besorgnis ausgedrückt und insbesondere die geplanten Bestimmungen über Investitionsschutz und Investor-Staat-Gerichtsbarkeit kritisiert. In den USA haben mehr als 100 Rechtswissenschaftler Kongress und Regierung aufgefordert, die Demokratie und Souveränität in den US-Handelsabkommen zu schützen und widersprechen möglichen Vereinbarungen in den Handelsabkommen, die es multinationalen Unternehmen erlauben würden, mittels Investor-Staat-Gerichtsbarkeit US-Gerichte auf unverifizierbare Weise zu umgehen. In einem offenen Brief an den US-Handelsbeauftragten fordern mehr als 40 Organisationen, darunter Bürgerrechtsbewegungen, Naturschutzbünde und mehrere Kirchen, eine Streichung des Investitionsschutzes aus den Verhandlungen. Sie bemängeln, die Regierung könne in einem Schiedsverfahren ausschließlich die Rolle des Beklagten einnehmen und dass selbst im Gewinnfall die durchschnittlichen Prozesskosten in Höhe von acht Millionen Dollar auf die Steuerzahler entfielen. Der Deutsche Richterbund lehnte im Februar 2016 das im Herbst 2015 von der EU-Kommission vorgeschlagene internationale Investitionsgericht ab. Die Richter sehen „weder eine Rechtsgrundlage noch eine Notwendigkeit für ein solches Gericht“, „die Schaffung von Sondergerichten für einzelne Gruppen von Rechtsuchenden“ sei der falsche Weg. Ein öffentlicher Gerichtshof für Investoren werde die Rechtssetzungsbefugnis der Mitgliedsstaaten und der Union zu stark beschränken. Es fehle ihm zudem die nötige Rechtsgrundlage. Das Verfahren zur Ernennung der Richter genüge nicht den internationalen Anforderungen an die Unabhängigkeit von Gerichten. Bei den Mitgliedstaaten handele es sich um Rechtsstaaten, welche allen Rechtsuchenden den Zugang zum Recht über die staatliche Gerichtsbarkeit eröffnen und garantieren. Es sei Aufgabe der Mitgliedstaaten, den Zugang zum Recht für alle sicherzustellen und durch die entsprechende Ausstattung der Gerichte dafür zu sorgen, dass der Zugang auch für ausländische Investoren gangbar ist. Die Einrichtung eines internationalen Investitionsgerichts sei daher „der falsche Weg, Rechtssicherheit zu gewährleisten“. Auch die Unabhängigkeit der Richter in einem Sondergericht sei fraglich. Der Deutsche Richterbund forderte den deutschen und den europäischen Gesetzgeber des Weiteren auf, den Rückgriff auf Schiedsverfahren im Bereich des internationalen Investorenschutzes weitgehend einzudämmen. Eines der in der öffentlichen Diskussion kontroversesten Elemente des geplanten Abkommens ist die Einbeziehung von Klauseln zum Investitionsschutz, bei deren Verletzung Investoren gegen den verletzenden Staat vor Schiedsgerichten auf Schadensersatz klagen könnten . In den Verhandlungen mit den USA wurde das Thema seit März 2014 nicht mehr behandelt. Die Europäische Kommission führte seitdem eine „Öffentliche Konsultation zu den Modalitäten des Investitionsschutzes und der Investor-Staat-Streitbeilegung im Rahmen der TTIP“ durch. Mit einem Fragebogen konnten Unternehmen und Privatpersonen bis zum 6. Juli 2014 ihre Ansicht dazu äußern. Das EU-Parlament hat bereits im April 2014 gegen die Stimmen von Grünen und Linken einer Regelung der finanziellen Verantwortlichkeit bei Investor-Staats-Schiedsverfahren zugestimmt. In der Presse wurde dies als „Absegnen“ des Investitionsschutzes in TTIP aufgefasst. Nach den politischen Leitlinien des neuen Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker vom 15. Juli 2014 war geplant, die Position der EU zum Investitionsschutz zu überdenken und die Verhandlungen transparenter zu gestalten: „Allerdings werde ich als Kommissionspräsident auch unmissverständlich klarstellen, dass ich nicht bereit bin, europäische Standards im Bereich Sicherheit, Gesundheit, Soziales, Datenschutz oder unsere kulturelle Vielfalt auf dem Altar des Freihandels zu opfern. Insbesondere die Sicherheit unserer Lebensmittel und der Schutz personenbezogener Daten der EU-Bürgerinnen und -Bürger sind für mich als Kommissionspräsident nicht verhandelbar. Ebenso wenig werde ich akzeptieren, dass die Rechtsprechung der Gerichte in den EU-Mitgliedstaaten durch Sonderregelungen für Investorenklagen eingeschränkt wird. Rechtsstaatlichkeit und Gleichheit vor dem Gesetz müssen auch in diesem Kontext gelten.“ Dass es „zwischen entwickelten Rechtssystemen“ auch ohne Investitionsschutzklauseln gehe, zeigten laut einer Rede von Sigmar Gabriel am 25. September 2014 im Bundestag die Freihandelsabkommen der USA und Kanada mit Singapur und Israel. Allerdings gebe es auch Mitgliedstaaten der Europäischen Union, in denen die Unternehmen nicht immer vor Willkür geschützt seien. Das Verhandlungsmandat für TTIP sehe aber keinen Automatismus zur Einrichtung von Investor-Staat-Schiedsverfahren vor. Deswegen sei es gut, dass die EU-Kommission die Verhandlungen darüber ausgesetzt habe und ein Konsultationsverfahren durchführt. Während der 7. Verhandlungsrunde bis 3. Oktober 2014 wurde nicht weiter über Investor-Staat-Schiedsgerichtsverfahren verhandelt: Die Europäer überdenken ihre Position neu, die USA halten weiter daran fest. Am 5. Februar 2015 wurde vom Ausschuss für internationalen Handel des Europäischen Parlaments ein Entwurf eines Berichts mit den Empfehlungen des Europäischen Parlaments an die Kommission zu den Verhandlungen über die transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft veröffentlicht. Der Bericht wurde auf Grundlage von Art. 108 Abs. 4 der Geschäftsordnung des Europäischen Parlaments erstellt. Gemäß diesem Bericht ist der Investor-Staat-Streitbeilegungsmechanismus „im TTIP-Abkommen aufgrund der hochentwickelten Rechtssysteme der EU und der USA nicht notwendig“. Im Herbst 2015 hat die EU-Kommission einen Vorschlag für eine grundsätzliche Reform des ISDS-Systems vorgelegt. Statt Schiedsgerichten soll demnach ein öffentlicher Investitionsgerichtshof über Klagen wegen der Verletzung von Investorenrechten entscheiden. Dieser soll aus einem Gericht erster Instanz und einem Berufungsgericht bestehen, Urteile sollen von öffentlich ernannten Richtern mit hoher Qualifikation gefällt werden, die vergleichbar ist mit der von Mitgliedern anderer ständiger internationaler Gerichte wie des Internationalen Gerichtshofs und des WTO-Berufungsgremiums, die Möglichkeiten von Investoren, einen Fall vor das Gericht zu bringen soll genau definiert werden und die möglichen Klagegründe auf Fälle wie gezielte Diskriminierung wegen Geschlecht, Rasse oder Religion, Staatsangehörigkeit, Enteignung ohne Entschädigung oder formelle Rechtsverweigerung festgelegt werden. Das Recht der Regierungen auf Regulierung soll in den Bestimmungen der Handels- und Investitionsabkommen garantiert werden. Die Kommission wollte den Vorschlag anschließend mit dem Rat und Europäischen Parlament diskutieren. Anschließend sollte der Entwurf als EU-Vorschlag in die Handelsgespräche mit den USA eingehen und auch bei anderen laufenden und künftigen Verhandlungen als Verhandlungsbasis dienen. Am 12. November 2015 gab die Kommission bekannt, dass der Vorschlag der US-Delegation in den TTIP-Verhandlungen präsentiert worden ist. Beobachter halten es für fraglich, ob die USA sich auf den Vorschlag einlassen werden. Das als „Blaupause“ für TTIP geltende geplante Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und Kanada, CETA, sieht ebenfalls Regeln zum Investitionsschutz vor. Eines der Ziele des im September 2014 vorgestellten Vertragstextes von CETA ist es nach Angaben der EU-Kommission, verschiedene Arten von Missbrauch der Investitionsschiedsgerichtsbarkeit zu unterbinden: So könnten „missbräuchliche Klagen innerhalb weniger Wochen abgewiesen werden.“ Auch Doppelentschädigungen seien nicht möglich, da Parallelverfahren verboten sind. Zudem trage die unterliegende Partei die Kosten. Nachdem nach Protesten in Europa der Punkt der Schiedsverfahren im TTIP nachverhandelt und vermutlich abgeschwächt wird, im aber schon fertig verhandelten CETA noch die alte Version steht, befürchteten insbesondere kanadische Aktivisten, dass Kanada zur „Hintertür“ für Schiedsverfahren wird, indem US-amerikanische oder europäische Firmen diese statt über TTIP mit Tochterfirmen in Kanada über CETA respektive das kanadisch-amerikanisch-mexikanische NAFTA durchsetzen. Ende Februar 2016 verkündete die EU-Kommission, dass auch in CETA anstelle von Schiedsgerichten ein institutionalisiertes internationales Streitbeilegungsgremium mit Möglichkeit der Berufung vorgesehen werden soll. Die Enthüllungsplattform Wikileaks setzte am 11. August 2015 eine Belohnung von 100.000 Euro für diejenigen aus, die die nicht-öffentlich verhandelten Dokumente des TTIP-Abkommens veröffentlichen würden. Am 2. Mai 2016 veröffentlichte die Umweltorganisation Greenpeace eine Abschrift der Verhandlungsdokumente. Die Abschrift wurde erstellt, um einen maximalen Quellenschutz zu erreichen, da die Originaldokumente Rechtschreibfehler und Zufallsdaten enthalten könnten, die womöglich den Enthüller enttarnen sollten. Die Originaldokumente wurden an den Rechercheverbund der Süddeutschen Zeitung und des NDR vorab geschickt, welche die Echtheit der besagten Papiere verifizierten und schon am Tag der Arbeiterbewegung, dem Vortag der Enthüllung, über die Papiere berichteten. In den Vereinigten Staaten sprachen sich Präsident Obama und die republikanische Mehrheit im Kongress für einen zügigen Vertragsschluss aus. Beide erwarteten mit TTIP zusätzliche Arbeitsplätze und steigende Exporte in die EU. Als weitere Ziele gaben sie eine stärkere Verhandlungsmacht gegenüber Russland, globale Durchsetzung westlicher Normen sowie allgemein eine „Vertiefung der NATO“ als Gegenpol zum zunehmend mächtigen China an. Die Demokraten hingegen sind beim Thema Freihandel zwiegespalten und haben ihrem Präsidenten eine Verhandlungsvollmacht bislang verweigert, um eine Umgehung des Kongresses bei der TTIP-Ratifizierung zu verhindern. Der besonders kritische demokratische Gewerkschaftsflügel befürchtet eine Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland und einen erhöhten Lohnsenkungsdruck. Im Bewusstsein der Zivilbevölkerung ist TTIP seit 2014 und hat bereits zahlreiche Kritiker. Während die Zustimmung zum Freihandel in den USA generell angestiegen ist sprechen sich nur 15 Prozent für TTIP aus, 2014 lag der Zustimmungswert noch bei mehr als 50 Prozent. Unter Präsident Trump verfolgten die USA einen protektionistischen Wirtschaftskurs. Die TTIP-Verhandlungen kamen zum Erliegen. Durch die Wahl Joe Bidens zum US-Präsidenten galt Anfang 2021 eine erneute Aufnahme der Verhandlungen als möglich. Der Großteil der etablierten sowie der regierenden Parteien in den EU-Ländern befürworten das Abkommen. Die größte öffentliche Debatte über TTIP findet in Deutschland statt, die größte Ablehnung innerhalb der Politik findet sich in Österreich sowie in Griechenland. Bei einer Umfrage im Jahr 2014 sprachen sich noch 55 Prozent der Deutschen für TTIP aus, nur jeder vierte war dagegen. Bei einer Umfrage im Jahr 2016 lehnte hingegen jeder dritte Deutsche das geplante Abkommen zwischen der EU und den USA komplett ab. 17 Prozent bewerteten TTIP positiv. Etwa die Hälfte der Befragten äußerte sich weder klar dagegen noch dafür. Die deutsche Bundesregierung will mit TTIP die wirtschaftliche Vormacht von EU und USA ausbauen und gegen die Konkurrenz aus Asien sichern. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte am 1. Oktober 2014: „Es geht darum, mit dem transatlantischen Freihandelsabkommen TTIP neue Gesamtstandards zu setzen: Wenn man daran denkt, dass wir insgesamt 65 Prozent des Welthandels verkörpern, dann können wir auch eine Marktmacht entwickeln und dann mit einem solchen Abkommen auch weltweite Standards setzen.“ Diese weltweiten Standards würden dann „auch für China und Indien gelten.“ Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie hat am 21. Mai 2014 einen Beirat für TTIP einberufen; ihm gehören 22 Vertreter von Gewerkschaften, Sozial-, Umwelt- und Verbraucherschutzverbänden sowie des Kulturbereichs an. Im Gegensatz zur Europäischen Kommission, die nicht vorhat, die EU-Staaten 2015 nach Abschluss der Verhandlungen über das TTIP abstimmen zu lassen, schätzt die deutsche Bundesregierung ein, dass die Zustimmung nicht nur des Bundestags, sondern auch des Bundesrats erforderlich sei, da Länderzuständigkeiten berührt werden. Ferner kritisiert das deutsche Wirtschaftsministerium, dass seinen Beamten kein Zugang zu Verhandlungsdokumenten der USA gewährt wird. Im Bundestagsausschuss für Wirtschaft und Energie haben die CDU/CSU und die SPD einen Antrag der Grünen , in TTIP und CETA keine Schiedsgerichtsmechanismen aufzunehmen, abgelehnt. Die CDU-Fraktion begründete ihre Ablehnung damit, dass Schiedsgerichtsverfahren nicht per se zu verurteilen seien. Vielmehr stellten sie ein etabliertes Verfahren auf internationaler und nationaler Ebene dar, um Streitigkeiten beizulegen. Auch wenn man den Antrag in dieser Form ablehne, sei man für Diskussionen offen, ob Einschränkungen der Schiedsgerichtsverfahren erforderlich seien, etwa hinsichtlich der Veröffentlichung von allen Gerichtsunterlagen. Die SPD-Fraktion sagte, dass die Regelungen zu Schiedsgerichtsverfahren und Investorenschutz aus TTIP und CETA herausgenommen werden müssten. Der Antrag sei aber abzulehnen, da er zum falschen Zeitpunkt komme. Diskutiert werden müssten die fertigen Abkommen, wenn diese im Bundestag zur Debatte stünden. Wer über CETA und TTIP reden wolle, müsse zunächst die positiven Seiten darstellen und anschließend die roten Linien definieren. Nach Kritik aus der eigenen Partei betonte Wirtschaftsminister Gabriel im November 2014, dass er vor der Unterzeichnung von TTIP die Zustimmung des SPD-Parteitags beziehungsweise des Parteikonvents einholen werde. Bundestagspräsident Norbert Lammert äußerte im Oktober 2015, dass er in Übereinstimmung mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker für jeden Mitgliedstaat der EU die Möglichkeit der Einsichtnahme in Verhandlungsdokumente fordert und eine Zustimmung zu TTIP von entsprechender Transparenz abhängig macht. Die Bundestagsfraktion der Linken lehnt TTIP vollständig ab. TTIP werde weder zu mehr Wachstum, noch mehr Jobs, noch mehr Wohlstand führen. Es drohten Gefahren für Standards und Demokratie. Konzernen würde noch mehr Gestaltungsmacht über politische Prozesse und die Gesellschaft gegeben. Die Antworten der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage mit 125 Einzelfragen zu den Auswirkungen von TTIP wurden von der Fraktion Die Linke als „substanzlose Werbebotschaften“ kritisiert. Auch die allgemeine Zielsetzung der Bundesregierung wurde einer scharfen Kritik unterzogen: „Die Behauptung, das ‚Freihandelsabkommen zwischen Europa und den USA enorme Chancen bieten, um stärker als bisher zu beginnen, einer globalisierten Wirtschaft Spielregeln zu geben‘, sei vermessen und anmaßend. Nur eine multilaterale, demokratische Organisation wäre sinnvoll. Die Welthandelsorganisation ist in Fragen des Handels und der Investitionen dazu aktuell nicht in der Lage und blockiert, da USA und EU nicht bereit sind zu akzeptieren, dass viele Entwicklungs- und Schwellenländer eigene und zwar andere Vorstellungen von „Spielregeln“ haben. Wenn es solche globalen Regeln also nicht ausreichend gibt, dann unter anderem weil die USA und EU auf falsche oder zumindest einseitige Regeln zu ihrem Vorteil setzen.“ Die Grünen kritisieren vor allem das intransparente Verfahren, in das die Öffentlichkeit und das Europäische Parlament nicht ausreichend eingebunden seien. Sie fordern daher Verhandlungen auf Basis eines transparenten Verfahrens und eines neuen, besseren und öffentlichen Verhandlungsmandates. Die Partei setzt sich außerdem dafür ein, Ausstiegsklauseln in den Vertragstext aufzunehmen, damit Mitgliedsstaaten auch nach Inkrafttreten des TTIP noch austreten können. Die FDP befürwortet TTIP grundsätzlich und hielt Großteile der Kritik daran im Oktober 2015 laut Christian Lindner für „unbegründet oder überholt“. Stattdessen sahen die Liberalen in dem Freihandelsabkommen vor allem wirtschaftliche Chancen, sowie die Möglichkeit, hohe Verbraucherschutz-Standards weltweit festzusetzen. Neben Kritik und Protesten der Zivilgesellschaft schlagen ein paar der NGOs auch vor, wie Handels- und internationale Abkommen, welche die EU verhandelt und abschließt, zu gestalten wären – inhaltlich auf das Wesentliche konzentriert, flexibler und demokratischer gestaltet, mit frühzeitigem Einbezug der Beteiligten und mehr an Transparenz. Foodwatch schlägt vor, „Handelsabkommen nur für den Abbau von Zöllen abzuschließen , den Rest aber auf Branchenvereinbarungen und flexiblere Verordnungen auszulagern“. Mehr Demokratie stellt in ihrem Papier „Forderungen zur Demokratisierung von EU‐Handelsverträgen“ fest, dass „Vorschläge, wie die Handelspolitik in Zukunft anders ablaufen soll, sehr selten“ sind und bringt ihre „Forderungen in die Diskussion wie Handelsverträge der EU demokratisiert werden können“ ein, die der Autor in zwei Bereiche aufteilt – ohne und mit Änderung der EU‐Verträge: A. Verbesserungen ohne Änderung der EU‐Verträge B. Verbesserungen, die Änderungen der EU‐Verträge notwendig machen Zahlreiche Nichtregierungsorganisationen wie Mehr Demokratie e. V. und Attac, Gewerkschaften wie Verdi, Verbraucherschutzorganisationen, Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace und der BUND, der Deutsche Kulturrat und Parteien wie Die Linke, Bündnis 90/Die Grünen, die AfD, die Piratenpartei, die Ökologisch-Demokratische Partei, die Partei Mensch Umwelt Tierschutz sowie politische Verbände wie die europäischen Grünen/Europäische Freie Allianz, kritisieren TTIP teilweise massiv. Partiell basiert diese Kritik auf Erfahrungen mit dem bestehenden Nordamerikanischen Freihandelsabkommen zwischen den USA, Mexiko und Kanada. Eine Vertreterin des deutschen Bunds für Umwelt und Naturschutz erklärte das Freihandelsabkommen für „nicht mit demokratischen Prinzipien vereinbar“, die Handelsrechtsexpertin und Aktivistin Lori Wallach bezeichnete es in einem Artikel in Le Monde diplomatique als „die große Unterwerfung“ der Teilnehmerstaaten unter die Interessen von Großkonzernen und als „Staatsstreich in Zeitlupe“. Franz Kotteder, Journalist und Autor des Buches Der große Ausverkauf. Wie die Ideologie des freien Handels unsere Demokratie gefährdet, sieht Abkommen wie TTIP am Anfang einer gewaltigen Umwälzung stehen, an deren Ende der zügellose Markt stehen könne. Das transatlantische Freihandelsabkommen sieht er als Teil eines Geflechts von Verträgen , die allesamt dasselbe Ziel verfolgten: die Umsetzung einer „neoliberalen Agenda“, die multinationale Konzerne von allen Beschränkungen, die ihnen durch Regierungen auferlegt wurden, befreien soll. TTIP sei damit „Teil eines Weltstaatsstreichs der internationalen Wirtschaftsverbände und der großen Konzerne“. Jörg Philip Terhechte, Professor für Internationales Recht an der Leuphana Universität Lüneburg, argumentiert, dass die politische Struktur der EU in ihrer jetzigen Form immer wieder zu undemokratisch zustande gekommenen Verträgen wie TTIP führte. Dies läge daran, dass die EU „executive-driven“ sei, die Verfügungsgewalt läge ausschließlich bei der Exekutive, nämlich der Europäischen Kommission, während das Europäische Parlament noch nicht einmal einen Gesetzesvorschlag einbringen dürfe. Jagdish Bhagwati, Professor für Politik und Wirtschaft an der Columbia University, sah die Schwächen von TTIP bereits in den Verhandlungen manifestiert. TTIP sei von vornherein zum Scheitern verurteilt gewesen. Man habe die Verhandlungen im Geheimen geführt und zu viele heikle Themen auf einmal verhandelt. „Zweitklassige Unterhändler“ hätten nach Bhagwati die Verhandlungen geführt und sich von Lobbyisten die Standpunkte vorgeben lassen. Beim Petitionsausschuss des Deutschen Bundestags wurde im Januar 2014 eine Petition eingereicht, mit dem Ziel, der Bundestag solle sich gegen das Abkommen aussprechen. Die Petition wurde innerhalb der Mitzeichnungsfrist von 68.331 Bürgern unterzeichnet und muss somit vom Petitionsausschuss in öffentlicher Sitzung behandelt werden. Die ATTAC-Initiative „TTIP unfairhandelbar“ überreichte in Deutschland am 22. Mai 2014 715.000 Unterschriften. Die Initiative Campact wollte mit 650.000 Unterschriften per Online-Abstimmung die EU-Zustimmung zu TTIP verhindern. Die Überreichung der ersten 470.000 Unterschriften an Sigmar Gabriel kommentierte dieser mit den Worten: „470.000 Menschen haben gegen etwas unterschrieben, was es noch gar nicht gibt.“ Man könne „den Eindruck kriegen, als ginge es um Leben und Sterben“. Der damalige Handelskommissar Karel De Gucht erinnerte im Vergleich zur Unterschriftenkampagne daran, dass er bei den Verhandlungen 500 Millionen Europäer vertritt. Bei einer von der EU durchgeführten Befragung zu TTIP haben sich bis Mitte Juli 2014 etwa 149.000 EU-Bürger beteiligt. Über 145.000 von diesen lehnten TTIP vollständig oder Teile davon ab. Die Ablehnungsquote betrug damit 97 Prozent. Das entspricht dem Anteil an Antworten, welche kollektiv über Onlineplattformen abgegeben wurden, die vorgefertigte Antworttexte zur Verfügung stellten. Das internationale Bündnis „Stop TTIP“ mit mehr als 480 europäischen Organisationen, Parteien, Wählergruppierungen und NGOs, das von Mehr Demokratie e. V. in Berlin angeführt wird, stellte bei der Europäischen Kommission einen Registrierungsantrag für eine Europäische Bürgerinitiative gegen das TTIP-Abkommen, der von dieser als unzulässig abgelehnt wurde. Gegen die Ablehnung kündigte das Bündnis eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof an und begann gleichzeitig, die Bürgerinitiative selbst zu organisieren, mit dem Ziel, mehr als eine Million Unterschriften gegen TTIP und CETA zu sammeln. An einem europaweiten Aktionstag am 11. Oktober 2014 wurden allein etwa 250.000 Unterschriften gesammelt. Am Ende der Unterschriftenaktion, am 6. Oktober 2015, hatten 3.263.920 EU-Bürger die Petition unterschrieben. In 23 der 28 Mitgliedsstaaten erfüllt die Initiative den erforderlichen Mindestprozentsatz; mit mehr als 200 Prozent des erforderlichen Quorums kam der mit Abstand höchste Prozentsatz an Mitzeichnungen aus Deutschland. Am 10. Oktober 2015 protestierten bis zu 250.000 Menschen in Berlin gegen das Freihandelsabkommen. Zu dem Protestzug hatte ein breites Bündnis aus Gewerkschaften, Umwelt- und Verbraucherschutzorganisationen sowie Globalisierungsgegnern mit rund 30 Organisationen aufgerufen. Am 17. September 2016 protestierten in Deutschland bis zu 320.000 Menschen gleichzeitig in sieben Großstädten gegen CETA und TTIP und übertrafen damit deutlich die von den Organisatoren und der Polizei erwarteten 100.000 Teilnehmer. Laut den Veranstaltern nahmen teil: Berlin , Hamburg , Köln , Frankfurt am Main , Stuttgart , München und Leipzig . In Österreich zählten die Veranstalter etwa 25.000 Teilnehmer am Aktionstag, vorwiegend in Wien, aber auch in anderen Landeshauptstädten. Der Europäische Gerichtshof erklärte am 11. Mai 2017 den Beschluss der Kommission, mit dem die Registrierung der geplanten Europäischen Bürgerinitiative „Stop TTIP“ abgelehnt wurde, für nichtig. Die geplante Bürgerinitiative stelle keine unzulässige Einmischung in den Gang des Gesetzgebungsverfahrens dar, sondern löse zur rechten Zeit eine legitime demokratische Debatte aus. Zahlreiche Einzelpersonen und Verbände kritisieren, dass TTIP vor allem von Unternehmen und deren Lobbyisten vorangetrieben werde. Laut diversen Kritikern hätten Großunternehmen direkten Einfluss auf die Texte des Vertrags, während Vertreter der Zivilgesellschaft wie Nichtregierungsorganisationen keinen Zugang zu den Verhandlungstexten hätten und nur in offenen Konsultationen mit der EU-Kommission ihre Positionen vorbringen könnten. Der Einfluss der Konzerne auf das Verfahren sei dabei für die Öffentlichkeit intransparent. Dem widersprach EU-Kommissar Karel De Gucht mit dem Argument, dass jeder Verhandlungsschritt öffentlich bekanntgegeben worden sei. Allerdings sind die dabei jeweils verhandelten Inhalte nicht öffentlich einsehbar. Auch Parlamentarier des Europaparlaments oder der nationalen Parlamente haben keine Möglichkeit, die Verhandlungen zu verfolgen oder die Verhandlungstexte einzusehen. Im November 2014 berichtete das Handelsblatt, dass es in Zukunft in Berlin und anderen Hauptstädten von EU-Staaten TTIP-Leseräume für Parlamentarier geben solle, wobei der Personenkreis, der Zugang haben solle, noch nicht feststehe. Bislang bestehe nur ein Leseraum im EU-Parlament, mit Zugang für sehr wenige Abgeordnete. Elizabeth Warren, Senatorin und Erfinderin der von Obama umgesetzten Verbraucherschutzbehörde Consumer Financial Protection Bureau, behauptete, die Inhalte von TTIP seien deshalb geheim, weil die amerikanische Öffentlichkeit – nach Ansicht der Unterstützer – bei Bekanntwerden dieser Inhalte gegen TTIP sein würde. Sie erklärte im Mai 2014: “I actually have had supporters of the deal say to me ‘They have to be secret, because if the American people knew what was actually in them, they would be opposed.’” „Unterstützer des Abkommens sagten mir, die Gespräche müssten geheim sein, denn wenn das amerikanische Volk wüsste, was tatsächlich der Inhalt ist, wäre es dagegen.“ Greenpeace kritisiert, dass die EU-Kommission völkerrechtlich bindende Verpflichtungen ohne Einbeziehung der nationalen Parlamente plane . Mit einer „vorläufigen Anwendung“ sollen völkerrechtliche Verpflichtungen eingegangen werden, ohne dass die nationalen Parlamente zustimmen müssten. Im Fall des bereits ausgehandelten CETA sehe diese vorläufige Anwendung etwa ein Klagerecht von Investoren und Unternehmen im Rahmen des höchst umstrittenen Investor-state dispute settlement bereits ein Jahr vor der jeweiligen Parlamentsabstimmung vor. Dieses Klagerecht würde selbst nach einer Verhinderung von CETA im nationalen Parlament für weitere drei Jahre seine Gültigkeit behalten. Anfang Februar 2015 wies der Journalist Harald Schumann im Tagesspiegel darauf hin, dass die US-Regierung den Forderungen nach mehr Transparenz insoweit begegnen will, dass maximal zwei EU-Regierungsbeamte gleichzeitig an maximal zwei Tagen der Woche in Leseräumen der jeweiligen US-Botschaften TTIP-Dokumente einsehen dürfen, nach vorheriger Anmeldung und Zulassung, mit lediglich Stift und Papier für „begrenzte Notizen“. Die EU-Kommission hat diese Position der Amerikaner ohne Gegenvorschlag akzeptiert. Anfang 2015 wurden neun EU-Verhandlungstexte online gestellt. Der Literaturwissenschaftler Roland Reuß forderte im Februar 2015 in der FAZ, dass nicht nur diejenigen, die sich Lobbyvertreter leisten können, Einblick in den Verhandlungsprozess erhalten müssen, sondern auch Mittelstand, Kleinunternehmer und alle Bürger, da sie an den betroffenen Sozialsystemen ebenfalls beteiligt sind. Er habe den Eindruck eines exekutiven Putsches. Eine nicht dazu berechtigte Exekutive agiere wie nach einem vermeintlich alternativlosen Drehbuch. Damit betrieben die Verantwortlichen und alle, die sie gewähren lassen, geradezu die Abschaffung der Demokratie. Kants transzendentale Formel des öffentlichen Rechts zitierend folgert Reuß: „Alle auf das Recht anderer Menschen bezogene Handlungen, deren Maxime sich nicht mit der Publizität verträgt, sind unrecht.“ Die Maßnahmen z. B. des Bundeswirtschaftsministeriums zu Partizipation und Transparenz erwähnt Reuß nicht. Am 1. Mai 2016 sind Abschriften der als vertraulich geltenden Dokumente zur Transatlantischen Handels- und Investitionspartnerschaft von der Umweltorganisation Greenpeace an die Süddeutsche Zeitung und an den NDR und WDR weitergegeben worden. Dabei handelt es sich um die bisher verhandelten 13 Vertragskapitel, welche rund die Hälfte des gesamten Abkommens darstellen. Demnach drohen die Vereinigten Staaten, Exporterleichterungen für die europäische Autoindustrie zu blockieren, um im Gegenzug zu erreichen, dass die Europäische Union mehr US-amerikanische Agrarprodukte abnimmt, und fordern zudem Änderungen beim derzeitigen Vorsorgeprinzip, nach dem Belastungen bzw. Schäden für die Umwelt bzw. die menschliche Gesundheit im Voraus vermieden oder weitestgehend verringert werden sollen. TTIP sieht Schiedsgerichtsverfahren – Investor-state dispute settlement – vor, in denen Nonprofits, Unternehmen und Einzelpersonen die Möglichkeit gegeben wird, einen Staat zu verklagen, wenn sie als ausländische Investoren gegenüber Inländern diskriminiert werden, ohne Entschädigung enteignet werden, mit Rechtsverweigerung konfrontiert werden oder willkürlich vom Staat behandelt werden. 2012 veröffentlichte das Corporate Europe Observatory eine Studie über das Ausmaß der weltweit bereits über Handelsabkommen etablierten Möglichkeit für internationale Investoren, Schiedsgerichte anzurufen. Das entfachte einen europaweit geführten Diskurs über das auch in TTIP geplante Streitbeilegungsverfahren. Bislang haben sich das niederländische Parlament, der französische Senat und der deutsche Wirtschaftsminister dagegen ausgesprochen. Aufgrund der anhaltenden Kritik schlug die EU-Kommission als Alternative zu Schiedsgerichten ein Handelsgericht mit zwei Instanzen vor. Die Mitgliedsstaaten, das Europäische Parlament und die USA müssen dem Vorschlag jedoch noch zustimmen. Als Alternative zu Schiedsgerichten schlägt die EU im September 2016 Investitionsgerichte vor, die deutlich transparenter als die bisher geplanten Schiedsgerichte sein sollen. Der englische Begriff „Chilling effect“ bezeichnet hier die Befürchtung, die politischen Entscheidungsträger könnten aufgrund der Furcht vor Schadensersatzklagen vor transnationalen unabhängigen Schiedsgerichten wegen z. B. entgangener Gewinne zurückhaltender werden. Investitionsschiedsgerichte entscheiden an Stelle von nationalen Gerichten, bieten aber im Vergleich zu diesen regelmäßig weniger Möglichkeiten der Überprüfung von Entscheidungen durch höhere Instanzen. Diese Verfahren werden von Kritikern als intransparent und demokratisch unkontrolliert betrachtet. So befürchtet der Publizist Fritz R. Glunk Klagen, wenn durch staatliche Eingriffe Gewinnerwartungen geschmälert worden seien, z. B. wenn der Staat neue Umweltauflagen beschließt. Unternehmen könnten nach Ansicht von Kritikern somit z. B. durch die Androhung von Schadensersatzforderungen die Kennzeichnungspflicht gentechnisch veränderter Lebensmittel oder ein Verbot der Gasförderung mittels Fracking verhindern. Ebenso könnten sie – ähnlich wie die Klage von Vattenfall gegen den deutschen Atomausstieg im Rahmen der Investorenschutzklausel des Energiecharta-Vertrags – versuchen, Entschädigungszahlungen für den Ausstieg aus der Kernenergie zu erzwingen. Ebenso wurden durch einen Vergleich bei einem Schiedsgerichtsverfahren die Umweltauflagen für das Kohlekraftwerk Moorburg geändert. Laut der US-amerikanischen Verbraucherschutzanwältin Lori Wallach könnten „gigantische Entschädigungen“ für Unternehmen fällig werden, wenn Staaten gegen die Vertragsregelungen verstießen und nennt dabei als Beispielfall den bis dahin höchsten Schiedsspruch eines ICSID-Tribunals über 1,77 Milliarden Dollar zuzüglich Zinsen. Ecuador wurde dabei von einem Schiedsgericht dazu verurteilt, diese Summe als Ausgleich zu zahlen, nachdem es Eigentum von Occidental Petroleum verstaatlicht hatte. Nach einem Antrag Ecuadors auf Aufhebung des Schiedsspruchs nach den ICSID-Regeln wurde der Schiedsspruch auf eine Milliarde US-Dollar reduziert. Die Anzahl derartiger Verfahren hat in den letzten zehn Jahren massiv zugenommen. Die Gesamtzahl der Klagen ist unklar, da nicht alle Verfahren öffentlich sind, bekannt sind geschätzt 600 Verfahren aus den vergangenen Jahrzehnten. Innerhalb der EU wurde etwa Rumänien in einem Verfahren vor einem Schiedsgericht der ICSID in Washington, D.C. zu einer Strafe von 253 Millionen US-Dollar wegen Subventionskürzung für ein Unternehmen auf Grundlage des schwedisch-rumänischen Investitionsschutzabkommens verurteilt; die Generaldirektion Wettbewerb der Brüsseler EU-Kommission forderte die rumänische Regierung im Mai 2013 ausdrücklich auf, den Spruch des Schiedsgerichtes zu ignorieren. Die USA wurden kaum auf diese Weise verklagt, wobei der Ökonom Joseph E. Stiglitz darauf verweist, dass Konzerne gerade erst anfangen zu lernen, wie sie diese Schiedsgerichtsübereinkommen zu ihrem Vorteil nutzen können. Die Verfahren sind, wie beim obigen Beispiel Vattenfall-Deutschland, zum Teil bereits aufgrund von bestehenden bi- und multilateralen Investitionsschutzabkommen möglich. Deutschland hat mit 89 Schwellen- und Entwicklungsländern Verträge über Investitionsschutz abgeschlossen die ISDS-Verfahren ermöglichen und z. B. beinhalten, dass die Unternehmen des anderen Staates nicht grundsätzlich schlechter behandelt werden dürfen als inländische Unternehmen. Wie beim Nordamerikanischen Freihandelsabkommen NAFTA sieht auch das TTIP vor, dass privaten Investoren die Möglichkeit eingeräumt werden soll, Staaten vor Schiedsgerichten auf Kompensationen zu verklagen, wenn ihnen ein Gesetz oder staatliches Handeln auf bestimmte Weise schadet. Ein von Kritikern häufig angeführtes Beispiel ist das Verfahren Lone Pine gegen Kanada. Weil die kanadische Provinz Quebec ein Moratorium für das Fracking von Schiefergas und Öl erließ, klagt das US-amerikanische Unternehmen Lone Pine, welches zuvor eine Probebohrungslizenz erworben hatte, vor einem internationalen Schiedsgericht gegen den Staat Kanada und fordert Entschädigungen in Höhe von 250 Millionen Dollar für den zu erwartenden Gewinnausfall. Kanada wurde insgesamt mehrfach vor NAFTA-Schiedsgerichten verklagt, was seit Bestehen von NAFTA, 1994, bis Oktober 2014 zu Verurteilungen auf ca. 150 Millionen Dollar Schadensersatz geführt hat. Ähnliche Klagen wären nach Inkrafttreten von TTIP auch durch US-Investoren gegen Staaten der EU und umgekehrt möglich. Laut EU-Kommission soll dabei sichergestellt sein, dass Investitionsschutzklauseln nur in sehr begrenzten Bereichen eingesetzt werden, „z. B. wenn gegenüber inländischen Firmen diskriminiert wird oder wenn eine Firma im Ausland ohne Entschädigung enteignet wird.“ Der BDI hält Investitionsschutzklauseln und Investor-Staat-Schiedsverfahren für unabkömmlich, spricht sich aber für eine Reform aus, die Staaten die Möglichkeit belässt, Gesetze und Regulierungen zum Allgemeinwohl zu erlassen. Die EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström befürwortet das Abkommen, verkündete gegenüber dem EU-Parlament aber als Ziel, Schiedsverfahren um die Möglichkeit einer Berufung zu erweitern und die Schiedsstellen dahingehend anzupassen, dass Schiedsrichter auf eine bestimmte Dauer berufen und ihren Qualifikationen nach an jene nationaler Richter angeglichen würden. Der deutsche ehemalige Bundesverfassungsrichter Siegfried Broß erklärte im März 2015, dass die Schiedsgerichtsklauseln gegen deutsches Verfassungsrecht und Recht der EU verstoßen und damit einen Systembruch des Völkerrechts bedeuten. Die EU-Kommission behauptete dagegen in einer Replik, es sei ein Gerücht, dass ein Investorenschutz in TTIP die Souveränität nationaler Gesetzgebung berühre. Anfang Februar 2015 wies die Vorsitzende der Katholischen Erwachsenenbildung Deutschland auf ein von ihr gesehenes Risiko für private öffentlich geförderte Einrichtungen der Jugend- und Erwachsenenbildung durch drohende Investor-Staat-Klagen von privaten Bildungsanbietern hin. Auch das Europabüro für katholische Jugendarbeit und Erwachsenenbildung hat Bedenken. Die deutschen Bildungsgewerkschaften Erziehung und Wissenschaft und Verband Bildung und Erziehung hatten bereits früher auf diese Risiken hingewiesen. Ein Vorwurf der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi lautet, durch TTIP entstehe die Gefahr, dass Arbeitnehmerrechte auf das jeweils niedrigere Niveau beider Verhandlungspartner heruntergefahren würden. Gewerkschaftliche Vereinigungen beispielsweise, die nach bundesdeutschem Recht ermöglicht werden müssen, könnten durch TTIP durch den jeweiligen Konzern unterbunden werden, so Verdi. Der US-Handelsbeauftragte Michael Froman hingegen betonte die Absicht, die Standards global anzuheben. Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph E. Stiglitz warnte im April 2016, dass ein erfolgreicher Klimaschutz, wie bei der UN-Klimakonferenz in Paris 2015 international vereinbart, durch TTIP erheblich gefährdet würde. TTIP untergrabe genau die Politik, die für einen erfolgreichen Klimaschutz notwendig sei. Treibhausgasemissionen, deren Kosten nicht von ihren Verursachern getragen werden, produzierten soziale Kosten, die ökonomisch gesehen wie Subventionen für die Unternehmen wirken, die sie verursachen. Solange Unternehmen nicht für die Umweltschäden aufkommen müssen, die sie auslösten, sei jedoch kein fairer Handel möglich. TTIP schaffe für Unternehmen im Gegenteil weitere Möglichkeiten, gegen solche Maßnahmen vorzugehen. So räumten die bei TTIP vorgesehene Streitschlichtungsverfahren Unternehmen explizit die Möglichkeit ein, Staaten für Umwelt- und Klimaschutzgesetze vor internationalen Schiedsgerichten zu verklagen, was dazu führen würde, dass sich keine ambitionierten, sondern die jeweils niedrigsten Umweltschutzstandards durchsetzten. Entworfen worden sei das Abkommen im Geheimen und gemeinsam mit Lobbyisten und mit Hinblick auf einen republikanisch dominierten US-Kongress, in dem sich Klimaleugner über wissenschaftliche Erkenntnisse hinwegsetzten. Auch das europäische Umweltschützer-Netzwerk Friends of the Earth veröffentlichte im Juli 2014 eine Studie unter dem Titel Dirty Deals. „Darin wird nachgezeichnet, wie die Ölindustrie daran arbeitet, höhere EU-Klimaschutzstandards für Erdölprodukte wie Benzin und Diesel auszuhebeln. Denn eine geplante EU-Regel könnte unter anderem dazu führen, umstrittene Einfuhren von Teersand-Öl in die EU zu erschweren. Doch das will die Industrie verhindern. Sie sieht in strengeren Klimaschutz-Vorschriften ein Handelshemmnis, das im Zuge der TTIP-Gespräche beseitigt werden muss.“ Die angestrebte „Harmonisierung“ von Standards, etwa im Bereich des Verbraucherschutzes bzw. der Umwelt- und Gesundheitspolitik, orientiert sich laut Kritikern an den Interessen der Konzerne und Finanz-Investoren – weil Harmonisierung bedeute, dass tendenziell der jeweils niedrigste bzw. wirtschaftsfreundlichste Standard aller Einzelstaaten als Basis für die verbindliche Norm des Vertrags dienen werde . So weiche TTIP bestehende hohe europäische Umwelt- und Gesundheitsstandards zugunsten von niedrigeren US-Standards auf. Neben dem Problem einer „Anpassung nach unten“ wird befürchtet, dass es zunehmend schwieriger wird, neue verbesserte Verbraucher- und Umweltschutzkriterien einzuführen. In diesem Zusammenhang sind folgende Beispiele zu nennen: In der EU gelten laut der Tierschutzorganisation Animal Legal Defense Fund in vielen Hinsichten deutlich höhere Tierschutzstandards als in den USA, wo es vielfach keine Schutzgesetze für Tiere gebe. Kritiker befürchten durch TTIP die Möglichkeit von Klagen von US-Konzernen gegen strengere lokale Auflagen, die so den europäischen Tierschutz schwächen können. Vertreter der europäischen Kulturindustrie wie etwa der Deutsche Kulturrat äußerten die Befürchtung, dass die TTIP eine Gefahr für die Buchpreisbindung und die Filmförderung in Europa bedeuten könnte. Der Kulturrat fürchtet, dass die Interessen der Medien- und Kreativwirtschaft und der Kulturorganisationen den Interessen der exportintensiven deutschen Industriebranchen geopfert werden, um den USA ein Bauernopfer im Austausch anbieten zu können. Allerdings will die EU – wie schon in anderen Handelsabkommen – auch in die TTIP Sonderregeln für den audiovisuellen Sektor aufnehmen, die eine Ungleichbehandlung ausländischer Anbieter weiter ermöglichen sollen, genauso wie auch andere Kulturbereiche weiter subventioniert werden dürfen: „Die zuständigen deutschen Stellen werden daher auch weiterhin frei sein, öffentliche Zuschüsse zu geben für alle Arten von kulturbezogene Tätigkeiten . Wenn sie es wünschen, können sie auch ausländische Anbieter von derartigen Zuschüssen ausschließen.“ Auch für die deutsche Buchpreisbindung besteht aus Sicht der EU-Kommission keine Gefahr: „Soweit die Buchpreisbindung im Ausland hergestellte Bücher nicht diskriminiert, berührt sie nicht die im Rahmen eines Handelsabkommens üblicherweise eingegangenen Verpflichtungen. Mit anderen Worten: Es ist noch nicht einmal erforderlich, die Buchpreisbindung als Beschränkung des Prinzips der Marktöffnung oder der Nichtdiskriminierung in TTIP aufzuführen.“ Der Bundesverband IT-Sicherheit e. V. warnt vor einer Absenkung der deutschen bzw. europäischen Datenschutz- und IT-Sicherheitsstandards durch TTIP. TeleTrusT rät, im Zusammenhang mit TTIP insbesondere das zentrale Element Kryptoalgorithmen aufmerksam zu beobachten. TTIP dürfe auf diesem Gebiet nicht zu schwächeren Sicherheitsniveaus führen, gerade auch für kommerzielle IT-Produkte. Kritisch angemerkt wird, dass nationale Institutionen, die für die Einhaltung hoher Standards stehen ), nicht direkt in die Verhandlungen eingebunden seien und ihre Vorstellungen den Verhandlungsführern der EU-Kommission erst nahebringen müssen. Laut TeleTrusT sei durch den angestrebten gemeinsamen Wirtschaftsraum zu erwarten, dass innerhalb seines Gebiets deutlich mehr Daten fließen werden als bisher, insbesondere solche mit Personenbezug. Hierfür sei ein abgestimmtes Datenschutzverständnis unbedingt erforderlich. Ansonsten käme es zu unterschiedlichen Anforderungen an die Unternehmen dies- und jenseits des Atlantik, die sich wettbewerbsverzerrend auswirken würden. Zur Frage der Standards haben beide Verhandlungsseiten wiederholt erklärt, dass es keine Absenkung geben wird. Beim Datenschutz drängen die USA auf eine Absenkung des Standards, und Kritiker fürchten, dass die stark umstrittenen Schiedsverfahren von US-Internetkonzernen genutzt werden könnten, um gegen Datenschutzbestimmungen in Europa, einschließlich der Datenschutz-Grundverordnung, zu klagen. Ein erstes Treffen zwischen CNECT der EU und dem National Institute of Standards and Technology der Vereinigten Staaten soll in der ersten Jahreshälfte 2019 stattfinden. Die geplante regulatorische Kooperation sowie die Einrichtung eines Regulatory Cooperation Council, in dem Industrievertreter exklusiven Zugang zu Gesetzesvorhaben erhalten sollen, wird von Mitgliedern des TTIP-Beirats der Bundesregierung stark kritisiert. Frank Bsirske und Mario Ohoven sehen potenzielle Gefahren für die parlamentarische Kontrolle von TTIP. Ähnlich argumentiert Lobbycontrol. Die regulatorische Kooperation bedrohe die demokratische Fähigkeit von Regierungen und Parlamenten, selbst zu regulieren. Diese Aussage kritisiert Matthias Machnig, Staatssekretär im deutschen Bundesministerium für Wirtschaft und Energie: „Gesetze werden auch künftig von Parlamenten erlassen. Zu sagen, durch regulatorische Kooperation würde die Gesetzgebung ausgelagert, ist Unsinn.“ Dagegen kritisiert der Völkerrechtler Markus Krajewski: Sollten sich die USA mit ihren Forderungen durchsetzen, „dann würde das die europäische Gesetzgebung in Umwelt- und Verbraucherfragen erheblich erschweren. Das ist die große Gefahr der regulatorischen Kooperation.“ Das Deutsche Institut für Normung spricht sich in einem Positionspapier gegen die gegenseitige Anerkennung von Standards und Normen der Verhandlungspartner aus. Anders als der entsprechende europäische Prozess sei die Normung in den USA stark fragmentiert und es existiere keine Struktur, um internationale Normen in nationale amerikanische Normen zu überführen. Eine gegenseitige Anerkennung könne durch die folgende Zersplitterung von Normen den europäischen Binnenmarkt gefährden, in der EU etablierte Konsultationsprozesse umgehen und bringe nicht zwingend Rechtssicherheit für europäische Exporteure. Das DIN fordert daher eine Orientierung an den Normen der Internationalen Organisation für Normung und Internationalen Elektrotechnischen Kommission , keine Anerkennung von US-Normen, und die Entwicklung gemeinsamer bilateraler Normen und Standards in innovativen Technologiebereichen, in denen noch kein etabliertes Normenwerk geschaffen wurde. TTIP wird neben dem auf beiden Seiten des Atlantiks angestrebten wirtschaftlichen Wachstum für die Verhandlungspartner auch Auswirkungen auf andere Länder haben. Ökonomen zufolge bedeutete TTIP einen erheblichen Wohlfahrts- sowie Realeinkommensverlust für Entwicklungsländer. Dies läge unter anderem an den fehlenden Zöllen im Handel zwischen USA und EU, da Waren aus Entwicklungsländern im Vergleich teurer und damit weniger wettbewerbsfähig würden. Die vielfach diskutierte Angleichung von Standards zwischen USA und EU könnte positive wie negative Effekte für Drittstaaten nach sich ziehen. Für Exporteure sind möglichst niedrige Standards günstig, um ihre Produkte zu vertreiben. Bislang ist aber ungewiss, ob mit Entfaltung von TTIP mehrheitlich EU- oder US-Standards maßgeblich wären. Für den Fall, dass die Standards der USA sich den vornehmlich höheren der EU angleichen würden, wäre Händlern aus Entwicklungsländern der Marktzugang in den USA erheblich erschwert. Umgekehrt aber könnten künftig niedrigere EU-Standards Unternehmen aus Drittstaaten Exporte in die EU vereinfachen. Nach einer Studie des Ifo-Instituts im Auftrag der Bertelsmann Stiftung wären Mexiko, Niger und Algerien am schwerwiegendsten von TTIP betroffen. Mexiko würde demnach 7,2 Prozent des realen Pro-Kopf-Einkommens verlieren. Weiterhin wird prognostiziert, dass die Handelsvolumen der USA und EU mit den BRICS-Staaten sinken würden, für Deutschland um 10 Prozent und für die USA um 30 Prozent. Aber auch in anderen Industrieländern wären Einbußen zu erwarten. So hätten im Extremszenario Kanada und Australien die größten Verluste zu befürchten. In einer weiteren Studie von 2015, diesmal im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung , stellte das Ifo-Institut mildere Folgen für Entwicklungsländer in Aussicht, was insbesondere auf Spillover-Effekte zurückgeführt wird, die in der früheren Studie minder berücksichtigt wurden. Auf einer Ministeriumsveranstaltung nannte Studienleiter Gabriel Felbermayr die Folgen harmlos und merkte an, dass es sowohl Gewinner als auch Verlierer gäbe. Der gemeinnützige Verein foodwatch hält dem Ifo-Institut vor, die Spillover-Effekte auf Annahmen abgestellt zu haben, die entweder unrealistisch sind oder der Entscheidungskompetenz Dritter obliegen. Außerdem bemängelt foodwatch, dass im Rahmen der Untersuchung Expertengespräche mit Wirtschaftslobbyisten, sprich, vermeintlichen TTIP-Befürwortern, durchgeführt wurden. Die Nichtregierungsorganisation Brot für die Welt hält dazu an, die Auswirkungen auf Drittstaaten in die Verhandlungen zu TTIP aufzunehmen. Sie befürchtet, TTIP könne die Existenz von Bauern in Entwicklungs- und Schwellenländern gefährden und fordert in diesem Zusammenhang die Implementierung einer „Menschenrechtsklausel“, die Vertragsbestimmungen modifizierbar macht, wenn Menschenrechte bedroht sind. Offizielle Websites der Verhandlungspartner: Verhandlungsdokumente: Befürworter: Kritiker: Themenseiten:
2024-11-22 21:17:43
https://de.wikipedia.org/wiki/Persika
Als Persika werden antike griechische Geschichtswerke bezeichnet, die das persische Achämenidenreich behandelten und im 5./4. Jahrhundert v. Chr. verfasst wurden. Die Faszination der Griechen für Persien – mit seiner gewaltigen Ausdehnung, seinen Ressourcen und dem prachtvollen Hof der Großkönige – führte im 5. Jahrhundert v. Chr. zu der Entstehung spezieller Werke, die ausschließlich die persische Geschichte schilderten und deren Fokus auch nicht auf den militärischen Auseinandersetzungen, sondern vielmehr auf den kulturellen Kontakten lag. Das Interesse der Griechen an Persien war konstant vorhanden, vom frühen 5. Jahrhundert v. Chr. bis in die Zeit des Untergangs des Achämenidenreichs infolge des Alexanderzugs. Dabei ist auch hervorzuheben, dass keineswegs ausschließlich gegen die Perser polemisiert wurde, sondern dass gerade in den Berichten von Griechen, deren Städte teilweise selbst unter persischer Herrschaft standen bzw. gestanden hatten, kein scharfes Freund-Feind-Denken bestand. Literarisch boten diese Berichte außerdem die Möglichkeit, exotische und spektakulär wirkende Erzählungen zu verarbeiten. Von diesen Persika , die ein eigenes literarisches Genre darstellen, sind allerdings nur noch Fragmente erhalten . Die vollständig erhaltenen Historien Herodots, deren Höhepunkt die Darstellung des Perserkriegs war, gehören hingegen nicht in dieses Genre, da sie wesentlich breiter angelegt sind. Über Dionysios, den ersten Verfasser von Persika, ist nur sehr wenig bekannt. Er lebte im späten 6./frühen 5. Jahrhundert v. Chr. und schrieb sowohl eine Geschichte Persiens als auch ein Werk über die Ereignisse nach Dareios . Die wenigen Fragmente seiner Werke erlauben kaum eine genauere Charakterisierung. Charon schrieb Persika in zwei Büchern . Es wurde in der älteren Forschung oft angenommen, dass er vor Herodot schrieb und er möglicherweise sogar eine Quelle für dessen Historien war. In der neueren Forschung wird sein Schaffen jedoch meistens in der Zeit nach Herodot angesiedelt. Hellanikos war ein Zeitgenosse Herodots und stammte aus einer Stadt, die längere Zeit unter persischer Herrschaft stand. Hellanikos verfasste zahlreiche Werke, darunter auch eine „Geschichte Persiens“ in mindestens zwei Büchern . Darin beschrieb er auch die Geschichte der Assyrer und Babylonier. Das Werk reichte wohl bis zur Schlacht von Salamis . Oft wird angenommen, dass er vor Herodot schrieb , da eine knappe persische Geschichte kurz nach der Veröffentlichung der Historien Herodots eher unwahrscheinlich ist. Ktesias von Knidos ist einer der berühmtesten Autoren persischer Geschichte in der Antike. Ktesias war als Arzt mehrere Jahre am Hof von Artaxerxes II. tätig und hatte somit einen guten Einblick in die dortigen Verhältnisse. Kurz nach 397 v. Chr. kehrte er nach Knidos zurück und schrieb dort neben anderen Werken seine 23 Bücher umfassende Geschichte Persiens . Obwohl Ktesias die Möglichkeit gehabt hätte, aus seinen Kenntnissen über die internen Verhältnisse in Persien zu berichten, schrieb er nicht zuletzt mit der Intention, Herodot zu „korrigieren“ – wobei er teils scharf gegen Herodot polemisierte, aber selbst mehrere Fehler machte. Sein Geschichtswerk, das vor allem in einem Auszug bei Photios und mehreren Zitaten bei anderen Autoren vorliegt, ist oft wenig zuverlässig. In dem Werk wurde in den ersten sechs Büchern auch auf die Geschichte des assyrischen Reiches eingegangen , die Schilderung reichte dann weiter über die persische Geschichte bis in Ktesias’ eigene Zeit. Offenbar war der Schwerpunkt der Persika weniger die Ereignisgeschichte ; vielmehr beschrieb Ktesias ausführlich das Hofleben, das von Intrigen und Haremsgeschichten geprägt sei. Das Bild eines dekadenten, im Luxus schwelgenden Hofes war recht einflussreich. Es spiegelt aber möglicherweise vor allem die griechischen Vorstellungen vom Hofleben der Großkönige wider und ist dafür eine durchaus ergiebige Quelle. Verwertbare zuverlässige Informationen sind hingegen eher selten, zumal Ktesias mit zahlreichen Klischees arbeitete, obwohl er angibt, Zugang zu persischem Archivmaterial gehabt zu haben. Allerdings meinen manche Forscher, dass Ktesias durchaus Zugriff auf lokale Erzählungen gehabt hat und diese verarbeitet hat. Die Persika wurden von zahlreichen späteren Autoren herangezogen, doch wurde die nicht selten unzuverlässige Darstellung, die teils angereichert ist mit phantastischen Ausführungen, bereits in der Antike kritisiert. In der älteren Forschung wurde das von Ktesias vermittelte Persienbild bisweilen als glaubwürdig betrachtet , doch überwog insgesamt eine negative Beurteilung des Werks. Ein Teil der neueren Forschung hingegen hat ein differenzierteres Bild entwickelt, wobei nicht alle von Ktesias’ Angaben pauschal angezweifelt werden und ebenso angenommen wird, dass Ktesias auf mündliche persische Traditionen zurückgriff und dafür eine nicht unwichtige Quelle ist. Die Berichte über Hofinterna spiegeln dabei wohl seinen Blickwinkel wider, zumal sich Ktesias vorwiegend am persischen Königshof aufhielt. Möglicherweise vermitteln die Fragmente des Werks auch ein schiefes Bild, denn die Persika mögen durchaus differenziertere Schilderungen enthalten haben, die aber nicht überliefert sind. Während außerdem die Berichte über die ferne Vergangenheit bei Ktesias zwar faktisch keinen historischen Wert haben, sind die eher zeitgenössischen Schilderungen nicht unbedeutend. Bemerkenswert bleibt jedenfalls die Tatsache, dass mit Ktesias erstmals ein Grieche versucht hatte, eine persische Geschichte unter Einschluss der gesamten altorientalischen Geschichte zu schreiben und dabei durchaus persische Standpunkte einbezog. Dennoch spiegelt das Persienbild des Ktesias vor allem einen griechischen Blickwinkel wider. Dinon, Vater des Alexanderhistorikers Kleitarchos, verfasste um die Mitte des 4. Jahrhunderts v. Chr. eine „Persische Geschichte“, von der mehrere Fragmente erhalten sind . Die mit märchenhaften und erotischen Elementen angereichten Persika wurden unter anderem von Plutarch herangezogen, waren aber bei weitem nicht so beliebt wie das Werk des Ktesias, an das Dinon anschloss. Wie dieser bot auch Dinon viele fiktionale Elemente in seiner Erzählung. Über Herakleides, der im 4. Jahrhundert v. Chr. lebte, ist faktisch nichts bekannt. Er verfasste ebenfalls Persika, die in fünf Bücher eingeteilt waren . Die Fragmente liefern wichtige und durchaus zuverlässige Informationen zum persischen Hofleben, über das Herakleides offenbar gut informiert war, ebenso wie über die persische Verwaltung. Neben Plutarch benutzte auch Athenaios die Persika. Neben Felix Jacoby :
2024-12-02 00:17:35
https://de.wikipedia.org/wiki/Herentals
Herentals ist eine belgische Stadt in der Kempen in der Region Flandern am Ufer des Albertkanals mit 28.455 Einwohnern . Sie besteht aus dem Hauptort und den Ortsteilen Morkhoven und Noorderwijk. Turnhout liegt 18 Kilometer nordöstlich, Antwerpen 30 Kilometer westlich und Brüssel etwa 48 Kilometer südwestlich. Herentals hat drei Autobahnabfahrten an der A 13/E 313. Bei der Gemeinde befindet sich ein Regionalbahnhof an der Bahnstrecke Antwerpen-Lier-Herentals-Mol-Hasselt/Weert . Der Flughafen Brüssel-Zaventem ist Belgiens größter Flughafen und der Flughafen Antwerpen ist der nächste Regionalflughafen. Herentals ist Partnerschaften eingegangen mit Aartselaar | Antwerpen | Arendonk | Baarle-Hertog | Balen | Beerse | Berlaar | Boechout | Bonheiden | Boom | Bornem | Borsbeek | Brasschaat | Brecht | Dessel | Duffel | Edegem | Essen | Geel | Grobbendonk | Heist-op-den-Berg | Hemiksem | Herentals | Herenthout | Herselt | Hoogstraten | Hove | Hulshout | Kalmthout | Kapellen | Kasterlee | Kontich | Laakdal | Lier | Lille | Lint | Malle | Mechelen | Meerhout | Merksplas | Mol | Mortsel | Niel | Nijlen | Olen | Oud-Turnhout | Putte | Puurs-Sint-Amands | Ranst | Ravels | Retie | Rijkevorsel | Rumst | Schelle | Schilde | Schoten | Sint-Katelijne-Waver | Stabroek | Turnhout | Vorselaar | Vosselaar | Westerlo | Wijnegem | Willebroek | Wommelgem | Wuustwezel | Zandhoven | Zoersel | Zwijndrecht
2024-12-03 23:13:22
https://de.wikipedia.org/wiki/Tiharu
58.88777822.231944Koordinaten: 58° 53′ N, 22° 14′ O Tiharu ist ein Dorf in der Landgemeinde Hiiumaa auf der zweitgrößten estnischen Insel Hiiumaa . Tiharu hat keine Einwohner mehr . Der Ort liegt im Süden der Halbinsel Kõpu , direkt an der Ostsee. Stadt : Kärdla Großdorf : Käina | Kõrgessaare Dorf : Aadma | Ala | Allika | Aruküla | Emmaste | Emmaste-Kurisu | Emmaste-Selja | Esiküla | Hagaste | Haldi | Haldreka | Harju | Härma | Hausma | Heigi | Heiste | Heistesoo | Hellamaa | Heltermaa | Hiiessaare | Hilleste | Hindu | Hirmuste | Hüti | Isabella | Jausa | Jõeküla | Jõeranna | Jõesuu | Kaasiku | Kabuna | Kaderna | Kaigutsi | Kalana | Kaleste | Kanapeeksi | Kärdla-Nõmme | Kassari | Kauste | Kerema | Kidaste | Kiduspe | Kiivera | Kitsa | Kleemu | Kodeste | Kogri | Koidma | Kolga | Kõlunõmme | Kõmmusselja | Kopa | Kõpu | Kukka | Külaküla | Külama | Kuri | Kuriste | Kurisu | Kuusiku | Laartsa | Laasi | Laheküla | Lassi | Lauka | Leerimetsa | Lehtma | Leigri | Leisu | Lelu | Lepiku | Ligema | Lilbi | Linnumäe | Lõbembe | Loja | Lõpe | Luguse | Luidja | Määvli | Mäeküla | Mäeltse | Mägipe | Malvaste | Mangu | Männamaa | Mänspe | Mardihansu | Meelste | Metsaküla | Metsalauka | Metsapere | Moka | Muda | Mudaste | Napi | Nasva | Niidiküla | Nõmba | Nõmme | Nõmmerga | Nurste | Ogandi | Ojaküla | Ole | Õngu | Orjaku | Otste | Palade | Palli | Paluküla | Paope | Pärna | Pärnselja | Partsi | Pihla | Pilpaküla | Poama | Prählamäe | Prähnu | Prassi | Pühalepa | Pühalepa-Harju | Puliste | Puski | Putkaste | Rannaküla | Reheselja | Reigi | Reigi-Nõmme | Reikama | Riidaküla | Risti | Ristivälja | Rootsi | Sääre | Sakla | Salinõmme | Sarve | Selja | Sepaste | Sigala | Sinima | Soonlepa | Sõru | Sülluste | Suuremõisa | Suurepsi | Suureranna | Suuresadama | Taguküla | Tahkuna | Tammela | Tammistu | Tareste | Tärkma | Taterma | Tempa | Tiharu | Tilga | Tohvri | Tubala | Ühtri | Ülendi | Ulja | Undama | Utu | Vaemla | Vahtrepa | Valgu | Valipe | Vanamõisa | Värssu | Viilupi | Viiri | Viita | Viitasoo | Vilima | Vilivalla | Villamaa | Villemi
2024-12-02 02:32:34
https://de.wikipedia.org/wiki/Kunsterziehung
Kunstpädagogik oder Kunstvermittlung als Sammelbegriff befasst sich mit unterschiedlichen Praktiken und Theorien an der Schnittstelle zwischen der Kunst und der Pädagogik, in denen Menschen in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen über die Künste informiert werden, sich darüber austauschen oder mit eigenen gestalterischen Prozessen reagieren. Der Begriff Kunstpädagogik bezieht sich mehrheitlich auf Situationen im Kunstunterricht an Schulen, wobei sich der Begriff Kunstvermittlung hauptsächlich auf Vermittlung in Museen, Ausstellungen und Kunsträumen bezieht. Der Kunstpädagogik oder Kunstvermittlung geht es nicht ausschließlich um die Vermittlung von bildnerischen Kompetenzen, sondern um einen umfassenderen Begriff. Dabei werden Theorien und Praktiken aus der zeitgenössischen Kunst und der Pädagogik adaptiert und neu verhandelt. Kunstvermittlung ist selbst künstlerische Praxis; Kunstvermittlung ist Konzeptarbeit, die theoretisches Wissen und praktische Erfahrungen verbindet. Sie involviert das Publikum, macht es zu Akteuren oder auch Opponenten. In diesem Sinne kann eine zeitgemäße Kunstvermittlung ebenso Grenzen überschreiten wie die zeitgenössische Kunst. Die Orte der Kunstpädagogik/Kunstvermittlung sind genauso vielfältig wie die der Bildenden Kunst und oftmals an schulischen oder außerschulischen Institutionen verortet. Kooperationen sowie die Arbeit zwischen Künstlern und Institutionen sind dabei häufige Form der Vermittlungsarbeit. Dabei werden stets neue Formen der Kunstpädagogik/Kunstvermittlung erprobt und unterliegen dem gesellschaftlichen Wandel und seinen Bedürfnissen sowie Strömungen in der Bildenden Kunst gleichermaßen. Die Kunstpädagogik beschäftigt sich speziell mit der Bildenden Kunst, der Architektur, den neuen Medien und Design, sowie mit der ästhetischen und wissenschaftlichen Reflexion von künstlerischen Arbeiten und deren Geschichte. Der Kunstpädagogik geht es ebenso wie der Kunsterziehung, um Kulturvermittlung und den Zugang zu Kunstwerken und ist in Teilbereichen ästhetische Erziehung. „Die Hoffnung lautet, dass sich im Laufe der Zeit zeigen wird, wie komplex und vielfältig die Erstellung einer kunstpädagogischen Landkarte wäre, wie unterschiedlich die Bildungs- und Kunstbezüge, wie vielfach die Verortungen und die theoretischen Bezugssysteme sind“ . Es existieren mehrere kunstpädagogische Strömungen, vor allem: a) die Bildorientierung, b) die künstlerische Bildung und c) die Ästhetische Forschung und Biographieorientierung. Die Strömungen sind in der zeitgenössischen Kunstpädagogik vielfältig, denn es handelt sich stets um ein prozessuales Selbstverständnis. Der Formale Kunstunterricht stellt eine Antwort auf die Musische Erziehung dar. Das Konzept des formalen Kunstunterrichts hatte dabei das Ziel Bildende Kunst in Rezeption und Produktion erlernbar und erfahrbar zu vermitteln. Dies wurde in Form von reduzierten Schulaufgaben wie abstrakten Übungsreihen durchgeführt. Somit wurde die Bildnerische Praxis als formal-bildnerische Ordnungstätigkeit aufgetragen, ohne emotionale Freiräume. Die psychischen Bedürfnisse und der individuelle Ausdruck der Schüler wurden nicht berücksichtigt, wodurch Kunst in systematisierten Lernschritten mit leistungsorientierten Notenvergaben unterrichtet wurde. Die Visuelle Kommunikation betrachtete in den siebziger Jahren die Bilder der Massenmedien als die eigentlichen gesellschaftlich relevanten künstlerischen Produkte. Dadurch öffnete sich die Kunstpädagogik für die Bildproduktion und Bildprozesse außerhalb der traditionellen Kunst, beispielsweise durch die Einführung der Fotografie. Den Produkten und Prozessen der Bildenden Kunst sollte deshalb, wenn überhaupt noch, ein nur marginaler Platz im schulischen Kunstunterricht eingeräumt werden. Gunter Otto entwickelte in den 1970er Jahren ein didaktisches Konzept zur ästhetischen Erziehung, das die Lehrbarkeit der Kunst bejaht und im Rahmen der Allgemeinbildung als Schlüsselqualifikation fordert. Dies beinhalte zum einen den Prozess der praktischen Bildproduktion und die Deutung der eigenen Werke durch eigene Erfahrungen und eigenes Bildverständnis, zum anderen die Betrachtung und Deutung der Werke anderer. Gert Selle widersprach diesem Konzept und war der Meinung, dass vor allem Gegenwartskunst nicht auslegbar sei, worauf die Kunstpädagogik indes großen Wert lege; vielmehr seien individuelle Erfahrungen im ästhetischen Prozess der Annäherung an Kunst zu machen, ohne von einem Lehrer gelenkt zu werden. In einem offenen Kunstunterricht stellt die Lehrkraft keine fest umrissenen Aufgaben, bei denen die Ergebnisse vorhersehbar sind. Die Aufgabe sollte ein Impuls zum künstlerischen Handeln sein, zum Probieren und Experimentieren, zum künstlerischen Forschen. Es wird ein Angebot gemacht, das sich auf ein Motiv beziehen kann, das aus einer Auswahl von Werkzeugen und Materialien besteht. Eine Aufgabe sollte mindestens Lücken haben, in welche die Phantasie der Schüler hineinspringen kann. Glücklicherweise kommt es auch immer wieder einmal vor, dass ein Schüler eine Aufgabe missversteht und deshalb verfehlt. In einem solchen Fall entstehen oft die originellsten Lösungen . In besonderen Fällen kann der Unterricht sich so weit öffnen, dass Schüler und Lehrer ihre Rollen tauschen: Lernende Lehrer – lehrende Kinder . Seit diesem Disput zwischen Otto und Selle in den 1980er Jahren hat sich im kunstpädagogischen Diskurs einiges getan. Vertreter der Bildorientierung berufen sich in weiten Teilen auf die verstehensorientierte Kunstdidaktik Ottos, innerhalb der Biographieorientierung oder der künstlerischen Bildung ist zu beobachten, dass hier versucht wird, die beiden sich gegenüberstehenden Positionen Ottos und Selles miteinander zu verbinden. Wie der Name schon andeutet, stellt die Bildorientierung Bilder in das Zentrum des Lernens im Fach Kunst. Sowohl Bilder in Form von Kunstwerken, als auch Bilder der medialen Umwelt sollen lehrbar und greifbar gemacht werden, wobei der kritische und aufgeklärte Gebrauch dieser im Mittelpunkt steht. Bilder gewinnen aufgrund der Digitalisierung und Globalisierung unserer modernen Gesellschaft zunehmend an Bedeutung, weshalb es nötig ist, Schüler bezüglich des Umgangs mit Bildern zu informieren und sensibilisieren. Insgesamt soll also die visuelle Kompetenz und Bildkompetenz der Schüler gefördert und deren grundlegende Allgemeinbildung gestärkt werden. Bei der Ästhetischen Forschung handelt es sich um ein modernes Kunstpädagogisches Konzept, welches 2001 erstmals von Helga Kämpf-Jansen vorgestellt wurde. Basierend auf den 15 Thesen der Ästhetischen Forschung geht es darum die traditionell getrennten Bereiche von Kunst, Wissenschaft und Alltag zu vereinen und somit ein neues umfassendes Verständnis zu einem Thema zu entwickeln und ästhetisch zu reflektieren. Aufgrund der Wichtigkeit des selbstständigen Lernens innerhalb der Ästhetischen Forschung wird bei der Wahl des Untersuchungsthemas und der dazugehörigen Frage auf vollkommene Freiheit gesetzt. Die selbst ausgesuchte Frage soll dann mit Methodiken aus Alltag, Kunst und Wissenschaft untersucht werden. Der Prozess solle hierbei dokumentarisch festgehalten und die Ergebnisse in einer Künstlerischen Praxis vorgestellt werden. Bei der Künstlerischen Bildung handelt es sich um ein von Carl-Peter Buschkühle, Joachim Kettel und Mario Urlaß wie auch Günther Regel entwickeltes Konzept. Künstlerische Bildung geht aus von kunstwissenschaftlichen Fragestellungen, inwiefern Kunst bedeutsam ist für die Bildung. Zentral ist die Zielrichtung, künstlerisches Denken zu bilden, welches als eine schöpferische Interaktion differenzierter Fähigkeiten wie einfühlsamer Wahrnehmung, kritischer Reflexion, Einbildungskraft und Willenseinsatz aufgefasst wird. In der Praxis steht das künstlerische Projekt im Mittelpunkt, welches Wissen und Gestalten, thematische Auseinandersetzung und Ausdruck im Werk miteinander verbindet. Kunst beruht auf Freiheit, Kreativität und Originalität. Ein Kunstwerk besitzt wohl einen Marktwert, der aus dem Verhältnis von Angebot und Nachfrage hervorgeht. Über den künstlerischen Wert eines Werkes lässt sich wohl durchaus vernünftig argumentieren, jedoch objektiv messbar ist dieser nicht. Was für Werke der so genannten hohen Kunst gilt, muss auch für die kleinen Werke gelten, die im schulischen Unterricht entstehen. Die Behauptung, Kunst sei lehrbar , wurde längst als unhaltbar zu den Akten gelegt. Geht man von der These aus, in der Schule entstünden nur kunstähnliche Dinge, aber keine Kunst, dann reduziert man die Kunst auf ihre lehrbaren Anteile . So weicht man dem wirklichen Problem nur aus. Durch das Auszählen formaler Merkmale lassen sich künstlerische Objekte quantitativ vergleichen, jedoch nicht qualitativ messen. Die Lehrkräfte jedoch stehen unter dem administrativen Zwang, die Leistungen ihrer Schüler mit Noten zu beurteilen. Sie sollen etwas beurteilen, was nicht operationalisierbar ist. Nicht nur die Bildende Kunst, sondern auch die Musik, der Tanz und die Sprache, das heißt, alle Künste bilden das kreative und freiheitliche Potential der Institution Schule. Das bedeutet – nicht, die Künste benötigen die Schule, damit sie propagiert und vermittelt werden können, sondern die Schule benötigt die Künste, damit sie überhaupt bilden kann. Darüber hinaus gibt es vielfältige Forschungsansätze an den Universitäten zur zeitgenössischen Kunstpädagogik und Kunstvermittlung, die Gunter Otto und Gert Selle längst überholen . Die Ausbildung zum Kunstvermittler, zur Kunstvermittlerin kann über ein Hochschulstudium in Form eines Bachelor- und Masterstudienganges absolviert werden. Offiziell befähigt erst der Masterabschluss zum Unterrichten des Faches Bildnerisches Gestalten oder Kunst an Schulen. In Deutschland existiert zum einen der Fachverband für Kunstpädagogik BDK und die Wissenschaftliche Sozietät Kunst, Medien, Bildung.
2024-12-03 18:44:28
https://de.wikipedia.org/wiki/Christopher_Creveling
Christopher Creveling ist ein US-amerikanischer Shorttracker und Inline-Speedskater. Creveling begann seine Karriere im Inline-Speedskating. Dabei wurde er im Jahr 2004 Weltmeister mit der Staffel über 10.000 m auf der Straße. Im folgenden Jahr gewann er bei der WM die Bronzemedaille mit der Staffel. Im Shorttrack-Weltcup debütierte er im Oktober 2012 in Calgary und belegte dabei den 11. Platz über 1500 m und den sechsten Rang über 1000 m. Im selben Monat kam er in Montreal mit dem dritten Platz mit der Staffel erstmals aufs Podium. Seine besten Resultate bei den Shorttrack-Weltmeisterschaften 2013 in Debrecen waren der 11. Platz über 1500 m und der siebte Rang mit der Staffel. Zu Beginn der Saison 2013/14 holte er in Shanghai mit der Staffel seinen ersten Weltcupsieg. Im weiteren Saisonverlauf errang er mit der Staffel in Seoul den zweiten Platz und siegte in Kolomna erneut mit der Staffel. Beim Saisonhöhepunkt, den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi, gewann er die Silbermedaille mit der Staffel. Zudem belegte er den 21. Platz über 1500 m und den zehnten Rang über 1000 m. Seine besten Ergebnisse bei den Shorttrack-Weltmeisterschaften 2014 in Montreal waren der achte Platz über 1000 m und der sechste Platz mit der Staffel. In der Saison 2015/16 erreichte er in Dordrecht mit dem vierten Platz über 500 m sein bisher bestes Einzelergebnis im Weltcup. Bei den Shorttrack-Weltmeisterschaften 2016 in Seoul wurde er Siebter mit der Staffel.
2024-12-04 04:58:46
https://de.wikipedia.org/wiki/Hayflick-Grenze
Als Hayflick-Grenze wird bei Eukaryoten die begrenzte Anzahl von Zellteilungen bezeichnet, denen sich eine Zelle unterziehen kann, bevor der programmierte Zelltod eingeleitet wird, weil die Telomere eine kritische Länge erreicht haben. Benannt wurde sie nach Leonard Hayflick, der diese Grenze 1961 entdeckte. Mit seinem Beweis, dass sich normale menschliche Zellen ca. 52-mal teilen, bevor schließlich die Zellalterung einsetzt, widerlegte er die herrschende Meinung nach Alexis Carrel, dass Zellen grundsätzlich unsterblich seien. Hayflick beobachtete die Verkürzung der Telomere durch jede Mitose, welche weiteren Zellteilungen ein natürliches Ende setzt. Die Menge an natürlichen Teilungen und damit die Hayflick-Grenze variiert von Spezies zu Spezies und ist ein wesentlicher Faktor, der die Lebenserwartung beeinflusst. Für das entscheidende Experiment mischte er männliche Fibroblasten nach 40 Zellteilungen mit weiblichen Fibroblasten nach 10 Zellteilungen. Nach Ablauf von ca. 15 weiteren Zellteilungen konnte er nur noch weibliche Fibroblasten in der Nährlösung finden. Dadurch war ausgeschlossen, dass lediglich technische Fehler oder Kontaminationen die Zellteilungen begrenzten. In jedem Zellverband des menschlichen Körpers finden sich jedoch u. a. Stammzellen, von denen viele nicht von der Hayflick-Grenze beschränkt werden. Sie bilden das Enzym Telomerase oder nutzen andere Mechanismen zur Aufrechterhaltung der Länge der Telomere. Die Telomerase ist auch in Tumorzellen aktiv und ist eine der Vorbedingungen dafür, dass sich diese unkontrolliert teilen können.
2024-12-01 22:13:45
https://de.wikipedia.org/wiki/Simone_Blum
Simone Blum ist eine deutsche Springreiterin. 2018 wurde sie Weltmeisterin. Simone Blum ist die Tochter des Vielseitigkeitsreiters Jürgen Blum , der an den Olympischen Sommerspielen 1996 teilnahm und eine Team-Bronzemedaille bei Europameisterschaften gewann. Simone Blum lebt in Zolling bei München. Ihr Lehramts-Masterstudium in Chemie und Biologie schloss Blum im Jahr 2016 an der TU München ab. Anschließend konzentrierte sie sich komplett auf den Sport. Im Oktober 2018 heiratete Simone Blum ihren Lebensgefährten, den Springreiter Hans-Günter Blum . Mitte Februar 2020 wurde ihre gemeinsame Tochter geboren. Auf dem gemeinsamen Gut Eichenhof mit Simone Blums Eltern trainieren beide etwa 16 Pferde. Wie ihr Vater begann Simone Blum als Vielseitigkeitsreiterin, wechselte aber schnell zum Springsport. Mit 15 Jahren wurde sie Vierte bei den Pony-Europameisterschaften. 2009 wurde sie in den Bundeskader der jungen Reiter berufen. 2015 gewann sie Silber, 2016 Gold bei den deutschen Meisterschaften der Damen. Im Jahr 2017 trat sie bei der Wertung der Herren an und wurde mit der Stute DSP Alice auf Anhieb Deutsche Meisterin. Daraufhin wurde sie in den A-Kader berufen. Bei den Europameisterschaften 2017 in Göteborg kam Blum als Reservereiterin nicht zum Einsatz, dominierte mit Alice jedoch die Rahmenprüfungen und gewann dort den Großen Preis. Drei Wochen später folgte der Sieg im CSI 5*-Grand Prix von Lausanne. Im Juli 2018 waren Blum und Alice Teil der siegreichen deutschen Mannschaft im Nationenpreis von Aachen. Simone Blum wurde für die Weltreiterspiele 2018 in Tryon, North Carolina in den Vereinigten Staaten nominiert, wo sie mit der deutschen Equipe die Bronzemedaille gewann. Nach der Mannschaftskonkurrenz lag sie in der Einzelwertung mit Alice auf dem ersten Rang, den sie in den beiden Finaldurchgängen verteidigte. In allen fünf Springen machte sie als Einzige keinen Springfehler. Damit wurde sie überraschend Weltmeisterin. Die Hallensaison 2018/2019 musste Simone Blum vorzeitig beenden, nachdem sie sich einen Nerv im Nacken eingeklemmt hatte und die Schulter mehrfach auskugelte. Nach einer dreimonatigen Turnierpause infolge einer Schulteroperation startete die Saison 2019 erfolgreich für Blum und Alice: Nachdem sie im April bereits im Großen Preis von Gorla Minore in beiden Umläufen ohne Fehler geblieben waren, gewannen sie im Mai binnen zwei Wochen das Championat und den Großen Preis beim Maimarkt-Turnier sowie den Großen Preis des Nationenpreisturniers von La Baule . Im Juni folgten zweite Plätze in dem Großen Preis des CSIO 5* Twente-Geesteren und des CSI 5* Knokke. Aufgrund der Doppel-Nullrunde im Nationenpreis und dem vierten Platz im Großen Preis von Aachen wurde Blums Stute Alice als das erfolgreichste Pferd des CHIO Aachen 2019 ausgezeichnet. Die Europameisterschaften 2019 bestätigten nochmals, dass Blum und Alice zu diesem Zeitpunkt zu den besten Paaren im Springreitsport gehörten. Nach Mannschafts-Silber verpassten beide auf Rang vier knapp eine Einzelmedaille. In der Springreiter-Weltrangliste erreichte Simone Blum im September 2019 mit Rang 18 ihre bis dahin beste Platzierung. Für das Jahr 2021 war Blum mit ihrer Stute Alice im deutschen Bundeskader. Doch Alice verletzte sich früh im Jahr. Erst Anfang 2023 ging die Stute wieder kleinere Prüfungen, wurde dann aber beim CHIO Aachen 2023 aus dem Sport verabschiedet. Mit Cool Hill gelangen Simone Blum erfolgreiche Turnierstarts bis hin zu CSI 5*-Niveau. Nachdem der Wallach im Sommer 2021 verkauft worden war, lag ihr Schwerpunkt dann auf dem Aufbau jüngerer Pferde in den Turniersport. Im Juli 2022 gewann Simone Blum die Bronzemedaille bei den bayrischen Meisterschaften. Weltmeisterschaften Europameisterschaften Deutsche Meisterschaften Aktuelle Pferde Ehemalige Turnierpferde 1953: Francisco Goyoaga | 1954: Hans Günter Winkler | 1955: Hans Günter Winkler | 1956: Raimondo D’Inzeo | 1960: Raimondo D’Inzeo | 1966: Pierre Jonquères d’Oriola | 1970: David Broome | 1974: Hartwig Steenken | 1978: Gerd Wiltfang | 1982: Norbert Koof | 1986: Gail Greenough | 1990: Éric Navet | 1994: Franke Sloothaak | 1998: Rodrigo Pessoa | 2002: Dermott Lennon | 2006: Jos Lansink | 2010: Philippe Le Jeune | 2014: Jeroen Dubbeldam | 2018: Simone Blum 1952–1955: Hans Günter Winkler | 1959: Hans Günter Winkler | 1960: Hermann Schridde | 1961: Alwin Schockemöhle | 1962: Hermann Schridde | 1963: Alwin Schockemöhle | 1965: Peter Schmitz | 1966: Gerd Wiltfang | 1967: Alwin Schockemöhle | 1969–1970: Hartwig Steenken | 1971: Gerd Wiltfang | 1973: Hartwig Steenken | 1974: Paul Schockemöhle | 1975: Alwin Schockemöhle | 1977: Hendrik Snoek | 1978: Sönke Sönksen | 1979: Gerd Wiltfang | 1980: Paul Schockemöhle | 1981: Franke Sloothaak | 1982–1983: Paul Schockemöhle | 1984: Karsten Huck | 1985: Michael Rüping | 1986–1987: Paul Schockemöhle | 1988: Ludger Beerbaum | 1989: Franke Sloothaak | 1990: Otto Becker | 1991: Franke Sloothaak | 1992–1993: Ludger Beerbaum | 1994: Otto Becker | 1995: Lars Nieberg | 1996: Ulrich Kirchhoff | 1997–1998: Ludger Beerbaum | 1999: Carsten-Otto Nagel | 2000–2001: Ludger Beerbaum | 2002: Marcus Ehning | 2003: Marco Kutscher | 2004: Ludger Beerbaum | 2005–2007: René Tebbel | 2008: Meredith Michaels-Beerbaum | 2009: Philipp Weishaupt | 2010: Meredith Michaels-Beerbaum | 2011: Ludger Beerbaum | 2012: Marc Bettinger | 2013–2014: Daniel Deußer | 2015: Denis Nielsen | 2016: Andreas Kreuzer | 2017: Simone Blum | 2018: Mario Stevens | 2019: Felix Haßmann | 2020: Philipp Weishaupt | 2021: Tobias Meyer | 2022: Mario Stevens
2024-12-03 17:27:48
https://de.wikipedia.org/wiki/%E2%84%A7
Siemens ist im Internationalen Einheitensystem die Maßeinheit des elektrischen Leitwertes und nach Werner von Siemens benannt. Das Siemens ist definiert als also als der Kehrwert des Ohm , der SI-Einheit des elektrischen Widerstandes. 1860 hatte Siemens in Poggendorffs Annalen der Physik und Chemie den Aufsatz Vorschlag eines reproducirbaren Widerstandsmaaßes veröffentlicht . 1935 führte die Internationale Elektrotechnische Kommission die Maßeinheit Siemens ein. Auf der 14. Generalkonferenz für Maß und Gewicht 1971 wurde das Siemens in das SI übernommen. Mho ist eine veraltete Bezeichnung für die Einheit Siemens, die Bezeichnung geht auf William Thomson zurück. Die Bezeichnung Mho und das Symbol ℧ drücken aus, dass es sich um den Kehrwert der Einheit Ohm handelt. Verwendet wurden sie bis in die 1930er Jahre, in den USA im Bereich der Elektronik informell auch weiterhin. Sekunde | Meter | Kilogramm | Ampere | Kelvin | Mol | Candela Radiant • Steradiant | Hertz | Newton • Pascal • Joule • Watt | Coulomb • Volt • Farad • Ohm • Siemens • Weber • Tesla • Henry | Grad Celsius | Lumen • Lux | Becquerel • Gray • Sievert | Katal Minute • Stunde • Tag | Astronomische Einheit | Winkelgrad • Winkelminute • Winkelsekunde | Hektar | Liter | Tonne • Atomare Masseneinheit | Elektronenvolt | Neper • Bel, Dezibel
2024-12-03 19:51:07
https://de.wikipedia.org/wiki/Pleban_(Begriffskl%C3%A4rung)
Pleban steht für: Pleban ist der Familienname von: Siehe auch:
2024-12-04 00:00:23
https://de.wikipedia.org/wiki/Hammfeld_(Neuss)
Das Hammfeld ist ein Stadtbezirk von Neuss und umfasst die Gewerbegebiete Hammfeld I, Hammfeld II und das Rheinpark-Center, das in den 1970er Jahren entstand und zu den wirtschaftlich bedeutendsten Stadtteilen von Neuss zählt. Da der Bezirk durch Gewerbe geprägt ist, wohnen auf den 4,09 km² nur 2.699 Einwohner bei einem Ausländeranteil von 64,6 %. Neben den Gewerbegebieten und Dienstleistungszentren liegt im Hammfeld auch die Neusser Galopprennbahn mit dem 2010 eröffneten Rennbahnpark. Direkt an den Rheinwiesen befindet sich der Rheinpark der EUROGA 2002. Folgende Stadtteile grenzen an den Bezirk Hammfeld Auf der östlichen Seite wird das Hammfeld durch den Rhein, der an dieser Stelle eine natürliche Stadtgrenze zwischen Neuss und Düsseldorf zieht, begrenzt. Die größten ansässigen Unternehmen sind der US-amerikanische Technologiekonzern 3M mit seinem deutschen Hauptsitz und dem größten europäischen Forschungszentrum, der japanische Technologiekonzern Toshiba Europe GmbH mit seiner europäische Hauptverwaltung, UPS und seit 2014 das Möbelhaus Höffner. Im Jahr 2020 ist die Unternehmensgruppe Creditreform mit ihrem Hauptsitz in neues Gebäude eingezogen. Das nur für akkreditierte Fachhändler zugängliche Fashionzentrum Euromoda ist mit 112.000 Quadratmeter Nutzfläche das größte seiner Art in Deutschland. Das Einkaufszentrum Rheinpark-Center ist neben der Innenstadt ein wichtiges Einkaufsgebiet im Rhein-Kreis Neuss und Umgebung. Des Weiteren befindet sich dort das Crowne Plaza Hotel Düsseldorf - Neuss mit einem Kongresszentrum. Ebenfalls im Stadtteil bietet die medicoreha Welsink Akademie mit ihren staatlich anerkannten Fachschulen für Physiotherapie und Ergotherapie über 300 Ausbildungsplätze und das duale Bachelor-Studium „Angewandte Therapiewissenschaften“ in Kooperation mit der Hochschule Niederrhein an. Mit dem Berufskolleg für Technik und Informatik Neuss gibt es auch eine berufsbildende Schule in Trägerschaft des Rhein-Kreises-Neuss, die mehr als 2.000 Schüler besuchen. Der Neusser Rennbahnpark wird 2026 Kernbereich der Landesgartenschau in Nordrhein-Westfalen sein. Verlegt werden soll die Strecke der Straßenbahn 709 zwischen den Haltestellen „Stadthalle/Museum“ und „Langemarckstraße“ von der Stresemannstraße auf die Augustinusstraße und den Hammfelddamm. Das Neusser Hammfeld wird von zwei Buslinien, einer Straßenbahnlinien sowie drei Linien der S-Bahn Rhein-Ruhr bedient, die am 1988 eröffneten Haltepunkt Neuss Rheinparkcenter an der Bahnstrecke Mönchengladbach–Düsseldorf halten. Des Weiteren ist das Hammfeld an die A 57 angeschlossen. 1 Innenstadt | 2 Dreikönigenviertel | 3 Hafengebiet | 4 Hammfeld | 5 Augustinusviertel | 6 Gnadental | 7 Grimlinghausen | 8 Uedesheim | 9 Weckhoven | 10 Erfttal | 11 Selikum | 12 Reuschenberg | 13 Pomona | 14 Stadionviertel | 15 Westfeld | 16 Morgensternsheide | 17 Furth-Süd | 18 Furth-Mitte | 19 Furth-Nord | 20 Weißenberg | 21 Vogelsang | 22 Barbaraviertel | 23 Holzheim | 24 Grefrath | 25 Hoisten | 26 Speck / Wehl / Helpenstein | 27 Norf | 28 Rosellen
2024-12-02 03:18:35
https://de.wikipedia.org/wiki/Fritz_Scheler
Fritz Scheler war ein deutscher Internist, Nephrologe und Hochschullehrer. Fritz Scheler wurde 1925 als Sohn eines Eisenbahnschaffners und einer Schneiderin im südlichen Thüringen geboren. Werner Scheler war sein fast gleichaltriger Cousin. Fritz Scheler geriet 1944 in Kriegsgefangenschaft. 1948 legte er, noch in englischer Kriegsgefangenschaft, das Abitur ab. Er studierte an den Universitäten Göttingen und Freiburg Medizin. 1954 wurde er in Göttingen promoviert. 1955 heiratete er Elisabeth Correns, die Tochter von Carl Wilhelm Correns. Schelers Habilitation zur extrakorporalen Hämodialyse folgte 1964. Von 1967 bis 1993 war er Leiter der Abteilung Nephrologie und Rheumatologie der Uniklinik Göttingen. Fritz Scheler starb 2002 in Göttingen. Scheler prägte den Begriff der Hämofiltration und war Miterfinder und Pionier in der Entwicklung der Hämofiltration. Dabei wird Blutwasser über eine Membran abgepresst und anschließend Elektrolytlösung zurückgeführt. Diese Methode wurde von seinem Mitarbeiter Peter Kramer in Göttingen zum ersten Mal entwickelt, als ein Verfahren bei dem durch Eigendruck des Patienten-Kreislaufes Plasma abgepresst wird, um die Herzfunktion bei Herzversagen akut zu unterstützen. Später wurden die verschiedenen Verfahren der Hämofiltration weiterentwickelt. Die Hämofiltration wurde von Willem Kolff in einem Brief an Scheler als der nächste Schritt seit der Erfindung der Dialyse erkannt. Scheler hatte ein lebenslanges Interesse an Pharmakologie, das durch seine frühe Tätigkeit am Max-Planck-Institut für experimentelle Medizin entstanden war. Nach der Erfindung der Hämofiltration und dem Tod seines Mitarbeiters Peter Kramer wandte er sich verstärkt der Arzneimittelkommission zu. Seit 1975 hatte Scheler bereits der Arzneimittelkommission der Bundesärztekammer angehört, von 1981 bis 1993 wurde er ihr Vorsitzender. In diesem Zusammenhang ist auch seine Mitgründung des Instituts für Arzneimittelrecht an der juristischen Fakultät, inzwischen weiterentwickelt zu einem der führenden Einrichtungen auf dem Gebiet des Medizinrechts, der Universität Göttingen zu sehen. Scheler erhielt ein Ehrendoktorat der juristischen Fakultät in Anerkennung seiner Verdienste bei dieser Tätigkeit.
2024-12-03 16:26:11
https://de.wikipedia.org/wiki/Amerikanische_Schwertmuschel
Amerikanische Schwertmuschel mit lebendigem Weichkörper in den Schalen Die Amerikanische Schwertmuschel , auch Amerikanische Scheidenmuschel oder Gerade Scheidenmuschel genannt, ist eine aus den Vereinigten Staaten stammende Muschelart, die sich – seit 1976 durch Schiffe eingeschleppt, an der südlichen Nordseeküste Europas verbreitet hat. Sie wird häufig auch unspezifisch als Schwertmuschel bezeichnet. Dieser Name findet aber auch für die Schwertförmige Scheidenmuschel Verwendung. Die Amerikanische Schwertmuschel besitzt ein sehr langes, schmales, gleichklappiges Gehäuse, dessen Ober- und Unterrand fast parallel verlaufen. Sie werden in der Nordsee bis 17 cm lang, in Nordamerika bis 25 cm. Sie wird bis 2,5 cm hoch. Der Quotient Gehäuselänge zu Gehäusehöhe beträgt 5 bis 7. Vorder- und Hinterende sind flach gerundet. Es ist stark ungleichseitig, der Wirbel liegt nahe dem Vorderende, ist aber wenig deutlich ausgebildet. Vorder- und Hinterende können nicht ganz geschlossen werden, sie klaffen ständig. Am Vorderende tritt der muskulöse Fuß heraus, am Hinterende die verhältnismäßig kurzen Siphonen. Das Ligament liegt außen als ein langes, schmales braunes bis schwarzes Band hinter den Wirbeln. Das Schloss weist in der rechten Klappe einen länglichen Kardinalzahn und einen horizontalen, länglichen Lateralzahn auf. In der linken Klappe sitzen zwei Kardinalzähne und zwei hintere, übereinander stehende, längliche Kardinalzähne. Die Mantelbucht ist s-förmig. Es sind zwei Schließmuskeln vorhanden. Der vordere Schließmuskel ist länglich, der hintere klein. Die Schale ist vergleichsweise dünn und spröde. Die Außenseite des Gehäuses ist bis auf Anwachslinien und Wachstumsunterbrechungen glatt. Farblich ist das Gehäuse diagonal vom Wirbel zum Unterrand des Hinterendes unterteilt. Das obere Diagonalfeld ist relativ einheitlich rötlich bis grau, das untere Diagonalfeld bräunlich. Das Periostracum ist grünlich bis dunkelbraun. Innen ist die Schale weißlich mit cremefarbenen Flecken. Der Gehäuseinnenrand ist glatt. Die im Nordatlantik vorkommenden Ensis-Arten sind alle recht ähnlich. Sie unterscheiden sich etwas im Längen-/Höhen-Quotienten und in der Färbung des Gehäuses sowie bei internen Merkmalen. Die Art kommt in ihrem ursprünglichen Verbreitungsgebiet an der Westküste des Atlantiks von Labrador bis South Carolina, möglicherweise bis Florida vor. 1979 wurden Jungtiere erstmals in der Deutschen Bucht in der Nähe des Feuerschiffes „Elbe I“ nachgewiesen. Vermutlich wurden Larven mit Ballastwasser von Schiffen in die Deutsche Bucht verschleppt. Sie kommt heute schon massenhaft an der südlichen Nordseeküste von Südnorwegen bis an die englische und französische Kanalküste vor. Auch in die westliche Ostsee ist sie schon vorgedrungen. Bevorzugt werden Sand- und Schlickböden besiedelt, wo die Muscheln senkrecht mit dem Hinterende nach oben in tiefen Röhren leben. Normalerweise befinden sie sich dicht unter der Oberfläche und filtrieren dort das Wasser nach Nahrung, sie können sich jedoch bei Gefahr mit Hilfe ihres Fußes sehr schnell in die Tiefe ihrer Röhren zurückziehen. Sie kommen zwischen 3 und 18 m, seltener auch in über 20 m Wassertiefe vor. In Gegenden mit dichter Besiedlung können über 400 Exemplare auf einem Quadratmeter leben. Die Tiere wachsen relativ rasch und sind bereits nach ca. 1 Jahr geschlechtsreif. Sie können bis 5 Jahre alt werden. Die Vermehrung erfolgt über planktonische Veliger-Larven. Trotz der sehr hohen Individuendichte und raschen Vermehrung im deutschen Wattenmeer ist bisher keine relevante interspezifische Konkurrenz bekannt geworden. Die einheimischen Ensis-Arten siedeln im tieferen Sediment. Die Amerikanische Schwertmuschel wird in der Literatur wechselweise als Ensis directus oder als Ensis americanus bezeichnet. Der erstere Name hat Priorität. Timothy Abbott Conrad publizierte ihn 1843 als Solen directus im ersten Band der Proceedings of the Academy of Natural Sciences of Philadelphia. Die Art wird heute allgemein anerkannt zur Gattung Ensis Schumacher, 1817 gestellt.
2024-11-23 12:37:17
https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_von_Friedberg
Heinrich von Friedberg war ein deutscher Jurist und Politiker. Er studierte von 1833 bis 1836 Rechtswissenschaften in Berlin und arbeitete dann beim ansässigen Kammergericht, für das er ab 1848 als Staatsanwalt tätig war. 1843 war er zum Christentum konvertiert. Bereits seit 1846 übte er maßgeblichen Einfluss auf die Gesetzgebung. Unter Justizverwaltungsminister Uhden ist ihm die Schaffung des mündlichen und öffentlichen Untersuchungsverfahrens in Preußen zuzurechnen. In den Beratungen trat der liberale Friedberg für eine starke Staatsanwaltschaft ein, die ähnlich wie heute als „Gesetzeswächter“ alle Gesetzesverletzungen untersuchen und auch Fakten, die den Angeklagten entlasten, berücksichtigen sollte. Zudem wollte Friedberg sie mit einer Weisungsbefugnis gegenüber der Polizeibehörde ausstatten. Zwar konnte er diese und auch andere fortschrittliche Ideen nicht vollständig durchsetzen, der fertige Gesetzesentwurf stammt jedoch aus seiner Feder, während der Minister für Gesetzesrevision Friedrich Carl von Savigny übergangen und erst später informiert wurde. Einige Zeit darauf ging Friedberg nach Greifswald, um dort ab 1850 in der Position des Oberstaatsanwaltes tätig zu sein. Zudem unterrichtete er als Privatdozent an der Universität. Seine nächste Station war das Justizministerium in Berlin, in dem er ab 1854 als Geheimer Justizrat und ab 1857 als Geheimer Oberjustizrat wirkte. Friedberg wurde 1868 damit beauftragt, ein Strafgesetzbuch für den Norddeutschen Bund zu entwerfen. Aufgrund seiner energischen Schaffenskraft konnte es bereits am 31. Mai 1870 ausgefertigt werden , nach der Gründung des Deutschen Kaiserreiches übernahm man es fast unverändert als Reichsstrafgesetzbuch. Außerdem nahm Friedberg an den Beratungen über das Militärstrafgesetzbuch teil, da er Mitglied der hierfür eingerichteten Kommission und Bundeskommissar war. Er wurde 1870 Präsident der Justizprüfungskommission und zwei Jahre später Wirklicher Geheimer Oberjustizrat sowie Mitglied des preußischen Herrenhauses. Friedberg kam 1873 als Unterstaatssekretär in das Justizministerium, wo er eine deutsche Strafprozessordnung entwarf. Im Jahre 1875 ernannte man ihn zum Kronsyndikus und am 21. Dezember 1876 zum Staatssekretär des neugeschaffenen Reichsjustizamtes. Drei Jahre später folgte er Adolph Leonhardt im Amt des preußischen Staats- und Justizministers, wo er bis 1889 blieb. Bereits ein Jahr zuvor, mit der Verleihung des Schwarzen Adlerordens am 11. März 1888, wurde er in den preußischen Adelsstand erhoben. Heinrich von Friedberg starb 1895 im Alter von 82 Jahren in Berlin und wurde auf dem Alten St.-Matthäus-Kirchhof in Schöneberg beigesetzt. Das Grab ist nicht erhalten geblieben. Heinrich von Friedberg | Hermann von Schelling | Otto von Oehlschläger | Robert Bosse | Eduard Hanauer | Arnold Nieberding | Hermann Lisco | Paul von Krause Otto von Bismarck | Otto zu Stolberg-Wernigerode | Karl Heinrich von Boetticher | Hermann von Thile | Hermann Ludwig von Balan | Bernhard Ernst von Bülow | Joseph Maria von Radowitz | Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst | Friedrich zu Limburg-Stirum | Clemens Busch | Paul von Hatzfeldt | Herbert von Bismarck | Karl von Hofmann | Heinrich von Friedberg | Hermann von Schelling | Otto von Oehlschläger | Karl Eduard Heusner | Heinrich von Stephan | Adolf von Scholz | Franz Emil Emanuel von Burchard | Karl von Jacobi | Helmuth von Maltzahn Kircheisen | Beyme | Danckelmann | Mühler | Kamptz | Savigny | Uhden | Bornemann | Maerker | Kisker | Rintelen | Simons | Bernuth | Lippe-Biesterfeld-Weißenfeld | Leonhardt | Friedberg | Schelling | Schönstedt | Beseler | Spahn | Rosenfeld | Heine | Zehnhoff | Schmidt | Hölscher | Kerrl | Gürtner
2024-12-03 17:53:29
https://de.wikipedia.org/wiki/Hochwassermanagement
Mit dem Hochwassermanagement wird der Begriff des Hochwasserschutzes wesentlich erweitert; Hochwassermanagement trägt modernen Erkenntnissen Rechnung: Die wichtigsten Elemente verdeutlicht diese Übersicht: Wichtige Strategien des Hochwassermanagements sind: Im Rahmen eines Hochwasserflächenmanagements wird im Rahmen der Flächenvorsorge eine Sicherung von hochwassergefährdeten Flächen vorgenommen. Eine angepasste Nutzung der Flächen wird angestrebt. Dies setzt in der Regel umfassende Informationen über die Hochwassergefahr voraus, die heute über Hochwassergefahrenkarten zur Verfügung gestellt werden können. Mit dem Erhalt oder mit der Wiederherstellung von Retentionsräumen wird der Wasserrückhalt in der Fläche verbessert. In heute besiedelten Flächen ist diese Wiederherstellung meist nicht mehr möglich, jedoch kann hier durch die Beseitigung von versiegelten Flächen die Versickerungsfähigkeit der Böden verbessern werden. Vorhandene Infrastrukturen können durch Profilerweiterungen und den Bau von Deichen, Dämmen und Hochwasserrückhaltebecken vor Hochwasser eines geplanten Wasserstandes geschützt werden. Durch Anpassung der Bauweise und der baulichen Anlagen kann im Rahmen der „Bauvorsorge“ die Schadenshöhe im Hochwasserfall deutlich gemindert werden. Durch die „Verhaltensvorsorge“, d. h., durch Hochwasservorhersagen, durch Hochwasserwarnungen und durch planvolles Handeln während des Hochwassers können Schäden ebenfalls verringert werden, ebenso durch wiederholte Katastrophenschutzübungen. Für eventuell Betroffene besteht darüber hinaus die Möglichkeit, durch finanzielle Risikovorsorge die persönlichen Folgen der Schäden in erträglichen Grenzen zu halten.
2024-12-02 03:59:44
https://de.wikipedia.org/wiki/Uralskaja_Gorno-Metallurgitscheskaja_Kompanija
Uralskaja Gorno-Metallurgitscheskaja Kompanija ist ein russisches Bergbau- und metallurgisches Unternehmen mit Firmensitz in Werchnjaja Pyschma. UGMK ist ein Unternehmen, das verschiedene Metalle in Russland fördert, insbesondere Kupfer und Zink. Die geförderten Metalle werden von UGMK weiterverarbeitet, unter anderem zu Draht und zu Kathoden. Das Unternehmen wird von dem Usbeken Iskander Machmudow geleitet. UGMK entstand in den 1990er Jahren aus dem ehemaligen Kombinat Uralelektromed. Das Unternehmen ist seit 2000 Sponsor des international erfolgreichen Frauen-Basketballclubs UGMK Jekaterinburg. Im September 2013 wurde bekanntgegeben, dass UGMK 10 % der Anteile der Montanwerke Brixlegg von der Umcor AG übernommen hätte. Diese Meldung wurde erst im Jahr 2014 wieder dementiert. Ein Verkauf von Anteilen habe zu keinem Zeitpunkt stattgefunden, obgleich UGMK über einen langen Zeitraum auf der Website der Montanwerke als Miteigentümer genannt worden war. Im September 2013 wurde die Technische Universität der UGMK eröffnet.
2024-12-03 20:38:04
https://de.wikipedia.org/wiki/Leigh_Taylor-Young
Leigh Taylor-Young, geborene Young ist eine US-amerikanische Schauspielerin. Bevor die Künstlerin zum Film kam, besuchte sie die Northwestern University und studierte klassisches Ballett. Ehe sie ihr Filmdebüt 1968 mit Lass mich küssen deinen Schmetterling gab, spielte sie von 1966 bis 1967 in der US-Serie Peyton Place die Rolle der Rachel Welles. Es folgten zahlreiche Fernsehauftritte in Serien wie unter anderem in Fantasy Island, Love Boat, Hart aber herzlich, Perry Mason, Hotel, Harrys Nest, Mord ist ihr Hobby, Sunset Beach, Pretender, Beverly Hills, 90210. 1973 spielte sie im Film Jahr 2022… die überleben wollen, mit Charlton Heston, Edward G. Robinson, Chuck Connors und Joseph Cotten. Von 1987 bis 1989 spielte sie in Dallas die Kimberly Cryder. Einen Emmy gewann sie 1994 für ihre Rolle der Rachel Harris in Picket Fences – Tatort Gartenzaun. Von 2004 bis 2007 sah man sie in Passions als Katherine Barrett Crane. Leigh Taylor-Young war mit dem Produzenten Guy McElwaine und von 1967 bis 1973 mit dem Schauspieler Ryan O’Neal verheiratet. Der gemeinsame Sohn Patrick O’Neal war zeitweise mit der Schauspielerin Rebecca De Mornay verheiratet. Sie hat zwei Enkeltöchter. Ihre Geschwister sind die Schauspielerin Dey Young und der Regisseur Lance Young.